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	<title>CARTA &#187; PR</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Ich glaub’, es hackt: Die taz nimmt’s von jedem!</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 11:21:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Taz]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die taz macht den Kotau vor BILD und druckt eine Anzeige, die man nur drucken kann, wenn man keinen Ausweg mehr wei&#223;. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die <em>BILD</em>-Zeitung, das wissen wir, ist mindestens so dreist wie der von ihr verteidigte Verteidigungsminister. <em>BILD</em> schaltet und waltet Anzeigen nach Belieben (besonders gern nach dem Motto jenes <a href="http://www.youtube.com/watch?v=CwE4mk2fbow">Unternehmers</a> Heinrich Haffenloher, der Baby Schimmerlos in der Medien- und Gesellschaftssatire &#8220;Kir Royal&#8221; kaufen wollte: &#8220;Ich schei&#223; dich zu mit meinem Geld!&#8221;).</p>
<p><object width="480" height="390"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/CwE4mk2fbow?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/CwE4mk2fbow?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="480" height="390"></embed></object></p>
<p>In der <em>taz</em> schaltete <em>BILD</em> jetzt eine ganzseitige <a href="http://blogs.taz.de/hausblog/2011/02/27/bild-zeitung_wirbt_mit_holofernes-absage/ ">Anzeige</a> mit einem Text von Judith Holofernes, in der die S&#228;ngerin (<em>Wir sind Helden</em>) &#252;ber die „perfide“ <em>BILD</em>-Werbekampagne „BILD dir deine Meinung“ <a href="http://www.bildblog.de/28264/wir-sind-helden-wollen-nicht-fuer-bild-werben/">herzieht</a>. <strong>Eine arrogantere Verh&#246;hnung sowohl der <em>taz</em> als auch der S&#228;ngerin durch eine aus der Springer-Portokasse bezahlte Anzeige kann man sich nicht vorstellen. </strong></p>
<p>Und was macht die <em>taz</em>? Sie <a href="http://www.internet-law.de/2011/02/taz-druckt-holofernes-brief-als-bezahlte-werbeanzeige-der-bild.html">d&#252;piert</a> Holofernes („Interessant &#252;brigens, dass sich die <em>taz</em> daf&#252;r zur Verf&#252;gung <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/da-kommt-niemand-ungeschoren-weg-1/">stellt</a>“) und erkl&#228;rt treuherzig, warum man die ganzseitige Anzeige von <em>BILD</em> genommen hat:</p>
<blockquote><p>&#8220;Weil die BILD-Zeitung uns daf&#252;r bezahlt. Laut unserer Anzeigenpreisliste kostet eine ganzseitige, vierfarbige Anzeige unter der Woche 12.555 Euro. Das sind schon ein paar Monatsgeh&#228;lter f&#252;r einen taz-Mitarbeiter. Daher drucken wir auch Anzeigen von Atomkraftunternehmen wie Vattenfall oder von &#214;lkonzernen wie BP. Wir w&#252;rden sogar gerne noch mehr bezahlte Anzeigen von BILD, Vattenfall und BP drucken, aber leider wollen die nicht h&#228;ufiger bei uns Anzeigen schalten. Unabh&#228;ngiger Journalismus muss schlie&#223;lich bezahlt werden und je mehr Geld wir haben, desto mehr k&#246;nnen wir davon machen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vattenfall und BP schalten ihre Anzeigen allerdings nicht in erster Linie, um die <em>taz</em> damit vorzuf&#252;hren und zu dem&#252;tigen. Dieses Geld h&#228;tte die <em>taz</em> schon aus Selbstschutz und Selbstachtung niemals nehmen d&#252;rfen.</p>
<p>Vor kurzem lehnte der kleine Berufsverband der freien Journalisten <em>Freischreiber</em>* (der auch nicht gerade im Geld schwimmt) eine Spende ab, die aus der Vernichtung und Verh&#246;kerung des Blogs <em>Nerdcore</em> kommen sollte. Der Verband <a href="http://www.freischreiber.de/home/nat&#252;rlich-nehmen-wir-geld-aber-doch-nicht-von-jedem">erkl&#228;rte</a> dem bereitwilligen Spender damals: „Nat&#252;rlich nehmen wir Geld. Aber doch nicht von jedem“.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>*Ich bin Vorstandsmitglied dieses Verbands
