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	<title>CARTA &#187; Netzpolitik Blog</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 May 2012 10:09:46 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Die neue politische Klasse: netzpolitik.org, @saschalobo und der Chaos Computer Club</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 10:47:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Vertreter der "digitalen Intelligenz" sind mittlerweile wichtige Akteure einer neuen politischen &#214;ffentlichkeit geworden. Ihre Verbindung aus Publikationsplattform mit angeschlossenem Kampagnen­netzwerk, politisch sensibilisiertem Online-­Unternehmer und kollektivem Kontrollorgan mit technologischer Expertise liefert erste Hinweise auf die Beschaffenheit politischer Akteure innerhalb einer vernetzten Zivilgesellschaft. Um sie geht es in diesem exklusiven "Vorabdruck" aus "politik digital. Online zum W&#228;hler".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1733efb1749349eabeee037e4afeecb4" alt="" width="1" height="1" />Politik im und mit dem Internet bringt nicht nur neue Kommuni­kationsroutinen, sondern auch neue Akteure hervor. Franziska Heine zum Beispiel hat ihren Ruf als Gesicht der Zensursula-Kampagne durch die Einbringung der E-Petition erhalten, aber auch durch ihre zahlreichen Auftritte in den alten Medien.</p>
<p>Eine solche Personalisierung ist ein weit verbreitetes Ph&#228;nomen moderner Politik und bietet Chancen wie Risiken zugleich. F&#252;r die Vergr&#246;&#223;erung der &#246;ffentlichen Sichtbarkeit eines Themas sind Einzelpersonen wichtige Aufmerksamkeitsverst&#228;rker, im Fall politischer Kampagnen werden jedoch dar&#252;ber oft die zahl­reichen Aktivisten aus den Tiefen der Netzwerke &#252;bersehen.</p>
<p>Die Fokussierung auf K&#246;pfe statt auf Themen ist zudem – zumindest in einer fernsehbasierten Mediendemokratie wie der Bundesrepublik – der beherrschende Operationsmodus medial vermittelter Politik geworden. L&#228;ngst setzen Politiker und Parteien die Technik der Personalisierung als Kommunikations- und Vereinfachungsstrategie ein, und selbst die Gestaltung von Regierungspolitik lebt inzwischen von diesem Stilmittel. Die Namen Philipp R&#246;sler, Karl-Theodor zu Guttenberg oder ­Kristina Schr&#246;der verweisen weniger auf Inhalte oder Themen der jeweiligen Ressorts als auf die Images eines neuen Typs von Politik-Machern.</p>
<p>Am anderen Ende des Politikbetriebs hat l&#228;ngst auch die Piratenpartei mit den Notwendigkeiten der Personalisierung Bekanntschaft gemacht, denn allein schon um die schnell entstandene Organisation am Leben zu erhalten, sind rudiment&#228;re Hierarchien und F&#252;hrungsstrukturen notwendig. Mit den bisweilen radikal basisdemokratischen Anspr&#252;chen dieser neuen Netzwerkpartei l&#228;sst sich die formale Hervor­hebung einiger weniger K&#246;pfe allerdings kaum vereinbaren – dennoch scheint eine personale Konzentration unumg&#228;nglich, um im Politik­betrieb &#252;berhaupt kompatibel zu erscheinen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus verk&#252;rzt die Fokussierung auf Einzelpersonen den Blick auf andere Triebkr&#228;fte der politischen Online-­Aktivit&#228;ten. Dass hinter den wenigen Leitfiguren eine breite, lebhafte und erstaunlich ausdifferenzierte Szene entstanden ist, die eine kulturelle Fundierung der Netzpolitik darstellt, ist den meisten Beobachtern verborgen geblieben.</p>
<p>Vielleicht k&#246;nnen einige Blogger, Programmierer und Online-Aktivisten, die sich netzpolitischen Fragen widmen, tats&#228;chlich als Vertreter einer »digitalen Intelligenz« gelten, von der seit Ende 2009 immer h&#228;ufiger die Rede ist. Personen wie Jens ­Seipenbusch, Bundesvorsitzender der Piraten­partei, Markus ­Beckedahl, Kopf hinter Deutschlands einfluss­reichstem Weblog netzpolitik.org, oder auch Sascha Lobo, digitaler Platzhirsch, &#246;ffentlicher Einmischer und SPD-Berater, wirken als Vorboten einer neuen politischen Klasse. Auch Frank Rieger und ­Constanze Kurz verleihen nicht nur dem »Chaos Computer Club« zwei Gesichter, sondern greifen in die eminent politischen Debatten um Datenschutz, Informations­sicherheit oder die Einf&#252;hrung von Wahlcomputern ein. Der Bielefelder Medienk&#252;nstler und -aktivist padeluun macht sich seit Jahren um den &#246;ffentlichen Kenntnisstand zu &#220;berwachung und Datenmissbrauch verdient.</p>
<p>Diese Avantgarde wird f&#252;r die gesellschaftlichen Entwicklungen im Zeichen der Digitalisierung allerdings dringend ben&#246;tigt, denn sie nutzt im Zusammenspiel mit der etablierten Medien&#246;ffentlichkeit schon vorhandene Foren, erfindet aber auch neue Formate politischer Kommunikation und Kollaboration. Perspektivisch wichtiger scheint jedoch ein neuer Mainstream, der sich eher unaufgeregt und weniger sichtbar mit den gesellschaftlichen Implikationen der digitalen Kultur auseinander­setzt und etwas darstellt, was man fr&#252;her vielleicht ein soziales Milieu genannt h&#228;tte.</p>
<p><strong>netzpolitik.org, @SaschaLobo, CCC</strong></p>
<p>Das Internet als »nat&#252;rlicher« Lebensraum einer neuen poli­tischen Klasse erscheint als Fluch und Segen zugleich: Die produktive Aneignung dieses Kommunikationsraums und die Verkn&#252;pfung mit den Routinen des Politikbetriebs bietet ganz offen­sichtlich viele M&#246;glichkeiten f&#252;r Quereinsteiger, davon han­deln beinahe alle Online-Erfolgsgeschichten des Super­wahljahres 2009. Dies funktioniert sogar auf einer individuellen ­Ebene, wenn sich Einzelpersonen als relevante Sprecher in einer sich neu formierenden politischen &#214;ffentlichkeit positionieren k&#246;nnen.</p>
