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	<title>CARTA &#187; Guardian</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 17:55:45 +0000</lastBuildDate>
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		<title>(Alp-)Traum WikiLeaks: Was ist eigentlich aus den vielen Geheimdokumenten geworden?</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 12:00:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christiane Schulzki-Haddouti</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<description><![CDATA[F&#252;r die neueste Ausgabe der ver.di-Zeitschrift „M – Menschen machen Medien“ analysiert Christiane Schulzki-Haddouti die bisherige Nutzung der Geheimdokumente durch die beteiligten Medien und stellt die Frage, ob der Informationsschatz durch Exklusivvertr&#228;ge nicht in unzul&#228;ssiger Weise privatisiert wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>24 Tage lang protokollierte die britische Tageszeitung <em>The Guardian</em> auf ihrer Website, was die <em>New York Times</em>, <em>Der Spiegel</em>, <em>Le Monde</em>, <em>El País</em> und sie selbst &#252;ber die 251.000 Depeschen des US-Au&#223;enministeriums ver&#246;ffentlichten. Am 22. Dezember schlie&#223;lich der letzte Eintrag, der unter anderem auf ein Interview des <em>Spiegel</em> mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière hinwies, der <em>WikiLeaks</em> als „&#228;rgerlich, aber keine Bedrohung“ bezeichnete. Einen Tag zuvor hatte US-Vize-Pr&#228;sident Joe Biden <em>WikiLeaks</em>-Chef Julian Assange noch als „Hightech-Terrorist“ bezeichnet.</p>
<p>Eine Auswertung dieser Chronologie zeigt, dass der <em>Guardian</em> mit Abstand das Meiste aus den Depeschen machte: Er ver&#246;ffentlichte in den ersten 24 Tagen 158 Artikel, das sind 7 Artikel t&#228;glich. Etwa auf einer Augenh&#246;he befinden sich der <em>Spiegel</em> mit 30 Beitr&#228;gen, die <em>New York Times</em> mit 32 Beitr&#228;gen und <em>El País</em> mit 33 Beitr&#228;gen und etwa 1,4 Artikeln pro Tag im Schnitt. Deutliches Schlusslicht ist <em>Le Monde</em> mit 23 Beitr&#228;gen – mit gerundet etwa einem Beitrag t&#228;glich. Allerdings sind etliche Artikel des <em>Spiegel</em> dabei nicht ber&#252;cksichtigt. Nach Auskunft des <em>Spiegel</em>-Sprechers Hans Ulrich Stoldt ver&#246;ffentlichte der <em>Spiegel</em> im Heft, <em>online</em> sowie in einer <em>Spiegel-Special-</em>Ausgabe insgesamt 143 Beitr&#228;ge in diesem Zeitraum. Damit ist der <em>Guardian</em> aber immer noch unangefochtener Spitzenreiter.</p>
<p>Die meisten Beitr&#228;ge wurden in der ersten Woche ver&#246;ffentlicht, in der zweiten Woche ging die Frequenz zur&#252;ck, in der Woche vor Weihnachten stellten einige Redaktionen die Berichterstattung ganz ein. Der <em>Spiegel</em> ver&#246;ffentlichte laut der Z&#228;hlung des <em>Guardian</em> nur noch eine einzige Geschichte. Von Weihnachten bis zum 18.1. ver&#246;ffentlichte er nach Angaben von Stoldt nur noch weitere f&#252;nf Beitr&#228;ge. Eine Planung, in welchem Tempo weiterhin ver&#246;ffentlicht werden soll, gebe es nicht.</p>
<p>Keine Auswertung gibt es dar&#252;ber, in welchem Ausma&#223; diese Berichte von anderen Medien aufgegriffen und weiter recherchiert wurden. Vielleicht eine Aufgabe f&#252;r k&#252;nftige Journalistik-Studien. Unz&#228;hlig hingegen sind die Berichte &#252;ber den Fall des <em>WikiLeaks</em>-Gr&#252;nders Julian Assange.</p>
