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	<title>CARTA &#187; öffentlich-rechtlicher Rundfunk</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>&#214;ffentlich-rechtlich und auch transparent: F&#252;r einen Rundfunk f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 14:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cem Özdemir</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die ZDF-Fernsehratsmitglieder Cem &#214;zdemir und Oliver Passek (beide B&#252;ndnis 90/Gr&#252;ne) fordern mehr Offenheit und Informationsfreiheit bei der Arbeit der Rundfunkr&#228;te. Mit Tagungen hinter verschlossenen T&#252;ren, im Intranet versteckten Berichten und mehrstufigen Beschwerdeverfahren wirke bisherige System „arg anachronistisch“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Cem &#214;zdemir und Oliver Passek:</p>
<p>Die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien des &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehens steht auf dem Pr&#252;fstand: Das Bundesverfassungsgericht Karlsruhe wird eventuell noch in diesem Jahr ein weiteres wegweisendes <strong>Rundfunkurteil</strong> f&#228;llen. Es geht um die von B&#252;ndnis 90/Gr&#252;ne Gr&#252;nen initiierte und vom rheinland-pf&#228;lzischen Ministerpr&#228;sidenten Kurt Beck Ende 2010 in Karlsruhe eingereichte Klage auf eine Normenkontrollklage des ZDF-Staatsvertrages. Gepr&#252;ft werden soll, ob die Zusammensetzung der Gremien verfassungskonform ist und inwiefern gerade der politische Einfluss dort zu gro&#223; sein k&#246;nnte.</p>
<p>Zwar will sich Beck laut seiner Klageschrift im Gegensatz zur urspr&#252;nglichen Initiative der medienpolitischern Sprecherin der Bundestagsfraktion, Tabea R&#246;&#223;ner, auf bestimmte Punkte wie die Zusammensetzung des Verwaltungsrates beschr&#228;nken, dies wird das Gericht jedoch nicht von einer umfassenden Pr&#252;fung des gesamten Staatsvertrages abhalten.</p>
<p>Die Anzahl der im Fernseh- und im Verwaltungsrat vertretenen direkten und/oder indirekten staatlichen Vertreterinnen und Vertreter  – <strong>erstaunliche 50 Mitglieder lassen sich der staatlichen Sph&#228;re zurechnen</strong> &#8211; wird durch Karlsruhe m&#246;glicherweise reduziert. Nat&#252;rlich w&#228;ren von solchen &#196;nderungen auch die von der Staatskanzlei benannten Vertreter von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen betroffen. Die Mitwirkung der politischen Parteien wollen wir jedoch keineswegs ausschlie&#223;en, sie repr&#228;sentieren eine wichtige gesellschaftliche Gruppe.</p>
<p><strong>Mehr Durchblick in die Gremienarbeit</strong></p>
<p>Mindestens genauso wichtig wie die Zusammensetzung der Gremien ist die Sichtbarkeit ihrer Arbeit. Doch aus der Perspektive des Geb&#252;hrenzahlers wirken die Rundfunkr&#228;te trotz der sehr engagierten Arbeit der Gremienvertreter und der Sekretariate leider h&#228;ufig wie ein „Closed Shop“. W&#228;hrend die Sender selbst f&#252;r die Grundversorgung an Informationen der Bev&#246;lkerung zust&#228;ndig sind, tagen ausgerechnet deren Aufsichtsgremien in der Regel hinter verschlossenen T&#252;ren.</p>
<p>Auch beim ZDF sind die Sitzungen des Fernsehrates nicht &#246;ffentlich. Das Gremium selbst kann zwar eine Ausnahme beschlie&#223;en, von der in der Regel aber kein Gebrauch gemacht wird. Immerhin sind die Haushaltsberatungen &#246;ffentlich zug&#228;nglich. Andere &#246;ffentlich-rechtliche Sender sind da schon viel weiter: Sowohl beim RBB, als auch beim Bayerischen Rundfunk, dem SR und dem SWR tagen zumindest die Rundfunkr&#228;te in &#246;ffentlicher Sitzung. Es gibt <strong>keinen ersichtlichen Grund, dies nicht auch beim ZDF-Fernsehrat einzufordern</strong>. Die Sitzungen sind umfangreich, straff organisiert und durchgeplant, mediale Selbstdarsteller w&#252;rden somit schnell ausgebremst. Auch eine &#220;bertragung der Sitzungen ins Internet w&#252;rde sich anbieten.</p>
<p><strong>Mehr Mut bei der &#214;ffentlichkeitsarbeit</strong></p>
<p>Doch mehr Transparenz k&#246;nnen die Rundfunkanstalten nicht nur durch &#246;ffentliche Sitzungen gew&#228;hrleisten. Auch durch eine aktive Ver&#246;ffentlichungspraxis im Internet k&#246;nnten viele relevante Informationen f&#252;r die &#214;ffentlichkeit bereit gestellt werden.</p>
<p>Immerhin stellt das ZDF auf der Webseite „<a href="http://www.unternehmen.zdf.de/">Das Unternehmen</a>“ einige hilfreiche Informationen zur Verf&#252;gung. Darunter die im zweij&#228;hrigen Rhythmus erscheinenden Selbstverpflichtungserkl&#228;rungen oder auch eine F&#252;lle an wichtigen Rechtsgrundlagen, wie die Grunds&#228;tze zur Transparenz im Bereich der Sportrechte oder die Richtlinien f&#252;r Werbung und Sponsoring. Der j&#228;hrliche, mehrere hundert Seiten umfassende <strong>Haushaltsplan</strong>, wird zwar nicht im Web angeboten, aber immerhin an anfragende Journalisten verteilt. In all diesen Dingen agieren andere Sendeanstalten noch wesentlich restriktiver.</p>
<p>Leider ist die Zur&#252;ckhaltung in Sachen <strong>Informationsfreiheit</strong> auch beim ZDF immer noch sehr gro&#223;. So bedarf die Einsichtnahme in Niederschriften und Protokolle des Fernsehrates der vorherigen Zustimmung des Erweiterten Pr&#228;sidiums, steht in dessen freiem Ermessen und darf allein wissenschaftlichen Zielen dienen.</p>
<p>Wir fragen uns: Warum sollten neben den Tagungsprotokollen nicht auch die Auswertungen des Zuschauerechos, der T&#228;tigkeitsbericht des Intendanten, die Filmf&#246;rderpolitik des Senders oder die Transparenzberichte zu Kooperationen, Sponsoring und Beistellungen der &#214;ffentlichkeit zur Verf&#252;gung stehen? Schlie&#223;lich betreffen all diese Vorg&#228;nge massiv die Interessen der Geb&#252;hrenzahler.</p>
<p>Nat&#252;rlich d&#252;rfen diese Forderungen nicht alleine auf das ZDF abzielen, auch andere &#246;ffentlich-rechtliche Sender und die Landesmedienanstalten – auch hier tagen die Medienr&#228;te zumeist vor verschlossenen T&#252;ren; erfreuliche Ausnahmen sind Mecklenburg-Vorpommern und Bremen – sind gefordert. Vorbild  k&#246;nnte die – zugegeben nur teilweise vergleichbare &#8211; US-Regulierungsbeh&#246;rde FCC sein, deren Sitzungen des obersten Gremiums im Internet &#252;bertragen werden. Zus&#228;tzlich stellt die FCC online Datenbanken zur Verf&#252;gung, die es erm&#246;glichen, z.B. jederzeit Akten zu Lizenzierungsverfahren einzusehen.</p>
<p><strong>Partizipation der Zuschauer erh&#246;hen</strong></p>
<p>Auch ein verst&#228;rktes Mitwirken der Zuschauer am Programm tr&#228;gt zu mehr Transparenz und &#214;ffentlichkeit bei. Ausgerechnet unsere kleineren europ&#228;ischen Nachbarn machen uns vor, wie man ein lineares Programm zeitgem&#228;&#223; und innovativ gestalten kann. Seit 2008 f&#252;hrt der &#246;ffentlich-rechtliche Kanal Ned3 in den Niederlanden das Projekt „TV Lab“ durch, bei dem eine Woche lang v&#246;llig neue Formate gezeigt wurden, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern selbst bewertet werden.</p>
<p>In Deutschland wagte bislang nur der WDR 2006 ein &#228;hnliches, f&#252;r das Fernsehen fast schon radikales Experiment.  Das ZDF scheint dies erkannt zu haben und ist Teil eines Programmlabs im Rahmen der Europ&#228;ischen Rundfunkunion im Sommer diesen Jahres. &#220;ber ZDF NEO k&#246;nnen die Zuschauer dann Ende August eine Woche lang &#252;ber neue TV-Formate abstimmen. Wir d&#252;rfen schon jetzt sehr gespannt sein.</p>
<p>Eine weitere Option f&#252;r eine st&#228;rkere Partizipation der Zuschauerinnen und Zuschauer k&#246;nnen <strong>Creative-Commons-Lizenzen</strong> sein, die in verschiedenen Rechtsformen und Ausf&#252;hrungen die M&#246;glichkeit bieten, Inhalte der Sender auf eigenen Plattformen wie Blogs oder Profilen in sozialen Netzwerken zu verwenden. Auch in dieser Hinsicht zeichnet sich gerade bei den &#246;ffentlich-rechtlichen Sendern endlich Bewegung ab. Waren es lange Zeit nur die beiden NDR-Programme ZAPP und EXTRA 3 die ihre Inhalte teilweise auch zum „Remixen“ zur Ver&#252;gung stellten, zogen andere Sendungen, wie das Magazin „Quer“ des Bayerischen Rundfunks, inzwischen nach. Geradezu anbieten f&#252;r solch offene Lizenzen w&#252;rde sich z.B. der innovative ZDF-Krimi „Wer rettet Dina Foxx?“, der sich gr&#246;&#223;tenteils im Internet abspielt.</p>
<p>Auch im Netz bewegt sich hier einiges: Vorreiter ist, wen wundert es, da in Frankreich keine so strengen Vorgaben bez&#252;glich der Online Pr&#228;senz der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender vorliegen, ARTE France. So feierte deren Webserie „60 Seconds“ vor kurzem nicht etwa im TV Premiere, sondern auf dem sozialen Netzwerk <strong>Facebook</strong>.</p>
<p>Von diesen Innovationen profitiert auch Arte Deutschland. Das Vorzeigeprojekt hei&#223;t „ARTE Creativ-Plattform“ und ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk f&#252;r K&#252;nstler und Kulturproduzenten. Die Plattform versucht verschiedenste kreative Felder von der Fotografie &#252;ber Street Art und New Media, bis hin zu Grafik-, Produkt- und Webdesign abzudecken. Zusammen mit der Community will die Redaktion neue Formate an der Schnittstelle Web/TV entwickeln.</p>
<p>Auch spannend: Der vom „Kleinen Fernsehspiel“ des ZDF initiierte Online-Wettbwerb „Body Bits“, der sich an Nachwuchsregisseure richtet und dessen Ergebnis nachts im Hauptprogramm und auf ZDF-Kultur zu sehen sind. Nicht zu vergessen das Team um den „Elektrischen Reporter“ Mario Sixtus: Dieser entwickelt mit seinem Team f&#252;r das ZDF im Netz derzeit neue Sendeformate, die sich mit netzpolitischen Themen besch&#228;ftigen. Die damit verbundene Idee: Die Ergebnisse dieser Experimente werden nicht zuerst der zust&#228;ndigen Redaktion, sondern der Netz&#246;ffentlichkeit zum Feedback angeboten.</p>
<p><strong>Beschweren aber wie???</strong></p>
<p>Last but not least darf nat&#252;rlich das klassische Feedbackinstrument der Fernsehsender nicht fehlen: Die gute alte Programmbeschwerde, die sich jedoch ganz schnell als „B&#252;rokratiemonster“ entpuppt, auch wenn die Beschwerde selbst bereits seit l&#228;ngerem online; beim ZDF unter <a href="http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=585#c892">http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=585#c892</a> eingereicht werden kann.</p>
<p>Das f&#228;ngt schon einmal damit an, dass eine Beschwerde nicht gleich eine Beschwerde ist. Von Anfragen oder Kritik allgemeiner Art sind Beschwerden &#252;ber das Programm des ZDF zu unterscheiden, in denen die Verletzung von Programmgrunds&#228;tzen vermutet wird. Hier wird der Fernsehrat in einem f&#246;rmlichen Beschwerdeverfahren t&#228;tig.</p>
<p>Das mehrstufige Verfahren &#8211; der Vorsitzende des Fernsehrates leitet die Beschwerde zun&#228;chst an den Intendanten zur Stellungnahme weiter, ist der Beschwerdef&#252;hrer nicht zufrieden geht der Vorgang weiter an den Programmausschuss des Fernsehrates und schlie&#223;lich an das Plenum &#8211; ist einerseits zwar eine Referenz f&#252;r gro&#223;e Sorgfalt, erscheint aber angesichts der netzbasierten Kommunikationsm&#246;glichkeiten arg anachronistisch.</p>
<p>Gleiches gilt f&#252;r die m&#246;glichen Konsequenzen, denn diese sind zumindest nicht vollst&#228;ndig transparent: Bei Rechtsverst&#246;&#223;en kann der Fernsehrat vom Intendanten nach dem geltenden Rundfunkstaatsvertrag verlangen, dass er Beanstandungen des Fernsehrats im Programm ver&#246;ffentlicht. Ansonsten ist keine bestimmte Sanktion in der Beschwerdeordnung festgelegt. &#220;ber geeignete Ma&#223;nahmen wird vielmehr im (unbestimmten) Einzelfall entschieden.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich gilt: Das ZDF verf&#252;gt mit seiner Zuschauerredaktion &#252;ber eine gut funktionierende Servicestelle zur Beantwortung von Zuschaueranfragen. Pro Jahr werden dort rund <strong>500.000 Zuschau­eranfragen</strong> schriftlich oder per Telefon beantwortet, zweifellos eine <strong>komplexe Leistung</strong>.</p>
<p>W&#252;nschenswert w&#228;re dennoch ein nach dem Vorbild des BBC Trust Managements vom Sender und Fernsehrat <strong>unabh&#228;ngiger Beschwerdeausschuss</strong>. Dies w&#252;rde gerade den Fernsehrat auch von dem st&#228;ndig drohenden Vorwurf der Parteipolitisierung befreien, der auch einen immensen Druck f&#252;r die Parteienvertreter bedeutet, wie gerade die j&#252;ngsten Vorg&#228;nge um die vom Fernsehrat ausgesprochene Ermahnung der Frontal 21 Redaktion zeigt.</p>
<p>Die <strong>Spruchpraxis</strong> des Beschwerdeausschusses sollte nach dem Vorbild des Deutschen Presserates im Internet <strong>ver&#246;ffentlicht</strong> werden, verbunden mit einer juristischen Aufkl&#228;rung, damit die Zuschauer die im Detail nicht so einfach zu verstehenden Programmgrunds&#228;tze besser nachvollziehen k&#246;nnen. Ein weiteres Element sollte von der BBC &#252;bernommen werden: Dort trifft sich das so genannte „BBC Complaints Management Board of senior Executives“ einmal im Monat, um zu &#252;berpr&#252;fen, dass Erkenntnisse aus den Beschwerden in die Redaktions- und Managementprozesse der BBC auch wirklich einflie&#223;en.</p>
<p>Flexibel und abrufbar statt langwierig und linear sollten Programmbeschwerden im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zuk&#252;nftig gehandhabt werden. <strong>„Flexibel und abrufbar“ gilt auch f&#252;r das Programm</strong>, doch hierf&#252;r reicht der gute Wille der Sender selbst nicht aus. Die Politik muss sich im komplizierten Einklang mit Br&#252;ssel bewegen und entsprechende staatsvertragliche &#196;nderungen herbeif&#252;hren, damit Internet und TV auch „im Regelbetrieb“ noch besser verschmelzen k&#246;nnen.</p>
<p>Am 9. Juni l&#228;dt die Heinrich B&#246;ll Stiftung &#8211; passend zum Thema dieses Textes &#8211; zur Diskussion &#8220;<a href="http://www.dimbb.de/index.php?view=details&amp;id=91%3Asubtil-21-wird-politik-zum-oeffentlich-rechtlichen-programmgestalter&amp;option=com_eventlist">Subtil 21. Wird Politik zum &#246;ffentlich-rechtlichen Programmgestalter?</a>&#8220;.<br />
<em> Cem &#214;zdemir ist Bundesvorsitzender von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und Mitglied des ZDF-Fernsehrats.</em></p>
<p><em>Oliver Passek ist Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Medien- und Netzpolitik von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und Mitglied des ZDF Fernsehrats.</em>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40449&amp;md5=412039d1c4baca8ac2b132f24df61c63" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Cem &#214;zdemir: Warum wir einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender brauchen.</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 00:16:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Cem &#214;zdemir fordert einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender - mit offenen Redaktionskonferenzen, Creative Commons-Lizenzen und ohne den 'Geburtsfehler' von ZDF Neo.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Helmut Hartung: Herr &#214;zdemir, warum halten Sie einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendkanal f&#252;r erforderlich?</em></p>