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38694&amp;md5=18c1d78ae7bd01e33ee93f24cb944fe6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>PR-Kaderschmiede Leipzig?</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Jan 2011 12:20:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Ruß-Mohl</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Journalistenausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Leipzig]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Haller]]></category>
		<category><![CDATA[PR]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Kahlschlag in der Leipziger Journalistenausbildung best&#228;tigt einen Trend: Weg vom Journalismus, hin zur PR.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor gut 20 Jahren hat die Prognose bei vielen Medienexperten noch Kopfsch&#252;tteln ausgel&#246;st. Ich hatte eine „Aufr&#252;stungsspirale“ in der &#214;ffentlichkeitsarbeit vorhergesagt, die ihrerseits eine „Abr&#252;stungsspirale“ in den Redaktionen bewirken w&#252;rde. Inzwischen hat sich dies unstrittig bewahrheitet: die Kommunikationsdisziplin <em>Public Relations</em> gedeiht und professionalisiert sich; derweil werden Redaktionen ausged&#252;nnt, der Journalismus ger&#228;t immer mehr in Bedr&#228;ngnis – auch weil Journalisten immer mehr PR-Meldungen ungefiltert verwenden und so die Glaubw&#252;rdigkeit der Medien sinkt.</p>
<p>Merkw&#252;rdigerweise kr&#228;ht deswegen kaum ein Hahn. Dabei geht es um die Frage, wie wir alle informiert werden: Ob von journalistischen „Treuh&#228;ndern“, die sich redlich bem&#252;hen, ihre Leser, H&#246;rer, Zuschauer ausgewogen mit Nachrichten zu versorgen. Oder von PR-Leuten, deren Job es nun einmal ist, uns im Interesse ihrer Auftraggeber ein gesch&#246;ntes, einseitiges Bild der Welt zu vermitteln.</p>
<p>In Leipzig ist ein neues Stadium der Eskalation erreicht. Dort schl&#228;gt die Doppel-Spirale jetzt erstmals direkt auf die Ausbildungs-Angebote durch. Ein renommierter Kollege, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Haller_%28Medienwissenschaftler%29">Michael Haller</a>, ist in den Ruhestand getreten. Er hat der Journalistenausbildung nicht nur an seiner <a href="http://www.uni-leipzig.de/journalistik/haller.htm">Universit&#228;t</a> zu neuem Ansehen verholfen. &#220;ber Jahre hinweg war er als Dozent, Forscher und Herausgeber der angesehenen Fachzeitschrift <em>Message</em> omnipr&#228;sent. Jetzt haben seine Fachkollegen aus der PR nichts Besseres zu tun, als seine verwaiste Professur f&#252;r den Bereich &#214;ffentlichkeitsarbeit umzuwidmen.</p>
<p>Dabei steht in Leipzig die Wiege der akademischen Journalisten-Ausbildung: Karl B&#252;cher hat sich dort im deutschsprachigen Raum bleibende Verdienste um sie erworben, lange bevor sein Fachkollege Emil Dovifat in Berlin die Zeitungswissenschaft begr&#252;ndete. Haller hatte dann Jahrzehnte sp&#228;ter das Metier zu neuer Bl&#252;te gef&#252;hrt &#8211; nach dem wenig ruhmreichen Intermezzo, als zu Zeiten des SED-Staates im „Roten Kloster“ sogenannte „Journalisten“ ausgebildet wurden, die in Wahrheit nur Propagandisten waren. Es ist alarmierend, dass sich die Schraube jetzt – wom&#246;glich nicht nur in Leipzig &#8211; zur&#252;ck zu drehen beginnt.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Crosspost. Stephan <em>Russ</em>-<em>Mohl</em> ist Kolumnist der &#246;sterreichischen Wochenzeitung <em><a href="http://www.furche.at/">Die Furche</a></em>.
