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	<title>CARTA &#187; Social Web</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Was die re:publica f&#252;r mich bedeutet</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 19:17:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kerstin Hoffmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Okay, ich geh&#246;re vielleicht nicht zum harten Kern der Szene. Ich arbeite in der Unternehmenskommunikation. Interessant war die re:publica aber in vielerlei Hinsicht. Hier meine Bilanz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Was soll ich denn auf der re:publica?”, meinte ein PR-Kollege im Vorfeld. “Da sind nicht meine Kunden.” Klar, meine auch nicht! Aber ich gehe stellvertretend f&#252;r sie zu der j&#228;hrlichen Konferenz, die sich von einem Blogger-Klassentreffen zu einer der wichtigsten europ&#228;ischen Tagungen &#252;ber Blogs, Internet und Social Web entwickelt hat. Um neue Entwicklungen und Str&#246;mungen aufzunehmen, mitzubringen und auch zu &#252;bersetzen.</p>
<p>Vor allem aber treffe ich auf einen gro&#223;en Teil meines virtuellen Netzwerks live und zum Anfassen: Facebook-Kontakte, Twitterer und jede Menge Kollegen. Kurz: alle diejenigen, mit denen ich mich jeden Tag austausche, gegenseitig verlinke, empfehle; denen ich verdanke, dass andere von meinen Blogbeitr&#228;gen erfahren; die ebenfalls Fachwissen und interessante Sichtweisen zu Unternehmenskommunikation und Social Web beitragen.</p>
<p>Ich habe hinterher mal eine kleine Liste angelegt, und ich bin auf rund 40 Personen gekommen, mit denen ich mich innerhalb von drei Tagen intensiver unterhalten habe. Viele k&#252;rzere Begegnungen kommen hinzu. Manche Leute habe ich nach Jahren das erste Mal wieder getroffen. Ich kann dieses Begegnungen nicht anders als mit dem Adjektiv “begl&#252;ckend” bezeichnen. F&#252;r mich ist die re:publica ein Treffen mit Freunden, mit denen ich das berufliche Interesse teile. Und so geht es offensichtlich nicht nur mir.</p>
<h3><span style="color: #ffffff">.</span></h3>
<h3><em>Vortr&#228;ge: von ziemlich schwach bis richtig gut!</em></h3>
<p>Da f&#228;llt es dann ganz sch&#246;n schwer, es rechtzeitig wenigstens in den einen oder anderen Vortrag zu schaffen. Einige habe ich mir angesehen. Einige habe ich nach wenigen Minuten verlassen, weil ich sie so belanglos fand. Andere h&#228;tten von mir aus noch stundenlang so weitergehen k&#246;nnen. Das ist sicherlich zugleich die gr&#246;&#223;te St&#228;rke und die gr&#246;&#223;te Schw&#228;che dieser Konferenz: Dass jeder, der ein interessantes Thema hat, dieses zur Auswahl einreichen kann. Dass aber ein gutes Exposé noch keinen guten Vortragenden macht. Im Grunde, da war ich mir mit vielen anderen einig, m&#252;sste man die Speaker regelrecht casten – aber wie will man das leisten bei rund 350 Rednern?</p>
<p>Ein genialer Schachzug war der Wechsel von der alten Location (Friedrichstadtpalast) in die Station Berlin am Gleisdreieck. Endlich gen&#252;gend Platz, weniger Gedr&#228;nge, nur einige Vortr&#228;ge &#252;berf&#252;llt und vor allem: ein riesiger Bereich in der Mitte (mit mehreren Sitzlandschaften, die schnell die Bezeichnung “Affenfelsen” weghatten und ausreichend Monobloc-St&#252;hlen), in dem man sich niederlassen und beobachten konnte, und wo fr&#252;her oder sp&#228;ter jede(r) mal vorbeikam. Im Grunde ist die re:publica unbeschreiblich, und selbst wer viel auf Tagungen unterwegs ist, kann sie sich nur richtig vorstellen, wenn er sie erlebt hat.</p>
<h3><span style="color: #ffffff">.</span></h3>
<h3><em>Die letzten Konstanten, die uns bleiben</em></h3>
<p>Zum Gl&#252;ck gab es wenigstens einige Konstanten, mit denen sich die re:publica &#252;ber die Jahre treu geblieben ist. Eine davon: das praktisch nicht funktionierende WLAN – je nach Naturell des Betreffenden ein Quell der lautstarken Emp&#246;rung oder der stillen Belustigung. Ich geh&#246;re eher zur letzteren Fraktion. Aber ich muss, ich darf dort auch nicht die ganze Zeit twittern, auch wenn ich mich manches Mal doch arg zur&#252;ckhalten musste.</p>
<p>Doch viele meiner nicht-ganz-so-geekigen Empf&#228;nger w&#252;rden mir was husten und mich massenhaft entfolgen, wenn ich st&#228;ndig kryptische Botschaften mit mindestens sieben @-Zeichen und einer Saalnummer posten w&#252;rde. Ich geh&#246;re halt nicht zum harten Kern der Szene. Meine Rolle ist eher die einer Mittlerin zwischen dem High End des Social Web und der “klassischen” Welt.</p>
<h3><span style="color: #ffffff">.</span></h3>
<h3><em>Was hei&#223;t das denn nun f&#252;r die Unternehmenskommunikation?</em></h3>
<p>Was bringe ich von der re:publica f&#252;r die Unternehmenskommunikation mit, f&#252;r meine t&#228;gliche Arbeit und f&#252;r die meiner Kunden? Hier einige meiner Ideen dazu:</p>
<p><strong>Die re:publica macht Spa&#223; – und Lust auf mehr.</strong> Mir jedenfalls. Ich nehme so viele Eindr&#252;cke, Idee, neue Blickwinkel und Erinnerungen an Begegnungen mit, dass ich sicher noch einige Wochen brauchen werde, um das alles zu verarbeiten. Die Verbindung zu meinem Netzwerk und die Verbindungen zu einzelnen Menschen haben sich intensiviert, verst&#228;rkt, sind enger geworden. Daraus wird sich ganz sicher Weiteres entwickeln.</p>
<p><strong>Das Social Web ist l&#228;ngst Mainstream</strong> in den Unternehmen; oder sollte es zumindest sein. Wer den Paradigmenwechsel in der Kommunikation nicht mitmacht und sich f&#252;r neue Formen &#246;ffnet, wird fr&#252;her oder sp&#228;ter untergehen.</p>
<p><strong>Es gibt noch eine Menge zu tun.</strong> Bis das, was auf der re:publica l&#228;ngst als selbstverst&#228;ndlich vorausgesetzt wird, &#252;berall angekommen ist, wird noch eine Weile vergehen. Vieles, was ich dort mit Kollegen diskutiert habe, muss ich meinen Lesern und Kunden sehr vorsichtig nach und nach nahebringen.</p>
<p><strong>Zwei Dinge sind besonders spannend: die Technik und die Crowd.</strong> Jedenfalls f&#252;r mich. Was soziale Medien bewirken k&#246;nnen, ganz gleich, ob auf politischer Ebene oder im direkten Umfeld, das finde ich immer wieder faszinierend. Das sind (auch) Themen f&#252;r die Unternehmenskommunikation. Zumindest erlebe ich es so, dass der Austausch sich immer st&#228;rker vernetzt; dass Grenzen sich verwischen. Das liegt auch an Technologien, Plattformen und technischen M&#246;glichkeiten. Informationsfl&#252;sse werden immer schneller, verschachtelter, umfangreicher. Das bedeutet auch:</p>
<p><strong>Kommunikationsleute werden immer mehr zu Lotsen in einer komplexen Medienwelt.</strong> Shitstorms sind ja das gro&#223;e Thema dieses Jahres, und pl&#246;tzlich f&#252;rchtet jede kleine Klitsche, dass sie ein solcher ereilen k&#246;nnte, bevor sie &#252;berhaupt nennenswert Reichweite aufgebaut hat. Es ist auch die Aufgabe solcher Konferenzen, die Dinge zurechtzur&#252;cken, zu ordnen. Und denjenigen, die danach wieder in ihre Unternehmen, B&#252;ros, Beratungsfirmen gehen, Strukturen mitzugeben, um das Wissen weiterzureichen.</p>
<p><strong>Wirkliche Neuerungen sind derzeit Mangelware.</strong> Urheberrecht und Pers&#246;nlichkeitsrechte sind die gro&#223;en Themen. Ebenso: Wie kann man Technologien vorantreiben, wenn Firmen immer noch &#228;ngstlich auf ihrem Herrschaftswissen hocken? Aber:</p>
<p><strong>Es fehlen ein bisschen die Visionen</strong>… jedenfalls auf der re:publica: viele, viele interessante Details, technische Neuerungen, interessante Erkenntnisse. Aber ansonsten besch&#228;ftigen sich die meisten vor allem damit, wie es gelingen kann, die (nicht mehr ganz so) neuen Entwicklungen und Formen zu verstetigen, &#252;berall hin zu tragen und auch noch dem Letzten zu erkl&#228;ren, wo es wirklich langgeht. Dabei m&#252;sste wenigstens eine technische und philosophische Elite sich meiner Ansicht nach wieder st&#228;rker zu ganz neuen Ufern aufmachen. Ja, ich wei&#223;: Wer n&#246;rgelt, muss auch sagen, was man anders machen soll. Aber wie das nun genau aussehen k&#246;nnte? Das wei&#223; ich leider auch nicht. Ich bin eben auch nur eine einfache PR-Tussi. Aber ich denke nochmal dr&#252;ber nach. Wenn mir etwas eingefallen ist, sage ich Bescheid. Sp&#228;testens auf der re:publica 2013.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2012/05/07/so-weit-unser-netz-uns-tragt/">PR-Doktor</a></em></p>
<p style="margin-bottom: 1em">&nbsp;</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/f8db6f927839461288b9614990214410" width="1" height="1" alt=""/>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43561&amp;md5=1002f3776e6b8dd041e4fab1c6ccb52f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Arianna Huffington und ihre Blogger: Das Ende vom Web 2.0?</title>
		<link>http://carta.info/38046/arianna-huffington-und-ihre-blogger-das-ende-vom-web-2-0/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 05:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ausgerechnet an AOL wird die Huffington Post verkauft und einige ihre Blogger geben sich dar&#252;ber emp&#246;rt. Ist der Deal ein Verrat an den "Idealen des Web 2.0"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch vor kurzem h&#228;tte das kaum jemand f&#252;r m&#246;glich gehalten: Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Huffington_Post" target="_blank">Huffington Post</a>, 2005 erst gegr&#252;ndet, wird f&#252;r <a href="http://techcrunch.com/2011/02/06/armstrong-memo-aol-huffpo/"><strong>315 Millionen US-Dollar</strong></a> verkauft &#8211; und das ausgerechnet an AOL. Doch es herrscht nicht nur Freude &#252;ber diesen Deal. Insbesondere unter den Bloggern, die unentgeltlich f&#252;r die Huffington Post geschrieben haben, macht sich jetzt &#196;rger breit.</p>
