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	<title>CARTA &#187; Piraten</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Wir sind die Urheber? Ohne mich</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 16:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Petra van Cronenburg</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Meine Kolleginnen und Kollegen tragen wieder Buttons. Und weil es so bequem ist, kann man sich heutzutage sogar welche klicken und sich online in Schubladen sortieren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist wom&#246;glich eine sehr &#8220;deutsche&#8221; Reaktion: Anstatt sich an einen Tisch zu setzen und Zukunft aktiv zu gestalten, steckt man sich Buttons an: F&#252;r oder gegen Atomkraft, f&#252;r oder gegen Fleisch, f&#252;r oder gegen das Urheberrecht. Die Sch&#252;tzengr&#228;ben verlaufen durchs Wohnzimmer, die Gegner sind klar gekennzeichnet und immer ist der andere der Feind. Ich habe das mit den Buttons in den fr&#252;hen 1980ern auch gemacht. Aber dann bin ich &#228;lter geworden und aus einem unserer K&#246;rnerfresser mit Turnschuhen und Buttons wurde ein Au&#223;enminister im Anzug. Sp&#228;testens da konnte man sehen: Menschen sind nicht schwarz oder wei&#223;, nicht eindeutig, nicht immerw&#228;hrend zu kategorisieren. Menschen, die noch ein bi&#223;chen Leben in sich haben, sind bunt, sie changieren, sie &#228;ndern ihre Meinung, sie sitzen zwischen den St&#252;hlen, sie lieben wom&#246;glich Freund <em>und</em> Feind. Wie viele Menschen m&#246;gen sich keinen Button anstecken, weil sie eigentlich beide tragen m&#252;ssten, weil sie sich mit gegens&#228;tzlich scheinenden Meinungen identifizieren? Oder weil sie von keinem von beiden vertreten werden?</p>
<p>Meine Kolleginnen und Kollegen tragen wieder Buttons. Und weil es so bequem ist, kann man sich heutzutage sogar welche klicken und sich online in Schubladen sortieren. Die etwas gediegeneren Herrschaften machen das noch mit Unterschrift, ausgedruckt. &#8220;<a href="http://www.wir-sind-die-urheber.de/"><strong>Wir sind die Urheber!</strong></a>&#8221; platzte es pl&#246;tzlich aus allen Kan&#228;len und schlie&#223;lich auch aus der ZEIT. Namhafte, wirklich sehr namhafte Menschen vor allem aus der Buchwelt haben unterschrieben, es liest sich wie ein <em>Who is Who</em> der Feuilletongesegneten. Auch ich wurde aufgefordert, zu unterschreiben.</p>
<p>Meine erste Reaktion war, eine Aktion der Bildzeitung zu vermuten. Nach &#8220;wir sind Papst und Fu&#223;ball und &#252;berhaupt&#8221; jetzt also noch ein &#8220;Wir sind wieder wer&#8221;? Als typisch individualistische Urheberin bin ich immer sehr vorsichtig, wenn mich ein &#8220;Wir&#8221; vereinnahmen will. Was will dieses Wir von mir?</p>
<p>Ganz ehrlich: Ich habe mich gesch&#228;mt. Zutiefst gesch&#228;mt. Dass all diese hochintelligenten UnterzeichnerInnen sich in ihrer gewiss verst&#228;ndlichen Rage offensichtlich keine gro&#223;en Gedanken gemacht haben, <em>was</em> sie da unterzeichnen. Oder vielleicht doch? Was mag das &#252;ber das Wir aussagen?</p>
<p>Ich kann &#8220;<a href="http://www.wir-sind-die-urheber.de/"><strong>Wir sind die Urheber</strong></a>&#8221; nicht unterzeichnen. Vielleicht, weil ich mir &#252;ber das Urheberrecht schon viel zu viele Gedanken gemacht habe? <strong>Ich f&#252;hle mich n&#228;mlich nicht von feudalen M&#228;chten bedroht und wei&#223;, dass es im 19. Jahrhundert, <em>vor</em> dem Urheberrecht, auch richtig wild lukrative Zeiten f&#252;r Schriftsteller gab. Bedroht f&#252;hle ich mich dagegen von Zeitungsredaktionen, die mir Buy-out-Vertr&#228;ge andienen, um im Gegensatz damit zu drohen, mich abzumahnen, wenn ich auf meiner Website aus einer Buchrezension zu viel zitiere.</strong> (&#220;brigens oft genau die Zeitungen, in denen sich diese &#8220;Wir&#8221; tummeln). Ich verdiene meinen Lebensunterhalt nicht durch die Existenz des Urheberrechts, sondern durch knallharte Verhandlungen mit immer sparsameren Auftraggebern. <strong>Es geht mir nicht schlecht, weil ich meinen Buchtrailer bei youtube verschenke oder 1000 Menschen meinen Roman kostenlos herunterladen. Es geht mir schlecht, weil die Vorsch&#252;sse kontinuierlich sinken, sich die Tantiemen an keine Inflation anpassen, Buchhandlungen Lesehonorare verweigern, ich am Ende der Nahrungskette Buch stehe, obwohl <em>ich</em> mein Buch &#252;berhaupt erst erm&#246;gliche.</strong> Wo sollen Menschen wie ich unterschreiben?</p>
<p><strong>Und warum merkt keiner von diesen intelligenten Menschen, dass man ein Urheberrecht nicht stehlen kann, schon gar nicht b&#246;swillig rauben?</strong> Es ist unver&#228;u&#223;erlich &#8211; und das, was da geraubt wird, ist eigentlich eine wundersame Vermehrung. Wie will ich klar und deutlich &#252;ber solch wichtige Gesetze diskutieren, wenn ich nicht einmal die einfachsten Rechtsbegriffe verstehe?</p>
<p>Ich kann die Polemik nicht unterschreiben, weil mir das Urheberrecht leider nicht erm&#246;glicht, von meiner Arbeit als Buchautorin leben zu k&#246;nnen &#8211; im Gegensatz zu den Ber&#252;hmtheiten unter den UnterzeichnerInnen. Ich kann sie aber auch deshalb nicht unterschreiben, <strong>weil diese b&#246;sen &#8220;globalen Internetkonzerne&#8221; mich nicht entrechten, sondern mir &#252;berhaupt erst erm&#246;glichen, endlich anst&#228;ndig f&#252;r meine k&#252;nstlerischen Projekte entlohnt zu werden &#8211; und das weltweit.</strong> Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Buchh&#228;ndler irgendwelchen B&#252;chern verweigern und Verlage Regalpl&#228;tze bezahlen &#8211; wir haben die gr&#246;&#223;te demokratische Verkaufsmaschinerie im Internet. Vorbei sind die Zeiten, wo man mir f&#252;r E-Books l&#228;cherliche Tantiemen geben will, ich mach mir das selbst! Vorbei sind die Zeiten, wo ich Artikel wie diesen im Total Buy Out ans Feuilleton lieferte &#8211; ich bringe ihn auch so unters Volk und finanziere ihn durch Blogb&#252;cher.</p>
<p><strong>Nehmen wir eine Gedenkminute f&#252;r das Branchenjammern, das jetzt einsetzen mag.</strong> Ich habe kein Ohr mehr daf&#252;r. Als ich als Autorin einmal auf Sozialhilfe war, hat auch niemand Mitleid mit mir gehabt. Sie m&#252;ssen unabh&#228;ngiger werden, mit der Zeit gehen, die neuen Chancen ergreifen, hat man mir damals auf dem Amt gesagt. Wie lange wollen wir alle noch verschlafen, was wir von den Kids lernen k&#246;nnten? Wann wollen wir uns endlich gemeinsam an einen Tisch setzen, uns einbringen, diskutieren, miteinander &#8211; f&#252;r eine Welt, in der sich alle in Kompromissen wiederfinden k&#246;nnen? Wann reden wir Urheber endlich dar&#252;ber, dass die Nutzungsrechte-Regelungen teilweise v&#246;llig veraltet sind?</p>
<p><strong>Das sei deutlich gesagt: Ich bin <em>f&#252;r</em> das Urheberrecht. Es ist eine wunderbare Errungenschaft. Ich bin aber auch f&#252;r eine Reform.</strong> Und da stehe ich in manchen Punkten fast auf der ach so falschen Seite. Deshalb gibt es f&#252;r mich kein &#8220;Wir&#8221; &#8211; weil mich dieses &#8220;Wir&#8221; aussto&#223;en w&#252;rde.</p>
<p>Ich passe l&#228;ngst nicht mehr zu diesem papierenen Wir. <strong>Meine Arbeit ist global, digital und multimedial</strong>, vereint mehrere Berufe. Ich kann nur ein paar einzelne Punkte streifen, die mir durch den Kopf gehen:</p>
<p><strong>Ich brauche keinen Urheberrechtsschutz &#252;ber meinen Tod hinaus.</strong> Nicht, dass ich Tante Erna nicht das fette Erbe von B&#252;chern g&#246;nnen w&#252;rde, die sie bei meinen Lebzeiten nie gelesen hat. Aber was, wenn sich Tante Erna benimmt wie die Witwen von Brecht oder Beuys? Ich kann ein Lied von den Witwen singen, den Sammlungen und Privateignern. Bei der Recherche zu historischem Fotomaterial f&#252;r Sachb&#252;cher kann einem das Urheberrecht graue Haare bescheren! Wer mag der unbekannte Fotograf eines bestimmten Studios gewesen sein, wer sind seine Erben und was verlangen die?</p>
<p><strong>L&#228;ngst habe ich mir abgew&#246;hnt, solche Arbeiten in Deutschland zu erledigen.</strong> Fotorechte? K&#246;nnen Sie haben, macht 300 Euro pro Bild, wir sind kulant. In den USA bekomme ich die <em>gleichen</em> Fotos umsonst, weil die Eigner dort Bildung und Kultur zuliebe die Abdruckrechte umsonst abgeben oder allenfalls einen kleinen Obolus f&#252;r spezielle Datenaufbereitungen verlangen, f&#252;r die Arbeit damit. Ganze Bibliotheken, Archive und digitale Sammlungen stehen mir im Ausland online zur Recherche zur Verf&#252;gung. <strong>Ich muss die Urheberrechte achten, aber die Nutzungsrechte werden mir einfach und preiswert angeboten. Da greife ich umso lieber zu &#8211; und das kommt meinen LeserInnen zugute. Sie erfahren mehr.</strong></p>
<p><strong>Ich bin dagegen, Kids und Jugendliche zu kriminalisieren</strong>, wie es hier in Frankreich geschieht. HADOPI ist eine einzigartige Steuergeldervernichtungsmaschine geworden, bei der man Schulkinder f&#228;ngt und deren Eltern anklagt. <strong>Ich bin daf&#252;r, die ganz gro&#223;en Fische zu jagen, die Macher der Piratenb&#246;rsen, die wirklich Verantwortlichen. Daf&#252;r br&#228;uchten wir globale Aktionen und M&#246;glichkeiten, konzertiertes Arbeiten. Piratenjagd auf die wahren Piraten &#8211; vielleicht helfen uns die anderen Piraten mit ihren Kenntnissen dabei? </strong>Wie w&#228;re es mit einer kleinen Bekehrung auf beiden Seiten? Dazu m&#252;sste aber jeder vom eigenen hohen Ross herunter, <strong>statt Grabenkampf w&#228;re Aufkl&#228;rung angesagt, Erziehung zu Unrechtsbewusstsein</strong> &#8211; und jede Menge guter Beispiele, denen es nachzueifern lohnt.</p>
<p>Was habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn Radiosendungen aufgenommen, kopiert, verschenkt und noch mehr kopiert, ganze B&#252;cher vervielf&#228;ltigt, weil sie der Studentin zu teuer waren und mich keineswegs kriminell gef&#252;hlt! Wie viele Kinder der Unterzeichnenden m&#246;gen es heute noch so halten, heimlich? <strong>Irgendetwas ist dann mit mir passiert, dass ich trotzdem Geld f&#252;r Musik und B&#252;cher ausgegeben habe. </strong>Dieses Etwas sollten wir hegen und pflegen! Dieses Etwas w&#228;chst nicht aus Kriminalisierung.</p>
<p>Nat&#252;rlich bin ich gegen Piratenb&#246;rsen. Aber verfolgen wir doch bitte bitte die wahren Schuldigen!</p>
