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	<title>CARTA &#187; Piratenpartei</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 May 2012 10:09:46 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Zankapfel Urheberrecht: Der ungel&#246;ste Grundwiderspruch der Piraten</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 09:55:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Piraten wollen das Urheberpers&#246;nlichkeitsrecht in vollem Umfang erhalten. Sagen sie. Andererseits wollen sie das freie nicht-kommerzielle Kopieren erlauben und f&#246;rdern. Wie diese kontr&#228;ren Positionen unter einen Hut zu bringen sind, wissen die Piraten allerdings noch nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das offizielle <a href="http://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2012/02/Grundsatzprogramm-Piratenpartei.pdf">Grundsatzprogramm</a> der Piraten &#228;u&#223;ert sich zum Thema Urheberrecht in erstaunlicher Schlichtheit. Im Kern reduzieren sich die Forderungen auf zwei konkrete Punkte: Erstens soll nicht-kommerzielles Kopieren in Zukunft generell erlaubt und gef&#246;rdert werden. Und zweitens soll die Geltungsdauer des Urheberrechts (das erst „70 Jahre nach dem Tod des Urhebers“ erlischt) deutlich verk&#252;rzt werden.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus versprechen die Piraten, die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen und einen „fairen Ausgleich“ zwischen Nutzern und Urhebern anzustreben. Doch viele Urheber sind misstrauisch, weil sich die beiden Hauptforderungen der Piraten widersprechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Forderung Nr.1: Nicht-kommerzielles Kopieren soll generell erlaubt werden</em></strong></p>
<p>Dieser Programmpunkt ist den Piraten der wichtigste. Er beginnt mit einigen S&#228;tzen zur technisch bedingten Umw&#228;lzung unserer Gesellschaft, um das „freie Kopieren“ quasi als neues Naturrecht zu etablieren:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verf&#252;gbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare N&#228;he ger&#252;ckt. Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielf&#228;ltige Lebensbereiche und f&#252;hrt zu tief greifenden Ver&#228;nderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor m&#246;glichen Gefahren zu warnen. Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschr&#228;nken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verst&#228;ndnis von so genanntem “geistigem Eigentum” basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.“</em></p></blockquote>
<p>Das alte Verst&#228;ndnis vom „geistigen Eigentum“ bzw. von der „eindeutigen Verf&#252;gungsgewalt der Urheber &#252;ber ihre sch&#246;pferischen Leistungen“ wird vom Grundsatzprogramm der Piraten abgelehnt. Das jetzige „Monopolrecht“ der Urheber, mit ihrer Arbeitsleistung nach Belieben verfahren zu k&#246;nnen, wird bestritten. Die Piraten wollen, dass sch&#246;pferische Leistungen allen Menschen geh&#246;ren, weil sie a) auf den schon erbrachten sch&#246;pferischen Leistungen anderer aufbauen, und b) durch ihre leichte Kopierbarkeit die Entwicklungschancen aller Menschen vergr&#246;&#223;ern.</p>
<p>Der sch&#246;pferische Prozess soll also vergesellschaftet werden &#8211; w&#228;hrend die &#252;brigen Arbeitsprozesse weiterhin der kapitalistischen Verwertungslogik unterliegen. Diese Sonderstellung der Kreativen wird damit begr&#252;ndet, dass der sch&#246;pferische Prozess von Anfang an ein gemeinschaftlicher sei. Die Erbringer geistiger Leistungen w&#252;rden nichts anderes tun, als aus vorhandenen Werken mit Hilfe einiger Umwandlungstechniken neue Werke herzustellen &#8211; so wie eine Kuh aus dem Gras einer saftigen Wiese Milch herstellt. Schlie&#223;lich geh&#246;rt die Milch nach dem Melken auch nicht der Kuh (der Vergleich hinkt, gef&#228;llt mir aber trotzdem).</p>
<p>Weiter im Piratentext:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielf&#228;ltigung von Werken be- oder verhindern (durch Kopierschutz etc.), verknappen k&#252;nstlich deren Verf&#252;gbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von k&#252;nstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch (!), daher lehnen wir diese Verfahren ab.</em><em> </em></p>
<p><em>&#8230;Wir sind der &#220;berzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielf&#228;ltigung und Nutzung von Werken als nat&#252;rlich (!) betrachtet werden sollte&#8230;</em></p>
<p><em>Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zug&#228;nglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu f&#246;rdern, um die allgemeine Verf&#252;gbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung f&#252;r die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar&#8230;“</em></p></blockquote>
<p>Wir halten Folgendes fest: 1. Kopieren ist nach Auffassung der Piraten eine Art Naturrecht. 2. Systeme, die das freie Kopieren einschr&#228;nken, machen „<em>aus einem freien Gut</em> ein wirtschaftliches“ und 3. Jede Beschr&#228;nkung der Kopierm&#246;glichkeit ist „unmoralisch“.</p>
<p>Die sch&#246;pferische Arbeitsleistung eines Urhebers ist nach Meinung der Piraten ein „freies Gut“, das durch k&#252;nstliche Verknappung zur kapitalistischen Ware wird.</p>
<p>Dem Urheber, der unter Umst&#228;nden jahrelang an einem Werk gearbeitet hat, wird so die M&#246;glichkeit genommen, die Verwertung seiner Arbeitsleistung nach eigenem Gutd&#252;nken festzulegen. Es geht ihm wie der Milchkuh, die &#252;ber die Verwertung ihrer Milch nichts mitzureden hat. (Allerdings bekommt sie Kost und Logis gratis – mithin das &#196;quivalent des bedingungslosen Grundeinkommens).</p>
<p>Das Urheberbild der Piraten unterscheidet sich vom Urheberbild der Verwerter nur in einer (wichtigen!) Nuance: F&#252;r die Piraten sind Urheber Milchk&#252;he, die <em>von der Allgemeinheit</em> nach Bedarf gemolken werden k&#246;nnen, f&#252;r die Verwerter sind die Urheber dagegen Zitronen, die man <em>f&#252;r den eigenen Profit</em> bis zum letzten Tropfen auspressen darf. Beide Vorg&#228;nge werden &#8211; von Piraten wie von Verwertern &#8211; als „nat&#252;rlich“ bezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Forderung Nr.2: Die Urheberpers&#246;nlichkeitsrechte sollen gewahrt werden</em></strong></p>
<p>Beginnen wir mit dem Satz, der kontr&#228;r zur ersten Hauptforderung der Piraten steht. Er lautet:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Wir erkennen die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.“</em><em> </em></p></blockquote>
<p>Nimmt man die Kernaussagen des geltenden Urheberpers&#246;nlichkeitsrechts, so stimmen die Piraten damit folgenden Leits&#228;tzen „in vollem Umfang“ zu:</p>
<blockquote><p><em>„Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu ver&#246;ffentlichen ist.“ (§12 UrhG)</em></p>
<p><em>„Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk.“ (§13 UrhG)</em></p>
<p><em>„Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeintr&#228;chtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder pers&#246;nlichen Interessen am Werk zu gef&#228;hrden.“ (§14 UrhG)</em></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Der Grundwiderspruch bleibt bestehen</em></strong></p>
<p>Womit wir beim Grundwiderspruch angelangt w&#228;ren, den die Piraten bislang nicht befriedigend aufl&#246;sen k&#246;nnen: Einerseits erkennen sie die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber an ihren Werken „in vollem Umfang“ an, andererseits wollen sie das freie nicht-kommerzielle Kopieren von Werken im Sinne eines unbeschr&#228;nkten Nutzerrechtes gesetzlich verankert wissen.</p>
<p>Eine solche Begrenzung des Urheberrechts – etwa in Form einer Schrankenregelung &#8211; w&#252;rde jedoch tief in das Urheber-Pers&#246;nlichkeitsrecht eingreifen<em>.</em> (Die Gr&#252;nen haben exakt zu diesem Rechtsproblem ein aufw&#228;ndiges <a href="http://carta.info/42650/jurgen-trittin-die-sz-und-die-kulturflatrate/">Rechtsgutachten</a> erstellen lassen).</p>
<p>Wer vorgibt, die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen &#8211; wie die Piraten &#8211; muss den Urhebern gleichzeitig zusichern, dass sie weiterhin dar&#252;ber bestimmen k&#246;nnen, <em>ob und wie</em> ihre Werke zu ver&#246;ffentlichen sind. Zu dieser Verf&#252;gungsgewalt geh&#246;ren selbstverst&#228;ndlich auch Beschr&#228;nkungen und Verbote (d.h. „k&#252;nstliche Verknappungen“).</p>
<p>Um den inneren Widerspruch ihres Programms zuzudecken, fordern die Piraten einen vage bleibenden „Ausgleich zwischen den Anspr&#252;chen der Urheber und denen der &#214;ffentlichkeit“. Hier h&#228;tte man gern Konkretes erfahren, aber genau in diesem Punkt halten sich die Piraten bedeckt. W&#228;hrend sie die „Anspr&#252;che der Nutzer“ sehr klar benennen, bleiben die „Anspr&#252;che der Urheber“ irgendwo im Nebel:</p>
<blockquote><p><em>„Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem &#246;ffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur nicht gerecht. Im Allgemeinen wird f&#252;r die Schaffung eines Werkes in erheblichem Ma&#223;e auf den &#246;ffentlichen Schatz an Sch&#246;pfungen zur&#252;ckgegriffen. Die R&#252;ckf&#252;hrung (!) von Werken in den &#246;ffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Sch&#246;pfungsf&#228;higkeiten von essentieller Wichtigkeit.</em></p>
<p><em>Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire R&#252;ckf&#252;hrung (!) in den &#246;ffentlichen Raum erm&#246;glichen. Dies schlie&#223;t insbesondere eine drastische Verk&#252;rzung der Dauer von Rechtsanspr&#252;chen auf urheberrechtliche Werke unter die im </em><em>TRIPS</em><em>-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.“</em></p></blockquote>
<p>Die Interessen der Urheber finden sich im Piratenprogramm also lediglich in der Allerwelts-Formel vom „fairen Ausgleich“. Doch dieses inhaltslose Trostpfl&#228;sterchen reicht den Urhebern nicht aus. Sie m&#246;chten wissen, was die Piraten unter einem „fairen Ausgleich“ <em>konkret</em> verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Die Piraten arbeiten an einer Neupositionierung</em></strong></p>
<p>Mittlerweile haben die Piraten, die sich mit der Materie besch&#228;ftigen, begriffen, dass sie ihr &#8216;Urthema&#8217; Urheberrecht st&#228;rker durchdringen und verst&#228;ndlicher erkl&#228;ren m&#252;ssen. Das „Argumentationspapier“, das rund drei Dutzend Piraten um Christian Hufgard beim Bundesparteitag im Dezember 2011 in Offenbach vorgelegt haben <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA149">(PA 149)</a>, ist ein Beispiel daf&#252;r. Es konnte sich gegen einen von Andi Popp und anderen eingebrachten Konkurrenzantrag <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA151">(PA 151)</a> durchsetzen. Dieses „Argumentationspapier“, das sp&#228;ter ins Bundeswahlprogramm der Piraten einflie&#223;en soll, ist ein minimaler Fortschritt gegen&#252;ber dem existierenden Grundsatzprogramm. Es ist differenzierter und zeugt von gr&#246;&#223;erer Kenntnis der komplexen Materie. Aber es gleicht noch immer einer Materialsammlung – nicht einem durchdachten Konzept oder gar einem gro&#223;en Wurf.</p>
<p>Selbst die k&#252;rzlich in einer &#252;berhasteten Reaktion ver&#246;ffentlichten <a href="http://www.piratenpartei.de/2012/04/09/101-piraten-fur-ein-neues-urheberrecht/">101 Statements</a> k&#252;nstlerisch t&#228;tiger Piraten f&#252;hren nicht weiter. Auch da hei&#223;t es, man wolle das Urheberpers&#246;nlichkeitsrecht nicht antasten &#8211; im Grunde will man es aber doch.</p>
<p>Dieser Grundwiderspruch in der Argumentation durchzieht alle Piraten-&#196;u&#223;erungen zum Thema. Daniel Neumann, J.Martin und Jessica Karger <a href="http://www.ruhrbarone.de/piratenpartei-nrw-urheberrecht-und-eigentum/">schreiben etwa</a> bei den <em>Ruhrbaronen</em>:</p>
<blockquote><p><em>„Einen Rechtsbegriff „geistiges Eigentum“ gibt es in Deutschland nicht. Er m&#252;sste also zun&#228;chst gesetzlich definiert werden, um ihn dann wieder abzuschaffen. „Geistiges Eigentum“ ist damit bestenfalls eine Metapher f&#252;r kreative Leistungen und Ideen.“</em></p></blockquote>
<p>Die gleichen Autoren verweisen in ihrem Beitrag f&#252;r die <em>Ruhrbarone</em> aber auf ihr <a href="http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf">„Argumentationspapier“</a>. Und was steht da?</p>
<blockquote><p><em>„Man mag zum Thema &#8220;geistiges Eigentum&#8221; philosophisch stehen wie man will. Die juristische Realit&#228;t geht aber davon aus, dass es so etwas gibt. Sich davor zu verschlie&#223;en bringt die Diskussion nicht weiter.“ </em><em> </em></p></blockquote>
<p>Also, was nun? Im Grunde gibt es nur zwei M&#246;glichkeiten, den inneren Widerspruch der Piraten beim Thema Urheberrecht aufzul&#246;sen: Entweder pl&#228;dieren sie f&#252;r die Einf&#252;hrung einer (verfassungsrechtlich gut begr&#252;ndeten) Schrankenregelung, wodurch die nicht-kommerzielle Privatkopie u.U. gegen den Willen der Urheber erlaubt wird (= <a href="http://www.gruene-bundestag.de/themen/netzpolitik/eine-kulturflatrate-ist-machbar.html">Kulturflatrate</a> nach dem Modell der gr&#252;nen Bundestagsfraktion oder <a href="http://www.vgrass.de/?p=1237">Tauschlizenz</a> nach dem Modell von Volker Grassmuck) oder sie machen sich f&#252;r die komplette Herausl&#246;sung des Urheberpers&#246;nlichkeitsrechts aus dem Urheberrecht stark (und folgen damit dem Copyright-Vorbild USA). Das Urheberrecht w&#252;rde dann zu einem reinen (&#252;bertragbaren) Verm&#246;gensrecht (= Immaterialg&#252;terrecht), w&#228;hrend die Urheberpers&#246;nlichkeitsrechte in ein neu zu schaffendes allgemeines Pers&#246;nlichkeitsrecht einflie&#223;en w&#252;rden. Rechtsdogmatiker w&#252;rden das begr&#252;&#223;en. Ob es f&#252;r die Urheber besser w&#228;re, darf jedoch bezweifelt werden. Der Streit dar&#252;ber dauert in Deutschland schon mehr als 100 Jahre an.</p>
<p>Die Piraten m&#252;ssen sich mit dieser fundamentalen Problematik endlich auseinandersetzen und d&#252;rfen nicht l&#228;nger um den hei&#223;en Brei herumreden. Matthias Schrade vom Bundesvorstand der Piraten hat deshalb einen „Runden Tisch“ <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/interview-was-die-piraten-mit-dem-urheberrecht-vorhaben/6498316.html">vorgeschlagen</a>. M&#246;glicherweise ist dieses bew&#228;hrte M&#246;belst&#252;ck hilfreich, den inneren Widerspruch des Piratenprogramms aufzul&#246;sen.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Der neue Trend: Muss- statt Wunschkoalition</title>
		<link>http://carta.info/43546/der-neue-trend-muss-statt-wunschkoalition/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 13:03:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Schleswig-Holstein]]></category>

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		<description><![CDATA[F&#252;r klare Mehrheitsverh&#228;ltnisse ist Schleswig-Holstein l&#228;ngst nicht mehr  bekannt. Seit Sonntag  bringen zus&#228;tzliche 8,2 Prozent Piraten–W&#228;hler die Koalitions-Restsicherheit vollends durcheinander.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Landtagswahl zwischen Nord- und Ostsee gibt einen Vorgeschmack einerseits auf Koalitionsbildungen im Sechs-Parteien-Deutschland: Stabile Mehrheiten? Fast unm&#246;glich! Und auf die unglaubliche Volatilit&#228;t der W&#228;hler: Aus 1,2 Prozent an der Saar sind in Monatsfrist  8,2 Prozent f&#252;r die FDP im Norden geworden.</p>
<p>Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wirft perspektivisch mehr Fragen auf als Erkenntnisse ab: Ist die Union ohne strategischen  Partner? Hat die FDP ihre Krise &#252;berwunden? Sind die Gr&#252;nen wieder auf Normalma&#223; geschrumpft? Haben die Piraten bereits ihren Zenit &#252;berschritten? Ist die Linke wieder zur Ostpartei degradiert? Und: Bleibt die SPD die Nummer zwei? R&#252;ckschl&#252;sse der Landtagswahl auf den Bund bleiben Sp&#246;kenkiekerei.</p>
<p>Sieben Jahre nach dem Simonis-Debakel und drei nach dem krachenden Ende einer v&#246;llig zerstrittenen Gro&#223;en Koalition werden Regierungsoptionen immer ungewisser, da beide Gro&#223;e zusammen nur noch knapp &#252;ber 60 Prozent verf&#252;gen: Die CDU verlor, auch wegen ihres spr&#246;den Kandidaten de Jager, und die SPD verfehlte das von Spitzenkandidat Albig anvisierte Ziel von 40+x  mit 30,4 Prozent meilenweit.</p>
<p>Obwohl die Rahmenbedingungen f&#252;r die SPD au&#223;erordentlich g&#252;nstig waren: Ziemlich perfekt passte bei ihr das Good guy/Bad guy-Prinzip: Albig als Wohlf&#252;hl-Landesvater, SPD-Partei- und Fraktionschef Stegner als Wadenbei&#223;er, weil beide ehemaligen Konkurrenten um die Spitzenkandidatur exzellent miteinander den linken und rechten Parteifl&#252;gel bes&#228;nftigten, ohne sich gegenseitig zu besch&#228;digen. Albigs dadurch verbreitete Siegeszuversicht, nachdem er vor zwei Jahren das Kieler Rathaus klar eroberte, erzeugte die wichtige Wechselstimmung: 52 Prozent w&#252;nschten sich eine von der SPD, nur 31 eine von der CDU gef&#252;hrte Landesregierung.  Und schlie&#223;lich sprach die Masse der Koalitionsoptionen f&#252;r die SPD: Wir &#8211; so deren Botschaft &#8211; regieren im Gegensatz zur CDU auf jeden Fall: Am liebsten mit den Gr&#252;nen, f&#252;r 52 Prozent der W&#228;hler die pr&#228;ferierte Koalition, zur Not aber auch noch mit den 4,5 Prozent der d&#228;nischen Minderheitspartei SSW, f&#252;r die traditionsgem&#228;&#223; keine F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde gilt, deren Steigb&#252;gelhalterrolle allerdings nur von einer Minderheit  auch in der SPD gesch&#228;tzt wird. Zu gut noch ist den W&#228;hlern die 2005 geplante SSW-Duldung von Rot-Gr&#252;n in Erinnerung, die mit der Abwahl Heide Simonis‘ grandios scheiterte. Andererseits meistert Albig als Kieler Oberb&#252;rgermeister gerade dieses B&#252;ndnis, zudem noch ziemlich ger&#228;uschlos.</p>
