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	<title>CARTA &#187; Missbrauch</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Internetzensur: Missbrauch des Missbrauchs</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 16:40:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ursula von der Leyen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ursula von der Leyen macht mit der populistischen Debatte um Kinderpornographie nicht nur Wahlkampf mit einem au&#223;erordentlich sensiblen Thema. Sie bereitet unter diesem Vorwand eine Zensur-Infrastruktur f&#252;r das Internet vor. Die Folge sind erhebliche „Kollateralsch&#228;den" f&#252;r Demokratie und Grundrechte in diesem Land.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Keine Frage: Ein <strong>konsequentes Vorgehen gegen Kinderpornographie</strong> ist l&#228;ngst &#252;berf&#228;llig. Jedoch ist die Blockade von Webseiten ein denkbar unzweckm&#228;&#223;iger und vor allem unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger Ansatz. Nicht nur l&#228;sst der Vorsto&#223; der Ministerin eine politische Gesamtstrategie vermissen. Statt auf die verbotenen Inhalte direkt zuzugreifen, ist lediglich vorgesehen, die Zugangsstra&#223;e zu sperren. P&#228;dophile werden auf diese Weise aber nicht von ihren Taten abgehalten und Kinder vor Missbrauch nicht gesch&#252;tzt.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus bewegt sich die Bundesregierung mit der Einf&#252;hrung einer <strong>Zensur-Infrastruktur im Internet</strong> <strong>au&#223;erhalb verfassungsrechtlicher Grenzen</strong>. Ausgerechnet das Bundeskriminalamt (BKA) operiert fortan – ohne jegliche Kontrolle – als oberster Web-Zensor. Damit aber drohen die derzeitigen Pl&#228;ne der Zensur beliebiger Online-Inhalte T&#252;r und Tor zu &#246;ffnen.</p>
<p><strong>Grundrechte beiseite gewischt</strong></p>
<p>Die Internetblockaden schr&#228;nken die in Art. 5 GG gesicherte Informations- und Rezipientenfreiheit massiv ein und ber&#252;hren zudem das Fernmeldegeheimnis (Art. 10 GG). Eine Sperrung von Webseiten ist rechtlich allein als <strong>Ultima Ratio</strong> vorgesehen und daher nur in wenigen begr&#252;ndeten Ausnahmef&#228;llen gestattet. Die Bundesregierung aber plant in Zusammenarbeit mit dem BKA, mehrere tausend Webadressen zu zensieren. Diese grundrechtlichen Bedenken wischt das Bundesinnenministerium kurzerhand beiseite. So sei das Fernmeldegeheimnisses von den Zensurma&#223;nahmen nicht betroffen, da es beim Internetsurfen nur zu <strong>Kommunikationsprozessen</strong> komme, „die dem Bereich der Massenkommunikation, wie etwa der Abruf von &#246;ffentlich zug&#228;nglichen Webseiten“, zufallen. Diese aber fielen „nicht unter den Schutzbereich des Art. 10 GG“. Schlie&#223;lich sei das Aufrufen einer Website keine Individualkommunikation zwischen zwei oder mehr Personen; stattdessen komme es „lediglich zu einem Abruf von an die Allgemeinheit gerichteten Informationen.“</p>
<p>Eine gewagte Interpretation, die nicht nur ein weiteres Mal offenbart, <strong>wie leichtfertig die Bundesregierung bestehende Grundrechte ignoriert bzw. auszuhebeln versucht</strong>. Zudem wird deutlich, wie l&#252;ckenhaft noch immer das Wissen um die Neuen Medien bei den vermeintlich Sachverst&#228;ndigen ist. Denn das Internet ist weniger ein Raum der Massenkommunikation, als vielmehr eine Sph&#228;re, in der Nutzer – statt einfach nur Informationen abzurufen – auf unz&#228;hligen Webseiten interagieren und in selbstverwalteten Netzwerken kommunizieren.</p>
