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	<title>CARTA &#187; Rent-Seeking</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die FDP-DEHOGA-Connection: Co-Wahlkampf f&#252;r die Steuersenkung</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 14:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht nur durch Spenden, sondern auch durch Wahlkampfaktionen steht die FDP dem Hotel- und Gastgewerbe sehr nahe. Ist die Partei gar nicht liberal, sondern ein Aktionsb&#252;ndnis von "Rent Seekern"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2f52e786f40e463f8c1337d7cc9ca006" width="1" height="1" alt=""/>Die <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/134/500400/text/">Nachricht</a> &#252;ber die hohen Parteispenden insbesondere an FDP und CSU aus dem Hotelgewerbe haben in dieser Woche ein ziemlich unappetitliches und bedenkliches <a href="http://twitter.com/saschalobo/status/7826951261">Schlaglicht</a> auf die Beziehung von organisierten Interessen und Parteien geworfen.</p>
<p>Schwarz-Gelb macht nicht nur einseitige, unliberale und &#8220;&#246;konomisch eigentlich nicht zu rechtfertigende&#8221; (<a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/134/500400/text/">HWWI</a>) Gesetze: Die Parteien der Regierungskoalition haben offenbar neben machtpolitischen auch ganz konkrete finanzielle Anreize, derart zu handeln.</p>
<p>Katastrophal ist dabei nicht nur der Eindruck der &#8220;K&#228;uflichkeit&#8221;, sondern der eines kompletten Demokratieversagens: Wenn sich Parteien derart leicht von einseitigen Interessen erobern lassen, dann funktioniert der politische Vermittlungsprozess nicht mehr &#8211; und wir w&#228;ren in der <a href="http://www.libinst.ch/?i=politischer-wettbewerb-in-der-rent-seeking-society">Rent-Seeking-Society</a> angekommen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Rent seeking&#8221; (die Suche nach staatlich gesch&#252;tzten Einkommen und Machtpositionen) verdr&#228;ngt &#8220;Profit seeking&#8221; (das Streben nach privat erarbeiteten Leistungs- und Entwicklungspr&#228;mien)</p></blockquote>
<p>Die Vokabel vom &#8220;<a href="http://chatatkins.blogger.de/stories/1558092/">mitf&#252;hlenden Liberalismus</a>&#8221; hat bis auf weiteres jegliche Glaubw&#252;rdigkeit verloren. Die FDP hat offenbar keinen mitf&#252;hlendes, sondern ein funktionales Verh&#228;ltnis zum Liberalismus. Liberalismus ist f&#252;r sie &#8211; den Eindruck muss man haben &#8211; keine Haltung, sondern eine Funktion der Machtpolitik. Man k&#246;nnte auch sagen: Einige sind ein bisschen mehr Mittelstand als andere, das  Hotel- und Gastst&#228;ttengewerbe zum Beispiel.</p>
<p>Dabei gehen die Verbindungen  der FPD zum Hotel- und Gastgewerbe deutlich &#252;ber die Millionenspende hinaus. Wie in Berlin zu erfahren ist, hat der Verband <a href="http://www.dehoga.de">DEHOGA</a> mit seiner &#8220;Pro Sieben Prozent&#8221;-Kampagne eine Art Co-Wahlkampf f&#252;r FDP und CSU betrieben (siehe auch <a href="http://www.freitag.de/wochenthema/1003-f-hnchen-imkampagnen-wind">hier</a>). Der mitgliederstarke Verband unter F&#252;hrung des FDP-Mitglieds Ernst Fischer (<a href="http://fdp-buergerfonds.de/files/1355/16/source_49cb8254b3c88_beerfeltz_fischer1.jpg">Foto</a>) hat vor der Bundestagswahl zahlreiche Veranstaltungen organisiert und seinen Mitgliedern klar gemacht: F&#252;r eine Senkung der Mehrwertsteuer im Hotel- und Gastst&#228;ttengewerbe am besten FDP oder CSU w&#228;hlen. So <a href="http://www.gastgewerbe-magazin.de/infos-service/detailansicht/article/bundesweite-kampagnen-rund-um-den-dehoga-aktionstag-sieben-prozent-auf-alles-ausser-auf-gastge/?tx_ttnews[backPid]=75&amp;cHash=c41b8c7102">erkl&#228;rte</a> Fischer (FDP) im Juni 2009:</p>
<blockquote><p>Wir hoffen, dass sich alle Parteien in ihren Wahlprogrammen ebenso deutlich f&#252;r eine Senkung der Mehrwertsteuer aussprechen wie jetzt die FDP, deren Delegierte mit &#252;berw&#228;ltigender Mehrheit f&#252;r die Aufnahme der Forderung in das Wahlprogramm gestimmt haben.</p></blockquote>
<p>Nach der Wahl <a href="http://www.ak-gv-koeln.de/pdf/koalitionsvertrag__freude_ueber_kompromiss_zur_mehrwertsteuerreduzierung.pdf">sagte</a> er:</p>
