<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>CARTA &#187; Thorsten Schäfer-Gümbel</title>
	<atom:link href="http://carta.info/tag/thorsten-schaefer-guembel/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://carta.info</link>
	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 23:19:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Hessenwahl: Nicht Kompetenz, sondern Konzilianz gewinnt</title>
		<link>http://carta.info/4368/hessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt/</link>
		<comments>http://carta.info/4368/hessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Jan 2009 13:50:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Roland Koch]]></category>
		<category><![CDATA[Thorsten Schäfer-Gümbel]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=4368</guid>
		<description><![CDATA[Ausgerechnet die Kriterien, die Ypsilanti 2008 zum Wahlsieg &#252;ber Koch verhalfen, haben der SPD diesmal die h&#246;chste Wahlniederlage in Hessen beschert. Ein Treppenwitz der hessischen Wahlgeschichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Hessen haben beim Start ins Superwahljahr 2009 nur scheinbar die Politik in Hessen gew&#228;hlt. Nat&#252;rlich spielten auch die Polarisierungsqualit&#228;ten eines Roland Koch eine Rolle, ebenso wie die Konzeptlosigkeit der SPD, wie Frustw&#228;hler zugunsten der Linken, Regierungssicherheit durch die FDP und das hohe Ansehen des Gr&#252;nen Tarek Al-Wazirs.</p>
<p>Tats&#228;chlich jedoch ist die Hessenwahl Ausdruck eines neuen, erheblich ver&#228;nderten Wahlverhaltens der Deutschen: Roland Koch ist nicht wie z.B. 2003 wegen seiner hohen Wirtschafts- und Arbeitsmarktkompetenz, die eigentlich in Krisenzeiten besonders gesch&#228;tzt wird, zum Ministerpr&#228;sidenten gew&#228;hlt worden, sondern weil die Wahl fast ausschlie&#223;lich dazu diente, die hessische Wende SPD f&#252;r ihren Wendehalskurs zum Zwecke der Macht zu bestrafen. Im Klartext: Waren Jahrzehnte lang Kompetenz in Wirtschafts- und Arbeitsmarkt die Erfolgstreiber, so sind wie schon vor 100 Tagen in Bayern diese „harten“ Kriterien durch „weiche“ wie <strong>Zuverl&#228;ssigkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit und B&#252;rgerwohl </strong>abgel&#246;st worden. Nur noch knapp mehr als jeder zweite Hesse hat am Sonntag die Partei seiner &#220;berzeugung, &#252;ber 40 Prozent dagegen aus Entt&#228;uschung eine andere als im Normalfall gew&#228;hlt. Der „Y-Faktor“ hat das Wahlverhalten – nicht nur in Hessen sondern auch bundesweit &#8211; stark ver&#228;ndert! Aus „Pro-Wahlen“ werden immer h&#228;ufiger „Kontra-Wahlen“.</p>
<p>Das Hessen-Paradoxon: <strong>Ausgerechnet die Kriterien, die Ypsilanti  2008 zum Wahlsieg &#252;ber Koch verhalfen, haben der SPD diesmal die h&#246;chste Wahlniederlage in Hessen beschert</strong>. Dagegen wirkte Koch l&#228;ngst nicht mehr als der Spalter, Stratege und k&#252;hle Berechner fr&#252;herer Zeiten. Er bekam nur „ein bisschen“ Denkzettel, weil viele CDU – Abtr&#252;nnige zum bereits vorher feststehenden Koalitionspartner FDP wechselten.</p>
<p>Hessen hat den schon in Bayern wirksam gewordene Paradigmenwechsel beim Wahlentscheid best&#228;tigt: Nicht mehr &#214;konomie sondern Psychologie wird gew&#228;hlt. <strong>Nicht Kompetenz sondern Konzilianz</strong>. Nicht Sachpolitik sondern Ver-trauen. Kein Politiker hat gegen diese Regel deutlicher versto&#223;en, als Andrea Ypsilanti. Quittung statt Leistung war in Hessen das herausragende Wahlmotiv.</p>
<p>Da bedurfte es kaum mehr eines Wahlkampfes: Hessen zeigte, dass Kampagnen, &#252;berbordende Plakatierung, hektische Spin-Doktor-Aktivit&#228;ten, Kandidatenduelle sowie erbitterte Meinungsforschungsschlachten &#252;berfl&#252;ssig werden, wenn der Urnengang so eindeutig von einem <strong>gef&#252;hlten Thema</strong> beherrscht wird.</p>
