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	<title>CARTA &#187; Loi Hadopi</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Private Fernsehanbieter fordern &#8220;Hadopi light&#8221; zum Schutz ihrer Urheberrechte im Netz</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 15:29:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch die Fernsehanbieter sehen sich nun existenziell durch das Internet gef&#228;hrdet – und fordern eine Art "Hadopi light", um ihre Urheberrechte zu sch&#252;tzen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a23f72869c1d4ddca566e149f1fa7b88" alt="" width="1" height="1" />Der Verband der Privaten Rundfunk- und Telemedienanbieter (VPRT) fordert von der Politik einen &#8220;angemessenen Auskunftsanspruch gegen&#252;ber Internet Service Providern&#8221; sowie &#8220;ein Verwarn- und Sanktionssystem bei Rechtsverst&#246;&#223;en&#8221; zum Schutz des geistigen Eigentums. Dies erkl&#228;rte der Verband am Rande des Symposiums &#8220;<a href="http://www.vprt.de/index.html/de/topics/article/id/624/or/home/">Perspektiven f&#252;r die Kreativit&#228;t</a>&#8221; am Donnerstag in Berlin. &#8220;Stehlen ist verboten und Verbote geh&#246;ren durchgesetzt&#8221;, sagte <a href="http://www.bertelsmann.de/bertelsmann_corp/wms41/bm/index.php?ci=168&amp;language=1">Gerhard Zeiler</a>, Chef der Bertelsmann Group in Anwesenheit der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.</p>
<p>Nach der Musik- sieht sich nun auch die Fernsehindustrie existenziell durch Internet-Downloads bedroht. Mittelfristig k&#246;nnten rund ein Viertel der Werbeeinnahmen der Fernsehsender durch illegale Downloads verloren gehen, sagte ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling. Ein ganz besonderer Dorn im Auge der Branche sind dabei Angebote wie Kino.to, &#8220;eine der bekanntesten deutschprachigen Video-On-Demand-Websiten, die auf Kinofilme und Serien spezialisiert ist&#8221;, wie der VPRT schreibt. Das Angebot ist in Tonga registriert  und betreibt seine Server laut VPRT in der Ukraine oder Russland. Ohne &#8220;wirksame Einbeziehung der Access-Provider&#8221; sei kein effektiver Schutz des Urheber- und Leistungsschutzrechts bei derartigen Angeboten m&#246;glich.</p>
<p>Die Sendeunternehmen fordern daher , dass die Internet Provider &#8220;ein <strong>Verwarn- und Sanktionssystem f&#252;r Nutzer </strong>etablieren m&#252;ssen, falls urheberrechtlich gesch&#252;tzte Inhalte heruntergeladen werden.&#8221; Eine solche Ma&#223;nahme sei verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig, da in der Mehrzahl der F&#228;lle die Nutzer bei einer Verwarnung ihre &#8220;Handlungen&#8221; einstellen w&#252;rden. Diese Forderung kann man als ein System &#8220;<strong>Hadopi light</strong>&#8221; bezeichnen. Nachezu identische Forderungen erhebt auch der Verband der Musikindustrie.</p>
<p>Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zeigte sich allerdings sehr zur&#252;ckhaltend bei der Forderung nach mehr Auskunftsrechten. Auch das Bundesverfassungsgericht werde nach ihrer Einsch&#228;tzung die Auskunftsrechte im Zuge seines Urteils zur  Vorratsdatenspeicherung wohl eher noch einschr&#228;nken. Nicht ganz so resolut trat die Ministerin gegen die Forderung von Internetsperren gegen urheberrechtswidrige Angebote im Ausland auf. Derzeit gelte klar das Prinzip &#8220;L&#246;schen vor Sperren&#8221;. Die Erfahrungen der derzeit laufende Evalutionsphase sollten zun&#228;chst einmal ausgewertet werden.</p>
<p>Leutheusser-Schnarrenberger sprach sich auf der Veranstaltung auch klar gegen Ans&#228;tze wie eine &#8220;Google-Steuer&#8221; aus. Mehr Sympathie zeigte sie f&#252;r die Forderung der Sendeunternehmen nach einer Beteiligung an der Leermedien- und Ger&#228;teabgabe, wie sie beispielsweise auf DVD-Rohlinge erhoben wird. Zuk&#252;nftig k&#246;nnten also auch RTL &amp; Co. von dieser Abgabe profitieren.</p>
<p>Die Diskussion der Fernsehanbieter mit der Ministerin zeigte: Die Forderung nach einem deutlich verbesserten Schutz ihrer Verwertungsrechte im Internet vereint inzwischen die Medienindustrie von Musik- &#252;ber Fernseh- bis hin zur Verlagsindustrie. Im Vorfeld der <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/schwarz-gelb-plant-dritten-korb/">Urheberrechtsnovelle</a> wird dabei der Ton durchaus rauher und ungeduldiger.</p>
