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	<title>CARTA &#187; Kreativwirtschaft</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 24 May 2012 17:47:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>&#8220;Urheberrechtskrieg&#8221;: Nutzerverfolgung ist out</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Oct 2010 22:12:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[B&#246;rsenvereinschef Alexander Skipis fordert ein Echtzeit-Warnsystem gegen illegale Downloader und zeigt damit, dass er im 'war on piracy' strategisch noch nicht ganz auf der H&#246;he ist. Sein amerikanischer Verbandskollege Tom Allen ist da weiter: Er hat "zero interest" an einer Verfolgung von Nutzern - und hat Kreditkartenunternehmen, Werbetreibende und das Domain-System als neue Hebel gegen Piraterie im Sinn.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ae9043483b6b431293c90f3fbd5995b9" alt="" width="1" height="1" />Der Kontrast k&#246;nnte gr&#246;&#223;er kaum sein: Vorgestern erkl&#228;rte Alexander Skipis, Hauptgesch&#228;ftsf&#252;hrer des B&#246;rsenvereins des Deutschen Buchhandels, im <a href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/10/06/dlf_20101006_2347_e1d0ad67.mp3">Deutschlandfunk</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir m&#246;chten jedem, der ein Buch illegal herunterl&#228;dt, fast in gleicher Zeit eine Warnung zumailen, in der er auf legale Angebote hingewiesen wird.&#8221;</p></blockquote>
<p>Einen Tag sp&#228;ter erkl&#228;rte Tom Allen, Pr&#228;sident der Association of American Publishers, auf der <a href="http://storydrivefrankfurt.com/de/">StoryDrive</a>-Konferenz der Buchmesse:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir haben keinerlei Interesse (&#8220;zero interest&#8221;) Endnutzer zu verfolgen, die Dinge illegal herunterladen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nutzer verfolgen &#8211; oder lieber doch nicht? Mit der Digitalisierung der Buchindustrie versch&#228;rft sich der &#8216;Urheberrechtskrieg&#8217; (Der Titel &#8220;<a href="http://storydrivefrankfurt.com/conference/programme/the-war-on-piracy-all-together-maybe-another-day/">The war on piracy</a>&#8221; wurde von der Buchmesse selbst gew&#228;hlt) zweifelsohne. Die neuen Tablets erh&#246;hen nicht nur die  Attraktivit&#228;t digital  &#252;bertragener Inhalte im Allgemeinen, sondern insbesondere auch die  Attraktivit&#228;t illegal erworbener Inhalte. Die &#8216;Piraten&#8217; haben nun einen direkten und kosteng&#252;nstigen Zugang zum Endnutzer &#8211; von Servern, die irgendwo auf der Welt stehen.</p>
<p>Wer beim schwungvollen Austausch illegaler Dateien heute noch vor allem an Peer-to-Peer-Filesharing (P2P) denkt, verkennt hingegen die Entwicklung: Nach <a href="http://www.cisco.com/en/US/solutions/collateral/ns341/ns525/ns537/ns705/ns827/white_paper_c11-481360_ns827_Networking_Solutions_White_Paper.html">Prognosen des Netzwerkherstellers Cisco</a> wachsen derzeit vor allem die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sharehoster">Filehoster</a> &#8211; und zwar mit fast 50 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2014 w&#252;rden Filehoster vorraussichtlich rund 4 Exabytes pro Monat (4 Billiarden Megabytes) ausliefern. Der P2P-Anteil am Internetverkehr werde hingegen von 39 Prozent im Jahr 2009 auf 14 Prozent im Jahr 2014 sinken, so Cisco.</p>
<p>Filehoster haben sich f&#252;r den Nutzer als &#8220;praktischere Alternative&#8221; erwiesen, wie die Macher von <a href="http://www.link-busters.com/">Link-Busters</a>, einer Anti-Piracy-Firma unumwunden zugeben. Dateien von Filehostern k&#246;nnten anonym, schnell und ohne zus&#228;tzliche Software heruntergeladen werden. Die Links lie&#223;en sich zudem leicht in Suchmaschinen finden, wie man in ihrer Brosch&#252;re nachlesen kann. Die &#8220;Link-Buster&#8221; machen ihr Gesch&#228;ft damit, dass sie Filehoster auffordern, illegale Dateien von ihren Servern zu l&#246;schen. Ein Katz-und-Maus-Spiel um Urheberrechte, das der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Millennium_Copyright_Act">Digital Millennium Copyright Act</a> geschaffen hat &#8211; und das <a href="http://sixtus.cc/in-sachen-gvu">bekanntlich auch schief gehen kann</a>.</p>
<p>&#8220;Wen ein Nutzer eine Datei von einem Filehoster herunterl&#228;dt, dann ist das eine 1:1-Verbindung, fast wie ein Telefongespr&#228;ch. Die l&#228;sst sich mit realistischem Aufwand &#252;berhaupt nicht &#252;berwachen &#8211; es sei denn, man zapft die Leitung an&#8221;, sagt einer der beiden Link-Busters-Macher, der seinen Namen hier lieber nicht lesen will. Es sei daher auch wenig realistisch anzunehmen, man k&#246;nnte Nutzer nach einem Filehoster-Download unmittelbar kontaktieren.</p>
<p>Dies w&#252;rde eine Voll&#252;berwachung des Internets voraussetzen &#8211; die nicht nur v&#246;llig &#252;berzogen sei (&#8220;Von einem Club-Besitzer k&#246;nnen Sie auch nicht verlangen, dass er von jedem Besucher Blut abnimmt, um den Drogenkonsum in seiner G&#228;ste zu kontrollieren&#8221;), sondern auch viel zu teuer, so der Link-Buster-Manager nicht frei von Gesch&#228;ftssinn.</p>
<p>Die oben skizzierte Nutzerwarnidee ist somit bei Filehoster-Nutzern praktisch fast unm&#246;glich. Viele Kommentatoren schlie&#223;en daraus, dass das Urheberrecht zu einer Art Illusion der Inhalteindustrie verkommen sei. Der Autor Cory Doctorow <a href="http://www.guardian.co.uk/technology/blog/2010/oct/05/free-online-content-cory-doctorow">schrieb</a> dazu k&#252;rzlich im Guardian:</p>
<blockquote><p>&#8220;People won&#8217;t stop learning to type &#8220;Toy Story 3 bittorrent&#8221; into Google. Anyone who claims otherwise is selling something – generally some kind of unworkable magic anti-copying beans that they swear, this time, will really work.&#8221;</p></blockquote>
<p>Unworkable magic? Verlagsvertreter Tom Allen sieht das naturgem&#228;&#223; anders. Der ehemalige demokratische Kongressabgeordnete hat neue Hebel identifiziert, bei denen die &#8220;Toy Story 3 bittorrent&#8221; tippenden Teenager gar nicht mehr vorkommen. Allen will an drei anderen Punkten ansetzen: Kreditkartenunternehmen, Anzeigenkunden und Internetzugangsprovider.</p>
<div id="attachment_34887" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/tomallen1.jpg"><img class="size-medium wp-image-34887" title="tomallen1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/10/tomallen1-300x190.jpg" alt="" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Verlagsvertreter Tom Allen: &quot;zero interest&quot; an der Verfolgung von Endnutzern</p></div>
<p>Allen treibt in den USA eine Regelung voran, wonach Websites, die &#8220;systematisch Urheberrechte verletzen&#8221; von der Regierung und/oder Gerichten auf eine Liste von &#8220;rogue sites&#8221; gesetzt werden k&#246;nnen &#8211; wobei die metaphorische N&#228;he von &#8216;rogue site&#8217; zu &#8216;rogue state&#8217; kein Zufall sein d&#252;rfte.</p>