<p>Wahlen, die letzten in Hessen und  Bayern zeigten das deutlich, werder st&#228;rker zu „<strong>Quittungswahlen</strong>“. Da ist jede Kampagne zwecklos, weil die W&#228;hler erst dann wieder zu ehrlichen Auseinandersetzung um Sachthemen bereit sind, wenn die „<strong>Schurken</strong>“ (hier: Schurkin) ihre „gerechte Strafe“ bekommen haben. Das war bei Roland Koch vor einem Jahr so, vor vier Monaten bei der arrogant abgehobenen CSU, nun bei der SPD im Ypsilanti-Syndrom nicht anders &#8211; wobei der w&#252;rdelose Umgang mit den SPD-Rebellen genauso entscheidend war, wie die Linksvolte.</p>
<p>Sp&#228;testens nach dem „Outing“ der vier „SPD – Rebellen“ hatte die SPD nur noch eine Minimalchance: Die eines vorbedingungslosen, unwiderruflichen R&#252;cktritt Andrea Ypsilant von allen politischen &#196;mtern. So aber verst&#228;rkte der verzweifelte „Wo-bleib-ich“ &#8211; Kampf der Spitzern-Genossin das „So-nicht“ als herausragendes Wahlmotiv. Erst recht, als die SPD in Umfragen auf 25 Prozent gefallen war und immer noch keine Reaktionen zeigte.</p>
<p>Hessen sp&#252;rte, dass „Links“ l&#228;ngst nicht mehr die Mehrheit besa&#223;, dass es beim ungeschickten Taktieren der SPD nur noch um Macht, <strong>l&#228;ngst nicht mehr um  W&#228;hlerinteressen</strong> ging. Nichts wirkt sich verheerender aus als der Eindruck, eigener Machtgewinn und Parteiinteresse st&#252;nden &#252;ber B&#252;rgerwohl.</p>
<p>Dass Unaufrichtigkeit und W&#228;hlerinstrumentalisation, noch vor einem Jahr f&#252;r Kochs Wahldesaster verantwortlich,  nun pl&#246;tzlich zum Grund der h&#246;chsten SPD – Niederlage in Hessen wurde, ist der <strong>Treppenwitz der hessischen Wahlgeschichte</strong>.</p>
<p>Da W&#228;hler Politik immer relativ („<strong>kleinere &#220;bel</strong>“) bewerten,  punktete Roland Koch selbst in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise weniger mit seiner unzweifelhaften Wirtschaftskompetenz. Der f&#252;r viele gel&#228;uterte, sich zur&#252;cknehmende, pl&#246;tzliche <strong>B&#252;rgerversteher Koch</strong> galt im Vergleich zu Ypsilanti pl&#246;tzlich als der vertrauensvollere Politiker, auch wenn viele Hessen sich fragten, welcher Koch denn nun der richtige sei. Mit seinem: „Ich habe verstanden!“,  ist Koch wieder auferstanden.</p>
<p>Immerhin sind sich die meisten Hessen sicher: Mit dem Gel&#228;uterten wird es keine Studiengeb&#252;hren mehr geben, wird erneuerbare Energien st&#228;rker gef&#246;rdert, G8 sanfter verwirklicht. Aus dem „Kopf-durch-die-Wand&#8221;-Politiker Koch ist der kompetente <strong>Zeitgeist-Politiker Koch</strong> geworden. Bis zum Wiedergewinn seiner <strong>Glaubw&#252;rdigkeit</strong> ist es dennoch ein weiter Weg. Noch polarisiert Hessens Minister-pr&#228;sident wie kaum ein zweiter.</p>
<p>Doch auch seine Partei hatte gro&#223;en Anteil an den nun klaren hessischen Verh&#228;ltnissen: Nie wirkte eine Partei in Zeiten h&#246;chster Not geschlossener als die hessische CDU, nie war ein gro&#223;er Wahlverlierer besser aufgehoben in seiner Partei. Gl&#252;ck, Geduld und L&#228;uterung zur rechten Zeit lie&#223;en Koch gerade noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p><strong>Gr&#246;&#223;ter Fehler der Sozialdemokraten war es, sich nicht brutalst- und schnellstm&#246;glich von Wortbrecherin Ypsilanti zu trennen</strong>: Fast drei von vier W&#228;hler Hessens  hielten die SPD nicht mehr f&#252;r vertrauensw&#252;rdig. Ihr Ruck nach links wurde nicht mit landespolitischer Verantwortung sondern mit <strong>pers&#246;nlichem Machtstreben</strong> in Verbindung gebracht. Der Verlust von 40 Prozent ihrer W&#228;hler nach ihrer Linksvolte h&#228;tte der SPD zeigen m&#252;ssen, wie stark ihre Anh&#228;nger ein klares „Wir haben verstanden!“ erwartet hatten.  So aber wurde ihr „Machtstreben“ zur <strong>un&#252;berwindbaren Hypothek.</strong> Ypsilantis Argument: „Aus Verantwortung und Pflichtgef&#252;hl“, wie auf dem Landesparteitag verk&#252;ndet, zum endg&#252;ltigen Desaster.</p>