<p>Deutlich schlechter die Ausgangslage der CDU, die &#8211; wie &#252;blich &#8211; nicht die Themenhoheit gewann. W&#228;hrend z.B. CDU-Spitzenkandidat  R&#246;ttgen in NRW dadurch in die Glaubw&#252;rdigkeitsfalle kam, sich bei einer Niederlage nicht zum Verbleib in D&#252;sseldorf zu bekennen,  spielte die Zukunft von Torsten Albig keine Rolle. Der Zugereiste durfte mit &#8216;Mein Lieblingsland&#8217; werben, konnte thematisch unklar bleiben und mit Pathos und Plattit&#252;den trotz aller Landesproblemen wahlwirksame Wohlf&#252;hlstimmung  verbreiten. Der Ministerpr&#228;sidentenbonus war die Folge: Nur 30 Prozent wollten Jost de Jager von der CDU, 51 Prozent hingegen Albig als zuk&#252;nftigen Ministerpr&#228;sidenten. Nicht Schleswig-Holsteins Urgestein, sondern der  SPD-Herausforderer aus Westfalen war der gesp&#252;rte Nachfolger des bodennahen  Ministerpr&#228;sidenten Peter Harry Carstensen, der zu wenig daf&#252;r tat, seinen Amtsbonus auf de Jager zu transferieren.</p>
<p>Der CDU unterlief im Endspurt auch der Fehler, nicht zu beachten, dass die W&#228;hler 25 Jahre lang politische Dramen zu &#252;berstehen hatten: Nach den ‚F&#228;llen‘ Barschel und Engholm, zuletzt nach dem grausame Ende von Schwarz-Rot 2009 sind sie besonders harmoniebed&#252;rftig. So dass die CDU-Stimmungsmache gegen die ‚D&#228;nen-Ampel‘ mit der vermeintlichen  Steigb&#252;gelhalterpartei SSW vor allem als Wut &#252;ber eigene fehlende Machtoptionen gesehen wurde. Damit aber untergrub sie die anerkannte Harmoniepolitik von Landesvater Carstensen und  fiel  wieder in die unangenehme alte Rolle der Angst- und Machtpartei zur&#252;ck. Dies schadete vor allem Jost de Jager, dem selbst ernannten &#8216;Substanz-Politiker&#8217;, dem auch nach Eindruck der W&#228;hler ein Wadenbei&#223;er-Wahlkampf  nicht  wirklich liegt.  Nicht authentisches Agieren, zumal auf dem R&#252;cken der seit 15 Jahren im Landtag  respektierten SSW-Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk, bescherten der CDU ein Mobilisierungsproblem: ca. zehn Prozent ihrer W&#228;hler 2009 gingen diesmal nicht zur Wahl.</p>
<p>Der nach der Demission von Christian von Boetticher kurzfristig als neuer Hoffnungstr&#228;ger inthronisierte CDU-Wirtschaftsminister de Jager &#252;bersah zudem, dass in einer immer komplexeren Welt nicht Kompetenz und Programm Wahlen entscheiden, sondern B&#252;rgern&#228;he, K&#252;mmern und &#8216;Ich bin einer von Euch&#8217;-Stimmung die entscheidenden Stimmen liefern. In weiser Voraussicht  hatte Kanzlerin Merkel den scheidenden Carstensen, den wohl der beliebteste Nord-MP aller Zeiten, zur erneuten Wahl bewegen wollen. So aber wurde gerade bei den &#8216;weichen Werten&#8217;  der Unterschied zum  Nachfolgekandidaten besonders deutlich, so dass in der Koalitionsfrage die &#8216;Gro&#223;e&#8217; erst an dritter Stelle mit 39 Prozent vor Schlusslicht  Schwarzgelb mit 26 Prozent gew&#252;nscht wurde.</p>
<p>Das politische Meisterst&#252;ck 2012 gelang dagegen Wolfgang Kubicki. Siebenfach mehr W&#228;hler als vor Monatsfrist an der Saar machten Kubicki zum bundesweiten Hoffnungstr&#228;ger der Liberalen, gaben eine Steilvorlage f&#252;r NRW. Und nahmen R&#246;sler aus der Schusslinie. War das die Initialz&#252;ndung  einer liberalen Renaissance im Bund? 8,2 Prozent waren vor allem Kubicki-Lob! Sein f&#252;nfter Wahlkampf als FDP-Spitze war sein genialster, weil er es schaffte, 63 Prozent der W&#228;hler zu verdeutlichen, dass die Landes-FDP nichts mit der im Bund gemein hat. Die Liberalen wurden in Schleswig-Holstein fast ausschlie&#223;lich mit dem streitbaren, extrovertierten, kommunikativen  &#8216;Kommando-Kubicki&#8217; in Verbindung gebracht. Sein Mut imponierte, seine Taktik brillierte, weil es dem Nord-Rebellen sogar gelang, rhetorisch geschickt das gr&#246;&#223;te Hindernis respektablen W&#228;hlerzuspruchs, mangelnde Machtoptionen, aus dem Wege zu r&#228;umen: &#8216;Jamaika im Norden&#8217; &#252;berzeugte die Schleswig-Holsteiner nicht nur wetterm&#228;&#223;ig. Die FDP k&#246;nnte sich sogar im Landtag wiederfinden, dann mit einem Finanzminister Kubicki.</p>
<p>In der Realit&#228;t sind dagegen die Gr&#252;nen angekommen. Trotz ihres jugendlich wirkende Spitzenkandidaten Robert Habeck verlor die Partei das Signet der f&#252;r Protestw&#228;hler attraktiven &#8216;Alternativen&#8217;. Zudem fehlten wie im Bund gr&#252;ne Themen: Andere von ihren Ideen &#252;berzeugt zu haben macht sie f&#252;r viele &#252;berfl&#252;ssig.</p>
<p>Ein Fehler war nach dem desolaten Ergebnis von Schwarz-Gr&#252;n im benachbarten Hamburg deren Anb&#228;ndelungen an die CDU, die vor allem linke Gr&#252;ne zu den Piraten trieb. Zu ihnen, deren Oberpiratin ausgerechnet die fr&#252;here Gr&#252;ne Angelika Beer ist,  ist jeder vierte Gr&#252;ne 2009 gewechselt. Neben bescheidenen Zuw&#228;chsen aus CDU, SPD und FDP holten die Enterer ein Viertel ihrer W&#228;hler von den Nichtw&#228;hlern, was trotzdem nichts an der bisher niedrigsten Wahlbeteiligung von 60,1 &#228;nderte. Dennoch haben die Piraten wohl &#228;hnlich wie im Bund ihren Zenit &#252;berschritten. F&#252;r Jux, Unkenntnis, Inkompetenz und mangelnde Verantwortungs&#252;bernahme sind die Zeiten dann doch wohl zu ernst. &#196;hnlich f&#252;r die wieder mit 2,1 Prozent zur Ost-Partei geschrumpften Linken, deren Ruf nach Oskar jetzt lauter wird.</p>
<p>Nach der Wahl beginnt die Qual: Denn was die Piraten auf jeden Fall erreicht haben‚ sind &#8216;Alles ist m&#246;glich&#8217;-Verh&#228;ltnisse. 8,2 Prozent vermasselten Rot-Gr&#252;n den Durchmarsch zur Macht, Schwarz-Gelb die Neuauflage  und  bescheren Schleswig-Holstein wom&#246;glich eine ‚D&#228;nenampel‘, die nur jeder Dritte, auch Mehrheiten innerhalb der SPD, so nicht &#8216;in Ordnung&#8217; finden. Wunschkoalitionen – so die Lehre aus Schleswig-Holstein – sind die Ausnahme, Muss-Koalitionen werden zur Regel.
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		<title>Schleswig-Holstein: Das Beste am Norden</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 12:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Menschen im n&#246;rdlichsten Bundesland haben die Landtagswahl am vergangenen Sonntag wohl nicht als Schicksalswahl empfunden. Sie wollten den Wechsel, aber m&#246;glichst sanft. Schlie&#223;lich war immer gen&#252;gend Marmelade da. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oft wird dieses reizende Flachland von Ausw&#228;rtigen als Langeweile zwischen den Meeren verspottet. Dabei gab es bei dieser Landtagswahl zwei ausgesprochen temperamentvolle Spitzenkandidaten – gemessen an der landestypischen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wKDUY7sm3JQ">Marmeladen-Mentalit&#228;t</a>.</p>
<p>Wir vergleichen jetzt mal die Wahl vom letzten Sonntag mit der Landtagswahl von 2009. Da sich die Zahl der Wahlberechtigten in dieser Zeit nicht signifikant ver&#228;ndert hat, ist ein Vergleich durchaus sinnvoll.</p>
<p>Statt 1,6 Millionen B&#252;rger – wie 2009 – gingen im Mai 2012 nur gut 1,3 Millionen zur Wahl. Aus diesem Grund haben alle Parteien &#8211; mit Ausnahme der Piraten und der Familienpartei &#8211; verloren, gemessen an der Zahl der <a href="http://www.wahlrecht.de/news/2012/landtagswahl-schleswig-holstein-2012.htm#absolut">tats&#228;chlich erreichten Stimmen</a>. Die absoluten Stimmen sind bei Wahlen besonders aussagekr&#228;ftig, weil sie das aktive politische Bekenntnis zu einer bestimmten Partei widerspiegeln. Hier die absoluten Zahlen:</p>
<ul>
<li>Die FDP, die von der ARD als gro&#223;e Gewinnerin ausgerufen wurde, verlor weit mehr als die H&#228;lfte ihrer W&#228;hler. Wurde sie 2009 noch von 239338 Menschen angekreuzt, so taten dies am vergangenen Sonntag gerade noch 108902. Erfolg sieht anders aus.</li>
<li>Der R&#252;ckgang bei der CDU betr&#228;gt ungef&#228;hr 20 Prozent. Statt 505000 kreuzten diesmal nur 408000 Personen die Christdemokraten an.</li>
<li>Die Gr&#252;nen verloren etwa 25000 Stimmen, die SPD 4000, der SSW 8700.</li>
<li>Dramatisch ist der Abgang bei den Linken. Ihre W&#228;hlerschaft reduzierte sich um zwei Drittel von 95 764 Personen auf 29 868.</li>
<li>Auch die NPD und die Freien W&#228;hler verloren deutlich an Zuspruch.</li>
<li>Die Piraten dagegen hatten ein Plus von etwa 80000 W&#228;hlern und vervierfachten damit ihre Stimmenzahl (die Familienpartei gewann nur wenige hundert hinzu). Was die Linken an Protestw&#228;hlern verloren haben, gewannen die Piraten hinzu.</li>
</ul>
<p>Die Euphorie der K&#252;sten-Piraten ist also verst&#228;ndlich. Erstmals sollen sie indirekt an einer Landesregierung beteiligt werden. Sie wollen Torsten Albig als k&#252;nftigen Oberpiraten <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-05/albig-schleswig-piraten">tolerieren</a>. In Schleswig-Holstein wird das vermutlich niemanden gro&#223; aufregen, denn an der K&#252;ste stammen wohl eh die meisten von den Piraten ab.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Aufbruch zum wirtschaftspolitischen Kern der Piraten (II)</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 20:47:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Elsner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im zweiten Teil meiner Durchforstung der Piratenpositionen besch&#228;ftige ich mich mit den Aussagen des Grundsatzprogramms zur Wirtschaftspolitik. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die vielen R&#252;ckmeldungen zu meinem ersten Artikel “<a href="http://www.blicklog.com/2012/04/10/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/">Auf der Suche nach dem wirtschaftspolitischen Kern der Piraten</a>” haben mich gefreut und motiviert, die Suche inhaltlich fortzusetzen. Die damit m&#246;glicherweise erzeugte Erwartung nach Mehr muss ich hier aber gleich mal d&#228;mpfen. Ich bin kein Piratenversteher, sondern interessiere mich einfach f&#252;r neue Positionen und neues Denken. Die Partei hat meine Neugierde geweckt durch ihre neue Vorgehensweise, Themen zu erarbeiten.</p>
<p>Will man sich nun themenbezogen dem Kern der Piraten n&#228;hern, muss man sich durch eine F&#252;lle von Quellen arbeiten und kann nicht einmal sicher sein, ob es sich um offizielle oder halbgare Positionen handelt. Eine solche Untersuchung ist mir als W&#228;hler mit beschr&#228;nktem Zeitbudget viel zu aufwendig. Ich ging daher mit dem Vorwissen, kein vollst&#228;ndiges wirtschaftspolitisches Paradigma zu entdecken, an das Grundsatzprogramm heran (hier &#252;ber <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm">diese Seite zu erreichen</a>).</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Maue Aussagen im bisherigen Parteiprogramm</em></strong></p>
<p>Vor Beginn dieses Beitrags hatte ich &#252;berlegt, mit welchen Ma&#223;st&#228;ben ich denn eigentlich pers&#246;nlich die Qualit&#228;t der Aussagen beurteilen will. Als Bewertungsraster dient meine eigene &#246;konomische Denke, die ich auf <a href="http://www.blicklog.com/okonomie/meine-okonomische-denke-entspringt-keinem-einheitlichen-paradigma-im-sinne-kuhns-und-entspricht-ubrigens-auch-nicht-nur-der-praktischen-betriebswirtschaftslehre-sondern-setzt-sich-im-kern-aus-drei-si/">dieser Seite</a> in meinem Blog skizziere. Inhaltlich muss das niemand teilen, dient mir aber als Orientierung. Nach der Lekt&#252;re des Parteiprogramms habe ich allerdings gemerkt, dass es hier kaum etwas zu messen gibt.</p>
<p>Scrollt man durch das bisherige Grundsatzprogramm der Partei, dann f&#228;llt sofort auf, dass das Dokument <strong>keine expliziten wirtschaftspolitischen Abschnitte</strong> enth&#228;lt. Eigene Kapitel etwa zur Finanz-, Steuer-, Arbeitsmarkt- und was auch immer -politik sucht man vergebens. Erst recht <strong>fehlen ordnungspolitische Leits&#228;tze</strong>, die so eine Art Grundorientierung geben k&#246;nnten. Daf&#252;r enthalten aber viele andere Programmpunkte Inhalte mit weiter reichenden wirtschaftlichen Konsequenzen.</p>
<p>Dazu geh&#246;rt nat&#252;rlich insbesondere der Abschnitt zum <strong>Urheberrecht</strong>. Nach der Lekt&#252;re kann ich den gro&#223;en Wind, der hierzulande um die Positionen gemacht wird, nicht wirklich nachvollziehen. Tats&#228;chlich wirft das reine Programm ohne zus&#228;tzliche Erl&#228;uterungen eher Fragen auf, f&#252;r die man erst einmal einen Beipackzettel ben&#246;tigen w&#252;rde.</p>
<p>So d&#252;rfte ja der gro&#223;e Streitpunkt in der Forderung nach Legalisierung des “nichtkommerzielle Kopierens” sein. Was das ist, l&#228;sst das Parteiprogramm aber offen. Ich lese dort allerdings nicht, dass illegale Downloads von Musik, B&#252;chern, Filmen oder anderen Medien legalisiert werden sollen. Allerdings ist das, was dort unter “Ausgleich zwischen Anspr&#252;chen der Urheber und der &#214;ffentlichkeit” steht, f&#252;r mich nicht besonders verst&#228;ndlich.</p>
<p>Interessant ist der Absatz &#252;ber das <strong>Patentwesen</strong>. Dabei geht es ja um die geistigen Sch&#246;pfungen, die insbesondere f&#252;r Unternehmen zum wichtigen Kapital geh&#246;ren. Das, was dort steht, k&#246;nnte ich so sogar erst einmal mittragen. Ich lese dort nichts von der kostenlosen Freigabe aller Patente zur freien Nutzung. Das w&#228;re f&#252;r mich ein absolutes No Go. Gefordert wird nur eine Reform des Patentsystems, die nicht innovationsfeindlich sein soll. Das sind Allgemeinpl&#228;tzchen, die wohl in dieser Form auch viele Unternehmen vertreten k&#246;nnten.  Ebenfalls tief in die Wirtschaftspraxis greifen die Abschnitte &#252;ber offene Standards und freie Software ein. F&#252;r ausgesprochen kritisch w&#252;rde ich es halten, wenn man offene Standards f&#252;r alle entwickelte Software zur Pflicht machen w&#252;rde. Davon lese ich aber nichts in dem Programm. Die F&#246;rderung freier Software finde ich sehr lobenswert, solange daraus keine Pflicht gemacht wird.</p>
<p>Das, was die Piraten zur Teilhabe am digitalen Leben schreiben, ist f&#252;r mich nachvollziehbar und macht Sinn. Die Partei erkennt klar die Bedeutung der neuen M&#246;glichkeiten des Netzes f&#252;r die Gesellschaft und setzt hier deutlich ihren inhaltlichen Schwerpunkt.</p>
<p>Interessant, dass Vertr&#228;ge zwischen &#246;ffentlichen Einrichtungen/Beh&#246;rden/Regierung/etc. und Privatfirmen transparent gemacht werden sollen. Auch dagegen spricht prinzipiell nichts, es sei denn die Ver&#246;ffentlichungen selbst k&#246;nnten staatliche Interessen ber&#252;hren. Hier muss man sicher auf praktische Einzelf&#228;lle warten. Die Forderung, dass mit Hilfe &#246;ffentlicher F&#246;rderung entstandene Inhalte der breiten &#214;ffentlichkeit frei zug&#228;nglich gemacht werden, unterst&#252;tze ich voll und ganz. Das ist auch keine Erfindung der Piratenpartei, sondern wird seit Beginn der 1990 Jahre unter dem Schlagwort <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Access">Open-Access-Bewegung</a> schon lange gefordert.</p>
<p>Richtig ins wirtschaftspolitisch Eingemachte geht es dann im Abschnitt “<strong>Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe</strong>”. Irgendjemand sagte, man k&#246;nne aus dem Programm der Piraten nicht ableiten, sie fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die inhaltlichen Punkte zur gesellschaftlichen Teilhabe lesen sich aber genau so. Die in diesem Abschnitt beschriebenen Ziele zu f&#246;rdern, klingt f&#252;r mich nach einem Utopia, an dem sich schon viele andere vergeblich versucht haben. Warum das jetzt bei den Piraten klappen soll, ist mir schleierhaft. Man kann das alles so schreiben. Offen gelassen wird freilich, wie das umgesetzt und vor allem finanziert wird. Es f&#228;llt auf, dass die Piraten weder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moral_Hazard">Moral Hazard</a> noch andere Formen opportunistischen Verhaltens zu kennen scheinen.</p>
<p>Man kann jetzt vielleicht noch den einen oder anderen Punkt hervorheben aus dem Programm, aber ehrlich gesagt sind die Aussagen zur Wirtschafts- und Finanzpolitik in der Summe mau. Das Handelsblatt schrieb vor einigen Wochen anl&#228;sslich des NRW-Parteitages, die <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nrw-wahl-2012/piraten-wirtschaftspolitik-zwischen-marx-und-erhard/6512238.html">Wirtschaftspolitik l&#228;ge zwischen Marx und Erhard</a>. Mag sein, dass das f&#252;r NRW gilt. Das Grundsatzprogramm liegt hier eher zwischen Marx und Mix. Liberale Elemente, wie von einigen Kommentatoren ausgemacht, kann ich zumindest in Bezug auf Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht erkennen.</p>
<p>Fazit: Das bisherige Grundsatzprogramm weist in Bezug auf Wirtschafts- und Finanzpolitik erhebliche L&#252;cken auf. Mich entt&#228;uscht das aber derzeit noch nicht, denn den Piraten ist das bewusst und sie arbeiten daran, L&#252;cken zu schlie&#223;en. Ich bin daher auf die &#196;nderungen an diesem Wochenende gespannt, rechne aber auch noch nicht mit einer umfassenden L&#246;sung. Die gro&#223;e Zahl neuer Mitglieder mit sehr unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Vorstellungen und Vorwissen, d&#252;rfte es au&#223;erdem nicht gerade erleichtern, ein anst&#228;ndiges wirtschaftspolitisches Profil zu entwickeln.</p>
<p><em>P.S. Mittlerweile diskutieren die Piraten <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.1">an diesem Wochenende</a> &#196;nderungen und Erweiterungen ihres Grundsatzprogramms. Daher k&#246;nnten die hier aufgeschriebenen Positionen schon morgen &#252;berholt sein. </em></p>
<p><a href="http://www.blicklog.com/2012/04/28/altpapier-aufgebrochen-zum-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/">Crosspost</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43198&amp;md5=309805c1a65e6d14587de427ce462c2d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bundesparteitag der Piratenpartei: Infom&#246;glichkeiten und Linkliste</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Apr 2012 10:51:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Am Samstag und Sonntag findet in Neum&#252;nster der Bundesparteitag der Piratenpartei statt. Unter gro&#223;er Medienaufmerksamkeit wird ein neuer Bundesvorstand gew&#228;hlt; vor allem die Wahl des Bundesvorsitzenden und eines neuen politischen Gesch&#228;ftsf&#252;hrers sorgen f&#252;r Spannung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Zur <a href="#cpp_anf">Linkliste</a> oder zum <a href="#cpp_ende">Textende</a> springen &raquo;</em></p>