<p>Deutlich wird jedenfalls die F&#252;hrungsrolle des <em>Guardian</em> bei der redaktionellen Auswertung der US-Depeschen. Dies zeigt sich nicht nur an der Menge der bearbeiteten Informationen, sondern auch an der Art, wie diese pr&#228;sentiert werden: N&#228;mlich m&#246;glichst &#252;bersichtlich f&#252;r die Leser – und im Sinne der vom <em>Guardian</em> seit Jahren offensiv propagierten „Open Data“-Philosophie, die bereits zahlreiche aufsehenerregende Datenjournalismus-Projekte inspirierte.</p>
<p>In diesem Zusammenhang ist es auch erw&#228;hnenswert, dass der <em>Guardian</em> die Metadaten der <em>WikiLeaks</em>-Cables in einer offenen Datenbank zur Auswertung frei gegeben hat – w&#228;hrend etwa der <em>Spiegel</em> die Depeschen lediglich in einer von au&#223;en unzug&#228;nglichen Flash-Grafik aufbereitet hat. Auf diese Weise entstanden auf Grundlage der Guardian-Daten einige interessante Auswertungen. Unter anderem visualisierte eine Grafik Themenstr&#228;nge f&#252;r die Jahre 2001 bis 2003 und zeigt damit den <a href="http://www.closr.it/show/LIkJxaoZVbl">Impact</a> des 11. September auf Amerikas Diplomatie. Gef&#228;hrdet wird durch die Freigabe der Metadaten niemand, doch nicht nur f&#252;r Journalisten, sondern auch f&#252;r Politikwissenschaftler und Historiker k&#246;nnen solche Auswertungsm&#246;glichkeiten wertvoll sein.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Exklusive Themenauswahl</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Wie gingen die von <em>WikiLeaks</em> bedachten Redaktionen bislang mit den Depeschen um? Auffallend ist, dass sie darauf achteten, eigene Themen zu setzen. Eine Geschichte des <em>Guardian</em> mit Deutschlandbezug, die kurz vor Weihnachten erschien, wurde beispielsweise vom <em>Spiegel</em> nicht aufgegriffen. Darin ging es um das zeitweise Engagement des Energiekonzerns <em>RWE</em> in einem Kernkraftwerkprojekt in Bulgarien, das laut der Depeschen von st&#228;ndigen Sicherheitsproblemen begleitet war. F&#252;r die Briten war es offenbar deshalb eine Geschichte, weil <em>RWE</em> Besitzerin von Gro&#223;britanniens gr&#246;&#223;tem Energieversorger <em>npower</em> ist, der das Projekt durchf&#252;hrte.</p>
<p>Es scheint, als w&#228;re die gro&#223;e Enth&#252;llungswelle erst einmal zum Erliegen gekommen. Seit Weihnachten werden die Depeschen auf der <em>WikiLeaks</em>-Website nur noch tr&#246;pfchenweise ver&#246;ffentlicht. Woran dies liegt, dar&#252;ber l&#228;sst sich spekulieren. Da den Redaktionen alle Depeschen vorliegen, k&#246;nnte es daran liegen, dass der Sprengstoff der Depeschen schlicht verbraucht ist.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Aftenposten sprengt Kreis der Auserw&#228;hlten</strong></p>
<p>Dass dies nicht der Fall ist, zeigen die j&#252;ngsten Ver&#246;ffentlichungen der norwegischen Tageszeitung <em>Aftenposten</em>. Sie hat seit Ende Dezember laut eigenen Angaben Zugriff auf alle Dokumente – durch ein Leck innerhalb von <em>WikiLeaks</em>. Offenbar gibt es innerhalb von <em>WikiLeaks</em> Personen, die die bisherige Ver&#246;ffentlichungspolitik torpedieren. Von diesem Leck profitierte inzwischen auch <em>Die Welt</em>, die dank einer Kooperation mit <em>Aftenposten</em> seit Mitte Januar ebenfalls „ohne jede Beschr&#228;nkung“ Zugriff auf alle Depeschen hat.</p>
<p>Die ersten Ver&#246;ffentlichungen von <em>Aftenposten</em> l&#246;sten internationale Resonanz aus. So erl&#228;uterten Dokumente der US-Botschaft in Oslo die Verhandlungen zwischen Norwegen und Russland &#252;ber die gemeinsame Grenze in der Barents-See. Eine <em>AFP</em>-Meldung griff einen weiteren <em>Aftenposten</em>-Bericht auf, wonach Deutschland und die USA f&#252;r rund 205 Millionen Euro gemeinsam ein hochaufl&#246;sendes Satellitensystem unter dem Projektnamen HiROS gegen Widerst&#228;nde aus Frankreich entwickeln wollten. Dieser Satellit soll unter der Kontrolle des Bundesnachrichtendienstes und des Deutschen Zentrums f&#252;r Luft- und Raumfahrt (DLR) stehen. Etliche Tage sp&#228;ter berichtete auch <em>Spiegel Online</em> &#252;ber das Projekt – und dass die Bundesregierung es nicht unterst&#252;tzen wolle. Dabei wurde die entsprechende Depesche weder verlinkt, noch wurde der Bericht von <em>Aftenposten</em> erw&#228;hnt.</p>
