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	<title>CARTA &#187; Piratenpartei</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Das Partizipations-Transparenz-Dilemma</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 13:09:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Seemann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sind Transparenz, Partizipation und Datenschutz &#252;berhaupt unter einen Hut zu bringen? Einige Gedanken &#252;ber Liquid Democracy beim Warten aufs Taxi. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich kam ich aus einem Restaurant. Ich hatte mit einem guten Freund gespeist und wir wollten noch weiter in eine Bar. Als ich zur Stra&#223;e ging, um ein Taxi zu rufen, hielt mich mein Freund zur&#252;ck. Er z&#252;ckte stattdessen sein Smartphone und startete dort ein Programm: eine Taxi-App. Nach anderthalb Minuten stand das Taxi vor uns.</p>
<p>Das Internet funktioniert Ende zu Ende. Es verbindet jede Person mit jeder Person, direkt, ganz ohne Vermittler. Eine Taxizentrale braucht es nicht mehr, wenn man eine App hat. Die Positionsdaten des Smartphones werden zusammen mit den restlichen Daten den Taxis in der N&#228;he angezeigt und k&#246;nnen sofort bedient werden.</p>
<p>F&#252;r meine Generation sind Politiker, Parlamente und Parteien so etwas wie Taxizentralen. Es gibt sie noch und sie dominieren ohne Frage das politische Tagesgeschehen. Aber das, wozu sie da sind, l&#228;sst sich in absehbarer Zeit besser, effektiver und vor allem direkter erledigen. Politik ist die Beantwortung der Frage, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. <em>Viele politische Institutionen gibt es nur deswegen, weil wir diese komplexe Aufgabe bislang nicht besser abbilden konnten.</em> Die M&#246;glichkeiten der Vermittlung und Einbeziehung des Volkes in den demokratischen Prozess ist begrenzt durch die M&#246;glichkeiten der zur Verf&#252;gung stehenden Medien. Im Internet macht man aber jetzt schon an vielen Stellen eine andere Erfahrung, was an Partizipation und direkter Einflussnahme m&#246;glich ist. Zwar ist der Diskurs nicht die einzige Aufgabe der Politik, aber gerade er macht das speziell demokratische aus, und ausgerechnet er bleibt derzeit unter seinen M&#246;glichkeiten. Ich glaube, dass die Proteste von Stuttgart, Madrid und Occupy Wall Street auch viel mit diesem Bewusstsein zu tun haben. Die Forderungen nach mehr Demokratie sind auch ein Misstrauensvotum gegen die politischen Institutionen, den Taxizentralen der Politik.</p>
<p>Deswegen muss man den Piraten dankbar sein. Denn neben all dem frischen Wind, den sie in die Politik tragen, stellen sie sich vor allem als Atomwaffentestgel&#228;nde der Demokratieforschung zur Verf&#252;gung. <em>Liquid Democracy</em> – eine Mischform aus repr&#228;sentativer und direkter Demokratie – wird von ihnen als das vielversprechendste Experiment der Demokratie von morgen vorangetrieben. Dabei kann jeder selbst abstimmen, wie bei der direkten Demokratie, kann aber auch einen Vertreter bestellen, wie in der repr&#228;sentativen Demokratie. Der Vertreter kann aber jeder andere Stimmberechtigte sein und diesem kann man die Stimme auch jederzeit wieder entziehen. Stimmen kann man f&#252;r Themenschwerpunkte oder nur f&#252;r bestimmte Wahlen delegieren, oder global. Und alles bleibt dabei ganz fl&#252;ssig, liquide.</p>
<p>Es ist in der Tat ein vielversprechender Ansatz, der dort versucht wird, aber er ist auch umstritten. Seit das System f&#252;r die Bundespartei vor &#252;ber einem Jahr eingef&#252;hrt wurde, schwelt ein Streit, der die Piraten zeitweise zu zerrei&#223;en drohte und noch lange nicht ausgetragen ist. Denn das Experiment hat etwas zu Tage gef&#246;rdert, das man vielleicht mit einer Naturkonstante gleichsetzen k&#246;nnte. Man w&#252;rde es dann das “<em>Partizipations-Transparenz-Dilemma</em>” nennen.</p>
<p>Was war passiert? In der Piratenpartei, die sich seit ihrer Gr&#252;ndung auch als Datenschutzpartei sieht, konnten es viele nicht hinnehmen, dass ihr Abstimmungsverhalten &#246;ffentlich protokolliert und auf Jahre abrufbar sein w&#252;rde. Das aber geht nicht anders, denn – wie der Chaos Computer Club bereits 2008 eindrucksvoll bewies – k&#246;nnen Wahlen am Computer nicht beides gleichzeitig sein: nachvollziehbar und geheim. Um Manipulation auszuschlie&#223;en m&#252;ssen Wahlen am Computer &#246;ffentlich nachvollziehbar verlaufen.</p>
<p>Liquid Democracy hat gezeigt, dass die Piratenpartei seit ihrer Entstehung eine logische Inkonsistenz mit sich schleppt. Ihre drei wichtigsten Grundwerte: politische Transparenz, politische Partizipation und Datenschutz wollen sich in dieser Trias nicht zusammenf&#252;gen. Man kann zwar politische Transparenz und Datenschutz durchaus zusammendenken. Die Vorraussetzung daf&#252;r aber ist, dass es eine klare Grenze zwischen “Politiker” und “B&#252;rger” gibt. W&#228;hrend wir vom Politiker erwarten k&#246;nnen, dass er seine Handlungen transparent macht, weil er qua Amt und Macht f&#252;r die zweite Kategorie, den “B&#252;rger” verantwortlich zeichnet, k&#246;nnen wir im Gegenteil dem B&#252;rger die Undurchsichtigkeit seiner Handlung zugestehen, weil sein Wirken und seine Macht begrenzt sind.</p>
<p>Das Modell ger&#228;t aber in ein Dilemma, wenn man beginnt, diese Grenze zwischen Politiker und B&#252;rger mit partizipativen Elementen zu verwischen. Liquid Democracy ist angetreten, genau das zu tun. In der Welt von Liquid Democracy ist jeder zumindest potentiell verantwortlich, weil jeder Delegationen auf sich versammeln kann. In diesem System macht es schlicht keinen Sinn mehr, zwischen Politiker und B&#252;rger zu unterscheiden – und genau das ist auch gewollt. In einer idealen partizipativen Demokratie gibt es schlicht keine Politiker mehr.</p>
<p>Wenn durch diese Verwischung aber das Diktum nicht mehr gilt, dass Politiker m&#246;glichst transparent, der B&#252;rger m&#246;glichst datengesch&#252;tzt sein soll, dann kommen wir immer &#246;fter in die Verlegenheit zu entscheiden: was hat hier Vorrang, der Anspruch an Transparenz oder der Schutz der Privatsph&#228;re? Die Piratenpartei streift diese Grenze st&#228;ndig. Wer darf wen anstellen, wer treibt mit wem Gesch&#228;fte, wer kennt wen wie gut? Man merkt bald, dass man Politik nicht wirklich versteht, wenn man die sozialen – das hei&#223;t auch privaten Animosit&#228;ten und Sympathien – versteht. Vor allem Liquid Feedback bildet durch die Delegationsverbindungen auch soziale und damit private Netzwerke ab.</p>
<p><strong>Liquid Democracy ist das Ende der Trennung von Privatheit und Politik</strong>. Viele Piraten haben deswegen Angst, dass ihr Netzwerk offenbar und ihr Stimmverhalten transparent wird und dass das dann gegen sie verwendet werden kann – egal ob parteiintern oder vom Arbeitgeber. Sie haben Angst, dass eine l&#228;ngst vergangene Abstimmung sie wieder einholt, obwohl sich ihre Meinung zu dem Thema l&#228;ngst ge&#228;ndert hat. Es gibt viele Versuche, das Problem technisch etwas zu entsch&#228;rfen, aber das Grundproblem bleibt: Abstimmungen &#252;ber den Computer m&#252;ssen nachvollziehbar bleiben oder sie sind der Manipulation anheimgegeben. Was aber nachvollzogen werden kann, ist auch auswertbar.</p>
<p>Wenn ich meinen Namen und meinen Standort der Taxizentrale weitergebe, dann wird sie nur an das eine Taxi weitergeleitet, das mich dann abholt. Die Taxi-App funktioniert aber nur deswegen, weil meine Daten an alle Taxis in der N&#228;he rausgehen und sich der betreffende Taxifahrer statt der Zentrale entscheidet, ob er mich bedient.</p>
<p><strong>Transparenz ist der Preis daf&#252;r, wenn man Prozesse dezentral und partizipativ organisiert.</strong> Das Internet vermag uns alle miteinander nach unseren W&#252;nschen, Situationen, Wertemodellen und Interessen zu verbinden. Es kann dies aber nur, wenn wir ihm diese Pr&#228;ferenzen als Daten dazu bereitstellen.</p>
<p>Und so geht es der ganzen Gesellschaft wie der Piratenpartei. Sie erahnt und nutzt die gro&#223;artigen Potentiale zur freien und selbstbestimmten Selbstorganisation, ger&#228;t aber immer wieder an den Punkt der unheimlichen Selbstoffenbarung. Wir wollen Wohnungen mieten ohne Makler, wir wollen Taxis ohne Zentrale, wir wollen B&#252;cher schreiben ohne Verleger, wir wollen uns organisieren ohne Verein. Das alles ist heute durch das Internet m&#246;glich, aber nur wenn wir sagen, wer wir sind und was wir wollen. Nur dann haben die anderen die Chance uns zu finden. Unser Hadern mit unserer neuen Transparenz und die Aufl&#246;sung der Privatsph&#228;re werden gew&#246;hnlich getrennt betrachtet von den M&#246;glichkeiten der direkten Interaktion oder den emanzipativen Eruptionen wie dem arabischen Fr&#252;hling oder OccupyWallStreet. Und doch: Es sind zwei Seiten derselben Medaille.</p>
<p>Wer partizipiert, wird transparent und nur wer transparent ist, kann partizipieren. Das Partizipations-Transparenz-Dilemma gilt f&#252;r alle Fragen einer Politik der Zukunft. Wir k&#246;nnen in Frage stellen, ob es das ist, was wir wollen. Wir k&#246;nnen aber nicht zum einen “Ja” und zum anderen “Nein” sagen.</p>
<p><em> </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dieser Text ist zuerst im Rahmen des Arbeitsbereichs BerlinPolitik im Forum Berlin der </em><a href="http://fes.de/"><em>Friedrich-Ebert-Stiftung</em></a><em> erschienen. Eine sch&#246;n gesetzte PDF-Version zum Ausdrucken findet man </em><a href="http://www.fes-forumberlin.de/pdf_2012/berlinpositionen_05.pdf"><em>hier</em></a><em>.</em></p>
<p>&nbsp;
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		<title>Unverzichtbare Lichtgestalten</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 09:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die deutschen Medien verhalten sich wie Amphibien: Wechselwarm, von der Temperatur ihrer Umgebung abh&#228;ngig. Allerdings passen sie sich nicht ausschlie&#223;lich nat&#252;rlichen Gegebenheiten an, sondern suchen stets nach zus&#228;tzlichen k&#252;nstlichen W&#228;rmequellen. Etwa nach der "sch&#246;nen Piratin" Marina Weisband.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen lieben Schubladen. Sie erleichtern den &#220;berblick durch Einordnung. Fr&#252;her konnte der Leser durch die Entscheidung f&#252;r eine bestimmte Zeitung oder ein Magazin die gew&#252;nschte Schublade aufziehen und fand in ihr alles, was sein Weltbild bekr&#228;ftigte. Es gab Schnittmengen, beispielsweise zwischen <em>Spiegel</em> und <em>Stern</em>, dagegen kaum welche bei <em>Spiegel</em> und <em>S&#252;ddeutscher</em>. Wo <em>FAZ</em> draufstand, war auch <em>FAZ</em> drin.</p>
<p>Die Schubladen sind verschwunden, bestenfalls gibt es noch offene F&#228;cher in einem gro&#223;en Schrank. Da fliegen Socken und Hemden schon mal durcheinander, oder es findet sich ein Spitzenh&#246;schen zwischen den Winterpullovern. Dabei gibt es nicht weniger einzuordnen, im Gegenteil: Die Masse der Informationen ist enorm gewachsen. Vielleicht f&#252;hrt gerade das &#220;berangebot dazu, Berichte nicht mehr an der Sache, sondern an Personen festzumachen. Der Schubladenersatz wird im politischen Journalismus gern benutzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Warum Liquid Feedback erkl&#228;ren, wenn es doch Marina gibt?</em></strong></p>
<p>Die Beziehung der Medien zur Politik war immer eine besondere und von wechselseitiger Abh&#228;ngigkeit bestimmt. Wer mehr oder die &#8220;richtigen&#8221; Leute kannte, hatte oft einen Informationsvorsprung, der seinem Blatt zugute kam. Mit der einigerma&#223;en kritiklosen &#220;bernahme des US-amerikanischen Infotainments wurde es auch bei uns &#252;blich, Personen stellvertretend f&#252;r eine Idee, ein Gesetzesvorhaben, eine Partei zu pr&#228;sentieren. Schnell begriffen die Protagonisten die Vorteile, zur Freude des beratenden Gewerbes. Schnell entstand ein gro&#223;es Repertoire an Handlungsempfehlungen, um die betreffende Pers&#246;nlichkeit ins rechte Licht zu r&#252;cken. Dabei kam es nicht auf substantiierte Aussagen an: Die Beliebtheit der Person sollte das Vorhaben mit hochziehen. Auf diese Weise wurde etwa Ursula von der Leyen, v&#246;llig unabh&#228;ngig von absurden Gesetzesvorlagen, eine der beliebtesten Politikerinnen Deutschlands. Karl-Theodor zu Guttenberg stand beinahe schon als k&#252;nftiger Kanzler fest, seine Qualifikation: jung, gut aussehend, ein toller Showtyp. Selbst den Betrug verziehen ihm die W&#228;hler &#8211; es w&#228;re einfach so sch&#246;n gewesen.</p>
<p>Dann hat sich etwas ge&#228;ndert: Mit den Piraten ist eine auf der ganzen Linie ungew&#246;hnliche Partei in die &#214;ffentlichkeit getreten. Jung, frisch, mit Klartext und einer bis dato unbekannten Art der demokratischen Entscheidungsfindung. Obwohl einige ihrer eigenwilligen Vorhaben f&#252;r Diskussionen sorgen, &#252;berwiegt der Eindruck: Die machen das anders. Ausreichend anders, um im Vergleich mit den alten Parteien besser dazustehen und ins Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen.</p>
<p>Es w&#228;re f&#252;r die Medien eine Riesenchance gewesen. Da kommt eine junge Partei, benimmt sich ganz normal, ist ber&#252;hrbar, zeigt, dass es ihr Ernst ist mit der Umsetzung ihrer Projekte. Macht eine ganz andere Politik, als wir sie sonst vorgef&#252;hrt bekommen. Es wird gearbeitet, es geht um <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6U82ig37TaE" target="_blank">Standpunkte</a> und die st&#228;ndige Auseinandersetzung mit der Basis. Konflikte werden sachbezogen und coram publico ausgetragen. Eine junge Partei will ihre Ansichten darlegen, sie ist f&#252;r Transparenz und freut sich &#252;ber Fragen.</p>
<p>Die Wahl hat den Willen zur Ver&#228;nderung deutlich gemacht. Nicht nur die Berliner Medien h&#228;tten ergiebigen Stoff f&#252;r die journalistische Aufgabe der fachlichen Einordnung und solide Hintergrundberichte gehabt. Es ist einfach, die Forderung nach der Freigabe bestimmter Drogen rei&#223;erisch zu kommentieren. Sinnvoll w&#228;re die Nachfrage gewesen, was die Piraten sich dabei denken &#8211; wom&#246;glich w&#228;ren &#252;berzeugende Begr&#252;ndungen dabei herausgekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Die Schattenseite der Transparenz: Einladung zum Gaffen</em></strong></p>
<p>F&#252;r einen Moment bestand die Option, politische Berichterstattung neu oder wenigstens erneut zu erfinden. Journalisten h&#228;tten auf die Neulinge mit neugierigen und interessanten Fragen reagieren k&#246;nnen. Die W&#228;hler informieren, ihnen Hintergrund anbieten, Sachthemen in den Vordergrund stellen und nach Fakten fragen, die Probleme beleuchten, wegen derer die Piraten &#252;berhaupt gew&#228;hlt wurden.</p>
<p>Stattdessen gab es aufgeregtes Geschnatter &#252;ber <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Ci_MxOqkXjY" target="_blank">Latzhosen</a> und Palit&#252;cher, die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=q-cDewZk7wo" target="_blank">Unkenntnis</a> der H&#246;he der Verschuldung des Landes Berlin und die Tatsache, dass dank der lustigen Rampensau Christopher Lauer tats&#228;chlich in einer <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0g7lpJACamk" target="_blank">Talkshow</a> gelacht wurde. Welch ein Erkenntnisgewinn!</p>
<p>Nein, die neuen Akteure sollen, bittesch&#246;n, in die alten Schemata, Modell von der Leyen, passen. Das ist der Leser so gewohnt. Der Versuch, ihm etwas Neues vorzusetzen, an dem er vielleicht Geschmack finden k&#246;nnte, wird nicht gemacht. Die Medien st&#252;rzen sich lieber auf Marina Weisband. Nicht etwa als junge Politikerin, die etwas zu sagen hat, sondern mit dem Etikett &#8220;die sch&#246;ne Piratin&#8221; versehen und herumgereicht. Das hat sie gef&#228;lligst zu erf&#252;llen; Vorschl&#228;ge Weisbands, jemand anders in eine Talkshow einzuladen, werden abgelehnt:</p>
