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	<title>CARTA &#187; Peer Steinbrück</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Sarrazin wei&#223; es auch nicht</title>
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		<pubDate>Mon, 21 May 2012 12:14:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Samira Lazarovic</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es scheint endlich alles gesagt zu sein zum kr&#228;nkelnden Euro. Wenn selbst Thilo Sarrazin in einer im Voraus voreilig skandalisierten Talkrunde nichts mehr Neues zu den Nord- und S&#252;dl&#228;ndern einf&#228;llt, Peer Steinbr&#252;ck wie erwartet dagegen h&#228;lt und sich beide auf Geburtsfehler der W&#228;hrung einigen, dann k&#246;nnte Europa sich eigentlich in Ruhe daran machen, einen Weg aus der Krise finden. Leider ist das Palaver bequemer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle Zutaten standen bereit: Die Duellanten Thilo Sarrazin und Peer Steinbr&#252;ck, die sich auf offener Fernsehb&#252;hne das SPD-Du verweigerten, der Moderator G&#252;nther Jauch, der endlich &#252;ber das „Stern TV“-Format hinauswachsen wollte und das Buch, das die Nation die n&#228;chsten Wochen bitte besch&#228;ftigen soll: „Europa braucht den Euro nicht.“ Garniert mit verhei&#223;ungsvollen Worten wie S&#252;dl&#228;nder, Nordl&#228;nder, Holocaust, Romanischer und Germanischer Finanzstil. Doch, ach, das Gericht schmeckte nach einer Stunde einfach nur fade. Irgendwie durchgekaut.</p>
<p>Vielleicht konnte sich der eine oder andere Fernsehzuschauer noch ordentlich aufregen, &#252;ber die Naivit&#228;t der Vertreter von Nordzucker und DIHK, die im Einspieler mit gl&#228;nzenden Augen von den Vorteilen des Euros schw&#228;rmten. Oder manch einer zu dem Schluss kommen, dass jemand, der bei aller intellektuellen Sch&#228;rfe W&#246;rter wie Dumpfbacke benutzt, vielleicht noch ein klein wenig am Kanzlerformat arbeiten muss.</p>
<p>Doch dass Thilo Sarrazin einr&#228;umte, nach gr&#252;ndlichen empirischen Studien, wie sie sein selbsternanntes Markenzeichen sind, zum Schluss gekommen zu sein, dass „der Euro uns immerhin nicht geschadet hat“, nahm doch deutlich Schwung raus aus der Debatte. Da half es auch kaum, dass er rasch versicherte, auch keine messbaren Vorteile gefunden zu haben und darauf hinwies, dass die W&#228;hrung seit der Krise Unfrieden stiftet. Peer Steinbr&#252;ck konterte mit integrierten Finanzm&#228;rkten und entfallenen W&#228;hrungsrisiken, er sprach von der politischen Union, von Verantwortung, Solidarit&#228;t – um schlie&#223;lich und endlich in einem Satz den Grund f&#252;r das Unbehagen vieler mit dem Geld in ihrer Tasche zu nennen: Es handele sich einfach um komplexe &#246;konomische Zusammenh&#228;nge, die schwer zu erkl&#228;ren sind.</p>
<p>Ja, es ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst der Agent Provocateur Sarrazin in seinem Buch offenbar keinen L&#246;sungsvorschlag hat, wie ein Europa ohne Euro konkret aussehen soll. Zumindest hat G&#252;nther Jauch keinen gefunden und der Autor wollte sich vor laufenden Kameras nicht festlegen. Auch die k&#252;nftigen Sarrazin-Leser werden wahrscheinlich beim 464 Seiten starken Werk rasch zu den saftigen Stellen mit der Bu&#223;e f&#252;r Holocaust, sich sonnenden Griechen, die man ja durchaus pers&#246;nlich gern haben kann, oder der Finanzmentalit&#228;t der Italiener durchbl&#228;ttern, auf dass sie, je nach Gesinnung, ein eisiger oder wohliger Schauer &#252;berl&#228;uft.</p>
<p>Das Zahlenwerk mit anderen Statistiken zu &#252;berpr&#252;fen, das werden die wenigsten auf sich nehmen. Es ist wie mit der endlosen Diskussion &#252;ber den Teuro. Man kann dar&#252;ber schimpfen, dass alles teurer wird und uns der Euro das Leben versaut hat, oder sich Inflationsdaten und den Warenkorb der Statistiker vornehmen und mal reinschauen. Vielleicht sind alle irgendwann ja endlich so gelangweilt von den ewig gleichen Argumenten, dass man sich dieser Arbeit mal gemeinsam unterziehen kann.</p>
<p>Was ist, abgesehen von pers&#246;nlichen Empfindlichkeiten, eigentlich eine W&#228;hrung? Ein Mittel um den Transfer von Waren und Dienstleistungen zu erm&#246;glichen &#8211; ohne eine Gegenleistung in Form von anderen Waren und Dienstleistungen zu liefern. Wie wollen wir also in Zukunft damit arbeiten? Und wie k&#246;nnen wir den Euro, der sich bislang durch alle Finanzkrisen so wacker und stabil geschlagen hat, daf&#252;r nutzen, dass in Europa wieder Zufriedenheit einkehrt? Das w&#228;re mal eine interessante Diskussion. Wenn auch eine anstrengende.