<p>Die Redaktionen scheinen mit den Depeschen mit einer nahe liegenden Methode umzugehen: Sie recherchieren die Themen, die sie kennen. Werden sie f&#252;ndig und erscheint das Material interessant genug, berichten sie dar&#252;ber. Es ist offensichtlich, dass auf diese Weise noch l&#228;ngst nicht alles publiziert wurde, was Nachrichtenwert besitzt. Die bislang ver&#246;ffentlichten Geschichten reflektieren damit vermutlich vor allem die aktuelle Interessenlage und Themenkompetenz der jeweiligen Redaktion.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Exklusivvertrag mit WikiLeaks?</strong></p>
<p><em>Aftenposten</em> geh&#246;rt nicht zu dem erlauchten Kreis der vier gro&#223;en Publikationen (<em>Guardian</em>, <em>Le Monde</em>, <em>El País</em> und <em>Spiegel</em>), die mit <em>WikiLeaks</em> die Ver&#246;ffentlichung vereinbart hatten. Die <em>New York Times</em> selbst hat die Dokumente vom <em>Guardian</em> bekommen. <em>Aftenposten</em>-Redaktionsleiter Ole Erik Almlid sagte laut der Nachrichtenagentur<em> dapd</em>: „Wir haben diese Dokumente ohne Auflagen und ohne etwas daf&#252;r zu bezahlen bekommen“. Die Zeitung werde die ihr wichtig erscheinenden Depeschen ver&#246;ffentlichen und unter Umst&#228;nden heikle Informationen wie Namen unkenntlich machen.</p>
<p>Die &#196;u&#223;erung von Almlid wirft aber auch ein interessantes Licht auf die mutma&#223;liche Vereinbarung zwischen <em>WikiLeaks</em> und den vier Redaktionen. <em>Spiegel</em>-Sprecher-Stoldt jedenfalls sagt: „Es gibt keinerlei Vereinbarungen mit <em>WikiLeaks</em>. Ausnahme: Der Termin zur ersten Ver&#246;ffentlichung der Depeschen war mit <em>WikiLeaks</em> und den anderen Medienpartnern abgesprochen.“ Der US-Fernsehsender <em>CNN</em> und das <em>Wallstreet-Journal</em> hatten nach eigenen Angaben eine Zusammenarbeit jedoch abgelehnt, da sie nicht bereit waren, die von <em>WikiLeaks</em> geforderten Vertragsklauseln zu unterzeichnen. Diese sollen unter anderem eine nicht mit <em>WikiLeaks</em> abgestimmte Publikation verbieten. Au&#223;erdem ist die Rede von einer Vertragsstrafe von 100.000 Dollar bei Zuwiderhandlung.</p>
<p>Ob eine mindestens m&#252;ndlich getroffene Vereinbarung zwischen den Verlagen und der Enth&#252;llungsplattform presserechtlich ebenfalls als Exklusivvertrag zu werten ist, dar&#252;ber wird der Presserat im M&#228;rz entscheiden m&#252;ssen. Im Falle des <em>Spiegel </em>geht es immerhin um einen exklusiven Zugang innerhalb des deutschsprachigen Raums. Nach Ansicht der Beschwerdef&#252;hrerin verst&#246;&#223;t der <em>Spiegel</em> gegen die Richtlinie 1.1. des Pressekodex. Sie untersagt Exklusivvertr&#228;ge mit Informanten &#252;ber „Vorg&#228;nge oder Ereignisse, die f&#252;r die Meinungs- und Willensbildung wesentlich sind“. Weiter hei&#223;t es: „Wer ein Informationsmonopol anstrebt, schlie&#223;t die &#252;brige Presse von der Beschaffung von Nachrichten dieser Bedeutung aus und behindert damit die Informationsfreiheit.“</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Eine Frage der Masse</strong></p>
