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	<title>CARTA &#187; Hessen</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Hessenwahl: Nicht Kompetenz, sondern Konzilianz gewinnt</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jan 2009 13:50:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ausgerechnet die Kriterien, die Ypsilanti 2008 zum Wahlsieg &#252;ber Koch verhalfen, haben der SPD diesmal die h&#246;chste Wahlniederlage in Hessen beschert. Ein Treppenwitz der hessischen Wahlgeschichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Hessen haben beim Start ins Superwahljahr 2009 nur scheinbar die Politik in Hessen gew&#228;hlt. Nat&#252;rlich spielten auch die Polarisierungsqualit&#228;ten eines Roland Koch eine Rolle, ebenso wie die Konzeptlosigkeit der SPD, wie Frustw&#228;hler zugunsten der Linken, Regierungssicherheit durch die FDP und das hohe Ansehen des Gr&#252;nen Tarek Al-Wazirs.</p>
<p>Tats&#228;chlich jedoch ist die Hessenwahl Ausdruck eines neuen, erheblich ver&#228;nderten Wahlverhaltens der Deutschen: Roland Koch ist nicht wie z.B. 2003 wegen seiner hohen Wirtschafts- und Arbeitsmarktkompetenz, die eigentlich in Krisenzeiten besonders gesch&#228;tzt wird, zum Ministerpr&#228;sidenten gew&#228;hlt worden, sondern weil die Wahl fast ausschlie&#223;lich dazu diente, die hessische Wende SPD f&#252;r ihren Wendehalskurs zum Zwecke der Macht zu bestrafen. Im Klartext: Waren Jahrzehnte lang Kompetenz in Wirtschafts- und Arbeitsmarkt die Erfolgstreiber, so sind wie schon vor 100 Tagen in Bayern diese „harten“ Kriterien durch „weiche“ wie <strong>Zuverl&#228;ssigkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit und B&#252;rgerwohl </strong>abgel&#246;st worden. Nur noch knapp mehr als jeder zweite Hesse hat am Sonntag die Partei seiner &#220;berzeugung, &#252;ber 40 Prozent dagegen aus Entt&#228;uschung eine andere als im Normalfall gew&#228;hlt. Der „Y-Faktor“ hat das Wahlverhalten – nicht nur in Hessen sondern auch bundesweit &#8211; stark ver&#228;ndert! Aus „Pro-Wahlen“ werden immer h&#228;ufiger „Kontra-Wahlen“.</p>
<p>Das Hessen-Paradoxon: <strong>Ausgerechnet die Kriterien, die Ypsilanti  2008 zum Wahlsieg &#252;ber Koch verhalfen, haben der SPD diesmal die h&#246;chste Wahlniederlage in Hessen beschert</strong>. Dagegen wirkte Koch l&#228;ngst nicht mehr als der Spalter, Stratege und k&#252;hle Berechner fr&#252;herer Zeiten. Er bekam nur „ein bisschen“ Denkzettel, weil viele CDU – Abtr&#252;nnige zum bereits vorher feststehenden Koalitionspartner FDP wechselten.</p>
<p>Hessen hat den schon in Bayern wirksam gewordene Paradigmenwechsel beim Wahlentscheid best&#228;tigt: Nicht mehr &#214;konomie sondern Psychologie wird gew&#228;hlt. <strong>Nicht Kompetenz sondern Konzilianz</strong>. Nicht Sachpolitik sondern Ver-trauen. Kein Politiker hat gegen diese Regel deutlicher versto&#223;en, als Andrea Ypsilanti. Quittung statt Leistung war in Hessen das herausragende Wahlmotiv.</p>
<p>Da bedurfte es kaum mehr eines Wahlkampfes: Hessen zeigte, dass Kampagnen, &#252;berbordende Plakatierung, hektische Spin-Doktor-Aktivit&#228;ten, Kandidatenduelle sowie erbitterte Meinungsforschungsschlachten &#252;berfl&#252;ssig werden, wenn der Urnengang so eindeutig von einem <strong>gef&#252;hlten Thema</strong> beherrscht wird.</p>
<p>Wahlen, die letzten in Hessen und  Bayern zeigten das deutlich, werder st&#228;rker zu „<strong>Quittungswahlen</strong>“. Da ist jede Kampagne zwecklos, weil die W&#228;hler erst dann wieder zu ehrlichen Auseinandersetzung um Sachthemen bereit sind, wenn die „<strong>Schurken</strong>“ (hier: Schurkin) ihre „gerechte Strafe“ bekommen haben. Das war bei Roland Koch vor einem Jahr so, vor vier Monaten bei der arrogant abgehobenen CSU, nun bei der SPD im Ypsilanti-Syndrom nicht anders &#8211; wobei der w&#252;rdelose Umgang mit den SPD-Rebellen genauso entscheidend war, wie die Linksvolte.</p>
<p>Sp&#228;testens nach dem „Outing“ der vier „SPD – Rebellen“ hatte die SPD nur noch eine Minimalchance: Die eines vorbedingungslosen, unwiderruflichen R&#252;cktritt Andrea Ypsilant von allen politischen &#196;mtern. So aber verst&#228;rkte der verzweifelte „Wo-bleib-ich“ &#8211; Kampf der Spitzern-Genossin das „So-nicht“ als herausragendes Wahlmotiv. Erst recht, als die SPD in Umfragen auf 25 Prozent gefallen war und immer noch keine Reaktionen zeigte.</p>
<p>Hessen sp&#252;rte, dass „Links“ l&#228;ngst nicht mehr die Mehrheit besa&#223;, dass es beim ungeschickten Taktieren der SPD nur noch um Macht, <strong>l&#228;ngst nicht mehr um  W&#228;hlerinteressen</strong> ging. Nichts wirkt sich verheerender aus als der Eindruck, eigener Machtgewinn und Parteiinteresse st&#252;nden &#252;ber B&#252;rgerwohl.</p>