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		<title>SPD weiter im Sinkflug: keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Nov 2009 12:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz ihres Bundesparteitags kann sich die SPD nicht aus dem Stimmungstief l&#246;sen. Die Zeiten w&#228;ren g&#252;nstig f&#252;r sie, doch f&#252;r die W&#228;hler ist die SPD nicht mehr die SPD.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9f525c30a12f45159117bfb33791f63f" alt="" width="1" height="1" />Die Situation ist dramatisch: Gerade noch 19 Prozent der Deutschen glauben an eine schnelle Erholung der SPD. Nur noch jeder zweite ihrer W&#228;hler von 2005 hat sie vier Jahre sp&#228;ter wiedergew&#228;hlt. Ein Negativrekord: Nur 21 Prozent w&#252;rden aktuell die ehrw&#252;rdige deutsche Sozialdemokratie w&#228;hlen. Was die SPD doppelt schmerzen muss – &#252;blich ist eher, dass Mitleid, Mitgef&#252;hl und Kopf-hoch-Botschaften ein f&#252;rchterliches Wahldesaster kurze Zeit sp&#228;ter nach oben korrigieren. Stattdessen bekr&#228;ftigen die W&#228;hler in der Sonntagsfrage die Denkzettelwahl: Die SPD ist trotz ihres <a href="http://parteitag.spd.de">Bundesparteitags</a> in einem bemitleidenswerten Zustand.</p>
<p>Dabei sind sorgenvolle Zeiten eigentlich Zeiten der Sozialdemokratie: Gerade im Zeichen von Abschwung, Angst vor Arbeitslosigkeit, &#220;berschuldung und Zukunftsunsicherheit setzen die W&#228;hler auf soziale Gerechtigkeit und Sicherheit, auf das Soziale der sozialen Marktwirtschaft. Doch in dieser Krise verschwenden die Deutschen kein Herzblut f&#252;r die SPD.</p>
<p>Warum ist das so? Und wo liegen die Chancen einer baldigen Wiederauferstehung?</p>
<p>Grund der desolaten Verfassung: Die SPD ist nicht mehr SPD, nicht mehr die Partei, die soziale Gerechtigkeit in den Schnittpunkt zwischen Wirtschaft und Besch&#228;ftigung stellt. Die SPD hat durch den Zangenangriff von links und rechts ihre Mitte verloren. Bei ihren Themen Gerechtigkeit, Chancengleichheit, gute Gesundheit und sichere Rente haben andere, oft die Linke, die Meinungsf&#252;hrerschaft &#252;bernommen oder die Union sich als handlungsf&#228;higer erwiesen. Seit Ypsilanti mutet keine andere Partei ihren W&#228;hlern soviel Ungewissheit zu. 55 Prozent ihrer W&#228;hler wollen sie weiter links sehen, 39 Prozent in der gem&#228;&#223;igten Mitte – kaum jemand da, wo sie sich jetzt windet. Dennoch sind nur 34 Prozent f&#252;r Rot-Rot auf Bundesebene. Die SPD gilt als wenig vertrauensw&#252;rdig, ihre Worte haben kaum Bestand, zudem als  zerstritten durch Richtungsk&#228;mpfe, zerm&#252;rbt durch viele hohe Niederlagen. Sie steht f&#252;r Vergangenheit, nicht f&#252;r Zukunft.</p>
<p>Dann noch ihr Personal: Gabriel, Steinmeier und Nahles gegen Merkel, zu Guttenberg, von der Leyen und Westerwelle. In der Liste der Politiker, denen eine wichtige Zukunftsrolle zugetraut wird, liegt die Konkurrenz von der Union weit vorn, die SPD-Garde weit hinten. Im Sinkflug ist nun auch Fraktionschef Steinmeier, seitdem sein Angriff auf Merkel und seine Linksanbiederung als wenig authentisch angesehen werden. Dennoch wird er mit klaren Abstand als F&#252;hrungspolitiker gesehen. Unter den SPD-Anh&#228;ngern wollen 67 Prozent Steinmeier als Nummer Eins, nur 23 Prozent Gabriel, gerade noch 10 Prozent Andrea Nahles.</p>
<p>Keine Richtung, kein Thema, keine Machtoption, keine Politiker: So sieht der bemitleidenswerte Zustand der SPD f&#252;r die W&#228;hler derzeit aus.</p>
<p><strong>Und dennoch sollte Schwarz-Gelb nicht zu laut triumphieren</strong>. Sie SPD n&#228;mlich hat gro&#223;e Chancen auf baldige Wiedergenesung: Es gibt weiterhin einen breiten Konsens &#252;ber die Wichtigkeit politischer Aufgaben. Nach wie vor dominieren sozialdemokratische Themen die politische Agenda der Deutschen: Bildung, Abbau der Arbeitslosigkeit, gerechte Altersver-sorgung, richtige Verteilung der Steuerlast, Familienpolitik und Umweltschutz. Schwarz-gelbe Mehrheiten sind also keinesfalls selbstverst&#228;ndlich. Zumal die SPD im W&#228;hlerfazit &#252;ber Schwarz-Rot kaum schlechter als die Union bewertet wurde. Viele W&#228;hler suchen den Anwalt und Unterst&#252;tzer der kleinen, redlichen Leute. Die gem&#228;&#223;igt linke Kraft, die ihre Ziele auch durchsetzen kann. Und gerade dem wird die aktuelle SPD nicht gerecht. Gerade Gestaltungskompetenz jedoch k&#246;nnte ihr Abgrenzungsmerkmal gegen&#252;ber der Linkskonkurrenz sein.</p>