<p>Da w&#228;re noch ein Punkt, warum ich Schreiben nicht unterzeichnen mag, <strong>die mir vorgaukeln, nur die reine Existenz des Urheberrechts sichere mir Urheberin meine Existenz. Das ist eine L&#252;ge</strong>. Gewiss bekomme ich von der VG Wort j&#228;hrlich einen manchmal l&#228;cherlichen Scheck f&#252;r all die ausgeliehenen B&#252;cher, die Pressespiegel, das Anh&#246;ren meines H&#246;rbuchs. Gewiss werde ich von Buchverlagen bezahlt. Aber das ist eben nicht mehr selbstverst&#228;ndlich. Zeitungsverlage haben mir die &#252;berlebenswichtige M&#246;glichkeit der Mehrfachverwertung genommen, w&#228;hrend sie selbst &#8211; ohne mir Honorare daf&#252;r zu zahlen &#8211; meine Stoffe zigfach bei Dritten verwerten k&#246;nnen. Manche meiner Buchvertr&#228;ge, als ich noch jung und doof war, wollten mich gar lebensl&#228;nglich binden, global, sozusagen jenseits von Zeit und Raum. <strong>Wo sind die Aufschreie der Urheber gegen unsittliche Vertr&#228;ge?</strong></p>
<p><strong>Nein. Das Urheberrecht sichert den meisten von uns l&#228;ngst nicht mehr die Existenz.</strong> Bei den Nutzungsrechten sind wir teilweise zu modernen Sklaven ganz neuer Feudalstrukturen geworden. Viele KollegInnen empfinden sich als BittstellerInnen, nicht mehr als Sch&#246;pferInnen. Es wird h&#246;chste Zeit, &#252;ber Nutzungsrechte zu reden; &#252;ber neue, moderne M&#246;glichkeiten und vor allem &#252;ber Geld. Dar&#252;ber, dass uns alte, etablierte Institutionen zunehmend im Regen stehen lassen und die ach so b&#246;sen globalen Internetkonzerne bieten, was jene verschlafen. Ich wage, aus eigener Erfahrung zu behaupten, dass die Menschen da drau&#223;en, sogar Piraten darunter und Gr&#252;ne und was es da alles an Feindbildern gibt, durchaus gewillt sind, K&#252;nstler zu bezahlen. Geben wir ihnen die M&#246;glichkeit!</p>
<p>Klopfen wir aber auch mal den alten Institutionen auf die Finger. Warum bekomme ich f&#252;r meine E-Books z.B. keinen Scheck von der VG Wort? Der Feudalismus ist Historie. Das reine Papierzeitalter jedoch auch.</p>
<p><a href="http://cronenburg.blogspot.de/2012/05/wir-sind-ohne-mich.html"><em>Crosspost</em></a></p>
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		<title>Blick in die Glaskugel: Landtagswahl in NRW</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 09:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Fortsetzung des Spiels "Wer mit wem?" werden wir am Sonntag und in den Wochen danach in Nordrhein-Westfalen erleben. Die Wendeman&#246;ver der drei kleinen Parteien werden jedenfalls heftiger.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auch ein Norbert R&#246;ttgen, der nicht wei&#223;, ob er vielleicht ein bisschen in D&#252;sseldorf bleiben m&#246;chte, gibt nicht eben eine Wahlempfehlung f&#252;r seine Partei ab. Dass er au&#223;erdem noch die Europapolitik der Bundesregierung zum Wahlthema machen will, ist mehr als ungeschickt, wird aber seine R&#252;ckkehr nach Berlin sichern. Christian Lindner wird mit Ach und Krach der FDP noch einmal den Hals retten, wie es auch Kubicki in SH gelungen ist. Starke Pers&#246;nlichkeiten lenken allerdings h&#246;chstens von der verbreiteten Unzufriedenheit der B&#252;rger mit einer Politik ab, die sie schon lange nicht mehr verstehen. Im Gegensatz zu der bisherigen Reaktion, gar nicht zu w&#228;hlen, gibt es nun mit den Piraten eine neue Option.</p>
<p>Bundespolitik f&#228;rbt immer auf Landtagswahlen ab. Der Zusammenhang mit den Wahlen in Frankreich und Griechenland, wo die Menschen auch gegen Merkel gew&#228;hlt haben, ist f&#252;r die CDU kein g&#252;nstiges Umfeld. In einem postindustriellen Land wie NRW, das besonders intensive Umbr&#252;che erlebt hat, d&#252;rfte das Verst&#228;ndnis f&#252;r die W&#228;hler in den europ&#228;ischen Nachbarl&#228;ndern gro&#223; sein. Gerade im Ruhrgebiet wei&#223; man, was Sparen bedeutet, was es hei&#223;t, wenn der Konsum nachl&#228;sst, weil die Menschen kein Geld mehr zum Ausgeben haben. Dort hat &#252;ber Jahrzehnte ein Tante-Emma-Laden nach dem anderen geschlossen, die Infrastruktur schwer gelitten, bis schlie&#223;lich kein Geld mehr f&#252;r die notwendige Sanierung &#246;ffentlicher Einrichtungen da war. In dieser Lage mit Sparpl&#228;nen Wahlkampf zu machen, ist in der Tat tollk&#252;hn.</p>
<p>Dass gespart werden muss, wissen die W&#228;hler. Doch Hannelore Kraft macht klugerweise keinen Wahlkampf mit Bez&#252;gen auf Finanzierung oder Wirtschaft. Sie vertraut auf ihre pers&#246;nliche, menschliche Wirkung und die Erfolge, die sie seit R&#252;ttgers&#8217; Abschied errungen hat und heftet sich auch die der gr&#252;nen Kollegin L&#246;hrmann diskret mit ans Revers. Damit vermeidet sie geschickt die unangenehme Themensetzung und kommt im Vergleich zu den konkurrierenden Wahlk&#228;mpfern, die schwer nach Berlin riechen, mit ihren bodenst&#228;ndigen Auftritten gut an. Von der M&#246;glichkeit der eigenen k&#252;nftigen Kanzlerkandidatur ist vor der NRW-Wahl kaum die Rede, entsprechende Fragen werden dezent &#252;berh&#246;rt oder mit der nachdr&#252;cklichen Entscheidung f&#252;r D&#252;sseldorf kommentiert.</p>
<p>Die NRW-Gr&#252;nen beschr&#228;nken sich neben ihren Stammthemen weitgehend auf Bildung und Soziales, machen zudem gerade eine Kampagne gegen Pro NRW &#8211; ein paar medienwirksame Aktionen vor der Wahl k&#246;nnen nicht schaden. F&#252;r Rot-Gr&#252;n k&#246;nnte es reichen, notfalls muss ein dritter Partner mit ins Boot. Ob der zwingend Lindner hei&#223;en wird, ist noch nicht ausgemacht. Er selbst verh&#228;lt sich, FDP-ungewohnt, recht bescheiden &#8211; kein Fehlverhalten, wenn man mit dem Parteivorsitz lieb&#228;ugelt. F&#252;r die Gr&#252;nen ist allerdings auch eine schwarz-gr&#252;n-gelbe-Koalition nicht unvorstellbar; die Piraten sind aufgrund der W&#228;hlerwanderung kein wahrscheinlicher Partner.</p>
<p>Die Linke hat sich selbst aus dem Rennen genommen: zu viel personelles Hickhack, zu viel Spekulation um Lafontaines m&#246;gliche R&#252;ckkehr, zu viel Bundesget&#246;se vor der wichtigen Landtagswahl. Die Probleme in der Au&#223;enwelt kamen bei der Linken nicht mehr vor, damit ist das D&#252;sseldorfer Gastspiel vorerst beendet.</p>
<p>Die Piraten haben f&#252;r die skeptischen Westfalen und die traditionsbewussten Rheinl&#228;nder noch zu wenig Profil, so dass sie zwar in den Landtag einziehen werden, aber nicht ganz so rauschend wie im Saarland, in Schleswig-Holstein oder in Berlin. M&#246;glicherweise stellen sie jedoch ein willkommenes Gegengewicht dar, sollte sich die bemerkenswerte Zur&#252;ckhaltung der FDP nach der Wahl schnell verfl&#252;chtigen.</p>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/25f02aa8e76f4f119bc84da06f4b462a" alt="" width="1" height="1" />
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		<title>Der Spiegel unter Druck. Warum?</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Apr 2012 11:26:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>

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		<description><![CDATA[„Spiegel Online“ hat den gedruckten Spiegel an Reichweite &#252;berholt. Das Printprodukt muss aber weiter das dicke Geld verdienen. Das f&#252;hrt zu erheblichem Missmut im Haus.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Georg Altrogge, Chefredakteur von <em>Meedia</em>, witterte gleich einen <a href="http://meedia.de/nc/print/paid-content-machtkampf-beim-spiegel/2012/04/19.html">Machtkampf</a> um die Chefredaktion beim Nachrichtenmagazin. Der unaufhaltsame Erfolg von <em>Spiegel Online</em>, so die allgemeine Interpretation, gef&#228;hrde den Absatz des 4 Euro teuren Magazins.</p>
<blockquote><p>„Mascolo hat deshalb intern entschieden eine Bezahlschranke gefordert – und damit eine Ma&#223;nahme, zu der sich bislang kein namhafter Wettbewerber (aus guten Gr&#252;nden) hat durchringen k&#246;nnen. Der Widerstand im eigenen Haus dagegen ist nicht nur bei den Onlinern, allen voran Mascolo-Chefredakteurskollege Blumencron, gro&#223;. Auch die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung h&#228;lt wenig von einer rabiaten Ma&#223;nahme.“</p></blockquote>
<p>Die Zahlen des gedruckten <em>Spiegel</em> sind zwar immer noch gut – vor allem im Vergleich zu den herben Verlusten mancher Konkurrenten – aber rosig sieht anders aus.</p>
<p>2006 und 2007 lag die verkaufte Auflage je vier Mal unter der wichtigen Millionengrenze, 2008 drei Mal, 2009 sieben Mal.</p>
<p>Doch 2010 gab es einen sp&#252;rbaren Einschnitt: Das Blatt lag in diesem Jahr 33 Mal unterhalb der Million, 2011 sogar 45 Mal. Und Ende 2011 unterschritt der <em>Spiegel</em> zum ersten Mal seit anno dunnemals die Marke von 900.000 verkauften Exemplaren. Im ersten Quartal 2012 wurde die 900.000er-Marke bereits zwei Mal gerissen.</p>
<p>Kein Wunder, dass man in den oberen Etagen nerv&#246;s wird. So ist das im gedruckten <em>Spiegel</em> zuletzt immer <a href="http://carta.info/42967/dirk-kurbjuweits-netzgemeinde/">heftiger</a> werdende Internet-Bashing vielleicht auch der internen Situation geschuldet (<a href="https://magazin.spiegel.de/epaper/start/index.html">Titelgeschichte am Montag</a>: „Avanti dilettanti“ &#252;ber dickb&#228;uchige Piraten). W&#228;re doch <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2012/04/20/spiegel-online-erfolgreicher-als-der-spiegel/">peinlich</a>, wenn der altehrw&#252;rdige <em>Spiegel</em> eines Tages nur noch der Wurmfortsatz des Online-Magazins w&#228;re.</p>
<p>Die These von der Kannibalisierung durch Online findet allerdings auch Widerspruch. Vor allem der Erfolg der gedruckten <em>Zeit</em> wird dem <em>Spiegel</em> immer wieder als leuchtendes Beispiel vorgehalten. <em>Zeit Online</em>, obwohl mit Texten aus dem gedruckten Blatt sehr freigiebig, gef&#228;hrde das Mutterschiff keineswegs. Allerdings st&#252;tze die <em>Zeit</em> ihr Printprodukt sehr viel umsichtiger mit allerlei Aktivit&#228;ten rund ums Blatt, w&#228;hrend der <em>Spiegel</em> vor allem auf gedruckte <a href="http://meedia.de/print/das-magazin-ist-mehr-als-ein-reisefuehrer/2012/04/24.html">„Line Extensions“</a> setze (nach dem Modell <em>Geo</em>). Au&#223;erdem habe der R&#252;ckgang beim gedruckten<em> Spiegel</em> erst 2010 so richtig eingesetzt &#8211; da aber sei <em>Spiegel Online</em> schon zehn Jahre lang <a href="http://carta.info/33848/spiegel-online-die-wahre-krake-im-netz/">erfolgreich</a> gewesen. Wieder <a href="http://wirres.net/article/articleview/5828/1/6/">andere</a> <a href="http://wirres.net/article/articleview/6276/1/6/">vermuten</a>, die Schw&#228;che des gedruckten <em>Spiegel</em> habe mit dem Angebot und der Haltung des Blattes zu tun.</p>
<p>&nbsp;