<p>Dass Unaufrichtigkeit und W&#228;hlerinstrumentalisation, noch vor einem Jahr f&#252;r Kochs Wahldesaster verantwortlich,  nun pl&#246;tzlich zum Grund der h&#246;chsten SPD – Niederlage in Hessen wurde, ist der <strong>Treppenwitz der hessischen Wahlgeschichte</strong>.</p>
<p>Da W&#228;hler Politik immer relativ („<strong>kleinere &#220;bel</strong>“) bewerten,  punktete Roland Koch selbst in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise weniger mit seiner unzweifelhaften Wirtschaftskompetenz. Der f&#252;r viele gel&#228;uterte, sich zur&#252;cknehmende, pl&#246;tzliche <strong>B&#252;rgerversteher Koch</strong> galt im Vergleich zu Ypsilanti pl&#246;tzlich als der vertrauensvollere Politiker, auch wenn viele Hessen sich fragten, welcher Koch denn nun der richtige sei. Mit seinem: „Ich habe verstanden!“,  ist Koch wieder auferstanden.</p>
<p>Immerhin sind sich die meisten Hessen sicher: Mit dem Gel&#228;uterten wird es keine Studiengeb&#252;hren mehr geben, wird erneuerbare Energien st&#228;rker gef&#246;rdert, G8 sanfter verwirklicht. Aus dem „Kopf-durch-die-Wand&#8221;-Politiker Koch ist der kompetente <strong>Zeitgeist-Politiker Koch</strong> geworden. Bis zum Wiedergewinn seiner <strong>Glaubw&#252;rdigkeit</strong> ist es dennoch ein weiter Weg. Noch polarisiert Hessens Minister-pr&#228;sident wie kaum ein zweiter.</p>
<p>Doch auch seine Partei hatte gro&#223;en Anteil an den nun klaren hessischen Verh&#228;ltnissen: Nie wirkte eine Partei in Zeiten h&#246;chster Not geschlossener als die hessische CDU, nie war ein gro&#223;er Wahlverlierer besser aufgehoben in seiner Partei. Gl&#252;ck, Geduld und L&#228;uterung zur rechten Zeit lie&#223;en Koch gerade noch rechtzeitig die Kurve kriegen.</p>
<p><strong>Gr&#246;&#223;ter Fehler der Sozialdemokraten war es, sich nicht brutalst- und schnellstm&#246;glich von Wortbrecherin Ypsilanti zu trennen</strong>: Fast drei von vier W&#228;hler Hessens  hielten die SPD nicht mehr f&#252;r vertrauensw&#252;rdig. Ihr Ruck nach links wurde nicht mit landespolitischer Verantwortung sondern mit <strong>pers&#246;nlichem Machtstreben</strong> in Verbindung gebracht. Der Verlust von 40 Prozent ihrer W&#228;hler nach ihrer Linksvolte h&#228;tte der SPD zeigen m&#252;ssen, wie stark ihre Anh&#228;nger ein klares „Wir haben verstanden!“ erwartet hatten.  So aber wurde ihr „Machtstreben“ zur <strong>un&#252;berwindbaren Hypothek.</strong> Ypsilantis Argument: „Aus Verantwortung und Pflichtgef&#252;hl“, wie auf dem Landesparteitag verk&#252;ndet, zum endg&#252;ltigen Desaster.</p>
<p>Das nur durch eine gl&#252;ckliche F&#252;gung nicht „brutaltstm&#246;glich“ ausfiel: Zur SPD-St&#228;rke wurde ausgerechnet ein Politiker, dem man das am allerwenigsten zugetraut hatte: Der politisch eher unbedarfte Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel. Als <strong>Komparse</strong> angetreten, wurde der neue SPD–Frontrunner fast &#252;ber Nacht zum Kult: Selbstironie, Schlagfertigkeit, Mut, Flei&#223;, Bed&#228;chtigkeit, sein sich in aussichtsloser Situation selbstlos in den Dienst der Partei stellen, verlieh „TSG“ einen <strong>seltsamen Status zwischen Bedauern und Mut</strong>, mit dem er es in nur zwei Monaten immerhin zu einem <strong>Bekanntheitsgrad von 60 Prozent</strong> schaffte. Sch&#228;fer-G&#252;mbel hielt sich sogar in der „MP-Frage“ wacker gegen den Politprofi und langj&#228;hrigen Ministerpr&#228;sidenten Koch, den die Hessen zuletzt nur noch mit einem Vorsprung von <strong>lediglich 12 Prozent</strong> lieber als hessischen Ministerpr&#228;sidenten haben wollten. Im Ansehen rangierten Koch und „TSG“  vor der Wahl bereits gleichauf. Trotz 23,7 Prozent wird er mehr als nur eine Episode der hessischen SPD–Geschichte bleiben.</p>
<p>Eindeutige Profiteure waren zwei Kleine: Den Gr&#252;nen gelang es immerhin, sich aus der <strong>Umklammerung der SPD</strong> zu l&#246;sen. Zu Hilfe kam ihnen, dass der selbst ernannte Solarexperte Hermann Scheer, der als SPD-Wirtschaftsminister die Energiewende einleiten wollte und 2008 unter den Gr&#252;nen Kernw&#228;hlern wilderte, nun keine Rolle mehr spielte. Im Gegenteil: Die Gr&#252;nen, insbesondere ihr Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir, <strong>Hessens beliebtester Politiker</strong>, inszenierten sich als Partei der Vernunft: Sie handelten pragmatische Kompromisse in der Schulpolitik aus, schafften die Studiengeb&#252;hren ab, und brachten sogar gemeinsam mit der CDU einen Gesetzesentwurf zur Beamtenbesoldung auf den Weg: Und machten damit ihre Linie deutlich: Auf die Inhalte kommt es an“! Dennoch ist etwa jeder dritte ihrer jetzigen 13,7 Prozent W&#228;hler im Grunde ein Sozialdemokrat, der seine Stimme erst mal <strong>„auf Gr&#252;n“ geparkt</strong> hat.</p>
