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	<title>CARTA &#187; SPD</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die SPD und die Vorratsdatenspeicherung. Ein Lehrst&#252;ck</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 10:28:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie kann man einen Parteitag so hinbiegen, dass er richtig entscheidet? Warum sind sich innerparteiliche Demokratie und Antragskommissionen oft spinnefeind? Der schwelende Konflikt um die Vorratsdatenspeicherung ist ein Lehrst&#252;ck dar&#252;ber, wie Parteien gelenkt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r den Bundesparteitag der SPD, der vom 4. bis 6. Dezember in Berlin stattfindet, haben die Jungsozialisten einen Antrag eingereicht – den Antrag Nummer 29. Er lautet kurz und knapp: „Vorratsdatenspeicherung ablehnen!“</p>
<p>Dieser Antrag wird von zahlreichen anderen Parteigliederungen unterst&#252;tzt. Doch auf dem Weg durch die Antragskommission &#228;ndert sich der Antrag auf wunderliche Weise in sein Gegenteil. Dank eines kleinen Ortsvereins aus Hamburg&#8230;</p>
<p><em><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1277">Und hier geht’s zum ganzen Beitrag </a></em></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40825&amp;md5=d77ac66a8065ed8bd1c14f625067d784" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die SPD schafft sich ab</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Apr 2011 20:53:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Thilo Sarrazin hat die Eugenik in die Sozialdemokratie zur&#252;ckgeholt. Zum Dank stellt ihm die Partei eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt Leute, die den <a href="http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article1618846/Berliner-SPD-fordert-Erklaerung-wegen-Sarrazin.html">Stopp</a> des Parteiausschlussverfahrens gegen Thilo Sarrazin f&#252;r einen klugen Schachzug halten. Diese Leute sagen, Sarrazin sei in der Partei blo&#223; eine Randfigur, es sei deshalb klug, kein &#246;ffentliches Tribunal gegen ihn zu veranstalten. Sarrazin, so die Hoffnung der Strategen, erledige sich von selbst, wenn man ihn nur kr&#228;ftig genug ignoriere.</p>
<p>Diese Argumentation, die sich listig w&#228;hnt, ist ein sch&#246;nes Beispiel f&#252;r die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kopf_in_den_Sand_stecken">Vogel-Strau&#223;-Politik</a> der SPD: eine drohende Gefahr einfach nicht sehen wollen. Also besser den Kopf in den Sand stecken.</p>
<p>Dabei gibt es in der Causa Sarrazin nur ein entweder oder. Entweder ist Thilo Sarrazin eine politische Randfigur &#8211; dann kann und muss man ihn aus der Partei werfen, weil er gegen sozialdemokratische Grunds&#228;tze versto&#223;en hat. Oder er ist keine politische Randfigur &#8211; dann spricht er f&#252;r wichtige Teile der Partei, und ein Rausschmiss verbietet sich aus innerparteilichen Gr&#252;nden. Aber feige zu behaupten, er sei eine Randfigur, aber man m&#252;sse ihn dulden, weil ein Rausschmiss schreckliche Folgen habe &#8211; das passt logisch nicht zusammen. Das ist Taktik ohne Inhalt.</p>
<p>Denn Sarrazin ist Wiederholungst&#228;ter. Schon vor seinem umstrittenen Buch „Deutschland schafft sich ab“ hatte er ein Ausschlussverfahren am Hals. Damals schrieb die SPD-Generalsekret&#228;rin: „Seine &#196;u&#223;erungen stehen in krassem Gegensatz zum Politikverst&#228;ndnis und der Politik der SPD.“ Ein 21-seitiges Gutachten im Auftrag des SPD-Kreisverbands Spandau kam zu dem Ergebnis, dass Sarrazins Vorstellungen rassistisch und mit den Grunds&#228;tzen der SPD nicht vereinbar seien.</p>
<p>Dennoch wurde das Verfahren gegen Sarrazin <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,683704,00.html">eingestellt</a>. Sowohl die Berliner SPD-Landesschiedskommission als auch die Kreisschiedskommission Charlottenburg-Wilmersdorf waren der Meinung, dass die Grenze zu parteisch&#228;digendem Verhalten <em>noch nicht</em> &#252;berschritten sei. Sie verkn&#252;pften ihre Tolerierung der Sarrazin-Thesen lediglich mit der Mahnung, Sarrazin m&#252;sse in Zukunft „Zur&#252;ckhaltung“ &#252;ben.</p>
<p>Der aber dachte nicht daran. Er schrieb das Buch „Deutschland schafft sich ab“, und die Partei wiederholte ihr seltsames Ritual. Sie schimpfte in gespielter Strenge und vergab ihrem ‚S&#252;nder’. Die Medien berichten, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier habe Sarrazin nun endg&#252;ltig „auf SPD-Werte verpflichtet!“ Er d&#252;rfe Mitglied bleiben, m&#252;sse aber beweisen (sic!), dass er &#8220;in der SPD noch zu Hause ist&#8230;“ (Das ist &#8211; nebenbei &#8211; eine schallende <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3650">Ohrfeige</a> f&#252;r den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, der <a href="http://www.zeit.de/2010/38/SPD-Sigmar-Gabriel">&#246;ffentlich kundgetan</a> hatte, Sarrazin d&#252;rfe in der Partei nicht l&#228;nger geduldet werden).</p>
<p>Die auffallend milde und verst&#228;ndnisvolle Haltung der SPD-Schiedsrichter &#8211; die dem eigenen linken Nachwuchs nie zuteil wurde &#8211; l&#228;sst nur einen Schluss zu: Sarrazins Auffassungen stehen nicht wirklich im Widerspruch zu den Auffassungen der heutigen SPD. Der universalistische Grundgedanke &#8211; die &#220;berzeugung, dass alle Menschen gleich sind, und Ungleichheit in erster Linie sozial und &#246;konomisch verursacht ist &#8211; scheint nicht mehr Common Sense in der SPD zu sein. Es w&#228;re auch nicht &#252;berraschend: Die derzeit wirkm&#228;chtigsten <a href="http://www.magda.de/76/back/31/artikel/gibt-die-spd-ihren-geist-auf/">SPD-Vordenker</a> – der Philosoph Peter Sloterdijk und der &#214;konom Thilo Sarrazin &#8211; argumentieren mit Versatzst&#252;cken der <strong>Eugenik, der Lehre von der biologischen Erzeugbarkeit einer guten Gesellschaft</strong>.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eugenik">Eugenik</a> (zusammengesetzt aus der griechischen Vorsilbe <em>eu</em> f&#252;r „gut“ und dem Wort <em>genos</em> f&#252;r „Geschlecht“) bezeichnet die Anwendung genetischer Erkenntnisse auf die Bev&#246;lkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil der positiv bewerteten Erbanlagen zu vergr&#246;&#223;ern (positive Eugenik) und den Anteil der negativ bewerteten Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik).</p>
<p>Der Begriff der Eugenik wurde 1883 von dem britischen Anthropologen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Galton">Francis Galton</a> gepr&#228;gt. Und es ist kein Zufall, dass das Aufkommen der Eugenik mit dem Zeitalter einer versch&#228;rften Globalisierung (1870 -1914) zusammenf&#228;llt. Wenn sich alles gegenseitig durchdringt und vermischt, w&#228;chst auch die Sehnsucht nach Reinheit, unverwechselbarer Identit&#228;t und „nat&#252;rlicher“ &#220;berlegenheit. Die Gesundheitspolitik und „der Volksk&#246;rper“ geraten dann in den Blickpunkt des nationalen Interesses.</p>
<p>1905 gr&#252;ndeten angesehene &#196;rzte und Wissenschaftler in Berlin die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Rassenhygiene">„Gesellschaft f&#252;r Rassenhygiene“</a>. Das seltsame Wort hatte noch nicht den b&#246;sen Klang, den es wenige Jahrzehnte sp&#228;ter erhalten sollte. Zentraler Bestandteil des rassehygienischen Denkens war die Erkenntnis (heute w&#252;rde man zutreffender sagen: die Furcht), dass sich die „Tr&#228;ger minderwertigen Erbguts“ schneller vermehren als die Tr&#228;ger hochwertiger Erbanlagen. Dadurch komme es von Generation zu Generation zu  fortschreitender Erosion der genetischen Substanz, und &#8211; &#252;ber kurz oder lang &#8211; zu einem <em>Wettbewerbsnachteil im Kampf der Kulturen</em> um Weltm&#228;rkte, Lebensstandard und politische Vorherrschaft.</p>
<p>Eugenische Konzepte waren weit verbreitet. Nicht nur vaterl&#228;ndisch Gesinnte geh&#246;rten zu den Verfechtern der neuen Lehre, auch Humanisten wie Albert Schweitzer, John Maynard Keynes, Theodore Roosevelt oder George Bernhard Shaw fanden Gefallen an den „wissenschaftlichen“ &#220;berlegungen zur Volksverbesserung. Selbst sozialdemokratische Kreise lie&#223;en sich infizieren. Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (Moses Hess: „Der Rassenkampf ist erstrangig, der Klassenkampf zweitrangig“), die britische Fabian Society und die Verfechter des schwedischen Wohlfahrtsmodells diskutierten ohne gro&#223;e Scheu eugenische Ma&#223;nahmen wie Zwangssterilisierung oder Sicherheitsverwahrung.</p>
<p>Zu den Gr&#252;ndungsmitgliedern der „Gesellschaft f&#252;r Rassenhygiene“ (die seit 1908 eine Sektion der britischen <em>Eugenics Education Society </em>war) z&#228;hlte neben dem ‚gef&#252;hlten’ Sozialisten und ‚Nationalbiologen’ <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Schallmayer">Wilhelm Schallmayer</a> auch der Arzt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Grotjahn">Alfred Grotjahn</a>, der f&#252;r die SPD im Reichstag sa&#223; und 1921 den gesundheitspolitischen Teil des G&#246;rlitzer Programms der SPD verfasste. Auch der sozialdemokratische Innenminister Preu&#223;ens, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Heine">Wolfgang Heine</a>, betrieb mit seiner Anregung, eheliche Gesundheitszeugnisse einzuf&#252;hren, eine an eugenischen Vorstellungen geschulte Politik.</p>
<p>Nach 1945 war dieses Gedankengut diskreditiert. Die Besetzung des reichlich naiven „sozialistischen Eugenik-Diskurses“ durch nationalsozialistische Fanatiker hatte gezeigt, wie gef&#228;hrlich „sozialhygienische“ Gedankeng&#228;nge waren, wie leicht das „gut Gemeinte“ ins B&#246;sartige abdriften konnte. Doch seit einiger Zeit schleichen sich Spuren der damaligen Eugenik und Biopolitik &#252;ber diverse wilde Schriften wilder Philosophen (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Regeln_f%C3%BCr_den_Menschenpark">Sloterdijk</a>) und &#214;konomen (Sarrazin) wieder in den sozialdemokratischen Diskurs ein (obwohl die Wissenschaft in genetischen Fragen l&#228;ngst einen Schritt <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/die-gene-sind-schuld/">weiter ist</a> und die naiven, unwissenschaftlichen Vorstellungen Sarrazins und der Eugenik <a href="http://idw-online.de/pages/de/news384817">widerlegen</a> kann). Wieder erleben wir einen krisenhaften Globalisierungsprozess, und wieder w&#228;chst in der Krise der Wunsch, die mit der Globalisierung einhergehende „Durchmischung und Durchrassung“ durch eugenische Ma&#223;nahmen der Menschenverbesserung bzw. der Menschenabwehr einzud&#228;mmen.</p>
