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	<title>CARTA &#187; Olivenne-Sperren</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Zypries: Olivenne-Sperren w&#228;ren Vorratsdatenspeicherung im gro&#223;en Stil</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 17:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Justizministerin Brigitte Zypries im Interview: Das Internet sei kein urheberrechtsfreier Raum, aber mit Repressionen allein werde man die Probleme der Verwertungsindustrie nicht l&#246;sen. Bei einem Leistungsschutzrecht f&#252;r Verlage m&#252;sse auf einen Interessenausgleich mit den Journalisten geachtet werden, bei der Kulturflatrate seien noch sehr viele Fragen offen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b41491f8f343270b574b49be8ac730" alt="" width="1" height="1" /><strong>Sie haben k&#252;rzlich erkl&#228;rt, dass Sie daf&#252;r sind, dass Verlagen ein Leistungsschutzrecht im Internet einger&#228;umt wird. Warum teilen Sie die Forderung der Verleger?</strong></p>
<p>Ich habe mich daf&#252;r ausgesprochen, ein solches Leistungsschutzrecht zu pr&#252;fen, entschieden ist noch nichts. Ich kann gut verstehen, warum die Presseverleger und auch die Schulbuchverleger ein Leistungsschutzrecht fordern. Die Digitalisierung trifft zunehmend auch den Zeitungsmarkt. Wir sehen in den USA, wie Online-Angebote die klassischen Zeitungen verdr&#228;ngen.</p>
<p>Ich verstehe daher die Sorgen der Verleger. Wir m&#252;ssen aber – und darauf habe ich bereits hingewiesen &#8211; bei der Entscheidung &#252;ber die Einf&#252;hrung eines Leistungsschutzrechtes f&#252;r Presse- und Schulbuchverlage das gesamte Umfeld in den Blick nehmen. Auch die Rechte und Interessen der Kreativen, also der Journalisten und anderen Urheber m&#252;ssen gewahrt bleiben. Ich halte nichts von populistischen Schnellsch&#252;ssen. Auch hier m&#252;ssen wir sehr sorgf&#228;ltig vorgehen, um gegebenenfalls einen gerechten Interessenausgleich zu erreichen.<br />
<strong><br />
Sollte diese Frage im 3. Korb der Urheberrechtsnovelle gel&#246;st werden?</strong></p>
<p>Das w&#228;re sicherlich m&#246;glich, ist aber keinesfalls zwingend. Genauso gut k&#246;nnten neue Leistungsschutzrechte in einem separaten Urheberrechts&#228;nderungsgesetz umgesetzt werden. Aber bevor wir &#252;ber das Verfahren entscheiden, m&#252;ssen wir erst einmal die inhaltlichen Fragen kl&#228;ren.</p>
<p><strong>Auch andere Berufsgruppen wie die Film- oder die Musikwirtschaft sehen ihre Urheberrechte im Internet nach wie vor nicht ausreichend gesch&#252;tzt. Teilen Sie diese Auffassung?</strong></p>
<p>Die sogenannte Internetpiraterie stellt f&#252;r die Film- und Musikwirtschaft, aber auch f&#252;r die Buchindustrie ein gro&#223;es Problem dar. Mein Haus besch&#228;ftigt sich intensiv mit Ma&#223;nahmen zur Bek&#228;mpfung von Internetpiraterie. Einen wichtigen Schritt haben wir mit dem Gesetz zur Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums getan, das am 1. September 2008 in Kraft getreten ist.</p>
<p>Inhaber von Urheberrechten haben nun bei Urheberrechtsverletzungen im Internet einen Auskunftsanspruch gegen Internetprovider. Damit k&#246;nnen sie Verletzer von Urheberrechten im Internet ermitteln und gegen diese zivilrechtliche Schritte einleiten. Aber damit sind wir sicherlich noch nicht am Ende der rechtspolitischen Diskussion angekommen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – auch hier m&#252;ssen wir den Schutz des geistigen Eigentums durchsetzen.</p>
<p><strong>Welche M&#246;glichkeiten sehen Sie hier, die Sanktionen zu versch&#228;rfen?</strong></p>
<p>Wir sollten dem Problem nicht nur durch repressive Ma&#223;nahmen begegnen. Wichtig ist mir der Dialog mit der Content-Industrie dar&#252;ber, wie legale Angebote so attraktiv gestaltet werden k&#246;nnen, dass Nutzer diese Angebote annehmen. Die neusten Zahlen der Musikindustrie lassen bereits erkennen, dass Internetpiraterie auch mit attraktiven legalen Angeboten effektiv bek&#228;mpft werden kann. Nach dem Digital Music Report 2009 der IFPI sind die legalen Downloads in Deutschland im Jahr 2008 um 22 Prozent (Einzeltracks) bzw 57 Prozent (Longplay Segment) angestiegen. Im Gegensatz hierzu nehmen die illegalen Downloads stetig ab. Im Jahr 2004 hat die IFPI noch 614 Mio. illegale Downloads verzeichnet, im Jahr 2008 waren es nur noch 316 Mio.</p>
<p><strong>W&#228;re das franz&#246;sische Modell gegen Piraterie f&#252;r Sie eine L&#246;sung dieses Problems?</strong></p>