<p>Wie nichts anderes beweist das sensationell gute Abschneiden der  FDP den <strong>neuen Politruck</strong>: Die Liberalen holte 16,2 Prozent nicht mit inhaltlichen Themen oder kompetenter Politikern.  Sie gewannen mit Zuverl&#228;ssigkeit, Ehrlichkeit und Worthalten. <strong>Nie wurde die FDP mehr geherzt als f&#252;r ihr klares Nein zu Ypsilantis Liebesbem&#252;hungen</strong>. Nie erhielt Spitzenkandidat J&#246;rg-Uwe Hahn &#252;ber Monate hinweg begeisterteren Zuspruch als bei seiner Koalitionsverweigerung mit Rot-Gr&#252;n. Zum zweiten Mal rettete Hahn nach der Schwarzgeldaff&#228;re Kochs politisches &#220;berleben. Das wird sich die FDP nun einiges kosten lassen. Die FDP hat nun die Chance, sich auch in anderen L&#228;ndern und im Bund als „Garant der Stabilit&#228;t“ zu profilieren. <strong>Motto: Nie mit den Linken – immer aber mit einer starken FDP gibt es stabile Verh&#228;ltnisse</strong>.</p>
<p><strong>Zweiter gro&#223;er Wahlverlierer war die Linke</strong>: Dass sie bei einem SPD-Verlust von &#252;ber einem Drittel ihrer Stimmen, nichts dazu gewinnt, zeigt, wie ihr Stern schon wieder verblasst. Innerparteiliche Streitereien bis hin zur Handgreiflichkeit und der Parteiaustritt des kurzzeitigen Spitzenkandidaten Pit Metz zeigten den W&#228;hlern, dass die Linke <strong>noch ein bisschen Demokratie &#252;ben</strong> muss. Zudem verkehrte sich der Bundestrend gegen sie: Bundesweit fiel die Linke von 15 auf 11 Prozent zur&#252;ck. Auch in Hessen wurde deutlich, dass schwere Zeiten eher <strong>Konzepte statt Klamauk</strong> erfordern. Mit immer demselben Maulen und st&#228;ndig erneuerten Forderungen nach Verstaatlichungen f&#228;ngt sie an, die <strong>W&#228;hler zu langweilen</strong>. Zudem fiel auch in Hessen auf, dass die Linke au&#223;er Lafontaine und Gysi personell und erst recht vor Ort nichts  zu bieten hat.</p>
<p>So zeigt Hessen den Weg ins Superwahljahr 2009: Psychologie statt &#214;konomie wird zum Wahl entscheidenden Faktor. Und: Roland Koch wird ein Hesse bleiben. Seinem Ziel, die Nummer zwei der CDU zu werden, ist er seit Sonntag weit entr&#252;ckt.
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		<title>TV-Duelle: Die unertr&#228;gliche Langeweile der Allparteienrunden</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jan 2009 17:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Roland Koch entzog sich in Hessen der direkten 1:1-TV-Auseinandersetzung mit seinem Herausforderer. Schade, verschenkt wird damit eine kompakte Pr&#228;sentation von Personal und Positionen. Der Zuschauer schaltet gelangweilt ab.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/191461ea92fcbdd55171376474e318" width="1" height="1" alt=""/>Nachdem es im November einige <a href="http://carta.info/2553/wahlkampf-20-in-hessen-keine-spur/">Scharm&#252;tzel</a> um die Durchf&#252;hrung von TV-Debatten gab, muss der Hessische Rundfunk als analoges Leitmedium mit einem <strong>Rumpfprogramm</strong> zufrieden sein: zum prestige- und reichweitentr&#228;chtigen „Duell der Spitzenkandidaten“ kommt es in diesem Januar nicht. Noch vor Jahresfrist hatte die Konfrontation von Andrea Ypsilanti und Roland Koch dem Regionalsender <strong>ausgezeichnete Quoten</strong> beschert.</p>
<p>Zwar m&#252;ht sich der HR um ein m&#246;glichst breit gestreutes Programm auf verschiedenen <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ltw2009/index.jsp?rubrik=40724">Kan&#228;len</a>, doch mit dem sorgsam im Parteispektrum austarierten Line-Up d&#252;rften dieses Mal keine B&#228;ume ausgerissen werden. Die Abwesenheit einer „gro&#223;en TV-Debatte“ erm&#246;glichte stattdessen publizistische Nebenschaupl&#228;tze bei der Konkurrenz von Print und H&#246;rfunk: so sorgten bereits die von der FAZ unter Ausschluss der Linkspartei organisierten Diskussionsrunden f&#252;r <a href="http://www.faz.net/s/Rub606F7D1C907A4A7F9C506AE24D76B150/Doc~E0D35DF5A364F4A4EA481F0E7D256E8F9~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">Furore</a>, und am Dienstag durfte Focus-Chef Helmut Markwort eine Radio-Elefantenrunde f&#252;r den Privatsender FFH <a href="http://www.fr-online.de/top_news/1659110_Al-Wazir-ohne-Angst.html">moderieren</a>.</p>
<p><strong>Die Folgen des Scheiterns einer Debatten-Vereinbarung mit den Spitzenkandidaten wurde den HR-Verantwortlichen auch beim B&#252;rgerforum am vergangenen Donnerstag deutlich vor Augen gef&#252;hrt.</strong> In der Allparteienrunde waren mit Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel (SPD) und Tarek Al-Wazir (Die Gr&#252;ne) <strong>lediglich zwei Spitzenkandidaten</strong> pr&#228;sent, f&#252;r die CDU ging Generalsekret&#228;r Michael Boddenberg an den Start, die Linke schickte mit Janina Wissler die Zweitplatzierte der Landesliste, die FDP mit Nicola Beer die Nr. 4.</p>