<p>So k&#252;ndigt <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2011/feb/09/arianna-huffington-aol-douglas-rushkoff" target="_blank">Douglas Rushkoff </a>medienwirksam im Guardian an, dass er zwar gerne unentgeltlich f&#252;r Arianna Huffington schreiben w&#252;rde, nicht aber f&#252;r AOL. Sein Text, der mit einer Art Pluralis Majestatis als Stilmittel arbeitet, will offensichtlich f&#252;r m&#246;glichst viele der &#252;ber 9.000 Huffpo-Blogger sprechen. Deren Stimmungslage mag er damit zwar gut treffen, zugleich m&#252;ssen sich diese Personen aber auch die Frage gefallen lassen, wo sie zuletzt ihre Augen hatten.</p>
<p>Die Huffington Post ist schon seit l&#228;ngerem nicht mehr nur der selbstlose linksliberale Leuchtturm, der einem besseren Amerika und dem &#8220;Web 2.0&#8243; Orientierung bietet. Zwar hat das Online-Medium seine politische Ausrichtung immer beibehalten, daneben aber auch mit einer ordentlichen Portion an Pragmatismus zielstrebig seine Reichweite ausgebaut. Bei der Wahl der Mittel war man dabei nicht zimperlich. Der Boulevard machte sich breit und mit ihm kam die Suchmaschinenoptimierung. Die Blogger wollen das nicht bemerkt haben?</p>
<p>Als Obama Pr&#228;sident wurde, hatte die Huffington Post dazu die sch&#246;nsten Bilder und auch schon die passenden Texte zur Garderobe der neuen First Lady. Sp&#228;testens da h&#228;tte man merken k&#246;nnen, in welche Richtung der Zug rollt. Sich jetzt dar&#252;ber <a href="http://paidcontent.org/article/419-aol-huffpo-arianna-and-the-free-blog-economy/" target="_blank">mokieren</a>, dass Arianna Huffington die Ideale der Blogger f&#252;r sich ausgenutzt habe, wirkt kleinlich und deplatziert.</p>
<p>Denn man kann die Story auch in einem anderen Licht betrachten. Die Huffington Post war nicht einfach nur eine Art Blog-Zeitung, sondern schon relativ fr&#252;h sehr technik- und reichweitenfokussiert. Gut auf den Punkt bringt das eine <a href="http://www.businessinsider.com/seven-secrets-that-led-to-huffington-posts-315000000-success-2011-2#" target="_blank">Artikel-Klickstrecke</a> (!) im Business Insider, die deutlich macht, wie zielgerichtet die Mannschaft rund um Arianna Huffington vorgeht. Diese Arbeit hat nicht zuletzt auch den Bloggern geholfen, ihre pers&#246;nliche Reichweite zu verbessern.</p>
<p>Wie die Huffington Post dabei praktisch vorgeht, hat exemplarisch <a href="http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2011/02/08/why-the-nyt-will-lose-to-huffpo/" target="_blank">Felix Salmon</a> aufgezeigt: Die New York Times landet einen Scoop, die Huffington Post springt auf das Thema auf und erreicht damit ein Vielfaches an Kommentaren &#8211; und vermutlich auch an Page Views. Das Bemerkenswerte daran ist nicht, dass die Huffington Post bei der New York Times abkupfert, sondern dass die &#8220;Ideale des Web 2.0&#8243; keine sind: Ihrer Logik zufolge m&#252;sste die New York Times den meisten Traffic und die meisten Kommentare erhalten, denn sie hat schlie&#223;lich den Scoop produziert. Tats&#228;chlich aber schl&#228;gt die Huffington Post mehr Kapital aus dem Thema, weil sie sich nicht auf die Wirkung einer guten Story allein verl&#228;sst, sondern mit einer perfektionierten Technik alles daran setzt, dass jeder ihrer Artikel zum viralen Hit werden kann. Vorsprung durch Technik, k&#246;nnte man dazu auch sagen.</p>
<p>Diese Art von Vorsprung ist es am Ende, der den hohen Kaufpreis und die &#220;bernahme durch AOL m&#246;glich gemacht hat. Die Blogger der Huffington Post sollten sich klar machen, dass mit dem Verkauf keine neuen Zeiten anbrechen und dass sie selbst von der Technik der Plattform profitiert haben. Im &#220;brigen heisst das &#8220;Web 2.0&#8243; neuerdings &#8220;Social Web&#8221; und dr&#252;ckt damit sehr gut aus, was man als Blogger von der Huffpo erwarten kann: Social satt.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38046&amp;md5=1a04a7ddb008e23140e9523252cebdc5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sonnenuntergang bei Delicious</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 16:16:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Yahoo! will den popul&#228;ren Bookmarking-Dienst Delicious schliessen (oder verkaufen). Die Trauer dar&#252;ber ist gro&#223;, sei es wegen des m&#246;glichen Endes einer Ikone des Web 2.0, sei es wegen der Einsicht, dass im Netz nicht alles gratis zu haben ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sonnenunterg&#228;nge sind ja etwas Sch&#246;nes. Nur wenn sie zur Metapher f&#252;r das <strong>Ende eines Dienstes</strong> wie <a href="http://www.delicious.com">Delicious</a> verwendet werden, kommen dabei nat&#252;rlich keine positiven Gef&#252;hle hoch. Bei Yahoo! hat man dieser Tage nicht nur mehrere Hundert Mitarbeiter entlassen, sondern auch das Ende einer Reihe von Diensten, darunter Delicious, <a href="http://gigaom.com/2010/12/16/yahoo-starts-to-hack-off-some-dead-limbs/">verk&#252;ndet</a> &#8211; unter der Bezeichnung &#8220;Sunset&#8221;.</p>
<p>Im Social Web gab es darauf ein wehm&#252;tiges Echo, von einem Protest zu sprechen w&#228;re aber &#252;bertrieben. Immerhin geh&#246;rte der<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Delicious_(website)"> Bookmarking-Dienst Delicious</a>, der 2003 gegr&#252;ndet und bereits 2005 von Yahoo! &#252;bernommen wurde, immer zur <strong>&#8220;Grundausstattung&#8221; des Web 2.0</strong>. Er war gewisserma&#223;en Teil der Verhei&#223;ung auf eine bessere Welt, die mittels User-Generated Content geschaffen w&#252;rde. Wem das heute verwunderlich erscheint: Es gab damals schon die Wikipedia und etliche Blogs, aber noch kein YouTube, so dass das Bild vom User-Generated Content noch ein anderes war.</p>
<p>Die Jahre bei Yahoo! sind Delicious nicht bekommen. Dem kreativen Anfang folgte im Grunde nur noch die konzeptionelle Stagnation, bei Yahoo! wusste man mit dieser Akquisition sichtlich nichts anzufangen. In der Folge entwickelten sich etliche Wettbewerber zu Delicious, die aber von dessen relativer Unbeweglichkeit nicht recht profitieren konnten. Denn die Musik im Social Web spielte nicht mehr bei der doch eher trockenen Materie der Schlagw&#246;rter und Lesezeichen, sondern in immer st&#228;rkerem Ma&#223;e auf YouTube und in Social Networks wie MySpace und sp&#228;ter Facebook.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund h&#228;tte man Delicious dringend weiterentwickeln m&#252;ssen, damit es heute vielleicht dort stehen k&#246;nnte, wo Startups wie <a href="http://www.quora.com">Quora</a> ihren Ausgangspunkt setzen. Denn das Organisieren von Wissen (und Wissensl&#252;cken) ist unver&#228;ndert eine hochinteressante Materie mit der Aussicht auf Gesch&#228;ftspotenziale, in die Venture Capitalists bereit sind, zweistellige Millionenbetr&#228;ge zu investieren.</p>
<p>Bei Yahoo! wollte man aber offensichtlich nicht investieren, sondern suchte eine <strong>Cash Cow</strong>, zu der sich Delicious nie entwickelt hat. Das freilich h&#228;tte man schon fr&#252;h sehen k&#246;nnen, denn Delicious war und ist ein kostenloser Dienst, zu dem es schon vor der &#220;bernahme durch Yahoo! skeptische Diskussionen in Blogposts dar&#252;ber gab, ob er sich je in dieser Form w&#252;rde monetarisieren lassen, etwa <a href="http://37signals.com/svn/archives2/search_for_a_business_model.php">hier</a>, im Blog von 37signals aus dem April 2005.</p>
<p>Dazu kommt, dass Delicious zu sehr ein Kind seiner Zeit war, in der man glaubte, im Social Web m&#252;ssten alle Angebote grunds&#228;tzlich kostenlos sein. Seine Wettbewerber von heute wissen es besser: <a href="http://www.diigo.com/">Diigo</a>, <a href="http://www.evernote.com/">Evernote</a>, <a href="http://www.instapaper.com/">Instapaper</a> oder <a href="http://pinboard.in/">Pinboard</a> sind nur noch teilweise kostenlos und verlangen entweder f&#252;r einen Teil ihrer Funktionen Geld oder aber sie kassieren bei den Applikationen f&#252;r die mobile Nutzung. Aber selbst das macht diese Dienste wohl nur bedingt lukrativ und d&#252;rfte kaum den Vorstellungen von Profitabilit&#228;t entsprechen, die das Management von Yahoo! bei seinen j&#252;ngsten Entscheidungen angelegt hat.</p>
<p>Die Konsequenz, den Dienst zu schliessen, ist deshalb aus der Sicht von Yahoo! verst&#228;ndlich. Die Freunde von Delicious werden den Verlust verschmerzen k&#246;nnen, gibt es doch reichlich <a href="http://searchengineland.com/10-alternatives-to-delicious-com-bookmarking-59058?utm_source=SEM+news+tips+gossips&amp;utm_medium=Twitter&amp;utm_campaign=SEM+news+tips+gossips&amp;utm_content=SEM+news+tips+gossips&amp;utm_term=SEM+news+tips+gossips">Alternativen</a> und zudem eine Exportfunktion, mit der man seine Daten bequem mitnehmen und anderswo wieder integrieren kann.</p>
<p>Nicht zuletzt k&#246;nnte das Beispiel die <strong>Zahlungsbereitschaft im Social Web</strong> steigern helfen, so dass vergleichbare Dienste k&#252;nftig auf materiell besserer Basis kalkulieren k&#246;nnen. Denn auf Dauer gibt es nur diese M&#246;glichkeit: Was sich nicht &#252;ber Werbung quer finanzieren l&#228;sst, kann nur als Bezahlangebot funktionieren. Ansonsten droht der Sonnenuntergang.</p>
<p><strong>Update am 18.12.2010:</strong></p>
<p>Aufgrund der Tatsache, dass die m&#246;gliche Schliessung (&#8220;Sunset&#8221;) von Delicious aus einer internen Besprechung von Yahoo! heraus bekannt wurde und f&#252;r deutliche Kritik am Unternehmen sorgte, scheint man jetzt zur&#252;ck zu rudern und spricht inzwischen von einer Art Verkauf (&#8220;home outside the company&#8221;). Dazu gibt es eine <a href="http://blog.delicious.com/blog/2010/12/whats-next-for-delicious.html">Meldung im Blog von Delicious</a>, die wiederum beissende Kritik zur Folge hatte, etwa von <a href="http://daringfireball.net/linked/2010/12/17/delicious-next">John Gruber</a> und <a href="http://techcrunch.com/2010/12/17/yahoo-disaraay/">Michael Arrington</a>.