<p>Hier (<a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/vprt_positionen.PDF">PDF</a>) das Hintergrundpapier des VPRT mit den Forderungen an die Politik in Sachen &#8220;Piraterie&#8221; und &#8220;Widget und hybride Empfangsger&#228;te&#8221;.</p>
<p><span id="main" style="visibility: visible;"><span id="search" style="visibility: visible;"> </span></span>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22365&amp;md5=35d4bb3ff13ab0fc5ea1df70d268bee9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Internet-Zugangssperren: W&#228;re &#8220;Three-Strikes&#8221; in Deutschland verfassungsgem&#228;&#223;?</title>
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		<pubDate>Thu, 13 Aug 2009 11:42:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Udo Fink</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zugangssperren nach dem "Three-Strikes"-Modell w&#228;ren auch in Deutschland verfassungsrechtlich bedenklich. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Udo Fink von der Johannes-Gutenberg-Universit&#228;t Mainz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b1af9c12984cb6d43a06bc2a927da4" width="1" height="1" alt=""/>Vertreter der Film-, Musik- und Softwareindustrie schauen dieser Tage gespannt nach Frankreich. Dort &#252;berarbeitet man gegenw&#228;rtig fieberhaft das „Gesetz zur F&#246;rderung der Verbreitung und des Schutzes k&#252;nstlerischen Schaffens im Internet“. Mit diesem Gesetz – <strong>Loi Hadopi</strong><sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_0_13113" id="identifier_0_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Loi n&deg;2009-669 du 12 juin 2009 favorisant la diffusion et la protection de la cr&eacute;ation sur internet">1</a></sup> – hatte man eine M&#246;glichkeit geschaffen, Wiederholungst&#228;tern, die illegal Musik u.a. aus dem Netz herunterladen, zeitweise den Zugang zum Internet zu sperren. Hierzu war sogar eine eigene „Hohe Beh&#246;rde f&#252;r die Verbreitung geistigen Eigentums und Rechtsschutz im Internet“ geschaffen worden, unter deren &#196;gide die Verfahren gegen die unbelehrbaren Urheberrechtsverletzer ablaufen sollten.</p>
<p>In der Grande Nation, nicht der einzigen, wohl aber der prominentesten Vertreterin des „Three Strikes and you are out“-Ansatzes<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_1_13113" id="identifier_1_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. auch Section 92A des New Zealand Copyright Act. Bisweilen wird auch von Olivenne-Sperren gesprochen. Dies geht auf den Generaldirektor der FNAC, dem gr&amp;#246;&amp;#223;ten H&amp;#228;ndler kultureller und elektronischer Unterhaltungsprodukten in Frankreich Denis Olivenne zur&amp;#252;ck. Unter seiner Vermittlung hatten sich bereits 2007 einige Provider vertraglich dazu verpflichtet, mit den Rechteinhabern st&amp;#228;rker zu kooperieren.">2</a></sup> zum Schutz der Urheberrechte, sorgte dann eine Entscheidung des <em>Conseil Constitutionnel</em> vom 10. Juni 2009 f&#252;r Aufsehen. <strong>Der Verfassungsrat erkl&#228;rte einige Bestimmungen des besagten Gesetzes f&#252;r verfassungswidrig.</strong></p>
<p>Er stellte unter anderem fest, dass die <strong>Meinungsfreiheit</strong> nach Artikel 11 der Menschen- und B&#252;rgerrechtserkl&#228;rung von 1789 verletzt ist.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_2_13113" id="identifier_2_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Dort hei&amp;#223;t es: &bdquo;Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte. Jeder B&amp;#252;rger kann also frei schreiben, reden und drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit f&amp;#252;r den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten F&amp;#228;llen&ldquo;">3</a></sup> In Anbetracht der allgemeinen Verbreitung von Online-Kommunikationsdiensten, sowie der Bedeutung, die diese Dienste f&#252;r die demokratische Mitwirkung und den Ausdruck von Gedanken und Meinungen besitzen, sei der Zugang zu diesen Diensten &#252;ber Artikel 11 gesch&#252;tzt. Vom Tisch ist das Gesetz damit nicht. Es wird gegenw&#228;rtig &#252;berarbeitet und den Vorgaben des Verfassungsrates entsprechend angepasst. Dieser hatte insbesondere das Fehlen einer richterlichen &#220;berpr&#252;fung vor Ausspruch einer Internetsperre moniert.</p>