<p>Die Einschaltquoten der Sendung erreichten in der Spitze gerade mal etwas mehr als 120.000 Zuschauer – der Vergleich mit den Zahlen aus dem Vorjahr (ca. 1,5 Millionen deutschlandweit, in Hessen ca. 400.000) f&#228;llt d&#252;ster aus. Auch die Zuschauerdemografie spricht B&#228;nde – nahezu drei Viertel des Publikums geh&#246;rt der Altersgruppe „ab 50 Jahre“ an, Zahlen f&#252;r Zuschauer unter 30 Jahren wurden gar nicht erst gemessen. Die vermutlich j&#252;ngeren Besucher der HR-Website bekamen nur eine Fotogalerie und einen knappen <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ltw2009/index.jsp?rubrik=40252&amp;key=standard_document_36130958">&#220;berblicksartikel</a> zu Gesicht, als Zusatz gab es noch eine zweimin&#252;tige Zusammenfassung von HR1. So richtig gefallen hat es der Online-Redaktion wohl nicht, im <strong>sehr informativen <a href="http://www.twitter.com/hronlinewahl">Twitter-Feed zur Wahl</a></strong> blieben Hinweise und Kommentare zur Sendung eher einsilbig.</p>
<p>Ein Erfolg war die Sendung daher zun&#228;chst einmal f&#252;r Roland Koch – seine kategorische Absage an ein prominentes Duell mit dem SPD-Kontrahenten sollte vor allem die Steigerung des Bekanntheitsgrades von „TSG“ verhindern. In die F&#252;nfer-Runde vom 8. Januar musste Sch&#228;fer-G&#252;mbel nat&#252;rlich trotzdem, lediglich der ebenfalls auf ein Duell mit Koch spekulierende Al-Wazir hatte den Weg aus der ersten Wahlkampfreihe ins TV-Studio gefunden. Die verbleibenden drei G&#228;ste bildeten ein „Frankfurter Gipfeltreffen“: Boddenberg vertritt den Wahlkreis Frankfurt/Main IV, Wissler Frankfurt/Main VI und Beer Frankfurt/Main III. Als regionales Bindeglied mag dies ja noch funktionieren, allerdings muss man sich fragen, ob die Wahlkreise (und ihre KandidatInnen) eine derart prominente Platzierung verdient haben – oder andersherum: was haben Nord-, Ost- und S&#252;dhessen von diesem &#220;bergewicht des Rhein-Main-Gebietes? Und selbst wenn hier ein Generalsekret&#228;r und zwei stellvertretende Fraktionsvorsitzende das Wort gef&#252;hrt haben – es waren eben nicht die Spitzenkandidaten Roland Koch, J&#246;rg-Uwe Hahn und Willy van Ooyen.</p>
<p>Hier zeigt sich eine gewisse <strong>Geringsch&#228;tzung des Formates</strong> – schlie&#223;lich sollen sich doch die B&#252;rger eine Meinung zu den Leitlinien der Landespolitik bilden, serviert wird ihnen jedoch nur die Position aus der zweiten Reihe. Dem Wahlkampfkalk&#252;l wurde die – ansonsten immer hei&#223; begehrte – Medienpr&#228;senz geopfert, aus Sicht von CDU, FDP und Linkspartei war das sogar nachvollziehbar: das Fehlen des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Ministerpr&#228;sidenten senkt den Aufmerksamkeitswert der Sendung, der nicht eben kamera-affine FDP-Chef minimiert seine Bildschirmzeit und der Chef der krisengesch&#252;ttelten Linken entzieht sich unbequemen Fragen zum Zustand seiner Partei. <strong>Auf der Strecke bleiben allerdings: ein zur Belanglosigkeit verurteiltes Stehpultgespr&#228;ch und die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler. </strong>Immerhin – als Quittung gab es eine schwache Quote.</p>
<p>Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Situation in dieser Woche verbessert: am Donnerstag steht die Runde der Spitzenkandidaten auf dem Programm – dann werden zumindest alle Frontfiguren des Wahlkampfs gemeinsam auf dem Bildschirm erscheinen. Eine produktive Auseinandersetzung ist aber auch dann nicht zu erwarten: die gro&#223;en Runden sind gut geeignet, um sich <strong>im Diskussions-Durcheinander misslichen Fragen zu entziehen</strong>, eine direkte Auseinandersetzung der Kandidaten untereinander wird ausbleiben oder sich auf wenige Moment beschr&#228;nken. Der Moderation bleibt die undankbare (und vermutlich unl&#246;sbare) Aufgabe, ein wenig zu schlichten und zu sortieren – <strong>die direkte und kompakte Adressierung wichtiger Wahlkampfthemen mit der M&#246;glichkeit zur Gegen&#252;berstellung parteipolitischer (und pers&#246;nlicher) Standpunkte ist in einer solchen Gespr&#228;chssituation nicht m&#246;glich</strong>.</p>
<p>Voraussichtlich werden nicht wenige hessische Zuschauer mit der Fernbedienung abstimmen – und den HR sp&#228;testens nach der Tagesschau verlassen. Die Neuauflage der Hessenwahl unterbricht damit die Tradition der TV-Debatten zwischen Spitzenkandidaten auf Landesebene. <strong>Verschenkt wird damit das Potenzial zur verdichteten und reichweitenstarken Pr&#228;sentation von Personal und Positionen</strong>. Es bleibt zu hoffen, dass die zust&#228;ndigen Sender im Saarland, Sachsen und Th&#252;ringen im Sommer mit besseren Argumenten in die Verhandlungen gehen als der HR. Die laufende Berichterstattung in Hessen zeigt dabei dem SR und dem MDR eindr&#252;cklich die Vorteile von Debattenformaten mit nur zwei TeilnehmerInnen auf.</p>
<p>Diesen Text hat Christoph Bieber f&#252;r Carta und <a href="http://www.politik-digital.de/TV-Duell-Landtagswahl-Hessen-2009">Politik Digital </a>geschrieben.