<p>Das Besondere an den <em>WikiLeaks</em>-Depeschen ist ganz offensichtlich die schiere Masse: Um sie auswerten zu k&#246;nnen, muss eine Redaktion nicht nur &#252;ber gen&#252;gend Manpower und Know-How verf&#252;gen. Sie sollte auch in der Lage sein, mit anderen journalistischen Organisationen vertrauensvoll zu kooperieren. Trotz des angeblich fehlenden Vertrags ist der<em> Spiegel</em> dazu aber anders als die <em>Aftenposten</em> nicht bereit. Stoldt zu dieser Frage: „Es sind keine Kooperationen mit anderen Redaktionen vorgesehen.“ Aus Sicht der Journalisten als Protagonisten der Meinungs- und Pressefreiheit muss das Hauptinteresse darin bestehen, die Informationen einzuordnen, zu bewerten – und dann erst &#214;ffentlichkeit bei einem Optimum an Transparenz herzustellen. Aus Sicht der Whistleblower muss der Informantenschutz gewahrt – und eine gr&#246;&#223;tm&#246;gliche &#214;ffentlichkeitswirkung erzielt werden.</p>
<p>Weil in den Datennetzen von Beh&#246;rden und Unternehmen immer mehr Dokumente gespeichert werden, werden k&#252;nftig immer wieder Whistleblower massenhaft Daten an die &#214;ffentlichkeit bringen wollen. F&#252;r Journalisten ist das sowohl Anlass zur Freude als auch zur Sorge. Einerseits erh&#228;lt man brisantes Material f&#252;r aufsehenerregende Geschichten. Andererseits m&#252;ssen die Dokumente wie andere auch auf Authentizit&#228;t und Echtheit &#252;berpr&#252;ft werden. Au&#223;erdem m&#252;ssen Sicherheitsma&#223;nahmen ergriffen werden, um die Informanten samt Material zu sch&#252;tzen. Eine Aufgabe, der sicherlich nicht jeder Journalist und auch nicht jede Redaktion gewachsen ist.</p>
<p>Auch muss eine Redaktion sich mit der Frage auseinandersetzen, wie weit das eigene Ver&#246;ffentlichungsinteresse tats&#228;chlich geht. Die Masse der Dokumente reicht aus, um die Berichterstattung auf Jahre hinaus zu versorgen. Doch darauf wird sich kein Verlag einlassen, da es immer auch konkurrierende Themen gibt, die m&#246;glicherweise von gr&#246;&#223;erer Relevanz sind. Im Ergebnis sind die Archive der jeweiligen Redaktionen um eine wertvolle zus&#228;tzliche Quelle erweitert. <strong>Im Sinne einer informierten &#214;ffentlichkeit stellt sich jedoch die Frage, ob eine</strong> <strong>Privatisierung dieses Informationsschatzes richtig ist</strong>. Auf dies w&#252;rde es n&#228;mlich hinauslaufen, wenn <em>WikiLeaks</em> das aktuelle Ver&#246;ffentlichungstempo beibeh&#228;lt – und dies st&#252;nde der urspr&#252;nglichen Intention der Whistleblower-Plattform entgegen.</p>
<p>Ganz offenbar m&#252;ssen Journalisten und Whistleblower neue Prozeduren entwickeln, um verantwortlich mit dem Material umzugehen. Einerseits m&#252;ssen sie Informanten sch&#252;tzen, andererseits m&#252;ssen sie so viele Informationen wie m&#246;glich strukturiert ver&#246;ffentlichen. Dabei m&#252;ssen sie viele, sich widerstreitende Interessen austarieren.</p>
<p>N&#252;chtern betrachtet besteht das Neue an <em>WikiLeaks</em> vor allem in der Masse der Ver&#246;ffentlichungen, ihrem weltweiten Erfolg und darin, der Welt&#246;ffentlichkeit einen tragischen Helden zu liefern. Seit Jahrzehnten gibt es n&#228;mlich schon die Website <em>Cryptome.org</em> des New Yorker Architekten John Young, die ebenfalls vertrauliche Dokumente aus aller Welt im Internet ver&#246;ffentlicht. Er musste ebenfalls bereits mehrere Gerichtsprozesse durchstehen – erfolgreich. Denn die Presse- und Meinungsfreiheit werden in den USA von den Gerichten so hoch bewertet, dass John Young bislang immer durchkam.</p>
