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	<title>CARTA &#187; Finanzkrise</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Der Euro unter Beschuss</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 10:26:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jens Berger ist &#252;ber die Feiertage sehr flei&#223;ig gewesen und hat eine lesenswerte dreiteilige Serie zur Euro-Krise geschrieben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur das Internet hat einen <a href="http://carta.info/7429/herr-diekmann-und-sein-geburtsfehler/">Geburtsfehler</a>, sondern auch der Euro – sagt <em>Spiegelfechter</em> Jens Berger. Im Grunde wiederhole sich jetzt das Szenario, welches bereits das von Helmut Schmidt und Valery Giscard d’Estaing eingef&#252;hrte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europ&#228;isches_W&#228;hrungssystem">EWS</a> 1993 ins Schlingern brachte. Die Deutschen sind einfach zu flei&#223;ig f&#252;r Europa. Vor allem: Sie sind ihrer eigenen Wirtschaftspolitik gegen&#252;ber zu unterw&#252;rfig.</p>
<blockquote><p>„Wenn die Mitglieder einer W&#228;hrungsunion in den Punkten Wachstum, Defizit, Produktivit&#228;t und Leistungsbilanz langfristige Diskrepanzen aufweisen, ist die Gemeinschaft und ihre W&#228;hrung langfristig auch nur durch dauerhafte Transfers zusammenzuhalten.“</p>
<p>„Ohne eine Beseitigung dieser Schieflage wird die Eurozone aber auf Dauer nicht fortbestehen k&#246;nnen. Bereits heute <a href="http://cicero.de/97.php?ress_id=6&amp;item=5648">fordern</a> etliche Volkswirte den Austritt der s&#252;dlichen Problemstaaten aus der Eurozone &#8211; noch mehr Volkswirte <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/Der-Austritt-Deutschlands-al%20s-Loesung-der-EuroKrise/story/11312977">fordern</a> allerdings den Austritt Deutschlands aus der Gemeinschaftsw&#228;hrung.“</p></blockquote>
<p>Die beste Krisen-L&#246;sung w&#228;re laut Berger eine gemeinsame europ&#228;ische Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die aber werde sich Deutschland nicht von den anderen EU-Staaten „aufzwingen“ lassen.</p>
<p><em>Zur Serie </em><em>geht’s hier: </em>Teil <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4759/der-euro-unter-beschuss-i">1</a> + Teil <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4785/der-euro-unter-beschuss-ii">2</a> + Teil <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4797/der-euro-unter-beschuss-iii">3</a>.<em></em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37138&amp;md5=72ab27e4a46c23cae1d79840c9c3ce78" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die S&#252;ddeutsche Zeitung ist echt s&#252;&#223;</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 01:24:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
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		<category><![CDATA[Statistik]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Per Aufmacher verk&#252;ndet das Blatt am 29.12. die gro&#223;e Neuigkeit: „In Deutschland kommen mehr Kinder zur Welt. Zwischen Januar und September 2010 wurden fast 20.000 Babys mehr geboren als ein Jahr zuvor“. Leider ist die Nachricht weder korrekt noch neu noch besonders &#252;berraschend.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Journalisten h&#228;ufig Probleme mit dem Lesen von Statistiken haben, ist bekannt. Wer in Mathe eine F&#252;nf hatte, war meist gut in Deutsch. Und so wurde man halt Journalist.</p>
<p>Solche Journalisten arbeiten z.B. auch bei der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>. Und so lautet die Schlagzeile am 29.12.:</p>
<blockquote><p><em>„In Deutschland kommen mehr Kinder zur Welt“. </em></p></blockquote>
<p>Doch die Zahlen, die da frohgemut als Neuigkeit verk&#252;ndet werden, stehen seit Wochen auf der <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbefaelle/Tabellen/Content75/N1__GeburtenSterbefaelle,templateId=renderPrint.psml">Homepage</a> des Statistischen Bundesamts. Und die „fast 20.000 Babys“ mehr, die der Redakteur f&#252;r die Monate Januar bis September errechnet hat, sind in Wahrheit 17.900. Okay, das kann im &#220;berschwang der Positivmeldungen schon mal passieren.</p>
<p>Betrachten wir nun den Vorspann des SZ-Aufmachers. Der lautet:</p>
<blockquote><p><em>„Die Zahl der Geburten in Deutschland ist in den ersten neun Monaten des Jahres 2010 stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen zwischen Januar und September insgesamt etwa 510 000 Kinder zur Welt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 492 000 Kinder. Das entspricht einem Plus von 3,6 Prozent. Ein derart gro&#223;er Zuwachs war im gesamten letzten Jahrzehnt nicht feststellbar.“</em></p></blockquote>
<p>Diese Meldung erinnert fatal an die <a href="http://carta.info/5162/babyboom-neue-vaeter-die-statistischen-tricks-der-ursula-von-der-leyen/">Zahlentricks</a> der ehemaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen. Denn der Anstieg der Kinderzahl um 17.900 liegt einfach daran, dass die Geburtenzahl von 2008 auf 2009 um 17.400 <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbefaelle/GeburtenSterbefaelle.psml">gesunken</a> war. Die Kinderzahl des Jahres 2010 liegt also in etwa auf dem Niveau des Jahres 2008. <strong>Die signifikante Delle des Jahres 2009 ist vor allem die Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise.</strong></p>
<p>Das aber bestreitet die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> in ihrem Bericht. Dort hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p><em>„Bemerkenswert ist auch, dass die Wirtschaftskrise in Deutschland offenbar keinen Einfluss auf die demographische Entwicklung nahm. H&#228;tten sich die Deutschen nach Beginn der Krise im November 2008 entschieden, ihre Kinderw&#252;nsche aufzuschieben oder aufzugeben, w&#228;re dies vom Herbst 2009 an in der Statistik deutlich geworden. Dies ist jedoch nicht der Fall&#8230;“</em></p></blockquote>
<p>Doch! Dies ist der Fall! Denn die offene Finanzkrise begann nicht erst im November 2008, sondern bereits im <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007">September</a>. Aber so genau nimmt es unser SZ-Journalist ja nicht. Es k&#246;nnte die beabsichtigte Aussage gef&#228;hrden.</p>
<p>Tatsache ist: <strong>Die Finanzkrise ist ein wesentlicher Grund f&#252;r den Geburtenr&#252;ckgang des Jahres 2009 gewesen. </strong>In Krisenzeiten sind Geburtenraten stets r&#252;ckl&#228;ufig.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus behauptet die SZ, die Geburtenrate sei nach Einf&#252;hrung des Elterngeldes 2007 „deutlich gestiegen“, n&#228;mlich von 1,33 Kindern pro Frau auf 1,37 Kinder pro Frau. Begr&#252;ndung der SZ: Im Jahr 2007 sind 12 000 Kinder mehr auf die Welt gekommen als 2006. Doch auch dieses Plus beruht wieder nur auf der Tatsache, dass die Kinderzahl von 2005 auf 2006 um 13.000 gesunken war. Im Mittel ergibt sich also keinerlei Ver&#228;nderung. In den Jahren 2005, 2007, 2008 und 2010 liegt die Kinderzahl in etwa auf dem gleichen Niveau. Nur 2006 und 2009 gibt es eine Delle.</p>
<p><strong>Das einzige, was die Kinderzahl im Lauf der letzten beiden Jahrzehnte entscheidend beeinflusst hat, ist die Erholung Ostdeutschlands vom Schockzustand der Nachwendezeit.</strong> Denn die schwere Wirtschafts- und Umstellungskrise zeigte sich vor allem in einem drastischen Geburtenr&#252;ckgang im Osten, zuv&#246;rderst <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/GeburtenSterbefaelle/Tabellen/Content50/GeburtenZiffer,templateId=renderPrint.psml">in den Jahren</a> der besonders hohen Unsicherheit zwischen 1992 und 1995. Seither ist die ostdeutsche Geburtenziffer pro Frau von 0,77 (1994) auf 1,40 (2009) gestiegen, hat sich also fast verdoppelt.</p>
<p>Die Westdeutschen mussten einen &#228;hnlichen Wirtschafts-Schock nur andeutungsweise verkraften. Ihre Geburtenziffer ging nach der Wende lediglich auf 1,33 Kinder pro Frau zur&#252;ck und pendelt seit 2001 zwischen 1,34 und 1,38.</p>
<p>Das immer wieder versuchte Hochjubeln von Geburtenzahlen ist gezielte Desinformation oder Zahlen-Schlamperei. Ein stabiler Trend zu mehr Kindern ist bislang nirgends auszumachen.
