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	<title>CARTA &#187; Online-Medien</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Paid Content: Warum man das Thema Bezahlinhalte noch einmal anpacken sollte</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Oct 2010 20:22:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Katja Riefler habe ich eine Studie zu Paid Content-Strategien geschrieben. Im Kern geht es mir um Differenzierung, Bundling und Preispunkte. Ein paar Folien zu dem Thema.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den n&#228;chsten Tagen erscheint eine Studie zu <a href="http://www.zv-online.de/inhalt/bookshop_paid_content.htm">Bezahlinhalten</a>, die <a href="http://www.risolutions.de/katja_riefler_kontakt_impressum.php">Katja Riefler</a> und ich f&#252;r den <a href="http://www.bdzv.de/">Bundesverband der Zeitungsverleger</a> geschrieben haben. In der vergangenen Woche habe ich dazu einen kurzen Vortrag gehalten:</p>
<p>Im Kern sollten Verlage aus meiner Sicht ihr Angebot st&#228;rker differenzieren und ihren Stammnutzern &#252;berzeugende Mehrwertb&#252;ndel (&#8220;Upgrades&#8221;) anbieten, f&#252;r die diese dann auch bereit w&#228;ren zu zahlen (oder sich zumindest zu registrieren, etwa auch &#252;ber Facebook).</p>
<p>Die heutigen Verlagsprodukte (Nachrichtensites) sprechen hingegen die unterschiedlichen Nutzersegmente aus Rand-, Gelegenheits- und Stammnutzern nicht hinreichend spezifisch an. Viele haben erheblichen Nachholbedarf bei der Nutzerbindung &#8211; auch hier k&#246;nnten abgestufte Produkte Anreitze schaffen, damit sich Fans und treue Nutzer enger mit den Angeboten verbinden.</p>
<p>Apps allein erscheinen mir zumindest nicht als hinreichende Bezahlstrategie &#8211; w&#228;hrend Tablets gleichzeitig den Umstieg vom analogen zum digitalen Medientr&#228;ger beschleunigen.</p>
<p>Hier die Pr&#228;sentation:</p>
<div id="__ss_5332244" style="width: 425px;"><object id="__sse5332244" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="355" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=vdzpaidfinal-101001071507-phpapp01&amp;stripped_title=paid-content-prsentation&amp;userName=simio12" /><param name="name" value="__sse5332244" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="__sse5332244" type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="355" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=vdzpaidfinal-101001071507-phpapp01&amp;stripped_title=paid-content-prsentation&amp;userName=simio12" name="__sse5332244" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
</div>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34772&amp;md5=622724d855d179eddeb683b100fcc2d7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Stadelmaier: “Der verfassungsrechtliche Rundfunkbegriff ist technologieneutral”</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 09:27:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
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		<category><![CDATA[Rundfunk]]></category>

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		<description><![CDATA[Volle Rundfunkfreiheit im Netz: Martin Stadelmaier h&#228;lt wenig von Einschr&#228;nkungen &#246;ffentlich-rechtlicher Online-Angebote aufgrund von "Presse&#228;hnlichkeit". Zur Entwicklungsgarantie der Rundfunkanstalten geh&#246;re, dass diese Online-Journalismus betreiben d&#252;rften.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/98d52b78c7fa4f479c9b556ee81de810" alt="" width="1" height="1" /><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Stadelmaier">Martin Stadelmaier</a>, Chef der Staatskanzlei von Kurt Beck und damit Chefkoordinator der Medienpolitik der L&#228;nder, zeigt wenig Sympathie f&#252;r eine Einschr&#228;nkung &#246;ffentlich-rechtlicher Online-Angebote aufgrund zu hoher &#8220;Presse&#228;hnlichkeit&#8221;. Das typische Online-Angebot mit seiner Multimedialit&#228;t, gestaffelter Angebotstiefe, Links und inaktiven Elementen sei aus seiner Sicht nicht presse&#228;hnlich. Der Online-Journalismus habe seine eigenen Gestaltungsformen ausgepr&#228;gt &#8211; die Rundfunkanstalten k&#246;nnten daher nicht auf &#8220;rundfunktypische&#8221; Darstellungsformen begrenzt werden.</p>
<p>&#8220;Der verfassungsrechtliche Rundfunkbegriff ist also technologieneutral&#8221;, sagte Martin Stadelmaier dem Fachmagazin <em>promedia</em>. Die Entwicklungsgarantie des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks spreche &#8220;gegen ein generelles Verbot textbasierter Angebote.&#8221;</p>
<p>F&#252;r presse&#228;hnlich h&#228;lt Stadelmeier nur solche Online-Angebote, die dem Nutzer nahelegen, &#8220;dass er sich dem Angebot wie einer Zeitung zuwendet.&#8221; Wichtig seien daher Gestatungsmerkmale wie Text/Bildkombination, <strong>Spaltensetzung</strong> und eine abgestufte Text- und &#220;berschriftengestaltung.</p>
<p>Stadelmaier pflichtet dem j&#252;ngst ver&#246;ffentlichten Gutachten von Hans-J&#252;rgen Papier bei: &#8220;Professor Papier hat meines Erachtens Recht. Entscheidend ist f&#252;r den verfassungsrechtlichen Rundfunkbegriff die publizistische Wirkung f&#252;r die &#246;ffentliche Meinungsbildung.&#8221; Auch Online-Dienste seien verfassungsrechtlich als Rundfunk zu betrachten und w&#252;rden daher dem besonderen Schutz unterfallen.</p>
<p>Entscheidend sei, dass die neuen Online-Angebote &#8220;in ihrer massenkommunikativen Wirkung klassischen Rundfunkangeboten gleichkommen&#8221;, so Stadelmaier. So gesehen seien letztlich weite Teile des publizistischen Internets auch als Rundfunk zu betrachten.</p>
<p>Auszug aus dem <em><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></em>-Interview von Helmut Hartung mit Martin Stadelmaier:</p>
<p><em>Hartung: Ein Gutachten von Hans-J&#252;rgen Papier zur „Presse&#228;hnlichkeit“ von Presseangeboten hat das Ergebnis gebracht, dass sich das Wettbewerbsverbot des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks auf eng umgrenzte Bereiche, die gewisserma&#223;en als „Kerngesch&#228;ft der Presse“ anzusehen seien, reduziere. Legt der 12. Rundfunkstaatsvertrag damit das Wettbewerbsverbot nicht zu eng aus? Muss der Online-Auftrag vielleicht sogar erweitert werden?</em></p>
<div id="attachment_6291" class="wp-caption alignleft" style="width: 202px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/stadelmaier.jpg"><img class="size-full wp-image-6291" title="stadelmaier" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/stadelmaier.jpg" alt="" width="192" height="257" /></a><p class="wp-caption-text">Stadelmaier: Eine rundfunktypische Kombination wird es im Netz nicht geben.</p></div>
<p>Martin Stadelmaier: Eine Einordnung der unterschiedlichen Auffassungen zur „Presse&#228;hnlichkeit“ wird dadurch erschwert, dass es f&#252;r diese Differenzierung in der Praxis des Online-Journalismus keine Entsprechung gibt. Zwar unterscheiden sich die Angebote graduell und sind &#8211; meist ausgehend vom Erfahrungshintergrund des Anbieters &#8211; eher audiovisuell oder eher textlich orientiert, der Online-Journalismus hat aber seine eigenen Gestaltungsformen ausgepr&#228;gt.</p>
<p>Jedenfalls erscheint die Auffassung, nur die unver&#228;nderte Wiedergabe von gedruckten Zeitschriften und Zeitungen im Internet sei erfasst, als eng. Dies gilt anders herum auch f&#252;r die Auffassung, es komme allein auf den Schwerpunkt in der textlichen Darstellung an. Die Entwicklungsgarantie des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks spricht gegen ein generelles Verbot textbasierter Angebote. Auch die Auffassung, es m&#252;sse eine rundfunktypische Kombination von Text, Ton und Bild vorliegen, um nicht in die Reichweite des Verbots zu geraten, scheint nicht plausibel, da es eine rundfunktypische Kombination im Netz nicht geben wird.</p>
<p>Weiterf&#252;hrend halte ich daher eine Orientierung an den Gestaltungsmerkmalen von Zeitungen und Zeitschriften. Charakteristisch daf&#252;r sind Text/Bildkombinationen, die eine Spaltensetzung kennen, zudem unterschiedlich gestaltete &#220;berschriften und unterschiedliche Satzgr&#246;&#223;en. Es geht also um Gestaltungsmerkmale, die f&#252;r den Nutzer nahelegen, dass er sich dem Angebot wie einer Zeitung zuwendet.</p>
<p>Dazu kann auch geh&#246;ren, dass das Angebot so gestaltet ist, dass die Texte den Rezeptionsmodus pr&#228;gen, so dass die <strong>Textdominanz </strong>mittelbar doch eine Rolle spielen kann. Die f&#252;r Online-Angebote typische Multimedialit&#228;t sowie gestaffelte Angebotstiefen, Links und interaktive Elemente sprechen gegen eine Presse&#228;hnlichkeit.</p>
<p>Dabei m&#246;chte ich betonen, dass das Verbot presse&#228;hnlicher Angebote damit keineswegs ins Leere l&#228;uft, denn es verbietet einen Entwicklungspfad hin zu presse&#228;hnlich gestalteten Diensten. Dass es um diesen Entwicklungspfad geht, belegt die Begr&#252;ndung zum Staatsvertrag, in der von „Tendenzen“ die Rede ist.</p>
<p><em>Gleichzeitig hat das Gutachten von Papier ergeben, dass  verfassungsrechtlich „Internetangebote, bei denen Texte, Bilder, T&#246;ne  etc. als Datei vorliegen und &#252;ber ein Netz abrufbar sind, grunds&#228;tzlich  als Rundfunk zu qualifizieren“ seien. Hat das nicht entscheidende  rundfunkrechtliche Konsequenzen zur Bewertung von Online-Angeboten der  Presse und auch f&#252;r Fragen der Rundfunklizenzen?</em></p>
<p>Prof. Papier hat meines Erachtens recht. <strong>Entscheidend ist f&#252;r den verfassungsrechtlichen Rundfunkbegriff die publizistische Wirkung f&#252;r die &#246;ffentliche Meinungsbildung</strong>. Die Sonderrolle des Rundfunks liegt nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts in seiner Breitenwirkung, Aktualit&#228;t und Suggestivkraft begr&#252;ndet. Die besondere Suggestivkraft ergibt sich aus der Kombination von Bewegtbild, Text und Ton, die dem Medium Rundfunk und seinen Informationen eine besondere Authentizit&#228;t verleihen.</p>
<p>F&#252;r die Verbreitung von Rundfunk kommen insofern s&#228;mtliche fernmeldetechnischen &#220;bertragungswege in Betracht. Der verfassungsrechtliche Rundfunkbegriff ist also technologieneutral. Auch das Internet stellt daher einen geeigneten Verbreitungsweg f&#252;r Rundfunkdienste dar. Auf die Gleichzeitigkeit des Empfangs und die Einbindung in ein zeitliches Programmschema kommt es dagegen nach der verfassungsrechtlichen Definition nicht an. Das hat zur Konsequenz, dass auch neuartige Dienste &#8211; wie z.B. Zugriffs- und Abrufdienste &#8211; dem verfassungsrechtlichen Schutz unterfallen k&#246;nnen.</p>
<p>Nicht alle Dienste, die von dem verfassungsrechtlichen Rundfunkbegriff erfasst werden, unterliegen jedoch ein- und derselben einfachgesetzlichen Regulierung. Das Bundesverfassungsgericht hat den L&#228;ndern vielmehr die M&#246;glichkeit er&#246;ffnet, bestimmte Dienste aus dem weiten verfassungsrechtlichen Rundfunkbegriff auszunehmen und wegen geringerer Meinungsrelevanz einer liberaleren Regelung zu unterwerfen. Diese Dienste sind zwar Rundfunk im verfassungsrechtlichen Sinn, fallen aber aus der Definition des einfach-gesetzlichen Rundfunkbegriffs heraus. Seit Inkrafttreten des 9. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrags differenziert der Staatsvertrag insofern zwischen Rundfunk und Telemedien.</p>
<p>Mit den im 12. und 13. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag enthaltenen neuen Begriffsbestimmungen und Regelungen wurde der einfachgesetzliche Rundfunkbegriff zudem k&#252;rzlich modifiziert und die Vorgaben der EU-Mediendiensterichtlinie in nationales Recht umgesetzt.</p>
<p>Mit der Definition von Rundfunk als linearem Informations- und Kommunikationsdienst und der Bestimmung f&#252;r „fernseh&#228;hnliche Telemedien“ wird die in der Mediendiensterichtlinie vorgenommene Unterscheidung zwischen linearen und nicht-linearen audiovisuellen Mediendiensten und die daran ankn&#252;pfende abgestufte Regulierungsdichte in deutschem Rundfunkrecht abgebildet. Ausweislich der Begr&#252;ndung zum 13. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag ist ma&#223;gebliches Merkmal dieser fernseh&#228;hnlichen Abrufdienste, dass sie auf das gleiche Publikum wie Fernsehsendungen ausgerichtet sind und der Nutzer aufgrund der Art und Weise des Zugangs zu diesen Diensten vern&#252;nftigerweise einen vergleichbaren Regelungsschutz erwarten kann.</p>
<p>Die Regeln f&#252;r audiovisuelle Mediendienste auf Abruf sind daher nicht auf Online-Angebote der Presse, die nur am Rande audiovisuelle Elemente enthalten, anwendbar. Allerdings ist der einfach-gesetzliche Rundfunkbegriff entwicklungsoffen und bietet hinreichend Anpassungsm&#246;glichkeiten an zuk&#252;nftige Ver&#228;nderungen. Entscheidend ist dabei stets, ob (neue) Angebote in ihrer <strong>massenkommunikativen Wirkung</strong> klassischen Rundfunkangeboten gleichkommen. Insofern ist in der Zukunft keineswegs ausgeschlossen, dass Angebote, die heute noch der Telemedienregulierung unterliegen, in das strengere Rundfunkregime hineinwachsen.</p>
<p><a href="http://www.promedia-berlin.de/"><img class="alignleft size-full wp-image-31563" title="promedia08" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/promedia08.jpg" alt="" width="120" height="170" /></a></p>
<p style="margin-bottom: 1em;">
<p><em>Dies ist ein Ausschnitt aus einem Interview, das Helmut Hartung mit Martin Stadelmaier gef&#252;hrt hat. Es erschien unter dem Titel &#8220;Die Entwicklungsgarantie des &#246;ffentlichrechtlichen Rundfunks spricht gegen ein Verbot textbasierter Angebote&#8221; im medienpolitischen Fachmagazin <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a>, Ausgabe 08/2010, das mit Carta kooperiert.</em></p>
<p style="margin-bottom: 1em;">
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31551&amp;md5=7efc22dc6aff89d25278dede746509e7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>taz.de: „Flattr hat das Tool angeboten, was wir uns immer gew&#252;nscht haben“</title>
		<link>http://carta.info/29144/taz-de-flattr-hat-das-tool-angeboten-was-wir-uns-immer-gewuenscht-haben/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 16:43:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Taz]]></category>

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		<description><![CDATA[Die taz hat als erstes gro&#223;es klassisches Medium aus Deutschland Flattr in ihrem Online-Angebot integriert. Matthias Urbach, Leiter von taz.de, erz&#228;hlt im Interview, warum die taz auf Flattr setzt und gern von ihren Lesern abh&#228;ngig ist, warum andere Online-Angebote eher nicht nachziehen werden und warum er bei Flattr kein Datenschutzproblem sieht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/eaee4e1959b7480e813aad26af10040d" alt="" width="1" height="1" /><em>In den ersten zwei Wochen hat die taz <a href="http://blogs.taz.de/hausblog/2010/06/01/erstes_geld_von_flattr/">143,55 €</a> „erflattrt“, bekannte Blogs wie CARTA (4 Wochen, <a href="http://carta.info/28399/flattr-die-erste-abrechnung/">122,56 €</a>) oder Spreeblick (2 Wochen, <a href="http://www.spreeblick.com/2010/06/02/flattr-nach-den-ersten-14-tagen/">110,94 €</a>) haben nicht viel weniger erzielt. Wie bewerten Sie das Ergebnis? Glauben Sie, dass die User bei Bloggern eher bereit sind, etwas zu geben?</em></p>
<p>Matthias Urbach: Man muss sehen, dass die Kollegen der genannten Blogs teilweise schon etwas l&#228;nger bei Flattr dabei sind. Was uns aufgefallen ist, ist dass zu Beginn haupts&#228;chlich Texte hoch gewertet wurden, die sich um Flattr drehten. Es wird noch eine Weile dauern, bis Flattr allgemein angenommen wird und das Publikum breiter wird. Aber es ist noch unklar, wann das so weit sein wird.</p>
<p>Ob Blogger mehr bekommen werden, muss man abwarten. Dass die <em>taz</em> anders als einiger Blogger noch andere Einnahmequellen hat, ist ein naheliegender Gedanke. Ob das sich aber auf das Verhalten der Flattr-Nutzer auswirkt, ist derzeit schwer zu sagen.</p>
<p><em>Wie viel ist denn ein „Flattr-Klick“ im Durchschnitt wert?</em></p>