<p>Die gute alte Sozialdemokratie à la Brandt und Schmidt, die auch f&#252;r W&#228;hler der Mitte attraktiv war, ist also keinesfalls &#252;berholt. Nur braucht sie klassische SPD-Themen und keine falschen Machtstrategien; Sozialdemokraten und keine Parteisoldaten. Sie braucht die Renaissance sozialdemokratischer Kompetenz, sie braucht Steinbr&#252;ck und den Au&#223;enminister Steinmeier, nicht jedoch Parteistrategen vom Schlage Gabriels und Nahles&#8217;.</p>
<p>Wie ist das Ist-, wie das Wunschbild der SPD? Gesehen wird sie derzeit als an allen Ecken verbeultes Gef&#228;hrt, das – &#228;hnlich einem ICE – in beide Richtungen fahren kann. Viel lieber w&#228;re den W&#228;hlern dagegen ein guter, zuverl&#228;ssiger, solide laufender Polo. Einen, auf den – und dessen Geradeausfahrf&#228;higkeiten – man sich verlassen kann
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		<title>Einmal angetreten, zweimal verloren: SPD demontiert sich weiter selbst</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 11:19:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mark T. Fliegauf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ihrer angeblichen Neuausrichtung bringt sich die SPD die zweite Niederlage binnen einer Woche bei. Statt ihre interne Zerrissenheit aufzul&#246;sen, wird sie institutionalisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/668f04f6e98a4bdb9bfe7c668c7a6f26" width="1" height="1" alt=""/>Keiner hat bei der Bundestagswahl mit einem Wunder gerechnet – und keines ist eingetreten. Schwarz-Gelb hat die Wahl <a href="http://carta.info/15549/sieben-unbequeme-wahrheiten/">weniger gewonnen, als sie die SPD verloren hat</a>. Was aber immer wieder verwundert ist die beeindruckende und f&#252;r ihre Gefolgschaft niederschmetternde Standhaftigkeit der Sozialdemokraten, <em>nicht</em> aus ihren Fehlern zu lernen. So ist denn auch die angeblich Neuausrichtung nach dem schlechtesten Wahlergebnis seit Gr&#252;ndung der Bundesrepublik die zweite Niederlage der einst so stolzen Partei binnen vier Tagen.</p>
<p>Denn der katastrophale Einbruch auf gerade einmal 23 Prozent kommt nicht von ungef&#228;hr und stellt lediglich die elektorale Reaktion auf eine gut zehn Jahren andauernde Strategie- und F&#252;hrungskrise der &#228;ltesten deutschen Partei dar. Gerade in der Post-Schr&#246;der-&#196;ra hat die interne Kluft zwischen Regierungs-SPD – repr&#228;sentiert durch u.a. Frank-Walter Steinmeier, Franz M&#252;ntefering und Sigmar Gabriel – und linken Stimmenmaximierern – vor allem Klaus Wowereit, Andrea Nahles, Bj&#246;rn B&#246;hning – daf&#252;r gesorgt, dass die SPD in sich tief gespalten und daher ohne strategischen Kompass und unmissverst&#228;ndliche politische Ausrichtung durch die bundesdeutsche Parteienlandschaft <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:gastkommentar-spd-gefangen-im-20-plus-x-labyrinth/557743.html">getaumelt</a> ist.</p>
<p>Doch anstelle die Niederlage bei der Bundestagswahl zu einem internen <a href="(http://carta.info/15658/bundestagswahl-spd-kommunikation/">Dialogprozess</a> zu nutzen, an dessen Ende eine klare Neuausrichtung der Partei st&#252;nde, hat sich die SPD-Spitze darauf geeinigt , ihre interne Zerrissenheit institutionell zu verfestigen. So bleiben denn auch mit Ausnahme von Peer Steinbr&#252;ck die Gesichter die alten. Lediglich ihre Reihenfolge &#228;ndert sich. Dass die Partei gerade wegen ihrer Janusk&#246;pfigkeit elektoral <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/871/489260/text/">entzweigeschlagen</a> wurde und mehr als eine Million Stimmen an die Linke abgeben musste, scheint die Altvorderen dagegen kaum beeindruckt zu haben. Wie ist es sonst zu erkl&#228;ren, dass sie gerade aus der gro&#223;e Koalition mit den Christdemokraten hinausgew&#228;hlt, diese durch eine inner-parteiliche zu ersetzen planen?!</p>
<p>Mit dem Trio Gabriel, Nahles und Steinmeier mag eine moderate Ann&#228;herung an die Linke durchaus m&#246;glich sein. Die Frage muss aber erlaubt sein, ob sie der SPD auch den erhofften Stimmenzuwachs bringen wird. Denn mit ihrer „Spagatstrategie“ (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652321,00.html">SpOn</a>) nimmt die designierte F&#252;hrungstroika lediglich eine Akzentverschiebung vor, ohne ihr Kernproblem zu l&#246;sen: Denn die SPD steht f&#252;r alles, aber f&#252;r nichts richtig. Gerade aber die Gewinne der FDP und der Linken haben wieder einmal bewiesen, dass der deutsche W&#228;hler nichts mehr sch&#228;tzt als Berechenbarkeit.</p>