<div id="attachment_39520" class="wp-caption alignleft" style="width: 153px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.47.15.png"><img class="size-full wp-image-39520" title="Bildschirmfoto 2011-03-31 um 01.47.15" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.47.15.png" alt="" width="143" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Cem &#214;zdemir, Bundesvorsitzender der Gr&#252;nen und Mitglied im ZDF-Fernsehrat</p></div>
<p>&#214;zdemir: Die Zukunftsf&#228;higkeit des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist eng mit dem Erreichen j&#252;ngerer Zielgruppen verkn&#252;pft. Die Lage ist bereits dramatisch, das ZDF-Hauptprogramm hat einen Alterdurchschnitt von 61 Jahren.</p>
<p>Immerhin haben wir mit NEO jetzt einen Digitalsender, der sich in der Altersgruppe zwischen 25 und 50 Jahren eine stetig wachsende Zuschauerschicht erarbeitet. Auch der KIKA ist in der j&#252;ngsten Zuschauergruppe eine Erfolgsgeschichte.</p>
<p>Es bleibt jedoch eine gewaltige L&#252;cke in der Mitte, bei den 15- bis 25-J&#228;hrigen. Auch diese Altersgruppe m&#252;ssen wir mit einem qualitativ hochwertigen &#246;ffentlich-rechtlichen Programm m&#246;glichst breit erreichen.</p>
<p>Die ARD-H&#246;rfunkwellen machen uns ja vor, dass dies auch gelingen kann. Ansonsten wird die Geb&#252;hrenakzeptanz gerade bei den zuk&#252;nftigen Zahlerinnen und Zahlern weiter sinken. <strong>Nur noch 45 Prozent der 18- bis 29 J&#228;hrigen sprechen sich in repr&#228;sentativen Umfragen f&#252;r den Erhalt des geb&#252;hrenfinanzierten Systems aus</strong>. Das &#246;ffentlich-rechtliche System darf jedoch niemanden ausschlie&#223;en, egal ob alt oder jung, das steht f&#252;r uns Gr&#252;ne im Vordergrund.</p>
<p><em>Ist ein „Jugendkanal“ nicht ein Relikt aus einer analogen Welt?</em></p>
<p>Das sehe ich nicht so. Es kommt auch darauf an, wie so ein Sender technologisch ausgerichtet ist. Es reicht sicherlich nicht aus, einen auf eine reine Rundfunkverbreitung ausgelegten Digitalkanal zu programmieren.</p>
<p>Es sollte sich meiner Meinung ausdr&#252;cklich auch um ein Fernsehangebot auf Basis des Internet-Protokolls handeln. Daf&#252;r m&#252;ssten nat&#252;rlich auch die medienrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Mir schwebt ein audiovisuelles Angebot vor, dass technische, aber auch organisatorische Elemente vom „Deutschlandradio Wissen“ &#252;bernimmt. Also zum einen die multimediale Verbreitung &#252;ber das Netz, z.B. als mehrformatiger Stream in verschiedensten Formaten plus eine umfangreiche auf Podcasts beruhende Bibliothek.</p>
<p>Zum anderen denke ich an Transparenz- und Kooperationsangebote, wie z.B. t&#228;gliche, offene Redaktionskonferenzen.</p>
<p><em>W&#228;re ein st&#228;rkeres Engagement des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks in der digitalen Welt, das vor allem von den Printverlegern kritisiert wird, nicht erfolgversprechender?</em></p>
<p>Richtig, damit ist der Gesamtrahmen angesprochen und das entspricht ja auch der Beschlusslage unserer Partei. Wir wollen das Internet neben Radio und Fernsehen als dritte, gleichberechtigte S&#228;ule im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunksystem verankern.</p>
<p>Zum einen technologisch, dieser Aspekt schlie&#223;t auch das mobile Internet mit ein. Wir brauchen <strong>eigene Applikationen der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender f&#252;r alle g&#228;ngigen Plattformen</strong>, sonst kommen ARD und ZDF in der Medienwelt der jungen Leute demn&#228;chst nicht mehr vor. Zum anderen inhaltlich, gerade hier bietet das Netz riesige Chancen f&#252;r die Inhalte der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender:</p>
<p>Die vorhandenen Inhalte m&#252;ssen der &#214;ffentlichkeit so breit wie m&#246;glich zur Verf&#252;gung gestellt werden. Deshalb fordern wir auch den Ausbau von frei zug&#228;nglichen Archiven mit &#246;ffentlich-rechtlichen Inhalten auf Basis von „<strong>Creative Commons</strong>”-Lizenzen, die eine Weiterverwendung der Inhalte so weit wie m&#246;glich erlauben.</p>
<p><em>Welche Inhalte erwarten </em><em>Sie von einem Jugendkanal?</em></p>
<p>Wir m&#252;ssen vor allem aus dem <strong>Geburtsfehler von NEO</strong> lernen. Hier haben Verleger und Privatrundfunk verhindert, dass auch ein Nachrichtenangebot ausgestrahlt werden kann. Dies ist aber f&#252;r einen Jugendkanal unerl&#228;sslich, gerade in seinem Informationsangebot liegt die St&#228;rke des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber auch Unterhaltungsangebote sollten integriert werden, deshalb ben&#246;tigen wir rundfunkrechtlich ein Vollprogramm, das jedoch nicht nach linearen Spielregeln ausgerichtet ist, sondern nach der Logik des Netzes aufgebaut ist.</p>
<p>Auch qualitativ hochwertige Computerspiele sollten in diesem Umfeld rechtlich zul&#228;ssig sein. Ansonsten ist es ja nicht so, dass das ZDF keine anspruchsvolle Unterhaltung f&#252;r eine breite, auch j&#252;ngere Zielgruppe bereith&#228;lt: <strong>Die <em>Heute Show</em></strong> oder <em>Pelzig h&#228;lt sich</em> <strong>machen nicht nur mir viel Freude</strong>. Solche Formate w&#252;nsche ich mir auch f&#252;r einen Jugendkanal.</p>
<p><em>Die Ministerpr&#228;sidenten wollen die neue Rundfunkabgabe m&#246;glichst stabil halten. Worauf sollten ARD und ZDF verzichten, um einen solchen Kanal zu finanzieren?</em></p>
<p>Es geht – auch hinsichtlich der Position der EU-Kommission – nur &#252;ber die Umwandlung eines bestehenden Digitalangebots, dessen Budget entsprechend umgeschichtet werden m&#252;sste. Mein Ansatz w&#228;re, auf <strong>digitale Doppelstrukturen bei ARD und ZDF</strong> zu verzichten. Dort, wo es sich um &#228;hnliche Angebote handelt, wie z.B. bei Einsextra und dem ZDF-Infokanal oder bei Eins- Festival und dem ZDF-Kulturkanal, w&#228;re es besser, Gemeinschaftsprogramme anzubieten. Dann w&#228;ren entsprechende Kapazit&#228;ten frei.</p>
<p><em>Eine Arbeitsgruppe der Ministerpr&#228;sidenten denkt &#252;ber eine Reduzierung der Aufgaben nach. Ist Ihr Vorschlag damit nicht chancenlos?</em></p>
<p>Das ist genau der falsche Weg. Um Einsparungen kommt das &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunksystem schon lange nicht mehr herum, doch es kann nicht angehen, das <strong>verfassungsrechtlich vorgegebene Aufgabenspektrum zu verkleinern</strong>.</p>
<p>Gerade die Infragestellung der dritten Programme durch den Chef der s&#228;chsischen Staatskanzlei halte ich f&#252;r geradezu fahrl&#228;ssig. Eine Stabilit&#228;t der Rundfunkgeb&#252;hr ist grunds&#228;tzlich w&#252;nschenswert, aber das Bundesverfassungsgericht hat der Politik hier nur einen geringen Gestaltungsspielraum zugewiesen.</p>
<p>Zur Unabh&#228;ngigkeit des &#246;ffentlich-rechtlichen Systems z&#228;hlt auch die finanzielle, jedoch d&#252;rfen die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht &#252;ber Geb&#252;hr belastet werden.</p>
<p><em>Was w&#252;rden Sie &#8211; unabh&#228;ngig vom Jugendkanal &#8211; am Auftrag und Profil des &#246;ffentlichrechtlichen </em><em>Rundfunks ver&#228;ndern?</em></p>
<p>Der Programmauftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist klar und pr&#228;zise, da brauchen wir keine politischen &#196;nderungen. Der Informations- und Bildungsauftrag zieht sich als Leitmotiv durch alle Rechtsgrundlagen – auch die grunds&#228;tzliche Einbeziehung von Unterhaltungsangeboten ist entsprechend legitimiert. Zentrale Forderung von uns ist die bereits mehrfach angesprochene Anerkennung des <strong>Internets als gleichberechtigte Plattform </strong>neben Radio und Internet.</p>
<p>Dies muss nat&#252;rlich auch im europ&#228;ischen Kontext durchgesetzt werden. Hier gibt es aber entsprechende Vorbilder, wie die BBC-Digitalangebote oder auch die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender in den Niederlanden zeigen.</p>
<p><em><strong>Sie </strong><strong>fordern zu mehr </strong><strong>Kooperationen mit </strong><strong>Privatsendern auf. </strong><strong>Verwischen solche </strong><strong>Kooperationen </strong><strong>nicht das &#246;ffentlich-rechtliche Profil?</strong></em></p>
<p>Nein, &#246;ffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk haben auch gemeinsame Interessen, deshalb gibt es ja auch zu Recht die „Public Value“-Diskussion, die spezifisch auf die gesellschaftliche Verantwortung des Privatfernsehens abzielt. Nehmen Sie z.B. RTL und deren gerade bei j&#252;ngeren Zuschauerinnen und Zuschauern erfolgreiche Nachrichtenprogramme. Hier stehen auch gesellschaftspolitische Aspekte des Eigent&#252;mers im Vordergrund, Bertelsmann positioniert sich ja auch gegen&#252;ber der Politik als verantwortungsbewusstes Unternehmen. Gerade bei globalen Gro&#223;ereignissen, die eher dem Profil der Privatsender entsprechen, aber aufgrund ihrer Bedeutung auch f&#252;r die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender relevant sind – ich denke z.B. an Hochzeiten oder Popkonzerte – ist eine solche Kooperation sehr w&#252;nschenswert.</p>
<p><em>W&#228;re ein Anreizmodell </em><em>f&#252;r mehr Informationsangeboten </em><em>bei privaten Sendern eine Alternative </em><em>zu einem Jugendkanal?</em></p>
<p>Ich bin hier wie auch bei den Kooperationsangeboten grunds&#228;tzlich f&#252;r Vorschl&#228;ge offen. Das duale Rundfunksystem nimmt ja rechtlich auch den Privatrundfunk in vielen Bereichen – wie z.B. beim Jugendmedienschutz oder bei den Informationsangeboten &#8211; ausdr&#252;cklich in die Pflicht, von daher freut es mich, wenn der private Rundfunk selbst solche Vorschl&#228;ge in die Diskussion einbringt.</p>
<p>Dieses Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe des medienpolitischen Magazin &#8220;<em><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></em>&#8220;. Die Zeitschrift kann hier <a href="http://www.promedia-berlin.de/">abonniert</a> werden.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.57.43.png"><img class="aligncenter size-thumbnail wp-image-39521" title="Bildschirmfoto 2011-03-31 um 01.57.43" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.57.43-85x120.png" alt="" width="85" height="120" /></a></p>
<p>Ebenfalls zu dem Thema auf <em>Carta</em>: <a href="http://carta.info/39189/leistungsschutzrecht-publizistische-vielfaltsfoerderung-geht-anders/">Tabea R&#246;ssner: Leistungsschutzrecht:</a> <a href="http://carta.info/39189/leistungsschutzrecht-publizistische-vielfaltsfoerderung-geht-anders/">Publizistische Vielfaltsf&#246;rderung geht anders</a>
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<a href="http://carta.info/39519/cem-ozdemir-warum-wir-einen-offentlich-rechtlichen-jugendsender-brauchen/">Cem &#214;zdemir: Warum wir einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender brauchen.</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/39519/cem-ozdemir-warum-wir-einen-offentlich-rechtlichen-jugendsender-brauchen/#comments">25 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39519&amp;md5=f735a1d3d8f6c5859d66efe25a258e37" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;I want my youtube&#8221;: Geld f&#252;r Nichts im Musikfernsehen</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 14:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Oktober 2010 war bislang kein guter Monat f&#252;r die Popmusik: Bei RTL 2 diskutiert man offensichtlich, sich von allen Musikformaten zu trennen; die ARD-Intendanten schicken den Eurovison Song Contest in die Provinz und MTV verk&#252;ndet sein Programm zuk&#252;nftig nur noch als Bezahlfernsehen ausstrahlen zu wollen. Die Popkultur flieht ins Netz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f7b4687aba7d4e97a9fe81b17405761e" alt="" width="1" height="1" />Als 1984 die Songzeile „I want my MTV“ entstand, war der Sender in den  USA bereits die Zentralinstanz f&#252;r Musik und Trends geworden.  Eifers&#252;chtig schauten wir Europ&#228;er nach Amerika. Hatte man selbst doch  nur die Sendung „Formel Eins“, wenn man Videoclips sehen wollte. In  England war die Auswahl auch nicht viel gr&#246;&#223;er. Insofern kam es von  Herzen, als der britische S&#228;nger Sting im Studio die Zeile spontan zum Besten gab. Die Band Dire Straits,  die er w&#228;hrend ihrer Aufnahmen zum Album „Brothers in Arms“ auf der  Karibikinsel Montserrat besucht hatte, bat ihn um diesen musikalischen  Beitrag. Der Song, in dem Sting seine Forderung „I want my MTV“ sang,  wurde der Dire Straits-Hit „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iwDDswGsJ60">Money For Nothing</a>“.</p>
<p>Drei Jahre sp&#228;ter, als MTV Europe seinen Betrieb aufnahm, war „Money For  Nothing“ der erste Clip, der auf Sendung ging. Am 31.12. diesen Jahres  k&#246;nnte es der letzte sein. Von da an verschwindet MTV aus dem analogen  Fernsehen und ist nur noch gegen Geb&#252;hren zu sehen. Den Schritt ins  Bezahlfernsehen begr&#252;ndet Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Dan Ligtvoet mit der  Behauptung: <em>&#8220;in den kommenden f&#252;nf bis zehn Jahren wird die Pay-TV-Landschaft in Deutschland stark wachsen&#8221;</em>. Wof&#252;r zahlen die MTV-Zuschauer aber dann? F&#252;r die Klingeltonwerbung  oder die ungeliebten, aus Amerika &#252;bernommenen &#8220;Reality Soaps&#8221;? – Die  Videoclips findet man fast alle auf Youtube und &#252;ber die Freunde bei  Facebook erf&#228;hrt man, bei welchen sich das Ansehen lohnt. MTV verlangt  zuk&#252;nftig also Geld f&#252;r Nichts: „Money for nothing“.</p>
<p>Wenn sich MTV von den Bildschirmen verabschiedet und sich der <a href="http://carta.info/34073/angeekelt-kann-man-nur-noch-sagen-halt-die-fresse-freifrau/">Krawall- und  Skandalsender</a> RTL 2 von Programmen wie der Popsendung &#8220;The Dome&#8221;  trennt, versch&#228;rft sich damit der Abwanderungstrend von Zuschauern  ins Internet. Und wer sich popkulturell sozialisiert hat, ist schon l&#228;ngst  dort. &#196;hnlich wie man fr&#252;her Mixtapes zusammengestellt hat, baut man  sich jetzt digital die Playlisten zusammen und wer in der Jugend aus  Zeitungen und Zeitschriften seine „Fanzines“ gebastelt hat, hat heute  l&#228;ngst ein eigenes Blog.</p>
<p>Die Kids verbringen bereits mehr Zeit vor dem  Computer als dem Fernseher. Eine Musikcommunity wie MySpace aufzubauen, in denen man  sich selbst pr&#228;sentieren und seine Stars finden kann, w&#228;re deshalb die  Aufgabe f&#252;r ein neues MTV gewesen. Der Sender hat die Chance verpasst, sich  im Netz neu zu erfinden und bietet mit seiner <a href="http://www.mtv.de/" target="_blank">Homepage</a> stattdessen ein relativ biederes Online-Magazin.</p>
<p>Aber auch Angebote von  MTV im Netz sollen laut Ligtvoet in Zukunft kostenpflichtig werden.  Zumindest ist das eine stringente Ansage: „Money for nothing“.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Anders als MTV waren die Anstalten der ARD noch nie in der Welt der  Popkultur angekommen.</strong> Wir alle bezahlen ihnen Geb&#252;hren in   Milliardenh&#246;he, bedient wird, wenn es um Musik geht, in der Hauptsache  aber ein Publikum, f&#252;r das Schlager und Volksmusik die H&#246;hepunkte  moderner Unterhaltungskultur darstellen. Dokumentieren l&#228;sst sich die  Hilflosigkeit der &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Sachen Pop am  Durchschnittsalter der Zuschauer.</p>
