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	<title>CARTA &#187; Klaus Staeck</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Klaus Staeck: Der Nachplapperer</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Oct 2009 14:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Pr&#228;sident der Akademie der K&#252;nste, Klaus Staeck, hat sich im Tagesspiegel &#252;ber die „Blogorrhoe“ im Netz ausgelassen. Gleichzeitig sagt er: „Ich gestehe, ich bin kein Blog-Leser“. Das hei&#223;t: Er plappert einfach nach, was er irgendwo aufschnappt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/587ecc83910241cf9edfb1795d9f7d4b" width="1" height="1" alt=""/>Es w&#228;re wirklich verzeihlich und verst&#228;ndlich: Dass ein alter Mann sich nicht mehr an alles Neue gew&#246;hnen will. Zum Beispiel an dieses Dings, wie hei&#223;t es noch gleich: dieses INTERNET. Dort sollen ja Leute ungefragt Sachen schreiben. Unerh&#246;rt! Wenn das die SPD w&#252;sste!!</p>
<p>Einem Mann, zu dessen Aufgaben es ersichtlich nicht geh&#246;rt, auf dem Laufenden zu sein, w&#252;rde man <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/Klaus-Staeck;art772,2930056">solches Geraunze</a> &#252;ber modernen Schnickschnack nachsehen. Aber Klaus Staeck ist Pr&#228;sident der <a href="http://www.adk.de/">Akademie der K&#252;nste</a> und sitzt in einem sch&#246;nen Palast direkt am Brandenburger Tor. Sein Wort sollte Gewicht haben.</p>
<div id="attachment_16838" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/staeck.png"><img class="size-full wp-image-16838  " title="Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure Villen im Tessin wegnehmen" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/staeck.png" alt="Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure Villen im Tessin wegnehmen" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Nicht in der Gefahr, der Blogorrhoe zu erliegen: Klaus Staeck (Foto -M-: Carta)</p></div>
<p>Ich stelle mir z.B. ein Staeck-Plakat vor, das von der Verlegerinitiative „Print wirkt“ an s&#228;mtliche Litfass-S&#228;ulen des Landes geklebt wird: „Deutsche Journalisten! Die Blogger wollen euch eure <a href="http://www.hausdergeschichte.de/lemo/objekte/pict/KontinuitaetUndWandel_plakatStaeckTessin/index.html">Villen im Tessin</a> wegnehmen!“ Oder Sascha Lobo (als D&#252;rers Mutter), mit gefalteten H&#228;nden und roter B&#252;rste, darunter die Zeile: „W&#252;rden Sie diesem Blogger ein Zimmer vermieten?“</p>
<p>Klaus Staecks <a href="http://images.google.de/images?hl=de&amp;q=%22Klaus+Staeck%22&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;ei=xanhSsj3A9Lz_Ab-kcCPAg&amp;sa=X&amp;oi=image_result_group&amp;ct=title&amp;resnum=1&amp;ved=0CBgQsAQwAA">politische Plakate</a> waren in den siebziger Jahren das, was f&#252;r meine Kinder heute die Poster von Radiohead sind: Ausdruck einer Haltung. Einmischung erw&#252;nscht. <a href="http://www.klaus-staeck.de/biografie/index.html">Staeck</a>, das war dieser freche Vork&#228;mpfer f&#252;r mehr Demokratie, der sich keine Erlaubnis holte, wenn er etwas sagen wollte. Der die freie Meinungs&#228;u&#223;erung nicht f&#252;r eine geschlossene Veranstaltung hielt, in der eine Journalisten-Elite den Kammer-Ton angibt.</p>
<p>Und heute? Heute ist aus dem einstigen Vork&#228;mpfer ein Nachplapperer geworden.</p>