<p>Das nur durch eine gl&#252;ckliche F&#252;gung nicht „brutaltstm&#246;glich“ ausfiel: Zur SPD-St&#228;rke wurde ausgerechnet ein Politiker, dem man das am allerwenigsten zugetraut hatte: Der politisch eher unbedarfte Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel. Als <strong>Komparse</strong> angetreten, wurde der neue SPD–Frontrunner fast &#252;ber Nacht zum Kult: Selbstironie, Schlagfertigkeit, Mut, Flei&#223;, Bed&#228;chtigkeit, sein sich in aussichtsloser Situation selbstlos in den Dienst der Partei stellen, verlieh „TSG“ einen <strong>seltsamen Status zwischen Bedauern und Mut</strong>, mit dem er es in nur zwei Monaten immerhin zu einem <strong>Bekanntheitsgrad von 60 Prozent</strong> schaffte. Sch&#228;fer-G&#252;mbel hielt sich sogar in der „MP-Frage“ wacker gegen den Politprofi und langj&#228;hrigen Ministerpr&#228;sidenten Koch, den die Hessen zuletzt nur noch mit einem Vorsprung von <strong>lediglich 12 Prozent</strong> lieber als hessischen Ministerpr&#228;sidenten haben wollten. Im Ansehen rangierten Koch und „TSG“  vor der Wahl bereits gleichauf. Trotz 23,7 Prozent wird er mehr als nur eine Episode der hessischen SPD–Geschichte bleiben.</p>
<p>Eindeutige Profiteure waren zwei Kleine: Den Gr&#252;nen gelang es immerhin, sich aus der <strong>Umklammerung der SPD</strong> zu l&#246;sen. Zu Hilfe kam ihnen, dass der selbst ernannte Solarexperte Hermann Scheer, der als SPD-Wirtschaftsminister die Energiewende einleiten wollte und 2008 unter den Gr&#252;nen Kernw&#228;hlern wilderte, nun keine Rolle mehr spielte. Im Gegenteil: Die Gr&#252;nen, insbesondere ihr Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir, <strong>Hessens beliebtester Politiker</strong>, inszenierten sich als Partei der Vernunft: Sie handelten pragmatische Kompromisse in der Schulpolitik aus, schafften die Studiengeb&#252;hren ab, und brachten sogar gemeinsam mit der CDU einen Gesetzesentwurf zur Beamtenbesoldung auf den Weg: Und machten damit ihre Linie deutlich: Auf die Inhalte kommt es an“! Dennoch ist etwa jeder dritte ihrer jetzigen 13,7 Prozent W&#228;hler im Grunde ein Sozialdemokrat, der seine Stimme erst mal <strong>„auf Gr&#252;n“ geparkt</strong> hat.</p>
<p>Wie nichts anderes beweist das sensationell gute Abschneiden der  FDP den <strong>neuen Politruck</strong>: Die Liberalen holte 16,2 Prozent nicht mit inhaltlichen Themen oder kompetenter Politikern.  Sie gewannen mit Zuverl&#228;ssigkeit, Ehrlichkeit und Worthalten. <strong>Nie wurde die FDP mehr geherzt als f&#252;r ihr klares Nein zu Ypsilantis Liebesbem&#252;hungen</strong>. Nie erhielt Spitzenkandidat J&#246;rg-Uwe Hahn &#252;ber Monate hinweg begeisterteren Zuspruch als bei seiner Koalitionsverweigerung mit Rot-Gr&#252;n. Zum zweiten Mal rettete Hahn nach der Schwarzgeldaff&#228;re Kochs politisches &#220;berleben. Das wird sich die FDP nun einiges kosten lassen. Die FDP hat nun die Chance, sich auch in anderen L&#228;ndern und im Bund als „Garant der Stabilit&#228;t“ zu profilieren. <strong>Motto: Nie mit den Linken – immer aber mit einer starken FDP gibt es stabile Verh&#228;ltnisse</strong>.</p>