<p>Ob ein Prozess gegen <em>WikiLeaks</em> in den USA erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft. Man m&#252;sste Assange schon nachweisen, dass er den verhafteten Whistleblower Bradley Manning zum „Verrat“ von Staatsgeheimnissen anstiftete. Dies w&#252;rde dann in die Kategorie „Spionage“ fallen, was zu ahnden w&#228;re. Daf&#252;r k&#246;nnte es gen&#252;gen, Manning zu einer entsprechenden Aussage zu bringen. Assange &#228;u&#223;erte selbst diese Vermutung gegen&#252;ber dem britischen Nachrichtenmagazin <em>New Statesman</em>: „Bradley Manning zu knacken, ist nur der erste Schritt. Ganz offensichtlich ist es das Ziel, ihn zu brechen und ein Gest&#228;ndnis zu erzwingen, dass er sich in irgendeiner Weise mit mir verschworen hat, um die nationale Sicherheit der USA zu verletzen.“</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>N&#228;chste Schritte</strong></p>
<p>Immer wieder betonten die Macher von <em>WikiLeaks</em>, dass ihre Technik so ausgestaltet ist, dass die Identit&#228;ten der Whistleblower gegen&#252;ber der Plattform unbekannt bleiben. Anonymit&#228;t ist damit nicht nur ein Schutz der Quelle, sondern auch automatisch ein rechtlicher Schutz f&#252;r die Empf&#228;nger.</p>
<p>Angesichts des unbestreitbaren Erfolgs der Plattform ist es erstaunlich, dass es im Zeitalter innovativer Zeitungsausgaben f&#252;r das mobile Internet nicht schon l&#228;ngst auf allen Verlagswebsites anonyme digitale Briefk&#228;sten f&#252;r Informanten gibt. Die Technik daf&#252;r gibt es nicht erst seit heute. Schon seit etwa zehn Jahren unterst&#252;tzen etwa das Kryptoprogramm „Pretty Good Privacy“ und das Anonymisierungstool JAP kostenlos die sichere und anonyme Kommunikation. Dass ehemalige <em>WikiLeaks</em>-Mitarbeiter nun mit <em>OpenLeaks</em> ein handliches Tool f&#252;r Whistleblower anbieten wollen, das dies aus einer Hand bietet, ist &#252;berf&#228;llig. Diese Initiative h&#228;tte aber auch von professionell-journalistischer Seite kommen k&#246;nnen.</p>
<p>Ein weiterer n&#228;chster Schritt k&#246;nnte darin bestehen, sich in Deutschland f&#252;r die rechtliche Absicherung von Informanten einzusetzen. Einen gesetzlichen Whistleblower-Schutz gibt es n&#228;mlich bis heute nicht.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em><a href="http://mmm.verdi.de/archiv/2011/01-02/titelthema-dokumentenpoker/alp-traum-wikileaks">Crosspost</a> mit freundlicher Genehmigung von Christiane Schultzki-Haddouti und der <a href="http://mmm.verdi.de/">Redaktion M</a></em><em> in ver.di</em>
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		<title>Assange oder Die Zurichtung einer Kanaille</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 18:28:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist v&#246;llig klar, dass nach Facebook-Gr&#252;nder Mark Zuckerberg nun Julian Assange der n&#228;chste Antiheld im Kino werden muss. BILD schreibt vermutlich schon am Drehbuch f&#252;r RTL.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ehe zwischen den Leitmedien und <em>WikiLeaks</em> war heftig, aber kurz. Am Ende ist sie geplatzt wie ein fehlerhaftes Kondom. Es war eine amour fou, eine verr&#252;ckte Liebe. Oder vielleicht doch eine Zweckheirat? (Bleibt die Frage: Wer benutzte hier wen?)</p>
<p>Jetzt, nach der Trennung, folgt der schmutzige Rosenkrieg. <em><a href="http://www.nytimes.com/2011/01/30/magazine/30Wikileaks-t.html?_r=1&amp;pagewanted=all">New York Times</a> </em>und <em>Guardian</em> haben sich bereits &#246;ffentlich distanziert, der <em>Spiegel</em> schwankt noch, aber die <a href="http://www.zeit.de/2011/06/Buecher-machen-Politik-WikiLeaks">Bestseller</a> werden bereits um die Wette <a href="http://www.zeit.de/2011/06/Buecher-machen-Politik-WikiLeaks">geschrieben</a>. Mancher Journalist m&#246;chte noch ein wenig teilhaben an der Weltfigur Assange. Dessen schillernder Charakter ist der ideale Transmissionsriemen f&#252;r Abrechnung &amp; Auflage.</p>