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		<title>Flipboard: Schnelles Ende der iPad-Euphorie bei den Verlagen?</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 14:50:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Flipboard ist eine neue Medien-Applikation f&#252;r das iPad, die f&#252;r mehr als einen kurzen Medien-Hype gut sein kann: Sie zeigt einen Weg in die mediale Zukunft, k&#228;mpft aber auch noch mit eingebauten Schw&#228;chen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/012e43e91ac14b728f50ea754398782b" alt="" width="1" height="1" />Apples iPad wird<strong> die Verlagsindustrie retten</strong>, meinte bekanntlich Springer-Chef <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article7100171/Mit-dem-iPad-beginnt-eine-neue-Aera.html">Mathias D&#246;pfner</a> und empfahl Verlegern, einmal t&#228;glich Steve Jobs daf&#252;r zu danken. Dabei wird D&#246;pfner allerdings kaum an Medienformate gedacht haben, wie sie uns nun in Gestalt von Flipboard entgegen treten. Die Zukunft von Medien auf Ger&#228;ten wie dem iPad kann eben auch ganz anders aussehen, als Verleger bis vor kurzem noch dachten.</p>
<p><a href="http://www.flipboard.com/">Flipboard</a> ist eine kostenlose <strong>Applikation f&#252;r das iPad</strong>, die in ihrer Optik an ein Magazin erinnert. Man bl&#228;ttert sie durch wie ein Heft und die einzelnen Seiten rei&#223;en jeweils zwei oder mehr Themen an, deren Textbl&#246;cke, &#220;berschriften und Illustrationen wie aus einem gedruckten Vorbild &#252;bernommen wirken. Tats&#228;chlich aber ist Flipboard kein Magazin im klassischen Sinne, sondern in seiner Machart eher den RSS-Readern verwandt:</p>
<p>Es bezieht seine Inhalte aus anderen Medien (<a href="http://gizmodo.com/5594176/">ohne dabei die RSS-Technologie zu verwenden</a>) und folgt daf&#252;r den Empfehlungen bzw. Links, welche die Facebook-Freunde bzw. Twitterer, denen der jeweilige Flipboard-Leser folgt, gesetzt haben. Deren Name und Profilbild wird bei jedem Artikel mit eingeblendet, so dass der Leser erf&#228;hrt, wem er eine Empfehlung verdankt. &#196;hnlich wie bei <a href="http://rivva.de/social/rivva">Rivva Social</a> bekommt der Nutzer also seinen pers&#246;nlichen Nachrichtenstrom zusammengestellt.</p>
<div id="attachment_31095" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-carta.jpg"><img class="size-full wp-image-31095" title="flipboard-carta" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-carta.jpg" alt="Empfehlungen von Carta auf Flipboard" width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Empfehlungen von Carta auf Flipboard</p></div>
<p>Am Dienstag (20.07.2010) wurde der Dienst vorgestellt, seither berichten die Medien fast durchweg von <strong>positiven ersten Eindr&#252;cken</strong>, die meisten Tech-Blogs sind schlicht begeistert. In der Folge war der Run auf die Applikation, die derzeit nur den gut 3 Millionen Besitzern eines iPad zug&#228;nglich ist, zeitweise so gro&#223;, dass die Server von Flipboard dem <a href="http://scobleizer.com/2010/07/22/flipboard-a-startups-first-bad-day-or-success/">Ansturm</a> nicht ganz gewachsen waren.</p>
<p>Tats&#228;chlich ist Flipboard optisch sehr ansprechend, was auf dem iPad naturgem&#228;&#223; gut zur Geltung kommt. Diese Applikation will aber nicht nur mit einer sch&#246;nen Oberfl&#228;che gl&#228;nzen: Sie tritt mit dem Anspruch an, Wichtiges von Unwichtigem trennen zu k&#246;nnen, Doubletten zu vermeiden und aktuelle Trends in der Nachrichtenlage zu ber&#252;cksichtigen. Zum Einsatz kommen hierf&#252;r <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/flipboard_new_social_ipad_magazine_will_be_powered_by_semantic_data.php?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed:+readwriteweb+(ReadWriteWeb)">semantische Technologien</a> und nat&#252;rlich jede Menge Algorithmen.</p>
<p>Flipboard stellt damit wohl aktuell die <strong>technologische Spitze</strong> dessen dar, was ein <strong>computerisiertes Redaktionssystem </strong>zu leisten vermag: Die Software erstellt ein sich laufend aktualisierendes, personalisiertes Nachrichtenmedium im Layout eines Magazins, das &#252;ber die wahlweise Einbindung von Facebook und Twitter (geplant sind weitere Dienste) individuell und sehr aktuell auf die pers&#246;nlichen Informationsinteressen seiner User eingehen kann.</p>
<div id="attachment_31097" class="wp-caption alignleft" style="width: 394px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-hf.jpg"><img class="size-full wp-image-31097" title="flipboard-hf" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-hf.jpg" alt="Recht ausf&#252;hrliche Artikelvoransicht: Links und Formatierungen fehlen allerdings." width="384" height="365" /></a><p class="wp-caption-text">Recht ausf&#252;hrliche Artikelvoransicht: Links und Formatierungen fehlen allerdings.</p></div>
<p>Dazu kommt bei diesem Ansatz, dass er keine Trennung mehr zwischen klassisch-redaktionellem Content (Artikel aus einer Zeitung) und privaten Meldungen (Fotos aus dem Urlaub) zieht. Flipboard spiegelt damit wieder, wie sich auf Social Networks die Sph&#228;ren Privates und Berufliches, Nachrichten und Unterhaltung mischen k&#246;nnen. Das aber ist kein Zwang, denn man kann sich &#252;ber die Funktion der Twitterlisten auch &#8220;sortenreine&#8221; Nachrichtenkan&#228;le einrichten.</p>
<p>Ganz rund l&#228;uft das alles freilich noch nicht. Doppelmeldungen auf Twitter werden noch nicht ganz eliminiert, das System hat hier noch eine leichte Schw&#228;che. Schwerer wiegt der Umstand, dass die angerissenen Artikel mit ihren Illustrationen (sofern vorhanden) und &#220;berschriften zwar sehr gut aussehen, die Textbl&#246;cke aber doch recht abrupt enden oder teils so kurz ausfallen, dass ein sinnvolles Einlesen in das Thema eines Artikels nicht m&#246;glich ist. Hier merkt man, dass eine klassische Redaktion &#8220;aus Fleisch und Blut&#8221; immer noch mehr leisten kann als ein rein software-gest&#252;tztes System. Freilich gelingt letzterem eine Individualisierung, vor der jede menschliche Redaktion dieser Welt schlicht kapitulieren muss.</p>
<div id="attachment_31106" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/Foto4.jpg"><img class="size-medium wp-image-31106" title="Foto4" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/Foto4-300x225.jpg" alt="Auch Tweets ohne Links werden angezeigt. Zwischen Werbung und relevanten Inhalten kann ein Algorithmus jedoch nur schwer unterscheiden." width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Auch Tweets ohne Links werden angezeigt. Zwischen Werbung und relevanten Inhalten kann ein Algorithmus jedoch nur schwer unterscheiden.</p></div>
<p>Abzuwarten bleibt, welche Akzeptanz dieser Dienst &#252;ber den Anfangs-Hype hinaus finden wird und wie stark er im Lauf der Zeit verbessert wird. Im (Social) Web gab es schlie&#223;lich schon zahllose Versuche, Nachrichten zu aggregieren, auf breiter Ebene durchgesetzt hat sich davon aber praktisch noch nichts. Bei Flipboard k&#246;nnte es passen, sofern die Artikel-Teaser mittelfristig so gut werden, dass sie f&#252;r den Leser durchg&#228;ngig einen echten Mehrwert darstellen und die Konzentration auf Wesentliches wirklich gelingt.</p>
<p>Ansonsten bleibt das Publikum vermutlich auf <strong>Facebook oder Twitter</strong>, denn kurz und kryptisch k&#246;nnen auch diese beiden Dienste. Bei Facebook kann man zudem darauf wetten, ab wann auch hier in der Timeline des News-Feeds Teaser nach der Machart von Flipboard auftauchen werden: Finden die Leser Flipboard gut, d&#252;rfte sich Mark Zuckerberg nicht zu schade sein, diese Funktion so gut wie m&#246;glich f&#252;r sein Social Network zu kopieren.</p>
<p>Ein weiteres Problemfeld f&#252;r Flipboard sind die traditionellen Medien, die mit Argwohn und Argusaugen auf das weite Feld der Nachrichtenaggregation im Web schauen. <strong>Ihnen passt die ganze Entwicklung nicht</strong>. Google kann ein Lied davon singen, geraten doch die Google News immer wieder ins Visier des vermeintlichen Wettbewerbs, w&#228;hrend hierzulande gerade FAZ und S&#252;ddeutsche den <a href="http://carta.info/30619/fazsz-gegen-perlentaucher-was-darf-eine-kurzzusammenfassung/">Perlentaucher</a> in dritter Instanz gerichtlich verfolgen, weil sie dessen Zusammenschau ihrer Feuilletons und die Kurzfassungen von Rezensionen als eine Kr&#246;te empfinden, die sie nicht zu schlucken gewillt sind.</p>
<div id="attachment_31098" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-visual.jpg"><img class="size-full wp-image-31098" title="flipboard-visual" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-visual.jpg" alt="Optisch sehr ansprechend: Grafiken auf dem iPad mit Flipboard." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Optisch ansprechend: Grafiken auf dem iPad mit Flipboard.</p></div>
<p>Bei Flipboard d&#252;rfte man auf Ungemach dieser Art schon eingestellt sein. Klugerweise startet der Dienst deshalb kostenlos und werbefrei. Werbung soll in einer sp&#228;teren Stufe folgen und im Wege des Revenue-Sharing mit den Anbietern geteilt werden, deren Inhalte geteasert werden. Zudem kann der Dienst geltend machen, dass keine ganzen Artikel &#252;bernommen werden, sondern nur Teile davon und die Leser zur vollst&#228;ndigen Lekt&#252;re per Link auf die Website des Anbieters geschickt werden. Damit das reibungslos funktioniert, kommt  Flipboard mit einem eigenen Browser innerhalb der App. Die Leser m&#252;ssen also nicht zwischen verschiedenen Applikationen auf dem iPad hin und her wechseln.</p>
<p>Ob die mitunter recht langen Artikel-Teaser auf Flipboard rechtlich einwandfrei oder zu beanstanden sind, wird sich zeigen. Mit ziemlicher Sicherheit d&#252;rfte sich in den n&#228;chsten Monaten irgendwo einen Verlag finden, der seine Inhalte hier zu Unrecht &#252;bernommen sieht. Das Grundproblem hierf&#252;r liegt aber weniger in der Auslegung &#252;berkommener oder neuerer Rechtsvorschriften (<a href="http://carta.info/tag/leistungsschutzrecht/">Leistungsschutzrechte</a>!), sondern im <strong>Paradigmenwechsel der Distribution von Nachrichten</strong>.</p>
<p>Hierf&#252;r werden die Verlage noch einsehen m&#252;ssen, dass die klassischen Bindung der Leser, wie sie im Zeitalter der Printmedien m&#246;glich und &#252;blich war, sich in der digitalen Gesellschaft nicht wird aufrechterhalten lassen. Wo im 20. Jahrhundert nur eine kleine Elite mehrere Tageszeitungen las, werden k&#252;nftig vermutlich breite Schichten den Mehrfach- bzw. Parallelkonsum diverser Medien pflegen, der zudem durch die Konvergenz im Digitalen, wo Text- und Bewegtbildformate nahtlos ineinander &#252;bergehen k&#246;nnen, gef&#246;rdert wird.</p>
<div id="attachment_31096" class="wp-caption aligncenter" style="width: 522px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-start.jpg"><img class="size-full wp-image-31096" title="flipboard-start" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/flipboard-start.jpg" alt="Flipboard-Startseite: Fotos, Videos, Social Web und benutzerdefinierte Kan&#228;le in einer App." width="512" height="384" /></a><p class="wp-caption-text">Flipboard-Startseite: Fotos, Videos, Social Web und benutzerdefinierte Kan&#228;le in einer App.</p></div>