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		<title>Die Bundes-Fee. Eine heitere Geschichte aus dem M&#228;rchenland der Banken</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Sep 2010 21:32:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In dieser Nacht - der Nacht zum 1. Oktober - lagert die Hypo Real Estate ihr Gesch&#228;ftsrisiko aus: Ihre Schrottpapiere wandern in die dunklen Tresore einer „Bad Bank“. Gesamtvolumen: 191 Milliarden Euro. Und die Lehre aus der Transaktion? Es ist v&#246;llig egal, was eine Bank kauft - sie gewinnt immer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/86fb20b24e6647bb93803adf45115899" width="1" height="1" alt=""/>Der gute Hans-Werner hatte sich verzockt. Er hatte f&#252;r 1 Milliarde Euro blaue Bierdeckel gekauft, weil ihm die internationalen Deckelverk&#228;ufer durch ihre Rating-Agenturen versichert hatten, dass die Menschen in der heutigen Zeit ihr Bier am liebsten auf blauen Untersetzern trinken. Also lieh sich Hans-Werner 1 Milliarde Euro von seinen Freunden und versprach ihnen eine Rendite von mindestens 20 Prozent. Die blauen Deckel stapelte er in seinem Heizungskeller.</p>
<p>Dann brach die Krise aus. Die Menschen tranken weniger Bier, und &#8211; was noch schlimmer war &#8211; sie zogen pl&#246;tzlich orangefarbene Bierdeckel den blauen vor. Hans-Werner blieb auf seinen blauen Deckeln sitzen.</p>
<p>Er h&#228;tte sie mit hohen Verlusten absto&#223;en k&#246;nnen, aber er dachte: Vielleicht werden die Zeiten ja wieder besser und die Farbe Blau wird erneut modern. Doch seine Freunde zeigten keine Geduld mit ihm. Sie verlangten die versprochenen Zinsen auf ihre Einlagen.</p>
<p>Was sollte Hans-Werner tun? Den Offenbarungseid leisten? Insolvenz anmelden? Eingestehen, dass er sich verzockt hatte?</p>
<p>Das wollte Hans-Werner auf keinen Fall. Also klapperte er seine Freunde ab und sagte ihnen: Wenn ich genug Geld h&#228;tte, um jetzt die orangefarbenen Bierdeckel zu kaufen, dann k&#246;nnte ich euch das Dreifache eurer Zinsforderungen zur&#252;ckzahlen und noch weitere Hyper-Gesch&#228;fte machen – zum Beispiel mit gr&#252;nen Bierdeckeln, die n&#228;chstes Jahr der absolute Hit sein werden. Doch die Freunde sch&#252;ttelten zornig ihre K&#246;pfe und glaubten ihm kein Wort mehr.</p>
<p>Hans-Werner hockte darob traurig in seinem Zimmer und war pleite.</p>
<p>Da flog eine gute Fee durch den Schornstein in sein Zimmer und sagte: Du Dummerle! Du musst doch nicht weinen! Du schleppst jetzt einfach deine unverk&#228;uflichen blauen Bierdeckel in die Abstellkammer, h&#228;ngst das Schild <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/hre364.html">„b&#246;se“</a> davor und wirfst nie wieder einen Blick in die Kammer des Schreckens. So gewinnst du Platz f&#252;r die orangefarbenen Deckel im Heizungskeller. <strong>Und jetzt kommt der Zaubertrick! </strong>Wir tun einfach so, als w&#228;ren die blauen Bierdeckel in der Kammer des Schreckens immer noch der gro&#223;e Renner. Das hei&#223;t, ich kaufe sie dir zu dem Preis ab, den du dir damals ertr&#228;umt hast. Abz&#252;glich von zehn Prozent Provision nat&#252;rlich. Damit bist du die Schulden los und kannst neues Geld in orangefarbene Deckel investieren.</p>
<p>Hans-Werner sa&#223; da und staunte mit offenem Mund.</p>
<p>Und was geschieht nun mit den blauen Deckeln? fragte er dann.</p>
<p>Ach, zerbrich’ dir dar&#252;ber nicht den Kopf, sagte die gute Fee und kicherte. Ich lass’ sie einfach in der Abstellkammer liegen. Irgendwann, wenn keiner mehr dran denkt, schmei&#223; ich sie weg.</p>
<p>Aber woher hast du so viel Geld f&#252;r einen so gro&#223;en Haufen Schei&#223;e? fragte Hans-Werner gereizt und machte ein ungl&#228;ubiges Gesicht.</p>
<p>Die Fee sch&#252;ttelte belustigt ihre blonden Glitzer-Str&#228;hnchen. Dann sagte sie: Ich bin doch eine Fee, du Dummkopf, ich kann aus Schei&#223;e Gold machen. Ich bekomme so viel Geld wie ich will, denn die gro&#223;e Bundes-Fee b&#252;rgt immer f&#252;r mich.</p>
<p>Die Bundes-Fee?? fragte Hans-Werner noch etwas ungl&#228;ubiger.</p>
<p>Ja, sagte die Fee. Die Bundes-Fee kann Schulden machen so viel sie will. Die Menschen werden ihre Schulden eines Tages begleichen. Man muss nur fest dran glauben!</p>
<p>Hans-Werner wurde nachdenklich. Nach einer langen Pause fragte er vorsichtig: Es ist also v&#246;llig egal, welche Bierdeckel ich zu welchem Preis kaufe?</p>
<p>Ja, sagte die Fee.</p>
<p>Hans-Werners Gesicht begann vor Begeisterung zu leuchten. Ich kann also die d&#252;mmsten Gesch&#228;fte machen &#8211; es passiert mir nichts?</p>
<p>Ja, sagte die Fee.</p>
<p>Ich muss nur Geld anlegen, egal wo, egal wof&#252;r, egal wie viel?</p>
<p>Ja, sagte die Fee. Es ist v&#246;llig egal.</p>
<p>Ich bin im Paradies, jubelte Hans-Werner und zwickte sich in den Arm, weil er es nicht fassen konnte.</p>
<p>Es gibt nur eine winzige Voraussetzung, sagte die gute Fee mit der bet&#246;rend bes&#228;nftigenden Stimme: den Glauben, dass alles gut geht. Letzten Endes m&#252;ssen die Menschen <a href="http://umfrage.tagesschau.de/umfrage/poll_dbdata.php?oid=hre362">dran glauben</a>.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34678&amp;md5=3a51d31f3308e2979dae4606400d54ee" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die geheime Strategie von Schwarz-Gelb: Aufschwung</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Jul 2010 12:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angela Merkel und ihre Koalition setzen auf das Prinzip Hoffnung. Das scheint klug, es ist auf jeden Fall besser, als auf die eigenen Leistungen und die Einsicht der W&#228;hler zu setzen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8f13cf2ad6454f9b939217f71222b56a" alt="" width="1" height="1" />Seit Wochen r&#228;tseln die Berliner Auguren, wie Schwarz-Gelb aus  der Krise kommen will, nachdem bisher aus jedem Neustart ein neuer  Fehlstart wurde. Schaffen die K.o.alition&#228;re die Wende oder d&#252;mpeln sie  die n&#228;chsten drei Jahre ihrer Abwahl entgegen? Wieso beh&#228;lt Angela  Merkel ihre stoische Ruhe (<a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/Merkel-laechelt-die-Krise-weg_aid_884798.html">“Mir macht’s Spa&#223;”</a>), obwohl Schwarz-Gelb von  einem Umfragetief ins n&#228;chste f&#228;llt? Gibt es einen geheimen Plan, der  noch alles wenden kann?</p>
