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	<title>CARTA &#187; Helga Trüpel</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Tr&#252;pel: &#8216;Digital rights fair trade&#8217; ist vielleicht die bessere Kulturflatrate</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 15:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die gr&#252;ne Europabgeordnete Helga Tr&#252;pel sieht bei der Kulturflatrate inzwischen mehr Fragen als Antworten. Das Konzept sei unausgereift. Im Rahmen von "digital rights fair trade" m&#252;sse auch &#252;ber andere Gesch&#228;ftsmodelle, Pauschalabgaben und einen Kontrahierungszwang nachgedacht werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/33ed6b18955649f48f5747862ffb821f" alt="" width="1" height="1" /><strong>Frau Tr&#252;pel, Sie haben sich am Montag auf einer eigenen kulturpolitischen <a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Einladung-KPS-Berlin-Urheberrecht-in-der-digitalen-Welt-150210.pdf">Veranstaltung</a> von der Idee einer Kulturflatrate distanziert. Die Idee habe &#8220;konzeptionelle Schw&#228;chen&#8221; und sei  &#8220;unausgereift&#8221;. Im letzten Jahr hatten Sie sich selbst einmal in einem <a href="http://carta.info/11308/europaeische-kulturflatrate-don-quichotte-in-der-digitalen-welt/">Carta-Beitrag</a> f&#252;r ein solches Modell ausgesprochen. Wie kommt`s?</strong></p>
<p>Ja, es ist richtig. Ich habe im letzten Jahr mit gr&#252;nen Kollegen aus EP und Bundestag eine Studie zur rechtlichen Machbarkeit einer Kulturflatrate in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kam, dass durch eine Schrankenausweitung des Urheberrechts eine solche Flatrate juristisch machbar w&#228;re. Was die Studie nicht geleistet hat, war festzustellen, wie hoch diese Flatrate sein m&#252;sste, um das Runterladen von Kulturinhalten aus dem Netz angemessen zu bezahlen. Wir haben die Flatrate Kulturflatrate genannt, aber bis jetzt ist unklar, welche digitalen Inhalte von ihr betroffen sein sollen. Nur Musik, oder auch Film, B&#252;cher, und andere digitalisierbare kulturelle Inhalte.</p>
<p>Wir haben die <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/medien/dokbin/278/278059.kurzgutachten_zur_kulturflatrate.pdf">Studie</a> zur juristischen Machbarkeit einer Kulturflatrate mit dem Ziel in Auftrag gegeben, einen fairen Ausgleich zwischen den Verbraucherinteressen auf leichten Zugang zum Netz, auf faire Bezahlung der Produzenten von kreativen Inhalten im Netz und auf Informationsfreiheit zu finden.</p>
<p>Zwangsenteignung durch illegales Up- und Downloaden kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg in einer Wissensgesellschaft sein und in einer Gesellschaft, die kulturelle Vielfalt aufrechterhalten und f&#246;rdern will. Also suche ich nach Wegen, wie datenschutzrechtlich unbedenklich neue Modelle f&#252;r das Runterladen von legalen Inhalten zu fairen Preisen f&#252;r Nutzer und faire Bezahlung f&#252;r Kreative und Verwerter gefunden werden k&#246;nnen. Das bedeutet aber auch, nicht den Weg in den &#220;berwachungsstaat zu beschreiten. Ich lehne das franz&#246;sische <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Frankreich-Internetsperre-fuer-Urheberrechtsverletzer-gebilligt-837138.html">Hadopi-Gesetz</a> ab, da ich es als viel zu weitgehend und als Eingriff in das Grundrecht auf Informationsfreiheit ansehe, denn der Three-Strikes-Ansatz sieht in dritter Instanz ein Kappen des Internet-Zugangs im Schnellverfahren vor.</p>
<p>Mein politisches Interesse zielt darauf, ein politisch unzensiertes Netz zu haben, f&#252;r den Download von Kulturinhalten angemessen zu bezahlen und falsche &#220;berwachungsma&#223;nahmen zu verhindern.</p>
<div id="attachment_23202" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel.jpg"><img class="size-medium wp-image-23202" style="border: 2px solid black;" title="truepel" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel-300x199.jpg" alt="truepel" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Gr&#252;ne EU-Abgeordnete Tr&#252;pel: Daten kann man nat&#252;rlich klauen</p></div>