<div id="attachment_13395" class="wp-caption alignright" style="width: 167px"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zypries_brigitte_cropped.jpg"><img class="size-full wp-image-13395" title="zypries_brigitte_cropped1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/08/zypries_brigitte_cropped1.jpg" alt="zypries_brigitte_cropped1" width="157" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Justizministerin Zypries: &quot;Olivenne-Sperren w&#228;ren Vorratsdatenspeicherung im gro&#223;en Stil&quot; (Foto: Commons/ M. Lindner, P. Schl&#246;mer, CC-BY-SA)</p></div>
<p>Ich halte das franz&#246;sische Olivennes-Modell f&#252;r keine gute L&#246;sung, jedenfalls nicht f&#252;r Deutschland. Danach wird eine Beh&#246;rde geschaffen, die bei Urheberrechtsverletzungen im Internet Warnhinweise an die Verletzer versendet und bei wiederholten Rechtsverletzungen den Richter anruft, damit dieser eine zeitweilige Sperrung des Internetzugangs beschlie&#223;t. Dagegen gibt es in Deutschland erhebliche verfassungs- und datenschutzrechtliche Bedenken. So sollen Daten &#252;ber den Telekommunikationsverkehr zum Versenden von Warnhinweisen genutzt und zur Feststellung eines Wiederholungsfalles gespeichert werden. Das w&#228;re eine Vorratsdatenspeicherung in gro&#223;em Stil, &#252;ber deren verfassungsrechtlich zul&#228;ssigen Umfang das Bundesverfassungsgericht noch nicht entschieden hat.</p>
<p>Man darf ja nicht vergessen, dass wir hier &#252;ber einen erheblichen Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht spr&#228;chen. Und f&#252;r die verfassungsrechtliche Bewertung ist es ein gravierender Unterschied, ob ich Vorratsdaten zum Zwecke der staatlichen Strafverfolgung speichere, wie es das in Karlsruhe beklagte Gesetz vorsieht, oder zur Durchsetzung privater Interessen der Urheber.<br />
<strong><br />
Ist f&#252;r Sie eine „Kulturflatrate“ eine Alternative, um die Probleme des Urheberrechts im Internet zu l&#246;sen und die Kreativen fair zu verg&#252;ten?</strong></p>
<p>Das Stichwort „Kulturflatrate“ ist sicherlich ein interessanter Ansatz, unter dem in j&#252;ngster Zeit eine Diskussion um m&#246;gliche Alternativen f&#252;r eine angemessene Verg&#252;tung der Kreativen im Internet gef&#252;hrt wird, gerade gegen&#252;ber dem prim&#228;r repressiven Ansatz des franz&#246;sischen Modells. Ich kenne die in dieser Diskussion aufkommende Forderung, die technischen Nutzungsm&#246;glichkeiten zur Vervielf&#228;ltigung und zum Datenaustausch im „Content-Bereich“ in gewisser Weise als gegeben zu akzeptieren, alle Nutzungen von urheberrechtlich gesch&#252;tzten Inhalten im Internet zu legalisieren und im Gegenzug f&#252;r eine angemessene Verg&#252;tung zu sorgen.</p>
<p>Nun kann der Sammelbegriff „Kulturflatrate“ mit ganz unterschiedlichen Ausgestaltungen und Rahmenbedingungen gef&#252;llt werden. Aus meiner Sicht bedarf es noch einer umfassenden Diskussion der aufgeworfenen europarechtlichen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Fragen. Ich begr&#252;&#223;e es, dass der j&#252;ngst von namhaften Kulturschaffenden und Kreativen geforderte „Kreativpakt“ mit der Politik auch das Thema Kulturflatrate aufgegriffen hat.<br />
<strong><br />
Das Urheberrecht wurde in den letzten Jahren durch mehrere Richtlinien auf europ&#228;ischer Ebene geregelt. Ist inzwischen ein umfassendes europ&#228;isches Urheberrecht erforderlich?</strong></p>
<p>Die Digitalisierung und die damit verbundene stetig fortschreitende technische Entwicklung – und hier wiederhole ich mich – zwingt uns dazu, das Urheberrecht in immer k&#252;rzeren Abst&#228;nden auf den Pr&#252;fstand zu stellen. Dazu geh&#246;rt auch die Frage, wie das nationale Urheberrecht in einer digitalen Welt, die eigentlich keine nationalen Grenzen mehr kennt, auch im europ&#228;ischen Kontext angepasst werden muss. Allen, die ein umfassendes europ&#228;isches Urheberrecht fordern, rate ich zu aber einem differenzierten Blick auf die Folgen einer Harmonisierung. Es gibt sicherlich Bereiche, f&#252;r die sich eine europ&#228;ische L&#246;sung eher anbietet. Hierzu geh&#246;rt beispielsweise die Online-Nutzung von Werken. Es gibt derzeit aber keinen Grund, vollst&#228;ndig auf ein nationales Urheberrecht und dessen Gestaltungsspielr&#228;ume zu verzichten. Bei einer vollst&#228;ndigen Harmonisierung br&#228;uchten wir z.B. alleine in Deutschland auch gar nicht dar&#252;ber nachzudenken, ein neues Leistungsschutzrecht f&#252;r Verleger einzuf&#252;hren.</p>
<p><em>Dieses Interview ist eine gek&#252;rzte Fassung aus <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a> 8/2009 (<a href="http://www.promedia-berlin.de/fileadmin/Archiv/2009/08/promedia200908-online01.pdf">PDF</a>), die wir im Rahmen einer Kooperation &#252;bernehmen.<br />
</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=13358&amp;md5=f3b1f321ec526ee2ab9b18d18884af22" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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