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	<title>CARTA &#187; Musikindustrie</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Napster auf den Elektrischen Stuhl?</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 08:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Herzlich willkommen in der digitalen Welt Amerika! Wir aus der Musikwirtschaft kennen uns da aus und fragen uns nachdem ihr die Todesstrafe f&#252;r Wikileaks fordert: Sind wir vielleicht zu milde mit den Piraten umgegangen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/558caa0d6a6c41d390fa5e7fede79b88" width="1" height="1" alt=""/>In Amerika werden erste Stimmen laut, welche ob der Aktivit&#228;ten von Wikileaks die Todesstrafe f&#252;r Datenklau und deren Ver&#246;ffentlichung fordern. Erschrocken und am&#252;siert zugleich fragt man sich da als Musikwirtschaft, ob man vielleicht zu milde mit den Piraten und anderen Urheberrechtsverletzern war&#8230;</p>
<p>Ab 1982 haben wir unsere Daten digitalisiert, auf CD gepresst und verkauft. Anfangs haben unsere Controller &#252;ber diese Digitalisierung genauso gejubelt wie Eure Geheimdienste. Wo Euer CIA und die anderen Dienste glaubten mit den digitalen Daten einen Erkenntnisgewinn zu haben, freuten sich unsere Erbsenz&#228;hler &#252;ber die Gewinnspr&#252;nge, die damit verbunden waren. Bis Ende der Neunziger wurde abgesahnt: Die Konsumenten kauften oftmals das, was sie bereits anlog auf Vinyl besa&#223;en, nur jetzt halt digital auf CD zum doppelten Preis. Dankesch&#246;n, f&#252;r die Musikwirtschaft war das ein herrliches Gesch&#228;ft.</p>
<p>Fr&#252;her als ihr mussten wir aber feststellen, dass die Sache auch einen Haken hat. Mit der Einf&#252;hrung des CD-Brenners wurde klar, dass Digitalisierung kein Original mehr kennt. Unsere Musik wurde auf selbstgebrannten CDs auf Schulh&#246;fen und in Uni-Mensen verteilt und schlie&#223;lich auch &#252;bers Internet. Nat&#252;rlich waren wir zornig. Ich erinnere mich noch an das hochrote Gesicht meines Chefs, des damaligen Pr&#228;sidenten der Universal, wenn das Thema auf Datenkopien kam. Als ein Mitarbeiter in einem Meeting von jugendlichen Fans sprach, die mit modernen Technologien herumspielten, sprang er auf und schrie ihn an: &#8220;Das sind keine Fans, das sind Kriminelle und die geh&#246;ren zerschmettert.&#8221;</p>
<p>Das klingt bei Sarah Palin nicht sehr viel anders, wenn sie &#252;ber Wikileaks spricht. Manche ihrer Parteifreunde – wie der ehemalige Gouvernor von Arkansas – gehen da sogar noch einen Schritt weiter: Er fordert die Todesstrafe.</p>
<p>Sind Daten erst einmal digitalisiert, kann man sie nur noch schwer oder gar nicht kontrollieren. Das ist eine bittere Erkenntnis. Da platzt einem schon mal der Kragen. Aber verglichen mit Euch waren wir in unserer Reaktion fast milde. Familienv&#228;ter und M&#252;tter von Urheberrechtsverletzern wurden von uns mit Klagen &#252;ber hundertausende von Dollar &#252;berzogen, nach Leib und Leben trachten wir ihnen nicht. Naja, wir verloren durch Datenkopien ja auch nur Geld, Ihr aber Glaubw&#252;rdigkeit.</p>
<p>Vielleicht hat Shawn Fanning auch einfach Gl&#252;ck gehabt, dass wir keine Geheimdienste haben. Hinter Gittern haben wir unseren Lieblingsfeind und Begr&#252;nder von Napster n&#228;mlich bis heute nicht bekommen. Daf&#252;r haben wir seinen Laden platt gemacht, die Justiz war da in Form der Richterin Pattel aus Kalifornien auf unserer Seite. Geholfen hat uns das allerdings nicht.</p>
<p>Genauso wie l&#228;ngst &#252;ber 200 Sites die Wikileaks-Informationen spiegeln, war die richterlich angeordnete Schlie&#223;ung von Napster nur Auftakt f&#252;r neue Modelle zum Austausch von Musik. Auf die, wie zum Beispiel im Fall von Pirate Bay, haben wir dann auch ordentlich draufgeschlagen. Die schwedische Justiz k&#246;nnen wir empfehlen. Sie zeigte sich bei uns &#228;u&#223;erst kooperationsbereit, verknackte die Pirate Bay-Betreiber. Die Folge war jedoch eine neue Protestbewegung gegen unsere Anliegen samt eigener Partei.</p>
<p>Egal was wir auch versuchten, digitale L&#246;cher lie&#223;en und lassen sich nicht stopfen. Kopierschutz, Rechtsschutz, Abmahnungen, Abschreckung, alles f&#252;r die Katz. Mittlerweile haben wir als Musikwirtschaft die H&#228;lfte unseres Volumens und unserer Macht eingeb&#252;sst. Von der einst traumhaften Profitabilit&#228;t wollen wir hier gar nicht erst reden, Amerika.</p>
<p>Willst Du f&#252;r Dein Land unser Schicksal vermeiden, dann akzeptiere die Fakten der Digitalisierung. Wir m&#252;ssen auf K&#252;nstler und Konsumenten zugehen und versuchen, die Digitalisierung f&#252;r einen neuen Deal untereinander zu nutzen. Bei Euch geht es um B&#252;rger und Weltgemeinschaft, mit denen und f&#252;r die ihr ein neues Verst&#228;ndnis entwickeln m&#252;sst.</p>
<p>Ich wei&#223;, das ist einfacher gesagt als getan. Tut ihr das aber nicht, hilft nur der Weg zur&#252;ck: Sven Regener von Element of Crime fragte mich einmal, weshalb wir nicht einfach alles wieder nur auf Vinyl ver&#246;ffentlichen w&#252;rden, das sei doch der einzig m&#246;gliche Kopierschutz. Der Mann hatte recht. Wollt ihr also nicht mehr Bestandteil der digitalen Welt sein, dann raus mit all den Computern aus den Amtsstuben, Botschaften, Capitol, Pentagon und Wei&#223;em Haus! Betreibt ihr die Reanalogisierung der USA konsequent, hat Wikileaks schweres Spiel: 250.000 Aktennotizen bekommt niemand physisch in Ordnern bewegt ohne dass ihr das lange vor der Ver&#246;ffentlichung bemerkt!</p>
<p>Eine Welt mit einem gestrigen, weil analogen Amerika w&#228;re aber &#228;rmer. Deshalb gebt Euch M&#252;he, die Konsequenzen der Digitalisierung nicht zu bek&#228;mpfen, sondern zu erkennen und zu meistern. Wir von der Musikwirtschaft versuchen es ja mittlerweile auch.
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		<title>Berlin Music Week: &#8220;Drei h&#246;chst ungleiche Partner&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 11:26:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Berlin Festival, all2gethernow und Popkomm werden h&#246;chst unterschiedliche Veranstaltungen unter den Schirm der "Berlin Music Week" gezw&#228;ngt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c15ef294d4d54915841783a49ccb3e4e" alt="" width="1" height="1" />Heute in zwei Wochen beginnt die <a href="http://www.berlin-music-week.de/"><em>Berlin Music Week</em></a>. Das Gemeinschaftsprojekt von drei h&#246;chst ungleichen Partnern soll vom 6. bis 11. September Antworten auf die Probleme liefern, an denen zuvor die Branchenmesse <a href="http://www1.messe-berlin.de/vip8_1/website/Internet/Internet/www.popkomm/deutsch/index.html">Popkomm</a> gescheitert ist.  Zu k&#228;mpfen hatte die im vorigen Jahr abgesagte Musikmesse in erster Linie mit den Folgen der Digitalisierung. Downloads lie&#223;en die Ums&#228;tze der Plattenfirmen einbrechen und die Branche begann sich neu und kleinteiliger zu organisieren.</p>
<p>Die Reaktion auf die Absage der Popkomm kam prompt: Eine <a href="http://a-2-n.de/about">Gemeinschaft aus Netz- und Musikaktivisten</a> (zu der auch die re:publica-Veranstalter newthinking und der Autor geh&#246;ren) startete als gemeinn&#252;tziger Verein ein offenes Diskussionsforum, um sich den Problemen zu stellen. Im Rahmen der <a href="http://a-2-n.de/">all2gethernow</a> (kurz a2n) wurden 2009 erstmals nach L&#246;sungen f&#252;r Bands, Labels und Internet-Community gesucht. Kurz darauf feierte das &#8220;<a href="http://www.berlinfestival.de">Berlin Festival</a>&#8221; seine Premiere auf dem Flughafen Tempelhof. Veranstaltet wird es von der privatwirtschaftlichen Melt/intro-Gruppe.</p>
<p>Neben den Verlegern und Veranstaltern von Melt/intro wurden jetzt der Verein a2n und die st&#228;dtische Messe in der <em>Berlin Music Week</em> zusammengefasst. Man wollte sich vernetzen und nicht gegeneinander arbeiten. Das war einerseits ein Gebot der Logik, andererseits aber auch ein Wunsch der Stadt. Von der Zusammenarbeit verspricht man sich  Denkanst&#246;sse mit dem Begin des a2n-Camps am 6. und 7. September in der Kulturbrauerei und Konzerth&#246;hepunkte mit dem &#8220;Berlin Festival&#8221; bis zum 11. September auf dem Rollfeld von Tempelhof. Zwischendurch, am 8. und 9. September, wird in den Ankunftshallen der Neustart der Popkomm gewagt.</p>
<p>Die Interessen der Partner sind dabei dennoch durchaus unterschiedlich: W&#228;hrend die a2n f&#252;r Musiker und Musikproduzenten attraktiv sein m&#246;chte, muss das &#8220;Berlin Festival&#8221; Karten an Konzertg&#228;nger verkaufen und die Messe jede Menge Fl&#228;che vermarkten. Das zeigt sich auch in der alles andere als homogenen Preisstruktur. W&#228;hrend zwei Tage a2n-Teilnahme f&#252;r 30 Euro zu haben sind, gibt es das Popkomm-Ticket f&#252;r alle Tage nicht unter 236 Euro. Der m&#228;chtige Preis wird damit begr&#252;ndet, dass man daf&#252;r auch Zutritt beim Festival und der a2n erh&#228;lt.</p>
<p>Viele potenzielle Teilnehmer der Popkomm schreckt ein solcher Preis aber wohl eher ab, denn heutzutage sind viele Bands zugleich ihre eigene Plattenfirma und m&#252;ssen auf ihr Budget achten. Gro&#223;e Konzerne wie Universal, Sony, Warner und EMI, f&#252;r die der Preis wohl weniger ins Gewicht f&#228;llt, stellen eine deutliche Minderheit in der Breite der Musikbranche dar.</p>
<p>Die Preispolitik wird sicher auch dadurch begr&#252;ndet, dass das Gesch&#228;ftsmodell der Messe im Verkauf von Standfl&#228;chen besteht. Die Messe, der weitaus gr&#246;&#223;te Partner im Verbund der <em>Berlin Music Week</em>, hat ihre Aufgabe auch bereits erledigt: Die Ausstellungsfl&#228;chen auf den Flughafen Tempelhof sind ausverkauft. Der verantwortliche Messe-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Kleinhenz war dar&#252;ber so begeistert, dass er glatt alle zuvor getroffenen Absprachen der Partner der <em>Berlin Music Week</em> verga&#223;: Eigentlich wollte man Fakten und Neuigkeiten geb&#252;ndelt und zusammen kommunizieren. Mit einer schnell einberufenen Pressekonferenz am vergangen Dienstag eilte er seinen Partnern davon. Den geladenen Medienvertretern wurde verk&#252;ndet, dass neben diversen Exportb&#252;ros aus allerlei L&#228;ndern und Regionen nun auch die EMI zur Teilnahme habe &#252;berredet werden k&#246;nnen.</p>
<p>Wer sich auskennt wei&#223;, dass die EMI mit ihrer Schuldlast von 2.9 Milliarden Euro das Griechenland der Musikbranche ist. Hoffentlich hat sie ihren Stand bereits vorab bezahlt. Auch die anderen Mieter sind gro&#223;teils Beleg einer noch nicht zu Ende durchlebten Strukturkrise der Musikwirtschaft: Es sind fast ausschlie&#223;lich st&#228;dtische oder staatliche Organisationen. Nicht nur in Deutschland wurde Popmusik im &#220;bergang von gro&#223;en zu kleinen Strukturen Gegenstand staatlicher F&#246;rderpolitik. Eine Popkomm, auf der sich die unterschiedlichen staatlichen Programme gegenseitig pr&#228;sentieren, hat aber eher einen gesch&#228;ftsfremden Charme und erinnert viel mehr an die „Schaufenster des Sozialismus“ genannten Leipziger Fr&#252;hjahrsmessen.</p>
<p>Egal ob Musik, Presse, Rundfunk, Kino – die Digitalisierung f&#252;hrt dazu, dass die Strukturen unter Druck geraten, Produzenten und Konsumenten jedoch an Bedeutung gewinnen. Mit Hilfe des Internets tauschen beide Seiten sich n&#228;mlich oft g&#228;nzlich ohne Mittelsmann aus. Die a2n versucht deshalb Musiker zu binden und ihnen etwas zu bieten: Brachenexperten werden ihnen einen ganzen Tag in einer „Werkstatt“ zu ihrer eigenen Musik Rede und Antwort stehen, der Produzent und Schlagzeuger Martin Atkins (u.a. Nine Inch Nails) erkl&#228;rt das neue Musicbusiness und die Gr&#252;nder von „Flattr“ werden aufzeigen, wie Micropayment funktioniert. Das &#8220;Berlin Festival&#8221; versucht Konzertbesucher im Scharen heranzuziehen: Mit Hot Chip, LCD Soundsystem, Fatboy Slim und vielen mehr werden fast alle Stars der elektronischen Musikszene aufgeboten. Beides wird hoffentlich im gro&#223;en Rahmen angenommen werden.</p>
<p>Nur die konsequente Einbeziehung derer, die Musik machen und derer, die sie konsumieren, wird auf Dauer zu einer erfolgreichen Re-Etablierung der Popkomm f&#252;hren k&#246;nnen. Der f&#252;r die Messe verantwortliche Wirtschaftssenat wird sich das Treiben auf der <em>Berlin Music Week</em> sicher genau anschauen. Bleibt es beim bislang diskutierten Timing f&#252;r das Jahr 2011, findet sie dann direkt vor der Wahl statt&#8230;</p>
<p><em>Diesen Text hat Tim Renner f&#252;r Carta und sein <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/">Motorblog</a> geschrieben.</em>
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		<title>Die knappste Ressource in der Urheberrechts-Debatte ist: Eine gemeinsame Perspektive</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 11:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Herwig</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Kultur kann nicht per se von Produktionsmechanismen abgekoppelt werde, denn Kreativwirtschaftsg&#252;ter ben&#246;tigen Kapital als Energiezufuhr. Ausschlie&#223;barkeit ist in diesem marktwirtschaftlichen Prozess daher ein wichtiger Mechanismus. – Stefan Herwig antwortet auf Felix Neumann.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/947f28cb926e4108bd35a9ccb7d1fb8f" alt="" width="1" height="1" />Lieber Felix Neumann,</p>
<p>mit einiger &#220;berraschung durfte ich Ihr <a href="http://carta.info/27873/der-oeffentlichkeit-nicht-den-boden-entziehen-anforderungen-an-ein-neues-urheberrecht/">interessantes Res&#252;mee zum Sigint-Panel</a> auf <em>Carta</em> lesen, in dem ich auch indirekt angesprochen wurde. Da ich Ihre Sichtweise zur Panelgestaltung, sowie zum Urheberrecht nicht teile, w&#252;rde ich Ihnen gerne diese Replik zukommen lassen.</p>
<p>In Ihrem <em>Carta</em>-Text „Der &#214;ffentlichkeit nicht den Boden entziehen“ fordern Sie, dass marktwirtschaftliche Belange bei der Urheberrechtsdiskussion nachgelagert werden sollten. Interessant ist es jedoch, dass Sie es in Ihrem Text selbst mehrfach nicht schaffen, diese Sichtweise auszuklammern.</p>
<p>Interessant auch, dass Sie ein „grandioses Scheitern“ einer Diskussionsrunde konstatieren, bei welcher Sie selbst die Spielregeln vorher festgelegt haben.</p>
<p>Dass der kulturtheoretische Aspekt nahezu komplett am eher praktisch interessierten Publikum vorbeiging, ist Ihnen leider entgangen. Dass es nicht wirklich fair war, in Ihrem einleitenden kulturtheoretischen Abriss auch noch die eigene Meinung &#252;berdeutlich zu verankern, und somit gleich das Thema nur auf den Diskussionsbereich zu fokussieren, in dem Sie sich wohl f&#252;hlen, ist schon fragw&#252;rdig. Dass Sie es aber n&#246;tig haben, dann auch noch unsere Aussagen wie „Das Urheberrecht ist eigentlich ein Anreizsystem f&#252;r kulturelle Leistung“ zu &#246;konomischen Reizparolen wie „Leistung muss sich wieder lohnen“ umzuformen, ist nahe am Skandal. In der Tat erledigen sich so weitere „l&#246;sungsorientierte“ Diskussionen mit Ihnen.</p>
<p>Leider reichte die Zeit nach Ihrem 20-min&#252;tigen tendenzi&#246;sen Vortrag und der abschlie&#223;enden Fragerunde des Publikums in der Tat kaum f&#252;r die versprochene L&#246;sungsorientierung. Die soll hier nachgereicht werden. Nachdem Robin Meyer-Lucht ihre &#246;konomischen Thesen <a href="http://carta.info/27976/nicht-die-immaterialgueter-sind-knapp-sondern-die-professionellen-ressourcen/">in seiner Replik</a> zurecht widerlegt hat, m&#246;chte ich mich nun daran versuchen, dies auch auf kulturtheoretischer Ebene zu tun:</p>
<p>Nat&#252;rlich haben Kulturg&#252;ter idealerweise in einer &#246;ffentlichen Sph&#228;re zu existieren, und wir wollen die Schranken zum Zugriff auf Kultur m&#246;glichst niedrig halten. Das hei&#223;t jedoch weder, dass sie ganz fallen sollten, noch bedeutet es, dass Kultur nur aufgrund der &#246;ffentlichen Zug&#228;nglichmachung per se von Produktionsmechanismen abgekoppelt sein kann.</p>