<blockquote><p>„Es war anscheinend unm&#246;glich, einen anderen Parteivertreter in die Talkshows zu schicken. Darauf haben sich die Medien nicht eingelassen, obwohl das bei anderen Parteien gang und gebe ist.“ (<em>Sebastian Nerz im <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/ober-piratin-zieht-sich-zurueck-marina-weisband-bleibt-sich-treu_aid_707102.html" target="_blank">Focus</a></em>)</p></blockquote>
<p>Entweder Weisband oder gar kein Piratenmitglied: Ein pr&#228;gnanter Beleg f&#252;r die reine Unterhaltungsfunktion der Quasselrunden. In der besten Sendezeit ein neues Konzept ausprobieren, in dem es wirklich um Politik geht? I bewahre.</p>
<p>Dass die Zeitung mit den vier persilwei&#223;en Buchstaben es liebt, Sachverhalte maximal zu vereinfachen – geschenkt. Der <a href="http://www.marinaslied.de/" target="_blank">bloggenden</a> und <a href="https://twitter.com/#!/afelia" target="_blank">twitternden</a> Marina Weisband wird vorgeworfen, sie gehe mit ihrem Privatleben allzu offen um; es scheint eine &#220;bereinkunft zu geben, wonach Politiker ihr Naturell geheim zu halten haben. Die Erschaffung einer weiblichen Idealfigur ist jedenfalls gelungen. Sie hat gut auszusehen, intelligent zu antworten und ansonsten ungew&#246;hnlich zu sein; ein wenig Ablenkung von der Piraten-Herrenriege mag auch mitgespielt haben. Alle ziehen mit, weil sich das nautische Vokabular im Zusammenhang mit einer h&#252;bschen Frau noch besser macht, die Ungew&#246;hnlichkeit noch st&#228;rker betont.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Ersatz muss her &#8211; The Show Must Go On</em></strong></p>
<p>Weisbands Bem&#252;hungen, ihre politischen Anliegen zu vermitteln, werden mit <a href="https://www.taz.de/Geschaeftsfuehrende-Piratin-Marina-Weisband/!82142/" target="_blank">Homestories</a> und <a href="http://www.faz.net/polopoly_fs/1.1600998.1327594819!/image/2283588264.jpg_gen/derivatives/article_aufmacher_gross/2283588264.jpg" target="_blank">Fotoshootings</a> honoriert, die in die Yellow Press passen, aber nicht in die <a href="http://meisnotyoublog.wordpress.com/2011/11/19/was-ist-eigentlich-mit-der-taz-los-die-fortsetzung/" target="_blank"><em>taz</em></a> oder <em>FAZ</em>. Was spricht eigentlich dagegen, statt des Herzeigens bunter Bildchen dem gemeinen W&#228;hler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liquid_Feedback" target="_blank">Liquid Feedback</a> zu erkl&#228;ren?</p>
<p>Das Pensum eines Bundespolitikers ist immens. Es ist eine Art Dauer-Circle-Training unter Beobachtung. Es m&#246;gen noch so viele Referenten zuarbeiten: Die eigentliche, politische Arbeit ist von den Protagonisten der Mediendemokratie nicht mehr zu leisten. Zu gro&#223; ist die Nachfrage nach Bildern und Statements, um dem Publikum kompetente Politiker zu pr&#228;sentieren, die auf alles eine Antwort haben. Alles im Griff: Ein Trugbild, von Journalisten und Magazinen entworfen, das mit der fachlichen Arbeit nicht das Geringste zu tun hat. Zur&#252;ckfahren will das Medienrauschen niemand mehr, es ist gut f&#252;r Auflage und Einschaltquote.</p>
<p>Weil die Piraten im Umgang mit den Medien unerfahren waren, schien ihre Vermarktung als einer Art Alien-Stars beinahe zwingend. Marina Weisband hat festgestellt, dass sie diese Rolle nicht spielen will. Sie nimmt sich ein Jahr Pause, <a href="http://www.fr-online.de/politik/piratin-marina-weisband--das-ist-kein-rueckzug---ich-nehme-anlauf-,1472596,11521314.html" target="_blank">Anlauf</a>, wie sie sagt, und beendet ihr Psychologiestudium. Politisch wird das die Piraten kaum beeinflussen, denn sie arbeitet als einfaches Parteimitglied weiter. Medial ist es ein kleines Erdbeben: Es muss ein Ersatz gefunden werden, der fotogen und publikumstauglich und vor allem, im Gegensatz zu Weisband, willig ist, den Piraten ein Gesicht zu geben. Schlie&#223;lich sollen die Gesetze der perfekt gestylten Medienwelt nicht auf den Kopf gestellt werden.</p>
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		<title>Burnout im Netz?</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 10:21:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Netzpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Reale Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Social Media]]></category>

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		<description><![CDATA[Man k&#246;nnte wirklich schwarzsehen: Unsere besten Blogger wandern zu den Altmedien ab, Social Media ist auch nicht mehr das, was es mal war, und die Netzpolitik schmort im eigenen Saft. War’s das? - Keineswegs. Jetzt geht’s erst richtig los.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde, J&#252;rgen Vielmeier hat bei <em><a href="http://www.basicthinking.de/blog/2011/09/18/es-ist-vorbei-ein-abgesang-auf-den-social-media-hype/">Basic Thinking</a></em> eine interessante Debatte angesto&#223;en. Und die W&#228;hler der Piraten haben am vergangenen Sonntag ja schon eine passende Antwort gegeben. Es k&#228;me jetzt darauf an, die Ideen und Prinzipien des Netzes in die Realwelt zu &#252;bertragen.</p>
<p>Mehr dazu in <a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=932">meinem Blog</a>.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>#servergate, die Franzosen und die Staatsanwaltschaft Darmstadt</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 14:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[BKA]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[servergate]]></category>
		<category><![CDATA[staatsanwaltschaft darmstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat gestern, zwei Tage vor der Wahl in Bremen, die Netzwerk-Infrastruktur der Piratenpartei lahmlegen lassen. Die Beschlagnahmung sei in Amtshilfe f&#252;r franz&#246;sische Beh&#246;rden erfolgt, die Ermittlungen f&#252;hre die Staatsanwaltschaft Paris, zitiert Heise einen Sprecher der Staatsanwaltschaft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weiter berichtet <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Polizei-kapert-Server-der-Piratenpartei-1246963.html">Heise</a>, auch die Etherpad-Foundation habe sich <a href="http://etherpad.org/2011/05/20/german-police-raid-etherpad-deployment/">beschwert</a>, da die Proteste in Spanien ebenfalls auf der Plattform diskutiert w&#252;rden: Die vor&#252;bergehende Abschaltung gebe aus freiheitlicher Sicht Grund zur Besorgnis.</p>
<p>&#220;ber die Hintergr&#252;nde der Aktion kann man sich hier informieren:</p>
<ul>
<li>Aktuell: <strong><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Servergate" target="_blank">Piratenwiki</a></strong> und eine st&#228;ndig aktualisierte <strong><a href="http://groups.diigo.com/group/piratenpartei/content/tag/servergate" target="_blank">Presseschau</a></strong> von Mela</li>
<li>Netzpolitik: <a href="http://www.netzpolitik.org/2011/piratenpartei-server-auf-polizeiliche-anweisung-offline/" target="_blank">#servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server</a></li>
<li>Wolfgang Dudda: <a href="http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7019" target="_blank">Die FDP und die Nagelprobe</a>, <a href="http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7003" target="_blank">Ist dies noch mein Land?</a></li>
<li>Thomas Stadler: <a href="http://www.internet-law.de/2011/05/durchsuchungsbeschluss-gegen-die-piratenpartei.html" target="_blank">Durchsuchungsbeschluss gegen die Piratenpartei</a></li>
<li>Udo Vetter: <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/05/20/ein-akt-der-deutschen-behrden/" target="_blank">Ein Akt der deutschen Beh&#246;rden</a> <span id="more-40412"></span></li>
<li>Ole Rei&#223;mann, SpOn: <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,763939,00.html" target="_blank">Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber</a></li>
<li>S&#252;ddeutsche: <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/vor-bremenwahl-polizei-nimmt-piratenpartei-vom-netz-1.1099888" target="_blank">Vor der Wahl in Bremen: Polizei nimmt Piratenpartei vom Netz</a></li>
<li>ZEITonline/dpa: <a href="http://www.zeit.de/digital/2011-05/piraten-partei-offline" target="_blank">Website der Piratenpartei vor&#252;bergehend offline</a></li>
<li><a href="http://news.google.de/news/search?aq=f&amp;pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=piratenpartei%2C+server">Aktuelles</a> bei GoogleNews</li>
</ul>
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		<title>Die Piraten vor Hamburg: &#8220;Wir wollen wegkommen vom Image der Spa&#223;partei&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/38280/die-piraten-vor-hamburg-wir-wollen-wegkommen-vom-image-der-spasspartei/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 08:18:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jennifer Domnick</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
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		<category><![CDATA[Bürgerschaftswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Claudius Holler]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Liquid Democracy]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Sonntag sind Wahlen in Hamburg. Die kleinen Parteien hatten es in der Berichterstattung nicht leicht. Carta dokumentiert Ausz&#252;ge aus einem Interview, das Jennifer Domnick mit dem Spitzenkandidaten der Piratenpartei, dem Medienunternehmer Claudius Holler, &#252;ber die Wahlziele der Piraten gef&#252;hrt hat.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Wie viele Interviewtermine hast Du gegeben, seit feststeht, dass die B&#252;rgerschaft neu gew&#228;hlt wird?</em></p>
<p>Claudius Holler: Vier Print-Interviews und zwei, drei Online-Termine.</p>
<p><em>Ist das f&#252;r Dich ein Erfolg oder w&#252;rdest Du Dir von den Medien mehr Aufmerksamkeit w&#252;nschen?</em></p>
<p><em> </em>Holler: Wir werden medial ziemlich vernachl&#228;ssigt. Die Ursache liegt in der Hamburger Medienlandschaft, die sehr oligarchisch aufgeteilt ist: <em>Springer</em> und die SPD-freundliche <em>Hamburger Morgenpost</em>, da ist es schwer, einen Fu&#223; reinzukriegen. Es gibt auch nur wenig lokale Netze in Hamburg. (&#8230;)</p>
<p><em>Was waren aus Deiner Sicht die gr&#246;&#223;ten Fehler der gescheiterten schwarz-gr&#252;nen Koalition?</em></p>
<p><em> </em>Holler: Die Gr&#252;nen haben ihre Seele verkauft. Sie hatten f&#252;nf oder sechs Wahlkampfversprechen, wovon ein einziges &#252;berlebt hat: die Stadtbahn. Auch deren Umsetzung wird scheitern. Das hat die gr&#252;ne Basis enorm gewurmt. Die extreme Unzufriedenheit konnten wir w&#228;hrend des Unterschriftensammelns auch bei den W&#228;hlern feststellen. Die GAL hat ‚Kohle von Beust‘- Plakate aufgestellt und zwei Wochen nach der Wahl den Vertrag f&#252;r das <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/kohlekraftwerk-moorburg-der-suendenfall-der-gruenen-640765.html">Kohlekraftwerk</a> in Moorburg unterschrieben. So was geht nicht.</p>
<p><em>War der Druck der CDU auf die GAL zu gro&#223;?</em></p>
<p><em> </em>Holler: Nein, es war Machtgeilheit. Sie wollten in die Regierung und haben daf&#252;r alle Kr&#246;ten geschluckt. Wahrscheinlich haben sie gehofft, dass sie die Schulreform und die Stadtbahn durchkriegen, dann h&#228;tten sie wenigstens ein bisschen was zu feiern gehabt. Aber schlussendlich haben sie nichts durchgekriegt.</p>
<p>Ich finde es auch erstaunlich, dass die CDU &#252;berhaupt in eine dritte Amtszeit gehievt worden ist, nachdem sie in ihrer ersten Amtszeit den Rechtsau&#223;en Ronald <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ronald_Schill">Schill</a> hoff&#228;hig gemacht hat. Dass sie anschlie&#223;end trotzdem die absolute Mehrheit erhielt, lag nur daran, dass Schill einen so komischen Abgang gemacht hat. Dass die CDU daf&#252;r belohnt wurde, fand ich damals schon erschreckend f&#252;r Hamburger Verh&#228;ltnisse. Denn wir sind eigentlich eine sehr liberale Stadt. Es lag wohl an Ole von Beusts speziellem Charakter, der in Hamburg sehr hoff&#228;hig war. Im Vergleich zum Rest der CDU war der B&#252;rgermeister eine progressive Kraft. F&#252;r rechte SPD-W&#228;hler durchaus w&#228;hlbar. Und er hatte Charisma. Das kann man ihm nicht absprechen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="170" height="250" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="src" value="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/02/claudius_holler.jpg" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="170" height="250" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/02/claudius_holler.jpg"></embed></object></p>
<p>Medienunternehmer Claudius Holler (33)</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Du sch&#228;tzt Hamburg als recht liberale Stadt ein. Ist das nicht eine sehr junge Sicht auf die Dinge? Hamburg ist die reichste Stadt Deutschlands. Mit der h&#246;chsten Million&#228;rsdichte, vielleicht nach M&#252;nchen. Vielleicht gibt es auch gar keine liberale Stadt, sondern nur eine liberale Gruppe. Hat der Volksentscheid zur Schulreform nicht gezeigt, dass es mehr konservative Kr&#228;fte gibt, als man vermuten k&#246;nnte.</em></p>
<p><em></em>Holler: Nein, der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=TsNASTGuhwY">Volksentscheid</a> hat leider gezeigt, dass die Politik im Dialog mit der Bev&#246;lkerung versagt hat. Solche Bauernf&#228;nger wie <a href="http://www.wir-wollen-lernen.de/">Walter Scheuerl</a> haben gerade bei Leuten, die von der Schulreform am meisten profitiert h&#228;tten, &#196;ngste gesch&#252;rt. Sie wurden von seiner Omnipr&#228;senz regelrecht erschlagen. Er hatte einfach verdammt viel Geld zur Verf&#252;gung. Der eigentliche Fehler wurde schon am Anfang gemacht. Diese Schulreform wurde &#252;ber die K&#246;pfe hinweg entschieden und es wurde verpasst, den Menschen zu erkl&#228;ren, warum sie eigentlich stattfinden soll.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>B&#252;rgerbeteiligung und maximale Transparenz</strong></p>
<p><strong><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p><strong></strong><em>Wie wollt ihr die Kommunikation verbessern?</em></p>
<p><em></em>Holler: Wir haben in unserem Wahlprogramm stehen, dass s&#228;mtliche Protokolle zeitnah ver&#246;ffentlicht werden m&#252;ssen, dass wir Livestreams von den Sitzungen machen. Und das bis auf die Bezirksebene hinunter. Es soll auch keine Aussch&#252;sse mehr geben, die nonstop unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit tagen. Wie der Bauausschuss in Hamburg-Mitte. Das ist eigentlich nicht legitim. (&#8230;) Wenn man ein Gro&#223;projekt wie die Schulreform plant, w&#228;re es nicht doof gewesen, Eltern-, Sch&#252;ler- und Lehrervertreter mit an den Tisch zu holen und mit ihnen gemeinsam ein Konzept zu entwickeln, so dass sie es mittragen.</p>
<p><em>Solche Konsensentscheidungen stelle ich mir sehr langwierig vor. Auch innerparteilich seid ihr f&#252;r solche Entscheidungsstrukturen.</em></p>
<p><em></em>Holler: Ich glaube, in der Politik geht es nicht um Z&#252;gigkeit. Was wir jetzt haben, ist eine gescheiterte Schulreform, die eine viel gr&#246;&#223;ere Bremse darstellt, als wenn versucht worden w&#228;re, einen Konsens zu erzielen, der vielleicht erst in zwei Jahren gegriffen h&#228;tte.</p>
<p><em>Ihr arbeitet mit Werkzeugen wie Liquid Feedback, das ist eine E-Democracy-Software, die Entscheidungsprozesse transparent macht.</em></p>
<p><em></em>Holler: Genau. Das l&#228;uft zweistufig. Das Parteiengesetz schreibt ja vor, wie Beschl&#252;sse gefasst werden m&#252;ssen, n&#228;mlich in echten Veranstaltungen, mit der M&#246;glichkeit zu geheimen Wahlen. Noch vor diesen Veranstaltungen versuchen wir, die Meinungsbildung per Liquid Feedback zu strukturieren. Das hei&#223;t, dass sich m&#246;glichst viele Leute, die sp&#228;ter auch abstimmen werden, vorher schon am Entscheidungsprozess beteiligen. Konkret bedeutet das: Wenn sich jemand in einem Thema sehr gut auskennt, arbeitet er einen Vorschlag aus und stellt ihn online. Dann gibt es die ersten Leute, die das Thema auch interessiert. Nach einer Weile kann die Relevanz des Themas f&#252;r die Partei abgelesen werden. Ist es f&#252;r viele Piraten wichtig, geht es um den Feinschliff: Die Mitglieder k&#246;nnen dann anmerken, unter welchen Bedingungen sie dem Beschluss zustimmen w&#252;rden. Es muss aber nicht jeder Pirat diesen ganzen Prozess mitverfolgen, er oder sie kann die Entscheidung auch an Leute delegieren, denen die Kompetenz zugetraut wird.</p>