<p>Nehmen wir nur die BILD-Zeitung als oberste &#8216;feministische&#8217; Kronzeugin im Fall Assange: Igitt, der Mann duscht nicht, er tr&#228;gt Frauenkleider &#8211; und er dr&#252;ckt nicht mal die Klosp&#252;lung!! Ein Monster!!!! Vielleicht sogar ein Wiederg&#228;nger des M&#228;dchenm&#246;rders Jean-Baptiste Grenouille?</p>
<p><span style="color: #ffffff;">. </span></p>
<p>BILD am <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/27/wikileaks-julian-assange/new-york-times-rechnet-ab-arrogant-und-ungepflegt.html">27. Januar</a>:</p>
<blockquote><p><strong>WikiLeaks-Chef Assange: ‚Arrogant und ungepflegt’</strong></p>
<p>„Ein Reporter der Zeitung (NYT) habe etwa nach einem Treffen mit Assange berichtet: ‚Er war zerzaust, sah aus wie ein Obdachloser, trug ein verknittertes Sportsakko, ein verschmutztes Hemd, abgewetzte Turnschuhe, dreckige Socken – und roch, als h&#228;tte er sich seit Tagen nicht mehr geduscht.’“</p></blockquote>
<p>BILD am <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/01/31/wikileaks-julian-assange-als-alte-dame/angst-vor-cia-in-neuer-biografie.html">31. Januar</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Julian Assange verkleidet sich als alte Dame</strong></p>
<p>„Vorsichtig huscht die Figur an einem schummrigen Abend in London von einer Haust&#252;r in ein zerbeultes rotes Auto. Die Figur kann als Frau durchgehen. Bei ihr ein grimmig guckender Mann mit nordischen Gesichtsz&#252;gen und ein paar junge Nerds. Einer scheint der alten Dame ihre Jacke zu reichen.“</p></blockquote>
<p>BILD am <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/02/03/wikileaks-julian-assange-ermittlungsakte/im-internet-aufgetaucht.html">3. Februar</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Assanges Ermittlungsakte im Internet aufgetaucht</strong></p>
<p>„Die Ermittlungsakte zu den Vergewaltigungsvorw&#252;rfen gegen den Wikileaks-Gr&#252;nder tauchten im Internet auf! <em>Und die sind schonungslos:</em> Ein Assange, der kaltschn&#228;uzig ungesch&#252;tzten Sex verteidigt und weder die Toilette sp&#252;lt noch duscht!“</p></blockquote>
<p>BILD am <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2011/02/07/wikileaks-chef-assange-vor-gericht/wird-er-nach-schweden-ausgeliefert.html">7. Februar</a>:</p>
<blockquote><p><strong>Die Schlinge zieht sich zu</strong></p>
<p>„Assange, im dunklen Anzug mit violettfarbener Krawatte, hat demnach gut grinsen. Zudem hat er wieder prominente Unterst&#252;tzer dabei: <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/12/08/wikileaks-chef-julian-assange-jetzt/kaempft-die-milliardaerin-jemima-khan-fuer-ihn.html">die sch&#246;ne Milliard&#228;rs-Tochter Jemima Khan (36)</a>, Menschrechtsaktivistin und Supermodel der 1970er, Bianca Jagger, sowie der britische Labour-Politiker Tony Benn.“</p></blockquote>
<p>Und dazu der scheinheilige BILD-Kommentar:</p>
<blockquote><p><em>„Egal, wie das Urteil gegen Assange ausf&#228;llt – f&#252;r Wikileaks ist das Verfahren schon jetzt eine Niederlage: Statt der Inhalte der Enth&#252;llungsplattform steht immer mehr Assanges schwierige Pers&#246;nlichkeit im Vordergrund.“</em></p></blockquote>
<p>Allerdings kann auch die BILD-Zeitung in ihrer hochmoralischen Ernsthaftigkeit noch &#252;bertroffen werden. Etwa durch den todesmutigen <em>Blick</em> auf ‚Das Kondom des Grauens’. <a href="http://www.blick.ch/news/ausland/polizei-fotos-des-kondoms-aufgetaucht-165929">Schlagzeile</a> am 3. Februar: „Polizei-Fotos des Vergewaltigungs-Kondoms aufgetaucht“!</p>
<p>Was f&#252;r ein grauenhafter Anblick!!