<p>Das franz&#246;sische Konzept als Modell f&#252;r ein entsprechendes Gesetz in Deutschland? Rechtstechnisch m&#252;ssten die Provider in der Tat durch Gesetz dazu verpflichtet werden, ihren Kunden bei Rechtsverletzungen den Internetzugang zu kappen. Ein System freiwilliger Selbstkontrolle auf vertraglicher Basis ist weder effektiv noch wettbewerbsrechtlich unproblematisch. W&#228;re ein derartiges Gesetz verfassungskonform?</p>
<p><strong>Die verfassungsrechtliche Lage</strong></p>
<p>Betroffene Rechtstr&#228;ger sind der <em>Kommunizierende</em> (Uploader), der <em>Rezipient </em>(Downloader) sowie der <em>Vermittler</em> (Access-Provider). Auf der <strong>Empf&#228;ngerseite</strong> kommt eine Verletzung von<strong> </strong><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_10.html">Artikel 10</a>, <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_5.html">Artikel 5</a>, sowie <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html">Artikel 2 Abs. 1</a> in Verbindung mit <a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_1.html">Artikel 1 Abs.<strong> </strong>1</a> des Grundgesetzes in Betracht. Entgegen einer verbreiteten Ansicht in der Literatur ist der Schutzbereich des Grundgesetzartikels 10 beim Abruf &#246;ffentlich zug&#228;nglicher Webseiten nicht betroffen. Dieser sch&#252;tzt in der analogen wie in der digitalen Welt nur die Individualkommunikation, im Internet also etwa die Kommunikation &#252;ber <em>Voice over IP</em>.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_3_13113" id="identifier_3_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Vgl. Gusy in v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, Art. 10 Rn. 43; BVerfG 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07, Urteil vom 27. Februar 2008, Rn. 182. ">4</a></sup></p>
<p>Sehr wohl tangiert ist dagegen der <strong>Schutzbereich der Kommunikations- und Informationsfreiheit</strong>.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_4_13113" id="identifier_4_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG">5</a></sup>  Teil der Meinungs&#228;u&#223;erungs- und Meinungsverbreitungsfreiheit ist, dass der &#196;u&#223;ernde selbst bestimmt, wie weit die Meinung verbreitet wird. Teil dieser Selbstbestimmung ist also, seiner &#196;u&#223;erung einen m&#246;glichst gro&#223;en Wirkungskreis zu sichern, indem er sich eines Massenmediums bedient.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_5_13113" id="identifier_5_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Zur Wahl einer Pressever&amp;#246;ffentlichung vgl. BVerfG, NJW 2003, S. 1109.">6</a></sup> Zudem greift die – auch zeitweise – Sperrung des Informationswegs Internet, einer allgemein zug&#228;nglichen Quelle<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_6_13113" id="identifier_6_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG">7</a></sup> , in den Schutzbereich der Informationsfreiheit ein.</p>
<p>Denkbar ist schlie&#223;lich, in einer Sperrung zugleich das vom Bundesverfassungsrecht „entwickelte“ Grundrecht auf <strong>Gew&#228;hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme</strong> ber&#252;hrt zu sehen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_7_13113" id="identifier_7_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Als Teil des allgemeinen Pers&amp;#246;nlichkeitsrechts, Artikel 2 Abs. 1 i.V.m. Artikel 1 Abs. 1 GG. Vgl. die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Februar 2008. Man m&amp;#252;sste dann freilich unterstellen, dass das Internet ein System in diesem Sinne darstellt. Bejahend BVerfG, 1 BvR 370/07, Absatz-Nr. (4).">8</a></sup> Schrankenlos gew&#228;hrleistet sind die bezeichneten Rechte freilich nicht.</p>
<p><strong>Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit des Gesetzes</strong></p>