<p><em>Die Systeme laufen also immer parallel zu eurer Arbeit. Aus dem EDV-System wird ersichtlich, welche Themen gerade anstehen.</em></p>
<p><em></em>Holler: Jedes Thema hat eine gewisse Laufzeit. Man w&#228;hlt den Startzeitpunkt, und der Endpunkt ergibt sich automatisch. Je popul&#228;rer ein Thema bei Liquid Feedback war, desto eher besteht die Chance, dass es auch auf einem Landes- oder Bundesparteitag behandelt und entschieden wird. Das hei&#223;t, wir machen die Vorbereitung online und erreichen so schon mal eine konsensf&#228;hige Substanz, die dann auf dem Landes- oder Bundesparteitag meist eine &#228;hnliche Zustimmungsrate erreicht. Wenn etwas mit 90% bei Liquid Feedback durchkommt, ist ziemlich sicher, dass es auch auf dem Parteitag so sein wird. (&#8230;)</p>
<p><em>Ihr m&#252;sst euer Wahlergebnis vom Februar 2008 (0,2%) ungef&#228;hr verzwanzigfachen, wenn ihr in die Hamburger B&#252;rgerschaft einziehen wollt. Gesetzt den Fall, es klappt: Was w&#252;rdest du in Hamburg als erstes erreichen wollen?</em></p>
<p><em></em>Holler: Maximale Transparenz.</p>
<p><em>In welchen Bereichen?</em></p>
<p><em></em>Holler: Alle Zahlen. Alle Aussch&#252;sse. Alles. Der B&#252;rger hat einfach ein Recht, zu wissen, woran gerade gearbeitet wird, und was die Ziele f&#252;r die n&#228;chsten f&#252;nf oder zehn Jahre sind, um es eben nicht erst 20 Jahre sp&#228;ter bei <em>WikiLeaks</em> zu erfahren. Wir wollen daf&#252;r sorgen, dass die Bev&#246;lkerung das Interesse an Politik nicht verliert und auch nicht das Gef&#252;hl hat, dass ‚die da oben‘ sowieso machen, was sie wollen. Ich m&#246;chte, dass die Bev&#246;lkerung als erstes &#252;ber Transparenz und dann auch &#252;ber Partizipation wieder in politische Prozesse einbezogen wird. Zum Beispiel beim Gro&#223;projekt Altonaer Bahnhof, wo Wohnungen entstehen sollen. Ich m&#246;chte nicht, dass sich da erst einige Gruppen in Hinterzimmern treffen und &#252;berlegen m&#252;ssen, was sie da machen k&#246;nnen, sondern sie sollen die Fakten kennen. Die Anrainer sollen von vorneherein mit ins Boot geholt werden. So k&#246;nnen gemeinsame Konzepte entwickelt werden, die den Anspr&#252;chen dieser Stadt auch gerecht werden.</p>
<p><em>Was haltet Ihr von Volksbegehren und -entscheiden?</em></p>
<p><em></em>Holler: Ich halte sie nicht f&#252;r ein Allheilmittel, sondern f&#252;r ein Korrektiv fehlgeleiteter Politik. Ich m&#246;chte kein Modell wie in der Schweiz einf&#252;hren, wo &#252;ber jeden Kram direkt abgestimmt wird. Dieses Modell ist anf&#228;llig f&#252;r Populismus. Aber man kann die Leute durchaus einbeziehen. Ich glaube, die Bev&#246;lkerung ist zu viel mehr Partizipation imstande, als man glaubt. Sie w&#252;rde im Zweifel mehr Steuern zahlen, wenn sie w&#252;sste warum. Sie w&#252;rde gewisse Probleme in Kauf nehmen, wenn sie w&#252;sste warum. Aber das tut sie nat&#252;rlich nur, wenn sie richtig informiert und mit einbezogen wird in die Entscheidungen.</p>
<p><em>Ihr seid eine junge Partei, die sich auch f&#252;r eine Herabsetzung des Wahlalters stark macht. Bist du der Meinung, dass 16-J&#228;hrige sich heutzutage &#252;berhaupt noch f&#252;r Politik interessieren?</em></p>
<p><em></em>Holler: Man muss Anreize schaffen, damit sie sich daf&#252;r interessieren k&#246;nnen. Wir haben heute 40 bis 50 Prozent, die nicht mehr w&#228;hlen gehen und sich auch nicht mehr f&#252;r Politik interessieren. Selbst von denen, die w&#228;hlen gehen, sind viele uninformiert und machen ihr Kreuz dann an den rechten und linken R&#228;ndern. Aber man kann in jedem Fall eine Br&#252;cke bauen, indem man die Leute ernst nimmt, mit ihnen redet und sie mit einbezieht. Und im Zweifel auch auf sie h&#246;rt. Dann wird die Politikverdrossenheit auch wieder abnehmen. Auch die Bildungspakete, die wir statt irgendwelchen Sparma&#223;nahmen im Bereich Bildung und Kultur auf den Weg bringen wollen, k&#246;nnten helfen. Ich glaube, eine intelligente und gebildete Gesellschaft, die am politischen Geschehen partizipiert, hat das geringste Risiko, politikverdrossen und anf&#228;llig f&#252;r Populismus zu sein.</p>
<p><em>In der Vergangenheit haben sich unter dem Deckmantel der freien Meinungs&#228;u&#223;erung und Liberalit&#228;t auch einige Piraten als braune Nestbeschmutzer erwiesen. Wie sollen solche Vorg&#228;nge in Zukunft vermieden werden?</em></p>
<p><em></em>Holler: Es l&#228;sst sich nicht vermeiden. Es l&#228;sst sich nur kompensieren. Wir sind circa 12.500 Piraten. Bei dieser Gr&#246;&#223;enordnung hat man nat&#252;rlich auch vier oder f&#252;nf Vollidioten dabei. Und die krakeelen nat&#252;rlich am lautesten und werden von den Medien geh&#246;rt. Die haben aber in Wirklichkeit nichts zu melden. Wir m&#252;ssen uns an das Parteienrecht halten. Das bedeutet, wir k&#246;nnen nicht so einfach jemanden rauswerfen, dessen Meinung uns nicht gef&#228;llt. Da sind uns die H&#228;nde gebunden. Wir m&#252;ssen durch unsere Programmatik beweisen, dass wir genau das nicht unterst&#252;tzen, wir m&#252;ssen zeigen, dass diese Extremisten fehl am Platz sind. Unser Grundsatzprogramm ist mittlerweile derart menschenfreundlich, dass uns sogar die Gr&#252;nen und die Linken um unsere Gender- und Familienpolitik beneiden. Es d&#252;rfte ohnehin immer schwieriger werden, in dieser Partei Mitglied zu sein und ein krasses rechtes Meinungsbild mit sich herumzutragen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong>Sozialer Wohnungsbau und Aufwertung der Ghettos </strong></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><strong><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></span></p>
<p><em>Wenn man die Wahlplakate von Linkspartei, Gr&#252;nen und Piratenpartei vergleicht, sind die Botschaften sehr &#228;hnlich: Senkung bzw. Abschaffung von KITA- und Studiengeb&#252;hren, gr&#252;ne Politik, soziale Stadtplanung. Warum braucht die Hamburger B&#252;rgerschaft die Piraten und wo positioniert ihr euch im politischen Spektrum?</em></p>
<p>Holler: Am Anfang haben wir gesagt, wir sind weder rechts noch links, aber auch nicht Mitte, sondern vorn. F&#252;r mich pers&#246;nlich ist das ein bisschen abgedroschen. Ich sehe mich als linksliberal oder linkslibert&#228;r. Es spielt aber auch keine gro&#223;e Rolle. Ich werfe den Linken vor, dass sie dogmatisch sind und an alten Konzepten f&#252;r moderne Probleme festhalten. Ich werfe den Gr&#252;nen vor, dass sie schon so fr&#252;h ihre W&#228;hler und ihre Prinzipien verraten haben, obwohl sie eine der j&#252;ngsten Parteien in Deutschland sind. Das fing an mit den Kriegseins&#228;tzen, die sie unterst&#252;tzt haben. Es ging weiter mit Hartz IV. In Hamburg haben sie sich mit Moorburg und der Elbvertiefung aufgegeben. Sie haben ihr Profil komplett verw&#228;ssert. Bei den Piraten sind die Gr&#252;ndungsthemen bestimmend. Mit uns wird es keine Internetzensur geben, wenn wir in Regierungsverantwortung kommen. Mit uns wird es auch keine Einschr&#228;nkung der Meinungsfreiheit geben. Dass man Kompromisse machen muss, und dass man unter Umst&#228;nden f&#252;r die Umsetzung von Sachen f&#252;nf oder zehn Jahre l&#228;nger braucht als man m&#246;chte, ist uns klar. Wir w&#252;rden aber eher in die Opposition gehen, als unsere Ziele aufzugeben.</p>
<p><em>Das haben die Gr&#252;nen auch mal gesagt.</em></p>
<p>Ja, wenn ich in 15 Jahren meine Versprechen brechen muss, wei&#223; ich, dass das der &#252;bliche Weg ist, den man machen muss. Aber dann w&#252;rde ich auch konsequent sein und aufh&#246;ren mit der Politik. (&#8230;)</p>
<p><em>Ein wichtiges Thema in Hamburg ist die Wohnungspolitik. Die Piraten wollen dem Leerstand von Gewerbeimmobilien bei gleichzeitiger Wohnungsknappheit mit der Abschaffung der Steuerfreiheit bei Ver&#228;u&#223;erung von Immobilien und der Abschaffung des Umsatzsteuer-Privilegs bei Gewerbeimmobilien begegnen. Daran sind gewiss auch andere Politiker schon gescheitert.</em></p>
<p>Holler: Die Vermietung von Immobilien ist per se von der Mehrwertsteuer befreit. Aber bei Neubauten kann man die Mehrwertsteuer geltend machen. Das bedeutet: Jemand baut einen Gewerbekomplex f&#252;r 1 Million Euro, kriegt 190.000 Euro an Steuern zur&#252;ck, bezahlt also effektiv nur 810.000 Euro. Anschlie&#223;end wartet er, bis das Haus das Doppelte wert ist und verkauft es, ohne es jemals genutzt zu haben. Das ist derart attraktiv, dass es st&#228;ndig passiert. Wir haben in diesem Jahr knapp 1,5 Millionen Quadratmeter Leerstand bei Gewerbeimmobilien in Hamburg. Trotzdem sind weitere Bauten beantragt und geplant. Wenn wir dieses Steuerprivileg abschaffen, k&#246;nnte Folgendes passieren: Entweder entscheiden sich die Leute f&#252;r einen Wohnkomplex, den sie mit Gewinn vermieten k&#246;nnen, weil sich der Leerstand nicht mehr lohnt. Oder es bleibt so wie gehabt, weil der Bauherr das Haus aus anderen Gr&#252;nden leer stehen l&#228;sst. Dann muss der Staat aber nicht mehr 19 Prozent Mehrwertsteuer zur&#252;ckf&#252;hren. Ergebnis: Entweder gibt es mehr Steuereinnahmen oder mehr Wohnraum. Das w&#228;re leicht zu machen.</p>
<p><em>Der Wohnraum ist dadurch aber noch nicht bezahlbar. Wie sollen sich Leute mit niedrigem Einkommen eine Wohnung leisten k&#246;nnen, ohne ihr altes Innenstadt-Quartier daf&#252;r verlassen zu m&#252;ssen?</em></p>
<p>Holler: Die Stadt besitzt die gemeinn&#252;tzige Wohnungsbaugesellschaft GWG/SAGA. Die muss ihre Mehreinnahmen an die Stadt abf&#252;hren. Diese Mittel k&#246;nnten in die Finanzierung von neuem Wohnraum gesteckt werden. Auf der anderen Seite gibt es das Instrument des sozialen Wohnungsbaus, das ziemlich vernachl&#228;ssigt wurde. Sozialen Wohnungsbau gab es meist nur noch in Randlagen. Diese Quartiere werden aber schnell zu sozialen Brennpunkten. Wir haben in Hamburg zu wenig Geld ausgegeben f&#252;r sozialen Wohnungsbau, und so viele Bewohner des Schanzenviertels und St. Paulis verdr&#228;ngt. Wir Piraten m&#246;chten eine Mischung in der Stadt haben. Wie in Ottensen zum Beispiel. Da gibt es viele junge Eltern, ausl&#228;ndische Mitb&#252;rger, Punks, Studenten. Die leben dort recht friedlich zusammen.</p>
<p><em>Ottensen ist inzwischen aber auch recht teuer.</em></p>
<p>Holler: Ja, dem wird aber dadurch entgegengewirkt, dass sich mehrere t&#252;rkische Familien in die Stra&#223;enz&#252;ge eingekauft haben. So wird der Gentrifizierung ein nat&#252;rlicher Riegel vorgeschoben. Ein positives Beispiel f&#252;r das Zusammenleben von Armen und Reichen, Menschen mit und ohne hohen Bildungsstandard, mit und ohne Kinder. Das sollte das Ziel der ganzen Stadt sein. Wir brauchen keine Blankeneses oder Alsterd&#246;rfer im Gegensatz zur Veddel. Wir brauchen sozialen Wohnungsbau <em>in</em> Blankenese, <em>in</em> Alsterdorf, <em>in</em> der City. Wir sollten gucken, wie wir das durch Umwidmung von Gewerbefl&#228;chen zu Wohngebieten realisieren k&#246;nnen und dort dann sozialen Wohnungsbau betreiben. Dass die Innenstadt quasi tot ist, weil dort keiner mehr wohnt, ist kein guter Zustand.</p>
<p><em>Und was soll mit den &#8220;Ghettos&#8221; passieren?</em></p>
<p>Holler: Wir brauchen eine soziale Stadtentwicklung. Das hei&#223;t, die Aufwertung von Quartieren darf keine Opfer produzieren. Wenn die Leute mit ihrem Viertel wachsen und Ver&#228;nderungen mit gestalten k&#246;nnen, ist gegen Ver&#228;nderungen nichts einzuwenden. Wenn man in Gebieten wie Veddel oder Neu-Allerm&#246;he Pilotschulen startet, die besser ausgestattet sind, kleinere Klassen haben, Ganztagsschulen sind und aufs Abitur vorbereiten, k&#246;nnte man eine Aufwertung aus sich heraus innerhalb von ein oder zwei Generationen erreichen. Wenn man es schafft, junge Leute f&#252;r diese Stadtteile zu interessieren, so dass eine soziale Durchmischung stattfinden kann, dann reicht das aus. Ottensen ist auch nicht sch&#246;n geboren, sondern so geworden, weil sich dort z.B. viele WGs angesiedelt haben.</p>
<p><em>Das hat man auf der Veddel mit dem Studentenf&#246;rderungsprogramm versucht.</em></p>
<p><em></em>Holler: Man kann eine Fehlentwicklung aus 40, 50 Jahren nicht innerhalb von zwei oder drei Jahren kippen. Stadtentwicklung darf keine Hau-Ruck-Politik sein. Ich glaube, dass sich in ganz Hamburg etwas &#228;ndern w&#252;rde, wenn man sozialen Wohnungsbau in der Stadtmitte betreiben w&#252;rde. Dann k&#246;nnten Leute, die an den Rand gedr&#228;ngt wurden, aber ihre Wurzeln eigentlich mitten in der Stadt haben, wieder zur&#252;ckziehen. (&#8230;)</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Kostenlose Kinderbetreuung und kostenlose Bildung</strong></p>
<p><strong><span style="color: #ffffff;">.</span></strong></p>
<p><em>Die Piraten fordern kostenlose KITA- und Studienpl&#228;tze, kostenlose Nutzung des &#246;ffentlichen Nahverkehrs, kostenfreien Zugang zu Kulturst&#228;tten f&#252;r Empf&#228;nger von Transferleistungen&#8230; Wie wollt ihr das angesichts leerer Kassen finanzieren?</em></p>
<p>Holler: Wir haben keine leeren Kassen. Hamburg verdient und verballert ein Schweinegeld. Um kostenlose KITA-Pl&#228;tze werden wir in den n&#228;chsten f&#252;nf bis zehn Jahren gar nicht herumkommen, denn dann gehen die Babyboomer-Generationen in Rente. Wir werden einen derartigen Fachkr&#228;ftemangel bekommen, dass wir Frauen h&#228;nderingend f&#252;r qualifizierte Jobs suchen werden. Sp&#228;testens dann &#8211; viel zu sp&#228;t und hektisch &#8211; wird sich die Politik Gedanken machen m&#252;ssen. Kostenlose Betreuungs- und Bildungsinstitutionen sind unter sozialen, aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll. Das mag in den n&#228;chsten f&#252;nf Jahren noch ein Zuschussgesch&#228;ft sein, aber in der Folge zahlen die Eltern, deren Kinder kostenlos betreut werden, ein Vielfaches an Steuern. Dieser Punkt muss auf die Agenda, auch wenn wir nicht ab dem 20. Februar im Rathaus sitzen.</p>
<p><em>Gilt das auch f&#252;r kostenlose Studienpl&#228;tze?</em></p>
<p>Holler: Ja. Je fr&#252;her ein Mensch sein Studium vollendet und in den Job einsteigt, desto fr&#252;her wird er Steuern zahlen. Und Akademiker zahlen tendenziell mehr Steuern. Investitionen des Staates in das Studium sind also eine Investition in die Zukunft, die Maximalrendite bedeutet. Man kann das krass BWL-m&#228;&#223;ig runterbrechen: Studiengeb&#252;hren sind wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die 500 Euro, die ein Student an Semester-Geb&#252;hren zahlt, muss er verdienen. Das h&#228;lt ihn wom&#246;glich vom Studieren ab, so dass er entweder l&#228;nger braucht oder aber erst gar nicht anf&#228;ngt und dadurch sp&#228;ter weniger in die Steuerkassen einzahlt. Alle Leute sollen individuell die M&#246;glichkeit bekommen, sich dahin zu entwickeln, wo sie hin wollen. Unabh&#228;ngig von ihrer Herkunft.</p>
<p><em>Warum haben wir dann trotzdem Studiengeb&#252;hren?</em></p>
<p>Holler: Weil wir Legislaturpolitik machen. Dass das in 30 Jahren viel h&#246;here Kosten verursacht, weil wir dann weniger Steuerzahler und einen Fachkr&#228;ftemangel haben, erscheint heute nicht so wichtig. Hauptsache, das Geld kommt jetzt in die Kassen.</p>
<p><em>Wenn Sie ins Rathaus einziehen, wird dann eine Piratenflagge am Rathaus wehen?</em></p>
<p>Holler: Nein. Erstens glaube ich nicht, dass das erlaubt ist. Zum zweiten wollen wir in Hamburg versuchen, vom Image der Spa&#223;partei wegzukommen. Es wird aber mit Sicherheit ein anderer Wind im Rathaus wehen, und es wird mit Sicherheit mehr nach au&#223;en dringen, weil unsere Strukturen nun einmal vernetzter sind.