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		<title>Wie Zeitungen sich gegen die n&#228;chste Google-Attacke r&#252;sten k&#246;nnten</title>
		<link>http://carta.info/8765/zeitungen-google-news/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 11:31:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Google startet eine weitere Algorithmen-Attacke auf die Zeitungen: Google News wird demn&#228;chst mit noch besseren Filtern f&#252;r eine noch bessere Personalisierung sorgen. Der Aufbau von funktionierenden Communities wird f&#252;r die klassischen Medien zur &#220;berlebensfrage.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/6e93666a65f0c52a67ac5e550521fc" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die Zukunft der Zeitungen sind nicht ihre Journalisten, sondern die Leser. Mit dieser nur vordergr&#252;ndig provokanten Aussage sind wir sehr schnell bei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Schmidt">Eric Schmidt</a> und den <strong>Pl&#228;nen von Google</strong>, die gerade so durchsickern. Sofern man dem <a href="http://www.businessinsider.com/eric-schmidt-reveals-googles-secret-new-plan-for-google-news-2009-4">Silicon Alley Insider</a> trauen darf, wird Google in einigen Monaten eine Art Google News 3.0 herausbringen, das wie eine personalisierte Zeitung funktionieren soll.</p>
<p>Dabei werden die aggregierten Nachrichten von <a href="http://news.google.de/">Google News</a> jedem User individuell nach dessen <strong>pers&#246;nlichen Informationsinteressen</strong> zugef&#252;hrt. Nat&#252;rlich soll dahinter ein Algorithmus stecken (was sonst bei Google?), der Interessen und Vorlieben zuverl&#228;ssig erkennt und damit den individuellen Bedarf an Informationen (mehr oder weniger) perfekt bedienen soll.</p>
<p>Wie belastbar auch immer diese Meldung ist, ein Produkt dieser Art werden wir fr&#252;her oder sp&#228;ter bekommen, sei es von Google oder einem anderen innovativen Internet-Unternehmen. Das Entsetzen der Zeitungsmacher alter Schule dazu kann man sich heute schon lebhaft vorstellen!</p>
<p>Eleganter w&#228;re es freilich, die Medienmacher k&#246;nnten <strong>Google ein Schnippchen schlagen</strong>, ihren Lesern eine attraktive Alternative anbieten und daf&#252;r noch Geld verlangen. So k&#246;nnte es gehen:</p>
<p>Eine St&#228;rke der gro&#223;en Zeitungsmarken ist ihr <strong>Leserstamm</strong>. Dieser bildet das strategische Potenzial und darf nicht l&#228;nger nur als simpler Informationsempf&#228;nger (und Cashcow) gesehen werden. Wie umgedacht werden muss, hat <strong>Alan Rusbridger</strong> (Chefredakteur des <a href="http://www.guardian.co.uk/">Guardian</a>) im <a href="http://carta.info/8659/alan-rusbridger-journalismus-muss-sich-veraendern-um-relevant-zu-bleiben/">Carta-Video</a> anschaulich erl&#228;utert: Er spricht vom Lernprozess, den seine Leitartikler durchmachen mussten, als der Guardian den Lesern erm&#246;glichte, deren Texte (online) zu kommentieren. Dabei gibt er zu, dass in etlichen F&#228;llen kluge Kommentare sachkundiger Leser den Autor widerlegen konnten.</p>