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<a href="http://carta.info/37464/pr-kaderschmiede-leipzig/">PR-Kaderschmiede Leipzig?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/37464/pr-kaderschmiede-leipzig/#comments">15 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37464&amp;md5=0066bf0a5ae94426830f33112dec12c1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>PR &#8211; die f&#252;nfte Gewalt</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 15:35:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Einflussnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[PR]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl viele Journalisten auf einer deutlichen Grenzziehung zwischen PR und journalistischer Arbeit beharren, haben sich die Bereiche munter vermischt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Journalist J&#246;rg Wagner recherchierte die dreisten, aber auch die feinen Formen des Ineinanderflie&#223;ens von Journalismus und PR f&#252;r sein H&#246;rfunk-Feature „Analogk&#228;se schmeckt besser“. <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/11/09/dlf_20101109_1914_7e450b5f.mp3">Downzuloaden</a> ist das 45-Minuten-St&#252;ck beim Deutschlandfunk. Die <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=7327#more-7327">Nachdenkseiten</a> erg&#228;nzen das Thema mit einer Erinnerung Albrecht M&#252;llers an den Wirtschaftsjournalismus der 1960er Jahre.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35749&amp;md5=077da3b71e1c726fe4d4e263899c36b2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Entsorgung der Qualit&#228;t: Die Medienkrise und die Ausbeutung der freien Journalisten</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Nov 2009 18:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Medienkrise versch&#228;rft die Arbeitsbedingungen der freien Journalisten und l&#228;sst den Unterschied zwischen unabh&#228;ngiger Information und PR weiter schwinden. Damit verliert der Journalismus weiter an Glaubw&#252;rdigkeit und begibt sich in den freien Fall.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/110fc6865d0047638040387d48cb43bb" alt="" width="1" height="1" />Die Printmedien befinden sich in einer schweren Krise. Eine Strategie, die ihr &#246;konomisches &#220;berleben sichert, haben die meisten Verlage noch nicht gefunden. Stattdessen herrscht in den meisten Redaktionsh&#228;usern strikter Sparzwang. Unter dem steigenden Marktdruck werden tiefgehende interne Umstrukturierungen vorgenommen: ganze Ressorts werden eingestellt, Redaktionen zu sogenannten News-Rooms zusammengelegt und Zeilenhonorare &#252;ber die Schmerzgrenze hinaus gek&#252;rzt.</p>
<p>Diese Entwicklung spitzt sich in der derzeitigen Wirtschaftskrise zus&#228;tzlich zu. Im Fr&#252;hjahr hat zum Beispiel die WAZ-Gruppe bei ihren vier NRW-Titeln 300 der knapp 900 Redaktionsstellen gestrichen. Im Gegenzug erhielt deren Online-Portal „Der Westen“ gerade einmal 20 neue Mitarbeiter.</p>
<p>Auch die S&#252;ddeutsche Zeitung, auflagenst&#228;rkste &#252;berregionale Tageszeitung dieser Republik, plant bis Ende kommenden Jahres 60 Stellen in Verlag und Redaktion streichen, um so 10 Millionen Euro einzusparen. Es wird gemunkelt, diese Summe werde f&#252;r die Bankverbindlichkeiten der S&#252;dwestdeutschen Medienholding (SWMH) ben&#246;tigt, die vor zwei Jahren die Mehrheit am Verlag der SZ f&#252;r insgesamt 700 Millionen Euro aufkaufte.</p>
<p>Selbst die verhei&#223;ungsvolle Online-Welt muss gegenw&#228;rtig Federn lassen. Am Freitag entschied der Verlag M. DuMont Schauberg, die Netzeitung <a href="http://carta.info/17791/netzeitung/">einzustellen</a> und s&#228;mtlichen Mitarbeitern betriebsbedingt zu k&#252;ndigen. Das Schicksal ihres Automagazins „Autogazette.de“ war da bereits besiegelt – drei Redakteuren ist vor wenigen Tagen gek&#252;ndigt worden. Die Erstellung der Autobeilage der Berliner Zeitung, bislang Aufgabe der „Netzeitung“, liegt fortan in den H&#228;nden der Full-Service-Agentur „Raufeld Medien“. Sie verf&#252;gt <a href="http://www.raufeld.de/cms/index.php?id=9">nach eigenen Angaben</a> „&#252;ber ein Netzwerk von mehr als 100 freien Autoren“.</p>