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		<item>
		<title>Die Grundsatzdebatte der Piratenpartei: Was bedeutet &#8220;Grundgesetz bewahren&#8221;?</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Sep 2010 16:25:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Liquid-Feedback-System der Piraten verst&#228;rkt die Tendenz, eher situativ als grunds&#228;tzlich-abstrakt zu diskutieren. Dabei brechen Konfliktlinien auf: Der emphatische Verfassungspatriotismus ist ein Markenkern, in einzelnen Fragen werden jedoch &#196;nderungen im Grundrechtsteil n&#246;tig sein. Wird diese Frage explizit gekl&#228;rt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/163ab63987364f2cbf7e5b697a51072b" alt="" width="1" height="1" />Das interessante am Liquid-Feedback-System der Piratenpartei ist, dass  dadurch Konfliktlinien aufbrechen. Aktuell ist das eine – mit gro&#223;er  Mehrheit angenommene – <a href="https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/296.html">Initiative, die u.a. den Schutz der Ehe aus Art. 6 GG streichen</a> will. Neben der Sachfrage bricht hier auch die Metafrage nach dem  Verst&#228;ndnis des Leitsatzes »Grundgesetz bewahren« auf, der ein zentraler Markenkern  f&#252;r die Piratenpartei ist.</p>
<p>Die Piraten sind untereinander reichlich heterogen. <a title="Anti-Parteien-Partei 2.0" href="http://fxneumann.de/2009/12/23/anti-parteien-partei-2-0/">Vor einiger Zeit</a> habe ich das so beschrieben:</p>
<blockquote><p>Eine Zerrei&#223;probe durch eine Ausweitung des Programms ist damit  vorhersehbar: Eine unbestimmte Begeisterung f&#252;r Freiheit ist die  Klammer, die die Partei zusammenh&#228;lt. In der Partei gibt es  Lebenssch&#252;tzer, M&#228;nnerrechtler, Kommunisten, Libert&#228;re, f&#252;r die jeweils  der Begriff »Freiheit« zentral ist, jedoch in unterschiedlichster  Auslegung.</p></blockquote>
<div id="attachment_34188" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/piratenkompass.png"><img class="size-medium wp-image-34188" title="piratenkompass" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/piratenkompass-300x255.png" alt="" width="300" height="255" /></a><p class="wp-caption-text">Piratenkompass; Quelle: Adrian Lang</p></div>
<p>Die Heterogenit&#228;t macht sich dabei haupts&#228;chlich in den lautstark ausgetragenen Konflikten bemerkbar, bei denen Mehrheitsverh&#228;ltnisse nicht ersichtlich sind. Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch die <a href="http://adrianlang.de/piratenkompass/">Auswertung der Political-Compass-Ergebnisse</a> einiger hundert – allerdings nicht repr&#228;sentativ ausgew&#228;hlter –Piraten von Adrian Lang: Man sieht deutlich eine Konzentration im linksliberalen Sektor.</p>
<p>Neben dem Freiheitsbegriff ist auch ein emphatischer Verfassungspatriotismus ein Markenkern der Piratenpartei. Das Konzept <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Verfassungspatriotismus">»Verfassungspatriotismus«</a>,  wie es Habermas und Sternberger diskutiert haben, scheint mir eine sehr  »piratige« Sache zu sein, soweit ich das als Au&#223;enstehender beurteilen  kann. Das zeigt sich etwa in der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QfLpKmyS61w">Au&#223;endarstellung</a> auf der &#8220;Freiheit-statt-Angst&#8221;-Demo und wurde im <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009/Wahlprogramm#Kapitel_1_-_Grundgesetz_bewahren">Wahlprogramm zur Bundestagswahl</a> explizit gemacht:</p>
<blockquote><p>Wir stehen hinter dem Grundgesetz in der grunds&#228;tzlichen Form, wie es  unsere Gr&#252;ndungsvater 1949 ausgearbeitet haben. Insbesondere lehnen wir  &#196;nderungen an dem die Grundrechte umfassenden ersten Abschnitt (Art.1  bis 19) kategorisch ab, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass diese  immer nur zu einem Abbau von B&#252;rgerrechten f&#252;hren.</p></blockquote>
<p>Die Formulierung ist hier etwas unklar: Zwar werden sp&#228;tere  &#196;nderungen am Grundrechtskatalog, etwa die M&#246;glichkeit einer allgemeinen  Wehrpflicht (Art. 12a GG) und die damit verbundene M&#246;glichkeit von  Grundrechtseinschr&#228;nkungen (Art. 17a GG), die Neufassung der Regelung  des Asyls (Art. 16a GG) und insbesondere der gro&#223;e Lauschangriff (Art.  13 III–VI GG) wohl als ein Beispiel f&#252;r den angesprochenen Abbau von  Grundrechten zu interpretieren sein, explizit erw&#228;hnt wird dies  allerdings nicht. Da &#196;nderungen »kategorisch« abgelehnt werden und auch  nichts zu einer R&#252;ckf&#252;hrung auf den Grundrechtsbestand von 1949 zu lesen  ist, scheint der Wortsinn darauf abzuzielen, dass grunds&#228;tzliche  &#196;nderungen an diesen Themen ausgeschlossen werden. (Es gibt auch  Piraten, die das so interpretieren, etwa <a href="http://validom.net/blog/2010/09/22/schutz-von-ehe-und-familie-erhalten/">Validom</a>.)</p>
<p>Eine solche Interpretation ist nicht nur in Bezug auf den  Themenkomplex Freiheitsrechte problematisch, sondern auch in einem anderen  Kernbereich, dem Urheberrecht. Nachdem die st&#228;ndige Rechtssprechung &#8211; und so auch die <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20100830_1bvr163108.html">j&#252;ngste Entscheidung</a> &#8211; des Bundesverfassungsgerichts explizit auch den Schutz »geistigen Eigentums« unter die Eigentumsgarantie des Art. 14 GG fasst, d&#252;rften  Kernforderungen nur mit einer Grundgesetz&#228;nderung durchzusetzen sein.</p>
<p>Auch nicht gekl&#228;rt ist, was mit der »grunds&#228;tzlichen Form« von 1949  gemeint ist – hier k&#246;nnte man, w&#228;re man boshaft, einiges  hineininterpretieren, etwa <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Artikel_23_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland">in bezug auf die Europ&#228;ische Union</a>. <em>Vermutlich</em> und wohlwollender interpretiert ist damit ein Bezug auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung gemeint, wie sie <a href="http://sorminiserv.unibe.ch:8080/tools/ainfo.exe?Command=ShowPrintVersion&amp;Name=bv002001">vom Bundesverfassungsgericht definiert wird</a>:</p>
<blockquote><p>Freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Art. 21 II GG ist  eine Ordnung, die unter Ausschluss jeglicher Gewalt und  Willk&#252;rherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der  Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes  nach dem Willen der  jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den  grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zu rechnen: die  Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor  allem vor dem Recht der Pers&#246;nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung,  die Volkssouver&#228;nit&#228;t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der  Regierung, die Gesetzm&#228;&#223;igkeit der Verwaltung, die Unabh&#228;ngigkeit der  Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f&#252;r alle  politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm&#228;&#223;ige Bildung und  Aus&#252;bung einer Opposition.</p></blockquote>
<p>Die Debatte wird bei den Piraten aber teilweise weniger um  Verfassungsprinzipien als um den Buchstaben der Verfassung gef&#252;hrt; in  der Debatte um die Art.-6-GG-Initiative tauchen immer wieder Argumente  auf, die grunds&#228;tzlich &#196;nderungen ablehnen:</p>
<blockquote><p>»@validom ich dachte das Grundgesetz ist das Grundsatzprogramm der #PIRATEN ? Stand jedenfalls so am truck auf der #fsa10, soweit ich mich erinnere« <a href="https://twitter.com/thheinen/statuses/25033899781">(@thheinen)</a></p>
<p>»@piratringwraith Man kann vieles gestalten, ohne das Grundgesetz zu &#228;ndern. Wenn  wir eine &#196;nderung des Grundgesetz anstreben, sind wir auf einer Ebene mit  Sch&#228;uble« <a href="https://twitter.com/maltis/statuses/25052460050">(@maltis)</a> [<em>Abk&#252;rzungen von der Redaktion ausgeschrieben</em>]</p></blockquote>
<p>In diesem Tenor, durch mehr als 140 Zeilen etwas differenzierter, auch <a href="http://planetalexx.de/2010/09/und-nu-piraten/">planetAlexx</a> und der <a href="http://www.sanktleibowitz.org/2010/09/wohin-piratenpartei.html">Orden des Leibowitz</a>:</p>
<blockquote><p>Unser Grundgesetz ist eines der besten Regelwerke der Welt, und 1948 hat  man sich unter den Nachwirkungen des Naziregimes sehr wohl &#252;berlegt,  was darin stehen muss. Nat&#252;rlich ist das Grundgesetz nicht heilig,  weshalb man es nie wieder &#228;ndern sollte. Deshalb gibt es einen  festgelegten Ablauf, mit dem &#196;nderungen eingef&#252;gt werden k&#246;nnen.  Trotzdem sollte man dabei &#228;u&#223;erst behutsam vorgehen, und es im  Zweifelsfall lieber sein lassen. Zudem finde ich es widerspr&#252;chlich, in  Wahlk&#228;mpfen das Grundgesetz mit dem Hinweis darauf, dass man es als  Partei sch&#252;tzen will zu verteilen, um es danach &#228;ndern zu wollen.</p></blockquote>
<p>Die Argumentation der Gegenseite formuliert <a href="http://www.formspring.me/gedankenstuecke/q/1168217135">Bastian Greshacke</a> auf eine Formspring-Anfrage von mir hin so:</p>
<blockquote><p>Ehrlich gesagt fand ich diesen Anspruch “Grundgesetz bewahren” schon  immer etwas suspekt und nicht wirklich optimal. Denn auch das  Grundgesetz ist ja kein Regelwerk was irgendwo vom Gipfel auf  Steintafeln heruntergetragen wurde sondern menschlichen Ursprungs und  damit fehlerbehaftet.</p>
<p>Mir geht es um den Schutz/die Bewahrung der Grund- &amp;  B&#252;rgerrechte. Und dabei hat in meinen Augen auch das Grundgesetz noch  Fehler die einen umfassenden Schutz von Grundrechten bislang nicht  gew&#228;hrleistet.</p></blockquote>
<p>Eine weitere interessante Antwort in diese Richtung von <a href="http://www.formspring.me/flecky/q/1168672594?">Flecky</a>.</p>
<p>Die Piratenpartei scheint also gerade in einem Konflikt zu stecken um  die Frage, was »Grundgesetz bewahren« hei&#223;t. Ich bin gespannt, ob diese  Frage explizit gekl&#228;rt wird – beim Freiheitsbegriff scheint das ja  bisher noch nicht passiert zu sein, obwohl es vor einem Jahr schon eine  gro&#223;e Debatte war.</p>
<p>Ich glaube, dass sowohl die Frage nach dem  Verst&#228;ndnis von »Grundgesetz bewahren« wie auch die Frage nach der  Freiheit, den die Piraten meinen, essentiell ist, um ein umfassendes  Grundsatzprogramm auszuarbeiten – sonst wird es nur ein St&#252;ckwerk mit  Stellvertreterdebatten, wie sie gerade um Liquid-Feedback-Initiativen  gef&#252;hrt werden. So progressiv, interessant und sinnvoll das  Liquid-Feedback-System ist: Es verst&#228;rkt die piratische Tendenz, weniger  grunds&#228;tzlich-abstrakt als situativ zu diskutieren, und erschwert damit  die Ausbildung einer »piratischen« Wertgrundlage und damit einem  Wertekonsens, auf dem die konkrete Politik aufbauen kann.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Mit der Frage nach einer Wertgrundlage bei den Piraten hat sich Felix Neumann auch in den Artikeln <a title="Piraten, Gender und Pragmatik" href="http://fxneumann.de/2009/09/08/piraten-gender-und-pragmatik/">Piraten, Gender und Pragmatik</a> und <a title="Wahl-o-mat: Piraten als radikale Zentristen" href="http://fxneumann.de/2009/09/05/piraten-als-radikale-zentristen/">Wahl-o-mat: Piraten als radikale Zentristen</a></em> auseinandergesetzt.</p>
<p><a href="http://fxneumann.de/2010/09/22/piraten-und-grundgesetz/">Crosspost</a>.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34185&amp;md5=a4929d19445a424ab8899c1ebe1c9ef6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>LiquidFeedback in der Piratenpartei: Datenschutz, Transparenz und das private Politische</title>
		<link>http://carta.info/31898/liquidfeedback-in-der-piratenpartei-datenschutz-transparenz-und-das-private-politische/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 11:34:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beeintr&#228;chtigt es die Privatsph&#228;re, wenn die eigenen politischen Sachentscheidungen transparent gemacht werden sollen? Nach der Aufschiebung von LiquidFeedback als transparentes Abstimmungsinstrument f&#252;r das Piraten-Programm fordert Michael Seemann eine Grundsatzdiskussion zum Datenschutz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Einf&#252;hrung von LiquidFeedback als internes Abstimmungsinstrument f&#252;r die Weiterentwicklung des Parteiprogramms der Piraten wurde am Donnerstag aufgrund von Datenschutzbedenken vom Vorstand f&#252;r einige Wochen verschoben. Lesenswert ist als Einf&#252;hrung dazu der Artikel von <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Piratenpartei-auf-der-Gratwanderung-zwischen-Transparenz-und-Datenschutz-1051745.html">Torsten Kleinz</a> bei <em>heise online</em>.</p>
<p>In der Diskussion um Transparenz und Datenschutz zeigt sich damit ein ganz grunds&#228;tzlicher Gegensatz:</p>
<p><a href="http://frank.geekheim.de/?p=928">Frank Rieger</a>, Datenschutzaktivist und CCC-Sprecher, erkennt hinter den Datenschutzbedenken bei Teilen der Piraten eine Furcht vor Transparenz. Seines Erachtens ist die Einf&#252;hrung von Liquid Democracy f&#252;r die Partei existenziell: Ohne sie werden die Piraten &#8220;nur eine langweilige Nischenpartei bleiben, die irgendwann wieder in der zersplitterten Versenkung verschwindet.&#8221;</p>
<blockquote><p>[F]alls die Piraten daran scheitern diese innerparteiliche dynamische, transparente Entscheidungsfindung zu etablieren, ist eine der wesentlichen Chancen auf eine grundlegende Renovierung des politischen Systems in Deutschland vergeben worden. Der Vorbildcharakter f&#252;r andere Parteien ist enorm.</p></blockquote>
<p><a href="http://blog.koehntopp.de/archives/2920-Ein-Sturm-aus-Scheisse-ist-auch-eine-Art-fluessiges-Feedback.html">Kristian K&#246;hntopp</a> f&#252;hrt dazu aus:</p>
<blockquote><p>Wenn ich jemandem meine politische Macht delegiere, dann will ich wissen, wer das ist. Dann will ich vertrauen k&#246;nnen. Vertrauen ist die Hoffnung, da&#223; das Verhalten einer Person in der Vergangenheit ein ungef&#228;hres Ma&#223; f&#252;r das Verhalten dieser Person in der Zukunft ist. Es setzt voraus, da&#223; die Vergangenheit offengelegt wird (Transparenz), da&#223; die Aktionen und Abstimmungen dieser Person unter einer Identit&#228;t erfolgt sind (Verkettbarkeit) und da&#223; diese &#220;bersicht vollst&#228;ndig ist. Weil das so ist, ist anonyme politische Bet&#228;tigung ein Widerspruch in sich &#8211; das Politische ist das Gegenteil des Privaten.</p></blockquote>
<p><a href="http://mspr0.de/?p=1557">Michael Seemann</a> findet, die Transparenz-Bef&#252;rworter machten es sich zu leicht, wenn sie argumentieren, dass das Politische eben nicht Privatsache sei und Mandatstr&#228;ger offen legen sollten, wie sie in der Vergangenheit abgestimmt haben. (Dabei muss man bedenken, dass der Mandatstr&#228;ger-Begriff im System durch die M&#246;glichkeit der Delegation einzelner Stimmen sehr weit gefasst ist.)</p>
<blockquote><p>[Einige Piraten] wollen nicht f&#252;r <em>bestimmte</em> &#214;ffentlichkeiten politisch transparent werden oder f&#252;hlen sich derart,  dass sie sich politisch in der &#214;ffentlichkeit nicht frei entfalten  k&#246;nnen. Wo – wenn nicht in der Politik – ist der gesellschaftliche Druck  auf das Individuum am gef&#228;hrlichsten? <strong>Wer diese Bedenken nicht ernst nimmt, f&#252;r den d&#252;rfte Datenschutz an sich &#252;berfl&#252;ssig sein.</strong></p>
<p>Es ist doch so, dass eine einfache Trennung von privat und &#246;ffentlich nicht mehr gibt. Jeder hat <em>bestimmte</em> Privatheiten gegen&#252;ber <em>bestimmten</em> &#214;ffentlichkeiten. Das Politische zum Job, der Job zur  Familienangelegenheiten, die Familie zum Spa&#223; im Freundeskreis und all  das nochmal Reverse. Die Grenze, die wir Privat und &#214;ffentlich nennen,  ist in Wahrheit ein Fraktal gewesen und erst durch das Internet bekommen  wir das zu sp&#252;ren. Wer in dieses komplexe Gebilde wieder mit dem  Trennmesser den klaren Definitionsschnitt vollziehen will, wird der  Sache nicht gerecht.</p></blockquote>
<p>Die netzpolitische Szene komme also nicht daran vorbei, zu entscheiden, was durch Datenschutz &#252;berhaupt gesch&#252;tzt werden sollte. Sie m&#252;sse die zunehmend schwierige Trennung der einzelnen Rollen eines Menschen durch deren Zusammenf&#252;hrung im Netz – und damit den Konflikt zwischen Nachvollziehbarkeit politischer Entscheidungsfindungsprozesse und eventuell daraus folgenden Einschr&#228;nkungen der Privatsph&#228;re – diskutieren.</p>
<p>Letztlich ist es doch eine Wertentscheidung, die Seemann f&#252;r sich– ebenso wie Frank Rieger und Kristian K&#246;hntopp – mit der Pr&#228;ferenz f&#252;r Transparenz getroffen hat. Der Parteivorsitzende Jens Seipenbusch sieht hingegen bei einer &#8220;unverbindlichen Vorbereitungsplattform&#8221; nachvollziehbare Entscheidungen nicht als h&#246;chste Priorit&#228;t.</p>
<p><a href="http://www.netzpolitik.org/2010/netzpolitik-interview-jens-seipenbusch-uber-einfuhrung-von-liquidfeedback/"><em>Netzpolitik.org</em></a> hat ihn unter anderem   gefragt, wie der perfekte Datenschutz f&#252;r das LiquidFeedback-System   aussehen k&#246;nnte:</p>
<blockquote><p>Jens Seipenbusch: Es kommt auf den Anspruch an, den man   an das System  hat. Mit dem Anspruch, dass diese Software verl&#228;ssliche   und maximal nachvollziehbare Sachabstimmungen erm&#246;glicht, muss man   einige Punkte des  Datenschutzes opfern. Der bisher von der Partei per    Bundesparteitagsbeschlu&#223; ge&#228;u&#223;erte Anspruch hingegen, n&#228;mlich diese    Software als letztlich unverbindliche Vorbereitungsplattform f&#252;r einen    Programmparteitag zu nutzen, l&#228;&#223;t sich sehr wohl mit h&#246;herem  Datenschutz   vereinbaren. Das Motto ‘transparenter Staat statt  gl&#228;serner B&#252;rger’   wird halt schwierig, wenn man einerseits sehr stark  direktdemokratisch   agieren will und andererseits die innerparteiliche  Willensbildung   f&#228;lschlicherweise als Teil staatlichen Agierens  definiert.</p></blockquote>