<p>Ein herausragendes Beispiel hierf&#252;r ist Markus Beckedahl, dessen seit 2004 aktiver Weblog <strong><a href="http://www.netzpolitik.org">netzpolitik.org</a></strong> inzwischen zu einer Art <strong>Leitmedium </strong>geworden ist. Ver&#246;ffentlicht werden dort Nachrichten, Artikel, manchmal auch Kurzstudien zu aktuellen Themen und Ereignissen im neuen Politikfeld »Digitale B&#252;rgerrechte«. Au&#223;erdem fungiert das Blog als Kampagnen- und Organisationsplattform f&#252;r Veranstaltungen, die sich mit relevanten Fragen zur politischen Nutzung von Computern und Netzwerken befassen.</p>
<p>Das Angebot ist eine feste Gr&#246;&#223;e in der Spitzengruppe der durch den franz&#246;sischen Informations­dienst­leister Wikio erstellten europ&#228;ischen Blog-Rangliste. Mit hoher Reichweite und gro&#223;em Ansehen in internationalen Fachkreisen hat sich das Weblog inzwischen eine Art informelle Meinungsf&#252;hrerschaft zu netzpolitischen Themen erarbeitet. Beckedahl ist ein gefragter Ansprechpartner und Experte, netzpolitik.org wird l&#228;ngst in den alten Medien wahrgenommen und zitiert – von der <em>FAZ </em>genauso wie vom <em>Spiegel</em>, der Tagesschau oder der <em>New York Times</em>.</p>
<p>Noch vor ein paar Jahrzehnten h&#228;tte sich aus diesem Angebot vielleicht eine klassische Print­­publi­ka­tion entwickelt, jedoch w&#228;re dies heute eine eher unzeitgem&#228;&#223;e Institutionalisierung eines &#214;ffentlichkeitsakteurs. Bei Vortr&#228;gen bezeichnet Beckedahl sein Projekt gern als eine Mischung aus <em>taz</em> und Greenpeace, um das Gemenge aus publizistischem Angebot, Interessenvertretung und Nicht-­Regierungsorganisation zu un­ter­streichen. Wichtige Synergieeffekte bringt auch die j&#228;hrlich in Berlin stattfindende Veranstaltung »re:publica«, die vor allem von den Printmedien kritisch als »Leistungsschau der deutsch­sprachigen Blogosph&#228;re« einge­sch&#228;tzt wird. F&#252;r Beckedahl ist die mehrt&#228;gige Konferenz, zu der stets auch hochkar&#228;tige G&#228;ste aus dem Ausland anreisen, eine Mischung aus Agenda-Setting, netzpolitischer Plattform, Szenetreff und finanzieller Grund­sicherung seines Weblogs.</p>
<p>Ebenso in Berlin residiert mit <strong><a href="http://http://saschalobo.com/">Sascha Lobo</a></strong> ein weiterer &#214;ffentlichkeitsakteur, der wie Markus Beckedahl nicht mehr aus der Debatte um die Zukunft des Internet als offener Kommunikations­raum auszuschlie&#223;en ist. Lobo agiert als digitaler Selfmademan, inszeniert sich massiv als Online-Marke, twittert mit dem Rest des Landes um die Wette und schreibt in sch&#246;ner Regelm&#228;&#223;igkeit B&#252;cher zu Themen des digitalen Lebensstils. Er f&#252;hrt ein weitgehend &#246;ffentliches Leben im Netz und »nennt es Arbeit« – im Anklang an den Untertitel eines Buches &#252;ber die »Digitale Bohème«, f&#252;r das er gemeinsam mit dem Publizisten Holm Friebe verantwortlich zeichnet. ­</p>
<p>Lobos hohe Dikurslautst&#228;rke und bisweilen r&#252;cksichtslose Selbstvermarktung haben ihm gerade aus der sogenannten Internet-­Community reichlich Kritik eingetragen. Doch funktioniert das System Lobo nicht durch einen Ausverkauf an die alte und neue Economy, sondern eher in der konsequenten Besetzung &#246;ffentlicher Sprecherrollen. Hierzu nutzt Lobo ein fein gesponnenes Netzwerk aus Online-Pr&#228;senzen, in denen seine private Homepage und vor allem eines der reichweitenst&#228;rksten Twitter-­Profile in Deutschland als zentrale Ankerpunkte fungieren. Lobo macht aus seiner ideologischen Vor­liebe f&#252;r die Sozialdemokratie keinen Hehl und unterst&#252;tzt die Partei als Mitglied in deren »Gespr&#228;chskreis Netzpolitik«, als lautstarker Kritiker der Piraten oder als parteinaher Online-­Intellektueller nach Kr&#228;ften.</p>
<p>Ein weiterer wichtiger Akteur der netzpolitischen Landschaft ist in Berlin beheimatet, wenngleich der »<strong><a href="http://www.ccc.de/">Chaos Computer Club</a></strong>« (CCC) auch in anderen St&#228;dten Deutschlands vertreten ist. Das politische Zentrum dieses bereits 1981 in Hamburg gegr&#252;ndeten Vereins liegt allerdings in der Hauptstadt, dort arbeitet auch die Informatikerin Constanze Kurz, eine wichtige Person f&#252;r die vom CCC ma&#223;geblich mitbestimmte Debatte um den Einsatz von Wahlcomputern. Auch dieser Bereich ist ein elementarer Bestandteil des neuen Politikfeldes.</p>
<p>W&#228;hrend sich die me­diale Aufmerksamkeit beim Thema »Digitalisierung von Politik« h&#228;ufig auf die Entwicklungen im Internet konzentriert, spielen bei immer mehr politischen Prozessen Computer eine zentrale Rolle.</p>
<p>Die Organisation von Wahlen mithilfe rechner­gesteuerter Wahlger&#228;te ist ein solches Einsatzgebiet, und in den letzten Jahren hat gerade die massive Kritik des »Chaos Computer Clubs« erheblichen Einfluss auf die Modernisierung der Stimmabgabe in Deutschland genommen. Hauptansatzpunkte f&#252;r die Forderung nach einem Verbot von Wahlmaschinen sind Sicherheitsl&#252;cken, Manipulationsanf&#228;lligkeit und fehlende Trans­parenz der Stimmabgabe an Wahlcomputern, die anstelle einer herk&#246;mmlichen Wahlurne eingesetzt werden. Mittels eines Tasten­feldes, auf dem der Stimmzettel nachgebildet ist, gibt der W&#228;hler seine Stimme ab, danach erfolgt die automatisierte Ausz&#228;hlung und Speicherung des Wahlergebnisses, das nach Schlie&#223;ung der Wahllokale vom Wahlleiter ausgelesen wird.</p>