<p>Hinzu kommt die Gefahr, dass dem linken Fl&#252;gel um Klaus Wowereit und Andrea Nahles bereits der Eindruck anhaftet, sie w&#252;rden eine tief greifende Erneuerung und Neuausrichtung der Partei den eigenen Karrierepl&#228;nen opfern. So kritisiert bereits Hermann Scheer in einem offenen Brief: „Mit denselben Methoden, die die Partei &#252;ber Jahre hinweg gel&#228;hmt haben und die Rolle und Funktion gew&#228;hlter F&#252;hrungsgremien sinnentleert haben, kann die Partei nicht zu neuer Motivation und Kraft finden.. &#8220;Schon wieder wird offenbar versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, die der Parteivorstand und der Parteitag dann abnicken sollen.&#8221;</p>
<p>„In der Liebe wie im Gesch&#228;ft, in der Wissenschaft, wie beim Weitsprung mu&#223; man glauben, ehe man gewinnen und erreichen kann…” schrieb Robert Musil in &#8220;Der Mann ohne Eigenschaften&#8221;. Ans Gewinnen glauben in der SPD nur mehr die Altvorderen, bei allen anderen br&#246;ckelt selbst der Glaube an Wunder.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15741&amp;md5=0d32a789cd04a304671f4a9ab58ea860" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Peer Steinbr&#252;cks Etatentwurf: Bilder einer blo&#223;stellenden Austellung</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 16:40:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Bundeshaushalt]]></category>
		<category><![CDATA[Neo Rauch]]></category>
		<category><![CDATA[Peer Steinbrück]]></category>
		<category><![CDATA[Surrealismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Haushaltentwurf von Peer Steinbr&#252;ck gleicht einem Spiegelbild unserer Gesellschaft: Wir geben die H&#228;fte des gesamten Bundesetats f&#252;r Arbeit und Soziales aus -- und nur drei Prozent f&#252;r Bildung und Forschung. Ern&#252;chternd: Es kann kaum besser werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/924d2bc31ef6455f45e208595dc279" width="1" height="1" alt=""/>Den Surrealismus hatten wir bislang in den 1920er bis 1940er Jahren verortet. Mit dem Bundeshaushalt 2010, den Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck (SPD) jetzt vorgelegt hat, ist das Surreale endg&#252;ltig auch in der Politik angekommen.</p>
<p>Der Haushaltsentwurf gleicht einem Spiegelbild des Zustands unserer Gesellschaft: So geben wir beispielsweise – aus einem Gesamtvolumen von 327 Mrd Euro &#8211; f&#252;r <strong>Wirtschaft und Technologie</strong> mit 6,3 Mrd Euro nur unwesentlich mehr aus als f&#252;r Ern&#228;hrung, <strong>Landwirtschaft</strong> und Verbraucherschutz (5,4 Mrd). Wenn man dabei in Rechnung stellt, dass ein gro&#223;er Teil des BMWi-Haushalts immer noch in die Kohle flie&#223;t, fragt man sich, was da noch f&#252;r neue Technologien &#252;brig bleibt. Jedenfalls weniger als f&#252;r die Landwirtschaft. Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind uns in Summe 6,4 Mrd Euro wert. Hingegen bleiben f&#252;r Sigmar Gabriel und seine Umweltvisionen ganze 1,5 Mrd Euro. Soviel zum Thema „…und deshalb f&#246;rdern wir massiv die Erneuerbaren Energien“.</p>
<p>Die Bundesschuld in H&#246;he von 41 Mrd Euro, das sind weit &#252;ber zehn Prozent des Gesamthaushalts, &#252;berspringen wir jetzt einfach mal, denn da wird uns ohnehin nur noch schwarz vor Augen. Stattdessen wenden wir uns dem krassesten Gegensatz zu, den das Staatsbudget einer sich modern und innovativ glaubenden Industrienation wohl nur aufweisen kann: Es ist die Diskrepanz zwischen den H&#228;usern „Schavan“ (10,3 Mrd Euro) und „Scholz“ (153, 1 Mrd Euro). Die Bildungsrepublik Deutschland hat zwar den Anteil ihrer Ausgaben f&#252;r Forschung und Entwicklung unter Kanzlerin Merkel beachtlich gesteigert, wie die Statistiken des Bildungs- und Forschungsministeriums glaubhaft belegen. <strong>Und doch wenden wir f&#252;r die Gestaltung unserer Zukunft nur einen Bruchteil dessen auf, was in die chronisch defizit&#228;ren Sozialkassen flie&#223;t</strong>. D a s ist das Surreale an der bundesdeutschen Haushaltspolitik.</p>
<p>Wohlverstanden: Uns geht es nicht darum, an der bescheidenen H&#246;he der gesetzlichen Rente oder den Zuwendungen f&#252;r chronisch Kranke herumzum&#228;keln. Wer nachweislich bed&#252;rftig ist, dem muss staatlicherseits geholfen werden. Was aber, genau wie die r&#228;tselhaften Bilder eines Dali oder Magritte, der n&#228;heren Betrachtung bedarf, sind die Proportionen: Wenn wir ann&#228;hernd die H&#228;fte (!) des gesamten Bundesetats f&#252;r den Bereich Arbeit und Soziales (sprich: gesetzliche Rente, Arbeitslosenversicherung, Kurzarbeitergeld etc.) aufwenden, hingegen nur drei Prozent f&#252;r Bildung und Forschung, dann ist das schon ein Statement. Es besagt, dass der soziale Frieden, die vielgepriesene „Gerechtigkeit“ uns ziemlich genau <strong>15 mal soviel wert </strong>sind wie die Zukunftssicherung einer ganzen Gesellschaft. „Ein Euro f&#252;r die Optischen Technologien, 15 Euro f&#252;r die Rente. Zwei Euro f&#252;r neue Werkstoffe, dreissig f&#252;r die Arbeitslosenversicherung…“. Man m&#246;chte bei den Haushaltsverhandlungen (lieber nicht) M&#228;uschen spielen.</p>