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<a href="http://carta.info/31898/liquidfeedback-in-der-piratenpartei-datenschutz-transparenz-und-das-private-politische/">LiquidFeedback in der Piratenpartei: Datenschutz, Transparenz und das private Politische</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/31898/liquidfeedback-in-der-piratenpartei-datenschutz-transparenz-und-das-private-politische/#comments">5 comments</a>
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		<item>
		<title>Antrag auf Umbenennung der Piratenpartei</title>
		<link>http://carta.info/27170/antrag-auf-umbenennung-der-piratenpartei/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 08:38:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Aufgrund des Wahlergebnisses in Nordrhein-Westfalen beantrage ich die sofortige Umbenennung der Piratenpartei in Digitale Demokratische Partei (DDP).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/da122fd9f8e44929a259e4c96e7a6600" width="1" height="1" alt=""/>Der Antrag m&#246;ge dem Bundesparteitag in Bingen zur Entscheidung vorgelegt werden.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Begr&#252;ndung:</strong></p>
<p>Ihrem Selbstverst&#228;ndnis nach ist die Piratenpartei liberal. Sie verteidigt die b&#252;rgerlichen Freiheiten gegen staatliche Regulierung, Bevormundung, &#220;berwachung und Kontrolle. Sie setzt auf gesellschaftliche Eigenverantwortung und Selbstorganisation. Die Piratenpartei ist &#252;berzeugt, dass die digitale Technik Freiheitsrechte sowohl vertiefen und erweitern als auch einschr&#228;nken und beseitigen kann. Als politischer Zusammenschluss <em>alter Pr&#228;gung</em> (<em>= Partei</em>) steht sie &#8211; seien wir gro&#223;z&#252;gig! &#8211; auch in den Traditionen des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Vorm&#228;rz">Vorm&#228;rz</a> (1815 ff.).</p>
<p>Der Name der Piraten f&#252;hrt jedoch zu falschen Assoziationen (und zu einer naiven Selbsteinsch&#228;tzung). <strong>Urspr&#252;nglich war der Name ein <a href="http://wiki.piratenpartei.de/H&#228;ufig_gestellte_Fragen">sp&#246;ttischer Reflex</a> auf den Vorwurf, Internet-Nutzer w&#252;rden kostspielige Inhalte im Netz r&#228;uberisch „entern“</strong> – so wie einst die Piraten die Handelsschiffe auf den sieben Weltmeeren.</p>
<p>Doch wir leben nicht mehr im 14. Jahrhundert. Die heutigen Piraten sind nicht die Nachfahren des Klaus St&#246;rtebeker (der mit seinen Aktionen die hanseatischen Pfeffers&#228;cke beunruhigte). Die heutigen Piraten sind keine Freibeuter der Meere und keine „Angreifer“. Sie sind (in ihrer gro&#223;en Mehrzahl) Verteidiger individueller Freiheiten. Sie setzen sich ein f&#252;r Informationsfreiheit und den Schutz vor Datenmissbrauch. Ihre Politik ist gerade <em>nicht</em> (wie bei Piraten) auf den eigenen Vorteil bedacht.</p>
<p>Dennoch l&#246;st die Piratenpartei bei vielen noch immer ein breites Grinsen aus. Man h&#228;lt sie f&#252;r eine Faschingspartei, deren Aufgabe es ist, dem alten Parteiensystem eine Nase zu drehen. Man sieht in den Piraten willkommene Provokateure &#8211; eine Saison lang gew&#228;hlt, um den anderen Parteien eins auszuwischen. Solche W&#228;hler bleiben nie lange.</p>
<p>Zugegeben: Ein exotischer Name weckt Neugier. Er verleiht sch&#252;chternen Nerds und frechen Erstw&#228;hlern &#252;bernat&#252;rliche Kr&#228;fte. Das Emblem der Piraten hat die Wirkung eines gallischen Zaubertranks. Doch solche Drogen helfen nicht ewig. <strong>Eines Tages wird sich der spektakul&#228;re Name gegen seine Tr&#228;ger wenden. Eines Tages haben sich die Vokabeln „entern“ und „Volle Fahrt voraus“ als Kampfrufe der Playmobil-Generation verbraucht.</strong> <span style="text-decoration: line-through;">Irgendwann</span> Schon heute werden erste <a href="http://www.mela.de/archives/1132-Wieviele-Piraten-braucht-man-um-eine-Gluehbirne-zu-wechseln.html">Piratenwitze</a> gerissen (und sie erinnern nicht zuf&#228;llig an schlichte Ostfriesen- oder Blondinenwitze).</p>
<p>Dabei wird die „Piraten“-Partei dringend gebraucht. Die Mehrzahl der Altparteien hat den disruptiven Charakter der digitalen Technik noch nicht ausreichend begriffen. Fast allen Altparteien fehlt es an Technik- und <a href="http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/">Ingenieurs-Verstand</a>.</p>
<p>Wollen die 12.000 Mitglieder der Piraten den Status der Protestpartei also &#252;berwinden, brauchen sie einen Namen, der ihren Mitgliedern und ihren potentiellen W&#228;hlern gerecht wird. <strong>Wollen die Piraten mehr sein als das Symbol f&#252;r die Vernachl&#228;ssigung der Internet-Generation in der gegenw&#228;rtigen Politik, m&#252;ssen sie das kokette Lavieren zwischen rechts und links und die bisweilen aufblitzende <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/meuterei-der-piratinnen/">Anti-Haltung</a> zu den sozialen Emanzipations-Bewegungen der siebziger und achtziger Jahre &#252;berwinden.</strong></p>
<p>Es w&#228;re f&#252;r das Land von Vorteil, wenn <strong>die <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Mitglieder">siebtgr&#246;&#223;te</a> deutsche Partei</strong> endlich wahrgenommen w&#252;rde als eine Gruppierung, welche die Chancen und Risiken der Digitalisierung mit einem noch viel wichtigeren Thema zu verkn&#252;pfen wei&#223;: der Entwicklung und Gef&#228;hrdung demokratischer Gesellschaften.</p>
<p>Eine &#196;nderung des Namens w&#228;re das richtige Signal daf&#252;r. Schaffen <span style="text-decoration: line-through;">die Piraten</span> <strong>die Digitalen Demokraten*</strong> diese &#214;ffnung nicht, werden sie mit Mann und Maus im toten Meer der „Altparteien“ untergehen.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>*Das stilisierte „P“ der gebl&#228;hten Piratenflagge k&#246;nnte im &#220;brigen auch als „D“ interpretiert und durchaus weiter verwendet werden.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em><br />
</em>
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		<item>
		<title>Piratenpartei: Mehr als die Autofahrerpartei auf der Datenautobahn</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 17:06:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bundestagswahlanalyse der Konrad-Adenauer-Stiftung vers&#228;umt, das tats&#228;chlich Neue an der Piratenpartei zu erkennen und daraus die richtigen Schl&#252;sse zu ziehen: Solange »neue Kommunikationswege« nur als neue Seitenarme der alten Kan&#228;le begriffen werden, wird die Tragweite gesellschaftlichen Wandels ignoriert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b6d4197d35334aedacc64bd114eb976b" alt="" width="1" height="1" />Au&#223;er dem Zitat von den Piraten als Autofahrerpartei der Netze wurde (mit Ausnahme einer <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/piraten-mit-autofahrer-partei-vergleichbar-freie-fahrt-und-freies-netz/">kurzen Einsch&#228;tzung bei netzpolitik.org</a>) bisher wenig zur Analyse der <a href="http://www.kas.de/wf/de/33.18785">Konrad-Adenauer-Stiftung zur Piratenpartei</a> gesagt. Ich habe mir die Studie etwas genauer angesehen.</p>
<p>Das Fazit vorab: Deskriptiv ganz in Ordnung, politikwissenschaftlich und soziologisch zu wenig ausgef&#252;hrt. Das gr&#246;&#223;te Vers&#228;umnis der Studie ist es, zu sehr auf der Inhaltsdimension zu beharren – und ein v&#246;llig fehlendes Verst&#228;ndnis f&#252;r die Besonderheit der Struktur der Piratenpartei.</p>
<p>Die ersten sechs Kapitel referieren weitgehend korrekt, aber auch &#252;berraschungsfrei Geschichte und Hintergr&#252;nde (neue Erkenntnisse, die man nicht aus Henning Bartels in der Studie viel zitiertem <a href="http://ebooks.contumax.de/nb">Piratenpartei-Buch</a> oder auch kompakter aus <a title="Anti-Parteien-Partei 2.0" href="http://fxneumann.de/2009/12/23/anti-parteien-partei-2-0/">meiner eigenen &#220;bersicht</a> ziehen k&#246;nnte, gibt es dort nicht). Dabei f&#228;llt auf, da&#223; vor allem die Au&#223;enwahrnehmung geschildert wird und die Partei auf ihre Inhalte reduziert wird. Dieser Fokus macht sich in den Schl&#252;ssen der eigentlichen Analyse bemerkbar.</p>
<p>Das siebte Kapitel, »Etablierungschancen«, beschr&#228;nkt sich weitgehen darauf, Chancen aufgrund des sich ausdifferenzierenden Parteiensystems zu konstatieren:</p>
<blockquote><p>Erkl&#228;rt werden diese Entwicklungen u. a. mit Individualisierung, der Aufl&#246;sung und Schrumpfung sozialer Gro&#223;gruppen und gesellschaftlicher Differenzierung. Gruppenkoh&#228;sion, kollektive und gruppenspezifische Orientierungsschemata, Tradition und Milieubindung spielen als wahlentscheidende Motive eine geringere Rolle. <em>(S. 24)</em></p></blockquote>
<p>Das ist etwas entt&#228;uschend; die einzigen wissenschaftlichen Aussagen konstatieren nicht viel mehr als die M&#246;glichkeit der Ausdifferenzierung des Parteiensystems – das trifft aber auf die Piratenpartei wie auf jede andere Kleinpartei zu und sagt noch nichts &#252;ber die konkrete Zukunftsperspektive der Piratenpartei aus. Makrosoziologische Theorien zur Parteienbildung werden nicht weiter aufgegriffen, weder die <a title="Gekommen um zu bleiben? Piraten politikwissenschaftlich." href="http://fxneumann.de/2009/08/12/gekommen-um-zu-bleiben/">Konfliktlinien-Theorie</a> – die eine Deutung der inhaltlichen Dimension erm&#246;glichen w&#252;rde – noch eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Parteiensystem#Sozial-moralische_Milieus">sozial-moralische Milieutheorie</a>, obwohl das mit der Behauptung der Entstehung einer »eigenen „abgegrenzten“ digitalen Kultur, einer Netz-Community« (S. 33) angedeutet wird.</p>
<p>Im Abschnitt zwei, »Ein-Themen-Partei und Organisationsst&#228;rke« findet sich das Schlagwort von der Autofahrerpartei:</p>
<blockquote><p>[D]ie Piraten [beanspruchen] eher den Kurs der Autofahrer-Partei: freie Fahrt und freies Netz. <em>(S. 27)</em></p></blockquote>
<p>Der Autor grenzt damit die Piraten von den Gr&#252;nen ab, die bei ihrer Entstehung bereits zu verschiedenen Politikfeldern positioniert haben. Ich sehe gerade in diesem zentralen Vergleich die gro&#223;e Schw&#228;che der Studie: Eine Reduzierung der Piratenpartei allein auf ihre Inhalte. Das Label »Anti-Parteien-Partei« wird ebenfalls weitgehend inhaltlich aufgefa&#223;t in Abgrenzung zu den etablierten Parteien, die die Tragweite der Bedeutung von Netzpolitik noch nicht erfa&#223;t haben und denen die Fachleute daf&#252;r fehlen. Die Organisation der Piratenpartei wird zwar als neu erkannt, die St&#228;rke und die zentrale Bedeutung aber nicht:</p>
<blockquote><p>In Analogie zum inhaltlichen Gehalt der „Single-Issue-Partei“ schafft es die Piratenpartei, auch in organisatorischer Hinsicht als Internetpartei aufzutreten – und so organisatorische Defizite einer Kleinpartei zu kompensieren. Sie beansprucht, basisdemokratisch organisiert zu sein und ihre Mitglieder und Aktivisten in h&#246;chstem Ma&#223;e an Entscheidungen durch die Nutzung von Web 2.0-Instrumenten zu beteiligen. <em>(S. 28)</em></p></blockquote>
<p>Die Verbindung aus dem soziologischen Befund von oben – Individualisierung, Aufl&#246;sung und Schrumpfung sozialer Gro&#223;gruppen, gesellschaftliche Differenzierung – mit der organisatorischen Dimension unterbleibt. Die Organisation der Piratenpartei ist eben nicht nur ein »Nimbus des Neuen« (S. 28), sondern eine besondere St&#228;rke. W&#228;hrend in anderen Parteien Mechanismen zur Interessensvertretung und Organisation (Gesch&#228;ftsordnungen, Struktur, Aufbau …) seit langem konstant sind und im Prinzip immer noch Organisationsformen des 19. Jahrhunderts abbilden, ist die Piratenpartei gerade durch ihre Durchl&#228;ssigkeit und ihren Fokus auf transparente Beteiligung attraktiv. (Interessant dazu ist <a href="http://www.casasola.de/wordpress/?p=391">Folge 5 des Piratengespr&#228;che-Podcasts</a>, der bei der Nachbetrachtung des Landesparteitages Nordrhein-Westfalen organisatorische Experimente anspricht, die so in etablierten Parteien wohl nicht m&#246;glich w&#228;ren, von alternativen Wahlverfahren bis hin zu Liquid democracy.)</p>
<p>Das Vers&#228;umnis, den Erfolg der Piraten auch an der eigenen unzureichenden Partizipationskultur festzumachen, zieht sich auch durch das Fazit und die vorgestellten Handlungsoptionen. W&#228;hrend den Piraten <em>Agenda setting</em> im inhaltlichen Bereich zuerkannt wird, wird eine m&#246;gliche Auswirkung auf die eigene Organisation ausgeblendet. Die im Titel ge&#228;u&#223;erte Vermutung, es handle sich um eine Partei der <em>Digital natives</em> (das w&#252;rde auch bedeuten, da&#223; irgendwann alle <em>Digital natives</em> sind, weil die <em>Digital immigrants</em> schlicht wegsterben), wird implizit verneint: Die Klientel der Piraten bilde ein eigenes Milieu. Das ist bequem f&#252;r etablierte Parteien, die damit nicht grunds&#228;tzlich organisatorisch umdenken m&#252;ssen. Das ist aber auch kurzsichtig: Da&#223; die Entstehung und der <a title="Danke, Piratenpartei. Was bleibt?" href="http://fxneumann.de/2009/09/28/danke-piratenpartei-was-bleibt/">Erfolg</a> der Piratenpartei zwar eng thematisch umgrenzt ist, aber eben nicht nur ein inhaltlicher Reflex auf Tagespolitik ist, sondern auch eine Folge einer gesellschaftlichen Gro&#223;wetterlage, taucht nicht auf. Da&#223; die Piratenpartei als erste Parteiorganisation agiert, die (nicht einmal notwendig bewu&#223;t) organisatorisch Konsequenzen aus dem Niedergang etablierter Organisationen und dem Erfolg unkonventioneller B&#252;ndnisse (AK Vorratsdatenspeicherung, Attac, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Campact">campact</a>) zieht, taucht auch nicht auf.</p>
<p>Die Handlungsoption &#252;berrascht aus dieser Perspektive dann auch nicht:</p>
<blockquote><p>Wichtig ist f&#252;r die Volksparteien, im Besonderen f&#252;r deren Nachwuchswerbung, die neuen Kommunikationswege zu verstehen und kluge Dialogangebote zu unterbreiten.</p></blockquote>
<p>Die Studie vers&#228;umt es also, das tats&#228;chlich Neue an der Piratenpartei zur Kenntnis zu nehmen und daraus Schl&#252;sse zu ziehen; solange »neue Kommunikationswege« nur als neue Seitenarme der alten Kan&#228;le begriffen werden, wird die Tragweite gesellschaftlichen Wandels ignoriert.</p>
<p>Dialogangebote reichen nicht aus, um auf den beschriebenen gesellschaftlichen Wandel einzugehen: Es kommt darauf an, selbst wieder <a title="SPD: Von Basta- zu Volks-Partei?" href="http://fxneumann.de/2009/10/07/von-basta-zu-volks-partei/">eine Organisationsform</a> zu finden, die es schafft, viele Menschen einzubinden.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Dieser Text hat Felix Neumann auch in seinem Blog <a href="http://fxneumann.de/2010/02/09/mehr-als-autofahrerpartei-auf-der-datenautobahn/">fxneumann.de</a> ver&#246;ffentlicht.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22886&amp;md5=bae98894d4c5893125a1a61a783e7813" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Piraten vs. Parteiestablishment: Es geht NICHT um das Internet</title>
		<link>http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 14:46:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[CDU und SPD wollen sich verst&#228;rkt um das Thema Internet k&#252;mmern. Damit verstehen sie nicht, warum es den Piraten wirklich geht, sagt Piratenvorstand Aaron K&#246;nig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e4707558264642a1b7623d77a5aa02c1" alt="" width="1" height="1" />Piratenpartei-Vorstand Aaron K&#246;nig <a href="http://aaron-koenig.blogspot.com/2010/01/es-geht-nicht-um-das-internet.html">glaubt</a>, dass CDU und SPD die Wurzel der Piratenpartei-Bewegung noch immer nicht richtig verstehen, wenn sie sich nun <a href="http://carta.info/21485/enquete-kommission-des-bundestags-zu-internet-und-digitaler-gesellschaft-geplant/">verst&#228;rkt</a> um das Internet <a href="http://carta.info/21633/spd-will-um-waehler-der-piratenpartei-werben/">k&#252;mmern</a> wollen. Das Thema der Piraten sei n&#228;mlich nicht das Internet, sondern das politische System. Das Netz sei nur das Vehikel, um eine Demokratisierung einzufordern:</p>
<blockquote><p>Doch die Altparteien haben leider nicht begriffen, dass es &#252;berhaupt nicht um das Internet geht. Das Netz ist lediglich ein Kommunikationsmedium. &#8230;</p>
<p>Worum es wirklich geht, ist eine andere, bessere Form der Demokratie. Es geht um ein politisches System, in der die B&#252;rger an allen Entscheidungen beteiligt sind, und in dem die staatlichen Institutionen sich nicht als „hoheitlich“ (sic!) verstehen, sondern als Dienstleister f&#252;r die B&#252;rger. Alle staatliche Prozesse m&#252;ssen transparent sein, alle Entscheidungen wirklich demokratisch gef&#228;llt werden. Die Parteienoligarchie der Bundesrepublik, in der viele Entscheidungen von Funktion&#228;ren in Hinterzimmern ausgekungelt werden, verdient die Bezeichnung Demokratie, also „Volksherrschaft“, meiner Ansicht nach nur sehr eingeschr&#228;nkt.</p></blockquote>
<p>&gt;&gt;&gt; Ich meine, dass K&#246;nig hier einen zentralen Punkt trifft. Die Piratenpartei ist bekanntlich keine hierarchische Mitgliederpartei. Sondern sie ist eine Art Plattform f&#252;r thematische Ad-hoc-Mitmachb&#252;ndnisse aus libert&#228;rdigitaler Grundhaltung*. In ihrem Kern liegt damit genau jene kommunikative Situation, die man aus dem Internet kennt: Sich jeden Tag neu entscheiden, welche Sites man besucht, wem man sich anschlie&#223;t, wen man retweetet. Wenn die Volksparteien das Zeitungsabo sind, dann ist die Piratenpartei <a href="http://rivva.de/">Rivva</a>. In den klassischen Parteien findet F&#252;hrung durch Delegation statt, bei den Piraten durch gelebte oder empfundene Partizipation. Daher k&#246;nnen die Volksparteien die Piratenpartei auch nicht imitieren, ohne sich selbst vorher radikal umzubauen &#8211; was derzeit kaum wahrscheinlich erscheint.</p>