<p>Auch der Umgang mit dem Eurovision  Song Contest ist ein Beleg dieser &#220;berforderung: Weil man die Parameter  der Popkultur nicht verstanden hatte, schickte man abgehalfterte  Castingstars oder alternde Techno-DJs samt Stripperin ins Rennen. Die  Ergebnisse waren katastrophal und es half nur noch die &#220;bergabe der  &#246;ffentlich-rechtlichen Programmhoheit beim Eurovision Songcontest an den  Privatsender Pro 7 und die Produktionsfirma Brainpool. Wenn wir aber  GEZ entrichten, damit die Privaten die Inhalte liefern, dann ist das  Prinzip des Geb&#252;hrenzahlens ein gigantisches „Money for nothing“.</p>
<p>Im Rahmen von Stefan Raabs Bundesvision Song Contest wurde am 1. Oktober  durch Moderator Elton bereits die Entscheidung f&#252;r D&#252;sseldorf verk&#252;ndet.  Das war 11 Tage bevor die Intendanten den Austragungsort der  Gro&#223;veranstaltung &#252;berhaupt bekannt gaben. Entweder hatte  also die K&#246;lner Firma Brainpool die Entscheidung selbst getroffen, oder  man hatte bereits mitbekommen, wie sehr die Diskussion der Intendanten  in den Siebziger Jahren h&#228;ngen geblieben war. Damals waren Ruhr- und  Rheinland mit Gr&#246;nemeyer, Westernhagen, Lindenberg, Nena, Kraftwerk und BAP die Geburtsst&#228;tten Deutscher Popkultur. Seitdem ist es dort sehr still geworden.</p>
<p>Mit Ich &amp; Ich, Rammstein, Seeed, Peter Fox, Silbermond, Wir sind Helden oder Tokio Hotel kommen die wirklich erfolgreichen Interpreten fast geschlossen aus dem  Osten. Epizentrum des Deutschen Pop ist dabei eindeutig Berlin. Im  Flughafen Tempelhof kann man 8.500 Zuschauer unterbringen, in der  D&#252;sseldorfer Arena mehr als das dreifache. Man wolle Eintrittskarten  verkaufen, so begr&#252;nden die ARD Intendanten ihre <a href="http://www.faz.net/s/Rub1AF9D78C5CBD45ABA9EC978E01873DC7/Doc~E3030EA9B428B49C4950D5BAAC872F9BB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Ortswahl</a>. Aber wozu  dann die GEZ Geb&#252;hren? „Money for nothing“!</p>
<p>Wiedervereinigung und Internet haben die Welt f&#252;r uns alle ma&#223;geblich  ver&#228;ndert. Bei vielen Entscheidern in den Medien ist  aber weder das  neue Deutschland noch die digitale Wirklichkeit angekommen.</p>
<p>Man  versteckt sich lieber hinter rheinischer Gem&#252;tlichkeit und  Altbier-Buden, statt auf dem imposanten Flughafen Tempelhof ein  vergn&#252;gtes, selbstbewusstes Deutschland Werbung f&#252;r das Land machen zu  lassen. Lieber zieht man sich aus dem normalen Fernsehen zur&#252;ck, als im  Internet wirklich neue Ideen zu wagen. Im Programm findet zunehmend  entweder nur noch Hochkultur, Volksmusik oder echter Trash aus Castingshows statt.</p>
<p><strong>Der Pop, der das Land kulturell geeint hat, flieht ins Netz.</strong></p>
<p>Die TV-Sender f&#252;hlen sich f&#252;r ihn nicht mehr verantwortlich. RTL 2 wird sich  erledigt haben, wenn die letzten Tabus fallen und der Sender alles gezeigt  hat, was niemand sehen wollte. Um MTV wird es einsam werden, sobald die Zuschauer f&#252;r ihre Inhalte zahlen sollen. Der Grandprix in  D&#252;sseldorf wird im schlimmsten Fall ein spie&#223;iges Deutschland-Bild à la Derrick produzieren,  f&#252;r das man im Ausland auf uns herabblickt.</p>
<p>Und irgendwann wird dann ein S&#228;nger  „I want my youtube“ zum besten geben, wenn eine neue Version von „Money  for nothing“ eingespielt wird.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_musik_im_fernsehen_geld_fuer_nichts.html">Motorblog</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35254&amp;md5=c61f7c7882f6bcd31d8e20772d51c58c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Pay-Apps von ARD und ZDF?</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Oct 2010 10:13:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ARD und ZDF k&#246;nnen sich nun offenbar doch vorstellen, Apps auch kostenpflichtig anzubieten. Galt nicht eben noch das Argument, dass die Inhalte vom Geb&#252;hrenzahler schon bezahlt worden sind?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/236ed62bc7d94ce0ba273a8a74841370" width="1" height="1" alt=""/>Es wurde  viel dar&#252;ber diskutiert, ob und wie lange ARD und ZDF einmal ausgestrahlte  Sendungen in ihren Mediatheken bereitstellen sollen und d&#252;rfen. In diesem  Zusammenhang wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Geb&#252;hrenzahler  diese Inhalte schon bezahlt h&#228;tten.</p>
<p><a href="http://www.ndr.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemeldungndr6801.html">So  erkl&#228;rte</a> die Vorsitzende des NDR Rundfunkrates, Dagmar Gr&#228;fin  Kerssenbrock, in der Debatte um das „Depublizieren“ von Inhalten erst im  September diesen Jahres: „Es ist den Geb&#252;hrenzahlern kaum zu vermitteln, warum  Inhalte, die mit Geb&#252;hrengeldern online gestellt wurden, nun mit Geb&#252;hrengeldern  wieder offline gestellt werden.“</p>
<p>Dieses Argument wird auch von vielen Nutzer  immer wieder benutzt. So stellte das NDR-Medienmagazin ZAPP fest, dass <a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/internet/depublizieren113.html">viele  meinen</a>, „dass sie die Inhalte bereits mit ihren GEZ-Geb&#252;hren bezahlt  haben. Deshalb wollen sie jederzeit darauf zugreifen k&#246;nnen – und zwar auf alle  Radio- und TV-Sendungen von ARD und ZDF.“ Um dann allerdings auch festzuhalten:  „Tats&#228;chlich aber sind gar nicht alle Sendungen online verf&#252;gbar. Denn die  Rundfunkanstalten besitzen nicht f&#252;r alle Produktionen uneingeschr&#228;nkte  Online-Rechte, vor allem nicht f&#252;r Archivmaterial.“</p>
<p>Gestern  nun forderte Springer-Chef Mathias D&#246;pfner auf den M&#252;nchner Medientagen von den  &#214;ffentlich-Rechtlichen, ihre Apps kurzerhand kostenpflichtig zu machen. So k&#246;nne  man schlie&#223;lich „das einzig zukunftsweisende Gesch&#228;ftsmodell f&#252;r Journalismus im  Netz“ retten, <a href="http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/vom-leibhaftigen-eroeffnet/">berichtet</a> Steffen Grimberg in der <em>taz</em>. Und wie  antworten ARD und ZDF? Weisen Sie dieses Angebot zur&#252;ck, da man ja nicht zweimal  f&#252;r denselben Inhalt kassieren k&#246;nne?</p>
<p>„Es sei  keine Ideologie, Angebote wie Apps kostenlos anzubieten“, sagte der ARD-Vorsitzende  Peter Boudgoust <em><a href="http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1662016/Doepfner-kritisiert-Gratiskultur-der-Oeffentlich-Rechtlichen-im-Netz.html">laut  Hamburger Abendblatt</a></em>. Zwar gebe es die „Tagesschau“-App  kostenlos, f&#252;r andere Angebote w&#252;rden k&#252;nftig aber auch zus&#228;tzliche Entgelte  f&#228;llig. ZDF-Intendant Markus Sch&#228;chter sagte, D&#246;pfners Grundansatz gefalle ihm gut.
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<a href="http://carta.info/35106/pay-apps-von-ard-und-zdf/">Pay-Apps von ARD und ZDF?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35106/pay-apps-von-ard-und-zdf/#comments">17 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35106&amp;md5=267226347f072ba636b90aff5c078175" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Precht: „Die Gesellschaft braucht das Privatfernsehen nicht“</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 07:08:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doris Raßhofer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Privatwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitätsjournalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Richard David Precht sieht den "Gesundschrumpfungsprozess bei den privaten TV-Anbietern mit einem gewissen Vergn&#252;gen", bestimmte Zeitungen h&#228;lt er jedoch f&#252;r systemrelevant. Im Interview spricht er &#252;ber moralische, wertvolle Medien, ihre p&#228;dagogische Verantwortung gegen&#252;ber der Gesellschaft und die Medienkompetenz von 'Konsumkindern'.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/baac353e79544b15a673b04a5f8a3919" alt="" width="1" height="1" /><em>Herr Precht, Medien wird derzeit eine F&#252;lle an Aufgaben &#252;bertragen: &#214;ffentlichkeit bieten, Demokratie schaffen, die Jugend sch&#252;tzen, gesellschaftliche Verantwortung &#252;bernehmen und Qualit&#228;t bieten. Ist das alles wirklich Aufgabe der Medien? Und k&#246;nnen sie dies alles &#252;berhaupt erf&#252;llen?</em></p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_David_Precht">Richard David Precht</a>: Die soziale Funktion von Medien ist es in erster Linie einmal, &#214;ffentlichkeit herzustellen, so dass die Energien der Menschen geb&#252;ndelt werden und sie sich &#252;ber &#228;hnliche Themen unterhalten k&#246;nnen, damit &#252;berhaupt ein Austausch stattfindet. Nat&#252;rlich sollen sie auch Pluralit&#228;t und Vielfalt herstellen, aber in erster Linie sollen sie Schwerpunkte setzen und &#252;ber diese die Menschen zusammenbringen. Das ist ihre gesellschaftliche Aufgabe seit den ersten Zeitungen in der Renaissance.</p>
<p><em>Das Lagerfeuer.</em></p>
<p>Das Forum der R&#246;mer, die Piazzen der Renaissance, die Agora der Griechen.</p>
<p><em>Haben Sie einen konkreten Vorschlag, wie genau die Medien diese gesellschaftliche Verantwortung wieder besser wahrnehmen k&#246;nnen?</em></p>
<p>Ein dringlicher Wunsch von mir w&#228;re es, das &#246;ffentlich-rechtliche Fernsehen wieder unabh&#228;ngiger vom politischen Einfluss zu machen. Der hat in Deutschland massiv zugenommen. Mit dem Ergebnis: Wenn die Demokratie nachl&#228;sst, verst&#228;rken sich die Seilschaften zwischen Medien, Politik und Wirtschaft. Hier m&#252;ssen wir Korrekturen machen.</p>
<p><em>Sie vertreten die Meinung, dass Medien mit Wirtschaftsinteressen verseucht sind. K&#246;nnen denn privatwirtschaftlich finanzierte Medien so &#252;berhaupt gesellschaftliche Verantwortung &#252;bernehmen?</em></p>
<div id="attachment_35070" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Richard_David_Precht_%289194%29.jpg"><img class="size-medium wp-image-35070" title="Richard_David_Precht_(9194)" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/Richard_David_Precht_9194-300x283.jpg" alt="" width="300" height="283" /></a><p class="wp-caption-text">Precht: &quot;Man h&#228;tte das Duale System als Konkurrenz zum &#246;ffentlich-rechtlichen ja nie einf&#252;hren m&#252;ssen.&quot; (Foto © Raimond Spekking / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 &amp; GFDL)</p></div>
<p><strong>Das Privat-TV hat &#252;berhaupt keine gesellschaftliche Verantwortung.</strong> Man k&#246;nnte sagen, ihre Aufgabe best&#252;nde darin, Regeln zu schaffen, die das schlimmste verhindern, aber nicht, sie zu einer moralischer erzieherischen Bildungsanstalt zu machen. Das ist v&#246;llig ausgeschlossen. Das private Fernsehen wurde nicht gegr&#252;ndet, weil Deutschland ein Moraldefizit hat, sondern um Geld zu verdienen. Und daran sollten und k&#246;nnten wir auch gar nichts &#228;ndern.</p>
<p><em>Und Zeitungen?</em></p>
<p>Grunds&#228;tzlich haben sie auch keine gesellschaftliche Verpflichtung. Wenn ich morgen eine Zeitung gr&#252;nde, kann ich damit machen, was ich will. Das ist auch immer die Argumentation des Privat-Fernsehens, die gleiche Freiheit zu genie&#223;en, die die Printmedien auch haben. Das ist auch richtig so, von den Schmerzgrenzen gegen die guten Sitten oder demokratisches Recht mal abgesehen.</p>
<p>Deshalb sind ja die &#214;ffentlich-Rechtlichen so wichtig, weil man bei ihnen mit juristischem Recht auch einfordern kann, was man bei den privaten Medien nicht kann. Ich kann von einer Frauenzeitung nicht verlangen, dass sie einen gesellschaftlich wertvollen Beitrag bringen muss. Von &#246;ffentlich-rechtlichen Medien hingegen schon.</p>
<p><em>Jetzt sind gerade viele privatwirtschaftlich finanzierte Medien Reichweitenmedien, die die Massen erreichen. Besteht hier wirklich keine inhaltliche Verantwortung?</em></p>
<p>Man h&#228;tte das Duale System als Konkurrenz zum &#246;ffentlich-rechtlichen ja nie einf&#252;hren m&#252;ssen. Eigentlich merkw&#252;rdig, warum man das je gemacht hat. Im Endeffekt bestand keine Not, nur Wirtschaftsinteressen. Aber die Wirtschaft wurde dadurch nicht wirklich voran gebracht, sondern nur in andere Bereiche verlagert. Wie im Leben: man baut nichts auf, solange man die Steine nur woanders herholt. So gesehen ist der Satz von Helmut Schmidt, der gesagt hat, das Privatfernsehen ist so gef&#228;hrlich wie Kernenergie, nicht falsch. Deshalb sehe ich den Gesundschrumpfungsprozess bei den privaten TV-Anbietern mit einem gewissen Vergn&#252;gen.</p>
<p><em>Verstehe ich Sie richtig, Sie sagen, Privat-TV br&#228;uchte man nicht, solange es einen funktionierenden &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt?</em></p>
<p>Unbedingt. Es gibt keinen Grund, warum die Gesellschaft das Privatfernsehen braucht, ihr w&#252;rde es ohne an nichts fehlen. Schon gleich nicht, seit es im Internet unglaublich viele elektronische Informationsm&#246;glichkeiten gibt.</p>
<p><em>Und wie sieht es mit Printmedien aus?</em></p>
<p>Die gesellschaftliche Verantwortung, die von bestimmten Zeitungen &#252;bernommen worden ist, obwohl man sie nicht dazu zwingen kann, bereichern unsere Demokratie. <em>Spiegel, FAZ, TAZ, Falter, SZ</em>, sie halte ich f&#252;r systemrelevant, weil sie einen Beitrag zur &#246;ffentlichen Debatte liefern. Und somit eine gewisse soziale Funktion erf&#252;llen.</p>
<p><em>&#220;bernimmt ein Qualit&#228;tsmedium auch gleichzeitig automatisch soziale Verantwortung? Oder anders: Wenn ein Medium soziale Verantwortung &#252;bernimmt, ist es dann ein Qualit&#228;tsmedium?</em></p>
<p>Das ist ein Streit um den Begriff Qualit&#228;t. Wahrscheinlich w&#252;rde ein islamistischer Fundamentalist in der Lage sein, ein hochqualitatives intellektuelles Fundamentalisten-Magazin herauszubringen, wo wir nicht sagen w&#252;rde, das ist moralisch wertvoll, sondern moralisch gef&#228;hrlich. <strong>Niveau allein garantiert noch keine Moral.</strong></p>
<p><em>Sie sagen, es sei die Aufgabe eines Mediums, &#214;ffentlichkeit zu schaffen und Informationen zu bewerten und einzuordnen. Im Internet tauscht sich eine Heerschar von Menschen untereinander mit einem Maximum an m&#246;glicher &#214;ffentlichkeit aus und tut ihre Meinungen kund. Ein Qualit&#228;tsmedium per definitione?</em></p>
<p>Ich habe ja nicht gesagt, das Internet sei kein Qualit&#228;tsmedium. Eigentlich ist es &#252;berhaupt kein Medium im klassischen Sinn, sondern eine Plattform f&#252;r Medien. Das ist per se noch nichts unmoralisches. Aber nur weil etwas moralisch ist, ist es nicht hochwertig. Und nur weil etwas qualitativ hochwertig ist, macht es nicht moralisch.</p>
<p>Die Boulevardmedien sind sehr moralisch auf ihre Art und Weise, das hei&#223;t sie machen im Namen der Moral Propaganda f&#252;r oder gegen etwas, ohne dass ich deswegen sagen w&#252;rde, das hat Qualit&#228;t.</p>
