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	<title>CARTA &#187; Transaktionskosten</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Micropayments im Online-Journalismus: Kostenfalle Einzelverkauf</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Oct 2009 10:56:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robert G. Picard</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Einzelverkauf von Artikeln gilt vielen Zeitungsverlagen als praktikables Online-Gesch&#228;ftsmodell. Doch damit droht die Kostenfalle, denn das B&#252;ndelprodukt "Zeitung" wird im Netz aufgeschn&#252;rt. Was fehlt, ist die Frage: Was ist der Vorteil f&#252;r den Leser?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bestreben, nun endlich mit Online-Nachrichten Geld zu verdienen, setzen derzeit einige auf Zahlungspflicht f&#252;r einzelne Artikel, also auf Micropayments. Eine Reihe der f&#252;hrenden US-Verlage denkt &#252;ber ein gemeinsames Bezahlsystem nach. Es soll dem Leser mit einem einzigen Login erlauben, Zeitungsinhalte zu beziehen &#8211; und auch zu bezahlen.</p>
<p>Technisch ist so ein System relativ einfach umzusetzen. <strong>Das Kernproblem stellt vielmehr die richtige Preissetzung dar:</strong> Sie wird auf die Transaktionskosten des Systems und auf die teilweise erheblichen Unterschiede im &#246;konomischen Wert der  Artikel reagieren m&#252;ssen.</p>
<p>Zun&#228;chst einmal m&#252;sste ein gemeinsames Micropayment-System m&#246;glichst alle Zeitungstitel umfassen, um sich branchenweit durchsetzen zu k&#246;nnen. Da&#223; derzeit aber nur die Gro&#223;verlage ein solches System planen, zeigt bereits dessen Kostenproblem: Kleinere Zeitungen w&#252;rden mit ihren wenigen Online-Verk&#228;ufen den ganzen Aufwand unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig erh&#246;hen.</p>
<p>Ein Online-Abrechungssystem f&#252;r alle w&#252;rde genau in jene Kostenfalle laufen, der sich bislang noch jede Verwertungsgesellschaft gegen&#252;ber sah. Die Verwertungsgesellschaften mussten feststellen, dass die Kosten f&#252;r Verwaltung, Monitoring und Zuweisung der Verg&#252;tungen h&#228;ufig h&#246;her sind als die Betr&#228;ge selbst. Verwertungsgesellschaften funktionieren daher nur, wenn die gro&#223;en Rechteinhaber die kleinen subventionieren – und bestimmte Rechte nicht allzu genau abgerechnet werden. Ein detailliertes Monitoring aller relevanten Vorg&#228;nge w&#228;re gar nicht zu bezahlen. Auch ein gemeinsames Abrechungssystem f&#252;r alle US-Zeitungen w&#252;rde in diese Transaktionskostenfalle laufen.</p>
<p>Abrechnungssysteme sind auch in anderen Bereichen sehr teuer und aufw&#228;ndig: Beim Verkauf eines Handy-Klingeltons etwa bekommen Komponist, Interpret usw. nur rund 20 Prozent des Verkaufspreises. Beim digitalen Musikdownload erhalten alle, die mit dem Musikst&#252;ck zu tun haben – vom Komponist bis zur Plattenfirma – weniger als die H&#228;lfte des Verkaufspreises. Der Grund daf&#252;r liegt darin, dass die Verkaufs- und Transaktionskosten hier sehr hoch sind. Allein die Kosten f&#252;r die Nutzung von Kreditkarten erh&#246;hen die Kosten des H&#228;ndlers um 5 bis 7 Prozent.</p>
<p>Die Realit&#228;t dieser Kostenstrukturen wird sich auch in den Bezahlsystemen f&#252;r journalistische Inhalte niederschlagen. Am effizientesten f&#252;r Nutzer und Verlage w&#228;re eine Prepaid-L&#246;sung: Die Leser w&#252;rden ihr Konto aufladen und so die Zahl der Einzelbuchungen verringern. Zus&#228;tzlich k&#246;nnte man f&#252;r gelegentliche Nutzer auch die Zahlung per Kreditkarte anbieten. Dennoch m&#252;sste bei einem solchen System der einzelne Artikel zwischen zwei und zehn Dollar kosten, damit sich der Aufwand noch lohnt.</p>