<p>Zugleich ist die Piratenpartei damit noch kein zwingendes Erfolgsmodell der zuk&#252;nftigen Parteigeschichte. Der basisdigitaldemokratiche Impuls will erst einmal erfolgreich mit parteipolitischen Notwendigkeiten wie Verl&#228;sslichkeit und Abgrenzung kombiniert werden.</p>
<p>* = stark &#252;berarbeitungsf&#228;higer Beschreibungsansatz f&#252;r die Piratenpartei &#8211; Vorschl&#228;ge gerne.</p>
<p>Siehe zu diesem Thema auch:</p>
<ul>
<li>Christoph Bieber: <a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/">Kampagne als “Augmented Reality Game”: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei</a></li>
</ul>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/">Piraten vs. Parteiestablishment: Es geht NICHT um das Internet</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21653&amp;md5=e50ee5d5fe93fb4acd3a5d6c3c720bdc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Vorratsdaten und die Logik der Datenkollektivierung: F&#252;r eine gesellschaftliche Kultur des Datenschutzes</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 14:06:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Krone</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sabine Leutheusser-Schnarrenberger]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Auseinandersetzung um die Vorratsdatenspeicherung zeigt: Die Entfaltungsm&#246;glichkeiten der Digitalisierung erfordern auch eine neue Kultur des Datenschutzes, die nicht allein rechtlich festgeschrieben, sondern gesamtgesellschaftlich verankert sein m&#252;sste.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/059d380b4e924a6db6a3760132851665" width="1" height="1" alt=""/>Die Politik vermittelt derzeit einen ebenso zerrissenen wie orientierungsschwachen <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutz-ist-sexy-Datensammeln-auch-849664.html">Eindruck</a>, was den <strong>Stellenwert der Privatsph&#228;re </strong>in der digital vernetzten Gesellschaft angeht. Die informationelle Selbstbestimmung des B&#252;rgers verkommt zu einer Art <strong>Verhandlungsmasse</strong>, die gegen Verletzungen derselben aufgeweicht wird. Eine Empfehlung zur Datenvermeidung zum Schutz der Privatheit, wie sie der Chaos Computer Club abgibt, l&#228;sst jedoch allein kein Vertrauen in die grundgesetzlich zugesicherten Freiheitsrechte, der S&#228;ulen unseres Systems, aufkommen. Sie kann bestenfalls ein Appell zur Bewusstseinsbildung sein, wirkt jedoch zuweilen schon wie das Eingest&#228;ndnis der Niederlage gegen&#252;ber dem diffusen Druck einer &#252;berm&#228;chtigen Technologie. Doch dem ist nicht so.</p>
<p><strong>Vorratsdaten vor dem Verfassungsgericht</strong></p>
<p>Am 15.12.2009 hat der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe &#252;ber die Zul&#228;ssigkeit der zeitlich befristeten Datenspeicherungspflicht verhandelt, die unter dem Titel „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikations&#252;berwachung und anderer verdeckter Ermittlungsma&#223;nahmen“ (<a href="http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl107s3198.pdf ">PDF</a>) firmiert. Internet- und Telefonverbindungen sollen, so m&#246;chten es die Bundesregierung und einige Landesparlamente, ein halbes Jahr gespeichert und den zust&#228;ndigen Beh&#246;rden auf Wunsch zug&#228;nglich gemacht werden m&#252;ssen. Die Kommunikation in Mailsystemen sozialer Netzwerke ist nicht davon betroffen.</p>
<p>Gegen die Umsetzungspolitik der <strong>EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung</strong> (<a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF">PDF</a>) des ehemaligen Bundesinnenministers <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2016454_Laudatio-zu-Wolfgang-Schaeuble-Ideen-aus-dem-Arsenal-der-Diktatur.html">Wolfgang Sch&#228;uble</a> haben rund 35.000 Beschwerdef&#252;hrer geklagt und damit die umfangreichste Massenklage in der Geschichte des Bundesverfassungsgerichts eingereicht.</p>
<p>Die Kritik an dem geplanten Gesetz ist immens: Es wird als <strong>unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger Eingriff in die Grundrechte der B&#252;rger</strong> erachtet, Daten ohne Anfangsverdacht auf Vorrat zu speichern. Die „anlasslose, verdachtsunabh&#228;ngige und undifferenzierte Vorratsdatenspeicherung“ &#252;ber sechs Monate – Verbindungs- und Standortdaten lassen sich unter anderem zu nahezu exakten Bewegungsprofilen zusammenstellen – impliziere Missbrauch und die systematische Verletzung von Pers&#246;nlichkeitsrechten sowie des Fernmelde- und Briefgeheimnisses. Neben der so unter Generalverdacht gestellten Gesellschaft versto&#223;e das neue Gesetz bewusst gegen das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,666826,00.html">Redaktionsgeheimnis</a>, das Arztgeheimnis, die rechtsanwaltliche T&#228;tigkeit sowie gegen die Immunit&#228;t von Abgeordneten und Diplomaten. Und dennoch sind die Weichen zur systematischen Missachtung erk&#228;mpfter Rechte l&#228;ngst gestellt.</p>
<p>Lehnt das Gericht die Klagen ab, steht die Technische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (<a href="http://www.bundesnetzagentur.de/media/archive/17738.pdf">PDF</a>) zur Umsetzung bereit. Unter den Kl&#228;gern: die heutige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Dass sich die amtierende Regierung als Kl&#228;ger und Beklagte gegen&#252;berstehenden ist bizarr, aber im Grunde Ausdruck der repr&#228;sentativen, periodisch veranlagten Demokratie.</p>
<p>Die W&#228;hler k&#246;nnen sich jedoch nicht in der Ahnung begn&#252;gen, mit der Verfassungsklage seien die digitalen Freiheitsrechte ausreichend gew&#228;hrleistet. Was wir brauchen ist mehr: die <strong>R&#252;ckbesinnung</strong> <strong>auf eine Kultur der selbstverst&#228;ndlichen Gew&#228;hrleistung von Privatheit</strong> und ihre Weiterentwicklung. Die Novellierung der deutschen Datenschutzrichtlinie in der letzten Legislatur allein hat dies – auch aufgrund von unternehmerischen Lobbyismus und verhaltener politischer Willensbekundung – nicht einzul&#246;sen vermocht. Die Rechtsprechung kann dabei unterst&#252;tzen.</p>
<p><strong>Sendungsbewusstsein ersetzt keine Mehrheiten<br />
</strong></p>
<p>Die Netz&#246;ffentlichkeit, die sich f&#252;r Kommunikationsfreiheit einsetzt, ist zwar mittlerweile gewachsen und kann auch schon mal laut werden, im Verh&#228;ltnis zur Gesamtbev&#246;lkerung ist sie jedoch verschwindend klein. Den sich mitunter avantgardistisch ghettoisierenden<strong> „Digital Natives“</strong> fehlt oft die weltliche R&#252;ckbindung. Breite Teile der Bev&#246;lkerung werden bewusst, manchmal auch arrogant ausgeschlossen. „Wir beherrschen die Belange der digitalen Kommunikation und wissen was gut ist, nicht ihr, die analoge Gesellschaft!“ – F&#252;r die Anh&#228;nger der Innovationsreligion gehe es um die Gesamtheit des digitalen Lebensraums. Ein Tenor, der den Verdacht des Dogmatismus auf den Plan ruft.</p>
<p>Neue, junge politische Gruppen wie etwa die <strong>Piratenpartei</strong> k&#246;nnen, wenn sie geeignete <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Halbnackte-Piraten-gegen-Nacktscanner-900955.html">Mittel</a> zur Ansprache der Bev&#246;lkerung finden, einen <strong>Prozess</strong> in die n&#228;chste, die parlamentarische Ebene tragen. Die Gr&#252;nen haben es Ende der 1970er Jahre als sozial- und umweltpolitische Alternative zu den etablierten Parteien vermocht; die innerparteilichen Gegens&#228;tze haben den Erfolg nicht aufgehalten. Um Ver&#228;nderungen in der Breite zu erreichen, bleibt es jedenfalls Voraussetzung, in der Bev&#246;lkerung ausreichende Mehrheiten zu finden. Nur so kann die Einschr&#228;nkung des privaten Lebensbereichs durch politische Programme langfristig einged&#228;mmt werden.</p>
<p>Um ein solches Bewusstsein in der Breite ist es freilich heute noch schlecht bestellt, die Informiertheit der politisch Verantwortlichen ist m&#228;&#223;ig, ihr Wille schwach – wozu heute auch B&#252;ndnis 90/ Die Gr&#252;nen z&#228;hlen; man <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2001/.pol">erinnere sich</a> an die rot-gr&#252;ne Koalition 1998-2005. Wenn der Exekutivapparat des Bundes und der L&#228;nder die <strong>Informationsfreiheit</strong> des B&#252;rgers mit <strong>Argwohn</strong> sieht – man m&#246;chte meinen, der Staat nehme sie f&#252;r sich selbst in Anspruch – kann das vom Bundesverfassungsgericht geschaffene „Grundrecht auf Gew&#228;hrung der Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme“ und das Brief- und Fernmeldegeheimnis nur zum Teil Schutz bieten.</p>
<p><strong>Privatheit verteidigen</strong></p>
<p>Im <strong>Unternehmensbereich</strong>, auch au&#223;erhalb von Personalabteilungen, sind die Hemmungen, den h&#246;chstpers&#246;nlichen Lebensbereich systematisch zu ber&#252;hren, l&#228;ngst abgebaut. Es geh&#246;rt beinahe zum guten Ton, Verbraucherdaten zu speichern, auszuwerten, oder <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mobilkom-Austria-verkauft-Ortsdaten-von-Handynutzern-889962.html">auch</a> <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-11/quelle-kundendaten-verkauf">weiterzuverkaufen</a> – ganz gleich, ob ein Einverst&#228;ndnis der Betroffenen vorliegt oder nicht. Ihre Legitimation erfahren Gesch&#228;ftst&#228;tige durch fragw&#252;rdige Zustimmungsklauseln und juristisch verquaste Aus- und Einschlussformulierungen zur seri&#246;sen Verwaltung von pers&#246;nlichen Informationen in den Allgemeinen Gesch&#228;ftsbestimmungen. Auch in den<strong> Social Networks</strong> wird von den Nutzern in Eigenregie dokumentiert, was den realen Nachbarn in der Regel verborgen zu bleiben hat. Ein Verzicht w&#228;re angemessen.</p>
<p>Untersuchungen zeigen, dass sich B&#252;rger in digitalen Sph&#228;ren nur unzureichend &#252;ber die Unterscheidung von Privat- und Sozialsph&#228;re im Klaren sind. W&#228;hrend sich die Verteidigung der Privatheit im dreidimensionalen Raum sehr pr&#228;zise gestaltet, ist online vieles, das &#252;ber Banking hinausgeht, durch Unsicherheit und Fehleinsch&#228;tzung gepr&#228;gt. Gerade der <strong>Mobilfunk</strong> und das <strong>Internet</strong> sind die digitalen Kommunikationskan&#228;le, die den h&#246;chstpers&#246;nlichen Lebensbereich nicht mehr einfach und deutlich bestimmen lassen.</p>
<p>Eine solche Gleichg&#252;ltigkeit und Unsicherheit gegen&#252;ber Pers&#246;nlichkeitsrechten auf Seiten der B&#252;rger und Unternehmen will, ja kann f&#252;r den Staat jedoch nicht Selbstverst&#228;ndnis sein. Der Auftrag zur Sicherstellung einer &#246;ffentlichen Ordnung und Gefahrenabwehr ist wie die Wahrung der Menschenrechte ein <strong>Gew&#228;hrleistungsmerkmal</strong>, das durch permanente Wiederholung f&#252;r jede noch so kleine G&#228;ngelei als Rechtfertigung l&#228;ngst jede Achtung des m&#252;ndigen B&#252;rgers eingeb&#252;&#223;t hat. Wer vor dem Hintergrund der betroffenen Rechtsg&#252;ter mit Effektivit&#228;t, Fortschrittsorientierung und sonstigen Zw&#228;ngen ins Feld zieht, argumentiert schlicht wie auch zynisch.</p>
<p>Im Gefolge des <strong>11. September 2001</strong> hat sich das Konzept der Angst, der Verbreitung von Unsicherheit vor einer diffusen Bedrohung durch viele Regierungen, auch der Europ&#228;ischen Union, &#246;ffentlich etabliert. Grundrechtseinschr&#228;nkungen werden mit der Abwendung terroristischer Gewalt begr&#252;ndet. Das Perfide daran: die Exekutive kann die nur schwach ausgepr&#228;gte Sensibilisierung der Bev&#246;lkerung um den Stellenwert der informationellen Selbstbestimmung mittels „allgemeiner Sicherheitsma&#223;nahmen“ gegen die B&#252;rger selbst in Stellung bringen. Umso mehr h&#228;tte die gesamte Gesellschaft – B&#252;rger, Politik, Unternehmen, &#246;ffentliche Einrichtungen, Institutionen des Sozialwesens – die Aufgabe, eine neue <strong>Demut</strong> gegen&#252;ber der Einengung des N&#228;chsten, die seine Grundrechte beschr&#228;nkt, einzu&#252;ben. Ohne ein solches Bewusstsein bleibt eine <strong>Steigerung des Gemeinwohls durch die Digitalisierung</strong> aus. Es geht um den Respekt des Staates vor seinen B&#252;rgern, die eine Administration erst erm&#246;glichen.</p>
<p><strong>Vorratsdaten im europ&#228;ischen Kontext</strong></p>
<p>Die bislang erreichte Einschr&#228;nkung der Weitergabe gespeicherter Verbindungsdaten (nur bei Verdacht auf schwere Straftaten wie Mord, Raub oder Kinderpornographie durch Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof, nicht etwa durch Amtsrichter, m&#246;glich) ist daf&#252;r allein nicht ausreichend. Das regul&#228;re Kollektivieren von Kommunikationsverbindungen hat selbst schon den schalen Geschmack des vermuteten Missbrauchs der Daten. Die H&#252;rde zur Datenspeicherung muss hoch sein und fr&#252;h greifen k&#246;nnen.</p>
<p>Als Vorbild f&#252;r den respektvollen Umgang mit Datenschutzbelangen der B&#252;rger durch H&#246;stgerichte kann das junge EU-Mitglied <strong>Rum&#228;nien </strong>dienen. Hier wurde die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung als verfassungswidrig <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rumaenisches-Verfassungsgericht-Vorratsdatenspeicherung-verstoesst-gegen-Menschenrechte-870904.html">abgelehnt</a>, Artikel 28 der Verfassung <a href="http://www.cdep.ro/pls/dic/site.page?den=act2_2&amp;par1=2#t2c2s0a28">garantiert</a> die „Vertraulichkeit der Kommunikationsaktivit&#228;ten“. Ohne Wenn und Aber. Die Vorratsdatenspeicherung mache, so hei&#223;t es hier, die Ausnahme zur Regel und stelle einen exzessiven Eingriff in die Aus&#252;bung von Fernmelde- und Meinungsfreiheit dar. Es bed&#252;rfe einer Abw&#228;gung des Rechts des Einzelnen mit den Rechten der Allgemeinheit. Wenn der Schutz der Allgemeinheit jedoch das Wesen der Demokratie untergrabe oder gar zerst&#246;re, sei die Demokratie, die durch Recht verteidigt werden solle, <strong>ad absurdum</strong> gef&#252;hrt.</p>
<p>Rum&#228;nien, ein Land, das massiv unter offener geheimdienstlicher Sanktionierung gelitten hat und bis heute an den Folgen arbeitet, mag hier als besonders sensibilisiert f&#252;r den Umgang mit pers&#246;nlichen Daten gelten. Umso deutlicher legt das rum&#228;nische Verfassungsgericht den L&#246;sungsansatz f&#252;r den Umgang mit Freiheitsrechten in einem sich zunehmend digitalisierenden Europa vor: <strong>Kompromisslosigkeit</strong> in der Gew&#228;hrleistung, <strong>Verbesserung</strong> gegen&#252;ber der Vergangenheit.</p>
<p><strong>Rechtliche Perspektiven</strong></p>
<p>&#220;bertragen auf die „gefestigten“ Demokratien Westeuropas bedeutet dies, die Schutzmechanismen gegen den drohenden Missbrauch weiter auszubauen, anstatt die normative Kraft des Faktischen im Prozess der Digitalisierung f&#252;r die Abschmelzung des Datenschutzes zu missbrauchen.</p>
<p>Eine R&#252;cknahme der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung von 2006 durch den<strong> Europ&#228;ischen Gerichtshof </strong>in Luxemburg auf Basis der Europ&#228;ischen Menschenrechtskonvention kann den notwendigen Impuls f&#252;r einheitliche Schutzregeln in der gesamten Europ&#228;ischen Union setzen und Rechtssicherheiten in bislang unentschlossenen EU-Mitgliedern (etwa &#214;sterreich) gew&#228;hren.</p>
<p>Gegen diesen Weg spricht aktuell die Ratifizierung des <a href="http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/PolitikGesellschaft/EuropaInternationales/Stockholmer_Programm/sp_node.html">Stockholmer Programms</a> als Mehrjahresprogramm f&#252;r die Bereiche Justiz und Inneres durch den <strong>EU-Rat</strong> im vergangenen Jahr. Vorbild f&#252;r das „Stockholmer Programm“ sind die Aufgabenbereiche und Durchf&#252;hrungsverfahren des <strong>Heimatschutzministeriums der USA</strong>, als solches Ausdruck eines albtraumgetriebenen Misstrauens gegen&#252;ber einer zivilisierten Welt und unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger Schikanierung bis grober Verletzung von Grundrechten der eigenen und in die USA einreisenden B&#252;rger.</p>
<p>Der Kommentar des amtierenden deutschen Innenministers Thomas de Maizière, das Dokument trage <strong>„Sch&#228;ubles Handschrift“</strong> und nicht die eigene, beruhigt nicht. Im Gegenteil: das „Stockholmer Programm“ ist in Teilen das Werk abgew&#228;hlter Volksvertreter und sollte, dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskontinuit%C3%A4tsprinzip">Diskontinuit&#228;tsprinzip</a> folgend, zumindest an die aktuellen Entscheidungen von H&#246;chstgerichten der EU-Mitglieder angepasst werden.</p>
<p>Der liberalen Regierungsfraktion ist die Aufnahme des Schutzes der B&#252;rgerrechte nur auf Deutschland bezogen die Ehre wert. R&#252;ckblickend auf die Bundespolitik der letzten zehn Jahre bleibt die Skepsis um die rechtstaatliche Gew&#228;hrleistung – Freiheitsrechte im Sinne des Grundgesetzes k&#246;nnen nur so bedingungslos umgesetzt werden, wie sie von den Gr&#252;ndern der Bundesrepublik vorgesehen sind.</p>
<p>Nur &#252;ber die Aufnahme des Internet als soziotechnisches Kommunikationssystem in den Schutzbereich von Art. 5 des Grundgesetzes und den Optionen der modernen Fern- und Nahkommunikation (Kurznachrichten, Mailboxsysteme, etc.) in Art. 10 l&#228;sst sich ein langfristiges Bewusstsein f&#252;r einen modernen Schutz der altehrw&#252;rdigen Grundrechte schaffen. Datensammler wie auch kl&#228;ffende Wachhunde d&#252;rfen nur zu den Orten gelassen werden, an denen sie unbedingt und unersetzbar notwendig sind. Macht braucht Grenzen und ausgewogene Kontrolle.