<p>Es ist also eine ziemlich schwierige Balance, zwischen etwas moralisch wertvollem, das im Guten die Funktion &#214;ffentlichkeit herzustellen erf&#252;llt oder eben nicht erf&#252;llt. Ich kann nat&#252;rlich &#214;ffentlichkeit herstellen, indem ich &#252;ber Paris Hilton berichte, und alle reden &#252;ber Paris Hilton. Die Frage ist nur, wie gro&#223; ist der gesellschaftliche Zugewinn, wenn alle nur noch &#252;ber Paris Hilton reden. Vielleicht sollten sie auch von etwas anderem reden. Das hei&#223;t, wir haben hier eine Mehrkomponenten-Definition, von dem was wir wirklich brauchen.</p>
<p><em>Das Internet erm&#246;glicht aber einen unglaublichen Nachfragedruck, die Menschen haben die Macht, zu bekommen, was sie wollen.</em></p>
<p>Hier finde ich eine Studie aus Amerika interessant: sie stellt fest, dass Menschen immer auf diejenigen Foren gehen, wo die Meinung vertreten wird, die sie sowieso schon haben. Das Internet ist also eher eine Maschine zur Verst&#228;rkung von Vorurteilen als zur umfassenden Weiterbildung. Das liegt an der Art und Weise, wie der User sich die Informationen raussucht. Man darf das Internet also nicht nach seinen M&#246;glichkeiten messen, die es bereitstellt, sondern man muss den gesellschaftlichen Erfolg des Internets an der Art und Weise messen, wie es gebraucht wird.</p>
<p><em>VPRT-Chef J&#252;rgen Doetz sagte einmal sinngem&#228;&#223;: Regt Euch doch nicht &#252;ber die Qualit&#228;t des Privat-Fernsehens auf, die Medien geben den Menschen nur das, was sie sehen wollen. Ein Spiegel der Gesellschaft</em>.</p>
<p>Stellen Sie sich diesen Satz einmal ins Allgemeine hochgerechnet vor. Dann w&#252;rde Kindererziehung darin bestehen, dass wir den Kindern immer sofort das geben, was sie von uns verlangen. Diese Kinder w&#252;rden nicht erzogen sondern verzogen. Wenn man einen moralischen Auftrag hat, dann hat man auch einen p&#228;dagogischen Auftrag. <strong>Auch erwachsene Menschen m&#252;ssen erzogen werden</strong>. Ob sie wollen oder nicht. Eine Gesellschaft, die darauf komplett verzichtet, ruiniert sich.</p>
<p><em>Jetzt fordert man aber gerade von Medien, nicht zu moralisieren und mit dem erhobenen Zeigefinger herumzulaufen.</em></p>
<p>Wir wollen m&#246;glichst umfassend informiert werden und wir wollen aber auch durch vorgepr&#228;gte Meinungen, die wir entweder unterst&#252;tzen oder die uns zum Widerspruch reizen, gedanklich vorangebracht werden. Meinungsjournalismus hei&#223;t ja nicht, dass ich andere auf meine Meinung einschw&#246;ren muss, vor allem dann nicht, wenn ich unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen lasse. Die helfen mir, mein Urteil zu schulen. So gesehen haben sie eine p&#228;dagogische Funktion.</p>
<p>Ein reines Informationsmedium ist p&#228;dagogisch nicht sehr wertvoll. Das ist wie Schule ohne Lehrer, wo man mir nur Matheb&#252;cher zum Mathelernen hinlegt. Ich brauche aber jemanden, der mir Mathe vermittelt.</p>
<p><em>Wo sollte denn Medienkompetenz vermittelt werden?</em></p>
<p>Am besten schon im Kindergarten. Ich stelle mir hier ein Fach vor wie Konzentration, Lebenskunst, Meditation – etwas, das Kinder sehr fr&#252;hzeitig vor den Aufmerksamkeitsr&#228;ubern sch&#252;tzt, damit sie ihr wertvollstes Gut, was sie haben, die Neugier, nicht auf Dinge lenken, die ihnen langfristig nichts bringen, sondern nur der Werbewirtschaft nutzen. Sie m&#252;ssen lernen, Filter und Sortiersysteme zu bilden. Da kann man nicht als Lehrer schimpfen &#252;ber die Elternh&#228;user, wo die Kinder vor dem Fernseher oder Computer sitzen, da muss man dagegen arbeiten. Und das w&#228;re das wichtigste Schulfach, wichtiger als alle anderen</p>
<p><em>ADS bei Kindern wird vielfach auch der schnellen Taktung in den Medien zugeschoben&#8230; Es gibt aber Stimmen, die sagen, Kinder haben ADS wegen der Patchworkfamilien, in denen niemand mehr Zeit hat f&#252;r sie – deshalb sitzen sie vor dem Computer oder Fernseher mit der schnellen Taktung. Solche Kinder bekommen dann in der Schule Medienkompetenz vermittelt, um damit umzugehen, was ja nur Symptom ihrer Vernachl&#228;ssigung ist.</em></p>
<p>Das ist nat&#252;rlich ein Teufelskreis. Es  gibt aber eine p&#228;dagogische Funktion, die Menschen vor sich selber zu sch&#252;tzen. Eine Gesellschaft, die darauf verzichtet, leistet einen Offenbarungseid. Ich will keine Gesinnungsdiktatur, aber ich will auch nicht auf diesen grundlegenden Schutz verzichten.</p>
<p><em>Sie sagen, Kinder h&#228;tten keine Faktentiefe sondern nur noch Empathie. Ist das nicht auch eine Chance f&#252;r diese p&#228;dagogische Funktion, dieses Sp&#252;ren, was richtig ist f&#252;r den anderen und was nicht?</em></p>
<p>Die Empathie unserer heutigen Jugendlichen ist eine enorme Qualit&#228;t, wenn es denn gel&#228;nge, sie auf langfristige Ziele zu setzen. Die Zahl der engagierten Jugendlichen hat sich jedoch seit den 70er Jahren nicht erh&#246;ht. Daf&#252;r hat sich die Zahl der ehrenamtlich engagierten Rentner verdreifacht. Trotz ihrer Orga- und Empahthief&#228;higkeiten, die Jugendliche im Web lernen, geben sie die ganze Energie eigentlich nur aus f&#252;r Freundschaft, Liebe, Facebook und Selbstdarstellung. Und nicht f&#252;r Dinge, die dazu beitragen, das Leben der anderen langfristig besser zu machen.</p>
<p><em>Haben wir das gemacht als wir jung waren? Ich nicht.</em></p>
<p>Ich schon. Ich komme aus einer Familie, in der soziales Engagement einen enorm hohen Wert hat. Meine Eltern haben zwei Kriegswaisen aus Vietnam adoptiert, als ich klein war. Und wir hatten Pflegekinder aus dem Kinderheim, die immer am Wochenende bei uns waren.</p>
<p><em>&#8230;grober Unterschied zu Konsumkindern.</em></p>
<p>Klar. Aber ich denke, dass mir diese Haltung nicht geschadet hat. Und deshalb m&#246;chte ich sie gerne weitergeben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Doris Ra&#223;hofer ist stellvertretende Chefredakteurin des  Monatsmagazins “Bestseller” vom &#246;sterreichischen Horizont. Dieses Interview ist auch auf <a href="http://www.horizont.at/service/horizontat-archiv/archivdetail/news/die-gesellschaft-braucht-das-privatfernsehen-nicht.html">horizont.at</a> erschienen.</em>
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<a href="http://carta.info/35058/precht-die-gesellschaft-braucht-das-privatfernsehen-nicht/">Precht: „Die Gesellschaft braucht das Privatfernsehen nicht“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35058/precht-die-gesellschaft-braucht-das-privatfernsehen-nicht/#comments">42 comments</a>
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		<title>Huch: Carta mit der &#8220;digitalen Schleuder&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 12:22:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein paar munter aufm&#252;pfige Gallier-Blogs haben es auf das Cover des Mainzer Mediendisputs geschafft. Carta ist auch dabei. Wir registrieren das mal unter: Lob.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/db644f287eba4f7fbfd83db42ead7d6d" width="1" height="1" alt=""/><em>Carta</em>-Leser Michael hat uns gerade darauf hingewiesen, dass es <em>Carta</em> zu einem kleinen Coverhelden auf der diesj&#228;hrigen Einladung zum <a href="http://www.mainzermediendisput.de/">Mainzer Mediendisput</a> geschafft hat:</p>
<div id="attachment_34603" class="wp-caption aligncenter" style="width: 488px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/mainzer_mediendisput_cover.jpg"><img class="size-full wp-image-34603 " style="border: 1px solid black;" title="mainzer_mediendisput_cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/mainzer_mediendisput_cover.jpg" alt="" width="478" height="567" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Digitale Steinschleuder&quot;: Cover zum diesj&#228;hrigen Mainzer Mediendisput</p></div>
<p style="text-align: left;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: left;">Ebenfalls als Gallier gegen die etablierten Medien-R&#246;mer dabei: <a href="http://www.spiegelfechter.com/">Spiegelfechter</a>, <a href="http://annalist.noblogs.org/">Annalist</a>, <a href="http://www.digitalpublic.de/">DigitalPublic</a>, <a href="http://www.sprengsatz.de/">Sprengsatz</a> und der Aggregator <a href="http://rivva.de/">Rivva</a>. Warum ausgerechnet diese Blogs auf die vier TV-Anbieter schie&#223;en, erscheint etwas unklar. Zumindest <a href="http://www.bildblog.de/">Bildblog</a> oder <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/">Stefan Niggemeier</a> h&#228;tten doch noch Pl&#228;tze verdient.</p>
<p style="text-align: left;">Was sollen wir dazu sagen?</p>
<p>Die gute alte Mainzer Mediendisput-Melange (boulevardeske Zuspitzung plus mit wohlgepflegt-orthodoxen Ressentiments aufgeladene Medienkritik) hat also diesj&#228;hrig ein paar Gallier-Blogs auf das Einladungs-Cover gesp&#252;lt.</p>
<p>Wir nehmen das mal als indirektes Lob &#8211; aber nicht ohne uns zugleich &#252;ber die &#220;bertreibung zu am&#252;sieren.</p>
<p>Denn wo bitte ist auf dem Comic-Cover ist der gesch&#228;tzte <a href="http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~EE18483265C814A3BB1B74A235C24D411~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">Ober-Steineschleuderer</a> <a href="http://www.faz.net/s/RubD87FF48828064DAA974C2FF3CC5F6867/Doc~EB688A6C489BF47E1B0FBE4657970C3B5~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Michal Hanfeld</a>? Der h&#228;tte nun wirklich ein eigenes Gallier-M&#228;nnchen verdient. Der war aber wohl gerade nicht en vogue in Mainz.</p>
<p>Auf dem Mainzer Mediendisput selbst reden &#252;brigens Alfons Pieper, Peter Schink, Constanze Kurz, Hardy Prothmann und Christian St&#246;cker &#252;ber &#8220;David &#228;rgert Goliath &#8211; die digitale Steinschleuder&#8221;.</p>
<p>Das ist aber wirklich mal eine gute Besetzung. Das Panel findet am 25. November gegen 15 Uhr im ZDF-Konferenzzentrum in Mainz statt.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34602&amp;md5=d8db4607e12402d98ecb57fdf9fdbb15" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>GEZ-Reform: &#8220;Notfalls wird der &#246;ffentlich-rechtliche Auftrag reduziert&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/34568/gez-reform-notfalls-wird-der-oeffentlich-rechtliche-auftrag-reduziert/</link>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 18:01:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgebühren]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Interview erkl&#228;rt Johannes Beermann, Chef der s&#228;chsischen Staatskanzlei, dass der Rundfunkbeitrag nicht &#252;ber 17,98 Euro steigen solle und daf&#252;r auch Anstalten und Programme zusammengelegt werden k&#246;nnten. Eine Medienabgabe lehnt er ab: Er wolle keine Staatsmedienwirtschaft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7b143d518a1243e2ab8ccbebe49292f3" alt="" width="1" height="1" /><em>Herr Beermann, der Verband der Zeitschriftenverleger VDZ verlangt eine Debatte über die Privatisierung von ARD und ZDF. Halten Sie eine solche Debatte ebenfalls für notwendig?</em></p>
<p>Dr. Johannes Beermann: Meines Erachtens schie&#223;t eine Debatte zur „Privatisierung von ARD und ZDF“ über das Ziel hinaus. Hinter dieser Formulierung steht die Kernfrage, ob die Gesellschaft in Deutschland weiter am dualen Rundfunksystem festhalten will. Diese Frage möchte ich klar mit ja beantworten.</p>
<div id="attachment_34591" class="wp-caption alignright" style="width: 208px"><a href="http://www.sk.sachsen.de/219.htm"><img class="size-full wp-image-34591" title="198_dr_beermann" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/198_dr_beermann.jpg" alt="" width="198" height="230" /></a><p class="wp-caption-text">Beermann: &quot;17,98 Euro sind die Messlatte, zur Not wird der Auftrag reduziert.&quot; (Foto: S&#228;chsische Staatskanzlei)</p></div>
<p>Wir brauchen sowohl öffentlich-rechtliche als auch private Rundfunkangebote. Es muss neben Rundfunkangeboten, die sich allein an der Nachfrage orientieren, auch Angebote geben, die zuverlässige Informationen bieten oder auch Möglichkeiten für kulturelle Sendungen geben, die sich nicht allein am Massengeschmack orientieren. Die Frage, was zu den Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört, wird zur Zeit in der Arbeitsgemeinschaft Beitragsstabilität der Rundfunkkommission behandelt.</p>
<p><em>Warum benötigen wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin für die Grundversorgung? </em></p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat entschieden, dass es für eine Grundversorgung des öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedarf. In der Tat ist es überlegenswert, wie der Grundversorgungsauftrag angesichts der Existenz und der Ausprägung von privaten Fernsehprogrammen aktuell aussieht. Er ist dynamisch und kann verändert werden.</p>
<p>Aufgrund der intensiven Sportberichterstattung oder der zahllosen Unterhaltungsshows kann man schon die Frage aufwerfen, ob diese auch so intensiv im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesendet werden müssen. Diese Frage stellt sich um so stärker, umso geringer die Format- oder Qualitätsunterschiede zwischen Privaten und Öffentlichen Veranstaltern ausfallen.</p>
<p><em>Worin sehen Sie diese Grundversorgung?</em></p>
<p>Was zur Grundversorgung gehört, steht im Rundfunkstaatsvertrag im Paragraph 11, Absatz 1 und 2 und kann dort nachgelesen werden. Es geht darum zu informieren, zu bilden, zu beraten und auch zu unterhalten, um die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.</p>
<p>Dies hat objektiv, unparteilich, vielfältig und ausgewogen zu geschehen – mit dem Ziel, Menschen und Länder zusammenzuführen.</p>
<p>Die Neugestaltung dieser Vorschrift ist Aufgabe der AG Beitragsstabilität. Hier wollen wir den zitierten Umschreibungen Leben geben: Was ist ein „öffentlich-rechtliches Angebotsprofil“? Der Umfang der Grundversorgung ist noch aktuell, wie intensiv das eine oder andere bearbeitet wird, erscheint mir diskussionswürdig.</p>
<p><em>Wäre für Sie unter Umständen eine Belieferung der öffentlich-rechtlichen Sender durch private Sender und damit auch eine Verwendung von Gebührenmitteln für diese Produktionen denkbar?</em></p>
<p>Ich darf daran erinnern, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner Programmgestaltung unabhängig ist. Wenn er Programmteile von au&#223;en ankauft (was im Bereich von Dokumentation und Spielfilmen z.B. schon durchaus Gang und Gäbe ist) ist es seine Sache, mit wem er dieseVerträge schlie&#223;t. Vorgaben hierzu darf es in keiner Richtung geben.</p>
<p><em>Zeitungsverleger fordern, dass Zeitungen für ihre Online-Angebote Gebührenmittel erhalten, da diese Angebote auch einen gesellschaftlichen Mehrwert haben. Was halten Sie von dieser Idee?</em></p>
<p>Meiner Ansicht nach sind die Geschäftsmodelle strikt zu trennen. Es gibt Privatrundfunk, in dem mit Medien Geld verdient wird und öffentlich-rechtlicher Rundfunk, in dem Gebührenmittel für Medien ausgegeben werden. Aber beide Systeme verhalten sich zueinander in einer Art Dauertest und müssen mit- sowie gegeneinander Fortschritt gestalten. Veränderungen sind dabei nie ausgeschlossen.</p>