<p><a href="http://www.focus.de/magazin/"><img class="alignright size-full wp-image-31178" title="focus" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/focus.jpg" alt="" width="135" height="167" /></a>Rainer Br&#252;derle, die alte Plaudertasche, hat das Geheimnis  jetzt verraten – und das fast un&#252;bersehbar: er posiert auf dem neuen <a href="http://www.focus.de/magazin/"><em>Focus</em>-Titel</a> mit dicker Zigarre und Ludwig-Erhard-Bibel (“Wohlstand f&#252;r  alle”) und verk&#252;ndet: Ja, der Aufschwung ist da. Ganz so, als habe er  ihn selbst erfunden.</p>
<p>Damit ist die geheime Strategie von Schwarz-Gelb vorzeitig enth&#252;llt  worden: Angela Merkel und ihre Mannen setzen auf das Prinzip Hoffnung.  Das scheint klug, es ist auf jeden Fall besser, als auf die eigenen  Leistungen zu setzen. Denn die kommen beim Publikum gar nicht an:</p>
<p>Die  W&#228;hler wollen einfach nicht einsehen, wie wichtig die  Mehrwertsteuersenkung f&#252;r Hotels war, wie gerecht ein Sparpaket ist,  dass Hartz-IV-Empf&#228;nger belastet, aber Besserverdienende schont, und was f&#252;r eine innovative Gesundheitsreform die Erh&#246;hung der  Krankenkassenbeitr&#228;ge ist.</p>
<p>Deshalb also jetzt der Aufschwung. Er soll nicht nur Deutschland  flottmachen, sondern auch die schwarz-gelbe Karre aus dem Dreck ziehen.  Die Hoffnung: Jeder neue Auftrag aus Rotchina ist eine Stimme f&#252;r die  Gelben, jeder Arbeitslose weniger eine Stimme f&#252;r die Schwarzen.  Sp&#228;testens im Fr&#252;hjahr 2011, zu Beginn des neuen Superwahljahres mit  sechs Landtagswahlen, wird die frohe Botschaft von jedem Plakat  verk&#252;ndet werden: Der Aufschwung ist da. Danke, Angela Merkel. Und dann,  so Teil 2 der geheimen Strategie, wird daraus ein selbstragender  Aufschwung auch f&#252;r 2013.</p>
<p>Dabei scheint es fast nebens&#228;chlich, dass die jetzige Bundesregierung  weder f&#252;r den Aufschwung noch f&#252;r die niedrigeren  Arbeitslosenzahlen etwas kann. Den Aufschwung verdankt Deutschland dem  Export, dem Importhunger asiatischer L&#228;nder, und den  Konjunktur-Programmen der gro&#223;en Koalition. Die niedrigere  Arbeitslosenzahl der Kurzarbeiteregelung des ehemaligen  SPD-Arbeitsministers Olaf Scholz und der demographischen Entwicklung.  Und schon gar nicht Rainer Br&#252;derle.</p>
<p>Pech w&#228;re es f&#252;r Schwarz-Gelb, wenn die W&#228;hler weiter so uneinsichtig  und verstockt blieben. Und das Sparpaket zum Beispiel weiter f&#252;r sozial  unausgewogen halten, den Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht wollen,  Sparen im Gesundheitssystem besser finden als Beitragserh&#246;hungen – und  dem Personal von Schwarz-Gelb weiterhin weder vertrauen noch etwas  zutrauen. Dann w&#252;rde der sch&#246;ne Aufschwung f&#252;r Schwarz-Gelb schnell  verpuffen. Und die Regierung m&#252;sste sich doch noch selbst etwas  einfallen lassen.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint als Crossposting via Michael Sprengs Blog <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3449">Sprengsatz</a>.</em></p>
<p><em>Anmerkung der Redaktion: Da ist es schon fast schade, dass der Focus in seinem <a href="http://www.focus.de/magazin/videos/focus-titel-ja-der-aufschwung-ist-da_vid_18912.html">Werbevideo</a> f&#252;r die Printausgabe dieser geheimen Strategie bereits jetzt geradezu &#252;berschw&#228;nglich (&#8220;neues Wirtschaftswunder&#8221;) vorgreift:</em></p>
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		<title>Oktopussikratie: Ich glaub, mich tritt ein Tintenfisch!</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 18:49:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Kanzleramt sollte zu einem Aquarium umgebaut werden! Denn Kraken-Orakel Paul ist unser neuer Medien-Superstar und Sport-Vorhersagen sind f&#252;r ihn schon jetzt eine Nummer zu klein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3006aaae985944e6a0178d46b000a90e" alt="" width="1" height="1" />Deutschland bringt sie hervor, die jungen Stars, die die Weltpresse feiert, f&#252;r die uns alle L&#228;nder rund um den Globus beneiden. Erst Lena, dann unsere junge, multikulturelle Fu&#223;ball-Nationalmannschaft. Doch all das war erst der Vorgeschmack f&#252;r den neusten aller Medienstars: Paul, das Tentakel-Orakel, der Fu&#223;ball-Prophet, das schwimmende Ph&#228;nomen. Unseren Krake, der alle WM-Spiele der deutschen Mannschaft richtig getippt hat.</p>
<p>Ein Wahrsager, der zum Helden – neuerdings in Spanien, kann sich aber schnell &#228;ndern – f&#252;r die einen wird, zum gehassten Speisewunsch zum Mittagessen f&#252;r die anderen – seit gestern Abend Deutschland, zuvor schon Argentinien, England und die ganzen anderen halt. Paul ist &#252;berall. Paul ist bei der Bild – ger&#252;chteweise zun&#228;chst exklusiv nach mit eigener Tinte unterschriebenem Vertrag –, Paul ist bei Facebook, Paul ist im Fernsehen.</p>
<p>Und wie es sich seit neuestem f&#252;r unsere <strong>Instant-Medien-Helden des Jahres 2010</strong> geh&#246;rt, dauert es nicht lang, dann rufen bereits h&#246;here Weihen. Und seien wir ehrlich: Paul ist der erste der genannten Stars, f&#252;r den wirklich eine Reihe von Jobs in Frage k&#228;me. Von daher: Schluss mit dem Facebook-Profil, auf Xing muss das Viech!</p>
<p>Als erstes k&#246;nnte sich Forsa bei ihm melden. Wer Fu&#223;ballspiele ohne Hilfe der italienischen Wettmafia richtig vorhersehen kann, der wird es auch schaffen, den Ausgang von Landtags- und Bundestagswahlen richtig vorherzusagen. N&#228;her dran sein als unsere Meinungsforschungsinstitute d&#252;rfte generell zunehmend leichter geworden sein. Und au&#223;erdem, hey, wir reden hier von Paul, dem super-dupa-mega-&#252;ber-Orakel. Wof&#252;r &#252;berhaupt noch w&#228;hlen? Sparen wir uns den Aufwand und die Kosten! Paul bestimmt die Regierung. <strong>Die Oktopussikratie wird eingef&#252;hrt.</strong> Und wieder w&#252;rden uns alle beneiden.</p>
<p>Wobei: Warum mit halben Sachen begn&#252;gen? Machen wir Paul doch am besten selbst zum Kanzler. Er w&#252;rde die n&#228;chste Bankenkrise rechtzeitig vorhersehen, <strong>er w&#252;sste schon jetzt, was das Volk morgen will, w&#228;hrend die derzeitige Regierung den Anschein macht, nicht einmal heute zu wissen, was sie selbst gestern wollte.</strong> Paul w&#228;re anders: Paul k&#246;nnte seinen gesamten G8-Kollegen gleichzeitig die Hand sch&#252;tteln und h&#228;tte immer noch einen Arm frei, um zum Wohle des deutschen Volkes zu arbeiten.</p>
<p>Ja, wir sind gro&#223;artig! Wir sind Deutschland! Wir sind Paul! Einfach nur Paul. Nicht ausgeschieden, sondern Paul, nicht haushoch verschuldet, sondern Paul, nicht nachrichtenrelevant, sondern Paul.
