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	<title>CARTA &#187; Medienwandel</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Fri, 25 May 2012 10:09:46 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Sina Weibo: Chinas re-inkarnierte digitale &#214;ffentlichkeit</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 11:21:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit Sina Weibo – dem chinesischen Pendant zu Twitter – ist eine &#214;ffentlichkeit entstanden, die zwischen den Kontrollvorgaben der Beh&#246;rden und den Vorlieben der Nutzer changiert. Der Ausgang ist offen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ende Februar 2012 konnten chinesische Internetnutzer pl&#246;tzlich f&#252;r kurze Zeit die eigentlich gesperrte Biographie-Seite des ehemaligen Generalsekret&#228;rs der KP Chinas, Zhao Ziyang, in einem Wiki des Suchmaschinenanbieters Baidu aufrufen. Zhao gilt als Unterst&#252;tzer der Studentenbewegung auf dem Platz des himmlischen Friedens, er verlor nach der blutigen Niederschlagung des Aufstands am 4. Juni 1989 alle seine &#196;mter, wurde festgesetzt und starb 2005 im Pekinger Hausarrest.</p>
<p>Obwohl die Seite nur f&#252;r etwa einen Tag entsperrt war, wurde sie angeblich von &#252;ber zwei Millionen Menschen aufgerufen. Lang Yaoguan, leitender Redakteur einer Hangzhouer Wirtschaftszeitschrift <a href="http://cmp.hku.hk/2012/03/01/19789/" target="_blank">schrieb dazu wenig sp&#228;ter</a> im Microbloggingdienst Sina Weibo:</p>
<blockquote><p>Dieser traurige alte Mann taucht eines Nachts pl&#246;tzlich am Rande unseres Gesichtsfelds auf. Mehrere Millionen Suchanfragen k&#246;nnen als mehrere Millionen W&#252;rdigungen verstanden werden – sp&#228;t, aber nun sind sie da. In einem solchen Moment f&#252;hle ich, wie cool es ist, Chinese zu sein. Chinesen vergessen nichts.</p></blockquote>
<p>Lang Yaoguan hat auf Sina Weibo knapp &#252;ber 70.000 Follower, die seine Beitr&#228;ge regelm&#228;&#223;ig lesen. Sein Eintrag, dem er ein Bild des verstorbenen Generalsekret&#228;rs angeh&#228;ngt hatte, wurde wenig sp&#228;ter von Sina zensiert und gel&#246;scht.</p>
<p><strong>Das Tool der neuen Mittelschicht</strong></p>
<p>Das chinesische Internet ist voller Anekdoten wie dieser. Geschichten, die einen staunen lassen &#252;ber die Gr&#246;&#223;e dieses sozialen Raumes, aber auch &#252;ber die Leidenschaft, mit der er genutzt und gelebt wird. <a href="http://weibo.com/" target="_blank">Sina Weibo</a>, der erfolgreichste chinesische Microblogging-Dienst, ist zugleich die wichtigste aktuelle Auspr&#228;gung dieses &#246;ffentlichen digitalen Diskursraumes und eine seiner gr&#246;&#223;ten Erfolgsgeschichten. Mit &#252;ber 300 Millionen Accounts hat der Dienst mittlerweile das international aufgestellte Vorbild Twitter &#252;berholt. Wann immer irgendjemand etwas in China mitzuteilen, zu kommentieren oder zu diskutieren hat, wird er dies auf Sina Weibo tun – via Smartphone, Tablet oder Computer.</p>
<p>Als etwa im Juli 2011 in Wenzhou in der Provinz Zhejiang zwei High-Speed-Eisenbahnz&#252;ge kollidierten, kamen nicht nur die ersten Berichte, Fotos und Videos von der Ungl&#252;cksstelle &#252;ber Weibo, auch die anschlie&#223;ende Diskussion &#252;ber Pfusch am Eisenbahnbau und die Verantwortlichkeit offizieller Stellen – bei der selbst offizielle Medien eine ungew&#246;hnlich kritische Haltung gegen&#252;ber dem Eisenbahnministerium einnahmen – wurde dort initiiert und vorangetrieben. F&#252;r die Beh&#246;rden ein schmerzhafter Beweis, dass die neue chinesische Mittelschicht hier ein <a href="http://digicha.com/index.php/2011/02/inside-sina-weibo/" target="_blank">m&#228;chtiges Kommunikationsmittel</a> an die Hand bekommen hat und es auch zu nutzen versteht.</p>
<p>Wie Twitter kennt auch Sina Weibo eine Beschr&#228;nkung auf 140 Zeichen pro Beitrag. Wer aber mehr zu sagen hat, kann l&#228;ngere Texte in ein Foto umwandeln und seinem Beitrag anh&#228;ngen. &#220;berhaupt ist es leichter als bei Twitter, Fotos oder Videos zu integrieren, und wenn man einen Beitrag weiterleitet, kann man ihn noch einmal in voller L&#228;nge kommentieren.</p>
<p><strong>Rapider Aufstieg</strong></p>
<p>Zur Begeisterung der Chinesen f&#252;r Sina Weibo hat zweierlei beigetragen: Zum einen ist der Dienst ungeheuer elegant und einfach zu nutzen. Zum anderen hatte der Betreiber Sina von Anfang an sehr geschickt daf&#252;r gesorgt, dass viele Prominente und Meinungsf&#252;hrer dabei waren. In den ersten Monaten nach der Gr&#252;ndung im Jahre 2009 mussten mehrere hundert Sina-Redakteure jede Woche mindestens einen Prominenten und zwei Journalisten f&#252;r das «Sina Certified» Programm (Klarnamen und garantierte Identit&#228;t) rekrutieren und diese zu regelm&#228;&#223;igem Schreiben anhalten.</p>
<p>Um die Erfolgsgeschichte von Sina Weibo einordnen zu k&#246;nnen, muss man sie vor ihrem weiteren Hintergrund sehen. Im November 2011 nutzten laut Statistiken des semi-offiziellen <a href="http://www.cnnic.net.cn/en/index/" target="_blank">China Internet Network Information Center (CNNIC)</a> 505 Millionen Menschen in China das Internet. Damit stellt China die weltweit gr&#246;&#223;te Internet-Nutzerschaft, wobei es mit einem Nutzungsanteil von gut 38 Prozent an der Gesamtbev&#246;lkerung immer noch weit hinter entwickelten Industrienationen wie Deutschland mit fast zwei Dritteln Nutzungsanteil zur&#252;ckliegt.</p>
<p>F&#252;r junge Chinesen ist das Internet schon seit Jahren die wichtigste Nachrichtenquelle – neben Sina sind das vor allem Sohu, Netease und QQ und deren mobile Dienste. Gleichzeitig steht in China die soziale Nutzung des Netzes im Vordergrund. Schon vor den westlichen Moden von Web 2.0 und Social Software nutzten Millionen Chinesen Diskussionforen im Web zum Austausch &#252;ber Karriere, Politik, Literatur und Alltagsfragen, der erfolgreiche Instant Messaging-Dienst QQ verzeichnete schnell mehr registrierte Accounts als offiziell gez&#228;hlte chinesische Internetnutzer.</p>
<p>So sind auch die gro&#223;en Webportale nicht nur Nachrichtendrehscheiben f&#252;r News von anderen Anbietern in Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Finanzen, Milit&#228;r, Sport oder Entertainment. Sie treten auch als Hoster von Foren und Weblogs zu einer mindestens ebenso breiten Themenpalette auf. Die besten Blogs werden vom Betreiber redaktionell hervorgehoben, es gibt Wettbewerbe, Treffen und aufw&#228;ndig gestaltete gro&#223;e Themenportale, deren Inhalte allein aus der Community kommen. Insbesondere Sina hat hier traditionell ein goldenes H&#228;ndchen bewiesen. Sinas Blogabteilung bem&#252;hte sich fr&#252;hzeitig und hartn&#228;ckig um die Rekrutierung von Prominenten und Multiplikatoren – eine Strategie, die sp&#228;ter bei Weibo mit gro&#223;em Erfolg fortgesetzt wurde.</p>
<p><strong>Blogs und Foren werden abgel&#246;st</strong></p>
<p>Bis zum Start der Microblogging-Dienste in den Jahren 2009 und 2010 waren Webforen und Blogs die wichtigste Plattform f&#252;r den &#246;ffentlichen Diskurs im chinesischen Internet, und oftmals der Ort hitziger Debatten. So gibt es Foren wie <a href="http://bbs1.people.com.cn/" target="_blank">Qiangguo</a>, auf denen die sogenannten «Linken», das hei&#223;t chinesische Nationalisten und Anh&#228;nger eines eher traditionell gepr&#228;gten kommunistischen Weges, vorherrschen, und andere wie <a href="http://www.tianya.cn/bbs/" target="_blank">Tianya</a>, auf denen die «Rechten» dominieren, die sich f&#252;r Liberalismus und B&#252;rgerrechte sowie f&#252;r eine Orientierung an westlichen Werten einsetzen. Und viele Orte, wo diese beiden Fraktionen aufeinanderprallen.</p>
<p>Keine Journalistin, die etwas auf sich h&#228;lt, betreibt nicht mindestens ein Weblog, in dem sie einfach mal niederschreibt, was sie offiziell nicht unterbringen kann. Oft sind es mehrere Blogs, man streut oder kopiert seine Beitr&#228;ge – um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen oder um die allgegenw&#228;rtigen Zensoren zu umgehen. Denn egal ob Weibo, Blog oder Forum: das Gesch&#228;ft der chinesischen Online-Autoren und -Betreiber findet unter dem strengen Blick von Partei und Beh&#246;rden statt. Der chinesische Medienmarkt ist umfassend reguliert, wer beispielsweise eine Zeitung gr&#252;nden will, ben&#246;tigt daf&#252;r eine Lizenz aus einem zahlenm&#228;&#223;ig begrenzten Pool. Eine solche Lizenz wiederum bekommt nur, wer &#252;ber die R&#252;ckendeckung eines bestehenden offiziellen Mediums verf&#252;gt.</p>
<p><strong>Ausdifferenzierte Kontrolle</strong></p>
<p>F&#252;r die Online-Branche hei&#223;t dies unter anderem, dass Anbieter in weiten Teilen des journalistischen Themenspektrums keine eigene Berichterstattung anbieten d&#252;rfen, nur in harmlosen Feldern wie Finanzen, Entertainment oder Sport werden hier Ausnahmen gemacht. Alle weiteren Inhalte mussten und m&#252;ssen von bestehenden Anbietern traditioneller Medien &#252;bernommen – oder eben aus der Community generiert werden.</p>
<p>Erstaunlicherweise akzeptieren die Beh&#246;rden diesen Deal. &#220;ber die Jahre hat sich ein weitverzweigtes und komplexes, aber hocheffizientes &#220;berwachungs- und Kontrollsystem entwickelt, durch das die Online-Community beobachtet und gesteuert wird. Im Westen bekannt ist vor allem die Gro&#223;e Firewall, ein ausgekl&#252;geltes System von Filtern, mit dem Webseiten und Dienste aus dem Ausland gesperrt werden k&#246;nnen. Facebook und Twitter geh&#246;ren zu den prominenteren Opfern, aber das System richtet sich auch und vor allem gegen chinesischsprachige Angebote von Oppositionsgruppen aus dem Ausland. Ausl&#228;ndische Beobachter sind oft &#252;berrascht, wie viele kritische Inhalte in China problemlos erreichbar sind – wenn sie diese auf englisch oder in einer anderen westlichen Sprache aufrufen.</p>
<p><strong>Betreiberhaftung und Briefings</strong></p>
<p>Aber nicht nur an den virtuellen Grenzen, auch im Inland wird zensiert, auf nationaler, provinzieller oder kommunaler Ebene. Eine Vielzahl von Zensurbeh&#246;rden mit tausenden von Mitarbeitern beobachtet die Online-Medien und versorgt sie regelm&#228;&#223;ig mit Direktiven zur t&#228;glichen Berichterstattung. Der Informationsdienst <a href="http://chinadigitaltimes.net/" target="_blank">China Digital Times</a> ver&#246;ffentlicht regelm&#228;&#223;ig solche aus den Redaktionsstuben herausgeschmuggelte Bulletins. Hier eine Kostprobe der Zentralen Propagandaabteilung vom 6. M&#228;rz 2012:</p>
<blockquote><p>Bitte die folgenden Themen nicht hypen: der Chen Guangcheng-Vorfall, negative Schlagzeilen &#252;ber die D&#252;rre in Yunnan, &#246;ffentliche Ausgaben f&#252;r Maotai-Schnaps, Gesetzgebung zum Rauchverbot, Unruhen im Zusammenhang mit dem Lei-Feng-Microblog, Mediengesetzgebung oder verschwundene Personen aus Hoh Xil. Untersagen Sie Beschreibungen der Zwei Sitzungen [Volkskongress und Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, LLM] als Entertainment oder Verspottungen derselben. Machen Sie guten Gebrauch von der Arbeit der Xinhua-Nachrichtenagentur um ihren Artikel &#252;ber Amerikas Menschenrechtsbilanz weiterzuverbreiten.</p></blockquote>
<p>Das Kernprinzip, das sich die Beh&#246;rden zunutze machen, hei&#223;t Betreiberhaftung. Die Anbieter von Online-Diensten werden f&#252;r Regelverst&#246;&#223;e, die auf ihren Seiten geschehen, zur Verantwortung gezogen, das Sanktionsspektrum reicht von Einbestellungen der Chefredakteure oder Herausgeber bis hin zu empfindlichen Geldbu&#223;en oder Lizenzentzug.</p>
<p>Die so entstehende Schere im Kopf kann sich – je nach lokaler Auspr&#228;gung und je nach Ausma&#223; des vorauseilenden Gehorsams – sehr unterschiedlich auswirken. Eine <a href="http://rconversation.blogs.com/rconversation/2008/11/studying-chines.html" target="_blank">Studie bei verschiedenen Bloghostern</a>, die die US-amerikanische Medienwissenschaftlerin Rebecca MacKinnon im Jahr 2009 ver&#246;ffentlichte, zeigt eine immense Bandbreite von Zensur-Stilen. So gab es Hoster, die nur ein bis zwei Prozent der untergeschobenen Blogbeitr&#228;ge zu «heiklen» Themen l&#246;schten, w&#228;hrend ein anderer in vergleichbarer Situation bei mehr als der H&#228;lfte der Beitr&#228;ge den Schwarzstift anlegte.</p>
<p><strong>&#220;berwachung bei sina Weibo</strong></p>
<p>Was f&#252;r Blogs gilt, gilt mutatis mutandis auch f&#252;r Microblogs wie bei Sina Weibo. In einem erstaunlich offenen Artikel der Hongkonger Zeitschrift Phoenix Weekly berichtet unter anderem Weibo-Chefredakteur Chen Tong &#252;ber die Bem&#252;hungen der Sina-Redaktion, den beh&#246;rdlichen Vorgaben zu entsprechen, ohne die Nutzer zu verprellen. Man setze eine Mischung aus k&#252;nstlicher Intelligenz und menschlicher Arbeitskraft ein, um problematische Inhalte schnell zu identifizieren. Neben automatisierten Filtern gibt es eine 24-st&#252;ndig besetzte Task Force, die das Geschehen beobachtet und auf Nutzerhinweise reagiert. Offiziell ist hier von 100 K&#246;pfen die Rede, die bei gr&#246;&#223;eren Ereignissen auf bis zu 600 verst&#228;rkt werden k&#246;nnen. Inoffiziell wird ein sehr viel gr&#246;&#223;erer Headcount vermutet.</p>
<p>Zum besseren Community-Management werden die Nutzer bei Sina intern in verschiedene Kategorien eingeteilt: Die schon erw&#228;hnten Kategorien «links und «rechts» spielen dabei eine Rolle, aber auch Kategorisierungen wie «Anf&#228;nger», «normaler Nutzer», «heikler Nutzer», «gr&#252;ner Nutzer», «gef&#228;hrlicher Nutzer», «eingefrorener Nutzer» oder «gekillter Nutzer». Wer es bis zur vorletzten oder gar letzten Kategorie gebracht hat, dem bleibt nichts anderes &#252;brig, als sich unter neuem Namen anzumelden. Auf diese Weise entsteht eine Subkultur, f&#252;r die es sogar einen eigenen Namen gibt: die «Re-Inkarnationspartei». Der Artikel in Phoenix Weekly berichtet von einem Gr&#252;ndungsmitglied dieser Partei, einem Hochschuldozenten namens Xiao Han, der sich angeblich ungef&#228;hr 100 mal re-inkarniert hat, bevor er das Spiel endg&#252;ltig aufgab und alle seine Spuren auf Sina Weibo l&#246;schte. Es soll ihn acht Stunden und 18.000 Mausklicks gekostet haben.</p>
<p><strong>Testbetrieb und Klarnamenpflicht</strong></p>
<p>Von offizieller Seite wird das subversive Potential von Weibo nat&#252;rlich kritisch be&#228;ugt, auch wenn sich Sina um eine positivere Einstellung der Beh&#246;rden bem&#252;ht und erfolgreich zur Teilnahme einl&#228;dt: Bis zum Ende des Jahres 2011 waren immerhin 20.000 Regierungsstellen mit eigenen Accounts bei Weibo vertreten. Sina-Chef Charles Chao steigt gelegentlich auch selbst in den Ring, um Regierungsvertreter im Gebrauch von Sina Weibo zu schulen.</p>
<p>Dennoch ist das Schicksal von Sina Weibo offen, das Damokles-Schwert eines jederzeit zu beendenden Testbetriebs schwebt weiterhin &#252;ber den H&#228;uptern aller Betreiber von Microblogging-Diensten in China. Vor allem die kritische Sub-Kultur der «Re-Inkarnierer» ist den Zensur-Hardlinern ein Dorn im Auge. Vorerst ist es ihnen Mitte Dezember 2011 gelungen, eine Klarnamen-Pflicht f&#252;r alle Weibo-Teilnehmer zu beschlie&#223;en (wie sie f&#252;r die prominenten Teilnehmer schon lange besteht) – vorgeblich, um der «Verbreitung von Ger&#252;chten» via Weibo ein Ende zu bereiten. Es ist allerdings nicht nur unklar, ob eine solche Klarnamenpflicht wirklich Auswirkungen auf die Weibo-Kultur haben w&#252;rde, es ist auch fraglich, ob sie &#252;berhaupt durchzusetzen ist. Ein &#228;hnlicher Vorsto&#223; bei Mobiltelefonen war vor ein paar Monaten gescheitert. Die Deadline l&#228;uft Mitte M&#228;rz aus, Sina meldet wenige Tage vor Abschluss der Frist, dass bislang ungef&#228;hr 60 Prozent dem Aufruf, ihren Klarnamen anzugeben, Folge geleistet haben.</p>
<p>Wenn es nicht um die gro&#223;e, programmatische Linie geht, hat man sich sowieso l&#228;ngst verst&#228;ndigt. Ein nicht namentlich genannter Redakteur beschreibt in dem Phoenix-Artikel ein erstaunlich friedfertiges, implizites &#220;bereinkommen zwischen Nutzern und Redaktion, das man zugleich auch als operatives Prinzip in weiten Teilen des chinesischen Internets verstehen k&#246;nnte: «Wenn ihr meint, ihr m&#252;sst etwas l&#246;schen, dann l&#246;scht es. Aber wenn ihr es etwas sp&#228;ter l&#246;scht, ist das gut.</p>
<p>Dem westlichen Beobachter mag das chinesische Internet manchmal erscheinen wie eine der Trickgrafiken des holl&#228;ndischen K&#252;nstlers MC Escher. Je nachdem, wie er schaut, sieht er eine Treppe, die entweder unaufh&#246;rlich bergauf oder unaufh&#246;rlich bergab geht. Wer sich jedoch vorschneller und eindeutiger Interpretationen enth&#228;lt, erlebt ein vielschichtiges, im Ausgang v&#246;llig offenes gesellschaftliches Drama, gegen das unser eigener Umgang sowohl mit dem Netz als auch mit unseren b&#252;rgerlichen Freiheiten zaghaft und naiv erscheinen kann.</p>
<p><strong>Update (8. Mai 2012):</strong> Wie es aussieht, ist die Registrierungspflicht bei Sina Weibo auch zu Ablauf der vorgesehenen Frist <a href="http://www.techinasia.com/sina-admits-real-name-not-implemented-weibo/" target="_blank">nicht wirklich implementiert worden</a>. In einem &#246;ffentlichen Statement an seine Investoren vom April 2012 hat Sina zugegeben, dass es nicht gelungen sei, die am 16. Dezember des Vorjahres erlassenen Vorschriften vollst&#228;ndig umzusetzen. Man setze sich damit der Gefahr empfindlicher Strafen aus, hei&#223;t es in der Mitteilung. Eine vollst&#228;ndige &#220;berpr&#252;fung aller Nutzeridentit&#228;ten werde aber sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn man die Qualit&#228;t des Dienstes nicht beeintr&#228;chtigen wolle. Allzu ernst kann es Sina mit dieser Absicht nicht sein. Ein ad-hoc Versuch heute ergab, dass es weiterhin m&#246;glich ist, sich anonym f&#252;r einen Weibo-Account anzumelden. Man muss dazu nur eine Mobiltelefonnummer angeben &#8211; und auch SIM-Karten gibt es in China weiterhin anonym&#8230; (F&#252;r weitere Hintergr&#252;nde empfehle ich ein <a href="http://artmantalks.wordpress.com/2012/05/02/weibo-rumors-and-real-name-registraion-with-jeremy-goldkorn/" target="_blank">Podcast-Interview</a> vom 1. Mai 2012 mit dem S&#252;dafrikaner Jeremy Goldkorn, der in Beijing das Medienblog Danwei.com betreibt.)</p>