<p>Anzeigenkunden und Kreditkartenunternehmen soll es nach Allens Pl&#228;nen nicht mehr erlaubt sein, mit &#8220;rogue sites&#8221; zusammenzuarbeiten. Internetserviceprovider sollen den Zugang zu &#8220;rogue sites&#8221;-Domains erschweren &#8211; &#228;hnlich den Pl&#228;nen, wie es sie <a href="http://www.domain-recht.de/magazin/domain-news-2010/cybercrime-zentrum-eu-plant-domain-sperre-id667718.html">auch auf EU-Ebene gibt</a> (wobei unklar ist, ob die Link-Kommunkation dann in Zukunft nicht einfach mit der IP-Adresse arbeiten w&#252;rde).</p>
<p>Die Endnutzer blendet Allens Strategie aus. Ihm geht es vor allem darum, die Gesch&#228;ftsmodelle der &#8216;Piraten&#8217; zu behindern, in dem ihre Zahlungsfl&#252;sse und der Domain-Zugang erschwert werden.</p>
<p>Allens Strategie ist erkennbar ausgereifter als die Forderungen von Skipis. Zugleich sind die Ansatzpunkte f&#252;r die Durchsetzung von Urheberrechten im Filehoster-Umfeld vielf&#228;ltiger als es Doctorow und andere wahrhaben m&#246;chten. Ob Allens Ans&#228;tze deshalb weniger vergeblich sind, ist allerdings noch nicht gekl&#228;rt.</p>
<p>Die Wirkung von Tom Allens Forderungen ist damit vor allem eine politische: Sie halten den Streit um m&#246;gliche Sanktionen gegen Urheberrechtsverletzungen offen. Wo die Forderung nach Instant-Nutzerwarnungen noch technisch naiv wirkte, hat Allen nachger&#252;stet und realit&#228;tsn&#228;here Hebel identifiziert.</p>
<p>Ganz so schnell, wie der tobende Doctorow vielleicht gehofft hatte, gibt die Urheberrechtsseite also nicht auf. Nat&#252;rlich nicht &#8211; wenn eine Seite aufgeben w&#252;rde, w&#228;re der &#8216;war on piracy&#8217; ja zu Ende.</p>
<p><em><a href="http://www.buchmesse.de/blog/de/2010/10/08/neue-ideen-fur-den-%E2%80%9Curheberrechtskrieg%E2%80%9D/">Crosspost aus dem Buchmesse-Blog</a></em>.</p>
<p>Hinweis: Am Samstag wird sich auch die Tagung <a href="http://netzregeln.mixxt.de/">Netz:Regeln</a> in Berlin mit diesem Thema befassen.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/34877/urheberrechtskrieg/">&#8220;Urheberrechtskrieg&#8221;: Nutzerverfolgung ist out</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34877/urheberrechtskrieg/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34877&amp;md5=1778c9c376deba0387efb677fe98485d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>&#8220;Angemessene Verg&#252;tung&#8221;: Was der Gesetzgeber f&#252;r die Urheber getan hat und was er noch tun k&#246;nnte</title>
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		<pubDate>Tue, 18 May 2010 14:34:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ilja Braun</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Damit Urheber m&#246;glichst gerecht entlohnt werden, m&#252;ssen sie per Gesetz gest&#228;rkt werden. Soweit die Ma&#223;gabe des St&#228;rkungsgesetzes f&#252;r Urheber und aus&#252;bende K&#252;nstler. Doch wie steht es tats&#228;chlich um die Verhandlungsmacht der Urheber, ihre Interessen durchzusetzen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8da07544eaa84853bffede009afbe77a" alt="" width="1" height="1" />Um die Jahrtausendwende hatte sich im Bereich der Kreativwirtschaft eine Situation entwickelt, die nicht l&#228;nger tragbar schien. Obwohl das Urheberrecht – allgemeiner &#220;berzeugung zufolge – K&#252;nstlern und Kreativschaffenden erm&#246;glichen sollte, von ihrer Arbeit zu leben, schien das in der Praxis nicht zu funktionieren. Die Verwerter, also die Verleger und sonstigen Werkmittler, neigten offenbar dazu, die eigentlichen Urheber beim Vertragsabschluss zu &#252;bervorteilen. Sie lie&#223;en sich in der Regel alle wesentlichen Verwertungsrechte &#252;bertragen, ohne die Urheber in angemessener Weise an den Erl&#246;sen zu beteiligen, die sie mit deren Werken erzielten.</p>
<p>Am 22. Mai 2000 legte deshalb eine mit prominenten Urheberrechtsexperten besetzte Arbeitsgruppe ihren Entwurf eines „Gesetzes zur St&#228;rkung der vertraglichen Stellung von Urhebern und aus&#252;benden K&#252;nstlern“ vor, das zwei Jahre sp&#228;ter, am 1. Juli 2002, in Kraft trat. Die wesentlichen Neuerungen waren:</p>
<ul>
<li>der Anspruch des Urhebers auf angemessene Verg&#252;tung (§ 32 UrhG); „angemessen” im Sinne des Gesetzes ist eine Verg&#252;tung dann, wenn sie &#252;blich und redlich ist, genauer gesagt: &#8220;dem entspricht, was im Gesch&#228;ftsverkehr nach Art und Umfang der einger&#228;umten Nutzungsm&#246;glichkeit, insbesondere nach Dauer und Zeitpunkt der Nutzung, unter Ber&#252;cksichtigung aller Umst&#228;nde &#252;blicher- und redlicherweise zu leisten ist“ (§32 Abs. 2 UrhG)</li>
<li>Vorschriften zur Aufstellung gemeinsamer Verg&#252;tungsregeln (§§ 36, 36a UrhG).</li>
</ul>
<p>Die Interessenverb&#228;nde beider Seiten sollten sich nun dar&#252;ber einigen, was unter „angemessen” zu verstehen ist. Doch solange es zu keiner Einigung kommt, bleibt dem einzelnen Urheber – Journalist, Schriftsteller, Filmemacher oder &#220;bersetzer – nichts &#252;brig, als seinen individuellen Vertragspartner zu verklagen, will er sein Recht auf „angemessene Verg&#252;tung“ durchsetzen. Dieser Vertragspartner ist der Verwerter, also zum Beispiel der Verlag.</p>
<p><strong>Was ist schon angemessen?</strong></p>
<p>Die Film- und Fernsehschaffenden nahmen bereits 2003 Verhandlungen &#252;ber eine „angemessene Verg&#252;tung“ auf. 2006 wurden diese jedoch ergebnislos abgebrochen, nachdem sich sowohl die Regisseure als auch die Kameraleute mit der Gewerkschaft ver.di zerstritten hatten und die Filmproduzenten damit besch&#228;ftigt waren, neue Verb&#228;nde zu gr&#252;nden.</p>
<p>Seither bem&#252;hen sich die verschiedenen Urheberverb&#228;nde der Filmbranche im Alleingang um Verhandlungen. Doch Regisseure, Drehbuchautoren und Kameraleute bleiben gleicherma&#223;en erfolglos, weil Produzenten und Sender sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. W&#228;hrend die Produzenten behaupten, sie seien zu Verhandlungen nicht legitimiert, da sie ja nur im Auftrag der Fernsehsender handelten und daher wirtschaftlich nicht eigenverantwortlich entscheiden k&#246;nnten, meinen die Fernsehsender stets, sie seien selbst nicht die Vertragspartner, und nur gegen diese k&#246;nne sich der Anspruch der Urheber richten.</p>
<p>Auch die literarischen &#220;bersetzer konnten sich bislang mit ihren Verwertern, den Buchverlegern, nicht einigen. Aber sie k&#228;mpften sich auf dem Klageweg bis zum Bundesgerichtshof durch und bekamen Recht. Die Richter sprachen ihnen am 7. Oktober 2009 nicht nur eine Erl&#246;sbeteiligung an jedem verkauften Exemplar zu (0,8 Prozent beim Hardcover, 0,4 Prozent beim Taschenbuch, zahlbar ab einer Schwelle von 5.000 Exemplaren), sondern vor allem auch eine 50-prozentige  Beteiligung an s&#228;mtlichen Nebenrechtserl&#246;sen. Doch die Verlage weigern sich einstweilen, das Urteil in ihren Vertr&#228;gen umzusetzen &#8211; und auch zu neuen Verhandlungen sind sie nicht bereit.</p>
<p><strong>Besser eine schlechte Regelung als keine?</strong></p>
<p>In zwei anderen Branchen ist es hingegen durchaus zum Abschluss von sogenannten „gemeinsamen Verg&#252;tungsregeln“ gekommen, n&#228;mlich bei den sch&#246;ngeistigen Autoren und den freien Tageszeitungsjournalisten.</p>
