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	<title>CARTA &#187; Leadership</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Obama nach der Senats-Nachwahl: Party over</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 11:17:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach der Wahlschlappe in Massachusetts steht Obamas Reformagenda vor dem Aus. Der Geist, den er unter seinen Anh&#228;ngern zu wecken vermochte, kehrt sich nun gegen ihn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/be0c9426d1154096b4ae7e9a6f3dc4bf" width="1" height="1" alt=""/>Die verlorenen Gouverneurswahlen in New Jersey und Virginia hatte man noch abtun k&#246;nnen. Mit der verheerenden Niederlage bei der Senats-Nachwahl im Bundesstaat Massachusetts ist klar: genau ein Jahr nach seiner umjubelten Amtseinf&#252;hrung als 44. US-Pr&#228;sident steckt Barack Obama in einer grundlegenden Krise. Und die hat viele Facetten.</p>
<p>Konkret verf&#252;gt Obama in der kleineren Kongresskammer nicht mehr &#252;ber die n&#246;tige 60-Stimmen-Mehrheit zur Durchsetzung wichtiger Gesetzesvorhaben. Wenn es gut f&#252;r sie l&#228;uft, gelingt es den Demokraten noch, die umstrittene Gesundheitsreform durch den parlamentarischen Prozess zu man&#246;vrieren, bevor Scott Brown, der Pick Up-fahrende &#220;berraschungssieger aus Massachusetts, sein Mandat antritt. Danach (und abgesehen vom Haushalt) hei&#223;t es unter Umst&#228;nden „Ende Gel&#228;nde“ f&#252;r Obamas ambitionierte Reformagenda. Zumal sich der Negativtrend f&#252;r die Demokraten bei den wichtigen „Mid-Term elections“ im November fortsetzen d&#252;rfte. Experten rechnen damit, dass die Republikaner dann zwischen zwei und neun Senatorensitze dazugewinnen werden.</p>
<p>Obwohl der Wahlausgang in Neuengland auch mit der miserablen Kandidatin der Demokraten zu tun hatte, war dies auch eine Abstimmung &#252;ber die ersten 12 Amtsmonate Obamas. Schlie&#223;lich haben die W&#228;hler in Massachusetts, traditionell den Demokraten zuneigend wie fr&#252;her Nordrhein-Westfalen der SPD, einen Exponenten jener Geisteshaltung gew&#228;hlt, die zurzeit im „Tea Party“-Movement landesweit gegen Steuern („Diebstahl“), den Staat („Sozialismus“) und Obama („L&#252;gner“) Stimmung macht. Massachusetts hat den amtierenden Pr&#228;sidenten abgestraft, fast 20 Prozent der <a href="http://publicpolicypolling.blogspot.com/2010/01/obama-and-massachusetts-race.html">Stimmen</a>, die Brown erzielte, gingen vor einem Jahr noch an ihn.</p>
<p>Dies hat auch damit zu tun, dass es Obama bislang nicht gelang, das, was seine Kampagne auszeichnete, ins Wei&#223;e Haus zu &#252;berf&#252;hren: ein modernes Verst&#228;ndnis von Leadership und, damit zusammenh&#228;ngend, politischer Kommunikation. Sein &#252;berraschender Siegeszug vor einem Jahr basierte auf einem <a href="http://carta.info/4262/lektionen_obama/">revolution&#228;ren Verst&#228;ndnis von &#246;ffentlicher F&#252;hrung</a>, welches den Anh&#228;ngern eine zentrale, weit &#252;ber das repr&#228;sentativ-demokratische Prinzip der Delegation von Macht durch periodisch stattfindende Wahlen hinausgehende Rolle zu Teil werden lie&#223;. Die Herbeif&#252;hrung eines Wandels („leading change“), dessen Akteur nicht er alleine, sondern das ganze Land („Yes, <em>we</em> can“) sein w&#252;rde – dies war das zentrale Versprechen seines Wahlkampfs, das Obama durch eine neue Dialogkultur auch einzul&#246;sen. Er verstand es brillant, verschiedensten Bev&#246;lkerungsgruppen Motive und M&#246;glichkeiten daf&#252;r zu geben, sich als Teil eines gemeinsamen Projekts zu sehen, ihre Bed&#252;rfnisse beziehungsweise Vorstellungen aufzunehmen, auf seine Ziele umzulenken und schlie&#223;lich in politische Unterst&#252;tzung umzum&#252;nzen.</p>