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<a href="http://carta.info/43008/der-spiegel-unter-druck-warum/">Der Spiegel unter Druck. Warum?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/43008/der-spiegel-unter-druck-warum/#comments">14 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43008&amp;md5=0fa87ac5627c3cbdc094add2e26aa3f3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die FAZ und das F&#228;hnchen im Wind</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Apr 2012 14:05:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei den Frankfurtern ist die Liebe zu den PiratInnen deutlich abgek&#252;hlt. Wurde Jens Seipenbusch noch vor kurzem als Intellektueller von Format gefeatured und Marina Weisband als Julia Timoschenko-haftes Piraten-„Gesicht“ gelobt, gibt’s nun eins auf die M&#252;tze. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da sich in den Feuilletons inzwischen die Urheber-Promis die Klinke in die Hand geben, um gegen die Kostenlos-Republik der Piratenpartei anzuschreiben, sah die <em>FAZ</em> schon leicht nach <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/marina-weisband-galionsfigur-wider-willen-11600782.html">gestern</a> aus. Nun hat sie offenbar doch noch die Kurve gekriegt. <em>FAZ</em>-Redakteur Harald Staun und <em>Tatort</em>-Regisseur Niki Stein rechnen kurz vor den Landtagswahlen mit den Piraten ab. Den Newcomern werden nicht mehr &#8211; wie vor kurzem noch &#8211; <a href="http://www.marinaslied.de/?p=659">Aufbruch</a> und <a href="http://carta.info/15074/frank-schirrmacher-piratenpartei-jens-seipenbusch/">Intellektualit&#228;t</a> bescheinigt, sondern geistige Unzurechnungsf&#228;higkeit (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratenfreiheit-pille-palle-11724417.html">„Pille-Palle“</a>) und kommunistische Enteignungsfantasien (<a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/tatort-regisseur-niki-stein-unter-piraten-11723444.html">„Unter Piraten“</a>).</p>
<p>So schnell &#228;ndern sich die Zeiten (It&#8217;s journalism, stupid!). Auch gegen den Kapitalismus wird ja in letzter Zeit in der <em>FAZ</em> nicht mehr so wild argumentiert wie im vergangenen Herbst.</p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43001&amp;md5=170864022e34b121b6d2c4d6b34e92ac" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dirk Kurbjuweits Netzgemeinde</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:09:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Spiegel hat der Reporter und ehemalige Ressortleiter Dirk Kurbjuweit einen strammen Anti-Piraten-Essay verfasst: „Die Freiheit der W&#246;lfe. Wird das Internet zu einer Schule der neuen Barbarei?“ Hier eine Antwort an die Printgemeinde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um eins gleich vorauszuschicken: Es steht auch viel Richtiges in diesem Essay. Denn er handelt von der nachvollziehbaren Angst der Konservativen vor dem Internet. Zu diesen Konservativen z&#228;hlen in einem <a href="http://www.neunetz.com/2012/04/18/europa-verliert-den-internet-anschluss/">Internet-Schwellenland</a> wie Deutschland auch viele, die sich im Herzen f&#252;r Linke oder Liberale halten. Das hei&#223;t, wir haben es gegen&#252;ber dem „Ph&#228;nomen Internet“ noch immer mit einer gro&#223;en Koalition der Angst zu tun. Und diese Angst l&#228;sst sich nicht einfach wegl&#228;cheln.</p>
<p>Worum geht es in Dirk Kurbjuweits Essay? Es geht um die „Tyrannei des freien Netzes“? Im Kern aber geht es um das Vorhaben der Piratenpartei, das Urheberrecht zugunsten der Internetnutzer zu reformieren. Da dieses Vorhaben die Pfr&#252;nde all jener Urheber tangiert, die im bisherigen System exzellent verdient haben, wehren sich jetzt vor allem die Spitzenverdiener gegen jede &#196;nderung und marschieren Seit’ an Seit’ mit ihren Verwertern.</p>
<p>Dass die Spitzenverdiener ihre Interessen so vehement verteidigen, kann ich verstehen. Reichlich arrogant finde ich es aber, dass sie ihre Partikularinteressen mit den ganz gro&#223;en Begriffen aufblasen. Da geht es immer gleich ums Ganze, um „Freiheit oder Barbarei“. Da werden die gro&#223;en Philosophen von John Locke bis Immanuel Kant zitiert und heilige Messen &#252;ber die Menschenrechte gelesen, ja es wird die ganze schmerzhafte Evolution der Kultur von der Steinzeit bis heute bem&#252;ht &#8211; dabei geht es im Kern doch nur um die Mitarbeiter-Beteiligung beim <em>Spiegel</em>.</p>
<p>Auch das ist nat&#252;rlich ein legitimes Interesse. Doch dann sollten die Essay- und Offene Briefe-Schreiber das auch bittesch&#246;n sagen, und nicht die gro&#223;en Menschheits-Begriffe als Artillerie-Geschosse f&#252;r ihre Interessenpolitik missbrauchen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>Die Barbarei im Bahnhofskiosk</strong></em></p>
<p>Was besonders stark nervt, ist der (gezielt verwendete) Adressat dieser Emp&#246;rungs-Manifeste. Wieder richten sich s&#228;mtliche Vorw&#252;rfe an „die Netzgemeinde“. Die Netzgemeinde ist f&#252;r alles verantwortlich: f&#252;r Gewaltexzesse von NSU bis Breivik, f&#252;r Kinderpornographie, f&#252;r Shitstorms, f&#252;r Hasstiraden, anonyme Beleidigungen und Lynchjustiz. DIE NETZGEMEINDE – damit sind all jene gemeint, die im World Wide Web nicht nur lesen, sondern das Web mit gestalten: Kommentatoren, Forentrolle, Piraten, Blogger, Digital Natives, Netzaktivisten – also alle, die von der „Printwelt“ am liebsten noch immer (g&#228;hn!) in der Frisur Sascha Lobos <a href="http://www.zeit.de/2012/17/Sascha-Lobo">zusammengefasst</a> werden.</p>
<p>Drehen wir den Spie&#223; der Vereinfachung doch mal um. Ich z.B. w&#252;rde gern Dirk Kurbjuweit einladen, mit mir zusammen einen gr&#246;&#223;eren deutschen Bahnhofskiosk zu besuchen. Dort w&#252;rden wir dann von Regal zu Regal gehen und uns anschauen, was DIE PRINTGEMEINDE so treibt. Und dann werde ich ihn f&#252;r die ganze Barbarei der Strickzeitschriften, Sudoku-R&#228;tsel, Manga-Comics, Fanzines, Adelspostillen, Porno-Magazine, Computer-PR, M&#228;nner-Lifestyle, Motorrad-Specials und Panzerheftchen des Zweiten Weltkriegs verantwortlich machen. Das, werde ich sagen, ist „deine Printgemeinde“! Du bist daf&#252;r verantwortlich, dass das alles gedruckt wird. Ist das die Freiheit, die du meinst?</p>
<p>Also, liebe Gro&#223;journalisten, lasst bitte in Zukunft eure gro&#223;en Begriffe im Halfter stecken und sagt einfach, dass es um eure Geldb&#246;rsen geht. Dann k&#246;nnte man die Debatte mit etwas mehr Sachlichkeit und vielleicht auch etwas differenzierter f&#252;hren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>P.S. In konsequenter <a href="http://meedia.de/print/paid-content-machtkampf-beim-spiegel/2012/04/19.html">Ablehnung der Kostenlos-Kultur</a> ist Dirk Kurbjuweits Essay &#252;ber die Tyrannei des Netzes im Netz nicht ‚kostenlos’ zu lesen, sondern nur in der gedruckten Ausgabe (16/2012, S.24) bzw. im <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,ausg-5828,00.html">„E-Paper“</a>. Christian St&#246;cker hat indirekt auf Spiegel Online <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,828270,00.html">reagiert</a>.</em></p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42967&amp;md5=c11df70f44e6287dc35b3e5f16b022ab" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Bruno Kramm antwortet den &#8220;Urhebern&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/42745/bruno-kramm-antwortet-den-urhebern/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Apr 2012 12:32:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bruno Kramm ist Musiker, Musiklabelmacher, Herausgeber eines Magazins und Pirat. Er hat sich die M&#252;he gemacht, allen Teilnehmern der Handelsblatt-"K&#246;pfe"-Kampagne zu antworten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem ausf&#252;hrlichen <a href="http://brunokramm.wordpress.com/2012/04/07/kommentar-zu-den-100-kopfen/">Kommentar</a> zu der Aktion &#8220;<a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/mein-kopf-gehoert-mir-ueber-160-statements-zum-urheberrecht/6484234.html" rel="nofollow">Mein Kopf geh&#246;rt mir</a>&#8221; moniert Kramm zun&#228;chst:</p>
<p style="margin-bottom:0,5em">
<blockquote><p>Der Artikel selbst beginnt mit einem inhaltlich schwach recherchierten Auftakt, dem die besagten 100 K&#246;pfe mit individuellen Statements folgen.<br />
Bereits in der Einleitung wird die Piratenpartei mit schweren Anschuldigungen konfrontiert und ein einziger Teilbereich aus dem Kontext des kompletten Programms isoliert und zum anarchistischen Aufruf der Freibeuterei mutiert: „Alles umsonst, Enteignung aller Rechte“. Eine Forderung, die jeder Grundlage entbehrt und in keiner Form in unserem <a href="http://www.piratenpartei.de/navigation/politik/parteiprogramm.html">Parteiprogramm</a> gest&#252;tzt wird.</p></blockquote>
<p style="margin-bottom:1em">
<p>Dann geht er pragmatisch auf die einzelnen Statements ein, so z.B. auf Christoph Keese und Ex-Bertelsmann Chef Thomas Middelhoff:</p>
<p style="margin-bottom:1em">
<blockquote><p>
Sehr geehrter Herr Keese,<br />
Nach der Aufkl&#228;rung durften Urheber auch nicht mehr zitieren oder die Praxis des Einarbeitens fremder Motive als Hommage des Zitierten nutzen. Dadurch starb eine gro&#223;e Tradition von Barock bis Rennaissance aus. Heute nennt man das transformationelle Nutzung. Eine der vielen Dinge, die unsere Sicht des Urheberrechts zulassen m&#246;chte. Etwas was wir abschaffen m&#246;chten, ist hingegen das Wahlgeschenk, das Ihnen die gelb-schwarze Regierung mit einem restriktiven Leistungsschutzrecht f&#252;r Journalismus im Internet gemacht hat.</p></blockquote>
<p style="margin-bottom:1em">
<blockquote><p>Sehr geehrter Herr Middelhoff,<br />
Sie wollen Bezahlsysteme. Dagegen spricht nichts. Solange diese nicht wettbewerblich durch ungerechtfertigt hohe Lizenzen blockiert werden, wie in einem Jahrzehnt der Nichteinigung Bitkom/GEMA. Die Auswahl, das Vorh&#246;ren und Vorsehen im Internet wird es trotzdem geben. Der Nutzer muss selbst entscheiden k&#246;nnen, was einen Kauf individuell rechtfertigt oder nicht.</p></blockquote>
<p><a href="http://brunokramm.wordpress.com/2012/04/07/kommentar-zu-den-100-kopfen/" target="blank">Weiter auf Bruno Kramms Blog &raquo;</a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42745&amp;md5=1469a5e28dd9a7828949ce3fd70e8c0b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Vierteilung der Opposition</title>