<p>Im Ergebnis sind es im Mai 11 Cent gewesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn mehr Angebote Flattr nutzen, auch mehr geklickt wird und der Wert sinkt. Ohnehin ist der Wert eines Klicks sehr individuell: Im Revenue-Report, denn wir nun bekommen haben, kann man sehen, dass es anscheinend Klicks gibt, die nur Bruchteile eines Cents bedeuten. Die stehen dort mit 0,00 €. Auf der anderen Seite geht es auch bis hin zu 1 € f&#252;r einen Klick.</p>
<p><em>Wie wird das &#252;ber Flattr eingenommene Geld bei der taz aufgeteilt oder genutzt? Bekommt jeder Autor seinen Teil vom Kuchen?</em></p>
<div id="attachment_29222" class="wp-caption alignleft" style="width: 142px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/matthias_urbach_144.jpg"><img class="size-full wp-image-29222" title="matthias_urbach_144" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/matthias_urbach_144.jpg" alt="Matthias Urbach: &quot;Wir sind gerne von unseren Lesern abh&#228;ngig, lieber als von Werbung.&quot; (Foto: taz)" width="132" height="132" /></a><p class="wp-caption-text">Matthias Urbach: &quot;Wir sind gerne von unseren Lesern abh&#228;ngig, lieber als von Werbung.&quot; (Foto: taz)</p></div>
<p>Es gibt bei uns keine Autorenumverteilung. Das ist auch nicht geplant und ich halte es auch nicht f&#252;r w&#252;nschenswert. Was wir wohl haben, ist eine Unterscheidung zwischen den Blogs und der normalen Nachrichtenseite. Da die <em>taz</em>-Blogger von uns nicht bezahlt werden, k&#246;nnen sie eigene Flattr-Accounts nutzen, also auf eigene Rechnung wirtschaften. Das machen andere Unternehmen zum Teil anders. Vom klassischen redaktionellen Inhalt wird nur ein Account gespeist. Die Autoren sind ja festangestellt oder bekommen ihr entsprechendes Honorar.</p>
<p><em>Warum nutzt die taz Flattr? Wie sieht es zum Beispiel mit Kachingle aus?</em></p>
<p>Den Ansatz von Flattr finden wir gut. Dort unterst&#252;tzt man bewusst sogenannte „Things“. Kachingle hat einen anderen Zugang: Dort werden die Besuche einer Seite gez&#228;hlt und diese wird als Ganzes unterst&#252;tzt. Wir &#252;berlegen, unseren Usern auch Kachingle anzubieten, aber Flattr gef&#228;llt uns inhaltlich besser. <strong>Wir haben auch gro&#223;es Vertrauen in die Macher.</strong></p>
<p>Entscheidend an den Ans&#228;tzen ist, dass beide ohne Bezahlschranke auskommen. Die Texte sind also weiter frei, man kauft keine Katze im Sack. Bei anderen Systemen kann man manchmal nur einige Zeilen lesen, bevor man bezahlen soll. Nur, um sp&#228;ter gegebenenfalls festzustellen, dass der Artikel doch nicht den Erwartungen entspricht.</p>
<p>Bei Flattr wollen wir zudem dabei sein, um das Projekt zu unterst&#252;tzen. Das war ein weiterer Beweggrund f&#252;r uns. Wenn man unter jeden <em>taz.de</em>-Artikel den Flattr-Button sieht, ist das auch eine Werbung f&#252;r Flattr. Wir w&#252;nschen uns, dass es ein Erfolg wird.</p>
<p><em>Glauben Sie, dass auch andere klassische Medien Flattr nutzen werden?</em></p>
<p>Das wird man abwarten m&#252;ssen. Ich wei&#223;, dass einige interessiert sind. Aber ich erwarte, dass die meisten Medienh&#228;user nicht nachziehen werden. Die Verlage gehen in der Regel noch von Printmodellen aus. Sie sind der Meinung, dass ihr Produkt einen gewissen Wert an sich hat von dem man nicht abr&#252;cken will. Das sieht man beim <em>SPIEGEL</em> zum Beispiel an der App-Preispolitik. Die Preise f&#252;r die Ausgaben f&#252;r iPhone oder iPad sind etwa so hoch wie im Print. Das zeigt, dass man denkt, <strong>das Produkt habe einen Wert und den will man auch eintreiben.</strong></p>
<p>Die <em>taz</em> geht da anders ran. Wir haben ja auch im Print ein geschichtetes Preissystem, wo jeder entscheiden kann, ob er mehr Geld zur Verf&#252;gung hat und den politischen Preis zahlt, oder ob er weniger Geld zur Verf&#252;gung hat und den erm&#228;&#223;igten Preis bezahlt. Ich bezweifele im &#220;brigen, dass bei anderen Zeitungen das System in dem Ma&#223;e funktionieren w&#252;rde, weil die Leser-Blatt-Bindung zumeist nicht so hoch ist.</p>
<p><em>Nun gibt es ja nicht nur Lob f&#252;r Flattr, einige Blogger &#228;u&#223;ern auch Kritik, zum Beispiel was den Datenschutz angeht. Ein anderer Vorwurf: An Flattr verdienen in erster Linie Paypal und Flattr selbst…</em></p>
<p>Was das Einzahlen von Geld angeht: Klar, da verdient zum Beispiel Paypal. Aber man muss es auch so sehen: Paypal hat dann eine Dienstleistung erbracht und die ist Geld wert. Die Geb&#252;hren sind nat&#252;rlich nicht niedrig, aber sie bieten den Dienst an, wor&#252;ber man froh sein kann. Die Frage ist, ob Flattr mehr M&#246;glichkeiten bieten sollte, Geld einzuzahlen. Doch da muss man ihnen noch Zeit lassen, schlie&#223;lich sind sie noch in der Beta-Phase.</p>
<p><em>Und was den Datenschutz angeht?</em></p>
<p>Wir haben wie bereits erw&#228;hnt gro&#223;es Vertrauen in die Flattr-Macher. Den Datenschutz-Aspekt haben wir im Hinterkopf. Gerade als <em>taz</em> sind wir da sensibel. Wir widmen diesem Thema ja auch einen gro&#223;en Teil unserer Berichterstattung.</p>
<p><strong>Solange Flattr keine Nebengesch&#228;fte oder Werbung macht, ist die Sache unproblematisch.</strong> Es ist ja nicht wie beim Google-Konzern, der davon lebt, unsere Daten zu sammeln, um damit gezieltere Werbung anbieten zu k&#246;nnen. Flattr sammelt eher „Datenm&#252;ll“. Es gibt dort kein Gesch&#228;ft, bei dem man diese Daten nutzt. Wir achten aber weiter darauf, ob Flattr gut mit unseren Daten umgeht. Derzeit haben wir keine Bedenken.</p>
<p><em>Glauben Sie, dass freiwillige Zahlungen f&#252;r Online-Inhalte in Zukunft eine wichtige Rolle im Online-Journalismus spielen werden?</em></p>
<p>Ich gehe nicht davon aus, dass wir mit Flattr unsere Kosten einspielen k&#246;nnen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob auf lange Sicht ein nennenswerter Beitrag dabei heraus kommt. Auf der anderen Seite gibt es bei der <em>taz</em> es schon lange freiwillige Bezahlmodelle. Bis 2006 gab es auf <em>taz.de</em> unter den Artikeln die Frage, was dem Leser der Artikel wert war. Dazu ein Hinweis auf unser Bankkonto, auf das freiwillig etwas &#252;berwiesen werden konnte. Und das haben Leute auch gemacht.</p>
<p>2006 haben wir das ge&#228;ndert, weil wir versucht haben, auf Werbung zu setzen. Mittlerweile sind wir da schlauer und gehen mehrere Wege, auch wenn die meisten Einnahmen im Online-Bereich weiter mit Werbung erzielt werden. Lieber w&#228;re uns nat&#252;rlich, dass der Anteil durch die Leser h&#246;her ist, wie es bei uns auch im Print ist. <strong>Wir sind gerne von unseren Lesern abh&#228;ngig</strong>, lieber als von Werbung, woher bei den meisten anderen Zeitungen und Magazinen noch der L&#246;wenanteil der Einnahmen herr&#252;hrt. Und Flattr hat nun das Tool angeboten, was wir uns immer gew&#252;nscht haben.</p>
<p><em>Aber die Angabe der Bankverbindung gibt es doch trotzdem wieder…</em></p>
<p>Vor einigen Wochen hatten wir noch einmal einen kleinen Versuch unternommen, unsere Leser um freiwillige Bank&#252;berweisungen zu bitten. Das wurde sehr gut angenommen. Nachdem wir Flattr integriert hatten, kam sehr schnell das Feedback, warum denn Flattr als Mittler dazwischen sei. Manche Leser wollen, dass das Geld direkt bei uns ankommt, ohne dass irgendwer Geb&#252;hren erhebt. Daher ist die Kontonummer wieder unter den Texten zu finden.
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/29144/taz-de-flattr-hat-das-tool-angeboten-was-wir-uns-immer-gewuenscht-haben/">taz.de: „Flattr hat das Tool angeboten, was wir uns immer gew&#252;nscht haben“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/29144/taz-de-flattr-hat-das-tool-angeboten-was-wir-uns-immer-gewuenscht-haben/#comments">21 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=29144&amp;md5=a4c681e78575334c89038c2e12052deb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Online-Petition f&#252;r Neutralit&#228;t und Geb&#252;hrenfreiheit des Internets</title>
		<link>http://carta.info/21374/petition-fur-einen-offenen-abgaben-und-diskriminierungsfreien-zugang-zu-online-angeboten/</link>
		<comments>http://carta.info/21374/petition-fur-einen-offenen-abgaben-und-diskriminierungsfreien-zugang-zu-online-angeboten/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 26 Jan 2010 11:54:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Beitrag zur Geb&#252;hrenmodell-Debatte: Das Internet soll neutral und geb&#252;hrenfei sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/82420d3194344467a589f0af62576afd" alt="" width="1" height="1" />Der <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9149">Petition</a> zufolge sind zwei Dinge zentral, damit sich das Netz als <strong>offene Plattform</strong> des gesellschaftlichen Austauschs weiter entfalten kann:</p>
<ol>
<li>Der Zugang zum Internet soll frei von staatlichen Geb&#252;hren oder Abgaben sein (inkl. Rundfunkgeb&#252;hr).</li>
<li>Internetprovider sollen einen neutralen und anbieterunabh&#228;ngigen Zugang zu Online-Angeboten sicherstellen.</li>
</ol>
<p>Dies sind im Kern nichts anderes als zwei Seiten der Netzneutralit&#228;t: Weder Provider noch staatliche Stellen sollen in die neutrale Struktur des Netzes einseitig eingreifen, sondern dem Ziel eines offenen und diskriminierungsfreien Austauschs verpflichtet sein.</p>
<p>Am 9. Juni 2010 wollen die Ministerpr&#228;sidenten auf einer Sonderkonferenz in Berlin ein <a href="http://carta.info/19672/internet-gez-gebuehr-vollzahler-gebuehrenmodell/">neues Geb&#252;hrenmodell</a> beschlie&#223;en (<a href="http://carta.info/20986/gebuehrenreform-die-standpunkte-der-parteien-im-ueberblick/">die aktuellen Positionen der Parteien</a>). Die Petition soll ein Zeichen f&#252;r die <strong>Geb&#252;hrenfreiheit</strong> des Internets setzen. Es w&#228;re zu begr&#252;&#223;en, wenn sich die Enquête-Kommission des Bundestags zu “Internet und digitaler Gesellschaft”<span style="color: #1a1a1a; font-family: Georgia,'Times New Roman',Times,serif; font-size: 15px; line-height: 20px; text-align: left;"> </span> vor einem endg&#252;ltigen Beschluss mit dem Thema befassen und so eine breite gesellschaftliche Debatte dieses Themas unterst&#252;tzen w&#252;rde.</p>
<p>Zugleich soll der <strong>Netzneutralit&#228;t</strong> als Schl&#252;sselprinzip f&#252;r ein vielf&#228;ltiges und demokratisches Internet in der aktuellen politischen Debatte Nachdruck verliehen werden.</p>
<p>Hier der <a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9149">Wortlaut der Petition</a>:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Wortlaut der Petition/Was m&#246;chten Sie mit Ihrer Petition konkret erreichen?</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">Der Deutsche Bundestag m&#246;ge eine Erg&#228;nzung des Telemediengesetzes (TMG) beschlie&#223;en, die einen offenen, abgaben- und diskriminierungsfreien Zugang zu Online-Angeboten sicherstellt. Den Prinzipien der Netzneutralit&#228;t folgend sollen keine Abgaben oder Geb&#252;hren auf den Zugang zu Online-Angeboten erhoben werden. Die Internetprovider sollen einen neutralen, anbieterunabh&#228;ngigen und diskriminierungsfreien Zugang zu Online-Angeboten sicherstellen.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>Begr&#252;ndung und Erl&#228;uterung der Petition f&#252;r einen offenen, abgaben- und diskriminierungsfreien Zugang zu Online-Angeboten:</em></p>
<p style="padding-left: 30px;">&#8220;Das Internet ist das freiheitlichste und effizienteste Informations- und Kommunikationsforum der Welt&#8221;, hei&#223;t es im aktuellen Koalitionsvertrag. Das Internet ist zu einem unverzichtbaren Universalmedium des demokratischen Austauschs und der &#246;ffentlichen sowie privaten Meinungsbildung geworden. Es ist nicht nur ein Kommunikationsraum des Konsums, sondern zugleich des Ausdrucks und der Teilhabe. Der Zugang zu diesem demokratischen Kommunikationsraum sollte daher frei von der Geb&#252;hren- oder Abgabenh&#252;rden sein.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Zugleich sollen die Internetprovider in diesem Kommunikationsraum alle Online-Angebote neutral, anbieterunabh&#228;ngig und diskriminierungsfrei behandeln. Sie sollen nicht im Internet eine &#8220;&#220;berholspur&#8221; f&#252;r einzelne Anbieter errichten odere auf andere Weise bestimmte Anbieter diskriminieren. Sie sollen vielmehr den neutralen Charakter des Internets sicherstellen, der auch durch das neue EU-Telekom-Paket unterstrichen wird.</p>
<p>Hier der vollst&#228;ndige Text einer angestrebten Erg&#228;nzung des Telemediengesetzes:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Der Deutsche Bundestag m&#246;ge folgende Erg&#228;nzung des Telemediengesetzes (TMG) beschlie&#223;en:</p>
<p style="padding-left: 30px;">§ 2a TMG Abgaben- und diskriminierungsfreier Zugang zu Telemedien</p>
<p style="padding-left: 30px;">(1) F&#252;r die Vermittlung des Zugangs zur Nutzung von Telemedien sowie f&#252;r die &#220;bermittlung von Telemedien in Kommunikationsnetzen werden keine Abgaben, Geb&#252;hren oder Beitr&#228;ge erhoben. Unber&#252;hrt von Satz 1 bleibt die Erhebung allgemeiner Steuern.</p>
<p style="padding-left: 30px;">(2) Die Vermittlung des Zugangs zur Nutzung von Telemedien sowie die &#220;bermittlung von Telemedien &#252;ber Kommunikationsnetze m&#252;ssen neutral, diskriminierungsfrei und anbieterunabh&#228;ngig erfolgen. Unbeschadet von Satz 1 bleiben notwendige technische Ma&#223;nahmen zur Sicherstellung der Funktionsf&#228;higkeit von Kommunikationsnetzen.</p>
<p>Erg&#228;nzung in der Gesetzesbegr&#252;ndung:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Die Bestimmung von § 2a TMG dient der Freiheit des Zugangs zu Telemedien sowie der Erhaltung des offenen und neutralen Charakters des Internets. Das Recht der Anbieter von Telemedien, Inhalte kostenpflichtig anzubieten, bleibt unber&#252;hrt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">
<p style="text-align: center;"><a href="https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=9149"><img class="aligncenter size-full wp-image-22170" title="Zur Petition" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/mitzeichnen.png" alt="Zur Petition" width="214" height="60" /></a></p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span>
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			</a>
		</div>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/21374/petition-fur-einen-offenen-abgaben-und-diskriminierungsfreien-zugang-zu-online-angeboten/">Online-Petition f&#252;r Neutralit&#228;t und Geb&#252;hrenfreiheit des Internets</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/21374/petition-fur-einen-offenen-abgaben-und-diskriminierungsfreien-zugang-zu-online-angeboten/#comments">23 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21374&amp;md5=2079e42dfd5cb95e8bff5e10b8a00978" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Internet-Manifest: Das Internet ist anders.</title>
		<link>http://carta.info/14428/internet-manifest-das-internet-ist-anders/</link>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 09:55:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Bitte Mitzeichnen: 17 Thesen zu den neuen Austauschverh&#228;ltnissen im Internet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nachdem in letzter Zeit doch viel Halbrichtiges &#252;ber das Internet gesagt worden ist, ist es Zeit f&#252;r eine Klarstellung: Tradition ist kein Gesch&#228;ftsmodell. Die alte Medienordnung wird sich dem neuen Medium nicht &#252;berst&#252;lpen lassen. Es geht vielmehr darum, die neuen Austauschverh&#228;ltnisse im Netz zum gemeinsamen Nutzen zu gestalten. F&#252;r den gesellschaftlichen Austausch ist das Netz den Massenmedien des 20. Jahrhunderts &#252;berlegen. Seine offene Architektur gilt es unbedingt zu sch&#252;tzen.</p>
<p>Daher hat sich ein Autorenteam zusammengefunden, diese Ans&#228;tze in einem Internet-Manifest zusammenzufassen. Dazu geh&#246;rten auch die Carta-Autoren <a href="http://carta.info/autor/wolfgang_michal/">Wolfgang Michal</a> und <a href="http://carta.info/autor/robin_meyer-lucht/">Robin Meyer-Lucht</a>.</p>
<p>Wir finden, die Arbeit hat sich gelohnt.</p>