<p>Ich habe diesen Text an einem Abend in wenigen Stunden verfasst und deswegen kann ich durchaus auf finanzielle Entlohnung oder auf die Unterst&#252;tzung von Produktionsmitteln verzichten. Ich kann den Text als sein Urheber unter Creative Commons stellen, oder ihn auch auf meiner Festplatte versauern lassen. Ich k&#246;nnte ihn aber auch der <em>S&#252;ddeutschen</em>, der <em>taz</em> oder eben <em>Carta</em> zur kostenfreien oder lizenzierten Nutzung zur Verf&#252;gung stellen. Aufgrund der Tatsache, dass nur wenig Arbeit in diesen Text geflossen ist, kann ich ihn durchaus kostenlos bereitstellen, denn es liegt mir am Herzen, Ihr fehlgeleitetes Verst&#228;ndnis vom Urheberrecht zu thematisieren.</p>
<p>Die Option des Urhebers, die oben genannten Nutzungsregeln selbst festlegen zu d&#252;rfen, ist ein genialer Schachzug des Urheberrechts, der uns f&#252;r eine lange Zeitspanne ein F&#252;llhorn von kreativen Leistungen gebracht hat, und mit zur aufgekl&#228;rten Gesellschaft f&#252;hrte. Das Urheberrecht erm&#246;glichte in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts einen Abbau von Rassentrennung, indem es zum Beispiel erstmals schwarzen Jazz in wei&#223;e Haushalte brachte, in Form von schwarzen gepressten Scheiben.</p>
<p>Das Urheberrecht erm&#246;glichte auch erst das, was wir heute als „Popkultur“ kennen und begreifen. Es verhalf Elvis Presley und Frank Sinatra zu Weltruhm, obwohl diese kaum ihre Songs selber schrieben und alle sechs Monate lediglich eine fremdproduzierte Platte einsangen. <strong>Es war ein Treibsatz f&#252;r Kulturprodukte generell, f&#252;r Film, Musik, Buch und Software.</strong> Dieser Siegeszug des modernen Urheberrechts wird in der aktuellen Diskussion gerne vergessen.</p>
<p>Sie argumentieren, dass das Urheberrecht auf einer naturrechtlichen Ebene keinerlei Legitimation hat, und damit haben Sie Recht. Solch eine naturrechtliche Legitimationsgrundlage hat aber unsere Verfassung genauso wenig, wie irgendein anderes theoretisches Regelungskonstrukt dieser Welt. Das einzige naturrechtliche Prinzip, welches in Rahmen dieser &#220;berlegungen zum Tragen kommen sollte, ist, dass sich mein K&#246;rper in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden nach Energiezufuhr in Form von Nahrung und W&#228;rme ausrichtet. Br&#228;uchte ich weder Essen noch Trinken, dann w&#228;re ich wohl der Urheber, der Ihren Anspr&#252;chen nach Kulturg&#252;tern gen&#252;gt: Gen&#252;gsam, anspruchslos und st&#228;ndig aus rein idealistischem Antrieb kreativ. Ein kulturelles Perpetuum Mobile.</p>
<p>Leider ist dieses Konstrukt Phantasie, und selbst wenn ich ohne Gewinnabsicht unabl&#228;ssig Wissenschaft und Kultur produzieren wollte, so brauche ich doch f&#252;r Kreativwirtschaftsg&#252;ter ab einer gewissen Komplexit&#228;t eine Energiezufuhr in Form von Kapital. F&#252;r einen Film muss ich Kameras und Requisiten anschaffen, und selbst wenn alle Schauspieler und Filmcrewmitglieder ebenfalls monatelang ehrenamtlich arbeiten wollten, so erkl&#228;rt es noch nicht, wo diese Ressourcen denn herkommen sollen.</p>
<p>Ihrer Meinung nach &#252;bersteigt der Anspruch der &#214;ffentlichkeit, auf Kulturg&#252;ter zugreifen zu d&#252;rfen, den Anspruch der Kreativen, ihre Kulturg&#252;ter auf Basis von Ausschlie&#223;barkeit erstellen zu k&#246;nnen. <strong>Aber Kultur entsteht nicht im luftleeren Raum, und f&#252;r die notwendige Verdichtung von Ideen zu Kultur braucht es – bis auf wenige Ausnahmen &#8211; eben Energiezufuhr, nicht nur aus Gr&#252;nden der Motivation oder des schn&#246;den Gewinnstrebens, sondern aus simplen Energieerhaltungs-Grunds&#228;tzen.</strong> DAS ist nicht nur eine Naturregel, sondern ein Naturgesetz.</p>
<p>Setzen wir nun Ihren postulierten Anspruch auf Kulturg&#252;ter durch, senken wir nicht nur die Schranke zum Zugriff auf Kultur gegen Null, wir verhindern auch aktiv die Produktion der Kulturg&#252;ter, die Energiezufuhr oberhalb der Schwelle von reinem Idealismus oder Hobbytum ben&#246;tigen. Und glauben Sie mir, das sind in der Regel die Kulturg&#252;ter, die unsere Gesellschaft in der Tat formen und positiv beeinflussen. Das kostenlos erstellte Youtube-Video, das neue Kulturstr&#246;mungen formt, muss erst noch geboren werden.</p>
<p>Der Kahlschlag an der Kultur – sowohl im Theater-, Film- und Musikbereich, als auch im professionellen Journalismus- und im Buchautorenbereich – w&#228;re desastr&#246;s. Nur noch finanzielle Unabh&#228;ngigkeit w&#252;rde Kreativen erlauben, Kulturg&#252;ter oberhalb einer gewissen Komplexit&#228;tsschwelle zu erstellen. Wir fielen zur&#252;ck in ein Zeitalter des M&#228;zenatentums, in dem pers&#246;nlicher Reichtum die Kulturproduktion bestimmt.</p>
<p>Dieses Manko w&#228;re nur durch eine <strong>Komplettsubvention dieser Kreativwirtschaftsbereiche</strong> durch den Gesetzgeber zu beseitigen. Ich w&#252;nsche ihnen dabei viel Gl&#252;ck, denn die Kreativwirtschaft ist die drittgr&#246;&#223;te Wirtschaftsbranche in der Bundesrepublik, hinter Maschinenbau und Automobilindustrie und noch vor der pharmazeutischen und chemischen Industrie. <strong>In einer Wirtschaftsgesellschaft w&#228;re dies ein legend&#228;rer Schuss in den rechten Fu&#223;, und zwar nicht mit einem Taschenspielercolt sondern mit einer abges&#228;gten doppell&#228;ufigen Schrotflinte.</strong></p>
<p>Was erhielten wir nun daf&#252;r? Wir bek&#228;men den freien Zugang auf Kulturg&#252;ter. Die Frage ist derzeit, ob der Zugang auf Kultur denn wirklich so stark verknappt ist, dass die Exklusivit&#228;t des Urheberrechts der Gesellschaft schadet. Ich schaue mal eben in mein Medienregal und sehe neben einem guten halben Dutzend nur teils gelesener Tageszeitungen mehrere B&#252;cher, CDs und einige Blu-Rays.</p>
<p>Nein, hier herrscht sicherlich keine Knappheit, weder f&#252;r mich als derzeit eher schlecht verdienenden Selbstst&#228;ndigen, noch f&#252;r einen Hartz-IV-Empf&#228;nger, der auf &#246;ffentlichen Rundfunk, Stadtbibliotheken, Online-Medienarchive der Radio- und Fernsehanstalten, einen erstaunlich g&#252;nstigen Gebrauchtg&#252;termarkt auf eBay, Amazon oder andere Auktionsh&#228;user und &#8211; last not least einen &#8211; reichhaltigen Markt an unter Creative Commons ver&#246;ffentlichter, freier Kulturg&#252;ter zur&#252;ckgreifen kann – ohne jemals Urheberrechte verletzen zu m&#252;ssen.</p>
<p>Ich sehe auch nicht, dass das Senken der Kulturg&#252;terschranke einen wie auch immer gearteten positiven Effekt auf unser gesellschaftliches und kulturelles Leben h&#228;tte. Trotz des Zugriffs auf Wikipedia und andere Informationsquellen sinkt das Allgemeinbildungsniveau deutscher Sch&#252;ler st&#228;ndig weiter. Was nicht sinkt, sind die gr&#246;&#223;tenteils hervorragend ausgebildeten Computerkenntnisse. Das idealistische Weltbild, dass man Personen nur eine Bibliothek aufschlie&#223;en muss, und sie w&#252;rden alle deutlich kl&#252;ger erweist sich jetzt schon als Trugschluss. Im Gegenteil, je niedriger die kollektiven Schranken zum Zugang liegen, desto geringer die Motivation sie auch &#252;berhaupt zu &#252;bersteigen.</p>
<p>Nein, der Anspruch des Zugriffs auf Kulturg&#252;ter im Onlinezeitalter ist lediglich die Forderung von mehr <em>convenience</em> und geringerer finanzieller Eigenbelastung im Netz. <strong>In letzter Konsequenz der pure Egoismus des <em>homo oeconomicus</em>, der sich &#252;ber rechtliche und technische Schranken zynisch hinwegsetzt, weil die Netzgemeinde es geschafft hat, sich ein Bild einer <em>content industry</em> zu mei&#223;eln, und diese Leistungserschleichung bereitwillig als gesellschaftliche Notwehr umdeutet.</strong></p>
<p>Sie m&#246;gen dem entgegentreten und sagen, dass es Verwertern in ihrem Konstrukt durchaus erlaubt sei, Geld mit Kreativwirtschaftsg&#252;tern zu verdienen. Aber der Beweis, dass mit einem nichtexklusiven Gut noch marktwirtschaftliche Wertsch&#246;pfung zu erzeugen sei, muss leider noch erbracht werden. Denn nicht die Knappheit – oder wirtschaftswissenschaftlich ausgedr&#252;ckt – die sog. „Rivalit&#228;t“ der G&#252;ter, ist entscheidend f&#252;r funktionierende M&#228;rkte, sondern lediglich die Exklusivit&#228;t, also die Ausschlie&#223;barkeit der G&#252;ter im Konsum. Im Urheberrecht m&#246;gen Sie dies anzweifeln, aber bei anderen Mautg&#252;tern wird es deutlicher:</p>
<p>Wie sieht es aus, wenn man der deutschen Bahn die Autorit&#228;t n&#228;hme, ihre Fahrg&#228;ste zu kontrollieren? Dann w&#252;rden sich die zahlenden Fahrg&#228;ste rasch in Trittbrettfahrer verwandeln. Kann ein Betreiber in einem Kino ohne Eintrittskartenpflicht wirklich nur mit dem Verkauf von Erdn&#252;ssen und Nachos auf Dauer &#252;berleben? – Das darf bezweifelt werden. Kann ein Fris&#246;r mit freiwilligen Spenden seiner Kunden auf Dauer seinen Salon und seine Mitarbeiter erhalten? Von den 73.383 Friseurbetrieben, die wir 2009 in Deutschland hatten, hat sich meines Wissens noch keiner einziger zu ihren marktwirtschaftlichen Thesen bekannt. Dabei kostet eine Friseurschere nicht mal 10€.</p>
<p>Es steht viel eher zu vermuten, dass viele Kunden die Nichtausschlie&#223;barkeit dieser G&#252;ter gnadenlos ausnutzen w&#252;rden. Interessanterweise hat die &#214;konomie hierf&#252;r bereits die Vokabel definiert: Das sogenannte Trittbrettfahrerproblem, welches zeigt, dass es hier nicht wirklich um die Knappheit der G&#252;ter geht, sondern lediglich um die fehlende Ausschlie&#223;barkeit. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trittbrettfahrerproblem"><strong>Trittbrettfahrer</strong></a> fahren deswegen schwarz, weil sie davon ausgehen, nicht kontrolliert zu werden (fehlende Ausschlie&#223;barkeit), und nicht weil wom&#246;glich unbegrenzt freie Sitzpl&#228;tze vorhanden sind (fehlende Rivalit&#228;t).</p>
<p>Wo bleibt nun die versprochene L&#246;sungsorientierung? Als erstes m&#246;chte ich anregen, dass sich die Teilnehmer dieser Diskussion mit den Realit&#228;ten des kreativwirtschaftlichen Schaffens auseinandersetzen, bevor sie allgemeing&#252;ltige Aussagen zu diesem Bereich treffen.</p>
<p>Talent alleine schafft keine Kunst, sondern es braucht nahezu immer Produktionsmittel und Aufmerksamkeit um gesellschaftlich und kulturell zu wirken. Selbst wenn niemand wirklich eine Gewinnerzielungsabsicht h&#228;tte, ver&#228;ndert sich diese Formel kaum. Der Musiker Chris Corner von IAMX <a href="http://iamx.eu/blog/?p=12">schrieb</a> zum Thema Raubkopien:</p>
<blockquote><p>At some point we need to kill our lethargy and believe in things. Everything is so easy. We feel the world owes us everything now. That is insane and unhealthy. We are spoilt, cynical children that need to grow up. I hate money. I hate that we are money dependent. It is a disease of society and the controlling tool of the elite, but nevertheless it exists.</p></blockquote>
<p>Die Erkenntnis des K&#252;nstlers prinzipiell und gegen seinen Willen von Produktionsmitteln abh&#228;ngig zu sein, obwohl er als K&#252;nstler selbst keine Gewinnerzielungsabsicht haben will, spricht aus diesen Worten. Chris Corner war &#252;brigens fr&#252;her S&#228;nger der amerikanischen Superstars Sneaker Pimps. Jetzt muss er sehen, wie er zurechtkommt.</p>
<p>Nur weil ich als Independent-Musikwirtschaftsvertreter postuliere, dass anspruchsvolle Kultur Produktionsmittel zum Existieren braucht, schlie&#223;t es nicht gleichzeitig aus, dass ich selber meine Arbeit aus Leidenschaft aus&#252;be. Aber wir alle m&#252;ssen endlich lernen, zwischen &#252;berm&#228;&#223;iger Kommerzialisierung und notwendiger Unterst&#252;tzung von Kulturg&#252;tern zu differenzieren.</p>
<p>Es sind immer wieder Teilnehmer aus dem Wissenschaftsbetrieb, aus staatlich finanzierten Instituten, oder aus dem &#246;ffentlichen Rundfunk, denen die Grundbegriffe &#246;konomischer Zusammenh&#228;nge vollkommen fremd zu sein scheinen. Sie erkennen selbst nicht, dass <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meritorik"><strong>Meritorik</strong></a> im Wissenschafts- und Kulturbetrieb die notwendige Ausnahme ist, und nicht die erstrebenswerte Regel in einer bereits kritisch belasteten Wirtschaftsgesellschaft.</p>
<p>Sie verkennen, dass das Verh&#228;ltnis von Inspiration und Eigenleistung im Kulturbetrieb oftmals reziprok proportional zum Wissenschaftsbetrieb verl&#228;uft. Sie tun so, als w&#228;re die Debatte um Sch&#246;pfungsh&#246;he und Exklusivit&#228;t nicht schon l&#228;ngst gef&#252;hrt worden. Sie klammern die letzten 150 Jahre, in denen das Urheberrecht uns ein F&#252;llhorn kultureller G&#252;ter beschert hat, in ihren kulturwissenschaftlichen Abrissen bewusst aus. Sie tun so, als w&#228;ren die kulturwissenschaftlichen und &#246;konomischen Erkenntnisse der letzen Jahrhunderte im Wuchern des gesellschaftlichen Raums Internet wie unn&#246;tiger Ballast &#252;ber Bord zu werfen.</p>
<p>Sie behaupten, Verwerter w&#252;rden den Zugriff auf Inhalte per se verhindern wollen, wobei wir alle doch nur eine faire Bezahlung f&#252;r die Leistung unserer Kreativen und uns selbst erreichen wollen. Sie tun so, als w&#228;ren die kreativen Mitarbeiter der Verwerter, die Lektoren, die A&amp;Rs, die Redakteure lediglich Arbeiter in einem seelenlosen Industrie-Moloch. Sie reduzieren die Verwerterleistung auf maschinelle Herstellung und Vertrieb. <strong>Sie reduzieren die Kulturg&#252;ter auf den abwertendsten, herablassendsten und seelenlosesten Begriff f&#252;r Kultur, den ich mir vorstellen kann: CONTENT.</strong></p>
<p>Unsere perspektivische Entfernung k&#246;nnte in der Tat kaum gr&#246;&#223;er voneinander sein. Es ist wahrscheinlich die kollektive Schuld der Kreativwirtschaft, dass Sie ihrerseits zu wenig tut, um diese Verst&#228;ndniskluft, diese unheilvolle Blase aus Netzkulturmythen zu entkr&#228;ften. Das &#228;ndert trotzdem wenig daran, dass Ihre Annahmen faktisch falsch sind, basierend auf Ger&#252;chten und Spekulationen von im Internet gerne produzierten Anekdoten, die uns Ausnahmen wie Radiohead und Nine Inch Nails als neue allgemeing&#252;ltige Regeln verkaufen wollen.</p>
<p>Wir wollten versuchen, diese Verst&#228;ndnisbarrieren im Sigint-Panel exemplarisch abzubauen. Wir sehen uns jedoch Positionen gegen&#252;ber, die nur ihre eigene Perspektive in dieser Diskussion gelten lassen wollen, und sich auch nicht davor scheuen, Ergebnisse revisionistisch umzudeuten. DIESER Versuch ist gl&#252;cklicherweise grandios gescheitert.</p>
<p><em>Stefan Herwig ist Betreiber eines Independent-Labels, Kommunikationswissenschaftler und Bef&#252;rworter eines offeneren Dialogs zwischen Netzkultur und Kreativwirtschaft.<br />
</em>
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		<title>Eroberungsfeldzug im achten Kontinent: Skalppr&#228;mien im Internet</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 15:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Digital Natives]]></category>
		<category><![CDATA[Internet-Regulierung]]></category>
		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Neue wird immer wieder als Bedrohung empfunden, ob nun bei Jugendbewegungen, der Besiedlung Amerikas oder der des Internet. Wer beispielsweise legale Angebote des Online-Musikvertriebs aufbauen will, sieht sich mit Behinderugen konfrontiert, die es in der "Offline-Welt" nicht gibt. Internet-Hippies werden da in den Untergrund getrieben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f4de6c99d1af422a8fc424f384acb164" alt="" width="1" height="1" />Egal ob Internet, neuer Kontinent und seine Kulturen oder die jeweils  aktuelle Jugendbewegung: die Reaktion der westlichen Zivilisationen ist  einfach immer wieder dieselbe. Das Neue wird nicht als Objekt der  Inspiration erlebt, sondern als Bedrohung empfunden. Bestenfalls erf&#228;hrt  es den Versuch der Integration in das bereits vorherrschende System.  Voraussetzung ist, dass dessen Spielregeln &#252;bernommen werden. Die  M&#246;glichkeit, das neue Ph&#228;nomen als Anlass zur Hinterfragung oder  Erweiterung zu nutzen, l&#228;sst man meist verstreichen.</p>