<p>Ein Three-Strikes-Gesetz m&#252;sste aber als diese Freiheiten einschr&#228;nkendes Gesetz verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig, d.h. geeignet, <strong>erforderlich und angemessen sein, den legitimen Zweck</strong> – den Schutz der Rechteinhaber <strong>–</strong> <strong>zu erreichen.</strong><sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_8_13113" id="identifier_8_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Sie k&amp;#246;nnen sich auf den Schutz des Eigentums, Art. 14 GG berufen">9</a></sup> Eine grunds&#228;tzliche Eignung des Gesetzes, illegale Downloads zumindest zu verringern, wird man bejahen k&#246;nnen. Bei der Erforderlichkeit muss man sich die Frage stellen, ob nicht andere, mildere Mittel gleich effektiv w&#228;ren. Denkbar w&#228;re hier etwa das Abregeln der Internetverbindung auf einen Datendurchsatz, der das Surfen im Web weiter erlaubt, den Download gro&#223;er Dateien aber zu einer langwierigen Angelegenheit werden l&#228;sst. Angemessen, d.h. verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig im engeren Sinne ist die Ma&#223;nahme dann, wenn eine Abw&#228;gung zwischen der Informations- und Kommunikationsfreiheit der Rezipienten und den Eigentumsrechten der Urheberrechtsinhaber ergibt, dass der Schutz der Letztgenannten &#252;berwiegt.</p>
<div id="attachment_13201" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/jmt/3555913931/"><img class="size-medium wp-image-13201" title="Grundgesetz" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/08/gg-300x199.jpg" alt="gg" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Grundgesetzlekt&#252;re: &quot;Nach alledem w&#228;re ein Gesetz nach franz&#246;sischer Vorgabe verfassungsrechtlich bedenklich.&quot;  (Foto: JM Tosses, CC-by-nc)</p></div>
<p>Letztlich kommt es hier auf die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes an. Ein Gesetzesentwurf liegt bis dato nicht vor. Ob der mit dem Three-Strikes Ansatz verbundene Automatismus aber &#252;berhaupt verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig sein kann, l&#228;sst sich mit guten Gr&#252;nden bezweifeln. Zu Recht wird das Konzept in den Vereinigten Staaten, dort findet es sich u.a. im Strafgesetzbuch Kaliforniens,<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_9_13113" id="identifier_9_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Section 667 (e) (2) (a) California Penal Code.">10</a></sup> heftig kritisiert.</p>
<p><strong>Dem Three-Strikes Ansatz ist wesensimmanent, dass eine einzelfallorientierte Gesamtabw&#228;gung gerade nicht angestellt wird.</strong> Dies mag auf dem Baseballplatz funktionieren, f&#252;r den die Regel urspr&#252;nglich ja auch entwickelt worden ist. Als strafrechtliches Konzept taugt sie nicht, da sie zu einem „fixed and mechanical sentencing“ f&#252;hrt. Weshalb sie als <strong>quasistrafrechtliche Ma&#223;nahme</strong> – und nichts anderes ist das Sperren eines Internetzugangs – zul&#228;ssig sein soll, erschlie&#223;t sich nicht. Die Verh&#228;ngung eines „Internet-Fahrverbots“ k&#246;nnte konsequenterweise ohnehin <strong>nur durch ein Gericht</strong> angeordnet werden, d.h. die in Frankreich vor der Entscheidung des Verfassungsrates geltende Gesetzeslage w&#228;re so auch in der Bundesrepublik Deutschland nicht machbar. Die mit einer m&#246;glichen Institutionalisierung einer „Internet-Verkehrss&#252;nderpunktekartei“ (bei den Providern oder an zentraler Stelle?) einhergehenden datenschutzrechtlichen Fragen w&#252;rden den Raum dieses Problemaufrisses sprengen.</p>
<p>Weiter ist zu bedenken, dass die &#220;bernahme des franz&#246;sischen Modells <strong>Einsch&#252;chterungseffekte</strong> („chilling effects“) mit sich bringen kann. Aus Angst, vom Provider gemahnt zu werden oder gar den Internetzugang zu verlieren, k&#246;nnten User davon abgehalten werden, auch legale Inhalte aus dem Internet zu laden und von ihrer Informationsfreiheit Gebrauch zu machen. Der User m&#252;sste sich, wollte er sich seines Anschlusses sicher sein, bei Zweifeln &#252;ber die Urheberschaft und den rechtlichen Status der Datei immer gegen den Download entscheiden. Offen ist schlie&#223;lich, wie ein solches Verbot technisch umgesetzt werden kann, wenn der User Internet, Telefonanschluss und Kabelfernsehen &#252;ber einen einzigen Anbieter erh&#228;lt (<em>Triple Play</em>).</p>