<ul>
<li>ZDF: <a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/bilderserie/1619974/Diese-Piraten-wollen-den-Parteivorsitz?bildIndex=1#/beitrag/bilderserie/1619974/Diese-Piraten-wollen-den-Parteivorsitz" target="_blank">Diese Piraten wollen den Parteivorsitz</a></li>
<li>Ab Samstag Morgen, 8:00 Uhr, wird <a href="http://flaschenpost.piratenpartei.de/?p=15600" target="_blank">getickert</a></li>
<li>Ab Samstag Morgen, 10:00 Uhr, gibt es hier den <a href="http://stream.piraten-bpt.de/">Livestream</a></li>
<li>Die Antr&#228;ge kann man im <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.1/Antragsportal" target="_blank">PiratenWiki Antragsportal</a> mitverfolgen</li>
<li>Einen Audiostream gibt es beim <a href="http://piraten-radio.net/" target="_blank">Piratenradio</a></li>
<li>Ein Wortprotokoll l&#228;uft in <a href="https://twitter.com/Drahflow" target="_blank">@Drahflow</a>s <a href="http://drahflow.name:8081/" target="_blank">Stream<br />
</a></li>
<li>Es gibt die bekannte <a href="http://twitterwallr.com/w/bpt12" target="_blank">Twitterwall</a> und <a href="http://bpt12.tweetwally.com/" target="_blank">eine</a> Tweetwally. Mit <a href="http://twitterfall.com/" target="_blank">diesem Client</a> kann man seinen eigenen Twitterticker bauen. Hashtags sind vom #bpt12 und #neubings</li>
<li>Unter <a href="http://www.icerocket.com/search?tab=twitter&amp;lng=&amp;q=%23bpt12%2C+OR+%23neubings&amp;x=40&amp;y=14" target="_blank">Icerocket</a> l&#228;uft eine Twitter&#252;bersicht</li>
<li>N24.de &#252;bertr&#228;gt voller L&#228;nge <a href="http://www.n24.de/" target="_blank">LIVE online</a> (<a href="https://plus.google.com/u/0/100663200776971710151/posts/AEyNeMihWUW" target="_blank">Programm</a>)</li>
<li>Laut Vorank&#252;ndigung wird <a href="http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/ereignisse/vor_ort:_bundesparteitag_der_piraten/457457?datum=2012-04-28" target="_blank">Phoenix</a> nur <a href="http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/ereignisse/vor_ort:_bundesparteitag_der_piraten/457457?datum=2012-04-28" target="_blank">Samstag ab 16:00 Uhr</a> und <a href="http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/ereignisse/vor_ort:_bundesparteitag_der_piraten/457485?datum=2012-04-29" target="_blank">Sonntag ab 10:30 Uhr</a> berichten.</li>
<li>Im <a href="http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/diskussionen/entern_oder_kentern_wenn_piraten_auf_politik_treffen_/459862?datum=2012-04-29" target="_blank">Presseclub</a> am Sonntag ab 12:00 Uhr ist das Thema &#8220;Entern oder kentern? Wenn Piraten auf Politik treffen&#8230;&#8221; (&#196;ltere Phoenix-<a href="http://www.phoenix.de/content/phoenix/suche/1825.htm?sv[vt1]=piraten&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank">Beitr&#228;ge</a>)</li>
<p><a name="cpp_anf"></a>
</ul>
<h3>Linkliste zu Berichten im Vorfeld des Parteitags</h3>
<p style="margin-bottom:1em">
<ul>
<li>Analyse und Einordnung von <a href="http://blog.koehntopp.de/archives/3222-Piratenversteher.html" target="_blank">Kris K&#246;hntopp</a></li>
<li>FX Neumann: <a href="http://fxneumann.de/2012/03/25/spass-und-protest/" target="_blank">Spa&#223; und Protest</a><span id="more-43181"></span></li>
<li>Heribert Prantl: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/landtagswahl-im-saarland-das-piratennest-1.1317962" target="_blank">Das Piratennest</a>: &#8220;Die Piratenpartei befriedigt offenbar eine gutgl&#228;ubig-unbefangene, herzhaft basisdemokratische Lust auf Politik.&#8221;</li>
<li>Christoph Bieber: <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2012/03/25/unwahrscheinlichkeitsdrive/" target="_blank">Der Unwahrscheinlichkeitsdrive der Piraten</a></li>
<li>Achim Wendler: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/kommentarpiraten100.html" target="_blank">Erfolg der Piratenpartei · Ein Geschenk f&#252;r den Parlamentarismus</a></li>
<li>Thomas Kn&#252;wer: <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2012/03/norbert-lammert-internet/" target="_blank">Das Missverst&#228;ndnis des Norbert Lammert: Der Mensch ist dem Menschen ein Nachrichtenfilter</a></li>
<li>Sascha Lobo: <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,823842,00.html" target="_blank">Ph&#228;nomen Piraten · Angst vor dem Volk im Netz</a></li>
<li>Ulf Poschardt: <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13947532/Naives-Schmalspur-Programm-der-analogen-Biederkeit.html" target="_blank">Naives Schmalspur-Programm der analogen Biederkeit</a>&#8220;[..] auch in der Wahl ihrer Garderobe dem Souver&#228;n W&#228;hler ihre Wertsch&#228;tzung zu kommunizieren.&#8221; </li>
<li>Julius Endert: <a href="http://blog.zdf.de/hyperland/2012/03/parteien-in-tiefer-trauer/" target="_blank">Parteien in tiefer Trauer</a></li>
<li>Wolfgang L&#252;nenb&#252;rger-Reidenbach: <a href="http://www.haltungsturnen.de/2012/03/claudia-roth-und-jurgen-trittin-sind.html" target="_blank">Claudia Roth und J&#252;rgen Trittin sind der neue Helmut Schmidt</a></li>
<li>Frau Nessy: <a href="http://dieliebenessy.wordpress.com/2012/03/26/liebe-generation-meiner-eltern/" target="_blank">Liebe Generation meiner Eltern,</a></li>
<li>Martin Kaul: <a href="https://www.taz.de/Profil-Piratenpartei/!90418/" target="_blank">Die liberale Versuchung</a></li>
<li>Deppendorfs Woche: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/deppendorfswoche/deppendorfswoche934.html" target="_blank">Entern oder kentern?</a></li>
<li>Jochen Thermann: <a href="http://wissen.dradio.de/netz-und-demokratie-fortsetzung-der-politik-mit-digitalen.85.de.html?dram:article_id=15796" target="_blank">Netz und Demokratie · Fortsetzung der Politik mit digitalen Mitteln</a> (Audio, 2:51 Min.)</li>
<li>Annett Meiritz und Philipp Wittrock: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,824358,00.html" target="_blank">Die f&#252;nf gr&#246;&#223;ten Gefahren f&#252;r die Piraten</a></li>
<li>hr3: <a href="http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=14224&amp;key=standard_podcasting_derTag&amp;mediakey=podcast/derTag/derTag_20120328&amp;type=a" target="_blank">Zittern vorm Twittern &#8211; Der Erfolg der Piraten</a> (Audio, 52:11 Min.)</li>
<li>Klabautercast Folge 66: <a href="http://klabautercast.de/2011/07/09/folge-66-neupiraten-oder-wie-man-sich-in-der-piratenpartei-zurechtfindet/" target="_blank">Neupiraten oder: Wie man sich in der Piratenpartei zurechtfindet</a>. Maha und Christopher Lauer (@schmidtlepp) geben Tipps f&#252;r Neupiraten und „intensiv Interessierte“, die in der Piratenpartei aktiv werden wollen. (Audio, 1:33 Std.)</li>
<li>Michael Spreng: <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3836" target="_blank">Die Gummiwand-Partei</a></li>
<li><a href="http://olereissmann.de/2012/04/thesen-zur-piratenpartei/" target="_blank">Ole Rei&#223;mann</a> noch mal vertiefend zur dRadio Wissen-Sendung <a href="http://wissen.dradio.de/netz-reporter-xl-tyrannei-der-massen.126.de.html?dram:article_id=15835" target="_blank">Tyrannei der Massen?</a> vom 31.03.</li>
<li>Christoph S&#252;&#223;/quer: <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=y8ire3_C7aE" target="_blank">Unheimliche Piraten? Freibeuter-Alarm in der Politik</a> (Video, 5:50 Min.)</li>
<li>Stephan Detjen: <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/themenderwoche/1718803/" target="_blank">Meister der Ungewissheit · Der erstaunliche Erfolg der Piratenpartei</a> (als <a href="http://www.dradio.de/aodflash/player.php?station=1&amp;broadcast=213891&amp;datum=20120331&amp;playtime=1333192247&amp;fileid=11296589&amp;sendung=213891&amp;beitrag=1718803&amp;/" target="_blank">Audio</a>, 4:22 Min.)</li>
<li>SurfGuard: <a href="http://surfguard.wordpress.com/2012/04/01/das-imperium-schlagt-zuruck-wie-die-fas-die-piraten-versenken-will/" target="_blank">Das Imperium schl&#228;gt zur&#252;ck: Wie die FAS die Piraten versenken will</a></li>
<li>Christopher Lauer: <a href="http://www.christopherlauer.de/2012/04/08/falschzitat/" target="_blank">&#220;ber das falsch zitiert werden</a></li>
<li>Markus Kompa: <a href="http://www.heise.de/tp/artikel/36/36728/1.html" target="_blank">Die Piratenpartei wird bek&#228;mpft</a></li>
<li>Dirk Elsner: <a href="http://www.blicklog.com/2012/04/10/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/" target="_blank">Auf der Suche nach dem wirtschaftspolitischen Kern der Piraten</a></li>
<li>Katharina Schuler interviewt Forsa-Chef Manfred G&#252;llner: <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-04/piraten-umfrage-guellner/komplettansicht" target="_blank">Meinungsforscher · Die Piraten sind die neue Mitte </a></li>
<li>Stefan Schulz: <a href="http://sozialtheoristen.de/2012/04/13/fragen-an-marina-weisband/" target="_blank">Unbeabsichtigtes Interview mit Marina Weisband</a> (Gute Fragen &#8211; gute Antworten, lesen)</li>
<li>Annett Meiritz: <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,827657,00.html" target="_blank">Europ&#228;ische Piraten · &#8220;Der Hype hat uns ausgebrannt&#8221;</a></li>
<li>Vorstellung der <a href="http://www.piratenpartei.de/2012/04/15/vorstellung-der-urheberrechtspositionen-der-piratenpartei-und-aufklarung-von-mythen/" target="_blank">Urheberrechtspositionen der Piratenpartei</a> und Aufkl&#228;rung von Mythen</li>
<li>Daniel Mack: <a href="http://danielmack.de/schokolade-digga/" target="_blank">Schokolade, Digga!</a></li>
<li>SPD M&#246;rfelden-Walldorf Kampa: <a href="http://pastebin.com/4eHiEHAX" target="_blank">Das Urheberrecht: Handreichung gegen die Argumente der Piraten</a></li>
<li>Wolfgang Michal: <a href="http://carta.info/42967/dirk-kurbjuweits-netzgemeinde/" target="_blank">Dirk Kurbjuweits Netzgemeinde</a></li>
<li>Marina Weisband: <a href="http://www.marinaslied.de/?p=726" target="_blank">Mir reichts jetzt.</a></li>
<li>Martin Delius: <a href="http://martindelius.de/2012/04/ja-ich-habe-das-wirklich-gesagt-ein-fehler/" target="_blank">Ja ich habe das wirklich gesagt… Ein Fehler</a></li>
<li>Harald Martenstein: <a href="http://www.tagesspiegel.de/zeitung/autoritaerer-politmoralismus-von-harald-martenstein/6539850.html" target="_blank">Autorit&#228;rer Politmoralismus</a></li>
<li>Sebastian Leber: <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/debatte-um-nsdap-vergleich-martin-delius-hat-jehova-gesagt/6541016.html" target="_blank">Debatte um NSDAP-Vergleich · Martin Delius hat Jehova gesagt</a></li>
<li>Chris Sickendieck und andere &#252;ber einen alten <a href="https://plus.google.com/103530505728523689178/posts/5N6GxgvPxNx" target="_blank">Julia Schramm-Text</a></li>
<li>Reuters: <a href="http://de.reuters.com/article/domesticNews/idDEBEE83L03Y20120422" target="_blank">Piraten gehen ohne Kapit&#228;n in die Bundestagswahl</a></li>
<li>Von mir  bei Carta: <a href="http://carta.info/41065/unverzichtbare-lichtgestalten/" target="_blank">Unverzichtbare Lichtgestalten</a> (02.02.12), <a href="http://carta.info/42306/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/" target="_blank">Die Piraten in der Fernseh-Berichterstattung</a> (26.03.12) und <a href="http://carta.info/index.php?s=piraten" target="_blank">weitere Texte und Links</a> bei Carta</li>
<li>Konrad Fischer <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/undercover-in-der-piratenpartei-mein-leben-als-pirat/6527914.html" target="_blank">Mein Leben als Pirat</a>. Der WiWo-Redakteur war undercover in der Piratenpartei unterwegs. <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/mein-leben-als-pirat-piratenpartei-streitet-ueber-wiwo-bericht/6553202.html" target="_blank">Nicht alle</a> waren amused.</li>
<li>Anieke Walter interviewt Marina Weisband zur Nazi-Debatte: <a href="http://www.stern.de/politik/deutschland/piratin-marina-weisband-zur-nazidebatte-dummheit-nichtwissen-ausrutscher-1817514.html" target="_blank">Dummheit, Nichtwissen, Ausrutscher</a></li>
<li>Annett Meiritz: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,829209,00.html" target="_blank">Werdet erwachsen, Piraten!</a></li>
<li>Jasper von Altenbockum <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/piratenpartei-shitstorm-der-etablierten-11727961.html" target="_blank">Shitstorm der Etablierten</a></li>
<li>Patrick Breitenbach: <a href="http://blog.karlshochschule.de/2012/04/24/schluss-mit-welpenschutz-die-piraten-und-ihre-emporten-eltern/" target="_blank">“Schluss mit Welpenschutz!” – Die Piraten und ihre emp&#246;rten Eltern</a></li>
<li>Christopher Lauer: <a href="http://www.faz.net/aktuell/eine-antwort-auf-boehnings-piratenschelte-wir-sind-doch-nicht-doof-11730122.html" target="_blank">Eine Antwort auf B&#246;hnings Piratenschelte · Wir sind doch nicht doof!</a></li>
<li>Otmar Scherer-Gennermann (@aloa5): <a href="http://logicorum.wordpress.com/2012/04/26/politik-1-0-das-personalproblem-der-piratenpartei-mit-lauer-und-anderen/" target="_blank">Politik 1.0 – das (Personal)Problem der Piratenpartei mit Lauer und anderen</a></li>
<li>Chris Sickendieck: <a href="http://www.fixmbr.de/der-bundestag-ist-kein-hohes-haus-mehr/" target="_blank">Der Bundestag ist kein Hohes Haus mehr</a></li>
<li>Christian Wolff: <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/04/26/die-partei-der-ahnungslosen-ein-paar-gedanken-zur-zukunft-des-politischen/" target="_blank">Die Partei der Ahnungslosen – ein paar Gedanken zur Zukunft des Politischen</a></li>
<li>Ulrich Clau&#223;: <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article106230866/Der-kollektive-Orientierungsverlust-der-Piraten.html" target="_blank">Der kollektive Orientierungsverlust der Piraten</a></li>
<li>Enrico Ippolito: <a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&amp;dig=2012%2F04%2F27%2Fa0105&amp;cHash=9fdc1e8621" target="_blank">Die Privilegienmuschi</a></li>
<li>Melanie M&#252;hl: <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratin-julia-schramm-wahlkampf-einer-digitalen-seele-11731922.html" target="_blank">Piratin Julia Schramm · Wahlkampf einer digitalen Seele</a></li>
<li>Zusammenfassung einiger Posts &#252;ber Frau Schramm von Don Alphonso <a href="http://blogbar.de/index.php?s=julia+schramm" target="_blank">bei Blogbar</a></li>
<li>Daniel Leisegang: <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/04/26/piratenpartei-die-binare-freiheit/" target="_blank">Piratenpartei: die bin&#228;re Freiheit</a></li>
<li>Frank Drieschner, Khue Pham: <a href="http://www.zeit.de/2012/18/Piratenpartei-Innenansicht/komplettansicht" target="_blank">Get real!</a></li>
<li>PHOENIX Runde: <a href="http://www.phoenix.de/content/458766" target="_blank">Der Fluch des Zeitgeistes – Piraten auf Abwegen?</a></li>
<li>Sandra Stalinski/ARD: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/piratenpartei216.html" target="_blank">Bundesparteitag der Piraten in Neum&#252;nster · Auf der Suche nach F&#252;hrung und Inhalt</a></li>
<li>Deppendorfs Woche: <a href="http://www.tagesschau.de/inland/deppendorfswoche/deppendorfswoche952.html" target="_blank">Die Piraten &#8211; (r)echter Frust?</a></li>
<li>Malte Welding: <a href="http://www.malte-welding.com/2012/04/27/julia-schramm-und-das-ende-der-privatheit/" target="_blank">Julia Schramm und das Ende der Privatheit</a></li>
<li>Philip Brechler (@plaetzchen): <a href="http://plaetzchen.cc/2012/04/sicherheit-auf-dem-bpt/" target="_blank">Sicherheit auf dem #BPT12</a></li>
<li>Julia Schramm: <a href="http://juliaschramm.de/2012/04/27/seelen-und-widerspruche/" target="_blank">Seelen und Widerspr&#252;che</a> (Antwort auf M&#252;hls <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratin-julia-schramm-wahlkampf-einer-digitalen-seele-11731922.html" target="_blank">Artikel</a>)</li>
<li>Pirantifa: <a href="http://pirantifa.de/index.php/2012/04/27/was-ihr-auf-dem-bpt-wissen-solltet/" target="_blank">Was ihr auf dem BPT wissen solltet</a></li>
<li>Franziska Seyboldt <a href="http://www.taz.de/Kolumne-Lustobjekte/!92322/" target="_blank">Piratenpartei? Dann lieber Tiere!</a></li>
<li>Diskurs @Dradio <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/04/27/das-interview-pfarrer-christian-wolff-zu-seinem-text-die-partei-der-ahnungslosen/" target="_blank">Das Interview: Pfarrer Christian Wolff zu seinem Text “Die Partei der Ahnungslosen”</a></li>
<li>Annett Meiritz, Fabian Reinbold und Ole Rei&#223;mann: <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,829642,00.html" target="_blank">Der Schwarm k&#252;rt seine F&#252;hrung</a></li>
<li>Hannah Beitzer: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/bundesparteitag-der-piratenpartei-piraten-suchen-den-ober-freibeuter-1.1342821" target="_blank">Piraten suchen den Ober-Freibeuter</a></li>
<p><a name="cpp_ende"></a></p>
<p style="margin-bottom:2em;">
</ul>
<p><em>Die Artikel werden auf <a href="http://opalkatze.wordpress.com/to-be-continue/piratenpartei/" target="_blank">&#8230; Kaffee bei mir?</a> sukzessive erg&#228;nzt (auch nach dem Parteitag)<br />
Hier geht es <a href="http://opalkatze.wordpress.com/to-be-continue/piratenpartei/bpt12-der-piratenpartei/" target="_blank">zur #bpt12-Seite &raquo;</a></em></p>
<p style="margin-bottom:2em">
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/e6481563ff8e4bc1ae32e7ba4282e782" width="1" height="1" alt=""/></p>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/43181/bundesparteitag-der-piratenpartei-infomoglichkeiten-und-linkliste/">Bundesparteitag der Piratenpartei: Infom&#246;glichkeiten und Linkliste</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/43181/bundesparteitag-der-piratenpartei-infomoglichkeiten-und-linkliste/#comments">No comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43181&amp;md5=b8a9feb36de584e45dd1464a45140972" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Piraten braten</title>
		<link>http://carta.info/43176/piraten-braten/</link>
		<comments>http://carta.info/43176/piraten-braten/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 13:24:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesparteitag]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Schramm]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Shitstorm]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=43176</guid>