<p>Als die Europ&#228;er nach Amerika kamen und dort auf Ureinwohner mit anderen  Sitten und Gebr&#228;uchen, anderen Formen von Gesellschaft und Ackerbau  stie&#223;en, versuchte man diese entweder zu christianisieren oder zu  eliminieren. Die Durchsetzung der eigenen Regel und Kultur gegen&#252;ber  Dritten galt als Segen, selbst wenn sie f&#252;r diese todbringend war. Nur  eine winzige Minderheit der wei&#223;en Eindringlinge besch&#228;ftigte sich mit  ihrem &#246;kologisch-holistischen Weltbild und dem daraus resultierenden  Umgang mit Flora und Fauna, versuchte es zu verstehen und davon zu  lernen.</p>
<p>Als die Hippies sich lange Haare wachsen lie&#223;en, freie Liebe machten und  dabei bewusstseinserweiternde Drogen nahmen, verfolgte man erstmal  vehement den Konsum. Ziel war, das existente Recht bei ihnen  durchzusetzen um den jungen Menschen so den Weg zur&#252;ck in die  Gesellschaft zu weisen. Nur eine Minderheit von Intellektuellen fragte  sich, in wie weit diese Bewegung zur gesamtgesellschaftlichen Erneuerung  beitragen k&#246;nnte, was man von ihren Werten lernen k&#246;nne. Letztlich  f&#252;hlte diese Ignoranz des Establishments zu Frustration und schlie&#223;lich  zu Gewalt auf beiden Seiten.</p>
<p>Der Publizist Peter Glaser bezeichnete das Internet unl&#228;ngst als den  <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/14/die-digitale-faszination-vom-leben-auf-dem-achten-kontinent/">Achten Kontinent</a>. Nachdem dieser lange von der analogen Welt ignoriert  wurde, dringen nun ihre Siedler in Massen ein, so wie es die westlichen  Zivilisationen &#252;ber 200 Jahre nach deren Entdeckung in die Weiten  Nordamerikas zogen. Sie bringen Recht und Ordnung aus ihrer Welt mit und  wollen es hier durchsetzen. Die einen f&#252;hlen sich bedroht von der  Anarchie, die dort herrscht, andere wittern gigantische Chance und  Gewinne. Viele aus Politik und Wirtschaft treibt beides bei ihrem  Eroberungs-Feldzug im Netz an.</p>
<p>Man kann in dem Digital Native aber auch den neuen Hippie entdecken: <em>„Die  haben schon eine merkw&#252;rdige Moral“</em>, wusste ein Journalist der <em>Zeit </em>im Rahmen des politischen Symposiums „Recht 2.0“ zu berichten.  Unerschrocken hatte er sich zuvor auf die „Hackermesse“ re:publica  getraut. <em>„Man f&#228;llt auf, die akzeptieren kaum einen &#252;ber 30.“</em> Der Vergleich mit einer Jugendbewegung schmeichelt, aber er beruht auf  dem weitverbreiteten Missverst&#228;ndnis, dass jeder Irokesen-Haarschnitt  auch einen jugendlichen K&#246;rper unter sich hat.</p>
<p>Konfrontiert mit dem Neuen, dem Fremden und dem Revolution&#228;ren, also mit  alle dem, was anders ist, sitzt der Schlagstock seit eh und je lockerer  oder ist der Finger sogar schneller am Abzug. Wer den vermeintlichen  Gegner nicht wirklich kennt schl&#228;gt h&#228;rter zu  &#8211; und sei’s aus Angst.  F&#252;r tote Indianer gab es bis 1890 in Mexiko und Amerika noch mancherorts  Skalppr&#228;mien, Spa&#223;guerillas des „Zentralrat der umherschweifenden  Haschrebellen“ wurden beim Versuch, Polizeiautos Zweck zu entfremden, in  Berlin erschossen, Friedensdemonstranten auf dem Hamburger  Heiligengeistfeld fast einen ganzen Tag eingekesselt und gedem&#252;tigt.  Angesichts der unverstandenen Kulturen verliert sich  Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit.</p>
<p>Im Internet gelten auch h&#228;rtere Regeln als in der wirklichen Welt,  zumindest dann, wenn es nach dem Willen der Player des analogen Marktes  geht. Die Musikwirtschaft war als erstes mit dem Tun der neuen,  digitalen Gemeinschaft konfrontiert. Die Datenmenge ihres Gutes (Musik)  war gering, eine vern&#252;nftige Kompressionstechnologie mit MP3 verf&#252;gbar.  1998 entstand deshalb mit Napster das erste umfangreiche Angebot,  welches sich ihrer Logik und Kontrolle entzog. Statt diesem etwas  entgegen zu setzen, was die endlosen M&#246;glichkeiten des digitalen Marktes  nutzt, wurde auf Durchsetzung des analogen Rechts gedr&#228;ngt. Die  Musikindustrie feiert Frankreich und Gro&#223;britannien, wo nach dreimaligem  Missbrauch der Nutzer g&#228;nzlich aus dem Netz vertrieben werden soll.  „Three-Strikes-Out“ hei&#223;t das Modell, was so funktioniert, als d&#252;rfe  jemand der CDs klaut nie wieder irgendeinen Laden betreten.</p>
<p>Wer jedoch ein legales Angebot im Netz aufbauen will, sieht sich mit  Behinderungen konfrontiert, die es im analogen Markt nicht gibt. F&#252;r  Downloadshops muss man Vorsch&#252;sse in H&#246;he von 10.000 und mehr pro Major  bezahlen. Wer hingegen einen ganz normalen Plattenladen er&#246;ffnen willen,  muss bestenfalls seine Kreditw&#252;rdigkeit beweisen um beliefert zu  werden. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich bei dem Umgang mit digitalen Medien: Zu  Recht beklagen die Plattenfirmen, dass  Radios meist nur bereits  etablierte Hits spielen und im Fernsehen Newcomer so gut wie keine  Chance haben. Will man das aber &#228;ndern und einen alternativen Videokanal  im Netz anbieten, wird das Gesch&#228;ftsmodell torpediert. Statt moderate  Anteile der Werbeerl&#246;se an GEMA und GVL zu zahlen, sollen pl&#246;tzlich  Beteiligungen von bis zu 50% gezahlt werden. Gerne auch mit Garantien  vorab. Die Anlieferung der Ware wird zudem digital absurderweise teurer,  als sie physisch war. Schweizer Independent-Radiostationen, welche die  sogenannten MPN Geb&#252;hren nicht mehr zahlen konnten, wurde deshalb gerade  von den Majors die Zusammenarbeit aufgek&#252;ndigt.</p>
<p>Nicht nur in der Wirtschaft gilt aber, dass die Netzwelt h&#228;rter  anzufassen ist als die analoge Realit&#228;t. Der Bundesgerichtshof hat diese  Woche best&#228;tigt, dass derjenige f&#252;r den Missbrauch haftet, der sein  W-LAN nicht ausreichend sichert. Wird &#252;ber diesen, wie im Fall des Beklagten  geschehen, von Dritten illegal downgeloaded, haftet der Inhaber des  Anschlusses. Analog betrachtet w&#228;re das so, als w&#252;rde der Besitzer eines  Telefons haften, wenn er es einem Freund leiht und dieser Telefonterror  verbreitet oder seine Gespr&#228;chsteilnehmer beleidigt. Es ist so, als  w&#228;re derjenige f&#252;r einen Unfall verantwortlich, der im Sinne von  Carsharing seinem Wohnblock das Gef&#228;hrt zur Verf&#252;gung stellt…</p>
<p>Urteile wie das des BGH, oder ein Marktverhalten wie das der  Musikwirtschaft zeigen, dass <strong>die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit aus den Fugen  ger&#228;t, wenn Richter und Manager &#252;ber etwas entscheiden, was sie  bestenfalls intellektuell, aber nicht emotional begriffen haben</strong>. Es soll  geregelt und verhindert werden, anstatt die neuen M&#246;glichkeiten zu  nutzen, die im Netz entstehen. Die Logik und Moral einer alten Welt wird  der neuen &#252;bergetopft, deren eigene Werte und Errungenschaften werden  ignoriert. Damit vergibt man Chancen.</p>
<p>Selbstregulierung ist eine solche. In Form von Wikipedia kann man das  wahrscheinlich jedem verdeutlichen. Deshalb wird dieses Beispiel auch  immer wieder bem&#252;ht. Im Sinne des Vergleichs mit einer Jugendbewegung  hat Wikipedia deshalb die Rolle der Beatles: Die Plattform ist  Mainstream, aber deshalb ein wichtiges Element f&#252;r alle, um zu  verstehen, worum es in Sachen Netzkultur vielleicht geht. So wie die  Beatles halfen, mit h&#228;ufig bei Johann Sebastian Bach entlehnten  Harmoniefolgen den Rock’n’Roll zu vermitteln, kann der gelernte,  enzyklop&#228;dische Gedanke vielleicht die Br&#252;cke zur Schwarmintelligenz  sein und helfen, die notorische Angst vor dem Neuen, dem Unregulierbaren  zu nehmen.</p>
<p>Sobald die analoge Welt Wikipedia als Regel und nicht als Ausnahme  versteht, k&#246;nnte dies gelingen. Hoffentlich dauert das nicht so lange,  dass Marktf&#252;hrer, Legislative und Exekutive schon die ein oder andere  Skalppr&#228;mie zur Praxis oder Gesetz gemacht und die fr&#246;hlichen  Internet-Hippies von einst in den Untergrund getrieben haben…</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x');" href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_skalppraemien_im_internet.html">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Berliner, h&#246;rt die Signale der Berlin Music Week</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 14:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Berlin fehlte bisher der Zusammenhalt, doch nun ist die Stadt pleite und das befriedet sie ungemein. Gleiches gilt auch f&#252;r die Musikindustrie: Im Bereich der Popmusik fehlte ihr nach dem Sterben der Popkomm ein mobilisierendes Event. Jetzt hat sie sich zusammengerauft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/86fe0d52a72943eaa82b30a0f54e49e2" alt="" width="1" height="1" />Wer in Berlin zu Hause bleibt ist ein Sonderling. Denn egal ob  Eingeborener oder Zugereister, alle haben hier scheinbar gemeinsam, dass sie notorisch neugierig und deshalb &#252;berall schnell mit dabei sind. <strong>„Keine Feier ohne Meier“</strong> hei&#223;t das hier. Egal ob am ersten Mai in Kreuzberg Steine geschmissen oder in Berlin-Mitte beim Rundgang die Galerien besucht werden, der Berliner macht mit und fragt sich im Zweifel erst danach, warum eigentlich.</p>
<p>Eindrucksvolles Beispiel: Man brauchte nur zwei gro&#223;e Puppen am Tag der Deutschen Einheit durch die Stadt wanken lassen und Millionen kamen und guckten. Wie viel Spa&#223; der Drang der Berliner zum Feiern und Teilhaben machen kann, wurde der ganzen Welt sp&#228;testens w&#228;hrend der WM 2006 durch eindringliche Bilder von der Fanmeile vorm Brandenburgertor bewusst. <strong>Seitdem boomt Berlin als Reiseziel derjenigen, die mitmachen wollen.</strong></p>
<p>Wenn Berlin in der Vergangenheit eins fehlte, dann war das hingegen Solidarit&#228;t. Die Massen kamen miteinander, die Veranstalter agierten gegeneinander. Als man geteilt war, gab es viel zu verteilen. Beide Seiten der Stadt wurden schlie&#223;lich mit &#246;ffentlichen Mitteln ordentlich gef&#246;rdert. Der eine g&#246;nnte dann dem anderen den Publikumszuspruch nicht, denn der k&#246;nnte ja im n&#228;chsten Jahr seine Mittel bekommen. Die Loveparade war ein perfektes Beispiel. Statt das Event zu modernisieren und zu retten, wurden ihm von potentiellen Partnern und der st&#228;dtischen Verwaltung immer mehr Steine in den Weg gelegt. Irgendwann war es dann Weg und schlie&#223;lich &#252;berfl&#252;ssig.</p>
<p>Das k&#246;nnte heutzutage nicht mehr passieren. <strong>Die Stadt ist pleite und das befriedet sie ungemein.</strong> Da es nichts mehr geschenkt gibt, hat man gelernt, dass nur Zusammenhalt hilft, wenn man etwas bewegen und/oder Geld verdienen will. Die Galerien und Museen haben es vorgemacht. Dass Berlin die <strong>Hauptstadt der K&#252;nste</strong> ist, war bekannt. 2005 arbeiteten erstmals die Mehrheit der auf der <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biennale_di_Venezia">Biennale di Venezia</a></em> gezeigten Maler und Bildhauer in den Ateliers der Stadt. Was fehlte, waren die K&#228;ufer ihrer Werke. Egal ob Underground oder etabliert, man kann nicht auf den Nachbarn als Kunden setzen, sondern muss ihn von au&#223;erhalb anlocken.</p>
<p>Diese Einsicht aller Beteiligten, lie&#223; das <em><a href="http://www.gallery-weekend-berlin.de/index.php?id=504">Gallery Weekend</a></em> entstehen. Zum sechsten Mal zeigen alle Galerien ihre „Fr&#252;hjahrskollektion“ und lassen daf&#252;r ihre H&#228;user sowohl im noblen Zehlendorf als auch im toughen Neuk&#246;lln vom Donnerstag bis kommenden Montag durchg&#228;ngig f&#252;r Touristen und Einheimische offen.</p>
<p>Ganz so einfach geht das nicht in allen Bereichen der Kreativwirtschaft. Bei uns &#8211; im Feld der Pop-Musik &#8211; fehlt noch das Event, das die ganze Stadt mobilisiert. Die Popkomm h&#228;tte es sein sollen. In K&#246;ln brachte sie in ihren guten Tagen die Messehallen zum brummen und die Stadt im Rahmen des Ringfests zum Feiern. Als sie nach Berlin geholt wurde, waren die Musikindustrie und ihre Messe schon stark geschw&#228;cht. Mit dem Internet droht ihr altes Gesch&#228;ftsmodell zu verschwinden. Die Messehallen drau&#223;en im Westend wurden ein <strong>Sterbehospiz einer ehemals stolzen Branche</strong>, da die Veranstalter keine neuen Themen fanden. Die Stadt bekam von dem Treiben nur noch in Form einiger obskurer Konzerte mit: Das Exportb&#252;ro lie&#223; wilde Finnen durchs „White Trash“ toben. Im letzten Jahr gab man dann schlie&#223;lich auf. Die Popkomm wurde abgesagt.</p>
<p>Am kommenden Montag, den 03.05., soll im Rahmen einer Pressekonferenz verk&#252;ndet werden, dass <strong>sich alle zusammengerauft haben und Berlin wieder ein gemeinsames Musik-Event bekommt</strong>. Die Messe vergisst ihre alten Hallen und vermietet daf&#252;r im Flughafen Tempelhof Fl&#228;chen f&#252;r eine neue Popkomm. Die All2gethernow (kurz <a href="http://www.a-2-n.com/">a2n</a>) vergisst, dass sie von neuartigen Musikunternehmen wie uns zusammen mit Vertretern der Open-Source-Szene gegr&#252;ndet wurde, um eine Antwort auf das Ende der Popkomm zu sein. Stattdessen werden wir vor Ort die Themen setzen und diese vorab in Barcamps zugespitzt haben. Die Kollegen vom <em>intro</em> werden die Hangars und Au&#223;enfl&#228;chen von Tempelhof nutzen, um dort beim <em>Berlin Festival</em> die Elite der Elektronischen Musik (von LCD Soundsystem bis Fever Ray) aufspielen zu lassen. In der selben Woche werden Berlin Music Commission und Club Commission daf&#252;r sorgen, dass auch anderorts in der Stadt die B&#252;hnen ein au&#223;ergew&#246;hnliches Programm bekommen.</p>
<p>Die einen wollen Fl&#228;chen verkaufen, die anderen Themen setzen und die dritten Musik auff&#252;hren. F&#252;rs eine braucht es Quantit&#228;t (nur mit vielen Besuchern lassen sich gute Standpreise erzielen), f&#252;rs andere Qualit&#228;t (nur mit interessanten Besuchern kann man neue Erkenntnisse gewinnen) und Konzerte und Festival brauchen beides. Eine Einigung &#252;ber Inhalte und Kosten (und somit Eintrittspreise) ist somit nicht leicht. Es w&#228;re aber fahrl&#228;ssig, wenn sich nicht alle bem&#252;hen w&#252;rden.</p>
<p>Eine gemeinsame <em>Berlin Music Week</em> liegt auf der Hand. Die Welt guckt auf Berlin, wenn sie Deutschland meint und die Hauptst&#228;dter sind zu allem bereit, wenn es ums Feiern geht. Deshalb wird hier vom 06. bis zum 12. September um die Zukunft der Musik gerungen und sie dann auch reichlich genossen: „Keine Feier ohne Meier!“</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x');" href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Medienindustrie holt ver.di ins Boot: Creative Coalition Campaign jetzt auch in Deutschland?</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 08:56:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ver.di]]></category>

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		<description><![CDATA[Ver.di schl&#228;gt sich zum "Welttag des geistigen Eigentums" auf die Seite der Medienindustrie und hat sich damit wom&#246;glich entschlossen die totale Kontrolle im Netz zu unterst&#252;tzen - und sich in einem zentralen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft im Digitalzeitalter f&#252;r Jahre politikunf&#228;hig zu machen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Heiko Hilker und J&#252;rgen Scheele<img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4edc6b783f104dffa7a32af30823715e" alt="" width="1" height="1" /></p>
