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	<title>CARTA &#187; Knüwer</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Hombach, die WAZ und die Pressekonsolidierung</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Feb 2009 14:16:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kostensparen und das Dr&#228;ngen auf Konsolidierung l&#228;sst sich gut kombinieren - wie der Fall WAZ vs. DPA zeigt. Die Politik steht vor der Frage, ob sie f&#252;r "Flickenteppiche" in der Presselandschaft k&#228;mpft, oder auf "vielfaltssichernde Ma&#223;nahmen" hereinf&#228;llt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/8fa56b3f1b550d6d64f676bcd92be5" alt="" width="1" height="1" />In der Krise verhandeln die Unternehmen ihre Zulieferervertr&#228;ge neu und streben in angeschlagenen M&#228;rkten nach Konsolidierung. In seltenen, aber sehr praktischen F&#228;llen lassen sich dabei beide Ziele miteinander verbinden: Wenn man durch das Bedr&#228;ngen eines zentralen Zulieferers die Konsolidierung in der eigenen Branche voranzutreiben vermag. Wie bei der WAZ zum Beispiel.</p>
<p>Seit Anfang des Jahres beziehen alle Zeitungen der WAZ-Gruppe aus dem Ruhrgebiet und aus Th&#252;ringen keine DPA-Dienste mehr.  Die WAZ spart dadurch gut 3 Mio. Euro pro Jahr. Die DPA verliert etwas mehr als 3 Prozent ihres Umsatzes.</p>
<p>Die beiden WAZ-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Bodo Hombach und Christian Nienhaus verhehlen nicht, dass es Ihnen bei der K&#252;ndigung nicht allein um die erheblichen Kosten, sondern auch um die Preisstruktur des DPA-Angebots ging:</p>
<p>Bodo Hombach sagte vor einigen Tagen der <a href="http://www.ftd.de/technik/medien_internet/:Zweifel-an-der-Struktur-R%FCckzug-der-WAZ-l%E4sst-DPA-wanken/467179.html">FTD</a>:</p>
<blockquote><p>„Solidarit&#228;t kann nicht hei&#223;en, dass gro&#223;e Zeitungen viel bezahlen, obwohl sie &#252;ber eigene Korrespondenten verf&#252;gen und nur wenig DPA-Material nutzen, w&#228;hrend kleine Zeitungen, die ihren Mantelteil mit DPA bestreiten, weniger zahlen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Christian Nienhaus legte am Sonntag in der <a href="http://www.welt.de/welt_print/article3123189/Marktfuehrer-dpa-leidet.html">WAMS</a> nach:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die dpa betreibt eine Umverteilung von gro&#223;en zu kleinen Zeitungen&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Preisstruktur der DPA ist bislang weitgehend linear von der Zeitungsauflage abh&#228;ngig und dabei zugleich unabh&#228;ngig von der Nutzung der Dienste. Eine Zeitung mit einer Auflage von 1 Mio. Exemplaren zahlt folglich rund zwanzig Mal mehr f&#252;r dieselben Nachrichten der DPA als eine Zeitung mit einer Auflage von 50.000 Exemplaren. Obwohl die kleinere Zeitung auf die DPA-Inhalte m&#246;glicherweise h&#228;ufiger zur&#252;ckgreift &#8211; zahlt sie daf&#252;r aber nicht extra. Besonders ung&#252;nstig ist solch eine Tarifstruktur f&#252;r Titel wie die Bild-Zeitung, wo sich der heutige WAZ-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Nienhaus in seiner vorherigen Position schon lange &#252;ber den Kostenfaktor DPA ge&#228;rgert haben d&#252;rfte.</p>