<p><em>Die Gebührenmittel sind anscheinend sehr begehrt, andere Bundesländern fordern sie z.B. für die Finanzierung des lokalen Fernsehens. Währe nicht anstelle der Rundfunkabgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich eine Medienabgabe für gesellschaftlich notwendigen Content, wie öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Qualitätsjournalismus von Zeitungen, wichtige Online-Seiten oder Blogs sinnvoll und vertretbar?</em></p>
<p>Private haben ein Geschäftsmodell, mit dem sie Geld verdienen und dafür den Schutz unserer Wirtschaftsverfassung. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist im Rahmen der Aufgabenzuweisung, die er von der Politik bekommt; frei. Er wird deswegen aus Gebühren finanziert. Die Trennung ist sinnvoll. Ob in einzelnen Ländern, in denen Lokalanbieter eine Tradition haben und nicht das gro&#223;e Geld verdienen, sogenannte Kabelgroschen eingezogen werden, sollte aus föderalistischen Gründen möglich sein. Mehr auch nicht. <strong>Wir wollen keine Staatsmedienwirtschaft.</strong></p>
<p><em>Sachsen tritt für eine Deckelung der Rundfunkabgabe auf dem jetzigen Niveau von 17,98 Euro auch ab 2013 ein. Geraten Sie damit nicht wieder in die Gefahr, politisch Einfluss auf die Gebühr zu nehmen und damit in Kollision zum letzten Verfassungsgerichtsurteil?</em></p>
<p>Nein! Sachsen hat aus dem angesprochenen Urteil des Bundesverfassungsgerichts gelernt. Die öffentlichen Auftraggeber an die Rundfunkanstalten, die Länder, können die Aufgabe definieren. Wie die Aufträge abgearbeitet werden, bestimmen auch hinsichtlich des finanziellen Umfangs die Rundfunkanstalten.</p>
<p>Insofern können wir den Beitrag nicht bei 17,98 Euro deckeln. Wir haben die politische Absicht, dass der Beitrag nicht über 17,98 Euro nach der Systemumstellung steigt. Das fordert übrigens auch der Gutachter, der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Kirchhof.</p>
<p>Politik darf nicht in den Geruch geraten, die Systemumstellung nur zu machen, um den durchschnittlichen privaten Gebührenzahler, der mehr als 90 Prozent des Aufkommens aufbringt, stärker zur Ader zu lassen. <strong>17,98 Euro sind die Messlatte. Zur Not sind wir bereit, die Aufgaben so zu verringern, dass diese Me&#223;latte sicher nicht gerissen wird.</strong></p>
<p><em>Sie können nicht verhindern, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Gebührenanmeldung bei der KEF einreichen. Wie wollen Sie die Gebührenhöhe begrenzen?</em></p>
<p><strong>Wir können die Aufgaben des öffentlichrechtlichen Rundfunks konkretisieren und verkleinern</strong>. Brauchen wir alle Spartenprogramme, die die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten derzeit betreiben?</p>
<p>Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir uns z.B. folgende Fragen stellen: Brauchen wir das Erste, das ZDF und die dritten Programme? Gehört die Unterhaltung von Balletten und (Blas-)Orchestern zum Auftrag einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt? Auch der Umfang einer Berichterstattung ist auf den Prüfstand zu stellen. Müssen sowohl ARD als auch das ZDF jeweils eigene Teams zur Berichterstattung zu olympischen Spielen schicken? Gibt es Möglichkeiten, Kosten bei der technischen Verbreitung zu reduzieren?</p>
<p><em>Angenommen, die Gebühreneinnahmen liegen durch die Umstellung auf das neue Modell über den gegenwärtigen, können sie sich auch eine Senkung der Gebühren pro Haushalt vorstellen?</em></p>
<p>Natürlich. Die KEF stellt mit ihrem Verfahren den Bedarf der Rundfunkanstalten fest. Dieser darf nicht überkompensiert werden. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig, perspektivisch die Werbung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen.</p>
<p><em>Die Ministerpräsidenten haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit einer Überprüfung der Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks befassen soll. Aber haben Sie nicht im Zusammenhang mit dem 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag erst den Auftrag definiert? Warum eine erneute Überprüfung?</em></p>
<p>Im 12. RÄStV wurden Digitalkanäle und Telemedien aufgrund eines Kompromisses mit der EU beauftragt. Jetzt geht es darum, das Gesamtsystem in die richtige Bahn zu lenken und genau deshalb schauen wir uns das Gesamtsystem an.</p>
<p><em>In welchen Bereichen halten Sie eine Reduzierung des Angebotes für möglich?</em></p>
<p>Die AG hat ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen. Ansatzpunkte sind, den Begriff <strong>Auftrag zu konkretisieren, Anstalten und Programme womöglich zusammenzulegen</strong>. Wir wollen auch mit den Anstalten über Kooperationen und verstärkten Austausch reden. Gleiches gilt für die Frage, ob die Rundfunkanstalten noch Sparpotenzial in ihrer Organisation schaffen können.</p>
<p><em>Die Telemedienkonzepte von ARD und ZDF sind bestätigt. Werden sich die Ministerpräsidenten des Streitthemas „Presseähnlichkeit“ noch einmal widmen oder sehen Sie hier keinen Beratungsbedarf mehr?</em></p>
<p>Von unserer Seite gibt es derzeit keinen Gesprächsbedarf, die Verfahren sind abgeschlossen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/promedia10.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-34586" title="promedia10" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/promedia10.jpg" alt="" width="106" height="150" /></a>Dieses Interview von Helmut Hartung mit Dr. Johannes Beermann, Chef der Staatskanzlei des Freistaates Sachsen, erschien unter dem Titel „17,98 Euro sind die Messlatte. Zur Not wird der Auftrag reduziert“ im medienpolitischen Fachmagazin <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a>, Ausgabe 10/2010, das mit Carta kooperiert.</em></p>
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<a href="http://carta.info/34568/gez-reform-notfalls-wird-der-oeffentlich-rechtliche-auftrag-reduziert/">GEZ-Reform: &#8220;Notfalls wird der &#246;ffentlich-rechtliche Auftrag reduziert&#8221;</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34568/gez-reform-notfalls-wird-der-oeffentlich-rechtliche-auftrag-reduziert/#comments">8 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34568&amp;md5=f726358815e25f3db80904eeb591f582" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das bestellte Datenschutz-Gutachten</title>
		<link>http://carta.info/34513/das-bestellte-datenschutz-gutachten/</link>
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		<pubDate>Tue, 28 Sep 2010 14:48:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Hans Peter Bull]]></category>
		<category><![CDATA[Haushaltsabgabe]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgebühren]]></category>

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		<description><![CDATA[Hans Peter Bull ergreift mit seinem Gutachten Partei in der Auseinandersetzung zwischen den Datenschutzbeauftragten und den gesetzgebenden L&#228;ndern. Das k&#246;nnte auf ARD und ZDF zur&#252;ckfallen. Besser h&#228;tten die L&#228;nder selbst ein Gutachten bestellt, und zwar mit echtem Datenschutz-Auftrag.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ec23b22718384c08b464fe69f75e1398" alt="" width="1" height="1" />Dr. Hans Peter Bull war von 1978 bis 1983 der erste Datenschutzbeauftragte Deutschlands. Nun f&#228;llt er seinen Kollegen in den R&#252;cken. Diese hatten gravierende Datenschutzm&#228;ngel beim Entwurf zum neuen Rundfunkbeitragsstaatsvertrag festgestellt. Hans Peter Bull sollte mit seinem Gutachten die Bedenken der Datenschutzbeauftragten, die diese mit einem Schreiben vom 23. April 2010 sowie in einer Anh&#246;rung der Landes- und Rundfunkdatenschutzbeauftragten durch die Rundfunkreferenten der L&#228;nder am 7. September 2010 vorgebracht hatten, entkr&#228;ften. Als Grundlage diente ihm der Entwurf des Rundfunkbeitragsstaatsvertrages vom 17.8.20101.</p>
<p>Wenn man die Reaktionen von ARD und ZDF liest, scheint ihm dies gelungen zu sein. Schlie&#223;lich begr&#252;&#223;ten ARD und ZDF das „ausf&#252;hrlich begr&#252;ndete“ Ergebnis. ZDF-Justitiar Carl-Eugen Eberle <a href="http://www.presseportal.de/pm/29876/1684990/ard_radio_tv">erkl&#228;rte</a> bei der Vorstellung des Gutachtens am Montag vor einer Woche:</p>
<blockquote><p>F&#252;r den Einzug des Rundfunkbeitrags ist ein Modell entwickelt worden, das den b&#252;rokratischen Aufwand gering h&#228;lt und Nachforschungen beim Beitragspflichtigen, so gut es geht, vermeidet. Das Gutachten von Prof. Bull best&#228;tigt diese Verfahrensregelungen, die den Beitragspflichtigen entlasten, f&#252;r einen effektiven Gesetzesvollzug sorgen und Beitragsgerechtigkeit gew&#228;hrleisten.</p></blockquote>
<p>Und SWR-Justitiar Hermann Eicher <a href="http://www.presseportal.de/pm/29876/1684990/ard_radio_tv">stellt fest</a>:</p>
<blockquote><p>F&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es von gro&#223;er Bedeutung, dass die Neuordnung der Rundfunkfinanzierung h&#246;chsten datenschutzrechtlichen Anforderungen gen&#252;gt. Es ist daher erfreulich, dass ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet die Regelungen im Staatsvertragsentwurf unter datenschutzrechtlichen Aspekten f&#252;r geeignet, erforderlich und angemessen h&#228;lt.</p></blockquote>
<p>Doch gibt das Gutachten dies so her? Wenn man das Gutachten von vorn bis hinten liest, kann man zu anderen Schlussfolgerungen gelangen. Sicher: im Ziel des neuen Staatsvertrages sowie in der datenschutzrechtlichen Bewertung ist man sich mit dem Gutachter einig.</p>
<p><strong>Systemwechsel schafft keine Gerechtigkeit</strong></p>
<p>F&#252;r Hans Peter Bull ist der Systemwechsel gerecht,</p>
<blockquote><p>weil er dazu beitragen wird, die Erhebungsdefizite zu verringern und dadurch eine Erh&#246;hung der Beitr&#228;ge zu vermeiden. In fast jeder Wohnung ist heute mindestens ein H&#246;rfunkempf&#228;nger vorhanden und in weit &#252;ber 90 Prozent aller Wohnungen au&#223;erdem ein Fernsehempf&#228;nger; hinzu kommen die ebenfalls fl&#228;chendeckend verbreiteten PCs (und Mobiltelefone), die &#252;ber das Internet auch Rundfunkprogramme empfangen.</p></blockquote>
<p>Doch der Systemwechsel wird nicht nur die Erhebungsdefizite verringern, er wird sie &#252;berkompensieren, weil in Zukunft auch diejenigen, die keinen Rundfunk genutzt haben, daf&#252;r bezahlen m&#252;ssen. Sicher k&#246;nnen auch PCs und Mobiltelefone H&#246;rfunk empfangen. Doch die M&#246;glichkeit, etwas nutzen zu k&#246;nnen, hei&#223;t noch lange nicht, dass dies auch genutzt wird.</p>
<p>Der Gerechtigkeit halber h&#228;tte er auch darstellen m&#252;ssen, dass das neue Modell in Fragen der Gerechtigkeit auch zu Lasten gro&#223;er Gruppen geht. Zum einen sind dies diejenigen, die sich bewusst gegen Radio- und Fernsehempfang entschieden haben. Auch wenn es manche nicht glauben: solche B&#252;rgerinnen und B&#252;rger gibt es. Selbst, man annimmt, dass dies nur 1 Prozent der erwachsenen Bev&#246;lkerung ist, dann sind dies &#252;ber 600.000 Menschen.</p>
<p>In anderen F&#228;llen kann man die Zahl der von neuer Ungerechtigkeit Betroffenen genauer bestimmen. So sollen in Zukunft die 135.000 privaten „PC-Nutzer“ die volle Rundfunkgeb&#252;hr bezahlen. So sollen in Zukunft erstmalig &#252;ber 580.000 Behinderte mit 5,99 Euro im Monat zur Kasse gebeten werden. So werden die &#252;ber 2,4 Mio. reinen Radionutzer in Zukunft mehr als das Dreifache bezahlen. Und schlie&#223;lich erfolgt bei den Unternehmen eine Umverteilung, die gro&#223;e Unternehmen mit vielen Mitarbeitern entlastet, w&#228;hrend kleine Unternehmen sowie Unternehmen mit vielen Betriebsst&#228;tten bzw. Filialen zus&#228;tzlich belastet. Auch das neue Modell ist also in einigen Punkten ungerecht.</p>
<p>Hans Peter Bull meint: „Nur wenn der gr&#246;&#223;te Teil der Beitragsschuldner erfasst wird und damit zur Zahlung veranlasst werden kann, ist Beitragsgerechtigkeit erreichbar.“</p>
<p>Dabei zahlen seit Jahren mehr als 90% der Haushalte die Rundfunkgeb&#252;hr. Der Anteil der privaten Geb&#252;hrenzahler an den Gesamthaushalten lag im Jahre 2009 f&#252;r fast alle Anstalten &#252;ber dem Anteil im Jahre 2000. Aus den Zahlen der GEZ l&#228;sst sich ein „aggressives“ Abmeldeverhalten nicht erkennen. Sind die einfachen Erkl&#228;rungen f&#252;r die zunehmende Differenz zwischen Ab- und Anmeldungen nicht der „Sterbe&#252;berschuss“ sowie die geburtenschwachen jungen Jahrg&#228;nge, die jetzt die Vollj&#228;hrigkeit erreichen?</p>
<p><strong>Es werden nicht weniger, sondern mehr Daten erhoben</strong></p>
<p>Dr. Hans Peter Bull stellt fest, dass im</p>
<blockquote><p>Vergleich mit den bisherigen Dateien der GEZ wird die k&#252;nftige Sammlung eine geringere Zahl von Datens&#228;tzen umfassen; denn es werden nicht mehr alle Ger&#228;tebesitzer, sondern nur noch die „Haushaltsvorst&#228;nde“ – genau: die jeweils in einer Wohnung f&#252;r den Rundfunkbeitrag Verantwortlichen – notiert.</p></blockquote>
<p>Laut §8 (Anzeigepflicht) entf&#228;llt in Zukunft sogar ein Datum. Der „Grund der Anmeldung“ (fr&#252;her §3) wird nicht mehr abgefragt.</p>
<p>Doch auch wenn die Zahl der Datens&#228;tze sinkt, kann die Zahl der Daten steigen: wenn nicht zus&#228;tzliche Daten erfasst werden. Dass dies der Fall sein wird, stellt Bull immer wieder dar. Ja, er fordert sogar, weitere Daten zu erfassen. Und auch die &#220;bermittlung nimmt zu: Bis zum 1. Januar 2013 soll einmalig ein zentraler Meldedatenabgleich erfolgen.</p>
<p>Er fordert zudem in vier weiteren F&#228;llen, Daten zu erheben:</p>
<ol>
<li> Da bei Betriebsst&#228;tten der Inhaber nicht im Melderegister gespeichert ist, sollen Gewerberegister, die Handwerksrolle oder das Mitgliederverzeichnis einer IHK genutzt werden</li>
<li>Wenn man die Abmeldung einer Betriebsst&#228;tte erreichen will, muss man nachweisen, dass der Inhaber krank gewesen ist und dort nicht t&#228;tig sein konnte. Dazu soll ein &#228;rztliches Attest vorgelegt werden. Abgesehen davon, dass hier weitere Daten erfasst werden, ist sicher,  dass der Aufwand, ein solches Attest erstellen zu lassen und einzuholen,  den Gegenwert mehrerer Monatsraten hat.</li>
<li>In Zukunft soll man auch Eigent&#252;mer von Wohnungen oder Grundst&#252;cken zur Auskunft &#252;ber die Mieter zwingen k&#246;nnen.</li>
<li>Zudem soll „zumindest ein vollj&#228;hriger Mitbewohner je Wohnung“ angegeben werden, „der bei Auszug des Beitragsschuldners als neuer Schuldner in Frage kommt, bei dem also in diesem Fall nachgefragt werden kann.“</li>
</ol>
<p>Was es weiter geben soll und wird:</p>
<ol>
<li> In Zukunft muss man auch f&#252;r die Zweitwohnung weiter bezahlen. Dies kann nur aus dem Grund gewollt sein, h&#246;here Einnahmen zu erzielen. Schlie&#223;lich bezahlt man ja f&#252;r die M&#246;glichkeit, Rundfunk zu empfangen, nicht f&#252;r den Empfang. Man bezahlt unabh&#228;ngig von der Nutzung. Doch warum soll man f&#252;r die M&#246;glichkeit mehrmals bezahlen? Nur, weil man mehrere Wohnungen hat? Die M&#246;glichkeit zu empfangen, kann man doch nur einmal in Anspruch nehmen.</li>
<li>Auch in Zukunft sollen mit Geb&#252;hrengeldern Adressen von Adressh&#228;ndlern gekauft werden. Doch wieso eigentlich? Es gibt den einmaligen zentralen Melderegisterabgleich, die Einwohnermelde&#228;mter leiten, gesetzlich erlaubt, bei Zuzug, Wegzug oder Tod die Daten weiter. Wozu muss man dann noch Adressen kaufen?</li>