<p>Einsparungen, Entlassungen und Outsourcing: Die tiefen Einschnitte in den Verlagsh&#228;usern versch&#228;rfen vor allem die Arbeitsbedingungen einer zugleich wachsenden Berufsgruppe, die der freien Journalisten. Allein in den vergangenen zehn Jahren d&#252;rfte sich ihre Zahl, so sch&#228;tzt der Deutsche Journalistenverband (DJV), auf etwa 25.000 verdoppelt haben.</p>
<p>Freie Journalisten verf&#252;gen &#252;ber kein geregeltes Einkommen und erhalten ihre Honorare bemessen an den gedruckten Zeilen. Der Zeitaufwand, um f&#252;r eine gute Story zu recherchieren, wird nicht ber&#252;cksichtigt. Laut einer Studie (<a href="http://www.dfjv.de/fileadmin/user_upload/pdf/DFJV_Studie_Freie_Journalisten.pdf">PDF</a>) des Deutschen Fachjournalisten-Verbandes verdient ein freier Zeitungsjournalist, zumeist m&#228;nnlich und im Mittel 47 Jahre alt, monatlich im Durchschnitt knapp 2500 Euro brutto. Aufgrund der erdr&#252;ckenden Marktkonkurrenz sind die Freien h&#228;ufig gezwungen, Knebelvertr&#228;ge anzunehmen, mit denen sie s&#228;mtliche Rechte an ihren Texten an die Verlage abtreten. Eine zus&#228;tzliche Verwertung ihrer eigenen Beitr&#228;ge ist ihnen damit nicht mehr m&#246;glich.</p>
<p>Das Gehaltsgef&#228;lle ist gro&#223; und knapp ein Drittel der freien Journalisten verdient gerade einmal bis zu 1000 Euro. Viele suchen daher ein zweites Standbein: So &#252;bt einer Studie der LMU M&#252;nchen (<a href="http://www.dfjv.de/fileadmin/user_upload/pdf/DFJV_Studie_Arbeitsmarkt_fuer_Journalisten.pdf">PDF</a>) zufolge jeder zweite freie Journalist neben seiner T&#228;tigkeit als Autor eine Nebent&#228;tigkeit &#8211; zumeist im Bereich &#8220;PR/Werbung&#8221; &#8211; aus.</p>
<p>Schlie&#223;lich wird sich ein „Freier“ gut &#252;berlegen, ob er f&#252;r wenige hundert Euro wochenlang einer aufw&#228;ndig recherchierten Story nachgeht, wenn Unternehmen und Lobbyorganisationen PR-Texte in Auftrag geben und diese Leistungen auch noch besser bezahlen.</p>
<p>So hat die neoliberale Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft k&#252;rzlich drei Journalisten f&#252;r das Projekt „Deutschland 24/30“ <a href="http://carta.info/12327/insm-deutschlandreise/">angeheuert</a>, die „die „der sozialen Marktwirtschaft gegen&#252;ber positiv eingestellt und einem unternehmernahen Auftraggeber gegen&#252;ber aufgeschlossen sind.“ Sie sollten der Frage nachgehen, was aus der „guten alten Sozialen Marktwirtschaft“ geworden sei. Die Reportage d&#252;rfte am Ende im Sinne der Auftraggeber gewesen sein: Schlie&#223;lich bei&#223;t niemand die Hand, die einen f&#252;ttert.</p>
<p>Wenn die Meinungen von Journalisten, und damit die „vierte Gewalt“ als solche, infolge der Ausbeutung an den Meistbietenden verschleudert werden kann, nehmen fraglos nicht nur die unmoralischen Angebote der Lobbyorganisationen weiter zu – der Unterschied zwischen unabh&#228;ngigen Informationen und interessengeleiteter PR droht am Ende g&#228;nzlich zu verschwinden.</p>
<p>Der Wettlauf nach unten verwandelt sich zudem in den freien Fall: Wenn billiges Infotainment und PR zunehmend kritischen Journalismus aus den Spalten verdr&#228;ngen, ist die Glaubw&#252;rdigkeit der redaktionellen Berichterstattung selbst in Gefahr. Die Leser werden weiter abwandern und im Internet Alternativen suchen, die Anzeigenkunden werden ihnen folgen.</p>
<p>Der Ausweg aus dieser mehrdimensionalen Medienkrise indes ist denkbar einfach: Es ist ein Irrtum anzunehmen, journalistische Qualit&#228;t gebe es zum Nulltarif. L&#228;ngst hat die Diskussion &#252;ber die Zukunft des Journalismus sowie unterschiedliche Erl&#246;smodelle, von Micro-Payments bis hin zur Kulturflatrate, an Fahrt gewonnen. Allein auf diese Weise k&#246;nnen Verlage aus dem Teufelskreis ausbrechen, investigative Recherchen gef&#246;rdert und nicht zuletzt auch die Ausbeutung der freien Journalisten gestoppt werden.