<p>Das Entscheidende ist, dass durch das Zusammenspiel von Autor und kommentierenden Lesern <strong>ein runderes, vollst&#228;ndigeres Bild</strong> zum jeweiligen Thema entsteht. Wer das verstanden und akzeptiert hat, ist auf dem richtigen Weg. Kann n&#228;mlich eine Zeitung auf ein fachkundiges und engagiertes Publikum setzen, werden ihre Nachrichten (bestehend aus Artikel <strong>plus</strong> Leserkommentare) besser sein als die der Konkurrenz, wo wenig oder gar nicht kommentiert wird.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das ein epochaler <strong>Kulturwandel</strong>, der hier von Journalisten und Redakteuren verlangt wird. Manche m&#246;gen sich da sogar ihrer Berufsehre beraubt sehen. Allerdings werden Medienfachleute zugeben m&#252;ssen, dass wir jenseits des Medienwandels auch vor einer <strong>Komplexit&#228;tsspirale</strong> stehen: Egal welches Thema medial aufgegriffen wird, es ist heute meist um vieles komplexer und vielschichtiger als noch vor 20 oder 30 Jahren.</p>
<p>Wissenschaftlich-technischer Fortschritt einerseits und interdisziplin&#228;re Faktoren andererseits stellen also an den Journalismus immer h&#246;here Anforderungen. Dazu kommt die <strong>steigende Schnelligkeit</strong> im medialen System, wo die &#8220;Breaking News&#8221; heute auch auf Twitter oder in Blogs stattfinden k&#246;nnen und somit die <a href="http://medienlese.com/2009/04/27/medienkrise-fuenf-thesen-zum-umbruch/">Monopolstellung</a> klassischer Medien abgeschafft ist.</p>
<p>Ist es da nicht naheliegend, dass Journalisten sich mit ihren Lesern zusammentun und im Dialog f&#252;r <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/04/17/socialmedia/">bestm&#246;gliche Fakten und Argumente</a> sorgen? Der <strong>Aufbau funktionierender Communities</strong> kann f&#252;r Medien also zu einer Frage des &#220;berlebens werden und f&#252;r deren Mitglieder so attraktiv sein, dass sie bereit sind, dies gut zu honorieren.</p>
<p>Was nun das Verh&#228;ltnis zu Google betrifft, kann eine Zeitung getrost weiterhin ihre Artikel Google News zur Verf&#252;gung stellen, solange nur die Debatte ihrer Leser (mit allen Community-Funktionen) exklusiv auf den eigenen Seiten bleibt.</p>
<p>Damit <strong>Bezahlmodelle</strong> hier funktionieren, bedarf es nat&#252;rlich mehr, als der vielfach schon bestehenden Kommentarfunktion. In einer Community m&#252;ssen sich die Mitglieder zwanglos gegenseitig kontaktieren k&#246;nnen. Denkbar ist auch ein direkter Kontakt zur Redaktion. Zudem kann den Mitgliedern der Community Content exklusiv oder mit zeitlichem Vorlauf gegen&#252;ber den einfachen Lesern angeboten werden.</p>
<p>Betrachtet man das <strong>Gesch&#228;ftsmodell</strong> von Online-Medien aus der <a href="http://carta.info/4934/xing-linkedin-aggregation-nachrichten-verlage/">Perspektive der Community</a>, spielt es gar keine Rolle mehr, dass die Nachrichten selbst weiterhin kostenlos ins Internet gestellt werden. F&#252;r die Abonennten aber entsteht ein Anreiz, auch weiterhin f&#252;r &#8220;ihre Zeitung&#8221; zu bezahlen, selbst wenn sie nicht mehr in gedruckter Form erscheint und die meisten Texte jedermann im Netz frei zug&#228;nglich sind. Das Entscheidende ist der neue Mehrwert.</p>
<p>Im Kern geht es also darum, die <strong>eigenen Leser in den Mittelpunkt zu stellen</strong> und sich als offene Dialogplattform zu pr&#228;sentieren. Wer es schafft, sich einen attraktiven und zahlungsbereiten Leserstamm aufzubauen (oder zu erhalten), sollte wirtschaftlich gute Perspektiven haben. Alle anderen m&#252;ssen sehen, wie sie sich &#252;ber Werbung finanzieren und zudem nicht zu sehr von Google und anderen innovativen Internet-Unternehmen bedr&#228;ngt werden.</p>
<p><!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=8765&amp;md5=6bfe41ccf18073a453c9c7a49bbe109e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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