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	<title>CARTA &#187; Theo Zwanziger</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>DFB vs. Blogs: Wenn Vasen wackeln &#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Nov 2008 12:41:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fu&#223;ballblogs zeigen dem DFB und Theo Zwanziger (Foto) die neue Relativit&#228;t der eigenen Medienmacht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man entdeckt Blogs meistens nicht zuf&#228;llig, sondern auf der Suche nach Informationen, die man nicht in den klassischen Quellen findet. Mein Aha-Erlebnis liegt schon eine Weile zur&#252;ck. Es war im Sommer 2005, als es die amerikanische Journalistin Judith Miller vorzog, monatelang ins Gef&#228;ngnis zu gehen, anstatt sich zu einer Zeugenaussage in einem Ermittlungsverfahren zu bequemen, durch das ein ganz besonders infames Beispiel des Machtmissbrauchs der amerikanischen Regierungsspitze aufgekl&#228;rt werden sollte – die Preisgabe der Identit&#228;t der hochrangigen CIA-Mitarbeiterin Valerie Plame. Die allgemeine Informationslage im Mainstream war damals von Zur&#252;ckhaltung gepr&#228;gt, insbesondere bei der <span>New York Times</span>, bei der Miller in Lohn und Brot stand. Das Vakuum war gro&#223;, aber es wurde von einer Reihe von Blogs gef&#252;llt, darunter von dem des Journalismus-Professors <a href="http://journalism.nyu.edu/pubzone/weblogs/pressthink/">Jay Rosen</a> von der Columbia University in New York.</p>
<p>Ich werde das Gef&#252;hl nicht los, dass in der letzten Woche in Deutschland in einem etwas anderen Themensegment und auf etwas niedrigerem Niveau etwas &#228;hnliches passiert ist: Dass viele Menschen, die sich f&#252;r Fu&#223;ball und f&#252;r Sportmedien interessieren, entdeckt haben, <strong>was Blogs leisten k&#246;nnen</strong>. Ich bin mir zwar sicher, dass die Autoren vom <span>Spiegel,</span> die neulich in einem ausf&#252;hrlichen <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,567038,00.html">Artikel</a> &#252;ber das &#8220;<strong>Blog-Entwicklungsland&#8221; Deutschland</strong> gel&#228;stert haben (&#8220;Hier regieren allenfalls Beta-Blogger statt massenmediale Alphatiere&#8221;) diesen Vorgang genauso abtun werden wie das auch in anderen, so genannten Qualit&#228;tsmedien gerne geschieht. Aber ich nehme das schon l&#228;nger nicht mehr ernst. Solche Darstellungen entspringen dem mangelhaften Neugierverhalten in deutschen Redaktionen, wo das Vergn&#252;gen der (fest angestellten) Journalisten daran, sich mit dem eigenen Bauchnabel und dem Status Quo zu besch&#228;ftigen, gr&#246;&#223;er ist als das Interesse daran, die Verschiebung der tektonischen Platten unter ihren eigenen F&#252;&#223;en zu vermessen.</p>
<p>Andere Leute werden trotzdem gesp&#252;rt haben, was da am Wochenende – einem leichten Erdbeben gleich – in der deutschen Medienlandschaft passiert ist. Sie haben gesehen, wie da ein paar Vasen im Regal gewackelt haben, als sie beim Spaziergang durch das alternative Informationsangebot die Geschichte rund um das Vorgehen des Deutschen Fu&#223;ballbundes gegen einen kritischen Journalisten zusammengetragen haben. Das Wackeln k&#246;nnte noch st&#228;rker werden, wenn der Hauptbetroffene, der Kollege Jens Weinreich, die Attacke der DFB-Spitze mit rechtlichen Schritten beantwortet. Denn wenn der Fall eine Gewissheit produziert hat, dann diese: Die Machtmenschen aus Frankfurt, gewohnt nach alten Medienregeln mit der undifferenzierten Kraft eines King Kong herumzuw&#252;ten, haben in diesem (von ihnen ohne Not aufgeworfenen) &#246;ffentlichen Streit ganz schlechte Karten. Sie m&#252;ssen aufgrund ihres eigenen Mangels an Realit&#228;tssinn einen ziemlich starken Imageverlust bef&#252;rchten.</p>
<p>Und alles nur wegen dieser neuen Kommunikationsplattform namens Blogs, die vom Establishment so gerne bel&#228;chelt oder ignoriert werden. <strong>Blogs sollten hiermit dem letzten Skeptiker eine ernsthafte Lektion in Sachen Medienrealit&#228;t erteilt habe</strong><strong>n:</strong> Ohne sie h&#228;tte <a href="http://american-arena.blogspot.com/2008/11/der-gtige-oligarch.html">die ganze Sache</a> nie begonnen, w&#228;re sie nicht &#246;ffentlich abgehandelt worden und w&#228;re die verlogene Kampf- und Kampagnenmentalit&#228;t der DFB-Spitze wohl kaum aufgedeckt worden. Ich wei&#223; nicht, wieviele tausende von Lesern sich auf Blogs wie <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">diesem </a>oder <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dfb-diffamieren-statt-klagen/#comments">diesem</a> oder<a href="http://www.direkter-freistoss.de/2008/11/15/die-lugen-des-dfb/">diesem</a> oder <a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2008/11/15/befreit-theo-zwanziger/">diesem</a> oder meinetwegen auch bei <span>American Arena </span>einen Eindruck von der Geschichte gemacht haben und anschlie&#223;end den Links gefolgt sind, um die Dokumente, die Screenshots, die Argumente und die Kommentare zu verfolgen. Aber ich habe durchaus eine gewisse Vorstellung von der Zahl der Neugierigen und von ihrem Interesse am Thema. Auch hier kamen schlie&#223;lich viel mehr Leser als sonst vorbei.</p>
<p>Das w&#252;rde sich qualitativ kaum messen lassen, w&#252;rde man nur den Mainstream auswerten. Es gab bislang nur Geschichten in der <span><a href="http://www.ftd.de/sport/:Neuer-Prozess-Zwanzigers-Heimspiel/438378.html">Financial Times</a>,</span> der <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/sport/aktuell/1630746_Zwanzigers-verbissener-Kampf.html"><span>Frankfurter Rundschau</span> </a>und ein Kommentar im <a href="http://jensweinreich.de/?p=1811"><span>Deutschlandfunk</span></a>. Und <strong>s</strong><strong>ie alle haben einen entscheidenden</strong> <strong>medienimmanenten Mangel</strong>: So ausf&#252;hrlich und detailliert sie auch sein m&#246;gen, <strong>sie </strong><strong>s</strong><strong>tellen nicht jene Transparenz her</strong>, die durch die Arbeit von Jens Weinreich selbst produziert wurde. Die Argumentation des Landgerichts Berlin gegen Zwanzigers Antrag auf Einstweilige Verf&#252;gung (kann man <a href="http://jensweinreich.de/?p=1437">hier</a> finden). Der Vorfall in Gie&#223;en (Zwanziger wirft einem Journalisten &#8220;demagogische Fragen&#8221; vor) wird <a href="http://jensweinreich.de/?p=1547">hier</a> abgehandelt und verlinkt. Die Frage, ob Weinreich tats&#228;chlich eine irgendgeartete Erkl&#228;rung abgegeben hat, die Zwanziger dazu brachte, von der geplanten Klage abzusehen – kann man anhand dieser <a href="http://jensweinreich.de/?p=1722">Kopie eines Schreibens</a> seines Anwalts sehr viel besser beantworten. Das alles setzt einen neuen Standard f&#252;r Belegarbeit im kritischen Journalismus voraus. Genauso wie die Informationen, die man aus dem <a href="http://www.direkter-freistoss.de/2008/11/06/ich-bin-kein-prozesshansel/">ausf&#252;hrlichen Interview</a> von Oliver Fritsch mit Theo Zwanziger destillieren konnte. Genauso wie Stefan Niggemeiers <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dfb-diffamieren-statt-klagen/#comments">Analyse</a> der am Freitag von Generalsekret&#228;r Wolfgang Niersbach losgetretenen Kampagne gegen Jens Weinreich.</p>
<p>Ohne diese Arbeit h&#228;tte die Presseerkl&#228;rung des DFB am Freitag vermutlich eine Flut von Agenturberichten und eine beachtliche Resonanz in den Zeitungen ausgel&#246;st. <strong>Welche nicht weiter involvierten Sportjournalisten h&#228;tten schon das Wort des m&#228;chtigen Fu&#223;ballverbands angezweifelt und die infame DFB-Aktion durch eigene Recherchen und Telefonate auseinander gepfl&#252;ckt?</strong> In den USA gibt es ein altes Zitat aus dem Kampf gegen Korruption und Machtmissbrauch, das sehr gut illustriert, <strong>was die neue Medienrealit&#228;t leisten kann</strong> (und in den USA bereits nach Kr&#228;ften leistet, siehe Wahlsieg von Barack Obama): &#8220;<a href="http://www.nysscpa.org/cpajournal/2003/1203/nv/nv2.htm"></a><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Louis_Brandeis"></a><a href="http://thesophist.wordpress.com/2007/06/18/sunlight-is-the-best-disinfectant/">Sonnenlicht ist das beste Desinfizierungsmittel&#8221;</a>. Gepr&#228;gt wurde der Spruch von Verfassungsrichter <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Louis_Brandeis">Louis Brandeis</a>, der damit unter anderem meinte: die glaubw&#252;rdigsten und am meisten respektierten Organisationen arbeiten in einer Atmosph&#228;re bewusster Offenheit. Da wo das nicht geschieht, muss die Transparenz von anderen hergestellt werden.</p>
<p><em>Der Text ist urspr&#252;nglich auf J&#252;rgen Kalwas Blog </em><a href="http://american-arena.blogspot.com/2008/11/wenn-vasen-wackeln.html"><em>American Arena</em></a><em> erschienen und wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors ver&#246;ffentlicht. </em>
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