<p><em>* <strong>Sina</strong></em> <em><strong>(chinesisch: Xinlang)</strong> ist ein 1997 gegr&#252;ndetes chinesisches Medienunternehmen mit einem Jahresumsatz von 483 Mio. US-Dollar (2011). Es unterh&#228;lt eines der vier gro&#223;en Webportale im chinesischsprachigen Internet (neben QQ/Tencent, Sohu und Netease). Das an der US-Technologieb&#246;rse NASDAQ notierte Unternehmen betreibt &#252;ber das Gesch&#228;ft mit News</em><em> und Inhalten hinaus auch eine Mobilsparte, Community-Dienste, Such- und Unternehmensdienstleistungen sowie E-Commerce.</em></p>
<p><em>Der Text ist Mitte M&#228;rz 2012 entstanden und erschien zuerst im <a href="http://www.boell.de/downloads/Endf_Oeffentlichkeit_im_Wandel_kommentierbar.pdf">Reader &#8220;&#214;ffentlichkeit im Wandel&#8221;</a> der Heinrich B&#246;ll Stiftung (CC BY-SA).</em>
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<a href="http://carta.info/43487/sina-weibo-chinas-re-inkarnierte-digitale-offentlichkeit/">Sina Weibo: Chinas re-inkarnierte digitale &#214;ffentlichkeit</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/43487/sina-weibo-chinas-re-inkarnierte-digitale-offentlichkeit/#comments">No comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43487&amp;md5=c7a85b1e2ce7b2749b5333decca048a3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schluss mit rosa?</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Apr 2012 16:03:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[FTD]]></category>
		<category><![CDATA[Handelsblatt]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftsmedien]]></category>
		<category><![CDATA[WSJ]]></category>

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		<description><![CDATA[Die deutschen Wirtschaftszeitungen haben es nicht leicht. Weil sie in der Regel f&#252;r F&#252;hrungskr&#228;fte und andere K&#246;fferchentr&#228;ger gemacht werden, fehlt es ihnen an normalen Lesern. Das Handelsblatt hat jetzt &#252;ber einen m&#246;glichen Schrumpfkurs beim Konkurrenten FTD spekuliert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Kioskverkaufszahlen der „gro&#223;en“ deutschen Wirtschaftsbl&#228;tter sind so winzig, dass man Angst haben muss, aus Versehen drauf zu treten. Und die Zahl der „Sonstigen Verk&#228;ufe“ (Bordexemplare, Lesezirkel etc.) liegt nicht selten &#252;ber der Zahl der regul&#228;ren Abonnements. Die <em>Financial Times Deutschland</em> z.B. (<em><a href="http://www.ftd.de/">FTD</a></em>) z&#228;hlte zuletzt rund 45.000 Abonnenten und 3.700 Kioskk&#228;ufer. Auf Dauer gen&#252;gt das nicht. Und das ist schade, denn die <em>FTD</em> ist die einzige deutsche Wirtschaftszeitung, die in ihrer Berichterstattung und Kommentierung nicht komplett auf eine neoliberale Sichtweise setzt. Vermutlich ist der zarte Keynesianismus der <em>FTD</em> aber trotzdem nicht der Grund f&#252;r das auffallende Lachsrosa des verwendeten Zeitungspapiers.</p>
<p>Nun denkt man bei <em>der FTD</em> offenbar dar&#252;ber nach, den Papierverbrauch in Zukunft zu reduzieren (was ja nahe liegt). Das k&#246;nnte bedeuten, dass die Zeitung k&#252;nftig nur noch einmal pro Woche erscheint, daf&#252;r aber rund um die Uhr von einer Online-Ausgabe flankiert wird (siehe Modell <em>Freitag</em>). Steffen Klusmann, der Sprecher des Chefredakteurskollegiums der <em>G+J</em>-Wirtschaftsmedien, hatte dazu <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Steffen-Klusmann-Ich-schliesse-nichts-mehr-aus_106732.html">in einem Interview</a> mit dem <a href="http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/Handelsblatt-vs-FTD-Wenn-der-Wunsch-zum-Vater-der-Headline-wird_106747.html">Portal</a> <em>Horizont</em> eine Bemerkung fallen lassen, die das neoliberale <em>Handelsblatt</em> &#8211; der direkte <a href="http://www.lead-digital.de/start/semseo/wie_das_handelsblatt_die_ftd_im_internet_abhaengt">Konkurrent</a> der <em>FTD</em> &#8211; als Galgenhumor <a href="http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/ftd-nachdenken-ueber-den-untergang/6455342.html">interpretierte</a>: „Am Wochenende eine gedruckte Zeitung, und an den Werktagen t&#228;gliche Tablet-Ausgaben &#8211; klingt fast nach einem Plan“.</p>
<p>Nat&#252;rlich wei&#223; (fast) jeder in der Branche, dass es in diese Richtung laufen wird. Das <em><a href="http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/WIRTSCHAFT-BOERSE/Wall-Street-Journal-greift-Handelsblatt-und-FTD-an-artikel7872271.php">Wall Street Journal</a></em> macht es gerade vor. Doch der Verlag <em>Gruner &amp; Jahr</em> sah sich sofort bem&#252;&#223;igt, den Bericht des <em>Handelsblatts</em> zu dementieren. An den Ger&#252;chten &#252;ber eine &#8216;Flucht ins Internet&#8217; sei absolut nichts dran.</p>
<p>Abwarten und Tee trinken.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Die letzte gedruckte Tageszeitung</title>
		<link>http://carta.info/41992/die-letzte-gedruckte-tageszeitung/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Mar 2012 16:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marcel Weiß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
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		<category><![CDATA[Printmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Tageszeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[In 22 Jahren sind die deutschen Tageszeitungen Mediengeschichte, errechnete Klaus Meier. Diese Prognose k&#246;nnte sich als zu optimistisch erweisen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Prof. Dr. Klaus Meier hat sich die Entwicklung der <a href="http://journalistiklehrbuch.wordpress.com/2012/03/06/statistisch-berechnet-im-jahr-2034-erscheint-die-letzte-gedruckte-tageszeitung/">Auflagenzahlen  deutscher Tageszeitungen in den letzten 20 Jahren angeschaut, und kommt  zu dem m&#246;glichen Ergebnis, dass 2034 Schluss mit Print ist</a>:</p>
<blockquote><p>Im Jahr 1992 waren es noch 26 Millionen verkaufte  Tageszeitungen, 2002 23,2 Millionen (minus 11%) und 2011 nur noch 18,8  Millionen (minus 19%). Die Statistik sagt uns voraus: 2022 werden noch  ca. 11 Millionen Exemplare verkauft – und 2034 ist dann Schluss.</p></blockquote>
<p><img title="auflage-tageszeitung.jpeg" src="http://www.neunetz.com/wp-content/uploads/auflage-tageszeitung.jpeg" border="0" alt="Auflage tageszeitung" width="495" height="306" /></p>
<p>Falls diese einfache Interpolation, die nat&#252;rlich viele Annahmen &#252;ber  einen langen Zeitraum macht, bereits alarmierend erscheint, dann  Vorsicht. Es wird noch schlimmer: <strong>Der Verlauf wird nicht verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig gleichbleibend sinken. </strong>Die  Gr&#252;nde daf&#252;r liegen in der Besonderheit zweiseitiger M&#228;rkte, dem nicht  linear verlaufenden Grenznutzen der Werbekunden, der Preissensitiv&#228;t der  Leser und einer auf Absatzr&#252;ckgang allergisch reagierenden  Kostenstruktur.</p>
<p><strong>Zweiseitige M&#228;rkte und der Grenznutzen der Werbekunden</strong></p>
<p>Journalistische Produkte, die zum (Gro&#223;-)Teil auf Werbefinanzierung setzen, also alle Tageszeitungen, sind <a href="http://www.neunetz.com/2010/04/02/zweiseitige-maerkte-die-grundlagen/">zweiseitige M&#228;rkte</a>.  Wenn es jetzt einen R&#252;ckgang auf der einen Seite (Leser) gibt, dann  sinkt der Nutzen f&#252;r die andere Seite (Werbekunden) ebenfalls.</p>
<p>Das Problem bei dieser Entwicklung: <strong>Der Verlauf des Grenznutzens (also der zus&#228;tzliche Nutzen pro User auf der anderen Seite) ist nicht zwingend linear. </strong>Der  Nutzen von Tageszeitungen f&#252;r Werbekunden etwa steigt schneller pro  Nutzer an, wenn 100.000 statt 10.000 erreichbar sind als wenn die  Leserschaft von 1 Mio. auf 1.1 Mio. steigt. Umgekehrt hei&#223;t das  allerdings auch, dass der Nutzen f&#252;r die Werbekunden immer st&#228;rker pro  verlorenen Leser f&#228;llt, je weiter die Reichweite zur&#252;ckgeht. Ab einem  bestimmten Punkt schmerzt auch ein Reichweitenr&#252;ckgang von 1-2% pro  Jahr, weil die Reichweite ein Level erreicht, auf dem zwei weitere  Prozent weniger dazu f&#252;hren, dass der Werbekunde XY das Angebot als  nicht mehr attraktiv empfindet.</p>
<p>Nehmen wir als Beispiel das Wochenmagazin Spiegel, das unter die  gleichen Dynamiken zweiseitiger M&#228;rkte f&#228;llt wie Tageszeitungen: Wenn  der Spiegel 50.000 Euro pro Seite <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tausend-Kontakt-Preis#Beispiel">verlangt</a> und damit bei einer Auflage von 1,3 Mio. einen Tausenderkontaktpreis  (TKP) von 8,38€ erreicht, dann bezieht sich dieser TKP nicht nur auf die  1.000 sondern auf die gesamte Auflage. Der Werbekunde will die gesamte  Reichweite.</p>
<p>Was, wenn der Spiegel nur noch 130.000 Leser, also nur noch ein  Zehntel, erreicht? Werden die gleichen Werbekunden zu den gleichen  Konditionen in dem Printmagazin weiter werben? Unwahrscheinlich.</p>
<p>F&#252;r den Werbekunden, der die 1,3 Millionen Menschen erreichen will,  reicht der Spiegel nicht mehr aus. Er muss zus&#228;tzlich andere Wege  beschreiten (<a href="http://www.neunetz.com/2010/04/08/wie-multihoming-zweiseitige-maerkte-beeinflusst/">Multihoming</a>).  Das steigert in der Regel den Aufwand auf der Seite der Werbekunden.  Der Werbekunde kann die Preise des Spiegels direkt mit denen seiner  Konkurrenten vergleichen und wird irgendwann komplett auf die  Werbeschaltung im vergleichsweise teuren Print verzichten. (Oder die  Preise erfolgreich dr&#252;cken. Das Problem der Tageszeitungen ist keine  Kostenloskultur sondern eine neue <a href="http://www.neunetz.com/2010/11/08/doepfner-und-handelsblatt-der-aufstieg-der-konkurrenz-kultur/">Konkurrenzkultur</a> im Web.)</p>
<p>Neue Werbeformen von Google und Facebook und das online sehr viel  gr&#246;&#223;ere Repertoire dr&#252;cken die Preise f&#252;r viele Werbeformen nach unten.  Print ist davor nicht immun. Besonders, da Multihoming f&#252;r Werbekunden  immer einfacher (und vor allem notwendiger) wird.</p>
<p><strong>Preissensitivit&#228;t der Leser</strong></p>
<p>Jetzt lassen sich aber die wegbrechenden Werbeeinnahmen &#252;ber h&#246;here  St&#252;ckpreise kompensieren, oder? Man verlangt einfach mehr vom Leser.</p>
<p>Das Problem bei diesem Vorgehen ist Folgendes: <strong>Leser sind in der Regel preissensitiver als Werbekunden</strong>,  was man unter anderem daran sehen kann, dass der Inhalt von  Tageszeitungen fast kostenlos abgegeben wird. Der Verkaufspreis, mit dem  die Einheiten an den Grossisten abgegeben werden, deckt in der Regel  kaum mehr als die Distributionskosten.</p>
<p><strong>Steigt der Verkaufspreis jetzt, sinkt die Auflage und mit ihr  der Gesamtumsatz, weil jeder eingenommene Euro durch h&#246;here Preise auf  Leserseite mehr als einen verlorenen Euro auf Werbekundenseite bedeuten  wird.</strong></p>
<p><strong>Eine auf Absatzverlust allergisch reagierende Kostenstruktur</strong></p>
<p>Hinzu kommt ein weiteres Problem. Die Kostenstruktur von  Tageszeitungen sieht so aus wie bei allen immateriellen G&#252;tern: Hohe  Erstellungskosten des eigentlichen Gutes (Texte, Nachrichten), extrem  niedrige Vervielf&#228;ltigungs- und Verbreitungskosten der  Informationstr&#228;ger (bedrucktes Papier).</p>
<p>Die relativ hohen Kosten der Erstellung werden logischerweise auf die  verkauften Einheiten verteilt. Diese Kostenstruktur ist super, wenn man  hohe Absatzzahlen zu verzeichnen hat. Denn jede weitere verkaufte  Einheit bedeutet praktisch fast nur Gewinn aufgrund sehr geringer  zus&#228;tzlicher Kosten.</p>
<p>Diese Kostenstruktur wird aber problematisch, wenn die Absatzzahlen  zur&#252;ckgehen, denn die relativ hohen Kosten der Erstellung der Texte, die  auf eine verkaufte Einheit umgelegt werden m&#252;ssen, werden eher fr&#252;her  denn sp&#228;ter zu einem negativen Deckungsbeitrag f&#252;hren.</p>
<p>Warum? Weil ein exorbitant hoher Fixkostenanteil verschwindend  geringen variablen Kosten gegen&#252;bersteht. Der Verlustbereich pro  verkaufter Einheit wird deshalb bei Tageszeitungen schneller erreicht  als bei Unternehmen, die nicht immaterielle G&#252;ter produzieren, weil die  aufzuwendenden Kosten f&#252;r Tageszeitungen weniger bei geringerer  Produktionsauslastung zur&#252;ckgehen.</p>
<p>Ein <strong>Beispiel</strong>: Ein Autohersteller produziert Autos,  die in der Produktion 9.000 Euro pro St&#252;ck kosten. Er hat Fixkosten  (Verwaltung, R&amp;D, Buchhaltung, Managergeh&#228;lter etc.) von, sagen wir,   1.000 Euro pro St&#252;ck bei einer aktuellen St&#252;ckmenge von 50.000  verkauften Autos. Die gesamten Kosten pro Auto belaufen sich also auf  10.000 Euro. Er muss also mindesten 10.000 Euro pro Auto verlangen, um  mindestens seine Kosten wieder hereinzubekommen.</p>
<p>Wenn jetzt der Absatz der Autos auf die H&#228;lfte einbricht, belaufen  sich die gesamten Kosten pro Auto auf 11.000 Euro. Denn die umgelegten  Fixkosten von 50 Millionen € (von irgendetwas muss ein Manager  schlie&#223;lich leben), belaufen sich bei 25.000 Einheiten dann auf 2.000 €  pro St&#252;ck (50 Mio. € / 25.000 = 2.000€). Die variablen Kosten bleiben  gleich und wir kommen auf 9.000 + 2.000 = 11.000€.</p>
<p>Nehmen wir jetzt an, der Autohersteller hat eine Kostenstruktur wie  Presseverlage: Hohe Fixkosten, im Vergleich dazu geringe variable  Kosten.</p>
<p>Die variablen Kosten betragen jetzt 1.000 Euro pro St&#252;ck, die  umgelegten fixen Kosten 9.000 Euro pro St&#252;ck. Eine weitere Einheit des  Autos ist leicht produziert, nur der Rest, der zum Auto f&#252;hrt, R&amp;D  etwa, ist teuer. Dort flie&#223;t das Geld des Unternehmens hinein. Die  Kosten pro Auto betragen 10.000€ bei einer St&#252;ckmenge von 50.000. Bei  50.000 St&#252;ck und Fixkosten pro Einheit von 9.000€ haben wir demnach  50.000 * 9.000€ = 450 Mio. € gesamte Fixkosten umgelegt. (Die Privatjets  und die Parties, irgendjemand muss die doch finanzieren!)</p>
<p>Jetzt wieder der Einbruch auf die H&#228;lfte beim Absatz: 25.000 Autos.  Die variablen Kosten bleiben gleich bei 1.000 € pro St&#252;ck.  Die  umgelegten Fixkosten dagegen sind enorm nach oben geschnellt:  450.000.000€ / 25.000 = 18.000€.</p>
<p>Unser armer Autohersteller muss bei einem Einbruch des Absatzes um  die H&#228;lfte also bereits 1.000 + 18.000 = 19.000 € Kosten pro verkauftem  St&#252;ck abdecken, um keinen Verlust einzufahren, wenn seine Kostenstruktur  der von Tageszeitungen &#228;hnlich w&#228;re.</p>
<p>Wenn die Kostenstrukur des Autoherstellers der von Tageszeitungen  &#228;hnelt, kann er sich kaum einen Absatzr&#252;ckgang erlauben. Im ersten Fall  stiegen die Kosten pro St&#252;ck von 10.000€ auf 11.000€ bei einem R&#252;ckgang  des Absatzes um die H&#228;lfte. Beim zweiten Fall stiegen sie von 10.000€  auf 19.000€. Im zweiten Fall, jener der Tageszeitungen &#228;hnelt, haben  sich die St&#252;ckkosten verdoppelt.</p>
<p>Lektion: <strong>Ein signifikanter R&#252;ckgang der Absatzzahlen in einem  Gesch&#228;ft wie dem der Tageszeitungen ist aufgrund der vergleichsweise  hohen Fixkosten also gef&#228;hrlicher als in anderen Branchen.</strong>Das ist der Hintergrund, warum bei der industriellen Produktion von  immateriellen G&#252;tern sehr stark auf Masse beim Absatz gesetzt wird. Oder  anders: Deswegen gibt es keine Tageszeitungen mit einer Auflage von  2.000 St&#252;ck.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Man stelle sich jetzt unseren Autohersteller als ein Unternehmen vor,  das die Mehrheit der Einnahmen &#252;ber Werbung finanziert, die ebenfalls  auf Masse setzt und verschwindet, wenn die Masse nicht mehr da ist. Wie  gut vertr&#228;gt der Autohersteller jetzt noch signifikante Absatzr&#252;ckg&#228;nge?</p>
<p><strong>Ein R&#252;ckgang der Absatzzahlen wird also weit vor dem  Erreichen der Null zu geringeren Einnahmen und gleichzeitig zu h&#246;heren  Kosten pro verkaufter Einheit f&#252;hren, die ab einer nicht sehr sp&#228;t  eintretenden Schwelle Verluste pro verkaufter Tageszeitung bedeuten.</strong></p>
<p>Deswegen werden viele Presseverlage ihre Druckereien vorher abschalten oder untergehen. Oder beides.</p>
<p>Die Abw&#228;rtsspirale ist programmiert. Die Frage ist nicht, ob sie in Deutschland einsetzen wird, sondern wann.</p>
<p><em><a href="http://www.neunetz.com/2012/03/08/die-letzte-gedruckte-tageszeitung/">Dieser Text</a> ist zuerst auf <a href="http://www.neunetz.com">neunetz.com</a> erschienen.</em>
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		<title>Medien m&#252;ssen dringend in Netztechnologien investieren</title>
		<link>http://carta.info/41643/medien-mussen-dringend-in-netztechnologien-investieren/</link>
		<comments>http://carta.info/41643/medien-mussen-dringend-in-netztechnologien-investieren/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 13:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion Carta</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Diskurs@Deutschlandfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Schwenk]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>

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		<description><![CDATA[Welche Aufgaben haben &#246;ffentlich-rechtliche Medien im digitalen Raum? Carta-Autor Matthias Schwenk pl&#228;diert in einem Beitrag auf Diskurs@Deutschlandfunk f&#252;r mehr Innovationen auf der technischen Ebene anstatt nur in klassischen Content-Kategorien zu denken.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Aufgaben haben &#246;ffentlich-rechtliche Medien im digitalen Raum? Carta-Autor Matthias Schwenk pl&#228;diert in einem Beitrag auf<strong><a href="http://diskurs.dradio.de/2012/02/24/medien-mussen-in-netztechnologien-investieren-oder-it-konzerne-werden-in-zukunft-die-gesellschaftlichen-debatten-organisieren/" target="_blank"> Diskurs@Deutschlandfunk</a></strong> f&#252;r mehr Innovationen auf der technischen Ebene anstatt nur in klassischen Content-Kategorien zu denken.