		<link>http://carta.info/42539/die-vierteilung-der-opposition/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 17:02:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit Jahren gibt es eine stattliche politische Mehrheit diesseits der CDU. Doch diese Mehrheit kann nicht wirksam werden. Denn die Opposition hat sich dummerweise vierteilen lassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die SPD, das muss man sagen, ist hart im Geben: Ende der siebziger Jahre schenkte sie uns die Gr&#252;nen. Die wollten damals eine andere Friedens- und Umweltpolitik als Helmut Schmidt. Zu Anfang des Jahrtausends schenkte uns die SPD dann die Linken. Die wollten eine andere Wirtschafts- und Sozialpolitik als Gerhard Schr&#246;der. Die Gr&#252;nen (als ehemalige Koalitionspartner von Gerhard Schr&#246;der) schenkten uns schlie&#223;lich die Piraten. Die wollen ein anderes demokratisches Verfahren.</p>
<p>Von der guten alten Tante SPD blieb ein Torso: zementhart und innovationsresistent. &#220;ber die H&#228;lfte der Mitglieder hatte der Partei den R&#252;cken gekehrt, der Vorsitzende war von der Fahne gegangen (und hat ein Trauma hinterlassen), im Bund war die SPD mit Steinmeier auf nie dagewesene 23 Prozent abgest&#252;rzt.</p>
<p>Gab es je eine Aufarbeitung dieser dramatischen Entwicklung? Eine Art Einkehr? Eine Schadensbilanz? Nein. Davor hat die SPD immer zur&#252;ckgescheut. Nach jeder Abspaltung, nach jeder Niederlage hie&#223; es auf den Parteitagen: Jetzt m&#252;ssen wir nach vorn blicken, nur nicht zur&#252;ck.</p>
<p>Heute ist die SPD im Kern ein <a href="http://kahrs.de/strategiepapier-des-seeheimer-kreis-jetzt-nicht-stehenbleiben/5897/">erweiterter Seeheimer Kreis</a>. Und die Partei f&#252;hlt sich ganz gut dabei. Sie hat erreicht, was ihr rechter Fl&#252;gel immer wollte. Sie ist in der gl&#252;cklichen Lage, nach jeder Wahl mit staatspolitisch erhobenem Zeigefinger sagen zu k&#246;nnen, sie m&#252;sse nun aus Verantwortungsbewusstsein eine gro&#223;e Koalition mit der CDU eingehen. F&#252;r die einstigen „vaterlandslosen Gesellen“ ist das vermutlich das h&#246;chste der Gef&#252;hle.</p>
<p>Mit den Gr&#252;nen aber wird es im Bund nicht reichen. Die Erinnerungen an die Entt&#228;uschungen der ersten rot-gr&#252;nen Koalition sind noch zu stark. Die Linken werden weiter die Unber&#252;hrbaren bleiben. Sie sind f&#252;r Sozialdemokraten unw&#228;hlbar (wg. SED), sie sind nicht regierungsf&#228;hig (wg. Afghanistan) und sie sind abgrundtief b&#246;se (wg. Lafontaine). Auch die Piraten kommen als Koalitionspartner noch lange nicht in Betracht: Sie sind zu jung, zu unbedarft und zu unberechenbar (aber &#8211; das sagen alle &#8211; sie sind viel netter als Oskar Lafontaine).</p>
<p><strong>Die Vierteilung der Opposition sichert der Rumpf-SPD die ideale Ausgangslage f&#252;r eine immerw&#228;hrende gro&#223;e Koalition.</strong></p>
<p>Und die Begr&#252;ndung lautet: Die krisenhafte Entwicklung des Eliten-Projekts Europa erfordere in den n&#228;chsten Jahrzehnten ein starkes deutsches Zentrum, eine nationale Zweidrittel-Herrschaft der Oligarchen aus SPD und CDU.</p>
<p>F&#252;r die Piraten ist diese Elitenpolitik ein g&#252;nstiger N&#228;hrboden. Sie k&#246;nnen in aller Ruhe wachsen. Selbst ohne Programm. Die Gr&#252;nen aber werden in eine Zerrei&#223;probe geraten: Die eine H&#228;lfte will zur&#252;ck zu den eigenen Wurzeln, die andere H&#228;lfte will zur&#252;ck in die Regierung. Und die Linken? Sie reiben sich auf im kalten Ost-West-Konflikt und treiben ihre Jungw&#228;hler zuverl&#228;ssig zu den Piraten.</p>
<p>Das bedeutet: So lange die CDU das Kunstst&#252;ck fertigbringt, an ihrem rechten Rand eine Abspaltung zu vermeiden, stehen ihr alle Optionen f&#252;r ein &#8220;Weiter so&#8221; offen. Und so lange die SPD die 20 Prozent-H&#252;rde knackt, hat sie gute Aussichten auf einen festen Logenplatz an der Seite der CDU.</p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42539&amp;md5=702e58729e8d77f41143f27414942515" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Carta und die Piraten</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 18:19:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Autorenplattform Carta begleitet die Entwicklung der deutschen Piratenpartei seit Jahren. Die wichtigsten Beitr&#228;ge haben wir hier noch einmal chronologisch zusammengestellt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auffallend an der Piraten-Chronologie &#8211; die durch zahlreiche „Netzlesen“ erg&#228;nzt werden k&#246;nnte &#8211; ist eine Wellenbewegung: Mitte 2010, nach dem z&#228;hen <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,695031,00.html">Bundesparteitag</a> in Bingen und der verpatzten Landtagswahl in <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-04/Piratenpartei-NRW">NRW</a> (1,6%), war die Skepsis &#252;ber den Fortbestand der Piratenpartei am gr&#246;&#223;ten. Jetzt ist die Partei wieder obenauf. Doch wir werden – vielleicht erneut in Nordrhein-Westfalen – auch neue „Wellent&#228;ler“ erleben. Das Interesse an der Entwicklung dieser neuen, interessanten Parteiformation ist jedenfalls bei Carta ungeschm&#228;lert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li><em>Wolfgang Michal</em>, Die Piraten – Aufstand der technischen Intelligenz? (<a href="http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/">12.6.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Piraten wollen die Freiheit: Die Piratenpartei ist gegen die Kulturflatrate (<a href="http://carta.info/12283/piraten-wollen-die-freiheit-die-piratenpartei-ist-gegen-die-kulturflatrate/">23.7.2009</a>)</li>
<li><em>Matthias Schwenk</em>, Blumentopfpiraten (<a href="http://carta.info/13797/wahl-blumentopf-wahlwerbespot/">27.8.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Interview mit dem Vorsitzenden der Piratenpartei, Jens Seipenbusch: „Das Internet gef&#228;hrdet nicht die Kultur, sondern ein bestimmtes Verst&#228;ndnis von Kultur“ (<a href="http://carta.info/14945/piratenpartei-jens-seipenbusch-interview/">17.9.2009</a>)</li>
<li><em>Christoph Bieber</em>, Kampagne als „Augmented Reality Game“: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei (<a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/">25.9.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Erfolg f&#252;r Piraten und Petition: Internetsperren ausgebremst (<a href="http://carta.info/16328/internetsperren-fdp-piratenpartei-aussetzung/">16.10.2009</a>)</li>
<li><em>Robin Meyer-Lucht</em>, Piraten vs. Parteiestablishment. Es geht NICHT um das Internet (<a href="http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/">17.1.2010</a>)</li>
<li><em>Felix Neumann</em>, Piratenpartei: Mehr als die Autofahrerpartei auf der Datenautobahn (<a href="http://carta.info/22886/piratenpartei-autofahrerpartei-auf-der-datenautobahn/">12.2.2010</a>)</li>
<li><em>Wolfgang Michal</em>, Antrag auf Umbenennung der Piratenpartei (<a href="http://carta.info/27170/antrag-auf-umbenennung-der-piratenpartei/">10.5.2010</a>)</li>
<li><em>Felix Neumann</em>, Die Grundsatzdebatte der Piratenpartei: Was bedeutet „Grundgesetz bewahren“? (<a href="http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/">22.9.2010</a>)</li>
<li><em>Jennifer Domnick</em>, Die Piraten vor Hamburg: „Wir wollen wegkommen vom Image der Spa&#223;partei“, Interview mit Claudius Holler (<a href="http://carta.info/38280/die-piraten-vor-hamburg-wir-wollen-wegkommen-vom-image-der-spasspartei/">18.2.2011</a>)</li>
<li><em>Vera Bunse</em>, Unverzichtbare Lichtgestalten. Die Medien und Marina Weisband (<a href="http://carta.info/41065/unverzichtbare-lichtgestalten/">2.12.2011</a>)</li>
<li><em>Michael Seemann</em>, Das Partizipations-Transparenz-Dilemma (<a href="http://carta.info/41217/das-partizipations-transparenz-dilemma/">3.2.2012</a>)</li>
<li><em>Daniel Leisegang</em>, Von Betriebssystem zum Parteiprogramm (<a href="http://carta.info/41754/piratenpartei-vom-betriebssystem-zum-parteiprogramm/">29.2.2012</a>)</li>
<li><em>Andreas Lange</em>, Liquid Feedback: Gamification von Politik? (<a href="http://carta.info/42081/liquidfeedback-gamification-der-politik/">14.3.2012</a>)</li>
<li><em>Vera Bunse</em>, Die Piraten in der Fernsehberichterstattung (<a href="http://carta.info/42306/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/">26.3.2012</a>)</li>
</ul>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42343&amp;md5=f3ed1900254e5fe043195c1d00f72104" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Die Piraten in der Fernseh-Berichterstattung</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 13:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die TV-Berichterstattung &#252;ber die Piraten ist eine Zumutung. Ganz gleich, ob ein Interview gef&#252;hrt oder ein Ereignis kommentiert wird: Sie ist schwer zu ertragen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den Reportagen von den Wahlerfolgen in Berlin und Saarbr&#252;cken waren Party, Stimmung, Jubel und Internet die meistgebrauchten Worte. Berichte von Parteitagen bestehen &#252;berwiegend aus der Beschreibung der vielen Kabel und Laptops, des verbreiteten Genusses eines stark koffeinhaltigen Getr&#228;nks, der Versammlungsform, die nicht so durchorganisiert ist, wie es die Betrachter gewohnt sind. Dem Stimmungsbild folgt die &#252;bervorsichtige Ann&#228;herung an Aliens mit Welpenschutz. Es mag gestandene Journalisten verbl&#252;ffen, in eine Halle voller Leitungen und Computer zu geraten, dahinter sitzen jedoch ganz normale Menschen. Junge, engagierte Menschen allerdings, das ist in der deutschen Politik in den letzten 30 Jahren nicht mehr vorgekommen. Es ist kein Grund, auf Zehenspitzen zu gehen.<br />
<a href="http://www.flickr.com/photos/arbyter_org/4983466648/in/set-72157624940326506"><img class="alignright size-medium wp-image-42318" title="fsa_10_msuemnick" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2012/03/fsa_10_msuemnick-300x200.jpg" border="3" alt="" width="300" height="200" /></a><span id="more-42306"></span></p>
<p>Die Reporter haben mit etwas Neuartigem zu tun, ja, aber es bei&#223;t nicht. Man kann ihm mit journalistischer Neugier, guter Vorbereitung und interessanten Fragen begegnen. Die Interviews wirken stattdessen bem&#252;ht bis peinlich, der Ton klingt nach will und kann nicht. Der Zuschauer ist danach nicht schlauer. Was er &#252;ber die Piraten erfahren hat, hat kaum Informationswert: Jung, chaotisch, was mit Internet, kein Plan. Wusste man schon, nicht so wichtig.</p>