<p>Das Ern&#252;chternde an dieser Bildbetrachtung ist: Es kann <strong>kaum besser</strong> werden. Deutschland hat sich vor Jahrzehnten prinzipiell daf&#252;r entschieden, seine sozialen Sicherungssysteme auf dem Umlageverfahren zu basieren. Da aber die Zufl&#252;sse nicht reichen, muss der Staat permanent nachschie&#223;en – oder die Steuern respektive die Sozialabgaben erh&#246;hen. &#220;ber die Alternative, n&#228;mlich eine kapitalgedeckte Kranken- oder gar Altersvorsorge, darf man seit der Finanzkrise nicht mehr &#246;ffentlich sprechen: „Das h&#228;tte Millionen von Rentnern in den Ruin gest&#252;rzt“, schallt es einem nur noch entgegen. Dass es an den B&#246;rsen, nach starken Jahren, auch einmal in den Keller gehen kann, ist einer zutiefst risikoaversen Gesellschaft schlichtweg nicht vermittelbar.</p>
<p>Und so ziehen wir weiter, von Etatposten zu <strong>Etatposten</strong>, als seien es die <strong>Bilder einer Ausstellung</strong>. Die Relation der Einzelposten zueinander ist so „blo&#223;stellend“, wie Neo Rauch es vom Genre der Zeichnung sagt: „Man ist des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kolorit">Kolorits</a> entkleidet“, <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/kultur/article1119780/Nationalgalerie_Neo_Rauch_als_surrealer_Talkmaster.html">so</a> der K&#252;nstler am 23.6. in der Neuen Nationalgalerie. Die Bundesrepublik portr&#228;tiert sich mit dem Haushaltsentwurf 2010 als ein Land, das ernsthaft Gefahr l&#228;uft, in seiner „Verkarstung“ (Peer Steinbr&#252;ck am 24.6.) zu erstarren. Es ist zumindest hochgradig optimistisch anzunehmen, dass die Bundestagswahl daran grundlegend etwas &#228;ndern k&#246;nnte.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/10826/peer-steinbruecks-etatentwurf-bilder-einer-blossstellenden-austellung/">Peer Steinbr&#252;cks Etatentwurf: Bilder einer blo&#223;stellenden Austellung</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10826/peer-steinbruecks-etatentwurf-bilder-einer-blossstellenden-austellung/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=10826&amp;md5=82ce2ba95a46ba7afd52efa3553addb3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die FAZ enth&#252;llt’s: Ludwig Erhard-Intimus h&#228;tte Abwrackpr&#228;mie bef&#252;rwortet</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2009 05:16:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Selbst die FAZ macht nun einen Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft quasi zum Taufpaten der Abwrackpr&#228;mie. Der Paradigmenwechsel hin zum allerorten korrigierenden Staat wird langsam raumgreifend. Wer &#252;bernimmt eigentlich die politische Verantwortung f&#252;r diese Staats&#252;berforderung?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5ed06bc092dedf4435f84278ade2cd" alt="" width="1" height="1" /><br />
Der Berliner Anwalt und Kunstkenner Peter Raue (<a href="http://www.kunstgeschichte.uni-mainz.de/Veranstaltungen/Raue.jpg">Foto</a>) lie&#223; sich unl&#228;ngst mit dem Satz <a href="http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/471734/1/1#texttitel">vernehmen</a>, zwischen Reichstag und Grill Royal spreche man „<strong>&#252;ber die Krise h&#246;chstens als Ph&#228;nomen, nicht als Sorge</strong>“. Vielleicht ist das der Grund daf&#252;r, dass wir einfach so weiter machen wie bisher. Zum Beispiel bei der Abwrackpr&#228;mie: Ungeachtet der Skepsis nicht weniger &#214;konomen und &#214;kologen (mehr dazu auf <a href="http://carta.info/7793/was-wir-von-der-abwrackpraemie-haben-nichts-als-schulden/">Carta</a>,  <a href="http://www.weissgarnix.de/?p=1977">Weissgarnix</a> und <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,618627,00.html">Spiegel Online</a>) stellt der Bund bis Jahresende weitere 3,5 Mrd Euro (zuz&#252;glich 700 Mio Euro f&#252;r die daraus resultierende Zinslast) bereit, um das Schwungrad des wie von Zauberhand befl&#252;gelten Autoabsatzes am Laufen zu halten. Des Zuspruchs der Automobilindustrie, ihrer  Besch&#228;ftigten und nicht zuletzt der <strong>IG Metall</strong> kann sich die Gro&#223;e Koalition infolge dieser Politik sicher sein – ein Schelm, wer dabei an den<strong> 27. September </strong>denkt.</p>