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		<title>Sch&#246;ner debattieren? Vocer und Diskurs@Deutschlandradio</title>
		<link>http://carta.info/41340/schoner-debattieren-vocer-und-diskursdeutschlandradio/</link>
		<comments>http://carta.info/41340/schoner-debattieren-vocer-und-diskursdeutschlandradio/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 07:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Verein für Medien- und Journalismuskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Vocer]]></category>

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		<description><![CDATA[Gleich zwei neue Debattenportale zum Medienwandel und der Digitalisierung unserer Gesellschaft sind in diesen Tagen online gegangen: Zun&#228;chst Vocer, getragen vom Verein f&#252;r Medien- und Journalismuskritik, und in dieser Woche nun Diskurs@Deutschlandfunk, ein Angebot von Deutschlandradio.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren noch w&#228;re das ein Grund zum Jubeln gewesen: Gleich zwei neue Online-Portale in Deutschland, die sich inhaltlich dem Medienwandel widmen wollen. Aber heute? Im Jahr 13 seit dem Cluetrain-Manifest stellt sich eher die Frage, woher die neuen Anlaufstellen auf Dauer ihr Publikum nehmen wollen, denn an Diskussionen &#252;ber alle nur denkbaren Facetten der Digitalisierung und der damit verbundenen Umbr&#252;che im Mediensektor herrscht eigentlich kein Mangel. Mit dieser Feststellung soll aber noch kein Urteil verbunden sein. Vielleicht schaffen es die neuen Portale ja, sich mit guten Beitr&#228;gen und interessanten Diskussionen Marktanteile am Meinungsmarkt zu erobern.</p>
<p>Dabei setzt <strong><a href="http://www.vocer.org/de/home.html" target="_blank">Vocer</a></strong>, das sich ausschlie&#223;lich &#252;ber Stiftungsgelder und Spenden finanzieren m&#246;chte, st&#228;rker auf das geschriebene Wort, w&#228;hrend <strong><a href="http://diskurs.dradio.de/" target="_blank">Diskurs</a></strong> seinen Start deutlich mit Videos akzentuiert. Ob das eine Frage des Geldes ist? Das von Deutschlandradio getragene Portal hat m&#246;glicherweise das gr&#246;&#223;ere Budget zur Verf&#252;gung, was aber nicht zwangsl&#228;ufig auch R&#252;ckschl&#252;sse auf die Qualit&#228;t der Beitr&#228;ge zul&#228;sst. Jetzt am Beginn beider Projekte l&#228;sst sich dazu ohnehin noch nicht viel sagen, au&#223;er vielleicht dass beide Angebote derzeit wenig Originelles, daf&#252;r umso mehr Déjà-vu-Erlebnisse bieten: Vieles konnte man in &#228;hnlicher Form in den letzten Jahren schon anderswo lesen bzw. sehen.</p>
<p>Problematisch und zugleich symptomatisch ist bei beiden Plattformen die starke Zentriertheit auf den Journalismus. Dieser wird hier wie dort in den Mittelpunkt gestellt, obschon die Digitalisierung in erster Linie eine Frage des Technikwandels ist. Nat&#252;rlich hat dieser technische Wandel starke Auswirkungen auf den Journalismus, etwa wenn gedruckte Zeitungen mehr und mehr von Online-Medien abgel&#246;st werden oder wenn das klassische Radioprogramm aufgrund der digitalen Medienkonvergenz ganz grunds&#228;tzlich sein Format &#252;berdenken muss.</p>
<p>Die entscheidende Triebkraft ist dabei aber gerade nicht der Journalismus, denn dieser kann sich nur den neuen digitalen Formen und Formaten anpassen, diese aber nicht selbst schaffen. Wer die eigentlichen Akteure des Wandels sind, wurde bei der Er&#246;ffnungsveranstaltung von Diskurs, der „ersten Berliner Debatte Digital“, sehr deutlich, als die Diskussion unversehens auf Apple und Facebook sowie deren Gesch&#228;ftsmodelle und technischen Plattformen zu sprechen kam. Diese n&#228;mlich schaffen zwar einen Raum an medialen M&#246;glichkeiten, legen zugleich aber mit ihren Technik-Konventionen sowie mit ihren teilweise restriktiven Gesch&#228;ftsbedingungen Einschr&#228;nkungen auf, mit denen sich Medienanbieter arrangieren m&#252;ssen.</p>
<p>Dabei soll nicht bestritten werden, dass der Journalismus im digitalen Zeitalter nach neuen Formen der Inhaltevermittlung oder des Storytelling suchen muss. Sich dieser Aufgabe zu widmen, ist sowohl f&#252;r Vocer als auch f&#252;r Diskurs eine reiz- und ehrenvolle Aufgabe. Nur darf man dabei nicht den Fehler machen, sich unversehens selbst im Mittelpunkt des Wandels zu w&#228;hnen. Das Augenmerk muss eigentlich viel st&#228;rker auf den technischen Grundlagen liegen, weil diese noch immer stark im Fluss sind und nicht erkennen lassen, dass ihre Ver&#228;nderungsdynamik sich abschw&#228;chen w&#252;rde.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann man diesbez&#252;glich auch anderer Auffassung sein. In vielen Zeitungsverlagen etwa mag sich die Vorstellung durchgesetzt haben, man m&#252;sse nur die Inhalte, die man traditionell in gedruckter Form unter die Leute brachte, auf einer Website geb&#252;ndelt ins Netz stellen. Als weiteres „Zugest&#228;ndnis“ an den Medienwandel wird der klassische Redaktionsschluss, der f&#252;r den Druck unerl&#228;sslich war, zugunsten eines Systems der permanenten Aktualisierung von Inhalten aufgegeben. War es das?</p>
<p>Wohl kaum. Denn heute ist offenkundig, dass eine Zeitung als hermetisch geschlossene Welt f&#252;r sich im Netz nicht bestehen kann. Zum einen wandern die digitalen Leser viel st&#228;rker zwischen einzelnen Medien, zum anderen wollen sie mehr Partizipation. Auf die wachsende Vernetzung der Leser untereinander und die zunehmende Aggregation von Nachrichten aber haben klassische Medienh&#228;user immer noch keine ad&#228;quate Antwort gefunden. Sehen sich die neuen Debattenportale hier in der Pflicht?</p>
<p>Ihr Auftritt im Web l&#228;sst nichts Gutes ahnen. Sowohl Vocer als auch Diskurs bieten  keine neuen Ans&#228;tze auf der technischen Ebene. Wer etwa auf Experimente in Sachen Content-Aggregation, Data-Mining oder der Netzwerk-Analyse gehofft hat, muss sich entt&#228;uscht sehen. Beide Portale sind Stand heute nicht mehr als gew&#246;hnliche Content Management Systeme, die nach alter V&#228;ter Sitte mit medialen Inhalten bef&#252;llt werden. F&#252;r den Diskurs allein mag das gen&#252;gen. Wer aber neue technische Features testen, aufzeigen und vielleicht im Wege des &#246;ffentlichen Experiments mit seinen Lesern gemeinsam ausprobieren m&#246;chte, was einem „Think Tank“ und „Medialab“ wie Vocer gut zu Gesicht st&#252;nde, muss eigentlich mehr bieten k&#246;nnen.</p>
<p>Am Ende bleibt das Gef&#252;hl, dass der Journalismus in Teilen glaubt, sich mit dem Status Quo an technischen M&#246;glichkeiten im Web h&#228;uslich einrichten zu k&#246;nnen und auf dieser Basis nun nur noch nach ein paar neuen Erz&#228;hlformen suchen muss. Das aber w&#228;re ein Trugschluss. Dave Winer spricht in diesem Zusammenhang s&#252;ffisant von einer „<a href="http://scripting.com/stories/2012/02/04/nytGrowingTheWrongWay.html" target="_blank">Maginot-Linie</a>“ mit der Medienh&#228;user sich gut gesch&#252;tzt w&#228;hnen, w&#228;hrend der Feind in aller Ruhe von hinten das Feld aufrollt.</p>
<p>Der digitale Wandel ist noch l&#228;ngst nicht am Ende und dem Mediensektor stehen weitere Ver&#228;nderungen, um nicht zu sagen Ersch&#252;tterungen, ins Haus. Portale wie Vocer und Diskurs brauchen deshalb mehr Web-Technik-Kompetenz und etwas weniger Journalismus-Orientierung, wenn sie die Zukunft sp&#252;rbar mit gestalten wollen. Das mag als Ratschlag eine bittere Pille sein, aber nur das wird wirklich relevante Debatten hervorbringen und der Medienbranche konstruktiv helfen.
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		<title>Neue Medienpolitik f&#252;r neue Medien</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 10:03:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Medienpolitik muss nicht nur technologischen und &#246;konomischen Realit&#228;ten gerecht werden. Vielmehr muss sie zivilgesellschaftlichen Partizipationsbed&#252;rfnissen Rechnung tragen, etwa indem sie neue Formen journalistischer Produktion f&#246;rdert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu lange sahen Politiker und Journalisten im Internet nur einen weiteren Verbreitungsweg, einen Spielplatz der Banalit&#228;ten oder eine Gefahr. Diese Kombination aus Ignoranz und Strukturkonservatismus fand ihren medienpolitischen Ausdruck in Projekten wie der <a href="http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/BeauftragterfuerKulturundMedien/medien/medienkompetenz/nationaleInitiativePrintmedien/_node.html">“Nationalen Initiative Printmedien – Zeitungen und Zeitschriften in der Demokratie”</a> des Bundesbeauftragten f&#252;r Kultur und Medien, einer Initiative, die Journalismus wie selbstverst&#228;ndlich mit der Distributionsform ‘Print’ gleichsetzte.</p>
<p>“Stuttgart 21″ und die Debatte um den Einsatz direktdemokratischer Verfahren verweisen auf ver&#228;nderte Erwartungen und Beteiligungsanspr&#252;che einer Gesellschaft, die vermehrt Transparenz und Rechenschaft einfordert und mitgestalten will, sich aber zusehends au&#223;erhalb traditioneller Strukturen organisiert. Auch die Medienpolitik wird sich diesen ver&#228;ndernden Partizipationsanspr&#252;chen gegen&#252;ber &#246;ffnen m&#252;ssen.</p>
<p>Grundvoraussetzung daf&#252;r ist Transparenz. Verglichen mit der britischen Medienbeh&#246;rde <a href="http://www.ofcom.org.uk/" target="_blank">Ofcom</a> oder der US-amerikanischen <a href="http://www.fcc.gov/" target="_blank">Federal Communications Commission</a>, die &#246;ffentlich tagt und deren Sitzungen auch im Netz &#252;bertragen werden, sind die hiesigen Medienaufsichtsorgane – von Ausnahmen abgesehen – nach wie vor geradezu anachronistisch, wenn es darum geht, &#246;ffentliche Sitzungen abzuhalten oder Dokumente einsehbar zu machen. Nicht nachvollziehbar ist auch, dass die f&#246;derale Medienpolitik die Idee eines “Produzentenberichts” der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender, der f&#252;r st&#228;rkere Transparenz der Auftragsvergaben sorgen k&#246;nnte, bislang nicht aufgegriffen hat. Das klassische Regime der Rundfunk- und Verwaltungsr&#228;te war jedenfalls mit den j&#252;ngsten Fehlentwicklungen bei MDR, Kinderkanal oder der Degeto offenbar &#252;berfordert.</p>
<p><strong>Stiftung Journalismu</strong>s</p>
<p>Eines der faktisch wie symbolisch wichtigsten Potentiale f&#252;r eine revitalisierte Medienpolitik liegt in der F&#246;rderung des gemeinn&#252;tzigen Journalismus. Viel war in den vergangenen Jahren die Rede von dem wiederholt mit einem Pulitzer-Preis gew&#252;rdigten Redaktionsb&#252;ro <a href="http://www.propublica.org/" target="_blank">“Pro Publica“</a>. Und tats&#228;chlich haben sich solche L&#246;sungen in der US-amerikanischen Medienlandschaft (unter anderen Rahmenbedingungen und als Folge eines deutlicheren Marktversagens) bereits in gro&#223;er Vielfalt etabliert. Sie reichen von lokalen Nachrichtenplattformen wie der <a href="http://www.voiceofsandiego.org/" target="_blank">“Voice of San Diego“</a>, der <a href="http://www.minnpost.com/" target="_blank">“Minn Post”</a> oder der <a href="http://www.texastribune.org/" target="_blank">“Texas Tribune”</a> &#252;ber Rechercheplattformen wie Pro Publica bis hin zu von Stiftungen wie der <a href="http://www.knightfoundation.org/" target="_blank">Knight Foundation</a> gef&#246;rderten Innovationslaboren an Hochschulen, in denen neue Gesch&#228;ftsmodelle und Vermittlungsformen entwickelt werden.</p>
<p>Vollkommen neu sind solche Konstruktionen bei uns nicht. Und nat&#252;rlich f&#246;rdern schon heute viele Landesmedienanstalten mit ihren aus den Rundfunkgeb&#252;hren bestrittenen Etats B&#252;rgerrundfunk (etwa in der Form der Offenen Kan&#228;le) oder Medieninnovationszentren. In der Praxis wird der dritte Mediensektor jedoch durch &#220;berregulierung und regional variierende Vorgaben kleingehalten. Eine schlagkr&#228;ftige Selbstorganisation der Medienmacher, darauf hat beispielsweise <a href="http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/IpW/Workgroups/Medien/MitarbeiterInnen/Hans/Kleinsteuber.html" target="_blank">Hans J. Kleinsteuber</a> verschiedentlich hingewiesen, ist unter diesen Bedingungen kaum m&#246;glich. Doch k&#246;nnten nicht-kommerzielle, gemeinn&#252;tzige Journalismusprojekte – gesch&#252;tzt vor Renditeerwartungen und den Unw&#228;gbarkeiten des Wettbewerbs – im digitalen Zeitalter eine weitaus wichtigere Rolle spielen. Zu &#252;berlegen ist daher, die &#246;ffentliche F&#246;rderung von Vielfalt und Innovation offensiv und &#246;ffentlichkeitswirksam auszubauen – etwa durch die Gr&#252;ndung einer “Stiftung Journalismus” zur F&#246;rderung journalistischer Projekte.</p>
<p>Mit den Mitteln der Stiftung k&#246;nnten unterfinanzierte Segmente wie der Recherchejournalismus (insbesondere auf lokaler und regionaler Ebene), aber auch medienkritische Initiativen gef&#246;rdert werden. Schon mit einem kleinen Prozentsatz des &#246;ffentlich-rechtlichen Geb&#252;hrenaufkommens – 0,5 Prozent erg&#228;ben ein j&#228;hrliches Budget von zirka 35 Millionen Euro und k&#246;nnten sich aus der Umwidmung von Geb&#252;hrenmitteln f&#252;r die Landesmedienanstalten erschlie&#223;en lassen – w&#228;re viel zu erreichen.</p>
<p><strong>Vorbild Filmf&#246;rderung</strong></p>
<p>Modalit&#228;ten f&#252;r Gremien, Antragsverfahren etc. gilt es daf&#252;r zu entwickeln, als Vorbild aber bietet sich das bew&#228;hrte Modell der Filmf&#246;rderung an. Und die M&#246;glichkeit, sich f&#252;r die F&#246;rderung journalistischer Projekte zu bewerben, sollte Vertretern aller publizistischen Medien (Radio, Fernsehen, Presse, Online) offenstehen. Eine solche Stiftung, deren m&#246;gliche Struktur und deren Auftrag hier nur grob umrissen werden k&#246;nnen, zielt nicht auf ein Parallelsystem zu etablierten publizistischen Institutionen und Verfahrensweisen, sondern auf die medienpolitische Intervention bei erkennbaren publizistischen Dysfunktionen im &#246;ffentlich-rechtlichen wie privaten Medienbereich.</p>
<p>Gleichzeitig steht zu erwarten, dass sich ein solches Projekt zum Vorreiter und Partner f&#252;r anderer Stiftungen entwickeln w&#252;rde, die – anders als in den USA – das Problem des erodierenden Qualit&#228;tsjournalismus bislang kaum wahr nehmen und sich stattdessen auf die F&#246;rderung von Journalisten als Form der PR f&#252;r die eigenen Anliegen konzentrieren. F&#252;r all diese Szenarien gilt: Nat&#252;rlich wird die publizistische Versorgung auch in Zukunft ma&#223;geblich von &#246;ffentlich-rechtlichen und privatwirtschaftlich organisierten Medien getragen werden. Doch k&#246;nnen solche Projekte ein vitalisierendes, komplement&#228;res Element in einem sich zusehends ausdifferenzierenden medialen &#214;kosystem werden, indem sie blinde Flecken der privaten und &#246;ffentlich-rechtlichen Anbieter ausleuchten und als Innovationslabor f&#252;r neue journalistische Formate fungieren. Indem sie B&#252;rger in die journalistische Produktion einbinden, bilden insbesondere aus der Zivilgesellschaft entstandene lokale Projekte zudem eine Art Scharnier zwischen Zivilgesellschaft und professionellem Journalismus und f&#246;rdern so „angewandte Medienkompetenz“ – eine Kulturtechnik, die in modernen Mediengesellschaften Voraussetzung f&#252;r politisch-gesellschaftliche Teilhabe ist.</p>
<p>Die operative Medienpolitik wiederum wird sich daran messen lassen m&#252;ssen, wie sehr sie aus dem Kleinklein der Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertr&#228;ge und aus demokratietheoretischen Beschw&#246;rungsformeln herausfindet und sich &#252;ber konkrete Strategien und Projekte in ein wirkungsvolles Verh&#228;ltnis zu ihren Bezugsgruppen setzen kann.</p>
<p><em>Der Text wurde auch im <a href="http://blog.enquetebeteiligung.de/2012/01/neue-medienpolitik-fur-neue-medien/" target="_blank">Blog der Enquete-Kommission</a> &#8220;Internet und digitale Gesellschaft&#8221; des Deutschen Bundestages publiziert. Eine Langfassung („Stiftung Journalismus – Zur Konkretion neuer medienpolitischerStrategien“) erschien in der Funkkorrespondenz 41-42/2011.</em>
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		<title>GEZ f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 23:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai-Hinrich Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Konvergenzmedium Internet gibt es keinen Rundfunk und keinen vern&#252;nftigen Grund mehr, warum nur die Informationsangebote von ARD und ZDF unterst&#252;tzt werden sollten. Pl&#228;doyer f&#252;r eine Neuverteilung der Rundfunkabgabe.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die staatliche Filmf&#246;rderung ist etabliert und erfolgreich. Eine generelle F&#246;rderung f&#252;r Medien gibt es aber nicht. Die mediale Grundversorgung sichert der Staat stattdessen mithilfe der Rundfunkgeb&#252;hren, die ausschlie&#223;lich an die &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten gehen.</p>
<p>In Zeiten, da ARD und ZDF ihr Angebot ins Internet ausweiten und Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen die Anzeigenm&#228;rkte wegbrechen, muss die Frage erlaubt sein, ob die Geb&#252;hren nicht breiter verteilt werden sollten.</p>
<p>Zwar sind praktisch auch alle Print-Medien im Internet vertreten.Doch die allerwenigsten dieser Online-Angebote sind profitabel. Das liegt daran, dass die Verlage es vers&#228;umt haben, f&#252;r ihre Internetauftritte Geld zu verlangen. Nun, nach mehr als 16 Jahren – <em>Spiegel Online </em>ging im Oktober 1994 als erstes deutsches journalistisches Angebot ins Netz –, sind die meisten User nicht bereit, f&#252;r Online-Informationen zu zahlen.</p>
<p>Hinzu kommt, dass die Internetwerbeerl&#246;se weit unter denen der gedruckten Ausgaben liegen. Da im Netz prinzipiell auf jeder Website geworben werden kann, ist die Konkurrenz unter den Anbietern von Werbefl&#228;chen um ein Vielfaches gr&#246;sser als in der Offline-Welt.</p>
<p>Angesichts dieser f&#252;r etablierte Medienunternehmen<strong> h&#246;chst unerfreulichen Situation</strong> stellt sich die Frage, wie Journalismus k&#252;nftig finanziert werden soll.</p>
<p>Schenkt man Autoren wie dem amerikanischen Journalistikprofessor Jeff Jarvis Glauben, l&#228;sst sich dieses Problem relativ einfach l&#246;sen: Er empfiehlt Journalisten, sich selbst&#228;ndig zu machen und k&#252;nftig auf einem eigenen, aus Werbeerl&#246;sen finanzierten Online-Portal zu publizieren. Dabei k&#246;nnen Journalisten, die sich bereits einen Namen gemacht haben, mit <strong>meinungsstarken, werbefinanzierten Blogs</strong> durchaus re&#252;ssieren.</p>
<p>Kompliziert wird es, wenn die unabh&#228;ngigen Sites aufw&#228;ndigere Recherchen in Angriff nehmen. Daf&#252;r reichen selbst die Werbeerl&#246;se der vergleichsweise grossen <em>Huffington </em><em>Post </em>nicht aus. Eine Stiftungskultur wie in den USA gibt es in Deutschland aber nicht. Die Frage, wie wir den Journalismus, den wir bisher gewohnt sind, in Zukunft finanzieren wollen, k&#246;nnen Autoren wie Jarvis nicht befriedigend beantworten.</p>
<p>Ob die von einigen Verlagen nun wieder ins Gespr&#228;ch gebrachten <strong>Bezahlinhalte</strong> eine L&#246;sung sind, ist fraglich. Wegen der mangelnden Zahlungsbereitschaft der User liegt die Vermutung nahe, dass sich journalistische Angebote so allenfalls anteilig finanzieren lassen.</p>
<p>Darauf zu hoffen, dass die Verleger bereit sind, ihre publizistischen Aktivit&#228;ten bis in alle Ewigkeit durch Angebote wie etwa Vermarktungsportale <strong>querzusubventionieren</strong>, die mit Journalismus nichts zu tun haben, w&#228;re verwegen. Was, wenn die nachr&#252;ckende Generation eines Verlags in Familienbesitz partout keine Lust hat,die sch&#246;nen Marketingerlo&#246;se in unrentable journalistische Projekte zu stecken?</p>
<div id="attachment_39509" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/gez2.jpg"><img class="size-medium wp-image-39509" title="gez2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/gez2-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a><p class="wp-caption-text">GEZ f&#252;r alle: Wenn also nur noch das Netz der Netzeexistiert, gibt es auch keinen Rundfunk mehr.</p></div>