<p>Die ziemlich hilflosen Fragen und die augenscheinlich schlechte Vorbereitung der Reportagen decken sich erstaunlich weitgehend mit der Herangehensweise der politisch Alteingesessenen. Auch das Personal der traditionellen Parteien findet keine Erkl&#228;rungen. Die Einordnungsversuche sind zum Teil so haarstr&#228;ubend, weil die Piraten partout nicht in ein bekanntes Schema passen wollen. Was nicht in eine Schublade geht, ist per se unheimlich und fl&#246;&#223;t Angst ein. Als k&#246;nnte man den Neuen nicht mit ganz herk&#246;mmlichen Mitteln auf die Spur kommen: Lesen, mit ihnen sprechen, Fragen stellen, neugierig sein, die Bereitschaft, sich schlau zu machen. Zuzugeben, dass man etwas nicht kennt, bedeutet einen ertr&#228;glichen Kontrollverlust. Es gibt gen&#252;gend Piraten, die gerne bereit und in der Lage w&#228;ren, ausf&#252;hrlich Auskunft zu geben.</p>
<p>Sp&#228;testens jetzt, nach der Saarland-Wahl, ist unstreitig, dass man die junge Partei ernst nehmen muss. Sie bringt m&#228;chtig Bewegung in scheinbar feststehende Gegebenheiten. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin wurde noch erkl&#228;rt, das Ergebnis sei der gro&#223;st&#228;dtischen Umgebung und der urbanen, internetaffinen Jugend zuzuschreiben. F&#252;r das kleine Saarland kann das nicht stimmen, dennoch wird weiterhin das Mantra von der Internetpartei bem&#252;ht. An die Wurzeln geht niemand.</p>
<p>Die einzige Tatsache, die von allen richtig beurteilt wird: Die Piraten sprechen ein junges Publikum an. Die Beweggr&#252;nde, sie zu w&#228;hlen, haben jedoch nur nachrangig mit dem Netz zu tun. Vielmehr findet hier die gro&#223;e Unzufriedenheit mit dem &#252;blichen Politikbetrieb Ausdruck, in dem mehr vertuscht als Tacheles geredet wird und die Menschen l&#228;ngst nicht mehr wichtig sind. Nein, die Piraten haben noch nicht auf alles eine Antwort. Aber wie wohltuend, wenn zwischen all dem genormten Blabla mal jemand sagt, &#8220;darauf kann ich Ihnen noch keine Antwort geben&#8221;. Es stellt sich niemand vorne hin und behauptet, alle L&#246;sungen zu kennen.<br />
Die Piraten laden zum Mitmachen ein, wo die sogenannten Volksparteien selbstherrlich Hinterzimmerpolitik betreiben. Das Versprechen, mit gestalten zu k&#246;nnen, selbst etwas zu bewegen und die oft nicht verst&#228;ndlichen Entscheidungen derer &#8216;da oben&#8217; beeinflussen zu k&#246;nnen, ist das wichtigste Wahlmotiv. Es ist wesentlich kraftvoller als die Themen Internet und Netzpolitik, die von den Medien so gern in den Vordergrund geschoben werden. Diese Reduzierung wie auch die stete Betonung des vorgeblichen Interesses an freien Downloads oder der Abschaffung des <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA149" target="_blank">Urheberrecht</a>s ist eine Folge mangelhafter oder fehlender Nachfrage, kurz: von medialem Desinteresse.</p>
<p>Die erschreckende netzpolitische Unbedarftheit der alten Parteien ist nat&#252;rlich Teil des Problems, durch die schlecht vorbereitete, einseitige Berichterstattung wird sie noch sichtbarer. Auch &#252;ber das alte Parteienspektrum wird ja immer noch berichtet, als habe sich seit den 80er-Jahren nichts ge&#228;ndert: &#220;ber die CDU als christlich gepr&#228;gte Wirtschaftspartei, &#252;ber die SPD, als vertrete sie immer noch sozialdemokratische Ziele, &#252;ber die FDP, als sei sie auch heute noch das Z&#252;nglein an der Waage, das sie jahrzehntelang war. Eher selten sind Kommentare, die den Sozialabbau durch den unheilvollen neoliberalen Einfluss und die l&#228;ngst erfolgte Angleichung unter den gro&#223;en Parteien beim Namen nennen. Als sensationell wird hingegen herausgestellt, wenn konservative Politiker etwa twittern oder gar bloggen, als sei das bereits ein Kompetenzbeweis und belege die ernsthafte Besch&#228;ftigung mit digitalen B&#252;rgerrechten.</p>
<p>In der Wirklichkeit enthalten netzbezogene Verlautbarungen aus den gro&#223;en Parteien selten anderes als besch&#228;mende Fehleinsch&#228;tzungen oder die Ank&#252;ndigung von Restriktionen. Auf ihrem ureigenen Spielfeld lassen sich die Piraten aber nicht von uninformierten Lautsprechern dreinreden, und sie sind zu Recht sauer, dass deren Dialogbereitschaft gegen Null geht. Dialogf&#228;higkeit und Lernbereitschaft sind wichtige Schl&#252;ssel zum Verst&#228;ndnis der Partei; Bildung, die Verbreitung von Wissen und die Vermittlung von F&#228;higkeiten ein Grundanliegen. Sie versteht nicht, dass man nicht einfach auf das in ihren Reihen vorhandene Wissen zugreift. Einer Partei, die Probleme l&#246;sen und den &#252;blichen Politikstil &#228;ndern will, ist Ignoranz unverst&#228;ndlich.</p>
<p>Allerdings hat sie auch einige Steilvorlagen vergeben. Die Pressearbeit hinkt noch gewaltig. In den letzten Monaten wurde auf einige netzpolitische Herausforderungen nicht schnell und effektiv reagiert. Das spielt denen in die H&#228;nde, die auf professionelle Pressestellen zur&#252;ckgreifen und in zwei S&#228;tzen anschauliche Schreckensszenarien entwerfen k&#246;nnen. Sie k&#246;nnen sich entspannt zur&#252;cklehnen, statt unter Zugzwang reagieren zu m&#252;ssen. Es ist allerdings ein Trugschluss, deshalb anzunehmen, die Piratenw&#228;hler n&#228;hmen das besonders &#252;bel. Auch das irritiert die Medien; es ist einfach nichts wie gewohnt. Bekannte Mechanismen funktionieren nicht. Handlungsmuster, die bei den herk&#246;mmlichen Parteien bestimmte Folgehandlungen triggern, kommen kaum vor. Selbst Intrigen finden coram publico statt, nachzulesen in den Foren, sozialen Netzwerken und auf Twitter.</p>
<p>Von den Sendern werden diese Mittel kaum zur Information genutzt. Sie sind zwar in den Netzwerken unterwegs, bewerben dort allerdings haupts&#228;chlich die eigenen Programme. Es gibt einige Redakteure, die dem Fernsehzuschauer &#8220;das Internet&#8221; &#252;bersetzen. Diese wenig informativen Inhalte beschr&#228;nken sich auf einfache Stimmungsbilder und Interpretationen, die der Sachkenntnis von Einzelpersonen &#252;berlassen bleiben und nur in sehr kurzen Einstellungen zu sehen sind. Sie erkl&#228;ren nichts.</p>
<p>Vielleicht beginnen die Fernsehanstalten jetzt endlich, Journalisten mit Berichten &#252;ber die Piratenpartei zu beauftragen, die dem Thema gewachsen sind. Die Piraten haben eine schwierige Zeit vor sich, in denen sie nicht nur Antworten finden, sondern auch an Professionalit&#228;t gewinnen m&#252;ssen: Eine wirklich spannende Zeit f&#252;r die Medien, f&#252;r guten, informativen Journalismus. Die &#214;ffentlich-rechtlichen haben den geb&#252;hrenfinanzierten Auftrag, die B&#252;rger umfassend zu informieren. Bei den Sendern gibt es gen&#252;gend geeignete Mitarbeiter, die diese Herausforderung annehmen k&#246;nnen. Die Piraten werden f&#252;r die n&#228;chsten Jahre ein ergiebiges Thema sein, auch abseits der Stereotype Internet, Protestpartei und Anderssein. Macht was draus.</p>
<p style="margin-bottom: 2em;">&nbsp;</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://opalkatze.wordpress.com/" target="_blank">&#8230; Kaffee bei mir?</a><br />
Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/arbyter_org/4983466648/in/set-72157624940326506">Marcus S&#252;mnick</a>, <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en">CC BY-SA</a></em></p>
<ul>
<li>Analyse und Einordnung von <a href="http://blog.koehntopp.de/archives/3222-Piratenversteher.html" target="_blank">Kris K&#246;hntopp</a></li>
<li>FX Neumann: <a href="http://fxneumann.de/2012/03/25/spass-und-protest/" target="_blank">Spa&#223; und Protest</a></li>
<li>Heribert Prantl: <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/landtagswahl-im-saarland-das-piratennest-1.1317962" target="_blank">Das Piratennest</a>: &#8220;Die Piratenpartei befriedigt offenbar eine gutgl&#228;ubig-unbefangene, herzhaft basisdemokratische Lust auf Politik.&#8221;</li>
<li>Christoph Bieber: <a href="http://internetundpolitik.wordpress.com/2012/03/25/unwahrscheinlichkeitsdrive/" target="_blank">Der Unwahrscheinlichkeitsdrive der Piraten</a></li>
<p style="margin-bottom: 0,5em;">&nbsp;</p>
<p>Weitere Links werden gegebenenfalls <a href="http://opalkatze.wordpress.com/2012/03/26/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/?preview=true&amp;preview_id=20817&amp;preview_nonce=bb1f1b8557#piraten_tv_erg" target="_blank">hier</a> erg&#228;nzt.</ul>
<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/8e71fc2b0a044efcb31f63d8cb577d9e" alt="" width="1" height="1" />
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<a href="http://carta.info/42306/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/">Die Piraten in der Fernseh-Berichterstattung</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/42306/die-piraten-in-der-fernseh-berichterstattung/#comments">25 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42306&amp;md5=3d38b144724997ce675462c663f1cd8b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Lars Reineke erkl&#228;rt Liquid Feedback</title>
		<link>http://carta.info/42189/lars-reineke-erklart-liquid-feedback/</link>
		<comments>http://carta.info/42189/lars-reineke-erklart-liquid-feedback/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 15:10:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Tutorial]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei nutzt die Software Liquid Feedback f&#252;r basisdemokratische Vorschl&#228;ge und Abstimmungen. Jetzt probiert auch das ZEITmagazin ein Liquid Democracy-Programm aus, um eine lesergenerierte Ausgabe zu erstellen. Eine gute Gelegenheit, sich schlau zu machen, wie das eigentlich funktioniert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lars Reineke ist nieders&#228;chsischer Pirat und hat in mehreren <a href="http://larsreineke.de/liquid-feedback-video-tutorials/">Video-Tutorials</a> und einem <a href="http://larsreineke.de/liquidfeedback-vortrag/">Vortrag</a> die Funktionsweise von sowie die Entscheidungsfindung mit <a href="http://liquidfeedback.org/">Liquid Feedback</a> (kurz LQFB) erkl&#228;rt.</p>
<p>Auch das ZEITmagazin m&#246;chte das Prinzip <a href="http://liqd.net/">Liquid Democracy</a> ausprobieren und </p>
<p style="margin-bottom:1em">
<blockquote><p>ruft seine Leserinnen und Leser in der kommenden Ausgabe Nr. 13 vom 22. M&#228;rz 2012 dazu auf, Themenvorschl&#228;ge auf einer speziell entwickelten Website einzugeben, zu diskutieren und dar&#252;ber abzustimmen. Die Aktion ist ein Experiment, das die Idee der „Liquid Democracy“ aufgreift („fl&#252;ssige Demokratie“).</p>
<p>Christoph Amend, Chefredakteur ZEITmagazin: „Die Idee von Liquid Democracy ist: B&#252;rger teilen im Netz ihr Wissen, debattieren, stimmen ab. Wie das im Journalismus funktioniert, wollen wir in einem Versuch ausleuchten.