<p>Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di l&#228;dt zum <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Welttag_des_geistigen_Eigentums&amp;oldid=73331426" target="_blank">Welttag des geistigen Eigentums</a> – Montag, dem 26. April 2010 – zusammen mit dem Verband Privater Rundfunk und Telemedien  (VPRT), dem Bundesverband Musikindustrie (BMVI), dem Verband Deutscher  Drehbuchautoren (VDD), der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO)  und dem B&#246;rsenverein des Deutschen Buchhandels unter dem Titel  „Diebstahl geistigen Eigentum im Netz: 5 vor 12 f&#252;r die  Kreativwirtschaft“ zu einer <a href="http://www.spio-fsk.de/media_content/1027.pdf" target="_blank">Pressekonferenz</a>.  Sie beginnt bezeichnender Weise um 11:55 Uhr und erfolgt unter Berufung  auf die im M&#228;rz 2010 vorgelegte TERA-Studie. Dieser Untersuchung  zufolge hat der illegale Download von urheberrechtlich gesch&#252;tzten  Werken (Film, Musik, Software, TV-Serien) im Jahre 2008 in Deutschland  einen Schaden von 1,2 Mrd. Euro verursacht und damit 34.000  Arbeitspl&#228;tze gekostet.</p>
<p>Die von Medienindustrie und ver.di herangezogene Studie wurde von der  Anti-Piraterie-Lobbyinitiative Business Action to Stop Counterfeiting  and Piracy (<a href="http://www.bascap.com/" target="_blank">BASCAP</a>)  der Internationalen Handelskammer (<a href="http://www.iccwbo.org/" target="_blank">ICC</a>) in Auftrag gegeben und von der  Unternehmensberatung <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland/www.teraconsultants.fr/" target="_blank">TERA Consultants</a> erstellt. Sie erschien zeitgleich  in f&#252;nf Sprachen – Englisch, Franz&#246;sisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch  – und tr&#228;gt in der deutschen Fassung den Titel <a href="http://www.iccwbo.org/uploadedFiles/BASCAP/Pages/Aufbau%20einer%20digitalen%20Wirtschaft.pdf" target="_blank">„Aufbau einer digitalen Wirtschaft: Die Bedeutung der  Sicherung von Arbeitspl&#228;tzen in der Kreativwirtschaft der Europ&#228;ischen  Union“</a>. Behauptet wird f&#252;r die EU insgesamt (EU 27) ein auf  Piraterie zur&#252;ckzuf&#252;hrender Umsatzverlust in 2008 von 10 Mrd. Euro und  ein kumulierter Besch&#228;ftigungsabbau von 186.600 Arbeitspl&#228;tzen. Dar&#252;ber  hinaus wird dargelegt, dass die Umsatzverluste bis 2015 ohne nachhaltige  Beschr&#228;nkung der Piraterie auf 32–56 Mrd. Euro anstiegen und einen  Besch&#228;ftigungsabbau von 611.300–1.216.800 Arbeitspl&#228;tzen bewirkten.</p>
<p>Die Angaben der Studie sind allerdings keineswegs als valide zu  bezeichnen. Einer vorherigen wissenschaftlichen &#220;berpr&#252;fung in einem  Peer-Review-Verfahren wurden sie nicht unterzogen Der US-amerikanische  Kommunikationswissenschaftler <a href="http://mediaresearchhub.ssrc.org/joe-karaganis/person_view" target="_blank">Joe Karaganis</a> weist zudem auf dem Blog <a href="http://blogs.ssrc.org/datadrip/?p=176" target="_blank">Data Drip</a> darauf hin, dass die Untersuchung zwei Grundfehler begehe: Einerseits  sei der Verlust eines Industriesektors nicht automatisch ein  gesamtwirtschaftlicher, die durch Filesharing eingesparten Einkommen der  Konsumenten w&#252;rden an anderer Stelle ausgegeben. Anderseits w&#252;rden die  Umsatzverluste und negativen Besch&#228;ftigungseffekte infolge Piraterie  allein der europ&#228;ischen Kreativwirtschaft angelastet, tats&#228;chlich aber  fielen sie zum &#252;berwiegenden Teil allenfalls bei US-Unternehmen an.  Denn: Hollywood-Produktionen beherrschten in etwa 80 Prozent des  Filmmarktes in der EU, im Software- und Musikbereich sehe es &#228;hnlich  aus.</p>
<p>Pikant ist auch Karaganis’ Hinweis auf die in der TERA-Studie  adaptierte Untersuchungsmethode. Sie stammt von <a href="http://mediaresearchhub.ssrc.org/stephen-e-siwek/person_view" target="_blank">Stephen E. Siwek</a> und wurde von diesem zuvor in  mehreren Untersuchungen &#252;ber die negativen Besch&#228;ftigungsauswirkungen  von Internetpiraterie im Auftrag der Motion Picture of America (<a href="http://www.mpaa.org/" target="_blank">MPAA</a>), der Recording  Industry Association of America (<a href="http://www.riaa.com/" target="_blank">RIA</a>) und der Entertainment Software Association (<a href="http://www.theesa.com/" target="_blank">ESA</a>) angewandt. Um die  vermeintlichen Jobverluste zu berechnen, werden die Umsatzverluste der  Medienindustrie auf Basis der von diesen gemeldeten  Urheberrechtsverletzungen hochgerechnet, durch das  Durchschnittseinkommen in den Creative Industries dividiert und unter  Ber&#252;cksichtung der Zulieferindustrie mit dem Faktor zwei multipliziert.</p>
<p>Die TERA-Studie wurde am 17. M&#228;rz 2010 in Br&#252;ssel der Presse  pr&#228;sentiert und anschlie&#223;end Mitgliedern des Europ&#228;ischen Parlaments und  der EU-Kommission vorgestellt. Ziel ist es, eine l&#228;nder&#252;bergreifende  Zusammenarbeit der Regierungen beim Kampf gegen Internetpiraterie zu  erreichen und ein international sanktioniertes Urheberechtsregime im  Netz zu etablieren. Die multinational agierende Medienindustrie hat dazu  ein B&#252;ndnis aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverb&#228;nden geschmiedet. Die  Studie wird von den gro&#223;en Gewerkschaften der Kreativindustrie wie dem  Union Network International-Media Entertainment Industries (<a href="http://www.uniglobalunion.org/Apps/iportal.nsf/pages/sec_20081016_gbkcEn" target="_blank">UNI-MEI</a>), das nach Eigenangaben 120 Gewerkschaften  und Fachverb&#228;nde mit weltweit 250.000 Besch&#228;ftigten aus den Bereichen  Medien, Unterhaltung und Kunst vertritt und dem in Deutschland &#252;ber den  Gewerkschaftsdachverband UNI auch ver.di angeh&#246;rt, oder der  internationalen K&#252;nstlergewerkschaft International Actors Federation (<a href="http://www.fia-actors.com/" target="_blank">FIA</a>), der ver.di  ebenfalls angeh&#246;rt, unterst&#252;tzt. Ebenso wird die Studie von  Arbeitgeberverb&#228;nden wie der International Federation of Film Producers’  Associations (<a href="http://www.fiapf.org/" target="_blank">FIAPF</a>)  und der European Coordination of Independent TV Producers (<a href="http://www.cepi.tv/" target="_blank">CEPI</a>) mitgetragen. (Siehe  hierzu die Pressemitteilungen von <a href="http://www.iccwbo.org/bascap/index.html?id=35360" target="_blank">BASCAP</a>,  <a href="http://www.uniglobalunion.org/Apps/iportal.nsf/pages/sec_20081016_gbkcEn" target="_blank">UNI-MEI</a> und <a href="http://www.fia-actors.com/en/policy_Creative%20Content%20Online.html" target="_blank">FIA</a>.)</p>
<p>Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di – oder ihre Spitze – hat sich  nun offenbar entschlossen, diesem B&#252;ndnis beizutreten. Nachdem es  zuletzt in Gro&#223;britannien (Digitale Linke <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/digital-economy-bill-deutsche-medienindustrie-mochte-auch-%e2%80%a6/" target="_blank">berichteten</a> unter ma&#223;geblicher Mitwirkung der <a href="http://www.creativecoalitioncampaign.org.uk/" target="_blank">Creative  Coalition Campaign</a> gelang, das Modell einer „providergest&#252;tzten  Urheberrechtsdurchsetzung im Netz“ (<a href="../../25299/digital-economy-bill-grossbritannien-testet-neues-urheberrechts-kontrollregime/" target="_blank">Robin Meyer-Lucht</a>) zu errichten, sollen nun auch  hierzulande &#228;hnliche Pl&#228;ne verfolgt und eine Koalition der  Gewerkschafts- und Unternehmensverb&#228;nde geschmiedet werden. Dabei d&#252;rfte  ver.di bekannt sein, dass die neuen B&#252;ndnispartner allesamt  Sanktionsma&#223;nahmen um jeden Preis im Falle von Urheberrechtsverletzungen  im Internet einfordern. Will die Gewerkschaft tats&#228;chlich mit diesen  den Weg von &#220;berwachen und Strafen – der totalen Kontrolle des Netzes  einschlie&#223;lich Graduated Response, Netz- und Zugangssperren – gehen und  sich damit in einem zentralen Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft im  Digitalzeitalter f&#252;r Jahre politikunf&#228;hig machen?</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland/">Digitale Linke</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=25972&amp;md5=cb2253e49cc634cf3e0addbb310f9fbe" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Zahlenspiele sch&#246;ngerechnet: Pl&#228;doyer f&#252;r ein neues Selbstverst&#228;ndnis der Musikindustrie</title>
		<link>http://carta.info/25693/zahlenspiele-schoengerechnet-plaedoyer-fuer-ein-neues-selbstverstaendnis-der-musikindustrie/</link>
		<comments>http://carta.info/25693/zahlenspiele-schoengerechnet-plaedoyer-fuer-ein-neues-selbstverstaendnis-der-musikindustrie/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 15:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die positiven Umsatzzahlen der Musikindustrie haben mit der Wirklichkeit leider nichts zu tun. Die Tontr&#228;gerunternehmen m&#252;ssen sich jetzt entscheiden, ob sie einen gro&#223;en Musikindustrie-Gesamtverband gr&#252;nden oder sich ganz auf den Verkauf von Musik konzentrieren wollen. In beiden F&#228;llen verlieren die Majors zwar an Einfluss - aber die Logik eines halben Umbruchs erschlie&#223;t sich nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e2a3555abc844f68b9021bae673976dd" alt="" width="1" height="1" />Mit der Wahrheit lebt es sich leichter und entspannter. Der Vorstandsvorsitzende Harald Heker hatte ein L&#228;cheln auf dem Gesicht, als er die Gesch&#228;ftszahlen der GEMA f&#252;r das Jahr 2009 pr&#228;sentierte. Um 2,2 Prozent sind sie gestiegen, von 831 auf 841 Millionen. Eilig wurde hinterher geschoben woran das liegt: Man hat sich mit den Kabelnetzbetreibern &#252;ber eine R&#252;ckverg&#252;tung von 60,6 Millionen geeinigt und deshalb einen Einmaleffekt in der Bilanz. Bereinigt um diesen geht es auch f&#252;r die Autoren und Textdichter weiter abw&#228;rts, wie die Verwertungsgesellschaft betont. Ohne die Millionen-&#220;berweisung w&#228;ren es fast 7 Prozent weniger als im Vorjahr gewesen.</p>
<p>V&#246;llig anders zuvor bei der Pressekonferenz des Bundesverbandes Musikindustrie. Angespannt und angriffslustig tritt deren Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Stefan Michalk vor die Medienvertreter. Dass er ein Mensch ist, der auch eher zum Lachen denn zum Greinen neigt, davon merkt man nichts mehr, sagt sp&#228;ter ein Teilnehmer. Dabei will er gute Nachrichten verk&#252;nden. Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff: die Musikindustrie hat sich im Krisenjahr 2009 gut behauptet, der Gesamtumsatz betrage jetzt 1,803 Milliarden und mehr als ein Drittel davon kommt aus dem Internet. Die Branche hat’s geschafft, 2011 gibt’s dann einen richtigen Turnaround.</p>
<p>Wer die Zahlen kennt, staunt. Im Vorjahr sprach man noch von 1,582 Milliarden Umsatz und dabei stammten nur 6 Prozet aus Downloads von Songs und Alben. Zur rasanten Entwicklung kommt es aber leider nicht ob der Entwicklung des Marktes, sondern ob der eigenwilligen Verdichtung der Zahlen: &#196;hnlich wie pl&#246;tzlich ab 2004 DVDs in den Umsatz der Musikindustrie eingerechnet wurden, um zu verschleiern, dass deren Kernumsatz sich binnen 5 Jahren halbiert hatte, kommen nun pl&#246;tzlich Erl&#246;se aus Merchandise, Management, Auff&#252;hrung und Lizenzgesch&#228;ften hinzu. Wenn Michalk sich &#252;ber die Entwicklung im Internet freut, dann deshalb, weil man pl&#246;tzlich jede Interaktion &#8211; also auch die bei Amazon und Co gekauften Platten &#8211; zu einer Zahl verdichtet und mit Downloads gleichsetzt.</p>
<p>Mit der Wirklichkeit hat das leider nichts zu tun: Das Gesch&#228;ft ist weiterhin r&#252;ckl&#228;ufig (aktuell minus 3,3 Prozent auf 1,530 Millionen Musikumsatz inklusive DVDs und Klingelt&#246;nen), der Downloadmarkt deutlich unterentwickelt (8 Prozent ohne Klingelt&#246;ne, aber Streams und Abos inklusive). Ein Grund daf&#252;r k&#246;nnten die Preise sein. Der Verband wehrt sich auch gegen dieses Argument. Seit Einf&#252;hrung der CD sei deren Preis eher r&#252;ckl&#228;ufig, so die ofizielle Position. Stolz verweist man auf einen Anstieg der verkauften St&#252;ckzahlen im letzten Jahr (145,1 Millionen auf 147,3 Millionen). Man vergisst aber zu erw&#228;hnen, dass der Umsatz der CDs zugleich um 6 Prozent gesunken ist. Steigende St&#252;ckzahlen, bei geringerem Umsatz = Preisverfall.</p>
<p>Wieso schl&#228;gt Michalk all diese merkw&#252;rdigen Volten w&#228;hrend Heker souver&#228;n sagt was Sache ist? Die Antwort liegt darin begr&#252;ndet, dass der Kollege von der GEMA die sehr viel komfortablere Ausgangsposition hat. W&#228;hrend er und seine Verwertungsgesellschaft auf einem Verg&#252;tungsmodell basieren, welches sich naturgem&#228;&#223; aus den unterschiedlichsten Quellen speist, muss Michalk einen Verband erkl&#228;ren, der sein angestammtes Gesch&#228;ftsmodell, den Verkauf von Tontr&#228;gern, zu verlieren droht. Michalks Mitgliedsfirmen im Bundesverband Musikindustrie (vorrangig die Majors) m&#252;ssen sich vorwerfen lassen, dass sie als Produzenten den Markt gestalten, w&#228;hrend die Verwertungsgesellschaft mit Geb&#252;hren nur auf diesen reagieren kann.</p>
<p>Stefan Michalk muss einen Mangel an Konsequenz seiner Mitgliedsfirmen ausbaden. Entweder begreifen diese sich nicht mehr als Tontr&#228;gerunternehmen und wandeln ihren Verband durch &#214;ffnung deshalb unter Einschluss von Merchandisern, Konzertveranstalter und Musikverleger wirklich zu einer Vertretung der gesamten Musikindustrie, oder die gro&#223;en Labels bleiben wie bisher unter sich und zeigen als Verband ihren Kernmarkt: Den Umsatz mit Pre-recorded Music. Beides w&#252;rde aber zu einem <strong>Verlust des Gewichts der Majors</strong> f&#252;hren. Einen Gesamtverband w&#252;rden sie nicht mehr dominieren, eine Konzentration auf den Kernmarkt ihr Dilemma in der Wahrnehmung forcieren. Eine Mischung aus beiden ist jedoch unlogisch und unklar. Verb&#228;nde bilden gemeinhin M&#228;rkte ab, aber nicht die Umsatzentwicklung ihrer Mitgliedsfirmen.</p>
<p>Dem Markt w&#252;rde sowohl der eine, als auch der andere Weg gut tun. Begreifen sich die Majors als einfacher Bestandteil eines gro&#223;en Gesamtmarktes, k&#246;nnten sie eher offen sein f&#252;r L&#246;sungen, die jenseits angestammter Verg&#252;tungsmodelle liegen. Konzentrierten sie sich hingegen auf den Teilmarkt, w&#252;rde man dessen Entwicklung durch Preis (CD) und Angebot (Download) weit aggressiver steuern. Die Logik des halben Umbruchs erschlie&#223;t sich nicht, macht zudem die vorgetragenen Zahlen schw&#228;cher und die Argumentationsgrundlage der Produzenten wackelig. Ein neues, konsequentes Selbstverst&#228;ndnis als Marktteilnehmer in dem einen oder dem anderen Sinne w&#228;re w&#252;nschenswert und k&#246;nnte dazu f&#252;hren, dass nicht nur Heker, sondern auch Michalk wieder l&#228;cheln kann.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_zahlenspiele.html">Motorblog</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/25693/zahlenspiele-schoengerechnet-plaedoyer-fuer-ein-neues-selbstverstaendnis-der-musikindustrie/">Zahlenspiele sch&#246;ngerechnet: Pl&#228;doyer f&#252;r ein neues Selbstverst&#228;ndnis der Musikindustrie</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/25693/zahlenspiele-schoengerechnet-plaedoyer-fuer-ein-neues-selbstverstaendnis-der-musikindustrie/#comments">6 comments</a>
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		<item>
		<title>Die Vogel-Strau&#223;-Debatte um die Kulturflatrate</title>
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		<comments>http://carta.info/24713/kulturflatrate-vogel-strauss-debatte/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 18:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Diskussion um die Kulturflatrate kommt nicht voran - weil die Kulturflatrate keine realpolitische Ma&#223;nahme ist, sondern eine politische Inszenierung. Sie ist ein St&#252;ck netzpolitischer Populismus, der nur durch die Ausblendung der Kollateralsch&#228;den seinen Glanz beh&#228;lt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/e64d03fe6bbb4c5e88a9bd1462b58487" alt="" width="1" height="1" />An der Debatte um das Phantom &#8220;Kulturflatrate&#8221; ist vor allem bemerkenswert, wie wenig sie sich von der Stelle zu bewegen scheint. Die Sache bleibt &#8220;diffus&#8221; &#8211; aber die Positionen daf&#252;r umso unnachgiebiger. Nun haben gr&#252;ne Netzpolitiker erneut eine <a href="http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/StellungnahmeKulturflatrate.pdf">Stellungnahme</a> zum Urheberrechts-Smashhit Kulturflatrate ver&#246;ffentlicht, in der sie der Musikindustrie ein &#8220;diffuses Gef&#252;hl des &#8216;Dagegen&#8217;&#8221; attestieren. Zugleich gibt es &#8211; daran l&#228;sst das Papier keinen Zweifel &#8211; bei den Gr&#252;nen ein diffuses Gef&#252;hl des &#8220;Daf&#252;r&#8221; bei der Flatrate.</p>