<p><strong>Zweiter gro&#223;er Wahlverlierer war die Linke</strong>: Dass sie bei einem SPD-Verlust von &#252;ber einem Drittel ihrer Stimmen, nichts dazu gewinnt, zeigt, wie ihr Stern schon wieder verblasst. Innerparteiliche Streitereien bis hin zur Handgreiflichkeit und der Parteiaustritt des kurzzeitigen Spitzenkandidaten Pit Metz zeigten den W&#228;hlern, dass die Linke <strong>noch ein bisschen Demokratie &#252;ben</strong> muss. Zudem verkehrte sich der Bundestrend gegen sie: Bundesweit fiel die Linke von 15 auf 11 Prozent zur&#252;ck. Auch in Hessen wurde deutlich, dass schwere Zeiten eher <strong>Konzepte statt Klamauk</strong> erfordern. Mit immer demselben Maulen und st&#228;ndig erneuerten Forderungen nach Verstaatlichungen f&#228;ngt sie an, die <strong>W&#228;hler zu langweilen</strong>. Zudem fiel auch in Hessen auf, dass die Linke au&#223;er Lafontaine und Gysi personell und erst recht vor Ort nichts  zu bieten hat.</p>
<p>So zeigt Hessen den Weg ins Superwahljahr 2009: Psychologie statt &#214;konomie wird zum Wahl entscheidenden Faktor. Und: Roland Koch wird ein Hesse bleiben. Seinem Ziel, die Nummer zwei der CDU zu werden, ist er seit Sonntag weit entr&#252;ckt.
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
			<a href="http://api.tweetmeme.com/share?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F4368%2Fhessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt%2F"><br />
				<img src="http://api.tweetmeme.com/imagebutton.gif?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F4368%2Fhessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt%2F&amp;style=compact&amp;b=2" height="61" width="50" /><br />
			</a>
		</div>
<p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
<a href="http://carta.info/4368/hessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt/">Hessenwahl: Nicht Kompetenz, sondern Konzilianz gewinnt</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/4368/hessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=4368&amp;md5=cc5005ead31e653ea490064c9236d0b0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://carta.info/4368/hessenwahl-nicht-kompetenz-sondern-konzilianz-gewinnt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Legende vom Apfelwein-Obama</title>
		<link>http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/</link>
		<comments>http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 14:55:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Hessen]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Thorsten Schäfer-Gümbel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=3766</guid>
		<description><![CDATA[Die fast schon legend&#228;re Online-Kampagne des Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel steht f&#252;r einen atemberaubenden Imagewandel des Internets: vom Wahlkampf-Aschenputtel zur „neuen Machtressource“ schlechthin. Obama-Vergleiche mit „TSG“ sind hingegen v&#246;llig &#252;berzogen – der hoffnungslose Hesse ist eher in einer Sarah Palin-Situation. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1691664f2b339dda5973045becf212" alt="" width="1" height="1" />Mit Blick auf die medialen Besonderheiten des Landtagswahlkampfs in Hessen ist keine Frage h&#228;ufiger gestellt worden als die nach den „Auswirkungen des US-Pr&#228;sidentschaftswahlkampfs und ganz besonders der Rolle des Internet“. <strong>Deutsche Medien berichten landauf, landab, dass die jetzt beinahe schon legend&#228;re Online-Kampagne von Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel &#252;berhaupt nur als Folge des erfolgreichen Internetwahlkampfs in den USA funktioniere</strong> – als digitales Echo und Abglanz des ersten „e-Pr&#228;sidenten“. In einer etwas seltsamen Wendung konnte der eher spr&#246;de Spitzenkandidat mit dem Label „TSG“ dabei zu einer Art politischer Internet-Ber&#252;hmtheit werden und ganz nebenbei bewahrheitet sich scheinbar auch mal wieder die beliebte „Amerikanisierungsthese“ – <strong>jenseits des Atlantiks entwickeln sich neuartige Formen politischer Kommunikation, die schlafm&#252;tzige deutsche Politik reagiert darauf, ahmt ein paar Elemente nach und hofft, dass es passt.</strong></p>
