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	<title>CARTA &#187; Three Strikes</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 May 2012 10:09:46 +0000</lastBuildDate>
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		<title>&#8220;Urheberrechtskrieg&#8221;: Nutzerverfolgung ist out</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 22:12:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[B&#246;rsenvereinschef Alexander Skipis fordert ein Echtzeit-Warnsystem gegen illegale Downloader und zeigt damit, dass er im 'war on piracy' strategisch noch nicht ganz auf der H&#246;he ist. Sein amerikanischer Verbandskollege Tom Allen ist da weiter: Er hat "zero interest" an einer Verfolgung von Nutzern - und hat Kreditkartenunternehmen, Werbetreibende und das Domain-System als neue Hebel gegen Piraterie im Sinn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ae9043483b6b431293c90f3fbd5995b9" alt="" width="1" height="1" />Der Kontrast k&#246;nnte gr&#246;&#223;er kaum sein: Vorgestern erkl&#228;rte Alexander Skipis, Hauptgesch&#228;ftsf&#252;hrer des B&#246;rsenvereins des Deutschen Buchhandels, im <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/06/dlf_20101006_2347_e1d0ad67.mp3">Deutschlandfunk</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir m&#246;chten jedem, der ein Buch illegal herunterl&#228;dt, fast in gleicher Zeit eine Warnung zumailen, in der er auf legale Angebote hingewiesen wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Einen Tag sp&#228;ter erkl&#228;rte Tom Allen, Pr&#228;sident der Association of American Publishers, auf der <a href="http://storydrivefrankfurt.com/de/">StoryDrive</a>-Konferenz der Buchmesse:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir haben keinerlei Interesse (&#8220;zero interest&#8221;) Endnutzer zu verfolgen, die Dinge illegal herunterladen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nutzer verfolgen &#8211; oder lieber doch nicht? Mit der Digitalisierung der Buchindustrie versch&#228;rft sich der &#8216;Urheberrechtskrieg&#8217; (Der Titel &#8220;<a href="http://storydrivefrankfurt.com/conference/programme/the-war-on-piracy-all-together-maybe-another-day/">The war on piracy</a>&#8221; wurde von der Buchmesse selbst gew&#228;hlt) zweifelsohne. Die neuen Tablets erh&#246;hen nicht nur die  Attraktivit&#228;t digital  &#252;bertragener Inhalte im Allgemeinen, sondern insbesondere auch die  Attraktivit&#228;t illegal erworbener Inhalte. Die &#8216;Piraten&#8217; haben nun einen direkten und kosteng&#252;nstigen Zugang zum Endnutzer &#8211; von Servern, die irgendwo auf der Welt stehen.</p>
<p>Wer beim schwungvollen Austausch illegaler Dateien heute noch vor allem an Peer-to-Peer-Filesharing (P2P) denkt, verkennt hingegen die Entwicklung: Nach <a href="http://www.cisco.com/en/US/solutions/collateral/ns341/ns525/ns537/ns705/ns827/white_paper_c11-481360_ns827_Networking_Solutions_White_Paper.html">Prognosen des Netzwerkherstellers Cisco</a> wachsen derzeit vor allem die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sharehoster">Filehoster</a> &#8211; und zwar mit fast 50 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2014 w&#252;rden Filehoster vorraussichtlich rund 4 Exabytes pro Monat (4 Billiarden Megabytes) ausliefern. Der P2P-Anteil am Internetverkehr werde hingegen von 39 Prozent im Jahr 2009 auf 14 Prozent im Jahr 2014 sinken, so Cisco.</p>
<p>Filehoster haben sich f&#252;r den Nutzer als &#8220;praktischere Alternative&#8221; erwiesen, wie die Macher von <a href="http://www.link-busters.com/">Link-Busters</a>, einer Anti-Piracy-Firma unumwunden zugeben. Dateien von Filehostern k&#246;nnten anonym, schnell und ohne zus&#228;tzliche Software heruntergeladen werden. Die Links lie&#223;en sich zudem leicht in Suchmaschinen finden, wie man in ihrer Brosch&#252;re nachlesen kann. Die &#8220;Link-Buster&#8221; machen ihr Gesch&#228;ft damit, dass sie Filehoster auffordern, illegale Dateien von ihren Servern zu l&#246;schen. Ein Katz-und-Maus-Spiel um Urheberrechte, das der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Millennium_Copyright_Act">Digital Millennium Copyright Act</a> geschaffen hat &#8211; und das <a href="http://sixtus.cc/in-sachen-gvu">bekanntlich auch schief gehen kann</a>.</p>