<p>Probleme bei der Verwendung solcher Wahlcomputer hatte der CCC im Verbund mit der nieder­l&#228;ndischen Gruppierung »Wir vertrauen Wahlcomputern nicht« aufgezeigt. Dabei wurde die Konvertierung eines rechner­gesteuerten Wahlger&#228;tes in einen Schach­computer vorgef&#252;hrt. Mithilfe eines Videos, das den nur wenige Minuten dauernden Austausch von Speicherbausteinen zeigte, wurden zahlreiche Schwachstellen der Ger&#228;te-Konstruktion offen­gelegt. Durch solche praktischen Demonstrationen der Manipulations­anf&#228;lligkeit schwand das Vertrauen staatlicher Wahl­organisatoren in die von kommerziellen Dienstleistern bereit­gestellte Technologie, w&#228;hrend Mitglieder des CCC zu gefragten Experten in politischen Planungsprozessen wurden.</p>
<p>Im Fall der Hamburger B&#252;rgerschaftswahl im Jahr 2008 wurde nicht zuletzt durch die Intervention des CCC der Einsatz eines digitalen Wahlstifts verhindert, obwohl der Senat bereits mehrere Millionen Euro in das Wahlsystem investiert hatte und die nachtr&#228;gliche Umr&#252;stung auf Papierstimmzettel und manuelle Ausz&#228;hlungen ebenfalls in Millionenh&#246;he zu Buche schlug. Auch das Bundesverfassungsgericht greift immer wieder auf das Know-How der Computer-Aktivisten zur&#252;ck, wenn es um die Beurteilung gesellschaftlich relevanter Fragen beim Einsatz von Computertechnologie geht.</p>
<p>Akteure wie netzpolitik.org, @saschalobo oder der »Chaos Computer Club« stellen die Spitze eines Eisberges dar. Dieses Trio aus Publikationsplattform mit angeschlossenem Kampagnen­netzwerk, politisch sensibilisiertem Online-­Unternehmer und kollektivem Kontrollorgan mit technologischer Expertise liefert erste Hinweise auf die Beschaffenheit politischer Akteure innerhalb einer vernetzten Zivilgesellschaft.</p>
<p>Je nach F&#228;hig­keiten und Interessenlage dominiert die inhaltliche Auseinandersetzung mit politischen Themen, die Entwicklung neuer Modelle zur Kooperation mit etablierten politischen Akteuren oder die Auseinandersetzung, Pr&#252;fung und Kritik der Hardware-­Seite im technologie-getriebenen politischen Modernisierungsprozess. In all diesen Segmenten werden sich in Zukunft weitere Akteure formieren, die sich mit dem Kontext einer neuartigen Medialisierung von Politik besch&#228;ftigen und dabei den etablierten politischen Kr&#228;ften auf der einen und den Vertretern herk&#246;mmlicher Massenmedien auf der anderen Seite voraus sind.</p>
<p>Das Resultat wird eine neue politische &#214;ffentlichkeit sein, die sich nicht auf die Beobachtung und Begleitung politischer Prozesse beschr&#228;nken wird, sondern aufgrund einer der digitalen, interaktiven Kommunikations­umgebung inh&#228;renten »Architektur der Partizipation« (Tim O’Reilly) auch aktiv in deren Gestaltung eingreift.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Au&#223;erdem zum Thema auf Carta:</em></p>
<ul>
<li> Christoph Bieber: <a href="../../34511/politik-und-internet-seit-2008-politik-digital-online-zum-waehler-als-buch/">Politik und Internet seit 2008: &#8220;politik digital. Online zum W&#228;hler&#8221; als Buch</a> (mit dem ersten Ausschnitt <strong>Parteien reloaded? Die Entwicklung in den USA</strong>)</li>
<li>Stefan Mey: <a rel="bookmark" href="../../27200/beckedahl-netzpolitik-org-ist-ein-open-source-geschaeftsmodell/">Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Gesch&#228;ftsmodell.“</a></li>
</ul>
<p><a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html"><img class="size-full wp-image-34559  alignleft" title="poldi-cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/poldi-cover.jpg" alt="" width="150" height="238" /></a><em>Dies ist ein Ausschnitt aus Christoph Biebers neuen Buch “<a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/home/propoldi.html">politik digital. Online zum W&#228;hler</a>”, es erscheint am heutigen Freitag, den 01.10.2010 im <a href="http://www.katrin-blumenkamp.de/">blumenkamp verlag</a> und kann dort f&#252;r 15 € <a href="http://www.shop-016.de/blumenkamp-p9h1s2-Christoph-Bieber-pol.html">bestellt</a> werden.</em></p>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34569/die-neue-politische-klasse-netzpolitik-org-saschalobo-und-der-chaos-computer-club/">Die neue politische Klasse: netzpolitik.org, @saschalobo und der Chaos Computer Club</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34569/die-neue-politische-klasse-netzpolitik-org-saschalobo-und-der-chaos-computer-club/#comments">8 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34569&amp;md5=6536f734dc541cb82a3b701c3b3c5fac" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Gesch&#228;ftsmodell.“</title>
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		<pubDate>Mon, 10 May 2010 14:34:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Mey</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie refinanziert sich eigentlich Netzpolitik.org? Ein Gespr&#228;ch mit Markus Beckedahl &#252;ber die Beratungs- und Reputations-&#214;konomie seines Blogs.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2e878a35666140398186dd0c6e4d0720" alt="" width="1" height="1" /><span style="text-decoration: underline;">&#214;konomie deutscher Blogs Teil 2</span>:  Nachdem Sascha Pallenberg &#252;ber die  direkte <a href="http://stefanmey.wordpress.com/2010/05/10/2010/04/22/sascha-pallenberg-du-kannst-jedes-blog-monetarisieren/">Monetarisierung</a> geredet hat, folgt ein Interview mit dem Betreiber eines Blogs, auf dem  erst einmal keinerlei Erl&#246;sform erkennbar ist. Dabei ist Markus  Beckedahl, der mit <a href="http://www.netzpolitik.org/">Netzpolitik</a> das meist verlinkte deutsche Blog betreibt und als Netz-Prominenz  regelm&#228;&#223;g in den Mainstream-Medien auftaucht, quasi hauptberuflicher  Blogger. Wie kommt also das Geld rein? Ein Gespr&#228;ch &#252;ber das Ph&#228;nomen,  das ich Beratungs-&#214;konomie nennen w&#252;rde, er findet Reputations-&#214;konomie  passender.</p>