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		<title>Der Westen 2010: Am Vorabend der tats&#228;chlichen Krise</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 13:54:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ronnie Grob</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Keynesianismus, Enteignungen, radikaler Staatsabbau, Schulden anh&#228;ufen im Schneeballsystem – westliche Regierungen erscheinen wie zitternde Spieler um 5 Uhr morgens am Pokertisch. Wann trifft uns die alles in den Schatten stellende Krise?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/879c032e3f7e4e16a1569f197b900c61" alt="" width="1" height="1" />Es meinen ja viele, die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007">Finanzkrise ab 2007</a> sei das Tal der Tr&#228;nen gewesen, aus dem wir jetzt dann bald, wenn nur alle gemeinsam anpacken und mithelfen, wieder rausfinden. So jedenfalls wird es von Politikern aller Lager heruntergebetet, von Verbandspr&#228;sidenten, von CEOs, von NGOs, von allen m&#246;glichen Leuten, die in der Verantwortung stehen. Die F&#252;hrungsschicht, die sogenannte Elite, gibt sich tapfer und ruft Durchhalteparolen aus. Nichts neues, das war im Krieg nicht anders. Wenn nur die Manager nicht so gierig w&#228;ren und die Deutschen nicht so geizig mit den Griechen, wenn man nur die Steuern heben oder senken k&#246;nnte, wenn nur alle endlich vern&#252;nftig werden, dann, ja dann k&#246;nnte es bald wieder aufw&#228;rts gehen.</p>
<p>Von mindestens einer Branche, den <strong>Printverlagen</strong>, wei&#223; man, dass solche verbalen Beruhigungspillen, angeblich vertrauensbildende Ma&#223;nahmen, Quatsch sind. Nicht wenige der Aussagen von Aush&#228;ngeschildern der Branche, die den Einfluss des Internets auf das eigene Gesch&#228;ft verharmlost haben, sind l&#228;ngst wie ein Kartenhaus zusammengebrochen. Und es ist abzusehen, dass es bald noch viel schlimmer kommen wird f&#252;r viele Journalisten und Verlagsmitarbeiter. Man wei&#223; das, weil man mit der Sachlage ganz gut vertraut ist und nun schon <strong>seit Jahren den Bedeutungsverlust, den Schrumpfungsprozess, die Aufgabe von Werten</strong> mitverfolgt.</p>
<p>Mit Deutschland, mit Europa, mit dem Westen wird es genauso kommen. Nicht alle, aber viele Einwohner des Westens sind tr&#228;ge und bequem geworden. Sie leben in aufgebl&#228;hten, ineffizienten, teilweise sinn- und nutzlosen Strukturen. Obwohl die B&#252;rger mit hohen Steuern belastet werden und dem Staat so ein regelm&#228;&#223;iges Einkommen garantieren, reichen diese (zusammengez&#228;hlt gigantischen) Betr&#228;ge den gew&#228;hlten Politikern nicht aus, um vern&#252;nftige staatliche Strukturen zu schaffen. Sie verbrauchen nicht nur jedes Jahr alle zugesprochenen Betr&#228;ge, sondern viel mehr dazu.</p>
<div id="attachment_30360" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/schulden.jpg"><img class="size-medium wp-image-30360" title="schulden" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/schulden-300x165.jpg" alt="" width="300" height="165" /></a><p class="wp-caption-text">Bild: Screenshot aus dem PDF Schulden des &#246;ffentlichen Gesamthaushaltes 2008 des Statistischen Bundesamts Deutschland (f&#252;r eine gr&#246;&#223;ere Version bitte auf das Bild klicken, Link s.u.)</p></div>
<p>Erinnert sich jemand an den Skandal mit dem Namen <a href="http://blog.ronniegrob.com/2009/07/21/skandal-cross-border-leasing/">&#8220;Cross-Border-Leasing&#8221;</a>? Lokalpolitiker in Bremen, Halle, Ludwigshafen, Rostock, K&#246;ln, Berlin, D&#252;sseldorf, Jena, Bielefeld, Essen, Dresden, Bonn, Kassel, Darmstadt, Herford, Wittenberg, N&#252;rnberg, Konstanz, Zwickau, Duisburg, Kaiserslautern, Heidenheim, Magdeburg, Ulm, Mannheim und anderen St&#228;dten machten Stra&#223;enbahnen, Kl&#228;ranlagen, Messehallen, Krankenh&#228;user oder Schulen zu Geld, in dem sie diese f&#252;r zum Teil 99 Jahre an US-amerikanische Investoren &#252;berschrieben.</p>
<p>Dieses Verhalten resultiert in einer Aufh&#228;ufung von kaum noch fassbaren finanziellen Verpflichtungen, die teils anderen westlichen Staaten, teils den aufstrebenden Staaten und Industrien des nahen und fernen Ostens geschuldet werden. <strong>Es stellt sich die Frage, gegen was B&#252;rger noch demonstrieren wollen, wenn alles verh&#246;kert wurde.</strong> Die <a href="http://www.steuerzahler.de/">Schuldenuhr</a> (<a href="http://twitter.com/schuldenuhr">@schuldenuhr</a>) z&#228;hlt derzeit &#252;ber 21&#8217;000 Euro Schulden pro Kopf. Pro Sekunde wachsen sie um 4&#8217;481 Euro.</p>
<p>Alarmiert schn&#252;rten verschiedene europ&#228;ische Regierungen in den letzten Wochen &#8220;Sparpakete&#8221;. Wie Gerhard Schwarz in der NZZ vom 13. Juni 2010 feststellte, hat keines von ihnen auch nur den Namen verdient. Denn <strong>ein Sparpaket</strong>, das eine solche Bezeichnung verdient, <strong>schafft R&#252;cklagen f&#252;r schwierige Zeiten, und das bei einer positiven Bilanz.</strong> Tats&#228;chlich aber pr&#228;sentieren alle Sparvorschl&#228;ge nur Rechnungen, bei denen sich die Regierung vornimmt, in Zukunft weniger neue Schulden zu machen als bisher. Der NZZ gem&#228;&#223; f&#252;hrt nicht eines dieser &#8220;Sparpakete&#8221; zu einer ausgeglichenen oder gar positiven Rechnung. Und wie wir alle wissen, werden beschlossene Einsparungen durch unvorgesehene Ausgaben schnell wieder gegenstandslos. Grade problematische Zeiten bescheren uns viele angeblich &#8220;unvorhersehbare Ausgaben&#8221;.</p>
<p>Auch die schwarz-gelbe Regierung in Deutschland stellte ein halbherziges Sparpaket vor, das tats&#228;chlich die Frechheit hatte, Abstriche am (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundeshaushaltsplan_2008.png">rund die H&#228;lfte aller Ausgaben ausmachenden</a>) Sozialstaat vorzunehmen. Und was ist die Reaktion? Unzufriedene B&#252;rger demonstrieren in Berlin. Und mindestens einer von ihnen f&#252;gt dabei zwei Polizeibeamten &#8220;schwere Brand- und Fleischverletzungen&#8221; zu (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=g11JHTTSCjM">Video</a>).</p>
<p>Die Zeitungen und Zeitschriften, zuletzt der &#8220;Spiegel&#8221;, machen Druck gegen die Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP und wollen sie zum <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,ausg-4712,00.html">&#8220;Aufh&#246;ren&#8221;</a> bringen. Aber was dann? Wird eine Linkskoalition den <strong>dringend ben&#246;tigten Staatsabbau</strong> durchsetzen? Nat&#252;rlich nicht.</p>
<p>Gibt es denn keine Alternative zum sparen? <a href="https://twitter.com/mediumflow/status/16133152024">Offenbar doch</a>:</p>
<p><img class="size-full wp-image-30359" title="tweet-sparpaket" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/07/tweet-sparpaket.jpg" alt="Tweet von mediumflow am 14. Juni 2010" width="553" height="255" /></p>
<p>Klar gibt es diese Alternative. Enteignungen entziehen aber dem Modell der Marktwirtschaft die Grundlage und &#246;ffnen somit der vor zwanzig Jahren gescheiterten sozialistischen Staatsform weit die T&#252;r. Mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Finanzmarktstabilisierungserg%C3%A4nzungsgesetz">Finanzmarktstabilisierungserg&#228;nzungsgesetz</a> hat Deutschland Enteignungen bereits gesetzlich verankert. Das vereinte Deutschland geht also einen Weg, der schon die DDR in die Aufl&#246;sung trieb. Heraus kommt ein <strong>Staat als aufgebl&#228;hter Riesenapparat</strong>, der seine B&#252;rger in m&#246;glichst jedem Lebensbereich kontrollieren m&#246;chte. Mit Galeeren von Funktion&#228;ren, die ein Grundmisstrauen den eigenen B&#252;rgern gegen&#252;ber hegen.</p>