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		<title>Die Legende vom Apfelwein-Obama</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 14:55:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die fast schon legend&#228;re Online-Kampagne des Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel steht f&#252;r einen atemberaubenden Imagewandel des Internets: vom Wahlkampf-Aschenputtel zur „neuen Machtressource“ schlechthin. Obama-Vergleiche mit „TSG“ sind hingegen v&#246;llig &#252;berzogen – der hoffnungslose Hesse ist eher in einer Sarah Palin-Situation. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1691664f2b339dda5973045becf212" alt="" width="1" height="1" />Mit Blick auf die medialen Besonderheiten des Landtagswahlkampfs in Hessen ist keine Frage h&#228;ufiger gestellt worden als die nach den „Auswirkungen des US-Pr&#228;sidentschaftswahlkampfs und ganz besonders der Rolle des Internet“. <strong>Deutsche Medien berichten landauf, landab, dass die jetzt beinahe schon legend&#228;re Online-Kampagne von Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel &#252;berhaupt nur als Folge des erfolgreichen Internetwahlkampfs in den USA funktioniere</strong> – als digitales Echo und Abglanz des ersten „e-Pr&#228;sidenten“. In einer etwas seltsamen Wendung konnte der eher spr&#246;de Spitzenkandidat mit dem Label „TSG“ dabei zu einer Art politischer Internet-Ber&#252;hmtheit werden und ganz nebenbei bewahrheitet sich scheinbar auch mal wieder die beliebte „Amerikanisierungsthese“ – <strong>jenseits des Atlantiks entwickeln sich neuartige Formen politischer Kommunikation, die schlafm&#252;tzige deutsche Politik reagiert darauf, ahmt ein paar Elemente nach und hofft, dass es passt.</strong></p>
<p>Das w&#228;re alles nicht unbedingt bemerkenswert. Beim n&#228;heren Hinsehen fallen aber doch einige Ecken und Kanten dieser kleinen „Legende vom Apfelwein-Obama“ auf.</p>
<p><strong>Interessant ist zun&#228;chst der Imagewandel des Internet</strong> vom Wahlkampf-Aschenputtel, dem noch im Sommer hierzulande kaum jemand wahlentscheidende Wirkung beimessen wollte, &#252;ber das „junge, wilde Netzmedium“ mit Innovationsqualit&#228;t bis hin zur „neuen Machtressource“ des Wei&#223;en Hauses. F&#252;r eine ausf&#252;hrliche Darstellung gerade der Begriffskarriere in den deutschen Medien fehlt an dieser Stelle der Raum, stellvertetend sei an die <a href="http://www.twitter.com/hubertus_heil">„Twitter-Episode“ um Hubertus Heil</a> w&#228;hrend des Parteitages der Demokraten im August erinnert. Oder an diese seltsamen Experimente der Kandidaten mit Online-Communities wie MySpace oder Facebook &#8211; oder diese personalisierten E-Mails mit Informationen zum Kampagnenverlauf und Spendenaufrufen. Und so weiter, und so weiter.</p>
<p>Der erste deutsche Landtagswahlkampf nach der US-Wahl ist nun zu einem kleinen Lehrst&#252;ck des Missverstehens in der gar nicht mehr so jungen Entwicklungsgeschichte des Internets als Wahlkampfumgebung geworden. <strong>Die SPD mit Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel vorweg bespielt im ultrakurzen, von Weihnachtsfeiertagen und Jahreswechsel unterbrochenen Wahlkampf die derzeit &#252;blichen Online-Kan&#228;le.</strong> Sie ist nicht nur mit einer Kandidaten-Homepage am Start, sondern eben auch mit YouTube-Videos, Profilseiten auf den Social Network Sites StudiVZ, Facebook und Wer-kennt-wen, dar&#252;ber hinaus betreibt „TSG“ seit dem offiziellen Wahlkampfauftakt am 4. Januar einen Twitter-Account. Die &#252;brigen Parteien folgen dieser Diversifizierungsstrategie bem&#252;ht (wie die Gr&#252;nen mit eifriger Social Media-Pr&#228;senz), halbherzig (wie die CDU mit dem nur dem Namen nach modernen Webcamp09) oder gar nicht (wie FDP und Linkspartei). Doch dadurch wandelt TSG l&#228;ngst nicht auf Obamas Spuren, und der hessische Landtagswahlkampf ist auch kein Abbild der US-Kampagne im Westentaschenformat –<strong> die digitale Wahlkampff&#252;hrung der hessischen Parteien spiegelt damit einfach nur den aktuellen Entwicklungsstand des Online-Campaigning in Deutschland, mehr nicht.</strong></p>
<p>Im Schlaglicht der eilig mit Photoshop zusammengebastelten <a href="http://www.designtagebuch.de/nach-der-wahl-ist-vor-der-wahl/">Sch&#228;fer-G&#252;mbel/Obama-Logos</a> (Motto: Yo isch kann!), vor sich hin blubbernden Musikvideoclips (Rob Vegas <a href="http://www.youtube.com/watch?v=da5pXCjk1Q8">„Schaefer Guembel Song“</a>) oder schrulligen Animationsfilmen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=rpDrBsgobfA">Jonas Kramers &#8220;Superg&#252;mbel &#8211; Der Film&#8221;</a>) haben substanzielle Vergleiche der politischen Internet-Nutzung quasi keine Chance.</p>
