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	<title>CARTA &#187; Kai Diekmann</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>„Bild“ als H&#252;terin der Pressefreiheit – eine Irref&#252;hrung macht Zeitgeschichte</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 07:52:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans-Jürgen Arlt, Wolfgang Storz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Analyse der „Bild“/Wulff“-Aff&#228;re - geleistet anhand von 1528 „Bild“-Texten, die zwischen 2006 und 2012 erschienen sind - belegt auf eindrucksvolle Weise: „Bild“ macht vielleicht dumm, ist aber bestimmt nicht dumm gemacht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Bild“, die so einfach, platt, so holzhammerm&#228;&#223;ig daherkommt, ist eine kommunikative Komposition. In der „Bild“-Redaktion wird mit Intelligenz, Routine, Radikalit&#228;t und gnadenloser Gesch&#228;ftst&#252;chtigkeit – Menschenverachtung und Killerinstinkt bei Bedarf inklusive &#8211; ein Massenmedium hergestellt, das auf publizistischen und &#246;konomischen Erfolg getrimmt ist.</p>
<p>Anhand der „Bild“/Wulff-Aff&#228;re l&#228;sst sich zweierlei vorz&#252;glich illustrieren: Wie „Bild“ es gelang, sich dank blinder Unterst&#252;tzung vieler anderer Medien sogar als Heldin der Pressefreiheit zu profilieren. Und wie „Bild“ zun&#228;chst &#252;ber Jahre reine PR f&#252;r einen Politiker betrieb,  dann von einem Tag auf den anderen Journalismus aus Notwehr praktizierte, weil sie nur so die eigene Haut retten konnte.</p>
<p>„Bild“ hat im Vergleich zu Publikationen, die sich auf das Handwerk des Journalismus konzentrieren, eine unternehmerisch gesehen modernere, massenmedial und betriebswirtschaftlich erfolgreichere Strategie. Das Catch-all-Konzept – mit allen massenmedialen Mitteln, insbesondere der Unterhaltung und der Eigenwerbung, m&#246;glichst alle zu erreichen und dabei selbst als der Gr&#246;&#223;te zu erscheinen – bildete auf dem deutschen Mediensektor lange Jahre ein Alleinstellungsmerkmal. Erst der Privatfunk setzte dieselben Erfolgsmethoden ein.</p>
<p>Heute ist „Bild“ f&#252;r viele Leitmedium, weil sich das Mediensystem unter den Zw&#228;ngen des Marktes ver&#228;ndert und der „Bild“-Strategie zunehmend recht gibt: Wer mit tagesaktuellen Ver&#246;ffentlichungen l&#228;ngerfristig wirtschaftlich erfolgreich sein will, kann das – von Ausnahmen abgesehen &#8211; nicht auf dem ‚Tugendpfad‘ des Journalismus – wie Fernsehen und Internet bereits beweisen. Diese strukturelle medien&#246;konomische Entwicklung bildet die eigentliche Basis und tieferliegende Erkl&#228;rung f&#252;r die wachsende Beachtung und Anerkennung der „Bild“-Arbeit von Seiten der Repr&#228;sentanten und Institutionen des traditionellen Qualit&#228;tsjournalismus. „Bild“ ist zum publizistischen und betriebswirtschaftlichen Vorbild geworden.</p>
<p>Der Weg vom Schmuddelkind zum Leitmedium hat mit der Wulff-Aff&#228;re eine neue Gipfelstation erreicht: Es setzte sich in der &#214;ffentlichkeit eine oberfl&#228;chliche und irref&#252;hrende Deutung der Beziehung zwischen „Bild“ und Wulff durch. Den Anruf des Bundespr&#228;sidenten bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann am 12. Dezember 2011 als Angriff auf die Pressefreiheit darzustellen, hat „Bild“ wohlweislich anderen Medien &#252;berlassen. „Bild“ in der Opfer- und Wulff in der T&#228;ter-Rolle, das ist eine Deutung, die „Bild“ lanciert, aber nicht selbst verbreitet hat. Weshalb? Weil f&#252;r die „Bild“-Verantwortlichen klar war, dass sie sich damit l&#228;cherlich gemacht h&#228;tten.</p>