<p>Die Vereinbarung literarischer Schriftsteller datiert auf den 9. Juni 2005. Sie sieht im Wesentlichen eine Beteiligung von 8 bis 10 Prozent am Nettoladenpreis eines jeden verkauften Hardcovers vor. Bei einer verlagseigenen Taschenbuchver&#246;ffentlichung muss allerdings nur halb so viel gezahlt werden. F&#252;r buchnahe Nebenrechte (&#220;bersetzung, H&#246;rbuch) werden 50 Prozent Erl&#246;sbeteiligung f&#228;llig, f&#252;r Medien- und B&#252;hnenrechte 60 Prozent  –  aber nur, wenn der Verlag entsprechende Verwertungen nicht selbst vornimmt.</p>
<p>Am 1. Februar 2010 einigten sich auch die Journalistengewerkschaften auf „<a href="http://irights.info/blog/arbeit2.0/2010/01/05/vergutungsregel-fur-freie-journalisten-an-tageszeitungen/">Gemeinsame Verg&#252;tungsregeln f&#252;r freie Journalisten an Tageszeitungen</a>“. Darin werden Zeilenhonorare zwischen 47 Cent und 1,65 Euro als „angemessen“ festgelegt, je nach Auflage der Zeitung und Textgenre. Wer im Mittelfeld liegt und etwa 90 Cent pro Zeile bekommt, erh&#228;lt also zuk&#252;nftig f&#252;r eine halbe Zeitungsseite ein Honorar von etwa 200 Euro. Mit einem solchen Grundhonorar sind zugleich Zweitverwertungen des Textes in anderen verlagseigenen Publikationen sowie in der „aktuellen elektronischen Ausgabe“ der Zeitung im Internet abgegolten.</p>
<p>Haben diese beiden Verg&#252;tungsregeln die Lage der sch&#246;ngeistigen Schriftsteller beziehungsweise der freien Journalisten an Tageszeitungen verbessert? Wohl kaum.</p>
<p>10 Prozent Beteiligung haben seri&#246;se Buchverlage ihren Autoren schon immer gezahlt. Das Beste, was man der Autoren-Verg&#252;tungsregel nachsagen kann, ist, dass sie den Betroffenen nicht geschadet hat, da sch&#246;ngeistige Autoren in der Regel ohnehin nicht im Auftrag von Verlagen arbeiten, sondern das volle Risiko des Marktes tragen. Mithin h&#228;ngt ihr Einkommen nach wie vor im Wesentlichen von ihrem Markterfolg ab. Allerdings hat dieser Verhandlungsabschluss durchaus den &#220;bersetzern geschadet: Sie mussten hinnehmen, dass der Bundesgerichtshof auch ihnen f&#252;r Taschenbuchver&#246;ffentlichungen, anders als f&#252;r gebundene Ausgaben, nur halbierte Beteiligungss&#228;tze zusprach.</p>
<p>Und die Tageszeitungsjournalisten? Der unabh&#228;ngige Berufsverband Freischreiber hat <a href="http://freischreiber.de/home/stellungnahme-von-freischreiber-ev-zu-den-gemeinsamen-verg%C3%BCtungsregeln-f%C3%BCr-tageszeitungen">scharfe Kritik</a> an der von den Gewerkschaften dju und DJV &#252;ber die K&#246;pfe ihrer Mitglieder hinweg beschlossenen Verg&#252;tungsregel ge&#252;bt. Unter anderem hat er dabei die Forderung erhoben, es m&#252;sse prinzipiell jede Verwertung eines Textes honoriert werden: „Mit einem Zeilenhonorar darf immer nur ein einfaches Nutzungsrecht abgegolten sein, also beispielsweise der erste Abdruck eines Textes in einer Zeitung. Jede weitere Nutzung, egal ob in weiteren Zeitungen, im Internet, in Datenbanken oder mittels zuk&#252;nftiger Verbreitungskan&#228;le, muss zus&#228;tzlich honoriert werden. Buyouts, also die Abtretung umfangreicher Nutzungsrechte, gegen allenfalls symbolische Zuschl&#228;ge, insbesondere auch der Einschluss digitaler Nutzungen in die einmalige Honorierung, k&#246;nnen angesichts der steigenden Bedeutung dieser Verwertungen nicht angemessen sein.“</p>
<p>Tats&#228;chlich verst&#246;&#223;t die Verg&#252;tungsregel der freien Tageszeitungsjournalisten eklatant gegen den sogenannten „Beteiligungsgrundsatz“, demzufolge der Urheber grunds&#228;tzlich einen <strong>Anspruch auf angemessene Verg&#252;tung f&#252;r jede wirtschaftliche Verwertung seines Textes</strong> hat. Und er stellt eine Beeintr&#228;chtigung der Interessen von Online-Autoren dar, denen es kaum m&#246;glich sein wird, mit Internet-Ver&#246;ffentlichungen Geld zu verdienen, wenn Tageszeitungen die Texte ihrer Autoren online zweitverwerten d&#252;rfen, ohne ein Honorar daf&#252;r zu zahlen. Welche Auswirkungen diese Einigung auf zuk&#252;nftige Gerichtsurteile, auch in anderen Branchen haben wird, ist derzeit noch gar nicht abzusehen.</p>
<p>Das erkl&#228;rte Ziel der Gesetzesnovelle, Urheber „gegen&#252;ber strukturell &#252;berlegenen Verwertern“ besser zu stellen, sodass sie „gerechte Verwertungsbedingungen“ durchsetzen k&#246;nnten, muss heute – acht Jahre nach Inkrafttreten des „St&#228;rkungsgesetzes“ – insgesamt als verfehlt betrachtet werden. Dies liegt zum Teil an der Weigerung der Verwerter, Urheber tats&#228;chlich „angemessen“ zu bezahlen – kein Wunder, sind diese doch Wirtschaftsunternehmen, deren Hauptanliegen naturgem&#228;&#223; die Profitmaximierung ist. Zum Teil liegt es auch an den Gewerkschaften, die gegen&#252;ber ihren Mitgliedern offen daf&#252;r werben, lieber einen „Mindestlohn“ durchzusetzen als zu gar keiner Einigung zu gelangen.</p>
<p>Dies ist problematisch, insofern eine Verg&#252;tungsregel kein Tarifvertrag ist, der nach ein paar Jahren gek&#252;ndigt und gegebenenfalls nachverhandelt werden kann. Im Gegenteil: Indem beide Seiten einvernehmlich festlegen, was unter Angemessenheit zu verstehen ist, wird eine Honorar-Obergrenze eingezogen. Ein Urheber wird fortan auch vor Gericht nicht mehr erstreiten k&#246;nnen als das, was in dieser Regel festgelegt ist. <strong>Es kann f&#252;r Urheber deshalb im Zweifelsfall erstrebenswerter sein, gar keine Verg&#252;tungsregel abzuschlie&#223;en als eine solche, die lediglich am unteren Rand des Honorarspektrums geringf&#252;gige Verbesserungen bringt.</strong> Dann k&#246;nnen sie zumindest auch weiterhin ihren Anspruch vor Gericht einklagen und dabei individuell wesentlich mehr herausholen.</p>
<p>Eine ganz &#228;hnliche &#220;berlegung stellen die Verwerter an. Sie rechnen aus, was sie billiger kommt: eine Verg&#252;tungsregel abzuschlie&#223;en und – falls sie sich &#252;berhaupt daran halten – einen Zuschlag auf alle Honorare zu zahlen, oder zu riskieren, dass sie von einzelnen Urhebern verklagt und vor Gericht zu Zahlungen verurteilt werden, die im Einzelfall noch weit h&#246;her liegen k&#246;nnen. Wie hoch die in einer Verg&#252;tungsregel festgelegte „angemessene Verg&#252;tung“ aus Sicht der Verlage h&#246;chstens sein darf, h&#228;ngt also davon ab, mit wie vielen Klagen sie zu rechnen haben.</p>
<p><strong>Zahnloser Tiger „St&#228;rkungsgesetz“</strong></p>
<p>Das St&#228;rkungsgesetz, angek&#252;ndigt als wichtiger Schritt zur Verbesserung der Lage Kreativschaffender, hat sich also als zahnloser Tiger erwiesen. Die Bundesregierung hat den Kreativen zwar einen Anspruch auf „angemessene Verg&#252;tung“ ihrer Arbeit zugestanden, ihnen aber keine Mittel an die Hand gegeben, diesen gegen&#252;ber den Verwertern auch tats&#228;chlich durchzusetzen. Sie sind darauf angewiesen, entweder vor Gericht zu ziehen und somit ihre Auftraggeber zu verprellen, oder aber die Verhandlungsergebnisse der Gewerkschaften zu akzeptieren, welche erkl&#228;rterma&#223;en auf „Mindestlohn“-Vereinbarungen hinauslaufen.</p>