<p>Ein Jahr scheint sich das mit dem gemeinsamen Projekt schon wieder erledigt zu haben: Die Popularit&#228;t Obamas dramatisch gesunken, das Land nachwievor durch einen tiefen politisch-ideologischen Graben gespalten. Dass der Zauber und der Personenkult um Obama irgendwann abnehmen w&#252;rde, war abzusehen und lie&#223;e sich als heilsame Abk&#252;hlung einer v&#246;llig &#252;berhitzten Romanze interpretieren. Doch zu den sch&#228;rfsten Kritikern des Pr&#228;sidenten z&#228;hlen ausgerechnet seine ehemals treuesten Anh&#228;nger. Sie verleihen ihrem Frust vor allem im Internet mit einer Vehemenz und Irrationalit&#228;t Ausdruck, die der schrillen Kritik der politischen Rechten <a href="http://www.newyorker.com/talk/comment/2010/01/11/100111taco_talk_hertzberg">&#228;hnelt</a>. Beispielhaft hierf&#252;r ist die vielen Vertretern des linken Fl&#252;gels der Demokraten nicht weit genug gehende Gesundheitsreform, das gr&#246;&#223;te und dementsprechend umstrittenste Reformprojekt seit Jahrzehnten. Sie ist sicher nicht optimal, bringt aber den &#252;ber 40 Millionen Unversicherten in den USA Versicherungsschutz. Gleiches gilt f&#252;r Obamas Au&#223;en- und Sicherheitspolitik und die damit verbundenen Schwierigkeiten, die Anti-Terror-Ma&#223;nahmen der Bush-Regierung wie auch die &#252;ber Jahrzehnte entstandenen Strukturen und Praktiken des „National Security State“ zur&#252;ckzurollen – etwa den Umgang mit der Praxis der gewaltsamen Verschleppung von Terrorverd&#228;chtigen oder seine Ablehnung einer juristischen Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen in der Bush-Zeit.</p>
<p>In einem gewissen Sinne holen Obama hier die Geister, die er rief, ein: eine politisierte, selbstbewusste Anh&#228;ngerschaft, die sich nun entt&#228;uscht abzuwenden droht. Doch Idealismus im Kontext demokratischen Regierens bedeutet auch, Abstriche von den eigenen Positionen hinzunehmen und Kompromisse zu machen, wenn es dem Gemeinwohl dient. In den M&#252;hen der Ebene angekommen, hat Obama just dies in den vergangenen Monaten gemacht. Anstelle hehrer Rhetorik und gro&#223;er Ziele trat ein methodischer, nachdenklicher und somit den schwierigen Realit&#228;ten eines krisengeplagten Landes angemessener Politikstil, der aber erkl&#228;rungsbed&#252;rftig ist.</p>
<p>Dies bedeutet einerseits, jene Anh&#228;nger zur&#252;ckzugewinnen, die feststellen mussten, dass Obama als Pr&#228;sident weder willens ist, einseitig die Ziele des links-liberalen Fl&#252;gels der Demokraten zu verfolgen, noch Wunder vollbringen kann. Andererseits fehlt eine Erz&#228;hlung, die Obamas alles in allem &#252;berzeugenden Umgang mit der Vielzahl an Herausforderungen (Kontrolle der Banken, Bek&#228;mpfung der Bildungsungleichheit, ein besseres Gesundheitssystem) sinnvoll zusammenf&#252;hrt und f&#252;r alle Amerikaner nachvollziehbar macht: <em>Nation-building</em> im eigenen Land.</p>
<p>Wie kein anderer Kandidat verstand Obama 2008 das Bed&#252;rfnis der Amerikaner nach Ver&#228;nderung und nutzte es f&#252;r sich. Welche <a href="http://views.washingtonpost.com/leadership/panelists/2010/01/delivering-us-from-anxiety.html">emotionalen und psychologischen H&#252;rden</a> zu &#252;berwinden sind, wenn es darum geht, konkrete Ver&#228;nderungen einzuleiten und daf&#252;r Unterst&#252;tzung zu generieren, scheinen seine Berater untersch&#228;tzt zu haben. Das <em>Change</em>-Narrativ jedenfalls hat sich ersch&#246;pft und wird dementsprechend weniger h&#228;ufig bem&#252;ht, schlie&#223;lich sitzt der Wandel im Wei&#223;en Haus. Doch die unz&#228;hligen Baustellen, auf denen er unterwegs ist, die Vielzahl an Einzelma&#223;nahmen, so dringlich, unumg&#228;nglich und ehrenwert sie sind, lassen Obama weniger als Steuermann denn als Getriebenen erscheinen. Umso wichtiger wird es, Ziele und Methoden seiner Politik transparent zu machen und nicht nur technokratisch (&#8220;Alternativlosigkeit&#8221;), sondern auch normativ (&#8220;beste gangbare Alternative&#8221;) zu begr&#252;nden.