<p>Bleibt nur noch, <strong>journalistische Inhalte &#252;ber eine Geb&#252;hr zu finanzieren</strong>, der sich eine bestimmte Gruppe oder aber die Gesamtheit der Nutzer nicht entziehen kann. Auf eine solche Geb&#252;hr w&#252;rde letztendlich das von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen f&#252;r ihre Branche geforderte <strong>Leistungsschutzrecht</strong> hinauslaufen.</p>
<p>Das Leistungsschutzrecht, das den Verlagen vorschwebt, w&#252;rde vor allem zwei Gruppen treffen: zum einen Gewerbetreibende und zum anderen Betreiber von Online-Portalen, die auch nur auszugsweise Inhalte von Print-H&#228;usern auf ihre Sites stellen. Konkret soll der Gesetzgeber es Verlagen erlauben, generell alle Gewerbetreibenden – im Gegensatz zu Privatpersonen – f&#252;r die Nutzung ihrer Inhalte zur Kasse bitten zu d&#252;rfen. Die Regelung, die auch nur eine auszugsweise Online-Wiedergabe von Print-Inhalten verbietet, richtet sich vor allem gegen Angebote wie Google News.</p>
<p>Dennoch d&#252;rfte ein Leistungsschutzrecht den Verlagen in Bezug auf Google News wenig nutzen. Sollte der Internetkonzern f&#252;r diesen Dienst k&#252;nftig Tantiemen an die Verlage abf&#252;hren m&#252;ssen, w&#252;rde er ihn in Deutschland vermutlich schlie&#223;en. Den Print-H&#228;usern w&#228;re damit aber kaum geholfen. Im Gegenteil.</p>
<p>Auch die Bezahlschranke f&#252;r Gewerbetreibende d&#252;rfte sich kaum durchsetzen lassen. Schon jetzt l&#228;uft der einflussreiche Bundesverband der deutschen Industrie Sturm gegen diesen Vorschlag. Obendrein sind nicht wenige Juristen der Meinung, dass er unvereinbar mit dem geltenden Urheberrecht ist. So kann es kaum verwundern,<br />
dass die Bundesregierung das von ihr <strong>offiziell bef&#252;rwortete </strong>Leistungsschutzrecht f&#252;r Verlage nicht gerade als ihr wichtigstes Projekt ansieht.</p>
<div id="attachment_39507" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/digibest.jpg"><img class="size-medium wp-image-39507" title="digibest" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/digibest-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Digital ist besser: &quot;Zukunft gestaltet, wer bereit ist auf Kontrolle und Deutungshoheit zu verzichten.&quot;</p></div>
<p>Eine Alternative zum Leistungsschutzrecht w&#228;re die Einf&#252;hrung einer <strong>Flatrate</strong>, sei es als Kultur-Flatrate oder als fakultative Flatrate mit Kontrahierungszwang, unter die dann auch journalistische Angebote fielen. Problematisch<br />
daran ist, dass es gegen eine weitere Medienabgabe erhebliche Vorbehalte in der Bev&#246;lkerung gibt.</p>
<p>Diese Vorbehalte sind nicht unberechtigt. Schon jetzt zahlt jeder deutsche Haushalt 215,76 Euro Rundfunkgeb&#252;hren pro Jahr. So kommen jedes Jahr 7,6 Milliarden Euro zusammen. Das ist nicht eben wenig. Was spr&#228;che eigentlich dagegen, einen Teil dieser Summe journalistischen Angeboten zukommen zu lassen, die nicht von ARD, ZDF oder Deutschlandradio verantwortet werden?</p>
<p>Eine  Neuregelung der Verteilung der Rundfunkgeb&#252;hren ist langfristig unvermeidlich. Beim Internet handelt es sich um ein Konvergenzmedium, in dem alle bisherigen Medien, ob Radio, Fernsehen, Zeitung oder Zeitschrift, aufgehen. <strong>Wenn also nur noch das Netz der Netze</strong> <strong>existiert, gibt es auch keinen Rundfunk mehr</strong>.</p>
<p>Auf den Rundfunk erstreckt sich aber im Wesentlichen der &#246;ffentlich-rechtliche Programmauftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Zwar erlaubt der Gesetzgeber ausdr&#252;cklich &#246;ffentlich-rechtliche Online-Portale.</p>
<p>Allerdings m&#252;ssen die Internetangebote der Anstalten einen »Sendungsbezug« haben, wie es im Gesetz hei&#223;t. Was aber, wenn es diesen »Sendungsbezug« in Ermangelung von Rundfunksendungen gar nicht mehr gibt? D&#252;rfen die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender im Internet dann so weitermachen wie bisher? Diese Frage muss irgendwann gekl&#228;rt werden.</p>
<p>Urspr&#252;nglich verdankt der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk seine Existenz dem Mangel an Sendefrequenzen. Um zu verhindern, dass dieses rare Gut in falsche H&#228;nde kommt, vertraute man das Radio und sp&#228;ter auch das Fernsehen Anstalten an, die von gesellschaftlich relevanten Gruppen beaufsichtigt wurden. Als dank der Verkabelung die Zahl der Frequenzen stieg und Privatsender zugelassen wurden, sollten die &#214;ffentlich-Rechtlichen die Grundversorgung<br />
der Bev&#246;lkerung mit relevanten Inhalten gew&#228;hrleisten.</p>
<p><strong>Im Internet ist der Begriff der Grundversorgung allerdings</strong> <strong>denkbar deplatziert</strong>. Relevante und irrelevante Inhalte jeglicher Provenienz findet man dort in H&#252;lle und F&#252;lle. Sollte aber nicht irgendwann ein funktionierendes Finanzierungsmodell f&#252;r rechercheintensiven Journalismus gefunden werden, k&#246;nnte ausgerechnet<br />
er zur Mangelware werden. Dies w&#228;re f&#252;r unser demokratisches Gemeinwesen fatal.</p>
<p>Es gibt keinen vern&#252;nftigen Grund, warum mit &#246;ffentlichen Mitteln nur Informationssendungen &#246;ffentlich-rechtlicher Sender unterst&#252;tzt werden sollten. Nicht von ungef&#228;hr ist die Pressefreiheit ein Grundrecht, das in Artikel f&#252;nf des Grundgesetzes garantiert wird. Bekanntlich werden mit Steuergeldern auch Privattheater und Filmproduktionen privater Produktionsgesellschaften gef&#246;rdert, und das, obwohl es ein der Pressefreiheit vergleichbares Grundrecht f&#252;r Theater und Film in unserer Verfassung nicht gibt.</p>
<div id="attachment_39511" class="wp-caption alignleft" style="width: 309px"><a href="http://de.amiando.com/digitalistbesser.html"><img class="size-full wp-image-39511" title="campus2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/campus3.png" alt="" width="299" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Lesung am 6. April um 19.30h in Berlin: 15 Carta-Leser k&#246;nnen sich mit Code &quot;Carta 11&quot; bei Amiando anmelden. Auf Banner klicken...</p></div>
<p>Sollten eines Tages tats&#228;chlich auch andere Journalismusangebote als die der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender in den Genuss von Rundfunkgeb&#252;hren kommen, m&#252;ssten f&#252;r die Vergabe der Mittel komplett neue, <strong>politikferne Gremien</strong> geschaffen werden. Die bestehenden Rundfunk- und Verwaltungsr&#228;te der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender sind daf&#252;r denkbar ungeeignet.</p>
<p>Zwar sitzen in ihnen nach wie vor Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen. Tats&#228;chlich werden sie aber von den politischen Parteien dominiert. So gibt es in allen Gremien sogenannte rote und schwarze Freundeskreise,<br />
die das Abstimmungsverhalten der Gremienmitglieder organisieren.</p>
<p>So fand die CSU-Mehrheit des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks nichts dabei, das CSU-Mitglied Ulrich Wilhelm, das bis zuletzt als Regierungssprecher der unionsgef&#252;hrten Bundesregierung diente, zum neuen Intendanten ihrer Anstalt zu machen. Mit der vom Gesetzgeber geforderten Politikferne von ARD und ZDF ist all dies nur schwer in &#220;bereinstimmung zu bringen.</p>
<p>Derlei Praktiken haben nicht nur das Image der &#214;ffentlich-Rechtlichen besch&#228;digt. Sie sind einer freien und unabh&#228;ngigen Presse auch in keinster Weise zuzumuten. Folglich muss die Politik sich aus den Gremien vollst&#228;ndig zur&#252;ckziehen und unabh&#228;ngigen Medienexperten Platz machen.</p>
<p>Damit allein ist es nicht getan. Wenn an den Rundfunkgeb&#252;hren k&#252;nftig nicht nur &#246;ffentlich-rechtliche, sondern auch private Journalismusangebote partizipieren sollen, muss irgendwo gek&#252;rzt werden. Bereits 2008 hat die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel gefordert, die &#214;ffentlich-Rechtlichen sollten sich im Kern auf Programme beschr&#228;nken, »die der Markt selbst nicht oder <strong>nicht in ausreichender Anzahl</strong> hervorbringt«. Dazu z&#228;hlt sie »hochwertige Nachrichten- und Kulturprogramme, Dokumentationen und Spielfilme«. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund, warum auch k&#252;nftig noch teure Sportrechte und Unterhaltungssendungen durch Rundfunkgeb&#252;hren finanziert werden sollten.</p>
<p>Eine Neudefinition des Programmauftrags der &#214;ffentlich-Rechtlichen k&#246;nnte die Politik jederzeit beschlie&#223;en. Das Problem ist nur, dass sie daran keinerlei Interesse hat. Das Verh&#228;ltnis zwischen Politikern und Senderhierarchen hat <strong>symbiotischen Charakter</strong>: Die Politik l&#228;sst den Sendern freie Hand, wenn es darum geht, das Programmangebot<br />
auszuweiten. Im Gegenzug achten die von den Parteien dominierten Gremien peinlich darauf, dass bei der Besetzung<br />
von Spitzenpositionen in den Anstalten die politische Farbenlehre eingehalten wird.</p>
<p>Geb&#252;hren f&#252;r rechercheintensiven Journalismus d&#252;rfen aber kein Instrument sein, um jeden notleidenden Verlag<br />
oder Privatsender &#252;ber Wasser zu halten. Eine Geb&#252;hrenfinanzierung journalistischer Angebote jenseits von ARD, ZDF und Deutschlandradio darf einzig dazu dienen, ein Mindestma&#223; an Pluralismus zu gew&#228;hrleisten – und zwar f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsschichten.</p>
<p>Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich eines Tages nur noch die Medienkonsumenten umfassend informieren k&#246;nnen, die bereit und in der Lage sind, f&#252;r einen anzeigenfreien <em>Spiegel</em> zehn Euro oder gar mehr pro Ausgabe zu zahlen.</p>
<p><em>Der Text &#8220;GEZ f&#252;r alle&#8221; ist eine gek&#252;rzte und leicht editierte Fassung des entsprechenden Kapitels aus dem Buch &#8220;Digital ist besser&#8221; von Kai-Hinrich und Tim Renner. Online-Ver&#246;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Autoren und Verlag.</em></p>
<p><em><strong>Kai-Hinrich Renner, Tim Renner: Digital ist besser. 246 Seiten, Campus Verlag. <a href="http://www.campus.de/sachbuch/wirtschaft/DIGITAL+IST+BESSER.96978.html">Verlagswebsite</a>. <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593392089/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=carta-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3593392089">Bei Amazon kaufen</a>.</strong></em></p>
<p><em><strong>Carta pr&#228;sentiert die Buchvorstellung von &#8220;Digital ist besser&#8221; am 6. April in Berlin &#8211; 15 Carta-Leser_innen k&#246;nnen sich <a href="http://de.amiando.com/digitalistbesser.html">hier</a> mit dem Code &#8220;Carta11&#8243; anmelden.</strong></em>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Jugend surft an den klassischen Kathedralen der Meinungsbildung vorbei</title>
		<link>http://carta.info/39310/meinungsbildung-fernsehen-internet-digital-natives-jugendliche/</link>
		<comments>http://carta.info/39310/meinungsbildung-fernsehen-internet-digital-natives-jugendliche/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 Mar 2011 19:31:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Fengler</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Meinungsbildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur noch noch 14 Prozent der 14- bis 29-J&#228;hrigen halten Fernsehen f&#252;r „informativ“. Eine kurze Zwischenbilanz des Wandels der Meinungsbildungsprozesse in der Mediendemokratie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Susanne Fengler hat am vergangenen Donnerstag einen Vortrag auf der Jahreskonferenz der Landesmedienanstalten gehalten &#8211; mit dem Titel &#8220;<a href="http://www.dlm-symposium.de/index.php?pid=1&amp;subpid=0&amp;lang=0&amp;year=2011">Meinungsbildung  in der Mediendemokratie: Die Relevanz des Fernsehens im Vergleich zu Print- und Onlinemedien</a>&#8220;. Carta pr&#228;sentiert ihre Folien mit einem kurzen Erl&#228;uterungstext:</em></p>
<div id="__ss_7325537" style="width: 425px;"><object id="__sse7325537" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="355" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=almfengler-1-110320134030-phpapp01&amp;stripped_title=susanne-fengler-meinungsbildung-in-der-mediendemokratie&amp;userName=simio12" /><param name="name" value="__sse7325537" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="__sse7325537" type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="355" src="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=almfengler-1-110320134030-phpapp01&amp;stripped_title=susanne-fengler-meinungsbildung-in-der-mediendemokratie&amp;userName=simio12" name="__sse7325537" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
</div>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>&#8220;Fernsehen galt &#252;ber Jahrzehnte als Leitmedium der politischen Kommunikation – die gro&#223;e Mehrheit der Mediennutzer informiert sich bis heute im Fernsehen &#252;ber das aktuelle Tagesgeschehen. Aus diesem Grund wird dem Fernsehen eine zentrale Stellung f&#252;r Prozesse der Meinungsbildung in modernen Gesellschaften zugeschrieben.</p>
<p>Blickt man genauer auf die Ergebnisse der Mediennutzungsforschung, zeichnet sich ab, dass die Ausdifferenzierung des Medienangebots – immer mehr, oft „unterhaltende“ Medienangebote konkurrieren um die knappe Aufmerksamkeit der Mediennutzer – und die Individualisierung der Mediennutzung zu deutlichen Strukturver&#228;nderungen von Meinungsbildungsprozes-sen f&#252;hrt.</p>
<p>ARD und ZDF mit ihrem noch immer vergleichsweise umfassenden Informationsangebot erreichen heute nur noch 23 Prozent der 30- bis 49-J&#228;hrigen – und nur noch 12 Prozent der 14- bis 29j&#228;hrigen (verglichen mit 56 Prozent bei den &#220;ber-50-J&#228;hrigen) . Die privaten TV-Sender erbringen jedoch nur eine sehr geringe Informationsleistung – was das „Fernsehbild“ der jungen Mediennutzer entsprechend pr&#228;gt: <strong>Nur 14 Prozent der 14- bis 29-J&#228;hrigen halten Fernsehen f&#252;r „informativ“</strong>.</p>
<p>Statt dessen hat sich das Internet zum „wichtigsten Informationsmedium“ der jungen Nutzer entwickelt. Viele Digital Natives surfen jedoch an den bisherigen Kathedralen der Meinungsbildung vorbei: Ihr mit Abstand popul&#228;rstes „Informationsmedium“  ist Wikipedia, Portale und soziale Netzwerke dominieren ihre Internetnutzung.</p>
<p>Zugleich steht die klassische Zeitung auch bei jungen Mediennutzern weiter in dem Ruf einer besonders hohen journalistischen Qualit&#228;t &#8211; vielleicht in Abgrenzung zu den Meinungsbildungsprozessen in sozialen Netzwerken.</p>
<p>F&#252;r die Medienpolitik, die sich am Leitbild des &#8211; f&#252;r das Funktionieren demokratischer Gesellschaften unverzichtbaren &#8211; informierten B&#252;rgers orientiert, bedeutet der gegenw&#228;rtige Wandel von Mediennutzungsmustern und damit von Meinungsbildungsprozessen eine gro&#223;e Herausforderung:</p>
<p>Wie l&#228;sst sich sicherstellen, dass nicht neue Wissenskl&#252;fte entstehen – mit m&#246;glicherweise verheerenden Folgen f&#252;r die Bereitschaft zu politischem Engagement und gesellschaftlicher Teilhabe der jungen Generation? Gerade dem Fernsehen als noch immer reichweitenst&#228;rkstem Medium kommt hier eine besondere Verantwortung zu.&#8221;</p>
<p><strong> </strong>
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		<title>Why did Twitter suspend UberTwitter?</title>
		<link>http://carta.info/38349/why-did-twitter-suspend-ubertwitter/</link>
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		<pubDate>Sat, 19 Feb 2011 14:09:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Quora]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>
		<category><![CDATA[UberMedia]]></category>

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		<description><![CDATA[Twitter suspendierte am Freitag alle Clients von UberMedia, darunter TweetDeck und Twidroyd. Eine der f&#252;hrenden Schlagzeilen dazu lieferte ausgerechnet Quora und nicht ein Techblog, wie man h&#228;tte erwarten k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Quora ist eigentlich &#8220;nur&#8221; ein <strong>Social Network</strong>, in dem es um Fragen aller Art und deren Beantwortung geht &#8211; und damit nicht um tagesaktuelle Schlagzeilen. Dass dieser Dienst auch in Konkurrenz zu herk&#246;mmlichen Medien treten kann, ist ein relativ neues Ph&#228;nomen. Aktuell zeigt sich das an der <a href="http://techcrunch.com/2011/02/18/twitter-suspends-ubermedia-clients-ubertwitter-and-twidroyd-for-violating-policies/" target="_blank">Auseinandersetzung</a> zwischen Twitter und UberMedia.</p>
<p>Twitter hatte am Freitag kurzerhand alle Twitter-Clients von UberMedia suspendiert, offenbar weil diese gegen Regeln und Markenrechte verstie&#223;en. Einen Tag sp&#228;ter stammt die f&#252;hrende Schlagzeile auf <a href="http://www.techmeme.com/" target="_blank">Techmeme</a> dazu von <a href="http://www.quora.com/Why-did-Twitter-suspend-UberTwitter" target="_blank">Quora</a> &#8211; und nicht etwa von einem der gro&#223;en Techblogs. M&#246;glich wurde dies, weil ein User auf Quora pr&#228;zise nach dem Grund f&#252;r Twitters Vorgehen gefragt hatte, worauf er dort eine ausf&#252;hrliche Antwort von Bill Gross, dem Gr&#252;nder und CEO von UberTwitter, erhielt. Das Thema fand ein so gro&#223;es Echo, dass sogar ein Sprecher von Twitter auf Quora kurz Stellung bezog.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/02/QuoraTwitterTechmeme.jpg" target="_blank"><img class="size-full wp-image-38353 alignnone" title="Screenshot Techmeme" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/02/QuoraTwitterTechmeme.jpg" alt="" width="418" height="272" /></a></p>
<p>Die Frage sowie ihre Antworten wurden &#252;ber 48.000 mal aufgerufen, ein f&#252;r Quora sehr hoher Wert. Auf Techmeme gelangte der Thread, weil sich eine Reihe von Medien in ihrer Berichterstattung darauf bezogen und ihn verlinkten.</p>
<p>So kann es also gehen. Hier haben nicht mehr nur die &#8220;alten&#8221; Medien das Nachsehen, sondern auch schon die &#8220;neuen&#8221;, weil im Einzelfall eine einzelne Frage mit einer prominenten Antwort gen&#252;gend Brisanz und Tagesaktualit&#228;t kombiniert mit dem Potenzial zur viralen Verbreitung besitzt, um Journalisten und Blogger gleicherma&#223;en hinter sich zu lassen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38349&amp;md5=f3c8c506b50b4e8fdad53cb28da87cd5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die „Facebook-Revolution“ &#8211; Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbr&#252;che</title>
		<link>http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/</link>
		<comments>http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Feb 2011 12:06:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Kappes</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Mediensystem]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Systemtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Tunesien]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Diktatoren fallen und Demonstranten Facebook feiern, wenn US-Politiker anonyme Facebook-Accounts fordern und Angela Merkel Twitter lobt, wird es Zeit, die Dinge zu sortieren. Eine ausf&#252;hrliche Reise durch das Themendreieck Netz, Politik &#038; B&#252;rger mit drei kleinen Rant-Bemerkungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #808080;">Inhalt:</span><br />
<span style="color: #808080;">→ Teil 1: Warum das Internet keine politischen Revolutionen macht</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 2: 37 Mechanismen des Internets zur F&#246;rderung gesellschaftlicher Ver&#228;nderungen</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 3: Warum wir kein endg&#252;ltiges Urteil &#252;ber das Internet f&#228;llen k&#246;nnen</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Teil 4: Das Empowerment des Publikums und die Geschmeidigkeit der Demokratie</span></p>
<p><span style="color: #808080;">→ Post Scriptum – Der Viertelgeviertstrich</span></p>