<p><em>Auf Netzpolitik sieht man zum jetzigen Zeitpunkt weder Banner  noch Google Ads noch Amazon-Affiliate-Links. Netzpolitik refinanziert  sich nicht direkt, oder? </em></p>
<p>Nein. Google Ads gibt es aus Prinzip nicht. Sie verschandeln das  Design, man hat viel zu viel Arbeit, um zu kontrollieren, was da  auftaucht, und der Ertrag ist es nicht wert. Gleichzeitig w&#252;rde man  damit auch Google mitfinanzieren. Das ist keine Werbeform, die mich  begeistert.</p>
<p><em>Lehnst du Amazon auch grunds&#228;tzlich ab? </em></p>
<p>Nicht prinzipiell, weil ich es privat selbst nutze. Ich &#252;berlege  manchmal, ob ich es auch auf Netzpolitik mache oder nicht, aber auch  Amazon ist eigentlich eine Datenkrake, und das ist heikel.</p>
<p><em>Was ist mit Banner-Werbung? </em></p>
<p>Banner haben wir ab und zu &#252;ber <a href="http://adnation.de/">Adnation</a>.  Allerdings haben wir &#246;fters Anfragen von Unternehmen, bei denen wir  sagen, nee, von denen wollen wir kein Geld.</p>
<p><em>Aus welchen Gr&#252;nden lehnt ihr Werbekunden ab? </em></p>
<p>Vodafone zum Beispiel hatte letztes Jahr in der Diskussion um die  Netzzensur-Infrastruktur ganz klar gesagt, dass sie die Pl&#228;ne der  Bundesregierung unterst&#252;tzen. Und da <em>Netzpolitik</em> eines der Sprachrohre  der Bewegung dagegen war, war ich der Meinung, dass es nicht passt.</p>
<p><em>Versucht ihr auch selbst, Anzeigen zu generieren? </em></p>
<p>Wir haben es versucht, aber der Markt ist nicht sehr ergiebig. Die  deutschen Online-Werbepreise sind im Keller, mit denen k&#246;nnten sich noch  nicht einmal die best besuchten Blogs richtig finanzieren. Und generell  l&#228;uft viel &#252;ber Media-Agenturen, die lieber zu <em>Spiegel Online</em> oder  <em>Bild.de</em> gehen und zwei, drei Millionen Einblendungen buchen. F&#252;r die  meisten sind Blogs zu klein.</p>
<p><em>Das gilt auch f&#252;r Netzpolitik? </em></p>
<p>Ja. Au&#223;erdem haben wir nicht viele statistische Informationen &#252;ber  unsere Nutzer.</p>
<p><em>Weil ihr es ablehnt, die Daten zu erheben …</em></p>
<p>Nat&#252;rlich k&#246;nnte man viel mehr tracken. Aber gerade weil wir &#252;ber  Datenschutz schreiben, m&#252;ssen wir sensibler sein. Ich sehe <em>Netzpolitik</em> als ein Mittelding zwischen Medium und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtregierungsorganisation">NGO</a>,  vergleichbar mit einer Mischung aus Greenpeace und <em>taz</em>.</p>
<p><em>Wie viel nehmt ihr etwa an Werbung ein? </em></p>
<p>Meistens nichts, die Werbefl&#228;chen sind nie voll ausgebucht. Aber wenn  &#252;ber Adnation Sachen laufen, dann kommen schon einmal 2.000 oder 3.000  Euro pro Monat zusammen, aber das passiert sehr selten.</p>
<p><em>Daf&#252;r kommen jeden Monat ziemlich viele  Links zusammen. W&#252;rdest du &#228;hnlich wie Jeff Jarvis </em><a href="http://www.buzzmachine.com/2008/06/18/the-link-economy-v-the-content-economy/"><em>sagen</em></a><em>,  dass Links die eigentliche W&#228;hrung des Internets, also auch von  Netzpolitik, sind? </em></p>
<p>Wir sind drauf angewiesen, dass uns unsere Leser anderen Lesern  empfehlen, sei es &#252;ber Links von Blogs oder &#252;ber Twitter- und  Facebook-Empfehlungen. Au&#223;erdem steigt unser Page-Rank und es kommen  mehr Leute &#252;ber Google zu uns, das sind etwa 60.000 im Monat. Aber von  Links alleine kann man sich nicht ern&#228;hren. Deswegen w&#252;rde ich sagen,  dass Links eine der W&#228;hrungen sind  und nicht DIE W&#228;hrung.</p>
<p><em>Denkt ihr &#252;ber die Einf&#252;hrung von Spenden-Tools wie Flattr  oder Kachingle nach? </em></p>
<p>Flattr steht auf der To-do-Liste, es hat f&#252;r mich das sympathischere  Modell als Kachingle. Aber ich glaube nicht, dass wir uns komplett &#252;ber  Flattr finanzieren werden, es k&#246;nnte eine Erg&#228;nzung im Finanzierungsmix  werden.<br />
<em> </em></p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 352px"><a href="http://www.flickr.com/photos/franzlife/2416718898/sizes/l/"><img src="http://farm4.static.flickr.com/3167/2416718898_4fc1d12720.jpg" alt="" width="342" height="500" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Mit der Zeit sind Netzpolitik und Newthinking gewachsen und professioneller geworden.&quot;</p></div>
<p><em>Wie hoch w&#252;rdest du die Ausgaben einsch&#228;tzen? Zumindest dich  gibt es, der bezahlt werden muss, und dann schreiben  auch noch anderen Autoren auf  Netzpolitik.</em></p>
<p>Mittlerweile haben an die zwanzig Menschen einen Schreib-Zugang. Zwei  davon, J&#246;rg-Olaf Sch&#228;fers und ich, nutzen ihnen regelm&#228;&#223;ig, weitere 3-5  ein- bis zwei Mal im Monat und der Rest vielleicht einmal im Jahr. Wenn  ich einen 12-Stunden-Tag habe, gehen 8 Stunden haupts&#228;chlich Richtung  Blog. Mit mir macht das also mindestens mehr oder weniger eine  Vollzeitstelle. Dann braucht man einen Server und die Administrierung.  Lass es vielleicht umgerechnet insgesamt 1,2 Stellen sein.</p>
<p><em>Was machst du noch, das hei&#223;t in den restlichen vier Stunden? </em></p>
