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	<title>CARTA &#187; TKP</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Warum sind Leser von Zeitungen sechs Mal so wertvoll wie Leser im Netz?</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 22:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anzeigen im Netz sind spottbillig, Anzeigen in der Zeitung dagegen sauteuer. Und die Verlage tun alles, damit das so bleibt. Eine aufschlussreiche Geschichte &#252;ber "lousy pennies"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/34b1336d3bed41b880610d15102c08d9" alt="" width="1" height="1" />Die meisten Artikel und Anzeigen in Zeitungen mit einer Auflage von mehreren hunderttausend Exemplaren werden selten von mehr als 10.000 Menschen gelesen. In Zeitschriften mit vergleichbarer Auflage d&#252;rften die Lese-Quoten sogar noch geringer sein. Anzeigen und Artikel werden &#252;berbl&#228;ttert und nur in Ausnahmef&#228;llen von einer Mehrheit der Zeitungsk&#228;ufer zur Kenntnis genommen. Wer Anzeigen in gedruckten Zeitungen schaltet, verf&#228;hrt also nach dem Gie&#223;kannenprinzip: Irgendein Wasserstrahl aus der Gie&#223;kanne wird sich schon zum erhofften Ziel verirren. Trotzdem zahlen die Firmen f&#252;r diese ineffektive Methode der Kundengewinnung Phantasiepreise. Der Grund: Es gab bislang keine andere M&#246;glichkeit, auf schnelle und einfache Weise an ein gro&#223;es Publikum zu gelangen.</p>
<p>Jetzt gibt es diese M&#246;glichkeit. Seit 10, 15 Jahren saugen sich die Pipelines des Internet mit Inhalten voll, und immer mehr Blogs und Medien versuchen, online zu existieren. Eine M&#246;glichkeit, solche Angebote zu finanzieren, w&#228;re Werbung. <strong>Aber die Print-Verlage, die ebenfalls Ableger im Netz betreiben, akzeptieren dort Anzeigenpreise, die einem die Schuhe ausziehen. Das verdirbt die Preise f&#252;r alle.</strong></p>
<p>Machen wir einen Vergleich: F&#252;r eine halbseitige <a href="http://marktplatz.zeit.de/angebote/uploads/mediadaten/preislisten/ZEIT_PL_2009-GWP.pdf">Vierfarbanzeige</a> in einer gedruckten Wochenzeitung mit einer verkauften Auflage von 500.000 Exemplaren zahlen Anzeigenkunden hierzulande 30.000 Euro. Die Anzeige erscheint z.B. im dritten Buch der Zeitung, sie ist eine unter vielen, und flei&#223;ige Copytester <a href="http://www.kinau-mediaforschung.de/anzeigencopytest.htm">erforschen</a>, wie und von wem sie wahrgenommen wird. Da die Zeitung vier Mal im Monat herauskommt, wird die Anzeige an zwei Millionen Zeitungsk&#228;ufer geliefert und laut (sehr schmeichelhafter) <a href="http://www.agma-mmc.de/03_forschung/die_media_analyse.asp?subnav=73&amp;topnav=10">Reichweitenerhebung</a> von <em>acht Millionen</em> <em>Lesern</em> „gelesen“. Also zahlt unser Anzeigenkunde exakt 15 Euro, um 1000 Leser dieser Zeitung zu erreichen (das ist der ber&#252;hmte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Kontakt-Preis">Tausend-Kontakt-Preis</a> &#8211; TKP &#8211; der in der Werbung eine entscheidende Rolle spielt). F&#252;r vier Anzeigen im Monat zahlt unser Anzeigenkunde (ohne Mengenrabatt) 120.000 Euro.</p>
<p>Im Internet w&#228;re seine Anzeige unter Umst&#228;nden prominenter platziert, so dass jeder, der die Seite anklickt, tats&#228;chlich mit der Anzeige konfrontiert wird (es sei denn, ein so genannter Adblocker w&#252;rde sie unterdr&#252;cken).</p>