<p>Die Diskussion um die „Facebook-Revolution“ hat viele Facetten. Die erste ist, ob dieses Wort tats&#228;chlich &#252;berhaupt von Diskutanten ernsthaft benutzt wurde, denn SPIEGEL ONLINE <a title="Spon" href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,742430,00.html" target="_blank">schreibt</a> zwar als eine der ersten Publikationen ausf&#252;hrlich dar&#252;ber, nennt aber die Quelle nicht. So wollten auch wir es halten, bis wir auf einen <a title="FAZ" href="http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2011/02/06/jeder-twitt-ein-tritt.aspx" target="_blank">Blogbeitrag </a>der F.A.Z. stie&#223;en, der auf die Basler Zeitung Online verlinkt, welche sich auf den Nachrichtendienst dapd beruft, der eine Politologin namens Harders der FU Berlin als &#196;gyptenexpertin zitiert. Fragt man die Quelle dieses Nachrichtenflusses per Mail, antwortet Frau Professorin Cilja Harders, freundlich und prompt:</p>
<p style="padding-left: 30px;"><em>„</em><em>Das habe ich in der Tat gesagt, es war aber nicht alles. Es begann mit Facebook und dann war Al-Jazeera ganz wichtig und, solange die Telefone noch gingen, nat&#252;rlich auch SMS und Telefon. Das Spannende ist, dass die ganze Bewegung ihr Momentum gehalten hat, auch nachdem Telefone und Internet abgeschaltet waren. Es wurde immer weiter gepostet, die Au&#223;enwelt blieb informiert. Intern wurden wieder die alten Festnetzleitungen aktiviert und  in der Kommunikationssperre war Al-Jazeera entscheidend. Nicht umsonst hat das Regime dem Sender die Erlaubnis entzogen f&#252;r einige Tage. Jetzt senden sie wieder aus dem Kairoer Studio.“</em></p>
<p>Und so haben wir als erstes einen Nebenfund: Mehr als dass Facebook zu Beginn eine Rolle spielte, sagt Frau Prof. Harders nicht, mehr wollte sie zumindest nicht sagen. Ihre These ist nicht ganz so steil, wie sie uns gemeldet wurde, weil es schon Facebook-Gruppen gab. Warum hat niemand gefragt, der sie zitierte? Fast 7.000 Google-Treffer, davon so mancher in Leitmedien, sind kein Ruhmesblatt f&#252;r ebendiese.</p>
<p><strong>Teil 1: Warum das Internet keine politischen Revolutionen macht</strong></p>
<p>Sogar f&#252;r den gr&#246;&#223;ten Internet-Freund d&#252;rfte klar sein, dass das Internet  keine Revolution „macht“, es kann nur den Ausdruck entsprechender &#196;u&#223;erungen unterst&#252;tzen. <strong>Auch Panzer „machen“ keinen Krieg, sondern Menschen machen ihn.</strong> Der Grund, dass Menschen politische Ver&#228;nderungen fordern, ist nicht das sch&#246;ne Internet, sondern die dem auftretenden Konflikt zugrunde liegende politische, wirtschaftliche und soziale Konstellation &#8211; einschlie&#223;lich des Zustandes ihrer Freiheitsrechte, ob beschnitten oder nicht. Kommunikationstools sind Verst&#228;rker, nicht Ausl&#246;ser sozialer Interaktion (<a title="neunetz" href="http://www.neunetz.com/2011/02/01/kommunikation-und-organisation-facebook-twitter-und-aegypten/" target="_blank">Quelle</a>). Das Paradoxon daran ist, dass die Abschaltung des Internets, die Abschaltung von Mobilfunk oder der SMS-Massenversand deutliche Symptome der Einschr&#228;nkung von Freiheitsrechten sind, kausal konnten sie dennoch nicht sein f&#252;r zeitlich vorhergehende Ereignisse der Massenbewegung mit digitalen Mitteln. Vermutlich k&#246;nnen wir aber hier ein zweites lernen: <strong>Erst durch die Verbreitung moderner Kommunikationsmittel wird auch ihr Abschalten als Fanal sichtbar.</strong> „Da, seht Ihr!“ ruft der B&#252;rgerrechtler, denn die Handlung (Abschalten) ist nicht mehr Ausfluss von Diktatur, sondern ihr bester Beweis. Das ist das Problem aller Internetsperren, von China bis Tunesien: Sp&#252;rbarer kann man Informationsfreiheit nicht einschr&#228;nken.</p>
<p>Welche Rolle das Web auch immer spielte, man sollte auch <strong>Mobiltelefonie</strong> nicht untersch&#228;tzen (Richard Gutjahr sprach <a title="Gutjahr" href="http://gutjahr.biz/blog/2011/01/kairo/" target="_blank">ad-hoc</a> von „Handy-Revolution“). Denn welches Werkzeug haben Menschen h&#228;ufiger bei sich als Brille und Gebiss? Wir m&#252;ssen uns nicht nur den modernen Businesskasper, sondern wohl auch den modernen, urbanen &#196;gypter – ein sch&#246;nes <a title="Peterglaser" href="http://www.heise.de/tr/blog/artikel/Der-digitale-Katalysator-1182006.html" target="_blank">Bild</a> von Peter Glaser– als Statue vorstellen, die ein Handy am Ohr hat und so potentiell mit Menschen permanent „connected“ ist. Wir haben weltweit ca. 5 Mrd. Handys bei 7 Mrd. Menschen – eine Quote, die in etwa wohl auch <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,670684,00.html" target="_blank">Kenia</a> findet. Ist mehr Symbolkraft m&#246;glich, als durch zentrales Abschalten dieses weltverbindenden Kopf-Fortsatzes?</p>
<p>Internet-Evangelisten wird die Antwort entt&#228;uschen. Die gr&#246;&#223;ere Symbolkraft geht von Informationen &#252;ber Spitzel, Hunger, Panzern und T&#246;tungen aus, die sich auch ohne Internet wie ein Lauffeuer als Real-Life-Meme verbreiten. Eigentlich verbietet es sich sogar, hier von „Symbolkraft“ zu sprechen, da sich die Kraft dem urspr&#252;nglichen Opfer dieser Handlungen gegen&#252;ber durchweg unsymbolisch zeigt. Wer wagt es, ein Veilchen am Auge wegen seiner „Symbolkraft“ zu erw&#228;hnen? <strong>Nein, wer Panzer befiehlt, wer k&#246;rperliche Gewalt aus&#252;bt, hat im Vergleich zum Internet das m&#228;chtigere Werkzeug</strong>. Das befremdliche daran: Der Mausklick durch normale B&#252;rger f&#252;hrt nur zum „(Dis-)Like“, der Mausklick des Soldaten auch zum echten Tod.</p>
<p>So eingeordnet, darf man die „Macht des Internets“ nicht &#252;bersch&#228;tzen. Die Bezeichnung „Facebook-Revolution“ f&#252;hrt wohl viele Leser in die Irre: <strong>Man schafft es auch mit alten Medien, Massen zu mobilisieren</strong> (mehr <a title="Funckhaus" href="http://funckhaus.blogger.de/stories/1770557/">hier</a>). Auch l&#228;sst sich nicht bestreiten, dass die Nutzung von Online-Diensten f&#252;r B&#252;rgerrechtler kontraproduktiv sein kann, vor allem in autorit&#228;ren Regimes, die den Internetverkehr &#252;berwachen und sich geheimdienstlich in Online-Diensten bewegen. Je mehr sich die gesellschaftliche Kommunikation ins Web verlagert, um so empfindlicher kann sie durch Kill-Switches und Cyberbomben einerseits oder durch Abschalt- und Zensuranweisungen von Regierungen andererseits getroffen werden. Hier zeigt sich die Werkzeugeigenschaft des Internets, das Zweck und Absicht erst durch den handelnden Menschen erf&#228;hrt. Auch der beste Hammer zeigt sich „b&#246;se“, wenn man uns mit ihm schl&#228;gt.</p>
<p>&#220;berhaupt, meine ganz pers&#246;nliche Meinung, ist es <strong>noch ein bisschen fr&#252;h</strong>, von „Revolution“ zu sprechen. Gut, der Diktator musste gehen. Aber was kommt <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745311,00.html" target="_blank">jetzt</a> ? Nach den Gl&#252;ckw&#252;nschen mag ich erst feiern, wenn ich freie Wahlen sehe.</p>
<p><strong>Teil 2: 37 Mechanismen des Internets zur F&#246;rderung gesellschaftlicher Ver&#228;nderungen</strong></p>
<p>Bevor wir die Folgen des Internet-Einsatzes beurteilen k&#246;nnen, m&#252;ssen wir seine Mechanismen und Auswirkungen auf die menschliche Kommunikation verstehen.</p>
<p>Es ist weit verbreitet, das Internet einfach nur als ein neues Medium anzusehen. Das ist schon nicht richtig, weil es andere Medien enthalten kann, man muss es daher als „Meta-Medium“ oder Container ansehen. Aber auch das Meta-Medium f&#252;hrt in die Irre, seit Menschen im Web (! – und nicht nur per Mail oder ICQ) miteinander kommunizieren. Ich denke, der Paradigmenwechsel von Inhalt zu Kommunikationsakten ist der eigentliche Wandel seit dem sog. „Web 2.0“ – dazu aber mehr an anderer Stelle. Durch diese Kommunikation ist es besser, das Internet als „verschachtelten Kommunikationsraum“ (etwa Chris St&#246;cker im <a title="SpOn" href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,745005,00.html" target="_blank">SpOn</a>) zu betrachten. Es zeigen sich n&#228;mlich etliche<strong> Besonderheiten dieses „verschachtelten Kommunikationsraumes“, der gesellschaftliche Ver&#228;nderungen f&#246;rdert,</strong><strong> und zwar unabh&#228;ngig von der Staatsform.</strong></p>
<p><strong>Gruppe 1: Internetkommunikation mit Text, Hypertext, Rich Media</strong></p>
<ol>
<li>Kommunikation im Internet ist fast immer <strong>schriftlich</strong> repr&#228;sentiert. Dies f&#252;hrt dazu, dass die Information <strong>weniger fl&#252;chtig</strong> ist als in anderen Formen wie dem Radio oder dem Telefonat. (Das wird sich mit Voice-/Video-Diensten eventuell &#228;ndern). Hierdurch erreicht die Information mehr Menschen. Sie kann auch von diesen solange abgerufen werden, bis sie besser verstanden wurde (z.B. Replay-Funktion).</li>
<li>Auch TV- und Radiosendungen werden mit dem Container Internet verbreitet – und sind im Unterschied zu den fl&#252;chtigen Originalen jederzeit als Konserve abrufbar. Auch hier gibt es also eine <strong>Tendenz zur dauerhaften Verf&#252;gbarkeit</strong> von Information.</li>
<li>Schon nach kurzer Zeit liegen Nachrichten in unterschiedlichen Formaten vor. Durch die <strong>Wahl des Medientyps je nach generellen oder situativen Wahrnehmungsvorlieben</strong> hat der Nutzer bessere Chancen, die Nachricht zu verstehen. (Video, kurz? Oder Text, lang oder kurz? Oder doch Bildergalerie?)</li>
<li>Eine Information wird h&#228;ufig nicht durch Wiederholung, sondern als Referenz weitergegeben (technischer Link oder inhaltliche Referenz). Hierdurch bleibt sie in der <strong>Weitergabe-Kette gut erhalten</strong>, im Gegensatz zum verf&#228;lschenden „Stille-Post“-Effekt der nicht-digitalen Kommunikation.</li>
<li>Durch die <strong>Ubiquit&#228;t</strong> von Information werden die Innenverh&#228;ltnisse einer Region nach au&#223;en sichtbar und umgekehrt die Reaktionen und Meinungen von au&#223;en von innen sichtbar. Dies f&#252;hrt zu einem wichtigen Effekt: <strong>Der Support aus dem Ausland best&#228;rkt B&#252;rgerrechtler auf ihrem Weg</strong>. Umgekehrt helfen Dienste von au&#223;en den Menschen innen, fragmentarisches Wissen zusammenzuf&#252;hren und zu bewerten. Es gibt viele Dankes-Tweets aus &#196;gypten in diese Richtung, die „Sofa“-Aktivisten k&#246;nnen durchaus Wirkung erzielen.</li>
<li><strong>„Verl&#228;ngerung“ von Medien-Infrastruktur (klassische Medien): </strong>Das Internet als Container f&#252;r Medien tr&#228;gt den Inhalt von TV- und Radiostationen noch als Archiv „in“ einer Website, macht diesen bearbeitbar, „remixable“ und verbreitbar (z.B. via Videoplattformen wie Youtube).</li>
<li><strong>Abbildung von Medien-Infrastruktur (klassische Medien): </strong>wie oben, der Sender wird jedoch live gestreamt.</li>
<li><strong>Substitution von Medien-Infrastruktur:</strong> Bei St&#246;rungen der herk&#246;mmlichen &#220;bertragungswege kann eine TCP/IP-basierte Parallelarchitektur die weitere Ausstrahlung der Inhalte sicherstellen. (Beispiel: Satellit einer TV-Station wird durch Regime gest&#246;rt).</li>
<li><strong>Substitution von Medien-Infrastruktur (digitale Medien): </strong>Das Internet als Medien-Container hat eine weitere Eigenschaft. F&#228;llt eine Komponente aus, kann das Internet sie mit ein bisschen Infrastruktur ersetzen, wie das Beispiel des Twitter-Accounts <strong>Speak2Tweet</strong> von Twitter und einer Google-Tochter gezeigt hat, der Anrufe auf Mailboxen via Twitter zug&#228;nglich und im Web abspielbar machte (siehe <a title="Neu" href="http://www.guardian.co.uk/technology/2011/feb/06/twitter-speak-tweet-mubarak-networker" target="_blank">hier</a>).</li>
<li><strong>Dezentralit&#228;t von Daten</strong> gibt es an vielen Stellen im Web. Eine der wichtigsten ist: W&#228;hrend Statusmeldungen von Facebook und Twitter erstens nur zu den Bedingungen dieser Unternehmen zug&#228;nglich sind und zweitens diese beiden Systeme als zentrale System gut angreifbar sind, gibt es inzwischen offene Standards, die auch Backup-Funktion haben, falls ein anderes System ausf&#228;llt. Ein Beispiel ist <a href="http://doost.status.net/">http://doost.status.net/</a>, entwickelt mit OStatus. Folge ist: Wenn Twitter von einem Regime blockiert wird, weichen Nutzer aus (falls es &#252;berhaupt noch eine feste Zuordnung zu Plattformen wie Twitter geben wird). Das Internet wird auch hier <strong>redundant</strong>.</li>
<li><strong>Dezentralit&#228;t des Netzes.</strong> Noch ist es nicht soweit, dass man das Internet nicht „ausschalten“ k&#246;nnte. Mit privaten Funknetzen (insbesondere gr&#246;&#223;erer Reichweite) sowie einer Koppelung nach dem Freifunk-Prinzip wird jedoch irgendwann der Tag kommen, dass zumindest innerhalb eines technisierten Landes bzw. einer Region die Kommunikation m&#246;glich bleibt. W&#228;hrend das Handy-Mobilfunknetz zentrale Strukturen hat, die von einem Regime abgeschaltet werden k&#246;nnen, wird es durch dezentrale Webtechnologie irgendwann nicht mehr m&#246;glich sein, diese Struktur zentral zu st&#246;ren.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 2 sind &#196;nderungen in Kommunikationsstrukturen und –geschwindigkeit:</strong></p>
<ol>
<li>Das Internet bietet <strong>n:n-Kommunikation</strong>, mehrere Personen k&#246;nnen mehrere andere mit einer Information adressieren. Diese Peer-to-Peer-Struktur ist einer der wichtigsten Merkmale. Dennoch geht es zu weit zu sagen „Content was never king. Contact is.“ (typisch <a title="Neu" href="http://www.shareable.net/blog/the-evolution-will-be-socialized" target="_blank">hier</a>), weil es nur eines von vielen Merkmalen ist.</li>
<li>Das Internet hat <strong>virale Mechanismen</strong>. Durch die Kombination von sozialen Beziehungen und Sharingfunktionen erreichen Inhalte durch Mausklick hohe Reichweiten.</li>
<li><strong>Vererbtes Vertrauen:</strong> durch Ketten von Personenbeziehungen wird die Glaubw&#252;rdigkeit von Quellen verst&#228;rkt. Dem algerischen Twitter-Freund meines besten Freundes traue ich sogar mehr als der BBC bei der Frage, ob Algerien das Internet gekappt hat, obwohl ich den Twitter-Freund nie gesehen habe.</li>
<li><strong>Echtzeit-Kommunikation</strong> f&#252;hrt zu einer ungekannten Verbreitungsgeschwindigkeit: Was eben in Kairo geschah, ist sofort an jedem Ort verf&#252;gbar. Das gilt anscheinend nicht nur f&#252;r B&#252;rger-Tweets, sondern f&#252;r die gesamte Nachrichtenwelt, da sich der Prozess der Nachrichtenverarbeitung beschleunigt.</li>
<li>Nachrichtenquellen sind keine Insiderquellen, sondern werden immer mehr jedermann zug&#228;nglich, seien es Breaking-News-Dienste, Nachrichtenagenturen,  Journalisten-Tweets und &#8211; last but not least – berichtende B&#252;rger. Hierdurch findet eine <strong>Verk&#252;rzung der Nachrichtenkette</strong> statt, was nicht nur Zeitvorteile bietet, sondern auch Fehlerquellen und Rauscheffekte reduziert.</li>
<li><strong>Content-Aggregation </strong>ist schon lange bei Suchmaschinen, RSS-Readern und Portalen wie iGoogle/pageflakes/netvibes zu finden. Heute finden wir sie weit leistungsf&#228;higer in Nischen, Beispiele sind tweetmeme/rivva, flipboard, commentarist und noch einige Dutzend mehr. Dadurch k&#246;nnen Information von Absendern eher unbedeutender Reichweiten f&#252;r jedermann sichtbar werden, der nicht viral angesprochen wird. Pointiert gesagt: Ein <strong>B&#252;rgerkriegs-Dashboard</strong> entsteht f&#252;r den beobachtenden B&#252;rger, und er hat gleichzeitig die Chance, eigenen Inhalt auf dieses Dashboard oder fremden Inhalt hierhin zu bef&#246;rdern.</li>
<li><strong>Maschinelle</strong> Zugriffe (z.B. verschiedenen Tweetlisten mit verschiedenen Hash-Tags) auf alle Informationsquellen erm&#246;glichen dem betrachtenden B&#252;rger seinen eigenen „<strong>Gefechtsstand-Monitor</strong>“:  Auf zehn Browsertabs l&#228;sst sich eine Revolution besser verfolgen als die NASA Apollo 11 verfolgen konnte. Es wird spannend, was passiert, wenn sich diese Mechanismen nicht nur auf Text beziehen. Poppt dann die wichtige Fernsehsendung als „Trending TV“ oben rechts auf, neben den Videos meiner Freunde?</li>
<li>Durch <strong>„Social TV“</strong> (Chat, Twitter) wird die Diskussion um TV-Inhalte angesto&#223;en und der gesamte Prozess zeitlich verk&#252;rzt. Das Auditorium sieht, was im TV wichtig ist und kann die Information zeitlich parallel diskutieren und bewerten. Chris St&#246;cker nennt das einen „Echo-Raum“. Zur Erinnerung: Zu einer Abendsendung fand fr&#252;her die Meinungsbildung erst am n&#228;chsten Werktag statt. Heute glauben wir nach zehn Minuten zu wissen, ob eine Show gut ist.</li>
<li><strong>„Public by Default“:</strong> Bei Twitter gut zu beobachten, wie man nach einem einfachen Suchvorgang (Textsuche bzw. Hashtag) oder Lesen einer Personenliste (Followerliste und Empfehlungsliste, z.B. als Tweet „For &lt;thema&gt; follow @person1, @person2…“) direkt die Tweets einer unbekannten und weit entfernten Person beziehen kann.</li>
<li><strong>Internationalit&#228;t.</strong> Das klingt trivial und ist es auch. Wie allerdings dann ganze Gruppen (von ausl&#228;ndischen NGOs, Politikern und Unternehmen bis zu verschiedenen inl&#228;ndischen Personen) &#252;bergreifend vernetzt sind, ist schon beeindruckend <a href="http://www.kovasboguta.com/1/post/2011/02/first-post.html">http://www.kovasboguta.com/1/post/2011/02/first-post.html</a>.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 3 sind neue Angebotsformen</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<ol>
<li><strong>Zentrale Ad-Hoc-Inhalteangebote </strong>sind schnell aufgesetzt. Hierzu geh&#246;ren nat&#252;rlich die bekannten Angebote von Google und Tumblr (siehe <a title="Neu" href="http://www.niemanlab.org/2011/02/tumbling-into-journalism-tumblrs-newsy-tag-pages/" target="_blank">hier</a>), die unter „Public Relations“ einzuordnen sind und daher k&#252;nftig &#252;ber Millionenbudgets verf&#252;gen werden. Was gibt es besseres f&#252;r ein kommerzielles Unternehmen, als mit der richtigen (trojanischen) Idee f&#252;r eine Woche die Aufmerksamkeit der halben Webwelt zu erhalten?<strong> </strong></li>
<li><strong>Jedermann-Ad-Hoc-Inhalt:</strong> ein WordPress-Blog, ein Micro-Blog, eine Website, ein (weiterer) Twitter-Account wie @Anonymous123, eine Facebook-Fanpage, ein Wiki sind schnell aufgesetzt. Hinzu kommen weniger bekannte Dienste, die auf Fl&#252;chtigkeit angelegt sind und verschl&#252;sselte Kommunikation erlauben (Beispiele Pastee <a href="https://pastee.org/">https://pastee.org/</a>,  snipt.org oder One-Click-Microblogging-Dienste nach Machart von txt.io). (Einstieg in die Gattung der Pastebins <a title="Wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Pastebin" target="_blank">hier</a> und eine Liste <a title="Wikipedia" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Comparison_of_pastebins" target="_blank">hier</a>). Hier kommt aus der Programmierszene etwas auf die Politik zu, was noch nicht gesehen wird: Das Jedermann-Wikileaks ist da.</li>
<li><strong>Instant-Kampagnen</strong>: Innerhalb weniger Stunden entstehen Kampagnen-Websites, Unterzeichnerlisten, Shitstorms, Live-Reportagen etc., also spezifische digitale Auspr&#228;gungen von politischem Aktivismus. In Deutschland sehen wir sogar schon, wie eine Kampagnen-Mechanik recycelt wird: <a href="http://undnucdu.de/">http://undnucdu.de/</a> ist nun die schon mindestens dritte Version einer Website aus dem Umfeld von Nico Lumma, die nach immer demselben Prinzip funktioniert. Wie lange dauert es, bis <strong>es Instant-Kampagnen oder -Plugins</strong> gibt, die man sich wie WordPress-Templates aussucht? Gibt es bald den Jimdo-Baukasten in einer Amnesty-Edition? Die Entwicklung beim Voting zeigt den m&#246;glichen Fortschritt.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 4</strong> w&#252;rde ich versuchsweise als <strong>Verdichtung und Verst&#228;rkung</strong> bezeichnen:</p>
<ol>
<li>Bei der Weiterleitung von Information findet eine <strong>Relevanz-Gewichtung mit Resonanz-Verst&#228;rkung</strong> statt: Der nach Lesermeinung wichtigste Tweet setzt sich durch (und je mehr Menschen votieren, desto st&#228;rker wird dieser Effekt),</li>