<p>&#8220;Wen ein Nutzer eine Datei von einem Filehoster herunterl&#228;dt, dann ist das eine 1:1-Verbindung, fast wie ein Telefongespr&#228;ch. Die l&#228;sst sich mit realistischem Aufwand &#252;berhaupt nicht &#252;berwachen &#8211; es sei denn, man zapft die Leitung an&#8221;, sagt einer der beiden Link-Busters-Macher, der seinen Namen hier lieber nicht lesen will. Es sei daher auch wenig realistisch anzunehmen, man k&#246;nnte Nutzer nach einem Filehoster-Download unmittelbar kontaktieren.</p>
<p>Dies w&#252;rde eine Voll&#252;berwachung des Internets voraussetzen &#8211; die nicht nur v&#246;llig &#252;berzogen sei (&#8220;Von einem Club-Besitzer k&#246;nnen Sie auch nicht verlangen, dass er von jedem Besucher Blut abnimmt, um den Drogenkonsum in seiner G&#228;ste zu kontrollieren&#8221;), sondern auch viel zu teuer, so der Link-Buster-Manager nicht frei von Gesch&#228;ftssinn.</p>
<p>Die oben skizzierte Nutzerwarnidee ist somit bei Filehoster-Nutzern praktisch fast unm&#246;glich. Viele Kommentatoren schlie&#223;en daraus, dass das Urheberrecht zu einer Art Illusion der Inhalteindustrie verkommen sei. Der Autor Cory Doctorow <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/blog/2010/oct/05/free-online-content-cory-doctorow">schrieb</a> dazu k&#252;rzlich im Guardian:</p>
<blockquote><p>&#8220;People won&#8217;t stop learning to type &#8220;Toy Story 3 bittorrent&#8221; into Google. Anyone who claims otherwise is selling something – generally some kind of unworkable magic anti-copying beans that they swear, this time, will really work.&#8221;</p></blockquote>
<p>Unworkable magic? Verlagsvertreter Tom Allen sieht das naturgem&#228;&#223; anders. Der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete hat neue Hebel identifiziert, bei denen die &#8220;Toy Story 3 bittorrent&#8221; tippenden Teenager gar nicht mehr vorkommen. Allen will an drei anderen Punkten ansetzen: Kreditkartenunternehmen, Anzeigenkunden und Internetzugangsprovider.</p>
<div id="attachment_34887" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/tomallen1.jpg"><img class="size-medium wp-image-34887" title="tomallen1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/tomallen1-300x190.jpg" alt="" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Verlagsvertreter Tom Allen: &quot;zero interest&quot; an der Verfolgung von Endnutzern</p></div>
<p>Allen treibt in den USA eine Regelung voran, wonach Websites, die &#8220;systematisch Urheberrechte verletzen&#8221; von der Regierung und/oder Gerichten auf eine Liste von &#8220;rogue sites&#8221; gesetzt werden k&#246;nnen &#8211; wobei die metaphorische N&#228;he von &#8216;rogue site&#8217; zu &#8216;rogue state&#8217; kein Zufall sein d&#252;rfte.</p>
<p>Anzeigenkunden und Kreditkartenunternehmen soll es nach Allens Pl&#228;nen nicht mehr erlaubt sein, mit &#8220;rogue sites&#8221; zusammenzuarbeiten. Internetserviceprovider sollen den Zugang zu &#8220;rogue sites&#8221;-Domains erschweren &#8211; &#228;hnlich den Pl&#228;nen, wie es sie <a href="http://www.domain-recht.de/magazin/domain-news-2010/cybercrime-zentrum-eu-plant-domain-sperre-id667718.html">auch auf EU-Ebene gibt</a> (wobei unklar ist, ob die Link-Kommunkation dann in Zukunft nicht einfach mit der IP-Adresse arbeiten w&#252;rde).</p>
<p>Die Endnutzer blendet Allens Strategie aus. Ihm geht es vor allem darum, die Gesch&#228;ftsmodelle der &#8216;Piraten&#8217; zu behindern, in dem ihre Zahlungsfl&#252;sse und der Domain-Zugang erschwert werden.</p>
<p>Allens Strategie ist erkennbar ausgereifter als die Forderungen von Skipis. Zugleich sind die Ansatzpunkte f&#252;r die Durchsetzung von Urheberrechten im Filehoster-Umfeld vielf&#228;ltiger als es Doctorow und andere wahrhaben m&#246;chten. Ob Allens Ans&#228;tze deshalb weniger vergeblich sind, ist allerdings noch nicht gekl&#228;rt.</p>
<p>Die Wirkung von Tom Allens Forderungen ist damit vor allem eine politische: Sie halten den Streit um m&#246;gliche Sanktionen gegen Urheberrechtsverletzungen offen. Wo die Forderung nach Instant-Nutzerwarnungen noch technisch naiv wirkte, hat Allen nachger&#252;stet und realit&#228;tsn&#228;here Hebel identifiziert.</p>