<p>Die Ans&#228;tze diverser Verlage, mit ihren Applikationen auf dem iPad m&#246;glichst nahtlos an das Modell des Printzeitalters anzuschlie&#223;en, m&#246;gen zwar teilweise funktionieren, werden aber sicher nicht das ma&#223;gebliche Modell f&#252;r die Zukunft sein. Denn sie sind ein Schritt zur&#252;ck, mit dem diese Medien noch <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2010/07/14/werden-die-letzten-die-ersten-sein-brand-eins-und-das-social-web/">hinter das Social Web zur&#252;ckfallen</a>.</p>
<p>Dienste wie Flipboard wiederum m&#252;ssen erst noch den Beweis erbringen, dass sie die keineswegs triviale Kunst der Aggregation von Nachrichten wirklich beherrschen. <strong>Bis heute hat auf diesem Gebiet kein Anbieter den gro&#223;en Durchbruch geschafft</strong>, weil zwar viele Ans&#228;tze gut waren, dann aber doch nicht weit genug gingen: Meist fehlte es entweder an der Konzentration auf das Wesentliche oder den M&#246;glichkeiten der Individualisierung. Mit Flipboard bleiben zumindest auf letzterer Ebene kaum W&#252;nsche offen, w&#228;hrend bei der Darstellung und der Aggregation noch Potenzial f&#252;r Verbesserungen besteht.</p>
<p>Insgesamt aber stimmt die Richtung und Verleger wie Mathias D&#246;pfner k&#246;nnten ihre Euphorie in Bezug auf Steve Jobs und das iPad noch korrigieren m&#252;ssen. Denn Flipboard weist zumindest in eine Richtung, in der die Aggregation von Nachrichten attraktiv und dynamisch erscheint, w&#228;hrend herk&#246;mmliche Medien-Apps dagegen langweilig und statisch wirken.</p>
<p style="margin-bottom: 2em;">
<p>Erg&#228;nzung: Einen guten Eindruck vom Programm bekommt man bei diesem Video eines Flipboard-Nutzers.</p>
<p><object width="560" height="340"><param name="movie" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/-JWklY5Ntk8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube-nocookie.com/v/-JWklY5Ntk8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="560" height="340"></embed></object></p>
<p>(<a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/erste-dinge/2010/07/23/flipboard-das-netz-wird-blatterbar">via</a>)
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31075&amp;md5=e3bd9977bec56f511c0fa509e58305fa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>R&#252;cktritt ist Trend: Der neue Typ von F&#252;hrungspers&#246;nlichkeit im Web 2.0</title>
		<link>http://carta.info/30913/ruecktritt-ist-trend-der-neue-typ-von-fuehrungspersoenlichkeit-im-web-2-0/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 13:40:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gábor Paál</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Chefsein wird zunehmend zu einer Erfahrung, die man auch mal hinter sich bringen kann. Das Amt ist ein Job, aber keine Identit&#228;t mehr. Mit dem Internet verschwinden so manche Statusunterschiede und immer mehr wird klar: Die neuen, "post-heroischen" F&#252;hrungskr&#228;fte suchen wirklich neue Herausforderungen, und nicht nur glanzvollere Titel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1e5ba9c603c14b24883662a7bede8943" alt="" width="1" height="1" />Vielleicht spiegeln die R&#252;cktritte in diesem Jahr – K&#246;hler, Koch, K&#228;&#223;mann und jetzt von Beust – eine tiefergehenden Wandel wieder: Wer wei&#223;, wer fr&#252;her schon alles zur&#252;ck getreten w&#228;re, wenn da nicht die Angst gewesen w&#228;re, die Angst vor Gesichtsverlust (Schlagzeile: „wirft das Handtuch“), Schuldzuweisungen ( „macht den Lafontaine“), Kontrollverlust („Nachfolger k&#252;ndigt Modernisierung an“), oder Bedeutungsverlust: keine Schlagzeile mehr.</p>
<p>K&#228;&#223;mann hat gezeigt, dass es gar nicht so arg weh tun muss; Koch und Beust, dass es auch geht, ohne sich als Opfer zu inszenieren, und alle drei sind zur&#252;ckgetreten ohne die „Ich bin so frei“-Koketterie eines Joschka Fischer – der nicht einmal das Amt, sondern in dessen Ermangelung nach der verlorenen Wiederwahl 2005 „nur“ noch sein Abgeordnetenmandat zur&#252;ckgab.</p>
<p>Die R&#252;cktritte stehen f&#252;r einen Trend: <strong>Chefsein wird zunehmend zu einer Erfahrung, die man auch mal hinter sich bringen kann. Das Amt ist ein Job, vielleicht ein Projekt, aber keine Identit&#228;t.</strong> Interessant, solange es einen fordert; hinf&#228;llig, wenn es anf&#228;ngt zu nerven; attraktiv nur, solange der Gestaltungsspielraum gr&#246;&#223;er ist, als die mit dem Posten verbundenen pers&#246;nlichen Einschr&#228;nkungen. Eine weit verbreitete These sagt, der Mangel an Frauen in F&#252;hrungspositionen resultiere auch daraus, dass viele Frauen zu klug sind, um solche Posten &#252;berhaupt anzustreben. In der Hinsicht scheinen auch die M&#228;nner kl&#252;ger zu werden. <strong>Die testosterontriefenden Begriffe „Macht“ und „Karriere“ weichen auf.</strong></p>
<p>Haben wir diesen Wandel dem Internet zu verdanken? Vieles spricht daf&#252;r: Das Internet hat Barrieren zwischen Menschen abgebaut. In diesem Sinn ist die Welt wirklich ein Dorf geworden. Fr&#252;her war eine Kontaktaufnahme mit einem Amtstr&#228;ger ein Vorgang, mit Aktenzeichen, Unterschrift und Eingangsstempel. Heute ist es ein Mausklick. Wer wichtig war, hatte einen eindrucksvoll gestalteten Briefkopf. E-Mail-Adressen dagegen kennen keine Statusunterschiede.</p>
<p>Blender haben es zunehmend schwer. <strong>In der halbinformellen Welt des Internets verschwimmen die Grenzen zwischen Person und Position.</strong> Alles ist kommentierbar geworden, durch jeden. Deshalb sollten das &#246;ffentliche und das private Bild irgendwie zusammen passen. Fr&#252;her konnten Funktion&#228;re &#246;ffentlich von Kooperation und Transparenz reden, und ansonsten machen, was sie wollten. Heute m&#252;ssen sie letztlich meinen, was sie sagen, sonst wird es schnell peinlich. Auch kann sich ein Politiker im Zweifel nicht mehr vorgaukeln, dass es nur die b&#246;se Presse, die „ver&#246;ffentlichte Meinung“ ist, die ihm ans Leder will. Was ist ein kritischer Kommentar in der S&#252;ddeutschen gegen die unzensierte H&#228;me, die in Facebook-Statusmeldungen zum Ausdruck kommt?</p>
<p>Es ist somit sicher kein Zufall, dass mit Beginn des Web 2.0 auch ein neuer Typ von F&#252;hrungspers&#246;nlichkeit propagiert wird. In Wirtschaft und Politik werden die Macher alten Stils, die autorit&#228;ren Typen mit Hand im Jacket zunehmend abgel&#246;st durch die – wie <a href="http://www.postheroisches-management.de/pdf/revue-01-baecker-postheroisches-anagement-2-punkt-0.pdf">Dirk Baecker</a> es sch&#246;n ausdr&#252;ckte – <strong>post-heroischen F&#252;hrungskr&#228;fte</strong>. Das ist auch uneingeschr&#228;nkt gut so. Es f&#252;hrt aber eben auch dazu, dass das Wort von den „neuen Aufgaben“, die man &#252;bernehmen will, keine bewerbungskorrekte Umschreibung mehr ist f&#252;r einen h&#246;herdotierten Posten mit glanzvollem Titel. Die Leute freuen sich <em>wirklich </em>auf neue Aufgaben, und wenn die nicht geboten werden, wenden sie sich gelangweilt ab.
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			</a>
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<a href="http://carta.info/30913/ruecktritt-ist-trend-der-neue-typ-von-fuehrungspersoenlichkeit-im-web-2-0/">R&#252;cktritt ist Trend: Der neue Typ von F&#252;hrungspers&#246;nlichkeit im Web 2.0</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/30913/ruecktritt-ist-trend-der-neue-typ-von-fuehrungspersoenlichkeit-im-web-2-0/#comments">7 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30913&amp;md5=c8d2022fe56a787b03a0fd0c423987e4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bolz: &#8220;Es wird darauf ankommen, auf die Seite der Programmierer zu gelangen.&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/25121/bolz-es-wird-darauf-ankommen-auf-die-seite-der-programmierer-zu-gelangen/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 21:28:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Medienphilosoph Norbert Bolz &#252;ber b&#252;rgerliche Individualit&#228;t im Netz, nichtstaatliche Konkurrenz um Informationsmonopole, Computer als soziale Agenten und den Politik-Begriff in sozialen Netzwerken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0a45d836e7424839969f416981a00a77" alt="" width="1" height="1" />Das Interview f&#252;hrt Juliane Gille mit dem Medienwissenschaftler Prof. Dr. Norbert Bolz f&#252;r Helmut Hartungs medienpolitisches Fachmagazin <em>promedia</em>.</p>
<p><em>Herr Bolz, ist das Interesse der Menschen &#252;berall erreichbar zu sein und &#252;berall kommunizieren zu k&#246;nnen wirklich so gro&#223;, wie immer behauptet wird?</em></p>
<p>Bolz: Diese Frage ist zweitrangig gegen&#252;ber dem viel wichtigeren Sachverhalt, dass generelle Erreichbarkeit und Mobilit&#228;t erwartet wird. Es gibt eine Art sozialen Anschlusszwang an die neuen Medientechnologien, der jeden Einzelnen dazu zwingt &#252;berall und immer erreichbar zu sein. Jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er auf gro&#223;es Befremden st&#246;&#223;t, wenn er seine E-Mails einmal einen Tag lang nicht gelesen und beantwortet hat, oder telefonisch schwer erreichbar ist. Es geht um einen sozialen Standard, der sich unabh&#228;ngig von Lust und Laune des Einzelnen durchsetzt.</p>
<p><em>Trifft das aber nicht nur auf eine kleinere Schicht beruflich geforderter, mobiler Menschen zu?</em></p>
<p>Man muss hier sicherlich sozial differenzieren. Es gibt eine leider wachsende Zahl der Bev&#246;lkerung, die sozial abgeh&#228;ngt sind und f&#252;r die es keine dringende Notwendigkeit gibt, sich immer wieder in die Weltkommunikation einzuschalten. Es geht hier in der Tat vor allem um die Gruppe der gesellschaftlich und wirtschaftlich Produktiven. Man darf aber nicht vergessen, dass es au&#223;erhalb dieser Gruppe auch diejenigen gibt, die sich allein aus der Lust am Kommunizieren vielfach genau so verhalten. Gerade diese Gruppe – dazu z&#228;hlen auch sehr viele Jugendliche – befeuern diese Entwicklung.</p>
<p><em>Wann werden die mobilen Endger&#228;te vollst&#228;ndig unser Leben pr&#228;gen?</em></p>
<p>Sie werden eine zweite Natur werden – und sind es f&#252;r viele schon l&#228;ngst geworden. Viele Menschen k&#246;nnen sich ein Leben ohne diese Technologien schon heute nicht mehr vorstellen. Den Zustand der neuen Medien als zweiter Natur werden wir deshalb schon in sehr kurzer Zeit erreichen. Es war aber immer schon so, dass die <strong>Leitmedien einer Zeit die ganze Existenz in dieser Zeit gepr&#228;gt haben</strong>. Das galt in der Gutenberg-Galaxis genauso wie in der Zeit des Radios und des Fernsehens. Wir sind immer in einer gewissen Weise Sklaven unserer Medien. Insofern wird der Widerstand gegen den Gebrauch des Neuen immer geringer, weshalb sich der Anpassungsprozess insgesamt beschleunigt.</p>