<p>Folgerichtig hat der Abschlussbericht der Enquete-Kommission „<a href="Kultur in Deutschland">Kultur in Deutschland</a>“ (PDF) vom Dezember 2007 der Bundesregierung ausdr&#252;cklich empfohlen, „erneut zu pr&#252;fen, mit welchen Regelungen und Ma&#223;nahmen im Urhebervertragsrecht eine angemessene, an die wirtschaftlichen Verh&#228;ltnisse angepasste Verg&#252;tung f&#252;r alle Urheber und aus&#252;benden K&#252;nstler erreicht werden kann, da die bisherigen Regelungen im Urhebervertragsgesetz unzureichend sind.”</p>
<p>Wenn sich an der Lage der Kreativschaffenden insgesamt etwas &#228;ndern soll, scheint das tats&#228;chlich unvermeidlich. Die wenigen „Stars“, wie es sie im Kulturbetrieb seit jeher gibt, brauchen freilich kaum zu bef&#252;rchten, bei ihren Vertragsverhandlungen von der Gegenseite &#252;bervorteilt zu werden – ein Dieter Bohlen kann auf „St&#228;rkungsgesetze“ verzichten. Die gro&#223;e Masse der Kunst- und Kulturschaffenden jedoch ist bei solchen Verhandlungen in &#228;hnlichem Ma&#223;e schutzbed&#252;rftig, wie es Mieter in ihren Vertr&#228;gen mit Vermietern sind.</p>
<p>Man mag einwenden, die ungleiche Verhandlungsposition sei ein nat&#252;rlicher Effekt des freien Wettbewerbs, und allzu beherzte Eingriffe in die Vertragsfreiheit stellten einen Versto&#223; gegen das Prinzip des Marktes dar. Bei dieser Argumentation wird jedoch &#252;bersehen, dass das <strong>Urheberrecht insgesamt ein Versto&#223; gegen die Prinzipien des freien Marktes</strong> ist. Von seinem Wesen her ist es ein Monopolrecht: Indem der Rechteinhaber anderen Marktteilnehmern untersagen kann, sein Werk zu nutzen, es also zu vervielf&#228;ltigen und zu verbreiten, es online zug&#228;nglich zu machen oder es &#246;ffentlich aufzuf&#252;hren, verf&#252;gt er &#252;ber ein Monopol f&#252;r dessen wirtschaftliche Verwertung. Auf einem freien Markt ist ein solches Monopol etwas sehr Ungew&#246;hnliches. Jeder andere Marktakteur muss zusehen, dass seine Kunden f&#252;r das Produkt, welches er verkaufen will, freiwillig genug bezahlen. Da aber k&#252;nstlerische Arbeit als besonders schutzbed&#252;rftig gilt, werden K&#252;nstler seit jeher durch ein solches Monopolrecht vor dem rauen Klima des freien Wettbewerbs gesch&#252;tzt. Dieses Recht ist in Deutschland sogar un&#252;bertragbar.</p>
<p>Warum aber n&#252;tzt das offensichtlich nicht viel? Weil s&#228;mtliche Rechte, die aus dem Urheberrecht abgeleitet werden, durchaus &#252;bertragbar sind. Im Rahmen von Vertragsverhandlungen unter ungleichen Partnern landen diese Rechte dann zu Bedingungen, die f&#252;r den Urheber meist ausgesprochen ung&#252;nstig sein, bei den Verwertern, also den Verlagen und sonstigen Werkmittlern. Das Recht, das urspr&#252;nglich den Urheber sch&#252;tzen sollte, sch&#252;tzt dann nur noch den Verlag. Es wird zu einem Instrument, das man nunmehr rein wettbewerbsrechtlich beurteilen m&#252;sste.</p>
<p>Zu beheben w&#228;re dieses Manko mit einer st&#228;rkeren gesetzlichen Regulierung von Rechte&#252;bertragungen und Beteiligungen. Eine Vorschrift etwa, der zufolge ein einmaliges Grundhonorar in Vertr&#228;gen stets nur als Vorschuss auf eine verrechenbare Beteiligung an allen mit der Verwertung des Werks erzielten Erl&#246;sen vereinbart werden d&#252;rfte, w&#252;rde viele Probleme einer „angemessenen Verg&#252;tung“ l&#246;sen. Bedenkenswert w&#228;re auch eine <em>„use it or lose it“</em> &#8211; Regel: Rechte, die der Urheber einem Verwerter &#252;bertragen hat, m&#252;ssten nach einer gewissen Frist automatisch an ihn zur&#252;ckfallen, wenn der Verwerter sie nicht nutzt, damit der Urheber sie anderen Interessenten anbieten kann. Beide Ma&#223;nahmen w&#228;ren mit dem Prinzip einer freien Marktwirtschaft durchaus vereinbar.</p>
<p><strong> </strong><br />
<a href="http://www.boell.de/downloads/2010-04-copy_right_now_zukunft_urheberecht.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-25587" title="copyrightnow" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/copyrightnow.jpg" alt="copyrightnow" width="130" height="156" /></a><em>Dieser Beitrag</em><em> erschien in leicht ge&#228;nderter Form im Reader <strong>&#8220;Copy.Right.Now!</strong> &#8211; Pl&#228;doyers f&#252;r ein  zukunftstaugliches Urheberrecht&#8221;, herausgegeben von der <a href="http://www.boell.de/bildungkultur/kreativwirtschaft/kreativwirtschaft-reader-zukunft-urheberrecht-copy-right-now-8978.html">Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</a> in Zusammenarbeit mit <a href="http://irights.info/">iRights.info</a>. Er liegt als <a href="http://www.boell.de/downloads/2010-04-copy_right_now_zukunft_urheberecht.pdf">PDF</a> (1,3 MB) vor und kann in der gedruckten Fassung kostenlos bestellt werden.</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><span style="color: #ffffff;"><br />
</span></p>
<p>Au&#223;erdem dazu bei <em>Carta</em>:</p>
<ul>
<li>Wolfgang Michal: <a rel="bookmark" href="../../21077/die-neue-angemessenheit/">Die  neue Angemessenheit</a></li>
<li>Artikel zum Thema &#8216;<a href="http://carta.info/tag/freie-journalisten/">Freie Journalisten</a>&#8216;</li>
</ul>
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<a href="http://carta.info/27625/angemessene-verguetung-was-der-gesetzgeber-fuer-die-urheber-getan-hat-und-was-er-noch-tun-koennte/">&#8220;Angemessene Verg&#252;tung&#8221;: Was der Gesetzgeber f&#252;r die Urheber getan hat und was er noch tun k&#246;nnte</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27625/angemessene-verguetung-was-der-gesetzgeber-fuer-die-urheber-getan-hat-und-was-er-noch-tun-koennte/#comments">11 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27625&amp;md5=e5bdf440322dfb2be2138a7591decf93" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tr&#252;pel: &#8216;Digital rights fair trade&#8217; ist vielleicht die bessere Kulturflatrate</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 15:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die gr&#252;ne Europabgeordnete Helga Tr&#252;pel sieht bei der Kulturflatrate inzwischen mehr Fragen als Antworten. Das Konzept sei unausgereift. Im Rahmen von "digital rights fair trade" m&#252;sse auch &#252;ber andere Gesch&#228;ftsmodelle, Pauschalabgaben und einen Kontrahierungszwang nachgedacht werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/33ed6b18955649f48f5747862ffb821f" alt="" width="1" height="1" /><strong>Frau Tr&#252;pel, Sie haben sich am Montag auf einer eigenen kulturpolitischen <a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Einladung-KPS-Berlin-Urheberrecht-in-der-digitalen-Welt-150210.pdf">Veranstaltung</a> von der Idee einer Kulturflatrate distanziert. Die Idee habe &#8220;konzeptionelle Schw&#228;chen&#8221; und sei  &#8220;unausgereift&#8221;. Im letzten Jahr hatten Sie sich selbst einmal in einem <a href="http://carta.info/11308/europaeische-kulturflatrate-don-quichotte-in-der-digitalen-welt/">Carta-Beitrag</a> f&#252;r ein solches Modell ausgesprochen. Wie kommt`s?</strong></p>