<p>Indes wird &#252;ber die Tatsache, dass die ohnehin schon ausgepressten &#246;ffentlichen Haushalte durch die Abwrackpr&#228;mie noch mehr geschr&#246;pft werden, in diesem Land gar nicht mehr diskutiert. Tapfere Verteidiger einer budget&#228;ren Austerit&#228;t wie etwa Otto Fricke von der FDP oder Michael Fuchs von der Union werden kurzerhand als <strong>Spielverderber</strong> an den Rand gedr&#228;ngt. Von dort k&#246;nnten Kassandras Rufe allerdings bald als Bumerang zur&#252;ckkehren: Wenn die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr tats&#228;chlich um vier oder mehr Prozent zur&#252;ckgeht, dann f&#252;hrt das zu Steuerausf&#228;llen von bis zu 25 Mrd Euro. Vom Ziel eines ausgeglichenen Haushalts ist Deutschland dann etwa so weit entfernt wie<strong> Bayern M&#252;nchen </strong>von der n&#228;chsten Runde der<strong> Champions League</strong>.</p>
<p>Den Bundesfinanzminister scheint dies nur bedingt zu k&#252;mmern. Zwar treibt auch ihn die Sorge um, dass „diese wahnsinnigen Kredite, welche die Staaten jetzt aufnehmen“, durchaus „zur n&#228;chsten Krise f&#252;hren (k&#246;nnen), wenn wir nicht aufpassen“ – so Peer Steinbr&#252;ck im <a href="http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E7577E5CC886D47EEBE99BD0729D47D48~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Interview</a> mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12.4.2009. Deshalb will der SPD-Politiker „die in den Markt gepumpte Liquidit&#228;t“ bei n&#228;chster Gelegenheit auch „wieder einsammeln“.</p>
<p>Geradezu gen&#252;sslich <a href="http://www.faz.net/s/Rub58241E4DF1B149538ABC24D0E82A6266/Doc~E7577E5CC886D47EEBE99BD0729D47D48~ATpl~Ecommon~Scontent.html">spricht</a> Steinbr&#252;ck aber ein paar Abs&#228;tze weiter von der sich verbreitenden „Auffassung, dass die herrschende Theorie der letzten 10, 15 Jahre vom abgemagerten Staat die falsche war“. Man m&#252;sse fortan „den <strong>Korridor</strong> definieren, in dem der <strong>Markt seine Kraft</strong> entfalten kann“. Schlie&#223;lich sei es der Markt gewesen, der die Aktion&#228;re der Hypo Real Estate enteignet habe – und nicht<strong> „der b&#246;se Staat“</strong>. Der sei ja erst eingeschritten, als der Aktienkurs am freien Markt schon in den Keller gefallen sei.</p>
<p>Dass der Markt f&#252;r Enteignungen sorgt, war uns so noch nicht bewusst (mehr <a href="http://carta.info/6537/j-christopher-flowers/">hier</a>). Noch irritierender jedoch nimmt sich die M&#252;helosigkeit aus, mit der der <strong>raumgreifende Paradigmenwechsel hin zum allm&#228;chtigen Staat</strong> alle H&#252;rden zu nehmen scheint. So <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E5F35B3003A4A4EF3A582F3044263273D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">zitiert</a> im &#246;sterlichen Feuilleton der FAZ Thomas Strobl abs&#228;tzelang aus Alfred M&#252;ller-Armacks (<a href="http://www.hanstietmeyer.de/files/images/alfred_mllerarmack.jpg">Foto</a>) „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ (erschienen 1946), nur um den Nachweis zu erbringen, dass selbst die Urv&#228;ter der sozialen Marktwirtschaft von Anfang an gegen „jegliche Hochstilisierung der Marktwirtschaft zum gesellschaftlichen Kult“ gewesen seien.</p>
<p>Die Marktwirtschaft sei „nur ein &#252;beraus <strong>zweckm&#228;&#223;iges Organisationsmittel</strong>, aber auch nicht mehr“, hei&#223;t es bei dem in M&#252;nster lehrenden National&#246;konomen M&#252;ller-Armack. Dem sp&#228;teren Staatssekret&#228;r in Ludwig Erhards Bundeswirtschaftsministerium zufolge w&#228;re es „ein <strong>verh&#228;ngnisvoller Irrtum</strong>, der Automatik des Marktes die Aufgabe zuzumuten, eine letztg&#252;ltige soziale Ordnung zu schaffen“, <a href="http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E5F35B3003A4A4EF3A582F3044263273D~ATpl~Ecommon~Scontent.html">zitiert</a> Strobl weiter aus M&#252;ller-Armacks Werk und jubiliert geradezu aufgrund weiterer Fundstellen: Ob Mindestl&#246;hne oder Reichensteuer, Kinderbeihilfen oder Mietzusch&#252;sse – M&#252;ller-Armack habe einer umverteilenden Wirtschafts- und Sozialpolitik „<strong>gro&#223;e Spielr&#228;ume</strong>“ zugebilligt.</p>
<p>Na super. Wenn schon die FAZ f&#252;r solcherart<strong> aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate</strong> einen Aufmacher reserviert, dann k&#246;nnen wir wohl bald einpacken. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da wird, ohne dass er sich wehren k&#246;nnte, <strong>einer der Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft quasi zum Taufpaten der Abwrackpr&#228;mie gemacht</strong>. Diese Krise ist wirklich – um noch einmal Peter Raue zu bem&#252;hen – ein „Ph&#228;nomen“. Schlimm nur, dass eine entscheidende Frage nicht gestellt wird: Wer &#252;bernimmt eigentlich die <strong>politische Haftung</strong> f&#252;r die gigantischen Schuldenberge, die die nachfolgenden Generationen vorfinden werden? Wir harren der Antwort und konstatieren: Die <strong>Nachrichten vom schleichenden Absterben marktwirtschaftlicher &#220;berzeugungen</strong> k&#246;nnen nicht als stark &#252;bertrieben bezeichnet werden.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7930&amp;md5=df9ffd97f68137728eb997cca62b39c2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die letzte Chance der SPD</title>