<p><em>Wird der Online-Exhibitionismus gebremst werden, wenn sich mit neuen Techniken auch private Informationen immer einfacher auffinden lassen?</em></p>
<div id="attachment_25150" class="wp-caption alignleft" style="width: 216px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/02_NorbertBolz.jpg"><img class="size-medium wp-image-25150" title="02_NorbertBolz" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/02_NorbertBolz-206x300.jpg" alt="Prof. Norbert Bolz: &quot;Wir unterstellen heute, dass Politik das ist, was die Politiker interessiert.&quot; - Foto: TU Berlin" width="206" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Prof. Norbert Bolz: &quot;Wir unterstellen heute, dass Politik das ist, was die Politiker interessiert.&quot; - Foto: TU Berlin</p></div>
<p>Diese Frage wird von Ihnen vor dem Hintergrund der b&#252;rgerlichen Privatsph&#228;re gestellt, aber mein Eindruck ist, dass <strong>immer mehr Menschen den besonderen Wert einer undurchdringlichen Privatsph&#228;re gar nicht mehr nachvollziehen k&#246;nnen.</strong> Es geht hier gar nicht so sehr um sozialen Exhibitionismus, sondern vor allem um soziale Gewohnheit. Man darf nicht vergessen, dass es nicht nur die „b&#246;sen“ Googles sind, die auf diesem Pfad wandern, sondern es ist unser eigener Staat, der ein wachsendes Interesse an allen privaten Informationen hat, etwa im Gesundheitsbereich. Das Interesse an Privatinformationen hat sehr viele Quellen und der Widerstand dagegen schrumpft, weil sich die Menschen nicht mehr als b&#252;rgerliche Privatiers verstehen.</p>
<p><em>Wird nicht auch in der Politik der Widerstand dagegen st&#228;rker, vielleicht als Spiegel des Widerstands in der Bev&#246;lkerung?</em></p>
<p>Einen Widerstand in der Bev&#246;lkerung kann ich leider nicht erkennen, auch wenn ich mich dar&#252;ber freuen w&#252;rde. Bei den Reaktionen der Politiker sehe ich hingegen zwei andere Motive: Zum einen herrscht hier eine Angst, die aus weitgehender Unkenntnis erw&#228;chst. Zum anderen w&#252;rde sich das politische System gern selbst diese Daten vorbehalten und sieht hier eine private Konkurrenz, die ein staatliches Informationsmonopol bedroht. Ich bin aber nicht besonders optimistisch was die Nachhaltigkeit dieses Schutzinteresses betrifft und sehe es eher als Nachhutgefecht. Es ist kein Griff nach der Notbremse im rasend schnellen Zug.</p>
<p><em>Wenn das Leben des Einzelnen immer &#246;ffentlicher wird, wie ist dann noch eine individuelle Existenz m&#246;glich?</em></p>
<p>Diese Frage unterstellt, dass individuelle Existenz bisher ohne Weiteres m&#246;glich gewesen ist. Auf jeden Fall wird Individualit&#228;t ein sehr viel anspruchsvolleres Konzept als in den Jahrzehnten, in denen wir sie rein konsumorientiert interpretiert haben. Auch dem traditionell b&#252;rgerlichen Sinn hat in der Realit&#228;t kaum mehr jemand entsprochen. Die gro&#223;e Frage der Zukunft ist aber die nach der Zukunft unseres Begriffs von Freiheit, Liberalit&#228;t und Individualit&#228;t unter den neuen Medienbedingungen. Jeder Einzelne, der &#252;berhaupt noch ein Interesse an b&#252;rgerlicher Individualit&#228;t hat, muss sich eine eigene Verteidigungsstrategie ausdenken.</p>
<p><em>Ist diese Individualit&#228;t nicht ein Eckpfeiler der demokratischen Freiheit?</em></p>
<p>Sicher, allerdings muss man hier zwischen Demokratie und Freiheit unterscheiden, weil sich Demokratie leider sehr gut mit Unfreiheit vertr&#228;gt. Das Interesse an Freiheit scheint mir in Deutschland nicht so stark entwickelt zu sein: Wie wenig ist aus den gro&#223;en Zeichen der Geschichte 1989 geworden? Eigentlich h&#228;tte es ein Datum sein k&#246;nnen, das den Stolz und die Emphase der Franz&#246;sischen Revolution haben k&#246;nnte, aber fast nichts ist daraus geworden au&#223;er dem Jammern &#252;ber Transferleistungen. Das Interesse an Freiheit ist in Deutschland immer sehr sekund&#228;r gewesen, gemessen an Dingen wir Sicherheit und Wohlfahrt.</p>
<p><em>Statt vom Web 2.0 sprechen einige inzwischen von Web 3.0 und Outernet. Kommt es wirklich zu einer Vermischung von realer und virtueller Welt?</em></p>
<p>Ich halte diese Frage f&#252;r die wichtigste im Zusammenhang mit den neuen Medien. Fr&#252;her hat man von Mensch-Maschine-Kommunikation und „Ubiquitous Computing“, d. h. dem allgegenw&#228;rtigen Computerisieren, gesprochen. Die moderne Technik wird gleichzeitig allgegenw&#228;rtig und doch unsichtbar. Die Komplexit&#228;t der Technik wird in Kleidung, Gegenst&#228;nden und Chips verschwinden, die man gar nicht mehr wahrnehmen muss. Sie setzen uns einem Datenstrom aus, der nun noch routinem&#228;&#223;ig bew&#228;ltigt werden kann. <strong>Es ist eine faszinierende Tatsache, dass Menschen offensichtlich keine Probleme darin haben, mit Computern zu kommunizieren, als w&#228;ren es Personen.</strong> Mit Computern als soziale Agenten umzugehen ist scheinbar wesentlich einfacher als man es sich h&#228;tte tr&#228;umen lassen. Meine Kollegin Knorr-Cetina spricht sogar von „Geselligkeit mit Objekten“ und meint damit genau diese Smart Objects.</p>
<p><em>Wodurch wird dann das Verhalten der Menschen gesteuert?</em></p>
<p>Das Verhalten der Menschen wird immer gesteuert vom Verhalten anderer Menschen. Die Frage ist, ob es noch Menschen mit gr&#246;&#223;erem Einfluss gibt. Das sind die Leute, die heute diese Smart Objects programmieren. Vilém Flusser, der gro&#223;e Vereinfacher, hat gesagt, dass die Welt in Programmierer und Programmierte zerf&#228;llt. Ich finde diese simple These immer plausibler, je l&#228;nger ich dar&#252;ber nachdenke. Es macht den entscheidenden Unterschied, ob man Nutzer-B&#252;rger-Kunde ist, oder zu denen geh&#246;rt, die die virtuellen Welten entwerfen. Es wird gerade f&#252;r die Jugendlichen immer mehr darauf ankommen auf die Seite der Programmierer zu gelangen.</p>
<p><em>Aber nur eine Minderheit der Gesellschaft kann Programmierer sein?</em></p>
<p>Bolz: So sieht es im Moment aus, es ist allerdings nicht ganz undenkbar, dass Programmieren einmal so selbstverst&#228;ndlich wird wie lesen und schreiben. Es ist eine Frage an die P&#228;dagogik und das Selbstverst&#228;ndnis von Bildungsprozessen.</p>
<p><em>Es gibt die Gegenbewegung hin zu Entschleunigung und selektiver Kommunikation. Ist die skizzierte Entwicklung zwangsl&#228;ufig?</em></p>
<p>Jeder Gegentrend geh&#246;rt zum Trend selbst hinzu und widerlegt ihn nicht. Nur derjenige kann entschleunigen, der auch beschleunigen kann, und nur derjenige kann unerreichbar sein, der eigentlich immer erreichbar ist. Man sieht das sehr gut daran, dass es meistens die Bosse sind, die heute souver&#228;n und auch einmal unerreichbar sein k&#246;nnen. Wenn man dagegen refrakt&#228;r ist und sich einfach nur dagegen stellt, geh&#246;rt man zu den Losern.</p>
<p><em>Wie wird sich in Zeiten des Outernets die Kommunikation entwickeln?</em></p>
<p>Kommunikation nimmt dort noch entschiedener die Stellung ein, die wir eigentlich schon kennen: den Vorrang der Computervermittelten Kommunikation vor der Faceto-face-Kommunikation. Das Outernet ist aber auch ein Zeichen daf&#252;r, dass das scheinbare Auseinanderfallen von virtueller Realit&#228;t und realer Realit&#228;t gar nicht unserer Zukunft entspricht, sondern es immer mehr zu Hybridformen kommt. Hybridit&#228;t scheint mir ohnehin eines der gro&#223;en Stichworte des 21. Jahrhunderts in allen Lebensbereichen zu sein: Statt entweder oder, beides zusammen.</p>
<p><em>Werden soziale Netzwerke zu den entscheidenden meinungsbildenden Organen?</em></p>
<p>Das glaube ich in jedem Fall, sie werden allerdings immer in Zusammenhang stehen mit den gro&#223;en autoritativen Quellen. Es wird nach wie vor Regierungen geben, die offizielle Mitteilungen machen, und es wird weiterhin pers&#246;nliche Autorit&#228;ten geben, die einen gro&#223;en Einfluss auf eine Gemeinde nehmen. Auch die Internetkultur hat Gurus, etwa Steve Jobs. Das Internet ist nicht nur die radikaldemokratische Kollaboration der Netzwerke, sondern gerade wegen des Standards der Netzwerke w&#228;chst das Bed&#252;rfnis nach Leadership.</p>
<p><em>Welche Rolle spielen dann klassische Medien?</em></p>
<p>Es ist eine Frage der Generationen. <strong>Man kann in Schulen und Universit&#228;ten schon heute beobachten, dass die klassischen Massenmedien dort schon fast keine Rolle mehr spielen. </strong>Das Peer-Group-Prinzip &#252;ber Netzwerke setzt sich dort immer mehr durch, so dass es eine Frage weniger Jahre ist, bis auch andere Formen der b&#252;rgerlichen &#214;ffentlichkeit von diesen neuen Formen der Meinungsbildung wesentlich mitgepr&#228;gt werden. Die Politiker sp&#252;ren heute sehr deutlich, dass sie in ihren alten Massenkommunikationskan&#228;len keine relevanten &#214;ffentlichkeiten mehr erreichen.</p>
<p><em>Soziale Netzwerke widmen sich mit gro&#223;er Sachlichkeit vor allem Hobbys und Interessen. Wird es dann auch eine Hinwendungen zu Themen der Politik geben?</em></p>
<p>Ja, wobei man auch von einem Wandel des Politik-Begriffs ausgehen muss. Wir unterstellen heute, dass Politik das ist, was die Politiker interessiert. Das ist den Jugendlichen nicht mehr nahezubringen und man wird sich in Zukunft auch nicht via Internet f&#252;r Bundestagsdebatten interessieren. Das wird die Leute immer langweilen. Die Politik bekommt eine neue Handfestigkeit, indem man sich etwa f&#252;r lokale Probleme, aber auch f&#252;r gro&#223;e Weltprobleme interessiert. Man m&#246;chte sich eine Meinung bilden, aber auch an Aktionen beteiligen.</p>
<p><em>Nehmen wir die aktuellen Beispiele Steuerreform und Gesundheitsreform. Wo wird so etwas k&#252;nftig meinungsbildend diskutiert?</em></p>
<p>Man darf nicht vergessen, dass das Nicht-Teilnehmen an einer Diskussion auch einen Diskussionsbeitrag darstellt. Die Tatsache, dass sich gewisse Gruppen der Bev&#246;lkerung nicht an der Gesundheitsdiskussion beteiligten, kann man nicht per se als apolitisches Verhalten interpretieren. Man glaubt einfach nicht daran, dass in diesen politischen Diskussionen ein direkter Effekt erzeugt werden kann, sondern h&#228;lt es f&#252;r ein langweiliges Ritual. Das ist ein politisches Statement. Man darf unsere Standards des Wichtigen und Unwichtigen sicher nicht einfach auf die Internetkultur &#252;bertragen.</p>
<p><em>Gesundheitsversorgung und Altersversorgung sind aber Themen, die auch junge Leute interessieren m&#252;ssten?</em></p>
<p>Was in zwanzig Jahren ist, l&#228;sst sich schlecht antizipieren. Die meisten Jugendlichen sp&#252;ren, dass es irgendwie unrealistisch ist, wenn ihnen heute geraten wird, eine Riester-Rente abzuschlie&#223;en, weil nicht abzusehen ist, was sich in 20 Jahren entwickeln wird. Denken Sie nur an die aktuelle Finanzkrise. Solche Sachverhalte kann man „sp&#252;ren“ auch ohne gro&#223;e politologische Einsichten zu haben. Das politische Desinteresse h&#228;ngt also nicht nur mit einer ver&#228;nderten Mediennutzung zusammen, sondern steht f&#252;r eine ver&#228;nderte Sicht auf die Gesellschaft, die durch eine ver&#228;nderte Mediennutzung begleitet wird.</p>