<p>Auf der <strong>Vermittlerseite</strong> kommt eine Verletzung des Grundrechts in Betracht, seinen <strong>Beruf</strong> frei und ohne Vorgaben von Dritten aus&#252;ben zu d&#252;rfen (<a href="http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_12.html"><strong>Art. 12 GG</strong></a>). Auch diese Freiheit ist nicht schrankenlos gew&#228;hrleistet und kann durch hinreichende Gr&#252;nde des allgemeinen Wohls begrenzt werden. Den Eigentumsrechten der Urheber steht dabei allerdings das Interesse der Provider gegen&#252;ber, keine f&#252;r sie kostspieligen Mechanismen einzuf&#252;hren, um Rechtsverst&#246;&#223;e zu ahnden, an denen sie selbst nur dadurch beteiligt sind, dass sie eine Infrastruktur zur Verf&#252;gung stellen.<strong> Nach alledem w&#228;re ein Gesetz nach franz&#246;sischer Vorgabe verfassungsrechtlich bedenklich.</strong></p>
<p><strong>Haftung des Access-Providers</strong></p>
<p>Letztlich w&#252;rde mit einem solchen Gesetz auch die Konzeption der geltenden Access-Providerhaftung ganz grundlegend ver&#228;ndert werden. Der Access-Provider ist nach dem Telemediengesetz f&#252;r fremde Informationen grunds&#228;tzlich nicht verantwortlich und nicht verpflichtet, die von ihm &#252;bermittelten oder gespeicherten Informationen zu &#252;berwachen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_10_13113" id="identifier_10_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 8 TMG">11</a></sup> Auch muss er nicht nach Umst&#228;nden forschen, die auf eine rechtswidrige T&#228;tigkeit hinweisen.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_11_13113" id="identifier_11_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 7 Abs. 2 Satz 1 TMG">12</a></sup></p>
<p><strong>Grunds&#228;tzlich haftet der Provider also nicht f&#252;r Rechtsverletzungen, die seine Kunden begehen.</strong> Abweichend von dieser Privilegierung bleiben Provider gem&#228;&#223; aber zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen verpflichtet, wenn sie diesbez&#252;glich Kenntnis erlangt haben.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_12_13113" id="identifier_12_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="&sect; 7 Abs. 2 Satz 2 TMG">13</a></sup> Diese Vorschrift erlaubt danach den R&#252;ckgriff auf die allgemeinen Grunds&#228;tze der St&#246;rerhaftung. Die Rechtsprechung zu der Frage, wann genau dies der Fall ist und welche Ma&#223;nahmen den Providern abverlangt werden k&#246;nnen, folgt allerdings noch keiner festen Linie.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_13_13113" id="identifier_13_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der BGH hat wiederholt festgestellt, dass die Haftungsprivilegierung nicht f&amp;#252;r den Unterlassungsanspruch bei der Verletzung von Immaterialg&amp;#252;terschutzrechten gilt. BGH, Urteil v. 11.03.2004, Az. I ZR 304/01; BGH, Urteil v. 19.04.2007, Az. I ZR 35/04; BGH, Urteil v. 27.03.2007, Az. VI ZR 101/06.">14</a></sup> Bis dato wurde lediglich diskutiert, ob die Sperrung urheberrechtswidriger Webseiten f&#252;r Access Provider zumutbar ist.<sup><a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#footnote_14_13113" id="identifier_14_13113" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Verneinend LG Hamburg, Urteil v. 12.11.2008, Az. 308 O 548/08">15</a></sup></p>
<p>Das Sperren des gesamten Internetzugangs hat eine ganz neue Qualit&#228;t und verlangt den Providern weit mehr ab, als sie bisher von Gesetzes wegen verpflichtet waren. Es handelt sich nach dem Zugangserschwerungsgesetz um den neuerlichen Versuch, ein Medium zu steuern, das regulierungsresistent zu sein scheint. So begr&#252;&#223;enswert die Motive dieser Ans&#228;tze sein m&#246;gen, so deutlich ist darauf zu achten, dass mit diesen Ma&#223;nahmen keine <strong>au&#223;er Verh&#228;ltnis stehende Grundrechtskollateralsch&#228;den </strong>verbunden sind.