</p></blockquote>
<p style="margin-bottom:1em">
<p>Liquid Democracy wird ebenfalls von der <a href="http://www.bundestag.de/internetenquete/">Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft</a> benutzt, wo es unter dem Namen Adhocracy bekannt wurde. <a href="http://www.christopherlauer.de/">Christopher Lauer</a>, innen- und kulturpolitischer Sprecher der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, beantwortete meine Frage nach dem Unterschied zwischen den beiden Softwares:</p>
<p style="margin-bottom:1em">
<blockquote><p>Im Wesentlichen ist der Unterschied, dass LQFB von den Piraten genutzt wird und funktioniert, LiquidDemocracy wird von der InternetEnquete benutzt und funktioniert nicht.</p></blockquote>
<p style="margin-bottom:1em">
<p>Ob das an mangelnder B&#252;rgerbeteiligung oder an der Benutzerunfreundlichkeit lag: Zumindest wurde die Seite der Enquête im Winter 2011 <a href="http://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/2011/pm_111213.html">&#252;berarbeitet</a>.</p>
<p>Einen ausf&#252;hrlichen, kritischen Kommentar zu diesen Instrumenten und Transparenz im Allgemeinen hat Byung-Chul Han im Januar f&#252;r ZEIT online <a href="http://www.zeit.de/2012/03/Transparenzgesellschaft/komplettansicht">geschrieben</a>. Weitere Fragen stellt sich Thomas Kr&#252;ger heute auf DRadio Diskurs: <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/03/20/der-ort-des-politischen-in-der-digitalen-medienwelt/">Der Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt</a>.<br />
&nbsp;</p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42189&amp;md5=d6d9e842ff648f41b34a5535a989bd71" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Kinder der digitalen Revolution</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Feb 2012 18:02:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[ACTA]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendbewegung]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Proteste]]></category>

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		<description><![CDATA[Die europaweiten Proteste gegen Acta machen jetzt viele Politiker nachdenklich. So viele junge Leute hatten sie nun wirklich nicht erwartet. Und wer Augen hatte, konnte sehen, dass der Protest weit &#252;ber Acta hinaus ging. Der Unmut richtete sich generell gegen die Art, wie in Europas Amtsstuben Politik gemacht wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass es die Gr&#252;nen mit dem symbolischen Umwerfen der vier Buchstaben A, C, T und A am Freitag doch noch in die <em>Tagesschau</em> geschafft haben – das hatte schon etwas unfreiwillig Komisches. Es sah aus wie eine PR-Nummer aus den Achtzigern: Ein paar Journalisten vors Kanzleramt bestellen f&#252;r eine 5-Minuten-Terrine unter dem Label „So tun als ob“.</p>
<p>An den Protesten vom Samstag werden die Parteien noch eine Weile zu knabbern haben. Denn neben die professionelle Hochachtung f&#252;r die Organisationsgeschwindigkeit der jungen Leute tritt allm&#228;hlich die Ahnung, dass die Urheberrechtsfrage nur der Anlass f&#252;r etwas viel tiefer Gehendes war. Diese Bewegung hat nicht allein die Nerds hinter den Pellets-&#214;fen ihrer wohlhabenden Eltern hervorgelockt, sie hat breitere Schichten von Jugendlichen erfasst. Der Freiburger Gr&#252;ne <a href="http://blog.till-westermayer.de/index.php/2012/02/11/die-kinder-der-digitalen-revolution/">Till Westermayer </a>sieht das mit durchaus gemischten Gef&#252;hlen:</p>
<blockquote><p><em>„Bei der heutigen Demo gegen das ACTA-Abkommen kam ich mir &#8230; richtig alt vor. Ganz viele Sch&#252;lerInnen, vermutlich war es f&#252;r einen gro&#223;en Teil davon die erste Demo.“</em><em> </em></p>
<p><em>„<a href="http://www.konstantin-goerlich.de/wordpress/2012/02/11/acta-gestoppt/">Eine neue, genuine Jugendbewegung?</a></em><em> Eine neue, genuine soziale Bewegung? Die Kinder der digitalen Revolution? Oder doch (noch) mehr ein Reflex auf die Unzeitgem&#228;&#223;heit althergebrachter Parteien, Organisationen und Verfahren im globalen Informationskapitalismus? Eine endg&#252;ltige Deutung steht noch nicht fest; ich jedenfalls w&#252;rde mich da heute noch nicht festlegen wollen.“</em></p></blockquote>
<p><a href="http://memeticturn.com/alles-fliesst/">J&#246;rg Blumtritt</a> (auch schon &#252;ber 40) greift Westermayers Gedanken auf und spricht von einer alternativen Demokratiebewegung. Die fl&#252;ssige Demokratie sei dabei, die <a href="http://fm4.orf.at/stories/1694499/">erstarrte Demokratie</a> zu untersp&#252;len:</p>
<blockquote><p><em>„Dass es bei ‚Netzpolitik’ oder ‚Digitalkultur’ (was auch immer das eigentlich sein soll) einen Konflikt zwischen ‚etablierten’ und ‚nicht-etablierten’ gibt, ist nur ein Symptom f&#252;r eine <a href="http://www.slow-media.net/digitale-kluft">wesentlich tiefer gehende</a> Unzufriedenheit&#8230;</em></p>
<p><em>Und da ich nicht glaube, dass die etablierten Parteien diesen Schritt zu einer nicht mehr ganz so repr&#228;sentativen Demokratie mitgehen k&#246;nnen, wird es ihnen mit allen Versuchen, sich an die ‚Netzkultur’ anzubiedern, vielleicht nicht gelingen, die wirklich Unzufriedenen wieder einzufangen – denn denen geht es um weit mehr als um kostenlose Downloads.“</em></p></blockquote>
<p>Auf <em>YouTube</em> und <em>Facebook</em> stehen mittlerweile hunderte, wenn nicht gar tausende <a href="http://www.youtube.com/results?search_query=anti+acta+demonstrationen&amp;oq=anti+acta+demonstrationen&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=12&amp;gs_upl=2795l7902l0l9809l27l27l1l18l18l0l239l1513l0.5.3l8l0">kleiner Filme</a>, die von Jugendlichen bei den Demonstrationen gedreht und unmittelbar nach der Aktion hochgeladen wurden. Hier zeigt sich ein Engagement, das uns vor Augen f&#252;hrt, dass das Netz kein Nischenthema mehr f&#252;r irgendein Politikressort ist, sondern Ausdruck einer neuen politischen Kultur.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Mit Dank an Christoph Bieber f&#252;r den Hinweis auf die Debatte. Ebenfalls zu empfehlen: Konstantin G&#246;rlich: <a href="http://www.konstantin-goerlich.de/wordpress/2012/02/13/die-revolution-digitalisiert-ihre-kinder/">Die Revolution digitalisiert ihre Kinder</a></em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=41414&amp;md5=726795b4f99257396db71e941fd9be9d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>#servergate, die Franzosen und die Staatsanwaltschaft Darmstadt</title>
		<link>http://carta.info/40412/die-franzosen-die-staatsanwaltschaft-und-servergate/</link>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 14:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[BKA]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[servergate]]></category>
		<category><![CDATA[staatsanwaltschaft darmstadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat gestern, zwei Tage vor der Wahl in Bremen, die Netzwerk-Infrastruktur der Piratenpartei lahmlegen lassen. Die Beschlagnahmung sei in Amtshilfe f&#252;r franz&#246;sische Beh&#246;rden erfolgt, die Ermittlungen f&#252;hre die Staatsanwaltschaft Paris, zitiert Heise einen Sprecher der Staatsanwaltschaft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weiter berichtet <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Polizei-kapert-Server-der-Piratenpartei-1246963.html">Heise</a>, auch die Etherpad-Foundation habe sich <a href="http://etherpad.org/2011/05/20/german-police-raid-etherpad-deployment/">beschwert</a>, da die Proteste in Spanien ebenfalls auf der Plattform diskutiert w&#252;rden: Die vor&#252;bergehende Abschaltung gebe aus freiheitlicher Sicht Grund zur Besorgnis.</p>
<p>&#220;ber die Hintergr&#252;nde der Aktion kann man sich hier informieren:</p>
<ul>
<li>Aktuell: <strong><a href="http://wiki.piratenpartei.de/Servergate" target="_blank">Piratenwiki</a></strong> und eine st&#228;ndig aktualisierte <strong><a href="http://groups.diigo.com/group/piratenpartei/content/tag/servergate" target="_blank">Presseschau</a></strong> von Mela</li>
<li>Netzpolitik: <a href="http://www.netzpolitik.org/2011/piratenpartei-server-auf-polizeiliche-anweisung-offline/" target="_blank">#servergate – Polizei beschlagnahmt Piratenpartei-Server</a></li>
<li>Wolfgang Dudda: <a href="http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7019" target="_blank">Die FDP und die Nagelprobe</a>, <a href="http://www.wolfgang-dudda.de/?p=7003" target="_blank">Ist dies noch mein Land?</a></li>
<li>Thomas Stadler: <a href="http://www.internet-law.de/2011/05/durchsuchungsbeschluss-gegen-die-piratenpartei.html" target="_blank">Durchsuchungsbeschluss gegen die Piratenpartei</a></li>
<li>Udo Vetter: <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2011/05/20/ein-akt-der-deutschen-behrden/" target="_blank">Ein Akt der deutschen Beh&#246;rden</a> <span id="more-40412"></span></li>
<li>Ole Rei&#223;mann, SpOn: <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,763939,00.html" target="_blank">Hacker planten Angriff auf AKW-Betreiber</a></li>
<li>S&#252;ddeutsche: <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/vor-bremenwahl-polizei-nimmt-piratenpartei-vom-netz-1.1099888" target="_blank">Vor der Wahl in Bremen: Polizei nimmt Piratenpartei vom Netz</a></li>
<li>ZEITonline/dpa: <a href="http://www.zeit.de/digital/2011-05/piraten-partei-offline" target="_blank">Website der Piratenpartei vor&#252;bergehend offline</a></li>
<li><a href="http://news.google.de/news/search?aq=f&amp;pz=1&amp;cf=all&amp;ned=de&amp;hl=de&amp;q=piratenpartei%2C+server">Aktuelles</a> bei GoogleNews</li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40412&amp;md5=3b7ea557311cfad44eeb26a25983227c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Grundsatzdebatte der Piratenpartei: Was bedeutet &#8220;Grundgesetz bewahren&#8221;?</title>
		<link>http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/</link>
		<comments>http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Sep 2010 16:25:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Grundgesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=34185</guid>
		<description><![CDATA[Das Liquid-Feedback-System der Piraten verst&#228;rkt die Tendenz, eher situativ als grunds&#228;tzlich-abstrakt zu diskutieren. Dabei brechen Konfliktlinien auf: Der emphatische Verfassungspatriotismus ist ein Markenkern, in einzelnen Fragen werden jedoch &#196;nderungen im Grundrechtsteil n&#246;tig sein. Wird diese Frage explizit gekl&#228;rt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/163ab63987364f2cbf7e5b697a51072b" alt="" width="1" height="1" />Das interessante am Liquid-Feedback-System der Piratenpartei ist, dass  dadurch Konfliktlinien aufbrechen. Aktuell ist das eine – mit gro&#223;er  Mehrheit angenommene – <a href="https://lqfb.piratenpartei.de/pp/initiative/show/296.html">Initiative, die u.a. den Schutz der Ehe aus Art. 6 GG streichen</a> will. Neben der Sachfrage bricht hier auch die Metafrage nach dem  Verst&#228;ndnis des Leitsatzes »Grundgesetz bewahren« auf, der ein zentraler Markenkern  f&#252;r die Piratenpartei ist.</p>
<p>Die Piraten sind untereinander reichlich heterogen. <a title="Anti-Parteien-Partei 2.0" href="http://fxneumann.de/2009/12/23/anti-parteien-partei-2-0/">Vor einiger Zeit</a> habe ich das so beschrieben:</p>
<blockquote><p>Eine Zerrei&#223;probe durch eine Ausweitung des Programms ist damit  vorhersehbar: Eine unbestimmte Begeisterung f&#252;r Freiheit ist die  Klammer, die die Partei zusammenh&#228;lt. In der Partei gibt es  Lebenssch&#252;tzer, M&#228;nnerrechtler, Kommunisten, Libert&#228;re, f&#252;r die jeweils  der Begriff »Freiheit« zentral ist, jedoch in unterschiedlichster  Auslegung.</p></blockquote>
<div id="attachment_34188" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/piratenkompass.png"><img class="size-medium wp-image-34188" title="piratenkompass" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/piratenkompass-300x255.png" alt="" width="300" height="255" /></a><p class="wp-caption-text">Piratenkompass; Quelle: Adrian Lang</p></div>
<p>Die Heterogenit&#228;t macht sich dabei haupts&#228;chlich in den lautstark ausgetragenen Konflikten bemerkbar, bei denen Mehrheitsverh&#228;ltnisse nicht ersichtlich sind. Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch die <a href="http://adrianlang.de/piratenkompass/">Auswertung der Political-Compass-Ergebnisse</a> einiger hundert – allerdings nicht repr&#228;sentativ ausgew&#228;hlter –Piraten von Adrian Lang: Man sieht deutlich eine Konzentration im linksliberalen Sektor.</p>