<p>Man kann das  Manifest unterst&#252;tzen, indem man es <a href="http://www.internet-manifest.de">hier</a> mitzeichnet.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<h2><a href="http://www.internet-manifest.de"></a></h2>
<p><a href="http://www.internet-manifest.de" target="_blank"><strong><span style="font-size: 120%;">Internet-Manifest</span></strong></a></p>
<p><strong>Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.</strong></p>
<p><strong>1. Das Internet ist anders.</strong></p>
<p>Es schafft andere &#214;ffentlichkeiten, andere Austauschverh&#228;ltnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien m&#252;ssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realit&#228;t anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bek&#228;mpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verf&#252;gung stehenden Technik den bestm&#246;glichen Journalismus zu entwickeln &#8211; das schlie&#223;t neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.</p>
<p><strong>2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.</strong></p>
<p>Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es &#252;berwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Ver&#246;ffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverst&#228;ndnis des Journalismus wird seiner Schl&#252;ssellochfunktion beraubt &#8211; zum Gl&#252;ck. Es bleibt nur die journalistische Qualit&#228;t, die Journalismus von blo&#223;er Ver&#246;ffentlichung unterscheidet.</p>
<p><strong>3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.</strong></p>
<p>F&#252;r die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt geh&#246;ren Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverst&#228;ndlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienh&#228;user weiter existieren wollen, m&#252;ssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu geh&#246;ren die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuh&#246;ren und Reagieren, auch bekannt als Dialog.</p>
<p><strong>4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.</strong></p>
<p>Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen ver&#228;ndert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gef&#228;hrden den freien Austausch von Informationen und besch&#228;digen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.<br />
<strong><br />
5. Das Internet ist der Sieg der Information.</strong></p>
<p>Bisher ordneten, erzwungen durch die unzul&#228;ngliche Technologie, Institutionen wie Medienh&#228;user, Forschungsstellen oder &#246;ffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder B&#252;rger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, w&#228;hrend Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschlie&#223;en. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.</p>
<p><strong>6. Das Internet <span style="text-decoration: line-through;">ver&#228;ndert</span> verbessert den Journalismus.</strong></p>
<p>Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu geh&#246;rt die Darstellung der Information als sich st&#228;ndig ver&#228;ndernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unver&#228;nderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Aussch&#246;pfen der neuen M&#246;glichkeiten.</p>
<p><strong>7. Das Netz verlangt Vernetzung.</strong></p>
<p>Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schlie&#223;t sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch f&#252;r die Online-Auftritte klassischer Medienh&#228;user.</p>
<p><strong>8. Links lohnen, Zitate zieren.</strong></p>
<p>Suchmaschinen und Aggregatoren f&#246;rdern den Qualit&#228;tsjournalismus: Sie erh&#246;hen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten &#214;ffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – erm&#246;glichen &#252;berhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt sch&#252;tzenswert.</p>
<p><strong>9. Das Internet ist der neue Ort f&#252;r den politschen Diskurs.</strong></p>
<p>Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die &#220;berf&#252;hrung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der &#214;ffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.</p>
<p><strong>10. Die neue Pressefreiheit hei&#223;t Meinungsfreiheit.</strong></p>
<p>Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht f&#252;r Berufsst&#228;nde oder technisch tradierte Gesch&#228;ftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit f&#252;r jeden gelten, der zur Erf&#252;llung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.</p>
<p><strong>11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.</strong></p>
<p>Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut un&#252;berpr&#252;fter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklop&#228;disten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit f&#252;hren &#8211; sowohl f&#252;r den Einzelnen wie auch f&#252;r die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts ge&#228;ndert.<br />
<strong><br />
12. Tradition ist kein Gesch&#228;ftsmodell.<br />
</strong><br />
Mit journalistischen Inhalten l&#228;sst sich im Internet Geld verdienen. Daf&#252;r gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Gesch&#228;ftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten L&#246;sungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielf&#228;ltige Umsetzung zu investieren</p>
<p><strong>13. Im Internet wird das Urheberrecht zur B&#252;rgerpflicht.</strong></p>
<p>Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, &#252;ber Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, &#252;berholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschlie&#223;en. Eigentum verpflichtet.<br />
<strong><br />
14. Das Internet kennt viele W&#228;hrungen.</strong></p>
<p>Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit f&#252;r Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuh&#246;rers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang geh&#246;rt seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien f&#252;r Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.</p>
<p><strong>15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.</strong></p>
<p>Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online m&#252;ssen Texte, T&#246;ne und Bilder nicht mehr fl&#252;chtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitber&#252;cksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.<br />
<strong><br />
16. Qualit&#228;t bleibt die wichtigste Qualit&#228;t.</strong></p>
<p>Das Internet entlarvt gleichf&#246;rmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubw&#252;rdig und besonders ist. Die Anspr&#252;che der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erf&#252;llen und seinen oft formulierten Grunds&#228;tzen treu bleiben.<br />
<strong><br />
17. Alle f&#252;r alle.</strong></p>
<p>Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts &#252;berlegene Infrastruktur f&#252;r den gesellschaftlichen Austausch dar: Die &#8220;Generation Wikipedia&#8221; wei&#223; im Zweifel die Glaubw&#252;rdigkeit einer Quelle abzusch&#228;tzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu &#252;berpr&#252;fen und zu gewichten – f&#252;r sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesd&#252;nkel und ohne den Willen, diese F&#228;higkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es m&#246;glich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuh&#246;rer oder Zuschauer nannte &#8211; und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.</p>
<p><em>Internet, 07.09.2009</em></p>
<p><em>Markus Beckedahl, <a href="http://www.netzpolitik.org/">http://www.netzpolitik.org/</a><br />
</em> <em>Mercedes Bunz, <a href="http://www.mercedes-bunz.de/">http://www.mercedes-bunz.de/</a><br />
</em> <em> Julius Endert, <a href="http://www.blinkenlichten.com/">http://www.blinkenlichten.com/</a><br />
</em> <em> Johnny Haeusler, <a href="http://www.spreeblick.com/">http://www.spreeblick.com/</a><br />
Thomas Kn&#252;wer, <a href="http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/">http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/</a><br />
Sascha Lobo, <a href="http://www.saschalobo.com/">http://www.saschalobo.com/</a><br />
Robin Meyer-Lucht, <a href="http://www.berlin-institute.de/">http://www.berlin-institute.de/</a></em><em><br />
Wolfgang Michal, <a href="http://www.autoren-reporter.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=23&amp;Itemid=66">http://www.autoren-reporter.de/</a><br />
</em> <em> Stefan Niggemeier, <a href="http://www.stefan-niggemeier.de">http://www.stefan-niggemeier.de</a><br />
</em><em>Kathrin Passig, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Passig">http://de.wikipedia.org/wiki/Kathrin_Passig</a><br />
</em> <em> Janko R&#246;ttgers, <a href="http://www.lowpass.cc/">http://www.lowpass.cc/</a></em><em><br />
Peter Schink, <a href="http://www.peter-schink.de/">http://www.peter-schink.de/</a></em><em><br />
Mario Sixtus, <a href="http://www.elektrischer-reporter.de/">http://www.elektrischer-reporter.de/</a></em><em><br />
Peter Stawowy, <a href="http://www.xing.com/profile/Peter_Stawowy">http://www.xing.com/profile/Peter_Stawowy</a></em><em><br />
Fiete Stegers,</em><em> <a href="http://www.netzjournalismus.de/">http://www.netzjournalismus.de/</a></em></p>
<p><em>CC-BY</em> <em> <a href="http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/ ">http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/de/ </a></em>
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		<title>YouTube vs. GEMAismus: Das Revival des General Ludd</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Apr 2009 16:41:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Copyright  ist nicht f&#252;r ein digitales Zeitalter und eine gigantische Kopiermaschine wie das Internet erdacht worden. Wer Gerechtigkeit will, braucht, wie zu Ludds Zeiten, nicht weniger Maschinen, sondern eine Diskussion &#252;ber die Verantwortung der Besitzer und der Verteilung des Mehrwerts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/5d984ac3bbc1e816ddf2b1ab9b8925" alt="" width="1" height="1" /><br />
<em>Macht kaputt was Euch kaputt macht!</em>“ Nichts ist schlimmer als das Gef&#252;hl, &#252;berfl&#252;ssig oder v&#246;llig machtlos zu sein. Am schlimmsten ist wahrscheinlich die Mischung aus beidem. Das dachte sich auch Ned Ludd, als er 1779 in einem Werk nahe Leicester zwei <strong>industrielle N&#228;hnadeln</strong> zerbrach. Eine Maschine drohte vor 230 Jahren die Arbeitspl&#228;tze von ihm und seinen N&#228;her Kollegen abzuschaffen. Seine Reaktion: siehe oben. Das war sicher befreiend, aber auch nicht wirklich klug: Er tobte sich an der Wirkung, jedoch nicht an der Ursache aus…<br />
<strong><br />
Nicht die Maschinen waren das Problem der industriellen Revolution, sondern die Tatsache, dass der von ihnen geschaffene Mehrwert nicht umverteilt wurde.</strong> Die Luddisten, waren Populisten, die den Dingen nicht auf den Grund gingen. Die Maschinenst&#252;rmer wurden deshalb auch nie von den Sozialisten und Kommunisten als fr&#252;he Revolution&#228;re gefeiert, sondern gingen als eine Art Hooligan Bewegung in die Geschichte ein. Sie landeten entweder zwangsverschifft in Australien oder verloren wie Ned Ludd ihren Kopf.</p>
<p>Lediglich in der Popkultur, immer auch offen f&#252;r einfache, emotionale L&#246;sungen, hielt man ihnen die Treue: die zu recht vergessenen Chumbawamba sangen von „<em>General Ludd’s Triumph</em>“ und die engagierten, aber nicht wirklich tiefgr&#252;ndigen New Modell Army texteten in „White Coast“: „<em>Toast to the Luddite martyrs then / who died in vain</em>&#8221; und im Internet platzierten ab Ende der Neunziger Firmen im Auftrag der Majors korrupte Soundfiles in Tauschb&#246;rsen um diese kaputt zu machen.</p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 370px"><img style="border: 0pt none; margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" src="http://www.motor.de/ressources/bilder/galerie/Youtube_DW_Wirtscha_193293g.jpg" border="0" alt="" width="360" height="240" align="center" /><p class="wp-caption-text">Wer die Maschinen nicht st&#252;rmen und die Inhalte nicht besch&#228;digen will, braucht legale Angebote</p></div>
<p>Das Problem ist jedoch das gleiche wie vor hunderten von Jahren:<strong> Man kann so viele Maschinen zerst&#246;ren oder sabotieren wie man will, wenn diese im Sinne von Produktion oder Konsumption Sinn machen, kommen immer wieder neue. </strong>Selbst im Recht sein und Recht bekommen hilft da nicht weiter: Richterin Marylin Patel hat auf Basis von Gesetz und Ordnung Napster vor neun Jahren den Hahn abgedreht und damit nur den Boom neuer, nicht mehr servergest&#252;tzter Peer to Peer Plattformen eingel&#228;utet. Die GEMA hat zu Recht die <a href="http://www.motor.de/news/1218211;youtube_schaltet_musikvideos_wegen_streit_mit_der_gema_ab.html">Verhandlungen abgebrochen</a>, wenn YouTube ihnen keine Einzeldaten zu Videoclips zu liefern bereit ist, aber <strong>damit nur den Traffic f&#252;r Videostreams auf Anbieter umgeleitet, die die Urheber gar nicht erst zu verg&#252;ten versuchen</strong>.</p>
<p>Genauso wie der selbsternannte General Ludd als Maschinenst&#252;rmer zu kurz gesprungen ist, wird in Sachen Urheber- und Leistungsschutzrecht meist nicht der Ursache des Problems auf den Grund gegangen. Die Idee von Arbeit im ausgehenden Achtzehnten Jahrhundert sah die Ballung von Produktionsmitteln in den H&#228;nden weniger nicht vor (und f&#252;hrte deshalb erstmal zur Verarmung vieler), <strong>das Copyright wiederum ist nicht f&#252;r ein digitales Zeitalter und eine gigantische Kopiermaschine wie das Internet erdacht worden</strong>. Wer Gerechtigkeit will, braucht, wie zu Ludds Zeiten, nicht weniger Maschinen, sondern eine Diskussion &#252;ber die Verantwortung der Besitzer und der Verteilung des Mehrwerts.</p>
<p>Es hilft deshalb nicht, immer wieder neue Verbote zu verlangen, die in Wirklichkeit nur zu neuen Umgehungen selbiger f&#252;hren w&#252;rden, sondern es muss Aufgabe von Politik und Internet Service Providern sein, zusammen mit den Rechteinhabern Modelle zu entwickeln, die einerseits zur Verg&#252;tung der kreativen Leistung und andererseits zur Steigerung des Nutzwerts f&#252;r den User f&#252;hren.</p>
<p>Im Klartext: <strong>Wer die Maschinen nicht st&#252;rmen und die Inhalte nicht besch&#228;digen will</strong>, braucht legale Angebote die mindestens so gut wie Bittorent sind und muss sich auch der Diskussion &#252;ber eine Kulturflatrate stellen. Nat&#252;rlich ist verbieten und zerst&#246;ren einfacher, aber eben nicht nachhaltiger wie uns Ned Ludd bewiesen hat.</p>
<p>Tim Renner blogt auch auf <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/das_revival_von_general_ludd.html">Motor.de</a>.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7883&amp;md5=a1f06d4db4599408c7854a2995e81d70" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Digitale Kulturindustrie: Marek Lieberbergs planloser Kreuzzug gegen das Internet</title>
		<link>http://carta.info/7145/digitale-kulturindustrie-lieberberg-kreuzug-internet-urheberrecht/</link>
		<comments>http://carta.info/7145/digitale-kulturindustrie-lieberberg-kreuzug-internet-urheberrecht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 29 Mar 2009 18:46:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat einen Text geschrieben, der vor Generalisierungen und Vereinfachungen nur so strotzt. Kernthese: Das Internet enteigne die gesamte Kreativbranche. Lieberberg versucht so unter dem Banner "Entrechtung"  eine kulturpolitische Allianz gegen das Internet zu bilden. Das Ergebnis sind plumpe Netz-Ressentiments.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/c8bd9909c905705f51fa499e4485c4" alt="" width="1" height="1" /><br />
Es geh&#246;rt zu den miesen Tricks der Politik, Ursache-Wirkungs-Prinzipien weitr&#228;umig zu generalisieren, um leicht vermittelbare Feindbilder zu schaffen. So m&#252;ssen derzeit einige tausend Boni-B&#228;nker herhalten, um den gesamten Manager-Berufsstand f&#252;r gierig, minderbegabt und ohnehin schuld an der Krise zu erkl&#228;ren.</p>