<p>Das wird immer wieder scheitern, und zwar an zwei Punkten:</p>
<ol>
<li>An der Freiheitsliebe der B&#252;rger, die irgendwann durchbricht.</li>
<li>An der den Staat finanzierenden Wirtschaft, die unter einer massiven Steuerbelastung und Staatskontrolle schrumpft und fl&#252;chtet.</li>
</ol>
<p>Ein weiteres Rezept hei&#223;t <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Keynesianismus">Keynesianismus</a>, wie ihn der Journalist Robert Misik in seiner Videokolumne mit dem zynischen Titel <a href="http://derstandard.at/1276412953156/Jupie-wir-sparen-uns-kaputt">&#8220;Jupie, wir sparen uns kaputt!&#8221;</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Flassbeck">Heiner Flassbeck</a>, ein Ex-Staatssekret&#228;r des Finanzministeriums, <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/1208260/">in einem Interview</a> propagieren. Also auch dann staatliche Investitionen zu t&#228;tigen, wenn gar keine Mittel dazu vorhanden sind. Also das zu tun, was zum Schuldenberg gef&#252;hrt hat (und ihn weiter erh&#246;hen wird). Und einfach darauf zu hoffen, dass die Gl&#228;ubiger weitere Gelder zur Verf&#252;gung stellen, vielleicht irgendwann ganz auf ihre Forderungen verzichten werden. Die Gl&#228;ubiger haben das Geld ja freiwillig verliehen, warum also zur&#252;ckzahlen? Auch diese L&#246;sung setzt irgendwann das Recht, Eigentum zu besitzen, zu behalten, zu verleihen und auch wieder zur&#252;ckzuerhalten, also den Grundpfeiler der Marktwirtschaft, in Frage.</p>
<p>&#214;konom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Schiff_%28%C3%96konom%29">Peter Schiff</a> <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur-nachrichten/finanzexperte-peter-schiff-keynes-ist-nonsens;2607131">sagte dem &#8220;Handelsblatt&#8221;</a>, dass er Keynes f&#252;r Nonsens halte und begr&#252;ndete das so:</p>
<blockquote><p>Je mehr Schulden wir aufh&#228;ufen, umso gr&#246;&#223;er wird das Problem. Im Grunde l&#228;uft es wie in einem riesigen Schneeballsystem, wie bei Madoff: So lange man uns immer wieder Geld leiht, passiert nichts. Sobald die Unterst&#252;tzung aber ausbleibt, wird der n&#228;chste Abschwung noch heftiger als der j&#252;ngste. Die Rekordpreise beim Gold zeigen eine Stagflation an. Wenn wir nicht aufh&#246;ren, einen schuldenfinanzierten Staatsapparat zu vergr&#246;&#223;ern, werden Investoren bald auf den Kollaps der Dollar-Zone wetten.</p>
<p>(&#8230;) Die US-Wirtschaft wird sich niemals erholen, so lange wir nur k&#252;nstlich stimulieren. Sonst m&#252;sste Simbabwe heute ein reiches Land mit hohem Lebensstandard sein, weil sie wie verr&#252;ckt stimuliert haben. Wir brauchen nicht noch mehr Schulden, um in den USA noch mehr zu konsumieren. Wir m&#252;ssten statt dessen mehr produzieren und unsere Ersparnisse zur&#252;ckbauen.</p></blockquote>
<p>Ich wei&#223; nicht, wie es anderen geht, aber <strong>auf mich machen die westlichen Regierungen den Eindruck von Spielern, die zitternd und mit kaltem Schwei&#223; auf der Stirn um 5 Uhr morgens am Pokertisch sitzen</strong>. Jedes von den Medien gepushte Thema wird zur &#8220;Chefsache&#8221; gemacht. Um sich nichts vorwerfen zu lassen, arbeiten die Politiker Tag und Nacht und reisen wie Jet-Setter um die Welt. Sie hetzen von einer Konferenz zur n&#228;chsten, halten eine Rede nach der anderen und nehmen dazwischen diesen und jenen Preis entgegen oder ehren mal die oder jene. Politiker <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Koch">Roland Koch</a> &#252;berraschte viele mit seinem pl&#246;tzlichen R&#252;ckzug aus der Politik, den er nur vage begr&#252;ndete. Hat er vielleicht nur das Rettungsboot eines sinkenden Schiffs bestiegen, um fr&#252;hzeitig und sicher das Festland zu erreichen?</p>
<p>Nun gut, und wann soll jetzt diese Krise, die alle anderen Krisen in den Schatten stellt, eintreffen? In zwei Monaten? In zwei Jahren? In zwanzig Jahren? Vielleicht sogar im Apokalypse-Jahr <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/2012_phenomenon">2012</a>? Man wei&#223; es nicht. Und es mag gut sein, dass alles noch eine Weile weiter l&#228;uft wie bisher. Ein harter Aufschlag ist aber absehbar, das schreibt auch Richard David Precht in einem <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,703254,00.html">&#8220;Spiegel&#8221;-Essay</a> vom 28. Juni:</p>
<blockquote><p>Wie ein Dinosaurier torkelt der Staat seinem evolution&#228;ren Ende entgegen. Den baldigen Meteoriteneinschlag ahnt er, aber er hat ihm nichts entgegenzusetzen: nicht der Schuldenexplosion, der er mit Sch&#246;nheitskosmetik begegnet, nicht der immer gr&#246;&#223;eren Kluft zwischen Arm und Reich, nicht der Versteppung der Kommunen, nicht der psychischen Umweltverschmutzung durch die Werbung, ganz zu schweigen von den Gefahren des Klimawandels. Die &#246;kologische, monet&#228;re und soziale Kreidezeit nimmt er als gegeben hin.</p></blockquote>
<p>Am Schluss guckt dann wieder <a href="http://www.bundeskanzlerin.de/nn_700276/Content/DE/Interview/2009/11/2009-11-14-interview-bk-faz.html">die schw&#228;bische Hausfrau</a> aus dem Fenster, die ihre Sp&#228;tzle noch selber macht und nicht &#252;ber ihre Verh&#228;ltnisse lebt. Und winkt.</p>
<p>Das Problem ist: Die schw&#228;bische Hausfrau hat l&#228;ngst graue Haare und ein k&#252;nstliches Gelenk. Ihr Mann ist im Pflegeheim. Ihre Kinder sind dem Rentenalter nahe. Und die Enkel wohnen in Berlin, wollen nicht heiraten und kriegen nur Vertr&#228;ge auf Zeit. Das ist Deutschland 2010. Das ist der Westen 2010.</p>
<p><em>Dieser Artikel erscheint auch im Blog von <a href="http://blog.ronniegrob.com/2010/07/07/am-vorabend-der-tatsaechlichen-krise/">Ronnie Grob</a>.</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>PDF <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/WirtschaftStatistik/FinanzenSteuern/SchuldenGesamthaushalt2008,property=file.pdf">&#8220;Schulden des &#246;ffentlichen Gesamthaushaltes 2008&#8243;</a> des Statistischen Bundesamts Deutschland.</em>
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<a href="http://carta.info/30358/der-westen-2010-am-vorabend-der-tatsaechlichen-krise/">Der Westen 2010: Am Vorabend der tats&#228;chlichen Krise</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/30358/der-westen-2010-am-vorabend-der-tatsaechlichen-krise/#comments">28 comments</a>
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		<title>Das „Jetzt-sind-wir-dran“-Problem der CDU</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 12:56:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Union schneidet in Umfragen so schlecht ab wie zuletzt bei der Spendenaff&#228;re und kaum jemand erwartet mehr, dass die Politik die Wirtschaft bestimmen kann. F&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung muss Politik in der Krise jedoch nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Verliert die CDU ihr wichtigstes Wahlmotiv "Wirtschaftskompetenz"?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4f13941f916844d994e5cab9c5dcc48d" width="1" height="1" alt=""/>Normalerweise ist Krisenzeit CDU/CSU-Zeit. Die Union gilt als die Partei mit der deutlich besseren Kompetenz in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Und wurde bislang immer dann gerne gew&#228;hlt, wenn es Deutschland schlecht ging. Denn: In der Krise geht es ums &#220;berleben. In Boomzeiten um gerechtes Verteilen.</p>