<li>Die Geb&#252;hrenbeauftragten wird es weiter geben. Deren Aufgabe wird dann darin bestehen „Wohnungen und Betriebsst&#228;tten ausfindig zu machen, die der GEZ bzw. den Landesrundfunkanstalten noch nicht bekannt sind oder in denen Personen wohnen oder arbeiten, ohne dass einer von ihnen als Rundfunkteilnehmer angemeldet w&#228;re.“</li>
</ol>
<p><strong>FAZIT</strong></p>
<p>Hans Peter Bull offenbart hier ein Menschenbild, dass er anscheinend mit vielen Ministerpr&#228;sidenten und Intendanten teilt. Ansonsten w&#252;rde er deren L&#246;sung nicht rechtfertigen: Die Mehrheit der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger seien nicht ehrlich, sie wollten die Rundfunkgeb&#252;hr umgehen, obwohl sie Rundfunk nutzen. Sie wollten den Rundfunk nicht bezahlen. Sie m&#252;ssten dazu gezwungen werden.</p>
<p>Wenn ARD und ZDF sich als Vertreter der Geb&#252;hrenzahler sehen w&#252;rden, dann h&#228;tte der Gutachtensauftrag anders lauten m&#252;ssen. Dann w&#228;re zu fragen gewesen, mit welchen Regelungen man m&#246;glichst datensparsam das neue Geb&#252;hrenmodell umsetzen kann, welche Regelungen man m&#246;glichst vermeiden sollte, um sich nicht in Verruf zu bringen, welche Regelungen es auf keinen Fall geben sollte – selbst wenn sie verfassungsrechtlich erlaubt sind – weil diese dann die Legitimation der Rundfunkgeb&#252;hr und somit von ARD und ZDF untergraben.</p>
<p>Doch so finanzieren sie mit Geb&#252;hrengeldern ein Gutachten, das vor allem den L&#228;nderregierungen hilft und dient. <strong>In dieser Phase h&#228;tten die L&#228;nder selbst ein Gutachten zu <em>ihrem </em>Gesetzentwurf in Auftrag geben m&#252;ssen.</strong></p>
<p>Wenn es mit der Umsetzung dieses Rundfunkbeitrags Probleme geben wird, wenn der b&#252;rokratische Aufwand steigt, wenn mehr Daten ermittelt werden, wenn mehr Menschen von der GEZ bzw. den Geb&#252;hrenbeauftragten befragt werden, dann werden ARD und ZDF und nicht die Medienpolitik damit verbunden. Dann wird ihre Legitimation in Frage gestellt. Die Grundlage daf&#252;r haben sie mit ihrer Parteinahme selbst gelegt.</p>
<p>Dabei hatten es ARD und ZDF nach dem Kirchhof-Gutachten so einfach. Da jeder nur an einer Stelle sehen, also die Programme nutzen kann, muss er nur einmal bezahlen. All die Doppel- und Mehrfachzahlungen h&#228;tte man zu den Akten legen k&#246;nnen. Man h&#228;tte keine Geb&#252;hrenbeauftragten mehr gebraucht. Doch um auf die Summe von 7,6 Mrd. Euro zu kommen, m&#252;ssen nun wieder Sondertatbest&#228;nde eingef&#252;hrt werden, f&#252;r deren &#220;berpr&#252;fung man die Geb&#252;hrenbeauftragten braucht.</p>
<p>Das Gutachten macht deutlich: Es wird der GEZ einfacher gemacht, Geb&#252;hrenzahler zu erfassen und zur Zahlung zu bringen. Es werden mehr Menschen zur Auskunft verpflichtet. Es werden mehr Daten erhoben werden. Damit ersch&#252;ttern ARD und ZDF ein weiteres Mal ihre Legitimation.</p>
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<p class="sdfootnote">Man kann sich ja auch nicht mehr abmelden.</p>
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		<title>Der &#8216;Fehdehandschuh&#8217; der Apparate</title>
		<link>http://carta.info/34122/oeffentlich-rechtlich-privat-internet-disput-medienpolitik-rundfunkstaatsvertrag/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 23:17:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Peter Boudgoust]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Disput um &#246;ffentlich-rechtliche vs. privatwirtschaftliche Angebote im Netz wurde durch 12. Staatsvertrag und Drei-Stufen-Tests nicht befriedet. Im Gegenteil. Szenen einer Diskussion mit Peter Boudgoust, Mercedes Bunz, Mathias D&#246;pfner und Frank Schirrmacher.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Der Preis des Internets?&#8221; &#8211; Unter diesem Motto sollte das Auftaktpanel des <a href="http://www.bdzv.de/pressemitteilungen+M55c2a5ba36a.html">BDZV-Zeitungskongresses</a> eigentlich einen bunten Strau&#223; von Themen durcharbeiten. Doch weil sich beim Leistungsschutzrecht derzeit wenig tut, r&#252;ckte der bekannte Longseller der Medienpolitik wieder in den Vordergrund: Die Rolle der &#214;ffentlich-Rechtlichen im Internet. Seit dem Gutachten von Hans-J&#252;rgen Papier  (&#8220;<a href="http://www.ard.de/intern/gremienvorsitzendenkonferenz-der-ard/aus-der-arbeit/pressemitteilungen/-/id=1026814/nid=1026814/did=1525850/lh35f/index.html">Presse macht Rundfunk</a>&#8220;) ist der Konflikt wieder voll aufgebrochen. Einige der Protagonisten scheinen sich erst jetzt so richtig warm gelaufen zu haben.</p>
<p><em>Carta</em> dokumentiert einige Ausschnitte aus der Diskussion zwischen Peter Boudgoust (ARD), Mercedes Bunz (herself/Guardian), Mathias D&#246;pfner (ASV) und Frank Schirrmacher (F.A.Z.) (Diskussionleitung: Frank Plasberg):</p>
<p><iframe src="http://player.vimeo.com/video/15128453?color=FF7700" width="560" height="315" frameborder="0"></iframe></p>
<p>(Den suboptimalen Ton bitten wir vielmals zu entschuldigen.)
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34122&amp;md5=54becfd91e3949413a6990eb004a2b9a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Gutachterei von ARD und ZDF</title>
		<link>http://carta.info/33904/die-gutachterei-von-ard-und-zdf/</link>
		<comments>http://carta.info/33904/die-gutachterei-von-ard-und-zdf/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 14:10:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[Noch ein Gutachten zum &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk - diesmal zum Datenschutz der Haushaltsabgabe: ARD und ZDF steuern die Medienpolitik zunehmend durch gezielte Expertisen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/74a840d350894a0abf76a083a2d3b04b" alt="" width="1" height="1" />Als im vergangenen Herbst die Verhandlungen zwischen den Bundesl&#228;ndern &#252;ber die Reform der Rundfunkgeb&#252;hr stockten, wurde kurzerhand ein sehr prominenter Gutachter benannt: Der ehemalige Verfassungsrichter Paul Kirchhof wurde beauftragt, die Unbedenklichkeit einer Haushaltsabgabe zu <a href="http://carta.info/26944/das-kirchhof-gutachten-neue-plausibilitaet-durch-rundfunkbeitraege-von-allen/">pr&#252;fen</a>.</p>
<p>Das Gutachten bezahlten damals nicht etwa die L&#228;nder, sondern ARD und ZDF &#8211; also die Betroffenen. Die H&#246;he des Gutachterhonorars wurde nie bekannt gegeben. Das Ergebnis gefiel Chefmedienpolitiker Kurt Beck ausgezeichnet &#8211; die Festlegung auf die Haushaltsabgabe folgte.</p>
<p>Als im Zuge des Drei-Stufen-Tests Unstimmigkeiten dar&#252;ber herrschten, wie das Verbot &#8220;presse&#228;hnlicher&#8221; Online-Angebote durch die Rundfunkanstalten zu interpretieren w&#228;re, wurde wieder ein sehr prominenter Gutachter gefunden: Der ehemalige Verfassungsrichter Hans-J&#252;rgen Papier wurde gebeten, das Spannungsverh&#228;ltnis von Rundfunk- und Pressefreiheit im Internet zu <a href="http://carta.info/33105/papier-das-internet-ist-am-ehesten-rundfunk/">kl&#228;ren</a>.</p>
<p>Bezahlt wurde das Gutachten von ARD und ZDF. Die H&#246;he des Gutachterhonorars wurde nie bekannt gegeben. Das Ergebnis gefiel den Rundfunkr&#228;ten ausgezeichnet &#8211; bis auf weiteres scheint der Diskurs um die Presse&#228;hnlichkeit zugunsten der &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten beendet.</p>
<p>Nun gibt es wieder ein medienpolitisches Problem &#8211; die geplante Umsetzung der Haushaltsabgabe trifft auf erhebliche <a href="http://carta.info/33410/gez-reform-neue-dokumente-bestaetigen-ungezuegelten-datenzugriff-durch-haushaltsgebuehr/">datenschutzrechtliche Bedenken</a>. Innerhalb der L&#228;nder kommen offenbar Zweifel auf, ob dies alles so machbar ist.</p>
<p>Was passiert?</p>
<p>Die Betroffenen, ARD und ZDF, geben ein Gutachten zu diesem Gesetzgebungsproblem der L&#228;nder in Auftrag. Der Autor ist sehr prominent und renommiert. Es ist der Staatsrechtslehrer und ehemalige Bundesbeauftragte f&#252;r  den Datenschutz, Prof. Dr. Hans Peter Bull. &#220;ber die H&#246;he des Gutachterhonorars ist bisher nichts bekannt.</p>
<p>Am kommenden Montag wird das Gutachten in Berlin vorgestellt. Das wenig &#252;berraschende <a href="http://carta.info/33866/pressemitteilung-ard-und-zdf-legen-gutachten-zum-datenschutz-vor/">Ergebnis</a> (Hervorhebungen <em>Carta</em>):  &#8221;Der Gutachter kommt zu dem Ergebnis, dass die Regelungen im Entwurf zum Rundfunkbeitragsstaatsvertrag den datenschutzrechtlichen Anforderungen gen&#252;gen und zur Gew&#228;hrleistung der verfassungsrechtlich geforderten gleichm&#228;&#223;igen Heranziehung aller Beitragszahler <strong>geeignet</strong>, <strong>erforderlich </strong>und <strong>angemessen </strong>sind.&#8221;</p>
<p>Der Gesetzentwurf, &#252;ber den Bull schreibt, ist noch nicht einmal ver&#246;ffentlicht &#8211; ein Gutachten dazu gibt es aber bereits. So l&#228;sst sich Deutungshoheit organisieren.</p>
<p>Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich die weitere Gesetzgebung stark am Bull-Gutachten orientieren. Gegen&#252;ber den 16 Bundesl&#228;ndern haben die prominenten Gutachter einen starken Stand.</p>
<p>Mit ihren stattlichen Gutachten-Etats sitzen ARD und ZDF bei der Medienpolitik in der ersten Reihe.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/33904/die-gutachterei-von-ard-und-zdf/">Die Gutachterei von ARD und ZDF</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/33904/die-gutachterei-von-ard-und-zdf/#comments">5 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33904&amp;md5=4ae1d6059c3c26b67ad55ac8e8c5037a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>NDR will mit &#8220;allen juristischen Mitteln&#8221; gegen Depub.org vorgehen</title>
		<link>http://carta.info/33886/ndr-will-mit-allen-juristischen-mitteln-gegen-depub-org-vorgehen/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 13:26:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
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		<category><![CDATA[Rundfunkstaatsvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesschau.de]]></category>

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		<description><![CDATA[Der NDR ist not amused: Der Sender will gegen das von Depub.org ver&#246;ffentlichte Tagesschau.de-Archiv vorgehen. Unklar ist jedoch, ob ein erneutes Depublizieren &#252;berhaupt durchsetzbar ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/76cfe2ddcd384923ad1b732b5cadb78c" alt="" width="1" height="1" />Seit gestern bietet <a href="http://depub.org/">Depub.org</a> ein republiziertes Tagesschau.de-Archiv im Web an. <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/das-depublizierte-tagesschau-de-archiv/">Aktivisten</a> protestieren damit gegen die Depublizierma&#223;nahmen &#246;ffentlich-rechtlicher Online-Inhalte im Rahmen des 12. Rundfunkstaatsvertrags. Sie z&#228;hlen dabei auch auf Zustimmung in den &#246;ffentlich-rechtlichen Redaktionen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir sind zuversichtlich, dass auch in den anderen Redaktionen Leute sitzen, die nicht wollen, dass die Artikel aus dem Netz verschwinden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auf ganz so gro&#223;e Sympathie st&#246;&#223;t die Aktion beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), dem Betreiber von Tagesschau.de, hingegen offiziell nicht. Der NDR teilte <em>Carta</em> auf Anfrage mit, dass er gegen Depub.org vorgehen werde. NDR-Sprecherin Iris Bents sagte:</p>
<blockquote><p>Der NDR wird mit allen juristischen Mitteln gegen Depub.org vorgehen, soweit dies m&#246;glich ist.</p></blockquote>
<p>Aus Sicht des NDR stelle Depub.org einen eindeutigen Versto&#223; gegen das Urheberrecht dar, so Bents.</p>
<p>Wer hinter Depub.org steht, ist hingegen unklar. Der Server steht im Ausland; der Domain-Inhaber ist nicht ohne Weiteres zu <a href="http://www.whois2.org/">identifizieren</a>. Die Aktivisten von Depub.org haben also vorgesorgt &#8211; und erschweren die erneuten L&#246;schversuche durch den NDR.</p>
<p>Offen ist daher, welche Mittel der NDR konkret zur Rechtsdurchsetzung einsetzen wird &#8211; was genau also die Einschr&#228;nkung &#8220;soweit dies m&#246;glich ist&#8221; bedeutet.</p>
<p>Durch die Ank&#252;ndigung des NDR d&#252;rfte die Diskussion um internationale L&#246;schabkommen eine neue Nuance erhalten.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33886&amp;md5=f00666e52640209d94054ae100a021a0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wo Papier irrt: Textangebote geh&#246;ren nicht zur Grundversorgung</title>
		<link>http://carta.info/33100/wo-papier-irrt-textangebote-gehoeren-nicht-zur-grundversorgung/</link>
		<comments>http://carta.info/33100/wo-papier-irrt-textangebote-gehoeren-nicht-zur-grundversorgung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 13:56:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hubertus Gersdorf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jürgen Papier]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Netz gibt es eine F&#252;lle vielfaltsstiftender Beitr&#228;ge. Digitaler Textangebote des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks zur Gew&#228;hrleistung von Vielfalt bedarf es daher nicht. Auch das Verfassungsgericht hat das bereits angedeutet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/0decfb435aee49d38e1e019791b9cfb5" alt="" width="1" height="1" />Kollege Papier <a href="http://carta.info/33105/papier-das-internet-ist-am-ehesten-rundfunk/">vertritt die Auffassung</a>, dass sich der verfassungsrechtliche Grundversorgungsauftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks auch auf Textangebote im Internet beziehe. Dies ist ein Irrtum – und zwar ein grundlegender.</p>
<p>Ob neue Inhalte, Formate sowie neue Verbreitungsformen zum Gegenstand des Grundversorgungsauftrages des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks avancieren k&#246;nnen, h&#228;ngt nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ma&#223;geblich davon ab, ob diese „k&#252;nftig <strong>Funktionen des herk&#246;mmlichen Rundfunks</strong> &#252;bernehmen“ bzw. „in erheblichem Umfang an die Stelle des herk&#246;mmlichen Rundfunks treten“. Da Ton- und Bewegtbildsendungen, nicht aber Textangebote, die Substanz des klassischen Rundfunks bilden, kann sich der Grundversorgungsauftrag auch nur auf Audio- und Videobeitr&#228;ge erstrecken, nicht hingegen auf Textangebote.</p>
<p>Dementsprechend hat das Bundesverfassungsgericht bereits 1987 am Beispiel des Videotextes klargestellt, dass reine Textdienste in keinem Zusammenhang mit der Grundversorgung stehen. W&#246;rtlich hei&#223;t es in dem Beschluss: „Dieser reine Textdienst hat mit der unerl&#228;sslichen Grundversorgung durch die &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weder unmittelbar noch mittelbar etwas zu tun“.</p>
<p>Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, dass sich der <strong>Grundversorgungsauftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht auf Textangebote</strong> bezieht. Im &#220;brigen geht Papier nicht einmal der Frage nach, warum f&#252;r die digital verbreitete Presse verfassungsrechtlich andere Ma&#223;st&#228;be gelten sollen als f&#252;r die gedruckte Presse, f&#252;r die es &#246;ffentlich-rechtliche Garantien bekanntlich nicht gibt. Im Vergleich zur Printpresse gibt es im Internet nicht weniger, sondern mehr Vielfalt.</p>