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		<pubDate>Wed, 04 Feb 2009 16:49:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zerstritten, kein Profil, kein Konzept, kein sozialdemokratischer Markenkern. Die SPD steht heute f&#252;r Beliebigkeit -- schlimmer: v&#246;llige Ungewissheit. Die Sozialdemokratie hat keine Minute mehr zu verlieren, ihre Partei rigoros umzupolen. Andernfalls droht das schlechteste Wahlergebnis seit 1949, obwohl das Land nach links r&#252;ckt. Ein Therapie-Vorschlag.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/2638a03cefc5c72e5d728dd22047bb" alt="" width="1" height="1" />Sieben Monate bleiben der SPD noch, ihre gr&#246;&#223;te Wahlschlappe seit Gr&#252;ndung der Bundesrepublik zu vermeiden. Nach dem erfolglosen Wechsel von Kurt Beck zu Frank-Walter Steinmeier und Franz M&#252;ntefering und den Wahlergebnissen in Bayern und Hessen, darf die deutsche Sozialdemokratie <strong>keine Minute mehr verlieren, die Partei rigoros umzupolen</strong>. R-I-G-O-R-O-S: Das ist die einzige Chance der SPD auf ein annehmbares Wahlergebnis am 27. September. Denn derzeit w&#252;rden nur noch <a href="http://www.wahlrecht.de/umfragen/tns-forschung.htm">24 Prozent</a> f&#252;r die SPD stimmen. Das sind weniger als die 28,8 Prozent, die die Sozialdemokraten 1953 erzielten, ihrem bislang schlechtesten Ergebnis der Bundestagsgeschichte.</p>
<p><strong>Aber wann, wenn nicht jetzt, w&#228;re eigentlich eine Meinungshausse f&#252;r die SPD zu erwarten?</strong> Jetzt, wo Angst und Wut die herausragenden Urteilskriterien der Deutschen sind: Angst vor der Zukunft, vor wieder wachsender Arbeitslosigkeit, vor weniger Barem, davor, in Zeiten der Globalisierung nicht mehr mithalten zu k&#246;nnen. Wut auf die zunehmend ungerechtere Verteilung der Einkommen. Auf eine Heuschreckenwirtschaft, die keiner mehr versteht und betr&#252;gerischem Tun T&#252;r und Tore &#246;ffnet.</p>
<div class="wp-caption alignnone" style="width: 549px"><a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/German_parliamentary_elections_diagram_de.png" target="_blank"><img title="Bundestagswahlergebnisse seit 1949" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/1b/German_parliamentary_elections_diagram_de.png/800px-German_parliamentary_elections_diagram_de.png" alt="Bundestagswahlergebnisse seit 1949" width="539" height="398" /></a><p class="wp-caption-text">Bundestagswahlergebnisse seit 1949</p></div>
<h6><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl"></a></h6>
<p>Wann, wenn nicht jetzt, wo <strong>83 Prozent der Deutschen Zukunfts&#228;ngste haben,</strong> 45 Prozent zu verarmen f&#252;rchten und <strong>die politischen Einstellungen auf Linkskurs gehen</strong>:</p>
<p>&#8211; 68 Prozent der Wahlberechtigten sind f&#252;r die Einf&#252;hrung von Mindestl&#246;hnen.</p>
<p>&#8211; F&#252;r 82 Prozent geh&#246;rt die Rente mit 67 abgeschafft.</p>
<p>&#8211; 62 Prozent halten die Beteiligung deutscher Truppen an Eins&#228;tzen in Afghanistan f&#252;r falsch.</p>
<p>&#8211; Und f&#252;r 67 Prozent sollten wichtige Unternehmen, wie Energie, Telekom oder Bahn, die teilweise schon in die Privatwirtschaft entlassen wurden, staatlich betrieben werden.</p>
<p>Wann, wenn nicht jetzt, wo Deutschland ruckt – und zwar nach links: 34 Prozent der Deutschen bezeichnen inzwischen ihre politische Grundeinstellung als „links“, vor 25 Jahren waren es nur 17 Prozent. Starker Staat statt starke Wirtschaft, so das Credo, nachdem jahrelang „Entfesselung“ gepredigt wurde. <strong>Deutschland ist im Grunde ein sozialdemokratisches Land. </strong></p>
<p>Und dennoch d&#252;mpelt die SPD aktuell unter 25 Prozent in der Sonntagsfrage! Daf&#252;r gibt es drei Gr&#252;nde:</p>
<p>1. Die SPD hat ihre W&#228;hler schwer entt&#228;uscht: Zerstrittenheit,  keine klare Linie, kein Profil, kein Konzept, kein sozialdemokratischer Markenkern ist da zu sp&#252;ren. Die SPD ist nicht mehr die klare sozialdemokratische Partei, die Wirtschafts- mit Sozialkompetenz verbindet, nicht mehr die „Mittel zum guten Zweck“-Partei.</p>