<p>Denn mit nur etwas mehr Distanz zum Gegenstand lie&#223;e sich schnell feststellen: Allein schon <strong>der Zeitfaktor verbietet einen Vergleich der Online-Kampagnen – viele der letztlich entscheidenden Wirkungen des Obama-Wahlkampfs waren ein Produkt der immensen Lauf- und Entwicklungszeiten der Kandidaten-Pr&#228;senz auf den verschiedenen Netzwerk-Plattformen.</strong> Zwischen Beginn der Kandidatur Anfang 2007 bis zur Wahl Ende 2008 lagen beinahe zwei Jahre Zeit f&#252;r eine aufw&#228;ndige Netzwerkpflege und den teuren Aufbau leistungsf&#228;higer Adressdatenbanken. W&#228;hrend dieser zwanzig Monate fand auf den Homepages beider Pr&#228;sidentschaftskandidaten ein allm&#228;hlicher Gestaltwandel statt, der das digitale Glanzpapier der Anfangsmonate in eigenst&#228;ndige Social Network Sites transformiert hat: am Ende des Entwicklungsprozesses stand mit MyBarackObama.com eine neue Form vernetzter politischer &#214;ffentlichkeit, ein personenzentrierter Interaktionsraum mit der Reichweite einer prominenten Fernsehsendung und den Funktionalit&#228;ten von Facebook. <strong>Derartige Entwicklungen und Effekte lassen sich in Deutschland nicht einmal mehr bis zur Bundestagswahl im Herbst 2009 erzielen, geschweige denn in einem auf wenige Wochen verk&#252;rzten Landtagswahlkampf.</strong></p>
<p>Au&#223;erdem ist die mediale Stimmung im Land der politischen Digitalisierung nicht gerade zutr&#228;glich – mit Blick auf die extrem wankelm&#252;tige Berichterstattung &#252;ber die Online-Bem&#252;hungen der deutschen Politik (durch Offline-, nicht selten aber auch durch Online-Medien) werden die Protagonisten in eine Zwickm&#252;hle getrieben: einerseits eilt den deutschen Online-Aktivit&#228;ten der Ruf langweiliger Pixel-B&#252;rokratie voraus (etwa im Video-Podcast der Kanzlerin), andererseits wird auf Abweichungen von der Norm gerne mit dem „Jugendwahn“-Vorwurf reagiert (etwa bei der Social Network-Kampagne des „Team Beckstein“ zur bayerischen Landtagswahl). Dadurch bedarf jede Innovation der Kampagnenf&#252;hrung eine Extraportion Mut – denn <strong>das negative Feedback ist gewisserma&#223;en vorprogrammiert</strong>.</p>
<p>Und auch ein Blick auf die W&#228;hlerschaft sollte nicht fehlen – zwar hat sich in Deutschland durchaus herumgesprochen, dass es sich beim Web 2.0 um das so genannte „Mitmach-Netz“ handelt, also die Produktion eigener Inhalte einfacher und attraktiver geworden ist – doch bislang macht noch kaum jemand Gebrauch davon. <strong>Der „w&#228;hler-generierte Inhalt“ des hessischen Landtagswahlkampfs bleibt unpolitisch</strong> – bis auf wenige Ausnahmen – und ersch&#246;pft sich in Photoshop-Gaukeleien, albernen Musikvideos und Animationsfilmen oder kopierten Twitter-Identit&#228;ten. Auch hier gilt zwar das Argument der fehlenden Entwicklungszeit, doch immerhin ein paar Ans&#228;tze f&#252;r eine ernsthafte Einmischung in den digitalen Wahlkampf h&#228;tte man sich schon erhofft.</p>
<p>Bleibt schlie&#223;lich ein letztes Missverst&#228;ndnis auf dem Weg zum Ende der Legende vom Apfelwein-Obama: warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, dass es noch ein anderes Vergleichs-Setting aus dem US-Wahlkampf f&#252;r Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel gibt? <strong>Im Grunde &#228;hnelt die Situation der hessischen SPD doch viel eher der Lage der strauchelnden Republikaner</strong> – eine „lame duck“ im Hintergrund, Querelen in den eigenen Reihen, R&#252;ckstand in den Umfragen… und nur eine wagemutige Personalentscheidung kann die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit und das „Momentum“ zur&#252;ckerobern: Genau, <strong>Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel hat die hessische SPD als Spitzenkandidat in einer „Sarah Palin-Situation“ &#252;bernommen</strong>.</p>
<p>Doch das ist eine andere Geschichte.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/">Die Legende vom Apfelwein-Obama</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/3766/guembel-apfelwein-obama-vergleich/#comments">12 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3766&amp;md5=348f777ee2ab3e6daea0941c5b21af0a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wahlkampf 2.0, in Hessen keine Spur</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Dec 2008 15:33:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Neuauflage des hessischen Landtagswahlkampfs ist im Gange und eine wesentliche Entscheidung scheint bereits gefallen: Fernsehdebatten wird es bei der Neuauflage der Wahl wohl nicht geben. Das ist bedauerlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/07462e7bafb0d20f28b40647d815d3" width="1" height="1" alt=""/>Vor allem Roland Koch hat derzeit die Rolle des Spielverderbers