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das aus der Regierung heraus schwieriger als im Wahlkampf. Darauf verzichten kann gerade Obama, als <em>peoples‘ president</em> ins Wei&#223;e Haus gekommen, nicht. Denn die Erwartungen in Sachen Transparenz und Dialog sind hoch. Vor allem aber geht es wie schon im Wahlkampf, als Obama sich mit seiner „grassroots-Revolution“ gegen das demokratische Establishment durchsetzte, nicht um hehre demokratiepolitische Ideale oder Gutmenschentum.</p>
<p>Die Unterst&#252;tzung einer f&#252;r die eigene Politik auch mobilisierbaren Anh&#228;ngerschaft sind f&#252;r ihn schlichtweg eine Notwendigkeit, um sich gegen starke organisierte Interessen und die radikalisierten Republikaner durchzusetzen und Ergebnisse zu liefern. Und daran entscheidet sich letztlich die Pr&#228;sidentschaft jenes Mannes, der antrat, die Amerikaner wieder mit Washington zu vers&#246;hnen. „Macht in den Verh&#228;ltnissen“, um eine einflussreiche Unterscheidung des Althistorikers Christian Meier aufzugreifen, hat Obama noch bis 2012. Die „Macht &#252;ber die Verh&#228;ltnisse“ muss er sich immer wieder neu erarbeiten.
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		<title>Kritik an Merkels F&#252;hrungsstil: Warum erst jetzt?</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 14:04:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angela Merkel wird derzeit gern F&#252;hrungsschw&#228;che attestiert. Verwunderlich, das dies erst jetzt passiert, denn in der Gro&#223;en Koalition war es kaum anders.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ca256713dbe342bc94cb2c7906252f00" alt="" width="1" height="1" />Angela Merkel ist z&#246;gerlich, versteckt sich hinter anderen, hat Angst zu f&#252;hren. Das kann man derzeit &#252;berall nachlesen. Kaum eine Zeitung, kaum ein Politik-Blog, im dem es nicht entsprechende Kommentare gibt. Einige davon unterscheiden sich kaum von dem, was <a href="http://www.spd.de/de/aktuell/nachrichten/2010/01/Das-Problem-ist-Frau-Merkel.html?pg=1&amp;y=2010&amp;m=0">die Opposition &#252;ber die Kanzlerin sagt</a>. Das Ganze wirft zwei Fragen auf: Ist Merkels F&#252;hrungsschw&#228;che eine Neuigkeit? Und wenn nein, warum kommt das Thema erst jetzt hoch?</p>
<p><a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article5799084/Merkel-muss-sich-aendern-aber-kann-sie-das.html">Welt Online</a> nennt es ein „Loch in der Mitte“. In der <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/politik/480/499753/text/">S&#252;ddeutschen</a> liest man: „Man sucht diese [Merkels] Handschrift &#8211; und findet an deren Stelle nur drei Kreuze.“ Die <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kanzlerin-merkels-machtmikado/50058552.html">Financial Times Deutschland</a> verweist darauf, dass Merkel Antworten schuldig bleibe und Michael Spreng schreibt &#8211; auch <a href="http://carta.info/21309/das-problem-merkel/">hier</a>: „Das Problem mit Angela Merkel ist, dass sie so ist wie sie ist!“ Klar, die Aussagen einiger CDU-Spitzenpolitiker in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EDB90D96539644FC88A28D5035D165EF7~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</a> waren eine Steilvorlage, dem einem Medienhype nahekommenden Rummel um die „<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2197764_Kommentar-Kanzlerin-ohne-Kontur.html">konturlose Kanzlerin</a>“ (FR) haben diese Aussagen jedoch nicht alleine verursacht.</p>