<p>Ich bin Gesellschafter der Agentur Newthinking und als Senior-Berater  in Kundenprojekte involviert.</p>
<p><em>Wenn der Blog so wenig einnimmt, f&#252;hrt das zu der spannenden  Frage, womit sich Netzpolitik finanziert. Das ist ein Subventionsmodell  &#252;ber die Agentur, oder? </em></p>
<p>Ja, eine Querfinanzierung.</p>
<p><em>Wie h&#228;ngen der Blog und die Agentur zusammen? </em></p>
<p>Wir haben uns &#252;ber die Agentur quasi unsere Jobs selbst geschaffen.  Ich habe Newthinking Communications zwischen 2003 und 2004 zusammen mit  einem Partner, mit Andreas Gebhard, gegr&#252;ndet. Die Vorl&#228;ufer des Blogs  stammen von 2002, es gibt Netzpolitik also l&#228;nger als die Agentur. Mit  der Zeit sind Netzpolitik und Newthinking gewachsen und professioneller  geworden.</p>
<p><em>Laut Selbstbeschreibung sind die Schwerpunkte der Agentur  „strategische Nutzung von Open-Source-Technologien, Web-2.0-Anwendungen  und Sozialen Medien“. &#220;berspitzt gesagt machen alle Netz-Blogger  „irgendwie“ Web-2.0- oder Social-Media-Beratung, ich kann mir da relativ  wenig drunter vorstellen. Kannst du das erl&#228;utern? </em></p>
<p>Wir versuchen herauszufinden, was der Kunde &#252;berhaupt m&#246;chte, welche  Kommunikations-Bed&#252;rfnisse er hat und welche Zielgruppen er erreichen  will. Dann identifizieren wir die geeigneten Werkzeuge. Ich arbeite  haupts&#228;chlich im Bereich Politikberatung, ich berate NGOs, wie sie die  neuen &#214;ffentlichkeiten im Netz, also Blogs, Wikis etc. nutzen k&#246;nnen.  Und ich berate Organisationen rund um den Einsatz von  Creative-Commons-Lizenzen.</p>
<p><em>Du arbeitest auch </em><a href="http://de.creativecommons.org/kontakt/"><em>ehrenamtlich</em></a><em> bei  Creative Commons Deutschland. </em></p>
<p>Das ist nat&#252;rlich von Vorteil. Und es hilft bei der Arbeit mit NGOs  auch, dass ich &#252;ber <em>Netzpolitik</em> selbst praktische Erfahrungen auf dem  Gebiet gemacht habe. Da kann man besser beraten als viele, die sich das  zusammengelesen haben und auf der Grundlage „Social-Media-Beratung“  machen, wie es so sch&#246;n hei&#223;t. Neben Politik-Beratung bietet die  Newthinking-Agentur auch Open-Source-Dienstleistungen an. Wir nehmen  bekannte Content-Management-Systeme wie Drupal oder Typo3 und passen sie  den Kundenbed&#252;rfnissen an. <strong> </strong></p>
<p><em>Ist Netzpolitik ein reines Zuschuss-Gesch&#228;ft der Agentur,  oder flie&#223;t in irgendeiner Form etwas zur&#252;ck? </em></p>
<p>Der Blog wirkt sich schon positiv auf das Gesch&#228;ft aus. Ich bin  mittlerweile h&#228;ufig in den Medien und trete auf Veranstaltungen auf, da  bin ich halt auch immer als Newthinking-Mitarbeiter dabei. Auch die re:publica, die wir zusammen mit <em>Spreeblick</em> organisieren, ist ein  wichtiges  Aush&#228;ngeschild.</p>
<blockquote><p>Eigentlich ist <em>Netzpolitik.org</em> ein  Open-Source-Gesch&#228;ftmodell. … (ins  Interview hineinh&#246;ren) <span style="text-align: left; display: block;"> </span></p>
<p><object id="audioplayer1" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="290" height="24" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="FlashVars" value="&amp;bg=0xf8f8f8&amp;leftbg=0xeeeeee&amp;lefticon=0x666666&amp;rightbg=0xcccccc&amp;rightbghover=0x999999&amp;righticon=0x666666&amp;righticonhover=0xffffff&amp;text=0x666666&amp;slider=0x666666&amp;track=0xFFFFFF&amp;border=0x666666&amp;loader=0x9FFFB8&amp;soundFile=http%3A%2F%2Fstefanmey.files.wordpress.com%2F2010%2F05%2Finterview-beckedahl-zitat.mp3" /><param name="quality" value="high" /><param name="menu" value="false" /><param name="bgcolor" value="#FFFFFF" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="src" value="http://s2.wp.com/wp-content/plugins/audio-player/player.swf?m=1249406677g" /><param name="flashvars" value="&amp;bg=0xf8f8f8&amp;leftbg=0xeeeeee&amp;lefticon=0x666666&amp;rightbg=0xcccccc&amp;rightbghover=0x999999&amp;righticon=0x666666&amp;righticonhover=0xffffff&amp;text=0x666666&amp;slider=0x666666&amp;track=0xFFFFFF&amp;border=0x666666&amp;loader=0x9FFFB8&amp;soundFile=http%3A%2F%2Fstefanmey.files.wordpress.com%2F2010%2F05%2Finterview-beckedahl-zitat.mp3" /><embed id="audioplayer1" type="application/x-shockwave-flash" width="290" height="24" src="http://s2.wp.com/wp-content/plugins/audio-player/player.swf?m=1249406677g" wmode="opaque" bgcolor="#FFFFFF" menu="false" quality="high" flashvars="&amp;bg=0xf8f8f8&amp;leftbg=0xeeeeee&amp;lefticon=0x666666&amp;rightbg=0xcccccc&amp;rightbghover=0x999999&amp;righticon=0x666666&amp;righticonhover=0xffffff&amp;text=0x666666&amp;slider=0x666666&amp;track=0xFFFFFF&amp;border=0x666666&amp;loader=0x9FFFB8&amp;soundFile=http%3A%2F%2Fstefanmey.files.wordpress.com%2F2010%2F05%2Finterview-beckedahl-zitat.mp3"></embed></object></p></blockquote>
<p><em>Die Agentur bekommt also durch Netzpolitik mehr Auftr&#228;ge …</em></p>
<p>Ja. Unsere Reputation steigert sich, die Netzwerke werden gr&#246;&#223;er, und  es werden Kunden auf uns aufmerksam. Auf eine &#228;hnliche Art funktioniert  noch eine andere Einnahmequelle, die immer wichtiger wird: Vortr&#228;ge und  Workshops. Die wenigsten bringen Geld ein, aber wenn nur drei, vier  Vortr&#228;ge im Monat ausreichend Geld einbringen, hat man quasi schon eine  Stelle refinanziert.</p>
<p><em>Du vergleichst das Prinzip mit der Logik, die hinter der  Open-Source-Entwicklung steckt, kannst du das erl&#228;utern? </em></p>