		<description><![CDATA[Die Vorberichterstattung zum Piratenparteitag an diesem Wochenende war hart, aber keineswegs herzlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten haben sich die Medien so &#252;ber einen <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/harte-bretter/harte-bretter-shitstorm-der-etablierten-11727961.html">Shitstorm</a> gefreut. Denn er war analog. Mit geballter Macht wurde in den traditionellen Medien in den vergangenen zwei Wochen gegen die Piratenbrut angeredet und angeschrieben. Nun ist endlich Parteitag, und es soll bestimmt kein innerer werden! Zur Vorstandswahl tritt auch eine Person an, die schon immer f&#252;r Polarisierung gesorgt hat. <em><a href="http://www.taz.de/Piratin-Julia-Schramm/!92303/">taz</a></em> und <em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratin-julia-schramm-wahlkampf-einer-digitalen-seele-11731922.html">faz</a></em> portr&#228;tieren die 26-j&#228;hrige Piratin Julia Schramm als „Privilegienmuschi“ bzw. als „digitale Seele“. Lesenswert.</p>
<p><em>Carta</em>-Autor <a href="http://carta.info/41754/piratenpartei-vom-betriebssystem-zum-parteiprogramm/">Daniel Leisegang</a> hat sich unterdessen beim <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/04/26/piratenpartei-die-binare-freiheit/">diskursradio</a> Gedanken &#252;ber die bin&#228;ren Freiheitsvorstellungen der Piraten gemacht.</p>
<p>&nbsp;
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/43176/piraten-braten/">Piraten braten</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/43176/piraten-braten/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43176&amp;md5=791242d7b86d96068a054266d050ba9a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf der Suche nach dem wirtschaftspolitischen Kern der Piraten</title>
		<link>http://carta.info/42844/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/</link>
		<comments>http://carta.info/42844/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 11:53:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Elsner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist ein bisschen wie Schatzsuche: Mit der richtigen Karte und viel Geduld findet man auch die Beschl&#252;sse der Piratenpartei zu Wirtschaftsthemen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach der Wahl im Saarland und vor der Wahl in meinem Wohnsitzland Nordrhein Westfalen habe ich hier geschrieben, dass der Piratenpartei ein <a href="http://www.blicklog.com/2012/03/26/die-piraten-werden-ernst-genommen-und-brauchen-jetzt-ein-wirtschaftspolitisches-profil/">wirtschaftspolitisches</a> <a href="http://www.blicklog.com/2012/03/26/die-piraten-werden-ernst-genommen-und-brauchen-jetzt-ein-wirtschaftspolitisches-profil/">Profil</a> <a href="http://www.blicklog.com/2012/03/26/die-piraten-werden-ernst-genommen-und-brauchen-jetzt-ein-wirtschaftspolitisches-profil/">fehlt</a>. Also wollte ich den wirtschaftlichen Kern der Piraten suchen. Den kann ich hier aber nicht liefern, weil ich erst einmal verstehen musste, wie man ihn findet.</p>
<p>Auf der Suche danach habe ich aber etwas gelernt &#252;ber das “Betriebssystem” der Piraten und dar&#252;ber, dass es grober, ja sogar undemokratischer Unfug ist, wenn Leute wie der ehemalige BDI-Pr&#228;sident Hans-Olaf Henkel behaupten, <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-statements-von-verbaenden/6484146.html">hier handele es sich um Chaoten</a>. Die Piraten sind, wenn man mit ihnen spricht, gerade nicht auf platte Spr&#252;che und Werte reduzierbar, wie das etwa einige Statements in der <em>Handelsblatt</em>-Reihe “<a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-ueber-160-statements-zum-urheberrecht/6484234.html">Mein Kopf geh&#246;rt mir</a>” suggerieren.</p>
<p>Die Kritiker &#252;bersehen n&#228;mlich, dass die gr&#246;&#223;te Schw&#228;che der Piraten gleichzeitig ihre gr&#246;&#223;te St&#228;rke ist, der bottom-up Ansatz der inhaltlichen Arbeit. Inhalte zu finden wird dadurch schwer gemacht, weil viele (vielleicht zu viele) heterogene Interessen am Aufbau der Partei mitwirken. Die Partei ist noch lange nicht fertig mit <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm">ihrem</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Parteiprogramm">Programm</a>, das nicht einmal ein eigenes Kapitel f&#252;r Wirtschaftspolitik enth&#228;lt (muss es das eigentlich?). Vertreter der Partei machen daraus auch &#252;berhaupt kein Hehl. Viele Beobachter begreifen das aber nicht und kritisieren die Partei f&#252;r diese Urform der Demokratie.</p>
<p>Der Suche nach dem wirtschaftspolitischen Kern der Piraten stand ich erst einmal hilflos gegen&#252;ber, weil es f&#252;r Au&#223;enstehende <span style="text-decoration: line-through;">zu </span>so viel Ans&#228;tze gibt. Hilfe fand ich via Twitter und sp&#228;ter in einem pers&#246;nlichen Telefonat mit Nico Ecke (Twitternick <a href="https://twitter.com/#%21/hansenico">@</a><a href="https://twitter.com/#%21/hansenico">hansenico</a>). Nico Ecke war 2011 Kandidat der Piraten f&#252;r die Hamburger B&#252;rgerschaftswahl.</p>
<p>Ich lernte aus dem Gespr&#228;ch, dass es m&#252;hsam ist, sich ein rundes Bild der wirtschaftspolitischen Piratendenke zu machen. Der Grund ist einfach: Es gibt keine abgeschlossenen wirtschaftspolitischen Leits&#228;tze und kein alle relevanten Themen abdeckendes Wirtschaftsprogramm. &#220;ber Wirtschaft wird ohne zentralisierte Steuerung viel in und mit der Partei diskutiert.</p>
<p>Aus dem Gespr&#228;ch mit Nico lernte ich verschiedene Diskurswege der Piraten kennen, die ich hier mal ohne Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit nenne:</p>
<ul>
<li><a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft">Arbeitsgruppe</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft">Wirtschaft</a> und eine <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik">AG</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik">Geldordnung</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik">und</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Geldordnung_und_Finanzpolitik">Finanzpolitik</a>,      in denen online diskutiert wird</li>
<li><a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Konferenzen/Treffen_2012.1#3._Wirtschaftskonferenz_in_Hamm.2FWestfalen">reale</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Konferenzen/Treffen_2012.1#3._Wirtschaftskonferenz_in_Hamm.2FWestfalen">Wirtschaftskonferenz</a>,      um die programmatische Arbeit im Bereich der Wirtschaftspolitik der Basis      zu strukturieren und zu intensivieren</li>
<li><a href="https://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/ag-wirtschaft">eine</a> <a href="https://service.piratenpartei.de/mailman/listinfo/ag-wirtschaft">Mailingliste</a> zur AG Wirtschaft</li>
<li>Piratenpad, an dem      gemeinsam an Texten oder Beschl&#252;ssen gearbeitet wird.</li>
<li>Landesparteitage, wie      den <a href="http://wiki.piratenpartei.de/NRW:Landesparteitag_2012.1">Ende</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/NRW:Landesparteitag_2012.1">M&#228;rz</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/NRW:Landesparteitag_2012.1">in</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/NRW:Landesparteitag_2012.1">NRW</a></li>
<li>Bundesparteitage, wie <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.2">Ende</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.2">November</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.2">in</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.2">Bochum</a></li>
</ul>
<p>Manche Diskussionsstr&#228;nge wirken schon wirr. Aber wirre Diskussionen gibt es ebenfalls an der Basis anderer Parteien, nur nirgends wird das so transparent wie bei den Piraten. Damit macht sie sich insbesondere durch die Kreise angreifbar macht, die sonst in Kungel- und Kl&#252;ngelrunden Entscheidungen top-down vorbereiten.</p>
<p>Wirklich inhaltlicher Bestandteil werden Positionen nur &#252;ber Beschl&#252;sse, die auf einem Parteitag verabschiedet werden. Dort hin zu kommen ist nicht ganz einfach und bedarf einer Menge Energie, so Nico Ecke in dem Gespr&#228;ch. Denn Parteitage k&#246;nnen aus organisatorischen und zeitlichen Gr&#252;nden nicht alle Themen abarbeiten. So sollen f&#252;r den letzten Bundesparteitag etwa 1.600 Beschlussvorschl&#228;ge vorgelegen haben (ich hoffe, ich habe die Zahl richtig in Erinnerung). Um hier Positionen mit einer h&#246;heren Priorit&#228;t zu versehen, nutzt die Partei Liquid-Feedback, das hier von <a href="http://www.netzwelt.de/news/90643-piratenpartei-demokratie-2-0-dank-liquid-feedback.html">netzwelt</a> <a href="http://www.netzwelt.de/news/90643-piratenpartei-demokratie-2-0-dank-liquid-feedback.html">erkl&#228;rt</a> wird.</p>
<p>Unter <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Antragsgruppen">Bundesparteitag</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Antragsgruppen"> 2011.2/</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Antragsgruppen">Antragsportal</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Antragsgruppen">/</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/Antragsgruppen">Antragsgruppen</a> findet man verschiedenste Antr&#228;ge zu verschiedensten Themen, darunter auch Wirtschaftsthemen. &#220;ber das Antragsportal kann man sich einen &#220;berblick &#252;ber den <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal#Sonstige_Antr.C3.A4ge">Status</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal#Sonstige_Antr.C3.A4ge">von</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal#Sonstige_Antr.C3.A4ge">Antr&#228;gen</a> verschaffen. Man erf&#228;hrt dort auch, ob die Antr&#228;ge bereits Bestandteil des Programms sind.</p>
<p>Gerade weil in der vergangenen Woche &#252;ber das bedingungslose Grundeinkommen als Programmpunkt der Piraten geschrieben wurde, l&#228;sst sich feststellen, dass dar&#252;ber zwar <a href="http://wiki.piratenpartei.de/wiki/index.php?title=Spezial%3ASuche&amp;search=Grundeinkommen&amp;fulltext=Suchen">viel </a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/wiki/index.php?title=Spezial%3ASuche&amp;search=Grundeinkommen&amp;fulltext=Suchen">diskutiert</a> wird, dies aber kein Bestandteil des Programms ist.</p>
<p>Was die Piraten von den etablierten Parteien unterscheidet, ist, dass hier Demokratie wie oben geschrieben von unten nach oben gelebt wird. Das “Betriebssystem” Piratenpartei kennt keine vorgefertigten Positionen, so Nico. Offizielle Positionen werden von den Mitgliedern in einem zum Teil sehr aufwendigen Prozess erarbeitet.</p>
<p>Eine Konsequenz daraus ist wohl, dass die Partei nicht kompatibel zu Talkshows ist, denn Aussagen jenseits des basisdemokratisch beschlossenen Parteiprogramms oder der abgesegneten Positionspapiere zu treffen, sind &#228;u&#223;erst problematisch f&#252;r die &#246;ffentlichkeitswirksamen Personen der Partei (siehe dazu Sebastian Jabbusch in einer Magisterarbeit &#252;ber <a href="http://www.sebastianjabbusch.de/wp-content/uploads/2011/10/Liquid-Democracy-in-der-Piratenpartei-Eine-Neue-Chance-fur-die-innerparteiliche-Demokratie-im-21-Jahrhundert-By-Sebastian-Jabbusch.pdf">“</a><a href="http://www.sebastianjabbusch.de/wp-content/uploads/2011/10/Liquid-Democracy-in-der-Piratenpartei-Eine-Neue-Chance-fur-die-innerparteiliche-Demokratie-im-21-Jahrhundert-By-Sebastian-Jabbusch.pdf">Liquid</a> <a href="http://www.sebastianjabbusch.de/wp-content/uploads/2011/10/Liquid-Democracy-in-der-Piratenpartei-Eine-Neue-Chance-fur-die-innerparteiliche-Demokratie-im-21-Jahrhundert-By-Sebastian-Jabbusch.pdf">Democracy</a>” via <a href="http://netzpolitik.org/2011/liquid-democracy-in-der-piratenpartei/">Netzpolitik</a>).</p>
<p>Das “Betriebssystem” &#246;ffnet sich prinzipiell f&#252;r Jedermann, auch Nichtmitglieder k&#246;nnen an Positionen der Partei mitarbeiten und diese mitgestalten. Dabei ist es, das ergibt sich aus der Logik der Prozesse, ausgesprochen aufwendig, eigene Positionen durchzubringen. Man muss sich daf&#252;r engagieren, gute Argumente finden, Mehrheiten online und offline organisieren.</p>
<p>Dieser Prozess hat Schw&#228;chen, wenn die Zahl der engagierten Mitglieder gro&#223; und das Interessenspektrum sehr breit ist. Die Piraten werden ihre Diskurskultur so extrem, wie sie das derzeit leben (dazu auch <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/urheberrecht-die-digitale-bananenrepublik-/6470584.html">dieser Beitrag auf Handelsblatt Online</a>), nicht auf Dauer durchhalten. Offen <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oeffentlicher-brandbrief-aufstand-der-nachwuchs-piraten/6486396.html">ausgetragene</a> <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/oeffentlicher-brandbrief-aufstand-der-nachwuchs-piraten/6486396.html">Meinungsk&#228;mpfe</a> k&#246;nnen auch W&#228;hler abschrecken, vor allem, wenn sie jenseits der Kernthemen der Piraten nicht wissen, wof&#252;r die Partei eigentlich steht. Erst recht k&#246;nnte der im Prinzip gut gemeinte basisdemokratische Ansatz die pragmatische parlamentarische Arbeit erheblich erschweren. Effiziente Regierungsarbeit halte ich so f&#252;r ausgeschlossen.</p>
<p>Die vorgenannte Kritik sollte aber nicht dazu f&#252;hren, diese Form der Demokratie 2.0 pauschal abzulehnen. Wie das Netz 2.0 sich st&#228;ndig weiterentwickelt, aus Fehlern lernt, die Intelligenz der Massen nutzt und und und, werden sich auch die Piraten weiter entwickeln. Dann wird sich auch ein wirtschaftspolitischer Kern herausbilden. Noch muss dieser Kern freilich m&#252;hsam erarbeitet werden und als Beobachter muss man ihn sich in m&#252;hevoller Kleinarbeit zusammensuchen. Aber hat irgend jemand behauptet, dass Demokratie bequem sein muss?</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>P.S. Wer sich vorl&#228;ufig ein Bild von der inhaltlichen Diskussion wirtschaftspolitischer Themen bei den Piraten machen will, der schaut einfach mal hier in das <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Programm">Programm</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Programm"> der</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Programm">AG</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Programm">Wirtschaft</a> und hier in <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Antr%C3%A4ge">Antr&#228;ge</a><a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Antr%C3%A4ge"> der</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Antr%C3%A4ge">AG</a> <a href="http://wiki.piratenpartei.de/AG_Wirtschaft/Antr%C3%A4ge">Wirtschaft</a>.</p>
<p>Nachtrag: Nach der Ver&#246;ffentlichung dieses Beitrags erhielt ich noch weitere Hinweise, wo die Piraten &#252;ber Wirtschaft diskutieren: auf news.piratenpartei.de, <a href="https://news.piratenpartei.de/forumdisplay.php?fid=376">Geldordnung und Finanzpolitik</a>, <a href="https://news.piratenpartei.de/forumdisplay.php?fid=221">Liquid Feedback</a>, <a href="https://news.piratenpartei.de/forumdisplay.php?fid=295">Wirtschaft, Soziales</a></p>
<p><em><a href="http://www.blicklog.com/2012/04/10/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/">Crosspost</a> </em>
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
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			</a>
		</div>
<p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
<a href="http://carta.info/42844/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/">Auf der Suche nach dem wirtschaftspolitischen Kern der Piraten</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/42844/auf-der-suche-nach-dem-wirtschaftspolitischen-kern-der-piraten/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42844&amp;md5=407d91fae2174fcc87550c6ea180f846" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>J&#252;rgen Trittin, die SZ und die Kulturflatrate</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 16:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kulturflatrate]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Privatkopie]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[An der Kulturflatrate reiben sich vor allem jene, die nicht so genau wissen, was das ist. Manche k&#228;mpfen auch einen Kulturkampf gegen Windm&#252;hlenfl&#252;gel – wie j&#252;ngst das Feuilleton der SZ. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>J&#252;rgen Trittin, der Fraktionsvorsitzende der Gr&#252;nen, ist unl&#228;ngst mit seiner Forderung nach einer Kulturflatrate f&#252;rs Internet ins Kampfget&#252;mmel um Piraten, Urheberrechte und Kostenlos-Kultur geraten. In einem <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/juergen-trittin-kulturflatrate-fuers-internet/6455848-4.html">Interview</a> mit der <em>Wirtschaftswoche</em> sagte er:</p>
<blockquote><p>„Es ist ein Skandal, dass Konzerne &#252;ber Abmahnanw&#228;lte Sch&#252;ler kaputtklagen, weil sie eine Musikdatei runtergeladen haben. Das ist ein schamloses Missverh&#228;ltnis. Das hat mit dem Schutz von Urheberrechten nichts zu tun, das ist Gesch&#228;ftemacherei. Einen Unterschied gibt es allerdings: Wir sagen, dass der Kreative – nicht der Rechteinhaber – ein Recht auf anst&#228;ndige Entlohnung hat. Man muss es zu einem vern&#252;nftigen Ausgleich bringen: die Rechte von Kreativen, die Musik, Texte und dergleichen produzieren und davon leben, und den Nutzern, die m&#246;glicherweise nicht viel Geld haben.“</p></blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die <em>Wirtschaftswoche </em>fragte noch einmal nach: Sie pl&#228;dieren also f&#252;r eine Kultur-Flatrate? „Was verstehen Sie konkret darunter?“ Trittins (leider falsche) Antwort:</p>
<blockquote><p>„Das kennt man von ARD und ZDF. Jeder zahlt einmal eine Geb&#252;hr und darf so viel runterladen, wie er will. Das wird schon im Kleinen bei Internet-Plattformen praktiziert. Da brauchen wir dringend gesetzliche Regelungen. Ich m&#246;chte, dass Menschen, die gute Songs schreiben oder dichten und B&#252;cher schreiben, von ihrer Arbeit leben k&#246;nnen. Die Flatrate w&#228;re ein Weg zum gerechten Lohn.“</p></blockquote>