<p>Ganz so schnell, wie der tobende Doctorow vielleicht gehofft hatte, gibt die Urheberrechtsseite also nicht auf. Nat&#252;rlich nicht &#8211; wenn eine Seite aufgeben w&#252;rde, w&#228;re der &#8216;war on piracy&#8217; ja zu Ende.</p>
<p><em><a href="http://www.buchmesse.de/blog/de/2010/10/08/neue-ideen-fur-den-%E2%80%9Curheberrechtskrieg%E2%80%9D/">Crosspost aus dem Buchmesse-Blog</a></em>.</p>
<p>Hinweis: Am Samstag wird sich auch die Tagung <a href="http://netzregeln.mixxt.de/">Netz:Regeln</a> in Berlin mit diesem Thema befassen.
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34877/urheberrechtskrieg/">&#8220;Urheberrechtskrieg&#8221;: Nutzerverfolgung ist out</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34877/urheberrechtskrieg/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34877&amp;md5=1778c9c376deba0387efb677fe98485d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Internet-Zugangssperren: W&#228;re &#8220;Three-Strikes&#8221; in Deutschland verfassungsgem&#228;&#223;?</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 11:42:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Udo Fink</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zugangssperren nach dem "Three-Strikes"-Modell w&#228;ren auch in Deutschland verfassungsrechtlich bedenklich. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Udo Fink von der Johannes-Gutenberg-Universit&#228;t Mainz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b1af9c12984cb6d43a06bc2a927da4" width="1" height="1" alt=""/>Vertreter der Film-, Musik- und Softwareindustrie schauen dieser Tage gespannt nach Frankreich. Dort &#252;berarbeitet man gegenw&#228;rtig fieberhaft das „Gesetz zur F&#246;rderung der Verbreitung und des Schutzes k&#252;nstlerischen Schaffens im Internet“. Mit diesem Gesetz – <strong>Loi Hadopi</strong><sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_0_13113" id="identifier_0_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Loi n&deg;2009-669 du 12 juin 2009 favorisant la diffusion et la protection de la cr&eacute;ation sur internet">1</a></sup> – hatte man eine M&#246;glichkeit geschaffen, Wiederholungst&#228;tern, die illegal Musik u.a. aus dem Netz herunterladen, zeitweise den Zugang zum Internet zu sperren. Hierzu war sogar eine eigene „Hohe Beh&#246;rde f&#252;r die Verbreitung geistigen Eigentums und Rechtsschutz im Internet“ geschaffen worden, unter deren &#196;gide die Verfahren gegen die unbelehrbaren Urheberrechtsverletzer ablaufen sollten.</p>
<p>In der Grande Nation, nicht der einzigen, wohl aber der prominentesten Vertreterin des „Three Strikes and you are out“-Ansatzes<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_1_13113" id="identifier_1_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. auch Section 92A des New Zealand Copyright Act. Bisweilen wird auch von Olivenne-Sperren gesprochen. Dies geht auf den Generaldirektor der FNAC, dem gr&amp;#246;&amp;#223;ten H&amp;#228;ndler kultureller und elektronischer Unterhaltungsprodukten in Frankreich Denis Olivenne zur&amp;#252;ck. Unter seiner Vermittlung hatten sich bereits 2007 einige Provider vertraglich dazu verpflichtet, mit den Rechteinhabern st&amp;#228;rker zu kooperieren.">2</a></sup> zum Schutz der Urheberrechte, sorgte dann eine Entscheidung des <em>Conseil Constitutionnel</em> vom 10. Juni 2009 f&#252;r Aufsehen. <strong>Der Verfassungsrat erkl&#228;rte einige Bestimmungen des besagten Gesetzes f&#252;r verfassungswidrig.</strong></p>
<p>Er stellte unter anderem fest, dass die <strong>Meinungsfreiheit</strong> nach Artikel 11 der Menschen- und B&#252;rgerrechtserkl&#228;rung von 1789 verletzt ist.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_2_13113" id="identifier_2_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dort hei&amp;#223;t es: &bdquo;Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte. Jeder B&amp;#252;rger kann also frei schreiben, reden und drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit f&amp;#252;r den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten F&amp;#228;llen&ldquo;">3</a></sup> In Anbetracht der allgemeinen Verbreitung von Online-Kommunikationsdiensten, sowie der Bedeutung, die diese Dienste f&#252;r die demokratische Mitwirkung und den Ausdruck von Gedanken und Meinungen besitzen, sei der Zugang zu diesen Diensten &#252;ber Artikel 11 gesch&#252;tzt. Vom Tisch ist das Gesetz damit nicht. Es wird gegenw&#228;rtig &#252;berarbeitet und den Vorgaben des Verfassungsrates entsprechend angepasst. Dieser hatte insbesondere das Fehlen einer richterlichen &#220;berpr&#252;fung vor Ausspruch einer Internetsperre moniert.</p>