<p><strong>Wer &#252;berwacht die &#220;berwacher?</strong></p>
<p>Nicht zuletzt haben die geheimen Filtersysteme ein enormes Missbrauchspotential zur Folge – erst recht, wenn weder Privatpersonen noch Verbrauchersch&#252;tzer oder Journalisten die Rechtm&#228;&#223;igkeit einer Sperrung &#252;berpr&#252;fen d&#252;rfen. Selbst das Minimum an demokratischer Gewaltenteilung, eine <strong>Pr&#252;fung der Zensurma&#223;nahmen</strong> durch die Judikative, ist <strong>nicht vorgesehen</strong>. Das BKA, das bereits auf dem besten Weg ist, zum deutschen FBI zu werden, w&#228;re damit befugt, die Zensur jederzeit auf beliebige weitere Webseiten auszuweiten. Wenn aber die Beh&#246;rde vollkommen freie Hand bei der Erstellung und Verwaltung der Zensurlisten erh&#228;lt, wer &#252;berwacht dann die W&#228;chter?</p>
<p>Was den Kritikern zu bleiben scheint, ist die <strong>Bekanntmachung der geheim gehaltenen Sperrlisten</strong>. Dies ist durchaus eine ambivalente Angelegenheit. Auf der einen Seite werden damit Links zu verbotenen Inhalten bekannt, und Kinderschutzgruppen mahnen zu Recht, dass P&#228;dophile auf diese Weise Zugang zu Suchkatalogen erhielten. Auf der anderen Seite kann das <strong>demokratiefeindliche Zensurverhalten der Regierungen</strong> erst dann &#246;ffentlich diskutiert und kritisiert werden, wenn die unter Verschluss gehaltenen Listen bekannt sind.</p>
<p>Statt die berechtigten Zweifel der B&#252;rgerrechtler ernst zu nehmen, geht die Bundesrepublik repressiv dagegen vor, wenn diese die <strong>fragw&#252;rdigen Ziele der Blockaden</strong> aufdecken. Mitte M&#228;rz ver&#246;ffentlichte <a href="http://Wikileaks.org">Wikileaks.org</a> nicht&#246;ffentliche Zensurlisten der Australian Communications and Media Authority. Daraufhin kam es auch zu einer Hausdurchsuchung bei dem Inhaber der deutschen Domain. Dieser wurde verd&#228;chtigt, kinderpornographische Schriften verbreitet zu haben. Ein weiterer Blogger geriet gar in das Visier der Ermittler, als er einen Link zu einem Blog setzte, das wiederum die Liste bei Wikileaks verlinkte.</p>
<p>Bislang prescht die Bundesfamilienministerin in einer <strong>populistischen Debatte</strong> offensichtlich nur deshalb voran, um mit Hilfe eines au&#223;erordentlich sensiblen Themas Wahlkampf zu machen – und eine Zensur-Infrastruktur einzurichten. Diese wird zu erheblichen „Kollateralsch&#228;den“ f&#252;hren, nicht zuletzt f&#252;r die Demokratie und die Grundrechte in diesem Land. Damit aber droht das Schicksal der missbrauchten Kinder selbst missbraucht zu werden. Zum Schutz der Opfer ist von der Leyens Rezept dagegen g&#228;nzlich ungeeignet.</p>
<p><img src="file:///Users/rml/Library/Caches/TemporaryItems/moz-screenshot.jpg" alt="" /><a href="http://www.blaetter.de/aktion.php?abo"><img style="float: left; margin-right: 10px; border: medium 1px 1px none solid solid -moz-use-text-color #cccccc #cccccc;" src="http://www.blaetter.de/images/shop/abowand.jpg" alt="Bestellen Sie ein Bl&#228;tter-Abo" width="57" height="56" /></a><em>Daniel Leisegang ist Redakteur der <a href="http://www.blaetter.de/">&#8220;Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik</a>&#8220;. Dieser Text ist eine erheblich gek&#252;rzte Fassung seines Kommentars, der in der kommenden Woche in der Zeitschrift erscheinen wird. Ein Probeabonnement k&#246;nnen Sie <a href="http://www.blaetter.de/miniabo.php">hier</a> bestellen.<br />
</em></p>
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