<p><em>Sie teilen auch nicht die Sorge, dass die Menschen im virtuellen Kommunikationsraum weiter vereinsamen?</em></p>
<p>Nein. Mir f&#228;llt es schon schwer anzunehmen, dass die Mehrheit der Menschen in hervorragend funktionierenden sozialen Beziehungen gestanden h&#228;tten und heute nun vereinsamen w&#252;rden. Das stimmt f&#252;r mich aus vielen Gr&#252;nden nicht. Kommunikationstechnologien haben im Allgemeinen den umgekehrten Effekt, n&#228;mlich mehr Beziehungen herzustellen – gerade f&#252;r Menschen, die sich in pers&#246;nlichen Begegnungen nicht durchzusetzen wissen. Die Frage ist vielmehr, ob sich die Hoffnungen der Internetgemeinde erf&#252;llen werden, dass es einen Schritt von der passiven zur aktiven Mediennutzung geben wird. Diese Frage muss man die Zeit beantworten lassen, die Sehnsucht danach und das Interesse daran sind jedenfalls gigantisch. Der Inhalt selbst wird dabei immer unwichtiger im Vergleich zu der Frage, ob man selbst teilhaben und aktiv werden kann. Man kann sich leicht lustig machen, &#252;ber den Schrott, der dabei produziert wird, aber wir sollten als Beobachter die Tendenz ernst nehmen.</p>
<p><em>Wird die Mehrzahl der Menschen wirklich aktiv „mitmischen“ wollen?</em></p>
<p>Es wird hoffentlich nicht die Mehrzahl sein, denn die werden sehr schnell sp&#252;ren, dass es relativ sinnlos ist Kommunikationsverh&#228;ltnisse aufzubauen, bei denen es mehr Sender als Empf&#228;nger gibt. Letztlich sind es aber fundamental neue Verh&#228;ltnisse:<strong> Es ist eine Kulturrevolution, wenn der Zugang zur &#214;ffentlichkeit so sehr technisch und sozial erleichtert wird, dass es im Grunde &#252;berhaupt keine Gatekeeper mehr gibt.</strong> Das beunruhigt nat&#252;rlich die etablierte Gesellschaft und die meisten, die sich kulturpessimistisch &#228;u&#223;ern, sind selbst Gatekeeper. Diese Entwicklung sollte man daher hoffnungsvoll betrachten und bis zum Beweis des Gegenteils werde ich das tun.</p>
<p><em>Wird es in Zeiten des Outernets noch reale Fu&#223;ballspiele und reales Kino geben?</em></p>
<p>Mehr denn je. Gerade weil Virtuelles zum Alltagsstandard wird, wird es in Zukunft – man kann es aber heute schon sehen – ein wachsendes Interesse an realer Pr&#228;senz geben. Man kann jedes Musikst&#252;ck als Podcast qualitativ viel hochwertiger h&#246;ren als bei einem Konzert, aber die Leute gehen immer mehr in Konzerte, um die Akteure pers&#246;nlich zu erleben. Was f&#252;r die Stars gilt, gilt sogar f&#252;r Wissenschaftler, deren Ergebnisse man selbst auf dem Smartphone lesen kann, aber trotzdem m&#246;chte man sie treffen. Die Sehnsucht nach realer Pr&#228;senz wird weiter anwachsen.</p>
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<p><a href="http://www.promedia-berlin.de/"><img class="size-full wp-image-23754 alignleft" title="promediacover_3_2010" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/promediacover_3_2010.jpg" alt="promediacover_3_2010" width="120" height="168" /></a><em>Dieses Interview hat Juliane Gille f&#252;r das medienpolitische Fachmagazin </em><em><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a> gef&#252;hrt, das mit </em><em>Carta kooperiert.</em></p>
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		<title>Google in der semi-digitalen Gesellschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 12:52:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Google entwickelt sich langsam zum beliebtesten Gegner der europ&#228;ischen Politik. Doch entlarvt sich dieser Politikbetrieb selbst, wenn er mit Vorstellungen, Denkmustern und Instrumenten der Vergangenheit versucht, die Probleme einer neuen Zeit zu l&#246;sen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b81c9e4997674db3844b8b396050a58f" width="1" height="1" alt=""/>Google ist immer f&#252;r eine <a href="http://googleblog.blogspot.com/2010/01/new-approach-to-china.html">&#220;berraschung</a> gut: Die Auseinandersetzung mit China um Fragen der Datenspionage und die Zensurauflagen seiner Suchmaschine zeigt, dass man nicht gewillt ist, sich alles gefallen zu lassen. Dass Google gerade auf einem so wichtigen und sensiblen Markt wie <strong>China</strong> demonstriert, dass es Prinzipien gibt, die h&#246;her stehen als das pure Gesch&#228;ftsinteresse, kann man aber auch als Signal an Europa werten.</p>
<p>In Europa geht es zwar nicht um Spionage. Auch wird die Suchmaschine von Google hier nicht zensiert. Allerdings wird Google hier immer h&#228;ufiger zum S&#252;ndenbock gemacht, insbesondere von der Politik. In Frankreich droht aktuell eine &#8220;<strong>Google-Steuer</strong>&#8220;. In Italien ist noch immer ein Strafverfahren gegen Manager von Google wegen eines Videos auf YouTube anh&#228;ngig, mehrj&#228;hrige Haftstrafen stehen im Raum. In Deutschland kommt das Unternehmen aktuell recht glimpflich davon und kann die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,671022,00.html">Aussage</a> von Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), sie st&#246;re die &#8220;<strong>Gigantomanie</strong>&#8221; des Konzerns, fast noch als Kompliment werten.</p>
<p>Neben dieser eher rhetorischen Polemik stehen derzeit nur die <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=34954&amp;key=standard_document_38558477&amp;tl=bt">hessischen Gr&#252;nen</a> auf dem Plan. Sie sehen die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Hessen in Gefahr, weil Google derzeit im Rahmen von Google Street View bzw. Google Maps hessische Stra&#223;enz&#252;ge fotografiert.</p>
<p>Woran liegt es, dass ausgerechnet Google immer wieder als Projektions- oder Reibefl&#228;che herhalten muss? Ganz offensichtlich ist, dass hier, &#252;ber die Einzelf&#228;lle hinweg, ein generelles Muster durchscheint: <strong>Irgendwie entspringt die Kritik an Google einem Denkmuster bzw. Unbehagen aus dem 20. Jahrhundert </strong>und auch die Vorschl&#228;ge zur L&#246;sung des Problems wirken meist wie aus einer anderen Epoche.</p>
<p><strong>Datenmengen</strong></p>
<p>Die Ebene des Unbehagens trifft wohl die gro&#223;en Datenmengen, die im Spiel sind. Die Bundesjustizministerin ist sicher nicht allein mit ihrem unguten Gef&#252;hl, dass Google ernsthaft vorhat, praktisch jedes Buch dieser Welt zu digitalisieren. Die Gr&#246;&#223;enordnungen, um die es hier geht, sind einfach schwer bis gar nicht vorstellbar. In Italien mag eine Rolle spielen, dass auf YouTube im Laufe von nur wenigen Jahren eine unfassbar gro&#223;e und stetig weiter wachsende Menge an Videos zusammengetragen wurde, eine Menge, der kein Mensch mehr Herr werden kann &#8211; wenn man die Ma&#223;st&#228;be des 20. Jahrhunderts anlegt. Auch Googles Street View kann so gesehen ein Unbehagen ausl&#246;sen: Versucht man sich nur vorzustellen, wie jede hessische Stra&#223;e St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck fotografiert wird, wird daneben das eigene Leben klein und die eigene Auffassungsgabe verblasst gegen&#252;ber all diesen Stra&#223;en und Pl&#228;tzen, die man in einem einzigen Menschenleben niemals alle wird betrachten k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Dabei ist das Vorgehen von Google durchaus rational.</strong> Es entspringt der relativ einfachen Kenntnis, dass digitale Datenspeicher, dem Mooreschen Gesetz folgend, immer g&#252;nstiger werden und somit das Speichern immer gr&#246;&#223;erer Datenmengen nicht nur kein Problem darstellt, sondern im Gegenteil die Grundlage f&#252;r neue Dienste und damit auch neue Gesch&#228;ftsmodelle bilden kann.</p>
<p>Das Problem ist nur, dass diese banale Logik bislang &#252;berwiegend nur unter Informatikern so richtig erfasst worden ist. Politikern dagegen, die eher wenig direkte Ber&#252;hrung mit Informationstechnologie haben, mag dieses Wissen zu abstrakt und fremd sein, als dass sie es in ihren t&#228;glichen Aufgaben schon selbstverst&#228;ndlich ber&#252;cksichtigen w&#252;rden. Sie f&#252;hlen und urteilen deshalb sehr h&#228;ufig noch nach Mustern und Erfahrungswerten des 20. Jahrhunderts.</p>
<p><strong>Social Web</strong></p>
<p>Der YouTube-Fall in <a href="http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article5398991/Italien-wird-fuer-Google-zum-Problem.html">Italien</a> ber&#252;hrt ein weiteres Ph&#228;nomen: Dass sich die Justiz dort &#252;ber ein ganz offenkundig deplatziertes Video emp&#246;rt, ist nicht zu kritisieren. Wohl aber die Tatsache, dass daf&#252;r hochrangige Manager von Google m&#246;glicherweise f&#252;r mehrere Jahre in italienische Gef&#228;ngnisse sollen. Diese einseitige Fokussierung zeigt, dass die Juristen in Mailand die <strong>Mechanismen des Social Web</strong> nicht verstehen und auch nicht f&#246;rdern. Denn sie k&#246;nnten auch an die Allgemeinheit appellieren, in solchen F&#228;llen im Sinne des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdsourcing">Crowdsourcing</a> schneller Alarm zu schlagen. Denn immerhin haben rund 5.000 Personen das fragliche Video angesehen und nichts unternommen.</p>
<p>Google mag in diesem Fall sp&#228;t reagiert haben, entscheidend f&#252;r das Social Web des 21. Jahrhunderts ist immer auch die Allgemeinheit. Diese kann jetzt nicht mehr nur in Form passiver (und unm&#252;ndiger) Konsumenten gesehen werden. Jeder Erwachsene, der heute im Internet unterwegs ist und dabei auf fragw&#252;rdige Inhalte st&#246;&#223;t, sollte sofort handeln.</p>
<p>Plattformen wie YouTube sind im 21. Jahrhundert keine Einzelf&#228;lle, sie werden vermutlich die Regel sein: Mehr und mehr werden uns riesige Datenmengen verschiedenster Art offen stehen. In diesen F&#228;llen die Frage der Haftung f&#252;r Inhalte einseitig nur an den Betreibern festzumachen ist ein &#252;berholtes Konzept, das den Realit&#228;ten des Social Web nicht gerecht wird.</p>
<p><strong>Steuern und der Wandel der Zeit</strong></p>
<p>Es  bleibt die <a href="http://www.lemonde.fr/technologies/article/2010/01/07/pour-promouvoir-la-culture-la-commission-zelnik-part-en-guerre-contre-google_1288540_651865.html">Google-Steuer</a> in Frankreich. Das Land, das sich als Kulturnation versteht, hat immer schon viel auf seine eigenen Kulturbetriebe gesetzt und den Film, aber auch die Musik, besonders gef&#246;rdert. Der Wandel von der analogen zur digitalen Kultur ist deshalb f&#252;r Frankreich nicht nur eine Frage neuer Unternehmensstrategien, sondern ber&#252;hrt auch eine Ebene der nationalen Identit&#228;t.</p>
<p>Bei der <a href="http://eco.rue89.com/2010/01/08/internet-les-trois-failles-de-la-taxe-google-132767">Google-Steuer</a>, wie sie im <a href="http://www.lemonde.fr/technologies/article/2010/01/06/le-ministre-de-la-culture-recoit-les-conclusions-de-la-mission-zelnik_1288356_651865.html">Zelnik-Bericht</a> an den Kulturminister vorgeschlagen wird, soll das Umsatzvolumen, das Google mit Werbung auf franz&#246;sischen Internetseiten erzielt, besteuert werden. Dies w&#252;rde nat&#252;rlich auch Bing (Microsoft) und Yahoo treffen, aber kein europ&#228;isches Unternehmen.</p>