<p>Die heutige Sozialdemokratie ist gegen diese wilhelminische <em>Regression</em> keineswegs gefeit. <strong>Ihre verbl&#252;ffende Wehrlosigkeit gegen&#252;ber Sarrazin</strong> zeigt, dass ein „moderner“ Rassismus nicht auf klassische Rechtsparteien beschr&#228;nkt bleiben muss. Rassismus erkl&#228;rt soziale Ph&#228;nomene anhand pseudowissenschaftlicher Analogieschl&#252;sse aus der Biologie. Er stellt sich gegen den Gleichheitsgrundsatz der Aufkl&#228;rung und versucht, soziale Ungleichheit und sozialen Rang mit dem Hinweis auf „naturwissenschaftliche Erkenntnisse“ zu rechtfertigen. Kultur, Begabung, Charakter, Verhalten, sozialer Status sind nach dieser Lesart durch erbbiologische Ausstattung determiniert.</p>
<p>Dass die SPD am Gr&#252;ndonnerstag Sarrazins trickreiche <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758686,00.html">Treueerkl&#228;rung</a> widerstandslos geschluckt hat, l&#228;sst vermuten, <strong>dass in der Partei keine einflussreiche geistige Str&#246;mung mehr existiert, die dem Abdriften in unselige Traditionen etwas entgegensetzen k&#246;nnte.</strong></p>
<p><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=274"><em>Crosspost</em></a>
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		<title>Die CDU und die Liebe zu Westerwelle</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Jan 2011 16:42:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Jahr 2011 wird inhaltlich weitgehend politikfrei bleiben, prognostiziert Michael Spreng, der bei der CDU eine neue Liebe zu Guido Westerwelle aufkommen sieht und bei der SPD grunds&#228;tzlich wenig Neues. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prognosen sind bekannterma&#223;en deshalb so schwierig, weil sie die Zukunft betreffen. Einige m&#246;chte ich f&#252;r das Jahr 2011 dennoch wagen<strong>. Die CDU/CSU wird in den n&#228;chsten Wochen ihre Liebe zu Guido Westerwelle entdecken</strong>. Ein angebliches Geheimtreffen der drei Parteivorsitzenden zur Stabilisierung Westerwelles wird schon vermeldet. Publizistische Unterst&#252;tzungskampagnen sind zu erwarten. Die Dreik&#246;nigsrede wird als Comeback des FDP-Chefs gefeiert werden. Langsam d&#228;mmert den Unionsparteien und ihren Unterst&#252;tzern, was sie an Westerwelle haben. Er steht – auch notgedrungen &#8211; fest an der Seite der CDU/CSU und garantiert zumindest bis 2013 die b&#252;rgerliche Mehrheit. Ein Ausbruch in Richtung Ampel ist von ihm nicht zu bef&#252;rchten.</p>
<p>Bei seinem m&#246;glichen Nachfolger Christian Lindner kann die CDU/CSU nicht so sicher sein. Dass ihn ausgerechnet Frau Leutheusser-Schnarrenberger f&#252;r h&#246;here &#196;mter empfiehlt, verst&#228;rkt das Misstrauen. Lieber einen angeschlagenen, aber kalkulierbaren Westerwelle als einen unkalkulierbaren Lindner, so die &#220;berlegung in der CDU/CSU.</p>
<p>Es w&#228;re keine &#220;berraschung, wenn die Unionsparteien zur Unterst&#252;tzung des angeschlagenen FDP-Chefs inhaltliche Konzessionen machen w&#252;rden. Stichworte: Mehrwertsteuerreform, Ank&#252;ndigung von Steuersenkungen f&#252;r 2013/2014. Sie werden ihn aber nicht retten k&#246;nnen, falls die FDP in Rheinland-Pfalz und Baden-W&#252;rttemberg an der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde scheitert.</p>
<p><strong>Die einzige national wichtige Wahl im sogenannten Superwahljahr 2011 ist die in Baden-W&#252;rttemberg</strong>. Die Ergebnisse der anderen sechs Landtagswahlen sind politisch schon eingepreist. Der Wahlsieg der SPD in Hamburg genauso wie die Wiederwahl Kurt Becks in Rheinland-Pfalz. Beide werden in rot-gr&#252;ne Regierungen m&#252;nden. Auch die Fortsetzung der gro&#223;en Koalition in Sachsen-Anhalt kann als sicher gelten (die SPD wird keinen Regierungschef der Linkspartei akzeptieren).</p>
<p>Bremen und Mecklenburg-Vorpommern spielen bundesweit keine Rolle. In Schwerin k&#246;nnten lediglich die Partner wechseln – statt gro&#223;er Koalition Rot-Rot. Und in Berlin geht es lediglich um Wowereit oder K&#252;nast, ein prinzipieller Machtwechsel steht nicht an. Also Baden-W&#252;rttemberg. Hier entscheidet sich alles. Kommt die FDP noch einmal in den Landtag, dann ist ein Weiterregieren von Schwarz-Gelb nicht ausgeschlossen, wenn die Linkspartei an der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde scheitert. Baden-W&#252;rttemberg ist kein Ernst- und L&#246;tzsch-Land. Die Arbeitslosigkeit ist sehr  niedrig, die sozialen Verwerfungen geringer als in anderen Bundesl&#228;ndern. Am wahrscheinlichsten ist die erste gr&#252;n-rote Regierung, aber auch eine gro&#223;e Koalition ist nicht ausgeschlossen, falls die Linkspartei doch reinkommt.</p>
<p>F&#252;r die CDU w&#228;re der Regierungsverlust in ihrem Stammland ein Desaster. Aber Angela Merkel wird’s &#252;berleben – mangels Alternativen und weil sie die Schuld f&#252;r den Machtverlust auf die FDP schieben kann. Aber die Kanzlerinnend&#228;mmerung w&#252;rde beginnen. Denn die W&#228;hler, die die FDP seit der Bundestagswahl verloren hat, sind spurlos verdampft. Kaum einer ist zur CDU zur&#252;ckgekehrt, wie die Umfragen zeigen. Es g&#228;be dann auch amtlich in Deutschland keine b&#252;rgerliche Mehrheit mehr. In der CDU/CSU wird man sich wehm&#252;tig an die gro&#223;e Koalition erinnern.</p>
<p>F&#252;r die SPD f&#228;ngt 2011 in Hamburg und Rheinland-Pfalz stark an, um dann wieder in der Tristesse schlechter Wahlergebnisse zu versinken. Die Diskussion, ob Sigmar Gabriel der richtige Mann an der Spitze ist, wird sich verst&#228;rken. Der Hamburger Wahlsieger Olaf Scholz und die NRW-Ministerpr&#228;sidentin Hannelore Kraft werden als m&#246;gliche Kanzlerkandidaten gehandelt werden. Also wenig Neues von der SPD.</p>
<p><strong>Inhaltlich wird 2011 ein weitgehend politikfreies Jahr</strong>. Au&#223;er der Reform der Pflegeversicherung und den Hartz-IV-Abschlussarbeiten steht nichts auf dem nationalen Terminkalender. Die politische Agenda wird auch 2011 in erster Linie von der EU diktiert.</p>
<p><a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3575">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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		<title>Stadelmeier lehnt Abgeordnetenbeteiligung an einer Anh&#246;rung zum Rundfunkbeitrag ab</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Oct 2010 13:08:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der SPD-Staatskanzleichef „entt&#228;uscht“ die Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktionen: An der Anh&#246;rung zum Rundfunkbeitrag sollen Abgeordnete nicht teilnehmen, auch die Presse ist nicht zugelassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/64b817013adf42da8826026df3e97a05" alt="" width="1" height="1" /><em>Am  Montag findet in Berlin eine Anh&#246;rung zum Rundfunkbeitrag statt.  Dazu  haben die Rundfunkreferenten der L&#228;nder eingeladen. Journalisten sind  nicht  zugelassen. Am 24. September forderten die Vorsitzenden der   CDU-Landtagsfraktionen von der federf&#252;hrenden Staatskanzlei  Rheinland-Pfalz  (SPD), Landtagsabgeordnete an der Anh&#246;rung zu  beteiligen. Dies wurde abgelehnt. </em></p>
<p>„Angesichts  der  grunds&#228;tzlichen Bedeutung des 15. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrages, mit   welchem die Finanzierung des &#214;ffentlich-rechtlichen Rundfunks auf eine  ganz neue  Grundlage gestellt wird, erwartet die CDU-Fraktion eine  Beteiligung von  Vertretern der L&#228;nderparlamente an der Anh&#246;rung zum  neuen Staatsvertrag am 11.  Oktober 2010 in Berlin.“</p>
<p>Dies hat  laut <a href="http://www.epd.de/medien/medien_index_80089.html">epdmedien</a> der Vorsitzende der AG Medien der  CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz, Dr.  Christian von Boetticher,  gegen&#252;ber der federf&#252;hrenden Staatskanzlei von  Rheinland-Pfalz  eingefordert. Dabei bezog er ich auf einen <a href="http://www.cdu-fraktion.de/Presse-Singleansicht.pressesingle.0.html?&amp;cHash=22250bafd7&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=3599">Grundsatzbeschluss</a>,  der am 24. September in Frankfurt gefasst wurde.</p>
<p>Und:  welche Antwort hat er darauf von <a href="http://www.rlp.de/ministerpraesident/staatskanzlei/chef-der-staatskanzlei/">Martin  Stadelmeier</a> erhalten? Vielleicht diese?</p>
<p><em>„Ich  m&#246;chte um Ihr Verst&#228;ndnis werben, dass ich Bedenken habe und Ihnen   meine Gr&#252;nde erl&#228;utern. Die Anh&#246;rung wird auf Fachebene (Beamtenebene)   durchgef&#252;hrt. Vertreter der politischen Ebene der Landesregierungen  nehmen nicht  teil. Eine Meinungsbildung auf politischer Ebene wird erst  sp&#228;ter in der  Rundfunkkommission der L&#228;nder erfolgen. Die Einbeziehung  der Landtage und die  politische Er&#246;rterung im parlamentarischen Raum  wird im Wege der  Vorunterrichtung durch die Landesregierungen ebenfalls  erst sp&#228;ter stattfinden.  Dieses gestufte Verfahren dient dazu, auch  bei komplexen Materien zu einer  geordneten Willensbildung und damit zu  sachgerechten Ergebnissen zu  gelangen.“</em></p>
<p>Doch ist  es wirklich so, dass die Beamten rein fachlich wichten und werten werden? Haben  sie nicht klare politische Vorgaben?</p>
<p>Ob  sich  die CDU-Medienpolitiker und Fraktionsvorsitzenden damit zufrieden  geben?  Schlie&#223;lich stellt die CDU die Mehrheit der  Ministerpr&#228;sidenten. Oder ging es  ihnen nur darum, die SPD mit Kurt  Beck vorzuf&#252;hren? War den  CDU-Fraktionsvorsitzenden klar, dass die  Ministerpr&#228;sidenten gegen ihre  Teilnahme sind – die Antwort aber aus  der federf&#252;hrenden SPD-Staatskanzlei  Rheinland-Pfalz kommt? Den  Abgeordneten eines Landtages, die ebenfalls um  Teilnahme gebeten  hatten, teilte man zudem mit:</p>
<p><em>„Schlie&#223;lich bitte ich  auch zu bedenken, dass bei einer Teilnahme von  Abgeordneten eines  Landes auch den Abgeordneten aus den Parlamenten der anderen  L&#228;nder  eine Teilnahmem&#246;glichkeit er&#246;ffnet werden m&#252;sste. Aus diesen Gr&#252;nden  w&#228;re  ich Ihnen dankbar, wenn Sie von einer Teilnahme Abstand nehmen   w&#252;rden.“</em></p>
<p>Doch  was, wenn die Abgeordneten nicht von einer Teilnahme Abstand nehmen  <strong>wollen</strong>?  Soll man auf etwas verzichten, nur weil es dann andere auch  nutzen  w&#252;rden? Geht es hier nicht um eine politische Entscheidung, die die  ganze  Bev&#246;lkerung betreffen wird? Schlie&#223;lich sollen ja in Zukunft alle  den  Rundfunkbeitrag bezahlen. Muss man da nicht jede M&#246;glichkeit  nutzen, sich eine  Meinung zu bilden, um dann verantwortungsbewusst eine  politische Entscheidung  treffen zu k&#246;nnen?