<p>Wenn solche Muster als Kern aller populistischen Politik gelten k&#246;nnen, dann ist Marek Lieberberg (<a href="http://www.parkavenue.de/asset/Image/persoenlichkeiten/08_07/juedische_society/fotogalerie/marek_lieberberg.jpg">Foto</a>) ein populistischer Kulturpolitiker. Er hat f&#252;r die Wochenend-Beilage der S&#252;ddeutschen Zeitung einen Text mit dem Titel &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/351385/637/2820647/Das-wollt-ihr-ni-cht-wirkli-ch.html">Das wollt ihr nicht wirklich</a>&#8221; geschrieben, der vor Generalisierungen und <strong>unterkomplexen Feindbildern</strong> nur so strotzt.</p>
<p>Lieberbergs Kernthese: <strong>Das Internet enteigne die gesamte Kulturindustrie</strong>. Es zersetze das einst so bl&#252;hende &#8220;Eco-System von Autoren, Journalisten, Musikern und Schauspielern, Dichtern und Denkern&#8221;. Schuld sei der &#8220;z&#252;gellose Raubbau&#8221; durch den &#8220;willk&#252;rlichen, ungehinderten und kostenlosen Zugriff auf alle geistigen Inhalte&#8221;. Es drohe die Machtergreifung der narzistischen &#8220;Web-Zombies&#8221;.</p>
<p>Unverkennbar: Der &#8220;K&#252;nstlervater&#8221; (SZ &#252;ber Lieberberg) r&#252;hrt in seiner Exegese die Urheberrechtsprobleme der Musikindustrie, die Refinanzierungskrise des Journalismus, die Debatte um Open Access und Google Book Search (mehr <a href="http://www.perlentaucher.de/artikel/5347.html">hier</a> und <a href="http://immateriblog.de/?p=431">hier</a>) reichlich oberfl&#228;chlich zusammen, um unter dem Banner &#8220;Enteignung&#8221; eine <strong>kulturpolitische Allianz gegen das Internet </strong>zu bilden.</p>
<div id="attachment_7161" class="wp-caption alignleft" style="width: 223px"><a href="http://www.sueddeutsche.de/351385/637/2820647/Das-wollt-ihr-ni-cht-wirkli-ch.html"><img class="size-medium wp-image-7161" title="bild-22" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-22-213x300.png" alt="asdfasdfasdf" width="213" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Lieberberg in der S&#252;ddeutschen Zeitung: &quot;frech, wie man Zeitungen &#252;ber den Tisch ziehen kann.&quot;</p></div>
<p>Dabei haben gerade etwa Musikindustrie und Zeitungsverlage <strong>v&#246;llig unterschiedliche Probleme</strong> mit dem Internet. Lieberberg macht daraus dennoch eins.</p>
<p>Die Musikindustrie hat tats&#228;chlich ein riesiges Urheberrechtsproblem, mit dem sie von der Politik bislang erstaunlich allein gelassen wurde. Zugleich aber zeigte sich die Branche bislang extrem unflexibel darin, ihr technologisch veraltetes Gesch&#228;ftsmodell im neuen Medienumfeld neu zu erfinden, wie Tim Renner <a href="http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/">sehr pointiert ausgef&#252;hrt hat</a>.</p>
<p>Auch Lieberberg sah das vor vier Jahren in einem <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/271/374081/text/">Interview </a>mit der S&#252;ddeutschen Zeitung noch &#228;hnlich: &#8220;Die Musikindustrie geht heute nicht nur an mangelnder Kreativit&#228;t zugrunde, sondern vor allem an ihren autorit&#228;ren Strukturen und ihrem <strong>planwirtschaftlichen Kontrollwahn</strong>&#8220;.</p>
<p>Inzwischen hat Lieberberg es sich augenscheinlich anders &#252;berlegt und macht im Vorfeld eines <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_23394/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2009/01/2009-01-21-bkm-branchenhearing.html">Hearings des Bundeswirtschaftsministeriums zur Musikwirtschaft</a> Anfang Mai, auf dem er selbst sprechen wird, Entrechtung und Enteignung zum Kernproblem der Musik- und kurzerhand der gesamten Kreativwirtschaft. Einer Branche, der es zuletzt auch an unternehmerischer Fantasie mangelte, soll folglich nun die Regierung verst&#228;rkt helfen.</p>
<p>Dabei ist sich Lieberberg nicht zu schade, mit weitr&#228;umiger Geste auch die Verlage zu Opferl&#228;mmern des Internets zu erkl&#228;ren. Dabei vermengt er problemlos werbefinanzierte Nachrichtensites mit file sharing, frei zug&#228;ngliche Inhalte mit Urheberrechtsverletzungen. Die <strong>Zeitungsverlage</strong> w&#252;rden, so Lieberberg mit ihren &#8220;Gratis-Internetangeboten <strong>Selbstmord</strong> begehen&#8221;. Sie sollten stattdessen endlich einen Obulus f&#252;r jeden redaktionellen Beitrag verlangen.</p>
<p>Doch wie Lieberberg selbst schreibt, hat sich die Zeitungsindustrie selbst f&#252;r diesen Ansatz entschieden. Sie hat im Kern kein Urheberrechtsproblem, sondern ein Problem mit der verst&#228;rkten Wettbewerbsdynamik des Internets (mehr <a href="http://netzwertig.com/2009/03/26/die-maer-von-der-generation-kostenlos/">hier</a>).</p>
<p>Doch Lieberberg ereifert sich weiter und ist sich nicht zu schade, in seiner verkleisterten Argumentation nun auch noch den Perlentaucher frontal anzugreifen:</p>
<blockquote><p>Die Website perlentaucher wirft die gesamte feuilletonistische Print-Tagesausbeute<strong> </strong>auf den Markt, nat&#252;rlich kostenlos; und nicht nur, dass der<strong> </strong>Staat<strong> </strong>hier nicht eingreift, er f&#246;rderte die &#220;bersetzung dieser &#8220;Auswertungen&#8221; ins Englische auch noch jahrelang durch die bundeseigene Kulturstiftung: frech, wie man Zeitungen, die eigentlich Anspruch auf Urheberrechte haben, &#252;ber den Tisch ziehen kann.</p></blockquote>
<p>Lieberberg hat leicht erkennbar weder die Funktion des Perlentauchers noch die des Rechtsstaats verstanden: Denn niemand behauptet, dass der Perlentaucher mit seiner Feuilleton-Rundschau Urheberrechte verletzen w&#252;rde, nicht einmal die betroffenen Zeitungen selbst. Und wenn dies so w&#228;re, dann w&#228;re dies eine Aufgabe der Gerichte nicht des Staates. Sp&#228;testens an dieser Stelle fragt man sich, ob nicht eine gr&#252;ndlichere Pr&#252;fung des Textes durch die Redaktion der S&#252;ddeutschen Zeitung w&#252;nschenswert gewesen w&#228;re.</p>
<p>Um gleich noch alle im Netz zu beleidigen, die nicht eindeutig zur klassischen Kulturindustrie geh&#246;ren, bezeichnet Lieberberg anschlie&#223;end Blogger als &#8220;Heerscharen von Narzissen&#8221; (er meint nat&#252;rlich Narzissten) und &#8220;Web-Zombies&#8221;, die &#8220;mit Intoleranz, Borniertheit und Vorurteilen eine Hausmeistershow mit ganz schneller Meinung&#8221; verbreiten.</p>
<p>Die Vorteile des Internets? Lieberberg kennt offenbar keine. Der Musik-Multimillion&#228;r hat im Netz augenscheinlich die Orientierung verloren. Und macht jetzt alle au&#223;er sich selbst f&#252;r seine Orientierungslosigkeit verantwortlich.</p>
<p>Nicht die Politik macht sich gerade schuldig, wie Lieberberg in seinem Furor meint, sondern er sich selbst: Indem er strukturkonservative Blindheit und plumpe Netz-Ressentiments zur Norm erhebt.</p>
<p>Disclosure: Robin Meyer-Lucht hat &#252;ber Jahre f&#252;r den Perlentaucher geschrieben.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		</div>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7145&amp;md5=8587f5b4075abaaf02d1d879c1f29d7a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Schickler-Berater Kahlmann: &#8220;Kostenpflichtiger Universaljournalismus verliert an Bedeutung&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/6592/alexander-kahlmann-schickler-kostenpflichtiger-universaljournalismus/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2009 18:55:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Schickler-Berater Alexander Kahlmann fand auf einem Hearing der Bundesregierung zur Pressewirtschaft klare Worte: "Kostenpflichtiger Universaljournalismus" werde zunehmend von kostenlosen, zielgruppenaffinen Angeboten verdr&#228;ngt. Das Kernproblem der Verlage seien nicht ihre hohen Kosten, sondern die mangelnde Flexibilit&#228;t in ihrem Denken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/c39f656fc2a677b0d1ca52885914f4" alt="" width="1" height="1" /><br />
Eine Branche gibt es nicht, bevor man sie nicht erfunden und begrifflich verpackt hat. Vor etwas mehr als f&#252;nf Jahren propagierte der diskurst&#252;chtige US-Professor Richard Florida Begriffe wie &#8220;Kreative Klasse&#8221; und  &#8220;<a href="http://www.bundestag.de/dasparlament/2006/34-35/beilage/002.html">Creative Industries</a>&#8220;, und betonte ihre steigende &#246;konomische Bedeutung. Mit einigen Jahren Verz&#246;gerung sind Floridas Konzepte nun mitten in der deutschen Politik angekommen. Es gibt nicht nur einen <a href="http://carta.info/5945/mediendebatte-im-bundestag/">Medienbericht</a> der Bundesregierung, sondern auch einen ausf&#252;hrlichen <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Branchenfokus/kultur-kreativwirtschaft,did=291140.html"><strong>Bericht zur Kultur- und Kreativwirtschaft</strong></a>. &#8220;Created in Germany&#8221; sei eine heimliche Erfolgsbranche, erkl&#228;rt das Bundeswirtschaftsministerium.</p>
<p>Im Zuge der &#8220;<a href="Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft">Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft</a>&#8221; h&#246;ren Bundeswirtschaftsministerium und Kulturstaatsminister derzeit die verschiedenen Segmente der Kreativbranchen zu ihren W&#252;nschen, N&#246;ten und Regulierungsvorschl&#228;gen an. Rundfunk, Werbung, Computerspiele, Architektur, Design und Schauspiel waren schon dran. <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen,did=294278.html">Am Montag der vergangenen Woche</a> traf man sich im Literaturhaus in M&#252;nchen zu den Belangen der Pressebranche.</p>
<p>Kenner der Szenerie erkl&#228;ren mir: Genauso funktionieren politische Prozesse. Es ist entscheidend, dass ein Ministerium sich &#246;ffentlich sichtbar die Zeit nimmt, einer Branche &#246;ffentlich zuzuh&#246;ren. Entsprechend sei die Inszenierung eines solchen Hearings mindestens ebenso wichtig, wie das konkret Besprochene. Das Ministerium zeigt: Ihr seid uns wichtig. <strong>Wir h&#246;ren Euch zu</strong>. Nur politische Hei&#223;sporne w&#252;rden nicht verstehen, dass Gesetzesvorhaben genau so <strong>&#252;ber Jahre</strong> vorbereitet w&#252;rden.</p>
<p>Zu den Rednern des Hearing geh&#246;rte unter anderem Hans-J&#252;rgen Jakobs, Chefredakteur von S&#252;ddeutsche.de, der erkl&#228;rte: &#8220;Wir machen mit sueddeutsche.de Gewinn und genau deshalb k&#246;nnen wir auf der Site auch nicht alles machen.&#8221; Jakobs lobte so den vorsichtigen Kaufmann im Chefredakteur, der teure Video-Pl&#228;ne vorerst vertagt. Sehr zu beachten war auch die Antwort, die Burda-Manager <a href="http://marcellomedia.blogs.com/mrb/">Marcel Reichart</a> auf die Frage nach zuk&#252;nftigen Gesch&#228;ftsmodellen f&#252;r den Journalismus gab: Reichart lobte sein Frauen-Netzwerk <a href="http://www.glam.de/">Glam</a>, das vielen &#8220;Publishern&#8221; auch in Deutschland schon ein kleines Auskommen sichere. Aha,<strong> Journalisten werden also zu Publishern</strong>. Diese Vision mag im Kern richtig sein. So plakativ ist sie einem aber auch noch nicht begegnet.</p>
<div id="attachment_6848" class="wp-caption aligncenter" style="width: 483px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/kahlmann.png"><img class="size-full wp-image-6848" title="kahlmann" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/kahlmann.png" alt="asdfasdf" width="473" height="304" /></a><p class="wp-caption-text">Alexander Kahlmann: Print-Ums&#228;tze zehn Mal h&#246;her als im Internet</p></div>
<p>Zu den Vorz&#252;gen eines Branchenhearings geh&#246;rt, dass dort auch Personen auftreten, die nicht unbedingt zum <strong>klassischen Medienkonferenz-Inventar</strong> geh&#246;ren. So erkl&#228;rte etwa auch Alexander Kahlmann, Partner bei der aus <a href="http://www.derwesten.de/blogs/mediengruppe/stories/4370/">WAZ-Zusammenh&#228;ngen</a> bekannten Unternehmensberatung <strong><a href="http://www.schickler.de/deutsch/">Schickler</a></strong>, freim&#252;tig, wie sich f&#252;r ihn die Lage darstellt. Carta dokumentiert hier Kahlmanns Vortrag in sechs Thesen:</p>
<p>1. Die Trends in Leser- und Anzeigenm&#228;rkten lassen die langfristigen Aussichten f&#252;r Printmedien &#8220;<strong>skeptisch</strong>&#8221; erscheinen.</p>
<p>2. <strong>Der kostenpflichtige Universaljournalismus verliert an Bedeutung: Kostenlose und zielgruppenaffine Angebote sind die neuen Reichweitentreiber.</strong></p>
<p>3. Die Ums&#228;tze im Print-Gesch&#228;ft leiden unter einer sich stetig weiter &#246;ffnenden Brutto-Netto-Schere im Anzeigenmarkt und dem Druck, erfolgsbasierte Abrechnungsmodelle zu akzeptieren.</p>
<p>4. Die Online-Ums&#228;tze der Nachrichtensites bleiben deutlich hinter den Zeitungsums&#228;tzen zur&#252;ck. Bei Print-Produkten liege der Umsatz<strong> mindestens zehn Mal h&#246;her </strong>als bei vergleichbaren Online-Angeboten.</p>
<p>5. Online-Portale stellen nur eine von mehreren Diversifikationsstrategien dar: Die Verlage sollten aus ihrer <strong>Service-Kompetenz</strong> heraus neue Gesch&#228;ftsfelder entwickeln.</p>
<p>6. <strong>Das Kernproblem der Verlage sind nicht ihre hohen Kosten, sondern ihre Inflexibilit&#228;t in den Strukturen und den K&#246;pfen</strong>.</p>
<p>Nat&#252;rlich sind flexible Berater f&#252;r mehr Flexibilit&#228;t. Und nat&#252;rlich schlie&#223;t Flexibilit&#228;t f&#252;r Kahlmann die Option auf <a href="http://www.tagesspiegel.de/medien-news/WAZ%3Bart15532,2659901">Personalabbau</a> mit ein. Dies ist als Kontext zu beachten.</p>
<p>Dennoch: Kahlmanns Thesen sind eine besonnen kalkulierte Zusammenschau dessen, was betriebswirtschaftlich die Medienunternehmen derzeit durchsch&#252;ttelt. Und selbstredend sind viele der alten Medienunternehmen viel zu tr&#228;ge. Das kann man nicht h&#228;ufig genug sagen. Wir dokumentieren hier Kahlmanns Charts daher noch einmal:</p>
<div id="__ss_1164614" style="width: 425px; text-align: left;"><object width="425" height="355" data="http://static.slideshare.net/swf/ssplayer2.swf?doc=schicklerprsentationbranchenhearing2009-03-16-090318143411-phpapp02&amp;stripped_title=schickler-prsentation-branchenhearing-pressewirtschaft-hosted-by-cartainfo" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slideshare.net/swf/ssplayer2.swf?doc=schicklerprsentationbranchenhearing2009-03-16-090318143411-phpapp02&amp;stripped_title=schickler-prsentation-branchenhearing-pressewirtschaft-hosted-by-cartainfo" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></div>
<p>Die Kahlmann-Pr&#228;sentation kann auch <a href="http://www.slideshare.net/cartablog/schickler-prsentation-branchenhearing-pressewirtschaft-hosted-by-cartainfo">hier</a> angeschaut und eingebunden werden.</p>
<p>Zum Wechsel der Perspektive <a href="http://www.slideshare.net/cartablog/spielkampprsentation-auf-dem-presshearing-hosted-by-cartainfo">hier</a> auch die Pr&#228;sentation von <a href="http://immateriblog.de/">Matthias Spielkamp</a> zu den wachsenden Problemen der freien Journalisten.</p>
<p>Ich bin gespannt auf Reaktionen.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6592&amp;md5=88c33afbc844e67222d6cc19d7b105ae" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schon gemerkt? Internet macht gl&#252;cklich</title>
		<link>http://carta.info/6693/internet-macht-gluecklich/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Mar 2009 12:59:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Studie]]></category>

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		<description><![CDATA[Digitale Avantgardisten sind mit ihrem Leben zufriedener als andere. Das hat Thomas Hess von der Universit&#228;t M&#252;nchen in einer Studie f&#252;r die Deutsche Telekom herausgefunden. Auch wenn Ursache und Wirkung hier unklar bleiben, zeigt die Studie doch, wer hier lustvoll die Internetentwicklung treibt: die Nutzer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/ba3c7408ca05146f4c91649aa96d16" alt="" width="1" height="1" /><br />