<p>Das franz&#246;sische Konzept als Modell f&#252;r ein entsprechendes Gesetz in Deutschland? Rechtstechnisch m&#252;ssten die Provider in der Tat durch Gesetz dazu verpflichtet werden, ihren Kunden bei Rechtsverletzungen den Internetzugang zu kappen. Ein System freiwilliger Selbstkontrolle auf vertraglicher Basis ist weder effektiv noch wettbewerbsrechtlich unproblematisch. W&#228;re ein derartiges Gesetz verfassungskonform?</p>
<p><strong>Die verfassungsrechtliche Lage</strong></p>
<p>Betroffene Rechtstr&#228;ger sind der <em>Kommunizierende</em> (Uploader), der <em>Rezipient </em>(Downloader) sowie der <em>Vermittler</em> (Access-Provider). Auf der <strong>Empf&#228;ngerseite</strong> kommt eine Verletzung von<strong> </strong><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_10.html">Artikel 10</a>, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html">Artikel 5</a>, sowie <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html">Artikel 2 Abs. 1</a> in Verbindung mit <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_1.html">Artikel 1 Abs.<strong> </strong>1</a> des Grundgesetzes in Betracht. Entgegen einer verbreiteten Ansicht in der Literatur ist der Schutzbereich des Grundgesetzartikels 10 beim Abruf &#246;ffentlich zug&#228;nglicher Webseiten nicht betroffen. Dieser sch&#252;tzt in der analogen wie in der digitalen Welt nur die Individualkommunikation, im Internet also etwa die Kommunikation &#252;ber <em>Voice over IP</em>.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_3_13113" id="identifier_3_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Gusy in v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, Art. 10 Rn. 43; BVerfG 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07, Urteil vom 27. Februar 2008, Rn. 182. ">4</a></sup></p>
<p>Sehr wohl tangiert ist dagegen der <strong>Schutzbereich der Kommunikations- und Informationsfreiheit</strong>.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_4_13113" id="identifier_4_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG">5</a></sup>  Teil der Meinungs&#228;u&#223;erungs- und Meinungsverbreitungsfreiheit ist, dass der &#196;u&#223;ernde selbst bestimmt, wie weit die Meinung verbreitet wird. Teil dieser Selbstbestimmung ist also, seiner &#196;u&#223;erung einen m&#246;glichst gro&#223;en Wirkungskreis zu sichern, indem er sich eines Massenmediums bedient.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_5_13113" id="identifier_5_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Wahl einer Pressever&amp;#246;ffentlichung vgl. BVerfG, NJW 2003, S. 1109.">6</a></sup> Zudem greift die – auch zeitweise – Sperrung des Informationswegs Internet, einer allgemein zug&#228;nglichen Quelle<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_6_13113" id="identifier_6_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG">7</a></sup> , in den Schutzbereich der Informationsfreiheit ein.</p>
<p>Denkbar ist schlie&#223;lich, in einer Sperrung zugleich das vom Bundesverfassungsrecht „entwickelte“ Grundrecht auf <strong>Gew&#228;hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme</strong> ber&#252;hrt zu sehen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_7_13113" id="identifier_7_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als Teil des allgemeinen Pers&amp;#246;nlichkeitsrechts, Artikel 2 Abs. 1 i.V.m. Artikel 1 Abs. 1 GG. Vgl. die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Februar 2008. Man m&amp;#252;sste dann freilich unterstellen, dass das Internet ein System in diesem Sinne darstellt. Bejahend BVerfG, 1 BvR 370/07, Absatz-Nr. (4).">8</a></sup> Schrankenlos gew&#228;hrleistet sind die bezeichneten Rechte freilich nicht.</p>