<p>Im Internet findet man nicht nur die Texte der Verlagsh&#228;user, sondern eine F&#252;lle weiterer vielfaltstiftender Beitr&#228;ge durch B&#252;rgerjournalismus<br />
etc. Die die herk&#246;mmliche Medienwelt pr&#228;genden starren Grenzen zwischen Medien und Nutzern werden im Internet durchl&#228;ssiger. Digitaler Textangebote des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks bedarf es zur Gew&#228;hrleistung von Vielfalt ebenso wenig wie einer &#246;ffentlich-rechtlichen Zeitung oder Zeitschrift.</p>
<p style="margin-bottom: 1em;">
<p><a href="http://www.promedia-berlin.de/"><img class="alignleft size-full wp-image-33144" title="promedia09" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/promedia09.jpg" alt="" width="150" height="213" /></a><em>Dieser Text von Hubertus Gersdorf erschien unter dem Titel „Keine Grundversorgung des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks f&#252;r Textangebote im Internet“ im medienpolitischen Fachmagazin <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a>, Ausgabe 09/2010, das mit Carta kooperiert.</em></p>
<p style="margin-bottom: 5em;">
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<a href="http://carta.info/33100/wo-papier-irrt-textangebote-gehoeren-nicht-zur-grundversorgung/">Wo Papier irrt: Textangebote geh&#246;ren nicht zur Grundversorgung</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/33100/wo-papier-irrt-textangebote-gehoeren-nicht-zur-grundversorgung/#comments">7 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33100&amp;md5=55987a280898004dadf17c8420383f0b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Papier: Das Internet ist am ehesten Rundfunk</title>
		<link>http://carta.info/33105/papier-das-internet-ist-am-ehesten-rundfunk/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 11:51:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Grundversorgung]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Jürgen Papier]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=33105</guid>
		<description><![CDATA[Hans-J&#252;rgen Papier &#252;ber sein Gutachten "Presse macht Rundfunk": &#252;ber die fragw&#252;rdige Kategorie "Presse&#228;hnlichkeit", &#252;ber das neue Orientierungsbed&#252;rfnis der B&#252;rger im Netz und Schutzpflichten des Gesetzgebers zugunsten der Presse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/982b58493713455eb37efde4c020ae8a" alt="" width="1" height="1" /><em>Herr Papier, warum kann der klassische Rundfunkbegriff, wie ihn auch das Bundesverfassungsgericht definiert hat, auf die Online-Welt noch angewendet werden?</em></p>
<p>Hans-J&#252;rgen Papier: Als das Grundgesetz 1949 in Kraft trat, war der technische Fortschritt noch nicht absehbar. Das gilt nicht nur f&#252;r den Bereich des Rundfunks, sondern auch etwa f&#252;r die elektronische Datenverarbeitung. Dennoch hat sich in den letzten 60 Jahren gezeigt, dass das Grundgesetz und insbesondere die Grundrechte so formuliert sind, dass dem technischen Fortschritt Rechnung getragen werden kann.</p>
<p>So ist etwa auch das im Volksmund „Computergrundrecht“ genannte Grundrecht auf Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme kein neues Grundrecht, sondern eine den technologischen Entwicklungen und den neuen Bedrohungen angepasste Interpretation des schon lange zuvor anerkannten allgemeinen Grundrechts auf Schutz der Pers&#246;nlichkeit, das aus der Menschenw&#252;rde in Verbindung mit der allgemeinen Handlungsfreiheit (Art. 1 Abs.1 und Art. 2 Abs. 1 GG) abgeleitet wird.</p>
<p><strong>F&#252;r die </strong><strong>Online-Welt hei&#223;t dies, dass man sich fragen muss, welchem Grundrecht sie zuzuordnen ist, und meines Erachtens ist wegen der drahtlosen Form der &#220;bertragung das Grundrecht der Rundfunkfreiheit aus Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG hier am ehesten einschl&#228;gig.</strong> Das bedeutet allerdings nicht, dass alles, was das Bundesverfassungsgericht bisher zur Rundfunkfreiheit gesagt hat, auch auf die Online-Medien &#252;bertragbar ist, die Urteile betreffen immer nur bestimmte Sachverhalte.</p>
<p><em>Ist die medienrechtlich die Trennung zwischen Rundfunk und Presse in der Online-Welt noch sinnvoll, wo die Grenzen doch anscheinend verschwinden?</em></p>
<p>Die Konvergenz der Medien ist sicherlich ein Trend, den auch das Recht ber&#252;cksichtigen muss. Nicht umsonst gibt es f&#252;r Telemedien spezielle gesetzliche Regelungen und es gelten nicht einfach die Pressegesetze der L&#228;nder oder die Regeln im Rundfunkstaatsvertrag &#252;ber Rundfunk im klassischen Sinne. Auf der Ebene des einfachen Gesetzes ist diese Vorgehensweise angesichts der verschwindenden Grenzen sicherlich sinnvoll und nach meinem Daf&#252;rhalten auch verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden.</p>
<div id="attachment_33148" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hans-Juergen.Papier.jpg"><img class="size-full wp-image-33148" title="hjpapier" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/hjpapier.jpg" alt="" width="300" height="209" /></a><p class="wp-caption-text">Hans-J&#252;rgen  Papier: &quot;Es besteht keine Identit&#228;t zwischen dem, was   verfassungsrechtlich Rundfunk ist, und dem, was die   &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten anbieten d&#252;rfen.&quot; (Foto: Church  of emacs, cc by-sa)</p></div>
<p>Im Grundgesetz gibt es aber in Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG nach wie vor die <strong>Unterscheidung zwischen Presse und Rundfunk</strong>. Daher muss man sich entscheiden, ob man die neuen Online-Medien zum einen oder anderen Bereich z&#228;hlt, es sei denn, man wollte sie einem anderen Grundrecht, etwa der Meinungs- oder Berufsfreiheit unterstellen, was wiederum der Bedeutung der Medien nicht gerecht w&#252;rde.</p>
<p><em>Ist nicht Ihre Auffassung, nur die unver&#228;nderte Wiedergabe von gedruckten Zeitschriften und Zeitungen im Internet sei erfasst, zu eng? M&#252;sste man den Begriff „presse&#228;hnlich“ nicht an den <a href="http://carta.info/31551/promedia-stadelmaier-der-verfassungsrechtliche-rundfunkbegriff-ist-technologieneutral/">Gestaltungsmerkmalen</a> von Zeitungen und Zeitschriften orientieren, wie Text/Bildkombinationen, die eine Spaltensetzung kennen, zudem unterschiedlich gestaltete &#220;berschriften und unterschiedliche Satzgr&#246;&#223;en?</em></p>
<p>Meine Ausf&#252;hrungen gehen auf diese Punkte ein. Allerdings wird man auf den Gesamteindruck der Printmedien mit Text und Standbildern im klassischen Aussehen abstellen m&#252;ssen. <strong>Einzelne Elemente</strong>, wie etwa die unterschiedlichen Satzgr&#246;&#223;en oder der &#252;berwiegende Textanteil, <strong>k&#246;nnen nicht ausreichen, um Presse&#228;hnlichkeit zu begr&#252;nden.</strong></p>
<p>Schon internettypische Merkmale wie umfassende Verlinkungen mit anderen Artikeln, interaktive Elemente wie Kommentarfunktionen zu Artikeln, Abstimmungsboxen und erst recht Multimedia-Elemente zerst&#246;ren allerdings diesen Gesamteindruck – so sieht keine Zeitung aus. Wie weit man auch im Einzelfall den Begriff der Presse&#228;hnlichkeit versteht, nicht alles, was Presseunternehmen heutzutage online anbieten oder betreiben, kann Ma&#223;stab f&#252;r die Presse&#228;hnlichkeit sein, sondern <strong>es geht um den Vergleich mit dem klassischen Presseprodukt</strong>.</p>
<p>Ob angesichts dieses Befunds die <strong>Presse&#228;hnlichkeit ein sinnvolles Abgrenzungskriterium</strong> ist, erscheint allerdings <strong>fraglich</strong>.</p>
<p><em>Die Zeitungsverleger kritisieren unter anderem, dass der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk Angebote auch mobil verbreitet. Woraus ergibt sich die Notwendigkeit und Rechtm&#228;&#223;igkeit, dass der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen Angeboten auf allen digitalen Verbreitungswegen auch verbreitet werden darf ?</em></p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach entschieden, dass dem &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk von Verfassungs wegen eine Bestands- und Entwicklungsgarantie zukommt, zuletzt in seiner Rundfunkgeb&#252;hrenentscheidung aus dem Jahre 2007. Dies bedeutet, dass der Gesetzgeber vorsorgen muss, dass die daf&#252;r erforderlichen technischen, organisatorischen, personellen und finanziellen Vorbedingungen bestehen.</p>
<p>Da das Programmangebot auch f&#252;r neue Inhalte, Formate und Genres sowie f&#252;r neue Verbreitungsformen offen bleiben muss, der <strong>Auftrag also dynamisch an die Funktion des Rundfunks gebunden</strong> ist, darf der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk nicht auf den gegenw&#228;rtigen, tradierten Entwicklungsstand in programmlicher, finanzieller und technischer Hinsicht beschr&#228;nkt werden.</p>
<p>Angesichts der heutigen Bedeutung digitaler Medien und der vielfach auch mobil stattfindenden Information weiter Teile der Bev&#246;lkerung m&#252;ssen dem &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk grunds&#228;tzlich auch die digitalen Verbreitungswege offen stehen.</p>
<p><em>Ist es dann verfassungsrechtlich legitim, wenn der 12. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag Beschr&#228;nkungen f&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk im Online-Bereich vornimmt?</em></p>
<p>Die Frage ist nach dem vorher Gesagten durchaus berechtigt. <strong>Es besteht aber keine Identit&#228;t zwischen dem, was verfassungsrechtlich Rundfunk ist, und dem, was die &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten anbieten d&#252;rfen.</strong> Der Gesetzgeber hat eine gewisse Einsch&#228;tzungspr&#228;rogative in der Frage, was genau der Auftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist. Bei dieser Konkretisierung darf er durchaus auch Grenzen vorsehen.</p>
<p><em>Sind die Telemedienangebote des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks die dritte S&#228;ule des Grundversorgungsauftrages?</em></p>
<p>Angesichts der &#252;berragenden Bedeutung, die die digitalen Informationsquellen heute – gerade auch bei j&#252;ngeren Leuten – haben, w&#252;rde ich die Bet&#228;tigung des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks in diesem Bereich auf jeden Fall grunds&#228;tzlich zum Grundversorgungsauftrag z&#228;hlen.</p>
<p><em>Sie schlagen vor, „als zus&#228;tzliches Kriterium f&#252;r das Vorliegen von Rundfunk im verfassungsrechtlichen Sinne – &#228;hnlich wie bei der Pressefreiheit – die Wahrnehmung einer besonderen, &#252;ber die blo&#223;e Meinungs&#228;u&#223;erung hinausgehende Aufgabe im Prozess der &#246;ffentlichen Meinungsbildung zu verlangen.“ Warum?</em></p>
<p>Ansonsten w&#252;rde der verfassungsrechtliche Rundfunkbegriff ausufern. Es ist eben nicht so, <a href="http://carta.info/30983/wir-sind-rundfunk/">wie schon in der Presse zu lesen war</a>, dass jede Internetseite Rundfunk ist. Genauso ist ja auch nicht jedes gedruckte Blatt Papier Presse, wie auch das Bundesverfassungsgericht bereits entschieden hat. Damit die besonderen „Massenkommunikationsgrundrechte“ des Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG einschl&#228;gig sind, muss zu der formalen Vervielf&#228;ltigungsform auch eine die einzelne Meinungs&#228;u&#223;erung &#252;bersteigende <strong>Bedeutung f&#252;r die freie individuelle und &#246;ffentliche Meinungsbildung</strong> hinzutreten.</p>
<p><em>Sehen Sie f&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk in der digitalen Welt eine besondere Aufgabe, die nur er erf&#252;llen kann?</em></p>
<p>Im Internet besteht eine Vielfalt von Informationsquellen, die so un&#252;berschaubar ist, dass daraus ein neues <strong>Bed&#252;rfnis des B&#252;rgers nach Orientierung</strong> erw&#228;chst. Gerade hier kann der Empf&#228;nger oft nicht erkennen, welche Berichte neutral sind und welche nicht. Auch Zeitungen, Zeitschriften und andere Medien machen in gewisser Weise Politik. Insbesondere im Hinblick auf werbefinanzierte Angebote besteht zudem ein Risiko, dass die redaktionelle Unabh&#228;ngigkeit unter der Absicht leidet, m&#246;glichst hohe „Klickraten“ zu erzielen.</p>
<p>Der Auftrag der &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter erh&#228;lt in dieser Situation einen neuen Schwerpunkt: Ihre Aufgabe ist es nicht mehr nur, &#252;berhaupt ein Programm, das der Meinungsbildung in der Demokratie dient, in einer objektiven, binnenpluralen Form zu &#252;bertragen, sondern gerade die Informationsquelle zu sein, die kraft institutioneller Absicherung in besonderem Ma&#223;e Gew&#228;hr f&#252;r Objektivit&#228;t und Binnenpluralit&#228;t bietet und die weder dem Staat noch einer gesellschaftlichen Gruppe noch den Anzeigen- und Werbekunden ausgeliefert ist.</p>
<p>Die Besonderheit des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks besteht nicht nur darin, &#252;berhaupt die Vielfalt der gesellschaftlichen Meinungen zu pr&#228;sentieren, sondern auch darin, sie konzentriert zu pr&#228;sentieren; der B&#252;rger, dem nur eine begrenzte Zeit zur Verf&#252;gung steht, muss sie nicht selbst zusammensuchen. <strong>Wesentliches Kriterium ist daher, dass der B&#252;rger darauf vertrauen kann, dass ihm in den Angeboten der &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter ein objektiver und nicht tendenti&#246;ser &#220;berblick &#252;ber das Meinungsspektrum pr&#228;sentiert wird.</strong></p>
<p><em>Ihr Gutachten kommt zu dem Ergenis, dass verfassungsrechtlich „Internetangebote, bei denen Texte, Bilder, T&#246;ne etc. als Datei vorliegen und &#252;ber ein Netz abrufbar sind, grunds&#228;tzlich als Rundfunk zu qualifizieren“ seien. Hat das nicht entscheidende rundfunkrechtliche Konsequenzen zur Bewertung von Online-Angeboten der Presse und auch f&#252;r Fragen der Regulierung dieser Angebote?</em></p>
<p>Sie sprechen damit einen auch schon in der Presse diskutierten Aspekt an, n&#228;mlich ob in letzter Konsequenz die Online-Angebote der Presse einer Rundfunkregulierung unterliegen m&#252;ssten. Das ist allerdings klar abzulehnen. Mit der verfassungsrechtlichen Einordnung als Rundfunk ist nichts dar&#252;ber gesagt, wie Online-Angebote weiter zu behandeln sind.</p>
<p>Deshalb spreche ich auch von <strong>„Rundfunk im weiteren Sinne“</strong>. Die Rundfunkfreiheit kann demnach im Bereich der Online-Medien genau wie die Pressefreiheit als individuelles Freiheitsrecht jedermanns wirken, das nur aus besonderen Gr&#252;nden eingeschr&#228;nkt werden darf. Wie genau man Online-Angebote reguliert, ist eine Frage, die der Gesetzgeber beantworten muss. Klar ist dabei aber, dass es etwa <strong>f&#252;r eine Lizenzpflicht privater Presseunternehmen keine verfassungsrechtliche Grundlage</strong> gibt.</p>
<p><em>Kann man Ihr Gutachten auch so verstehen, dass in der digitalen Welt das Rundfunkrecht sozusagen das bestimmende Medienrecht ist?</em></p>