<li>Das Internet hilft bei der<strong> Aggregation von Nutzer-Meinungen</strong>, ein Voting, das „Faven“ bei Twitter und das „Bewerten“ von Kommentaren oder eine Fanpage auf Facebook sind schnell und leicht eingerichtet und durchgef&#252;hrt. W&#228;hrend oben noch die redaktionellen Inhalte aggregiert wurden, wird hier ein Stimmungsbild einer Personengruppe sichtbar.</li>
<li>Sofern an vielen Stellen des Internets Meinungs&#228;u&#223;erungen auftreten (Beispiel: 3 Leitkommentare in klassischen Medien, 7 in Blogs) entstehen durch die Bewertung, das Zitieren und Referenzieren und durch die Anzahl an Kommentaren <strong>&#252;bergreifende Kommunikationsr&#228;ume</strong>, welche die Einzelplattform in den Hintergrund dr&#228;ngen. Wer einmal intensiv eine Netzdebatte verfolgt hat, kennt den Effekt. Erst sprie&#223;en Beitr&#228;ge, dann beginnt Diskussion, es entstehen Repliken, Verweise etc. &#8211; bis eine Debatte nach ein paar Tagen zum Erliegen kommt. Das w&#252;rde man wohl einen sich selbst organisierenden Kommunikationsraum nennen, den kein anderes Medium so bietet, dass jedermann daran teilnehmen kann. Am Ende entsteht ein Bild dessen, was wichtig war und welchen Beitrag und welchen Autor man sich merken sollte.</li>
<li><strong>Anonyme</strong> Kommunikation als eine weitere Dimension der Kommunikation f&#252;hrt zu einer <strong>Klarheit bei der Meinungs&#228;u&#223;erung</strong>, wie wir sie nicht einmal in freiheitlichen Demokratien bisher kannten: Nicht nur f&#228;llt die R&#252;cksichtnahme auf eventuelle Repressionen durch das politische System weg, es entf&#228;llt auch der Hang, auf eventuellen sozialen Druck R&#252;cksicht zu nehmen. Radikale Positionen sind eben auch in Deutschland leichter gesagt, wenn man anonym spricht. „Tod dem K&#246;nig!“. Kein Wunder, dass ein U.S.-Senator inzwischen von Facebook <a title="Neu" href="http://www.allfacebook.com/u-s-senator-asks-facebook-for-anonymity-option-2011-02" target="_blank">fordert</a>, anonyme Profile zuzulassen.</li>
<li>Die<strong> verkappte Meinungs&#228;u&#223;erung </strong>ist ein junges<strong> </strong>Ph&#228;nomen<strong> </strong>des Social Sharing. Wer einen Link auf Facebook „teilt“, wer Links auf einem Bookmarking-Dienst sammelt, wer einen Tweet retweeted, nimmt inhaltlich keine Stellung, sondern verweist nur auf diesen Link beziehungsweise Tweet. Er wird aber meistens eine ihm genehme Meinung h&#228;ufiger verteilen als eine ihm nicht genehme. Folge: <strong>Trotz der formalen Neutralit&#228;t ist bei Sharing die Wahrscheinlichkeit von Zustimmung h&#246;her als die von Ablehnung.</strong> „Tod dem K&#246;nig“ von @Antagonist erzeugt auf Aggregationsebene (z.B. Top-Tweets) schnell den Eindruck einer bewegten Menschenmenge, die dem Tweet zustimmt. Dieser Eindruck mu&#223; nicht richtig sein, es gen&#252;gt aber die Gewissheit, dass etliche Nutzer den Retweet jedenfalls nicht f&#252;r eine blo&#223;e Weitergabe halten, die vollkommen neutral ist. Vielleicht mu&#223; man aufgrund des offenkundigen Empf&#228;ngerproblems, der in seine eigenen Vorurteilsfallen tappt, hier auch von einer <strong>versehentlichen Meinungsbildung</strong> sprechen.</li>
<li><strong>Kurzinformation </strong>auf Diensten wie Twitter f&#252;hrt durch den Zwang zur Verk&#252;rzung noch zu drei weiteren Effekten: Erstens gibt es Kurzformen der Zustimmung, z.B. „+1“. Zweitens werden komplexe Aussagen zwangsl&#228;ufig zu kurzen Statements reduziert, die f&#252;r Differenziertheit wenig Raum lassen: <strong>Die Welt ordnet sich in die Polarit&#228;t von Pro und Contra.</strong> Drittens hat die Sprache h&#228;ufig appellhaften, imperativen Charakter.</li>
<li>All dies f&#252;hrt beim einzelnen Leser zu einer <strong>vorurteilskonformen Wahrnehmung</strong> und damit insgesamt zu einem „<strong>Aufputscheffekt</strong>“: Nach zehn gleichartigen Tweets (sowohl neutral wie explizit zustimmend) zu einem Thema unterliegt man schnell dem Einfluss derer, die man f&#252;r die vermeintliche Mehrheit h&#228;lt. Es f&#252;hlt sich an wie das Beobachten eines <strong>digitalen Hammelsprungs</strong>: 7 links dagegen, 3 rechts daf&#252;r – auch ich bin dann dagegen.</li>
</ol>
<p><strong>Gruppe 5: Verschiedenes</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<ol>
<li>Datenbankgest&#252;tzte Zugangswege auf alle Informationen erm&#246;glichen sekundenschnellen <strong>Zugriff auf Daten</strong>. So entstehen beispielsweise mit Hashtags Zugriffsm&#246;glichkeiten auf „Big Data“, wobei die Zuordnung von Hashtag und Inhalt durch Vereinbarung der Gruppe erfolgt und sehr dynamisch sein kann. Entsprechendes gilt z.B. f&#252;r Fotos von Kriegsschaupl&#228;tzen mit Geokoordinaten.</li>
<li>Es scheinen <strong>neue Rollen</strong> zu entstehen: Zum Demonstranten gesellt sich der Supporter, der eine Website zum Thema baut, aber nicht demonstriert (Beispiel Women of Egypt &lt;<em>FB_Gallery_link&gt;</em>). Vielleicht werden sich unter den Online-Supportern weitere Rollen ausdifferenzieren: der B&#252;rger-Reporter, der Promotor, der Pusher, der Bomber (mit seiner DDoS-Kanone) usw.</li>
<li><strong>Digitaler Klingelbeutel</strong>: Mit der M&#246;glichkeit k&#252;nftiger Handies, Micropayments vor allem via Near Field Communication abzuwickeln, werden Bewegungen in einer weiteren Dimension digitalisiert werden. Crowdfunding im Stile von spot.us, kickstarter, betterplace.org ist heute schon da, man wird jedoch „instant“ zu Spenden aufrufen und auch Spenden vornehmen k&#246;nnen. „Wir brauchen eine Videokamera &#8211; spendet hier“ wird der neue digitale Klingelbeutel, flankiert von Facebooks virtueller W&#228;hrung.</li>
<li>Zus&#228;tzlich hilft das Internet noch bei der <strong>Organisation des Widerstands</strong>: Gruppen finden sich auf Plattformen, sammeln Informationen (z.B. &#252;ber inhaftierte Demonstranten – in einem Wiki als Ad-Hoc-Angebot, siehe oben) und verabreden sich, um nur einige Beispiele zu nennen.</li>
<li><strong>Aktivisten-War-Room:</strong> Was einzelne k&#246;nnen, k&#246;nnen Gruppen erst recht. Die digitale Aktivistengruppe ist geboren, die aus dem Wohnzimmer heraus Kampagnen steuert und entwickelt (Beispiel aus Kairo, Video <a title="Neu" href="http://video.nytimes.com/video/2011/02/08/world/middleeast/1248069622796/cairos-facebook-flat.html)" target="_blank">hier</a>). Mit entsprechenden Kollaborationstools, etwa Google Docs, Skype etc. kann diese Gruppe sich auch virtuell managen.</li>
<li>Alle Beteiligten bedienen sich <strong>echter Monitoring-Tools</strong>, um die Situation analysieren zu k&#246;nnen und im eigenen Interesse in die Kommunikation einzugreifen. Das Internet ist also, weil (noch) dessen &#246;ffentliche Teile ungesch&#252;tzt f&#252;r die Kommunikation eingesetzt werden, transparenter als es Telefonie je war, weil jedermann die Kommunikation mit einfachen Mitteln beobachten kann.</li>
</ol>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zwischenergebnis:</span></strong></p>
<p>Durch das Internet ver&#228;ndern sich kommunikative Prozesse sehr stark. Betroffen sind Inhaltsformen, Vernetzungsstrukturen, Nachrichtenketten, Verdichtungsmechanismen, Beschleunigungseffekte, Meinungsfindung, Aktivismusformen, Beobachtung/Monitoring und Finanzierung, um nur die wichtigsten Schlagw&#246;rter zu nennen.</p>
<p>Wo und wie genau das Internet in &#196;gypten wirkte, ist noch nicht ganz klar. Es ist <strong>eine &#220;bertreibung, von Facebook-Revolution zu sprechen.</strong> Angesichts von 20% <a title="heise" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Algerien-Proteste-mit-oder-ohne-Internet-1188594.html" target="_blank">Internetabdeckung</a>, wird man wohl das Internet (insbesondere Facebook) mit seinen &#196;u&#223;erungs- und Vernetzungsform als ersten Schritt der Artikulation sehen m&#252;ssen, ab kritischer Masse gefolgt von realem Protest auf dem Tarhir-Platz. Ab dieser Stelle hatte Al Jazeera mit seiner Live-Berichterstattung gro&#223;e Kraft, wohl eher <a title="TC" href="http://techcrunch.com/2011/02/13/al-jazeeras-social-revolution-in-realtime/" target="_blank">verst&#228;rkt </a>durch Twitter-Kommunikation als durch Facebook &#8211; und in Wechselwirkung mit dem TV-Streaming.</p>
<p><strong>Teil 3: Warum wir kein endg&#252;ltiges Urteil &#252;ber das Internet f&#228;llen k&#246;nnen</strong></p>
<p>&#196;gypten zeigt: Das Abschalten, das &#220;berwachen und das Versenden von Nachrichten sind auch heute noch das Repertoire von Diktatoren.</p>
<p>Was wir hier an Technik sehen konnten, steht so sehr am Anfang, dass sich ein Lob des „Internets an sich“ verbietet. <strong>Von einer Dystopie vom Stand der Technik her sind wir nicht allzuweit entfernt</strong>: Dass n&#228;mlich zus&#228;tzlich zu den heute erkannten Eingrifssgefahren die Anonymit&#228;t der Internetkommentare von Spezialprogrammen zur Autorenerkennung aufgehoben wird, dass Maschinen zur systematischen digitalen Desinformation als digitale Nebelbomben eingesetzt werden, dass Software-Agenten anhand von Geokoordinaten hohe Personendichten erkennen k&#246;nnen, dass k&#252;nftig Mini-Drohnen B&#252;rger &#252;berwachen. Wer sagt uns denn, dass ein hochtechnisiertes Unrechtsregime nicht eines Tages Facebook-Anfragen von Robots aus verschickt, Misstrauen sch&#252;rende Inhalte verbreitet und die Tentakel des Internet of Things uns nicht in der eigenen Tiefgarage einsperren, weil wir am Nachmittag zuvor einer Facebook-Gruppe beigetreten sind oder etwas getwittert haben, was eine Sentinentanalyse nicht ganz so witzig fand?</p>
<p><strong>Auch wenn diese Dystopie nicht eintritt, vieles ist schon heute m&#246;glich</strong>. Was wird denn aus der n&#228;chsten Revolution, wenn ein Regime ein zentrales Internet-Kommunikationssystem st&#246;rt, ein Plattformanbieter heimlich eine Backdoor zum Monitoring anbringt oder gezielt in die Meinungsbildung eingreift – zum Beispiel durch Zensur von Statusmeldungen oder „Entfreunden“ von Menschen, die bestimmte Themenseiten m&#246;gen (Phantasie eines <a title="FB" href="http://www.allfacebook.com/u-s-senator-asks-facebook-for-anonymity-option-2011-02" target="_blank">Senators</a>) ? <strong>Warum sollte sich Facebook in &#196;gypten anders verhalten (m&#252;ssen) als Vodafone</strong>, eine lokale Repr&#228;sentanz mit Vertriebsfunktion vorausgesetzt, deren Menschenleben gef&#228;hrdet sind? Haben wir wirklich schon einen echten Cyberwar gesehen, eines Regimes gegen seine B&#252;rger, und nicht nur von Regierung zu Regierung gegen ausl&#228;ndische Zentrifugen?</p>
<p>Wir m&#252;ssen also diskutieren, was morgen werden soll. <strong>Es ist denkbar, dass das Internet f&#252;r freie Meinungs&#228;u&#223;erung &#252;berall auf der Welt eines Tages unbenutzbar wird</strong>, wenn wir Technokraten nicht gesellschaftlich in ihre Schranken weisen und von Sicherheitsfanatikern nicht immer wieder eine Rechtfertigung f&#252;r ihre Eingriffe in Freiheitsrechte verlangen – was hierzulande wohl ungeheuer revolution&#228;r klingt, aber schon immer unbestrittene Meinung in der Grundrechtsdogmatik ist, die „Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit“ l&#228;sst gr&#252;&#223;en. <strong>Hier geht es nicht um einen gesellschaftlichen Nebenschauplatz</strong>. Es geht zum ersten um das Primat des Sollens gegen&#252;ber dem K&#246;nnen, zum zweiten um Freiheit versus Sicherheit (Sicherheit ist <a title="VFB" href="http://verfassungsblog.de/es-gibt-kein-grundrecht-auf-schutz-vor-strafttern/" target="_blank">kein</a> gleichrangiges Rechtsgut!) und drittens um eine Betrachtung der ganzen Problematik aus einer historischen Perspektive (bedenkt man die Dauer m&#246;glichen Datenmissbrauchs: ein Menschenleben, von heute an). Was sollen wir in 80 Jahren d&#252;rfen, wenn jeder seine Videodrohnen hat? Steigt die Mi&#223;brauchsgefahr des Internets, weil es weiter in die Wirklichkeit dringt, mit seinen Sensoren und Aktoren? Man muss kein „Matrix“-Fan mehr sein, um die <strong>Dystopie des digitalisierten Totalitarismus</strong> f&#252;r m&#246;glich zu halten.</p>
<p>Die Worte von <strong>Angela Merkel</strong>, dass „es zunehmend schwieriger wird, Twitter und Facebook“ zu sperren, sind nicht gl&#252;cklich gew&#228;hlt. Erstens sind genau diese beiden Systeme jeweils ein <strong>„Single Point of Failure“</strong> – sie zu sperren ist gegen&#252;ber den &#252;brigen 95% der Webnutzung vergleichsweise einfach. Zweitens darf man hoffen, dass die Kanzlerin die beiden Dienste als Stellvertreter f&#252;r „Web-2.0-Dienste“ verstand, als sie ihre Rede hielt, genauer: den Teil des Webs, in dem jedermann ungehindert, kostenlos, von &#252;berall und mit geringen Mitteln publizieren kann („WriteWeb“). Drittens zeugt die Zusatzaussage, es sei „auch &#8230; unser Verdienst“, dass diese Dienste nur schwer zu sperren seien, mindestens f&#252;r mangelndes Feingef&#252;hl in der Diskussion um Netzsperren, Deep-Packet-Inspection, maschinelle Abmahnwarnungen, Kill-Switches und Vorratsdatenspeicherung. Im Kontext gemeint waren mit „unser“ vermutlich die Demokratien westlicher Pr&#228;gung; aus der Perspektive eines Inl&#228;nders mutet diese Aussage jedoch wie eine Provokation an. Wen, wenn nicht Facebook, kann man sperren – ein Unternehmen, das ausschlie&#223;lich U.S.-Server hat, dessen Anschrift bekannt ist und dessen Gr&#252;nders Privatleben von Hollywood verfilmt wurde? <strong>Wer Netzsperren erst gesetzlich festschreibt und danach durch die Exekutive kassiert, muss sie legislativ sp&#228;testens dann aufheben, wenn er &#246;ffentlich sagt, dass nicht einmal Facebook gesperrt werden kann</strong>. „Wir“, die freiheitlichen Demokratien, w&#228;ren jedenfalls gut beraten, den m&#246;glichen Schaden von Sperrarchitekturen nicht nur auf die Gegenwart zu beziehen. Auch nach 60 Jahren Demokratie und Rechtsstaat k&#246;nnen wir nicht sicher sein, was in Dekaden vor uns liegt. Wer wei&#223; schon so genau, ob sich der Weltgeist immer nur zur Vernunft hin bewegt? Tunesien und &#196;gypten sind fast schon ein Beweis daf&#252;r, wie sich das Blatt 20 Tage sp&#228;ter unerwartet wenden kann. <strong>Vielleicht hatte es doch Vorteile, einen Historiker zum Kanzler zu haben?</strong></p>
<p>Es gilt also, langfristiger zu denken. Ich halte es f&#252;r einen Fehler, aus aktuellen Ereignissen mit aktuellen technischen M&#246;glichkeiten ausgerechnet in Afrika auf den Wert des Internets zu schlie&#223;en. <strong>&#220;ber das Internet k&#246;nnen wir vielleicht in 30 Jahren urteilen, wenn ein Despot die H&#228;lfte seiner 50 Milliarden USD in die f&#252;nfte Generation von &#220;berwachungstechnik gesteckt hat. </strong>Bis dahin hei&#223;t es: dezentrale und ausfallsichere Architekturen schaffen und den Austausch von Daten zu standardisieren und eventuell sogar als Anspruch zu regeln. Auch m&#252;ssen wir mittelfristig dar&#252;ber nachdenken, wie wir der Diskriminierung durch private Plattformen bei der Aus&#252;bung grundrechtsrelevanter T&#228;tigkeiten vorbeugen. Privatunternehmen weltweit in dieser Weise zu verpflichten ist ein rechtsdogmatisches und wirtschaftliches Minenfeld und es besteht hier auch kein Grund zur Eile, zumal die schwarzen Schafe nicht Google, Facebook oder Twitter sind. Es geht auch nicht unbedingt um den „gro&#223;en Wurf“, wie man an Kleinigkeiten sieht, ob etwa Facebook einen https-Account anbieten muss. Doch sollte man diese Gemengelage im Blick haben, bevor es wirklich einmal zu Problemen kommt. Wenn sich das Internet und seine Player weiter so entwickeln, wird irgendwann die Frage kommen m&#252;ssen: <strong>Wie k&#246;nnen wir sicherstellen, dass das Betriebssystem der Menschheitskommunikation auch im Notfall und diskriminierungsfrei funktioniert?</strong></p>
<p><strong>Teil 4: Das Empowerment des Publikums und die Geschmeidigkeit der Demokratie</strong></p>
<p><strong> </strong>Wir haben oben (2.) gezeigt, dass das Internet durch seine spezifischen M&#246;glichkeiten die Kommunikation stark ver&#228;ndert. Um die Auswirkungen genauer zu betrachten, ist eine Erkenntnis hilfreich: „<em>Das Web ist ein System, das es anderen Systemen erm&#246;glicht, f&#252;reinander Umwelt zu sein.“ (Markus Spath, <a title="Hckr" href="http://hackr.de/2010/12/04/am-ende-der-wurst" target="_blank">hackr</a></em><em>)</em>. Dies bedeutet, dass man <strong>nicht nur die „Aktivisten“-Kommunikation betrachten</strong> darf, um die Folgen des Internets einzusch&#228;tzen. Man muss stattdessen <strong>einerseits</strong> <strong>die</strong> <strong>Interaktion zwischen Politik, Medien, Publikum und anderen Systemen betrachten, andererseits die Ver&#228;nderungen jeweils innerhalb dieser Systeme</strong> – weil das Internet die Kommunikation innerhalb von Systemen und zwischen diesen tr&#228;gt und ver&#228;ndert.</p>
<p>Diese Gesamtsicht taugt als Habilitationsthema, daher hier nur Grundgedanken:</p>
<p>Im <strong>totalit&#228;ren System</strong>, das Regierung, Parteien, Medien gleichschaltet und hierdurch den gesamten Proze&#223; von a) Meinungs&#228;u&#223;erung &#252;ber b) Willensbildung und c) Verdichtung und d) Wahlentscheidung verhindert und manipuliert, kann das Internet das Publikum bef&#228;higen, sich wider Willen der Herrscher &#246;ffentlich zu &#228;u&#223;ern (WriteWeb, Twitter…), sich eine Meinung zu bilden (Diskussionen in Blogs, in sozialen Netzwerken, auf Twitter…), diese zu verdichten (Follower, Likes, RTs…) und sich zu organisieren und konkrete Aktivit&#228;ten im „Real Life“ zu entwickeln (Aktivismus-Beispiele oben 2.). Sobald im „Real Life“ Ereignisse stattfinden, wird die Systemgrenze zwischen Inland und Ausland &#252;berschritten, die das totalit&#228;re Regime unter Kontrolle hatte: durch Handyaufnahmen im Inland und TV aus dem Ausland wird jedes Ereignis f&#252;r jedermann sichtbar (und zwar &#252;ber Internet UND andere Medien). Durch kommunikative Begleitung („Social TV“) entstehen Verst&#228;rkungseffekte mit gro&#223;er Sprengkraft.</p>
<p>Dies bewirkt das Internet aber „nur“ im Publikum, da alle anderen Systeme kontrolliert, gleichgeschaltet, abgeschottet sind: Es ist das Publikum, das sich &#228;u&#223;ert, diskutiert, sich organisiert, entscheidet und letztlich „auf der Stra&#223;e“ handelt. Hinzu kommt, wie eben gesagt, dass die Systemgrenze zwischen Inlands- und Auslands-Kommunikationsraum f&#228;llt.</p>
<p>In der <strong>Demokratie</strong> sind die Auswirkungen des Internets weitgehender und komplexer, da sich durch die Nutzung des Internets auch das politische System und die Medien ver&#228;ndern. Hier einige schon heute sichtbare Ans&#228;tze, die <strong>zus&#228;tzlich</strong> zu den Publikumseffekten (oben, Diktatur) auftreten:</p>
<ol>
<li><strong>Politisches System</strong>: Das <strong>Innere und somit auch die Qualit&#228;tsm&#228;ngel von Politik werden sichtbarer</strong> als bisher, und zwar von den Ergebnissen (z.B. Gesetzesentw&#252;rfen, die zum Teil recht kompetent in Blogs diskutiert werden, z.B. JMStV), Prozessen (Live-Streams von Parlamentssitzungen, Pressekonferenzen, Aussch&#252;ssen, Enquete…) und Personen (ich meine hier z.B. Tweets einiger Abgeordneter).</li>
<li>Durch Digitalisierung <strong>verliert das</strong> <strong>Mediensystem an Leitkraft</strong>. Wer will, holt sich mit einem Klick mehrere unterschiedliche Meinungen ein, in jedem Fall aber sieht er fast immer kritische Leserkommentare. Schritt 1: Die Einzelpublikation verliert das &#220;berschie&#223;ende an Leuchtkraft, mitunter sogar ihre Glaubw&#252;rdigkeit. Schritt 2: Die Meinungsvielfalt &#252;ber alle Publikationen hinweg wird sichtbarer. Schritt 3: Der nat&#252;rliche Wille zur eigenen Identit&#228;tsbildung verschiebt die eigene Meinungsbildung vom Muster, fremde Wertungen zu &#252;bernehmen, zum Muster, sich selbst zwischen divergierenden Meinungen entscheiden zu m&#252;ssen. Das Selbstvertrauen des Publikums steigt, zumal echte oder scheinbare Experten die Szene mitbestimmen.</li>