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			</a>
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<a href="http://carta.info/17798/die-entsorgung-der-qualitaet-die-medienkrise-und-die-ausbeutung-der-freien-journalisten/">Die Entsorgung der Qualit&#228;t: Die Medienkrise und die Ausbeutung der freien Journalisten</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/17798/die-entsorgung-der-qualitaet-die-medienkrise-und-die-ausbeutung-der-freien-journalisten/#comments">27 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17798&amp;md5=2914884e03050e47c21b2bc13b88819d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Betrug am Leser: Der Boulevard h&#246;hlt die Pressefreiheit aus</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Jul 2009 07:58:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gabriele Bärtels</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Pressefreiheit ist konstituierend f&#252;r die Demokratie, aber nachts steht sie im d&#252;nnen Kleidchen an einer Laterne und zwinkert den Anzeigenkunden zu. Warum die Journalistenbranche von innen verfault und ich Texte schreiben soll, in denen nichts von dem vorkommt, was ich gesehen oder geh&#246;rt habe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a41717bb8a374f81f2c748bd72e891" alt="" width="1" height="1" />Vermutlich kriegt man in der Ausbildung beigebracht, was Boulevard-Journalismus ist, allerdings habe ich noch nie geh&#246;rt, dass es ein spezifisches Unterrichtsfach w&#228;re. Ich bin ja kein gelernter Journalist, deswegen kann mir vielleicht mal jemand erkl&#228;ren, ob f&#252;r diese Art der Berichterstattung auch der Wahrhaftigkeitsgrundsatz gilt? Meiner Erfahrung nach n&#228;mlich nicht. Und wenn das nicht der Fall ist, wieso haben die Leute, die Boulevard-Journalismus betreiben, dann &#252;berhaupt einen Presseausweis?</p>
<p>Wer sich heutzutage in einem Zeitungskiosk umsieht, bildet sich blo&#223; ein, in den Regalen l&#228;gen zu hundert Prozent Presseerzeugnisse. Tats&#228;chlich sind es Pi mal Daumen vielleicht zehn Prozent, der Rest ist weitgehend Betrug am Leser, an einem Durchschnitts- und Massenleser, der noch immer glaubt, was in der Zeitung steht. Wie bl&#246;d f&#252;r ihn.</p>
<p>In Wahrheit hat er es mit einem abgekarteten Spiel zu tun, mit Verdrehung, Versch&#246;nerung und Dramatisierung der Wirklichkeit, mit der Schaffung von Scheinwelten, und das ist keine Neuigkeit, sondern so selbstverst&#228;ndlich, dass niemand es mehr seltsam findet. Mal geschieht das nur aus reiner Oberfl&#228;chlichkeit, meistens aus knallhartem Marketing-Interesse. Ich kann da reihenweise selbsterlebte Beispiele auflisten.</p>
<p>Mein Problem ist nur: Nenne ich Ross und Reiter, dann kriege ich solche Auftr&#228;ge nicht mehr. Nicht nur mein Problem, sondern das unserer Gesellschaft ist, dass sie f&#252;r solche L&#252;gen in gl&#228;nzenden Magazinen h&#246;here Honorare zahlt als f&#252;r Wahrhaftigkeit, und dies auch noch p&#252;nktlicher. Unbestechliche Berichterstattung bringt in Schwarz-Wei&#223;-Tageszeitungen n&#228;mlich nur Zeilen-Cent-Betr&#228;ge, im Internet oft nichts mehr. Also erz&#228;hle ich verschl&#252;sselt, weil ich mir nichts anderes leisten kann.</p>
