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	<title>CARTA &#187; Iran</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Irangezwitscher: S&#252;&#223;er Vogel Freiheit?</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 16:52:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Buchbinder</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eben noch waren wir alle entz&#252;ckt vom revolution&#228;ren Potential, das Twitter im Iran offenbarte. Dann wurde es still. Schrecklich still. War da was?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/988eac48bbffe0bb87ecf44abbb77b" alt="" width="1" height="1" />Das s&#252;&#223;e V&#246;gelchen Twitter lockte uns alle mit seinem Gezwitscher von Freiheit, von zivilem Ungehorsam, von einem zweiten &#8217;89 im Iran. Dazu die verwackelt dramatischen Bilder auf YouTube, die Demonstranten zeigten, die mit Videohandys der nackten Gewalt der Bassidsch trotzten. <strong>Mitrei&#223;ende Bilder waren das, die zu euphorischen Kommentaren &#252;ber die ungeahnte Macht von Twitter und Co. f&#252;hrten. Verf&#252;hrten.</strong> Inzwischen hat nackte Gewalt die Proteste weitgehend erstickt. Aus dem Internet-Gezwitscher ist ein leises R&#246;cheln geworden. Zeit, sich ern&#252;chtert noch einmal zu &#252;berlegen, welche emanzipatorischen Chancen das Netz tats&#228;chlich er&#246;ffnet.</p>
<p><strong>Wir haben die realen M&#246;glichkeiten von Twitter und Co. furchtbar &#252;bersch&#228;tzt</strong>. Die meisten Elogen auf die neue Macht des Internets am Beispiel Iran waren <strong>Projektionen</strong>, <strong>Wunschdenken</strong>, angestachelt durch die M&#246;glichkeit, die das Netz uns als Au&#223;enstehenden erm&#246;glichte. Englischsprachige <a href="http://twitter.com/#search?q=%23iranelection">Eintr&#228;ge</a> &#8211; nat&#252;rlich nicht die in Farsi &#8211; lie&#223;en uns fast live teilhaben an den Unruhen. Wer wollte, konnte im Netz den kalten Schwei&#223;, den andere hei&#223; vergossen hatten, erschnuppern. Das war aufregend, ein exotischer Kitzel. Bis der tote Michael Jackson <a href="http://twitter.com/timeline/search?q=MJ%27s">das Thema verdr&#228;ngte</a>.</p>
<p>Zugegeben: Bilder wie jene der sterbenden Neda k&#246;nnen ein Regime in Erkl&#228;rungsnot bringen. Auch ist die Entwicklung im Iran noch nicht zu Ende, der Protest schwelt weiter. Aber wir sollten uns vor falscher Gewissheit h&#252;ten. Die Welt wird nicht dank Internet automatisch besser werden. Neue Medien er&#246;ffnen neue Kommunikationswege, neue Felder, auf denen Machtk&#228;mpfe ausgetragen werden. Aber wer im Internet allein das Gezwitscher der Freiheit h&#246;rt, sollte einen Ohrenarzt aufsuchen. <strong>Das digitale Zeitalter er&#246;ffnet zwar neue Kan&#228;le f&#252;r B&#252;rgerbewegungen, zugleich aber katapultiert es auch Repression und Propaganda in eine neue Sph&#228;re.</strong> Das Video-Handy l&#228;sst sich nicht nur nutzen, um Fotos auf YouTube hochzuladen, es ist auch Wanze und Peilger&#228;t f&#252;r die Geheimdienste. Und nicht nur die Wahrheit, auch die L&#252;ge, nicht nur die Freiheitsliebe, auch Borniertheit, Hass und Verblendung finden im Netz ein zu Hause.</p>
<p>F&#252;r westliche Surfer wirken iranische Mullahs mit Bart und Turban so archaisch, dass die meisten unwillk&#252;rlich glauben, das Netz m&#252;sse denen fremd sein. <strong>Dabei bloggten iranische Politiker und Geistliche, lange bevor Angela Merkel ihren Podcast online stellte.</strong> Bereits 2006 schr&#228;nkte die Regierung im Iran die Bandbreite ein, um das Netz besser zu kontrollieren. Das Regime hatte wohl Twitter zun&#228;chst untersch&#228;tzt &#8211; aber der Wettlauf ist noch nicht entschieden. Und die Machthaber in Peking zeigen dieser Tage, dass sie die persische Lektion gelernt haben. Nach den Unruhen in Xinjiang wurde Twitter umgehend blockiert, um die Nachrichten besser zu kontrollieren.</p>
<p>Das Internet erm&#246;glicht schnelle, subversive Kommunikation auch in totalit&#228;ren Regimes und &#252;ber Grenzen hinweg, falls in der realen Welt die entsprechenden Strukturen vorhanden sind und wenn die Nutzer wissen, wie sie sich verhalten m&#252;ssen, um keine verr&#228;terischen Spuren zu hinterlassen. F&#252;r die Masse der einfachen B&#252;rger in Unterdr&#252;ckerstaaten aber ist das Internet auch ein Ort mehr, an dem sie beim Ausleben unz&#252;chtiger Freiheitsw&#252;nsche erwischt werden k&#246;nnen. Im Iran und in China ist bloggen und twittern nicht ungef&#228;hrlich. Das kann man als Best&#228;tigung f&#252;r das subversive Potential des Internets verstehen. <strong>Aber wer begeistert feststellt, dass das Internet jedem Computerbesitzer ein Kr&#252;melchen Macht in die Hand gibt, sollte nicht &#252;bersehen, dass das Netz f&#252;r Staatsapparate ganze B&#228;ckereien der Macht bereith&#228;lt.</strong> Wohin das f&#252;hren kann, hat George Orwell zu Ende gedacht. In seinem Roman 1984 st&#246;&#223;t Winston Smith, Mitarbeiter im Wahrheitsministerium, auf ein Foto, das eine L&#252;ge des Gro&#223;en Bruders beweisen k&#246;nnte. Smith z&#246;gert kurz, dann zerst&#246;rt er das Bild. Weil 1984 keiner mehr die Wahrheit wissen will.