<li>Die <strong>Trennung</strong> <strong>von Medien und Publikum wird durch das WriteWeb aufgehoben</strong>: es kann ja jeder schreiben und wird zum Publizisten. (Heutige Reichweiten der Nachrichtenportale best&#228;tigen das noch nicht.) Auch dies kann dazu f&#252;hren, dass das hergebrachte Mediensystem an Wirkung verliert. Vielleicht l&#228;&#223;t es sich auch irgendwann vom Publikum nicht mehr trennen: ein Teil schreibt, und ein Teil liest und kommentiert – der Rest ist Technik zur Distribution, Aggregation, Bezahlung?</li>
<li>Publikum: Das Publikum <strong>erlebt Entfremdung zur Politik</strong>, da erstens das professionelle Mediensystem die Leitkraft verliert (s.o.). Die Entfremdung steigt, wenn sich zweitens das politische System nicht kommunikativ reformieren kann, indem es inhaltsleer-appelative, sinnlose und rituell erstarrte Kommunikationsartefakte wiederholt („Die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zw&#228;nge anders entschlossen“, „FDP statt GR&#220;NE“, „Ich bilde kein Schattenkabinett.“,„Bin beim Sch&#252;tzenfest“-Tweet). Kommt es drittens zu Ergebnissen, die f&#252;r einfache B&#252;rger ohne die Vermittlung der Medien recht skurril aussehen, steigt die Entfremdung: H&#228;tte nicht schon <strong>Pooh der B&#228;r</strong> gefragt, wieso man eine Enquete einsetzt, wenn man zeitgleich eine Kakophonie der skurrilsten Gesetzesvorschl&#228;ge und Vorgehensweisen von Politikern und Ministern bzw. Senatoren in der Presse lesen mu&#223;? Muss man <strong>Vulkanier</strong> sein, um den Widerspruch zwischen der grundgesetzlich verankerten Volkssouver&#228;nit&#228;t einerseits und „EU-Vorgaben“ bei der Vorratsdatenspeicherung andererseits zu erkennen? H&#228;tte <strong>ALF</strong> keine Entschuldigung von seinen Pflegeeltern verlangt, wenn diese ein verfassungswidriges Gesetz zu seiner &#220;berwachung erlassen h&#228;tten?</li>
<li>Die <strong>Kommunikationskan&#228;le zu bespielen wird f&#252;r die Politik m&#246;glicherweise schwieriger</strong>: Das strukturierte, hergebrachte Mediensystem wird zun&#228;chst erg&#228;nzt (und vielleicht auch ersetzt, siehe z.B. newsgrape.com) durch eine dynamische Ad-Hoc-Struktur mit einer Vielzahl von „Input-Stellen“. Hier &#228;ndern sich m&#246;glicherweise Schnittstellen zwischen Politik und Medien (von alt zu neu.)</li>
<li>Der <strong>umgekehrte Kanal von Publikum zu Politik wird immer direkter und schneller</strong>: Gremien und Mandatstr&#228;ger sehen durch moderne Social Media Monitoring Tools den Meinungsstand im Publikum zu allen relevanten Themen. Wir sind keine 10 Jahre entfernt von einer Realtime-Demoskopie, bei der Stabsstellen morgens in Berlin ein umfassendes, gleichf&#246;rmiges Reporting &#252;ber die Volkesstimmung ihren Entscheidern vorlegen. Wenn hier noch herk&#246;mmliche Medien berichten – und das werden sie! – entsteht ein neuer Echtzeit-Echo-Raum.</li>
<li><strong>Leak-Plattformen</strong> sind darauf ausgerichtet, dass kein System mehr eine Innensicht mit Sicherheit annehmen kann. Die Kommunikation dringt entweder nach aussen oder findet nicht mehr digital statt (oder muss verschl&#252;sselt werden.)</li>
</ol>
<p>Es sieht alles danach aus, als w&#252;rde <strong>das Publikum erstens tiefer in Medien- und Politik-System „hineinsehen“ k&#246;nnen (mit ersterem langfristig vielleicht sogar verschmelzen?), sich zweitens st&#228;rker von den etablierten Playern in Medien und Politik distanzieren und drittens st&#228;rker innerhalb (untereinander) zusammenr&#252;cken</strong>. Das kann man Empowerment oder Partizipation nennen und als Weg zur gelebten Volkssouver&#228;nit&#228;t feiern, der durch das Internet geebnet wird. Dabei wirkt die Strukturlosigkeit und die Unvorhersagbarkeit des Publikums mitunter bedrohlich, kann jedoch kurzfristig – weil nicht legitimiert zu Rechtsetzung und Gewaltaus&#252;bung &#8211; nichts „anrichten“, weil es personell von der Legislative entkoppelt ist. F&#252;r die <strong>Synchronisierung zwischen Publikum und  Politik sorgen die n&#228;chsten Wahlen –  und die Politik nimmt dies k&#252;nftig durch ihre Bestrebungen vorweg, die Bewegungen des Publikums m&#246;glichst in Realtime-Demoskopie nachzubilden, am besten in Facebook, damit die Distanz sich eben nicht vergr&#246;&#223;ert. Doch hat nur die Politik in demokratischen Systemen diese „Geschmeidigkeit“ zum Machterhalt. Dem Diktator, der sich nicht anpassen will, wird dieses Empowerment des Publikums zum Ver-H&#228;ngnis.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Post Scriptum – Der Viertelgeviertstrich</strong></p>
<p style="padding-left: 30px;">Nun wissen wir also, dass es eine „Revolution durch Facebook“ nicht gab und eine „Facebook-Revolution“ auch nie behauptet wurde. Trotzdem fanden sich neben den Abschreibern, welche die These kolportierten, auch wieder einmal Protestanten, die gleich die Antithese an die T&#252;r nagelten, beispielsweise im <a title="SPD" href="http://www.spd.de/aktuelles/8474/20110131_keine_facebook_revolution.html" target="_blank">Blog</a> der SPD.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Es ist faszinierend zu sehen, wie 16 Buchstaben und ein Strich das Mediensystem in Schwingung bringen. <strong>Gibt es ein unklareres Wort als „Facebook-Revolution“?</strong> In welchem Verh&#228;ltnis standen „Facebook“ und „Revolution“? Revolution bei Facebook (wie bei Winter-Schlussverkauf), Revolution von Facebook (wie bei Hosen-Tr&#228;ger) oder Revolution zum Zwecke von Facebook (wie bei Killer-Tomate)? Ein Blick in die Wikipedia zeigt: Die Koppelung durch den <a title="Wkp" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Viertelgeviertstrich#Rechtschreibregeln" target="_blank">Viertelgeviertstrich</a> hat gar keine Semantik, die Teile sind auf geheimnisvolle Weise einfach nur verbunden, wie zwei Dinge mit Klebstoff. <strong>Es ist ein Kreuz mit dem Bindestrich</strong>. Profi- Journalisten h&#228;tten hier noch stutziger werden m&#252;ssen als beim Satz „Aber der <em>Islam</em> geh&#246;rt inzwischen auch zu <em>Deutschland</em>“, weil letzterer ja immerhin mit „geh&#246;rt-zu“ die Beziehung zwischen „Islam“ und „Deutschland“ in &#252;berhaupt irgendeiner Weise zu beschreiben versucht.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Nun h&#228;tte man die unklare Wortwahl freundlich ignorieren, den Umst&#228;nden zuschreiben oder bei der Professorin nachfragen k&#246;nnen. Der Reflex ist aber Kritik. Das verwundert, denn auch zur Bezeichnung „November-Revolution&#8221; sind seit 1919 und zur „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mai-Revolution" target="_blank">Mai-Revolution</a>“ seit 1810 keine kritischen Beitr&#228;ge vernommen worden. Es findet sich auf Anhieb auch niemand, der die Bezeichnungen „Prager Fr&#252;hling“, „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Singende_Revolution" target="_blank">Singende Revolution</a>“, „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tulpenrevolution" target="_blank">Tulpenrevolution</a>“ und „<a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nelkenrevolution" target="_blank">Nelkenrevolution</a>“ als zu euphemistisch kritisiert. Bei der georgischen <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rosenrevolution" target="_blank">Rosenrevolution</a> gen&#252;gte ein wundersch&#246;ner Satz, ihr den Namen zu geben: „Wir werden Rosen statt Kugeln auf unsere Feinde werfen.“ Hat damals jemand im SPD-Blog geschrieben: „Das ist keine Rosen-Revolution“? Willy Brandt h&#228;tte zu Lebzeiten tagelang sein Zimmer nicht verlassen, und das v&#246;llig zu recht.</p>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/">Die „Facebook-Revolution“ &#8211; Gedanken zum Einfluss des Internets auf politische Umbr&#252;che</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/38129/die-facebook-revolution-gedanken-zum-einfluss-des-internets-auf-politische-umbrueche/#comments">60 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38129&amp;md5=b5516f88148cd181476f4942e2a668b8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Arianna Huffington und ihre Blogger: Das Ende vom Web 2.0?</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 05:00:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ausgerechnet an AOL wird die Huffington Post verkauft und einige ihre Blogger geben sich dar&#252;ber emp&#246;rt. Ist der Deal ein Verrat an den "Idealen des Web 2.0"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Noch vor kurzem h&#228;tte das kaum jemand f&#252;r m&#246;glich gehalten: Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Huffington_Post" target="_blank">Huffington Post</a>, 2005 erst gegr&#252;ndet, wird f&#252;r <a href="http://techcrunch.com/2011/02/06/armstrong-memo-aol-huffpo/"><strong>315 Millionen US-Dollar</strong></a> verkauft &#8211; und das ausgerechnet an AOL. Doch es herrscht nicht nur Freude &#252;ber diesen Deal. Insbesondere unter den Bloggern, die unentgeltlich f&#252;r die Huffington Post geschrieben haben, macht sich jetzt &#196;rger breit.</p>
<p>So k&#252;ndigt <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree/cifamerica/2011/feb/09/arianna-huffington-aol-douglas-rushkoff" target="_blank">Douglas Rushkoff </a>medienwirksam im Guardian an, dass er zwar gerne unentgeltlich f&#252;r Arianna Huffington schreiben w&#252;rde, nicht aber f&#252;r AOL. Sein Text, der mit einer Art Pluralis Majestatis als Stilmittel arbeitet, will offensichtlich f&#252;r m&#246;glichst viele der &#252;ber 9.000 Huffpo-Blogger sprechen. Deren Stimmungslage mag er damit zwar gut treffen, zugleich m&#252;ssen sich diese Personen aber auch die Frage gefallen lassen, wo sie zuletzt ihre Augen hatten.</p>
<p>Die Huffington Post ist schon seit l&#228;ngerem nicht mehr nur der selbstlose linksliberale Leuchtturm, der einem besseren Amerika und dem &#8220;Web 2.0&#8243; Orientierung bietet. Zwar hat das Online-Medium seine politische Ausrichtung immer beibehalten, daneben aber auch mit einer ordentlichen Portion an Pragmatismus zielstrebig seine Reichweite ausgebaut. Bei der Wahl der Mittel war man dabei nicht zimperlich. Der Boulevard machte sich breit und mit ihm kam die Suchmaschinenoptimierung. Die Blogger wollen das nicht bemerkt haben?</p>
<p>Als Obama Pr&#228;sident wurde, hatte die Huffington Post dazu die sch&#246;nsten Bilder und auch schon die passenden Texte zur Garderobe der neuen First Lady. Sp&#228;testens da h&#228;tte man merken k&#246;nnen, in welche Richtung der Zug rollt. Sich jetzt dar&#252;ber <a href="http://paidcontent.org/article/419-aol-huffpo-arianna-and-the-free-blog-economy/" target="_blank">mokieren</a>, dass Arianna Huffington die Ideale der Blogger f&#252;r sich ausgenutzt habe, wirkt kleinlich und deplatziert.</p>
<p>Denn man kann die Story auch in einem anderen Licht betrachten. Die Huffington Post war nicht einfach nur eine Art Blog-Zeitung, sondern schon relativ fr&#252;h sehr technik- und reichweitenfokussiert. Gut auf den Punkt bringt das eine <a href="http://www.businessinsider.com/seven-secrets-that-led-to-huffington-posts-315000000-success-2011-2#" target="_blank">Artikel-Klickstrecke</a> (!) im Business Insider, die deutlich macht, wie zielgerichtet die Mannschaft rund um Arianna Huffington vorgeht. Diese Arbeit hat nicht zuletzt auch den Bloggern geholfen, ihre pers&#246;nliche Reichweite zu verbessern.</p>
<p>Wie die Huffington Post dabei praktisch vorgeht, hat exemplarisch <a href="http://blogs.reuters.com/felix-salmon/2011/02/08/why-the-nyt-will-lose-to-huffpo/" target="_blank">Felix Salmon</a> aufgezeigt: Die New York Times landet einen Scoop, die Huffington Post springt auf das Thema auf und erreicht damit ein Vielfaches an Kommentaren &#8211; und vermutlich auch an Page Views. Das Bemerkenswerte daran ist nicht, dass die Huffington Post bei der New York Times abkupfert, sondern dass die &#8220;Ideale des Web 2.0&#8243; keine sind: Ihrer Logik zufolge m&#252;sste die New York Times den meisten Traffic und die meisten Kommentare erhalten, denn sie hat schlie&#223;lich den Scoop produziert. Tats&#228;chlich aber schl&#228;gt die Huffington Post mehr Kapital aus dem Thema, weil sie sich nicht auf die Wirkung einer guten Story allein verl&#228;sst, sondern mit einer perfektionierten Technik alles daran setzt, dass jeder ihrer Artikel zum viralen Hit werden kann. Vorsprung durch Technik, k&#246;nnte man dazu auch sagen.</p>
<p>Diese Art von Vorsprung ist es am Ende, der den hohen Kaufpreis und die &#220;bernahme durch AOL m&#246;glich gemacht hat. Die Blogger der Huffington Post sollten sich klar machen, dass mit dem Verkauf keine neuen Zeiten anbrechen und dass sie selbst von der Technik der Plattform profitiert haben. Im &#220;brigen heisst das &#8220;Web 2.0&#8243; neuerdings &#8220;Social Web&#8221; und dr&#252;ckt damit sehr gut aus, was man als Blogger von der Huffpo erwarten kann: Social satt.
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38046&amp;md5=1a04a7ddb008e23140e9523252cebdc5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Buchpr&#228;sentation &#8220;Medienwandel Kompakt 2008-2010&#8243; am 21. Februar in Berlin</title>
		<link>http://carta.info/37748/buchpraesentation-medienwandel-kompakt-2008-2010-am-21-februar-in-berlin/</link>
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		<pubDate>Fri, 04 Feb 2011 22:56:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jan Krone]]></category>
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		<category><![CDATA[Nomos Verlag]]></category>

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		<description><![CDATA[Hinweis in eigener Sache: Am 21. Februar wird Jan Krone sein Buch mit Blogtexten in Berlin vorgestellen. Carta-Leser sind herzlich eingeladen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Internet ausdrucken? Aber sicher! <em>Carta</em>-Autor Jan Krone hat rund 70 Blog- und Netz-Texte der vergangenen zwei Jahre ausgew&#228;hlt und zu einem Buch editiert.</p>
<p>Am 21. Febuar werden wir die Publikation &#8220;Medienwandel Kompakt 2008 -2010&#8243; (Nomos Verlag) im Rahmen einer kleinen Abendveranstaltung in Berlin vorstellen &#8211; im BASE_camp, Unter den Linden 10, 19:00 Uhr. Neben dem Jan Krone dabei: Marcel Wei&#223;,  Christoph Kappes, Andreas Beierwaltes vom Nomos Verlag und ich.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/01/CoverMedienwandel.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-37399" title="Buchcover Medienwandel kompakt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/01/CoverMedienwandel-207x300.jpg" alt="" width="207" height="300" /></a></p>
<p>Im Klappentext zum Buch hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p>Der in der wissenschaftlichen Literatur bislang ungew&#246;hnliche Weg  Online-Publikationen zu drucken, stellt gleicherma&#223;en einen Effekt des  Medienwandels dar.</p></blockquote>
<p>Und weiter:</p>
<blockquote><p>Das zunehmend un&#252;bersichtliche Internet mit seiner Vielzahl an  wertvollen Ver&#246;ffentlichungen wird mittels redaktionellen Filters  zeitsparend f&#252;r die interessierte Leserschaft erschlossen und verkn&#252;pft  die Online- mit der Druckwelt. Der Band dient allen Interessierten, die  sich einen kompakten &#220;berblick &#252;ber die durch die Medientechnologie  verursachten Umbr&#252;che der Medienwelt innerhalb der letzten zwei Jahre  verschaffen wollen.</p></blockquote>
<p>Was das alles zu bedeuten hat, wird Herausgeber Jan Krone an dem Abend erl&#228;utern. Das Buch ist auf jeden Fall ein h&#252;bsches Zeitdokument, was in den letzten zwei Jahren so auf Carta, auf Netzwertig und &#228;hnlichen Blogs geschrieben und gedacht wurde.</p>
<p>Es w&#252;rde uns nat&#252;rlich freuen, wenn ein paar Leute vorbeikommen w&#252;rden. <em>Carta</em>-Leser sind hiermit herzlich eingeladen.</p>
<p><a href="http://de-de.facebook.com/event.php?eid=109027425838459">Hier</a> kann man sich auf <strong>Facebook</strong> f&#252;r die Buchvorstellung anmelden; und <a href="http://de.amiando.com/medienwandel.html">hier</a> bei <strong>Amiando</strong> (Um <strong>Anmeldung</strong> wird gebeten). Mehr zu dem Buch auch <a href="http://carta.info/37398/buch-medienwandel-kompakt-2008-2010/">hier</a> auf <em>Carta</em>. Inhaltsverzeichnis und/ Leseprobe zum Buch <a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=13246">hier</a>.</p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><a href="http://de-de.facebook.com/event.php?eid=109027425838459"><br />
</a>
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				<img src="http://api.tweetmeme.com/imagebutton.gif?url=http%3A%2F%2Fcarta.info%2F37748%2Fbuchpraesentation-medienwandel-kompakt-2008-2010-am-21-februar-in-berlin%2F&amp;style=compact&amp;b=2" height="61" width="50" /><br />
			</a>
		</div>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/37748/buchpraesentation-medienwandel-kompakt-2008-2010-am-21-februar-in-berlin/">Buchpr&#228;sentation &#8220;Medienwandel Kompakt 2008-2010&#8243; am 21. Februar in Berlin</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/37748/buchpraesentation-medienwandel-kompakt-2008-2010-am-21-februar-in-berlin/#comments">4 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37748&amp;md5=c1b48990b219bac57ce71be07b1acb15" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://carta.info/37748/buchpraesentation-medienwandel-kompakt-2008-2010-am-21-februar-in-berlin/feed/</wfw:commentRss>
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		</item>
		<item>
		<title>Es ist ein Buch geworden: Medienwandel kompakt 2008-2010</title>
		<link>http://carta.info/37398/buch-medienwandel-kompakt-2008-2010/</link>
		<comments>http://carta.info/37398/buch-medienwandel-kompakt-2008-2010/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2011 11:43:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>
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		<description><![CDATA[Texte zum Medienwandel aus ihrer digitalen Form in einen analogen Kontext bringen? Warum nicht, sagte sich Jan Krone, sammelte Artikel aus Blogs und machte daraus ein Buch, das jetzt erschienen ist. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer h&#228;tte das gedacht: Der <strong>Medienwandel</strong> kommt  - in Gestalt eines Buches. <a href="http://www.fhstp.ac.at/studienangebot/bachelor/mm/studiengangsteam/krone-jan">Jan Krone</a>, der Herausgeber, hat dazu Beitr&#228;ge von 28 Autorinnen und Autoren zusammen gestellt, die in den letzen 3 Jahren im Netz publiziert worden sind und sich mit der Digitalisierung der Medien befassen. Nun liegen sie erstmals in gedruckter Form vor, thematisch gegliedert in 5 Bereiche: Technologie, Kommunikationsoptionen, Journalismus, Medienwirtschaft und Regulierung.</p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-37399" title="Buchcover Medienwandel kompakt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/01/CoverMedienwandel-207x300.jpg" alt="" width="207" height="300" />Etliche sind urspr&#252;nglich hier auf Carta erschienen, andere u. a. auf <a href="http://www.netzwertig.com" target="_blank">netzwertig</a> oder <a href="http://www.neunetz.com" target="_blank">neunetz</a>. Zusammen ergeben sie einen guten &#220;berblick dar&#252;ber, wie die Debatte um den Medienwandel aus dem Netz heraus gesehen und gedeutet wurde. Den gedruckten Beitr&#228;gen fehlen nur die Kommentare, die online dazu kamen und sich des &#246;fteren zu ausgesprochen lebhaften Diskussionen entwickelten. Jedoch sind zu allen Texten im Buch Quellenangaben gemacht, so dass man diese aufrufen kann.</p>
<p>Im Februar wird es in Berlin eine <strong>Pressekonferenz</strong> zu dieser Buchver&#246;ffentlichung geben, organisiert von Jan Krone und  Robin Meyer-Lucht. Weitere Teilnehmer werden Christoph Kappes, Marcel Wei&#223; sowie von Seiten des Nomos-Verlags, Andreas Beierwaltes, sein. Ort und Zeit: BASE_camp, Unter den Linden 10, Montag, 21. Februar 2011, 19:00 Uhr.</p>
<p>Das Buch kostet 29,- Euro ist ab jetzt im Handel oder <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832962638?ie=UTF8&amp;tag=carta-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=383296263">hier</a> bei Amazon erh&#228;ltlich.