<p>Trittins irref&#252;hrende Aussage (denn die Kulturflatrate ersetzt keineswegs den Lohn!) erboste den Kulturchef der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>, Andrian Kreye, so sehr, dass er Trittin in einem <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/diskussion-um-kulturflatrate-wie-opportunismus-die-urheberrechtsdebatte-behindert-1.1324659">Leitartikel</a> durchsichtige Man&#246;ver und populistische Kulturkampfrhetorik unterstellte:</p>
<blockquote><p>„Wenn sich Gr&#252;nen-Fraktionschef J&#252;rgen Trittin pl&#246;tzlich f&#252;r eine Kulturflatrate ausspricht, mag er damit gegen die Piraten punkten wollen &#8211; die Debatte um das Urheberrecht bringt sein Opportunismus nicht voran.“</p></blockquote>
<p>Gleich drei Aussagen sind in diesem erregten kleinen Satz falsch: 1. Die Gr&#252;nen sprechen sich keineswegs „pl&#246;tzlich“ f&#252;r die Kulturflatrate aus, sie tun dies bereits seit vielen Jahren (allerdings anders als Trittin glaubt), 2. Die Gr&#252;nen haben es – zumindest in diesem Punkt – nicht n&#246;tig, gegen die Piraten zu „punkten“, weil sie bereits Anfang 2009, noch vor dem ersten gro&#223;en Piratenerfolg, f&#252;r die Kulturflatrate waren, w&#228;hrend sich die Piraten eindeutig <em><a href="http://carta.info/12283/piraten-wollen-die-freiheit-die-piratenpartei-ist-gegen-die-kulturflatrate/">gegen</a></em> eine Kulturflatrate aussprechen. Und 3. ist der Vorwurf des Opportunismus aufgrund der beiden vorgenannten Punkte absurd.</p>
<p>Auch sonst zeigte der Leitartikel der <em>SZ</em>, dass sich der Verfasser nicht die M&#252;he gemacht hatte, die Grundlagen der Gr&#252;nen-Forderung zur Kenntnis zu nehmen. Er polemisierte lieber &#8211; wie andere vor ihm &#8211; gegen die angeblich drohende b&#252;rokratische &#220;berregulierung, die in Gestalt von Verwertungsgesellschaften g&#228;ngige Praxis und gar nicht so bedrohlich ist.</p>
<p>Andrian Kreye glaubt &#8211; wie viele andere vor ihm &#8211; dass aus den Kulturflatrate-Einnahmen die Honorare der Kreativen bezahlt werden sollen. Doch genau darum geht es der Kulturflatrate gerade <em>nicht</em>. Es geht ihr allein um die (bislang ausgebliebene) Abgeltung f&#252;r die massenhafte <em>nicht-kommerzielle Nutzung </em>urheberrechtlich gesch&#252;tzter Werke. Es geht also lediglich darum, die im Urheberrecht bereits verankerte Verg&#252;tung f&#252;r Privatkopien in die Praxis umzusetzen. Das geschieht n&#228;mlich nicht.</p>
<p>Und damit sind wir bei den Gr&#252;nen, denen Kreye zu Unrecht Opportunismus vorwirft. In punkto Kulturflatrate sind die Gr&#252;nen ausgesprochene Pioniere. Das h&#228;tte man im hauseigenen Archiv auch nachlesen k&#246;nnen. Man h&#228;tte dort Folgendes gefunden:</p>
<p>Im M&#228;rz 2009 legte das <em>Institut f&#252;r Europ&#228;isches Medienrecht</em> in Zusammenarbeit mit der <em>Projektgruppe verfassungsvertr&#228;gliche Technikgestaltung </em>an der Universit&#228;t Kassel ein <a href="http://www.jurablogs.com/de/eine-kulturflatrate-rechtlich-machbar">Kurzgutachten</a> zur Kulturflatrate vor. Das Gutachten hatten die Bundestagsfraktion von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und die Fraktion der Gr&#252;nen bzw. der Freien Europ&#228;ischen Allianz im Europ&#228;ischen Parlament gemeinsam in Auftrag gegeben. Als Verfasser des Gutachtens zeichneten Prof.Dr. Alexander Ro&#223;nagel, Dr. Silke Jandt, Dr. Christoph Schnabel und Anne Yliniva-Hoffmann.<em> </em>Gepr&#252;ft wurde von der Wissenschaftlergruppe „die Zul&#228;ssigkeit einer Kulturflatrate nach nationalem und europ&#228;ischem Recht“. Dieses Rechts-Gutachten war eine wesentliche <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/netzpolitik/dok/278/278135.eine_kulturflatrate_ist_machbar.html">Grundlage</a> f&#252;r die Forderung der Gr&#252;nen nach Einf&#252;hrung einer Kulturflatrate zur pauschalen Abgeltung nicht-kommerzieller Nutzung. Die Kernaussagen des Papiers will ich hier noch einmal vorstellen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Kulturflatrate</strong></p>
<blockquote><p>„Unter einer Kulturflatrate ist die Legalisierung der <em>nichtkommerziellen</em> Weitergabe und Vervielf&#228;ltigung von digitalen, urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken &#252;ber das Internet zu verstehen, f&#252;r welche zum Ausgleich eine pauschale Geb&#252;hr zur Entsch&#228;digung der Rechteinhaber zu erheben und an diese abzuf&#252;hren ist.“</p></blockquote>
<p>Es geht also &#8211; man kann es nicht oft genug wiederholen &#8211; um <em>nicht-kommerzielle Zweitverwertungen, und </em>nicht um kommerzielle Verwertungen.</p>
<blockquote><p>„Wurden die urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werke auf k&#246;rperlichen Datentr&#228;gern ver&#246;ffentlicht (etwa auf CD oder DVD), so handelt es sich bei ihrer Verbreitung im Internet um so genannte <em>Zweitverwertungen</em>.“</p></blockquote>
<p>Eine gesetzliche Kulturflatrate w&#252;rde nach Auffassung der genannten Gutachter festlegen, unter welchen Voraussetzungen der Tausch eines Werks &#252;ber das Internet <em>ohne</em> Zustimmung des Urhebers zul&#228;ssig ist. Da mit einer solchen Regelung ein gravierender Eingriff in die Verwertungsrechte der Urheber verbunden ist, w&#228;re die Kulturflatrate nach Meinung der Experten nur legitimierbar, wenn sie als <em>Inhalts- und Schrankenbestimmung</em> nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 Grundgesetz akzeptabel w&#228;re.</p>
<p>Bei der Kulturflatrate handelt es sich deshalb um eine Generallizenz f&#252;r Privatkopien. Man k&#246;nnte sie durchaus mit der bereits existierenden Leermedienabgabe nach §54 Urhebergesetz vergleichen. Allerdings w&#252;rde die Kulturflatrate nicht (was nahe l&#228;ge) von den Tauschb&#246;rsenbetreibern bezahlt, sondern von den Access-Providern bzw. den Internet-Nutzern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Problem</strong></p>
<p>Mit der Verbreitung des Internets ist die Zahl der (nach jetzigem Recht) illegal vervielf&#228;ltigten und weitergegebenen Werke stark gestiegen. Den Rechteinhabern ist es bislang nicht m&#246;glich gewesen, diese Praxis zu unterbinden <em>oder</em> eine angemessene Verg&#252;tung daf&#252;r zu erlangen. Die zur Durchsetzung des einen wie des anderen notwendige fl&#228;chendeckende &#220;berwachung w&#228;re mit einem unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Eingriff in die Grundrechte der informationellen Selbstbestimmung und des Fernmeldegeheimnisses verbunden.</p>
<p>Da der Gesetzgeber also einerseits auf den faktischen Wandel des Nutzerverhaltens R&#252;cksicht nehmen muss, andererseits aber auch die gesetzlich garantierte (!) Verg&#252;tung der Urheber sicherzustellen hat,</p>
<blockquote><p>„w&#228;re eine Kulturflatrate die einzige geeignete Ma&#223;nahme und zugleich das mildeste Mittel“.</p></blockquote>
<p>Mit einer Kulturflatrate best&#252;nde kein Grund mehr f&#252;r strafrechtliche Ermittlungen und zivilrechtliche Abmahn-Verfahren gegen Tauschb&#246;rsenbenutzer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Privatkopie</strong></p>
<p>Um nichts anderes geht es. § 53 Absatz 1 Urhebergesetz erlaubt die Herstellung von Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cken eines Werks <em>zum privaten Gebrauch</em>. Dazu hei&#223;t es im Gutachten:</p>
<blockquote><p>„Diese Vorschrift tr&#228;gt dem Interesse der Allgemeinheit Rechnung, nicht &#252;ber Geb&#252;hr mit dem Erfordernis der Einholung der Zustimmung der Rechteinhaber belastet zu werden, da dies im privaten Bereich unangemessen und unpraktikabel w&#228;re. Die Vervielf&#228;ltigung ist aber ausschlie&#223;lich zum privaten Gebrauch gestattet. Die Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cke d&#252;rfen daher nur zur Befriedigung rein pers&#246;nlicher Bed&#252;rfnisse durch die eigene Person oder die mit ihm durch ein pers&#246;nliches Band verbundenen Personen erzeugt werden.“</p></blockquote>
<p>Diese generelle Erlaubnis wurde mit dem Inkrafttreten des 2. Korbs der Urheberrechtsnovelle am 1.1.2008 stark eingeschr&#228;nkt. Der Grund: Die Tauschb&#246;rsen im Internet haben rein quantitativ nichts mehr gemein mit dem privaten Ausleihen einer LP oder dem privaten Mitschnitt eines Rundfunkbeitrags. Seit Januar 2008 d&#252;rfen deshalb&#8230;</p>
<blockquote><p>„&#8230;zum privaten Gebrauch hergestellte Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cke weder verbreitet noch zur &#246;ffentlichen Zug&#228;nglichmachung genutzt werden&#8230; Die Vervielf&#228;ltigung ist auch dann nicht zul&#228;ssig, wenn sie auf einer offensichtlich rechtwidrig zug&#228;nglich gemachten Vorlage basiert.“</p></blockquote>
<p>Das bedeutet: Wenn f&#252;r einen Tauschb&#246;rsenbenutzer klar erkennbar ist, dass es sich um rechtswidrige Angebote handelt, gilt das urspr&#252;ngliche Recht auf „Privatkopie“ nicht mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Verg&#252;tungspflicht</strong></p>
<p>Durch die Einf&#252;hrung der Kulturflatrate w&#252;rden die Urheber erstmals (!) eine ausreichende finanzielle Kompensation f&#252;r diese Privatkopien erhalten. Diese Kompensation steht ihnen zwar laut Gesetz schon jetzt zu, lie&#223; sich aber in der Praxis nie durchsetzen.</p>
<p>Kritiker der Kulturflatrate lehnen es allerdings ab, die Zahlung einer Lizenzgeb&#252;hr (&#8220;Zwangslizenz&#8221;) bereits <em>von der M&#246;glichkeit</em> eines Downloads abh&#228;ngig zu machen. Auf diese Weise m&#252;ssten auch Personen zahlen, die vom Downloaden gar keinen Gebrauch machen. Das gleiche Problem, so die Gutachter, bestehe allerdings auch bei den seit Jahren erhobenen Ger&#228;teabgaben nach §54 Urhebergesetz:</p>
<blockquote><p>„Auch hier muss derjenige zahlen, der mit seinem erworbenen Drucker oder Scanner gar keine Privatkopien anfertigt. Gr&#252;nde, warum dies bei Abgaben f&#252;r Vervielf&#228;ltigungsger&#228;te und Leermedien zul&#228;ssig sein soll, aber bei der Kulturflatrate einen Grundrechtsversto&#223; darstellt, sind nicht ersichtlich. &#196;hnliches gilt f&#252;r die Rundfunkgeb&#252;hrenpflicht&#8230;</p>
<p>Folglich ist die Zahlungsverpflichtung, die f&#252;r die Einf&#252;hrung einer Kulturflatrate unabdingbar ist, auch dann verfassungsgem&#228;&#223;, wenn sie Internet-Nutzer mit einbezieht, die von den M&#246;glichkeiten des Downloads von Kulturg&#252;tern keinen Gebrauch machen.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Gesch&#228;ftsmodell</strong></p>
<p>Die Legalisierung nichtkommerzieller Tauschb&#246;rsen w&#252;rde sich – nach Ansicht der Gutachter – zweifellos auf die Ums&#228;tze der kommerziellen Anbieter auswirken. Nutzungslizenzanbieter wie iTunes oder Maxdome m&#252;ssten deshalb gegen&#252;ber kostenlosen Angeboten aus P2P-Tauschb&#246;rsen einen signifikanten Mehrwert anbieten. Dieser Mehrwert k&#246;nnte sich etwa in besserer Qualit&#228;t, h&#246;herer Download-Geschwindigkeit, st&#228;ndiger Verf&#252;gbarkeit oder besserer Daten-Sicherheit zeigen. Ob der angepriesene Mehrwert die Kostenlos-Kultur der Tauschb&#246;rsen einzud&#228;mmen vermag, l&#228;sst das Gutachten wohlweislich offen.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich sind kommerzielle Verwertungsformen neben der Kulturflatrate denkbar. Bezahlte Abonnements, bezahlte Apps, Bezahlschranken aller Art etc. w&#252;rden von einer Kulturflatrate zur Abgeltung nicht-kommerzieller Privatkopien nicht tangiert. Gesch&#228;ftsmodelle und Kulturflatrate w&#228;ren also miteinander vereinbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Verteilungsproblem</strong></p>
<p>Heftige Kritik l&#246;st auch stets die Verteilung der &#252;ber eine Kulturflatrate eingenommenen Gelder aus. Denn die Aussch&#252;ttung an die Urheber und Rechteinhaber (also die &#8220;Wahrnehmungsberechtigten&#8221;) soll &#252;ber Verwertungsgesellschaften erfolgen, die es seit vielen Jahrzehnten gibt, und deren Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit immer wieder von au&#223;en in Zweifel gezogen wird. Diese Kritik will das Gutachten nicht nachvollziehen:</p>
<blockquote><p>„Es wird h&#228;ufig kritisiert, dass die Verwertungsgesellschaften einen nicht unerheblichen Teil der Einnahmen f&#252;r den eigenen b&#252;rokratischen Aufwand verbrauchen. Bei der GEMA lag der Kostensatz in den letzten Jahren bei rund 14% der Einnahmen. Obwohl dies Aufwendungen von rund 120 Millionen € pro Jahr entspricht, wird auch in diesem Zusammenhang nicht die grunds&#228;tzliche Notwendigkeit der Existenz der GEMA aus rechtlichen Gr&#252;nden bezweifelt. Die Verwertungsgesellschaften haben auf jeden Fall den Vorteil, dass sie aufgrund des fehlenden wirtschaftlichen Eigeninteresses Garant f&#252;r das Bem&#252;hen um ein gerechte und Kultur f&#246;rdernde Verteilung der Geb&#252;hren sind.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>So weit die Kernaussagen des Gutachtens, das von den Gr&#252;nen im M&#228;rz 2009 der &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentiert wurde. Dieses Gutachten hat sicherlich Schw&#228;chen und weicht manchem Problem (elegant) aus. Doch die Behauptung, die Gr&#252;nen w&#252;rden sich – aus opportunistischen Gr&#252;nden – den Piraten an den Hals werfen, ist eine Desinformation. Wer so argumentiert, kennt weder die Beschlusslage der Piraten noch die der Gr&#252;nen. Von Kenntnissen auf dem Gebiet des Urheberrechts ganz zu schweigen.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Bleiben die Piraten an Bord?</title>
		<link>http://carta.info/42424/bleiben-die-piraten-an-bord/</link>
		<comments>http://carta.info/42424/bleiben-die-piraten-an-bord/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 09:57:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei zieht vor allem Nichtw&#228;hler an, und sie differenziert das linke Milieu weiter aus. F&#252;r die etablierten Parteien bedeutet dies zun&#228;chst weniger Koalitionsoptionen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frage: ‚Kann man die eigentlich w&#228;hlen‘? stellt sich nicht mehr, seitdem die Piraten mit dem Saarland nun auch Fl&#228;chenl&#228;nder entern. Das eindeutige ‘Ja‘! ist dabei weniger aufregend als die Konsequenzen: Dass ausgerechnet Politrebellen sich nun anschicken, das deutsche Parteiensystem vorerst mal geh&#246;rig durcheinander zu r&#252;tteln!</p>
<p>Denn mit den aktuellen sieben Prozent in der bundesweiten Emnid-Sonntagsfrage erh&#246;hen die Piraten den Anteil der W&#228;hler, der nicht koalitionsf&#228;hige Parteien w&#228;hlt, auf ca. 20 Prozent. Von seltenen F&#228;llen wie Bayern, Sachsen, evtl. auch NRW abgesehen, werden Mehrheiten bald unberechenbar, oder die Gro&#223;en einigen sich sofort auf die oft einzig verbleibende stabile Koalition: Schwarz/Rot. Die etablierten Kleinen werden durch die gro&#223; werdenden Piraten zumeist auf den Status ‚oppositionelles Beiwerk‘ zur&#252;ckgestutzt.</p>
<p>Das Ph&#228;nomen ‘Pirat‘ wurde im Grunde lange erwartet: Weil es in einer sich stark fragmentierenden Gesellschaft (‚Jeder hat seine Welt‘) kein eindeutiges ‘richtig‘ oder ‚falsch‘ mehr gibt und politische Rituale kaum mehr ernst genommen werden, reduziert sich die Macht der Autorit&#228;ten. Unzufriedene, Exoten und Basisdemokraten haben an deren Stelle Konjunktur: Mitdenken &#8211; Mitreden &#8211; Mitbestimmen ist ihre Marschroute, fast egal, was ‚hinten herauskommt‘, Hauptsache:  alle twittern mit. Und weil das Internet  einen gro&#223;en Transparenzschub ausl&#246;st, geh&#246;rt alles an die &#214;ffentlichkeit – und nichts mehr in die Hinterzimmer des Entscheider-Establishments.</p>
<p>Die Abkehr vom Etablierten macht die Piraten vor allem f&#252;r die Polit-Frustrierten interessant. Ihren gr&#246;&#223;ten W&#228;hleranteil rekrutieren sie folgerichtig aus den Nicht-W&#228;hlern, von denen derzeit fast jeder Vierte ‚orange‘ w&#228;hlen w&#252;rde. Unter den Links-, Gr&#252;n- und FDP-W&#228;hlern vom Herbst 2009 ist es etwa jeder Zehnte. Wenig attraktiv sind die Netzaktivisten dagegen f&#252;r die Gro&#223;en: Nur drei Prozent der SPD- und weniger als zwei Prozent der damaligen Union-W&#228;hler gehen derzeit an die Piraten verloren. Klammheimlicher  Sieger der Piraterie ist also CDU/CSU, weil sie relativ ungeschoren bleibt, sich das konkurrierende linke Lager dagegen weiter zersplittert.</p>
<p>Im Gegensatz zu den fr&#252;heren Gr&#252;nen, die in ihren Kinderschuhzeiten haupts&#228;chlich j&#252;ngere &#214;ko-Aktivisten ansprachen, sind die Piraten in allen Schichten der Parteiverdrossenen zu finden. Im Grunde sind sie eine ‚Partei der Mitte‘: Besonders h&#228;ufig unter den 30- bis 44-J&#228;hrigen, M&#228;nnern, Berufst&#228;tigen mittlerer Einkommen sowie mittlerer Bildungsabschl&#252;sse zu finden. Weil Staat und Gesellschaft  gerade von diesen B&#252;rgern am meisten fordern und ihnen am wenigsten geben, sind hier Politfrust und Abkehr vom etablierten Systemen besonders gro&#223;.</p>
<p>Dennoch ist eine Piraten-Karriere nach gr&#252;nem Muster noch ein weiter Weg: Den Praxistest m&#252;ssen die Politrevoluzzer erst noch bestehen. Denn Charme und Authentizit&#228;tsbewunderung halten nur eine beschr&#228;nkte Zeit.  Auch die Piraten m&#252;ssen sich die Frage: ‚Wof&#252;r stehen die eigentlich‘? gefallen lassen, m&#252;ssen was bewegen, m&#252;ssen liefern. Zudem kann das gro&#223;e Experiment maximaler Transparenz leicht in Widerspruch, Entscheidungslethargie  und Nichtverantwortung enden, wenn alle mitentscheiden – und ‚keiner es gewesen ist‘. Weitere Gefahren drohen durch ein m&#246;gliches ‚Sprechblasenparteiprogramm‘. Und wenn die ungez&#252;gelten Netzaktivit&#228;ten im ultimativen Frustmotiv, der innerparteilichen Zerstrittenheit, enden.</p>
<p>Schon in Schleswig-Holstein, erst recht am 13. Mai in NRW, erfolgt der richtige Praxistest, die vorl&#228;ufige Entscheidung &#252;ber das ‚Delete‘ oder ‚Enter’ der Piratenkarriere:  Dann n&#228;mlich, wenn in einem Lagerwahlkampf jede Stimme z&#228;hlt.