inne, und sie scheint ihm zu gefallen. Bereits am Tag der Parlamentsaufl&#246;sung lie&#223; die hessische CDU per <a href="http://www.cduhessen.de/downl/Downloads/Boddenberg_08_11_19_Brief_Theisen.pdf">Brief</a> an die Verantwortlichen des Hessischen Rundfunks mitteilen, dass der gesch&#228;ftsf&#252;hrende Ministerpr&#228;sident „in diesem Wahlkampf nicht f&#252;r ein Duell zur Verf&#252;gung“ stehe. &#220;ber die – durchaus etwas merkw&#252;rdige – Begr&#252;ndung, eine R&#252;cksichtnahme auf den potenziellen Koalitionspartner FDP, wurde in den folgenden Tagen viel geschrieben. Die SPD beeilte sich, dem politischen Gegner <a href="http://www.spd-hessen.de/.net/QZPGYDPDCCPGQYVKGPKZYZP/meldungen/11028/60198.html">„Feigheit“</a> zu unterstellen, der Spitzenkandidat der Gr&#252;nen, Tarek Al-Wazir nutzte die Lage zur Selbstnominierung f&#252;r ein <a href="http://gruene-hessen.de/cms/presse/dok/258/258901.tvsendungen_zur_hessischen_landtagswahl.htm">Duell – mit Roland Koch</a>. Die <a href="http://www.fdphessen.de/webcom/show_article_pm.php/_c-429/_nr-132/_p-1/_ao-/_lkm-0/i.html">FDP</a> wertete dessen Vorsto&#223; als Gag, allein die Linkspartei meldete sich bislang nicht zu Wort. <strong>Ein veritables Debatten-Durcheinander</strong>, oder, um es mit der Mundart-&#220;bersetzung des Klassikers „Streit um Asterix“ zu sagen: Was e Gefuddel!</p>
<p>Der Hessische Rundfunk als „Veranstalter“ reagierte verhalten bis entt&#228;uscht, dennoch bleiben zwei Termine im Vorfeld der Wahl (8. und 15. Januar) reserviert – dort k&#246;nnen sich die Spitzenvertreter aller im Landtag vertretenen Parteien beteiligen. So zumindest ist der Stand im Augenblick, dem Vernehmen nach (vgl. <a href="http://www.twitter.com/hronlinewahl">Twitter</a>) wird hinter den Kulissen noch verhandelt – doch <strong>das Wohl und Wehe des Formats h&#228;ngt allein von der Bereitschaft der Kandidaten ab</strong>.</p>
<p>Die Lage in Hessen illustriert <strong>den</strong><strong> Zustand des in Deutschland noch immer stiefm&#252;tterlich behandelten Formats der Fernsehdebatte</strong>: noch zu Jahresbeginn wurde nach dem gro&#223;en Reichweitenerfolg des „Duells“ zwischen Roland Koch und Andrea Ypsilanti der Durchbruch gefeiert, seitdem galt die choreografierte Auseinandersetzung der Spitzenkandidaten als neuer Standard auch auf Landesebene. Nun droht gerade in Hessen, wo am 20. Januar diesen Jahres immerhin 400.000 Menschen die Debatte verfolgten (bundesweit wird die Zahl der Zuschauer mit 1,5 Millionen angegeben), ein Ausfall des popul&#228;ren Redewettstreits und damit ein R&#252;ckfall in die Zeit der Elefantenrunden l&#228;ngst vergangener Jahre.</p>
<p><strong>Es lohnt ein n&#228;herer Blick auf die verfahrene Situation</strong>: aus der Perspektive der Kandidaten sind die Man&#246;ver von Durchsichtigkeit gekennzeichnet – der CDU-Verweis auf „Mehrheitskonstellationen“ und „R&#252;cksichtnahme“ auf den potenziellen Koalitionspartner FDP kaschiert mehr als unzureichend den Wunsch, den wenig bekannten Kontrahenten Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel von einer prominenten Plattform fernzuhalten. Die erwartbare, aber relativ plumpe Reprise der SPD verdeutlicht das nat&#252;rliche Interesse an der gro&#223;en Showb&#252;hne. Die Gr&#252;nen sind mit ihrer forschen, aber wenig &#252;berzeugenden Forderung nach Doppelduellen zwischen Tarek Al-Wazir und Koch sowie Sch&#228;fer-G&#252;mbel und dem FDP-Fraktionschef J&#246;rg-Uwe Hahn &#252;ber das Ziel hinaus geschossen. Die Linkspartei k&#246;nnte die Lage noch etwas un&#252;bersichtlicher machen, denn nach dem Einzug in den Landtag ist der Anspruch auf &#246;ffentlich-rechtliche Sichtbarkeit parlamentarisch legitimiert – noch vor Jahresfrist hatte der HR den Zugang zu prominenten TV- und H&#246;rfunksendungen verwehrt.</p>
<p>Die von wenig Esprit gepr&#228;gte Diskussion unter den Landespolitikern verdeutlicht, dass noch ein breites Unverst&#228;ndnis dar&#252;ber herrscht, wie die Diskussion um eine Debatte produktiv f&#252;r die eigene Kampagne genutzt werden k&#246;nnte. Die g&#252;nstigsten Voraussetzungen hierf&#252;r haben <strong>SPD und Linkspartei, denen hohe Reichweiten in jedem Fall in die H&#228;nde spielen w&#252;rden, nahezu unabh&#228;ngig von Inhalt und Verlauf etwaiger Sendungen. </strong>Die Enthaltsamkeit der Linkspartei in der Debattenfrage verwundert daher umso mehr – zumindest die Forderung nach einer Runde der „kleinen Parteien“ w&#228;re zu erwarten. Schwieriger ist die Lage f&#252;r die Gr&#252;nen und die FDP: beide Parteien k&#246;nnen in den Umfragen zwar Zugewinne verzeichnen und liegen nun deutlich oberhalb der <a