<p>Hier ist wohl der schlichte <strong>Erfolgsneid</strong> Vater des Gedankens und das vorgeschlagene Instrument, eine <a href="http://carta.info/21172/spd-ist-gegen-google-steuer-in-deutschland/">Steuer</a>, ein Ansatz wie aus der Mottenkiste eines Pariser Filmstudios. Hilfreicher als eine neue Steuer w&#228;re allemal, Europa k&#246;nnte sich endlich auf eine <strong>Harmonisierung seiner schon bestehenden Steuern</strong> einigen. Denn dann k&#246;nnte ein Unternehmen wie Google nicht l&#228;nger mit Tochtergesellschaften in Luxemburg und Irland seine Ums&#228;tze hin und herschieben und so seinen Aufwand an Ertragssteuern minimieren.</p>
<p>Dazu kommt, dass Steuern und Z&#246;lle in der Vergangenheit noch nie den technischen Wandel und damit den Aufstieg oder Fall einzelner Branchen verhindern konnten. Im Europa des 21. Jahrhunderts sollte man diese Lektion allm&#228;hlich gelernt haben.</p>
<p><strong>Sind wir schon bereit f&#252;r das 21. Jahrhundert?</strong></p>
<p>Anstatt also immer wieder Google ins Visier zu nehmen, m&#252;ssen wir Europ&#228;er uns (und unsere Politiker) fragen, ob wir schon begonnen haben, die <a href="http://carta.info/20318/conversations-kauffman-reinhard/">Dimensionen</a> und <a href="http://carta.info/21384/software-engineering-schon-bald-eine-kernkompetenz-fuer-medienunternehmen/">Mechanismen</a> dieser zweifellos neuen Epoche zu sehen, oder ob wir noch zu sehr in allm&#228;hlich &#252;berholten Kategorien denken.</p>
<p>Dass der Weg in die neue Zeit noch weit sein kann, zeigt nicht zuletzt <a href="http://blog.odem.org/2010/01/sendezeitbegrenzung.html">Alvar Freude</a>, wenn er &#252;ber &#8220;Sendezeitbegrenzungen&#8221; als Vorschlag f&#252;r den Jugendschutz im Internet schreibt. Hier wird besonders deutlich, wie ein Instrument, das in der Vergangenheit und unter den medientechnischen Rahmenbedingungen des 20. Jahrhunderts durchaus wirksam war, im Zeitalter des Internets v&#246;llig unsinnig ist und nur noch hilflos wirkt.</p>
<p>In diesem Sinne kann uns vielleicht der Franzose <a href="http://www.michelcartier.com/">Michel Cartier</a> mit dem folgenden Video helfen, die neue Zeit etwas besser zu verstehen. Denn Google wird auch in den n&#228;chsten Jahren immer wieder f&#252;r &#220;berraschungen gut sein.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="400" height="225" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=8622635&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="225" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=8622635&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object>
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<a href="http://carta.info/21607/google-semi-digitale-gesellschaft/">Google in der semi-digitalen Gesellschaft</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/21607/google-semi-digitale-gesellschaft/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21607&amp;md5=99a566e436f3f2ebb8017bd2660b4b91" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der unbekannte User: Generation Upload oder Generation Cyborg?</title>
		<link>http://carta.info/11933/vodafone-generation-upload-cyborg/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Jul 2009 15:16:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So r&#228;tselhaft wie das Internet sind seine User. Undifferenzierte Kritik an ihnen ist heute keine Seltenheit. Wenn aber ein Konzern wie Vodafone sich ausdr&#252;cklich der "Generation Upload" n&#228;hert und sich dennoch in die Nesseln setzt, muss man schon fragen: Wer sind diese User wirklich?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a02b13b3285290463f970f7b40e961" width="1" height="1" alt=""/>Bei <strong>Vodafone</strong> hat man es eigentlich gut gemeint und doch alles falsch gemacht: Die &#8220;<a href="http://blog.vodafone.de/2009/07/08/wer-ist-die-generation-upload/">Generation Upload</a>&#8220;, die mit der neuen Kampagne angesprochen werden und zugleich auch als Werbetr&#228;ger und Vorbild f&#252;r die breiten Massen dienen sollte, lie&#223; sich nicht in ein vordefiniertes Schema presssen und konterte mit massiver Kritik.</p>
<p>Reichlich schemenhaft mutet aber auch das Bild an, das man sich andernorts von diesen &#8220;Internetusern&#8221; macht, wie etwa j&#252;ngst auf einer <a href="http://www.literaturcafe.de/heidelberger-appell-frankfurter-literaturhaus-tagung/">Veranstaltung</a> zum <a href="http://www.textkritik.de/urheberrecht/index.htm">Heidelberger Appell</a> im Frankfurter Literaturhaus. Was man bei Vodafone positiv sehen wollte, wurde hier zur negativen Projektionsfl&#228;che. Beide Beispiele aber sagen im Grunde wenig bis nichts &#252;ber die Menschen aus, die intensiv das Internet nutzen, daf&#252;r umso mehr &#252;ber die diejenigen, die sie als <strong>Zielgruppe</strong> oder als <strong>Feindbild</strong> sehen wollen.</p>
<p>Doch wie steht es wirklich um die Internetuser? <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Danah_Boyd"><strong>Danah Boyd</strong></a> hat dieser Tage ein &#228;u&#223;erst bemerkenswertes Bild von sich selbst gezeichnet und <a href="http://www.zephoria.org/thoughts/archives/2009/07/13/i_want_my_cybor.html">ihren Artikel</a> radikal betitelt: &#8220;<strong>I want my cyborg life</strong>&#8220;. Sie schildert darin anschaulich und konkret, wie sie das Internet nutzt, als Informations- und Kommunikationsmittel gleichermassen. Besonders interessant ist ihre Schilderung da, wo sie auf die Bruchlinie zwischen ihrem pers&#246;nlichen Lebens- und Kommunikationsstil einerseits und den Sichtweisen bzw. dem Verhalten von eher offline gepr&#228;gten Menschen andererseits eingeht.</p>
<p>Dieser <strong>Bruch</strong> ist im Grunde ein kultureller. W&#228;hrend Danah Boyd stellvertretend f&#252;r ein <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/07/03/evolution-internet/">neues Zeitalter</a> steht, in dem insbesondere <a href="http://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/wi-enzyklopaedie/lexikon/daten-wissen/Wissensmanagement/Wissensorganisation--Instrumente-der-/Wissensarbeiter">Wissensarbeiter</a> mit Hilfe des Internets &#8220;hier und jetzt&#8221; Informationen aktiv verarbeiten und mit anderen teilen, stehen dem gegen&#252;ber die traditionell sozialisierten K&#246;pfe, die erleben m&#252;ssen, dass ihre <strong>Werte und Normen</strong> pl&#246;tzlich nicht mehr von allen geteilt werden. Dieses &#8220;nicht mehr teilen&#8221; ist dabei aber keine klassische Opposition, sondern (schlimmer noch!) ein &#8220;hinter sich lassen&#8221; und Aufbrechen in neue Verhaltensmuster, die selbst wieder Werte und Normen eigener Art herausbilden.</p>
<p>Das Beispiel Vodafone zeigt dabei, wie sehr man sich am Neuen versch&#228;tzen kann. Denn die neue Informationselite ist bestens vernetzt und somit in der Lage, Informationen und ihre Darstellung zu hinterfragen bzw. mit anderen Fakten zu konfrontieren. Daraus kann dann eine <strong>Dynamik</strong> entstehen, die ein Unternehmen schnell in ein schlechtes Licht r&#252;ckt, weil sich unliebsame Daten nicht mehr aus der Diskussion heraushalten lassen. Die Kampagne wird zum Bumerang.</p>
<p>Ein oft nicht gesehenes bzw. untersch&#228;tztes Merkmal dieser neuen Generation ist auch die Tatsache, dass sie im Internet fast <strong>simultan</strong> Informationen aufnimmt bzw. recherchiert, Kontakte kn&#252;pft und pflegt (<em>Social Networking</em>) sowie publiziert. Wof&#252;r es vor dem Internet-Zeitalter sauber getrennte Sph&#228;ren und Institutionen gab, verbindet sich in der &#8220;<a href="http://microinformation.wordpress.com/2009/03/14/text-definition-mikrotexte-hypertexte-medientexte-buchkultur-mundliche-texte/"><strong>Google-Galaxis</strong></a>&#8221; alles in einem Medium und trifft sich oft genug auf ein und derselben Plattform: Auf <a href="http://www.facebook.com">Facebook</a> oder <a href="http://www.twitter.com">Twitter</a> etwa ist es ganz nat&#252;rlich, alle drei genannten Funktionen zu nutzen bzw. auszu&#252;ben.</p>
<p>Damit sind die modernen Internetuser vor allem schnell und effizient. Zudem lassen sie alle m&#246;glichen Gatekeeper traditioneller Art einfach hinter sich. Nicht mehr Herausgeber oder Verleger bestimmen im Social Web, was gut und wichtig ist, sondern <a href="http://carta.info/6340/facebook-gut-informiert-zeitung/">Aufmerksamkeit und Online-Reputation</a>. Vor diesem Hintergrund l&#228;sst sich auch der Heidelberger Appell wie ein Abgesang auf eine im Untergang begriffene Ordnung lesen, weil sich ihre Protagonisten im neuen, digitalen Zeitalter erst verorten und damit abfinden m&#252;ssen, dass sie k&#252;nftig <a href="http://carta.info/9034/uebergangsformen-zum-ende-des-gedruckten-buches/">kleinere Br&#246;tchen</a> backen werden.</p>
<p>Aber wie auch immer Autoren und Verlage ihre Werke durch Leistungsschutz- und Urheberrechte werden sch&#252;tzen wollen, die &#8220;Generation Upload&#8221; kommt im Zweifel ohne sie aus: Ihre <strong>&#220;berlegenheit</strong> beruht nicht nur auf dem schon frei zug&#228;nglichen Wissen im Internet, sondern auch auf der Vernetzung untereinander, &#252;ber die sich rasch und unkompliziert offene Fragen kl&#228;ren und wichtige Hinweise weiterleiten lassen. Wer so vernetzt ist, f&#252;hlt sich wie ein <strong>Teil eines gigantischen Gehirns</strong>.</p>
<p>W&#228;hrend sich so relativ gut beschreiben l&#228;sst, was Menschen wie Danah Boyd im Internet machen (und f&#252;hlen), muss gleichzeitig offen bleiben, wer diese &#8220;Cyborgs&#8221; genau sind: Als Generation lassen sie sich jedenfalls nicht beschreiben, dazu ist die Abgrenzung dem Alter nach zu unpr&#228;zise. Falsch w&#228;re es auch, sie mit den 250 Millionen registrierten Usern auf Facebook gleichzusetzen. Denn l&#228;ngst nicht jeder, der dort ein Profil von sich angelegt hat, atmet auch schon voll und ganz den Geist des neuen Zeitalters.</p>
<p>Als <strong>Indikator</strong> f&#252;r die Gr&#246;&#223;e dieser Gruppe k&#246;nnte die Anzahl verkaufter Smartphones wie dem iPhone dienen: Wer das Internet auch mobil nutzt und bereit ist, die noch relativ teuren Datentarife (von Anbietern wie Vodafone) zu nutzen, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Mitglied dieser Gruppe. Mehr l&#228;sst sich kaum sagen.</p>
<p>Denn viele quantitativ ausgelegten Studien, etwa zum Nutzungsverhalten bestimmter Plattformen im Internet, verh&#252;llen mehr als dass sie aussagen. Sie alle erfassen (noch) nicht, worum es im Kern bei dieser neuen Generation von Internetusern wirklich geht: <strong>Intelligente Vernetzung</strong>, bei der medial-statisches und pers&#246;nlich-dynamisches Wissen ineinander greift und so zu neuen Leistungen und Ergebnissen f&#252;hrt, nicht nur auf einer fachlich technischen Ebene, sondern auch emotional und sogar k&#252;nstlerisch.</p>
<p>&#8220;How I long for being connected to be an acceptable part of engagement&#8221;, w&#252;nscht sich Danah Boyd. Wer ihr das nicht nachf&#252;hlen kann, muss nicht besorgt sein. Auch heute noch, im Zeitalter des Automobils, gibt es Kutschenbauer und Pferdez&#252;chter. Es sind nur nicht mehr so viele.