<p>Indem die WAZ die Tarifstruktur der DPA angreift, zielt sie nicht nur auf niedrigere Kosten f&#252;r Gro&#223;verlage &#8211; sie s&#228;gt zugleich am Ast, auf dem die kleinen Tageszeitungenh&#228;user sitzen. Thomas Kn&#252;wer <a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2030">spricht</a> folgerichtig von einer &#8220;handfesten Kriegserkl&#228;rung&#8221;. Die WAZ versuchte, &#8220;kleine Tageszeitungsverlage sturmreif zu schie&#223;en&#8221;. Mit DPA-K&#252;ndigung solle die n&#228;chste Konsolidierungswelle im Tageszeitungswesen eingeleitet werden.</p>
<p>Es w&#228;re wohl falsch, hier den Hauptgrund der DPA-K&#252;ndigung durch die WAZ zu sehen &#8211; sehr wohl aber einen praktischen Nebeneffekt. Eine Schw&#228;chung der DPA bedeutet eine Schw&#228;chung eben der Struktur, die es bisher erlaubte, in Deutschland Regionalzeitungen mit &#252;ber 120 unabh&#228;ngigen Mantelredaktionen zu betreiben. Was die kleinen Mantelredaktionen von der DPA wollen, ist schnell klar. Ob die Gro&#223;en die DPA langfristig brauchen, scheint nicht mehr ganz so klar.</p>
<p>Hierzu lohnt sich ein Blick in die Schweiz. Der schweizerische Zeitungsgro&#223;konzern <a href="http://www.tamedia.ch/de/Seiten/start.aspx">Tamedia</a> hat vor einigen Monaten das &#8220;<a href="http://www.newsnetz.ch/">Newsnetz</a>&#8221; gegr&#252;ndet &#8212; eine gemeinsame Online-Nachrichtenredaktion der drei gro&#223;en Regionalzeitungen der Deutschschweiz mit mehr als 40 Redakteuren. Mittels solcher Zentralredaktionen k&#246;nnen sich die neu entstehenden Zeitungsketten von einzelnen Nachrichtenagenturen unabh&#228;ngiger machen. &#196;hnliche Entwicklungen werden wir auch in Deutschland sehen.</p>
<p>Das Gezerre um die DPA wird dabei nur der Vorbote einer umfassenderen Konsolidierung der deutschen Tageszeitungslandschaft bleiben. Viele der kleinen, nach dem zweiten Weltkrieg in Westdeutschland entstandenen Regionalzeitungen stehen unter hohem Druck durch Wirtschaftskrise und Medienwandel. Viele Regionalverleger wollen in der n&#228;chsten Zeit verkaufen, da sie sich alleine den Weg in die neue Medienwelt nicht zutrauen.</p>
<p>Hier kommt Bodo Hombach und die spezielle politische Konfiguration in Nordrhein-Westfalen ins Spiel. Schon der letzte gro&#223;e Versuch, neue politische Rahmenbedingungen f&#252;r die Pressefusion zu schaffen, ging von hier aus. Wolfgang Clement hat vor f&#252;nf Jahren als Bundeswirtschaftsminister versucht, das Pressekartellrecht zu lockern. Sein Gesetz enthielt den leidigen SPD-Irrtum, man k&#246;nne mit &#8220;vielfaltssichernden&#8221; Ma&#223;nahmen die Folgen einer  &#246;konomischen Konsolidierung abmildern. Die Novelle scheiterte am vorzeitigen Ende der Kanzlerschaft von Gerhard Schr&#246;der.</p>
<p>Hombach k&#228;mpft nun erneut f&#252;r eine Lockerung der Pressefusion. Der Wirtschaftswoche <a href="http://www.wiwo.de/unternehmer-maerkte/waz-gruppe-online-2010-schwarze-zahlen-384756/">sagte er</a> k&#252;rzlich:</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Kartellgesetz in Deutschland verhindert, dass sich benachbarte Zeitungsverlage gegenseitig stabilisieren. Es zwingt Verlage zu einer Flickenteppich-Strategie. Nat&#252;rlich gibt es einige sehr interessante Projekte im Regionalzeitungsbereich, die wir uns ansehen. Aber leider ist gerade das, was den gr&#246;&#223;ten &#246;konomischen Vorteil ausmachen k&#246;nnte, n&#228;mlich die verlagswirtschaftliche Verkn&#252;pfung, bei gleichwohl unabh&#228;ngigen Titeln in angrenzenden Gebieten kartellrechtlich verboten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Nach der Bundestagswahl wird sich die Politik erneut mit der Frage zu besch&#228;ftigen haben, wie gut das Pressefusionsrecht geeignet ist, Vielfalt in Zeiten der Zeitungskonzentration zu sichern. Zu Hombach ist dabei zu sagen:</p>