<p><strong>Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Gesetzes</strong></p>
<p>Ein Three-Strikes-Gesetz m&#252;sste aber als diese Freiheiten einschr&#228;nkendes Gesetz verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig, d.h. geeignet, <strong>erforderlich und angemessen sein, den legitimen Zweck</strong> – den Schutz der Rechteinhaber <strong>–</strong> <strong>zu erreichen.</strong><sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_8_13113" id="identifier_8_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie k&amp;#246;nnen sich auf den Schutz des Eigentums, Art. 14 GG berufen">9</a></sup> Eine grunds&#228;tzliche Eignung des Gesetzes, illegale Downloads zumindest zu verringern, wird man bejahen k&#246;nnen. Bei der Erforderlichkeit muss man sich die Frage stellen, ob nicht andere, mildere Mittel gleich effektiv w&#228;ren. Denkbar w&#228;re hier etwa das Abregeln der Internetverbindung auf einen Datendurchsatz, der das Surfen im Web weiter erlaubt, den Download gro&#223;er Dateien aber zu einer langwierigen Angelegenheit werden l&#228;sst. Angemessen, d.h. verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig im engeren Sinne ist die Ma&#223;nahme dann, wenn eine Abw&#228;gung zwischen der Informations- und Kommunikationsfreiheit der Rezipienten und den Eigentumsrechten der Urheberrechtsinhaber ergibt, dass der Schutz der Letztgenannten &#252;berwiegt.</p>
<div id="attachment_13201" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/jmt/3555913931/"><img class="size-medium wp-image-13201" title="Grundgesetz" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/08/gg-300x199.jpg" alt="gg" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Grundgesetzlekt&#252;re: &quot;Nach alledem w&#228;re ein Gesetz nach franz&#246;sischer Vorgabe verfassungsrechtlich bedenklich.&quot;  (Foto: JM Tosses, CC-by-nc)</p></div>
<p>Letztlich kommt es hier auf die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes an. Ein Gesetzesentwurf liegt bis dato nicht vor. Ob der mit dem Three-Strikes Ansatz verbundene Automatismus aber &#252;berhaupt verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig sein kann, l&#228;sst sich mit guten Gr&#252;nden bezweifeln. Zu Recht wird das Konzept in den Vereinigten Staaten, dort findet es sich u.a. im Strafgesetzbuch Kaliforniens,<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_9_13113" id="identifier_9_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Section 667 (e) (2) (a) California Penal Code.">10</a></sup> heftig kritisiert.</p>
<p><strong>Dem Three-Strikes Ansatz ist wesensimmanent, dass eine einzelfallorientierte Gesamtabw&#228;gung gerade nicht angestellt wird.</strong> Dies mag auf dem Baseballplatz funktionieren, f&#252;r den die Regel urspr&#252;nglich ja auch entwickelt worden ist. Als strafrechtliches Konzept taugt sie nicht, da sie zu einem „fixed and mechanical sentencing“ f&#252;hrt. Weshalb sie als <strong>quasistrafrechtliche Ma&#223;nahme</strong> – und nichts anderes ist das Sperren eines Internetzugangs – zul&#228;ssig sein soll, erschlie&#223;t sich nicht. Die Verh&#228;ngung eines „Internet-Fahrverbots“ k&#246;nnte konsequenterweise ohnehin <strong>nur durch ein Gericht</strong> angeordnet werden, d.h. die in Frankreich vor der Entscheidung des Verfassungsrates geltende Gesetzeslage w&#228;re so auch in der Bundesrepublik Deutschland nicht machbar. Die mit einer m&#246;glichen Institutionalisierung einer „Internet-Verkehrss&#252;nderpunktekartei“ (bei den Providern oder an zentraler Stelle?) einhergehenden datenschutzrechtlichen Fragen w&#252;rden den Raum dieses Problemaufrisses sprengen.</p>
<p>Weiter ist zu bedenken, dass die &#220;bernahme des franz&#246;sischen Modells <strong>Einsch&#252;chterungseffekte</strong> („chilling effects“) mit sich bringen kann. Aus Angst, vom Provider gemahnt zu werden oder gar den Internetzugang zu verlieren, k&#246;nnten User davon abgehalten werden, auch legale Inhalte aus dem Internet zu laden und von ihrer Informationsfreiheit Gebrauch zu machen. Der User m&#252;sste sich, wollte er sich seines Anschlusses sicher sein, bei Zweifeln &#252;ber die Urheberschaft und den rechtlichen Status der Datei immer gegen den Download entscheiden. Offen ist schlie&#223;lich, wie ein solches Verbot technisch umgesetzt werden kann, wenn der User Internet, Telefonanschluss und Kabelfernsehen &#252;ber einen einzigen Anbieter erh&#228;lt (<em>Triple Play</em>).</p>