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		<title>Die Macht des Teilens</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 15:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Glaser</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sozialer Austausch heute bedeutet Management von Kommunikationskonfetti, denn die Lust, Dinge miteinander zu teilen, nimmt immer st&#228;rker zu. Golfspieler teilen ihre Handicaps, in England gibt es den ersten Fu&#223;ballclub, der einer Onlinecommunity geh&#246;rt. Alle Freunde sind immerzu da.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9e8ea8afde163084c643ea7dc1c925" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p style="text-align: left;"><strong>Sharism</strong> nennt der chinesische Blogger und Finanzexperte <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Isaac_Mao">Isaac Mao</a>, was die neuen sozialen Medien und die durch sie erm&#246;glichten Gemeinschaften antreibt – die Lust, Dinge mit anderen zu teilen (<em>to share</em>), die immer st&#228;rker zunimmt. Oder wie Wilhelm Busch es einige Zeit fr&#252;her ausdr&#252;ckte: <em>Doch guter Menschen Hauptbestreben / ist, andern auch was abzugeben</em>.</p>
<p style="text-align: left;">Neue Formen von <strong>Gemeinschaftswucht</strong> im Netz zeigen eine erstaunliche Leistungsf&#228;higkeit. Als vor zwei Jahren die Website <a href="http://myfootballclub.co.uk/">Myfootballclub</a> eingerichtet wurde, hatten die bis dahin 12.000 Mitglieder bereits 500.000 Pfund (knapp 540.000 Euro) gesammelt. Ein halbes Jahr sp&#228;ter begannen die Verhandlungen mit dem britischen Fu&#223;ballclub <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Ebbsfleet_United">Ebbsfleet United</a> und im Februar 2008 war das Gesch&#228;ft perfekt: Myfootballclub-Mitglieder aus 70 verschiedenen L&#228;ndern kauften f&#252;r 600.000 Pfund einen 75%-Anteil an dem Club und entscheiden nun &#252;ber Aufstellungen, Transfers und Spielerk&#228;ufe. Ebbsfleet United ist, so die stolze Selbstauskunft, <em>the world’s first and only web-community owned football club.</em><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<div id="attachment_11083" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/siradavis/1005287415/" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-11083" title="Google Earth Strange Views" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/07/google-earth-strange-views-300x258.jpg" alt="" width="300" height="258" /></a><p class="wp-caption-text">Google Earth Strange Views. Foto: Sir Adavis (cc-by)</p></div>
<p style="text-align: left;">Die digitalen Kommunikationsinstrumente ver&#228;ndern die Art, wie wir leben, wie wir miteinander umgehen, wie wir Gesch&#228;fte machen und wie wir uns austauschen. Beruflich und privat bereiten sich inzwischen viele auf reale Begegnungen vor, indem sie Suchmaschinen und soziale Netze zu der Person befragen. Und statt sich f&#252;r den Aufenthalt in einer fremden Stadt Tips aus dem Reisef&#252;hrer zu erbl&#228;ttern, kann man sich nun einfach per Mail <strong>Placemarks</strong> schicken lassen, mit denen Freunde ihre Lieblingspl&#228;tze auf Google Earth markiert haben. Inzwischen sind Online-Communities nicht mehr nur Treffpunkte, sie sind in Bewegung geraten. Dienste wie Twitter oder Facebook haben sich dem Lifestreaming verschrieben und lassen einen endlosen Flu&#223; kleiner Nachrichten von &#252;berallher auf Bildschirm oder Smartphone-Display str&#246;men – anstelle eines Agenturtickers mit Weltnachrichten laufen nun per Echtzeit-Nachrichtenfluss Meldungsschnipsel von (echten oder virtuellen) Freunden oder Kollegen ein. Die ganze Welt wird zur WG. <strong>Alle Freunde sind immerzu da.</strong></p>
<p style="text-align: left;">“Kultur ist Vielfalt an Problemen”, schrieb Egon Friedell vor hundert Jahren. <strong>Online verwandelt sich sozialer Austausch heute in das Management von Kommunikationskonfetti</strong>. Und st&#228;ndig finden kreative Geister neue Anwendungsm&#246;glichkeiten f&#252;r die neuen Techniken. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Guy_Kawasaki">Guy Kawasaki</a>, der bei Apple als “Evangelist” mit der die Vermarktung des Macintosh erfolgreich war, ist heute Venture Capitalist im Silicon Valley und hilft Unternehmensgr&#252;ndern auf dem Weg nach vorn. Kawasaki hat eine Methode gefunden, mit der man mit Hilfe dessen, was eine Netzgemeinschaft miteinander teilt, einsch&#228;tzen kann, ob man es mit einem guten oder einem schlechten Risikokapitalisten zu tun hat. Einmal gab es ein Meeting in seiner Firma Garage Technology Ventures und einer der Teilnehmer projizierte nebenbei zum Spa&#223; die Website einer Online-Community an die Wand – das <a href="http://www.ghin.com/">Golf Handicap and Information Network</a>. Diese Website gibt Auskunft &#252;ber das Handicap eines Golfspielers, also &#252;ber seine Spielst&#228;rke. Alle Golfclubs melden die Spielergebnisse ihrer Pl&#228;tze inzwischen an dieses Netzforum.</p>
<p style="text-align: left;"><span><em></em></span>Die Teilnehmer des Meetings riefen aus Jux die Namen von Konkurrenten, die im Verdacht standen, die meiste Zeit auf dem Golfplatz zu verbringen. F&#252;r Kawasaki ist das inzwischen mehr als nur ein Spa&#223;. Er fragt seither regelm&#228;&#223;ig in der Golf-Community die Namen von Mitbewerbern oder potentiellen Gesch&#228;ftspartnern ab. Wenn sich die Spielst&#228;rke eines <strong>golfenden Risikokapitalisten</strong> ungew&#246;hnlich schnell verbessert, geht er davon aus, dass die Person sich lieber auf dem Rasen aufh&#228;lt als in den Unternehmen, an denen er sich beteiligt.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;"><em>Peter Glaser bloggt auf <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/">Glaserei</a>, wo auch <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/?p=11075">dieser Beitrag</a> erschien.</em></p>
<p style="text-align: left;"><img src="file:///C:/DOKUME~1/CARTAR~1/LOKALE~1/Temp/moz-screenshot-15.jpg" alt="" /></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=11765&amp;md5=c61a9a647915555b1824c81dca56c86d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Digitale Ahnungslosigkeit: Alte und neue Medien kennen sich gegenseitig nicht</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Apr 2009 20:25:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass die Macher der alten Medien oft wenig vom Internet verstehen, ist bekannt. Vertretern der neuen Medien geht es umgekehrt aber kaum besser. Die Netz-Evangelisten prahlen mit Reichweite und Netzwerkmacht, w&#228;hrend die Skeptiker zurecht die Frage nach den Ums&#228;tzen stellen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/60b5eb00f39861243529bad84af150" alt="" width="1" height="1" /><br />
<a href="http://turi-2.blog.de/2009/04/09/interview2-johnny-haeusler-spreeblick-com-5915092/">Johnny Haeusler</a> hat gut reden: Er empfiehlt Journalisten, die Themen bei ihren Zeitungen nicht unterbringen, diese doch einfach (unter eigenem Namen) zu <strong>bloggen</strong>. Ein sch&#246;ner Vorschlag, zumindest auf den ersten Blick. Die Realit&#228;t in vielen Redaktionen d&#252;rfte so etwas aber gar nicht zulassen, es sei denn, man arbeitet frei.</p>
<p>Damit zeigt sich einmal mehr, dass Blogger zwar viel &#252;ber das Internet und die neuen Medien wissen, aber eher wenig von den <strong>Mechanismen der alten Medien</strong> verstehen. Sehr deutlich wird das auch an einem <a href="http://www.techcrunch.com/2009/04/11/can-the-statusphere-save-journalism/">Artikel von Brian Solis</a> f&#252;r das Blog TechCrunch. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Brian_Solis">Brian Solis</a> ist nicht irgendwer in den USA, ebenso wenig wie das Blog TechCruch.</p>
<p>Dass aber in eben diesem Blog so ein Artikel erscheinen kann, offenbart sehr deutlich, dass nicht wenige der <strong>Experten des Web 2.0 mit einer leichten Hybris den Medienwandel thematisieren</strong>. Bei der Lekt&#252;re kann n&#228;mlich leicht der Eindruck entstehen, es m&#252;ssten nur alle Medienmacher und Journalisten anfangen zu twittern, mit <a href="http://leanderwattig.de/index.php/2009/04/15/facebook-warum-ein-offentliches-profil-fur-ihr-unternehmen-sinnvoll-sein-konnte/">Public Profiles</a> auf Facebook vertreten sein und Beziehungen zu ihren Lesern aufbauen, um im <strong>neuen Zeitalter der digitalen Medien</strong> aufbl&#252;hen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Unterschlagen wird dabei, dass nicht wenige der von ihm genannten Medienkan&#228;le selbst noch gar <strong>kein tragf&#228;higes Gesch&#228;ftsmodell</strong> haben und derzeit auch f&#252;r gute Blogs die Luft (in Sachen Monetarisierung) reichlich d&#252;nn ist. Brian Solis sieht praktisch nur die <strong>Reichweite</strong>, <strong>nicht aber die Umsatzperspektive</strong>. Immerhin: Wie man mit Social Media heute Reichweite erzielt, hat er gut herausgearbeitet. Doch: 350.000 Twitter-Follower f&#252;r Techcrunch bedeuten nicht, dass der klassische Qualit&#228;tsjournalismus kein Umsatzproblem h&#228;tte.</p>
<p>Eine sachgerechte Betrachtung m&#252;sste allerdings auch st&#228;rker hinterfragen, f&#252;r wie viele Menschen ein Medium wie <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/03/19/twitterperspektiven-twitter/">Twitter</a> <strong>langfristig und nachhaltig Relevanz</strong> erlangt. So zeigt eine <a href="http://www.thestrategyweb.com/studie-twitter-bei-deutschen-jugendlichen-unpopulaer">aktuelle Studie</a>, dass Twitter speziell bei Jugendlichen in Deutschland noch kaum bekannt ist.</p>
<p>So weit aber kommen die Bef&#252;rworter der klassischen Medien mit ihrer Kritik an den Ausf&#252;hrungen von Brian Solis gar nicht, weil sie (immer noch) zu wenig von Social Media verstehen. <strong>Die beiden Lager reden also weiterhin sch&#246;n aneinander vorbei, weil sie von der jeweils anderen Seite zu wenig wissen</strong>.</p>
<p>W&#228;hrend aber Blogger und Social Software Geeks dabei wenig bis nichts zu verlieren haben, steht den klassischen Medien ihr <a href="http://carta.info/7325/internet-zdf-peter-frey-steffi-lemke-massenmedien-journalismus/">&#8220;Unbehagen am Internet&#8221;</a> allm&#228;hlich immer schlechter zu Gesicht. Denn bei ihnen geht es um sehr viel <strong>Umsatz, Arbeitspl&#228;tze und Reputation</strong>.</p>
<p>Vielleicht sollten deshalb gar nicht so sehr die Journalisten anfangen zu bloggen, wie Johnny Haeusler meint. Eher sollten deren Manager und Herausgeber mehr praktische Erfahrungen mit dem Internet sammeln und zudem den <strong>Dialog mit Bloggern</strong> suchen. Der Antagonismus zwischen alten und neuen Medien sollte schleunigst &#252;berwunden werden. Denn nur so werden sich f&#252;r die Institutionen der alten Medien tragf&#228;hige Gesch&#228;ftsmodelle im neuen Medium finden lassen &#8212; und einige von ihnen brauchen wir noch.</p>
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		<title>Die Deutschen und das Internet: Das wird nichts mehr!</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 15:45:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Startup]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht auf der H&#246;he der Zeit zeigt sich ein Video-Teaser des Berliner Unternehmens vionto GmbH. Das Startup bewegt sich zwar im Bereich von semantischer Software, macht aber in Bezug auf Social Software und das Social Web einen doch eher unbeholfenen Eindruck.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/37e8640ebd482c0caf904c4accf7c4" alt="" width="1" height="1" /><br />
Man betrachte mal dieses Video und &#252;berlege sich, was hier beworben oder visualisiert wird:</p>
<p><object width="480" height="295" data="http://www.youtube.com/v/hc2XN3KLlh4&amp;hl=de&amp;fs=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/hc2XN3KLlh4&amp;hl=de&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<p>Alles klar? Oder eher nicht? Hier stellt ein deutsches Startup aus Berlin seinen Ansatz f&#252;r eine <strong>neuartige Suchmaschinentechnologie</strong> vor. Es handelt sich um die <a href="http://www.vionto.com/">vionto GmbH</a>, ihr Produkt nennt sich <a href="http://www.eyeplorer.com/eyePlorer/">eyePlorer</a>.</p>
<p>Was immer der eyePlorer heute schon kann oder k&#252;nftig k&#246;nnen wird: Mit diesem Video als Teaser wird man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken k&#246;nnen. Er ist <strong>viel zu kurz und praktisch unverst&#228;ndlich</strong>: 12 Sekunden Dauer und das ohne Ton. Ein Screencast w&#228;re hier besser gewesen (und sicher nicht teurer).</p>
<p>Da passt es dann auch ins Bild, dass das Startup nat&#252;rlich kein Corporate Blog f&#252;hrt und auch sonst um die M&#246;glichkeiten des Web 2.0 einen weiten Bogen macht. Ist das typisch deutsch?</p>
<p>Vionto bewegt sich im Bereich von semantischer Software und damit dem Web der dritten Generation (Hochtechnologie), macht aber in Bezug auf Social Software und das Social Web einen doch <strong>eher unbeholfenen Eindruck</strong>.</p>
<p>Immerhin hat ja die <a href="http://www.faz.net/s/Rub4C34FD0B1A7E46B88B0653D6358499FF/Doc~EE86EE2941DCB4B80833E7F07A08860BE~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAZ</a> ausf&#252;hrlich berichtet und es ihrerseits nicht geschafft, den eyePlorer zu verlinken (der Name des Startups wird gleich gar nicht erw&#228;hnt). Medial kongenial, aber leider nicht auf der H&#246;he der Zeit.</p>
<p><em>Matthias Schwenk bloggt auf <a href="http://www.bwlzweinull.de/">bwl zwei null</a>, wo auch <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/02/25/die-deutschen-und-das-internet-das-wird-nichts-mehr/">dieser Text</a> erschienen ist. </em></p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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