<p>Neben dem Freiheitsbegriff ist auch ein emphatischer Verfassungspatriotismus ein Markenkern der Piratenpartei. Das Konzept <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Verfassungspatriotismus">»Verfassungspatriotismus«</a>,  wie es Habermas und Sternberger diskutiert haben, scheint mir eine sehr  »piratige« Sache zu sein, soweit ich das als Au&#223;enstehender beurteilen  kann. Das zeigt sich etwa in der <a href="http://www.youtube.com/watch?v=QfLpKmyS61w">Au&#223;endarstellung</a> auf der &#8220;Freiheit-statt-Angst&#8221;-Demo und wurde im <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2009/Wahlprogramm#Kapitel_1_-_Grundgesetz_bewahren">Wahlprogramm zur Bundestagswahl</a> explizit gemacht:</p>
<blockquote><p>Wir stehen hinter dem Grundgesetz in der grunds&#228;tzlichen Form, wie es  unsere Gr&#252;ndungsvater 1949 ausgearbeitet haben. Insbesondere lehnen wir  &#196;nderungen an dem die Grundrechte umfassenden ersten Abschnitt (Art.1  bis 19) kategorisch ab, da die Vergangenheit gezeigt hat, dass diese  immer nur zu einem Abbau von B&#252;rgerrechten f&#252;hren.</p></blockquote>
<p>Die Formulierung ist hier etwas unklar: Zwar werden sp&#228;tere  &#196;nderungen am Grundrechtskatalog, etwa die M&#246;glichkeit einer allgemeinen  Wehrpflicht (Art. 12a GG) und die damit verbundene M&#246;glichkeit von  Grundrechtseinschr&#228;nkungen (Art. 17a GG), die Neufassung der Regelung  des Asyls (Art. 16a GG) und insbesondere der gro&#223;e Lauschangriff (Art.  13 III–VI GG) wohl als ein Beispiel f&#252;r den angesprochenen Abbau von  Grundrechten zu interpretieren sein, explizit erw&#228;hnt wird dies  allerdings nicht. Da &#196;nderungen »kategorisch« abgelehnt werden und auch  nichts zu einer R&#252;ckf&#252;hrung auf den Grundrechtsbestand von 1949 zu lesen  ist, scheint der Wortsinn darauf abzuzielen, dass grunds&#228;tzliche  &#196;nderungen an diesen Themen ausgeschlossen werden. (Es gibt auch  Piraten, die das so interpretieren, etwa <a href="http://validom.net/blog/2010/09/22/schutz-von-ehe-und-familie-erhalten/">Validom</a>.)</p>
<p>Eine solche Interpretation ist nicht nur in Bezug auf den  Themenkomplex Freiheitsrechte problematisch, sondern auch in einem anderen  Kernbereich, dem Urheberrecht. Nachdem die st&#228;ndige Rechtssprechung &#8211; und so auch die <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/rk20100830_1bvr163108.html">j&#252;ngste Entscheidung</a> &#8211; des Bundesverfassungsgerichts explizit auch den Schutz »geistigen Eigentums« unter die Eigentumsgarantie des Art. 14 GG fasst, d&#252;rften  Kernforderungen nur mit einer Grundgesetz&#228;nderung durchzusetzen sein.</p>
<p>Auch nicht gekl&#228;rt ist, was mit der »grunds&#228;tzlichen Form« von 1949  gemeint ist – hier k&#246;nnte man, w&#228;re man boshaft, einiges  hineininterpretieren, etwa <a href="https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Artikel_23_des_Grundgesetzes_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland">in bezug auf die Europ&#228;ische Union</a>. <em>Vermutlich</em> und wohlwollender interpretiert ist damit ein Bezug auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung gemeint, wie sie <a href="http://sorminiserv.unibe.ch:8080/tools/ainfo.exe?Command=ShowPrintVersion&amp;Name=bv002001">vom Bundesverfassungsgericht definiert wird</a>:</p>
<blockquote><p>Freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Art. 21 II GG ist  eine Ordnung, die unter Ausschluss jeglicher Gewalt und  Willk&#252;rherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der  Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes  nach dem Willen der  jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den  grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zu rechnen: die  Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor  allem vor dem Recht der Pers&#246;nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung,  die Volkssouver&#228;nit&#228;t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der  Regierung, die Gesetzm&#228;&#223;igkeit der Verwaltung, die Unabh&#228;ngigkeit der  Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f&#252;r alle  politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm&#228;&#223;ige Bildung und  Aus&#252;bung einer Opposition.</p></blockquote>
<p>Die Debatte wird bei den Piraten aber teilweise weniger um  Verfassungsprinzipien als um den Buchstaben der Verfassung gef&#252;hrt; in  der Debatte um die Art.-6-GG-Initiative tauchen immer wieder Argumente  auf, die grunds&#228;tzlich &#196;nderungen ablehnen:</p>
<blockquote><p>»@validom ich dachte das Grundgesetz ist das Grundsatzprogramm der #PIRATEN ? Stand jedenfalls so am truck auf der #fsa10, soweit ich mich erinnere« <a href="https://twitter.com/thheinen/statuses/25033899781">(@thheinen)</a></p>
<p>»@piratringwraith Man kann vieles gestalten, ohne das Grundgesetz zu &#228;ndern. Wenn  wir eine &#196;nderung des Grundgesetz anstreben, sind wir auf einer Ebene mit  Sch&#228;uble« <a href="https://twitter.com/maltis/statuses/25052460050">(@maltis)</a> [<em>Abk&#252;rzungen von der Redaktion ausgeschrieben</em>]</p></blockquote>
<p>In diesem Tenor, durch mehr als 140 Zeilen etwas differenzierter, auch <a href="http://planetalexx.de/2010/09/und-nu-piraten/">planetAlexx</a> und der <a href="http://www.sanktleibowitz.org/2010/09/wohin-piratenpartei.html">Orden des Leibowitz</a>:</p>
<blockquote><p>Unser Grundgesetz ist eines der besten Regelwerke der Welt, und 1948 hat  man sich unter den Nachwirkungen des Naziregimes sehr wohl &#252;berlegt,  was darin stehen muss. Nat&#252;rlich ist das Grundgesetz nicht heilig,  weshalb man es nie wieder &#228;ndern sollte. Deshalb gibt es einen  festgelegten Ablauf, mit dem &#196;nderungen eingef&#252;gt werden k&#246;nnen.  Trotzdem sollte man dabei &#228;u&#223;erst behutsam vorgehen, und es im  Zweifelsfall lieber sein lassen. Zudem finde ich es widerspr&#252;chlich, in  Wahlk&#228;mpfen das Grundgesetz mit dem Hinweis darauf, dass man es als  Partei sch&#252;tzen will zu verteilen, um es danach &#228;ndern zu wollen.</p></blockquote>
<p>Die Argumentation der Gegenseite formuliert <a href="http://www.formspring.me/gedankenstuecke/q/1168217135">Bastian Greshacke</a> auf eine Formspring-Anfrage von mir hin so:</p>
<blockquote><p>Ehrlich gesagt fand ich diesen Anspruch “Grundgesetz bewahren” schon  immer etwas suspekt und nicht wirklich optimal. Denn auch das  Grundgesetz ist ja kein Regelwerk was irgendwo vom Gipfel auf  Steintafeln heruntergetragen wurde sondern menschlichen Ursprungs und  damit fehlerbehaftet.</p>
<p>Mir geht es um den Schutz/die Bewahrung der Grund- &amp;  B&#252;rgerrechte. Und dabei hat in meinen Augen auch das Grundgesetz noch  Fehler die einen umfassenden Schutz von Grundrechten bislang nicht  gew&#228;hrleistet.</p></blockquote>
<p>Eine weitere interessante Antwort in diese Richtung von <a href="http://www.formspring.me/flecky/q/1168672594?">Flecky</a>.</p>
<p>Die Piratenpartei scheint also gerade in einem Konflikt zu stecken um  die Frage, was »Grundgesetz bewahren« hei&#223;t. Ich bin gespannt, ob diese  Frage explizit gekl&#228;rt wird – beim Freiheitsbegriff scheint das ja  bisher noch nicht passiert zu sein, obwohl es vor einem Jahr schon eine  gro&#223;e Debatte war.</p>
<p>Ich glaube, dass sowohl die Frage nach dem  Verst&#228;ndnis von »Grundgesetz bewahren« wie auch die Frage nach der  Freiheit, den die Piraten meinen, essentiell ist, um ein umfassendes  Grundsatzprogramm auszuarbeiten – sonst wird es nur ein St&#252;ckwerk mit  Stellvertreterdebatten, wie sie gerade um Liquid-Feedback-Initiativen  gef&#252;hrt werden. So progressiv, interessant und sinnvoll das  Liquid-Feedback-System ist: Es verst&#228;rkt die piratische Tendenz, weniger  grunds&#228;tzlich-abstrakt als situativ zu diskutieren, und erschwert damit  die Ausbildung einer »piratischen« Wertgrundlage und damit einem  Wertekonsens, auf dem die konkrete Politik aufbauen kann.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Mit der Frage nach einer Wertgrundlage bei den Piraten hat sich Felix Neumann auch in den Artikeln <a title="Piraten, Gender und Pragmatik" href="http://fxneumann.de/2009/09/08/piraten-gender-und-pragmatik/">Piraten, Gender und Pragmatik</a> und <a title="Wahl-o-mat: Piraten als radikale Zentristen" href="http://fxneumann.de/2009/09/05/piraten-als-radikale-zentristen/">Wahl-o-mat: Piraten als radikale Zentristen</a></em> auseinandergesetzt.</p>
<p><a href="http://fxneumann.de/2010/09/22/piraten-und-grundgesetz/">Crosspost</a>.
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<a href="http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/">Die Grundsatzdebatte der Piratenpartei: Was bedeutet &#8220;Grundgesetz bewahren&#8221;?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34185/die-grundsatzdebatte-der-piratenpartei-was-bedeutet-grundgesetz-bewahren/#comments">11 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34185&amp;md5=a4929d19445a424ab8899c1ebe1c9ef6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Piraten vs. Parteiestablishment: Es geht NICHT um das Internet</title>
		<link>http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/</link>
		<comments>http://carta.info/21653/piraten-vs-parteiestablishment-es-geht-nicht-um-das-internet/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 14:46:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>
		<category><![CDATA[Politische Kommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[CDU und SPD wollen sich verst&#228;rkt um das Thema Internet k&#252;mmern. Damit verstehen sie nicht, warum es den Piraten wirklich geht, sagt Piratenvorstand Aaron K&#246;nig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e4707558264642a1b7623d77a5aa02c1" alt="" width="1" height="1" />Piratenpartei-Vorstand Aaron K&#246;nig <a href="http://aaron-koenig.blogspot.com/2010/01/es-geht-nicht-um-das-internet.html">glaubt</a>, dass CDU und SPD die Wurzel der Piratenpartei-Bewegung noch immer nicht richtig verstehen, wenn sie sich nun <a href="http://carta.info/21485/enquete-kommission-des-bundestags-zu-internet-und-digitaler-gesellschaft-geplant/">verst&#228;rkt</a> um das Internet <a href="http://carta.info/21633/spd-will-um-waehler-der-piratenpartei-werben/">k&#252;mmern</a> wollen. Das Thema der Piraten sei n&#228;mlich nicht das Internet, sondern das politische System. Das Netz sei nur das Vehikel, um eine Demokratisierung einzufordern:</p>
<blockquote><p>Doch die Altparteien haben leider nicht begriffen, dass es &#252;berhaupt nicht um das Internet geht. Das Netz ist lediglich ein Kommunikationsmedium. &#8230;</p>
<p>Worum es wirklich geht, ist eine andere, bessere Form der Demokratie. Es geht um ein politisches System, in der die B&#252;rger an allen Entscheidungen beteiligt sind, und in dem die staatlichen Institutionen sich nicht als „hoheitlich“ (sic!) verstehen, sondern als Dienstleister f&#252;r die B&#252;rger. Alle staatliche Prozesse m&#252;ssen transparent sein, alle Entscheidungen wirklich demokratisch gef&#228;llt werden. Die Parteienoligarchie der Bundesrepublik, in der viele Entscheidungen von Funktion&#228;ren in Hinterzimmern ausgekungelt werden, verdient die Bezeichnung Demokratie, also „Volksherrschaft“, meiner Ansicht nach nur sehr eingeschr&#228;nkt.</p></blockquote>
<p>&gt;&gt;&gt; Ich meine, dass K&#246;nig hier einen zentralen Punkt trifft. Die Piratenpartei ist bekanntlich keine hierarchische Mitgliederpartei. Sondern sie ist eine Art Plattform f&#252;r thematische Ad-hoc-Mitmachb&#252;ndnisse aus libert&#228;rdigitaler Grundhaltung*. In ihrem Kern liegt damit genau jene kommunikative Situation, die man aus dem Internet kennt: Sich jeden Tag neu entscheiden, welche Sites man besucht, wem man sich anschlie&#223;t, wen man retweetet. Wenn die Volksparteien das Zeitungsabo sind, dann ist die Piratenpartei <a href="http://rivva.de/">Rivva</a>. In den klassischen Parteien findet F&#252;hrung durch Delegation statt, bei den Piraten durch gelebte oder empfundene Partizipation. Daher k&#246;nnen die Volksparteien die Piratenpartei auch nicht imitieren, ohne sich selbst vorher radikal umzubauen &#8211; was derzeit kaum wahrscheinlich erscheint.</p>
<p>Zugleich ist die Piratenpartei damit noch kein zwingendes Erfolgsmodell der zuk&#252;nftigen Parteigeschichte. Der basisdigitaldemokratiche Impuls will erst einmal erfolgreich mit parteipolitischen Notwendigkeiten wie Verl&#228;sslichkeit und Abgrenzung kombiniert werden.</p>
<p>* = stark &#252;berarbeitungsf&#228;higer Beschreibungsansatz f&#252;r die Piratenpartei &#8211; Vorschl&#228;ge gerne.</p>