<p>Angela Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin. Merk(e)lich von ihrer Richtlinienkompetenz gebraucht gemacht hat sie in dieser Zeit nie. Das empfinden sicherlich auch die meisten Kommentatoren so. Daher scheinen sich die Autoren gemeinhin auf einen Kunstgriff verst&#228;ndigt zu haben: Merkels F&#252;hrungsstil war f&#252;r eine Gro&#223;e Koalition gut und angemessen, ist aber falsch f&#252;r Schwarz-Gelb.</p>
<p>Diese Aussage grenzt jedoch schon fast an Geschichtsverkl&#228;rung. Erinnert sich niemand mehr daran, dass eigentlich keiner die gro&#223;e Koalition wollte? Dass die gro&#223;e Koalition nie wirklich eine Richtung erkennbar machte? Wo war das gro&#223;e Ziel der Regierung, auf welche Entscheidungen konnte der B&#252;rger sich verlassen? Opel retten, Karstadt-Quelle nicht, Haushalt sanieren und die gr&#246;&#223;ten Schulden der Bundesrepublik erzeugen… Erinnert sich keiner mehr daran, dass vor allem in der Schlussphase mehr Wahlkampf als Regierungsarbeit sp&#252;rbar war? Dass man nie wusste, ob sich SPD oder CDU oder CSU mit ihren Forderungen durchsetzten? Wo war ausgleichende, passende F&#252;hrungsarbeit?</p>
<div id="attachment_21410" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel.jpg"><img class="size-full wp-image-21410   " title="Angemessen gef&#252;hrt? Merkel-Anh&#228;nger im Wahlkampf (Foto: Carta)" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_klein.jpg" alt="merkel_klein" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Angemessen gef&#252;hrt? Merkel-Anh&#228;nger im Wahlkampf (Foto: Carta)</p></div>
<p>Schweigen, die Meinung hinterm Zaun halten, Entscheidungen im Hinblick auf Meinungsumfragen treffen. Das ist generell auf Dauer kein guter Politikstil, egal mit welchen Koalitionspartnern. Das bedeutet freilich nicht, dass man Meinungen nicht sorgf&#228;ltig abw&#228;gen sollte. Aber jeder Volksvertreter sollte dem Volk seine Meinung schuldig sein, auch wenn es nur ein erster Eindruck ist, den man sp&#228;ter aufgrund weiterer Erkenntnisse revidieren kann. Das h&#228;ngt nicht von der St&#228;rke des Koalitionspartners ab.</p>
<p>Alles andere – schweigen, verheimlichen, z&#246;gern – wird nicht nur als Zeichen von Schw&#228;che ausgelegt, sondern f&#252;hrt in die Politikverdrossenheit. Es ist nicht nur an den B&#252;rgern, sich f&#252;r Politik zu interessieren, sondern auch an den Politikern, Politik interessant und transparent zu gestalten. Auf dieser Schiene versagt Angela Merkel jedoch v&#246;llig und das eben nicht erst seit Schwarz-Gelb. Die niedrige Wahlbeteiligung im Herbst ist von ihrem Politikstil durchaus mit verschuldet.</p>
<p>Warum flammt die Kritik also erst jetzt auf? Die Union mag es beruhigen, denn sie darf die Schuld einmal mehr bei den Sozis suchen. Vorher haben sich die Medien in Deutschland, aber auch jeder Stammtisch, auf die SPD eingeschossen. Das ging jahrelang und die Sozialdemokraten taten ihr Bestes, sich in diesem f&#252;r sie unsch&#246;nen Gespr&#228;ch zu halten. Nun aber wurde die SPD bei der Bundestagswahl drastisch abgestraft (auch aufgrund der kritischen Berichterstattung) und sitzt auf den Oppositionsb&#228;nken. Man gibt ihr nun etwas Zeit, sich zu berappeln. Zwar l&#228;uft noch immer einiges nicht rund, aber das Thema ist irgendwann einfach &#252;berstrapaziert, das will keiner mehr h&#246;ren.</p>
<p>Also ziehen die notorischen N&#246;rgler, sachlichen Kritiker und &#228;ngstlichen Mahner weiter. Und sie erinnern sich, da war doch was: Eine Kanzlerin, von der man nie etwas h&#246;rt &#8211; Angela Merkel, die F&#252;hrungsschwache. Neuerdings. Zum Gl&#252;ck f&#252;r sie ist das erst nach der Wahl.</p>
<p>Dass die Kanzlerin zu der ihr entgegengebrachten Kritik schweigt, verwundert nicht. Aber seien wir ehrlich: Alles andere h&#228;tte uns nun auch vollkommen aus dem Konzept gebracht!