<p>2. Die SPD ist im Grunde zwei Parteien. Ist sie Nahles oder M&#252;ntefering? Steht sie f&#252;r oder gegen Schr&#246;ders Agenda? Ist sie Reformbef&#252;rworter oder -gegner? F&#252;r oder gegen eine Koalition mit den Linken? <strong>Warum werden deren Minister Steinbr&#252;ck und Steinmeier </strong><strong>mehr </strong><strong>von CDU- als von SPD-W&#228;hlern gesch&#228;tzt? </strong>Warum ist die SPD so wie sie ist? Weil die Partei hin und hergerissen ist zwischen den politischen Polen: Zwischen f&#246;rdern oder fordern. Zukunft wagen oder Vergangenheit sichern. Chancen nutzen oder Risiken vermeiden. So h&#228;ngt sie fest zwischen Partei des M&#246;glichen und Partei des N&#246;tigen. Zwischen gestern und morgen: Die SPD ist zwei Parteien! SPD hei&#223;t Beliebigkeit, schlimmer: v&#246;llige Ungewissheit w&#228;hlen.</p>
<p>3.  Die SPD leidet unter dem <strong>Y-Faktor </strong>der wahltaktischen-waghalsigen Beliebigkeit: Mal mit, mal ohne Links, je nach pers&#246;nlichem P&#246;stchengeschachere. Zudem versagt die SPD ausgerechnet bei der vornehmsten aller sozialdemokratischen Tugenden: Die Gesellschaft zu vers&#246;hnen statt zu spalten. Ihr Umgang in Hessen mit den vier „Rebellen“ war f&#252;r viele W&#228;hler ein noch st&#228;rkerer Grund, sich von den Genossen zu verabschieden als die Links-Volte.</p>
<p>Hessen hat den Paradigmenwechsel beim Wahlentscheid wie zuvor in Bayern endg&#252;ltig best&#228;tigt: Nicht mehr &#214;konomie und Soziales, sondern Psychologie wird gew&#228;hlt: <strong>Nicht Sachpolitik sondern Vertrauen, nicht die gute Leistung sondern die gerechte Strafe.</strong> Aus „Pro“-W&#228;hler werden immer h&#228;ufiger „Kontra&#8221;-W&#228;hler. Nur noch jeder zweite Deutsche w&#228;hlt die Partei seiner &#220;berzeugung, &#252;ber 40 Prozent dagegen aus Entt&#228;uschung eine andere als die im Grunde pr&#228;ferierte.</p>
<p>Was also ist f&#252;r die SPD zu tun?</p>
<p>Es gibt vier Wege, f&#252;r die Volkspartei SPD wieder R&#252;ckhalt unter den W&#228;hlern zu erhalten. Alle vier beinhalten „klare Kante“.</p>
<p><em>A. Die SPD als &#8220;Frontrunner-Partei“ der „Vereinigten Linken“</em></p>
<p>Die SPD macht sich rigoros zur Sammlungsbewegung der Linken &#8212; mit aller Konsequenz in Parteiprogramm und beim Kandidaten; denn <strong>immerhin gibt es in Deutschland 40 Prozent W&#228;hler links der Mitte</strong>. Mit dem neuen Ansatz zur neuen Glaubw&#252;rdigkeit muss noch heute begonnen werden. Roland Koch hat das  in einem Jahr nicht geschafft, die Zeit wird also denkbar knapp.</p>
<p><em>B. Der New Deal der SPD</em></p>
<p>Das morderne Linkssein der SPD m&#252;sste flankiert werden durch „Commitment“- Politik, dem „New Deal“ der wechselseitigen Verpflichtung zwischen Politik, Unternehmen und Besch&#228;ftigten: Die SPD betreibt unternehmerfreundlichere Politik, verlangt zugleich aber von den Unternehmen mehr Sicherheit f&#252;r die Besch&#228;ftigten. Sie fordert daf&#252;r von den Besch&#228;ftigten mehr Leistung, Flexibilit&#228;t, Mobilit&#228;t, geringere Einkommenszuw&#228;chse. Alles unter der Mediation der SPD.</p>
<p><em>C. Die SPD als Partei der wirtschaftlichen Vernunft</em></p>
<p>Der dritte Weg: Rigorose Mittelstands- statt Multipolitik. Zu selten haben  internationale Konzerne die ihnen gew&#228;hrten Vorteile an die Mitarbeiter zur&#252;ckgegeben. Zu negativ haben „Entlassungen trotz Rekordgewinnen“ zuletzt das Image der Wirtschaft gepr&#228;gt. Der Mittelstand dagegen schafft dagegen Besch&#228;ftigungszuwachs. Seine Spitzen stehen Probleme der Mitarbeiter deutlich n&#228;her als Shareholderdenke. Unter der &#196;gide des in der Wirtschaft hoch angesehen Steinbr&#252;ck k&#246;nnte die SPD die Partei des Mittelstandes werden.</p>
<p><em>D. Die SPD als K&#252;mmerpartei</em></p>
<p>Die SPD muss wieder K&#252;mmererpartei der kleinen Leute werden: Ihr Credo ist das der sozialen Gerechtigkeit, die Reduzierung des Unterschieds zwischen Arm und Reich, Ost und West, Alt und Jung. Mit der SPD ist das Motto: „Du darfst so werden, wie ich warst!“ nicht ganz unrealistisch.</p>
<p><strong>Fazit:</strong> Die SPD muss  Aufstiegschancen verdeutlichen statt Abstiegs&#228;ngste bedienen. Probleme &#252;berwinden statt Leiden lindern. Mit einer Care-Paket-Politik allein kann man Visionen eben nicht glaubhaft vertreten.</p>
<p><span style="color: #ffffff;"><br />
</span></p>
<p>Klaus-Peter Sch&#246;ppner ist Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der TNS Emnid Politik- &amp; Sozialforschung GmbH.</p>
<p>Update: Hier noch <a href="http://www.tagesschau.de/inland/parteienserie100.html">ein Text</a> von unser Beir&#228;tin Corinna Emundts zur Identit&#228;tskrise der SPD.</p>
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