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	<title>CARTA &#187; JAKO</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Meinungsstreit auf dem Niveau des Duells</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 08:51:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jürgen Kalwa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Beispiel JAKO vs. Trainer Baade zeigt: Der Abmahn-Wahn von Anw&#228;lten gef&#228;hrdet die Existenz von Bloggern und droht, den Meinungsstreit im Netz abzuw&#252;rgen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bc44888b79f21f6ea7a90bfedd9ebe" alt="" width="1" height="1" />Irgendwann in den letzten Jahren muss sich im Lebensbild der Tugendhaften die Idee durchgesetzt haben, dass man sich im Meinungsstreit nicht mehr l&#228;nger mit klassischen Mitteln Geh&#246;r verschafft. Man greift nicht zum Telefon und redet miteinander. Man schreibt keine Leserbriefe mehr, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Man verlangt keine Gegendarstellungen, wie sie das Presseerecht vorsieht. Nein, das ist alles <em>old school</em>. Heute l&#228;sst man seinen Anwalt eine <strong>Unterlassungserkl&#228;rung</strong> aufsetzen und gibt sie zusammen mit einer Abmahnung auf die Post.</p>
<p>Rechtlich ist die Sache klar. Das Verhalten der Anw&#228;lte, obwohl meistens unverh&#228;ltnism&#228;ssig und teuer und nur auf dem Klagewege abzuwehren, wird von den Gesetzen und von den Gerichten gedeckt. Auch wenn wir uns damit gesellschaftspolitisch und kulturphilosophisch auf dem <strong>Niveau des Duells</strong> befinden, mit dem einst M&#228;nner von Stand um ihre Ehre k&#228;mpften.</p>
<p>Um ein richiges Duell handelt es sich nat&#252;rlich nur, wenn bei der Wahl der Waffen das Prinzip gilt: Florett gegen Florett, Pistole gegen Pistole. Der deutsche Abmahnwahn produziert jedoch st&#228;ndig Auseinandersetzungen, in denen der wirtschaftlich St&#228;rkere den Schw&#228;cheren so unter Druck setzt, dass dabei nur eine Seite gewinnt – egal ob sie vor Gericht &#252;berhaupt durchk&#228;me. Vielen Empf&#228;ngern der Anwaltspost fehlt der Mut und das Geld, sich mit Hilfe der Justiz gegen ungerechtfertigte &#220;bergriffe zu wehren. Ergebnis: Statt Meinungsstreit wird eine <strong>Kultur der Einsch&#252;chterung</strong> gef&#246;rdert.</p>
<p>Kurioserweise spielen sich neuerdings manche prototypische Auseinandersetzungen im Sportsegment der ver&#246;ffentlichten Meinung ab. Das mag manche &#252;berraschen, die wissen, wie rauh an Stammtischen geredet wird. Tats&#228;chlich spiegeln die Beispiele das <strong>Versagen der traditionellen Medien</strong> wider, die sich sich zusammen mit Athleten und Funktion&#228;ren, den Managern und den Sponsoren im Hintergrund in dem Gef&#252;hl aalen, man sei eine gro&#223;e Familie.<strong> </strong>Das Resultat: ein Alltag, in dem sich die Medien – allen voran das Fernsehen – zu willigen Marketing-Plattformen und Transmissionsriemen instrumentalisieren lassen.</p>
<p>Das durchschauen ganz normale Menschen nat&#252;rlich l&#228;ngst. Und so entwickelte sich online eine Gegen&#246;ffentlichkeit mit einer wachsenden Zahl von Autoren – Blogger wie Kai Pahl von <em>allesausserspor</em>t und Journalisten wie Jens Weinreich – die ein neues, kritisches Nachdenken &#252;ber Sport offerieren.</p>