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		<title>Mehr Dialog wagen: Die SPD braucht einen neuen F&#252;hrungsstil</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 11:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach den Wahlen liegt die SPD darnieder. Ein Neustart in Ton und Stil fehlte bereits im Wahlkampf, der auf viele autistisch-trotzig wirkte. Die SPD braucht eine neue F&#252;hrung und muss lernen, dass politische Kommunikation Zuh&#246;ren verlangt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ee5946a10cba4cdd80aac45a826f1453" alt="" width="1" height="1" />Am Schluss war nur noch das mediale Dauerlamento &#252;ber den Mangel an Leidenschaft, Programmatik und Zuspitzung langweiliger als der Wahlkampf selber. Dabei war die Beobachtung ja richtig: dies werde keine Richtungswahl, von Wechselstimmung war nichts zu sp&#252;ren. Beseelt von dem (tr&#252;gerischen) Gef&#252;hl, die Wirtschafts- und Finanzkrise mit einem blauen Auge &#252;berstanden zu haben, ging es den W&#228;hlern anders als den Japanern oder Amerikanern nicht um <em>Change you can believe in</em> (dar&#252;ber kann auch das starke Abschneiden der FDP nicht hinwegt&#228;uschen), sondern prim&#228;r um die Frage, welche politische Kraft am besten in der Lage ist, den Status Quo zu sichern.</p>
<p><strong>Ironie der Geschichte: Herausgekommen ist ein mittleres politisches Erdbeben, das das Land ver&#228;ndern wird und die SPD, dessen traditionsreichste Partei, aus den Angeln gehoben hat.</strong> Die Sozialdemokratie liegt darnieder und muss sich unter der F&#252;hrung von Sigmar Gabriel neu aufstellen.</p>
<p>Dass gro&#223;e Koalitionen die R&#228;nder st&#228;rken und es den jeweiligen Partnern schwer machen, ihre Anh&#228;nger zu mobilisieren, ist ein Allgemeinplatz, erkl&#228;rt aber das miserable Abschneiden von SPD und CDU nicht. Die Union hat sich unter Angela Merkel inhaltlich entleert und ihren konservativen Kern – Stichwort Elterngeld, Kritik am Papst, Mindestlohn – aufgegeben. „Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial. Und das macht die CDU aus“, so formulierte die Kanzlerin die neue Beliebigkeit und formte die CDU zur Partei in ihrem Antlitz. Damit r&#252;cken die auch vom gr&#252;nen Spitzenpersonal l&#228;ngst nicht mehr ausgeschlossenen schwarz-gr&#252;ne B&#252;ndnisse n&#228;her. Der Preis der Flexibilit&#228;t: die Union unterbot das gemessen an fr&#252;heren Werten miserable Ergebnis von 2005 nochmal.</p>
<p>Einem unklaren Profil geschuldet ist wohl auch das relativ entt&#228;uschende Abschneiden der Gr&#252;nen, die als einzige kleine Partei nicht in der Lage war, von der Schw&#228;che der Gro&#223;en zu profitieren. Fritz Kuhn hat die Zeit der gro&#223;en Volksparteien f&#252;r beendet erkl&#228;rt. Das Problem: als kleinste der Oppositionsparteien haben die Gr&#252;nen so gut wie nicht davon profitiert. Wollen sie sich neue W&#228;hlerschichten erschlie&#223;en, m&#252;ssen sie die Frage kl&#228;ren, wie sie sich k&#252;nftig im Konzert der drei Oppositionsparteien positionieren wollen. Geben die Gr&#252;nen den Kurs der Selbstst&#228;ndigkeit, der die letzten Wahlk&#228;mpfe pr&#228;gte, zu Gunsten einer st&#228;rkeren Orientierung nach links auf? Und gehen damit die Fl&#252;gelk&#228;mpfe wieder los?</p>