<p>Ja, es ist richtig. Ich habe im letzten Jahr mit gr&#252;nen Kollegen aus EP und Bundestag eine Studie zur rechtlichen Machbarkeit einer Kulturflatrate in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kam, dass durch eine Schrankenausweitung des Urheberrechts eine solche Flatrate juristisch machbar w&#228;re. Was die Studie nicht geleistet hat, war festzustellen, wie hoch diese Flatrate sein m&#252;sste, um das Runterladen von Kulturinhalten aus dem Netz angemessen zu bezahlen. Wir haben die Flatrate Kulturflatrate genannt, aber bis jetzt ist unklar, welche digitalen Inhalte von ihr betroffen sein sollen. Nur Musik, oder auch Film, B&#252;cher, und andere digitalisierbare kulturelle Inhalte.</p>
<p>Wir haben die <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/medien/dokbin/278/278059.kurzgutachten_zur_kulturflatrate.pdf">Studie</a> zur juristischen Machbarkeit einer Kulturflatrate mit dem Ziel in Auftrag gegeben, einen fairen Ausgleich zwischen den Verbraucherinteressen auf leichten Zugang zum Netz, auf faire Bezahlung der Produzenten von kreativen Inhalten im Netz und auf Informationsfreiheit zu finden.</p>
<p>Zwangsenteignung durch illegales Up- und Downloaden kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg in einer Wissensgesellschaft sein und in einer Gesellschaft, die kulturelle Vielfalt aufrechterhalten und f&#246;rdern will. Also suche ich nach Wegen, wie datenschutzrechtlich unbedenklich neue Modelle f&#252;r das Runterladen von legalen Inhalten zu fairen Preisen f&#252;r Nutzer und faire Bezahlung f&#252;r Kreative und Verwerter gefunden werden k&#246;nnen. Das bedeutet aber auch, nicht den Weg in den &#220;berwachungsstaat zu beschreiten. Ich lehne das franz&#246;sische <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Frankreich-Internetsperre-fuer-Urheberrechtsverletzer-gebilligt-837138.html">Hadopi-Gesetz</a> ab, da ich es als viel zu weitgehend und als Eingriff in das Grundrecht auf Informationsfreiheit ansehe, denn der Three-Strikes-Ansatz sieht in dritter Instanz ein Kappen des Internet-Zugangs im Schnellverfahren vor.</p>
<p>Mein politisches Interesse zielt darauf, ein politisch unzensiertes Netz zu haben, f&#252;r den Download von Kulturinhalten angemessen zu bezahlen und falsche &#220;berwachungsma&#223;nahmen zu verhindern.</p>
<div id="attachment_23202" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel.jpg"><img class="size-medium wp-image-23202" style="border: 2px solid black;" title="truepel" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel-300x199.jpg" alt="truepel" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Gr&#252;ne EU-Abgeordnete Tr&#252;pel: Daten kann man nat&#252;rlich klauen</p></div>
<p>Die Flatrate weist aus meiner Sicht viele offene Fragen auf: Wir haben nicht eindeutig gekl&#228;rt, ob sie nur f&#252;r Musikdownloads gelten soll, oder auch f&#252;r andere Branchen. Nach allen Umsatzzahlen der Musik- und Filmindustrie sowie des Buchmarkts habe ich nicht den Eindruck, dass man mit einer geringen Geb&#252;hr von 5 oder 10 Euro f&#252;r bisher illegale Downloads die entstehenden Kosten angemessen bezahlen k&#246;nnte. Offensichtlich w&#252;rde &#8211; auch wenn noch keine Zahlen vorliegen &#8211; die Summe, die man f&#252;r alle Breitband-Besitzer festlegen w&#252;rde, viel h&#246;her sein, so dass ich die politische Akzeptanz von einer gesetzlich geregelten Kulturflatrate nicht sehe. Deswegen muss aus meiner Sicht auch gepr&#252;ft werden, welche anderen Modelle f&#252;r &#8220;<a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Digital-rights-fair-trade-12Thesen.pdf">digital rights fair trade</a>&#8221; sich anbieten. Im Moment tut sich einiges auf dem digitalen Markt, es gibt neue Gesch&#228;ftsmodelle der verschiedenen Kulturbranchen &#8211; insbesondere bei Musik, Film und B&#252;chern &#8211; die neue, legale Download-Angebote schaffen. Da sind freiwillige Flatrates durchaus denkbar.</p>
<p>Politisch muss aus meiner Sicht geregelt werden, dass es im Musikmarkt wirklich wieder einen funktionierenden Wettbewerb gibt und nicht nur Monopole mit Mainstream-Repertoire. Man muss &#252;berlegen, ob nicht auch Internet Service Provider, die sehr stark verdient, aber die K&#252;nstler nicht angemessen beteiligt haben, zu einer Abgabe an kreative Produzenten gezwungen werden sollen, um K&#252;nstler angemessen an Downloads zu beteiligen. Auf europ&#228;ischer Ebene steht an, sich &#252;ber eine Neuregelung des Vertragsrechts zu verst&#228;ndigen, um K&#252;nstler besser zu bezahlen und Buy-Out-Vertr&#228;ge zu beenden.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist zentral, dass es neue, faire Angebote f&#252;r Verbraucher und K&#252;nstler geben soll. Dazu m&#252;ssen neue Gesch&#228;ftsmodelle her und eine gute Regulierung des Marktes durch die Politik.</p>
<p>Die gr&#252;ne Debatte wird sich weiter sowohl um die Machbarkeit und H&#246;he einer gesetzlich geregelten Pauschalabgabe k&#252;mmern, als auch um Alternativen zu diesem Ansatz.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Im Rahmen von &#8220;digital rights fair trade&#8221; sollen Internetprovider &#8220;K&#252;nstler&#8221; &#8220;angemessen&#8221; verg&#252;ten. Damit stellt sich doch auch hier das Abgrenzungsproblemen: Wer ist K&#252;nstler? Was ist angemessen?</strong></p>
<p>Eine Idee im Rahmen von „digital rights fair trade“ ist, &#252;ber einen gesetzlich geregelten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kontrahierungszwang">Kontrahierungszwang</a> dazu zu kommen, dass auch Internet Service Provider zur Finanzierung kultureller Inhalte beitragen. Die H&#246;he der Abgabe auf urheberrechtlich gesch&#252;tzte Inhalte m&#252;sste eine Instanz aus Inhalteindustrie und Verwertungsgesellschaften aushandeln. Die Idee ist noch nicht ausgereift, muss aber im Kontext der Aufgabe, wie man kreative Inhalte in der digitalen Welt bezahlt, weiter gepr&#252;ft werden.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Ist &#8220;digital rights fair trade&#8221; eine freiwillige Ma&#223;nahme, ein Label oder ein Ansatz, die Preise f&#252;r digitale Kreativg&#252;ter staaatlich/institutionell festzulegen? Wie k&#246;nnte man sich &#252;berhaupt dar&#252;ber einigen, was fair ist?</strong></p>
<p>„Digital rights fair trade“ beschreibt den politischen Ansatz, mit neuen Business-Modellen, Marktregulierung und politischen Regulierungen wie der Reform des Urheberrechts und des Vertragsrechts zu einem fairen Ausgleich der Interessen zwischen Verbrauchern, Inhalteindustrie und Kreativen zu kommen. Es ist gerade nicht nur ein staatliches Modell, sondern eines der Marktregulierung.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span><br />
<strong>Illegale Downloads nennen Sie eine &#8220;Zwangsenteignung&#8221;. Sollte man Urheberrechtsfragen nicht lieber ohne Eigentumsmetaphern diskutieren? Daten kann man schlie&#223;lich nicht klauen, wie wir sp&#228;tenstens seit der Steuer-CD wissen.</strong></p>
<p>Wenn Kreative nicht mehr f&#252;r ihre kreativen Produkte angemessen entlohnt werden, weil gegen ihren Willen ihre Werke hoch- und runtergeladen werden, ist das nicht im Interesse der Kreativen. In diesem Sinne kann man Daten &#8211; digitale Kulturinhalte &#8211; nat&#252;rlich klauen. Der Begriff der Piraterie meint ja gerade, dass man sich Dinge/Daten aneignet, die einem nicht geh&#246;ren. Der politische Streit zwischen Piraten und Anti-Piraten geht nur darum, ob man das gut hei&#223;t oder nicht.