Seien wir ehrlich: Studien sind zu einer klebrigen Technik interessenvermittelter &#246;ffentlicher Thematisierung geworden. Studien verbinden die Aura einer (halb)wissenschaftlichen Betrachtung mit dem Versprechen gesellschaftlicher Selbstvergewisserung und dem zumeist berechtigten Tendenzverdacht in Richtung Auftraggeber. Aber: Studien muss man genau deshalb lesen. Und manchmal sind sie sogar erhellend und lustig.</p>
<p>Die Studie &#8220;<a href="http://www.studie-life.de/">Life &#8211; Digitales Leben</a>&#8221; zum Beispiel, die bereits Ende Februar erschienen ist (<a href="http://www.medienhandbuch.de/news/telekom-veroeffentlicht-life-digitales-leben-studie-21676.html">mehr hier</a>). Sie wurde vom M&#252;nchner Wirtschaftsinformatik-Professor <a href="http://www.wim.bwl.uni-muenchen.de/personen/professoren/hess/index.html">Thomas Hess</a> im Auftrag der Deutschen Telekom erstellt. Sie basiert auf der repr&#228;sentativen Befragung von rund 5000 Internetnutzern in Deutschland. In der Einleitung hei&#223;t es: &#8220;Die Welt ist voller Hypothesen, wenn es um die Digitalisierung und Vernetzung des Lebens geht.&#8221; Ziel der Studie sei es, einige dieser Hypothesen zu pr&#252;fen. Das tut sie auch. Zugleich stellt sie eine <strong>h&#252;bsche neue Hypothese</strong> auf, um die es hier gehen soll.</p>
<p>Zun&#228;chst einmal unterteilt Hess die Internetnutzer in drei Gruppen: Die Digitale Avantgarde, den Digitalen Mainstream und die Digitalen Nachz&#252;gler (vgl. Abbildung 1): Die &#8220;Digitale Avantgarde&#8221; lebt hoch vernetzt, hat das Internet fest in ihren privaten und beruflichen Alltag integriert und m&#246;chte auf ihren &#8220;digitalen Lebensstil&#8221; nicht mehr verzichten. In Deutschland w&#252;rden 19 Prozent der Onliner zu dieser Gruppe geh&#246;ren. Die Digitalen Avantgardisten haben ein Durchschnittsalter von 34 Jahren, sind zu 58 Prozent m&#228;nnlich, gut gebildet und h&#228;ufig auch noch in Ausbildung oder Studium.</p>
<p>Demgegen&#252;ber lebe der &#8220;Digitale Mainstream&#8221; nur &#8220;selektiv vernetzt&#8221;. Hier geh&#246;rt die Nutzung von digitalen Medien zwar schon zum Alltag, man ist aber noch kein Experte. Bei den &#8220;Digitalen Nachz&#252;glern&#8221; schlie&#223;lich ist das Netz &#8220;noch nicht g&#228;nzlich allt&#228;glich&#8221;. Die digitalen Nachz&#252;gler bilden mit einem Durchschnittsalter von 53 Jahren das &#228;lteste Segment. Sie sind &#252;berdurchschnittlich h&#228;ufig verheiratet, leben h&#228;ufig in Zwei-Personen-Haushalten; auch Rentner sind hier &#252;berrepr&#228;sentiert.</p>
<div id="attachment_6695" class="wp-caption aligncenter" style="width: 404px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-71.png"><img class="size-full wp-image-6695" style="border: 1px solid black;" title="bild-71" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-71.png" alt="bild-71" width="394" height="320" /></a><p class="wp-caption-text">Abbildung 1: Die Segmente der &quot;Internetbev&#246;lkerung&quot; (Quelle: Life - Digitales Leben, S. 12)</p></div>
<p style="text-align: left;">Die Segmentierung in die drei Gruppen ist zun&#228;chst einmal dazu geeignet, sich vor Augen zu f&#252;hren, dass immerhin (aber auch eben auch nur) ein F&#252;nftel der Internetnutzer hierzulande als echte Online-Euphoriker zu gelten haben.</p>
<p style="text-align: left;">Die eigentliche Pointe der Segmentierung  findet sich im Fazit der Studie und ist, soweit ich das &#252;bersehen kann, bisher noch gar nicht aufgegriffen worden: <strong>Die Digitale Avantgarde ist n&#228;mlich laut Untersuchung deutlich zufriedener mit ihrem Leben</strong>. Der Aussage „Alles in allem gesehen, bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden“ stimmen 81 Prozent der Digitalen Avantgarde zu oder voll und ganz zu, w&#228;hrend dies in den anderen Gruppen statistisch signifikant weniger der Fall ist (siehe Abbildung 2).</p>
<div id="attachment_6697" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-9.png"><img class="size-full wp-image-6697" style="border: 1px solid black;" title="bild-9" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-9.png" alt="bild-9" width="600" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Abbildung 2: Macht Vernetzung gl&#252;cklich? (Quelle: Life - Digitales Leben, S. 50)</p></div>
<p>Selbstverst&#228;ndlich l&#228;sst sich aus dieser linearen Beziehung zwischen Vernetzung und Lebenszufriedenheit kein Kausalzusammenhang folgern. Doch Studienautor Thomas Hess gibt sich mild euphorisch: &#8220;Obwohl die Lebenszufriedenheit von mehreren Faktoren abh&#228;ngig ist, und obwohl auf Grund der Erhebungen keine Aussagen &#252;ber das Ursache-Wirkungs-Verh&#228;ltnis gemacht werden k&#246;nnen, lassen die deutlichen und statistisch signifikanten Unterschiede in der Lebenszufriedenheit der Konsumentengruppen <strong>die These zu, dass die wahrgenommene Lebensqualit&#228;t mit der Teilhabe an Digitalisierung und Vernetzung zusammenh&#228;ngt</strong>.&#8221;</p>
<p>Die noch nicht ganz bewiesene These lautet also: Internet macht gl&#252;cklich, oder zumindest zufrieden.</p>
<p>Wahrscheinlich haben in diesem Spiel andere Einflussfaktoren, wie Lebensalter, Einkommen oder Bildung einen starken Einfluss. Der Zusammenhang k&#246;nnte auch genau anders herum ausgepr&#228;gt sein: Wer zufrieden, jung und gut gebildet ist, wird sich auch eher dem Internet zuwenden.</p>
<p>Dennoch: Der Zusammenhang fasziniert. Weil ich selbst finde, dass &#8211; bei aller &#220;berw&#228;ltigung angesichts der F&#252;lle und Komplexit&#228;t &#8211; das Internet meine Lebensqualit&#228;t erheblich steigert. Und weil ich auch an Leute wie Don Dahlmann denken muss, der so gerne erkl&#228;rt, <a href="http://medienlese.com/2009/02/03/offene-antwort-vom-glueck-eines-freien-journalisten/">wie gl&#252;cklich</a> er mit dem Internet ist.</p>
<p>Vor allem aber scheinen die Zahlen auch nahezulegen: Es ist vor allem der Nutzer, der ins Internet dr&#228;ngt und sich damit schrittweise von seiner alten Medienwelt der interaktionsfreien Massenproduktion verabschiedet. Viele Medienunternehmen haben weit weniger Spa&#223; mit dem Netz. <strong>Die Durchsetzung des Internets ist leidenschafts- und nutzergetrieben</strong> &#8211; eine zugegebenerma&#223;en recht freih&#228;ndige, aber nicht abwegige Interpretation der Ergebnisse.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/bild-10.png"><br />
</a><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */-->
</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6693&amp;md5=2e761688ebb25393427d4da2862963eb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tim Renner: &#8220;Die Journalismuswirtschaft ist im Netz genauso hilflos wie die Musikindustrie&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2009 23:06:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;r Tim Renner ist klar: Die Journalismusindustrie wiederholt derzeit die Fehler der Musikindustrie im Internet. Sie klammert sich vergeblich an ihre alten Gesch&#228;ftsmodelle und &#246;ffnet sich der Digitalisierung nicht konsequent: Ein "Rennersches Gesetz" und ein Video-Interview.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/969eb09bcdc9903d3be8871250efbe" alt="" width="1" height="1" /><br />
Fr&#252;her schon hat Tim Renner einmal <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,444685,00.html">geschrieben</a>: &#8220;Mit der Digitalisierung verh&#228;lt es sich wie mit dem Wasser: sie sucht sich ihren Weg. Auch wenn man versucht, die Nutzung zu verhindern oder zu erschweren. Egal, ob mit preislichen oder rechtlichen Instrumenten, man wird den Fortschritt in der Kommunikation und Distribution durch Digitalisierung nicht stoppen k&#246;nnen.&#8221;</p>
<p>Am vergangenen Mittwoch war Renner, das &#8220;Perpetuum Mobile der deutschen Musikwelt&#8221; (<a href="http://www.intro.de/news/newsfeatures/23006803/die_deutschland-wg_motor_radio_bald_in_berlin">Intro</a>), zum &#8220;<a href="http://medienpolitik.eu/cms/index.php?idcatside=62">medienpolitischen Colloquium</a>&#8221; ins Institut f&#252;r Medienpolitik (<a href="http://medienpolitik.eu/">IfM</a>) gekommen, um seine Thesen zur Digitalisierung und Medienindustrie zu aktualisieren. Am Ende der eineinhalbst&#252;ndigen Diskussion stand dann tats&#228;chlich so etwas, was man als <strong>Rennersches Gesetz</strong> bezeichnen k&#246;nnte (analog zum nun allerdings nicht mehr brauchbaren <a href="http://www.philhist.uni-augsburg.de/de/lehrstuehle/geschichte/didaktik/weltgeschichte/grundlagen/rieplsche_gesetz.html">Rieplschen Gestetz</a>): Es besagt kurz gesagt: Kein Zweig der Medienindustrie wird den Wechsel vom analogen zum digitalen Medientr&#228;ger vollziehen, ohne dabei nicht auch sein Gesch&#228;ftsmodell zu wechseln (siehe These 1).</p>
<p>Insgesamt l&#228;sst sich Renners souver&#228;ner (yip!) und thesenstarker Auftritt in folgenden acht Punkten zusammenfassen:</p>
<p><strong>1. Der Wechsel vom analogen zum digitalen Medientr&#228;ger bringt immer auch einen Wechsel des Gesch&#228;ftsmodells mit sich.</strong></p>
<p>2. Kein Zweig der Medienindustrie sollte den Fehler machen, die <strong>Vorteile der analogen Medientr&#228;ger</strong> zu &#252;bersch&#228;tzen. Dies hat die Musikindustrie getan. Und dem gleichen Irrtum erliegen derzeit noch Zeitungs- und Buchindustrie.</p>
<p>3. Die Akteure der alten Medienindustrie werden immer versuchen, ihr bislang profitables Gesch&#228;ftsmodell weitgehend 1:1 auf das neue Medium zu &#252;bertragen. Dies wird aber nicht funktionieren. Sie werden von neuen Akteuren bedr&#228;ngt, die gerne auf neue, dem neuen Umfeld noch angemessenere Gesch&#228;ftsmodelle setzen, weil sie selbst noch keines haben.</p>
<p>4. Die Manager der Medienindustrien erfassen den Medienwandel vor allem auch deshalb nicht emotional, weil sie nicht in der Technikwelt der Nutzer ihrer Inhalte leben. Genau um solch ein emotionales Verst&#228;ndnis geht es aber.</p>
<p>5. Die Musikindustrie nutzt das Internet bis heute aus Selbstblockade der Majors nicht konsequent.</p>
<p>6. Das Urheberrecht wird erst dann vermittel- und durchsetzbar sein, wenn es legale Alternativen gibt, die den gleichen Angebotsumfang wie die illegalen Angebote haben. Derzeit sind die legalen Angebote aber schlechter als die illegalen, weil sie die Inhalte sp&#228;ter und nicht im gesamten Katalog anbieten.</p>
<p>7. Die Journalismusindustrie begeht derzeit die gleichen Fehler wie die Musikindustrie im Netz: Sie erkennt nicht, dass sie ihr Gesch&#228;ftsmodell radikal ver&#228;ndern muss. Sie nutzt das Netz nicht konsequent, ist zaghaft statt offensiv.</p>
<p>8. Verwertungsgesellschaften allein versprechen keine gerechte und akzeptable L&#246;sung der Gesch&#228;ftsmodell-Misere: &#8220;In einem Land, das von VG Wort und Gema regiert wird, m&#246;chte ich nicht leben.&#8221;</p>
<p>Fraglos, mit diesen Thesen Renners bleiben viele Fragen unbeantwortet, w&#228;hrend andere immerhin aufgeworfen werden. So wollte etwa Romanus Otte, stellvertretender Chefredakteur der <em>Welt</em>, von Tim Renner wissen, ob durch das netzbedingte Ende der &#8220;Symbiose aus Journalismus und Werbung&#8221; von nun an nicht dauerhaft weniger Geld f&#252;r Journalismus zur Verf&#252;gung stehe. Die Antwort, die Renner nicht so recht geben wollte, die wir aber gerne nachreichen, lautet: h&#246;chstwahrscheinlich ja.</p>
<p>Tags zuvor gab Renner uns ein Interview, in dem er betonte, wie sehr ihn die Hilflosigkeit der Journalismusindustrie an das Verhalten der Musikindustrie im Netz erinnere. Hier das siebenmin&#252;tige Video:</p>
<p><object width="400" height="300" data="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=3384798&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=3384798&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" /></object><br />
<a href="http://vimeo.com/3384798">Tim Renner: &#8220;Die Printwirtschaft steckt in der gleichen Hilflosigkeit wie die Musikindustrie&#8221;</a> from <a href="http://vimeo.com/user1191984">Carta</a>.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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<a href="http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/">Tim Renner: &#8220;Die Journalismuswirtschaft ist im Netz genauso hilflos wie die Musikindustrie&#8221;</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/#comments">38 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=5738&amp;md5=1c5449fd2bed07bedca49bc1fd4c1f5e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Bundesregierung: Die 16 Tendenzen der Digitalisierung</title>
		<link>http://carta.info/3368/bundesregierung-medienbericht-digitalisierung/</link>
		<comments>http://carta.info/3368/bundesregierung-medienbericht-digitalisierung/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 19:11:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeder wichtige Gesellschaftsbereich hat seinen eigenen Bericht der Bundesregierung. Und so wurde am Mittwoch passend zur galoppierenden Konvergenz - und dem damit stark gestiegenen Politikinteresse - erneut ein Medienbericht der Bundesregierung ver&#246;ffentlicht. Der vorherige Band stammt aus dem Jahr 1998. Der nun ver&#246;ffenttliche Bericht sollte eigentlich schon 2005 erscheinen - verz&#246;gerte sich aber durch den vorzeitigen Regierungswechsel um volle drei Jahre.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/68fc7a58e5720dede78ee10eb10731" alt="" width="1" height="1" />Der <a href=" http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2008/12/2008-12-17-bkm-medienbericht.html">Medienbericht</a> soll Kernpunkte des politischen Handlungsbedarfs identifizieren. Er ist sozusagen Vorfeldforschung f&#252;r konkrete Medienpolitik und Thematisierungsapparat f&#252;r die Ministerien. Er soll verstanden werden als die explizit politische Bewertung der Bundesregierung des Medienwandels. Der Bericht bilanziert die wichtigsten Tendenzen der Digitalisierung in 16 Punkten &#8211; eine in ihrer Gewichtung und Tonalit&#228;t lesenswerte Sammlung, die Carta hier in gek&#252;rzter Form dokumentiert (vollst&#228;ndiger Bericht <a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2008/12/Anlagen/2008-12-17-medienbericht-teil1,property=publicationFile.pdf">hier</a>; Hervorhebungen: Carta):</p>
<p><strong>Die 16 Tendenzen der Digitalisierung</strong><br />
<strong></strong></p>
<ul>
<li> Neue Kommunikationsm&#246;glichkeiten und Freiheitsr&#228;ume</li>
</ul>
<p>Die Digitalisierung hat die Menge der zur Verf&#252;gung stehenden Informationen und Quellen in einem bislang unvorstellbaren Ausma&#223; vervielf&#228;ltigt und diese zugleich leicht zug&#228;nglich gemacht. Dies er&#246;ffnet f&#252;r Individuen und Gesellschaft Dimensionen der Kommunikation, die im analogen Zeitalter unvorstellbar waren.</p>
<ul>
<li> Neue Kommunikationsformen und Verwischung der Grenze zwischen Individual- und Massenkommunikation</li>
</ul>
<p>Die Digitalisierung hebt das f&#252;r das analoge Zeitalter typische „Sender-Empf&#228;nger-Schema&#8221; aus den Angeln. Die Mediennutzer sind nicht mehr auf die blo&#223;e Rolle als Rezipienten bzw. Konsumenten vorgefertigter Angebote festgelegt. <em>Es ist fortan nicht mehr das Privileg von Verlagsunternehmen und Sendern, allein Themen zu setzen und mit Angeboten zu unterlegen.<br />
</em><br />
<strong>3. Verspartung der Medienangebote, Ausdifferenzierung der Publika, Nutzergruppen, Nutzerinteressen und Tendenz zur Entfremdung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen</strong><br />
Der Nutzer stellt sich in vielen Bereichen „sein&#8221; Programm selbst zusammen und kann sich so tendenziell von vorgegebenen Inhalten und Rezeptionsroutinen emanzipieren. Dies f&#246;rdert die Informationsfreiheit, weil Angebotsf&#252;lle und -breite wachsen k&#246;nnen. Allerdings geht damit auch eine zunehmende Zersplitterung und Spezialisierung der Nutzerinteressen und Publika einher. <em>Dies hat</em> <em>die Wahrnehmung und Bedeutung massenkommunikativ ausgerichteter Informations- und Kulturangebote geschw&#228;cht</em>.</p>
<p><strong>4. Von Nutzern selbst produzierte Inhalte („user generated content&#8221;) konkurrieren mit professionell gestalteten Angeboten</strong><br />