<p>Das Blatt hat mindestens seit 2006 bis zu diesem 12. Dezember 2011 zu Christian Wulff eine enge Gesch&#228;ftsbeziehung unterhalten, bei der interne und intime Details aus dem Leben des Politikers, Familienvaters und Liebhabers exklusiv mit „Bild“ getauscht wurden gegen eine allzeit uneingeschr&#228;nkt positive, geradezu glorifizierende Berichterstattung &#252;ber Wulff in allen Lebenslagen. Keine der beiden Seiten, weder „Bild“ noch Wulff, w&#228;ren jemals auf die Idee gekommen, hier eine Beziehung zwischen Journalist und Politiker zu sehen; es ging immer nur um Deals zwischen zwei Gesch&#228;ftspartnern zum wechselseitigen Nutzen.</p>
<p>„Bild“ ist in den Dezembertagen 2011 eine Getriebene und kann sich aus dieser Lage nur befreien, indem sie sich selbst als Treiber profiliert – aber diese aktive Treiberrolle darf sie wiederum nicht &#252;berziehen, sie muss in der &#246;ffentlichen Pr&#228;sentation fein dosieren. Warum? Niemand wei&#223; besser als die „Bild“-Verantwortlichen, was sie mit und f&#252;r Wulff in den zur&#252;ckliegenden Wochen, Monaten und Jahren gemacht und welches Bild von Wulff sie bei ihrem Publikum produziert haben.</p>
<p>Ihre eigenen Recherchen in der Hauskredit-Angelegenheit zeigen einen ganz anderen Christian Wulff, einen Wulff der Vorteilsnahme und der Parlamentst&#228;uschung. Der gr&#246;&#223;te anzunehmende Unfall f&#252;r die „Bild“-Chefredaktion muss der folgende Fall sein: Andere Medien decken die Kreditaff&#228;re auf und „entlarven“ den Wulff im wunderbaren „Bild“-Pelz als moralisch, eventuell sogar juristisch angreifbar. Dass „Spiegel“ und „Stern“ ihre eigenen – erfolgreichen – Recherchen betreiben und in diesen Tagen potenziell jederzeit mit der Enth&#252;llung  herauskommen k&#246;nnten, wissen Insider der Medienbranche, also wei&#223; es auch die „Bild“-Chefredaktion. Deshalb hat sie es eilig. Sie will und muss als Erste mit der Kreditaff&#228;re in die &#214;ffentlichkeit. Nur dieser Schritt kann sie davor retten, dass „Bild“ zum Gesp&#246;tt der Branche wird. Nur wenn sie selbst den wunderbaren Wulff zerst&#246;rt, denn sie &#252;ber Jahre aufgebaut hat, wird sie nicht zum Verlierer.</p>
<p>Dass sie sp&#228;ter sogar zum gro&#223;en Sieger wird, davon hat sie in diesen Dezembertagen nicht einmal getr&#228;umt. Hier und jetzt, an diesem 12. Dezember 2012, ging es nur darum, einen Alptraum abzuwenden. „Bild“ hat es mit einem beeindruckenden Gesp&#252;r f&#252;r die richtige Dosierung gemacht. Denn ein abrupter &#246;ffentlicher Wechsel vom Jubler zum J&#228;ger h&#228;tte Unverst&#228;ndnis und Fragen ausgel&#246;st. „Bild“ hat sich zun&#228;chst &#252;berhaupt nicht als der gro&#223;e Enth&#252;ller profiliert, sie hat – f&#252;r ihre Verh&#228;ltnisse – mit aller Vorsicht und Zur&#252;ckhaltung &#252;ber den „Wirbel um Wulff“ berichtet und fast beil&#228;ufig einflie&#223;en lassen, dass sie selbst den Wirbel ausgel&#246;st hat. „Bild“ hat im Fall Wulff vom 13. Dezember 2011 bis zum R&#252;cktritt des Bundespr&#228;sidenten am 17. Februar 2012 mit mehr Distanz und Vernunft berichtet als die meisten anderen Medien, die sich in diesen vielen Wochen meist ungeschickt in der Rolle versuchten, die sonst „Bild“ eigen ist: der des fast hemmungslosen Treibers. „Bild“ dagegen praktizierte Journalismus &#8211; aus Notwehr. Interessante verkehrte Welten.</p>