<p>Letztere sind in der SPD nach dem Negativrekord-Ergebnis l&#228;ngst ausgebrochen. 2,1 Millionen ehemalige SPD-W&#228;hler sind den Urnen ferngeblieben. Die Tatsache, dass die SPD ihr Schicksal inzwischen mit vielen ihrer vor ein paar Jahren noch fast die gesamte EU regierenden Schwesterparteien in Europa teilt, tr&#246;stet nur auf dem ersten Blick. Denn jenseits der Tatsache, dass all jene Parteien, die vor wenigen Jahren noch den freien Markt, weniger Staat und Deregulierung gepredigt haben, heute schweigen und sozialdemokratische Positionen &#252;bernehmen: die Probleme der SPD sind hausgemacht. Nie gelang es der deutschen Sozialdemokratie, Kapital aus der Wirtschaftskrise zu schlagen, Merkels „Klug aus der Krise“-Wahlkampf etwa durch Thematisierung und Emotionalisierung herrschender Ungleichheit etwas entgegenzusetzen und so ein Bed&#252;rfnis nach Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, welches in W&#228;hlerstimmen h&#228;tte umgem&#252;nzt werden k&#246;nnen. Elf Jahre Regierungsbeteiligung haben dies nicht leichter gemacht, doch unm&#246;glich war es nicht.</p>
<p>Eine erfolgreiche Mobilisierung h&#228;tte vorausgesetzt, dass man auch die eigene Partei nicht von Ver&#228;nderungen ausnimmt und gesellschaftliche Realit&#228;ten zur Kenntnis nimmt, statt diese auszublenden oder zur Konstruktion abgehobener Demoskopen und Journalisten zu erkl&#228;ren.<strong> Was Kampfesmut und Stolz vermitteln sollte, wirkte beim Betrachter trotzig, autistisch und – man denke an M&#252;nteferings „Merkel kann schon mal die Koffer packen“ – realit&#228;tsfern.</strong> Warum sollte man es der SPD zutrauen, die Geschicke der gr&#246;&#223;ten und wichtigsten Volkswirtschaft des Kontinents durch die Krise zu steuern, wenn sie noch nicht mal in der Lage ist, ihre eigene Situation realistisch einzusch&#228;tzen?</p>
<p>Statt gebetsm&#252;hlenartig darauf hinzuweisen, dass das Ergebnis am Wahltag anders aussehen werde als in den Umfragen, mithin den Eindruck zu erwecken, man warte nur darauf bis die W&#228;hler wieder auf den sozialdemokratischen Pfad der Tugend zur&#252;ckkehren, h&#228;tte die SPD vor ein paar Monate offen die schwierige Ausgangslage und, ja, manche Fehler der Vergangenheit ansprechen m&#252;ssen.</p>
<p>Die in vielerlei Hinsicht medial verungl&#252;ckte Vorstellung des SPD-Kompetenzteams w&#228;re einer von vielen m&#246;glichen Anlass gewesen, rechtzeitig &#246;ffentlich auf die Reset-Taste zu dr&#252;cken und das Land, Parteimitglieder und Sympathisanten einzuladen, am Projekt einer zur Erneuerung bereiten Sozialdemokratie mitzuwirken. Dabei h&#228;tte man sich weder von den Reformen der Vergangenheit distanzieren noch gegen&#252;ber den Kritikern in Sack und Asche zu gehen m&#252;ssen.</p>
<p>N&#246;tig gewesen w&#228;re vielmehr ein Neustart in Ton und Stil, der den vielen entt&#228;uschten und demotivierten SPD-Anh&#228;ngern das Gef&#252;hl gegeben h&#228;tte, geh&#246;rt und verstanden worden zu sein und es ihnen so m&#246;glich gemacht h&#228;tte, sich wieder mit der Sozialdemokratie zu vers&#246;hnen. Steinmeier hat dies zuletzt, etwa bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor, mit der Aussage, die SPD sei „nicht unfehlbar“, aber verf&#252;ge wenigstens &#252;ber den richtigen „Kompass“, versucht. Aber ein wirklich &#252;berzeugendes Signal, dass man sich der Entt&#228;uschung vieler Anh&#228;nger bewusst ist, diese ernst nimmt und bereit ist, dazuzulernen, hat es nicht gegeben.</p>