<p>Auf der <strong>Vermittlerseite</strong> kommt eine Verletzung des Grundrechts in Betracht, seinen <strong>Beruf</strong> frei und ohne Vorgaben von Dritten aus&#252;ben zu d&#252;rfen (<a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_12.html"><strong>Art. 12 GG</strong></a>). Auch diese Freiheit ist nicht schrankenlos gew&#228;hrleistet und kann durch hinreichende Gr&#252;nde des allgemeinen Wohls begrenzt werden. Den Eigentumsrechten der Urheber steht dabei allerdings das Interesse der Provider gegen&#252;ber, keine f&#252;r sie kostspieligen Mechanismen einzuf&#252;hren, um Rechtsverst&#246;&#223;e zu ahnden, an denen sie selbst nur dadurch beteiligt sind, dass sie eine Infrastruktur zur Verf&#252;gung stellen.<strong> Nach alledem w&#228;re ein Gesetz nach franz&#246;sischer Vorgabe verfassungsrechtlich bedenklich.</strong></p>
<p><strong>Haftung des Access-Providers</strong></p>
<p>Letztlich w&#252;rde mit einem solchen Gesetz auch die Konzeption der geltenden Access-Providerhaftung ganz grundlegend ver&#228;ndert werden. Der Access-Provider ist nach dem Telemediengesetz f&#252;r fremde Informationen grunds&#228;tzlich nicht verantwortlich und nicht verpflichtet, die von ihm &#252;bermittelten oder gespeicherten Informationen zu &#252;berwachen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_10_13113" id="identifier_10_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 8 TMG">11</a></sup> Auch muss er nicht nach Umst&#228;nden forschen, die auf eine rechtswidrige T&#228;tigkeit hinweisen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_11_13113" id="identifier_11_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 7 Abs. 2 Satz 1 TMG">12</a></sup></p>
<p><strong>Grunds&#228;tzlich haftet der Provider also nicht f&#252;r Rechtsverletzungen, die seine Kunden begehen.</strong> Abweichend von dieser Privilegierung bleiben Provider gem&#228;&#223; aber zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen verpflichtet, wenn sie diesbez&#252;glich Kenntnis erlangt haben.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_12_13113" id="identifier_12_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 7 Abs. 2 Satz 2 TMG">13</a></sup> Diese Vorschrift erlaubt danach den R&#252;ckgriff auf die allgemeinen Grunds&#228;tze der St&#246;rerhaftung. Die Rechtsprechung zu der Frage, wann genau dies der Fall ist und welche Ma&#223;nahmen den Providern abverlangt werden k&#246;nnen, folgt allerdings noch keiner festen Linie.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_13_13113" id="identifier_13_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der BGH hat wiederholt festgestellt, dass die Haftungsprivilegierung nicht f&amp;#252;r den Unterlassungsanspruch bei der Verletzung von Immaterialg&amp;#252;terschutzrechten gilt. BGH, Urteil v. 11.03.2004, Az. I ZR 304/01; BGH, Urteil v. 19.04.2007, Az. I ZR 35/04; BGH, Urteil v. 27.03.2007, Az. VI ZR 101/06.">14</a></sup> Bis dato wurde lediglich diskutiert, ob die Sperrung urheberrechtswidriger Webseiten f&#252;r Access Provider zumutbar ist.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_14_13113" id="identifier_14_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Verneinend LG Hamburg, Urteil v. 12.11.2008, Az. 308 O 548/08">15</a></sup></p>
<p>Das Sperren des gesamten Internetzugangs hat eine ganz neue Qualit&#228;t und verlangt den Providern weit mehr ab, als sie bisher von Gesetzes wegen verpflichtet waren. Es handelt sich nach dem Zugangserschwerungsgesetz um den neuerlichen Versuch, ein Medium zu steuern, das regulierungsresistent zu sein scheint. So begr&#252;&#223;enswert die Motive dieser Ans&#228;tze sein m&#246;gen, so deutlich ist darauf zu achten, dass mit diesen Ma&#223;nahmen keine <strong>au&#223;er Verh&#228;ltnis stehende Grundrechtskollateralsch&#228;den </strong>verbunden sind.