<p>Das gr&#246;&#223;te Problem besteht allerdings darin, dass einige Artikel den Nutzern mehr wert sein werden als andere; einige Texte werden viel st&#228;rker nachgefragt sein als andere. Dies bedeutet, dass die Verlage bereits <em>im Vorhinein</em> entscheiden m&#252;ssten, welche Artikel in welche Kategorie fallen und welche Preise sie verlangen k&#246;nnen. Sie m&#252;ssten zus&#228;tzliches Personal anstellen, allein um vorab den Wert von Artikeln zu ermitteln – ein kompliziertes und kostspieliges Modell. Die einzig praktikable L&#246;sung w&#228;re hier, einen Durchschnittspreis festzulegen, wodurch die Inhalte freilich st&#228;ndig &#252;ber und unter Wert im Angebot w&#228;ren. Sehr unbefriedigend.</p>
<p><strong>Micropayments einzuf&#252;hren, kann also nicht einfach hei&#223;en, f&#252;r Inhalte Geld zu nehmen.</strong> Es l&#228;uft darauf hinaus, das gesamte Gesch&#228;ftsmodell von Zeitungen im Netz  von Grund auf umzubauen.</p>
<p>Bisher haben Zeitungen alle ihre Inhalte traditionell in einem einzigem Produkt zu einem einzigen Preis angeboten. Im klassischen Verkauf hat ein solches B&#252;ndelprodukt hervorragend funktioniert: Der Leser kauft mehr als er eigentlich will, aber zu einem insgesamt g&#252;nstigen Preis. Der Verlag kann durch die B&#252;ndelung die Verbreitungskosten auf eine Vielzahl von Inhalten umlegen. Zugleich kann er im B&#252;ndel h&#246;her- und minderwertige Artikel zusammen verkaufen – und erzielt dabei einen insgesamt h&#246;heren Preis. Zeitungen haben bislang aus solchen B&#252;ndelstrategien ihre Vorteile zu ziehen gewusst: indem sie die Seiten neben teuren Eigenproduktionen auch mit g&#252;nstigem Agenturmaterial und kostenlosen, &#246;ffentlich verf&#252;gbaren Inhalten gef&#252;llt haben.</p>
<p><strong>Durch das Internet wird das B&#252;ndelprodukt Zeitung aufgeschn&#252;rt.</strong> F&#252;r viele der eher minderwertigen Inhalte k&#228;me ein Einzelverkauf allerdings gar nicht infrage. Denn der Gro&#223;teil der redaktionellen Inhalte ist heutzutage von genau der Machart, bei dem echter Mehrwert aus Sicht des Lesers fehlt. Das Fatale aber an der Entb&#252;ndelung ist: Wenn der geb&#252;ndelte Verkauf aufh&#246;rt und &#252;berwiegend Einzelartikel verkauft werden, werden auch die Transaktionskosten steigen – und die Rentablit&#228;t sinken. Das Resultat werden h&#246;here Preise f&#252;r die Leser sein, was wiederum die Nachfrage sinken lassen wird. Der Einzelverkauf von Artikeln wird zudem den Druck erh&#246;hen, diejenigen Journalisten, die besonders hochwertige Inhalte produzieren, auch zus&#228;tzlich zu verg&#252;ten. Auch auf diesem Umweg k&#246;nnte der Einzelverkauf f&#252;r steigende Kosten sorgen.</p>
<p>Mit Journalismus im Netz Geld zu verdienen, verlangt daher mehr als einfach nur zu sagen: &#8220;Okay, wir nehmen jetzt mal Geld daf&#252;r&#8221;.  Man muss die ganze Wertsch&#246;pfungskette, die gesammte Art, wie Inhalte erzeugt und angeboten werden, &#252;berdenken. Und vor allem, sich mit der Frage besch&#228;ftigen: &#8220;Was hat der Leser davon?&#8221; – Eine Frage, die bislang kaum vorkam.</p>
<p>Die meisten Netzleser kaufen – zumindest in den USA – keine Zeitung. Wenn diese Nutzer nicht f&#252;r Nachrichten auf Papier bezahlen wollen, warum sollten sie es pl&#246;tzlich im Netz tun? Solange die Zeitungen darauf keine Antwort gefunden haben werden, wird jede Entscheidung f&#252;r Bezahlmodelle per Micropayment ungl&#252;cklich enden.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst auf Englisch bei <a href="http://themediabusiness.blogspot.com/2009/08/transaction-cost-problem-of-newspaper.html">The Media Business</a>. Deutsche &#220;bersetzung: David Pachali/ Robin Meyer-Lucht<br />
</em>
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