href="http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=34954&amp;key=standard_document_35901984">10-Prozent-Marke</a>, doch rechtfertigt diese Positionierung keineswegs die Teilnahme an einem Duell der Spitzenkandidaten um das Ministerpr&#228;sidentenamt – und eine Gegen&#252;berstellung „auf Augenh&#246;he“ k&#228;me f&#252;r Al-Wazir und Hahn – am Ende noch mit einem Vertreter der ungeliebten Linkspartei – einem Verkauf unter Wert gleich. So durchschaubar das Hauptmotiv f&#252;r die Duell-Absage aus dem CDU-Lager auch sein mag, so sehr l&#228;dt die ablehnende Haltung zu weiteren Spekulationen ein. Selbst wenn eine Debattenverweigerung zwar nicht ganz untypisch f&#252;r Amtsinhaber ist, so ist die Argumentation eine eher ungl&#252;ckliche – eine „Position der St&#228;rke“ sieht anders aus. Ganz nebenbei wirkt diese Argumentation wie das sp&#228;te Eingest&#228;ndnis einer Niederlage gegen Andrea Ypsilanti, <strong>es verr&#228;t ein diffuses „Duell-Unbehagen“ beim gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Ministerpr&#228;sidenten</strong>.</p>
<p>Doch wer kann nun diesen gordischen Debattenknoten l&#246;sen? Der HR scheinbar nicht, viel zu defensiv und beinahe ratlos wirkt die Ank&#252;ndigung von zwei unspezifischen Allparteienrunden. Eine &#246;ffentliche Thematisierung im Sinne einer „Debatte vor der Debatte“ um Teilnehmer, Konstellationen und Formate ist bislang ausgeblieben. Eine gute Chance dazu hat der HR bereits vergeben: bei der Hessentrend-Umfrage von Anfang Dezember h&#228;tte ein Stimmungsbild zur Debattenfrage in der Bev&#246;lkerung zumindest Hinweise f&#252;r eine solche Diskussion liefern k&#246;nnen. Auch ein offensives Kommunizieren unterschiedlicher Formate w&#228;re denkbar, um f&#252;r Bewegung zu sorgen: anstelle eines starren, verregelten TV-Duells nach dem Muster des Vorjahres w&#228;re ein „weicheres“ Townhall-Format mit Studiopublikum und weniger direkter Konfrontation zwischen den Kandidaten wom&#246;glich das konsensf&#228;higere Modell.</p>
<p>Die Aufteilung der f&#252;nf Spitzenvertreter in zwei Sendungen w&#228;re indes nicht allzu schwierig – trotz der Verluste im SPD-Lager ist der Vorsprung auf FDP und Gr&#252;ne in den Umfragen noch gro&#223; genug, um Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel als einzigen – wenn auch wenig aussichtsreichen – Spitzenkandidaten mit einer Chance auf den Einzug in die Staatskanzlei zu identifizieren. Auf dem Debatten-Rei&#223;brett w&#252;rde daraus folgendes resultieren: zun&#228;chst eine Dreierrunde zwischen Tarek Al-Wazir, J&#246;rg-Uwe Hahn und Willy van Ooyen am 8. Januar, zehn Tage vor der Wahl. Als Format hierf&#252;r w&#252;rde sich das klassische <em>press panel</em> eignen, bei dem die Fragen von einem oder zwei Journalisten an die Kandidaten gestellt werden. Drei Tage vor der Wahl, am 15. Januar, k&#246;nnte dann eine Debatte im <em>Townhall</em>-Stil folgen, bei der sich Roland Koch und Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel unter Anleitung eines Moderators ausgew&#228;hlten Zuschauerfragen stellen. Zur weiteren „Entsch&#228;rfung“ und „Beschleunigung“ beider Formate k&#246;nnten kurze Einspielfilme die wesentlichen Wahlthemen sowie Agenda der Kandidaten erl&#228;utern – jede Minute Sendezeit ohne Gelegenheit zur kontroversen Auseinandersetzung w&#228;re dabei im Sinne z&#246;gerlicher oder unsicherer Teilnehmer.</p>
<p>Doch vermutlich wird es dazu nicht kommen, denn seit der Einf&#252;hrung der „Kanzlerduelle“ zur Bundestagswahl 2002 ist der wesentliche Systemfehler dieses weltweit popul&#228;ren Formates der Mediendemokratie nicht beseitigt worden: in Deutschland entscheiden allein die Vertreter von Politik und Medien &#252;ber Inhalte, Formate und Ablauf von Fernsehdebatten. Der zuletzt in den USA wieder deutlich gemachte Anspruch der &#214;ffentlichkeit auf den prominent inszenierten Schlagabtausch unter Aspiranten auf ein Regierungsamt ist in Deutschland schlicht und einfach nicht durchsetzbar. Ohne regelsetzende Instanz, wie sie in den USA mit der <em>Commission on Presidential Debates</em> (<a href="%22http://"><span>http://www.debates.org</span></a>) vorhanden ist, und ohne &#246;ffentliche Debatte &#252;ber das Format sind Schlupfl&#246;cher f&#252;r debattierunwillige Kandidaten vorprogrammiert. Leidtragende sind dabei die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler in Hessen – <strong>gerade in einem derart kurzen Landtagswahlkampf, der noch dazu zur Kurskorrektur und Neu-Positionierung in einer Situation des politischen Stillstands genutzt werden muss, k&#246;nnen verdichtete Kommunikationssituationen wie Fernsehdebatten sehr wohl hilfreiche Informationen zur W&#228;hlerbildung liefern.</strong>
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