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_13113" class="footnote">Loi n°2009-669 du 12 juin 2009 favorisant la diffusion et la protection de la création sur internet</li><li id="footnote_1_13113" class="footnote">Vgl. auch Section 92A des <em>New Zealand Copyright Act</em>. Bisweilen wird auch von Olivenne-Sperren gesprochen. Dies geht auf den Generaldirektor der FNAC, dem gr&#246;&#223;ten H&#228;ndler kultureller und elektronischer Unterhaltungsprodukten in Frankreich Denis Olivenne zur&#252;ck. Unter seiner Vermittlung hatten sich bereits 2007 einige Provider vertraglich dazu verpflichtet, mit den Rechteinhabern st&#228;rker zu kooperieren.</li><li id="footnote_2_13113" class="footnote">Dort hei&#223;t es: „Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte. Jeder B&#252;rger kann also frei schreiben, reden und drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit f&#252;r den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten F&#228;llen“</li><li id="footnote_3_13113" class="footnote">Vgl. Gusy in v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, Art. 10 Rn. 43; BVerfG 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07, Urteil vom 27. Februar 2008, Rn. 182. </li><li id="footnote_4_13113" class="footnote">Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG</li><li id="footnote_5_13113" class="footnote">Zur Wahl einer Pressever&#246;ffentlichung vgl. BVerfG, NJW 2003, S. 1109.</li><li id="footnote_6_13113" class="footnote">Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG</li><li id="footnote_7_13113" class="footnote">Als Teil des allgemeinen Pers&#246;nlichkeitsrechts, Artikel 2 Abs. 1 i.V.m. Artikel 1 Abs. 1 GG. Vgl. die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Februar 2008. Man m&#252;sste dann freilich unterstellen, dass das Internet ein System in diesem Sinne darstellt. Bejahend BVerfG, 1 BvR 370/07, Absatz-Nr. (4).</li><li id="footnote_8_13113" class="footnote">Sie k&#246;nnen sich auf den Schutz des Eigentums, Art. 14 GG berufen</li><li id="footnote_9_13113" class="footnote">Section 667 (e) (2) (a) California Penal Code.</li><li id="footnote_10_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__8.html">§ 8 TMG</a></li><li id="footnote_11_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__7.html">§ 7 Abs. 2 Satz 1 TMG</a></li><li id="footnote_12_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__7.html">§ 7 Abs. 2 Satz 2 TMG</a></li><li id="footnote_13_13113" class="footnote">Der BGH hat wiederholt festgestellt, dass die Haftungsprivilegierung nicht f&#252;r den Unterlassungsanspruch bei der Verletzung von Immaterialg&#252;terschutzrechten gilt. BGH, Urteil v. 11.03.2004, Az. I ZR 304/01; BGH, Urteil v. 19.04.2007, Az. I ZR 35/04; BGH, Urteil v. 27.03.2007, Az. VI ZR 101/06.</li><li id="footnote_14_13113" class="footnote">Verneinend LG Hamburg, Urteil v. 12.11.2008, Az. 308 O 548/08</li></ol><p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
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