<p>Auf verfassungsrechtlicher Ebene ist dies sicherlich zutreffend, da eben das <strong>Grundgesetz keine &#252;berzeugende alternative Zuordnungsm&#246;glichkeit</strong> bietet. Das hei&#223;t aber nicht, dass das Rundfunkrecht, wie man es herk&#246;mmlich kennt, jetzt auch f&#252;r die digitale Welt bestimmend ist. Es bleibt in seiner Anwendbarkeit auf den Bereich des klassischen Rundfunks beschr&#228;nkt, f&#252;r die Online-Medien gilt dagegen spezifisches Telemedienrecht.</p>
<p><em>F&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk existiert eine Bestands- und Entwicklungsgarantie. Ist im Interesse der Demokratie eine solche Garantie verfassungsrechtlich auch f&#252;r die Presse abzuleiten?</em></p>
<p>Das ist eine interessante Frage. Der Presse kommt in der Demokratie eine h&#246;chst wichtige Funktion zu. Man muss allerdings sehen, dass die <strong>Pressefreiheit </strong>ja grunds&#228;tzlich ein Freiheitsrecht des B&#252;rgers ist, der sich in ihrem Schutzbereich bet&#228;tigen darf. So weit der Schutzbereich reicht, bedarf es keiner echten „Entwicklungsgarantie“;<strong> als individuelles Freiheitsrecht ist es per se entwicklungsoffen</strong>.</p>
<p>Beim &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk ist dies anders, weil sein Auftrag gesetzlich vorgegeben wird und daher immer gesetzliche Anpassungen an den Stand der Zeit erforderlich sind. Fr&#252;her gab es allerdings Stimmen, die die Presse als „Institut“ verfassungsrechtlich gesch&#252;tzt ansahen. Ich w&#252;rde demgegen&#252;ber eher von einer Schutzpflicht des Gesetzgebers sprechen.</p>
<p>Wie das Bundesverfassungsgericht in st&#228;ndiger Rechtsprechung betont, sind die Grundrechte n&#228;mlich nicht nur Abwehrrechte, sondern haben zudem eine objektiv- rechtliche Dimension. Diese kann es gebieten, dass der Gesetzgeber zum Schutz des Grundrechtstr&#228;gers t&#228;tig wird. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang aber auch darauf, dass der <strong>Gesetzgeber einen weiten Einsch&#228;tzungsspielraum in der Frage hat, wie er die Schutzpflicht erf&#252;llt.</strong> Das Bundesverfassungsgericht pr&#252;ft in solchen F&#228;llen regelm&#228;&#223;ig nur, ob der Gesetzgeber v&#246;llig unt&#228;tig geblieben ist oder ob seine Ma&#223;nahmen evident ungeeignet sind.</p>
<p>Die Argumentation &#252;ber die grundrechtlichen Schutzpflichten k&#246;nnte man auch f&#252;r die Presse fruchtbar machen. So gesehen liegt in den Beschr&#228;nkungen, die der Gesetzgeber nach Ma&#223;gabe des 12. Rundfunkstaatsvertrages den &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten f&#252;r ihre Online-Angebote auferlegt hat, auch eine Wahrnehmung seiner <strong>Schutzpflicht zugunsten der Presse</strong>. Man sollte dabei auch ber&#252;cksichtigen, dass das Verbot nicht-sendungsbezogener presse&#228;hnlicher Online-Angebote ja nicht allein steht. Der Rundfunkstaatsvertrag begrenzt die Angebote der &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten n&#228;mlich auch in anderer Hinsicht, etwa durch beschr&#228;nkte Verweildauern der Angebote, was etwa die Zeitungsverlage in ihrer Archiv-T&#228;tigkeit sch&#252;tzt.</p>
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<p><a href="http://www.promedia-berlin.de/"><img class="alignleft size-full wp-image-33144" title="promedia09" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/promedia09.jpg" alt="" width="150" height="213" /></a><em>Das Papier-Gutachten &#8220;<a href="http://www.ard.de/intern/gremienvorsitzendenkonferenz-der-ard/aus-der-arbeit/pressemitteilungen/-/id=1026814/nid=1026814/did=1525850/lh35f/index.html">Presse macht Rundfunk</a>&#8221; wurde von &#8220;Digitale Linke&#8221; <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/internet-grundversorgungsauftrag-das-ard-online-gutachten-von-hans-jurgen-papier/">ver&#246;ffentlicht</a>.</em></p>
<p><em>Dieses Interview von Helmut Hartung mit Hans-J&#252;rgen Papier, Pr&#228;sident des Bundesverfassungsgerichts a.D., erschien unter dem Titel „Der Gesetzgeber hat auch eine Schutzpflicht zugunsten der Presse“ im medienpolitischen Fachmagazin <a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a>, Ausgabe 09/2010, das mit Carta kooperiert.</em></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33105&amp;md5=48627069e9fecf762d1194eba5ae36ff" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Drei-Stufen-Test zu Tagesschau.de abgeschlossen: Die App kann kommen</title>
		<link>http://carta.info/32672/drei-stufen-test-zu-tagesschau-de-abgeschlossen-die-app-kann-kommen/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 11:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Tagesschau.de hat den Drei-Stufen-Test ohne Einschr&#228;nkungen &#252;ber alle Verfahrensh&#252;rden hinweg bestanden. Die App kann kommen. Der Streit um die "Presse&#228;hnlichkeit" wird weitergehen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/59b18067240548178e43dab3ece4b821" alt="" width="1" height="1" />Tagesschau.de hat auch die allerletzte Verfahrensh&#252;rde des Drei-Stufen-Tests genommen: Die zust&#228;ndige Staatskanzlei in Hannover hat die rechtsaufsichtliche Pr&#252;fung abgeschlossen. Damit ist das Telemedienkonzept von Tagesschau.de amtlich genehmigt.</p>
<p>Aus Sicht der Staatskanzlei in Hannover sei der Test &#8220;staatsvertragskonform verlaufen&#8221;, wie sie heute <em>Carta</em> auf Anfrage mitteilte. Das Telemedienkonzept von Tagesschau.de werde daher am 24. August im Nieders&#228;chsischen Ministerialblatt ver&#246;ffentlicht. F&#252;r ein Einschreiten der Rechtsaufsicht g&#228;be es &#8220;zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlass&#8221;.</p>
<p>Durch die Zustimmung der Staatskanzlei ist klar: Die <a href="http://www.bild.de/BILD/digital/handy-und-telefon/2009/12/24/parteien-kritik/politiker-kritisieren-tagesschau-apps.html">umstrittene</a> <a href="http://blog.tagesschau.de/?p=7439">Tagesschau-App</a> kann kommen. Ihre Einf&#252;hrung ist nach Ansicht des NDR durch das abgeschlossene Verfahren ebenfalls genehmigt. Auch die Einstufung von Tagesschau.de als nichtsendungsbezogenes &#8220;multimediales Angebot&#8221; ohne relevante Presse&#228;hnlichkeit wurde durch die Staatskanzlei nicht beanstandet.</p>
<p>Tagesschau.de bestand damit den Drei-Stufen-Test nahezu ohne Einschr&#228;nkung &#8211; so, wie von  NDR-Intendant Lutz Marmor im vergangenen Jahr beantragt. Das Verfahren durch den NDR-Rundfunkrat war notwendig geworden, weil die EU-Kommission eine &#220;berpr&#252;fung der staatlichen Beihilfen bei &#246;ffentlich-rechtlichen Online-Angeboten gefordert hatte.</p>
<p>Um die Tagesschau-App und die Presse&#228;hnlichkeit von Tagesschau.de hatte es erheblichen medienpolitischen Streit gegeben. Der Verband der Zeitschriftenverleger hatte bereits im Februar in einem <a href="http://www.taz.de/1/netz/netzpolitik/artikel/1/ndr-sagt-verlegern-den-kampf-an/">offenen Brief an die Staatskanzlei Niedersachsen</a> ein Einschreiten der Rechtsaufsicht gefordert. Der Bundesverband der Zeitungsverleger hatte den Drei-Stufen-Test j&#252;ngst als &#8220;<a href="http://www.bdzv.de/pressemitteilungen+M573803ab75a.html">Farce</a>&#8221; bezeichnet und angek&#252;ndigt, &#8220;alle politischen und juristischen Mittel&#8221; gegen das Verfahrensergebnis aufzubieten. Der WDR-Rundfunkrat <a href="http://www.dwdl.de/story/24353/wdrrundfunkrat_empfiehlt_vorsicht_bei_apps/">hatte empfohlen</a>, die Tagesschau App erst nach Abschluss des Pr&#252;fverfahrens einzuf&#252;hren.</p>
<p>Mit der amtlichen Ver&#246;ffentlichung der Drei-Stufen-Test-Ergebnisse zu Tagesschau.de ist somit die n&#228;chste Runde der Auseinandersetzung er&#246;ffnet: Auf der nationalen medienpolitischen B&#252;hne &#8211; und m&#246;glichweise auf EU-Ebene und vor Gerichten. Ob und wie allerdings gegen den Beschluss (<a href="http://www.ndr.de/unternehmen/organisation/rundfunkrat/rundfunkrat120.pdf">PDF</a>) des NDR-Rundfunkrats oder gegen die Rechtsaufsicht geklagt werden kann, ist umstritten.</p>
<p><em>Disclaimer: Robin Meyer-Lucht hat im Drei-Stufen-Test zu Tagesschau.de eine Stellungnahme abgegeben. Hieraus folgt keine Verfahrensbeteiligung.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=32672&amp;md5=055d4696e58b2f8f85c687d185b031b0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>G&#252;nther Jauch, der duale Moderator: Die Zeit der Exklusivvertr&#228;ge mit einem Sender ist schon lange vorbei</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 10:27:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn G&#252;nther Jauch bald f&#252;r die ARD und RTL moderiert, zeigt er nur, f&#252;r wen er seit Jahren produziert. Damit ist er nicht der erste. ARD und ZDF begannen schon fr&#252;h ihre Moderatoren und Sendungen outzusourcen. K&#246;nnte man nicht bestimmte Formate, die &#246;ffentlich-rechtlichen Anspr&#252;chen gen&#252;gen, durch Rundfunkgeb&#252;hren finanzieren, egal auf welchem Sender sie laufen? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5e59fbae6bd448d2a5677a44bf7c250c" alt="" width="1" height="1" />Vor drei Jahren wollte der WDR-Rundfunkrat G&#252;nther Jauch ganz oder gar nicht bei der ARD haben. Vor einigen Wochen fragte Ruth Hieronymi, die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, grunds&#228;tzlich, „ob man ja dazu sagt, dass ein pr&#228;gendes Gesicht im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk f&#252;r Information steht und im kommerziellen Fernsehen f&#252;r die Unterhaltung. Bisher war es ja so, dass ein Gesicht stets mit einem bestimmten Sender in Verbindung gebracht wird.“</p>
<p>Doch stimmt das? Ist es etwa G&#252;nther Jauch, f&#252;r den die ARD die Mauer zu den privaten Sendern zum Einsturz bringt, um sich zu retten? Die Zeit der Exklusivvertr&#228;ge mit einem Sender ist schon lange vorbei.</p>
<p>G&#252;nther Jauch arbeitet bei „5 gegen Jauch“ mit Oliver Pocher zusammen, der bei Sat.1 unter Vertrag ist. Stefan Raab hat f&#252;r die ARD Lena platziert. Viva-Clipansagerin G&#252;lcan Kamps ist nicht die einzige Moderatorin eines privaten Senders, die in ARD-Shows sa&#223;, wobei sie auch schon bei ZDFneo war. Schon Mitte der Neunziger moderierte Thomas Gottschalk nicht nur „Wetten, dass?“ beim ZDF, sondern auch bei Sat.1 „Gottschalks Haus-Party“ und die Show „Gottschalk kommt“, heute ist er regelm&#228;&#223;ig beim Spielfilmsender Tele 5 im Programm. Andrea Kiewel moderiert seit Jahren – nur unterbrochen durch eine Schleichwerbepause – den ZDF-Fernsehgarten sowie f&#252;r RTL die Show „Einspruch! Die Show der Rechtsirrt&#252;mer“.</p>
<div id="attachment_32370" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/rene_berlin/274624954"><img class="size-medium wp-image-32370" title="jauch" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/08/jauch-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Ja, wenn die eigene Firma f&#252;r beide Seiten produziert, warum soll dann nicht auch der Chef auf beiden Seiten moderieren? (Foto: SpreePiX - Berlin, cc by-nc-nd)</p></div>
<p>Zwischen den Sender zu wechseln, ist schon lange &#252;blich. ARD und ZDF haben selten Ber&#252;hrungs&#228;ngste mit Moderatoren, die bei den Privaten gro&#223; geworden sind. Im Gegenteil: Man bedient sich permanent. Bruce Darnell durfte sich nach &#8220;Germanys Next Topmodel&#8221; im ARD-Vorabend als Typberater versuchen. Tim M&#228;lzer wechselte 2009 von Vox zur ARD. Eckhart von Hirschhausen, der neue ARD-Showstar, hat sich genehmigen lassen, dass sein B&#252;hnenprogramm bald auf RTL l&#228;uft.</p>
<p>Vielen Moderatoren ist es egal, bei welchem Sender sie vor der Kamera stehen. Einige haben auch eigene Produktionsfirmen, die schon lange f&#252;r beide Seiten des Systems arbeiten. Moderatoren mit ihren Sendungen outzusourcen, auf die Idee kamen ARD und ZDF, um sich soziale Folgekosten zu sparen, falls einmal eine Produktion eingestellt wird. Alle Polit-Talks des ERSTEN werden so produziert. Dabei hatten die Sender Sabine Christiansen, Frank Plasberg sowie Anne Will, die bei ihnen jahrelang fest angestellt waren, gebeten, sich f&#252;r ihre Talkshows selbstst&#228;ndig zu machen und Firmen zu gr&#252;nden. Damit wurde das auf den politischen Journalismus &#252;bertragen, was f&#252;r die Unterhaltung schon lange Praxis war. So hatte Alfred Biolek im Jahre 1979 die PRO GmbH gegr&#252;ndet, um mit ihr „Bios Bahnhof“ zu produzieren. Noch bevor die privaten Sender folgten kamen „Bei Bio“, „Mensch Meier“ und die „Mitternachtsspitzen“ f&#252;r das DRITTE des WDR hinzu. 2001 gr&#252;ndete man zuletzt auch noch eine fiktionale Abteilung und produzierte f&#252;r WDR, ZDF, Sat.1 und RTL.</p>
<p>So, wie Alfred Biolek von der ARD aus kommend Programmfl&#228;chen bei den privaten Sendern eroberte, so eroberten G&#252;nther Jauch und Stefan Raab f&#252;r sich bzw. mit ihren Produktionsfirmen Programmfl&#228;chen bei ARD und ZDF. Stefan Raab moderierte 1997 erstmals parallel bei VIVA und f&#252;r WDR/Eins live. Laut <em>S&#252;ddeutscher Zeitung</em> schaffte es G&#252;nther Jauch mit seiner I&amp;U TV in nur sieben Jahren, auf einen Jahresumsatz von 35,3 Mio. Euro und einen Gewinn von 6,2 Mio. Euro zu kommen (2007). Zuletzt legte die ARD die Produktion ihrer zwei Geburtstagsshows in die H&#228;nde der I&amp;U TV. Selbst die Geschichtsschreibung lagert man aus. Viele andere Produktionsfirmen – darunter auch viele, die den &#246;ffentlich-rechtlichen Sendern geh&#246;ren, wie Studio Hamburg, ZDF Enterprises etc. &#8211; produzieren f&#252;r beide Seiten des dualen Systems.</p>
<p>Ja, wenn die eigene Firma f&#252;r beide Seiten produziert, warum soll dann nicht auch der Chef auf beiden Seiten moderieren? Warum soll nicht derjenige, der die Inhalte entwickelt auch die Ansagen machen und die Sendungen als Werbung in eigener Sache nutzen?</p>
<p>Die Sender &#228;ndern sich. Lange hatte jeder Sender eine einheitliche, geschlossene Identit&#228;t. Nun entwickeln sie sich zu gro&#223;en Plattformen. Andere k&#246;nnen diese nutzen, um sie mit ihren Inhalten zu f&#252;llen. Die Sender sehen sich immer mehr als Distributionsweg zu den Zuschauern, von denen sie mit ihrem Markenkern m&#246;glichst viele binden wollen. Einer der ersten, der gezeigt hat, wie man dies f&#252;r die eigene Firma nutzen kann, war Stefan Raab.</p>
<p>Und so k&#252;mmert man sich in den Sendern immer mehr um das Image, die Marke, den „Programmflow“ und immer weniger um die Produktion von Inhalten. Die wird seit Jahren immer st&#228;rker ausgelagert. Das, was mit Filmen und Serien vor 50 Jahren begann, wird jetzt auf andere Bereiche &#252;bertragen. &#220;ber Jahrzehnte hinweg haben sich so ARD und ZDF Schritt f&#252;r Schritt von Programm-Produzenten zu Sendezeit-Verwaltern entwickelt.</p>
<p>Doch wieso soll man daf&#252;r noch Geb&#252;hren bezahlen? Flie&#223;en so nicht Gewinne aus den Produktionen f&#252;r ARD und ZDF in Produktionen f&#252;r die privaten Sender? W&#228;re es angesichts einer solchen Entwicklung nicht folgerichtig, bestimmte Formate, die &#246;ffentlich-rechtlichen Anspr&#252;chen gen&#252;gen, durch Rundfunkgeb&#252;hren zu finanzieren, egal auf welchem Sender sie laufen?
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