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=11361&amp;md5=ff67aad9f29027562b7ec1ff83b4940d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Iran, Qualit&#228;tsjournalismus und das Echtzeitinternet</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 09:13:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Ereignisse nach den Wahlen im Iran zeigen einmal mehr, dass insbesondere Zeitungen den neuen Medien im Internet hoffnungslos unterlegen sind. W&#228;hrend Twitter schnell und effizient informiert, halten selbst die Onlineausgaben der Zeitungen nicht mehr Schritt: Der Qualit&#228;tsjournalismus braucht neue Techniken f&#252;r den Umgang mit der digitalen Schnelligkeit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8d8a23c52e71a194995e72dfb95be5" width="1" height="1" alt=""/>Die Wahlen im Iran sind nicht so gelaufen, wie viele sich das erhofften. Allen voran dachte sich wohl der alte und neue Pr&#228;sident, Mahmud Ahmadinedschad, er k&#246;nne sich ungestraft zum Sieger erkl&#228;ren und &#252;ber die staatlich kontrollierten Massenmedien einen Sieg feiern, w&#228;hrend die Opposition einfach ignoriert und totgeschwiegen w&#252;rde.</p>
<p>Aber auch unsere klassischen Medien, <strong>allen voran die Zeitungen</strong>, tun sich mit den Ereignissen im Iran sichtlich schwer. Vor Ort werden sie m&#246;glicherweise in ihrer Arbeit behindert, zuhause laufen ihnen die neuen Medien, allen voran Twitter, den Rang ab.</p>
<p>Die beste Figur macht derzeit die <a href="http://www.huffingtonpost.com/2009/06/13/iran-demonstrations-viole_n_215189.html"><strong>Huffington Post</strong></a>, die sich dazu entschlossen hat, einen ihrer Reporter (von der sicheren Heimatfront aus) <strong>live bloggen</strong> zu lassen. Das mag zwar optisch nicht sehr elegant aussehen, wird den <a href="http://www.youtube.com/watch?v=gC2YCgDaL10&amp;feature=related">Ereignissen</a> und dem Interesse an einer Realtime-Berichterstattung aber am besten gerecht.</p>
<p>Auf <strong>Twitter</strong> hat sich der <a href="http://search.twitter.com/search?max_id=2165577672&amp;page=2&amp;q=iranelection">Hashtag &#8220;#iranelection&#8221;</a> eingeb&#252;rgert. Der einzige Nachteil hier ist, dass die vielen Retweets (RT) die Timeline unn&#246;tig aufbl&#228;hen. Ansonsten bekommt man hier aber ein relativ gutes Bild &#252;ber die Zust&#228;nde im Iran und dazu jede Menge <a href="http://twitter.com/nienkevenema/statuses/2165265497">Links</a> auf weitere Medien, allen voran Blogs.</p>
<p>Wie die <strong>Opposition im Iran</strong> die neuen Medien geschickt nutzt, kann man an einer Botschaft vom &#8220;Wahlverlierer&#8221; Hossein Mussawi erkennen. Weil der Zugang zu seiner Website von staatlichen Stellen offenbar gesperrt wurde, hat man einen Text von ihm kurzerhand fotografiert und als <a href="http://www.flickr.com/photos/mousavi1388/3625088310/">Foto auf Flickr</a> gestellt. Nat&#252;rlich dauert es dann auch nicht lange, bis eine &#220;bersetzung ins Englische auftaucht. Dieser Text <a href="http://www.scribd.com/doc/16412731/Mousavis-Announcment-24-June-2009">steht auf Scribd</a>, einer Plattform zur Ver&#246;ffentlichung von Textdokumenten.</p>
<p>W&#228;hrend man also im Iran <strong>von unten her</strong> (B&#252;rgerjournalismus!) alles daran setzt, die aktuelle Lage ungefiltert im eigenen Land und international <a href="http://img.ly/VJ">bekannt zu machen</a>, verlieren unsere Leitmedien buchst&#228;blich den Anschluss, weil ihre &#252;berholten Publikationsrhythmen sowie das Festhalten an unn&#246;tig b&#252;rokratischen Arbeitsprozessen sie einfach nicht mehr mitkommen l&#228;sst.</p>
<p><strong>Das Internet ist mittlerweile zu einem Echtzeitmedium geworden</strong>. Journalisten und mehr noch die Medien, f&#252;r die sie arbeiten, sollten damit umgehen k&#246;nnen. Denn Aufgabe der Medien w&#228;re es jetzt, Quellen rasch zu pr&#252;fen und dann, der Huffington Post vergleichbar, auch schnell zu ver&#246;ffentlichen.</p>
<p>Mit ihrer <strong>Langsamkeit</strong> aber machen die Zeitungen allenfalls deutlich, dass sie nicht mehr so recht in unsere Zeit passen. Selbst die New York Times musste dies neulich (unfreiwillig) eingestehen: Bei einem <a href="http://leanderwattig.de/index.php/2009/06/11/die-daily-show-macht-sich-uber-die-new-york-times-lustig/">Hausbesuch der Daily Show (John Stuart)</a> hat sie wirklich nicht gut ausgesehen.
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<a href="http://carta.info/10513/iran-medien/">Der Iran, Qualit&#228;tsjournalismus und das Echtzeitinternet</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/10513/iran-medien/#comments">23 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=10513&amp;md5=9857faa266dfc384d27ea8cf847c7b31" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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