<p>Just darin, in einem F&#252;hrungsverst&#228;ndnis, das der eigenen Anh&#228;ngerschaft eine zentrale Rolle einr&#228;umt und Kommunikation nicht als Einbahnstra&#223;e versteht, besteht die wichtigste Lektion des in den vergangenen Monaten viel bem&#252;hten, um nicht zu sagen &#252;berstrapazierten Wahlkampfs Barack Obamas. Obama sucht auch an der Regierung regelm&#228;&#223;ig den Dialog mit seinen W&#228;hlern – nicht aus hehren demokratiepolitischen Motiven, sondern vor allem aus Kalk&#252;l: um sich die Unterst&#252;tzung seiner Anh&#228;nger zu sichern und um die aggressive Kritik der konservativen Rechten zu kontern, die den Pr&#228;sidenten wahlweise als Kommunisten, Faschisten oder geb&#252;rtigen Keniaer diffamiert, der folglich kein legitimer US-Pr&#228;sident sein k&#246;nne.</p>
<p><strong>Obamas Strategie zugrunde liegt die Erkenntnis, dass politische F&#252;hrung aus zwei Akteuren besteht: </strong>Dem F&#252;hrenden auf der einen und seinen potentiellen Anh&#228;ngern auf der anderen Seite. Erst der imagin&#228;re Pakt, den beide schlie&#223;en, macht den F&#252;hrenden zum F&#252;hrenden und die Anh&#228;nger zu Anh&#228;ngern. Das hei&#223;t nicht, dass sich der F&#252;hrende in jeder Einzelfrage von den Pr&#228;ferenzen seiner Anh&#228;nger abh&#228;ngig machen muss, schlie&#223;lich geh&#246;rt es zum Wesen der Repr&#228;sentation, dass die F&#252;hrenden im Namen ihrer Anh&#228;nger aber ohne deren bindenden Auftrag handeln.</p>
<p>Doch F&#252;hrung erfordert den kontinuierlichen Dialog, damit sich F&#252;hrender und Gef&#252;hrte stets die Grundlagen ihrer Beziehung &#252;bermitteln und deren bestehende G&#252;ltigkeit &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnen. Just diesen Dialog pflegt Obama mit seinen Anh&#228;ngern und der US-&#214;ffentlichkeit insgesamt auch nach der Wahl. Auf Grundlage dieses „neuen Gesellschaftsvertrags“ konnte sich Obama nach Amtsantritt diverse Male bei seinen Anh&#228;ngern &#246;ffentlich f&#252;r Fehler entschuldigen. <strong>Solche Schuldeingest&#228;ndnisse waren bei der noch aktuellen SPD-Spitze nicht vorstellbar. </strong>Selbst am Montag nach der Wahl reklamierte sie F&#252;hrung – &#252;ber den &#220;bergangsprozess – und den Anspruch, eine Partei zu vertreten, deren Mitglieder sich l&#228;ngst und sp&#252;rbar von ihr abgewandt hatten.</p>
<p>Angesichts ihrer nachlassenden Bindungskraft geht es auch f&#252;r die deutschen Parteien immer mehr darum, die von ihnen getroffenen Entscheidungen nicht nur ex-post an die B&#252;rger zu vermitteln, sondern sie im kommunikativen Austausch nach innen und au&#223;en zu erarbeiten und zu begr&#252;nden. M&#252;nteferings Kurz-Satz-Reden dagegen hallte immer ein „genug gequatscht“ nach.</p>
<p>Tempi passati. Die zuk&#252;nftige Parteif&#252;hrung um Sigmar Gabriel steht vor der Herausforderung einen Dialog mit Parteimitgliedern, Anh&#228;ngern und der breiten &#214;ffentlichkeit in Gang zu setzen, der nicht nur die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei zum Inhalt hat, sondern auch das Selbstverst&#228;ndnis und den modus operandi der Sozialdemokratie insgesamt. Man muss hier gar nicht Obama bem&#252;hen. Es reicht der Blick auf die eigene Parteigeschichte. Denn es war Willy Brandt, der wie kaum ein anderer auf die F&#228;higkeiten von Mitgliedern und Funktion&#228;ren setzte und sie einlud, Initiative zu ergreifen und Teil eines gemeinsamen Projektes zu sein. Die SPD braucht ein neues Zentrum, das unter F&#252;hrung mehr versteht als Autorit&#228;t, Gefolgschaft und Disziplin.
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