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<a href="http://carta.info/37398/buch-medienwandel-kompakt-2008-2010/">Es ist ein Buch geworden: Medienwandel kompakt 2008-2010</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/37398/buch-medienwandel-kompakt-2008-2010/#comments">20 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37398&amp;md5=248ab9faa6308cd1c04b5b9d2b37ec99" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Aufstand des Publikums</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Jan 2011 12:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Victoria Carty]]></category>
		<category><![CDATA[W. Lance Bennett]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neuen Medien ver&#228;ndern &#214;ffentlichkeit und B&#252;rgerlichkeit und wirbeln das kommunikative Machtgef&#252;ge zwischen Politik, Medien und Publikum kr&#228;ftig durcheinander. Eine Besprechung aktueller Buch-Neuerscheinungen zum digitalen Strukturwandel der &#214;ffentlichkeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn vom Verh&#228;ltnis zwischen Politik und neuen Medien die Rede ist, ist das Stichwort von der „<strong>Medialisierung von Politik</strong>“ nicht weit. Was hei&#223;t das? Gemeint ist eine Vielzahl von Medienwirkungen, die sich nicht auf den einzelnen Zeitungsleser, Fernsehzuschauer oder Online-Nutzer beziehen, sondern auf die allm&#228;hliche Ver&#228;nderung politischer Prozesse, Institutionen und Systeme. Gingen die wichtigsten Effekte dabei lange auf das Konto der etablierten Massenmedien, so macht sich seit gut einem Jahrzehnt das Internet bemerkbar.</p>
<p>Dank World Wide Web ist die Verbreitung von Texten, Bildern und Videos l&#228;ngst nicht mehr den gro&#223;en Verlags- und Medienh&#228;usern vorbehalten. Immer h&#228;ufiger mischen sich B&#252;rger, Initiativen und Interessengruppen in die &#246;ffentliche politische Debatte ein. Lassen sich &#252;ber das Internet auch solche Menschen f&#252;r die Teilhabe am politischen Prozess gewinnen, die zuletzt politikabstinent waren? Besonders in den Fokus geraten junge Menschen, die <strong>Henry Milner</strong> in seinem Buch „<a href="http://www.amazon.de/Internet-Generation-Historical-Contemporary-Perspectives/dp/1584659386/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1295955527&amp;sr=1-1">The Internet Generation: Engaged Citizens or Political Dropouts</a>“ beobachtet hat. Milner nimmt bei seiner sorgf&#228;ltigen Analyse einen skeptischen Blickwinkel ein: W&#228;chst gerade eine Gruppe „aktiver Netzb&#252;rger“ heran – oder sind die Onliner doch eher „politische Aussteiger“?</p>
<p>In der Mehrzahl ordnet Milner junge Menschen unter 30 Jahren in die zweite Kategorie ein. Wesentlicher Grund f&#252;r die pessimistische Haltung des Autors ist die gro&#223;e Bedeutung des Themas „politisches Wissen“ in seinem Politikkonzept – und dessen auf breiter Front zu beobachtender R&#252;ckgang. Milner vergleicht den politischen Kenntnisstand in den USA, Gro&#223;britannien und Europa miteinander und setzt ihn in Bezug zur Entwicklung politischer Beteiligung. Seine Ergebnisse verweisen auf einen weltweiten R&#252;ckgang politischer Partizipation – am deutlichsten sichtbar anhand derEntwicklung der Wahlbeteiligung.</p>
<p>Milners Fazit: Die Vermittlung von Informationen im Sinne einer politischen Bildung wird durch die Auswirkungen der Medialisierung erschwert, und darunter leidet die Entwicklung hin zum „engagierten B&#252;rger“. Ein Zustand, den der Autor nicht ausschlie&#223;lich dem Internet ankreidet; doch erleichterten dessen Spezifika dem Publikum den Konsum von seichter Unterhaltung: „Mit der Fernbedienung in der Hand kann man ein langweiliges Programm – vielleicht eine Nachrichtensendung – schnell einmal wegdr&#252;cken; mit dem Internet aber hat man die permanente Option zur Auswahl weniger langweiliger Medieninhalte.“ Zwar beschreibt Milner die Internet-Generation nicht ausschlie&#223;lich als passives Unterhaltungspublikum, er ber&#252;cksichtigt auch die Ans&#228;tze einer aktiven, auf Aneignung angelegten Nutzungskultur. Allerdings vermutet er die partizipationsorientierten „Onliner“ in der Minderzahl.</p>
<p><strong>Die Generation Internet macht mobil</strong></p>
<p>Als Beispiel f&#252;r gelungene Mobilisierung gerade von j&#252;ngeren W&#228;hlern verweist Milner auf die Obama-Kampagne, unterstellt hier jedoch vor allem einen erheblichen Star-Bonus: „Es k&#246;nnte sein, dass das Obama-Ph&#228;nomen von 2008 etwas Einzigartiges war, das eine ganz banale Frage aufwirft: F&#252;r wie viele junge Unterst&#252;tzer war Obama einfach nur der Promi des Augenblicks?“ Dass es so einfach wohl nicht ist, zeigt ein Blick auf die Ereignisse rund um die Zwischenwahlen vom November 2010: Seit dem Wahlsieg Obamas hat das konservative Spektrum erheblich aufgeholt und die Mehrheitsverh&#228;ltnisse im Netz auf den Kopf gestellt. Einen erheblichen Anteil daran hatten die „Tea Party Patriots“, ein lose verkn&#252;pftes Netzwerk, das sich als „Soziale Bewegungs-Community“ beschreiben l&#228;sst.</p>
<p>Dieser Begriff ist einer der Kernpunkte in <strong>Victoria Cartys</strong> Buch „<a href="http://www.amazon.de/Wired-Mobilizing-Movements-Technology-Electoral/dp/041588070X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955667&amp;sr=1-1">Wired and Mobilizing</a>“ – und lie&#223;e sich in Konkurrenz zu Milner ebenfalls als Charaktermerkmal der Generation Internet verstehen. Im R&#252;ckgriff auf theoretische Modelle der Bewegungsforschung unternimmt die Soziologin den Versuch zu kl&#228;ren, wie und warum bei politischen Protesten in den vergangenen Jahren das Internet genutzt wurde. Carty schl&#228;gt dabei einen Bogen von der gegen den Sportartikel-Hersteller Nike gerichteten Kampagne „Students against Sweatshops“ aus dem Jahr 1998 bis zu Obamas erfolgreicher Mobilisierungskampagne 2008.</p>
<p>Die bei aller inhaltlichen F&#252;lle knapp gehaltene Untersuchung eignet sich als anspruchsvolle Begleitlekt&#252;re zu den Ereignissen um die Protestwelle gegen „Stuttgart 21“ oder die Renaissance der j&#252;ngsten CastorProteste. Nat&#252;rlich nutzen auch die etablierten Akteure das Internet als Organisations- und Kommunikationsraum; „Medialisierung von oben“ nennt die Autorin das. Als typisches Beispiel daf&#252;r macht sie die Obama-Kampagne aus, die nur vordergr&#252;ndig ein wenig hierarchischer und flach organisierter Mitmach-Wahlkampf gewesen sei: „Trotz der Bem&#252;hungen von Graswurzelaktivisten bleiben die klassischen politischen Eliten im Zentrum des politischen Prozesses, dabei nutzen sie die computergest&#252;tzte Kommunikation zum B&#252;rgermanagement. Das hei&#223;t, dass Politikmanager digitale Medien nicht nur dazu nutzen, sich an der &#246;ffentlichen Meinung zu orientieren, sondern auch, um deren Entstehung zu beeinflussen.“</p>
<p><strong>Kollektiver Handlungsraum</strong></p>
<p>Eine gro&#223;fl&#228;chige Bestandsaufnahme der neuen politischen Landschaft im Netz unternehmen die Autoren des von <strong>Andrew Chadwick</strong> und<strong> Philip N. Howard</strong> herausgegebenen „<a href="http://www.amazon.de/Routledge-Handbook-Internet-Politics-Chadwick/dp/0415780586/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955764&amp;sr=1-2">Handbook of Internet Politics</a>“. Neben OnlineWahlkampf, E-Government oder digitaler Staatlichkeit tauchen mehrfach die Themen politisches Engagement und Cyber-Aktivismus auf. So entwickeln Bruce Bimber, Cynthia Stohl und Andrew J. Flanagin das Konzept eines kollektiven Handlungsraums und widmen sich so der vielleicht spannendsten Frage, wenn es um Medialisierung von Politik geht.</p>
<p>Dieser Beteiligungsraum entfaltet sich entlang der Dimensionen „Interaktion“ (durch mehr oder weniger pers&#246;nliche Kommunikation) und „Engagement“ (innerhalb klassischer Institutionen oder als projektbezogene Aktivit&#228;t). Die so entstehende Matrix erlaubt den Autoren nicht nur die Einordnung innovativer politischer Aktivit&#228;ten, die von der Nutzung des Internet gepr&#228;gt sind, sondern auch eine historische Abbildung politischer Organisationsformen. Online-Kommunikation f&#252;hrt nach Ansicht der Autoren zur Ver&#228;nderung s&#228;mtlicher Aspekte politischer Organisation: „Die gr&#246;&#223;te Leistung des Internet als politisches Medium ist seine gro&#223;e Flexibilit&#228;t, denn es kann sowohl Interaktionen wie auch Engagement beeinflussen.“</p>
<p>Diese Unbestimmtheit hat nicht nur den Anstieg „unpers&#246;nlicher“,medial vermittelter Kommunikation zur Folge, sondern kann auch zur Verst&#228;rkung von Bindungen bereits miteinander bekannter Onliner f&#252;hren. „Das Internet hilft gro&#223;en, anonymen Organisationen bei der Suche nach neuen Mitgliedern und der Mobilisierung f&#252;r bestimmte Ziele. Es hilft aber auch kleinen Gruppen von B&#252;rgern mit gemeinsamen Interessen, die sich zusammenschlie&#223;en und gemeinsam handeln k&#246;nnen.“ Obwohl als theoretischer Beitrag angelegt, scheinen hier zwei Themen auf, die in der deutschen Diskussion um Politik im Internet relevant sind: der Umgang der Mitgliederparteien mit der Vielfalt neuer Unterst&#252;tzertypen wie „Freunden“, „Fans“ und „Followern“ und die Nutzung des Internet zur Organisation und Umsetzung von Protestorganisationen, wie etwa den Twitter- und Facebook-Aktivit&#228;ten im Umfeld von „Stuttgart 21“.</p>
<p>&#220;ber die Zusammenh&#228;nge zwischen Identit&#228;t, Technologie und Narrativen diskutieren <strong>W. Lance Bennett</strong> und <strong>Amoshaun Toft</strong> in ihrem Aufsatz „<a href="http://www.amazon.de/Routledge-Handbook-Internet-Politics-Chadwick/dp/0415780586/ref=sr_1_2?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295955764&amp;sr=1-2">Transnational activism and social networks</a>“. Zentral f&#252;r solche Formen politischer Kommunikation sei das Verh&#228;ltnis unterschiedlicher Bindungstypen („strong ties“ und „weak ties“) innerhalb der Netzwerke. Bennett und Toft liefern damit &#252;beraus n&#252;tzliches Hintergrundmaterial zu der gerade in den USA gef&#252;hrten Debatte um Authentizit&#228;t und Qualit&#228;t politischer Proteste. Eine Debatte, bei der die Bef&#252;rworter der zu Zeiten der B&#252;rgerrechtsbewegung dominierenden „starken Bindungen“ den neuen Formaten „schwach gebundener“ OnlineKommunikation via Facebook oder Twitter eine politische Wirkung absprechen.</p>
<p>Innerhalb der neuen, internet-basierten oder auch nur internetnutzenden politischen Organisationen &#252;bernimmt nach Bennett und Toft allerdings bereits die Bindungsstruktur wichtige Aufgaben: „Der Kommunikationsprozess wird selbst zur Organisationsstruktur, wenn er die Technologie untrennbar mit dem sozialen Netzwerk selbst verkoppelt.“ Anschaulich illustriert wurde diese Feststellung am Wochenende des Castor-Transports ins Wendland – der harte Kern der Protestierenden operierte vor Ort in der N&#228;he des Endlagers Gorleben, doch erhielt er logistische und kommunikative Unterst&#252;tzung &#252;ber das Internet. Viele „Onliner“ beteiligten sich durch spontane Mitteilungen via Facebook und Twitter an der Berichterstattung &#252;ber die Route des CastorZuges und wurden auf diese Weise zeitweilig Teil einer „virtuellen Protestgemeinschaft“.</p>
<p>Bennetts und Tofts Sichtweise markiert einen qualitativen Sprung in der Debatte um politische Online-Beteiligung: Das Netzwerk wird als Plattform zum integralen Bestandteil der Organisation und liefert einen Grund daf&#252;r, warum das Handeln von Protestierenden in unterschiedlichen historischen Zeitr&#228;umen nur schwer (oder gar nicht) vergleichbar ist. Nebenbei findet sich hier ein Hinweis auf die Sonderstellung der Piratenpartei in der Parteienlandschaft der Bundesrepublik – anders als f&#252;r die Bundestagsparteien ist f&#252;r die Piraten der Kommunikationsprozess tats&#228;chlich inh&#228;renter Bestandteil der Organisation. F&#252;r die etablierten Akteure ist er lediglich ein externes Werkzeug, f&#252;r das noch nicht die richtige Schnittstelle gefunden scheint.</p>
<p><strong>Junge Tante BBC</strong></p>
<p>Zwei eher historisch argumentierende Untersuchungen aus Gro&#223;britannien ordnen die politische Mediennutzung in einen gr&#246;&#223;eren Rahmen ein und kn&#252;pfen damit an J&#252;rgen Habermas’ <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Strukturwandel_der_%C3%96ffentlichkeit">&#220;berlegungen</a> zum „<a href="http://www.amazon.de/Strukturwandel-%C3%96ffentlichkeit-Untersuchungen-b%C3%BCrgerlichen-Gesellschaft/dp/3518284916">Strukturwandel der &#214;ffentlichkeit</a>“ an. <strong>Neil Washbourne</strong> beschreibt in seiner Studie „<a href="http://www.amazon.de/Mediating-Politics-Neil-Washbourne/dp/0335217591/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295956242&amp;sr=1-1">Mediating Politics</a>“ medien- und &#246;ffentlichkeitsbezogene Effekte sowie die Funktionsweise von „Intermedi&#228;ren“ wie Parteien, Lobbygruppen und Institutionen, die sich zwischen Repr&#228;sentierte und Repr&#228;sentanten schieben.</p>
<p>Einen ausf&#252;hrlichen Streifzug durch die allm&#228;hliche Technisierung bzw. Medialisierung der &#214;ffentlichkeit unternehmen <strong>Stephen Coleman</strong> und <strong>Karen Ross</strong> in „<a href="http://www.amazon.de/Media-Public-Discourse-Communication-Interest/dp/1405160403/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books-intl-de&amp;qid=1295956538&amp;sr=1-1">The Media and the Public</a>“. Coleman und Ross analysieren die Folgen dieser Entwicklungen f&#252;r den &#246;ffentlichen Rundfunk und diskutieren sie anhand des Modernisierungsprozesses der BBC. Bei der Beschreibung der allm&#228;hlichen &#214;ffnung der altehrw&#252;rdigen Rundfunkinstitution ger&#228;t der deutsche Leser ins Staunen – von einem solchen Wandel zu innovativen Formen von Berichterstattung und Zuschauerbeteiligung ist der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande noch weit entfernt.</p>
<p>In der un&#252;bersichtlichen Multimediawelt von heute k&#246;nnen erst im produktiven Zusammenwirken der Beteiligten im Wortsinn politische &#214;ffentlichkeiten entstehen. Der Schl&#252;ssel liegt in der Aktivierung der Zuschauer, die gerade in den neuen Medien immer einfacher wird, denn das „aktive Publikum h&#246;rt nicht einfach nur zu oder sieht fern, es macht sich seinen eigenen Reim auf die Medienangebote, interagiert mit ihnen und setzt sie manchmal auch f&#252;r eigene Zwecke neu zusammen.“ Gemeint sind jene Techniken, die der Politik immer h&#228;ufiger Kopfzerbrechen bereiten: das digitale Bearbeiten von Wahlplakaten und Politikerfotos, die Kritik politischer Personen und Handlungen in Weblogs, das Erstellen, Ver&#228;ndern und Verbreiten von Videos oder die unmittelbare Reaktion auf politische Ereignisse und Aussagen bei Facebook und Twitter.</p>
<p>Mit dem „erweiterten Publikum“ bem&#252;ht Neil Washbourne eine &#228;hnliche Denkfigur. Aktive Zuschauer „sind in diesem komplexen Setting in der Lage, Texte und Nachrichten als ‚Story‘ zu interpretieren und diese Geschichte mit ihrem eigenen Leben zu vergleichen“. Offenbar klaffen aber gro&#223;e L&#252;cken zwischen der medial vermittelten Wirklichkeit und der pers&#246;nlichen Situation, denn f&#252;r Washbourne liegt hier der Schl&#252;ssel f&#252;r die Schwierigkeit der Ansprache jugendlicher W&#228;hler. Die Perspektive des „Hauptpublikums medialisierter Politik“ weicht immer st&#228;rker von der klassischen Institutionenpolitik ab – eine Diagnose, der auch Henry Milner zustimmen k&#246;nnte.</p>
<p>Insbesondere Formate der Zuschauerbeteiligung sind es, die Coleman und Ross in den Blick nehmen. Die alten Formen wie Leserbriefe, Telefonanrufe oder Zwischenrufe des Studiopublikums erlauben nicht mehr als eine „vertikale Interaktivit&#228;t“ zwischen den B&#252;rgern („wir hier unten“) und den Medien oder der Politik („die da oben“). Stadtteilzeitungen, Fanzines oder B&#252;rgerradios beg&#252;nstigen dagegen eine „horizontale Interaktivit&#228;t“, die zur Entwicklung alternativer &#214;ffentlichkeiten f&#252;hren kann und das „Wir-Gef&#252;hl“ des Publikums st&#228;rkt.</p>
<p>Die Ausbreitung des Internet hat inzwischen zu einer „virtual publicness“ gef&#252;hrt, in der Websites, Blogs und soziale Netzwerke die zeitgem&#228;&#223;en Formen einer „politischen Zuschauerbeteiligung“ sind. Wohl wissend, dass sich hier Ans&#228;tze zur Mobilisierung finden lassen, aber auch die Verst&#228;rkung von Informationsungleichgewichten droht, kommen Coleman und Ross zu einem abw&#228;genden Fazit: „Die Erlangung von Aufmerksamkeit ist bislang verschoben in Richtung der &#246;konomisch und politisch M&#228;chtigen. Allerdings gibt es Grund zur Annahme, dass kleinere Akteure im Internet bessere Chancen haben, ein Thema auf die Agenda zu setzen als unter den Bedingungen der alten Medien.“</p>
<p>Ein solcher „Kampf um &#214;ffentlichkeit“ offenbarte sich zuletzt am Beispiel der Schlichtungsgespr&#228;che um „Stuttgart 21“. W&#228;hrend Politik und Massenmedien die Fernseh&#252;bertragung der von Heiner Gei&#223;ler geleiteten Freitagsrunden als „demokratisches Experiment“ feierten, wuchs seitens der B&#252;rgerinitiativen der Unmut &#252;ber das Diskutieren in geschlossener Runde auf der alten Medienb&#252;hne. In der Zwischenzeit sucht nicht mehr nur die gut vernetzte Generation Internet nach M&#246;glichkeiten der &#214;ffnung und Beteiligung am Verfahren – l&#228;ngst nutzt auch das „b&#252;rgerliche Protestmilieu“ neue Technologien, um sich Geh&#246;r zu verschaffen.</p>
<p>Crosspost aus <a href="http://www.internationalepolitik.de/" target="_blank">Internationale Politik</a> (IP) mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Autor
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		<title>Die wunderbare neue Beziehungswelt des Homo Connectus: Eine Studie von Grey und Google</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 08:00:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Homo Connectus" nennen die Werbeagentur Grey und Google Deutschland eine Studie zur Frage, wie man den vernetzten Menschen von heute noch mit Werbung erreichen kann. Zwischen den Zeilen zeigen sich der Medienwandel und ein neues Menschenbild.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8b2652ae35964bfbb106e63a3bf9af8a" alt="" width="1" height="1" />Sie sind mitten unter uns und es werden immer mehr: Menschen, die permanent mit dem Internet verbunden sind. Auf manche wirken sie wie die Personen in einem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=EHlN21ebeak&amp;feature=player_embedded">Werbespot von Microsoft</a>: Nicht vernetzt, sondern eher der Welt entr&#252;ckt. Trifft das zu? Die Werbeagentur <a href="http://www.grey.de/">Grey Worldwide</a> hat erstmals zusammen mit <a href="http://www.google.de/intl/de/about.html">Google Deutschland</a> eine <a href="http://homoconnectus.grey.de/">Studie zum vernetzten Menschen</a> erstellt. Unter dem Titel &#8220;Homo Connectus&#8221; wird der Frage nachgegangen, was ihn ausmacht, wie er Medien nutzt und seine Urteile bildet.</p>
<p>Altruistisch darf man sich diese Studie dennoch nicht vorstellen. Denn mit Grey und Google stehen zwei Unternehmen hinter &#8220;Homo Connectus&#8221;, die eine ganz entscheidende Frage eint: Wie muss moderne Werbung aussehen, damit sie diesen Homo Connectus erreicht? Es geht also um <strong>Markenkommunikation im Zeitalter der Digitalisierung</strong> und damit auch um sehr viel Geld.</p>
<p>Der Studie zufolge zeichnet sich der vernetzte Mensch dadurch aus, dass er ein Smartphone besitzt. Das kann man f&#252;r eine Simplifizierung halten, aber eine leichte Unsch&#228;rfe an den R&#228;ndern vermag auch den Blick auf den Kern der Sache zu verbessern. Dort findet sich der interessante Befund, dass dieser Mensch neuen Typs von einem inneren <strong>Zwiespalt</strong> gepr&#228;gt wird: Einerseits will er immer erreichbar sein, andererseits f&#252;hlt er sich von der medialen F&#252;lle, die ihn umgibt, hin und wieder genervt und &#252;berfordert.</p>
<p>Leider trennt auch diese Studie, &#228;hnlich wie die unl&#228;ngst erschienene <a href="http://www.acta-online.de/main.php?selection=69&amp;rubrik=0">Allensbacher Computer- und Technikanalyse</a> (ACTA), nicht ganz sauber zwischen Medium und Kanal. Denn wer das mobile Internet &#252;ber ein <strong>Smartphone</strong> nutzt, kann damit im Prinzip auch Radio h&#246;ren oder sogar fernsehen. Die alten Frage-Schemata helfen im Prozess der Medienkonvergenz eben nicht weiter.</p>
<p>Interessant sind die Beispiele, die zeigen, dass das Internet kein eigenst&#228;ndiger Medienkanal (neben TV, Radio und Print) ist und keine Parallelwelt zum realen Leben, sondern etwas, das in immer st&#228;rkerem Ma&#223;e Aspekte des t&#228;glichen Lebens unterst&#252;tzt und erweitert. Praktisch k&#246;nnen das Applikationen auf dem Smartphone sein, wie etwa <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2010/10/06/google-goggles-visuelle-suche-nun-auch-fuer-iphone-besitzer-verfuegbar/">Google Goggles</a>, meistens aber sind es Dialoge mit Menschen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der Homo Connectus ist nicht in erster Linie technisch vernetzt, sondern vor allem sozial. Durch die digitale Revolution werden Beziehungen intensiviert, moderiert oder erst geschaffen.&#8221;</p></blockquote>
<p>F&#252;r die Werbung hat das gravierende Folgen. Denn der vernetzte Mensch ist kein passiver Konsument mehr, der sich medial &#8220;versorgen&#8221; l&#228;sst und dabei neben redaktionell erstellten Inhalten, seien es Nachrichten oder Unterhaltung, auch noch die Werbung zur Kenntnis nimmt. Zwar l&#228;uft der Fernseher heute l&#228;nger denn je, aber der Homo Connectus hat eben immer auch einen zweiten Bildschirm zur Hand, &#252;ber den er recherchieren, empfehlen, kommentieren oder (hinter-)fragen kann.</p>
<p>Auf diese Weise bleibt kaum etwas aus den Medien ohne Feedback und &#252;ber alles legt sich der Schleier einer meinungsbildenden Konversation, &#252;ber deren Intensit&#228;t und Wirkung man sich in vielen Redaktionen und Werbeagenturen noch kaum bewusst sein d&#252;rfte. Das eigentlich Neue an ihr ist ihr <strong>Netzwerkcharakter</strong>, der Gedanken, Meinungen und spontane Appelle weit &#252;ber das einzelne Wohnzimmer hinaus tragen und verst&#228;rken kann.</p>
<p>Was tun angesichts dieser neuen Realit&#228;t? Die Studie empfiehlt den Spagat zu wagen, zwischen alten Mechanismen und radikal neuen Ans&#228;tzen. Sie betont richtigerweise, dass die neue, vernetzte Welt eben erst partiell da ist und dass die alte Welt der Massenmedien und der klassischen Werbung l&#228;ngst noch nicht zu Ende gegangen ist.</p>
<p>F&#252;r die neue Welt gilt die Losung: <strong>Zuh&#246;ren und an der Konversation teilnehmen</strong>. Das Recht zu sprechen m&#252;sse erst &#8220;neu erworben werden&#8221;. Das ist ein erstaunliches Ma&#223; an Bescheidenheit und Einsicht, von der man nur hoffen kann, das sie so auch in der Praxis ankommt.</p>
<p>Die St&#228;rke dieser Studie liegt denn auch eindeutig in den Beschreibungen und Empfehlungen f&#252;r die Markenpolitik im digitalen Zeitalter.</p>
<blockquote><p>&#8220;Menschen wollen nicht alles wissen. Aber sie wollen vertrauen k&#246;nnen. Menschen vertrauen Marken, die zu ihrem Wort stehen. Die &#228;ndern was sie falsch gemacht haben. Die auf Augenh&#246;he kommunizieren und ihre Werte vertreten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Kritiker m&#246;gen einwenden, dass das nicht wirklich neu ist und in &#228;hnlicher Form schon vor &#252;ber 10 Jahren im <a href="http://www.cluetrain.com/">Cluetrain-Manifest</a> formuliert wurde. Allerdings kannten dieses Manifest damals nur wenige Menschen und Google war ein gerade frisch gegr&#252;ndetes Startup-Unternehmen mit noch ungewisser Zukunft.</p>
<p>In diesem Sinne ist es gut, wenn mit dieser Studie den Verantwortlichen in den Bereichen Marketing und Werbung einmal mehr vor Augen gef&#252;hrt wird, dass der vernetzte Mensch und mit ihm die digitale Gesellschaft heute andere Anspr&#252;che an die Kommunikation stellen.</p>
<p>Was aber wird von der klassischen Werbung in Zukunft bleiben? Welchen Stellenwert wird die Bildkommunikation k&#252;nftig noch haben? Bei <a href="http://blog.grey.de/">Grey</a> sieht man die Dinge n&#252;chtern: &#8220;<strong>Die inhaltliche Relevanz steht &#252;ber der Form</strong>&#8220;, sagt Christian Heuer, Co-Autor der Studie und Strategic Planner bei Grey. &#8220;Die Marke der Zukunft wird demnach zu ihrem Auftritt viel st&#228;rker &#252;ber ihren konkreten Nutzen definiert, sowie dem was die Kunden und Fans einbringen.&#8221;</p>
<p>So gesehen wird die Marke zum Ergebnis eines <strong>zweiseitigen Prozesses</strong> werden, bei dem die Menschen im Grunde gemeinsam mit den Unternehmen die Markenf&#252;hrung &#252;bernehmen. Eine sch&#246;ne Perspektive, aber ganz sicher wird es auch ein bisschen chaotisch und anstrengend werden.</p>
<p>Wer &#252;brigens zwischen den Zeilen der Studie nach einer <strong>Perspektive f&#252;r die Medien</strong> im publizistischen Sinn sucht, wird sicher etwas finden. Die Stichworte dazu sind: Konvergenz, Zersplitterung, Individualisierung und Demokratisierung.</p>
<p>Am Ende steht das gro&#223;e Wort &#8220;Beziehung&#8221; und damit ein anderes Menschenbild als jenes, welches das Marketing des 20. Jahrhunderts gepr&#228;gt hat. Die digitale Gesellschaft ist damit so etwas wie ein Versprechen auf eine Zukunft mit mehr Beziehungen – intensiveren, aber auch komplexer zu handhabenden Beziehungen. Der vernetzte Mensch hat es jetzt buchst&#228;blich selbst in der Hand.
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