<p>Gestern zum Beispiel: Da sollte ich f&#252;r ein Lifestyle-Magazin einen Text &#252;ber zwei Schauspieler schreiben, die in einem Fitness-Studio trainieren, um sich f&#252;r eine Mega-Inszenierung, deren Hauptdarsteller sie sein werden, fit zu machen. Tatsache ist aber, dass sie nie in diesem Fitness-Studio trainieren, nur an diesem Tag, unter den Augen und in der Obhut von Fotograf, Assistent, Stylistin, Produktionsleitung und nat&#252;rlich der Marketing-Dame des Studios.</p>
<p>Der Verlag des Life-Style-Magazins ist gesch&#228;ftlich mit dieser Fitnessstudio-Firma verbunden. Deswegen muss daf&#252;r gesorgt werden, dass sowohl im Text als auch im Bild klar wird, in welch exklusiver Umgebung das Training stattfindet, das sich die beiden Schauspieler im wahren Leben gar nicht leisten k&#246;nnen. Die Produzenten der Mega-Inszenierung wiederum stellen dem Lifestyle-Magazin Freikarten zur Verf&#252;gung, die diese an ihre Leser verlosen k&#246;nnen. Und weil das Fitness-Studio eine bestimmte Sportklamotten-Marke favorisiert, m&#252;ssen die Schauspieler genau die auch anziehen.</p>
<p><strong>Und ich soll einen Text schreiben, in dem nichts davon vorkommt, was ich an diesem Tag gesehen und geh&#246;rt habe</strong>. Sondern so tun, als w&#252;rden hier zwei Schauspieler begeistert schwitzen, die in Wahrheit gepudert sind. Der Text geht dann nicht nur an die Redaktion, sondern auch an die Produzenten der Mega-Inszenierung, damit am Ende alle Seiten zufrieden sind. Im Heft wird er als redaktioneller Beitrag erscheinen. S&#228;mtliche Beteiligte finden das normal, sie arbeiten so seit ewig und drei Tagen. Gewissensbisse w&#252;rden sie ganz und gar l&#228;cherlich finden.</p>
<p>Als ich neulich einem Frauenmagazin eine wahre Liebesgeschichte verkaufte, in der ein Politiker vorkam, war die Redakteurin begeistert. Nur eines durfte nicht sein: Der Politiker. „K&#246;nnen wir nicht lieber einen Volkshochschuldozenten daraus machen?“ fragte sie. So ist das in Frauenmagazinen. Die Wirklichkeit passt nicht ins Konzept, und dem Chefredakteur ist es auch egal.</p>
<p>Ich habe ja weitgehend aufgeh&#246;rt, f&#252;r Frauenmagazine zu schreiben. Ich konnte es nicht l&#228;nger ertragen, f&#252;r die Psycho-Ressorts lebende Fallbeispiele zu suchen, die genau das aussagten, was die Redaktion h&#246;ren wollte, wohin man die Fallbeispiele notfalls mit Suggestivfragen bringen musste. (Es wurden sowieso nur die fotogenen ver&#246;ffentlicht.) Und ich mochte es nicht mehr aushalten, dass meine Geschichten entsch&#228;rft wurden, weil die Leserin sich doch beim Bl&#228;ttern entspannen soll. Oder dass sie erst gar nicht gedruckt wurden, wie das beauftragte Portrait einer Prostituierten, die gleichzeitig Mutter war. „Zu iggitigitt“ f&#252;r unsere Leser, befand die Ressortleiterin und zahlte mir ein l&#228;cherliches Ausfallhonorar. „Ja, wie haben Sie sich die Geschichte vorgestellt?“, wagte ich noch zu einzuwenden: „Eine Edelnutte, die auf Strass-Highheels madonnenhaft l&#228;chelnd Kinder und Job jongliert?“</p>
<p>Und dann die Reisereportagen. Wo gibt es das noch, dass ein Redaktions-Etat erm&#246;glicht, Journalist und Fotograf eine Reise zu bezahlen, &#252;ber die sie in Wort und Bild unabh&#228;ngig berichten k&#246;nnen? Der Normalfall geht anders: Die PR-Abteilung des Reiseveranstalters oder die Touristik-Abteilung eines Landes l&#228;dt h&#246;flich ein. Sie sorgt f&#252;r Flug, Luxushotel, verw&#246;hnt den Journalisten mit kleinen Geschenken, karrt ihn an die sch&#246;nsten Pl&#228;tze, ohne dass er sich &#252;berhaupt eine Landkarte besorgen m&#252;sste, sucht Interview-Partner schon vorab f&#252;r ihn aus. Und selbst wenn zwanzig Journalisten an dieser Pressereise teilgenommen haben, tut der Autor nachher so, als habe er ganz allein die Erlebnisse gehabt, die er in seinem Text beschreibt. Auch auf den Fotos kommt die Reisegruppe nicht vor. F&#252;r Berichterstattung &#252;ber neue Autos gilt das Gleiche in gr&#252;n.</p>