<p>2010 ist alles anders: Der Beunruhigungspegel in der Bev&#246;lkerung &#252;berschreitet die nie dagewesene 90-Prozent-Marke, 85 Prozent erwarten eine dauerhafte Rezession. Kriegs-, Arbeitsplatz- und Inflationsangst hegen inzwischen fast 70 Prozent der Deutschen, sind pr&#228;sent wie nie zuvor. Und die Union liegt mit 31 Prozent in der Sonntagsfrage so schlecht wie seit der Spendenaff&#228;re im Jahre 2000 nicht mehr. Nur noch 66 Prozent ihrer (wenigen) W&#228;hler vom September 2009 w&#252;rden sie heute wiederw&#228;hlen, jeder f&#252;nfte – vornehmlich die eher rechten &#8211; ist inzwischen ins Lager der Nicht-W&#228;hler abgewandelt. Obwohl die SPD f&#252;r die meisten W&#228;hler keine wirkliche Alternative darstellt, ist sie von 23 auf 28 Prozent gestiegen. </p>
<p>Wieso ist das so? Weil Kompetenzzuschreibung bei der Wahlentscheidung nur noch wenig z&#228;hlt. Weil die Union ein h&#246;chst veraltertes Wirtschafts- und kein Arbeitsmarktprofil mehr hat. Weil sich das Bild von der „guten Wirtschaft“ grundlegend gewandelt hat. Und <strong>weil aus dem deutschen Gutmenschen in Zeiten einer dauerhaften Krise der „Jetzt-sind-wir-dran&#8221;-B&#252;rger geworden ist.</strong></p>
<p>Kompetenz unwichtig? Sp&#228;testens Banken- und Griechenlandkrise haben aus der Gestaltungs- das Feuerl&#246;scherprimat der Politik entwickelt. Und da stehen die Parteien ziemlich hilflos da. Fast jeder Zweite antwortet inzwischen „Keine von allen“ auf die Frage nach der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskompetenz. Nicht die Politik bestimmt die Wirtschaft, es ist genau umgekehrt: Die Multis dominieren! Die Regierung – so die Deutschen – ist nur noch gefordert, wenn Verluste sozialisiert werden sollen. 75 Prozent beklagen die „systemische Subventionitis“. Und gerade noch 19 Prozent erwarten, dass die Politik es schaffen k&#246;nnte, Bankenspekulationen zuk&#252;nftig zu verhindern.  </p>
<p>Kein Markenprofil? &#220;ber 70 Prozent der Deutschen sehen inzwischen f&#252;r sich keinerlei Ver&#228;nderungen, je nachdem, ob Union oder SPD den Kanzler stellt. Jeweils die eine H&#228;lfte ihrer W&#228;hler will die CDU st&#228;rken sozial-, die andere wirtschaftlich ausgerichtet haben. Und <strong>f&#252;r Zweidrittel der CDU-W&#228;hler geht mit Roland Koch der letzte profilierte Wirtschaftskopf.</strong> Noch 2005 wies die Arbeitsmarktkompetenz der CDU/CSU einen 13 Punkte Vorsprung auf, nun dominieren die Sozialdemokraten mit einem Vorsprung von acht Prozent. „Wof&#252;r steht die CDU?“ Die wenigsten sagen: „F&#252;r Wirtschaftskompetenz“. Und in der Qualit&#228;t ihres Krisenmanagements hat die SPD nun zum ersten Male mit der Union  gleichgezogen.</p>
<p>Ein anderes Wirtschaftsbild? Was „gute“ Wirtschaftpolitik ist, dar&#252;ber gibt es inzwischen einen grundlegenden Einstellungs­wandel unter den Deutschen! Nach „liberal“, das mit &#252;berm&#228;&#223;igen Freiheiten der Wirtschaft, ihre Interessen gegen&#252;ber den Arbeitnehmern rabiat durchzusetzen, assoziiert wird, steht nun auch <strong>„Wirtschaftskompetenz“ auf der Liste wahlsch&#228;digender Begriffe</strong>. Weil Ludwig Erhards Wort nicht mehr gilt: Denn wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es den Besch&#228;ftigten l&#228;ngst nicht mehr gut. Wir sp&#252;ren <em>jobless growth</em>, also Wachstum ohne, schlimmer noch, auf Kosten von „normalen“ Arbeitspl&#228;tzen. „Gute“ Wirtschaftspolitik ist f&#252;r 75 Prozent, die Interessen der Unternehmen mit denen der Besch&#228;ftigten in Einklang zu bringen. Das aber kann die Union nicht mehr garantieren.</p>
<p>Jetzt-sind-wir-dran-Deutsche? Unsere Politik st&#252;tzt die anderen – und denkt an uns zuletzt. Nur noch 19 Prozent erwarten eine Kreditr&#252;ckzahlung der Griechen, die f&#252;r fast 80 Prozent allein die Schuld an ihrem Finanzfiasko tr&#228;gt. Nur 21 Prozent glauben an eine Beteiligung der Banken an den Schutzschildkosten. Daf&#252;r aber 70 Prozent, dass wir uns nicht mehr so viel wie unsere Eltern leisten k&#246;nnen, vor allem, weil wir unser Geld zu stark zweckentfremden. F&#252;r die gro&#223;e Mehrheit muss Politik im Zeitalter maroder Infrastruktur nach dem Motto: „Germany first“ agieren. Und da ist nunmehr vor allem die SPD die Partei der B&#252;rgerinteressen. </p>
<p>Die Union ist dabei, ihr wichtigstes Wahlmotiv, ihr „Erhard-Profil“ – eben das der Partei der sozialen Marktwirtschaft – zu verlieren. Gutmensch sind wir gerne, doch nur, wenn wir uns das auch wirklich leisten k&#246;nnen.
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		<title>Wenn der Euro das Jahrzehnt &#252;berleben soll, darf sich Griechenland nicht wiederholen</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 11:14:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael C. Burda</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Fall Griechenlands hat der Stabilit&#228;tspakt offenkundig massiv versagt. H&#228;tten nationale und EU-Politiker ihre Sorgfaltspflicht im Jahr 2000 richtig ausge&#252;bt, h&#228;tten wir die gegenw&#228;rtigen Probleme nicht. Wir stellen uns eine Reihe von Schwellenwerten vor, die schon bei Budgetdefiziten unter drei Prozent Warnsignale ausl&#246;sen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ab63741b2cf0447e95e930201589c1c5" alt="" width="1" height="1" />Von Michael C. Burda und Stefan Gerlach</p>
<p>Die M&#228;rkte scheinen den Rettungsplan, der Montagnacht vereinbart wurde, positiv aufzunehmen. Doch noch ist es zu fr&#252;h, um zu  sagen, dass er ein voller Erfolg ist. M&#246;glich, dass Historiker ihn als  brillante Entscheidung bewerten werden – denkbar ist aber auch, dass sie ihn als  ersten Schritt auf einem rutschigen Weg nach unten sehen. Die EZB kauft nun  offenbar Staatsanleihen aus dem Euro-Raum, „um die Tiefe und Liquidit&#228;t in dysfunktionalen Marktsegmenten“ zu sichern. Gleichzeitig sei sie bereit,  „die zus&#228;tzliche Liquidit&#228;t zu absorbieren“. Eine Interpretation dieser nicht  ganz klaren Aussage ist, dass die EZB die Anleihen der Staaten kauft, die am  St&#228;rksten den Stabilit&#228;tspakt gebrochen haben, und die der anderen verkauft. Das  mag in der akuten Notlage zu rechtfertigen sein, doch bietet es verheerende  Anreize f&#252;r die Fiskalpolitik. Statt nur den neuen Plan zu diskutieren, sollte  man vielleicht einen Schritt zur&#252;cktreten und fragen, welche  Politikma&#223;nahmen helfen, eine Wiederholung der Krise zu vermeiden.</p>
<p>Wir sehen drei Lehren:</p>
<ol>
<li>Eine Rezession kann hochverschuldete Staaten an den Rand des Abgrunds treiben, selbst wenn ihre Verschuldung in guten Zeiten  unter Kontrolle erscheint. Der Stabilit&#228;tspakt hatte gute Absichten, erwies  sich aber als ineffektiv. Die Finanzm&#228;rkte haben dies mit einem verbl&#252;ffenden  Tempo bewiesen.</li>
<li>Die No-Bail-out-Regel des Maastricht-Vertrags war nicht glaubw&#252;rdig. Griechenland nicht zu st&#252;tzen, h&#228;tte zu einem  Staatsbankrott gef&#252;hrt, der eine zweite Welle der Instabilit&#228;t in Europas Bankensystem ausgel&#246;st  h&#228;tte. Die Pleite von Lehman, die die gr&#246;&#223;te Rezession seit den 1930er-Jahren provozierte, zeigt nur zugut, dass die pl&#246;tzliche Zahlungsunf&#228;higkeit  eines gro&#223;en Mitspielers sehr gro&#223;en Schaden bewirkt. Die No-Bail-out-Klausel  steht also in direktem Gegensatz zum Ziel finanzieller Stabilit&#228;t.</li>