<p>Siehe zu diesem Thema auch:</p>
<ul>
<li>Christoph Bieber: <a href="http://carta.info/15450/kampagne-als-augmented-reality-game-der-mitmachwahlkampf-der-piratenpartei/">Kampagne als “Augmented Reality Game”: Der Mitmachwahlkampf der Piratenpartei</a></li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21653&amp;md5=e50ee5d5fe93fb4acd3a5d6c3c720bdc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Piraten – Aufstand der technischen Intelligenz?</title>
		<link>http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/</link>
		<comments>http://carta.info/10497/die-piraten-aufstand-der-technischen-intelligenz/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2009 13:40:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Piratenpartei]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit ihrem Sensationserfolg bei den Europawahlen ist die „Piratenpartei“ in aller Munde. Und viele fragen sich: Was sind das blo&#223; f&#252;r Leute? Sind die rechts oder links? Oder erleben wir den Beginn einer neuen sozialen Bewegung? Vier Anmerkungen zu einem politischen Ph&#228;nomen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8c7d834c2970ecf846df5601bb843c" width="1" height="1" alt=""/><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Was wollen die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es begann im Januar 2006. Damals wurde in Schweden die allererste Piratenpartei gegr&#252;ndet. Sie verstand sich als politische Antwort auf die digitale Revolution. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Piratpartiet">Rickard Falkvinge</a> (37), der Gr&#252;nder der Partei, sagte im Juni 2006: „Um die heutige Situation im Lichte der Geschichte zu verstehen, m&#252;ssen wir 400 Jahre zur&#252;ck gehen, in die Zeit, als die Kirche das Kultur- und Wissensmonopol innehatte. Was die Kirche sagte, hatte zu geschehen. Es war eine Pyramiden-Kommunikation. An der Spitze gab es eine dominierende Person, die zu denen, die weiter unten in der Pyramide waren, sprach&#8230; Damals war es den B&#252;rgern unter keinen Umst&#228;nden erlaubt, selbst Informationen zu verbreiten&#8230;</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Dann kam der Buchdruck. Pl&#246;tzlich gab es nicht mehr <em>eine</em></span><span> Wissensquelle, es gab mehrere. Die B&#252;rger &#8211; die angefangen hatten lesen zu lernen &#8211; konnten pl&#246;tzlich von nicht sanktioniertem Wissen profitieren. Die Kirche war w&#252;tend. Die k&#246;niglichen Familien waren w&#252;tend. Die britische K&#246;nigsfamilie ging sogar so weit, dass sie ein Gesetz erlie&#223;, das besagte, dass nur solche Drucker, die die Erlaubnis der K&#246;nigsfamilie besa&#223;en, das Wissen der B&#252;rger mehren durften. Dieses Gesetz wurde &#8220;Copyright&#8221; genannt&#8230; Es ging also bereits damals um die Kontrolle von Kultur und Wissen, denn wer diese Dinge beherrschte, beherrschte die Welt.</span></span>
</p>
<p class="MsoNormal"><span>&#8230;Das Internet gehorcht diesem Modell nicht mehr. Heute laden wir nicht mehr einfach Kultur und Wissen von einer zentralen Stelle herunter. Wir laden gleichzeitig hoch, zu anderen. Wir verteilen Dateien. Wissen und Kultur haben ihren zentralen Kontrollpunkt verloren. &#8230; File-Sharing begr&#252;ndet das gleichzeitige Hoch- und Herunterladen von jeder verbundenen Person ohne jede zentrale Kontrolle. Die Kultur flie&#223;t zwischen Millionen verschiedener Menschen &#8211; zur selben Zeit. Das ist etwas komplett Neues in der Geschichte der menschlichen Kommunikation.“</span>
</p>
<p class="MsoNormal"><span><span>So weit der Gr&#252;nder der schwedischen Piratenpartei. Heute ist es das Ziel der Bewegung, <strong>die durch das Internet erreichten Freiheiten zu bewahren</strong></span><span> und gegen jede Art von (staatlicher oder kommerzieller) Zensur bzw. Kontrolle zu verteidigen. Denn nach Auffassung der (deutschen) Piratenpartei ist durch die digitale Revolutionierung aller Lebensbereiche „die W&#252;rde und die Freiheit des Menschen in bisher ungeahnter Art und Weise gef&#228;hrdet.“</span></span></p>
<div id="attachment_10499" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/06/piratenpartei.jpg"><img class="size-medium wp-image-10499" title="piratenpartei" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/06/piratenpartei-300x182.jpg" alt="piratenpartei" width="300" height="182" /></a><p class="wp-caption-text">Der Wahlerfolg, sagen manche, w&#228;re weit h&#246;her ausgefallen, h&#228;tte die Partei nicht diesen „bescheuerten“ Namen</p></div>
<p class="MsoNormal"><span><span>Nach ihrem ersten Auftauchen in Schweden wurden die Piraten schnell zu einer <em><a href="http://piraten-partei.de/navigation/partei/piratenparteien-weltweit">weltweiten Bewegung</a></em></span><span>, die sich generell f&#252;r b&#252;rgerliche Freiheitsrechte und gegen den Zugriff des &#220;berwachungsstaates engagiert. Damit stehen die Piraten durchaus in der Tradition der modernen sozialen Bewegungen seit den 1970er Jahren: der Umwelt-, der Frauen- und der Friedensbewegung. Es w&#228;re deshalb fatal, sie (aufgrund ihres abseitigen Namens) zu ignorieren. Die von den Piraten diskutierten Themenbereiche z&#228;hlen heute zu den <strong>Schl&#252;sselthemen der hoch entwickelten Gesellschaften.</strong></span><span><span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Wer sind die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Rickard Falkvinge, der Gr&#252;nder der Bewegung, studierte Technische Physik, war eine Zeit lang IT-Unternehmer und Projektleiter bei Microsoft. Als Student engagierte er sich in der Jugendorganisation der „Moderata Samlingspartiet“. Das ist eine im Schwedischen Reichstag vertretene <em>b&#252;rgerlich-konservative Partei</em></span><span> (!) mit <em>neoliberalem</em></span><span> Wirtschaftsprogramm.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Falkvinges Werdegang ist typisch f&#252;r die Piraten. Unter den zehn <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,629533,00.html">Spitzenkandidaten</a> der deutschen Piratenpartei zur Europawahl finden sich: 1 Diplom-Wirtschaftsmathematiker, 1 Diplom-Physiker, 3 Informatiker, 1 Software-Entwickler, 1 Web-Entwickler, 1 Physik-Student, 1 Gesch&#228;ftsf&#252;hrer im Logistik-Gewerbe (Ex-Berufssoldat) sowie 1 IT-Consultant. Es sind ausschlie&#223;lich M&#228;nner im Alter zwischen 23 und 47 Jahren. Damit repr&#228;sentiert die deutsche Piratenpartei in besonderem Ma&#223;e die computerbegeisterte, aufstiegsorientierte, m&#228;nnliche (aber in den feminisierten sozialen Dienstleistungsgesellschaften unter Druck geratene) <strong>technische &amp; naturwissenschaftliche Intelligenz</strong></span><span>. Bei zahlreichen Kandidaten handelt es sich um Mitarbeiter kleinerer Universit&#228;ten (Eichst&#228;tt, M&#252;nster) oder um selbstst&#228;ndige kleine IT-Unternehmer. Vor ein paar Jahren h&#228;tte man diese Leute wohl zum „neuen Mittelstand“ gez&#228;hlt.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Wer w&#228;hlt die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Bei ihrer ersten Kandidatur zum Reichstag am 17. September 2006 erzielte die schwedische Piraten-Partei 0,63 Prozent der Stimmen (in absoluten Zahlen waren das 34.918 W&#228;hler). Am 27. Januar 2008 – dem ersten Auftreten bei einer Wahl in Deutschland &#8211; konnte die Hessische Piratenpartei mit 0,3 Prozent einen Achtungserfolg erringen. Einen Monat sp&#228;ter schafften die Hamburger Parteifreunde bei den Senatswahlen 0,2 Prozent. Im Januar 2009 konnte die Hessische Piratenpartei dann 0,5 Prozent erringen, das waren mehr als 13.000 W&#228;hler. Bei den <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/europawahlen/EU_BUND_09/downloads/">Europawahlen</a> schlie&#223;lich w&#228;hlten bundesweit 229.117 Personen die Piratenpartei (= 0,9 Prozent). Auch die Gr&#252;nen, hei&#223;t es, haben klein angefangen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Ihr bestes Ergebnis erzielte die Piraten-Partei in Flensburg mit 2,1 Prozent. Vor allem in kleinen und mittleren <em><a href="http://www.wortfeld.de/2009/06/auf-piratensuche/">Universit&#228;tsst&#228;dten</a></em></span><span> konnte sie punkten: etwa in Jena, Oldenburg, Karlsruhe, Kiel, Aachen, Potsdam, Dresden, Leipzig, Mainz, Darmstadt, Erlangen oder Greifswald.</span><span> In Berlin, Hamburg und Bremen lag sie ebenfalls &#252;ber 1%. F&#252;r die Partei ist das nur logisch<span>: &#8220;Freiheitsliebende, technisch versierte junge Menschen, die gegen eine restriktive Symbolpolitik sind, f&#252;hlen sich durch uns vertreten.&#8221;</span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Das einzig wirklich sensationelle Ergebnis holten die Piraten in ihrem Ursprungsland Schweden. Dort erreichten sie satte 7,1 Prozent. Bei den 18- bis 30-J&#228;hrigen waren es sogar 19 Prozent. Und bei den Jungm&#228;nnern 30 Prozent! Auch in Deutschland wurde die Piratenpartei vor allem<strong> </strong></span><span>von <strong>18- bis 35-j&#228;hrigen, gut ausgebildeten st&#228;dtischen M&#228;nnern </strong></span><span>gew&#228;hlt. Erleben wir &#8211; nach den stark weiblich gepr&#228;gten Gr&#252;nen &#8211; das Entstehen einer „M&#228;nnerpartei“?</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Was f&#252;r eine politische Gruppierung sind die Piraten?</strong></span></p>
<p><span>Der Wahlerfolg, sagen manche, w&#228;re weit h&#246;her ausgefallen, h&#228;tte die Partei nicht diesen „bescheuerten“ Namen. Denn es handelt sich bei den Piraten ja keineswegs um Freibeuter oder Chaoten, sondern um normale Vereinsmeier mit superordentlichen Bundesparteitagen. Zwar zogen sie mit einem leicht abgewandelten Piraten-Schlachtruf „Klarmachen zum &#196;ndern!“ (Entern!) in den Wahlkampf, aber gleichzeitig sagten sie: „Wir sind keine Piraten. Das Recht macht uns dazu.“ Sie tragen ihren Namen quasi aus Protest gegen eine veraltete Einsch&#228;tzung „ganz normaler“ Handlungsweisen.</span></p>
<p><span>Ein Piratenw&#228;hler gab bei einem <a href="http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Kritische-Anmerkungen-zur-Piratenpartei-eines-PP-Waehlers/forum-160218/msg-16853802/read/">Diskussionsforum</a> deshalb zu bedenken: „Mit ‚Partei Freiheit’ oder ‚Die Freiheitlichen’ (o.k., ist in &#214;sterreich negativ besetzt) oder so &#228;hnlich k&#246;nnte man das Gleiche aussagen und jedem w&#228;re sofort klar, dass man <a href="http://wirres.net/article/articleview/5208/1/6/">zwischen FDP und Gr&#252;nen</a> positioniert ist, und der Parteiname w&#228;re positiv besetzt. Auch w&#228;re   das Sch&#252;tzenswerte sofort klar, im Grundgesetz und in der Nationalhymne  geht es zentral um das Thema ‚Freiheit’, das inzwischen &#252;berall zu kurz kommt&#8230;“</span></p>
<p><span>Zwar ist das nur die Aussage eines einzelnen W&#228;hlers, aber einer der deutschen Kandidaten der Piratenpartei nannte sich stolz einen „Feuerwehrmann der b&#252;rgerlichen Freiheiten“. Diese grundanst&#228;ndige Verkn&#252;pfung von Feuerwehr &amp; B&#252;rgerlichkeit deckt sich nicht ganz mit dem romantischen Freibeuterimage (und &#252;brigens auch nicht mit der euphorischen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/555/anker-hoch-und-leinen-los-%25E2%2580%2593-die-piraten-sind-da">Einsch&#228;tzung</a> Jens Bergers beim „Spiegelfechter“).<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Trotzdem w&#228;re es falsch, den <a href="http://www.focus.de/digital/internet/tid-14460/piratenpartei-viele-gruene-schuetzen-lieber-irgendeinen-hamster-teil-2_aid_405317.html">„Aufstand der technischen Intelligenz“</a> gegen G&#228;ngelung und Kontrolle nun als Unmut von „Anarcho-Spie&#223;b&#252;rgern“ abzutun. Es handelt sich um einen <strong>Teil der radikalisierten Mitte</strong></span><span>, f&#252;r den die alten Schubladen (vielleicht) nicht mehr passen. Aber <a href="http://netzpolitik.org/2009/sind-die-piraten-die-neuen-gruenen/">neue Gr&#252;ne</a> sind es nicht.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Mit der Piratenpartei w&#252;rde sich <strong>eine dritte liberale Kraft – neben FDP und Gr&#252;nen</strong></span><span> &#8211; im deutschen Parteienspektrum etablieren. Ob es eine Partei f&#252;r die n&#228;chste Generation wird (oder eine breit aufgestellte <a href="http://www.ruhrbarone.de/ist-die-piratenpartei-die-spd-von-heute/">B&#252;rgerrechtsbewegung</a>) muss sich erst noch zeigen.</span></span></p>
<p><!--EndFragment-->
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