<p>Klaus Staeck verbreitet die alten Kamellen, die seit Jahr und Tag zwischen Journalisten und Bloggern hin- und hergeworfen werden, zum steigenden Verdruss des Publikums. Man k&#246;nnte eigentlich die Achseln zucken und weitergehen. Doch Staecks Ansichten &#252;ber das Netz kennzeichnen leider die Stagnation der Medien-Debatte. <strong>„Ich gestehe“, sagt Staeck, „ich bin kein Blog-Leser oder -Verfasser, und deshalb auch nicht in der Gefahr, der Blogorrhoe zu erliegen.“ &#220;bersetzt hei&#223;t das: Ich wei&#223; nichts von euch, aber ich find euch schei&#223;e.</strong></p>
<p>Ausgerechnet ein Mann, der seinerzeit die Strau&#223;-Bemerkung von den „Ratten und Schmei&#223;fliegen“ gei&#223;elte, glaubt nun, die &#196;u&#223;erungen von Bloggern als „D&#252;nnschiss“ abqualifizieren zu m&#252;ssen („Blogorrhoe“). So, als w&#252;sste er nicht, dass auch in den Kiosken dieses Landes nicht nur Duftkerzen herumliegen. Null Differenzierung. Null Kenntnis. Null Verst&#228;ndnis. Es ist erb&#228;rmlich, dass sich ein Repr&#228;sentant wie Klaus Staeck auch nach zehn Jahren Debatte noch auf dieses (zugegeben: plakative!) Niveau herab begibt.</p>
<p>Statt wahrzunehmen, dass sich das Schreiben im Netz ver&#228;ndert hat, dass Qualit&#228;tskriterien gleicherma&#223;en auf B&#252;ttenpapier, auf Bierdeckeln und im Netz gelten, dass viele Blogger sich schneller entwickeln (und professionalisieren) als dies der Journalismus in seinen gedruckten Anfangszeiten hinbekommen hat; statt anzuerkennen, dass nur wenige Leser in die Rolle von Trollen schl&#252;pfen, aber sehr viele mit ihrem Wissen einen wohltuend m&#228;&#223;igenden, relativierenden, korrigierenden Einfluss auf die Schreibenden aus&#252;ben; statt sich zu informieren &#252;ber Suchmaschinen, Netzwerke oder Empfehlungsportale, die auch unge&#252;bte „Surfer“ (wie Staeck) blogorrhoe-frei zu Qualit&#228;ts-Webseiten leiten; statt die Kooperationsm&#246;glichkeiten im Netz als ur-(sozial-)demokratische <a href="http://www.benkler.org/">Vision</a> zu begreifen, suhlt sich der „Aufkl&#228;rer“ Staeck in seinen aufgeschnappten Vorurteilen &#252;bers Internet.</p>
<p>Geschenkt, m&#246;chte man abwinken, w&#228;re da nicht jene &#228;rgerliche Bemerkung in seinem Text, die eine Erwiderung geradezu herausfordert. In gezielter Anspielung an die dunklen Zeiten, in denen gewisse Leute mit Fackeln durchs Brandenburger Tor marschierten, beschw&#246;rt Klaus Staeck die Gefahr eines  „online erwachenden (!)“, bislang massenkulturell-passiven Publikums. Dieses „Erwachen“ erscheint ihm, dem in der Wolle gef&#228;rbten Demokraten, „gespenstisch“.</p>
<p>Ich kann Klaus Staecks politische Ur-Angst durchaus verstehen (er ist 1938 geboren!). Aber er diskreditiert hier den Anspruch engagierter B&#252;rger (und dazu z&#228;hlen auch Krethi und Plethi und die Piraten), im &#246;ffentlichen Diskurs der Qualit&#228;tsjournalisten mitreden zu wollen. Da k&#246;nnte ja jeder kommen! sagt Staeck. Das pl&#246;tzliche Mitreden von Nicht-Journalisten bedeute „die Abl&#246;sung qualifiziert ausgebildeter, glaubw&#252;rdiger und in diesem Beruf nicht zuletzt ethisch verpflichteter Autoren durch den Schwarm aller, die Zugang zum weltweiten Web haben, und all&#252;berall ihre Meinung kundtun k&#246;nnen.“</p>
<p>Es ist in der Tat „gespenstisch“. <strong>Klaus Staeck denunziert heute das, was er, der junge Grafiker aus Bitterfeld, in den sechziger und siebziger Jahren mit seiner Plakatkunst (die man eine Fr&#252;hform des Weblogs nennen k&#246;nnte) ganz selbstverst&#228;ndlich beansprucht hat.</strong> Aber offensichtlich ist er, zusammen mit der SPD, irgendwann im letzten Jahrhundert eingerostet.
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