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		<title>Carta und die Piraten</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 18:19:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Autorenplattform Carta begleitet die Entwicklung der deutschen Piratenpartei seit Jahren. Die wichtigsten Beitr&#228;ge haben wir hier noch einmal chronologisch zusammengestellt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auffallend an der Piraten-Chronologie &#8211; die durch zahlreiche „Netzlesen“ erg&#228;nzt werden k&#246;nnte &#8211; ist eine Wellenbewegung: Mitte 2010, nach dem z&#228;hen <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695031,00.html">Bundesparteitag</a> in Bingen und der verpatzten Landtagswahl in <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-04/Piratenpartei-NRW">NRW</a> (1,6%), war die Skepsis &#252;ber den Fortbestand der Piratenpartei am gr&#246;&#223;ten. Jetzt ist die Partei wieder obenauf. Doch wir werden – vielleicht erneut in Nordrhein-Westfalen – auch neue „Wellent&#228;ler“ erleben. Das Interesse an der Entwicklung dieser neuen, interessanten Parteiformation ist jedenfalls bei Carta ungeschm&#228;lert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li><em>Wolfgang Michal</em>, Die Piraten – Aufstand der technischen Intelligenz? (<a href="http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/">12.6.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Piraten wollen die Freiheit: Die Piratenpartei ist gegen die Kulturflatrate (<a href="http://carta.info/12283/piraten-wollen-die-freiheit-die-piratenpartei-ist-gegen-die-kulturflatrate/">23.7.2009</a>)</li>
<li><em>Matthias Schwenk</em>, Blumentopfpiraten (<a href="http://carta.info/13797/wahl-blumentopf-wahlwerbespot/">27.8.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Interview mit dem Vorsitzenden der Piratenpartei, Jens Seipenbusch: „Das Internet gef&#228;hrdet nicht die Kultur, sondern ein bestimmtes Verst&#228;ndnis von Kultur“ (<a href="http://carta.info/14945/piratenpartei-jens-seipenbusch-interview/">17.9.2009</a>)</li>
<li><em>Christoph Bieber</em>, Kampagne als „Augmented Reality Game“: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei (<a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/">25.9.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Erfolg f&#252;r Piraten und Petition: Internetsperren ausgebremst (<a href="http://carta.info/16328/internetsperren-fdp-piratenpartei-aussetzung/">16.10.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Piraten vs. Parteiestablishment. Es geht NICHT um das Internet (<a href="http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/">17.1.2010</a>)</li>
<li><em>Felix Neumann</em>, Piratenpartei: Mehr als die Autofahrerpartei auf der Datenautobahn (<a href="http://carta.info/22886/piratenpartei-autofahrerpartei-auf-der-datenautobahn/">12.2.2010</a>)</li>
<li><em>Wolfgang Michal</em>, Antrag auf Umbenennung der Piratenpartei (<a href="http://carta.info/27170/antrag-auf-umbenennung-der-piratenpartei/">10.5.2010</a>)</li>
<li><em>Felix Neumann</em>, Die Grundsatzdebatte der Piratenpartei: Was bedeutet „Grundgesetz bewahren“? (<a href="http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/">22.9.2010</a>)</li>
<li><em>Jennifer Domnick</em>, Die Piraten vor Hamburg: „Wir wollen wegkommen vom Image der Spa&#223;partei“, Interview mit Claudius Holler (<a href="http://carta.info/38280/die-piraten-vor-hamburg-wir-wollen-wegkommen-vom-image-der-spasspartei/">18.2.2011</a>)</li>
<li><em>Vera Bunse</em>, Unverzichtbare Lichtgestalten. Die Medien und Marina Weisband (<a href="http://carta.info/41065/unverzichtbare-lichtgestalten/">2.12.2011</a>)</li>
<li><em>Michael Seemann</em>, Das Partizipations-Transparenz-Dilemma (<a href="http://carta.info/41217/das-partizipations-transparenz-dilemma/">3.2.2012</a>)</li>
<li><em>Daniel Leisegang</em>, Von Betriebssystem zum Parteiprogramm (<a href="http://carta.info/41754/piratenpartei-vom-betriebssystem-zum-parteiprogramm/">29.2.2012</a>)</li>
<li><em>Andreas Lange</em>, Liquid Feedback: Gamification von Politik? (<a href="http://carta.info/42081/liquidfeedback-gamification-der-politik/">14.3.2012</a>)</li>
<li><em>Vera Bunse</em>, Die Piraten in der Fernsehberichterstattung (<a href="http://carta.info/42306/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/">26.3.2012</a>)</li>
</ul>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42343&amp;md5=f3ed1900254e5fe043195c1d00f72104" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>LiquidFeedback: Gamification der Politik?</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Mar 2012 21:09:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Lange</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Ich hab LiquidFeedback durchgespielt, ohne ein Leben zu verlieren“: LiquidFeedback enth&#228;lt Elemente von Online-Rollenspielen. Deren Ziel ist, einen Charakter im Spiel aufzubauen und mit m&#246;glichst viel Macht auszustatten. Bei LiquidFeedback geht es um Delegiertenstimmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://liquidfeedback.org/">LiquidFeedback</a> wird seit 2009 von Public Software Group e.V. programmiert, der Berliner Landesverband der Piratenpartei setzte das System im Januar 2010 als erster ein. Die Parteimitglieder k&#246;nnen im „Liquid“, wie die Software unter Piraten genannt wird,  Antr&#228;ge erarbeiten, die  dem Parteivorstand vorgelegt und bei Annahme ins Parlament eingebracht werden.</p>
<p>Dabei hat LiquidFeedback den Anspruch, Elemente direkter und repr&#228;sentativer Demokratie zu vereinen. Jedes Mitglied kann selbst Antr&#228;ge einstellen, kommentieren und dar&#252;ber abstimmen &#8211; oder aber seine Stimme themenbezogen an ein anderes Mitglied delegieren, das es auf dem jeweiligen Sachgebiet f&#252;r kompetent h&#228;lt. Je mehr Delegiertenstimmen ein Mitglied auf sich vereint, desto mehr Gewicht hat sein Votum. Eine Zahl symbolisiert die &#252;bertragenen Delegiertenstimmen, de facto die Macht seines Votums.</p>
<p><strong>Gamification</strong></p>
<p>Da dies, zumindest oberfl&#228;chlich, an Rollenspiele erinnert, in denen der Machtzuwachs der Spielcharaktere im Mittelpunkt steht, stellt sich die Frage, ob LiquidFeedback spielerische Prinzipien in digitalisierte politische Prozesse implementiert. Das Ziel ist, lust- und effektvollere Teilhabe- und Mitbestimmungsm&#246;glichkeiten zu etablieren, als unsere Parteiendemokratie bisher vorgesehen hat. Tweets und Kommentare von LiquidFeedback-Usern best&#228;tigen die Parallele zu Computerspielen: <a href="http://identi.ca/notice/50309000" target="_blank">„Mit meinen Minderheitenmeinungen komme ich nie ins Level 2!“</a>, <a href="https://twitter.com/#!/webrebell/status/141108158939672576" target="_blank">„Ich hab LiquidFeedback durchgespielt, ohne ein Leben zu verlieren.“</a>, <a href="http://twitoaster.com/country-de/flachshaar/habe-mal-wieder-alle-antrage-durchgearbeitet-warten-auf-den-endgegner-lqfb/" target="_blank">„Habe mal wieder alle Antr&#228;ge durchgearbeitet =&gt; Warten auf den Endgegner“</a>, <a href="https://twitter.com/#!/johl/status/164730558348410881" target="_blank">„Meine liebsten MMORPG: Eve Online und LiquidFeedback“</a>.</p>
<p>Die Tendenz, Spielelemente und -funktionsmechanismen auf andere, nicht-spielerische Kontexte zu &#252;bertragen, wird unter dem Label Gamification gefasst. Dabei geht es zun&#228;chst um Arbeits-, Lern- oder Konsumumgebungen, sind diese digitalisiert, entstammen Anleihen meistens aus Computerspielen. Die User sollen motiviert werden, sich intensiver mit einem Thema/Produkt auseinander zu setzen oder bestimmte Handlungen zu vollziehen.</p>
<p>Bj&#246;rn Swierczek, Programmierer der Public Software Group, nennt als wesentliche Eigenschaften von LiquidFeedback Transparenz und die objektive Messbarkeit von Entscheidungsprozessen. „Anders als in den sprichw&#246;rtlichen Hinterzimmern sind alle Entscheidungsprozesse f&#252;r alle nachvollziehbar.“ Hinzu kommt ein direktes Feedback auf Aktionen eines Users. Und auch dies ist zentral f&#252;r Games: Ein transparentes Regelwerk, das einerseits sicherstellt, dass der Spieler durch regelm&#228;&#223;iges Feedback zum weiterspielen motiviert wird, und andererseits, dass am Ende ein Ergebnis nach objektiven Kriterien feststeht.</p>
<p><strong>Spiel und Realit&#228;t</strong></p>
<p>Eines der wichtigsten Spielelemente ist das Spielziel, dem alles andere untergeordnet ist. Jenseits des reinen Machtgewinns sieht Alexander Morlang, Berliner Abgeordneter der Piratenpartei, „die Lust und den Willen, die Welt zu ver&#228;ndern“ als „Spielziel“ jeder Politik.</p>
<p>Doch zeichnen sich Spiele ja gerade dadurch aus, dass Personen in k&#252;nstlich geschaffenen symbolischen R&#228;umen agieren, losgel&#246;st von tats&#228;chlichen Konsequenzen. Die Spieler wissen um die Begrenztheit des Spiels in Raum und Zeit, ihnen ist bewusst, dass sie jederzeit aus dem Spiel aussteigen k&#246;nnten.</p>
<p>Die Anbindung an reales Handeln ver&#228;ndert das Spiel vollkommen. Wenn wir Spielelemente auf nicht-spielerische Lebensbereiche erweitern, bleibt der Spielspa&#223; tendenziell auf der Strecke. Dies macht die Ambivalenz der Gamification aus: Die scheinbare Konsequenzlosigkeit wird auf Bereiche &#252;bertragen, die sehr wohl Einfluss auf unser Leben haben.</p>
<p>LiquidFeedback ersetzt  Politik nicht , findet Alexander Morlang. Die Herausforderung von LiquidFeedback best&#252;nde darin, gute Texte zu schreiben, die dann bestenfalls als fertige Antr&#228;ge herauskommen. Insofern dient die Software den Piraten als Testraum: Politische Ideen werden in Form von Antr&#228;gen „durch das Liquid geschleift“.  am Ende dieses  Prozesses sind Kritikpunkte eingebracht, Gegenmeinungen und Verbesserungsvorschl&#228;ge abgestimmt.</p>
<p>Die Antr&#228;ge sind umfassender bedacht und gepr&#252;ft worden – und finden mit h&#246;herer Wahrscheinlichkeit Zustimmung beim Vorstand. Hintergrund ist dabei einerseits der demokratische Charakter der Antragsgenerierung, andererseits  ist die Gefahr eines Shitstorms &#8211; eine andere Art des Feedbacks, die speziell unter den Piraten weit verbreitet ist &#8211; minimiert. Die Kritiker h&#228;tten sich ja im Liquid beteiligen k&#246;nnen.</p>
<p>Die eigentliche politische Arbeit, die &#252;ber LiquidFeedback erledigt w&#252;rde, sei eine recht traditionelle Form, sagt Alexander  Morlang. Bisher seien es die Aufgaben von Referenten gewesen, mit LiquidFeedback hingegen kann sich potenziell jedes Mitglied einbringen.</p>
<p><strong>Politische Teilhabe</strong></p>
<p>Digitale Kommunikation im Politikbereich wird zurzeit vor allem f&#252;r Marketingzwecke eingesetzt, interessanter ist aber der R&#252;ckkanal, die M&#246;glichkeit zur Teilhabe. Der Erfolg der Piratenpartei ist sicher auch auf neue Wege politischer Kommunikation zur&#252;ckzuf&#252;hren. LiquidFeedback nimmt dabei einen zentralen Platz ein, da es systematisch versucht, den R&#252;ckkanal zu einem demokratischen Mitgestaltungsmedium zu erweitern. Alexander Morlang sieht darin einen Impuls zur Ver&#228;nderung der bisherigen Praxis unserer Parteiendemokratie im Hinblick auf Transparenz und Teilhabem&#246;glichkeiten.</p>
<p>Die Adaption neuer Techniken, auch Kulturtechniken und Handlungsmuster, auf unsere demokratischen Prinzipien tragen letztlich zu deren Kontinuit&#228;t bei, passen sie an die ver&#228;nderten Wahrnehmungs- und Lebensgewohnheiten an. Die j&#252;ngste Adaption der politischen Landschaft bestand wahrscheinlich in der an die elektronischen Massenmedien. Im Zuge dessen r&#252;ckte die Person des Politikers in den Mittelpunkt, da die Telegenit&#228;t dies erfordert. Folge des aktuellen Adaptionsprozesses an die digitalen Individualmedien k&#246;nnte sein, dass die pers&#246;nlichen Eigenschaften von Politikern zugunsten sachorientierter, basisdemokratischer Gestaltung von Politik wieder in den Hintergrund treten.</p>
<p>In der digitalen Welt von LiquidFeedback k&#246;nnen, ganz wie in Online-Spielen, m&#228;chtige<br />
Charaktere entstehen. Ihre Macht erhalten sie &#252;ber Sachkompetenz, die ihnen von den anderen zugetraut wird, diese wiederum l&#228;sst sich an ihren Kommentaren und Antr&#228;gen im System messen. Es handelt sich um eine transparente Welt, deren Mehrheitsbildungsprozesse von jedem objektiv nachvollzogen werden k&#246;nnen, der die Spielregeln kennt.</p>
<p>In Abwandlung des Tweets k&#246;nnte es also hei&#223;en: „Ich hab LiquidFeedback durchgespielt, und habe ein besseres Leben gewonnen“. Sicher ist das idealistisch, doch geh&#246;rt Idealismus eben auch dazu &#8211; in der Politik wie beim Spielen.</p>
<p><em>Der Text basiert auf einer Diskussionsveranstaltung im <a href="http://www.computerspielemuseum.de" target="_blank">Berliner Computerspielemuseum</a> („CSM Insider Talk“ vom 23.2.2012), bei der Bj&#246;rn Swierczek und Andreas Nitsche, Programmierer der Public Software Group e.V., sowie Alexander Morlang, Berliner Abgeordneter der Piratenpartei, zu Gast waren.</em>
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		<title>Piratenpartei: Vom Betriebssystem zum Parteiprogramm</title>
		<link>http://carta.info/41754/piratenpartei-vom-betriebssystem-zum-parteiprogramm/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 12:12:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piraten verstehen den digitalen Wandel als grundlegende Ver&#228;nderung der Gesellschaft. Doch der eigene Erfolg zwingt sie, mit den bestehenden Strukturen umzugehen - ein Dilemma.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mitte Februar gingen mehrere zehntausend Menschen in Deutschland auf die Stra&#223;e. Sie protestierten gegen ACTA, ein internationales Handelsabkommen gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen im Internet. Die Demonstranten bef&#252;rchten, dass das Abkommen zu Online-Zensur f&#252;hrt und fordern stattdessen eine grundlegende Reform des Urheberrechts. Die Regierungskoalition zeigte sich &#252;berrascht vom „<a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/acta-gegner-demonstrieren-aufstand-der-generation-internet-11646144.html">Aufstand der Generation Internet</a>“ (FAZ) und setzte die Ratifizierung des Abkommens vorerst aus.</p>
<p>Allm&#228;hlich begreifen die „etablierten“ Parteien, dass Netzpolitik nicht l&#228;nger ein Nischenthema ist, sondern Konjunktur hat. Seit einigen Monaten verf&#252;gen die <em>Digital Natives</em> sogar &#252;ber eine eigene parlamentarische Stimme: die Piratenpartei. Ihr gelang Ende vergangenen Jahres mit erstaunlichen 8,9 Prozent &#252;berraschend der Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus. Seitdem befindet sich die Partei weiter im Aufwind. F&#252;r die kommenden Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig Holstein werden ihr zwischen f&#252;nf und sieben Prozent der W&#228;hlerstimmen vorhergesagt, im Bund sind es sogar bis zu neun Prozent.</p>
<p>Dass die Piraten Stimmen aus allen politischen Lagern erhalten, d&#252;rfte auch an der Unbestimmtheit ihrer politischen Ausrichtung liegen. Noch ist in den Augen vieler Beobachter unklar, ob sie in die Fu&#223;stapfen der FDP oder der Gr&#252;nen treten. Der Vorsitzende der Partei, Sebastian Nerz, weicht einer klaren Positionierung aus: Er halte nichts von dem „Schubladendenken“ politischer Kategorien.</p>
<p>Auf diese Weise wollen die Piraten um jeden Preis den Eindruck vermeiden, sie seien eine Partei wie jede andere. Stattdessen verstehen sie sich als politische Systemadministratoren, die das Ziel verfolgen, „das Betriebssystem ihrer Staaten auszutauschen, mindestens aber es herunterzufahren, gr&#252;ndlich zu reparieren und neu zu starten.“ Das neue Betriebssystem soll sich durch basisdemokratische Entscheidungsstrukturen, transparente Verfahren und gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Freiheit auszeichnen.</p>
<p>Ihr Erfolg zwingt die Piratenpartei jedoch, sich &#252;ber diese prozeduralen Fragen und die  Netzpolitik hinaus auch zu anderen politischen Themen zu &#228;u&#223;ern. Im Zuge der programmatischen Debatten kommen die Piraten dabei nicht umhin, auch ihre Kernforderungen – Basisdemokratie, Transparenz und Freiheit – zu hinterfragen. Die Folge dieser Entwicklung ist absehbar: Die Piratenpartei ist auf dem besten Weg, ihre Alleinstellungsmerkmale zu verlieren und eine ganz normale Partei zu werden.</p>
<p><strong>Vom Mitmach-Web zur Mitmach-Partei</strong></p>
<p>Diese Entwicklung zeigt sich bereits bei den basisdemokratischen Prinzipien der Piraten. Nach dem Prinzip der <em>Liquid Democracy</em> – also sinngem&#228;&#223; einer Verfl&#252;ssigung der demokratischen Abstimmungsprozesse – k&#246;nnen potentiell alle Mitglieder direkten Einfluss auf die politischen Entscheidungen der Partei aus&#252;ben. Die Software <a href="https://lqfb.piratenpartei.de/" target="_blank"><em>Liquid Feedback</em> </a>erlaubt es jedem einzelnen Piraten, im Internet eigene Antr&#228;ge einzubringen, diese mit anderen zu diskutieren und schlie&#223;lich – falls sich ausreichend Unterst&#252;tzer finden – zur Abstimmung zu stellen.</p>
<p>Diese Form der Online-Diskussion spricht vor allem jene Generation an, die seit langem aktiv die Werkzeuge des Web 2.0 nutzt. F&#252;r sie ist es nur ein kleiner Schritt vom Mitmach-Web zur Mitmach-Partei des digitalen Zeitalters. Knapp 7.000 der rund 20.000 Piraten nehmen derzeit an den Online-Debatten teil. Offensichtlich gelingt den Piraten mit dem Versprechen auf flache Hierarchien, eine rege Debattenkultur und direkte Beteiligung an parteiinternen Abstimmungsprozessen, woran andere Parteien scheitern: Sie sprechen ihre Mitglieder nicht nur als potentielle W&#228;hler, sondern als B&#252;rger an. Damit bieten sie all jenen eine politische Heimat, die es als frustrierend empfinden, sich „erst jahrelang hochzudienen und [...] irgendwelchen Seilschaften unterzuordnen, um dann etwas bewegen zu k&#246;nnen.“</p>