<p>Dass s&#228;mtliche Mode- und Kosmetik-Ressorts in Boulevard-Magazinen mit den Marketing-Mitarbeitern von Mode- und Kosmetik-Konzernen per Du sind, ist ein offenes Geheimnis. Dem Leser gegen&#252;ber empfinden beide Seiten keinerlei Verpflichtung. So sollte ich einmal einen albernen Text dar&#252;ber verfassen, in welchem Edelkosmetikgesch&#228;ft man von Verk&#228;uferinnen wie beraten wird. Dass unter den Test-Kandidaten auch eine Niedrigpreis-Drogeriekette sein sollte, fand ich merkw&#252;rdig, denn es ergibt sich ja von selbst, dass Kassierinnen keine gro&#223;artige Beratung betreiben. Genauso schrieb ich es dann auch hin. Wie naiv ich war, begriff ich erst, als ich das Heft mit meiner Geschichte in der Hand hielt. Die Chefredakteurin hatte ohne R&#252;cksprache mit mir S&#228;tze in meinen Text geschrieben, die die Drogeriekette in allerbestem Licht erscheinen lie&#223;en. Mein Name stand darunter. Die ganzseitige Drogerieketten-Anzeige prangte daneben.</p>
<p>Wieso, frage ich mich, betrachtet man das landauf, landab als Kavaliersdelikt? Die Antwort ist einfach: Erstens – wenn mehrheitlich so verfahren wird, f&#252;hlen sich alle im Recht. Zweitens w&#252;rden nicht viertel soviel Medien existieren, g&#228;be es nicht so viele kommerzielle Interessen, die dort untergemogelt werden sollen. Der Leser merke bitte: Presse und Medien sind nicht zwei Namen f&#252;r dieselbe Sache. Leider merkt der Leser das eben meistens nicht.</p>
<p>Der &#252;berwiegende Teil aller Redakteure und freien Journalisten im Lande, die f&#252;r den im Zeitungskiosk weit &#252;berwiegenden Boulevard-Journalismus arbeiten, ist also Handlanger ganz anderer Absichten als der grundgesetzlich verankerten Pressefreiheit. Diese Pressefreiheit ist eine tragende Wand der Demokratie. Aber sie steht nachts in einem d&#252;nnen Kleidchen an einer Laterne und zwinkert Anzeigenkunden zu. <strong>Von au&#223;erhalb der Journalistenbranche ist sie durch Abh&#246;raktionen bei Weitem nicht so bedroht, wie sie von innen verfault ist.</strong></p>
<p>&#220;ber Jahrzehnte war Journalismus ohne Anzeigenkunden nicht denkbar. Doch Anzeigen-Kunden lieben den Journalismus nicht, sondern nur ihren eigenen Umsatz. Jetzt wandern sie gnadenlos dahin ab, wo sie viel mehr Leute erreichen. Das sind die neuen Millionen-Communities im Internet, wie Facebook, Myspace und dergleichen. Dass diese scheinbar sichere Symbiose sich zusehens aufl&#246;st, ist vielleicht nicht so schlimm, wie es aussieht. Wom&#246;glich wird sie zum Massensterben zahlreicher Boulevard-Journalismus-Erzeugnisse f&#252;hren, in denen sowieso nie Wahrhaftigkeit steckte, sondern nur rosa Schaum.</p>
<p>Bedauerlicherweise leidet unter dem Anzeigenschwund auch die Handvoll seri&#246;ser Medien, in denen noch Qualit&#228;tjournalismus verwirklicht wird, unter wachsend erschwerten Bedingungen. Mehr als diese Handvoll hat es nie gegeben. Die Frage ist nur, wem in dieser Demokratie sind die in Zukunft etwas wert?</p>
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