<p>Das w&#228;re alles nicht unbedingt bemerkenswert. Beim n&#228;heren Hinsehen fallen aber doch einige Ecken und Kanten dieser kleinen „Legende vom Apfelwein-Obama“ auf.</p>
<p><strong>Interessant ist zun&#228;chst der Imagewandel des Internet</strong> vom Wahlkampf-Aschenputtel, dem noch im Sommer hierzulande kaum jemand wahlentscheidende Wirkung beimessen wollte, &#252;ber das „junge, wilde Netzmedium“ mit Innovationsqualit&#228;t bis hin zur „neuen Machtressource“ des Wei&#223;en Hauses. F&#252;r eine ausf&#252;hrliche Darstellung gerade der Begriffskarriere in den deutschen Medien fehlt an dieser Stelle der Raum, stellvertetend sei an die <a href="http://www.twitter.com/hubertus_heil">„Twitter-Episode“ um Hubertus Heil</a> w&#228;hrend des Parteitages der Demokraten im August erinnert. Oder an diese seltsamen Experimente der Kandidaten mit Online-Communities wie MySpace oder Facebook &#8211; oder diese personalisierten E-Mails mit Informationen zum Kampagnenverlauf und Spendenaufrufen. Und so weiter, und so weiter.</p>
<p>Der erste deutsche Landtagswahlkampf nach der US-Wahl ist nun zu einem kleinen Lehrst&#252;ck des Missverstehens in der gar nicht mehr so jungen Entwicklungsgeschichte des Internets als Wahlkampfumgebung geworden. <strong>Die SPD mit Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel vorweg bespielt im ultrakurzen, von Weihnachtsfeiertagen und Jahreswechsel unterbrochenen Wahlkampf die derzeit &#252;blichen Online-Kan&#228;le.</strong> Sie ist nicht nur mit einer Kandidaten-Homepage am Start, sondern eben auch mit YouTube-Videos, Profilseiten auf den Social Network Sites StudiVZ, Facebook und Wer-kennt-wen, dar&#252;ber hinaus betreibt „TSG“ seit dem offiziellen Wahlkampfauftakt am 4. Januar einen Twitter-Account. Die &#252;brigen Parteien folgen dieser Diversifizierungsstrategie bem&#252;ht (wie die Gr&#252;nen mit eifriger Social Media-Pr&#228;senz), halbherzig (wie die CDU mit dem nur dem Namen nach modernen Webcamp09) oder gar nicht (wie FDP und Linkspartei). Doch dadurch wandelt TSG l&#228;ngst nicht auf Obamas Spuren, und der hessische Landtagswahlkampf ist auch kein Abbild der US-Kampagne im Westentaschenformat –<strong> die digitale Wahlkampff&#252;hrung der hessischen Parteien spiegelt damit einfach nur den aktuellen Entwicklungsstand des Online-Campaigning in Deutschland, mehr nicht.</strong></p>
<p>Im Schlaglicht der eilig mit Photoshop zusammengebastelten <a href="http://www.designtagebuch.de/nach-der-wahl-ist-vor-der-wahl/">Sch&#228;fer-G&#252;mbel/Obama-Logos</a> (Motto: Yo isch kann!), vor sich hin blubbernden Musikvideoclips (Rob Vegas <a href="http://www.youtube.com/watch?v=da5pXCjk1Q8">„Schaefer Guembel Song“</a>) oder schrulligen Animationsfilmen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=rpDrBsgobfA">Jonas Kramers &#8220;Superg&#252;mbel &#8211; Der Film&#8221;</a>) haben substanzielle Vergleiche der politischen Internet-Nutzung quasi keine Chance.</p>
<p>Denn mit nur etwas mehr Distanz zum Gegenstand lie&#223;e sich schnell feststellen: Allein schon <strong>der Zeitfaktor verbietet einen Vergleich der Online-Kampagnen – viele der letztlich entscheidenden Wirkungen des Obama-Wahlkampfs waren ein Produkt der immensen Lauf- und Entwicklungszeiten der Kandidaten-Pr&#228;senz auf den verschiedenen Netzwerk-Plattformen.</strong> Zwischen Beginn der Kandidatur Anfang 2007 bis zur Wahl Ende 2008 lagen beinahe zwei Jahre Zeit f&#252;r eine aufw&#228;ndige Netzwerkpflege und den teuren Aufbau leistungsf&#228;higer Adressdatenbanken. W&#228;hrend dieser zwanzig Monate fand auf den Homepages beider Pr&#228;sidentschaftskandidaten ein allm&#228;hlicher Gestaltwandel statt, der das digitale Glanzpapier der Anfangsmonate in eigenst&#228;ndige Social Network Sites transformiert hat: am Ende des Entwicklungsprozesses stand mit MyBarackObama.com eine neue Form vernetzter politischer &#214;ffentlichkeit, ein personenzentrierter Interaktionsraum mit der Reichweite einer prominenten Fernsehsendung und den Funktionalit&#228;ten von Facebook. <strong>Derartige Entwicklungen und Effekte lassen sich in Deutschland nicht einmal mehr bis zur Bundestagswahl im Herbst 2009 erzielen, geschweige denn in einem auf wenige Wochen verk&#252;rzten Landtagswahlkampf.</strong></p>