<p>Die Flatrate weist aus meiner Sicht viele offene Fragen auf: Wir haben nicht eindeutig gekl&#228;rt, ob sie nur f&#252;r Musikdownloads gelten soll, oder auch f&#252;r andere Branchen. Nach allen Umsatzzahlen der Musik- und Filmindustrie sowie des Buchmarkts habe ich nicht den Eindruck, dass man mit einer geringen Geb&#252;hr von 5 oder 10 Euro f&#252;r bisher illegale Downloads die entstehenden Kosten angemessen bezahlen k&#246;nnte. Offensichtlich w&#252;rde &#8211; auch wenn noch keine Zahlen vorliegen &#8211; die Summe, die man f&#252;r alle Breitband-Besitzer festlegen w&#252;rde, viel h&#246;her sein, so dass ich die politische Akzeptanz von einer gesetzlich geregelten Kulturflatrate nicht sehe. Deswegen muss aus meiner Sicht auch gepr&#252;ft werden, welche anderen Modelle f&#252;r &#8220;<a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Digital-rights-fair-trade-12Thesen.pdf">digital rights fair trade</a>&#8221; sich anbieten. Im Moment tut sich einiges auf dem digitalen Markt, es gibt neue Gesch&#228;ftsmodelle der verschiedenen Kulturbranchen &#8211; insbesondere bei Musik, Film und B&#252;chern &#8211; die neue, legale Download-Angebote schaffen. Da sind freiwillige Flatrates durchaus denkbar.</p>
<p>Politisch muss aus meiner Sicht geregelt werden, dass es im Musikmarkt wirklich wieder einen funktionierenden Wettbewerb gibt und nicht nur Monopole mit Mainstream-Repertoire. Man muss &#252;berlegen, ob nicht auch Internet Service Provider, die sehr stark verdient, aber die K&#252;nstler nicht angemessen beteiligt haben, zu einer Abgabe an kreative Produzenten gezwungen werden sollen, um K&#252;nstler angemessen an Downloads zu beteiligen. Auf europ&#228;ischer Ebene steht an, sich &#252;ber eine Neuregelung des Vertragsrechts zu verst&#228;ndigen, um K&#252;nstler besser zu bezahlen und Buy-Out-Vertr&#228;ge zu beenden.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist zentral, dass es neue, faire Angebote f&#252;r Verbraucher und K&#252;nstler geben soll. Dazu m&#252;ssen neue Gesch&#228;ftsmodelle her und eine gute Regulierung des Marktes durch die Politik.</p>
<p>Die gr&#252;ne Debatte wird sich weiter sowohl um die Machbarkeit und H&#246;he einer gesetzlich geregelten Pauschalabgabe k&#252;mmern, als auch um Alternativen zu diesem Ansatz.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Im Rahmen von &#8220;digital rights fair trade&#8221; sollen Internetprovider &#8220;K&#252;nstler&#8221; &#8220;angemessen&#8221; verg&#252;ten. Damit stellt sich doch auch hier das Abgrenzungsproblemen: Wer ist K&#252;nstler? Was ist angemessen?</strong></p>
<p>Eine Idee im Rahmen von „digital rights fair trade“ ist, &#252;ber einen gesetzlich geregelten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kontrahierungszwang">Kontrahierungszwang</a> dazu zu kommen, dass auch Internet Service Provider zur Finanzierung kultureller Inhalte beitragen. Die H&#246;he der Abgabe auf urheberrechtlich gesch&#252;tzte Inhalte m&#252;sste eine Instanz aus Inhalteindustrie und Verwertungsgesellschaften aushandeln. Die Idee ist noch nicht ausgereift, muss aber im Kontext der Aufgabe, wie man kreative Inhalte in der digitalen Welt bezahlt, weiter gepr&#252;ft werden.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Ist &#8220;digital rights fair trade&#8221; eine freiwillige Ma&#223;nahme, ein Label oder ein Ansatz, die Preise f&#252;r digitale Kreativg&#252;ter staaatlich/institutionell festzulegen? Wie k&#246;nnte man sich &#252;berhaupt dar&#252;ber einigen, was fair ist?</strong></p>
<p>„Digital rights fair trade“ beschreibt den politischen Ansatz, mit neuen Business-Modellen, Marktregulierung und politischen Regulierungen wie der Reform des Urheberrechts und des Vertragsrechts zu einem fairen Ausgleich der Interessen zwischen Verbrauchern, Inhalteindustrie und Kreativen zu kommen. Es ist gerade nicht nur ein staatliches Modell, sondern eines der Marktregulierung.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span><br />
<strong>Illegale Downloads nennen Sie eine &#8220;Zwangsenteignung&#8221;. Sollte man Urheberrechtsfragen nicht lieber ohne Eigentumsmetaphern diskutieren? Daten kann man schlie&#223;lich nicht klauen, wie wir sp&#228;tenstens seit der Steuer-CD wissen.</strong></p>
<p>Wenn Kreative nicht mehr f&#252;r ihre kreativen Produkte angemessen entlohnt werden, weil gegen ihren Willen ihre Werke hoch- und runtergeladen werden, ist das nicht im Interesse der Kreativen. In diesem Sinne kann man Daten &#8211; digitale Kulturinhalte &#8211; nat&#252;rlich klauen. Der Begriff der Piraterie meint ja gerade, dass man sich Dinge/Daten aneignet, die einem nicht geh&#246;ren. Der politische Streit zwischen Piraten und Anti-Piraten geht nur darum, ob man das gut hei&#223;t oder nicht.
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