<p>Eigentlich ist <em>Netzpolitik.org</em> ein Open-Source-Gesch&#228;ftmodell.  Menschen, die in Open-Source-Communities mitarbeiten, sammeln  Erfahrungen und bauen sich mit der Zeit eine Reputation auf. Je h&#246;her  ihre Reputation und ihr Wissen steigt, desto attraktiver werden sie  wiederum f&#252;r Unternehmen, die genau an diesem Wissen interessiert sind.</p>
<p><strong><span style="font-weight: normal;"><em>Und das Modell hinter Netzpolitik siehst du analog dazu.</em></span><br />
</strong></p>
<p>Bezogen auf Newthinking ist es vergleichbar. Man kann das Ph&#228;nomen  auch an jemandem sehen, der Designer ist und gleichzeitig &#252;ber Design  bloggt. Auf den ersten Blick macht er das unbezahlt, doch er zeigt auch  seine eigenen Werke und macht sich im Netz einen Namen. Wenn jemand das  n&#228;chste Mal einen Designer sucht, denkt er vielleicht: „den kenn ich,  der ist gut“, und bucht ihn.</p>
<p><em>Dieses Subventions-Modell ist f&#252;r nicht-private Blogs nicht  ungew&#246;hnlich. In dem </em><a href="http://rivva.de/http:/www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc%7EE6B640F8029DB425AB1608506DCF9F180%7EATpl%7EEcommon%7ESMed.html"><span style="font-weight: normal;"><em>ber&#252;chtigten</em></span></a><span style="font-weight: normal;"><em> </em></span><a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc%7EE6B640F8029DB425AB1608506DCF9F180%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html"><span style="font-weight: normal;"><em>FAZ-Artikel</em></span></a><span style="font-weight: normal;"><em> zur re:publica hie&#223; es: „Es geht darum, sich als Journalist einen Namen  zu machen, f&#252;r den man als Berater Geld verlangen kann.“ …</em></span></p>
<p>Der Vorteil ist, dass man teilweise durch die Querfinanzierung  &#252;berhaupt erst die Zeit und die Motivation hat, jahrelang an einem Thema  zu bleiben und kontinuierlich dar&#252;ber zu schreiben. Allerdings muss man  sich immer fragen, was zuerst da war. Einige wie der Lawblogger waren  schon vorher Berater oder Anwalt und haben den Blog nur als Ventil  gesehen. Und dann gibt es diejenigen, die den Blog von Anfang an gezielt  zur Vermarktung nutzen, um ihr Wissen in ihrem Fachgebiet unter Beweis  zu stellen.</p>
<p><em>Zumindest findet sich die Querfinanzierung &#252;ber Beratung und  Support bei sehr vielen Blogs, die sich in irgendeiner Form mit dem Netz  besch&#228;ftigen. Der </em><a href="http://www.pr-blogger.de/"><em>PR-Blogger</em></a><em> etwa schreibt &#252;ber Twitter und Online-Marketing und bietet dazu Beratung  an. Dann gibt es unglaublich viele Blogs zu WordPress und SEO, die  &#228;hnlich funktionieren …</em></p>
<p>Gerade bei Technologie-Blogs wei&#223; man aber heutzutage nicht mehr  unbedingt, ob es der 14-j&#228;hrige Sch&#252;ler ist, der das nur ein bisschen  nebenbei macht oder ob es eine richtige Agentur ist. Das wichtigste ist:  Es ist ein Gesch&#228;ftsmodell, das funktioniert. Und es ist noch nicht  einmal das Schlechteste.</p>
<p><em>Wie w&#252;rdest du diese &#214;konomieform nennen, f&#228;ndest du die  Bezeichnung Beratungs-&#214;konomie despektierlich? </em></p>
<p>Nicht unbedingt despektierlich, aber ich w&#252;rde es eher  Reputations-&#214;konomie nennen.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Carta dankt Stefan Mey f&#252;r diese </em><a href="http://stefanmey.wordpress.com/2010/05/10/interview-markus-beckedahl-netzpolitik-geschaeftsmodell/"><em>Crosspost</em></a><em> vom Medien&#246;konomie-Blog.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/27200/beckedahl-netzpolitik-org-ist-ein-open-source-geschaeftsmodell/">Beckedahl: „Netzpolitik.org ist ein Open-Source-Gesch&#228;ftsmodell.“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27200/beckedahl-netzpolitik-org-ist-ein-open-source-geschaeftsmodell/#comments">19 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27200&amp;md5=a44b3992ac53cb7cb664e4ed6e6f0ab9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Jahr der Datenskandale</title>
		<link>http://carta.info/20571/datenskandale-2009/</link>
		<comments>http://carta.info/20571/datenskandale-2009/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 09:33:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Oppong</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Noch nie gab es in einem Jahr so viele Datenskandale wie im Jahr 2009. Ein R&#252;ckblick.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sicherlich h&#228;ngt die erh&#246;hte Zahl auch mit der zunehmenden Ausdifferenzierung der Informationsgesellschaft und der <a href="http://stedavies.com/2009/10/social-media-counter/" target="_blank">vermehrten Nutzung des Internets</a> zusammen, dennoch ist die Anzahl an sich spektakul&#228;r und besorgniserregend zugleich. Carta hat die gr&#246;&#223;ten Datenskandale des Jahres 2009 einmal gesammelt:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">Ma&#223;geblichen Anteil an der Aufdeckung von Datenskandalen in Deutschland in diesem Jahr hat das von Markus Beckedahl betriebene Blog <a href="http://netzpolitik.org">netzpolitik.org</a>. In einem <a href="http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1120/seite3/0001/index.html" target="_blank">Portrait &#252;ber Beckedahl</a> schrieb die Berliner Zeitung am 20. November 2009:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm">Allein in den vergangenen vier Wochen hat Beckedahl mehrere spektakul&#228;re Datenlecks aufgedeckt. Jedes Mal waren Informationen von Hunderttausenden Nutzern ungesch&#252;tzt. <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,658061,00.html" target="_blank">Rechnungen beim Online-Buchh&#228;ndler libri.de</a> und im <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/872/493221/text/" target="_blank">Internetshop der Sparkasse</a> waren f&#252;r jeden einsehbar. Im <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/datenluecke-im-fanshop-des-1-fc-koeln/" target="_blank">Online-Fanshop des 1. FC K&#246;ln</a> w&#228;re es ein Leichtes gewesen, Tausende Trikots zu bestellen &#8211; auf die Rechnung von Clubmitgliedern wie Michael Schumacher und Guildo Horn. Diese Lecks wurden abgedichtet durch die Berichte von netzpolitik.org.