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34947/stadelmeier-lehnt-abgeordnetenbeteiligung-an-einer-anhoerung-zum-rundfunkbeitrag-ab/">Stadelmeier lehnt Abgeordnetenbeteiligung an einer Anh&#246;rung zum Rundfunkbeitrag ab</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34947/stadelmeier-lehnt-abgeordnetenbeteiligung-an-einer-anhoerung-zum-rundfunkbeitrag-ab/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34947&amp;md5=7089108558d9a46697dcb1b9a19f792c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gibt die SPD ihren Geist auf?</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Sep 2010 21:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie Thilo Sarrazin und Peter Sloterdijk die Sozialdemokratie „&#252;berfremden“]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/135389eb48db45178c05314a17c7bbf7" alt="" width="1" height="1" />Zwei hartgesottene „Sozis“ pr&#228;gen seit Jahren die &#246;ffentliche Debattenkultur: der Philosoph Peter Sloterdijk und der Finanzbeamte Thilo Sarrazin. Abwechselnd holen sie ihre gro&#223;e Keule heraus, zerschlagen das herumstehende Porzellan und beobachten anschlie&#223;end vergn&#252;gt, wie Heerscharen von Journalisten und Politikern gewissenhaft versuchen, die Scherben zu sammeln, zu deuten und „vern&#252;nftig“ wieder zusammenzuf&#252;gen.</p>
<p>Obwohl in ihrer Redegabe grundverschieden, benutzen die beiden schlitzohrigen Sozialdemokraten eine ganz &#228;hnliche Provokations-Rabulistik. Es ist eine Technik der Andeutung (die immer ein Hintert&#252;rchen des „Missverstandenwerdens“ offen l&#228;sst). Und sowohl Sloterdijk als auch Sarrazin berufen sich gern auf das Halbwissen, das aus ihrer lebenslangen Besch&#228;ftigung mit einem speziellen Hobby (der Biologisierung des Sozialen) resultiert.</p>
<p>Den Anfang machte Peter Sloterdijk 1999 mit seiner ber&#252;hmt-ber&#252;chtigten <a href="http://www.weltalswilleundvorstellung.de/elmauer_rede.html">Elmauer Rede</a> „Regeln f&#252;r den Menschenpark“. In ihr schwadronierte der Philosoph absichtlich vage &#252;ber Zucht(wahl) und Ordnung, und zwang so das (noch) weitgehend humanistisch gepr&#228;gte Feuilleton zu einer <a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/krieg-der-hirne/1651162.html">erregten Debatte</a>. Manfred Frank schrieb damals in der ZEIT einen <a href="http://www.zeit.de/1999/39/199939.frank_.xml">Offenen Brief</a> an Sloterdijk:</p>
<blockquote><p>Ihre Elmauer Rede ist ein merkw&#252;rdiges rhetorisches Gebilde: ein raunendes Geschweife und Geschwefel, ein pointenloses Flirten mit verf&#228;nglichen Materien, die sich todsicher zur Publikumsprovokation eignen. Dem Vortrag eine klare These, eine &#220;berzeugung, gar eine rationale Handlungsempfehlung abzugewinnen &#228;hnelte der M&#252;he, einen Pudding an die Wand zu nageln. Aber Sie ersetzen ziemlich geschickt den Mangel an Argumenten durch die Faszination, derer Sie sich sicher sein k&#246;nnen, wenn Sie die eugenischen Z&#252;chtungsfantasien von Platon und Nietzsche anspielender- oder beschw&#246;renderweise und mit d&#252;ster-prophetischem Ernst f&#252;r Aufgaben erkl&#228;ren, die das Sein uns, der heutigen Menschheit, stellt. Das ist &#228;rgerlich oder beunruhigend, nicht wegen der Sache, sondern wegen der Art, wie Sie sie pr&#228;sentieren.</p></blockquote>
<p>Von der Gentechnik wechselte Sloterdijk 2009 &#8211; nach der Finanzkrise &#8211; auf das Feld der Steuerexperten und schlug in einem abermaligen „Weckruf“ vor, die staatlich erhobenen Steuern doch k&#252;nftig durch wohlt&#228;tige Spenden zu ersetzen, um auf diese Weise eine neue b&#252;rgerlich-antike „Stolzkultur“ zu etablieren. Da der Staat von den „Leistungstr&#228;gern“ im Lande stark &#252;berh&#246;hte Steuern erpresse, um sie den „Leistungsfernen“ in den Rachen zu werfen, sei ein B&#252;rger-Aufstand gegen den demokratischen Zwangsstaat geboten. Die Sozialschmarotzer, jene „Leistungsfernen“, die von den staatlichen Transferleistungen lebten, r&#252;ckte Sloterdijk nebenbei in die N&#228;he von Krebsgeschw&#252;ren, die man aus dem kranken Volksk&#246;rper herausschneiden m&#252;sse, damit dieser wieder gesunden k&#246;nne.</p>
<p>Starker Tobak, vermutlich in der T&#252;te geraucht.</p>
<p>Da n&#252;tzte es den emp&#246;rten Kritikern gar nichts, dass sie in ihren bescheidenen Medien (etwa in kleinen <a href="http://netkey40.igmetall.de/homepages/hannover/igmetallhannover/anmerkungzusloterdijk.html">Gewerkschaftspostillen</a>) akribisch nachweisen konnten, wie unsinnig Sloterdijks Steuer-Berechnungen waren. Die wenigsten Journalisten wollten anstrengende Mathe-Aufgaben l&#246;sen &#8211; sie fanden einfach o.k., dass jemand mal auf die Kacke haut („Man wird doch wohl in Deutschland noch sagen d&#252;rfen“).</p>
<p>Dass die oberen 20 Prozent der Steuerpflichtigen 2008 mehr als 68 Prozent der Einkommensteuer aufbrachten, w&#228;hrend die untere H&#228;lfte gerade mal 6,5 Prozent beisteuerte, stimmte sogar. Es war aber eine (typische) Halb-Wahrheit. Die andere H&#228;lfte der Wahrheit h&#228;tte n&#228;mlich gelautet, dass die oberen 20 Prozent auch 62 Prozent des Markteinkommens unter sich aufteilten, w&#228;hrend die untere H&#228;lfte der Steuerpflichtigen mickrige 2,5 Prozent vom Kuchen bekam. (&#220;berdies w&#228;re zu ber&#252;cksichtigen gewesen, dass die Einkommensteuer im Jahr 2008 nicht einmal ein Drittel des Gesamtsteueraufkommens ausmachte. Nur leider will die umst&#228;ndliche Widerlegung von einfachen Provokationen selten jemand h&#246;ren oder lesen).</p>
<p>Zur&#252;ck zur Sozialdemokratie. Im <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-67510094.html">Gespr&#228;ch</a> mit <em>Spiegel</em>-Reporter Matthias Matussek rechtfertigte Sloterdijk seine Thesen (leicht zur&#252;ckrudernd) mit einem freim&#252;tigen Bekenntnis zur SPD:</p>
<blockquote><p><em>Sloterdijk</em>: <strong>Ich spreche als lebenslanger Sozialdemokrat, der &#252;ber die Zust&#228;nde erschrocken ist.</strong> Riefe ich zur Demontage des Sozialstaates auf, was ich in keiner Weise tue, w&#228;re die Emp&#246;rung mancher Kritiker wohl erkl&#228;rbar. Doch <strong>mir ging es um etwas v&#246;llig anderes, n&#228;mlich den sozialpsychologischen Umbau der Gesellschaft oder besser um eine psychopolitische Umstimmung.</strong> Ich m&#246;chte darauf hinwirken, dass das Klima, in dem die B&#252;rger a priori als Schuldner des Staates gesehen werden, abgel&#246;st wird durch ein alternatives Klima, in dem sich alle dar&#252;ber Rechenschaft ablegen, wer die gebenden Gruppen sind&#8230;</p>
<p><em>Spiegel</em>: Welche Gef&#252;hle haben Sie noch f&#252;r die SPD?</p>
<p><em>Sloterdijk</em>: Ich w&#252;rde sagen, Melancholie und Nachsicht. Ich habe nie etwas anderes als die SPD w&#228;hlen k&#246;nnen, aus famili&#228;ren und pers&#246;nlichen Gr&#252;nden, nicht unbedingt aus philosophischen. Aber es gibt einen Trost: Die objektive Sozialdemokratisierung der Staatsstruktur sorgt daf&#252;r, dass man die Sozialdemokratie als Partei w&#228;hrend ihres Aufenthalts im Oppositionssanatorium vor&#252;bergehend entbehren kann.</p></blockquote>
<p>Das h&#228;tte Sarrazin nicht sch&#246;ner sagen k&#246;nnen. Die <em>taz</em> schrieb damals &#252;ber Sloterdijks S&#252;ffisanz s&#252;ffisant:</p>
<blockquote><p>Besonders l&#228;cherlich ist, dass die Stammtischparolen gegen ,Unproduktive’ und ,Transfermassennehmer’ ausgerechnet von lebenslang auf Staatskosten durchgef&#252;tterten Beamten wie Sloterdijk und Arnulf Baring stammen, die ihre Pensionen parasit&#228;r aus T&#246;pfen saugen, in die sie – im Unterschied zu den Rentenbeziehern – keinen Cent einbezahlt haben.</p></blockquote>
<p>Gleiches gilt nat&#252;rlich f&#252;r den Beamten Thilo Sarrazin, der von Sloterdijk stets verteidigt wird (und &#252;ber dessen Kaltduscher-Thesen hier kein Wort mehr verloren werden soll, weil er eh schon in allen Medien seitenweise Sprechverbot erh&#228;lt).</p>
<p><strong>Sarrazin &amp; Sloterdijk &#8211; das sind also die Sozialdemokraten, die heute die intellektuelle Ausstrahlung der Sozialdemokratie pr&#228;gen.</strong> Sie treten an die Stelle altkritischer Geister (die nun &#252;ber 80 sind).</p>
<p>Und die SPD-F&#252;hrung? Sie hat &#8211; gedanklich ausgezehrt und von irrlichternden Medien umgeben – offensichtlich nicht mehr die Kraft, ein kl&#228;rendes Donnerwetter zu veranstalten und verweist hilfesuchend auf ihre <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/spd-ausschluss-dohnanyi-will-sarrazin-verteidigen_aid_548870.html">Schiedskommission</a>.</p>
<p>Man muss sich schon in den Arm zwicken, um zu begreifen, dass dies kein b&#246;ser Traum ist: Die SPD, die in <a href="http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieZuspitzungDesKaltenKrieges_programmGodesbergerProgramm/index.html">Godesberg</a> die christliche Ethik, den Humanismus und die klassische Philosophie als ihre geistigen Wurzeln benannte, ist nun nicht nur mit neoliberalem Gedankengut kontaminiert, sondern auch mit humanismus-kritischen (ja anti-humanistischen) Ideen, deren Verbreiter nichts inniger ersehnen, als lebenslang in der Sozialdemokratie bleiben zu d&#252;rfen.</p>
<p>Soll man derart treuherzige Seelen von der Bettkante sto&#223;en?</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
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		<title>Netzneutralit&#228;t: Felix, Markus und die Schippchen</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 22:17:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Antritt der Initiative „Pro Netzneutralit&#228;t“ offenbart einen kleinen Dissens unter Bloggern. Muss Netzneutralit&#228;t gegen die Parteien durchgesetzt werden oder mit ihnen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a1664fb919f74a22907f22130facbde6" alt="" width="1" height="1" />Der interessante Schlagabtausch zwischen Felix von Leitner (<em><a href="http://blog.fefe.de/">Fefes Blog</a></em>) und Markus Beckedahl (<em><a href="http://netzpolitik.org">netzpolitik.org</a></em>) entz&#252;ndete sich an der am vergangenen Mittwoch vorgestellten <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Initiative-Pro-Netzneutralitaet-gegruendet-1054034.html">Initiative</a> „Pro Netzneutralit&#228;t“. Der Sprecher des Gespr&#228;chskreises Netzpolitik beim SPD-Parteivorstand, Bj&#246;rn B&#246;hning, und das Vorstandmitglied der Gr&#252;nen, Malte Spitz, hatten die Gelegenheit ergriffen, das Thema Netzneutralit&#228;t aus der Expertenecke heraus zu holen und zum Gegenstand &#246;ffentlicher Auseinandersetzung zu machen.</p>
<p>Getragen wird ihre Initiative von Politikern aller drei Oppositionsparteien. In Wahrheit aber dominieren auf der Erstunterzeichner-Liste SPD- und Gr&#252;nen-Abgeordnete (Klingbeil, Groote; Albrecht, von Notz) und parteinahe (bzw. mit Parteien sympathisierende) Blogger (Lumma, Lobo, Beckedahl). Man wird den Initiatoren also nicht zu nahe treten, wenn man ihre Initiative als Teil des laufenden Projekts „Wiederbelebung von Rot-Gr&#252;n“ betrachtet. Vor allem die SPD ist bestrebt, ihre v&#246;llig <a href="http://wahlkampf09.posterous.com/die-verkaufte-netzneutralitat-pronetz">verfahrene</a> Netzpolitik aus den Zeiten der gro&#223;en Koalition &#246;ffentlich zu korrigieren. <em></em></p>