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<a href="http://carta.info/23192/kulturflatrate/">Tr&#252;pel: &#8216;Digital rights fair trade&#8217; ist vielleicht die bessere Kulturflatrate</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/23192/kulturflatrate/#comments">11 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=23192&amp;md5=bd44e81abf725aec6b7938f25f274238" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der berechenbare Pop</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 23:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Popbranche ist berechenbar geworden. Sie ehrt die, die ohnehin schon Erfolg haben. Pop aber lebt seit jeher von der &#220;berraschung – und von einer Haltung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4b324c972f0d4386b8148012c8fc23b7" alt="" width="1" height="1" />Das Prinzip Pop ist das Prinzip &#220;berraschung. Wo die Volksmusik eine Heimat geben will, indem sie das Bekannte in Form von Stilelementen und tradiertem Repertoire penetriert, geht Pop in die Gegenrichtung. Entweder schrill, &#252;berdreht oder innovativ versucht Pop, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ob die Beatles mit „Strawberry Fields“ <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-7NoOhmVMac">abhoben</a> oder die Hurts heute mit „Wonderful Live“ im New Wave <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tBdG87WkwFg">landen</a>, gefallen tut meist das, was der Erwartungshaltung nicht entspricht oder sie &#252;bertrifft.</p>
<p>Wie entt&#228;uschend aber, wenn ausgerechnet die Popbranche sich nicht traut, dem Prinzip der eigenen Kultur zu entsprechen und stattdessen sich und den Pop auf ihren beiden deutschen Schl&#252;sselveranstaltungen als langweiliges, weil berechenbares Ph&#228;nomen pr&#228;sentiert. Auf der Popkomm kam Pop in Form von gro&#223;en Messest&#228;nden der f&#252;hrenden Firmen der Branche daher. Bei der Echo-Verleihung in der o2-World pr&#228;mierte die Popindustrie diejenigen Interpreten, die am l&#228;ngsten und h&#228;ufigsten in den Musikmarkt-Charts vertreten waren. Wieso stellt man auf Messen wohl bekannte Strukturen dar, wieso feiert man das, was ohnehin erfolgreich und durch Jahrescharts l&#228;ngst nachgewiesen und hervorgehoben ist? Wir haben die erfolgreichsten Songs des letzten Jahres l&#228;ngst geh&#246;rt, manchmal mehr als uns lieb ist. Die Messen sind gelesen, sollen wir uns jetzt an Umsatzzahlen berauschen?</p>
<p>Weder die Popkomm noch die Echo-Verleihung ziehen noch. Die Popkomm fiel 2009 mangels Nachfrage aus und ihre Wiederauferstehung in diesem Jahr im Rahmen einer <a href="http://www.berlin-music-week.de/">Berlin Music Week </a>wird gerade heftig diskutiert. Echo musste f&#252;r die diesj&#228;hrige Veranstaltung in eine alte Messehalle im Westend zur&#252;ckziehen, da man sich die schicke Arena in Friedrichshain nicht mehr leisten konnte. Mittlerweile verzichten auch internationale Stars wie Depeche Mode, U2 und Kate Perry auf den Besuch. Als Highlights verk&#252;ndete man in einer Pressekonferenz die aus der Versenkung geholte Souls&#228;ngerin Sade und den Hamburger Jan Delay.</p>
<p>Eine Musikmesse als reine Plattform der Labels oder ein Musikpreis als Belohnung f&#252;r Chartperformance w&#228;ren in England – dem von den Deutschen so gern bewunderten Mutterland des Pop – undenkbar. Mit <a href="http://www.inthecity.co.uk/">In the City</a> gibt es dort eine j&#228;hrliche Veranstaltung, deren Kern die vielen Konzerte neuer und kleiner Bands in der Stadt Manchester sind. Die Branche zieht zusammen mit einem neugierigen Publikum aus Musikinteressierten von Club zu Club, um sich neue Musiker anzuh&#246;ren. Der K&#252;nstler steht da, wo er hingeh&#246;rt: im Mittelpunkt. So auch bei den Brit Awards und dem Mercury Prize: eine Jury – bei den Brit Awards sind es &#252;ber tausend Musiker, Produzenten und Journalisten – stimmt &#252;ber die wichtigsten Musiker und Platten des Jahres ab, und zwar v&#246;llig subjektiv und unabh&#228;ngig vom wirtschaftlichen Erfolg. Die Preisverleihung ist deshalb relevant und hoch spannend.</p>
<p>In Deutschland dagegen sucht man nach Strukturen und Zahlen. Es sind Strukturen, mit denen sich das Gesch&#228;ft der Labels auf den Messen darstellen l&#228;sst. Es sind Zahlen, die belegen, weshalb der eine den Preis bekommt und der andere nicht. Sich seinen Gef&#252;hlen, einer Meinung, einer Haltung hinzugeben, dadurch auch einmal parteiisch und ungerecht zu sein, davor hat man wohl Angst. Die Entschuldigung liegt auf der Hand: man hat schlechte Erfahrungen wenn es um Subjektivit&#228;t und Begeisterung geht. In deutschen Ohren hallt das <em>Hurra</em> nach, mit dem man in die Weltkriege zog; auch der Elan, mit dem manch ideologisierter Deutscher einen Arbeiter- und Bauernstaat aufzubauen half, der ein &#220;berwachungsstaat wurde.</p>
<p>Doch das Argument zieht hier nicht. Andere Bereiche der Kreativwirtschaft haben das l&#228;ngst erkannt und definieren sich &#252;ber eine Haltung: Der Frankfurter Friedenspreis w&#252;rde niemals an den Bestseller des Jahres vergeben werden, der Egon-Erwin-Kisch-Preis geht nicht an die Journalisten der Ausgabe mit der h&#246;chsten Verkaufsauflage und auch der Deutsche Filmpreis wird nicht von den Kinokassen, sondern von einer Akademie bestimmt.</p>
<p>Zahlen machen n&#228;mlich dann Sinn, wenn man es nicht mit Emotionen zu tun hat. Liebe kann man nicht messen, Hass genauso wenig. Musik ist aber nichts anderes als klingende Emotion. Der Versuch, Kunst und Popkultur ausschlie&#223;lich anhand kaufm&#228;nnischer Kriterien zu bewerten und die Verwertung allein danach auszurichten, muss schief gehen. Wer einen sinnvollen und spannenden Musikpreis m&#246;chte, wer eine funktionierende Messe erleben will, der muss auch den Mut aufbringen, eine Position zu haben, selbst wenn sie unbequem ist. Echo und die Popkomm in ihrem bisherigen Konzept zeigen, wie weit sich die Musikwirtschaft von ihrem eigentlichen Mittelpunkt entfernt hat: von der Musik und den K&#252;nstlern.</p>