<p><em>Die Studie der beiden Autoren <a href="http://www.otto-brenner-stiftung.de/otto-brenner-stiftung/aktuelles/bild-und-wulff-ziemlich-beste-partner.html">&#8220;&#8216;Bild&#8217; und Wulff – Ziemlich beste Partner: Fallstudie &#252;ber eine einseitig aufgel&#246;ste Gesch&#228;ftsbeziehung&#8221;</a> erschien bei der Otto-Brenner-Stiftung und ist dort online oder als Printversion zu erhalten.</em>
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		<title>New Journalism? Shoot, sagt die Bildzeitung!</title>
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		<pubDate>Tue, 25 Nov 2008 18:05:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mercedes Bunz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kai Diekmann]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>

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		<description><![CDATA[Zusammen mit dem Discounter Lidl bringt Bild im Dezember Billig-Kameras f&#252;r Leserreporter heraus, die &#252;ber das Netz direkt an Bild.de zur&#252;ckfunken. "Geborgt" hat Chefredakteur Kai Diekman die Idee beim bloggenden Journalistik-Prof Jeff Jarvis. Man sollte Diekmann mit dem Spielzeug nicht alleine lassen, findet Mercedes Bunz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0508b0a9436670c158099bc9fd7054" alt="" width="1" height="1" />Am 4. Dezember bringt die Handelskette Lidl eine <a href="http://de.europe.creative.com/products/product.asp?category=830&amp;subcategory=831&amp;product=17820">Leserreporterkamera</a> auf den Markt und zwar in Zusammenarbeit mit ihrem <a href="http://www.bildblog.de/search/lidl/">Gspusi</a> &#8220;Bild&#8221;, also mit jener Zeitung, die komischer Weise nicht &#252;ber die <a href="http://www.alleingegendiebild.de/die-bild-lidl-connection/">&#220;berwachung der Lidl-Mitarbeiter</a> berichtete. F&#252;r relativ g&#252;nstige 70 Euro. Daf&#252;r ist man dann an Bild gekoppelt: Wenn man das Ger&#228;t an seinen Rechner anschlie&#223;t, &#246;ffnet sich ein Programm, mit dem die Filme direkt auf das Online-Portal Bild.de geschickt werden k&#246;nnen. Fies. Und irgendwie clever. Allerdings nicht neu: Geklaut hat Kai Diekmann die Idee bei <a href="http://www.theflip.com/">Flip</a>, einer kleinen, schnuckeligen Plastikkamera, die in Amerika in den gro&#223;en Ketten vertrieben wird und die, an den Computer angeschlossen, ihr Material direkt zu Youtube hoch schie&#223;t. Elegant, einfach zu bedienen, und also gut.</p>
<p class="MsoNormal"><span>Verraten hat Diekmann diesen Trick ausgerechnet der Journalismus Professor Jeff Jarvis, der in New York an der Graduate School of Journalism unterrichtet und das Medienkritik-Blog <a href="http://www.buzzmachine.com/">Buzzmachine</a> betreibt. Er setzte Diekman diesen Floh ins Ohr, als er ihm vor einem knappen Jahr in Davos mit dem Prinzip von Flip bekannt machte. Mehr noch, Jeff Jarvis hat das Ganze sogar aufgenommen, mit der Flip nat&#252;rlich, und dann auf Youtube hochgeladen und dar&#252;ber berichtet &#8211; und zwar <a href="http://www.buzzmachine.com/2008/01/23/davos08-tiny-cameras/">hier</a>. <strong>Ob er dem Journalismus damit wirklich einen Gefallen getan hat, ist jedoch noch die Frage.</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.buzzmachine.com/2008/01/23/davos08-tiny-cameras/"><img class="alignnone size-full wp-image-2200" title="bild-19" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/bild-19.png" alt="" width="426" height="346" /></a></p>