<p>V&#246;llig logisch, dass ein Blogger wie Fefe da <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b298da31">explodieren</a> musste. Wie sensible Menschen auf Birkenpollen reagieren, so reagiert Fefe auf jeden Mucks seiner Lieblings(abwatsch)partei. „Liebe SPD“ grollte er, „ihr habt jahrelang konsequent gegen meine Interessen abgestimmt. Vorratsdatenspeicherung, SWIFT-Abkommen, Internetzensur, Cybercrime-Convention, Hackertoolverbot, BKA-Gesetz, E-Personalausweis. Jede schlechte Idee habt ihr systematisch aufgegriffen, noch schlimmer gemacht, und dann daf&#252;r gestimmt. Und jetzt wollt ihr mir erz&#228;hlen, euch ginge es um die Rettung der Netzneutralit&#228;t! Dass ich nicht lache.“</p>
<p>&#196;rgerlich reagierte Fefe auch auf die Sprechblasen ‚Innovationsf&#228;higkeit der Wirtschaft’ und ‚Entfaltung &#246;konomischer Potentiale’. Diese Sprache zeige schon, wohin die Reise der Initiative gehe. Doch das Internet, so Fefe, sei kein Shopping-Kanal: „Schei&#223; auf die &#246;konomischen Potentiale.“</p>
<p>F&#252;r Fefe <a href="http://blog.fefe.de/?ts=b2984b2d">schielt</a> das ‚Parteienpapier’ zu sehr auf die &#246;konomische Leistungsf&#228;higkeit des Netzes, w&#228;hrend es bei der Verteidigung der Netzneutralit&#228;t um etwas viel Gr&#246;&#223;eres gehe: um gleiche Meinungsfreiheit f&#252;r alle. Das bedeute: „Die Telekom darf nicht nachrichten.t-online.de vor blog.fefe.de bevorzugt zustellen. Ich bin als Sender im Internet genau so privilegiert wie alle anderen.“</p>
<p>Das Internet sei eben kein Rundfunk und kein x-beliebiger Marktplatz f&#252;r Verk&#228;ufer, sondern ein freies Kommunikationsmedium. Und genau das gelte es klarzustellen. Wenn er also &#252;berhaupt ein Papier unterschreibe, dann nur eines, das vom Chaos Computer Club (CCC) gebilligt sei.</p>
<p>Kramt man allerdings das vom CCC j&#252;ngst ver&#246;ffentlichte <a href="http://www.ccc.de/de/updates/2010/forderungen-lebenswertes-netz">Thesenpapier</a> noch einmal hervor, so findet man auch dort ein paar veritable Sprechblasen („den B&#252;rger mitnehmen“, „wir m&#252;ssen Sorge tragen“), das Internet, hei&#223;t es u.a., l&#246;se „als Medium der Informationsbeschaffung“ den Fernseher ab, und selbst von der wettbewerbsf&#228;higen Gesellschaft ist brav die Rede.</p>
<p>War Fefes Emp&#246;rung also gerechtfertigt oder schoss er &#252;bers Ziel hinaus?</p>
<p>Markus Beckedahl von <em>netzpolitik.org</em> sah sich jedenfalls herausgefordert. Umgehend <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/naturlich-gehts-bei-netzneutralitat-auch-um-innovation/">stellte er klar</a>, dass politische Zweckb&#252;ndnisse nun mal erforderlich seien, wenn man etwas erreichen wolle. Es sei auch n&#246;tig, die Interessengruppen der Nutzer und der Inhalte-Anbieter zusammen zu bringen, um ein Gegengewicht zur Interessengruppe der Netzbetreiber bilden zu k&#246;nnen. Nur gemeinsam sei man in der Lage, der Telekom (die ihre Zustell-Neutralit&#228;t zun&#228;chst bei mobilen Diensten opfern m&#246;chte) noch rechtzeitig in den Arm zu fallen.</p>
<p>Allerdings w&#228;re Beckedahl zu fragen, ob gro&#223;e Inhalte-Anbieter wie <em>Springer</em>, <em>ProSiebenSAT1</em>, <em>Universal</em> oder <em>Disney</em> wirklich das gleiche Interesse an Netzneutralit&#228;t haben wie die kleinen Inhalte-Anbieter <em>netzpolitik.org</em> oder <em>Fefes Blog</em>? W&#252;rden gro&#223;e Musik-, Presse-, Fernseh-, Film- oder Spiele-Firmen nicht im Zweifel lieber einen Vorzugsdeal mit der Telekom und anderen Providern auskaspern als sich mit Markus &amp; Felix auf dieselbe Seite der Barrikade zu stellen?</p>
<p>Es gibt also Einw&#228;nde gegen beide Positionen. Aber auch bedenkenswerte Argumente f&#252;r sie. F&#252;r welche von beiden soll man sich entscheiden?</p>
<p>Der kluge Max Winde schrieb gestern Abend folgenden <a href="http://twitter.com/343max/status/21160791251">Tweet</a>: ‚W&#228;h, w&#228;h! Ich unterschreibe deine Petition nicht, weil mir dein Parteikollege damals sein Schippchen nicht gegeben hat.’ Werdet erwachsen!“</p>
<p>Nach einigem Z&#246;gern habe ich dann doch <a href="http://pro-netzneutralitaet.de/">unterschrieben</a>.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Siehe auch auf <em>Carta</em>:</p>
<ul>
<li>Robin Meyer-Lucht: <a title="Netzneutralit&#228;t: Die zehn Mythen der Debatte - und warum sie konkreter werden muss" href="../../32200/netzneutralitaet-die-zehn-mythen-der-debatte-und-warum-sie-konkreter-werden-muss/">Netzneutralit&#228;t: Die zehn Mythen der Debatte &#8211; und warum sie konkreter werden muss</a></li>
<li>Texte zur <a href="../../tag/netzneutralitaet/">Netzneutralit&#228;t</a></li>
</ul>
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		<title>Schwarz-Gr&#252;n: Ein Auslaufmodell</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 13:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Böhning</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die kontroverse Hamburger Schulreform ist ein Realit&#228;tscheck f&#252;r Schwarz-gr&#252;n: Die Weltbilder von gr&#252;nen und schwarzen Milieus sind gegens&#228;tzlicher und geschlossener als sich das manch Politiker der Parteien eingestehen mag. Das Ende der Koalition in Hamburg ist eingeleitet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sch&#246;n hatte sich die konservativ-&#246;kologische Bohème das vorgestellt. Beim Latte Macchiato wurden schwarz-gr&#252;ne Pl&#228;ne geschmiedet und von einer „wertebasierten“ Zusammenarbeit schwadroniert. Hamburg und Saarland, vielleicht auch Nordrhein-Westfalen, sollten als Vorboten einer m&#246;glichen schwarz-gr&#252;nen Bundesregierung herhalten und den Versuch untermalen, dass christliche Sch&#246;pfung und &#246;kologische Nachhaltigkeit sich aus einer gemeinsamen &#220;berzeugung und Wertevorstellung ableiten lassen.</p>
<p>Zuletzt im Landtagswahlkampf von Nordrhein-Westfalen war es Renate K&#252;nast, die die Offenheit der Gr&#252;nen nach allen Seiten untermauerte und noch heute offen oder hinter vorgehaltener Hand f&#252;r das B&#252;ndnis der konservativen und der gr&#252;nliberalen Partei wirbt.</p>
<p><strong>Doch anstelle dieser Hoffnung ist Desillusion getreten.</strong> Schon lange hat sich der politische Beobachter gefragt, ob denn die gr&#252;nen und schwarzen Strategen ihr Stammelektorat wirklich nachhaltig analysiert haben. Und ob denn die gr&#252;nen &#196;rzte und Bioladenbesitzer neben dem Einkommen noch eine andere kulturelle, materielle oder ideologische Gemeinsamkeiten mit dem konservativen Biedermeier oder dem mittelst&#228;ndischen Unternehmer der CDU haben.</p>
<p>Das war und das ist eine Illusion. Nur gef&#252;hlt sind sich einige Akteure beider Parteien nah – so nah, wie man sich bei der Bionade in Berlins Mitte eben sein kann, oder vielleicht im Reichstag sogar sein muss. Es ist interessant zu beobachten wie festsitzend die &#220;berzeugung war, allein symbolische und habituelle &#220;bereinstimmungen w&#252;rden das politische Projekt einer schwarz-gr&#252;nen B&#252;rgerlichkeit bilden k&#246;nnen.</p>
<p>Bisher lagen inhaltliche Fragezeichen an diesem Projekt eher auf einer rhetorischen Ebene: So w&#228;re es schon interessant zu sehen, wie beispielsweise in Berlin ein CDU-Innensenator die Wasserwerfer zum 1. Mai schickt, w&#228;hrend die gr&#252;ne B&#252;rgermeisterin sich vor die „Revolution&#228;re Demo“ stellt, Kiezromantik predigt und die Polizeitaktik kritisiert.</p>
<p>Doch gl&#252;cklicherweise haben wir ja nun in Hamburg, im Saarland und zum Teil auch in Berlin ganz konkretes Anschauungsmaterial f&#252;r die schwarz-gr&#252;ne Realit&#228;t. Im schwarz-gr&#252;n regierten Berlin-Zehlendorf wird bezirksad&#228;quat ruhig regiert. Einen Integrationsbeauftragten durchzusetzen, wie in anderen Bezirken &#252;blich, dazu ist die selbsternannte Integrationspartei nicht in der Lage. Im Saarland ist die Jamaika-Koalition so oder so schon durch parteiliche Drahtseilakte zustande gekommen. Nun wird es langsam dunkel &#252;ber der Karibik: Erst k&#252;rzlich stimmte das Land im Bundesrat der K&#252;rzung der Solarf&#246;rderung zu. Mit der Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren f&#252;r so genannte Langzeitstudenten hat sich Schwarz-Gr&#252;n f&#252;r Bildungsgeb&#252;hren entschieden.</p>
<p>In Hamburg wurde eine Bildungsreform vorgelegt, die offenbar keine Akzeptanz in der Bev&#246;lkerung findet. Die Elbphilharmonie ist vom Prestige- zum Pleiteprojekt geworden. Die selbsternannte „Wachsende Stadt“ schafft es offenbar nicht den wachsenden Widerstand gegen Vertreibung und f&#252;r den Erhalt kreativer Subkultur in angemessener Art und Weise zu moderieren. B&#252;rgermeister Ole von Beust – so h&#246;rt man – steht kurz vor dem R&#252;cktritt.</p>
<p>Insbesondere die Schulreform offenbart die ideologischen Gegens&#228;tze im Wahlvolk von Schwarz und Gr&#252;n. W&#228;hrend die liberalen b&#252;rgerlichen W&#228;hler der Gr&#252;nen vor allem auf l&#228;ngeres gemeinsames Lernen im Rahmen eines ganzheitlichen, integrativen Lernens setzen, wollen die konservativ-b&#252;rgerlichen W&#228;hler unter allen Umst&#228;nden ihren sozialen Status verteidigen und sich gegen die Aufstiegschancen der Unter- und unteren Mittelschicht absichern.</p>
<p>Nichts anderes verbirgt sich hinter dem derzeit stattfinden – und sicherlich &#252;berspitzten – <strong>„Kulturkampf“ um die Hamburger Gymnasien</strong>. Ole von Beust war nicht in der Lage den sich zuspitzenden Konflikt zu managen. Und die Gr&#252;nen haben zu sp&#228;t erkannt, dass eine parlamentarische Mehrheit f&#252;r eine Schulreform noch lange keine politische Mehrheit in einer Stadt ist. Schwarz und Gr&#252;n beiderseits haben daran versagt eine inhaltliche Br&#252;cke in der Bildungspolitik zwischen den verschiedenen Stadtmilieus zu schlagen. <strong>Zu sp&#228;t erkannten sie, dass ideologische Differenzen in den jeweiligen Unterst&#252;tzergruppen nicht einfach durch kulturell-&#228;sthetische Symbolik &#252;bert&#252;ncht werden kann.</strong></p>
<p>Offenbar sind die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler von Schwarzen und Gr&#252;nen nicht bereit, eine gemeinsame Koalition auf Landesebene pauschal zu akzeptieren und ideologische Gegens&#228;tze zu &#252;berbr&#252;cken. Die Weltbilder von gr&#252;nen und schwarzen Milieus sind also geschlossener als sich manch Gr&#252;ne- oder CDU-Politiker eingestehen mag.</p>
<p>Das Bild, wonach die verlorenen B&#252;rgerkinder der 68er-&#196;ra nun in den Scho&#223; der alten B&#252;rgerlichkeit zur&#252;ckkehren, hat es immer nur in den Feuilletons gegeben. Heute sehen wir: Sie sind und bleiben einander nicht gr&#252;n. Egal wie der Volksentscheid am Sonntag ausgeht, so ist doch heute schon klar: Das Ende von Schwarz-Gr&#252;n in Hamburg ist eingeleitet.</p>