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		<title>Erfolg f&#252;r Piraten und Petition: Internetsperren ausgebremst</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Oct 2009 22:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Durch Aussetzung hat die FDP die Internetsperren f&#252;r diese Legislaturperiode praktisch ausgebremst. Es ist nicht nur ihr Erfolg, sondern vor allem der von 850.000 Piratenpartei-W&#228;hlern und 134.000 Petitionsunterzeichnern. Beachtlich ist aber auch, wozu offenbar nichts im Koalitionsvertragsvertrag stehen wird: Was macht Schwarz-Gelb in Sachen Urheberrecht/Internet?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e7291655570a4fe5bb70f14383899002" width="1" height="1" alt=""/>Die ersten Meldungen zum <span>Kompromiss</span> bei den Koalitionsverhandlungen in Sachen Internetsperren waren mehrdeutig. Die Deutsche Presseagentur (<span><span>dpa</span></span>) <a href="http://www.zeit.de/newsticker/2009/10/15/iptc-bdt-20091013-596-22702248xml">meldete</a>, &#8220;dass das Bundeskriminalamt (BKA) zun&#228;chst versuchen soll, die auff&#228;lligen Seiten zu l&#246;schen statt zu sperren.&#8221; Nach einem Jahr solle die Situation neu bewertet werden.</p>
<p>Das Bundeskriminalamt &#8220;<strong>soll</strong> <strong>zun&#228;chst versuchen</strong>&#8220;? Das klingt fast schon <span><span>obz&#246;n</span></span> vage:</p>
<ul>
<li>Was geschieht, wenn die <span><span>L&#246;schversuche</span></span> scheitern – innerhalb und nach der Jahresfrist?</li>
<li>Wird innerhalb der Jahresfrist nach vergeblichen <span><span>L&#246;schversuchen</span></span> trotzdem gesperrt?</li>
</ul>
<p>Markus <span><span>Beckedahl</span></span> ist <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/schwarz-gelb-einig-bei-innenpolitik/">wenig beeindruckt</a>: &#8220;Das klingt eher wie eine Aufschiebung.&#8221; <span><span>Blogger Lemabu</span></span> fragt <a href="http://lemabu.blogspot.com/2009/10/internetsperren-gestoppt-oder.html">skeptisch</a>, ob sich das BKA innerhalb der Frist &#8220;tats&#228;chlich um erfolgreiche <span><span>L&#246;schungen</span></span> bem&#252;hen&#8221; werde?</p>
<p>Die Einigung in der <span><span>Koalitionsrunde</span></span> ist tats&#228;chlich etwas eindeutiger, als es die <span><span>dpa</span></span>-Meldung zun&#228;chst nahe legt. Wie sich bei der Konkurrenzagentur AFP <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/schwarz-gelbe-koalition-union-und-fdp-einigen-sich-bei-online-durchsuchungen-und-internetsperren_aid_445226.html">nachlesen</a> l&#228;sst, haben sich Union und FDP auf eine vollst&#228;ndige Aussetzung der Internetsperren f&#252;r ein Jahr geeinigt. Innerhalb dieser Frist werde nur gel&#246;scht nicht gesperrt.</p>
<p>Die eigentlich <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E6BB16B716BD04B4DAAED42F118B8A949~ATpl~Ecommon~Scontent.html">ab Samstag geplanten </a>Internetsperren wird es damit vorerst nicht geben<span>. Spiegel Online <span>titelt</span> opulent:</span><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,655464,00.html"> FDP stoppt Internetsperren</a>.</p>
<p><span>Ist die Interpretation eines &#8220;<span>Stopps</span>&#8221; </span>der Sperren durch die FDP gerechtfertigt? Oder gilt es nicht im Gegenzug  zu betonen, dass sich die Union mit der Aussetzung nur Zeit erkauft hat – um die Sperren sp&#228;ter doch noch einzuf&#252;hren?</p>
<p>Aus der<span> inneren Logik von <span>Koalitionsger&#252;sten</span> </span>ist dies tats&#228;chlich ein Erfolg f&#252;r die FDP. Die Partei hat eine Aussetzung der Sperren bewirkt, die nur mit ihrer Zustimmung zur&#252;ckgenommen werden kann. &#220;ber die Zukunft der Sperren und den Erfolg der <span><span>L&#246;schungbestrebungen</span></span> entscheidet nicht das BKA, sondern die Koalition. Ohne Zustimmung der FDP kann es somit in dieser Legislaturperiode keine Internetsperren geben. Solange sind logischweise auch die <a href="http://twitter.com/tauss/status/4896255473">Providervertr&#228;ge</a> hinf&#228;llig.</p>
<p><strong>Die FDP hat sich folglich eine Veto-Option f&#252;r die Einf&#252;hrung der Internetsperren gesichert</strong>, w&#228;hrend die Union akzeptieren musste, dass es offenbar vorerst eine gangbare Alternative zu<span> den angeblich unverzichtbaren <span>Sperrinfrastrukturen</span> gibt. &#8220;<strong>Pl&#246;tzlich geht es ohne</strong>&#8220;, </span><a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2009/10/15/internetsperren-plotzlich-geht-es-ohne/">freut sich</a> Udo Vetter. Aus der Dynamik der Abl&#228;ufe folgt zus&#228;tzlich: Was einmal ausgesetzt ist, ist von derselben Regierung so schnell nicht wieder in Gang zu bekommen.</p>
<p>Die FDP ist augenscheinlich sehr zufrieden mit diesem Verhandlungsergebnis. Die Rechtspolitik bietet der Partei eine dringend ben&#246;tigte Verbreiterung des Profils, um auch zuk&#252;nftig ann&#228;hernd hohe Wahlergebnisse wie zuletzt erzielen zu k&#246;nnen. Ganz bewu&#223;t hatte sie daher vor der Wahl auch eine<span> <span>R&#252;cknahme</span> </span>der Sperren <a href="http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/759484/Die-FDP-wird-Internetsperren-zuruecknehmen.html">versprochen</a>.</p>
<p>F&#252;r die Union hat das Gesetzesvorhaben seine<span> <span>Schuldigkeit </span></span>als <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,654424,00.html">Wahlkampfinstrument</a><span> bereits getan. Sie <span>wei&#223;</span> um die handwerklichen M&#228;ngel des hastig eingebrachten Zugangserschwerungs-Gesetzes – wahrscheinlich w&#228;re es ohnehin irgendwann vom</span><span> <span>Verfassungsgericht</span> kassiert worden, da </span>der Bund hier &#252;berhaupt nicht zust&#228;ndig ist.</p>
<p>Politisch ist dies aber nicht so sehr ein Erfolg der FDP als<span> vielmehr </span>der 850.000 Menschen, die bei der letzten Bundestagswahl Piratenpartei gew&#228;hlt haben und der &#252;ber 134.000 Unterzeichner der Petition gegen die Internetsperren. Es ist der Erfolg der politischen Bewegung der letzten Monate, dieses Thema ins Zentrum der &#246;ffentlichen Aufmerksamkeit ger&#252;ckt haben.</p>
<p>Internetpolitik ist nicht mehr ein Feld, dass einige Zehntausend bewegt – sondern sehr, sehr viel mehr. Das haben FDP und Union begriffen. Auch zur <strong>Eind&#228;mmung der Piratenpartei von oben haben</strong> sie heute beschlossen, das Thema Internetsperren aus der<span> <span>Konfrontationslinie</span> </span>zu nehmen.</p>
<p><span>Wichtig an <span>Koalitionsvertr&#228;gen</span> </span>ist &#252;brigens nicht nur, was dort drin steht – sondern auch, was dort nicht zu finden ist. So wie es aussieht, wird dort nichts Konkretes zum Thema Urheberrecht und Internet fixiert sein. Dabei stand die <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-CSU-Wahlprogramm-Internetsperren-nach-Urheberrechtsverstoessen-185204.html"><span>Forderung nach <span>Olivenne</span>-Sperren</span></a> in einer fr&#252;hen Version des CDU-Wahlkampfprogramms  und<span> Innenminister Wolfgang <span>Sch&#228;uble</span> </span><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,654424,00.html">betonte</a> erst vor wenigen Tagen: &#8220;Kultur wie Marktwirtschaft gehen nicht ohne den Schutz geistigen Eigentums&#8221;.</p>
<p>An diesem Punkt werden sich<span> Wolfgang <span>Sch&#228;uble</span> </span>und<span> Guido <span>Westerwelle</span> sehr schnell einig s</span>ein. Die ganz knifflige  und auch konkret viel bedeutendere Frage f&#252;r<span> die n&#228;chsten vier <span>Koalitionsjahre</span> </span>wird daher lautet: <strong>Was macht Schwarz-Gelb in Sachen Urheberrecht/Internet?</strong></p>
<p>Dazu wird  aus gutem Grund wohl nichts<span> Konkretetes im <span>Koalitionsvertrag</span> zu finden sein.</span></p>
<p>Die Aussetzung der Internetsperren ist gegen solch ein zentrales Thema fast schon h&#252;bsche Symbolpolitik.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/vyapiXSA3Ag&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/vyapiXSA3Ag&amp;hl=de&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=16328&amp;md5=141d9c8edfb3ec0b4b7e40169e3a161b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was wird aus der digitalen Bewegung?</title>
		<link>http://carta.info/16261/was-wird-aus-der-digitalen-bewegung/</link>
		<comments>http://carta.info/16261/was-wird-aus-der-digitalen-bewegung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2009 11:56:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[digitale Bewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die digitale Bewegung wurde in Deutschland zwei Mal geboren. Im Abstand von exakt 20 Jahren. Ihre beiden Grundthemen sind Informationsfreiheit und Datenschutz. Ihre Vork&#228;mpfer hei&#223;en Hacker und Piraten. Nun, nach den Wahlen, steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7d38bf8ac9824816a3e12811a53a5b1e" width="1" height="1" alt=""/>Die digitale Bewegung entstand &#8211; genau genommen &#8211; am 12. September 1981 mit der Gr&#252;ndung des <a href="http://www.ccc.de/faq/ccc?language=de">Chaos Computer Clubs</a> am Tisch der Kommune I in den Redaktionsr&#228;umen der taz. Die „Informationsgesellschaft“ (damals ein hei&#223; diskutiertes Thema) erfordere, so hie&#223; es, <strong>„ein neues Menschenrecht auf weltweite, ungehinderte Kommunikation“.</strong> Vor allem die geheim gehaltene Information, das Herrschaftswissen, sollte aus den H&#228;nden der hermetisch abgeriegelten Institutionen befreit und allgemein zug&#228;nglich gemacht werden. Deshalb hackten die Vork&#228;mpfer der Bewegung mit Vorliebe milit&#228;rische Organisationen, Geheimdienste, Banken, Konzerne und Forschungszentren.</p>
<p>Die digitale Bewegung (man kann sie auch Bewegung f&#252;r digitale B&#252;rgerrechte nennen) entstand dann ein zweites Mal nach dem 11. September 2001 <em>und durch</em> den 11. September 2001. Die &#220;berwachungspolitik im Zuge des „War on Terror“, die Durchsuchungsm&#246;glichkeit von Computern, die Einschr&#228;nkungen b&#252;rgerlicher Freiheitsrechte bef&#246;rderten eine kritische Sicht auf die M&#246;glichkeiten und Gefahren der digitalen Informationsbeschaffung und -verarbeitung. Scannen, Kopieren, Up- und Downloaden bekamen einen anderen Beigeschmack. Es wurden wichtige Informations- und Austausch-Plattformen gegr&#252;ndet &#8211; wie <a href="http://netzpolitik.org/about-this-blog/">netzpolitik.org</a> oder der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitskreis_Vorratsdatenspeicherung#Gr.C3.BCndung">Arbeitskreis</a> Vorratsdatenspeicherung; es gab erstmals E-Petitionen und Demonstrationen unter dem Motto „Freiheit statt Angst“. Die Aufnahme, Speicherung und Auswertung gesellschaftlicher Aktivit&#228;ten durch staatliche oder kommerzielle Stellen erzeugte eine breite B&#252;rgerrechts<em>verteidigungs</em>bewegung. Aus dem Nischenthema Datenschutz wurde <strong>ein neues</strong> <strong>Menschenrecht auf sicheren Schutz der Privatsph&#228;re</strong>.</p>
<div id="attachment_16263" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/opyh/3644231220/"><img class="size-medium wp-image-16263 " title="&quot;Don't worry! We're from the Internets&quot;" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/digitalebewegung-300x199.jpg" alt="digitalebewegung" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Die digitale Bewegung, hier anl&#228;sslich der Demonstration &quot;L&#246;schen statt sperren&quot; in Berlin. Foto: @opyh (cc-by)</p></div>
<p>Diese beiden Grundlinien der Bewegung, die fortschrittliche (herrschaftskritische) der Hacker, und die bewahrende (b&#252;rgerfreundliche) der Piraten, pr&#228;gen heute die digitale Bewegung. Und so verwundert es nicht, dass <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~ECDFFB52576C1433783CB47AB44B8426F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Au&#223;enstehende</a> oft <a href="http://www.misik.at/sonstige/schirrmachers-loblied-auf-den-nerd.php">r&#228;tseln</a>, welche politische Richtung die Bewegung befeuert und steuert: die b&#252;rgerliche oder die linke?</p>
<p>Nat&#252;rlich beide! Manchmal &#252;berwiegt der Schutz der Privatsph&#228;re (wie derzeit), dann wieder das Recht auf ungehinderte Kommunikation. Entsprechend wechselt die Farbgebung.</p>
<p>Deshalb ist die Forderung mancher Gr&#252;ner und Linker, die Piratenpartei m&#252;sse nun endlich eindeutig Flagge zeigen, eine zwar verst&#228;ndliche, aber auch riskante Angelegenheit. Denn das beschleunigt die Ausdifferenzierung der Bewegung (die ohnehin irgendwann stattfinden wird &#8211; daf&#252;r sorgen schon die zunehmenden <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/2x-freiheit-statt-angst-im-september-in-berlin/">Rangeleien</a> unter den Aktivisten).</p>
<p>Die Bundestagswahl hat das Problem jetzt weiter versch&#228;rft: Fast eine Million B&#252;rger haben der Piratenpartei ihre Stimme gegeben. Die Piraten wurden auf Anhieb zur st&#228;rksten (noch) nicht im Bundestag vertretenen Partei. Dieser Erfolg m&#252;sste die digitale Bewegung eigentlich befl&#252;geln. Er k&#246;nnte sie aber auch kanalisieren, l&#228;hmen, zersplittern und schlie&#223;lich dezimieren.</p>
<p>Und so steht die Frage im Raum: <strong>Soll sich die digitale Bewegung</strong> (angesichts der Niederlagen bei Netzsperren, E-Petition etc.) <strong>auf diese eine Partei fixieren</strong> (die &#252;ber kurz oder lang von der Sitzordnung des Bundestages vereinnahmt werden wird)? <strong>Oder soll die Bewegung Bewegung bleiben?</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://carta.info/kaffeekasse/"><img class="aligncenter" title="Unser Beitrag zur zur Paid-Content-Debatte" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/08/kaffeekasse0.gif" alt="" width="476" height="68" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=16261&amp;md5=4b71b050f1f5bc110532a764a8845841" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Kampagne als &#8220;Augmented Reality Game&#8221;: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei</title>