<p>Als eine &#8220;konsequente Weiterf&#252;hrung&#8221; der heutigen urheberrechtlichen Praxis, sei die Flatrate, wie unter anderem Malte Spitz und Konstantin von Notz ihrer Stellungnahme schreiben: &#8220;lediglich ein Mittel der regulativen Anpassung an die technischen Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts&#8221;. Es g&#228;be zwar &#8220;noch kein fertiges Modell&#8221;, aber das neue Pauschalverg&#252;tungssystem sei ganz sicher &#8220;angemessen&#8221;. Die Einlassungen der Musikindustrieverbandes seien hingegen &#8220;recht unausgegoren&#8221;, &#8220;unsachlich und haltlos&#8221;.</p>
<p>Die Stellungnahme ist eine Frontal-Zur&#252;ckweisung der <a href="http://www.musikindustrie.de/politik_einzelansicht/back/56/news/positionspapier-zur-kulturflatrate/">Einw&#228;nde</a> der Musikindustrie. Zehn Thesen hatte die Musikindustrie. Zehn Erwiderungen haben die Autoren &#8211; in keinem Punkt teilen sie die Gegenargumente auch nur teilweise. Hier wiederholt sich das <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/netzpolitik/dok/301/301781.16_fragen_und_16_antworten.html">Spiel</a>, das bereits bei den 16 Fragen der <a href="http://www.boersenblatt.net/331190/">Buchbranche</a> zu beobachten war &#8211; 100 Prozent Zur&#252;ckweisung: Es steht jetzt 10:0 &#8211; nach zuvor 16:0.</p>
<p>Bemerkenswert ist dabei nicht so sehr, dass die gr&#252;ne Entgegnung auf die Einzelargumente nicht in jedem Detail &#252;berzeugt. Bemerkenswert ist vor allem das Gesamtph&#228;nomen eines Kulturflatrate-Fundamentalismus, das sich hier abzeichnet. Eine politische Idee soll augenscheinlich rein gehalten werden von allen Zweifeln an den Details. Die Kulturflatrate erscheint wie ein mythisches Fernziel, wie ein entr&#252;cktes Paradies immer sprudelnder Musikquellen. Der G&#246;tze Kulturflatrate soll gar nicht beschmutzt werden. Er soll als <a href="http://carta.info/23126/kulturflatre-musikindustrie-positionspapier/">Phantom</a> m&#246;glichst lange weiterexistieren.</p>
<p>Warum ist das so? Meine Theorie: Die Kulturflatrate ist gar keine realpolitische Ma&#223;nahme, sondern eine politische Waffe.</p>
<div id="attachment_24891" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/aufmacher3.jpg"><img class="size-medium wp-image-24891" style="margin: 2px;" title="aufmacher3" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/aufmacher3-300x201.jpg" alt="aufmacher3" width="300" height="201" /></a><p class="wp-caption-text">Die Kulturflatrate erscheint wie ein mythisches Fernziel, wie ein entr&#252;cktes  Paradies immer sprudelnder Musikquellen.</p></div>
<p>Die Kulturflatrate wurde demnach gar nicht erfunden, um jemals Realit&#228;t zu werden. Sie wurde erfunden, um m&#246;glichst lange an dem nutzerfreundlichen Mythos festzuhalten, dass sich eine Kulturindustrie auf Basis von Tauschb&#246;rsen organisieren lie&#223;e. Die Nutzung von Tauschb&#246;rsen erscheint vor diesem Hintergrund als soziale Praxis, die gerade noch nicht legalisiert wurde, weil sich die Industrie noch sperrt. Mit der Kulturflatrate l&#228;sst sich ein Schwarzwei&#223;-Schema inszenieren, bei dem die Nutzer zukunftsgewandt und technologiefreundlich erscheinen, die Kulturindustrie hingegen unflexibel und kundenfeindlich. Der Ansatz stellt nichts weniger dar, als ein politisch flankiertes <a href="http://www.vimentis.ch/d/lexikon/81/Rent+Seeking.html">Rent-seeking</a> von Filesharing-Freunden.</p>
<p>Die Kulturflatrate ist so gesehen ein St&#252;ck Klientelpolitik f&#252;r Tauschb&#246;rsennutzer, ein St&#252;ck netzpolitischer Populismus.</p>
<p>Genau hierin liegt die Inflexibilit&#228;t der Diskurses um die Kulturflatrate begr&#252;ndet. Eine differenzierte Debatte w&#252;rde der Kulturflatrate ihren populistischen Glanz nehmen. Es w&#252;rde sich zeigen: Das Ziel einer Legalisierung der Tauschb&#246;rsennutzung w&#228;re zwar zu erreichen &#8211; aber nur mit dem Kollateralschaden eines Verg&#252;tungssytems von zweifelhafter Qualit&#228;t.</p>
<p>Doch die Bef&#252;rworter wollen sich ihre radikal filesharerfreundliche Vision nicht kaputtmachen lassen &#8211; und betreiben eine Vogel-Strau&#223;-Debatte, die die Kollateralsch&#228;den kurzerhand negiert.</p>
<p>Der Hauptunterschied zwischen Flatrate-F&#252;rsprechern und -Skeptikern liegt h&#246;chwahrscheinlich in der Gewichtung der Pole Legalisierung der Tauschb&#246;rsen auf der einen und Schaffung eines glaubhaft zielf&#252;hrenden Verg&#252;tungssystems auf der anderen Seite.</p>
<p>Bei dem erneuten Schlagabtausch wird deutlich, dass die Autoren der gr&#252;nen Stellungnahme nicht nur eher auf der Seite des Nutzerpols sind &#8211; sondern sich vor allem auch bei den Auswirkungen und der Tragweite der Kulturflatrate ganz erheblich versch&#228;tzen:</p>
<p><strong>1. Sie untersch&#228;tzen die Tragweite der Umstellung.</strong></p>
<p>Sie verweisen darauf, dass es bei der Kulturflatrate lediglich um die &#8220;nicht-kommerzielle&#8221; Nutzung von Musik gehe. Daneben k&#246;nnte es weiter eine kommerzielle Musikindustrie geben, die Mehrwertangebote mache. Doch wer will ernsthaft glauben, dass &#8211; wenn alle alles tauschen d&#252;rfen &#8211;  daneben noch ein relevanter kommerzieller Online-Vertriebsmarkt bestehen wird? Die  Kulturindustrie vertreibt ihre Inhalte nun einmal zum Gro&#223;teil an  Endkonsumenten. Der Verweis auf &#8220;nicht-kommerzielle Nutzung&#8221; wird der  Tragweite nicht gerecht und verniedlicht die Angelegenheit. H&#246;chstwahrscheinlich w&#252;rde in Zukunft ein L&#246;wenanteil der Verg&#252;tungen von Urhebern &#252;ber die Flatrate-Verwertungsgesellschaft verteilt.</p>
<p><strong>2. Sie untersch&#228;tzen die Schwierigkeit, die Koordinierungseffekte eines Kulturmarktes auch nur halbwegs in einer Verwertungsgesellschaft abzubilden.</strong></p>
<p>Die bestehenden Kulturm&#228;rkte haben ihre Macken &#8211; aber sie organisieren ein bestimmtes Wissen: Mit welchen Preisen und welchen Produktauspr&#228;gungen entsteht ein nutzerad&#228;quates, effizientes und innovatives Angebot? Mit der Kulturflatrate w&#252;rde diese Koordinierungsfunktion vornehmlich Verwertungsgesellschaften zufallen. Nach den bisherigen Erfahrungen, kann man skeptisch sein, ob ihnen dies ann&#228;hernd befriedigend gelingt.</p>
<p><strong>3. Sie &#252;bersch&#228;tzen die Legalisierungseffekte einer Kulturflatrate.</strong></p>
<p>Die Kulturflatrate verspricht lediglich, das Urheberrechtsproblem im Zusammenhang mit unkommerziellen Tauschb&#246;rsen zu l&#246;sen. Doch was ist mit kommerziell betriebenen Tauschb&#246;rsen? Was ist mit kommerziellen Filehostern? Was ist den kommerziellen Film-Streamingsites, die illegale Inhalte anbieten? Die Kulturflatrate w&#252;rde nur Teile der bislang illegalen Nutzung urheberrechtlich gesch&#252;tzter Werke im Internet legalisieren.</p>
<p><strong>4. Sie untersch&#228;tzen, wie weitgehend in die Freiheitsrechte der Urheber eingegriffen w&#252;rde.</strong></p>
<p>Die Kulturflatrate sei keine &#8220;Verstaatlichung der Kreativwirtschaft&#8221;. Das ist nur teilweise richtig. Den Gr&#252;nen schwebt bei der Kulturflatrate eine &#8220;<a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/netzpolitik/dokbin/278/278059.kurzgutachten_zur_kulturflatrate.pdf">gesetzliche Lizenz</a>&#8221; vor. Den Urhebern w&#252;rden zentrale Verg&#252;tungsanspr&#252;che im Online-Vertrieb ohne  Widerspruchsrecht abgenommen werden &#8211; im Tausch gegen einen staatlich garantierten  Verg&#252;tungsanspruch. Erhebliche Teile der Ums&#228;tze der Kulturindustrie w&#252;rden so zwar nicht verstaatlicht, aber zentralisiert und zwangsvergesellschaftet &#8211; in Verwertungsgesellschaften. Dies stellt einen erheblichen Eingriff etwa in die Grundrechte nach Artikel 5 (Meinungs- und Kunstfreiheit) und Artikel 12 (Berufsfreiheit) des Grundgesetzes dar. Dies w&#252;rde zu einer massiven Gegenwehr und zahlreichen Klagen f&#252;hren.</p>
<p><strong>5. Sie &#252;bersch&#228;tzen, wie verbreitet die Tauschb&#246;rsennutzung eigentlich ist.</strong></p>
<p>In der Stellungnahme wird f&#228;lschlicherweise zitiert, es g&#228;be laut <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;source=web&amp;ct=res&amp;cd=1&amp;ved=0CAgQFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.musikindustrie.de%2Fuploads%2Fmedia%2FBrenner_Studie_2009_01.pdf&amp;rct=j&amp;q=brenner+studie+2009&amp;ei=MIyqS8OdJ4L-mQODqNCLAg&amp;usg=AFQjCNFngl0SFLsGiaulCXlPnB_nPeYT0g&amp;sig2=lz2GrgNB7RKbHTIplCb0yg">Brenner-Studie</a> mehr als 10 Millionen Nutzer. Tats&#228;chlich sind es 3,8 Millionen und damit lediglich rund 10 Prozent der  Internetnutzer. Die Annahme, fast alle Onliner w&#252;rden Tauschb&#246;rsen  nutzen, erweist sich m&#246;glicherweise als Fiktion. So w&#228;re  die Kulturflatrate auch eine Abgabe, die alle zahlen, obwohl nur ein kleiner Teil die Angebote auch tats&#228;chlich nutzt.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Die Debatte um eine Kulturflatrate fordert folglich mehr Realismus, mehr Ehrlichkeit und weniger Populismus. In ihrer jetzigen Form erstarrt sie in einer identit&#228;tsstiftenden Fiktion, die blind ist f&#252;r die Kollateralsch&#228;den.</p>
<p>Im Zuge einer differenzierten Debatte k&#246;nnte sich zeigen, dass branchenspezifische und freiwillige Flatrates ein sehr spannendes Modell darstellen. Denn Flatrate-Ans&#228;tze sind in der Tat sehr internetad&#228;quat und setzen sehr gut auf die Informations&#246;konomie des Netzes auf. Die Online-Kulturindustrie bewegt sich bekannterma&#223;en viel zu langsam und viel zu protektionistisch in Richtung solcher Modelle, die eine echte Alternative zu illegalen Download-Angeboten w&#228;ren.</p>
<p>Bevor man also den Urhebern weite Teile ihrer Online-Rechte mittels staatlich verordneter Pflichtlizenz abnimmt, sollte man vielleicht noch zwei, drei Versuche starten, die Kulturindustrie hierzulande davon zu &#252;berzeugen, dass sie selbst die L&#246;sung finden muss und kann.</p>
<p><em>Carta</em>-Texte in diesem Zusammenhang:</p>
<ul>
<li>Robin Meyer-Lucht: <a href="http://carta.info/10584/markt-oder-allmendewirtschaft-worum-es-bei-der-kulturflatrate-eigentlich-geht/">Markt- oder Allmendewirtschaft: Worum es bei der  Kulturflatrate eigentlich geht</a></li>
<li>Wolfgang Michal: <a href="../../23890/warum-wir-die-kulturflatrate-vielleicht-doch-noch-brauchen/">Warum  wir die Kulturflatrate vielleicht doch noch  brauchen</a></li>
<li>Robin Meyer-Lucht: <a href="http://carta.info/23192/kulturflatrate/">Tr&#252;pel: ‘Digital rights fair trade’ ist vielleicht  die bessere Kulturflatrate</a></li>
</ul>
<p>Lesetipp:</p>
<ul>
<li>Marcel Weiss: <a href="http://netzwertig.com/2009/06/29/kulturflatrate-pro-und-contra/">Kulturflatrate &#8211; Pro und Contra</a></li>
</ul>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/24713/kulturflatrate-vogel-strauss-debatte/">Die Vogel-Strau&#223;-Debatte um die Kulturflatrate</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/24713/kulturflatrate-vogel-strauss-debatte/#comments">31 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=24713&amp;md5=fe31dca4e8090ea149329747dc8198b3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>EMI auf Rudis Resterampe: Was hat sie blo&#223; so ruiniert?</title>
		<link>http://carta.info/24584/emi-auf-rudis-resterampe-was-hat-sie-bloss-so-ruiniert/</link>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 17:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>
		<category><![CDATA[Musiklabels]]></category>

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		<description><![CDATA[EMI ist &#252;berschuldet und wird wohl "filettiert". Denn auch die Musikindustrie hatte ihre Investmentblase - mit der Etablierung der profitablen CD kam die "Plantagenbesitzer-Mentalit&#228;t".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c8963fbf12fa4d7b8d6aa12831fcb193" width="1" height="1" alt=""/>Gestern hatte ich einen Termin mit einer der Firmen, die sich um den Aufkauf von Teilen der legend&#228;ren EMI bem&#252;hen. Der Laden ist &#252;berschuldet und bevor er seinem Gl&#228;ubiger, der Citibank, in den Scho&#223; f&#228;llt, wird er wohl filettiert. Das Gedr&#228;ngel um den taumelnden Musikriesen beschrieb der Vertreter des potentiellen Aufk&#228;ufers als Kampf auf „Rudis Resterampe“. &#220;ber seinen Zynismus erschrocken fielen uns beiden die Zeilen von Die Sterne ein: „<a href="http://www.lastfm.de/music/Die+Sterne/_/Was+hat+Dich+blo%C3%9F+so+ruiniert">Wo fing das an und wann/Was hat Dich irritiert/Was hat Dich blo&#223; so ruiniert?</a>“</p>
<p>Meiner Meinung nach begann der Untergang der Musikindustrie mit der CD. Das liegt nicht nur daran, dass die Langspielplatte, die sie abl&#246;sen sollte, so viel sinnlicher war als das kleine St&#252;ck Plastik/Aluminium-Gemisch. Das eigentliche Problem der CD war ihre hohe Profitabilit&#228;t. Die Herstellung einer CD kostet weniger als die von Vinyl, die Preise wurden bei der Einf&#252;hrung aber verdoppelt. Verkauft wurde Anfangs haupts&#228;chlich Katalog, also Aufnahmen welche die Plattenfirmen schon lange bezahlt und verbucht hatten. In der Konsequenz schossen die Margen durch die Decke. Musikwirtschaft wurde ein hoch profitables Gesch&#228;ft und zog deshalb statt Freaks und Fans, Betriebswirte und Banker an. </p>
<p>Letztere optimieren das Gesch&#228;ft nicht indem sie den Inhalt, sondern die Abl&#228;ufe verbesserten. Im ersten Schritt taten sie das durch Synergie-Effekte. Ab Mitte der Achtziger &#8211; als beginnend mit dem Siegeszug der CD &#8211; wurden kleinteilige Strukturen, wie sie durch eine Vielzahl von Labels gegeben waren, im Sinne der Kosteneffizienz zu Konzernen zusammengefasst. Aus Polydor, Phonogram, Metronome, A&#038;M, Def Jam, Motown und Island wurde zum Beispiel PolyGram und schlie&#223;lich unter Hinzunahme von MCA die heutige Universal. Durch die Ballung spart man Personal und somit Fixkosten &#8211; und geringe Fixkosten sichern langfristig h&#246;here Gewinne.</p>
<p>Gro&#223;e Strukturen f&#252;hren jedoch zur Abstraktion: Wo fr&#252;her ein verantwortlicher Labelmacher sein Programm mit seinen K&#252;nstler entwickelte, hatten diese es pl&#246;tzlich oft mit Managern und mit h&#228;ufig wechselnden Mitarbeitern zu tun. Diese redeten zunehmend nicht mehr von K&#252;nstlern sondern von „Themen“, statt Alben verkauften sie „Produkte“ und freuten sich &#252;ber hohe „St&#252;ckzahlen“. Ver&#246;ffentlichungen wurden „chartoptimiert“ und auf Compilations zweit- und drittverwertet. All das hatte wenig mit Rock&#8217;n'Roll, aber viel mit BWL und Mathematik zu tun. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artists_and_Repertoire">A&#038;Rs</a> fanden sich h&#228;ufiger &#252;ber Planzahlen, die es mindestens quartalsweise zu aktualisieren galt, denn bei den K&#252;nstlern im Studio.</p>
<p>Die Branche war sexy. Sie versprach Rendite um die 20% und einen Abend mit Madonna, ein Wochenende mit Robbie Williams oder zumindest einen H&#228;ndedruck von Beyoncé. Wo fr&#252;her Produzenten wie Chris Blackwell (Island), Musiker wie Alpert und Moss (A&#038;M) oder Musikredakteure von Sch&#252;lerzeitungen wie Richard Branson (Virgin) ihr Geld in K&#252;nstler und Labels investierten, waren es nun Wasserversorger wie Vivendi (Universal), Destillerie-Erben wie Edgar Bronftman (Warner) oder Investmentbanker wie Guy Hands und seine Terra Firma (EMI). Gerne lie&#223;en diese sich mit der jeweiligen K&#252;nstlerschar ablichten, sie wurden eine bunte Beigabe der Gesch&#228;ftsberichte.</p>