<p>Schwarz-Gr&#252;n – das galt einmal als Role-Model k&#252;nftiger Koalitionen. Dann kam der Realit&#228;tscheck. Heute ist Schwarz-Gr&#252;n ein Auslaufmodell. Wir werden es nicht vermissen.</p>
<p><em>Bj&#246;rn B&#246;hning ist Mitglied im Parteivorstand der SPD und Sprecher der SPD-Linken &#8216;Forum Demokratische Linke 21&#8242;.</em>
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		<title>Mittwoch: SPD-Netzwerker diskutieren &#252;ber Internet &amp; Politik (mit Stream)</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 17:40:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[Martin D&#246;rmann musste vulkanstaubbedingt absagen. Nun diskutieren am Mittwoch Aydan &#214;zoguz, Constanze Kurz und Markus Beckedahl die neue Partizipationskultur des Netzes. Dieser netzpolitische Reboot-Versucht wird auch im Stream &#252;bertragen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Mittwoch findet die 10. Jahrestagung des SPD-<a href="http://www.netzwerkberlin.de/netzwerk_berlin/index.htm">Netzwerks Berlin</a> (&#8220;neue Generation von Sozialdemokraten&#8221;) mit dem Titel: &#8220;Mehr Demokratie leben &#8211; Wege aus der Vertrauenskrise unseres politischen Systems&#8221; statt.</p>
<p>Demokratie und Offenheit sind die Themen der Tagung und daher gibt es nach einem Impulsvortrag vom SPD-Fraktionsvorsitzenden<strong> Frank-Walter Steinmeier</strong> zu &#8220;Die Kultur der Freiheit &#8211; F&#252;r eine streitbare Demokratie&#8221; eine Podiumsdiskussion zum &#8220;Internet&#8221;.</p>
<p>18.00 Uhr: <strong>„Das  Internet – Fluch oder Segen f&#252;r die Demokratie?“</strong></p>
<ul>
<li><em>Aydan &#214;zoguz MdB,</em> Netzwerk Berlin</li>
<li><em>Constanze Kurz,</em> Sprecherin des Chaos Computer Club e.V.</li>
<li><em>Markus Beckedahl,</em> Chefredakteur von netzpolitik.org</li>
</ul>
<p>Kommentierende  Moderation: <em>Dr. Robin Meyer-Lucht,</em> Medienjournalist und  Herausgeber von <em>Carta.</em></p>
<p>An dem Podium sollte au&#223;erdem auch der medienpolitische Sprecher der Fraktion, Martin D&#246;rmann, teilnehmen. Er ist jedoch leider &#8211;  offiziell aufgrund des Flugverbots &#8211; verhindert.</p>
<p>Hier das <a href="http://www.netzwerkberlin.de/nw10/tagungsprogramm.htm">Tagungsprogramm</a>, f&#252;r die gesamte Veranstaltung gibt es einen Livestream auf <a href="http://www.netzwerkberlin.de">netzwerkberlin.de</a>.</p>
<p><em>Siehe zu diesem Thema auch: &#8220;<a href="http://pb.spd-rlp.de/7-wir-sind-die-netzpartei/">Wir sind die Netzpartei</a>&#8221; und zugeh&#246;rige <a href="http://www.wir-sind-die-netzpartei.de/">Parodie</a>.</em>
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		<title>Innenministerium verz&#246;gert Neubewertung von Lobbyisten-Einsatz</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 11:51:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Oppong</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zum Jahresende 2009 wollte das Bundesinnenministerium eine Evaluierung der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Einsatz von Lobbyisten in der Bundesverwaltung vorlegen. Bis heute warten Abgeordnete vergeblich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/73d486900ecf43e8885574ec49f7e986" alt="" width="1" height="1" />Nach der <a href="http://www.verwaltungsvorschriften-im-internet.de/bsvwvbund_17072008_O4013300111.htm" target="_blank">Verwaltungsvorschrift zum Einsatz externer Mitarbeiter  in der Bundesverwaltung</a> muss das Bundesministerium des Innern (BMI) dem Deutschen Bundestag j&#228;hrlich einen Bericht zum Einsatz von Lobbyisten in der Bundesverwaltung erstatten. Der zweite Bericht dieser Art wurde hier exklusiv <a href="../../8079/neuer-lobbyistenbericht-exklusiv-bei-carta/" target="_blank">ver&#246;ffentlicht</a>. In einem Schreiben an die Bundesministerien vom 14. Mai 2009 k&#252;ndigte das BMI eine bewertende Bilanz der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Einsatz externer Personen in der Bundesverwaltung bis zum Ende des Jahres 2009 an. Die Verwaltungsvorschrift wurde am 18. Juni 2008 vom Kabinett beschlossen. Bis zum heutigen Tag hat das BMI die Bilanz nicht vorgelegt. Deshalb sah sich das BMI nun im Bundestag kritischen Fragen der Opposition ausgesetzt.</p>
<p>Der Abgeordnete <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete/bio/H/hartmmi0.html" target="_blank">Michael Hartmann</a>, stellvertretender innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, fragte das BMI in einer Fragestunde des Bundestages, warum die angek&#252;ndigte Evaluierung bis zum heutigen Tag nicht vor liegt und „welche anderen vordringlichen Aufgaben“ das BMI so sehr besch&#228;ftigten, „dass die Evaluierung laut Auskunft aus dem eigenen Hause voraussichtlich erst im ersten Quartal 2010 abgeschlossen sein wird und es zu einer Verz&#246;gerung von nicht nur wenigen Wochen, sondern von bis zu drei Monaten kommt“.</p>
<p>Der Parlamentarische Staatssekret&#228;r im Bundesinnenministerium, <a href="http://www.bmi.bund.de/cln_174/SharedDocs/Personen/DE/Mitarbeiter/Minister_Staatssekretaere_Beauftagte/pstschroeder.html?nn=109672" target="_blank">Ole Schr&#246;der</a> (CDU), begr&#252;ndete die Verz&#246;gerung wie folgt: Da seit dem Inkrafttreten der Verwaltungsvorschrift am 17. Juli 2008 erst „knapp 1,5 Jahre vergangen“ seien, sei „wegen der K&#252;rze des Erhebungszeitraums“ die Evaluierung „zur&#252;ckgestellt“ worden. Das Bundesministerium des Innern habe auf der 3. Sitzung des Haushaltsausschusses des Bundestages angek&#252;ndigt, dass die Evaluierungsergebnisse „sp&#228;testens mit dem 2. halbj&#228;hrlichen Bericht 2010 gegen&#252;ber dem Haushaltsausschuss dargestellt werden.“</p>
<p>Hartmann machte in der Fragestunde auch erneut zum Thema, dass im 3. Lobbyistenbericht vom Oktober 2009 <a href="../../18996/innenministerium-legt-neuen-lobbyistenbericht-vor/" target="_blank">vier Nachmeldungen</a> enthalten sind, die bereits in den vorherigen Berichten h&#228;tten aufgef&#252;hrt werden m&#252;ssen. Auf die entsprechende Frage antwortete Schr&#246;der, dass die Bundesministerien f&#252;r die Meldung der bei ihnen t&#228;tigen externen Mitarbeiter beim BMI selbst verantwortlich seien. Pikanterweise betraf eine der ungew&#246;hnlichen Nachmeldungen jedoch das Bundesinnenministerium selbst. Die entsprechende externe Person sei in einem elektronischen System „durch ein B&#252;roversehen zun&#228;chst fehlerhaft erfasst“ worden, so Schr&#246;ders Erkl&#228;rung.</p>
<p>Versehen scheinen in den Bundesinstitutionen h&#228;ufig, wenn es um die Meldung bestimmer Sachverhalte geht: In der Vergangenheit begr&#252;ndeten auch die Bundestagsabgeordneten Sigmar Gabriel (SPD) und J&#252;rgen Trittin (Gr&#252;ne) <a href="../../8542/gabriel-und-trittin-verheimlichten-nebentaetigkeit/" target="_blank">unterlassene Meldungen von Nebent&#228;tigkeiten</a> mit einem „Versehen im Ministerb&#252;ro“ und mit einem „Versehen“. Der CSU-Abgeordnete Norbert Geis unterlie&#223; es eigenen Angaben zufolge ebenfalls aus „Versehen“ zu melden, dass er <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,588096,00.html" target="_blank">Pr&#228;sident einer Stiftung ist, die dem katholischen Geheimbund Opus Dei nahesteht</a>.</p>
<p>Was die zwei nachgemeldeten Mitarbeiterinnen der privaten Euroimmun AG im f&#252;r die Pandemiebek&#228;mpfung zust&#228;ndigen <a href="http://www.rki.de/" target="_blank">Robert-Koch-Institut</a> anbelangt, sei „zun&#228;chst angenommen worden“, dass sog. Altf&#228;lle, also F&#228;lle, in denen Lobbyisten ihren Einsatz bereits vor Inkrafttreten der Verwaltungsvorschrift begonnen haben, „nicht gemeldet werden m&#252;ssten“, so Schr&#246;der, der mit der Bundesfamilienministerin Kristina Schr&#246;der (geb. K&#246;hler) <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/02/13/familienministerin-kristina-koehler-hochzeit/heiratet-ole-schroeder.html" target="_blank">verheiratet</a> ist.</p>
<p>In dem genannten Schreiben an die Bundesministerien wies das Innenministerium darauf hin, „dass der Bundesrechnungshof die klare Erwartung ge&#228;u&#223;ert hat“, dass die Altf&#228;lle „so schnell wie m&#246;glich zu Ende gef&#252;hrt werden“. Die beiden Mitarbeiterinnen der Euroimmun AG, einem L&#252;becker Unternehmen f&#252;r medizinische Labordiagnostika, im Robert-Koch-Institut sollen dem 3. Lobbyismus-Bericht aber dennoch bis zum 31. M&#228;rz 2010 beziehungsweise bis zum 1. Juli 2011 in der nachgeordneten Beh&#246;rde des Bundesgesundheitsministeriums t&#228;tig sein. Beim Bundesrechnungshof konnte man sich hierzu auf Anfrage nicht &#228;u&#223;ern: „Das ist ein Einzelfall und dazu kann ich beim besten Willen keine Stellung nehmen. Das m&#252;ssen wir erstmal pr&#252;fen“, so Martin Winter, Pressesprecher der Bundesrechnungshofs. Was der Bundesrechnungshof zu diesem Umstand f&#252;r eine Auffassung vertrete, k&#246;nne er „auch morgen nicht“ sagen.</p>
<p>Heidi Klein vom Vorstand von <a href="http://www.lobbycontrol.de/blog/" target="_blank">LobbyControl e. V.</a> kritisiert: „Das Innenministerium hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und windet sich jetzt vor der berechtigten Nachfrage aus dem Parlament mit fadenscheinigen Ausreden. Es ist absolut inakzeptabel, dass die Bundesregierung es offensichtlich nicht schafft, ordentlich Rechenschaft &#252;ber externe Mitarbeit in den Ministerien abzulegen.“ Klein meint, die meisten Fehler in den Berichten, die zu den Nachmeldungen f&#252;hrten, w&#228;ren gar nicht aufgefallen, wenn LobbyControl die Berichte nicht mehrfach nachgepr&#252;ft h&#228;tte. „LobbyControl tritt angesichts der Problematik von Interessenkonflikten und einseitiger Einflussnahme weiter daf&#252;r ein, die Praxis der Besch&#228;ftigung externer Mitarbeiter in Ministerien ganz zu stoppen“, so Klein.</p>
<p>Derweil hat Hartmann nach Aussage seines B&#252;ros erreicht, dass der 3. Lobbyismus-Bericht der Bundesregierung, nachdem dieser bisher nur den Abgeordneten des <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse/a08/mitglieder.html" target="_blank">Haushaltsausschusses</a> vorgelegt wurde, nun auch im <a href="http://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse/a04/mitglieder.html" target="_blank">Innenausschuss</a> des Bundestages bei dessen n&#228;chster Sitzung am 24. M&#228;rz 2010 auf die Tagesordnung kommt. Abgeordnete der SPD-Bundestagsfraktion besch&#228;ftigen sich im Rahmen der Arbeitsgruppe Inneres der SPD-Fraktion aktuell auch mit der Einf&#252;hrung eines von lobbykritischen Organisationen seit langem geforderten Lobbyregisters. Thema sind dort auch Karenzzeiten f&#252;r Politiker, die nach Aus&#252;bung ihres Amtes <a href="http://www.robertamsterdam.com/deutsch/gerdgas5.jpg" target="_blank">in die Privatwirtschaft wechseln</a>.