<p>Au&#223;erdem ist die mediale Stimmung im Land der politischen Digitalisierung nicht gerade zutr&#228;glich – mit Blick auf die extrem wankelm&#252;tige Berichterstattung &#252;ber die Online-Bem&#252;hungen der deutschen Politik (durch Offline-, nicht selten aber auch durch Online-Medien) werden die Protagonisten in eine Zwickm&#252;hle getrieben: einerseits eilt den deutschen Online-Aktivit&#228;ten der Ruf langweiliger Pixel-B&#252;rokratie voraus (etwa im Video-Podcast der Kanzlerin), andererseits wird auf Abweichungen von der Norm gerne mit dem „Jugendwahn“-Vorwurf reagiert (etwa bei der Social Network-Kampagne des „Team Beckstein“ zur bayerischen Landtagswahl). Dadurch bedarf jede Innovation der Kampagnenf&#252;hrung eine Extraportion Mut – denn <strong>das negative Feedback ist gewisserma&#223;en vorprogrammiert</strong>.</p>
<p>Und auch ein Blick auf die W&#228;hlerschaft sollte nicht fehlen – zwar hat sich in Deutschland durchaus herumgesprochen, dass es sich beim Web 2.0 um das so genannte „Mitmach-Netz“ handelt, also die Produktion eigener Inhalte einfacher und attraktiver geworden ist – doch bislang macht noch kaum jemand Gebrauch davon. <strong>Der „w&#228;hler-generierte Inhalt“ des hessischen Landtagswahlkampfs bleibt unpolitisch</strong> – bis auf wenige Ausnahmen – und ersch&#246;pft sich in Photoshop-Gaukeleien, albernen Musikvideos und Animationsfilmen oder kopierten Twitter-Identit&#228;ten. Auch hier gilt zwar das Argument der fehlenden Entwicklungszeit, doch immerhin ein paar Ans&#228;tze f&#252;r eine ernsthafte Einmischung in den digitalen Wahlkampf h&#228;tte man sich schon erhofft.</p>
<p>Bleibt schlie&#223;lich ein letztes Missverst&#228;ndnis auf dem Weg zum Ende der Legende vom Apfelwein-Obama: warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, dass es noch ein anderes Vergleichs-Setting aus dem US-Wahlkampf f&#252;r Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel gibt? <strong>Im Grunde &#228;hnelt die Situation der hessischen SPD doch viel eher der Lage der strauchelnden Republikaner</strong> – eine „lame duck“ im Hintergrund, Querelen in den eigenen Reihen, R&#252;ckstand in den Umfragen… und nur eine wagemutige Personalentscheidung kann die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit und das „Momentum“ zur&#252;ckerobern: Genau, <strong>Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel hat die hessische SPD als Spitzenkandidat in einer „Sarah Palin-Situation“ &#252;bernommen</strong>.</p>
<p>Doch das ist eine andere Geschichte.
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
			<a href="http://api.tweetmeme.com/share?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F3766%2Fguembel-apfelwein-obama-vergleich%2F"><br />
				<img src="http://api.tweetmeme.com/imagebutton.gif?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F3766%2Fguembel-apfelwein-obama-vergleich%2F&amp;style=compact&amp;b=2" height="61" width="50" /><br />
			</a>
		</div>
<p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
<a href="http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/">Die Legende vom Apfelwein-Obama</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/#comments">12 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3766&amp;md5=348f777ee2ab3e6daea0941c5b21af0a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>12</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