<p>Versprochen wurde den Banken und Investoren der Aufk&#228;ufer ein ewiges Wachstum. Dieses sollte dann die Zinsen bedienen, mit denen die erworbenen Majors belastet worden waren. Au&#223;er in Form von Castingshows ist die Produktion von Musik aber leider nicht planbar. K&#252;nstler sind als Lieferanten nicht zuverl&#228;ssig, wie Guy Hands mit Schrecken feststellen musste. In einem Schreiben an die Musiker der EMI ermahnte er diese deshalb zur regelm&#228;&#223;igen Abgabe von Alben. Tim Clark, der Manager von Robbie Williams, nannte das „Plantagenbesitzer-Mentalit&#228;t“. &#8211; Williams sei nur ein beleidigter kleiner Junge, keulte Hands zur&#252;ck.</p>
<p>Im Fall Hands/EMI wurde der Zusammenprall der Kulturen am deutlichsten. K&#252;nstler, die teilweise angetreten waren die Welt zu revolutionieren, trafen auf einen Kaufmann, der sein Geld mit Immobilienspekulation und M&#252;llentsorgung gemacht hatte und auf einem ultrakonservativen Netzwerk basiert. Hands Trauzeuge und bester Freund ist Rechtspopulist William Hague, der mit seiner xenophoben „Foreign Land“-Rede im Jahr 2001 selbst konservative Parteifreunde entsetzte. S&#228;tze wie „Talk about asylum and they call you racist; talk about your nation and they call you Little Englanders“ kosteten ihn den Vorsitz seiner Partei. EMI-K&#252;nstler wie Damon Albarn demonstrierten damals gegen ihn.</p>
<p>Mittlerweile ist es ruhiger um Guy Hands geworden. Einerseits ist er auf Steuerflucht auf Guernsey und kann deshalb gar nicht in England einreisen um bei EMI nach dem Rechten zu schauen, andererseits gibt es dort au&#223;er Zinsschulden, die aus dem operativen Gesch&#228;ft nicht mehr bedient werden k&#246;nnen, auch nicht mehr viel zu entdecken. Das Dilemma k&#246;nnte er nur l&#246;sen, indem er den ganzen Apparat EMI aufl&#246;st (aktuell noch 5000 Mitarbeiter) und sich auf die Einnahmen aus dem existenten Katalog konzentriert. Das h&#228;tte dann jedoch nichts mehr mit Wachstum sondern nur noch mit R&#252;ckzug zu tun. </p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Die Musikindustrie zur Kulturflatrate: Positionspapier gegen ein Phantom</title>
		<link>http://carta.info/23126/kulturflatre-musikindustrie-positionspapier/</link>
		<comments>http://carta.info/23126/kulturflatre-musikindustrie-positionspapier/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 17:00:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Musikindustrie f&#252;rchtet die Kulturflatrate. Alternativen zu schaffen, hat sie bislang vers&#228;umt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ec8f593ca9a84d8abdd52c17d6ead82a" alt="" width="1" height="1" />Seit Ende Januar sind wir schlauer: Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) hat in einem <a href="http://www.musikindustrie.de/politik_einzelansicht/back/56/news/positionspapier-zur-kulturflatrate/">Thesenpapier</a> seinen Mitgliedern und der Welt mitgeteilt, weshalb er die Idee einer Kulturflatrate ablehnt. Viele wissen nicht so genau was eine Kulturflatrate ist, die meisten nicht, woher das kommt, doch trotzdem f&#252;rchtet man sie in vielen Chefetagen der gro&#223;en Plattenfirmen bereits.</p>
<p>Dabei handelt es sich bei dem Phantom Kulturflatrate lediglich um die naheliegende Idee, reales Tun zu legalem Tun werden zu lassen. &#196;hnlich wie die Privatkopie – gebrannte CDs oder kopierte Kassetten – schon seit den 60er Jahren verbrieftes Recht eines jeden Bundesb&#252;rgers ist, soll im Rahmen der Kulturflatrate auch Filesharing vom Gesetzgeber legalisiert werden.</p>
<p>Eine pauschale Geb&#252;hr f&#252;r die Urheber ist bereits heute bei CD-Rohlingen oder Brennern eingepreist. Leermedienabgabe nennt sich das und die damit generierten Millionen flie&#223;en &#252;ber die GEMA in Richtung Autoren und mittels der GVL an die Produzenten und somit auch zu den Plattenfirmen. Analog dazu w&#252;rde durch eine Kulturflatrate jeder Internetanschluss mit einer Pauschalabgabe f&#252;r die genutzten Rechte belastet und die Einnahmen an die Rechteinhaber verteilt. Die Gr&#252;nen sind gr&#246;&#223;tenteils daf&#252;r, die Sozialdemokraten wollen das laut Parteiprogramm zumindest pr&#252;fen.</p>
<p>Die Verb&#228;nde der Musikwirtschaft – egal ob gro&#223; oder klein, ob Indie oder Major – setzen bislang auf Verbote. Frankreich, wo Filesharer vom Internet abgeklemmt werden, sobald sie zum dritten Mal beim Download erwischt wurden, gilt als Vorbild. Verfassungsrechtlich ist das in Deutschland nicht durchsetzbar. Artikel 5 des Grundgesetzes, der jedem B&#252;rger freien Zugang zu Informationen gew&#228;hrleistet, steht dem entgegen.</p>
<p>Die schlauen Funktion&#228;re des BMVI wissen das. Und das ist wahrscheinlich die eigentliche Botschaft dahinter, gerade jetzt aus heiterem Himmel einen Zehn-Punkte-Kanon gegen die Kulturflatrate zu ver&#246;ffentlichen. Sie beklagen darin (Punkt 1), dass die Kulturflatrate auch von B&#252;rgern bezahlt werden m&#252;sse, die sie vielleicht gar nicht nutzen w&#252;rden. Sie st&#246;rt (Punkt 3) zudem, dass eine solche Geb&#252;hr nicht sozial differenziere und somit die Schwachen verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig st&#228;rker belasten w&#252;rde. Ihr ist es ein Graus, dass mit der Kulturflatrate Beethovens Neunte und ein Pornofilm bez&#252;glich ihres Marktwertes auf derselben Stufe st&#252;nden (so w&#246;rtlich Punkt 5) – und in der Konsequenz die Kultur verflachen w&#252;rde.</p>
<p>All das w&#228;re nachvollziehbar: Wenn dieselbe Industrie die Einnahmen aus der Leermittelabgabe ablehnen w&#252;rde, sobald sie &#252;ber Brenner generiert wird, mit denen keine Musik kopiert wird. Wenn sie CDs und Downloads f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger zum halben Preis anbieten w&#252;rde. Wenn sie f&#252;r die Platten ihrer DSDS-Eintagsfliegen nicht zumeist mehr verlangen w&#252;rde als f&#252;r ihre Sch&#228;tze aus dem Rock- und Klassikkatalog.</p>
<p>Das wirklich stechende Argument des Verbandes ist die Sorge vor der Abschaffung der Marktwirtschaft in der Musikkultur. Die Sorge scheint berechtigt, denn so absurd es klingen mag: Rock und Pop brauchen die Marktwirtschaft, um sich &#252;berhaupt weiter entwickeln zu k&#246;nnen. Verteilt man die in einer Kulturflatrate erhobenen Geb&#252;hrengelder wie eine Kulturf&#246;rderung, kann das im Sinne der Erneuerung kaum klappen. Welche offizielle Stelle h&#228;tte in den 70er-Jahren Punk gef&#246;rdert, der damals als Krach angesehen wurde? Welche Regierungspartei h&#228;tte sich in den 80ern f&#252;r Techno stark gemacht, das man als monotone Spa&#223;welle ansah?</p>
<p>Selbst die Verteilung &#252;ber die Ergebnisse einer freiwillig von den Nutzern aktivierten Screening-Software, wie sie manche Bef&#252;rworter der Kulturflatrate als L&#246;sungsmodel propagieren, klingt wenig hoffnungsvoll f&#252;r Nischen und ungew&#246;hnliche Ideen. Sie soll das wirkliche Nutzungsverhalten beim Surfen und beim Download &#252;ber diverse Portale dokumentieren, die Logik erinnert aber gef&#228;hrlich an eine Onlineversion des GfK-o-Meters, mit dem in einigen ausgew&#228;hlten Haushalten von Freiwilligen die TV-Nutzung gemessen wird. Was bei dieser Art von Meinungsumfrage heraus kommt, ist bekannt und mit dem t&#228;glichen TV-Horror von Gerichts- und Castingsshows, die sich nach dem in Quoten gemessenen Erfolg orientieren, einschl&#228;gig dokumentiert. Will man als Verfechter einer Kulturflatrate eine Verengung der Musikkultur auf dem Niveau von Privatfernsehen?</p>
<p>Neu an dem Papier des Verbandes ist, dass erstmals Fragen gestellt (Punkt 10) und nicht lediglich Standpunkte verteidigt werden. Vieles ist in der Diskussion &#252;ber die Kulturflatrate tats&#228;chlich noch &#252;berhaupt nicht definiert. Wie verh&#228;lt es sich mit anderen digital vertriebenen G&#252;tern jenseits von Musik? Wer oder was entscheidet &#252;ber H&#246;he und Verteilung einer solchen Abgabe? Wie wird zwischen den unterschiedlichen Bezugsberechtigten differenziert? Wer Fragen stellt, ist neugierig und signalisiert eine generelle Gespr&#228;chsbereitschaft.</p>
<p>Viele m&#246;gliche Antworten w&#252;rden sich allerdings er&#252;brigen, wenn die Rechteinhaber selbst die Marktwirtschaft nutzen und einer Kulturflatrate zuvor kommen w&#252;rden. W&#252;rden sie eine Flatrate anbieten, die mindestens so gut ist wie das, was man sich als Konsument m&#252;hsam und illegal &#252;ber Torrent-Tracker besorgen muss, w&#228;re die ganze Diskussion n&#228;mlich obsolet. Es w&#228;re ein freiwilliges Flatrate-Angebot, das alle Musik in bester Qualit&#228;t anbieten w&#252;rde, sobald sie das erste Mal im Radio lief oder an die Medien ging. Verbunden mit einer guten Aufbereitung und Beratung w&#228;re das eine hoch attraktive Dienstleistung, die der illegalen Konkurrenz klar &#252;berlegen w&#228;re. F&#252;r all die, die wenig Zeit, aber ein bisschen Geld haben, w&#228;re es ein Traum. Auf der Suche nach dessen Erf&#252;llung begehen sie heute einen Rechtsbruch und nehmen allerlei Widrigkeiten in Kauf. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zahlen, ist sehr hoch – w&#252;rde man es ihnen nur einfach machen.</p>
<p>Auch f&#252;r die K&#252;nstler w&#228;re eine solche Flatrate eine faire Form der Distribution und Entlohnung, denn sie w&#228;re servergest&#252;tzt und daher nutzungsgerecht abzulesen und abzurechnen. F&#252;r den Verband w&#228;re sie der beste Weg, zu beweisen, wie eine Alternative zur Kuturflatrate aussehen k&#246;nnte. Lediglich die Kids – traditionell mit viel Zeit, aber wenig Geld versehen – kann man damit wahrscheinlich noch nicht f&#252;r sich gewinnen. Muss man aber auch nicht zwingend, schlie&#223;lich ist der durchschnittliche Plattenk&#228;ufer bereits 37 Jahre alt. Geklaut haben die Teenager Musik schon immer. Fr&#252;her hat das nur der Plattenh&#228;ndler und nicht die Plattenfirma zu sp&#252;ren bekommen.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Der berechenbare Pop</title>
		<link>http://carta.info/22590/der-berechenbare-pop/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 23:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Popbranche ist berechenbar geworden. Sie ehrt die, die ohnehin schon Erfolg haben. Pop aber lebt seit jeher von der &#220;berraschung – und von einer Haltung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4b324c972f0d4386b8148012c8fc23b7" alt="" width="1" height="1" />Das Prinzip Pop ist das Prinzip &#220;berraschung. Wo die Volksmusik eine Heimat geben will, indem sie das Bekannte in Form von Stilelementen und tradiertem Repertoire penetriert, geht Pop in die Gegenrichtung. Entweder schrill, &#252;berdreht oder innovativ versucht Pop, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ob die Beatles mit „Strawberry Fields“ <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-7NoOhmVMac">abhoben</a> oder die Hurts heute mit „Wonderful Live“ im New Wave <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tBdG87WkwFg">landen</a>, gefallen tut meist das, was der Erwartungshaltung nicht entspricht oder sie &#252;bertrifft.</p>
<p>Wie entt&#228;uschend aber, wenn ausgerechnet die Popbranche sich nicht traut, dem Prinzip der eigenen Kultur zu entsprechen und stattdessen sich und den Pop auf ihren beiden deutschen Schl&#252;sselveranstaltungen als langweiliges, weil berechenbares Ph&#228;nomen pr&#228;sentiert. Auf der Popkomm kam Pop in Form von gro&#223;en Messest&#228;nden der f&#252;hrenden Firmen der Branche daher. Bei der Echo-Verleihung in der o2-World pr&#228;mierte die Popindustrie diejenigen Interpreten, die am l&#228;ngsten und h&#228;ufigsten in den Musikmarkt-Charts vertreten waren. Wieso stellt man auf Messen wohl bekannte Strukturen dar, wieso feiert man das, was ohnehin erfolgreich und durch Jahrescharts l&#228;ngst nachgewiesen und hervorgehoben ist? Wir haben die erfolgreichsten Songs des letzten Jahres l&#228;ngst geh&#246;rt, manchmal mehr als uns lieb ist. Die Messen sind gelesen, sollen wir uns jetzt an Umsatzzahlen berauschen?</p>
<p>Weder die Popkomm noch die Echo-Verleihung ziehen noch. Die Popkomm fiel 2009 mangels Nachfrage aus und ihre Wiederauferstehung in diesem Jahr im Rahmen einer <a href="http://www.berlin-music-week.de/">Berlin Music Week </a>wird gerade heftig diskutiert. Echo musste f&#252;r die diesj&#228;hrige Veranstaltung in eine alte Messehalle im Westend zur&#252;ckziehen, da man sich die schicke Arena in Friedrichshain nicht mehr leisten konnte. Mittlerweile verzichten auch internationale Stars wie Depeche Mode, U2 und Kate Perry auf den Besuch. Als Highlights verk&#252;ndete man in einer Pressekonferenz die aus der Versenkung geholte Souls&#228;ngerin Sade und den Hamburger Jan Delay.</p>
<p>Eine Musikmesse als reine Plattform der Labels oder ein Musikpreis als Belohnung f&#252;r Chartperformance w&#228;ren in England – dem von den Deutschen so gern bewunderten Mutterland des Pop – undenkbar. Mit <a href="http://www.inthecity.co.uk/">In the City</a> gibt es dort eine j&#228;hrliche Veranstaltung, deren Kern die vielen Konzerte neuer und kleiner Bands in der Stadt Manchester sind. Die Branche zieht zusammen mit einem neugierigen Publikum aus Musikinteressierten von Club zu Club, um sich neue Musiker anzuh&#246;ren. Der K&#252;nstler steht da, wo er hingeh&#246;rt: im Mittelpunkt. So auch bei den Brit Awards und dem Mercury Prize: eine Jury – bei den Brit Awards sind es &#252;ber tausend Musiker, Produzenten und Journalisten – stimmt &#252;ber die wichtigsten Musiker und Platten des Jahres ab, und zwar v&#246;llig subjektiv und unabh&#228;ngig vom wirtschaftlichen Erfolg. Die Preisverleihung ist deshalb relevant und hoch spannend.</p>
<p>In Deutschland dagegen sucht man nach Strukturen und Zahlen. Es sind Strukturen, mit denen sich das Gesch&#228;ft der Labels auf den Messen darstellen l&#228;sst. Es sind Zahlen, die belegen, weshalb der eine den Preis bekommt und der andere nicht. Sich seinen Gef&#252;hlen, einer Meinung, einer Haltung hinzugeben, dadurch auch einmal parteiisch und ungerecht zu sein, davor hat man wohl Angst. Die Entschuldigung liegt auf der Hand: man hat schlechte Erfahrungen wenn es um Subjektivit&#228;t und Begeisterung geht. In deutschen Ohren hallt das <em>Hurra</em> nach, mit dem man in die Weltkriege zog; auch der Elan, mit dem manch ideologisierter Deutscher einen Arbeiter- und Bauernstaat aufzubauen half, der ein &#220;berwachungsstaat wurde.</p>
<p>Doch das Argument zieht hier nicht. Andere Bereiche der Kreativwirtschaft haben das l&#228;ngst erkannt und definieren sich &#252;ber eine Haltung: Der Frankfurter Friedenspreis w&#252;rde niemals an den Bestseller des Jahres vergeben werden, der Egon-Erwin-Kisch-Preis geht nicht an die Journalisten der Ausgabe mit der h&#246;chsten Verkaufsauflage und auch der Deutsche Filmpreis wird nicht von den Kinokassen, sondern von einer Akademie bestimmt.</p>
<p>Zahlen machen n&#228;mlich dann Sinn, wenn man es nicht mit Emotionen zu tun hat. Liebe kann man nicht messen, Hass genauso wenig. Musik ist aber nichts anderes als klingende Emotion. Der Versuch, Kunst und Popkultur ausschlie&#223;lich anhand kaufm&#228;nnischer Kriterien zu bewerten und die Verwertung allein danach auszurichten, muss schief gehen. Wer einen sinnvollen und spannenden Musikpreis m&#246;chte, wer eine funktionierende Messe erleben will, der muss auch den Mut aufbringen, eine Position zu haben, selbst wenn sie unbequem ist. Echo und die Popkomm in ihrem bisherigen Konzept zeigen, wie weit sich die Musikwirtschaft von ihrem eigentlichen Mittelpunkt entfernt hat: von der Musik und den K&#252;nstlern.</p>
<p><em>Diesen Artikel erschien auch bei <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_der_berechenbare_pop.html">motor.de</a></em>
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		<title>Willkommen in Babylon</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 11:18:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Musikindustrie, Musiker und Konsumenten reden in einem babylonischen Stimmengewirr aneinander vorbei. Wie ein Angebot aussehen m&#252;sste, dass allen Seiten gerecht wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2adf2a6c6b374c94a98e031547d226cb" width="1" height="1" alt=""/><strong>Alle wollen hoch hinaus: </strong></p>