<blockquote><p>Keine Frage, wir haben uns eine Reduzierung f&#252;r die Gesamtbranche erhofft, da FDP und CSU sich vor der Bundestagswahl klar f&#252;r die Reduzierung der Mehrwertsteuer f&#252;r Hotellerie und Gastronomie ausgesprochen haben.</p></blockquote>
<p>In Fischers Gesch&#228;ftsstelle h&#228;ngt &#252;brigens ein signiertes Plakat von Silvana Koch-Mehrin. Erworben f&#252;r eine besonders <a href="http://fdp-buergerfonds.de/webcom/show_article.php/_c-1355/_nr-16/_cmt-55ae1b49418cf357595feabc8490bd93/i.html">gro&#223;z&#252;gige Spende</a> an den &#8220;FDP-B&#252;rgerfonds&#8221;.</p>
<div id="attachment_22069" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/lindner2.jpg"><img class="size-medium wp-image-22069" style="border: 1px solid black; margin: 2px;" title="lindner2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/lindner2-300x199.jpg" alt="lindner2" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">FDP-Generalsekret&#228;r Lindner: Gegen die kulturelle Verarmung</p></div>
<p>F&#252;r die FDP erschien es im Bundestagswahlkampf offenbar ganz normal, Pressemitteilungen mit dem Titel &#8220;<a href="http://www.fdp-gl.de/Meldungen/12392c43i/index.html">DEHOGA und FDP fordern Steuerentlastung f&#252;r Hotels und Gastst&#228;tten</a>&#8221; herauszugeben (man beachte die Reihenfolge). Der heutige FDP-Generalsekret&#228;r Christian Linder pr&#228;sentierte sich mit Pro Sieben Prozent-Plakat in der eigenen <a href="http://www.fdp-gl.de/files/12406/09_07_28_Liberale_Live_Juli_2009.pdf">Parteizeitung</a>. Zugleich erkl&#228;rte er, es gehe der FDP nicht darum, die wirtschaftlichen Interessen einer bestimmten Branche zu unterst&#252;tzen, sondern darum, &#8220;eine kulturelle Verarmung unserer Gesellschaft zu vermeiden, die die Folge eines Hotel- und Gastst&#228;ttensterbens w&#228;re&#8221;.</p>
<p>Besonders deutlich zeigt sich die Bundestagswahlkampfhilfe der DEHOGA etwa beim Blick auf ihrem Aktionstag mit &#252;ber 400 Teilnehmern Ende August in D&#252;sseldorf. Dort traten nur ein FDP- und ein CDU-Politiker auf &#8211; und forderten brav eine branchenspezifische Senkung der Mehrwertsteuer. Der FDP-Vorsitzende in NRW, Andreas Pinkwart lie&#223; sich mit einem &#8220;Pro Sieben Prozent&#8221;-Kuchen in der Hand <a href="http://www.prosiebenprozent.de/aktionen/nordrhein-westfalen/23.-august-dsseldorf.html">ablichten</a>.</p>
<p>So bekommt das 14,6-Prozent-Wahlergebnis der FDP eine ganz neue Konnotation. Hat die FDP auch deshalb ein so gutes Ergebnis erzielt, weil sie vor der Wahl offensiv auf die Unterst&#252;tzung eines mobilisierungsstarken Verbandes wie dem DEHOGA gesetzt hat? Im Hotel- und Gastgewerbe arbeiten immerhin 1,1 Mio. Menschen.</p>
<p>Selbstredend hat jede Partei eine Kohorte von Interessengruppen und Verb&#228;nden um sich geschart. Bei der SPD sind es, &#8211; mal mehr und mal weniger &#8211; die Gewerkschaften, etwa die IG Metall. Die &#8220;Abwrackpr&#228;mie&#8221; war urspr&#252;nglich ein Konzept der IG Metall, das via SPD und <a href="http://www.vda.de/de/index.html">VDA</a> seinen Weg ins Konjunkturpaket fand. In die Praxis umgesetzt wurde sie zum Milliarden-Geschenk der SPD an die Mitglieder der IG Metall. Das war unsch&#246;ne Klientelpolitik.</p>
<p>Es gibt aber einen entscheidenen Unterschied zwischen der SPD und der FDP. Die SPD-Spitze hat in ihrer Regierungszeit aus staatspolitischer R&#228;son und gesellschaftlichem Verantwortungsbewu&#223;tsein fast schon selbstzerst&#246;rerisch auch gegen ihre Klientel gehandelt. Sie hat die Rente mit 67 und Hart IV eingef&#252;hrt sowie die Unternehmenssteuern gesenkt.</p>
<p>Die FDP hat diese Bilanz nicht. Es ist in dieser Woche der katastrophale Eindruck entstanden, diese Partei mache nicht auch, sondern NUR Klientelpolitik. Sie erscheint wie ein Aktionsb&#252;ndnis von Rent Seekern, die gemeinsam das Vote Seeking betreiben.</p>
<p><a href="http://www.ak-gv-koeln.de/pdf/koalitionsvertrag__freude_ueber_kompromiss_zur_mehrwertsteuerreduzierung.pdf?PHPSESSID=bb430b34f7445ffdab8f237541862f55"><br />
</a>
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