<p>Allerdings deutete sich bereits auf dem letzten Bundesparteitag im vergangenen Dezember an, dass die Piraten Opfer ihres eigenen Erfolgs werden. Den &#252;ber 1.300 anwesenden Parteimitgliedern lagen insgesamt mehr als 350 Antr&#228;ge vor, von denen nur ein Teil verhandelt werden konnte. Als sich zudem herausstellte, dass die angemietete Stadthalle bei weitem nicht alle angereisten Mitglieder aufnehmen konnte, lautete die Reaktion des Parteivorstands nur lapidar, das n&#228;chste Mal werde man einfach eine gr&#246;&#223;ere Halle mieten.</p>
<p>Angesichts des rasanten Wachstums der Mitgliederzahlen ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Piratenpartei ihren basisdemokratischen Anspruch aufrecht erhalten k&#246;nnen wird. Die Alternative w&#228;re die Einf&#252;hrung eines Repr&#228;sentationssystems. <em>Liquid Feedback</em> erlaubt es den Mitgliedern bereits, ihre Stimme an andere Piraten zu delegieren, etwa wenn sie diese f&#252;r fachlich kompetenter erachten. Verfechter der „klassischen Basis-Demokratie“ bef&#252;rchten indes, dass auf diese Weise „Superdelegierte“ zuviel Macht innerhalb der Partei erhalten. Stattdessen fordern sie dezentrale Parteitage, regelm&#228;&#223;ige Urabstimmungen und eine modifizierte Abstimmungssoftware, die eine Delegation der Stimmabgabe ausschlie&#223;t.</p>
<p>Die Piraten stehen damit vor einem schwierigen Spagat. Denn auf kurz oder lang werden sie ihren Repr&#228;sentanten im Parteivorstand und in den Parlamenten mehr politische Verantwortung einr&#228;umen m&#252;ssen. Dabei werden sie voraussichtlich gezwungen sein, einen Kompromiss zwischen ihren eigenen politischen Anspr&#252;chen und den Anforderungen einer parlamentarischen Partei zu finden – auf Kosten ihrer basisdemokratischen Prinzipien.</p>
<p><strong>Die totale Transparenz?</strong></p>
<p>&#196;hnlich sieht es bei einer weiteren Kernforderung der Piraten aus: dem Transparenzgebot. Konsequent lehnen sie jede Form der „Hinterzimmer“-Politik ab. Stattdessen verfolgen die Piraten das Ziel des Open Government. Indem sie unter anderem ihre Fraktionssitzungen mittels Live-Stream ins Internet &#252;bertragen, wollen sie das politische Alltagsgesch&#228;ft in einen kontinuierlichen digitalen Informationsstrom &#252;bersetzen. Selbst interne Konflikte werden offen – und bisweilen in harschem Ton – ausgefochten.</p>
<p>W&#228;hrend sich also die „etablierten“ Parteien nach au&#223;en meist um Konsens und Zusammenhalt bem&#252;hen, streiten die Piraten vor aller Augen um Positionen. Dabei scheuen sie sich nicht, auch mal – sehr zum Gefallen der Medien – ordentlich Rabatz zu machen. Au&#223;erdem suchen sie das direkte Gespr&#228;ch mit den B&#252;rgerinnen und B&#252;rgern.</p>
<p>Das Transparenzgebot wurde jedoch schon unmittelbar nach den Berliner Abgeordnetenhauswahlen auf eine harte Probe gestellt. Bereits in ihrer ersten gemeinsamen Sitzung kam es innerhalb der Piratenfraktion zum Streit &#252;ber die Besetzung der Vorstandsposten und die provisorische Fraktionssatzung. Einige Abgeordnete setzten sich daraufhin – nicht zuletzt wegen der akribischen Dauerbeobachtung durch die Medien – mit der Forderung durch, Sitzungen auch unter Ausschluss der &#214;ffentlichkeit durchf&#252;hren zu k&#246;nnen. Schon nach wenigen Tagen schwante den frischgebackenen Parlamentariern also bereits, dass „die Piratenkultur mit der monolithischen, hierarchischen Struktur eines Abgeordnetenhauses nicht gut zusammenpasst“.</p>
<p>Dabei steht ihnen die eigentliche Bew&#228;hrungsprobe noch bevor. Sp&#228;testens wenn die Piratenpartei politische B&#252;ndnisse schmieden will, stellt das Transparenzgebot eine kaum zu &#252;berwindende H&#252;rde im parlamentarischen Betrieb dar. Insbesondere Koalitionsverhandlungen und Kabinettsitzungen lassen sich nur begrenzt in aller &#214;ffentlichkeit durchf&#252;hren. Vielmehr ist das politische Gesch&#228;ft auf interne Aushandlungsprozesse und vertrauensvolle Abstimmungen zwangsl&#228;ufig angewiesen.</p>
<p>Die Piratenpartei steht also auch hier vor einem Dilemma. Entweder verteidigt sie das Postulat der Transparenz vehement gegen die Regeln des parlamentarischen Gesch&#228;fts. Dann aber st&#252;nden aus Sicht der anderen Parteien eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und damit die Regierungsf&#228;higkeit der Partei in Frage. Oder aber die Piraten weichen von ihrem Prinzip des offenen Regierens ab, was allerdings an den Grundfesten der Partei r&#252;tteln und zum Verlust einer weiteren zentralen Forderung f&#252;hren w&#252;rde.</p>
<p><strong>Auf einem Auge blind</strong></p>
<p>Der Hauptstreit droht den Piraten allerdings mit Blick auf ihren Freiheitsbegriff.</p>
<p>Auf ihrem letzten Parteitag verabschiedeten sie Forderungen, die im politischen Koordinatensystem als eher links gelten. Dazu z&#228;hlen insbesondere die Einf&#252;hrung eines bedingungslosen Grundeinkommens und eines bundesweiten Mindestlohns, die Eingrenzung von Leiharbeit sowie der Abbau von Hartz-IV-Sanktionen. Diese programmatische Tieferlegung wurde m&#246;glich, weil sich die „Vollis“, die Programm-Erweiterer, gegen die „Kernis“, die reinen Netzpolitiker, durchgesetzt hatten. Diese Wende deuteten die meisten Kommentatoren bereits als Linksrutsch der Partei. Tats&#228;chlich kann die Position der Piraten jedoch auch nach dem Parteitag eher als libert&#228;r denn als links bezeichnet werden. Schlie&#223;lich ist es vor allem die <a href="www.ctrl-verlust.net/das-politische-denkender-piraten">Diskriminierungsfreiheit</a>, die den unterschiedlichen politischen Forderungen der Piraten gemein ist. Freiheit bewerten sie vor allem nach einem Kriterium: Entweder ist der Zugang zu einer Ressource, einer Institution oder einem Rechtsprinzip verschlossen oder er ist offen.</p>
<p>Seinen Ursprung hat dieses Freiheitsverst&#228;ndnis in der Netzpolitik. Ein wesentlicher Konflikt dreht sich hier um die Gleichbehandlung bei der Durchleitung von Daten im Internet, die sogenannte Netzneutralit&#228;t. In diesem Sinne verstehen die meisten Piraten Freiheit auch im gesellschaftspolitischen Bereich vor allem als das Wegfallen von Benachteiligungen bzw. Hindernissen. Dies zeigt sich auch, wenn sie eine „flie&#223;ende Schullaufbahn“ ohne Sitzenbleiben, den Wegfall der Regelstudienzeit f&#252;r ein „freies und kritisches Studieren“, einen kostenlosen &#246;ffentlichen Nahverkehr, die Entkriminalisierung der Drogenpolitik und die offizielle Gleichbehandlung unterschiedlicher Lebensentw&#252;rfe fordern.</p>
<p>Ein solcher Fokus auf Diskriminierungen verkennt jedoch die Dialektik gesellschaftlicher Freiheit. Im Internet k&#246;nnen Engp&#228;sse durch den Ausbau von Netzkapazit&#228;ten beseitigt werden. In der kapitalistischen Gesellschaft sind die materiellen Ressourcen allerdings begrenzt – und ungleich verteilt. So l&#228;sst sich in einem Sozialstaat die Benachteiligung des einen B&#252;rgers oft nur ausgleichen, indem ein anderer B&#252;rger einen Teil seines Wohlstands einb&#252;&#223;t.</p>
<p>Eine linke oder sozialliberale Politik muss Freiheit daher mit Gerechtigkeit zusammendenken. Und wer die Einf&#252;hrung des bedingungslosen Grundeinkommens fordert, stellt unausweichlich auch die Gerechtigkeitsfrage. Dass die Piraten dieses Bedingungsverh&#228;ltnis jedoch &#252;bersehen – oder nicht sehen wollen –, wurde ebenfalls auf dem letzten Parteitag deutlich, als sie die Forderung nach einer Kappung der Managergeh&#228;lter mit &#252;berw&#228;ltigender Mehrheit ablehnten. Begr&#252;ndung: Man wolle Armut verhindern – nicht aber den Reichtum.</p>
<p>Ironischerweise liegt aber genau hier die eigentliche Ursache f&#252;r den gegenw&#228;rtigen Erfolg der Piraten. Denn ein Freiheitsbegriff, der allen B&#252;rgern gleicherma&#223;en verspricht, sie von sozialen und &#246;konomischen Benachteiligungen zu befreien, tut auch niemanden weh. Im Gegenteil &#252;bt er vielmehr auf die W&#228;hler unterschiedlicher Lager gro&#223;e Anziehungskraft aus – insbesondere aber auf jene der besitzenden Mittelschicht. Die Kehrseite ist, dass dem piratischen Freiheitsbegriff die sozialemanzipatorische Kraft fehlt. Weil ihr Freiheitsversprechen auf diese Weise ins Leere l&#228;uft, scheitern die Piraten daran, eine <a href="http://http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36648/" target="_blank">&#8220;R&#252;ckkehr zu humanistischen Prinzipien&#8221;</a> (Juli Zeh) einzuleiten – und das just zu einer Zeit, in welcher der neoliberale Kapitalismus und mit ihm ein ohnehin entleerter Freiheitsbegriff rapide an Legitimit&#228;t verlieren.</p>
<p>Welche fatalen Folgen das Ausblenden gesellschaftlicher Macht- und Dominanzstrukturen hat, zeigt die parteiinterne Diskussion um die Geschlechterpolitik. Auch hier sehen die Piraten  &#252;ber einen gesellschaftlichen Konflikt hinweg, indem sie die Gr&#252;nde f&#252;r die Diskriminierung kurzerhand wegdefinieren. Auf den geringen Anteil von Frauen in der Piratenpartei angesprochen, behaupten die Mitglieder, dass die Parteistrukturen jeder Frau und jedem Mann prinzipiell offenst&#252;nden. Und man k&#246;nne keine Frau zwingen, bei den Piraten mitzumachen.</p>
<p>Vor allem jene, die von dem Diskriminierungsverh&#228;ltnis profitieren, leugnen also seine Existenz. Im anbrechenden „Post-Gender“-Zeitalter, erkl&#228;ren die Piraten, habe sich jede feministische Debatte &#252;berholt. Echte Gleichberechtigung bedeute, dass man aufh&#246;re, „Frauen zu z&#228;hlen“. Da ist es nur konsequent, dass das Geschlecht der Mitglieder von der Parteiverwaltung nicht erhoben wird.</p>
<p>Der Konflikt um gesellschaftliche Ungleichheit l&#228;sst sich jedoch nicht einfach deinstallieren wie ein veraltetes Computerprogramm. Sp&#228;testens auf ihrem kommenden Bundesparteitag Ende April werden die Piraten daher erneut vor der Frage stehen, ob ein neues Betriebssystem allein als politisches Ziel ausreicht – oder ob es stattdessen nicht doch eines klar verorteten Parteiprogramms bedarf. Dann aber m&#252;ssten sie zugunsten einer programmatischen Organisationspolitik eine Aufweichung ihrer basisdemokratischen Prinzipien und des Transparenzgebots zulassen. Zum anderen k&#228;men sie nicht umhin, ihr Freiheitsideal entlang politischer Koordinaten auszurichten. Diese Notwendigkeit einer programmatischen Positionierung k&#246;nnten die Piraten als Scheitern begreifen – oder aber als politische Chance.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint in K&#252;rze auch in der M&#228;rzausgabe der <a href="http://www.blaetter.de/" target="_blank">Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik</a>.</em>
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		<title>Der Verlierer der Pr&#228;sidentenwahl hei&#223;t Lothar Dombrowski</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 11:36:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Absage des politischen Kabarettisten Georg Schramm „an das Internet“ war durchaus vern&#252;nftig, doch sie beraubt uns einer gro&#223;en Hoffnung: Das Rededuell zwischen den beiden wortm&#228;chtigsten Kandidaten der Republik wird nicht stattfinden. Lothar Dombrowski endet als gebrochene Figur – so wie der von Schramm gespielte &#228;ngstliche Sozialdemokrat August.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Damals, im Juni 2010, nach Horst K&#246;hlers pl&#246;tzlichem R&#252;cktritt und Joachim Gaucks erster Nominierung, hatte er sicher nicht geglaubt, dass es eines Tages ernst werden k&#246;nnte f&#252;r ihn. Dass er seine ins Publikum geschleuderte Kampfansage tats&#228;chlich einl&#246;sen muss. Am 8. Juni 2010 hatte der magenkranke Patientensprecher der ZDF-<a href="http://anstalt.zdf.de/">Heilanstalt</a> &#8211; Lothar Dombrowski &#8211; bei seinem Abschied lauthals verk&#252;ndet, er werde „drau&#223;en“ in der realen Welt („im Sch&#252;tzengraben“) als Bundespr&#228;sident kandidieren. Es fehle nur eine einzige klitzekleine Voraussetzung daf&#252;r. W&#246;rtlich sagte er:</p>
<blockquote><p><em>„Ein einziges Mitglied der Bundesversammlung muss bereit sein, mich als Kandidat zu benennen, und dann kann ich mich zur Wahl stellen. &#8230; Und das kann ich Ihnen garantieren, der Gauck kriegt meine Stimme nur, wenn er nach dem zweiten Wahlgang mehr Stimmen hat als ich&#8230;“</em></p></blockquote>
<p>Gut gebr&#252;llt, L&#246;we. Mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=F2jG1jkxa8k&amp;feature=related">diesem Auftritt</a> stand Lothar Dombrowski <a href="https://www.youtube.com/watch?v=chBjNF9aBN8">im Wort</a>. Und weil die Realit&#228;t die Satire nicht selten zu &#252;berholen pflegt, war die Situation knappe 21 Monate sp&#228;ter tats&#228;chlich kabarettreif. Die Piraten baten den Mann, der gegen Stuttgart 21 und die Oberschicht den Zorn Gottes geschleudert hatte, um eine Kandidatur gegen Gauck. Und die Linken fanden den Vorschlag ebenfalls „interessant“.</p>
<p>Doch da verlie&#223; den gro&#223;en Dombrowski der Mut. Nichts war mehr &#252;brig vom <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AhqXM8MOeI4">„Zorn“</a> des &#220;berzeugungst&#228;ters, den er so mitrei&#223;end auf der B&#252;hne verk&#246;rpern konnte, und sein aufst&#228;ndischer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2uQwXf4ftDE&amp;feature=related">Satz zu</a> Jochen Malmsheimer &#8211; „Tr&#228;umen wir nicht alle davon, Spuren zu hinterlassen“ &#8211; war pl&#246;tzlich schal geworden. Er werde <em><a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/151479">nicht</a></em> gegen Gauck kandidieren, erkl&#228;rte Schramm dem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sC6f6OI7prY&amp;feature=youtu.be">Sender <em>N24</em></a>. „Meine St&#228;rke liegt in dem, was ich beruflich mache als Kabarettist.“ Er, Schramm, wolle nicht „als Schachfigur“ der Parteien herumgeschoben werden. Er glaube auch nicht, dass er f&#252;r das Amt wirklich tauge, „und meine Frau w&#228;re auch keine gute First Lady“. Was f&#252;r ein R&#252;ckzieher! Damit schrumpfte das Leit- und Erl&#246;serbild aller renitenten Rentner und zu kurz Gekommenen wieder auf Normalma&#223;, auf das Ma&#223; einer Witzfigur. Alles nur hei&#223;e Luft.</p>
<p>Die Figur des Lothar Dombrowski hat mit diesem &#246;ffentlichen Kneifen ihre Kraft und ihren Nimbus verloren. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Schramm">Schramm</a> wird sie einmotten m&#252;ssen. Dombrowski ist mit seiner Absage an die „politische Aktion“ zu jenem weinerlichen, &#228;ngstlichen Sozialdemokraten geworden, der sich nichts traut.</p>
<p>Martin <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/6/151483">Sonneborn</a>, &#252;bernehmen Sie!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1667"><em>Crosspost</em></a></p>
<p>&nbsp;
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<a href="http://carta.info/41636/der-verlierer-der-prasidentenwahl-heist-lothar-dombrowski/">Der Verlierer der Pr&#228;sidentenwahl hei&#223;t Lothar Dombrowski</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/41636/der-verlierer-der-prasidentenwahl-heist-lothar-dombrowski/#comments">11 comments</a>
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		<title>Das Partizipations-Transparenz-Dilemma</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 13:09:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Seemann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Transparenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Sind Transparenz, Partizipation und Datenschutz &#252;berhaupt unter einen Hut zu bringen? Einige Gedanken &#252;ber Liquid Democracy beim Warten aufs Taxi. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich kam ich aus einem Restaurant. Ich hatte mit einem guten Freund gespeist und wir wollten noch weiter in eine Bar. Als ich zur Stra&#223;e ging, um ein Taxi zu rufen, hielt mich mein Freund zur&#252;ck. Er z&#252;ckte stattdessen sein Smartphone und startete dort ein Programm: eine Taxi-App. Nach anderthalb Minuten stand das Taxi vor uns.</p>
<p>Das Internet funktioniert Ende zu Ende. Es verbindet jede Person mit jeder Person, direkt, ganz ohne Vermittler. Eine Taxizentrale braucht es nicht mehr, wenn man eine App hat. Die Positionsdaten des Smartphones werden zusammen mit den restlichen Daten den Taxis in der N&#228;he angezeigt und k&#246;nnen sofort bedient werden.</p>
<p>F&#252;r meine Generation sind Politiker, Parlamente und Parteien so etwas wie Taxizentralen. Es gibt sie noch und sie dominieren ohne Frage das politische Tagesgeschehen. Aber das, wozu sie da sind, l&#228;sst sich in absehbarer Zeit besser, effektiver und vor allem direkter erledigen. Politik ist die Beantwortung der Frage, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen. <em>Viele politische Institutionen gibt es nur deswegen, weil wir diese komplexe Aufgabe bislang nicht besser abbilden konnten.</em> Die M&#246;glichkeiten der Vermittlung und Einbeziehung des Volkes in den demokratischen Prozess ist begrenzt durch die M&#246;glichkeiten der zur Verf&#252;gung stehenden Medien. Im Internet macht man aber jetzt schon an vielen Stellen eine andere Erfahrung, was an Partizipation und direkter Einflussnahme m&#246;glich ist. Zwar ist der Diskurs nicht die einzige Aufgabe der Politik, aber gerade er macht das speziell demokratische aus, und ausgerechnet er bleibt derzeit unter seinen M&#246;glichkeiten. Ich glaube, dass die Proteste von Stuttgart, Madrid und Occupy Wall Street auch viel mit diesem Bewusstsein zu tun haben. Die Forderungen nach mehr Demokratie sind auch ein Misstrauensvotum gegen die politischen Institutionen, den Taxizentralen der Politik.</p>