<li>Genau weil die Bail-out-Regel wirkungslos ist, brauchen wir einen besseren Mechanismus, um Fiskaldefizite in Europa zu  begrenzen. Der alte Stabilit&#228;tspakt scheiterte, weil er f&#228;lschlicherweise annahm, dass  die Regierungen volle Kontrolle &#252;ber ihre Einnahmen und Ausgaben aus&#252;ben  k&#246;nnen. Ferner ging man davon aus, dass es jedem auffallen w&#252;rde, wenn  kurzfristige, politische Ziele gegen&#252;ber der langfristigen Finanzstabilit&#228;t den Vorzug  erhielten.</li>
</ol>
<p><strong> </strong><br />
<strong>Gef&#228;hrlicher Spielraum der Politik</strong></p>
<p>In der Praxis h&#228;ngt das Budgetdefizit aber weitgehend vom Konjunkturzyklus ab. Tiefe Rezessionen gehen mit R&#252;ckg&#228;ngen der  Steuereinnahmen und Erh&#246;hungen der Ausgaben f&#252;r die Arbeitslosenunterst&#252;tzung und das Sozialnetz einher. In Anbetracht dieser Unsicherheiten k&#246;nnte der Staat  problemlos politisch motivierte Ausgaben verbergen. Dar&#252;ber hinaus wird es  schwierig, dem Stabilit&#228;tspakt Nachdruck zu verschaffen, wenn Politiker – zu Recht – argumentieren, dass Defizite vor allem auf Entwicklungen au&#223;erhalb ihrer Kontrolle zur&#252;ckzuf&#252;hren sind, insbesondere da der Spielraum f&#252;r  kreatives Buchhalten und zwielichtige Finanzaktionen, welche die gemeldeten  Defizite reduzieren, gro&#223; ist.</p>
<p>Das zentrale Problem des alten Stabilit&#228;tspakts ist, dass er eine willk&#252;rliche, und daher unglaubw&#252;rdige Linie zieht. Eine Regierung,  die f&#252;r 3,2 Prozent Haushaltsdefizit verantwortlich ist, anders zu behandeln  als eine mit 2,8 Prozent, erscheint unsinnig und ist politisch kaum  durchzusetzen. Regierungen, die unter der magischen Grenze bleiben, wissen doch ganz  genau, dass diese schnell &#252;bersprungen werden kann, wenn die Konjunktur  schw&#228;chelt. Daher war es immer schwierig, politische Unterst&#252;tzung f&#252;r die Anwendung  der Regeln zu finden.</p>
<p><strong>Die Eckpfeiler eines neuen Pakts</strong></p>
<p>Um effektiver zu werden und das Vertrauen wiederzugewinnen, muss ein neuer Stabilit&#228;tspakt mehr Transparenz erzeugen. Das beinhaltet  eine &#220;berwachung der nationalen Haushalte durch Experten, die nicht aus der  Politik stammen d&#252;rfen. Genau das aber haben Deutschland, Frankreich und eine  Reihe anderer Staaten abgelehnt, weil sie damit einen Verlust an Souver&#228;nit&#228;t bef&#252;rchteten. Aber genau darum geht es: <strong>Die M&#246;glichkeit, dass eine  externe Instanz die Haushaltspolitik unter die Lupe nimmt, ist ein exzellenter  Ansporn, das Haus in Ordnung zu halten.</strong> Wir stellen uns eine Reihe von  Schwellenwerten vor, die schon bei Budgetdefiziten unter drei Prozent Warnsignale  ausl&#246;sen.</p>
<p>Wie eine Kette von Warnleuchten w&#252;rde jeder Ausl&#246;ser sch&#228;rfere Transparenzanforderungen automatisch nach sich ziehen. Zum  Beispiel m&#252;sste ein Land mit einem Defizit von weniger als einem Prozentpunkt des  BIP detaillierte Haushaltsdaten an die EU-Kommission senden. Steigt der Anteil auf zwei  Prozent, m&#252;sste es Pl&#228;ne f&#252;r eine finanzpolitische Konsolidierung unterbreiten.  Erreicht das Defizit drei Prozent, w&#252;rde die EU-Kommission Inspekteure vor Ort entsenden, die Haushaltsdaten in Echtzeit &#252;berwachen. So gibt es  gen&#252;gend Warnsignale, noch bevor die fiskalpolitische &#220;berwachung im  Stabilit&#228;tspakt greift.</p>
<p>Um dieses Regime zu implementieren, m&#252;sste man eine unabh&#228;ngige Kommission von europ&#228;ischen Experten im Bereich der  Fiskalpolitik einsetzen – Rechtsexperten, ehemalige Finanzminister, Zentralbanker und &#214;konomen.  Diese politisch unabh&#228;ngige Expertengruppe w&#252;rde die Rechtfertigungen f&#252;r Defizite  pr&#252;fen und Konsolidierungsma&#223;nahmen &#246;ffentlich bewerten. Sie muss klein und handlungsf&#228;hig sein, aber auch  einen breiten Konsens im europ&#228;ischen Politikspektrum vertreten. Mitglieder wie Mario  Monti, <a href="http://www.oekonomenstimme.org/autoren/hans-werner-sinn/" target="_blank">Hans-Werner Sinn</a>, Lucas Papademos, Peer Steinbr&#252;ck, <a href="http://www.oekonomenstimme.org/autoren/charles-wyplosz/" target="_blank">Charles Wyplosz</a> und Paul de Grauwe w&#252;rde zu einem guten Start beitragen.</p>
<p>Aber um Defizite zu verringern, muss das System auch Biss haben. Der Vorschlag, Defizite direkt zu besteuern, ist wenig  glaubw&#252;rdig. Eine Steuer auf die Finanzierung von Schulden &#252;ber 60 Prozent des BIP w&#228;re sinnvoller. Wie k&#252;rzlich von Guido Westerwelle vorgeschlagen, k&#246;nnte man  EU-Transfers oder Agrarsubventionen zur&#252;ckhalten oder einen Aufschlag auf die  Mehrwertsteuer erheben: So w&#252;rde Druck auf die Politiker ausge&#252;bt, l&#228;ngst bevor eine  Krise ausbricht. Sie m&#252;ssten die Wahrheit sagen und ihr Haus in Ordnung  halten.</p>
<p>Im Fall Griechenlands hat der Stabilit&#228;tspakt offenkundig massiv versagt. H&#228;tten nationale und EU-Politiker ihre  Sorgfaltspflicht im Jahr 2000 richtig ausge&#252;bt, h&#228;tten wir die gegenw&#228;rtigen Probleme  nicht. Wenn der Euro das laufende Jahrzehnt &#252;berleben soll, dann darf der Fall Griechenland sich nicht wiederholen.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2010/05/griechische-lektionen/">&#214;konomenstimme</a>.</em>
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		<title>Wir haben die Kraft!</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 18:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen k&#246;nnte die Republik ver&#228;ndern (oder auch nicht).]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c0ac7dd4856f4c1ca175ba1fd56b4799" alt="" width="1" height="1" />Griechenland wird erstmals eine deutsche Landtagswahl entscheiden. Denn die Haltung der Rheinl&#228;nder und Westfalen zur innereurop&#228;ischen Finanzkrise macht den kleinen Unterschied, der &#252;ber schwarz-gelb, schwarz-gr&#252;n oder schwarz-rot in Nordrhein-Westfalen entscheidet.</p>
<p>„Mit uns“, schreiben die „Stones“ Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbr&#252;ck im aktuellen <em><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,692610,00.html">Spiegel</a></em>, w&#228;re die Griechenland-Rettung nicht so chaotisch verlaufen. Wenige Tage vor der <span style="text-decoration: line-through;"><span style="text-decoration: none">mit Spannung erwarteten</span></span> apathisch hingenommenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen &#252;berbringt das (mehrheits-)sozialdemokratische „mit uns“ eine klare Botschaft an die CDU: Koaliert gef&#228;lligst mit uns! Nur die krisenerfahrene Gro&#223;e Koalition kann den Deckel auf dem Topf der gesellschaftlichen <span style="text-decoration: line-through;">Spannungen</span> &#196;ngste halten, nur sie kann Europa durch die Schulden-Krise f&#252;hren, nur eine Gro&#223;e Koalition darf (gefahrlos) „soziale Wohltaten“ beschneiden und Steuern erh&#246;hen. Diese be<span style="text-decoration: line-through;">un</span>ruhigende, gesellschaftsformierende Kraft enth&#228;lt der <em>Spiegel</em>-Aufsatz der Stones. Und auch die leicht imperialen Untert&#246;ne sollte man in der CDU nicht &#252;berh&#246;ren. Der deutsche F&#252;hrungsanspruch in Europa wurde selten so freim&#252;tig ge&#228;u&#223;ert.</p>
<p>Vielleicht ist das die tiefere Bedeutung des gemeinsamen rot-schwarzen <a href="http://spdnet.sozi.info/nrw/wdorf/daldrup/images/user_pages/Kraft-CDU-SPD.jpg">Wahlkampfslogans</a>: WIR HABEN DIE KRAFT!