Laien treten bewusst in Konkurrenz zu professionellen Journalisten bzw. unternehmensabh&#228;ngigen Redaktionen und Medienmachern.</p>
<p><strong>5. Entwertung von Inhalten, sinkende Aufmerksamkeit und Gratismentalit&#228;t der Mediennutzer</strong><br />
<em>Quantitatives Wachstum, bei allerdings zunehmender Gleichf&#246;rmigkeit der Medieninhalte</em>, uneingeschr&#228;nkter Zugriff auf beliebige Inhalte, steigende Konkurrenz von Medienangeboten und Endger&#228;ten um die begrenzten Medienbudgets der Nutzer und &#8211; in weitem Umfang auch illegale &#8211; digitale Kopierm&#246;glichkeiten der Nutzer sowie der per saldo steigende Medienkonsum haben Wert und Aufmerksamkeit f&#252;r einzelne Inhalte bei den Nutzern gesenkt. Auch ist weiterhin nur eine geringe Bereitschaft der Nutzer festzustellen, f&#252;r Medieninhalte zu bezahlen.</p>
<p><strong>6. Herausbildung neuer „Meta-Medien&#8221; und „Gatekeeper&#8221;</strong><br />
Das onlinegest&#252;tzte Medienangebot ist angesichts seiner F&#252;lle und Un&#252;bersichtlichkeit de facto nur mit Hilfe spezieller Suchmaschinen erschlie&#223;bar. Diese werden damit nicht nur zu neuen, <em>im analogen Zeitalter unbekannten Verwaltern von Nutzungsprozessen</em> und -gewohnheiten, sondern spielen auch eine ganz entscheidende inhaltliche Rolle, indem sie nach vorgegebenen Algorithmen Suchergebnisse auswerfen und damit das Rezeptionsverhalten der Nutzer tief greifend beeinflussen.</p>
<p><strong>7. Anonymisierung der Kommunikation</strong><br />
Die onlinegest&#252;tzte Individual- und Massenkommunikation vollzieht sich &#8211; anders als in der analogen Welt &#8211; weitgehend anonym. Der Umstand, dass die Menschen im Dialog damit nicht mehr „ihr Gesicht zeigen&#8221; m&#252;ssen, um wahrgenommen zu werden, f&#252;hrt zwar einerseits zu einer erfreulich freien und offenen Kommunikation. Andererseits ver&#228;ndern sich Inhalte und Form der Kommunikation aber auch negativ. Denn in Weblogs, Chatrooms und sonstigen Internetforen <em>werden zunehmend Beitr&#228;ge ver&#246;ffentlicht, die verleumderisch sind oder in ihrer Form Respekt gegen&#252;ber anderen Menschen vermissen lassen</em>.</p>
<p><strong> 8. Enormer Zuwachs des Medieneinflusses auf Individuum, Gesellschaft und Politik</strong><br />
Aufgrund eines &#8211; letztlich technisch bedingten &#8211; hohen quantitativen Wachstums der Medienangebote und eines per saldo steigenden Medienkonsums <em>haben die Medien ihren Einfluss auf das Denken und Handeln der Menschen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen signifikant gesteigert</em>. Die Anforderungen an das Individuum sind im Hinblick auf die F&#228;higkeit zur Selektion von Informationen und zur Meinungsbildung enorm gestiegen.</p>
<p><strong>9. Extreme Beschleunigung des Medienbetriebs</strong><br />
Durch den technischen Fortschritt der &#220;bertragungstechnik ist der Abstand zwischen Echt- und Berichtszeit kaum mehr bemerkbar. <em>Fundierte, abw&#228;gende und distanzierte Berichterstattung ist schwieriger im Markt zu platzieren als bisher. Das gilt besonders im Onlinebereich.</em></p>
<p><strong>10. Herausbildung neuer Leitmedien</strong><br />
Printmedien und Fernsehen werden zumindest bei jungen Menschen mehr und mehr aus ihrer traditionellen Rolle als Leitmedien verdr&#228;ngt. Netzgest&#252;tzte, interaktive und individuell abrufbare Angebote werden besonders für junge Nutzer zunehmend attraktiver und werden mitunter bereits intensiver genutzt als traditionelle Medienangebote. <em>Computerspiele übernehmen bei Kindern und Jugendlichen immer st&#228;rker eine identit&#228;tsstiftende Funktion und treten damit zur Musik und zum Film in Konkurrenz.</em></p>
<p><strong>11. Neue Wertsch&#246;pfungsketten und Unternehmensallianzen; Globalisierung und Konzentration in der Medienwirtschaft</strong><br />
Insbesondere die zunehmende Internationalisierung der Beteiligungsverh&#228;ltnisse hat die fr&#252;her stark national und regional gepr&#228;gte Medienwirtschaft strukturell grundlegend ver&#228;ndert. Die Neustrukturierung der Wertsch&#246;pfungsketten bringt „integrierte&#8221; Medienunternehmen hervor. Sie ist auch ein <em>wesentlicher Treibsatz f&#252;r die zunehmende Medienkonzentration</em>. Dennoch sind die M&#228;rkte f&#252;r die Inhalte kultur- und sprachbedingt im Schwerpunkt national und regional geblieben. Dies gilt f&#252;r klassische Medien ebenso wie für Onlineangebote.</p>
<p><strong>12. &#214;konomisierung der Medien</strong><br />
<em>Im Vordergrund der T&#228;tigkeit vieler Medienunternehmen stehen zunehmend nicht mehr bestimmte Inhalte und deren Qualit&#228;t, sondern der &#246;konomische Erfolg</em>. Hier spielen in erster Linie die besonders hohen Wachstumspotentiale und Gewinnerwartungen eine Rolle, die Investoren in der Digitalisierung der Medien und der Integration der Wertsch&#246;pfungsketten sehen. Zudem führt der durch die Digitalisierung bedingte gestiegene Kapitalbedarf der Medienunternehmen zunehmend zu Beteiligungen branchenfremder und rein &#246;konomisch orientierter Investoren <em>Dies wirkt dem klassischen Modell des eine bestimmte politische Haltung oder Weltanschauung verfolgenden „Tendenzmediums&#8221; entgegen.</em></p>
<p><strong>13. Von der Vielfalt zur Vervielf&#228;ltigung des Gleichen</strong><br />
Quantitatives Wachstum und &#214;konomisierung der Medien gehen im Bereich der Massenkommunikation mit einer zunehmenden Uniformierung und Verflachung der Inhalte in Richtung Unterhaltung und „Mainstream&#8221; einher. Die inhaltliche Vielfalt des Medienangebots ist damit latent gef&#228;hrdet.</p>
<p><strong>14. Entpersonalisierung und Anonymisierung der Medien</strong><br />
Standen bislang exponierte Verleger-, Journalisten- oder Intendantenpers&#246;nlichkeiten für die Identit&#228;t einzelner Medienangebote und -unternehmen, werden diese zunehmend durch Erbengemeinschaften, Holdings, Manager oder Finanzinvestoren ersetzt.</p>
<p><strong>15. Beeintr&#228;chtigung der Transparenz von Medienangeboten</strong></p>
<p>Insbesondere bei Online-Angeboten gehen redaktionell gestaltete Inhalte, private Meinungs&#228;u&#223;erungen und Werbung h&#228;ufig flie&#223;end ineinander &#252;ber (z.B. &#252;ber Verlinkungen oder als redaktionelle Beitr&#228;ge ausgegebene Public Relations), sodass die<em> Verantwortlichkeiten f&#252;r die Beitr&#228;ge f&#252;r den Nutzer nicht mehr durchschaubar </em>sind. Dies gilt insbesondere f&#252;r „user generated content&#8221; (z.B. Chats, Blogs oder Wikis), der zum Teil verdeckte Werbeplattformen darstellt oder indirekte bzw. <em>unterschwellige kommerzielle Kommunikation</em> enth&#228;lt.</p>
<p><strong>16. Neue Sicherheitsfragen durch elektronische Individual- und Massenkommunikation</strong><br />
Der Bedarf an Sicherheit und Vertrauen sowie Transparenz insbesondere der Onlinenutzer ist proportional zu den Gefahren in diesem Bereich (strafbare und jugendgef&#228;hrdende Inhalte, technische Risiken, z. B. durch Hacker oder Phishing, Vertrauensw&#252;rdigkeit von „Metamedien&#8221; wie Suchmaschinen etc.) gestiegen.<em> Der Schutz der Privatsph&#228;re wird im digitalen Zeitalter vor v&#246;llig neuartige Herausforderungen gestellt.</em>
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		</item>
		<item>
		<title>Teil 3: Verlage zwischen Web 2.0, Vermarktung und „Krise“</title>
		<link>http://carta.info/3339/teil-3-telekommunikatives-selbstverstaendnis-als-loesungsansatz/</link>
		<comments>http://carta.info/3339/teil-3-telekommunikatives-selbstverstaendnis-als-loesungsansatz/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 16:54:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Krone</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Im ausklingenden Jahr 2008 nehmen fr&#252;here Prophezeiungen eines in sich verschmelzenden Mediensystems merklich Gestalt an. Was sich Ende des vergangenen Jahrhunderts prim&#228;r aus technischer aber auch aus wissenschaftlicher Perspektive als Mesomedien – solche, die weder zur reinen Individualkommunikation (Mikromedien) noch zu den Massenmedien (Megamedien) – formte, ist heute &#252;berwiegend durch das Internet aus Nutzer-, wie auch aus Unternehmensperspektive Alltagsrealit&#228;t (eine regulierungspolitische Perspektive soll hier unterschlagen werden). Diese gilt es ad&#228;quat zu bew&#228;ltigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0f2190c76bf99a78c164452652a919" alt="" width="1" height="1" />Die folgenden Teile werfen Licht wie Schatten auf deutsche Verlagskonzerne. Es ist zu beobachten, dass sich eine in 400 Jahren aufgebaute Professionalit&#228;t in einem sich zunehmend dezentralisierenden Kommunikationsraum schwertut. Es gelingt ihr bisher kaum, ihre Angebote Nutzern als auch Werbe- und Anzeigenkunden folgenreich zu vermitteln.</p>
<p><strong>Artikel-Serie von Jan Krone: <a href="http://carta.info/3001/verlage-zwischen-web-20-vermarktung-und-krise/">Teil 1</a>, <a href="http://carta.info/3222/meso-medien-ii/">Teil 2</a>, <a href="http://carta.info/3339/teil-3-telekommunikatives-selbstverstaendnis-als-loesungsansatz/">Teil 3</a></strong></p>
<p><strong>Teil 3: Telekommunikatives Selbstverst&#228;ndnis als L&#246;sungsansatz</strong></p>
<p>Eine L&#246;sung f&#252;r den ertragreichen Betrieb von sozialen Gemeinschaften schien die Werbevermarktung &#252;ber personalisierte Werbema&#223;nahmen zu sein. Man verf&#252;gt &#252;ber detailgenaue Individualprofile. Also her mit dem Direct-Marketing-Tool aus dem Megamedien-Vermarktungsbaukasten!</p>
<p>Doch was l&#228;sst sich mit ungeheuren wie teilweise <strong>schizophren anmutenden Datensammlungen</strong> anfangen, wenn diese auf ausgedachten Profilen von Mittdrei&#223;igern beruhen? Oder im Falle von „Studierenden“ auf der Erkenntnis, das diese jungen Menschen viermal in zwei Jahren ihre Wohnung samt Telefonnummer wechseln, bis sie endg&#252;ltig verloren gehen? Es bleibt ein enormer Ressourcen-Aufwand mit insgesamt nicht zufriedenstellenden Ergebnissen.</p>
<p>Die Lust von der Genese m&#246;glichst expliziter soziodemographischer Information auf dieser Ebene des Internets basiert schlicht auf einer falschen Grundannahme. <strong>Direct-Marketing</strong> ist in diesem Bereich nicht nur &#252;berfl&#252;ssig, es kann sogar kontraproduktiv aus der Initiatoren-Perspektive, also marken-sch&#228;dlich sein.</p>
<p>Der Ansatz aus der Telekommunikation, die Kernerl&#246;se aus dem reinen Zugang (oder Flat, Dauer, Volumen etc.) zu erwirtschaften, ist f&#252;r Massenmedien mehrheitlich unwichtiger, geht dadurch doch Reichweite und damit die Aussicht auf optimale Werbeausbeute verloren (klassisch spielen Einzelverkauf und Abonnementerl&#246;se eine untergeordnete Rolle und reichen in den seltensten F&#228;llen zur ausreichend befriedigenden Refinanzierung der Angebotserstellung).</p>
<p>Hier gilt es sich einerseits an dem Bed&#252;rfnis der interpersonalen Kommunikation von Individuen zu orientieren, die ihre Kommunikationsinhalte frei und hochgradig oszillierend pflegen und anderseits daran, dass je spezieller der Kommunikationsraum, desto h&#246;her auch die Bereitschaft ist, f&#252;r den <strong>Zugang </strong>Entgelte zu entrichten.</p>
<p>Verfolgen nun also die Verlage die Entwicklung des individualkommunikativen Begriffs „privater Raum“<strong> </strong>in unterschiedlichen Generationen wird man feststellen k&#246;nnen, dass sich dieser als dynamisch altersabh&#228;ngig erweist. <strong>Nutzer-kontrollierter privater Raum</strong> in Verbindung gebracht mit Annahmebereitschaft von unnachgefragter Werbung er&#246;ffnet einerseits die Perspektive der generellen, vielleicht auch durch mit Streuverlusten gekennzeichneten Werbeschaltungen als die am erfolgversprechendste Variante indirekter Refinanzierung.</p>
<p>Andererseits bedeutet „privater Raum“ eine Form von Werthaltigkeit, die unter/nach einer eigenen Nutzenpr&#252;fung des social community-users durchaus in die Entrichtung eines Entgelts zur Partizipation an einer Gemeinschaft, zum <strong>Eintritt in einen Club</strong>, m&#252;nden kann und es praktisch auch hunderttausendfach tut.</p>
<p>Die Bereitschaft seitens der Massenmedien aber, sich mit ihrem Publikum als Ganzes und nicht in Form von konsensual zwischen Medien und Werbewirtschaft konstruierten „repr&#228;sentativen“ Gruppen auseinanderzusetzen, darf nun ohnehin als, sagen wir einmal, umst&#228;ndlich angesehen werden. <strong>„Big Media“</strong>, das bedienen gro&#223;er Gruppen mit vorgefertigen Inhalten, ist zugleich Geheimnis und <strong>Hemmnis </strong>der Verlagsbranche wie die daraus abgeleitete Vermarktung.</p>
<p>Im Bereich sozialer Gemeinschaften ist dagegen ein „Verstehen“ des Publikums unabdingbar. Anders als in den Massenmedien &#252;blich, erfahren in dem Bereich der Individualkommunikation Begriffe wie Markenst&#228;rke und daraus folgend Markenbindung eine untergeordnete Bedeutung. Gilt eine social community als unschick oder nervig, wechselt man ohne Tr&#228;nen zu n&#228;chsten.</p>
<p>Ein <strong>Vertrauensgutcharakter</strong>, wie beispielsweise Tageszeitungstiteln mit konstanter, chronistischer Informationsqualit&#228;t und Themensetzungs-Funktion als Meinungsbildner zuweisbar, unterliegt bei Marken sozialer Gemeinschaften einer latenten <strong>Substitutionsgefahr</strong>.</p>
<p>Plattformen sozialer Gemeinschaften zeichnen sich durch grobe Orientierungsmerkmale f&#252;r Nutzer (Auto, Dating, Gesundheit, Mode, Region etc.) sowie durch die ad&#228;quate Bereitstellung von Kommunikationsr&#228;umen aus – nicht durch die Inhalte, f&#252;r die der Nutzer selber sorgt.</p>
<p>Dies ist eine <strong>Gesetzm&#228;&#223;igkeit aus dem Bereich der Telekommunikation</strong>, signifikant beobachtbar durch die Tarif- und Anbieterwechsel-Frequenz der Kunden im Verh&#228;ltnis zur Wechselbereitschaft von Medienmarken, insbesondere denen der Tageszeitungen.</p>
<p>So stellt sich die <strong>Mesomedien-Realit&#228;t </strong>&#252;berwiegend dar, beschr&#228;nkt man sie auf das &#246;ffentliche Mitmach-Netz: die Kombination und Auslese von angemessenen Strategien aus einem konvergenten Medienmarkt.</p>
<p>Es existierten aber auch junge, antizipative, einer Print-Professionalit&#228;t entsprechende Projekte in der deutschen Verlagswelt, sich auf diesen fremden medialen Oberfl&#228;chen zu positionieren. Genannt werden kann an dieser Stelle die <strong>Neue Osnabr&#252;cker Zeitung</strong>, die geradezu die K&#252;hnheit besa&#223;, eine eigene „Web 2.0-Plattform“, die <strong>OScommunity</strong> ins Leben zu rufen und nicht etwas zu erwerben, &#252;ber dessen basale Funktionsweisen man zu wenig wusste/wei&#223;.</p>
<p>Dieses regionale Kommunikationsforum wird nicht nur durch die Neue Osnabr&#252;cker Zeitung gepflegt, es w&#228;hlt auch nach besonderen Kriterien Beitr&#228;ge aus, die sodann &#252;ber die <strong>Community-Zeitschrift Blue</strong> in der Region ver&#246;ffentlicht werden. Diese Zeitschrift kann der Verlag dann wieder gem&#228;&#223; seiner &#252;berlieferten Professionalit&#228;t vermarkten, also neue und/oder alte Leser (wieder-)finden, Werbekunden die eigene Zukunftsf&#228;higkeit vorleben und damit als seri&#246;ser und nachhaltiger Partner erscheinen. Gleicherma&#223;en wird sukzessive die eigene Professionalit&#228;t im Umgang mit den Massenmedien generell fremden medialen Oberfl&#228;chen vorangetrieben.</p>
<p>Schenkt man abschlie&#223;end der weitestgehend als unverd&#228;chtig im Hinblick auf Interessen-Kollisonen geltenden <strong>BAT-Studie zur Online-Nutzung</strong> Beachtung, so ist entgegen anderer Erhebungen zu vermuten, dass es sich 2008 nur um einen geringen Teil der Bev&#246;lkerung handelt, die regelm&#228;&#223;ig oder sogar intensiv das Internet und damit auch social communities nutzt.</p>
<p>Das Jahr 2008 steht ergo f&#252;r den <strong>Beginn eines Medienwandels</strong> und damit schon heute zu beobachtenden Verschiebungen, Neuausrichtungen und Substitutionsprozessen. Strategische Halbherzigkeiten seitens der Megamedien haben weiterhin Gnadenfrist.