<ul>
<li>Die Musikindustrie tr&#228;umt von Umsatzzahlen aus dem Jahr 1998 und Renditen um die 20%, wie sie ihr damals zu Hochzeiten des CD-Verkaufs noch beschert wurden, wenn sie &#252;ber die Zukunft redet.</li>
<li>Die Musiker w&#252;nschen sich in digitalen Umfeldern deutlich mehr Freiheit und wirtschaftliche Unabh&#228;ngigkeit, versuchen sich teilweise von den Apparaten der Musikindustrie zu entkoppeln und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.</li>
<li>Die meisten Konsumenten verlangen alle Musik zur sofortigen und einfachen Nutzung durch Download, also eine Freiheit, wie man sie vor 10 Jahren dank Napster schon genossen hat.</li>
</ul>
<p><strong>Alle haben aus ihrer Sicht einen Punkt: </strong></p>
<ul>
<li>Wieso sollte die Musikindustrie geringe Anspr&#252;che an ihre Werthaltigkeit stellen, als sie die schon unter einem anderen Gesch&#228;ftsmodell bewiesen hat?</li>
<li>Wieso sollen in der Digitalisierung Musiker noch Apparate mitfinanzieren, die von ihrer Dimension auf den Vertrieb physischer G&#252;ter ausgelegt sind?</li>
<li>Wieso sollte ein Konsument f&#252;r etwas zahlen, was er im Zweifel, wenn auch illegal, per Torrent-Tracker schneller und besser umsonst bekommen kann?</li>
</ul>
<p><strong>Alle reden in einem babylonischen Stimmgewirr aneinander vorbei und verlangen unm&#246;gliches: </strong></p>
<ul>
<li>Die Musikindustrie kann sich einem neuen Gesch&#228;ftsmodel nur verwehren, wenn es ihr gelingen sollte, die totale Kontrolle &#252;ber ihre Rechte im Netz zu behalten. Totale Kontrolle und Internet gehen aber mit den existenten B&#252;rgerrechten, die die Grundlage der Gesellschaft bilden nicht zusammen.</li>
<li>Die Musiker werden nur dann in der Lage sein alle ihre Rechte f&#252;r sich zu behalten, wenn ihre Kapitalisierung sichergestellt ist. F&#252;r die Gro&#223;en ist das kein Problem, f&#252;r die, die noch gro&#223; werden wollen, jedoch nahezu unm&#246;glich Das, was sie als Musik produzieren, ist ein immaterielles Wirtschaftsgut und darauf bekommt man, solange wie die Grundregeln der Finanzwirtschaft (Basel 2) nicht ge&#228;ndert werden, nicht einmal Kredite.</li>
<li>Der Konsument wiederum kann nicht erwarten, dass sich eine spannende Musikkultur auf Dauer entwickelt, wenn keiner bereit ist, in diese langfristig zu investieren. Weshalb sollte aber jemand investieren, wenn sich Erl&#246;se mit ihr direkt nicht mehr erzielen lassen? Die Frage bleibt zumindest so lange unbeantwortet, wie die Regeln der Marktwirtschaft Bestand haben. Selbst ein Ende dieser im Internet hilft nicht weiter: das staatliches oder &#252;ber Spenden gesteuerte Systeme im Sinne der Kreativit&#228;t und Vielfalt w&#228;ren, ist nicht wirklich anzunehmen.</li>
</ul>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span>Also kommen alle nicht weiter, wenn sie auf ihren jeweiligen Positionen beharren. Solange sie nicht aufeinander zugehen, sondern aufgeregt aneinander vorbeireden, bauen sie an einer Zukunft ohne Substanz. Keine Seite hat die Chance sich wirklich durchzusetzen, die Ans&#228;tze greifen nicht ineinander. Willkommen in Babylon. Aber selbst wenn es einer Partei gel&#228;nge, ihre Position durchzuholen w&#228;re das Ergebnis ein Staat, ein Markt, oder ein kulturelles Angebot, mit dem man oder in dem man nicht  leben m&#246;chte.</p>
<p><strong>Wenn man allen Seiten gerecht werden will, muss man ein Angebot entwickeln, welches:</strong></p>
<ul>
<li>sicherstellt, dass keine faktische Enteignung des Produzenten eintritt, also ein Markt durch Wettbewerb und Nutzung zuordenbarer Rechte  in der Musikwirtschaft erhalten bleiben kann.</li>
<li>Einstiegsh&#252;rden f&#252;r kleine Anbieter abgebaut werden und der Umstieg in den moderneren, aber auch ressourcenfreundlichen Download forciert wird.</li>
<li>dem Konsumenten einen Service bietet, den er im Netz auch per P2P bislang noch nicht erh&#228;lt.</li>
</ul>
<p><strong><span style="color: #ffffff;">.</span>Die einzige M&#246;glichkeit, die sich da anbietet, w&#228;re sicherzustellen, dass:</strong></p>
<ul>
<li>jeder Internet Service Provider neben dem reinen Anschluss auch eine Flatrate zum Downloaden und Behalten von Musik (und sp&#228;ter anderen Kulturg&#252;tern) anbietet</li>
<li>in dieses Angebot jeder aufgenommen werden muss, der dies mit seiner Musik will</li>
<li>umgekehrt auch jeder seine Musik dort einstellen muss, sobald er sie Dritten kommerziell zug&#228;nglich macht.</li>
</ul>
<p><strong><span style="color: #ffffff;">.</span>Die Konsequenz daraus w&#228;re:</strong></p>
<ul>
<li>Es k&#246;nnte anteilig (<em>pro rata numeris</em>) jeder einzelne Download fair dem Rechteinhaber gegen&#252;ber abgerechnet werden</li>
<li>Jeder Anbieter k&#246;nnte einfach und schnell an dem Markt teilhaben, egal ob mit oder ohne Label</li>
<li>Der Konsument h&#228;tte garantiert immer die neueste Musik, in bester Qualit&#228;t und totaler Vollst&#228;ndigkeit zur Verf&#252;gung, m&#252;sste daf&#252;r aber ein Abo bezahlen.</li>
</ul>
<p>Bei der all2gethernow sa&#223;en endlich alle Parteien zusammen. Sobald man &#252;ber solche Modelle spricht, wird die Kommunikation aber schwer. Die Musikindustrievertreter verstehen nur „Kulturflatrate“ und denken an eine Art Steuer f&#252;r ihr Produkt, die eher der GEZ &#228;hnelt und die sie im Sinne eines Marktes ablehnen m&#252;ssen. Die K&#252;nstler wiederum h&#246;ren Pauschalisierung und denken voller Schrecken, aber zu unrecht, an die Abrechnungen aus der pauschalen GEMA-Blackbox. Einige Konsumenten  schlie&#223;lich sind verunsichert, wenn sie h&#246;ren, dass es hier auch ums Bezahlen geht.</p>
<p>Alle wissen aber, wie die Sache mit Babel ausgegangen ist. Die Wahrheit wird sich nur finden, wenn man weiter aufeinander zugeht, zuh&#246;rt  und eine gemeinsame Sprache findet. Geschieht dieses oft und intensiv genug, verlieren irgendwann auch Vorschl&#228;ge wie dieser ihren Schrecken f&#252;r die Bewahrer des jeweiligen Status Quo.</p>
<p><em>Tim Renner bloggt auf <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_willkommen_in_babylon.html">motor.de</a></em>
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		<item>
		<title>Die Mauer muss weg!</title>
		<link>http://carta.info/17851/die-mauer-muss-weg/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 11:02:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit der DDR scheiterte ein technokratisches System, das unf&#228;hig war, sich selbst zu erneuern. Am 9. November feiern wir das Ende dieses engen, erstarrten Deutschlands. Zugleich bleiben Elemente des ver&#228;nderungsfeindlichen Kulturdirigismus mitten unter uns: Die GEMA zum Beispiel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/cc1929d1cb314b1c92598f37f15aa83e" width="1" height="1" alt=""/>Was ist uns von 40 Jahren Sozialismus auf deutschem Boden geblieben? Ein paar traurige Puhdys, Karat, City und Silly Platten die auf so manchen Dachb&#246;den alter Mainstream-Rockh&#246;rer verstauben. Nat&#252;rlich sind da noch Wolf Biermann, Bettina Wegener („Sind so kleine H&#228;nde&#8230;“) und die Renft Combo, aber sie alle eint, dass sie nicht wirklich ihrer Musik sondern eher hirnrissigen, menschen- und <strong>kunstverachtenden Aktionen des SED-Zentralkomitees</strong> ihre Ber&#252;hmtheit verdanken. Ohne Ausb&#252;rgerung respektive Berufsverbot w&#228;re ihr Bekanntheitsgrad zumindest im Westen bedeutend geringer gewesen. Eine magere Ausbeute, bedenkt man die hehren Ziele, welche die junge Republik bei Gr&#252;ndung 1949 gegen&#252;ber den K&#252;nsten hatte.</p>
<p>Ziel der Staatsgr&#252;nder war, endlich die K&#252;nstler besser zu stellen. Schiller, van Gogh, Mozart und Co. taten Gro&#223;es und starben verarmt. Die Gutmenschen in Ost-Berlin wollten nicht mehr posthum die Geistes- und Kunstgr&#246;&#223;en ehren und umbetten, sondern schon zu ihren Lebzeiten f&#252;r gute Arbeits- und Lebensbedingungen sorgen. Wer K&#252;nstler war, dem sollte <strong>ein Grundeinkommen wie ein Facharbeiter</strong> sicher sein, denn sein Beitrag f&#252;r die Entwicklung der Gesellschaft war ebenb&#252;rtig. Ein absolut ehrenwertes Vorhaben. Um aber herauszufinden, wer nun K&#252;nstler war und wer nicht, schuf man eine Einstufungskommission. Vor dieser hatte man zu pr&#228;sentieren und wer die Pr&#252;fung in Sachen Kreativit&#228;t und K&#246;nnen bestand, der konnte fortan Eintritt nehmen, bekam sein Grundeinkommen, musste daf&#252;r als Musiker aber auch <strong>auf Anfrage des n&#228;chst besten Kombinats</strong> dort bei der Firmenfeier auftreten.</p>
<p>Rock- und Popkultur zeichnet sich dadurch aus, dass sie den existenten Mainstream angreift oder zumindest in Frage stellt. Daraus bezieht sie ihre immerw&#228;hrende Erneuerung. Das Problem einer <strong>staatlich gesteuerten Kultur</strong> besteht aber darin, dass es schwer ist, den zu f&#246;rdern, der einen gerade angreift. Eine Einstufungskommission kann genauso wie <strong>GEMA-Verwaltungsr&#228;te</strong> nicht aus dem Underground kommen, sondern repr&#228;sentiert bestenfalls das <strong>Kultur-Establishment</strong>, wenn nicht gar die Kultur von vorgestern. Das liegt in der Natur der Sache: Wer das Vertrauen von Staat oder Institutionen haben will, sollte mehr vorzuweisen haben, als eine schrille Idee oder ein Erstlingswerk. Wer in solche R&#228;nge aufr&#252;ckt, hat seine verdienstvolle Karriere meist hinter sich.</p>
<p>Punks hatten deshalb in der DDR keine Chance. Als ich mich als erste journalistische Arbeit Anfang der Achtziger mit Bands wie Tapetenwechsel oder M&#252;llstation heimlich in Ost-Berlin am Alex traf, wurde ich nicht verhaftet, weil man die Musik als staatsgef&#228;hrdend eingestuft h&#228;tte. Aus der Stasi Akte geht hervor, dass die Musik als nicht einzuordenbarer Krach, die Akteure als <strong>asoziale Elemente</strong> gesehen wurde. Der Staat und seine Kulturkommissionen verstanden die <strong>popkulturelle Dimension des Punk</strong> schlicht und einfach nicht. Deshalb vermuteten die Sicherheitsorgane eher einen Austausch von Drogen denn Musik-Tapes hinter unserem konspirativen Treffen.</p>
<p>Kein Wunder, dass so wenig von der Staatskultur bleibt, wenn man in seinen eigenen, starren Systemen gefangen ist und deshalb kulturelle Innovation nicht mehr als solche erkennen kann. <strong>In Wirklichkeit brodelte es in der DDR l&#228;ngst</strong>. Egal ob in der Musik (von Rammstein bis Silbermond, von Paul van Dyk bis Tokio Hotel) oder in der bildenden Kunst (von Bisky bis Gursky, von Rauch bis Tippelmann), schon bald setzten in Wirklichkeit die Mitb&#252;rger aus dem Osten f&#252;r das neue Deutschland den Trend. <strong>Die ehemalige DDR gab popkulturell weit mehr her als angestaubten Deutschrock</strong>, das gut gemeinte F&#246;rdersystem lie&#223; es lediglich nicht zu.</p>
<p>Am 9. November feiern wir das Ende des engen, weil technokratischen Deutschland. Noch immer beklagen wir aber andere starre Strukturen in der Kultur, die &#228;hnlich funktionieren wie die Einstufungskommissionen der <strong>DDR</strong>. Auch in der <strong>GEMA</strong> will man nur das Beste f&#252;r ihre Mitglieder, daran besteht kein Zweifel. Ihre drei Kurien (so nennen die sich wirklich!), die Textdichter, Komponisten und Verleger abbilden, sind besetzt mit verdienten aber nicht zwangsl&#228;ufig innovativen Pers&#246;nlichkeiten. Das was als Kultur klar erkennbar ist, wird von ihnen gef&#246;rdert, da ist man sich einig. Deshalb erh&#228;lt jede klassische Komposition bei der Auff&#252;hrung ein Vielfaches. In der Konsequenz f&#252;hrt das zu Annekdoten wie den Hauskonzerten des Ausnahmekomponisten <strong>Karl-Heinz Stockhausen</strong>. Regelm&#228;&#223;ig stellte angeblich der deutsche Neoklassiker ein Schild vor sein Haus mit der Aufschrift „<strong>Heute Konzert</strong>“, reichte dieses dann als Auff&#252;hrungsmeldung bei der GEMA ein und freute sich an den hohen Zusch&#252;ssen f&#252;r seine Kunst.</p>
<p>Zahlen tut die GEMA so etwas aus ihren gr&#246;&#223;ten Aufkommen, n&#228;mlich der so genannten Blackbox. Hier wandert alles rein was sich nicht klar zuordnen l&#228;sst. Und es ist viel, was sich nicht zuordnen l&#228;sst: da zum Beispiel Clubs hierzulande, anders als in Frankreich nicht &#252;berwacht werden, flie&#223;t, egal was der DJ spielt, am Ende das meiste den cleveren, klassischen Musikern oder den Gro&#223;verdienern a la Bohlen zu. &#196;hnlich verh&#228;lt sich das im Radio. Nur ein paar gro&#223;e Stationen werden ausgewertet, Sender wie Motor FM tragen lediglich zum gro&#223;en Topf bei. Entweder wird subventioniert oder der Reiche noch reicher gemacht, da das Unzuordenbare proportional dem Nachgewiesenem ausgesch&#252;ttet wird. Dies geschieht nicht in b&#246;ser Absicht, sondern ob der <strong>Unf&#228;higkeit eines technokratischen Systems sich aus sich selbst heraus zu erneuern</strong>. Es ist viel von den Kurien verlangt, Ver&#228;nderung in Kunst, Gesellschaft und Medien schnell zu erkennen und diese dann auch noch in einer Verteilungsstruktur abzubilden, die sie selbst potentiell benachteiligt. Wenn eine GEMA von der Idee her gerecht und innovativ sein k&#246;nnte, dann w&#228;ren es die Einstufungskommissionen auch gewesen&#8230;</p>
<p><em>Tim Renner blogt f&#252;r Carta und <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/">Motor.de</a>, wo auch <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_die_mauer_muss_weg.html">dieser Beitrag</a> erschien.</em>
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		<title>Das Ende der Krise der Musikwirtschaft</title>
		<link>http://carta.info/16034/das-ende-der-krise-der-musikwirtschaft/</link>
		<comments>http://carta.info/16034/das-ende-der-krise-der-musikwirtschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Oct 2009 14:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[W&#252;rden rund 18 Prozent der 31.8 Millionen DSL-Kunden eine Musikflatrate f&#252;r 9.99 Euro kaufen, entst&#252;nde ein j&#228;hrlicher Umsatz von 663 Mio. Euro - mehr als die H&#228;lfte dessen, was die Industrie 2008 mit CDs erzielte; und dabei mit viel h&#246;heren Margen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/88c5f445afb444edb347bb659cca4479" width="1" height="1" alt=""/>Eigentlich ist es total langweilig, die Geschichte wiederholt sich lediglich: Bereits vor mehr als 75 Jahren ging die Musikwirtschaft in die Knie. Es war ihr nicht gelungen, aus der milit&#228;rischen Entwicklung Radio wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen, als diese dem breiten Publikum zug&#228;nglich gemacht wurde. Die Verbreitung von kostenloser Musik via &#196;ther machte ihr in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts das Leben schwer. <strong>Als dann auch noch eine weltweite Wirtschaftskrise hinzukam, krachten die Ums&#228;tze auf knapp 6% dessen, was man in den guten, alten Zeiten vor dem Siegeszug des Radios erwirtschaftet hatte.</strong></p>
<p>Verglichen dazu geht es der Musikindustrie heutzutage noch Gold. Dank einiger Rechentricks (seit 2002 werden von ihrem Verband pl&#246;tzlich Ertr&#228;ge von &#252;ber 125 Millionen DVD/VHS in den Tontr&#228;ger-Umsatz eingerechnet) befindet sie sich hierzulande auf 60% der fr&#252;heren Gr&#246;&#223;e. Das Problem ist aber identisch: Die Branche ist konfrontiert mit einer urspr&#252;nglich milit&#228;rischen Entwicklung die den Massen in den neunziger Jahren zug&#228;nglich gemacht wurde und ihre Musik umsonst verbreitet: das Internet. Eine vern&#252;nftige, wirtschaftliche Nutzung gelingt bislang noch nicht (der Marktanteil legaler Downloads betr&#228;gt in Deutschland derzeit j&#228;mmerliche 5% wenn man Klingelt&#246;ne nicht mitrechnet). <strong>Eine globale Wirtschaftskrise haben wir daf&#252;r diesmal auch wieder zu bieten.</strong></p>