<p><em>Diesen Artikel erschien auch bei <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_der_berechenbare_pop.html">motor.de</a></em>
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<a href="http://carta.info/22590/der-berechenbare-pop/">Der berechenbare Pop</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/22590/der-berechenbare-pop/#comments">11 comments</a>
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		<title>BGH-Urteil zur &#220;bersetzerverg&#252;tung</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Oct 2009 22:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ilja Braun</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Die &#220;bersetzer k&#246;nnen mit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs grunds&#228;tzlich zufrieden sein. Bitteren Nachgeschmack hinterl&#228;sst allerdings die anhaltende Benachteiligung von Taschenbuch&#252;bersetzungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>0,8% Beteiligung am Nettoladenpreis eines Hardcovers, 0,4% am Taschenbuch, zu zahlen ab einer Schwelle von 5.000 verkauften Exemplaren – diese Beteiligungss&#228;tze hat der Bundesgerichtshof in seinem<a href="http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=pm&amp;Datum=2009&amp;Sort=3&amp;nr=49463&amp;pos=0&amp;anz=207"> gestrigen Urteil</a> als “angemessene Verg&#252;tung” f&#252;r literarische &#220;bersetzer bestimmt. Von allen Nebenrechten und Lizenzerl&#246;sen (etwa bei Weiterverkauf eines Titels ins Taschenbuch) stehen dem &#220;bersetzer zuk&#252;nftig 50% des Nettoverlagserl&#246;ses zu.</p>
<p><strong>In grunds&#228;tzlicher Hinsicht k&#246;nnen die &#220;bersetzer zufrieden sein: </strong>Der BGH hat ihnen best&#228;tigt, dass sie einen Anspruch auf eine Beteiligung am verkauften Exemplar haben, die zus&#228;tzlich zum Seitenhonorar zu zahlen ist und auch nicht mit diesem verrechnet wird.  Auch sind die Beteiligungss&#228;tze h&#246;her als derzeit branchen&#252;blich, die Beteiligungsschwelle liegt mit 5.000 Exemplaren niedriger als in vielen derzeitigen Verlagsvertr&#228;gen. Last, not least: Es findet keine Degression oder Kappung der Beteiligungss&#228;tze in den h&#246;heren Auflagenbereichen statt, sondern die Beteiligung ist auch bei Bestsellern fortlaufend zu zahlen. Eine kleine Sensation ist die Nebenrechtsbeteiligung, die sich im Vergleich zu fr&#252;heren Landesgerichts- und Oberlandesgerichtsurteilen beinahe verdoppelt hat.</p>
<p><strong>Trotzdem hat das Urteil auch f&#252;r &#220;bersetzer einen bitteren Beigeschmack.</strong> Die g&#228;ngige Praxis, Beteiligungss&#228;tze im Originaltaschenbuch nur halb so hoch anzusetzen wie im Hardcover, hatte der &#220;bersetzerverband stets als unbegr&#252;ndete Benachteiligung von Taschenbuch&#252;bersetzern betrachtet, schlie&#223;lich sei die Arbeit des &#220;bersetzens genau dieselbe. Die Beteiligungss&#228;tze bleiben zudem weit hinter den Urteilen der Landesgerichte und Oberlandesgerichte zur&#252;ck, die zwischen 1% und 3,2% angesetzt hatten. Auch die 5.000er Schwelle muss den &#220;bersetzern ein Dorn im Auge sein, denn etwa die H&#228;lfte aller Titel erreicht diese Schwelle gar nicht, zumal &#252;blicherweise die verschiedenen Ausgaben nicht fortlaufend gez&#228;hlt werden. Bei einer &#220;bersetzung, die erst im Hardcover erscheint und danach im Taschenbuch wird also mit der Taschenbuchver&#246;ffentlichung wieder bei Null angefangen zu z&#228;hlen. Last, not least: 50% Beteiligung am Verlagsanteil der Nebenrechtserl&#246;se bedeuten nur dann f&#252;r den &#220;bersetzer einen realen Gewinn, wenn solche Gelder auch tats&#228;chlich flie&#223;en. Wenn ein Konzernverlag einen Titel innerhalb der eigenen Verlagsgruppe an einen Taschenbuchverlag “durchreicht”, ist dies oft nicht der Fall.</p>
<p>Dieser letzte Punkt ist auch f&#252;r Verleger der wichtigste an dem nun vorliegenden Urteil, das die Gro&#223;en der Branche entlastet, die Kleinen aber bluten l&#228;sst. W&#228;hrend gro&#223;e Verlagskonzerne die geforderten Beteiligungen leicht verkraften k&#246;nnen, an den Nebenrechtserl&#246;sen jedoch sparen k&#246;nnen, indem sie alle Verwertungen innerhalb des eigenen Konzerns vornehmen, geht kleinen und mittelst&#228;ndischen Verlagen ein gro&#223;er Teil ihrer Einnahmen verloren. Viele kleinere Verlage leben weniger vom Verkauf ihrer B&#252;cher als vielmehr davon, dass sie erfolgreiche Titel gegen hohe Lizenzgeb&#252;hren an gro&#223;e Taschenbuchverlage weiterverkaufen. Dieses Kalkulationsmodell wird in Zukunft nicht mehr ohne Weiteres aufgehen. Vor allem auf die kleineren Verlage steigt also nun der Druck.</p>
<p>Hinrich Schmidt-Henkel, Vorsitzender des &#220;bersetzerverbands Vd&#220;, betonte in einer ersten Stellungnahme erneut, es m&#252;sse nun eine Branchenl&#246;sung in Form einer “gemeinsamen Verg&#252;tungsregel” gefunden werden. Joerg Pfuhl, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Verlagsgruppe Random House, sieht sich hingegen best&#228;tigt: “Es ist bedauerlich, dass der &#220;bersetzerverband die zwischen Verlagen und &#220;bersetzern ausgehandelte und unterschriftsreife Verg&#252;tungsregelung hat platzen lassen, denn der BGH best&#228;tigt nun die wichtigsten Elemente des ‘Berliner Modells’.” – “Ein bedenkliches Urteil, welches unter den mittelst&#228;ndischen und kleinen Verlagen einen enormen Flurschaden anrichten wird”, meint hingegen der Literaturagent Peter S. Fritz in einem <a href="http://www.boersenblatt.net/341724/">Kommentar</a> im “B&#246;rsenblatt des Deutschen Buchhandels” und rechnet vor, dass kleine und unabh&#228;ngige Verlage durch das Urteil extrem benachteiligt werden. Eine Reaktion der mittelst&#228;ndischen Verleger selbst steht einstweilen aus. Anscheinend wartet man noch die Urteilsbegr&#252;ndung ab.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst bei<a href="http://irights.info/blog/arbeit2.0/2009/10/07/bgh-urteil-zu-ubersetzerhonoraren-2/"> iRights.info</a>. </em></p>
<p><em>Update 08.10.2009: </em>Bei den Kommentaren im B&#246;rsenblatt gibt es inzwischen auch Stellungnahmen von Dirk Stempel (Hanser) und Sabine D&#246;rlemann (D&#246;rlemann Verlag).