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		<title>Rot-rot-gr&#252;ne Perspektiven</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 22:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es tut sich was auf dem linken Fl&#252;gel. Nach 30 Jahren Neoliberalismus scheint die Opposition - erstmals vereint - &#252;ber politische Alternativen nachzudenken. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/fcf96575e38c464bb3e72b8738863e8c" alt="" width="1" height="1" />Das Agenda-Jahr 2010 soll den Startpunkt des politischen Neuanfangs markieren. Gleich zwei rot-rot-gr&#252;ne Zirkel stellten im Januar ihre partei&#252;bergreifenden Projekte vor: Zum einen will das<strong> <a href="http://www.solidarische-moderne.de/">Institut Solidarische Moderne</a> </strong>um Andrea Ypsilanti (SPD), Katja Kipping (Die Linke) und Sven Giegold (Die Gr&#252;nen) ein wissenschaftlich fundiertes „Gegenmodell zum Neoliberalismus“ vorlegen; zum anderen k&#246;nnte die Gruppe<strong> <a href="http://www.stefan-liebich.de/article/1707.das-leben-ist-bunter.html">Das Leben ist bunter</a></strong> um die Abgeordneten Stefan Liebich (Die Linke), Marco B&#252;low (SPD) und Anton Hofreiter (Die Gr&#252;nen) eine Art linke <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pizza_Connection_%28Politik%29">Pizza-Connection</a> sein. Im Idealfall w&#252;rden sich Theorie- und Praxis-Gruppe gut erg&#228;nzen.</p>
<p>Die Frage ist: Wird der Idealfall eintreten?</p>
<p>Das „Institut Solidarische Moderne“ (ISM) sieht sich als „politische Denkwerkstatt“. In ihr sollen Wissenschaftler, Politiker und zivilgesellschaftlich Engagierte <strong>nach dem Scheitern sowohl des real existierenden Sozialismus als auch des real existierenden Neoliberalismus</strong> ein politisches Programm erarbeiten, das von ganz links bis weit in die Mitte hinein auf Zustimmung trifft. Leitlinie f&#252;r ein solches Programm ist der schon bekannte „sozial-&#246;kologisch gerechte Umbau der Moderne“.</p>
<p>Da alle beteiligten Parteien diese Leitlinie vertreten, geht es im Grunde um ein Austarieren der Gewichte: die einen wollen das Soziale etwas st&#228;rker betonen als das &#214;kologische, die anderen die Selbstbestimmung des Einzelnen mehr als das Soziale.</p>
<p>Thematisch d&#252;rfte eine Ann&#228;herung also leicht fallen. Aber auch personell sind wenig Hindernisse zu erwarten: die humanistische Mischung aus Attac, Transparency International, Frankfurter Interventionismus und Eurosolar ist perfekt. Kaum einer der Beteiligten lebt nur f&#252;r oder durch eine bestimmte Partei. Alle sind vielfach vernetzt, plural, lebensfroh und tolerant. Sie haben beeindruckende Lebensl&#228;ufe (die politisch oft in den siebziger Jahren beginnen). <strong>Als Pressure Group f&#252;r den politisch-ideologischen Klimawandel k&#246;nnte dieses linksb&#252;rgerliche Institut also durchaus wirksam werden.</strong> Ob es sich gesellschaftlich (und nicht nur in Memoranden) verankern kann, ist die gro&#223;e Frage. Schon Rot-Gr&#252;n hatte ja ein deutliches Verankerungs-Defizit.</p>
<p>Die zweite Gruppierung nennt sich lakonisch „Oslo-Gruppe“ &#8211; in Anspielung auf die rot-rot-gr&#252;ne Regierungskoalition in Norwegen. „Das Leben ist bunter“ (so der offizielle Titel ihres Programms) kommt sehr viel bescheidener und lebensn&#228;her daher als das etwas m&#252;hsame „Institut Soziale Moderne“. Kein Wunder: Die Oslo-Gruppe ist bedeutend j&#252;nger (es k&#246;nnten die Kinder der Instituts-Denker sein) und ihre Vorstellungen sind ganz auf Pragmatisches gerichtet: politische Absprachen, Initiativen, Koalitionen. In der Oslo-Gruppe dominieren Abgeordnete, die aus der Enge ihrer Fraktionen ausbrechen wollen. Wissenschaft und Gesellschaftsanalyse spielen nur eine untergeordnete Rolle (denn der wissenschaftliche Ansatz ist in den Ausbildungs-Biographien dieser Abgeordneten bereits verankert).</p>
<p>W&#228;hrend sich die Institutsgruppe vor allem in Frankfurt und Berlin verortet, liegen die Schwerpunkte der Oslo-Gruppe in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Beide sind stark von gro&#223;st&#228;dtischem und westeurop&#228;ischem Gedankengut gepr&#228;gt, die Institutsgruppe etwas st&#228;rker als die Oslo-Gruppe. Der Osten und die Provinz spielen in beiden Gruppen nur Nebenrollen.</p>
<ul>
<li>Am interessantesten ist vielleicht die Strategie der Linken in beiden „B&#252;ndnissen“. Anders als bei Gr&#252;nen und SPD haben sich bei der Linken nicht prim&#228;r Entt&#228;uschte und innerparteiliche Oppositionelle eingefunden, sondern zentrale Figuren. <strong>Die Linke ist die einzige Partei, die ihr Mitwirken in diesen Gruppierungen mit dem eigenen Parteivorstand abgestimmt hat.</strong> Hier wirken vielleicht noch alte, romantische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Front_populaire">Volksfrontstrategien</a> nach &#8211; mit dem kleinen Unterschied, dass solche Strategien nur in Situationen existentieller Bedrohung funktionieren.</li>
<li>Die SPD hat nun Gelegenheit, sich in Mehrparteien-Laboren verhaltenstechnisch zu regenerieren. Sie muss ihre <a href="http://carta.info/15739/ist-die-spd-jetzt-voellig-matschie/">Phobien</a> loswerden, und das hei&#223;t, sie muss vor allem vermeiden, parteitaktische Spielchen mit den Linken zu spielen. Die Gefahr, in alte Rollenmuster zu fallen (und die kleineren Parteien als Kellner und sich selbst als Koch zu begreifen) besteht. Doch die beteiligten Sozialdemokraten sind erfahren und (ber&#252;hrungs-)angstfrei genug, um Sticheleien von Parteifreunden, etwa aus dem Seeheimer Kreis, ignorieren zu k&#246;nnen.</li>
<li><strong>Die Gr&#252;nen machen den Eindruck, als seien sie in diesen B&#252;ndnissen das Reserverad am Wagen.</strong> Zwar dabei, aber nicht unbedingt n&#246;tig. Vielleicht wollen die Restlinken bei den Gr&#252;nen ihre Mitarbeit dazu nutzen, den innerparteilichen Machtkampf zwischen Schwarz-Gr&#252;n-Anh&#228;ngern und Linksgr&#252;nen zu beeinflussen. Die etablierte Garde der Mittf&#252;nfziger sieht jedenfalls keinen Grund, bei einem rot-rot-gr&#252;nen <a href="http://crossover-debatte.de/">Crossover</a> das Aush&#228;ngeschild zu spielen. Andererseits: Der gr&#252;ne Nachwuchs hat die erschlafften Vorst&#228;nde satt und will zur&#252;ck zu den Wurzeln.</li>
</ul>
<p>Die Personen der beiden rot-rot-gr&#252;nen Experimente werden also zweifellos gut miteinander k&#246;nnen &#8211; wenn da nicht die Parteien hinter ihnen st&#252;nden!</p>
<p><strong>Und so werden wir noch im Agenda-Jahr erfahren, ob die beiden „Vorfeldorganisationen“ zu echten <a href="http://www.freitag.de/wochenthema/1005-rot-rot-gruen-crossover-solidarische-moderne-ypsilanti-kipping">Cross-Over-Projekten</a> werden; ob sie einer bislang harmlosen Opposition politisches Selbst-Bewusstsein vermitteln k&#246;nnen oder lediglich als Partei&#252;bertrittsvorh&#246;llen fungieren.</strong>
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<a href="http://carta.info/22637/rot-rot-gruen/">Rot-rot-gr&#252;ne Perspektiven</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/22637/rot-rot-gruen/#comments">34 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22637&amp;md5=68a41a3b2b8070198eed3da2dad18f7e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Brender-Entlassung: Die vollst&#228;ndigen Erkl&#228;rungen von Beck, Koch und Sch&#228;chter</title>
		<link>http://carta.info/19121/brender-entlassung-die-vollstaendigen-erklaerungen-von-beck-koch-und-schaechter/</link>
		<comments>http://carta.info/19121/brender-entlassung-die-vollstaendigen-erklaerungen-von-beck-koch-und-schaechter/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 19:34:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Carta dokumentiert die vollst&#228;ndigen Erkl&#228;rungen zur Entlassung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus den kurzen Nachrichtenschnipseln werden die Argumente der Beteiligten kaum deutlich. Daher sollte man sich, wenn m&#246;glich, die vollst&#228;ndigen Erkl&#228;rungen anschauen. Hier in chronologischer Reihenfolge:</p>
<p><strong><a href="http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=387#c537">Kurt Beck</a></strong> (Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates, SPD)</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853229&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853229&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://www.youtube.com/watch?v=EbBwQ5Sb_Zw">youtube</a>)</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong><a href="http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=388#c538">Roland Koch</a></strong> (Stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates, CDU)</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853633&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853633&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://www.youtube.com/watch?v=BmktAjd4rPY">youtube1</a>/<a href="http://www.youtube.com/watch?v=uSUy7ky6U9Y">youtube2</a>)</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong><a href="http://unternehmen.zdf.de/index.php?id=107">Markus Sch&#228;chter</a></strong> (Intendant des ZDF)<br />
<object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="600" height="337" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853985&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="600" height="337" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=7853985&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Q0sH95XHhrU">youtube</a>)</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Inzwischen wurde auch ein neues ZDF-Logo <a href="http://twitpic.com/r6ak4">vorgestellt</a>.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=19121&amp;md5=32cf4357c71e71265182f805ff8f7461" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Die SPD nach Dresden</title>
		<link>http://carta.info/18350/die-spd-nach-dresden/</link>
		<comments>http://carta.info/18350/die-spd-nach-dresden/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 17 Nov 2009 08:57:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sigmar Gabriel]]></category>
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		<category><![CDATA[Volksparteien]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach Meinung vieler Kommentatoren hat in Dresden die Selbst-Therapie der Sozialdemokraten begonnen. Oder etwa nicht? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5df93fe8ccdb4c40888c6f8541de92d1" alt="" width="1" height="1" />Wozu sind Parteitage da? Um Themen zu diskutieren und dann, nach erfolgter Debatte, Beschl&#252;sse zu fassen. Das fordert den Delegierten viel Verantwortung ab, auch inhaltliche Kompetenz und eine Menge Streitlust um die bestm&#246;gliche L&#246;sung.</p>
<p>F&#252;r Dresden galt dieser offene Politikstil noch nicht. Denn die fast hundertprozentige Zustimmung <span style="text-decoration: line-through;">der Truppen</span> der Delegierten zum quellekatalogschweren Leitantrag z&#228;hlt zu jenen Parteitagsbr&#228;uchen, mit denen die SPD eigentlich Schluss machen will.</p>
<p>Der neue Vorsitzende Sigmar Gabriel hat, das wurde bereits ausgiebig festgestellt, eine <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Sigmar-Gabriel-SPD;art122,2950057">gl&#228;nzende Rede</a> gehalten. Sogar kritische Geister wie Felix Schwenzel haben sich von ihr &#8211; zu Recht &#8211; ein wenig <a href="http://wirres.net/article/articleview/5435/1/6/">beeindrucken</a> lassen. Aber eine herausragende Rede macht noch keinen politischen Sommer. Und so f&#252;hrte die S&#252;ddeutsche Zeitung ihren Leitartikel zu Dresden mit der boshaften Zeile ein: <strong>„Netter Parteitag, aber das war’s.“</strong></p>
<p>Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass der innerparteiliche Aufbruch in den n&#228;chsten Monaten tats&#228;chlich kommt. Doch mit Blick auf die traurige Lage der <a href="http://library.fes.de/pdf-files/id/ipa/06792.pdf">europ&#228;ischen Sozialdemokratien</a> muss man wohl sagen: wahrscheinlich ist er nicht. Die SPD stagniert seit vielen Jahren. Was Sigmar Gabriel in Dresden einforderte &#8211; die &#214;ffnung hin zur Gesellschaft &#8211; stand schon 1988 in meinem <a href="http://www.amazon.de/Die-staatstreu-jugendfrei-Wolfgang-Michal/dp/3499122308/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1258378189&amp;sr=1-2">Buch</a> „Die SPD – staatstreu und jugendfrei. Wie altmodisch ist die Sozialdemokratie?“</p>
<div id="attachment_18356" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/medienfuzzi/4099196982/in/photostream/"><img class="size-medium wp-image-18356 " title="Gro&#223; und Rot auf Flickr" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/11/spd2_300x200.jpg" alt="spd_parteitag" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Die SPD nach Dresden: &quot;Netter Parteitag, aber das war&#39;s&quot; (Foto: @medienfuzzi, cc-by-nc)</p></div>
<p>Inzwischen haben mehrere hunderttausend Genossen ihre Mitgliedsb&#252;cher zur&#252;ckgegeben. Sie sind nicht &#252;bergelaufen zu den Gr&#252;nen und auch nicht zu den Linken. Sie haben sich einfach ausgeklinkt &#8211; aus einer veralteten, ineffektiven, undemokratischen Struktur. Sie sind weiter aktiv, auf kommunaler Ebene, in B&#252;rgerinitiativen, Vereinen, Netzwerken, Schulgremien, sozialen Bewegungen. Die SPD repr&#228;sentieren sie dort allerdings nicht mehr.</p>
<p>Die Partei ist ausgeblutet. Sie hat sich ohne Not isoliert &#8211; und ist dar&#252;ber eine andere geworden. <strong>Und wenn ich Sigmar Gabriel richtig deute, setzt er – trotz vieler rhetorischer Kniffe – auch nicht mehr unbedingt darauf, aus der SPD eine neue Volkspartei machen zu k&#246;nnen.</strong><strong> Das verriet die Art, wie er sie von anderen abgrenzte</strong><strong>.</strong> CDU und FDP, sagte er, vertr&#228;ten vor allem jene B&#252;rger und Unternehmer, die ihr Eigentum sichern wollten. Soziale Gerechtigkeit sei f&#252;r sie zweitrangig. Die Linke fixiere sich dagegen auf Soziale Gerechtigkeit, w&#228;hrend die Freiheit des einzelnen und das Unternehmertum bei ihr kaum eine Rolle spielten. Und die Gr&#252;nen betrachteten alles aus der Vogelperspektive der &#214;kologen, wobei ihnen der soziale Nahkampf aus dem Blickfeld gerate. Nur die SPD erkenne alle diese Ziele als gleichrangig an. Nur die SPD versuche, die auseinanderdriftenden Teile der Gesellschaft wieder zusammen zu binden. Das klingt zwar stark nach Volkspartei – zielt in Wahrheit aber eher auf die Bildung einer ‚&#252;berparteilichen Staatspartei’.</p>
<p>W&#228;hrend sich die anderen Parteien wie richtige Parteien verhalten (indem sie gesellschaftliche Teilinteressen massiv vertreten), m&#246;chte die SPD immer das Gesamtinteresse, das Gemeinwohl vertreten, und alle Teilinteressen moderierend zusammenbinden. <strong>Dieses fatale, seit Jahrzehnten geh&#228;tschelte Selbstbild der SPD wird ihre Entwicklung von der linken Volkspartei zur kleinen Scharnierpartei nur beschleunigen.</strong> Die SPD m&#246;chte die Rolle &#252;bernehmen, die fr&#252;her die FDP ausf&#252;llte und jetzt von den Gr&#252;nen erstrebt wird: Die SPD m&#246;chte, mit oder in Konkurrenz zu Gr&#252;nen und FDP, das Z&#252;nglein an der Waage sein, das mit allen Parteien gleicherma&#223;en koalieren kann. <strong>Die Sozialdemokratie m&#246;chte der gro&#223;e Vers&#246;hner in der Mitte sein, w&#228;hrend die Linken und die CDU die polarisierenden <span style="text-decoration: line-through;">Volksparteien</span> Kr&#228;fte bilden.</strong></p>
<p>Doch Gabriel sollte wissen, dass eine solche Scharnierpartei keine Volkspartei mehr w&#228;re, sondern eine 15-Prozent-Partei &#8211; eine staatstragende „Partei des gem&#228;&#223;igten Fortschritts im Rahmen der Gesetze“ (wie der tschechische Sp&#246;tter und Schwejk-Autor Jaroslav Hasek seine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Partei_f&#252;r_gem&#228;&#223;igten_Fortschritt_in_den_Schranken_der_Gesetze">Partei</a> in Anspielung auf die tschechische Sozialdemokratie nannte). Das ist gewiss eine ehrenvolle Aufgabe, die viel Lob in den Leitmedien auf sich ziehen wird. Aber ein Standpunkt ist es nicht.</p>
<p>Und so muss man wohl feststellen: Das Abschieds-, Aufbruchs-, Vers&#246;hnungs- und Wohlf&#252;hl-Wochenende von Dresden hat die SPD in der Sache nicht weiter gebracht. Politisch haben die Delegierten nichts gekl&#228;rt. Sie haben bestenfalls Pr&#252;fauftr&#228;ge beschlossen. Sie wollen noch einmal <a href="http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11656381/492558/SPD-will-Rente-mit-%C2%A0auf-den-Pruefstand-stellen.html">pr&#252;fen</a>, ob sie ihre Meinung zur Rente mit 67, zu Hartz IV und Afghanistan &#228;ndern m&#252;ssen. Das hei&#223;t: Das Wahlergebnis vom 27. September und die erdrutschartigen W&#228;hler- und Mitgliederverluste gen&#252;gen der SPD als Pr&#252;f<strong>ergebnisse</strong> noch nicht.</p>
<p>Aber was k&#246;nnte der Sinn sein, zu warten, wie die Regierung im n&#228;chsten Jahr das Gesetz zur Verschiebung des Renteneintrittsalters beurteilt? Ist das f&#252;r die SPD relevant? <strong>Die Produktivit&#228;tsfortschritte, die der Siegeszug der Digitalisierung mit sich bringt, werden keine Erwerbsarbeit f&#252;r 66-J&#228;hrige schaffen.</strong> Auch die Afghanistanstrategie wird durch verbale Zugest&#228;ndnisse („Einsatz“, „kriegs&#228;hnlicher Einsatz“, „Krieg“) nicht sinnvoller. Und das schr&#246;dersche Leitmotiv „Fordern statt f&#246;rdern“ kann &#8211; au&#223;er prek&#228;ren Arbeitsverh&#228;ltnissen &#8211; kaum neue Jobs erzeugen. Wer Pr&#252;fauftr&#228;ge zu Fragen vergibt, die schon beantwortet sind, betreibt nur Zeitschinderei.</p>
<p>Die SPD wird also <em>nach</em> Dresden so sein wie <em>vor</em> Dresden. Ein politisches Signal kann fr&#252;hestens vom n&#228;chsten Parteitag ausgehen. Und der soll – wie Gabriel ank&#252;ndigte – im Agendajahr 2010 stattfinden.