</p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm">F&#252;r die meisten Schlagzeilen in diesem Jahr sorgte sicherlich die <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,655820,00.html" target="_blank">Datenpanne bei Sch&#252;lerVZ</a>, dessen <a href="http://www.stern.de/panorama/datenklau-bei-schuelervz-verdaechtiger-begeht-selbstmord-1518481.html" target="_blank">Protagonist sich das Leben nahm</a>. Hier wurden netzpolitik.org nach eigenen Angaben <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/neues-vom-schuelervz-datenleck/" target="_blank">mehr als eine Million Datens&#228;tze zugespielt</a>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p style="margin-bottom: 0cm">Nummer zwei in der Aufmerksamkeitskala d&#252;rfte in diesem Jahr der von Spiegel Online aufgedeckte Skandal um <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,617347,00.html" target="_blank">geheime Krankenakten bei Lidl</a> erreicht haben. So hielt der Discounter  die Krankheiten von Mitarbeitern in firmeninternen Unterlagen fest, obwohl dies arbeitsrechtlich bedenklich ist. Erst 2008 hatten der Stern und stern.de den <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/bespitzelung-bei-lidl-der-skandal-der-die-republik-erschuetterte-649156.html" target="_blank">Lidl-Bespitzelungskandal</a> aufgedeckt. Nach Informationen der &#8220;S&#252;ddeutschen Zeitung&#8221; &#8211; ebenfalls von April &#8211; horchte auch die <a href="http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/868/465459/text/" target="_blank">Drogeriekette M&#252;ller</a> Besch&#228;ftigte nach Krankheiten aus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p style="margin-bottom: 0cm">Nachdem England in den letzten Jahren mit Datenskandalen durch verlorene oder gestohlene <a href="http://www.focus.de/politik/ausland/notebook-diebstahl_aid_234189.html" target="_blank">Notebooks</a>, CD-ROMSs (<a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/international/England-Steuerdaten;art123,2426778" target="_blank">I</a>, <a href="http://www.focus.de/politik/ausland/london_aid_230630.html" target="_blank">II</a>) oder <a href="http://www.sueddeutsche.de/computer/45/311963/text/" target="_blank">Festplatten</a> immer wieder f&#252;r Schlagzeilen sorgte, war es dieses Jahr die britische Tochterfirma eines deutschen Unternehmens, die mit Negativpresse zu k&#228;mpfen hatte. Bei einer britischen Tochter der Telekom-Tochter T-Mobile wurden, wie Mitte November bekannt wurde, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,661900,00.html" target="_blank">sensible Informationen &#252;ber Tausende Kunden an Zwischenh&#228;nder verkauft</a>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm">
<p style="margin-bottom: 0cm">In sich hatte es der Oktober dieses Jahres:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm"><strong>13. Oktober</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm">Der Spiegel berichtet, dass der Deutschen Telekom <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,654956,00.html" target="_blank">Daten von hunderttausenden Kunden entwendet</a> wurden und zum Teil in der T&#252;rkei landeten. In dem Artikel hei&#223;t es:</p>
<blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm">Erst <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,653274,00.html" target="_blank">Anfang Oktober</a> hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass Vertriebspartner des Konzerns Kundendaten unerlaubt an Drittfirmen weitergegeben haben.</p>
</blockquote>
<p style="margin-bottom: 0cm"><strong>16. Oktober</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm">NDR Info, k&#252;rzlich mit dem Leuchtturm-Preis des Netzwerks Recherche ausgezeichnet (<a href="http://www.presseportal.de/pm/50273/1517831/netzwerk_recherche" target="_blank">I</a>, <a href="http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/radio/ndrinfo128.html" target="_blank">II</a>), berichtet, dass der Redaktion <a href="http://www1.ndr.de/wirtschaft/datenpanneawd100.html" target="_blank">27.000 Datens&#228;tze des Finanzdienstleisters AWD</a> zugespielt wurden.</p>
<p><strong>19. Oktober</strong></p>
<p>Wie die Financial Times Deutschland enth&#252;llte, lie&#223; die Karstadt-Quelle-Bank zahlreiche Mastercard-Kreditkarten sperren und umtauschen, weil <a href="http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:datenpanne-karstadt-quelle-bank-befuerchtet-mastercard-missbrauch/50025501.html" target="_blank">Unbefugte an Kreditkartennummern der Karstadt-Mastercard gelangt</a> waren.</p>
<p><strong>21. Oktober</strong></p>