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		<title>Musikindustrie: Bilanz eines Abstiegs</title>
		<link>http://carta.info/9120/musikindustrie-bilanz-eines-abstiegs/</link>
		<comments>http://carta.info/9120/musikindustrie-bilanz-eines-abstiegs/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 12 May 2009 15:34:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Musikindustrie beklagt das "digitale Problem", aber sie kann zugleich kaum fassen, dass sie es selbst nicht in den Griff bekommt. Dieter Gorny fordert auf einem Branchenhearing, dass das Internet endlich "gesch&#228;ftsf&#228;hig" werde. Doch die Musikindustrie kommt von ihren alten Medien und ihren alten Gesch&#228;ftsmodelle nicht weg.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d2a0055231065d04a7db24ff8218bb" alt="" width="1" height="1" /><br />
Es war eine merkw&#252;rdig verdrukste Stimmung, die auf dem <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen,did=300160.html">Branchenhearing</a><a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen,did=300160.html"> Musikwirtschaft</a> des Bundeswirtschaftsministeriums vor einer Woche herrschte: Das aufger&#228;umt-selbstbewusst-modernistische Ambiente des Berliner <a href="http://www.startup-lounge.de/uploads/pics/radialsystem.jpg">Radialsystems</a> wollte so gar nicht zu einer Branche passen, die offensichtlich mit sich und ihrer Zukunft nicht im Reinen ist.</p>
<p>Im Rahmen ihrer <a href="http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Branchenfokus/kultur-kreativwirtschaft,did=246488.html">Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft</a> wollte das Bundeswirtschaftsministerium wissen, wie es ihr denn so geht, der Musikindustrie? Und wie ihr der Staat m&#246;glicherweise helfen k&#246;nnte? Geladen waren die gro&#223;en Vertreter der Branche, <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/article763401/Das_ist_lebensgefaehrlich.html">Dieter Gorny</a>, <a href="http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EE72F08C170C742F1A60CBC19E8FB36CA~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Frank Briegmann</a> oder <a href="http://carta.info/7145/digitale-kulturindustrie-lieberberg-kreuzug-internet-urheberrecht/">Marek Lieberberg</a>, aber auch die Vertreter kleinerer Labels und Vertriebe. Allen Teilnehmern gemeinsam war eine gewisse Survivor-Attit&#252;de: Man kennt sich aus besseren Zeiten.</p>
<div id="attachment_9125" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/branchenhearing1.jpg"><img class="size-medium wp-image-9125" title="branchenhearing1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/branchenhearing1-300x181.jpg" alt="branchenhearing1" width="300" height="181" /></a><p class="wp-caption-text">Aufger&#228;umtes Ambiente: Innovationsversagen oder doch Systemkrise?</p></div>
<p>Die Musikindustrie beklagt das <a href="http://www.perlentaucher.de/blog/38_die_akademie_als_ort_der_urheberrechtsdebatte%3f">&#8220;digitale Problem&#8221;</a>, aber sie kann zugleich selbst kaum fassen, dass sie es selbst nicht in den Griff bekommt. Man f&#252;hlt sich halb als Opfer einer technologischen Entwicklung, halb gibt man innerlich zu, wie verstockt man an den alten Gesch&#228;ftsmodellen festh&#228;lt. Die Kreativit&#228;t dieser Kreativbranche reicht augenscheinlich bislang kaum aus, um sich mit dem Netz zu arrangieren. Ein bisschen fassungslos &#252;ber sich selbst ist die Branche da schon: Eigenes Innovationsversagen?</p>
<p>Oder doch Systemkrise? &#8220;Ohne Schutz des geistigen Eigentums gibt es keine Kreativindustrie&#8221;, dr&#246;hnt Dieter Gorny in seiner Keynote. Er wei&#223; selbst, dass dies viel zu verk&#252;rzt ist. Es braucht kein Geld, damit gute Musik entsteht, wie sp&#228;ter ausgerechnet ein Rechtsanwalt die Branche erinnern muss. Es gibt kaum Forderungen an diesem Tag, hinter die sich alle stellen m&#246;gen. Nicht untypisch bei Branchenhearings. Doch hier ist es besonders sp&#252;rbar.</p>
<div id="attachment_9132" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/branchenhearing2.jpg"><img class="size-medium wp-image-9132" title="branchenhearing2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/branchenhearing2-300x190.jpg" alt="asdfasdf" width="300" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Dieter Gorny: Alle sind an diesem Tag f&#252;r &quot;mehr Urheberrecht&quot;</p></div>
<p>Alle sind an diesem Tag f&#252;r &#8220;mehr Urheberrecht&#8221;, aber alle sp&#252;ren auch, dass sie sich &#228;ndern m&#252;ssen. Nur wie beides passieren soll, das bleibt unklar. Dieter Gorny sagt sp&#228;ter, es gehe um den Prozess: &#8220;Das Internet muss ein gesch&#228;ftsf&#228;higes Medium werden.&#8221; Doch wie kommt man dahin: Einige, selbst aus dem Independent-Bereich, lieb&#228;ugeln mit <a href="http://carta.info/8793/1-mai-urheberrecht-renner-musikindustrie/">Olivenne-Sperren</a>. Andere sagen ganz deutlich, dass sie keine Lust auf Kriminalisierung haben.</p>
<p>Ausgerechnet die Musikindustrie: Ausgerechnet eine Branche, die &#252;ber Jahrzehnte das Aufbegehren verkauft hat &#8212; sie hadert nun damit, nicht mehr zu technologischen Avantgarde zu geh&#246;ren und den Staat anzurufen. Sie w&#228;re so gerne die glanzvolle, postindustrielle Zukunftsindustrie. Doch an diesem Tag ist die Musikindustrie &#8220;Leitbranche f&#252;r die Kreativindustrie&#8221; nur beim Thema <a href="http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/">Ratlosigkeit &#252;ber die Digitalisierung</a>.</p>
<p>Immerhin zieht das Hearing eine Bilanz &#252;ber den Abstieg der Musikbranche in den vergangenen f&#252;nfzehn Jahren. <a href="http://www.gfkps.com/company/management/adlwarth/index.de.html">Wolfgang Adlwarth</a> von der <a href="http://www.gfkps.com/">Gesellschaft f&#252;r Konsumforschung</a> stellt einige Zahlen vor:</p>
<ul>
<li>In den letzten dreizehn Jahren ging der Branchenumsatz um 40 Prozent zur&#252;ck.</li>
<li>In der Gruppe der 20- bis 39-J&#228;hrigen hat sich der Tontr&#228;ger-Umsatz in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert.</li>
<li>Je j&#252;nger die Nutzer, desto h&#246;her der Anteil der Nutzer illegaler Download-Quellen.</li>
<li>Obwohl die Musik die gleiche Bedeutung und Nutzungsh&#228;ufigkeit behalten hat, wird weniger gekauft.</li>
<li>Fast die H&#228;lfte aller Tontr&#228;ger wird heute von Personen &#252;ber 50 Jahren gekauft.</li>
<li>Zwei Drittel der Einnahmen aus dem Musikmarkt stammen inzwischen aus Veranstaltungen.</li>
</ul>
<p>Die Zahlen dokumentieren eindrucksvoll, wie sehr die Musikindustrie an ihren alten Medien und alten Gesch&#228;ftsmodellen h&#228;ngt. Die Online-Ums&#228;tze erreichen bis heute nur 8 Prozent des Branchenumsatzes.</p>
<p>Hier die Folien zu Wolfgang Adlwarths Vortrag auf dem Branchenhearing:</p>
<div id="__ss_1405046" style="width: 425px; text-align: left;"><a style="font:14px Helvetica,Arial,Sans-serif;display:block;margin:12px 0 3px 0;text-decoration:underline;" title="GfK-Daten zur Entwicklung der Musikindustrie" href="http://www.slideshare.net/cartablog/gfkdaten-zur-entwicklung-der-musikindustrie?type=presentation">GfK-Daten zur Entwicklung der Musikindustrie</a><object width="425" height="355" data="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=branchenhearingmusik-090508071116-phpapp01&amp;stripped_title=gfkdaten-zur-entwicklung-der-musikindustrie" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://static.slidesharecdn.com/swf/ssplayer2.swf?doc=branchenhearingmusik-090508071116-phpapp01&amp;stripped_title=gfkdaten-zur-entwicklung-der-musikindustrie" /><param name="allowfullscreen" value="true" /></object></p>
<div style="font-size: 11px; font-family: tahoma,arial; height: 26px; padding-top: 2px;">View more <a style="text-decoration:underline;" href="http://www.slideshare.net/">presentations</a> from <a style="text-decoration:underline;" href="http://www.slideshare.net/cartablog">cartablog</a>.</div>
</div>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=9120&amp;md5=6125cbcc15dcef59307faa1aa63bde13" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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