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<a href="http://carta.info/3339/teil-3-telekommunikatives-selbstverstaendnis-als-loesungsansatz/">Teil 3: Verlage zwischen Web 2.0, Vermarktung und „Krise“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/3339/teil-3-telekommunikatives-selbstverstaendnis-als-loesungsansatz/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3339&amp;md5=7bf085c38cbfaa0259aeb3dfdf7c96d6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Medienkrise 2008: die Tagespresse, das Netz und die deliberative &#214;ffentlichkeit</title>
		<link>http://carta.info/2477/neue-freiheit/</link>
		<comments>http://carta.info/2477/neue-freiheit/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2008 10:10:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die aktuelle Krise ist Katalysator dieses Medienwandels. Sie zeigt, dass die technologische Konfiguration, welche die klassischen Medien und ihren Journalismus hervorbrachte, sich ihrem Ende zuneigt. F&#252;r eine deliberative &#214;ffentlichkeit muss dies kein Nachteil sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/687385c2fc46f425d1ee51ea35e769" alt="" width="1" height="1" />Der Medienherbst 2008 &#228;hnelt auf Déjà-vu-verd&#228;chtige Weise dem des Jahres 2001: Verlage streichen Redaktionen zusammen, Werbem&#228;rkte brechen weg, Insolvenzen werden nicht mehr ausgeschlossen. In einem zentralen Punkt jedoch unterscheidet sich die derzeitige von der letzten Krise: Waren es 2001 die Online-Bereiche, bei denen r&#252;de gek&#252;rzt wurde, trifft es diesmal vor allem die gedruckten Seiten. Die Medienkrise 2.0 ist vor allem eine Krise der Printmedien.</p>
<p>Die bange Frage lautet: Haben wir es mit einem konjunkturellen oder einem strukturellen Einbruch zu tun? Werden gedruckte Medien dauerhaft geschw&#228;cht aus den erneuten &#246;konomischen Wirren hervorgehen? Und wenn ja, droht dadurch ein Verlust an demokratischer &#214;ffentlichkeit?</p>
<p>Das Grundmuster der derzeitigen &#220;bergangskrise hat der amerikanische Wissenschaftler Eli Noam bereits vor drei Jahren beschrieben: Die Medienindustrie ist eine typische Skalen-Industrie. Es werden gro&#223;e Publikationseinheiten ben&#246;tigt, um die hohen Fixkosten zu finanzieren. Entwickelt sich jedoch eine neue Technologie, die neue Zug&#228;nge erm&#246;glicht, ist es mit der Stabilit&#228;t der gro&#223;en Einheiten rasch vorbei. In solchen Phasen bricht ein ruin&#246;ser Wettbewerb aus, die Preise fallen ins Bodenlose, Unternehmen kollabieren &#8211; bis sich schlie&#223;lich erneut eine konsolidierte Struktur der gro&#223;en Einheiten herausbildet.</p>
<p>In genau diesem Wellental befinden wir uns derzeit. Die gro&#223;en Einheiten der analogen Medienindustrie geraten angesichts erstarkender Online-Konkurrenz ins Wanken &#8211; und konkurrieren nun darum, wer in der neuen Struktur noch oben mit dabei sein wird. Dieser Prozess dauert l&#228;nger als eine Konjunkturkrise. Er begann vor dieser und er wird mit ihrem Ende nicht abgeschlossen sein. Die aktuelle Misere k&#246;nnte aber den entscheidenden Ausschlag geben.</p>
<p>Schleichend haben sich die Gro&#223;en des Internets zu echten Konkurrenten f&#252;r die klassischen Medien gemausert: Google erzielt hierzulande bereits einen h&#246;heren Umsatz und erreicht t&#228;glich mehr 14- bis 64-J&#228;hrige als RTL. Spiegel Online erreicht in dieser Altersgruppe t&#228;glich mehr Leser als die S&#252;ddeutsche Zeitung. F&#252;r RTL und die S&#252;ddeutsche kann dies in Zeiten forcierten Wettbewerbs nicht folgenlos bleiben.</p>
<p>Die Printmedien haben im Wettbewerb mit dem Internet ein doppeltes, n&#228;mlich ein Kosten- und ein Kulturproblem. Auf der einen Seite ist es horrend teuer, Tageszeitungen drucken und vertreiben zu lassen. Internetseiten kann man dagegen zu einem Bruchteil der Kosten verbreiten. Der allgemeine Nachrichtenjournalismus wird damit zum Gratisprodukt. Einen weiteren Nachteil bekommen die Printmedien nun auch im Anzeigenmarkt zu sp&#252;ren. Es f&#228;llt ihnen zunehmend schwer, ihre auch technisch bedingt h&#246;heren Anzeigenpreise durchzusetzen.</p>
<p>Noch bedrohlicher aber f&#252;r die alten Medienindustrien ist der Wandel der Informationskulturen durch das Internet. Die Menschen informieren sich online verst&#228;rkt anlass- und ereignisgetrieben. Die habituelle Nutzung von Publikationen nimmt ab. Die Nutzer reagieren auf die Informationsvielfalt mit einer Verengung ihres Interessenspektrums. Zugleich gewinnt das pers&#246;nliche Umfeld als Ursprung von Informationen an Bedeutung: Nachrichten lesen &#252;ber Leute, die man kennt &#8211; das betrifft dank sozialer Netzwerke zunehmend direkte Freunde und seltener Massenmedienprominente.</p>
<p>Aufgrund des Kostendrucks und des Kulturwandels ist der Trend von den klassischen Medien weg hin zum Internet unumkehrbar. Dabei ist zu bedenken, dass diese Entwicklung vor allem auch von Endkunden vorangetrieben wird. Es ist die Zivilgesellschaft, die sich immer h&#228;ufiger entscheidet, dass das Netz ihr Informationsbed&#252;rfnis besser, effizienter und interessanter abdeckt als die klassischen Medien. Der Medienwandel gehorcht zwar auch einer abstrakten kapitalistischen Logik &#8211; zugleich aber dem Dr&#228;ngen der Nutzer.</p>
<p>Die aktuelle Krise ist Katalysator dieses Medienwandels. Sie zeigt, dass die technologische Konfiguration, welche die klassischen Medien und ihren Journalismus hervorbrachte, sich ihrem Ende zuneigt. Mit den Tageszeitungen droht dabei ein zentraler Teil bundesrepublikanischer &#214;ffentlichkeitskultur verloren zu gehen. In der jungen deutschen Demokratiegeschichte gab es immer Tageszeitungen &#8211; Printmassenmedien und diskursive &#214;ffentlichkeit lassen sich kaum noch getrennt denken. Im Gegenteil: Die Qualit&#228;tstitel der Tagespresse gelten vielen als beinahe ideale Inkarnation einer deliberativen &#214;ffentlichkeit. Der Status Quo des Tageszeitungswesen ger&#228;t so zum normativen Fixpunkt, von dem ab sich alle Online-Entwicklung als Verlustgeschichte manifestiert.</p>
<p>Diesem normativen Kurzschluss sollte man jedoch auf keinen Fall erliegen. Er ist nicht nur ahistorisch: In der Zeit ihrer massenhaften Durchsetzung galten Tageszeitungen selbstverst&#228;ndlich auch als Indikatoren eines oberfl&#228;chlich-populistisches Impulses von zweifelhafter Wertigkeit. Ein solcher Schluss droht sich vor allem zu einer wenig f&#246;rderlichen Selbstblockade auszuwachsen. Dabei zeigt die neutrale Betrachtung: Das Internet ist die &#252;ber weite Teile klar &#252;berlegene Technologie zur Verbreitung journalistischer Inhalte und zur Herausbildung einer deliberativen &#214;ffentlichkeit. Als zugangsoffener, universaler, vernetzter und kosteng&#252;nstiger Medientr&#228;ger vermag es Diskurse und Positionen viel besser und in h&#246;herer Komplexit&#228;t abzubilden, als es das klassische Mediensystem je vermochte. Dass letzteres vor allem auch vermachtet ist, h&#228;ufig mutlos, unoriginell, &#252;berheblich und absurd ineffizient, wird in der Debatte gerne verdr&#228;ngt.</p>
<p>Das Internet mag als Kommunikationsraum noch immer be&#228;ngstigend chaotisch und fragmentiert wirken. Stellvertretend f&#252;r so viele erkennt auch J&#252;rgen Habermas hier nur zersplitterte &#8220;Zufalls&#8221;-&#214;ffentlichkeiten, denen es an Synthesemechanismen fehlt. Er hat dabei wom&#246;glich sogar zu einem erheblichen Teil Recht. Eine solche Position aber verkennt den Charakter der &#220;bergangssituation und die Zeichen einer wachsenden Strukturierung.</p>
<p>Im Netz bildet sich langsam, aber in zunehmender Geschwindigkeit eine neue vernetzte Informations&#246;konomie von Journalismus und gesellschaftlicher Kommunikation heraus. In dieser neuen Konstellation spielen spezialisierte Angebote auf der einen und gro&#223;e Aggregatoren auf der anderen Seite eine entscheidende Rolle. &#214;ffentlichkeit entsteht in einer neuen Verschaltung von Publikationen und Filtern.</p>
<p>Wie genau die neuen digitalen Austauschverh&#228;ltnisse aussehen werden, ist noch immer kaum auszumachen. Der klassische Journalismus war um das Prinzip des Distributionsoligopols organisiert, das mit Hilfe berufsst&#228;ndischer Normen verwaltet wurde. Das Internet reist die um den Journalismus errichteten kulturellen W&#228;nde ein. An die Stelle tritt ein neues System von Selbstst&#228;ndigkeit und Selbst&#246;konomisierung.</p>
<p>Man ist als Journalist zunehmend auch daf&#252;r verantwortlich, dass die Abrufzahlen der eigenen Texte stimmen. Man k&#246;nnte auch sagen: Das System der Klick-&#214;konomie bricht in die journalistische Lebenswelt ein. Die neuen Freiheitsgrade m&#252;ssen durch neue kulturelle Verabredungen domestiziert werden. Hierzu bedarf es der gesellschaftlichen Auseinandersetzung &#8211; und letztlich auch all der Bedenkentr&#228;ger.</p>
<p>Was jetzt zu tun ist, ist unschwer zu erkennen. Selbst Habermas merkt an, man m&#252;sse die Voraussetzungen, auf die sich die pessimistische Diagnose in Sachen Internet st&#252;tzt, noch einmal in Ruhe pr&#252;fen. Es sei schlie&#223;lich nicht ausgemacht, dass eine deliberative &#214;ffentlichkeit zwingend eine klassisch massenmediale sein m&#252;sse. Und aus &#246;konomischer Sicht stellte Eli Noam schon vor drei Jahren in Aussicht: Den Verlagen bleibt nichts anderes &#252;brig, als sich auf eine papierlose Zukunft vorzubereiten.</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien im Original in der Wochenzeitung <a href="http://www.freitag.de/2008/49/08490601.php">Freitag</a> in der Ausgabe vom 5.12.2008.</em>
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		<title>Broadcast Yourself, Hollywood!</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Nov 2008 11:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Google hat das Hollywood Traditions-Filmstudio MGM &#252;berzeugt, Spielfilme aus ihrem Archiv auf Youtube einzustellen. Weitere Content-Kooperationen liegen nah: W&#228;hrend das "Broadcast Yourself"-Modell nach wie vor hohe Nutzerzahlen generiert, drohen ihm Content-Service-Anbieter wie NBC's Hulu.com in Sachen Profitabilit&#228;t langsam den Rang abzulaufen. mehr...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Google hat das Hollywood Traditions-Filmstudio MGM &#252;berzeugt, Spielfilme aus ihrem Archiv auf Youtube einzustellen. Weitere Content-Kooperationen liegen nah: W&#228;hrend das &#8220;Broadcast Yourself&#8221;-Modell nach wie vor hohe Nutzerzahlen generiert, drohen ihm Content-Service-Anbieter wie NBC&#8217;s Hulu.com in Sachen Profitabilit&#228;t langsam den Rang abzulaufen. <a href="http://news.cnet.com/feature-films-coming-to-youtube/?part=rss&amp;subj=news">mehr&#8230;</a>
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		<title>F&#252;r eine neue Poesie der Neugier: Das Web ver&#228;ndert den Journalismus – nicht nur online</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Nov 2008 19:41:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mercedes Bunz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Ruf des Online-Journalismus ist ein Desaster. Bei gestandenen Print-Journalisten hat er kein Renommee: Online-Journalismus liegt angeblich allein in den H&#228;nden von schlecht bezahlten und unerfahrenen Jungjournalisten, die haupts&#228;chlich Agenturmaterial verwursten, wenig an ihren Texten h&#228;ngen und kaum recherchieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="itemtext">
<p>Der Ruf des Online-Journalismus ist ein Desaster. Bei gestandenen Print-Journalisten hat er kein Renommee: Online-Journalismus wird angeblich nur von schlecht bezahlten und unerfahrenen Jungjournalisten betrieben, die haupts&#228;chlich <strong>Agenturmaterial verwursten</strong>, wenig an ihren Texten h&#228;ngen und kaum recherchieren w&#252;rden. Eine Boulevardisierung des Journalismus, verursacht durch „<a href="http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/04417.pdf">Klicks, Quoten und Reizw&#246;rter</a>“, stehe bevor. Im Netz sei der Qualit&#228;tsjournalismus durch die hungrige Logik des Mediums nach schnellen, immer neuen Nachrichten <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/533/140237/">bedroht</a> (Schirrmacher 2007) und Blogger mit ihrem „loser generated content“ g&#228;ben dem Genre als „<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/computer/artikel/211/146869/">Idiotae</a>“ im „<a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/computer/artikel/211/146869/">Web 0.0</a>“ (Graff 2007) den Rest.</p>
<p>Auf eine skeptische Einsch&#228;tzung trifft man vom ehemaligen Chefredakteur des Stern, Hans-Ulrich Joerges, &#252;ber den Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, bis hin zum stellvertretenden Chefredakteur der S&#252;ddeutschen Online, Bernd Graff. Doch es lohnt sich genauer hinzuschauen. Denn tats&#228;chlich muss man sich fragen, ob das Web wirklich eine Gefahr f&#252;r den Journalismus darstellt oder ob man hier nicht dem Online-Journalismus Probleme in die digitalen Schuhe schiebt, die der Journalismus ganz allgemein hat. Denn die neuen Bedingungen des Journalismus treffen nicht nur auf das Schreiben im Web zu, sondern h&#228;ufig auf den Journalismus im Allgemeinen.</p>
<p><strong>Hoppla: Autor trifft Leser</strong></p>