<ol>
<li> Die monierten 	„Flickenteppiche“ stellen genau jene Struktur dar, die Ziel der Wettbewerbs- und Medienpolitik sein sollte:  Die sich langl&#228;ufig herausbildenden Zeitungsketten sollten   	&#8220;Flickenteppiche&#8221; aus Bl&#228;ttern besitzen, die &#252;ber 	das ganze Land verstreut sind.  Kein Zeitungsverlag sollte in der Lage sein, ganze Regionen oder gar 	Bundesl&#228;nder zu monopolisieren. So herrscht zumindest Konkurrenz in 	den &#220;berlagerungsbereichen der Titel und um die &#252;berregionalen 	Anzeigenkunden. Wenn aufgrund der Tageszeitungskrise die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Einzeitungskreis">Einzeitungskreise</a> weiter zunehmen, ist ein solcher Flickenteppich 	noch am besten geeignet, wettbewerbliche Strukturen zu sichern.</li>
<li>Eine &#8220;verlagswirtschaftliche Verkn&#252;ftung bei unabh&#228;ngigen Titeln&#8221; bedeutet konkret, dass unter dem Deckmantel formal unabh&#228;ngiger Redaktionen der Anzeigen- und Lesermarkt-Vertrieb zusammengelegt werden. Damit stirbt der 	Wettbewerbs auf diesen beiden M&#228;rkten. Die Anzeigen- und 	Zeitungspreise k&#246;nnen entsprechend steigen. Hinter dem 	vermeintlichen Vielfaltsvorteil stehen erhebliche &#246;konomische Nachteile f&#252;r Leser und Anzeigenkunden. Auch wenn sich seine Branche konsolidieren muss: Marktbeherrschende Stellungen sollten nicht zum Verkauf stehen.</li>
</ol>
<p>Die erneute Tageszeitungskrise stellt neue Fragen an die Politik, wie sie die Konsolidierung auf diesem Medienmarkt gestalten will. Bislang gibt es in Deutschland ein strenges, aber keinesfalls einschn&#252;rendes Kartellrecht. Es mag auf dem Weg einer gut gemischten Zeitungsteppich-Landschaft einige unn&#246;tige  H&#252;rden enthalten und ihm m&#246;gen einige sinnvolle Steuerungsmechanismen fehlen. Zumindest &#246;ffentlich denkt die Politik derzeit wenig dar&#252;ber nach. Zugleich ist die Gefahr gro&#223;, dass sie unter dem Vorwand der Vielfalts- und Arbeitsplatzsicherung die mehr als bew&#228;hrten Grundprinzipien des Kartellrechts aufgibt. In Erwartung einer &#8220;verl&#228;sslichen&#8221; Berichterstattung k&#246;nnte sie Ausnahmescheine vergeben.</p>
<p>Das Gerangel um die DPA ist so gesehen nur der Anfang, um &#252;ber die richtigen strukturpolitischen Ma&#223;nahmen im Zuge des Medienwandels anzudenken. Dabei ist erstaunlich, wie schnell Institutionen der alten Medienwelt inzwischen in den Ruch der Disposition kommen. Ein &#8220;Aus&#8221; der DPA sei &#8220;kein komplett unrealistisches Szenario&#8221; <a href="http://www.welt.de/welt_print/article3123189/Marktfuehrer-dpa-leidet.html">schreibt</a> Kai-Hinrich Renner in der Welt, die ausgerechnet aus dem Haus kommt, das zu den gr&#246;&#223;ten DPA-Kunden geh&#246;rt.</p>
<p><strong>Update</strong>: Laut <a href="http://www.kress.de/cont/story.php?id=126469">Kress.de</a> sammelt die DPA &#8220;eifrig&#8221; nach Belegen, wonach die WAZ-Redakteure trotz Vertragsk&#252;ndigung noch immer mit DPA-Material arbeiten.</p>
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<a href="http://carta.info/4662/hombach-waz-dpa-presse-konsolidierung/">Hombach, die WAZ und die Pressekonsolidierung</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/4662/hombach-waz-dpa-presse-konsolidierung/#comments">3 comments</a>
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