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		<title>SPD weiter im Sinkflug: keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 12:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz ihres Bundesparteitags kann sich die SPD nicht aus dem Stimmungstief l&#246;sen. Die Zeiten w&#228;ren g&#252;nstig f&#252;r sie, doch f&#252;r die W&#228;hler ist die SPD nicht mehr die SPD.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9f525c30a12f45159117bfb33791f63f" alt="" width="1" height="1" />Die Situation ist dramatisch: Gerade noch 19 Prozent der Deutschen glauben an eine schnelle Erholung der SPD. Nur noch jeder zweite ihrer W&#228;hler von 2005 hat sie vier Jahre sp&#228;ter wiedergew&#228;hlt. Ein Negativrekord: Nur 21 Prozent w&#252;rden aktuell die ehrw&#252;rdige deutsche Sozialdemokratie w&#228;hlen. Was die SPD doppelt schmerzen muss – &#252;blich ist eher, dass Mitleid, Mitgef&#252;hl und Kopf-hoch-Botschaften ein f&#252;rchterliches Wahldesaster kurze Zeit sp&#228;ter nach oben korrigieren. Stattdessen bekr&#228;ftigen die W&#228;hler in der Sonntagsfrage die Denkzettelwahl: Die SPD ist trotz ihres <a href="http://parteitag.spd.de">Bundesparteitags</a> in einem bemitleidenswerten Zustand.</p>
<p>Dabei sind sorgenvolle Zeiten eigentlich Zeiten der Sozialdemokratie: Gerade im Zeichen von Abschwung, Angst vor Arbeitslosigkeit, &#220;berschuldung und Zukunftsunsicherheit setzen die W&#228;hler auf soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, auf das Soziale der sozialen Marktwirtschaft. Doch in dieser Krise verschwenden die Deutschen kein Herzblut f&#252;r die SPD.</p>
<p>Warum ist das so? Und wo liegen die Chancen einer baldigen Wiederauferstehung?</p>
<p>Grund der desolaten Verfassung: Die SPD ist nicht mehr SPD, nicht mehr die Partei, die soziale Gerechtigkeit in den Schnittpunkt zwischen Wirtschaft und Besch&#228;ftigung stellt. Die SPD hat durch den Zangenangriff von links und rechts ihre Mitte verloren. Bei ihren Themen Gerechtigkeit, Chancengleichheit, gute Gesundheit und sichere Rente haben andere, oft die Linke, die Meinungsf&#252;hrerschaft &#252;bernommen oder die Union sich als handlungsf&#228;higer erwiesen. Seit Ypsilanti mutet keine andere Partei ihren W&#228;hlern soviel Ungewissheit zu. 55 Prozent ihrer W&#228;hler wollen sie weiter links sehen, 39 Prozent in der gem&#228;&#223;igten Mitte – kaum jemand da, wo sie sich jetzt windet. Dennoch sind nur 34 Prozent f&#252;r Rot-Rot auf Bundesebene. Die SPD gilt als wenig vertrauensw&#252;rdig, ihre Worte haben kaum Bestand, zudem als  zerstritten durch Richtungsk&#228;mpfe, zerm&#252;rbt durch viele hohe Niederlagen. Sie steht f&#252;r Vergangenheit, nicht f&#252;r Zukunft.</p>
<p>Dann noch ihr Personal: Gabriel, Steinmeier und Nahles gegen Merkel, zu Guttenberg, von der Leyen und Westerwelle. In der Liste der Politiker, denen eine wichtige Zukunftsrolle zugetraut wird, liegt die Konkurrenz von der Union weit vorn, die SPD-Garde weit hinten. Im Sinkflug ist nun auch Fraktionschef Steinmeier, seitdem sein Angriff auf Merkel und seine Linksanbiederung als wenig authentisch angesehen werden. Dennoch wird er mit klaren Abstand als F&#252;hrungspolitiker gesehen. Unter den SPD-Anh&#228;ngern wollen 67 Prozent Steinmeier als Nummer Eins, nur 23 Prozent Gabriel, gerade noch 10 Prozent Andrea Nahles.</p>
<p>Keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker: So sieht der bemitleidenswerte Zustand der SPD f&#252;r die W&#228;hler derzeit aus.</p>
<p><strong>Und dennoch sollte Schwarz-Gelb nicht zu laut triumphieren</strong>. Sie SPD n&#228;mlich hat gro&#223;e Chancen auf baldige Wiedergenesung: Es gibt weiterhin einen breiten Konsens &#252;ber die Wichtigkeit politischer Aufgaben. Nach wie vor dominieren sozialdemokratische Themen die politische Agenda der Deutschen: Bildung, Abbau der Arbeitslosigkeit, gerechte Altersver-sorgung, richtige Verteilung der Steuerlast, Familienpolitik und Umweltschutz. Schwarz-gelbe Mehrheiten sind also keinesfalls selbstverst&#228;ndlich. Zumal die SPD im W&#228;hlerfazit &#252;ber Schwarz-Rot kaum schlechter als die Union bewertet wurde. Viele W&#228;hler suchen den Anwalt und Unterst&#252;tzer der kleinen, redlichen Leute. Die gem&#228;&#223;igt linke Kraft, die ihre Ziele auch durchsetzen kann. Und gerade dem wird die aktuelle SPD nicht gerecht. Gerade Gestaltungskompetenz jedoch k&#246;nnte ihr Abgrenzungsmerkmal gegen&#252;ber der Linkskonkurrenz sein.</p>
<p>Die gute alte Sozialdemokratie à la Brandt und Schmidt, die auch f&#252;r W&#228;hler der Mitte attraktiv war, ist also keinesfalls &#252;berholt. Nur braucht sie klassische SPD-Themen und keine falschen Machtstrategien; Sozialdemokraten und keine Parteisoldaten. Sie braucht die Renaissance sozialdemokratischer Kompetenz, sie braucht Steinbr&#252;ck und den Au&#223;enminister Steinmeier, nicht jedoch Parteistrategen vom Schlage Gabriels und Nahles&#8217;.</p>
<p>Wie ist das Ist-, wie das Wunschbild der SPD? Gesehen wird sie derzeit als an allen Ecken verbeultes Gef&#228;hrt, das – &#228;hnlich einem ICE – in beide Richtungen fahren kann. Viel lieber w&#228;re den W&#228;hlern dagegen ein guter, zuverl&#228;ssiger, solide laufender Polo. Einen, auf den – und dessen Geradeausfahrf&#228;higkeiten – man sich verlassen kann
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		<title>Leitantrag: SPD fremdelt noch immer mit dem Internet</title>
		<link>http://carta.info/17796/spd-internetpolitik-medienpolitik-parteitag-dresden/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 09:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[SPD]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Leitantrag zum SPD-Parteitag zeigt sich eine leichte programmatische Neujustierung der Partei in der Medien- und Internetpolitik. Trotzdem wirkt ihr Umgang mit dem Netz verkrampft, der nostalgische Blick auf die geordneten Massenmedien der 70er scheint noch nicht &#252;berwunden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5c058cf192b2429dba3fd43deb7b021b" alt="" width="1" height="1" />Auch unter ihrer neuen <a href="http://www.sigmar-gabriel.de/">Partei</a><a href="http://www.andrea-nahles.de/">f&#252;hrung</a>, so verdichten sich die Hinweise, mag die SPD mit dem Internet nicht so richtig warm werden. So zumindest l&#228;st sich der <a href="http://www.spd.de/de/pdf/pt-beschluessse/bpt09_leitantrag_0a_fassung_ak.pdf">Leitantrag der Parteif&#252;hrung</a> f&#252;r den Parteitag in Dresden interpretieren. Dort wird das Internet zwar als der &#8220;Ort einer der <strong>wichtigsten Freiheitsbewegungen</strong> unserer Zeit&#8221; bezeichnet. Zugleich ist in dem Papier aber auch sehr viel Skepsis in Sachen Internet zu lesen.</p>
<p>Das Internet wird als &#8220;<strong>ambivalent</strong>&#8221; und &#8220;<strong>Quelle neuer Bedrohungen</strong>&#8221; beschrieben. Die &#8220;vielf&#228;ltig geteilten &#214;ffentlichkeiten im Internet&#8221; seien auch ein &#8220;<strong>Problem</strong> f&#252;r den freien Austausch von Meinungen&#8221;.</p>
<p>Die SPD fremdelt augenscheinlich noch immer mit dem neuen Mediensystem. Sie sehnt sich nicht nur sozialpolitisch nach ihren Erfolgen aus den 70er Jahren, sondern blickt auch versonnen auf die sch&#246;n geordneten Massenmedienverh&#228;ltnisse von damals zur&#252;ck.</p>
<p>Vom heutigen Medienumfeld f&#252;hlt sich die Partei unverstanden und schlecht vermittelt. Die Bedingungen f&#252;r &#8220;ein vern&#252;nftiges &#246;ffentliches Gespr&#228;ch&#8221; h&#228;tten sich in den letzten Jahren verschlechtert. Es gebe &#8220;gro&#223;e Bedrohungen&#8221; f&#252;r die demokratische &#214;ffentlichkeit. Das Mediensystem wird vor allem als kommerzialisiert und konzernvermachtet wahrgenommen. Die SPD pflegt auch weiterhin ein mittelstarkes Unbehagen mit Medien und Internet – und wirkt dabei mehr als nur ein bi&#223;chen verkrampft.</p>
<p>Dabei ist sich die Partei ihrer latent phobischen Unschl&#252;ssigkeit als Folge von Geringsch&#228;tzung und <a href="http://www.freitag.de/datenbank/freitag/2009/39/wahlkampf-spd-wahlkampfzentrale-insider/">Absentismus</a> in den neuen Medien durchaus bewu&#223;t. Sie gelobt Besserung und appelliert in dem Leitantrag mehrfach, auf die &#8220;Netzaktivisten&#8221; und Blogger zuzugehen. Es soll sogar eine Konferenz unter dem Titel &#8220;Mehr Demokratie wagen &#8211; Teil II&#8221; geben (ein Gl&#252;ck nicht &#8220;2.0&#8243;). Die SPD versucht sich folglich im Leitantrag an einer leichten programmatischen Neujustierung in Sachen Netzpolitik, indem sie sich gegen Internetzensur und f&#252;r Netzneutralit&#228;t ausspricht.</p>
<p>Mit dem Thema Internet- und Medienpolitik wird die SPD keine Wahlen gewinnen oder verlieren. In dem Komplex kann sich jedoch die F&#228;higkeit der Partei zeigen, neue Steuerungsentw&#252;rfe zu schaffen und kulturelle Avantgarden zu integrieren &#8211; oder auch <a href="http://www.spreeblick.com/2009/06/16/auf-nimmerwiedersehen-spd/">nicht</a>. Die Passagen des Leitantrags f&#252;r Dresden zur Internet- und Medienpolitik aber sprechen nicht f&#252;r einen Aufbrauch, sind eher gepr&#228;gt von Verzagtheit und Verunsicherung.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span>Auszug aus dem <a href="http://www.spd.de/de/pdf/pt-beschluessse/bpt09_leitantrag_0a_fassung_ak.pdf">Leitantrag der SPD-Parteivorstands zum Bundesparteitag in Dresden:</a></p>
<blockquote><p><strong>Innere Sicherheit und B&#252;rgerrechte</strong></p>
<p>(…)</p>
<p>Eine zentrale Aufgabe wird es sein, die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit insbesondere im Internet sicherzustellen. Die notwendige Diskussion werden wir auch mit Netzaktivistinnen und <strong>Netzaktivisten sowie der “Blogosph&#228;re”</strong> f&#252;hren. Eine <strong>Zensur des Internets ist keine L&#246;sung</strong>. Wo sie droht, r&#228;umen wir Datenschutz und B&#252;rgerrechten einen h&#246;heren Stellenwert ein.</p>
<p>(…)</p>
<p><strong>Initiative „Demokratie und Freiheit“</strong></p>
<p>(…)</p>