<p>Den acht Millionen Lesern der Zeitung entsprechen acht Millionen Page Impressions<em> </em>im Netz. Da der TKP f&#252;r solche ‚mittelgro&#223;en’ Onlineangebote (das sind Seiten, die zwischen einer und 100 Millionen PIs pro Monat erzielen) bei 2,50 Euro liegt, kostet eine vergleichbare Internetanzeige 8.000 TKP x 2,5 Euro = 20.000 Euro. <strong>Das ist ein Sechstel des Printpreises</strong> (wobei anzumerken ist, dass der TKP bei Webseiten, die <a href="http://www.digital-media-trends.de/2008/05/nischen-sites-e.html">weniger</a> als eine Million PIs erzielen, sogar auf 50 Cent und darunter sinken kann. Solche Seiten kommen dann auf Werbeums&#228;tze von 150 oder 200 Euro im Monat!).</p>
<p>Wie kann es zu einem derart gewaltigen Preisunterschied bei Anzeigen kommen? <strong>Sind die Leser der gedruckten Zeitung tats&#228;chlich 6 Mal so wertvoll wie die Nutzer des Online-Angebots? Sind sie 6 Mal so kaufkr&#228;ftig und konsumfreudig?</strong> Ist der extreme Unterschied im Anzeigenpreis also gerechtfertigt? Oder gibt es andere Gr&#252;nde, warum die unversch&#228;mt niedrigen Online-Preise einfach so akzeptiert werden?</p>
<p>M&#246;glicherweise finden die gro&#223;en Verlage diese Dumpingpreise – trotz des &#246;ffentlichen Gejammers – ja ganz gut. Vielleicht sch&#228;tzen sie die „lousy pennies“, weil mit solchen Kleckerbetr&#228;gen eine vielf&#228;ltige und unabh&#228;ngige Medien-Konkurrenz gar nicht entstehen kann. Die Dumpingpreise im Internet sind die sichere Gew&#228;hr, dass die millionenschweren Werbeetats auch weiter in die teuren Printprodukte flie&#223;en. W&#252;rden Anzeigenkunden pl&#246;tzlich in Scharen ins Netz abwandern, k&#246;nnten die Change-Manager in den Presseh&#228;usern den Medien-Wandel nicht mehr steuern.</p>
<p>M&#246;glicherweise wissen viele Unternehmen nicht einmal, wie g&#252;nstig und zielgenau sie ihre Kunden im Netz erreichen k&#246;nnen. Sie wissen es nicht, weil die Werbeagenturen – die zwischen den gro&#223;en Werbe-Etats der Unternehmen und den Verlagen vermitteln – dieses Wissen nur ungern an die gro&#223;e Glocke h&#228;ngen. Sie w&#252;rden sich ja selbst schaden. Denn in lauter kleine Netz-H&#228;ppchen zerlegte Werbebudgets w&#252;rden nicht den Gewinn, sondern nur die Arbeit vermehren &#8211; und die eleganten Mad Men in st&#228;ndig klamme, hemds&#228;rmelige TKP-Online-Vermarkter verwandeln.</p>
<p><strong>Das weitgehende Monopol der Printverlage und der Werbeagenturen bei der Verteilung des Werbe-Kuchens kann aber nur aufrechterhalten werden,</strong> <strong>so lange das Internet keine begehrte Adresse ist.</strong> Das hei&#223;t: so lange die meist &#228;lteren, kulturkonservativen Firmenvorst&#228;nde so netzfremd bleiben wie heute. Und wie kann man ihre Netzfremdheit am besten konservieren? Indem die gedruckten Leitmedien das Internet weiter als minderwertig und Hort des B&#246;sen beschreiben: Es liegt ja im ureigenen Interesse.</p>
<p>W&#252;rden die Werbekunden aber begreifen, dass 30.000 Euro f&#252;r eine halbe Printseite zu viel, und 2,50 Euro f&#252;r tausend Klicks zu wenig sind, g&#228;be es schon morgen ein funktionierendes Gesch&#228;ftsmodell im Netz.
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