<p>Die meisten Journalisten bevorzugen den Leser besser wissend zu informieren und sind wenig erfreut dar&#252;ber, wenn dieser Leser auf die Idee kommt, das ihm Zugesendete zu berichtigen, zu verbessern, den Journalisten auf einen Fehler hinzuweisen und ihn somit schlichtweg ebenso: zu informieren. Obwohl es diesen R&#252;ckkanal in Form von Leserbriefen oder Gegendarstellungen offline schon seit langem gibt, hat sich mit der M&#246;glichkeit des Kommentierens von Artikeln im Internet eine unmittelbarere N&#228;he zwischen Sender und Empf&#228;nger ergeben – eine N&#228;he, die auff&#228;llig gerne ignoriert wird. W&#228;hrend man den Leser als konkreten Empf&#228;nger entdeckt hat und nicht mehr in einen diffus abstrakten Raum namens „&#214;ffentlichkeit“ sendet, tut man sich mit den Antworten dieses Empf&#228;ngers allerdings noch schwer.</p>
<p>Redakteure und Autoren sind zwar interessiert daran, wie h&#228;ufig ihr Artikel gelesen wird; mit den Kommentaren unter ihren Artikeln setzen sie sich jedoch ungern auseinander. Fast k&#246;nnte man meinen, die Trennung von Leserbeitr&#228;gen und redaktionellen Inhalten sei im Journalismus genauso wichtig wie die Trennung von redaktionellen Inhalten und Anzeigen, so schlecht ist der Ruf des partizipatorischen Journalismus bzw. des User-Generated-Content. An ihm k&#246;nnen sich die &#196;ngste des Faches vor einem Journalismus ohne Journalisten hervorragend aufbauschen, auch wenn man ehrlich sagen muss: Nicht einmal mehr die Verleger tr&#228;umen den Traum von unbezahlten Inhalten ihrer User. Mittlerweile hat man begriffen, dass eine gut funktionierende Community jemanden braucht, <a href="http://www.ojr.org/ojr/stories/080403niles/">der diese Community pflegt</a> (Niles 2008). Inhalte, die vom Leser kommen und ver&#246;ffentlicht werden sollen, schaffen also Arbeit und damit Arbeitspl&#228;tze (Rusbridger 2007). Sie m&#252;ssen gegengelesen, beantwortet und betreut werden.</p>
<p><strong>Der Journalismus transformiert sich damit vom Produkt zum Prozess:</strong> Der Journalist initiiert im Netz eine Debatte, die er auch weiterhin beeinflusst, er produziert nicht mehr einfach nur ein St&#252;ck, das er abliefert. Das schafft ein neues Problem: Woher soll ein Autor oder Redakteur die Zeit f&#252;r diese Betreuung nehmen (Niles 2008)? Eine L&#246;sung w&#228;re eventuell, Community-Manager journalistisch ernster zu nehmen, sie im Namen des Organs Beitr&#228;ge und Antworten verfassen zu lassen und Artikel, die gr&#246;&#223;ere Debatten ausl&#246;sen, in Zusammenarbeit mit dem Autor zu betreuen. An einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem im Kommentarfeld einsam zur&#252;ck gelassenen Leser wird man jedenfalls nicht vorbeikommen, auch wenn diese Zusammenarbeit zurzeit noch selten der Fall ist. Online, kritisiert der amerikanische Online-Journalismus-Experte Robert Niles sorgenvoll, ist eine „<a href="http://www.ojr.org/ojr/stories/080403niles/">f&#252;hrungslose Debatte</a>“ zu beobachten (Niles 2008). Er bef&#252;rchtet, dass der Leser diesen Eindruck auf das Nachrichtenportal &#252;bertr&#228;gt und sich vom Journalismus abwendet. Und er mahnt an, den alleinigen Fokus der Journalisten auf die Zeitung zu &#252;berdenken:<strong> „Es ist Zeit, dass die Nachrichtenzeitung stirbt, damit die Nachrichtenindustrie &#252;berleben kann.“</strong> (Niles 2008)</p>
<p><strong>Crossmedial – ein Zauberwort?</strong></p>
<p>Doch nicht nur die Rolle des Journalisten und sein Verh&#228;ltnis zum Leser &#228;ndern sich durch das Web, sondern auch der journalistische Inhalt selbst. W&#228;hrend eine publizistische Marke bislang vor allem mit einem Medium verbunden wurde, wird in Zukunft gelten, dass eine Marke f&#252;r einen bestimmten Inhalt steht, der &#252;ber verschiedene Plattformen wie Zeitung, Internet, Mobiltelefon oder Internet-TV verteilt wird – „Crossmedialit&#228;t“ von Inhalten lautet derzeit das neue verlegerische Zauberwort, dessen Umsetzung gar nicht so einfach ist: Um den Leser im jeweiligen Medium anzusprechen, m&#252;ssen die Inhalte der Logik des jeweiligen Mediums angepasst werden, denn man kann diese Inhalte nicht medienblind produzieren und verteilen. Ein Beispiel: Online-Beitr&#228;ge funktionieren selten mit &#220;berschriften, die f&#252;r die gedruckte Zeitung getextet werden, denn das Zusammenspiel aus &#220;berschrift und Bebilderung f&#228;llt weg, ebenso wie sichtbare Zwischen&#252;berschriften oder Zitate, die Orientierung bieten. <strong>Im Netz muss Inhalt eigen und anders zugeschnitten werden.</strong></p>
<p>Zugleich erwarten User online auch variierende mediale Formate. Das Mit-Bloggen eines Ereignisses, Bilderstrecken, Audio-Slide-Shows oder kurze Videobeitr&#228;ge behandeln ein Thema mitunter angemessener als ein Artikel. Diese Logik setzt sich im Online-Journalismus erst langsam durch, denn das „Muttermedium“ – und die meisten Nachrichtenportale sind T&#246;chter von gedruckten Marken – pr&#228;gt bislang noch stark die Online-Berichterstattung, auch wenn welt.de und spiegel.de ihre Textlastigkeit im ersten Quartal 2008 deutlich verringert haben und das Unternehmen Holtzbrinck mit zoomer.de den expliziten Versuch startet, ein Nachrichtenportal mit einem multimedialen Angebot aufzubauen, weil ein j&#252;ngeres Publikum in einem spielerisch medienkonvergenten Umfeld aufgewachsen ist und eine solche Aufarbeitung auch von ihrem Portal erwartet.</p>
<p><strong>Multimedialit&#228;t im Internet wird damit erwachsen.</strong> Waren online-spezifische Formate wie Live-Bloggen oder Live-Tickern, Bildergalerien oder Umfragen zun&#228;chst vor allem der Jagd nach Seitenaufrufen verd&#228;chtigt worden (Range und Schweins 2007: 51ff.), hat sich mittlerweile die Einsicht verbreitet, dass diese Formate auch mit Qualit&#228;t gef&#252;llt werden k&#246;nnen. Zudem ist klar, dass die Reichweitenst&#228;rke online nicht nur durch Beitr&#228;ge zu holen ist, die kurzfristig hohe Zugriffe haben, wie spektakul&#228;re Boulevardmeldungen. Gerade im Netz ist das Prinzip wichtig, mit einer gro&#223;en Anzahl an Nischenprodukten zu arbeiten, dem <a href="http://www.wired.com/wired/archive/12.10/tail.html">Long Tail</a>, wie ihn Wired-Chefredakteur Chris Anderson beschrieb (Anderson 2007). Nicht umsonst haben publizistische Angebote ihre Archive mittlerweile f&#252;r Suchmaschinen ge&#246;ffnet und Search-Engine-Optimizer engagiert, um bei Google News zu landen. Das Aufrufen der Homepage ist heutzutage nur noch ein Zugang zu angebotenen Inhalten unter vielen. Newsaggregatoren, welche unter bestimmten Topoi verschiedene Medien scannen – turi-2.blog.de etwa f&#252;r die Medienbranche – sorgen f&#252;r weitere Zugriffe.</p>
<p>Das f&#252;hrt dazu, dass journalistische Angebote ein Interesse haben, sich breit aufzustellen, indem sie Inhalte, die andere produziert haben, in ihr Angebot integrieren: Kuratieren, nicht selbst produzieren. Dieses Einpflegen qualitativ hochwertiger fremder Inhalte verbreitert das eigene Angebot und wertet es auf, da gute, interessante Information im Internet schnell im &#220;berangebot untergeht. <strong>„<a href="http://www.buzzmachine.com/2007/11/12/glam-the-success-of-the-network/">Do what you can do best and link to the rest</a>“</strong>: Das Auffinden und Pr&#228;sentieren interessanten Materials ist ein Mehrwert, mit dem man mitunter erstaunliche Ergebnisse erzielen kann – der amerikanische Unternehmer Samir Arora hat das f&#252;r die Frauenplattform glam.com in den Staaten erfolgreich etabliert (vgl. Jarvis 2007). In Deutschland folgt man dieser Strategie eher zaghaft: Spiegel Online pr&#228;sentiert beispielsweise Inhalte von 11 Freunde, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Wikipedia, dem manager magazin, Last.fm etc.</p>
<p>Fasst man diese Entwicklungen zusammen, dem dynamischen Medium entsprechend zwangsl&#228;ufig nur in einem Zwischenstand, kann man sagen: Ja, das Web hat den Journalismus ver&#228;ndert. Folgende Verschiebungen stechen dabei vor allem ins Auge:</p>
<p><strong>1. Marke statt Medium:</strong> Publizistische Marken sind in Zukunft weniger als bisher von einer spezifischen medialen Logik gepr&#228;gt, sondern verteilen ihre spezifische inhaltliche Ausrichtung, ihr Markenprofil, auf verschiedene Medien.</p>
<p><strong>2. Ver&#246;ffentlichung heute hei&#223;t Kommunikation:</strong> Journalisten produzieren f&#252;r Medien keine Beitr&#228;ge, sie kommunizieren mit ihren Lesern – mitunter auch im direkten Dialog.</p>
<p><strong>3. Plattform statt Sender: </strong>Eine Marke besticht in Zeiten des &#220;berangebots an Information nicht nur durch selbst hergestellte Inhalte, sondern versteht sich als Plattform und w&#228;hlt gem&#228;&#223; der ihr eigenen Logik die relevanten Beitr&#228;ge f&#252;r ihre Leser aus.</p>
<p>All dies wird den Journalismus herausfordern – und es kann ihn spannender, interessanter, unterhaltsamer und informativer machen. Eventuell. Denn man steht vor einem Problem:</p>
<p><strong>Wer soll das bezahlen?</strong></p>
<p>In der Tat steht man aktuell in Bezug auf Online-Journalismus vor einem Desaster, allerdings findet sich dieses Desaster nicht dort, wo es vermutet wird. Denn nicht die Qualit&#228;t des Journalismus steht auf dem Pr&#252;fstand, sondern seine Finanzierung. Kurz gesagt: Zeitungen haben &#252;ber die Jahre bedenklich an Auflagenst&#228;rke und Anzeigenumsatz verloren (Meyer-Lucht 2006: 4), der Journalismus im Web spielt jedoch bislang nur einen Bruchteil des Umsatzes ein. Der Spiegel Verlag erwirtschaftete 2006 einen Umsatz von 332 Millionen Euro, Spiegel Online 15 Millionen Euro. Durchschnittlich erreichen die Online-Werbeeinnahmen nur 10 Prozent des Anzeigenumsatzes von Print – viel zu wenig, um die aufwendige Maschine Journalismus zu erhalten. Zwar kann der Online-Werbemarkt rasante Zuw&#228;chse vermelden – laut Nielsen legte er im ersten Quartal 2008 um 41 Prozent zu – aber der Abstand bleibt gewaltig. Auch wenn Printmarken sich in Zukunft crossmedial entwerfen m&#252;ssen, sie sind auf den Umsatz des Printmediums angewiesen. <strong>Und das ist angeschlagen.</strong></p>
<p>Die Nutzung einer Zeitung als aktuelles Informationsmedium steht auf dem Pr&#252;fstand (Kolo und Meyer-Lucht 2007). Die Auflagen von Tageszeitungen sinken kontinuierlich und be&#228;ngstigend. Junge Leser wachsen nicht nach, sie holen sich ihre Nachrichten im Internet. Technische Entwicklungen werden au&#223;erdem dazu f&#252;hren, die Funktion der Zeitung zu ersetzen: W&#228;hrend zun&#228;chst das B&#252;romedium Web das Bed&#252;rfnis nach aktueller Information mehr als einmal am Tag erf&#252;llte, bedroht als n&#228;chstes auch das Mobiltelefon die Zeitung. Die neue Generation an Smartphones wird das Lesen von aktuellen Nachrichten unterwegs und &#252;berall m&#246;glich machen und die mobile Informationsquelle Zeitung, die man auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause konsumierte, abl&#246;sen <strong>– eines Tages wird man sagen, die Zeitung war auch einer der Vorl&#228;ufer des Mobiltelefons.</strong></p>
<p>Es steht nicht gut um das Medium und all das hei&#223;t: Die Zeitung muss sich entweder neu erfinden oder der Online-Journalismus muss finanziell erwachsen werden – was bedeutet, seine Anzeigenpreise m&#252;ssen steigen. Tats&#228;chlich deutet sich an, dass ein Teil des Werbegeldes ins Netz wandert. So wird BMW – und die Autoindustrie geh&#246;rt zu den werbest&#228;rksten Branchen – f&#252;r die Einf&#252;hrung seiner neuen Serie 1 erstmalig die H&#228;lfte des auf 15-25 Millionen Dollar gesch&#228;tzten Budgets zielgruppengerecht in Onlinemedien investieren (Elliott 2008). Diese Investition flie&#223;t jedoch nicht nur in klassische Medien, sondern auch in soziale Netzwerke. Der Kuchen wird also nicht einfach von gedruckten Zeitungen zu ihren Online-Angeboten wandern.</p>
<p>Nur eventuell kann der Journalismus also bleiben, was er ist, denn mehr noch als das Web wird seine &#246;konomische Situation ihn ver&#228;ndern. Und er wird nur Journalismus bleiben k&#246;nnen, wenn er die ihm eigenen Prinzipien ernst nehmen kann. Gleich ob er kuratiert oder selbst herstellt, gleich ob er online, offline oder auf dem Mobiltelefon landet. Journalismus ist nur Journalismus, wenn er verliebt in seine Ideale bleiben darf: Unabh&#228;ngig, in kritischer Distanz zu seinem Gegenstand, in Konflikten beide Seiten schildernd und einer akkuraten Berichterstattung verpflichtet. <strong>Ja, tats&#228;chlich, das Gejammere &#252;ber einen m&#246;glichen Qualit&#228;tsverlust im Journalismus wird man ernst nehmen m&#252;ssen. Und nein, es ist kein Problem, das auf den Online-Journalismus begrenzt ist.</strong></p>
<p>Deshalb: Das &#228;ngstliche Klammern an lieb gewonnene Strukturen, das den Journalismus derzeit pr&#228;gt, kann angesichts der ernsten Probleme keine Antwort sein. Es braucht eine neue „Poesie der Neugier“ (Kisch 1980); Offenheit, Kreativit&#228;t und Dynamik sind schleunigst gefragt. Das k&#246;nnte klappen: Neugier hat den Journalismus schon immer ausgezeichnet.</p>
<p>Dieser Text ist eine gek&#252;rzte Fassung eines Textes, den Mercedes Bunz f&#252;r das Buch  <a href="http://www.amazon.de/Webwissenschaft-Eine-Einf%C3%BChrung-Konrad-Scherfer/dp/3825809471">Webwissenschaft &#8211; Eine Einf&#252;hrung</a> geschrieben hat. Die Langfassung mit den dazugeh&#246;rigen Literaturangaben gibt es <a href="http://www.mercedes-bunz.de/texte/onlinejournalismus">hier</a>.<a href="http://www.amazon.de/Webwissenschaft-Eine-Einf%C3%BChrung-Konrad-Scherfer/dp/3825809471"> </a></div>
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