<p>Demokratie braucht &#214;ffentlichkeit. Doch die <strong>Bedingungen f&#252;r ein vern&#252;nftiges &#246;ffentliches Gespr&#228;ch &#252;ber unser Gemeinwesen haben sich in den letzten Jahren verschlechtert</strong>. Daran haben Medienkonzentration und Kommerzialisierung ebenso ihren Anteil wie ver&#228;ndertes Mediennutzungsverhalten, mediale Vermittlungsroutinen, medientechnische Revolutionen oder politische Inszenierungsstrategien. Sozialdemokratische Medienpolitik hat sich nie blo&#223; als Medienwirtschaftspolitik begriffen. Es ist an der Zeit, auch dar&#252;ber zu reden, wie wir eigentlich in unserer Demokratie miteinander reden, welche Informationsm&#246;glichkeiten existieren und wo <strong>echte inhaltliche Debatten &#252;berhaupt noch stattfinden</strong> k&#246;nnen. Wir wollen im kommenden Jahr gezielt das Gespr&#228;ch mit Medienvertretern und Journalistinnen und Journalisten suchen, um auszuloten, wo die <strong>gr&#246;&#223;ten Bedrohungen demokratischer &#214;ffentlichkeit</strong> liegen und wie sie beseitigt werden k&#246;nnen. Die vielf&#228;ltig geteilten &#214;ffentlichkeiten im Internet und die gewachsene kulturelle Vielfalt in unserem Land sind Chance und Problem f&#252;r den freien Austausch von Meinungen. Wir wollen die Medien so gestalten, dass ihr demokratisches Potenzial voll ausgesch&#246;pft wird.</p>
<p>Das Internet ist f&#252;r dieses Vorhaben ebenso zentral wie <strong>ambivalent</strong>, weil es gleichzeitig zur Entgrenzung und Beschleunigung von &#214;ffentlichkeit beitr&#228;gt. Unbestritten aber ist es der Ort einer der <strong>wichtigsten Freiheitsbewegungen unserer Zeit</strong>. Das Internet st&#228;rkt die Entfaltungsm&#246;glichkeiten jedes oder jeder Einzelnen ebenso wie die weltweite Entwicklung demokratischer Inhalte. Wir wollen die nie dagewesenen Beteiligungsm&#246;glichkeiten f&#252;r demokratische Prozesse nutzbar machen und unsere demokratischen Mechanismen auch f&#252;r die digitale Welt &#246;ffnen. Die neuen M&#246;glichkeiten f&#252;r Freiheit und Transparenz im Netz sind gleichzeitig auch <strong>Quelle neuer Bedrohungen</strong>. Und so sind Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung zu den neuen Herausforderungen der B&#252;rgerrechtspolitik geworden. F&#252;r uns ist es Aufgabe des Staates, die Freiheit im Internet zu erhalten und zu sichern. Es gilt das Kreative, das Freie, das Positive dort zu bewahren und zu f&#246;rdern.</p>
<p>Das Internet ist aber auch kein Raum f&#252;r die <strong>Macht oder Kontrolle weniger</strong>. Auch seine Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit anderer beschneidet. Daher braucht auch das Netz Regeln, gesetzliche oder auch vereinbarte. Wir brauchen neue digitale Vereinbarungen, die nicht den herk&#246;mmlich analogen Logiken alleine folgen k&#246;nnen. Das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Das ist ein wichtiger Lernprozess, den wir <strong>in Zusammenarbeit mit Netzaktivisten</strong> gehen werden. Die Debatte dar&#252;ber – auch &#252;ber Fragen der <strong>Netzneutralit&#228;t </strong>- hat gerade erst begonnen.</p>
<p>In einer „Demokratiewerkstatt“ werden wir alle diese Fragen aufwerfen und gemeinsam mit Expertinnen und Experten, Praktikerinnen und Praktikern sowie interessierten B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern er&#246;rtern. 40 Jahre nach Willy Brandts Regierungserkl&#228;rung ist es Zeit f&#252;r „Mehr Demokratie wagen – Teil II“.</p></blockquote>
<p><em>Siehe zu dem Thema auch:</em></p>
<p><em>Frank-Walter Steinmeier: </em><em><a href="http://carta.info/14150/frank-walter-steinmeier-medienpolitik-spd/">“Die Beziehung von Medien und Demokratie ist heute manchmal br&#252;chig”</a></em></p>
<p><em>Marc Jan Eumann: <a href="http://carta.info/15390/netzneutralitaet-eumann-medienpolitik-spd/">SPD-Medienpolitik: Netzneutralit&#228;t muss unbedingt gesch&#252;tzt werden</a></em></p>
<p><em>Montagabend im WDR: <a href="http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2009/1109/index.jsp">Der Fall SPD – &#220;berlebenskampf einer Volkspartei</a></em>
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		<title>Gerechtigkeit f&#252;r Andrea Ypsilanti</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 14:01:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor genau einem Jahr hatte die SPD die einmalige Chance, die kulturelle Hegemonie gegen schwarz-gelb zur&#252;ck zu erobern. Die Konservativen sp&#252;rten das sofort. Und feuerten aus allen Rohren. Die SPD knickte ein. Andrea Ypsilanti nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6fb465f0c5ac44cdb01119738fecf785" alt="" width="1" height="1" />Mitte November (passend zum Volkstrauertag) werden die Sozialdemokraten in Dresden (in der Heimatstadt Herbert Wehners) ihren <span style="text-decoration: line-through;">Einkehr-</span> Aufbruch- und Erneuerungsparteitag <span style="text-decoration: line-through;">aushalten</span> abhalten.</p>
<p>Doch zwei prominente Sozialdemokraten haben bereits im Vorfeld des Parteitags erkl&#228;rt, angesichts der Ereignisse nach der katastrophal verlorenen Bundestagswahl nicht wieder f&#252;r den Vorstand zu kandidieren. Es handelt sich &#8211; und das ist kein Zufall &#8211; um <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Andrea-Ypsilanti-SPD-Hessen;art122,2930253">Andrea Ypsilanti</a> und <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/spd-vorstand-auch-scheer-schmeisst-die-brocken-hin-1516755.html">Hermann Scheer</a>.</p>
<p>Beide standen 2008 f&#252;r einen klaren Aufbruch in Hessen. (Man mag zu den Vorkommnissen damals und zu den beiden Politikern stehen wie man will, aber in Hessen wurde erstmals nach langer Zeit wieder eine klare inhaltliche <a href="http://www.spd-hessen.de/db/docs/doc_21022_20081215182931.pdf">Alternative</a> angeboten). Das Aufbruchsversprechen der hessischen SPD umfasste die sozialdemokratischen <a href="http://www.spd-hessen.de/db/docs/doc_21023_20081215184249.pdf">Kernfelder</a>: eine nachhaltige Energie- und Wirtschaftspolitik, einen Ausbau der &#246;ffentlichen Daseinsvorsorge, die faktische R&#252;ckkehr zum Thema Soziale Gerechtigkeit und eine neue Bildungspolitik.</p>
<p>Dieser Aufbruch wurde am <a href="http://www.tagesschau.de/inland/ypsilanti168.html">3. November 2008</a> nicht nur von den vier ber&#252;hmt gewordenen Abweichlern torpediert, sondern ebenso sehr von der damaligen Parteispitze. Vordergr&#252;ndig ging es dabei um die Frage, ob sich eine rot-gr&#252;ne Landesregierung angesichts des bevorstehenden Bundestagswahlkampfes von ein paar Abgeordneten der Linksfraktion tolerieren lassen d&#252;rfe. Zugespitzt wurde die Frage dann anl&#228;sslich der Ministerpr&#228;sidentenwahl. In seltener (medialer) Einm&#252;tigkeit wurde ein hysterisches Klima erzeugt, in dem es nur noch um Wortbruch ging, und nicht mehr um die M&#246;glichkeit, die eigene Politik gestalten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Warum es am 3. November zum gro&#223;en Kladderadatsch kam, hat Hermann Scheer in den „Bl&#228;ttern f&#252;r deutsche und internationale Politik“ ausf&#252;hrlich <a href="http://www.blaetter.de/artikel.php?pr=3004">beschrieben</a>. Und Scheer und Ypsilanti k&#246;nnen sich noch gut erinnern, wie der stellvertretende Parteivorsitzende Steinbr&#252;ck am Tag der Landtagswahl Andrea Ypsilantis R&#252;cktritt forderte.</p>
<p>Im Oktober nun, unmittelbar nach der verlorenen Bundestagswahl und der ger&#228;uschlosen Personalrochade in der Parteif&#252;hrung, haben sich die beiden Gelinkten nochmals zu Wort gemeldet. Mit Blick auf den „neuen“ Oppositionsf&#252;hrer sagte Andrea Ypsilanti, sie habe nach der Hessenwahl wenigstens die Verantwortung f&#252;r ihre Fehler &#252;bernommen, w&#228;hrend andere „die moderne Form der Verantwortungs&#252;bernahme“ vorgezogen h&#228;tten und sofort wieder neue F&#252;hrungs&#228;mter reklamierten. Nicht einmal nach dem Desaster der Bundestagswahl seien die F&#252;hrungsgremien zu einer politischen Analyse bereit.</p>
<p>Bitter beklagte sich Ypsilanti auch &#252;ber jene Parteifreunde, die das hessische Experiment „systematisch diskreditiert“ h&#228;tten, selbst aber mit „inhaltlichen Wortbr&#252;chen“ (Mehrwertsteuererh&#246;hung, Teile der Agenda 2010) zum Identit&#228;tsverlust der SPD, und in dessen Folge „zu hunderttausenden <a href="http://www1.bpb.de/themen/1YML48,0,Mitgliederentwicklung.html">Parteiaustritten</a> und serienm&#228;&#223;igen Niederlagen beigetragen haben&#8221;. Scheer wurde noch <a href="http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E759D8E7402104A878C298F2F07D1A9B9~ATpl~Ecommon~Scontent.html">deutlicher</a>: Die diskussionslose Installierung von Ex-Umweltminister Gabriel zeige, dass die Partei ihre Erneuerung nicht wirklich anstrebe. Nach jeder Niederlage w&#228;hle die SPD das gleiche sinnlose Verfahren: Blo&#223; keine Diskussion &#252;ber die Gr&#252;nde!</p>
<p>Damit soll nun <a href="http://spd-von-unten.de/">Schluss</a> sein. <strong>Am Sonntag findet in Kassel ein </strong><span style="text-decoration: line-through;">Gegenparteitag</span><strong> </strong><strong>Basisratschlag der SPD-internen Kritiker statt*</strong>. Scheer und Ypsilanti (und kurz darauf in G&#246;ttingen auch Herr L&#252;bberding vom lesenswerten Blog <a href="http://www.weissgarnix.de/2009/10/08/weissgarnix-ladt-zum-streit/">weissgarnix</a>) wollen eine <a href="http://spd-geislautern.de/copy_of_nachrichten/14-thesen-zu-lage-und-zukunft-der-spd.html">Diskussion</a> <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,657375,00.html">anzetteln</a>, die zwar viele Sozialdemokraten artig f&#252;r &#252;berf&#228;llig erkl&#228;ren – die aber trotzdem wieder von oben gesteuert werden soll. Denn, so hei&#223;t es, die SPD d&#252;rfe nicht aus dem Ruder laufen.</p>
<p>Ja, was denn sonst!? Sie muss endlich mal aus dem Ruder laufen! Damit ihre Mitglieder &#252;ber die Frage nachzudenken beginnen, ob Galeeren, auf denen einer mit der Basta-Peitsche den Takt vorgibt, und die anderen gehorsam und stumm vor sich hin rudern, noch zeitgem&#228;&#223;e Fortbewegungsmittel sind.</p>
<p><em>*Es w&#228;re allerdings fatal, wenn sich das Kasseler Treffen mit der Nostalgie-Parole &#8220;Zur&#252;ck in die siebziger Jahre&#8221; zufrieden geben w&#252;rde.</em>
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