<p>Das erste Mal &#252;berwand die Musikwirtschaft ihr Leiden im Laufe von zwanzig Jahren durch drei sehr konkrete Ma&#223;nahmen:</p>
<p><strong>1.</strong> Der Preis f&#252;r das in die Jahre gekommene Format Schellack wurde von 75 auf 35 Cent gesenkt,</p>
<p><strong>2. </strong>mit HiFi wurde eine technische Innovation forciert,</p>
<p><strong>3. </strong>mit dem Senderecht und einen Einigungszwang f&#252;r Verg&#252;tung zwischen Radioveranstaltern und Urheber- und Leistungsschutzrechtsinhabern wurde vom Gesetzgeber Planungssicherheit und ein wirtschaftlicher Ausgleich geschaffen.</p>
<p><strong>In der Folge wurde die kranke Musikwirtschaft zur globalen Erfolgsstory mit traumhaften Zugwachsraten. </strong>Da man das alles schon einmal durchlebt hat und diesmal kein Weltkrieg die Umsetzung von L&#246;sungsm&#246;glichkeiten behindern sollte, kann es keine 20 Jahre brauchen, bis die Branche wieder rund l&#228;uft. Vorraussetzung ist, dass man aus der Geschichte lernt und nicht Fehler wiederholt.</p>
<p>Offensichtlich waren es drei Faktoren, die der Musikwirtschaft den Wandel zum Guten brachten: Preis, Darreichungsform und Rechtssicherheit. Wendet man diese auf die aktuelle Situation an, kommt man ziemlich schnell zu dem Modell Flatrate. Diese bietet einen anderen, potentiell geringeren Preis pro Titel; eine neue Nutzungform und so es gesetzliche Regelungen mit den ISPs (also den Anbietern von Internetanschl&#252;ssen) gibt, auch eine neue Form der Rechtssicherheit.</p>
<p><strong>Genauso wenig begeistert wie sie bislang von Flatrate-Modellen sind, waren die Majors dereinst von Senderecht und dem Kontrahierungszwang im Rundfunk.</strong> Als die europ&#228;ischen Regierungen eine nach der anderen verf&#252;gten, dass jede Radiostation jeden Titel spielen d&#252;rfe, sobald dieser zum ersten mal ver&#246;ffentlicht worden sei, sprachen die gro&#223;en Labels von Enteignung. Im Ausgleich f&#252;r das so genannte Senderecht wurde jedoch festgelegt, dass die Rechteinhaber einen Anteil von Werbung oder Geb&#252;hren zu erhalten h&#228;tten. Auf dessen H&#246;he und Bemessungsgrundlage sollte man sich untereinander mit den Radios einigen. Ohne Einigung, so die Drohung und das Konzept, w&#252;rde der Staat &#252;ber einen Schlichter eine Verg&#252;tung erzwingen.</p>
<p>Die gro&#223;en Plattenfirmen wehrten sich vehement gegen diese Idee, weil das Senderecht ihre Macht zu schm&#228;lern drohte. Absprachen, dass man den Song eines Stars als erster bekommt, wenn die Station dann auch einen anderen, weniger beliebten spielt, waren nicht mehr m&#246;glich. Genauso hatten sich Geb&#252;hren die man f&#252;r eine Erstauff&#252;hrung von neuen Hits erheben konnte, f&#252;r die marktbeherrschenden Firmen in der Sozialisierung einer gemeinsamen Abgabe an GEMA und die Verwertungsgesellschaft GVL erledigt. Auf Seiten der Radios mochte man sich auch ungern vom prima Gesch&#228;ftsmodel verabschieden, Content und somit Sendeinhalte in der Regel umsonst verbreiten zu k&#246;nnen. Allerdings war man gespr&#228;chsbereit, denn man sah den Vorteil der Planungssicherheit. Die per Gesetz forcierte Einigung war am Ende aber zum Nutzen aller. Die Schiedsstelle musste bis heute nicht einmal einberufen werden.</p>
<p>Auch diesmal sind es nicht die Kan&#228;le, in diesem Fall also die <strong>Telekommunikationsgesellschaften</strong>, die sich v&#246;llig einer Flatrates verwehren. Nat&#252;rlich m&#246;chten sie nicht zu solchen als Bestandteil eines Internetanschlusses per Gesetz gezwungen werden, aber generell haben auch sie verstanden, dass sie <strong>nicht endlos werden davon profitieren k&#246;nnen, dass &#252;ber ihre Leitungen und Anschl&#252;sse die Rechte Dritter verletzt werden.</strong> Einige verhandeln l&#228;ngst mit der Musikindustrie &#252;ber Wege wie sie ihre eigenen Internetanschl&#252;sse mit gut aufbereiteten Musikangeboten aufwerten k&#246;nnten. Die Majors zeigen sich abermals sperrig: Ihre Sorge ist, dass eine echte Flatrate, die alle Neuheiten beinhaltet, sobald diese ans Radio gegangen sind, ihren kompletten Katalog abbildet und als Download verf&#252;gbar macht, auch wenn das jeweilige Flatrate-Abo abgelaufen ist, zur endg&#252;ltigen Erosion ihres Gesch&#228;fts f&#252;hren k&#246;nnte.</p>
<p>Die Situation ist genau die gleiche wie vor Einf&#252;hrung des Senderechts: Wer keine Tontr&#228;ger kaufen mag, bekommt im Internet bereits alles geboten um diese zu ersetzen. Genauso wie manche Auff&#252;hrung die damals im Radio lief, ist das h&#228;ufig illegal, jedoch ohne tiefen Einschnitt in die Freiheit der Kommunikation nicht zu verhindern. Kauft der Musikfan dennoch eine CD, dann hat er einen Grund daf&#252;r, der durch die Einf&#252;hrung einer Flatrate die mit den Torrent-Trackern konkurrieren k&#246;nnte, nicht wegfallen w&#252;rde. Flatrates w&#252;rden legale Download-Portalen wie iTunes und Musicload (alle zusammen erzielten 2008 knapp 80 Millionen Umsatz) das Leben schwer machen, nicht mehr, nicht weniger.</p>
<p>Laut einer von der Industrie in Auftrag gegebener GfK Studie gibt es in Deutschland 14.3 Millionen Musikk&#228;ufer. Das sind 17.4 % der Bev&#246;lkerung und diese geben im Schnitt mehr als 9 Euro pro Monat f&#252;r CDs und Downloads aus. <strong>W&#252;rde man den 31.8 Millionen Kunden der ISPs eine Musikflatrate anbieten,</strong> die in bester Datenqualit&#228;t f&#252;r 9.99 Euro im Monat legal alle verf&#252;gbare Musik zum Download vorh&#228;lt, sobald sie ans Radio und zu Journalisten gelangt und prozentual der gleiche Anteil an Musiknutzern diese annehmen, <strong>entst&#252;nde ein Umsatz der j&#228;hrlich &#252;ber 663 Millionen betr&#228;gt.</strong> Das ist bereits mehr als die H&#228;lfte dessen, was die Industrie 2008 mit CDs erzielen konnte. Dieser Umsatz h&#228;tte f&#252;r die Labels eine viel h&#246;here Margin (die Tontr&#228;gerfertigung, Vertrieb und Retouren entfallen und somit steigen die Gewinne) und w&#228;re zu Teilen nicht substituierend, sondern additiv.</p>
<p>Solche Gedanken wurden auch im letzten Monat auf der <a href="http://www.a-2-n.de/"><strong>all2gethernow</strong></a> in Berlin diskutiert. Die dort vertretenen Musikwirtschafts-Lobbyisten und Labelmacher bem&#252;hten sich sofort danach festzustellen, dass man sich ob der blo&#223;en Diskussion auf solche Ideen noch lange nicht geeinigt habe. Ihr Branchenblatt „Musikwoche“ nannte, ohne seine Meinung zu begr&#252;nden, diese Flatrate-Modelle „Eine Milchm&#228;dchenrechnung“. Die Fronten sind v&#246;llig verh&#228;rtet zwischen denen, die wie die Industrie eine autorit&#228;re (Kontrolle des Internets, wie immer das auch gehen soll), wie Teile des linken Spektrums eine etatistische (Einf&#252;hrung einer staatlich erhobenen Kulturflatrate, wie immer man die auch verteilen will) oder wie viele aus der Netz-Welt eine anarchistische (keine Bezahlinhalte mehr, was immer dann auch die Verg&#252;tung kreativer Arbeit sein soll) L&#246;sung anstreben.</p>
<p>Eine in unserem System der Marktwirtschaft funktionierende L&#246;sung kann aber immer nur eine sein, die ein Angebot beinhaltet, was mindestens so gut ist, wie das der Konkurrenz. Dabei spielt es, wenn man gegen ihn bestehen will, leider keine Rolle, ob der Wettbewerber ein legaler oder illegaler Anbieter ist. <strong>Akzeptiert man das jetzige, mehrheitliche Nutzerverhalten im Netz als Realit&#228;t und versucht ein Angebot zu machen, dann f&#252;hrt kein Weg an einer Form der Flatrate vorbei. </strong>Wenn sich dieser Gedanke bei der Industrie und den Verb&#228;nden durchsetzt oder diese im Interesse der von ihnen vertreten K&#252;nstler von der Gesetzgebung zu einer Einigung gezwungen werden, dann k&#246;nnte dass das Ende der Krise der Musikindustrie sein.</p>
<p><em>Diesen <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_das_ende_der_krise_der_musikwirtschaft.html">Text</a> hat Tim Renner auch auf <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_das_ende_der_krise_der_musikwirtschaft.html">Motor.de</a> ver&#246;ffentlicht. Wir &#252;bernehmen ihn im gemeinsamen Gedenken an die Heydays der alten Musikindustrie.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=16034&amp;md5=4cd2c04014dd0763fcfe30cf5230262e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Wasserfall des Wandels: All together now.</title>
		<link>http://carta.info/14693/a2n-wasserfall-des-wandels/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 11:04:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Popkomm]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles flie&#223;t, doch die Musikindustrie war bisher kein Freund der Ver&#228;nderung. Die Popkomm ging den Bach hinunter, daf&#252;r gibt es jetzt die all2gethernow als Barcamp.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bf336ea0dd15b88f8043ee5a1f1887" alt="" width="1" height="1" />Eigentlich will ich gar keine Revolution. Eigentlich will ich nur meine Ruhe, gute Musik, fr&#246;hliche Kinder und ein interessantes Buch. Naja, eine spannende Beziehung, ein bisschen Sonne und Wein sollten auch nicht fehlen. Dann ist aber auch alles gut, das reicht v&#246;llig. Ich bin n&#228;mlich kein Mensch der die st&#228;ndige Ver&#228;nderung sch&#228;tzt. Ich bekomme aber zunehmend den Eindruck sie sch&#228;tzt mich. In meiner Branche l&#228;uft sie mir hinterher und in der Gesellschaft, in der ich lebe auch.</p>
<p>„Panta rei“ – Alles flie&#223;t &#8211; sagte man fr&#252;her. Das klingt nett und meditativ. Alles ist ein Wasserfall – finde ich treffender anhand der Geschwindigkeit des Wandels den ich heute rings um mich sehe. Und mit dieser Geschwindigkeit kommt dann auch die Verantwortung zur Ver&#228;nderung. Denn wer sich in Umbruchsituationen bewahrend, also konservativ, orientiert handelt grob fahrl&#228;ssig! Deshalb hei&#223;t es f&#252;r mich immer wieder: „Hallo Ver&#228;nderung, hier bin ich, sch&#246;n dass Du auf mich gewartet hast.“</p>
<p><strong>Die Musikindustrie ist auch von Natur aus kein Freund der Ver&#228;nderung.</strong> Sie wollte ihr Gesch&#228;ftsmodell bewahren. Dank Internet musste der Musikfan seit Ende der Neunziger kein ganzes Album mehr mit 10 bis 12 Songs f&#252;r 14.99 Euro kaufen. Mit der Langspielplatte haben die Plattenfirmen und ihre K&#252;nstler aber seit je her ihr meistes Geld verdient. Die Revolution f&#252;r den Musik-Konsumenten bestand darin, dass er nun im Web punktgenau das bekommen konnte, was er auch wirklich haben wollte. Wenn ihm nur drei oder vier Songs vom Album gefallen, nimmt er halt nur diese. Ein „Sch&#246;nh&#246;ren“ der restlichen Werke – wie in unserer Jugend – ist somit nicht mehr notwendig. Schade f&#252;r Labels und Interpreten, aber zugleich unabwendbare Realit&#228;t.</p>
<p>Gibt man dem Konsumenten nicht auf legale Weise das, was er haben will und was zudem technisch m&#246;glich ist, dann besorgt er es sich eben anderswo. Ist dieses Anderswo in der Illegalit&#228;t, wird ihn das kaum moralisch belasten, zumindest solange wie es kein identisches, legales Angebot gibt.</p>
<p>Nun k&#246;nnte man meinen, ich h&#228;tte mich seit 2004 als kleiner Teil der Musikbranche endlich zur&#252;cklehnen und meine Kinder, Wein, Musik, Literatur, Sonne und Frau genie&#223;en k&#246;nnen. In diesem Jahr traute sich die Industrie endlich, progressiv nach vorne zu schauen und lizensierte Apple erstmal ein legales Angebot zum Download und Downburn. F&#252;r iTunes und andere machte man die Musik aber schlechter als sie ist, in dem man mit Kopierschutz ihre Nutzbarkeit von den Ger&#228;ten her stark einschr&#228;nkte. Obwohl auch das seit Mitte des Jahres zumeist Geschichte ist, ist man im Optimum noch immer nicht angekommen. Musik wird nach wie vor „chartoptimiert“ ver&#246;ffentlicht. Das hei&#223;t man staut den Bedarf auf, l&#228;sst erstmal das Radio und MTV die Songs spielen und ver&#246;ffentlicht dann, wenn der Druck aus dem Markt am gr&#246;&#223;ten ist. Dieser Druck f&#252;hrt dann zu schnellen Abverk&#228;ufen und diese bedingen hohe Chartpositionen. Leider entl&#228;dt sich meist der Druck vorher, aber eben illegal…</p>
<p>Die einen, die sich im Netz die Musik beschaffen wie und wann sie wollen, finden die Musikindustrie nur doof und gierig. Ihnen wird als legales, faires Angebot vorenthalten, was sie wollen und eine „Chartoptimierung“ der Musik die sie lieben klingt f&#252;r sie wie eine Drohung, nicht wie ein Versprechen. Die Musikindustrie wird hingegen nicht m&#252;de, gegen ihre vermeintlichen Kunden in den Medien und bei der Politik als zu verfolgende Rechtsverletzer zu agitieren und Einschr&#228;nkungen von B&#252;rgerrechten (in Form von Internetsperrungen und &#220;berwachung von Datenfl&#252;ssen) zur Rettung ihrer Chartmechanik zu fordern. Politik und K&#252;nstler wiederum l&#228;sst der Konflikt beiden Seiten in der Regel mit entschlossener Ratlosigkeit zur&#252;ck.</p>
<p>Ein Fanal wie die Absage der Popkomm in diesem Jahr ist die Chance zur Ver&#228;nderung. Ver&#228;nderung kann aber nur funktionieren, wenn auch alle Seiten miteinander und nicht &#252;bereinander sprechen. Die einen trafen sich in der Vergangenheit auf Veranstaltungen wie der <a href="http://re-publica.de/">re:publica</a>, die anderen <a href="http://carta.info/10936/requiem-fuer-die-popkomm-die-zukunft-finden-wir-nur-gemeinsam/">verschanzten sich</a> eben genau auf besagter Popkomm. Zu der Zeit, zu der diese heuer stattfinden sollte, n&#228;mlich am 16. und 17. September werden nun unter dem Titel „<a href="http://a-2-n.de/">all2gethernow</a>“  Spitzen aus Politik, Verwertungsgesellschaften, sowie Konsumenten, Labels, Internetunternehmer und Musiker in Berlin zusammen diskutieren, wie die Zukunft der Musikwirtschaft aussehen k&#246;nnte. Jeder kann f&#252;r schmales Geld (20 Euro) mitmachen, Kontakte kn&#252;pfen und seine Ideen und Meinungen auf Augenh&#246;he einbringen. Gem&#228;&#223; der Spontanit&#228;t der Szene, kann man bis zum letzten Moment auflaufen.</p>
<p>Die Ergebnisse dieses Barcamps werden dann am 18. September im Radialsystem in Form einer Konferenz pr&#228;sentiert. Eingeladen sind dort auch Personen und Firmen die im Musikgesch&#228;ft bereits etwas erfolgreich anders machen. Manager von Bertelsmann werden erl&#228;utern, wieso der Konzern angefangen hat, K&#252;nstlern Geld zu leihen, statt sie fest an eine Plattenfirma zu binden. Jim Griffin wird ein amerikanisches Model vorstellen welches schon heute Studenten erm&#246;glicht, ohne Musiker um ihren Verdienst zu bringen, alle Songs die sie m&#246;gen legal zu bekommen. Bands werden aufzeigen wie es ihnen gelang rein &#252;ber ihre Fans Plattenaufnahmen zu finanzieren; der Marketingchef von Pro7-SAT1 wird darstellen wie und warum sie zuk&#252;nftig mit <a href="http://www.sellaband.com/"><em>Sell-A-Band</em></a> zusammenarbeiten; der Futurologe Gerd Leonhard begr&#252;ndet wieso Musik wie Wasser ist, die Flatrate der Isle of man wird pr&#228;sentiert und viele L&#246;sungsans&#228;tze mehr…</p>
<p>Popmusik lebt eigentlich von der stetigen Erneuerung, aber die Diskussion &#252;ber ihre Wertsch&#246;pfung war bislang erstaunlicherweise immer r&#252;ckw&#228;rts gewandt. Beide Seiten, egal ob Musikindustrie oder Freigeister aus der Netz-Community, wollten die Schuldigen suchen und den Status quo – die CD hier, das scheinbar v&#246;llig kostenfreie Internet da – bewahren. In Berlin, der Stadt der Umbr&#252;che, ist diese konservative Lebenshaltung beider Parteien nicht drin. Wir erleben hier Tag f&#252;r Tag, das nichts f&#252;r Ewig und vieles eine ewige Improvisation ist. Bei der &#8220;all2gethernow&#8221; werden wir eine solch konservative Lebenshaltung schon mal gar nicht durchgehen lassen. Wenn alles gelingt k&#246;nnen die drei Tage ein Beispiel sein, wie man in der Ver&#228;nderung miteinander umgehen kann. Egal ob Finanzmarkt und Energiewirtschaft, es gibt noch viele gro&#223;e Systeme die sich ver&#228;ndern m&#252;ssen. Der Musikmarkt ist nur der offensichtliche Anfang.
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