		<link>http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 17:43:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei hat bei dieser Bundestagswahl den einzig echten Mitmachwahlkampf gef&#252;hrt. Dabei tr&#228;gt die "Mission Bundestagswahl" die Z&#252;ge eines Rollenspiels, das sich in eine Folge von "Quests" zerlegen l&#228;&#223;t: Gel&#246;st wurden bisher die Aufgaben Europawahl, Zulassung zur Bundestagswahl, &#220;bernahme der Mehrheiten in den Sozialen Netzwerken. Und nun steht das vorerst letzte Level mit dem Endgegner Wahlurne an.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b4c254e0e259481ea171df57dccfae50" width="1" height="1" alt=""/>Am Sonntag um 18 Uhr beendet die Schlie&#223;ung der Wahllokale auch die „3-Tage-Wach-Aktionen“ der finalen Mobilisierungsrunde im angeblich so langweiligen Bundestagswahlkampf 2009. Die nach 1998, 2002 und 2005 nunmehr vierte digitale Kampagne um den Einzug in den Deutschen Bundestag hat vermutlich den gr&#246;&#223;ten Gegenwind durch Vertreter der „etablierten Massenmedien“ aushalten m&#252;ssen – <strong>die Kritik an der Belang- und Bedeutungslosigkeit des Online-Wahlkampfs lief in Print, H&#246;rfunk und TV auf „heavy rotation“</strong>. An einigen Stellen zeigte sich aber, dass man durch geschicktes Man&#246;vrieren auch auf st&#252;rmischer See erfolgreich navigieren kann. Die H&#228;ufung von <strong>Seefahrtsmetaphern</strong> deutet an, worum es geht: den „anderen“ Online-Wahlkampf der Piratenpartei.</p>
<div id="attachment_15460" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-medium wp-image-15460" title="piratenaufmacher2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/piratenaufmacher2-300x196.jpg" alt="piratenaufmacher2" width="300" height="196" /><p class="wp-caption-text">Die Piraten schreiben mit ihrer Online-Pr&#228;senz lediglich die „Normalit&#228;t“ des digitalen Alltages ihrer Mitglieder und Unterst&#252;tzer fort</p></div>
<p>Schon vor der Sommerpause fiel die <strong>Textlastigkeit und scheinbare „R&#252;ckst&#228;ndigkeit“ der Piratenwebsites ins Auge</strong> – ganz anders als die bereits im Fr&#252;hjahr multimedial aufger&#252;steten Hochglanz-Plattformen der Bundestagsparteien pflegt die Piratenpartei ein Erscheinungsbild, das eher an die Auftritte in den fr&#252;hen Online-Jahrg&#228;ngen 1998 und 2002 erinnert. Dieser „Return-to-HTML“ ist keineswegs als genialer Coup der Enthaltsamkeit zu verstehen und hat auch nur wenig mit fehlenden Ressourcen zu tun. Eher das Gegenteil ist der Fall – die Piraten schreiben mit ihrer Online-Pr&#228;senz lediglich die „Normalit&#228;t“ des digitalen Alltages ihrer Mitglieder und Unterst&#252;tzer fort: Blogs sind nun mal vornehmlich textorientierte Gebilde, ebenso wie Wikis oder die 140 Zeichen bei Twitter. Plakative, audiovisuelle Elemente finden sich nat&#252;rlich auch im Piratenwahlkampf, aber eben nicht an so vorderer Front wie bei den „alten“ Parteien. Deren inzwischen arbeitsteilig die Aufgaben des Online-Wahlkampfes &#252;bernehmende Partei-Homepages, Kampagnen-, Kandidaten- und Unterst&#252;tzerseiten setzen viel st&#228;rker auf die Mechanismen aus der alten Medienwelt und imitieren zu Hauf journalistische Formate – m&#246;glicherweise hat gerade hier die Missgunst der professionellen Wahlkampf-Beobachter ihren Ursprung.</p>
<p><strong>Die Pr&#228;senz von Parteien und Kandidaten in den Sozialen Netzwerken ist sicherlich die wesentliche Innovation der Kampagnen-Klasse von 2009</strong>. Doch inwiefern sich hierdurch die Wahlkampff&#252;hrung erneuern und Erfolge haben realisieren lassen, wird sich erst weit nach dem Wahltermin zeigen. Die Erfahrungen in den Netzwerken haben sich nicht zur erhofften Erfolgsgeschichte entwickelt – wenn man die Reichweite der Profilseiten als Ma&#223;einheit verwendet. Dass sich nur schleppend Freunde oder Unterst&#252;tzer f&#252;r deutsche Spitzenpolitiker gefunden haben, d&#252;rfte vor allem mit der Rolle der m&#228;chtigen Parteiorganisation „hinter“ den pers&#246;nlichen Profilen zu tun haben. Die W&#228;hler wissen zu genau, dass ihre unmittelbare Unterst&#252;tzung f&#252;r einen Kandidaten durch den „Partei-Filter“ abged&#228;mpft wird – die Struktur des parlamentarischen Systems beg&#252;nstigt die Netzwerk-Werbung von Einzelkandidaten nicht. Dies gilt im besonderen f&#252;r einen solch un&#252;bersichtlichen Wahlkampf wie in diesem Jahr, dessen Endresultat erst nach einer Art „Koalitions-Lotterie“ (Karl-Rudolf Korte) feststehen wird.</p>
<p>Doch zur&#252;ck zum Piratenwahlkampf. Die technologische Einfachheit der Plattformen unter schwarzer Flagge mag durch die knappe Zeit zwischen #zensursula-Debatte und der damit verbundenen netzpolitischen Z&#228;sur bis zum formellen Einstieg in den Bundestagswahlkampf nach der Wahlzulassung am 31. Juli resultieren – dass sie sehr funktional f&#252;r einen beteiligungsorientierten Wahlkampf mit niedrigen Einstiegsh&#252;rden ist, kann inzwischen als unbestreitbar gelten. M&#246;glicherweise hat die in den etablierten Parteien allein schon f&#252;r eine interne Sichtbarkeit der Online-Kampagne zwingend erforderliche Vergr&#246;&#223;erung der Internet-Teams potenzielle Untest&#252;tzer „von au&#223;en“ eher abgeschreckt als zum Mitmachen angeregt. Auch der zwischen den Lagern gerne gepflegte Seitenhieb auf die neuesten Aktivit&#228;ten des Gegners muss f&#252;r „einfache W&#228;hler“ nicht unbedingt mitrei&#223;end wirken – bisweilen verselbstst&#228;ndigte sich so die Berliner Kampagnen-Blase.</p>
<p>Der umstandslose Zugriff auf Informationsmaterialien und ein reduziertes inhaltliches Angebot bei gleichzeitiger permanenter Mitgestaltungsm&#246;glichkeit im <strong>Piraten-Wiki stellt einen kontr&#228;ren Ansatz dar – vielleicht den einzig „echten“ Mitmach-Wahlkampf im Web 2.0</strong>. Eine wichtige Rolle spielt hier auch die Abwesenheit von Partei-Eliten – trotz der formalen Differenzierung innerhalb der Piraten-Organisation ist noch keine Kluft zwischen Landes- oder Bundesvorstand und der „einfachen Mitgliedschaft“ zu erkennen. Auch f&#252;r externe Unterst&#252;tzer und Sympathisanten ist es einfach, sich an der Arbeit der Piraten zu beteiligen – doch das muss nicht so bleiben, wenn die Piratenpartei erst einmal einen „richtigen“ Parteiapparat ausgebildet hat. <strong>Und den wird sie durchaus brauchen, wenn sie auch k&#252;nftig eine Rolle im Parteienwettbewerb spielen m&#246;chte.</strong></p>
<p>Dabei ist „Spielen“ das zweite Schl&#252;sselelement f&#252;r den Erfolg der Piraten-Kampagne – denn die kollektive Anstrengung der „Nerds“ in schwarz-orange tr&#228;gt Z&#252;ge eines Rollenspiels. <strong>Die „Mission Bundestagswahl“ l&#228;sst sich in eine Folge einzelner „Quests“ zerlegen, an denen die &#252;ber das ganze Bundesgebiet verteilten Mitspieler relativ koordiniert arbeiten</strong>. Gel&#246;st wurden bisher die Aufgaben „Europawahl“, „Zulassung zur Bundestagswahl“, &#8220;&#220;bernahme der Mehrheiten in den Sozialen Netzwerken“, das Extra-Level „Gewinnung von &#246;ffentlicher Aufmerksamkeit“ wurde etwas holprig erreicht, vielleicht auch unter Zuhilfenahme von „Cheats“. Und nun steht das vorerst letzte Level mit dem Endgegner „Wahlurne“ an.</p>
<p>Und auch wenn das nach maximaler Unwahrscheinlichkeit klingt – an dieser Stelle gibt es sogar &#196;hnlichkeiten des Piraten-Wahlkampfs mit einem amerikanischen Vorbild, dem doch vor allem die Bundestagsparteien nacheifern wollten. In einem wenig beachteten Text hat Gene Koo die Performance von <strong>my.barackobama.com als „Augmented Reality Game“</strong> beschrieben. Auch hier finden sich klar definierte Teilaufgaben, die Unterst&#252;tzer erledigen m&#252;ssen, um zum Gelingen der Kampagne beizutragen – Telefonieren, Nachbarn &#252;berreden, Veranstaltungen vorbereiten, Geld spenden. Auch wenn das Setting des Spiels mangelhaft war („minimal graphics, no sound effects, and deeply flawed gameplay“), so ist der Gedanke erkennbar – eine m&#246;glichst gro&#223;e Gruppe von Menschen versucht sich an der L&#246;sung verschiedener kampagnenbezogener „Quests“, um die zentrale Spielfigur „Barack Obama“ durch das Szenario zu leiten. Der Ausgang des „Spiels“ ist bekannt.</p>
<p><strong>In puncto Nutzerf&#252;hrung war Obama den Piraten allerdings noch um einiges voraus</strong> – mittels eines Punktesystems wurden die Wahlhelfer f&#252;r ihre Aktivit&#228;ten belohnt und konnten sich so innerhalb des Schwarms der Kampagnen-Mitarbeiter verorten. Einerseits l&#246;ste diese Form des kompetetiven Wahlhelfens enorme Motivationssch&#252;be aus, sorgte aber auch f&#252;r gro&#223;e Frustration – wenn die eigene Kampagnenarbeit nicht im Sinne des Systems „abgerechnet“ werden konnte oder andere Unterst&#252;tzer gezielt auf Punktejagd gingen. Selbst wenn die Kampagne der Piratenpartei am Sonntag bei einer mageren Prozentausbeute endet – die Impulse f&#252;r die Wahlkampf-Kommunikation und die Organisation des innerparteilichen Austauschs sind erheblich und werden k&#252;nftig mit Sicherheit auch von den etablierten Parteien aufgegriffen werden.
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<a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/">Kampagne als &#8220;Augmented Reality Game&#8221;: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/#comments">17 comments</a>
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		<title>Digital Turn bei der F.A.Z.: Schirrmacher adelt Piraten als intellektuelle Nerds</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Sep 2009 17:18:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Schlussprovokation im Bundestagswahlkampf: Frank Schirrmacher erkl&#228;rt Nerds zur "gr&#246;&#223;ten Macht der modernen Gesellschaft". Die Fragen dieser "digitalen Intelligenz" seien "legitim und &#252;berf&#228;llig". Piratenpartei-Chef Jens Seipenbusch sei "ein Intellektueller von Format". ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c8a859529fc3e65c6de70477b20aae" width="1" height="1" alt=""/>Augenscheinlich grandios gelangweilt vom Wahlkampf der sonst von der F.A.Z. protegierten Parteien, <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~ECDFFB52576C1433783CB47AB44B8426F~ATpl~Ecommon~Scontent.html">umarmt</a> Frank Schirrmacher nun mit fast schon aufgesetzt wirkender Emphase die Piratenpartei und ihr Umfeld. Sein diskursiver Trick: Zum gro&#223;en feuilletonistischen Ritterschlag der Bewegung konstruiert Schirrmacher hinter der Partei ein noch viel gr&#246;&#223;eres und wichtigeres Ph&#228;nomen: den <strong>Nerd</strong>, den Vertreter der digital-technischen Intelligenz. (Siehe hierzu auch den vor Wochen erschienen <a href="http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/">Text von Wolfgang Michal</a>).</p>
<p>Der Nerd ist f&#252;r Schirrmacher nicht nur der technische Intellektuelle, er stilisiert ihn gleich zu einem <strong>neuen Achetyp unseres Gesellschaftszusammenhangs</strong>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wenn wir der modernen Welt ein Gesicht geben wollen, reden wir von Wall-Street-Haien und Managern, aber wir sollten anfangen, &#252;ber Nerds zu reden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nerds seien eigentlich &#8220;die gr&#246;&#223;te Macht der modernen Gesellschaft&#8221;, &#252;berrumpelt Schirrmacher seinem Publikum. Die Anliegen der Nerds, ihr Streit f&#252;r die Grundrechte im Internet, seien &#8220;wichtig und notwendig&#8221;:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Fragen, die die digitale Intelligenz stellt, sind legitim und &#252;berf&#228;llig. Dazu z&#228;hlt auch das Netzsperrengesetz.&#8221;</p></blockquote>
<p>Man sieht einen fast schon tobenden Frank Schirrmacher vor sich, kurz davor die Geisteswissenschafts- und Gentechnik-Fraktionen aus seiner Redaktion zu werfen, damit endlich die neue digitale Intelligenz sein Feuilleton f&#252;llen kann:</p>
<blockquote><p>&#8220;Sie, die die Systeme kennen, m&#252;ssen, wie seinerzeit die Renegaten der Atomspaltung, in politische Sprache &#252;bersetzen, was technisch m&#246;glich ist, was es aus uns macht und wie wir uns dagegen wehren k&#246;nnen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Indem Schirrmacher den Nerd bejubelt, kann er die Bewegung hinter der Piratenpartei f&#252;r hochrelevant erkl&#228;ren, die Partei selbst aber vorerst aussparen (&#8220;&#252;ber die &#8216;Piraten&#8217; l&#228;sst sich Endg&#252;ltiges noch nicht sagen&#8221;). Auff&#228;llig deutlich lobt er den Piraten-Vorsitzenden: Jens Seipenbusch sei &#8220;ein Intellektueller von Format&#8221;, der sich gerade vom Nerd &#8220;in ein politisches Tier&#8221; verwandle. (<a href="http://carta.info/14945/piratenpartei-jens-seipenbusch-interview/">Carta-Interview mit Jens Seipenbusch aus der vergangenen Woche hier</a>).</p>
<p>Die Schirrmacher-Intervention kommt dabei ohne erkennbares Spiel mit Historienmenetekeln aus  (anders als sein Text zum Ackermann-Essen &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648339-2,00.html">Ich war dabei</a>&#8220;). Dabei h&#228;tte das Thema Piratenpartei Anlass  genug geboten: Totenkopfsymbol? Schwarz? Liegt doch wirklich nahe.</p>
<p>Ganz ohne strategisch halbverst&#228;ndliche S&#228;tze bleibt aber auch dieser Schirrmacher-Text nicht. So schreibt er etwa: &#8220;Moderne Informationstechnologien sind dezentral, aber ihrem Wesen nach b&#252;rokratisch.&#8221; Schirrmacher spielt hier die Unsch&#228;rfe des Wortes &#8216;b&#252;rokatisch&#8217; doch wohl mit einiger Lust aus.</p>
<p>In der Essenz seines Textes fordert Schirrmacher von seinem Feuilleton nichts weniger als einen &#8220;Digital Turn&#8221;: <strong>Mit der Struktur des digitalen Netzes w&#252;rden die existenziellen Fragen nach der Beschaffenheit des &#8220;Gro&#223;hirns moderner Gesellschaften&#8221; und nach den M&#246;glichkeiten von Freiheit neu gestellt. </strong>Man m&#252;sse daher mit  den Nerds dringend ins Gespr&#228;ch kommen.</p>
<p>Die Erkenntnis von der gesellschaftlichen Schl&#252;sselfunktion digitaler Netzstrukturen &#8212; und die Bereitschaft dar&#252;ber auch eigene Standpunkte infrage zu stellen &#8212; ist bei Frank Schirrmacher jedoch sehr langsam gereift. Bekanntlich erweckte er noch vor zwei Jahren den Eindruck, das Internet <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,514107,00.html">sei &#8220;an allem schuld&#8221;</a>. Und auch in die Debatte um Internetsperren mischt er sich erst jetzt ein, zwei Monate nach Verabschiedung des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zugangserschwerungsgesetz">Gesetzes</a>.
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<a href="http://carta.info/15074/frank-schirrmacher-piratenpartei-jens-seipenbusch/">Digital Turn bei der F.A.Z.: Schirrmacher adelt Piraten als intellektuelle Nerds</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/15074/frank-schirrmacher-piratenpartei-jens-seipenbusch/#comments">15 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15074&amp;md5=dfe047c8753f1f2a5d2d0066415a0f73" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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