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<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_13113" class="footnote">Loi n°2009-669 du 12 juin 2009 favorisant la diffusion et la protection de la création sur internet</li><li id="footnote_1_13113" class="footnote">Vgl. auch Section 92A des <em>New Zealand Copyright Act</em>. Bisweilen wird auch von Olivenne-Sperren gesprochen. Dies geht auf den Generaldirektor der FNAC, dem gr&#246;&#223;ten H&#228;ndler kultureller und elektronischer Unterhaltungsprodukten in Frankreich Denis Olivenne zur&#252;ck. Unter seiner Vermittlung hatten sich bereits 2007 einige Provider vertraglich dazu verpflichtet, mit den Rechteinhabern st&#228;rker zu kooperieren.</li><li id="footnote_2_13113" class="footnote">Dort hei&#223;t es: „Die freie Mitteilung der Gedanken und Meinungen ist eines der kostbarsten Menschenrechte. Jeder B&#252;rger kann also frei schreiben, reden und drucken unter Vorbehalt der Verantwortlichkeit f&#252;r den Missbrauch dieser Freiheit in den durch das Gesetz bestimmten F&#228;llen“</li><li id="footnote_3_13113" class="footnote">Vgl. Gusy in v. Mangoldt/Klein/Starck, GG, Art. 10 Rn. 43; BVerfG 1 BvR 370/07, 1 BvR 595/07, Urteil vom 27. Februar 2008, Rn. 182. </li><li id="footnote_4_13113" class="footnote">Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG</li><li id="footnote_5_13113" class="footnote">Zur Wahl einer Pressever&#246;ffentlichung vgl. BVerfG, NJW 2003, S. 1109.</li><li id="footnote_6_13113" class="footnote">Im Sinne des Artikels 5 Absatz 1 Satz 1 GG</li><li id="footnote_7_13113" class="footnote">Als Teil des allgemeinen Pers&#246;nlichkeitsrechts, Artikel 2 Abs. 1 i.V.m. Artikel 1 Abs. 1 GG. Vgl. die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Februar 2008. Man m&#252;sste dann freilich unterstellen, dass das Internet ein System in diesem Sinne darstellt. Bejahend BVerfG, 1 BvR 370/07, Absatz-Nr. (4).</li><li id="footnote_8_13113" class="footnote">Sie k&#246;nnen sich auf den Schutz des Eigentums, Art. 14 GG berufen</li><li id="footnote_9_13113" class="footnote">Section 667 (e) (2) (a) California Penal Code.</li><li id="footnote_10_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__8.html">§ 8 TMG</a></li><li id="footnote_11_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__7.html">§ 7 Abs. 2 Satz 1 TMG</a></li><li id="footnote_12_13113" class="footnote"><a href="http://www.gesetze-im-internet.de/tmg/__7.html">§ 7 Abs. 2 Satz 2 TMG</a></li><li id="footnote_13_13113" class="footnote">Der BGH hat wiederholt festgestellt, dass die Haftungsprivilegierung nicht f&#252;r den Unterlassungsanspruch bei der Verletzung von Immaterialg&#252;terschutzrechten gilt. BGH, Urteil v. 11.03.2004, Az. I ZR 304/01; BGH, Urteil v. 19.04.2007, Az. I ZR 35/04; BGH, Urteil v. 27.03.2007, Az. VI ZR 101/06.</li><li id="footnote_14_13113" class="footnote">Verneinend LG Hamburg, Urteil v. 12.11.2008, Az. 308 O 548/08</li></ol><p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
<a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/">Internet-Zugangssperren: W&#228;re &#8220;Three-Strikes&#8221; in Deutschland verfassungsgem&#228;&#223;?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/13113/zugangssperren-three-strikes-verfassungsgemaess/#comments">16 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=13113&amp;md5=6da499e8e8457e9377a757405dbf749b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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