<p>Deswegen muss man den Piraten dankbar sein. Denn neben all dem frischen Wind, den sie in die Politik tragen, stellen sie sich vor allem als Atomwaffentestgel&#228;nde der Demokratieforschung zur Verf&#252;gung. <em>Liquid Democracy</em> – eine Mischform aus repr&#228;sentativer und direkter Demokratie – wird von ihnen als das vielversprechendste Experiment der Demokratie von morgen vorangetrieben. Dabei kann jeder selbst abstimmen, wie bei der direkten Demokratie, kann aber auch einen Vertreter bestellen, wie in der repr&#228;sentativen Demokratie. Der Vertreter kann aber jeder andere Stimmberechtigte sein und diesem kann man die Stimme auch jederzeit wieder entziehen. Stimmen kann man f&#252;r Themenschwerpunkte oder nur f&#252;r bestimmte Wahlen delegieren, oder global. Und alles bleibt dabei ganz fl&#252;ssig, liquide.</p>
<p>Es ist in der Tat ein vielversprechender Ansatz, der dort versucht wird, aber er ist auch umstritten. Seit das System f&#252;r die Bundespartei vor &#252;ber einem Jahr eingef&#252;hrt wurde, schwelt ein Streit, der die Piraten zeitweise zu zerrei&#223;en drohte und noch lange nicht ausgetragen ist. Denn das Experiment hat etwas zu Tage gef&#246;rdert, das man vielleicht mit einer Naturkonstante gleichsetzen k&#246;nnte. Man w&#252;rde es dann das “<em>Partizipations-Transparenz-Dilemma</em>” nennen.</p>
<p>Was war passiert? In der Piratenpartei, die sich seit ihrer Gr&#252;ndung auch als Datenschutzpartei sieht, konnten es viele nicht hinnehmen, dass ihr Abstimmungsverhalten &#246;ffentlich protokolliert und auf Jahre abrufbar sein w&#252;rde. Das aber geht nicht anders, denn – wie der Chaos Computer Club bereits 2008 eindrucksvoll bewies – k&#246;nnen Wahlen am Computer nicht beides gleichzeitig sein: nachvollziehbar und geheim. Um Manipulation auszuschlie&#223;en m&#252;ssen Wahlen am Computer &#246;ffentlich nachvollziehbar verlaufen.</p>
<p>Liquid Democracy hat gezeigt, dass die Piratenpartei seit ihrer Entstehung eine logische Inkonsistenz mit sich schleppt. Ihre drei wichtigsten Grundwerte: politische Transparenz, politische Partizipation und Datenschutz wollen sich in dieser Trias nicht zusammenf&#252;gen. Man kann zwar politische Transparenz und Datenschutz durchaus zusammendenken. Die Vorraussetzung daf&#252;r aber ist, dass es eine klare Grenze zwischen “Politiker” und “B&#252;rger” gibt. W&#228;hrend wir vom Politiker erwarten k&#246;nnen, dass er seine Handlungen transparent macht, weil er qua Amt und Macht f&#252;r die zweite Kategorie, den “B&#252;rger” verantwortlich zeichnet, k&#246;nnen wir im Gegenteil dem B&#252;rger die Undurchsichtigkeit seiner Handlung zugestehen, weil sein Wirken und seine Macht begrenzt sind.</p>
<p>Das Modell ger&#228;t aber in ein Dilemma, wenn man beginnt, diese Grenze zwischen Politiker und B&#252;rger mit partizipativen Elementen zu verwischen. Liquid Democracy ist angetreten, genau das zu tun. In der Welt von Liquid Democracy ist jeder zumindest potentiell verantwortlich, weil jeder Delegationen auf sich versammeln kann. In diesem System macht es schlicht keinen Sinn mehr, zwischen Politiker und B&#252;rger zu unterscheiden – und genau das ist auch gewollt. In einer idealen partizipativen Demokratie gibt es schlicht keine Politiker mehr.</p>
<p>Wenn durch diese Verwischung aber das Diktum nicht mehr gilt, dass Politiker m&#246;glichst transparent, der B&#252;rger m&#246;glichst datengesch&#252;tzt sein soll, dann kommen wir immer &#246;fter in die Verlegenheit zu entscheiden: was hat hier Vorrang, der Anspruch an Transparenz oder der Schutz der Privatsph&#228;re? Die Piratenpartei streift diese Grenze st&#228;ndig. Wer darf wen anstellen, wer treibt mit wem Gesch&#228;fte, wer kennt wen wie gut? Man merkt bald, dass man Politik nicht wirklich versteht, wenn man die sozialen – das hei&#223;t auch privaten Animosit&#228;ten und Sympathien – versteht. Vor allem Liquid Feedback bildet durch die Delegationsverbindungen auch soziale und damit private Netzwerke ab.</p>
<p><strong>Liquid Democracy ist das Ende der Trennung von Privatheit und Politik</strong>. Viele Piraten haben deswegen Angst, dass ihr Netzwerk offenbar und ihr Stimmverhalten transparent wird und dass das dann gegen sie verwendet werden kann – egal ob parteiintern oder vom Arbeitgeber. Sie haben Angst, dass eine l&#228;ngst vergangene Abstimmung sie wieder einholt, obwohl sich ihre Meinung zu dem Thema l&#228;ngst ge&#228;ndert hat. Es gibt viele Versuche, das Problem technisch etwas zu entsch&#228;rfen, aber das Grundproblem bleibt: Abstimmungen &#252;ber den Computer m&#252;ssen nachvollziehbar bleiben oder sie sind der Manipulation anheimgegeben. Was aber nachvollzogen werden kann, ist auch auswertbar.</p>
<p>Wenn ich meinen Namen und meinen Standort der Taxizentrale weitergebe, dann wird sie nur an das eine Taxi weitergeleitet, das mich dann abholt. Die Taxi-App funktioniert aber nur deswegen, weil meine Daten an alle Taxis in der N&#228;he rausgehen und sich der betreffende Taxifahrer statt der Zentrale entscheidet, ob er mich bedient.</p>
<p><strong>Transparenz ist der Preis daf&#252;r, wenn man Prozesse dezentral und partizipativ organisiert.</strong> Das Internet vermag uns alle miteinander nach unseren W&#252;nschen, Situationen, Wertemodellen und Interessen zu verbinden. Es kann dies aber nur, wenn wir ihm diese Pr&#228;ferenzen als Daten dazu bereitstellen.</p>
<p>Und so geht es der ganzen Gesellschaft wie der Piratenpartei. Sie erahnt und nutzt die gro&#223;artigen Potentiale zur freien und selbstbestimmten Selbstorganisation, ger&#228;t aber immer wieder an den Punkt der unheimlichen Selbstoffenbarung. Wir wollen Wohnungen mieten ohne Makler, wir wollen Taxis ohne Zentrale, wir wollen B&#252;cher schreiben ohne Verleger, wir wollen uns organisieren ohne Verein. Das alles ist heute durch das Internet m&#246;glich, aber nur wenn wir sagen, wer wir sind und was wir wollen. Nur dann haben die anderen die Chance uns zu finden. Unser Hadern mit unserer neuen Transparenz und die Aufl&#246;sung der Privatsph&#228;re werden gew&#246;hnlich getrennt betrachtet von den M&#246;glichkeiten der direkten Interaktion oder den emanzipativen Eruptionen wie dem arabischen Fr&#252;hling oder OccupyWallStreet. Und doch: Es sind zwei Seiten derselben Medaille.</p>
<p>Wer partizipiert, wird transparent und nur wer transparent ist, kann partizipieren. Das Partizipations-Transparenz-Dilemma gilt f&#252;r alle Fragen einer Politik der Zukunft. Wir k&#246;nnen in Frage stellen, ob es das ist, was wir wollen. Wir k&#246;nnen aber nicht zum einen “Ja” und zum anderen “Nein” sagen.</p>
<p><em> </em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Dieser Text ist zuerst im Rahmen des Arbeitsbereichs BerlinPolitik im Forum Berlin der </em><a href="http://fes.de/"><em>Friedrich-Ebert-Stiftung</em></a><em> erschienen. Eine sch&#246;n gesetzte PDF-Version zum Ausdrucken findet man </em><a href="http://www.fes-forumberlin.de/pdf_2012/berlinpositionen_05.pdf"><em>hier</em></a><em>.</em></p>
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		<title>Unverzichtbare Lichtgestalten</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 09:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
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		<category><![CDATA[Marina Weisband]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[politische Berichterstattung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die deutschen Medien verhalten sich wie Amphibien: Wechselwarm, von der Temperatur ihrer Umgebung abh&#228;ngig. Allerdings passen sie sich nicht ausschlie&#223;lich nat&#252;rlichen Gegebenheiten an, sondern suchen stets nach zus&#228;tzlichen k&#252;nstlichen W&#228;rmequellen. Etwa nach der "sch&#246;nen Piratin" Marina Weisband.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen lieben Schubladen. Sie erleichtern den &#220;berblick durch Einordnung. Fr&#252;her konnte der Leser durch die Entscheidung f&#252;r eine bestimmte Zeitung oder ein Magazin die gew&#252;nschte Schublade aufziehen und fand in ihr alles, was sein Weltbild bekr&#228;ftigte. Es gab Schnittmengen, beispielsweise zwischen <em>Spiegel</em> und <em>Stern</em>, dagegen kaum welche bei <em>Spiegel</em> und <em>S&#252;ddeutscher</em>. Wo <em>FAZ</em> draufstand, war auch <em>FAZ</em> drin.</p>
<p>Die Schubladen sind verschwunden, bestenfalls gibt es noch offene F&#228;cher in einem gro&#223;en Schrank. Da fliegen Socken und Hemden schon mal durcheinander, oder es findet sich ein Spitzenh&#246;schen zwischen den Winterpullovern. Dabei gibt es nicht weniger einzuordnen, im Gegenteil: Die Masse der Informationen ist enorm gewachsen. Vielleicht f&#252;hrt gerade das &#220;berangebot dazu, Berichte nicht mehr an der Sache, sondern an Personen festzumachen. Der Schubladenersatz wird im politischen Journalismus gern benutzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Warum Liquid Feedback erkl&#228;ren, wenn es doch Marina gibt?</em></strong></p>
<p>Die Beziehung der Medien zur Politik war immer eine besondere und von wechselseitiger Abh&#228;ngigkeit bestimmt. Wer mehr oder die &#8220;richtigen&#8221; Leute kannte, hatte oft einen Informationsvorsprung, der seinem Blatt zugute kam. Mit der einigerma&#223;en kritiklosen &#220;bernahme des US-amerikanischen Infotainments wurde es auch bei uns &#252;blich, Personen stellvertretend f&#252;r eine Idee, ein Gesetzesvorhaben, eine Partei zu pr&#228;sentieren. Schnell begriffen die Protagonisten die Vorteile, zur Freude des beratenden Gewerbes. Schnell entstand ein gro&#223;es Repertoire an Handlungsempfehlungen, um die betreffende Pers&#246;nlichkeit ins rechte Licht zu r&#252;cken. Dabei kam es nicht auf substantiierte Aussagen an: Die Beliebtheit der Person sollte das Vorhaben mit hochziehen. Auf diese Weise wurde etwa Ursula von der Leyen, v&#246;llig unabh&#228;ngig von absurden Gesetzesvorlagen, eine der beliebtesten Politikerinnen Deutschlands. Karl-Theodor zu Guttenberg stand beinahe schon als k&#252;nftiger Kanzler fest, seine Qualifikation: jung, gut aussehend, ein toller Showtyp. Selbst den Betrug verziehen ihm die W&#228;hler &#8211; es w&#228;re einfach so sch&#246;n gewesen.</p>
<p>Dann hat sich etwas ge&#228;ndert: Mit den Piraten ist eine auf der ganzen Linie ungew&#246;hnliche Partei in die &#214;ffentlichkeit getreten. Jung, frisch, mit Klartext und einer bis dato unbekannten Art der demokratischen Entscheidungsfindung. Obwohl einige ihrer eigenwilligen Vorhaben f&#252;r Diskussionen sorgen, &#252;berwiegt der Eindruck: Die machen das anders. Ausreichend anders, um im Vergleich mit den alten Parteien besser dazustehen und ins Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen.</p>
<p>Es w&#228;re f&#252;r die Medien eine Riesenchance gewesen. Da kommt eine junge Partei, benimmt sich ganz normal, ist ber&#252;hrbar, zeigt, dass es ihr Ernst ist mit der Umsetzung ihrer Projekte. Macht eine ganz andere Politik, als wir sie sonst vorgef&#252;hrt bekommen. Es wird gearbeitet, es geht um <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6U82ig37TaE" target="_blank">Standpunkte</a> und die st&#228;ndige Auseinandersetzung mit der Basis. Konflikte werden sachbezogen und coram publico ausgetragen. Eine junge Partei will ihre Ansichten darlegen, sie ist f&#252;r Transparenz und freut sich &#252;ber Fragen.</p>
<p>Die Wahl hat den Willen zur Ver&#228;nderung deutlich gemacht. Nicht nur die Berliner Medien h&#228;tten ergiebigen Stoff f&#252;r die journalistische Aufgabe der fachlichen Einordnung und solide Hintergrundberichte gehabt. Es ist einfach, die Forderung nach der Freigabe bestimmter Drogen rei&#223;erisch zu kommentieren. Sinnvoll w&#228;re die Nachfrage gewesen, was die Piraten sich dabei denken &#8211; wom&#246;glich w&#228;ren &#252;berzeugende Begr&#252;ndungen dabei herausgekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Die Schattenseite der Transparenz: Einladung zum Gaffen</em></strong></p>
<p>F&#252;r einen Moment bestand die Option, politische Berichterstattung neu oder wenigstens erneut zu erfinden. Journalisten h&#228;tten auf die Neulinge mit neugierigen und interessanten Fragen reagieren k&#246;nnen. Die W&#228;hler informieren, ihnen Hintergrund anbieten, Sachthemen in den Vordergrund stellen und nach Fakten fragen, die Probleme beleuchten, wegen derer die Piraten &#252;berhaupt gew&#228;hlt wurden.</p>
<p>Stattdessen gab es aufgeregtes Geschnatter &#252;ber <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Ci_MxOqkXjY" target="_blank">Latzhosen</a> und Palit&#252;cher, die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=q-cDewZk7wo" target="_blank">Unkenntnis</a> der H&#246;he der Verschuldung des Landes Berlin und die Tatsache, dass dank der lustigen Rampensau Christopher Lauer tats&#228;chlich in einer <a href="http://www.youtube.com/watch?v=0g7lpJACamk" target="_blank">Talkshow</a> gelacht wurde. Welch ein Erkenntnisgewinn!</p>
<p>Nein, die neuen Akteure sollen, bittesch&#246;n, in die alten Schemata, Modell von der Leyen, passen. Das ist der Leser so gewohnt. Der Versuch, ihm etwas Neues vorzusetzen, an dem er vielleicht Geschmack finden k&#246;nnte, wird nicht gemacht. Die Medien st&#252;rzen sich lieber auf Marina Weisband. Nicht etwa als junge Politikerin, die etwas zu sagen hat, sondern mit dem Etikett &#8220;die sch&#246;ne Piratin&#8221; versehen und herumgereicht. Das hat sie gef&#228;lligst zu erf&#252;llen; Vorschl&#228;ge Weisbands, jemand anders in eine Talkshow einzuladen, werden abgelehnt:</p>
<blockquote><p>„Es war anscheinend unm&#246;glich, einen anderen Parteivertreter in die Talkshows zu schicken. Darauf haben sich die Medien nicht eingelassen, obwohl das bei anderen Parteien gang und gebe ist.“ (<em>Sebastian Nerz im <a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/ober-piratin-zieht-sich-zurueck-marina-weisband-bleibt-sich-treu_aid_707102.html" target="_blank">Focus</a></em>)</p></blockquote>
<p>Entweder Weisband oder gar kein Piratenmitglied: Ein pr&#228;gnanter Beleg f&#252;r die reine Unterhaltungsfunktion der Quasselrunden. In der besten Sendezeit ein neues Konzept ausprobieren, in dem es wirklich um Politik geht? I bewahre.</p>
<p>Dass die Zeitung mit den vier persilwei&#223;en Buchstaben es liebt, Sachverhalte maximal zu vereinfachen – geschenkt. Der <a href="http://www.marinaslied.de/" target="_blank">bloggenden</a> und <a href="https://twitter.com/#!/afelia" target="_blank">twitternden</a> Marina Weisband wird vorgeworfen, sie gehe mit ihrem Privatleben allzu offen um; es scheint eine &#220;bereinkunft zu geben, wonach Politiker ihr Naturell geheim zu halten haben. Die Erschaffung einer weiblichen Idealfigur ist jedenfalls gelungen. Sie hat gut auszusehen, intelligent zu antworten und ansonsten ungew&#246;hnlich zu sein; ein wenig Ablenkung von der Piraten-Herrenriege mag auch mitgespielt haben. Alle ziehen mit, weil sich das nautische Vokabular im Zusammenhang mit einer h&#252;bschen Frau noch besser macht, die Ungew&#246;hnlichkeit noch st&#228;rker betont.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Ersatz muss her &#8211; The Show Must Go On</em></strong></p>
<p>Weisbands Bem&#252;hungen, ihre politischen Anliegen zu vermitteln, werden mit <a href="https://www.taz.de/Geschaeftsfuehrende-Piratin-Marina-Weisband/!82142/" target="_blank">Homestories</a> und <a href="http://www.faz.net/polopoly_fs/1.1600998.1327594819!/image/2283588264.jpg_gen/derivatives/article_aufmacher_gross/2283588264.jpg" target="_blank">Fotoshootings</a> honoriert, die in die Yellow Press passen, aber nicht in die <a href="http://meisnotyoublog.wordpress.com/2011/11/19/was-ist-eigentlich-mit-der-taz-los-die-fortsetzung/" target="_blank"><em>taz</em></a> oder <em>FAZ</em>. Was spricht eigentlich dagegen, statt des Herzeigens bunter Bildchen dem gemeinen W&#228;hler <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Liquid_Feedback" target="_blank">Liquid Feedback</a> zu erkl&#228;ren?</p>
<p>Das Pensum eines Bundespolitikers ist immens. Es ist eine Art Dauer-Circle-Training unter Beobachtung. Es m&#246;gen noch so viele Referenten zuarbeiten: Die eigentliche, politische Arbeit ist von den Protagonisten der Mediendemokratie nicht mehr zu leisten. Zu gro&#223; ist die Nachfrage nach Bildern und Statements, um dem Publikum kompetente Politiker zu pr&#228;sentieren, die auf alles eine Antwort haben. Alles im Griff: Ein Trugbild, von Journalisten und Magazinen entworfen, das mit der fachlichen Arbeit nicht das Geringste zu tun hat. Zur&#252;ckfahren will das Medienrauschen niemand mehr, es ist gut f&#252;r Auflage und Einschaltquote.</p>
<p>Weil die Piraten im Umgang mit den Medien unerfahren waren, schien ihre Vermarktung als einer Art Alien-Stars beinahe zwingend. Marina Weisband hat festgestellt, dass sie diese Rolle nicht spielen will. Sie nimmt sich ein Jahr Pause, <a href="http://www.fr-online.de/politik/piratin-marina-weisband--das-ist-kein-rueckzug---ich-nehme-anlauf-,1472596,11521314.html" target="_blank">Anlauf</a>, wie sie sagt, und beendet ihr Psychologiestudium. Politisch wird das die Piraten kaum beeinflussen, denn sie arbeitet als einfaches Parteimitglied weiter. Medial ist es ein kleines Erdbeben: Es muss ein Ersatz gefunden werden, der fotogen und publikumstauglich und vor allem, im Gegensatz zu Weisband, willig ist, den Piraten ein Gesicht zu geben. Schlie&#223;lich sollen die Gesetze der perfekt gestylten Medienwelt nicht auf den Kopf gestellt werden.</p>
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