<p class="MsoNormal"><em>Chefleserreporter Diekmann: &#8220;We have to have it.&#8221;</em></p>
<p class="MsoNormal"><span>Was sich hier zun&#228;chst einmal zeigt: <strong>Der Journalismus ver&#228;ndert sich.</strong> Wir leben in einer Welt, in der wir Information nicht mehr m&#252;hsam aus dem Dunklen in das Licht bringen m&#252;ssen. Die Information ist heute &#252;berall – daran werden sich auch Journalisten gew&#246;hnen m&#252;ssen. Sie sind nicht mehr die einzigen Besitzer der Information. Dennoch haben sie etwas anzubieten: Sie garantieren Qualit&#228;t. Und auch daf&#252;r ist es wichtig, den Leser ernst zu nehmen, denn in immer mehr F&#228;llen kennt der Leser nicht nur die bessere Information, heute zeichnet er sie auch auf.</span></p>
<p>&#220;ber 32 Millionen Handys wurden alleine 2007 verkauft, mehr als 80 Prozent der Haushalte nutzen sie. Allerdings sind die Teile schon lange nicht mehr nur Mobiltelefone. Sie sind zugleich Aufnahmeger&#228;te, Fotoapparate und Videokameras. Und das hei&#223;t: <strong>D</strong><strong>ie Kommunikationsindustrie hat da drau&#223;en Millionen von Menschen mit einer Ausr&#252;stung ausgestattet, die sich vorher nur Journalisten f&#252;r ihre Arbeit geleistet haben</strong> – Fotografen, Kameram&#228;nner und –frauen oder investigative Journalisten.</p>
<p>Tats&#228;chlich sind die eindringlichsten Bilder der letzten Ereignisse allesamt von Laien aufgenommen worden. Egal ob 09/11 oder der Tsunami 2004, egal ob Abu Ghraib oder die Hinrichtung Sadam Husseins, es waren private Aufnahmen, die Geschichte geschrieben haben. Und ja, diese Entwicklung muss man ernst nehmen.</p>
<p>Das bedeutet nicht, dass man den Leser Bild-alike mit schlechtem Billigmaterial ausstatten muss. Es bedeutet aber auch keine Entwertung der professionellen Arbeit, wie der Deutsche Journalisten Verband (DJV) umgehend klagte. Diekmann hat erkannt, was schon lange Fakt ist: Dass Leser nicht nur Information lesen, sondern auch welche besitzen – und dass darunter auch Information ist, die f&#252;r Journalisten interessant sein k&#246;nnte.</p>
<p>Dem Qualit&#228;tsjournalismus rund um den DJV ist deshalb dringend geraten, seine Leser nicht nur als zu bespielendes Gegen&#252;ber zu verstehen. Sondern als informationshungrigen, aufgeweckten Menschen, der genau deshalb, weil er wissbegierig und klug ist, selbst etwas anzubieten hat. Kai Diekmann ist f&#252;r Bild vorgeprescht und hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die nun einmal existiert. Und gerade weil im Journalismus bestimmte Standards gelten sollen: <strong>An dieser Front darf man Diekmann auf keinen Fall alleine lassen.</strong></p>
<p><em>Der Text ist ebenfalls auf </em><a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Leserreporter-Kai-Diekmann;art141,2669997"><em>Tagesspiegel-online</em></a><em> erschienen. </em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=2177&amp;md5=7660fde66c7f343886d0092b7b86d242" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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