<p><a href="http://www.stern.de/wirtschaft/news/unternehmen/neue-datenaffaere-telekom-trickst-bei-der-aufklaerung-1515846.html" target="_blank">Stern.de</a> meldet, die Telekom trickse bei der Aufkl&#228;rung ihrer neuen <span style="text-decoration: line-through"><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,556502,00.html" target="_blank">Spitzel</a></span>Datenaff&#228;re. So soll die Kriminalpolizei mehrfach bei der Telekom nachgehakt haben, bis die Konzernsicherheit Anfang Juni endlich Angaben zu einem Vertrag mit einer umstrittenen Firma machte. Noch im Februar hatte die Telekom best&#228;tigt, dass sie wie die Deutsche Bahn <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article3139386/Auch-die-Telekom-hat-ihre-Mitarbeiter-ueberprueft.html" target="_blank">Daten von Mitarbeitern &#252;berpr&#252;ft</a> hat, um Korruption zu bek&#228;mpfen.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/20571/datenskandale-2009/">Das Jahr der Datenskandale</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/20571/datenskandale-2009/#comments">9 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=20571&amp;md5=916375c57dbffd4dd1d928e09274c590" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>DB ist der neue DFB</title>
		<link>http://carta.info/4772/deutsche-bahn-netzpolitik/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Feb 2009 17:24:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist schon atemberaubend, wie schnell nun eine um die andere altbundesdeutsche Institution ihr Unverm&#246;gen im Umgang mit der digitalen &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentiert. Der Abmahnversuch der Deutschen Bahn gegen&#252;ber Netzpolitik.org ist PR-Harakiri und nicht zu gewinnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/9064ac6fd1aaa47612cc43a0264747" alt="" width="1" height="1" />Es lassen sich ganz leicht zehn Gr&#252;nde nennen, warum die Bahn <a href="http://netzpolitik.org/2009/deutsche-bahn-ag-schickt-mir-abmahnung/">diesen publizistischen Konflikt mit Netzpolitik</a> verlieren muss, wie auch schon der DFB gegen Jens Weinreich <a href="http://jensweinreich.de/?page_id=1780">unterlag</a>:</p>
<p>1. Es besteht ein ganz klares &#246;ffentliches Interesse an der Angelegenheit. Netzpolitik verr&#228;t hier &#8220;Gesch&#228;ftsgeheimnisse&#8221; nicht zum Spa&#223;, sondern mit dem Ziel gesellschaftlicher Aufkl&#228;rung.</p>
<p>2. Netzpolitik hat lediglich ein Dokument verf&#252;gbar gemacht, das zahlreichen anderen Journalisten auch zug&#228;nglich war. Der einzige Unterschied zur Berichterstattung in den <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Spitzelskandal-Bahn-Aff%E4re-Politiker/652235.html">klassischen Medien</a> besteht darin, dass das PDF in G&#228;nze verf&#252;gbar gemacht wurde.</p>
<p>3. Netzpolitik ist eindeutig eine Institution der journalistischen &#214;ffentlichkeit. Mit anders lautenden Interpretationsversuchen wird die Bahn nicht durchkommen.</p>
<p>4. Netzpolitik vs. Deutsche Bahn passt dramatisch gut in das David vs. Goliath-Schema. Die &#214;ffentlichkeit und Journalisten lieben dieses Schema. Die Bahn wird mit ihrer Sicht der Dinge gar nicht mehr durchdringen.</p>
<p>5. Die Schuld an der <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,604986,00.html">Datenaff&#228;re</a> liegt eindeutig bei der Bahnf&#252;hrung. Eine Behinderung der Berichterstattung und der Aufkl&#228;rung kann nur auf die Bahnf&#252;hrung selbst zur&#252;ckfallen.</p>
<p>6. Das <a href="http://netzpolitik.org/wp-upload/datenschutz_bei_der_bahn.pdf">PDF</a> wird nun aus Solidarit&#228;t schon an hunderten Stellen im Netz ebenfalls gespeichert worden sein. Seine Sichtbarkeit ist durch die Aktion nur gesteigert worden. Zur&#252;ckholbar ist das Dokument ohnehin nicht.</p>
<p>7. Die Angelegenheit eignet sich hervorragend zum Grundsatzstreit um digitale Presse- und Bloggerfreiheit. Die Bahn hat hier eine willkommene Vorlage geliefert und damit ihre Gegenseite geeint.</p>
<p>8. Das Beispiel zeigt, dass die Bahn auch ihre Juristen nicht unter Kontrolle hat, was die F&#252;hrung weiter blamiert.</p>
<p>9. Die Bahn verf&#252;gt &#252;ber keinerlei Sympathiekredit mehr, den sie &#252;berhaupt noch ausspielen k&#246;nnte.</p>
<p>10. Netzpolitik verf&#252;gt &#252;ber einen direkten Zugang zur &#214;ffentlichkeit und &#252;ber eine <span style="text-decoration: line-through;">organisierte</span> spontan vernetzte Unterst&#252;tzerschaft. Schon im direkten Vergleich der publizistischen Waffen ist die Bahn unterlegen.</p>
<div id="attachment_4773" class="wp-caption alignnone" style="width: 497px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/02/bild-9.png"><img class="size-full wp-image-4773" title="bild-9" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/02/bild-9.png" alt="bild-9" width="487" height="261" /></a><p class="wp-caption-text">Rivva 17:45 Uhr: Zweieinhalb Stunden nach der Ver&#246;ffentlichung des Netzpolitik-Textes mit 22 Reaktionen </p></div>
<p>Vielleicht findet sich ja ein PR-Berater, der das alles anders sieht. Pleon, fischerAppelt &#252;bernehmen Sie.</p>
<p><strong>Nachtrag:</strong> Am Freitag, dem 6. Februar, hat die Bahn erkl&#228;rt, keine weiteren rechtlichen Schritte gegen Netzpolitik.org unternehmen zu wollen. Mehr <a href="http://futurezone.orf.at/stories/1502334/">hier</a>. Und nat&#252;rlich <a href="http://netzpolitik.org/2009/deutsche-bahn-ag-gibt-auf/">hier</a>.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://carta.info/post_notification_header/"><img class="aligncenter" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/banner_newsletter_v3_ani2.gif" alt="RSS Feed" width="468" height="60" /></a></p>
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