<p>Weinreich war nicht der erste, dem von Verbandsseite ans Portepee gepackt wurde (diese Ehre geh&#246;rt dem Deutschen Olympischen Sportbund, der den Saft-Blog <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2006/12/19/dosb-vs-saftblog-dosb-drueckt-auf-den-abzugshahn/">in die Mangel nahm</a>. Aber er wurde zu einer <strong>Symbolfigur</strong>: f&#252;r das Risiko, dem man sich aussetzt, und f&#252;r die Solidarit&#228;t der Leser im Netz, die ihm im Rahmen einer Spendenaktion im inzwischen beigelegten Kampf gegen den DFB zumindest den Gegenwert der Anwaltskosten <a href="http://carta.info/1662/wenn-vasen-wackeln-2/">einbrachte</a>. A propos Anwaltskosten: Weinreich hat soeben in einem Blogbeitrag eine Spesenabrechnung <a href="http://jensweinreich.de/?p=5105">vorgelegt</a>. Ihm entstanden demnach im Streit mit Zwanziger Gerichts- und anwaltliche Beratungskosten von mehr als 17.000 Euro. Die wurden von der erw&#228;hnten Spendenaktion, an der sich 848 Menschen beteiligten, so gerade mal aufgefangen.</p>
<p>Weinreich bekam neulich &#252;brigens wieder Post. Diesmal aus dem Umfeld der wegen Doping gesperrten Eisschnell&#228;uferin Claudia Pechstein. Diesmal waren es nicht nur eine Abmahnung, sondern gleich zwei – und zwar in derselben, wortgleichen Angelegenheit. Ein Fall von Schamlosigkeit, mit dem sich die Standesorganisation der Juristen besch&#228;ftigen sollte.</p>
<p>&#196;hnlich schamlos wirkt der j&#252;ngste Fall, in dem ein Anwaltsb&#252;ro den Sportblogger “Trainer Baade” ins Visier nahm und seine Auseinandersetzung mit dem Markenbild der Firma kurzerhand als “Schm&#228;hkritik” einstufte und sich in juristisch abenteuerlicher und anfechtbarer Weise <strong>als Gesch&#228;digte inszenierte</strong>. Die Angelegenheit hat inzwischen durch einen Blogeintrag bei <em>allesaussersport</em> ein anderes Kaliber bekommen: “<a href="http://www.allesaussersport.de/archiv/2009/09/01/wie-jako-anderen-leuten-das-letzte-trikot-auszieht/">Wie JAKO anderen Leuten das letzte Trikot auszieht</a>”. Die ausf&#252;hrliche Darstellung des Versuchs der Firma JAKO, Trainer Baade wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, sorgte f&#252;r Emp&#246;rung, Kopfsch&#252;tteln, jede Menge Twitter-Traffic und daf&#252;r, dass die Firmenleitung ihr Image-Team aus dem Urlaub zur&#252;ckrufen musste. Mit einem solchen Echo hatten sie nicht gerechnet. Eine erste noch etwas vage Stellungnahme aus dem Haus klang nach “Missverst&#228;ndnis” oder so. Dann wurde laut, dass es doch noch zu einer g&#252;tlichen Einigung kommen k&#246;nnte. Man wird sehen.</p>
<p>Das Nachspiel im Netz dokumentiert vieles: Nicht nur die Lautst&#228;rke der vielen Sympathisanten von Trainer Baade, einem Autor, der die besten Fu&#223;ball-Glossen in Deutschland schreibt. Da wurde auch die berechtigte Sorge laut, dass die neuen Meinungsmedien mit der Keule der Abmahnung mundtot gemacht werden k&#246;nnten. Es dokumentiert aber ebenso die hinreichend bekannte Ein&#228;uigigkeit in der Politik. Dort wird gerne und viel vom angeblich rechtsfreien Raum Internet gefaselt. Tats&#228;chlich wird im Internet zunehmend mit dem <strong>Alibi formaljuristischer Legitimit&#228;t </strong>durchaus Recht praktiziert. Meistens ist es das Recht des St&#228;rkeren.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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