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			</a>
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<a href="http://carta.info/26743/wir-haben-die-kraft/">Wir haben die Kraft!</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/26743/wir-haben-die-kraft/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26743&amp;md5=ea84723e2caed6645e2879776df58c93" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Netz ist nicht gleich Netz – der Vorsprung der Taube ist gewachsen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Apr 2010 12:57:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
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		<description><![CDATA[W&#228;hrend Politiker von einem zum n&#228;chsten Krisengespr&#228;ch stolpern, verwertet die Finanzindustrie jede noch so kleine Information innerhalb von Millisekunden. Mit ihren eigenen Netzen hat sie sich schon lang von der Netzneutralit&#228;t verabschiedet. Wie kann die Politik da noch gewinnen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/097ad1f609d14957a02f86482246562b" alt="" width="1" height="1" />Die Geschichte der Nachrichtenagentur  Reuters begann in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pontstra%C3%9Fe">Pontstra&#223;e</a> 117  in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aachen">Aachen</a>. Aktuelle  Nachrichten wurden hier 1850 zun&#228;chst mit Hilfe von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brieftauben">Brieftauben</a> eingeflogen, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Reuters">hei&#223;t es in  der Wikipedia</a> und so wird es gerne zum besten gegeben, wenn es um  die Geschichte und Entwicklung des Nachrichtentransportes geht.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und weil diese Tauben immer noch  schneller waren als berittene Boten oder gar Mundpropaganda, wurde aus  Reuters ein weltumspannender Konzern, der mit dem schnellen Transport  von Nachrichten sein Geld verdiente. Und Andere, die es verstanden, aus  einem Informationsvorsprung Geld zu machen, wurden richtig reich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dann kam der Telegraph, Telefon und Fax  und schlie&#223;lich das Internet und auf einmal sollte so etwas wie  Chancengleichheit herrschen. Der Vorsprung der Profis war ab der  Jahrtausendwende dank Internet, Onlinebroker und Daytradingplattformen  auf nahezu Null zusammengeschrumpft. Jetzt z&#228;hlte nur noch die  Schnelligkeit im Denken, die eigene Strategie und pers&#246;nlicher Mut und  Risiko.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Was f&#252;r eine Illusion!</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Genau das Gegenteil ist richtig. Denn die  Finanzindustrie hat sich l&#228;ngst ihr eigenes, schnelles Netz gebaut,  welches die Terminals in den Handelsr&#228;umen miteinander verbindet.  W&#228;hrend wir gerade anfangen, &#252;ber Netzneutralit&#228;t zu diskutieren und das  allgemein zug&#228;ngliche Internet mit immer mehr Anwendungen &#252;berfrachten,  agieren die Profis l&#228;ngst in Echtzeit. Unterst&#252;tzt von  Hochleistungsrechnern, auf denen ebenso leistungsf&#228;hige Tradingprogramme  laufen, ist bei ihnen <strong>die Lichtgeschwindigkeit das Ma&#223; und die  Millisekunde die l&#228;ngste noch tolerierbare Zeiteinheit</strong>. Orders werden  auf dem Weg vom Kunden zur Ausf&#252;hrung an der B&#246;rse in Sekunden zwischengehandelt, selbst an kleinsten Kursdifferenzen wird noch  verdient. Jede noch so kleine Information aus der realen Wirtschaft  augenblicklich eingepreist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wer hier glaubt als Privatanleger  mithalten zu k&#246;nnen, kann nur (sein Geld) verlieren. <strong>Die Differenz  zwischen schnell und unendlich schnell ist unendlich</strong>. Um im Bild zu  bleiben: Der Vorsprung der Reuters-Taube ist noch gr&#246;&#223;er geworden als  1850. Und so werden wir Zeuge, wie sich das System der Finanzm&#228;rkte  immer st&#228;rker selbst aufschaukelt, weil mit jeder abgeschlossenen  Kauf-Verkaufaktion der Handelsvolumen steigt. Gleichzeitig steigt das  Risiko eines finanziellen Super-Gaus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Politik kann das Tempo der M&#228;rkte  nicht mitgehen</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Vielleicht w&#228;re selbst das nicht so  dramatisch, wenn nicht die Politik l&#228;ngst von alldem komplett  abgekoppelt w&#228;re. Sie beginnt gerade erst, das Internet zu begreifen, um  dann aus Unverst&#228;ndnis oder Unverm&#246;gen sofort mit der Regulierung  anzufangen, anstatt f&#252;r sich eigene, schnelle Netze zu bauen, die es mit  denen der Finanzindustrie aufnehmen k&#246;nnen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Den Effekt k&#246;nnen wir gerade bei der sich  zuspitzenden Griechenlandkrise live verfolgen. W&#228;hrend die europ&#228;ischen  Politiker von Krisengespr&#228;ch zu Krisengespr&#228;ch stolpern und in ihrem  traditionellen Politikmodus verharren, nutzen die M&#228;rkte jedes Bit an  Information aus diesen Gespr&#228;chen und setzen es sofort in Aktion um.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Politiker verhalten sich aktuell wie  der kleine Privatanleger, der glaubt, es mit seiner Bank aufnehmen zu  k&#246;nnen. Die Politik kann dieses Tempo nicht mitgehen, die Spekulanten   geben das Tempo vor. „Der Markt setzt auf schnellen Gewinn, die Politik  ringt um Verantwortung. Der Markt in seiner Masse ist anonym“, hei&#223;t es  heute richtig im Handelsblatt. Und kann deshalb gar kein Gewissen haben,  m&#252;sste man noch hinzuf&#252;gen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Politik kann nur gewinnen, wenn sie  die Regeln dieses Systems durchbricht, das ist die einzige M&#246;glichkeit  und verbliebene Hoffnung. Wenn sie entweder die Netze der  Finanzindustrie k&#252;nstlich verlangsamt oder per Gesetz bestimmte  Transaktionen und Wetten ganz verbietet. Alles andere wird scheitern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Crosspost von <a href="http://julius01.posterous.com/netz-ist-nicht-gleich-netz-der-vorsprung-der">movinette</a>.</em></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26543&amp;md5=64b55974f223ca31a9fc206b223c9415" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>ARD Griechenland-Brennpunkt: &#8220;Sensationell schlecht&#8221; geht weiter</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 23:37:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenig aus der Kritik gelernt: Beim ARD-Brennpunkt zu Griechenland dominierten wirre Expertenstatements und der Transport von Regierungspositionen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b06d5050290f4f8784b3c31a62b518db" alt="" width="1" height="1" />Anfang M&#228;rz stellten die Publizisten Wolfgang Storz und Hans-J&#252;rgen Arlt Teilen des <strong>Wirtschaftsjournalismus</strong> hierzulande ein <a href="http://carta.info/23945/wirtschaftsjournalismus-in-der-krise-ahnungslos-und-meinungsschwach/"><strong>verheerendes Zeugnis</strong></a> aus. Der Wirtschaftsjournalismus komme regelm&#228;&#223;ig seiner Aufkl&#228;rungspflicht nicht nach, so das Ergebnis ihrer <a href="http://www.otto-brenner-stiftung.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/AH63.pdf">Studie</a> f&#252;r die gewerkschaftsnahe Otto Brenner Stiftung.</p>
<p>Storz und Arlt kritisierten neben der Nachrichtenagentur dpa insbesondere auch die Berichterstattung von ARD-Aktuell in <em>Tagesschau</em> und <em>Tagesthemen</em>. ARD-Aktuell habe &#8220;journalistisch sensationell schlecht&#8221; &#252;ber die Wirtschaftskrise berichtet.</p>
<p>Anders als die dpa, die sich &#246;ffentlich gegen die Vorw&#252;rfe <a href="http://www.presseportal.de/pm/8218/1574215/dpa_deutsche_presse_agentur_gmbh">wehrte</a>, hat die ARD bis heute zu den Studienergebnissen &#246;ffentlich keine Stellung bezogen. ARD-Hauptstadtstudiochef Ulrich Deppendorf lie&#223; sich bei der Diskussionsveranstaltung zu den Studienthesen von seinem Chef vom Dienst Andreas Werner <a href="http://www.jungewelt.de/2010/04-22/025.php">vertreten</a>.</p>
<p>In der Hauptsache kommen Storz und Arlt in Bezug auf die ARD zu dem Schluss: &#8220;Die Beitr&#228;ge bestehen oft aus einer Aneinanderreihung von Statements, so dass das Publikum mit inhaltlichen Widerspr&#252;chen alleine gelassen wird. Die Redaktion ist faktisch Transporteur von Statements, Pressemitteilungen und Redeausschnitten, aber <strong>selten journalistischer Verarbeiter und Orientierungs-Geber</strong>.&#8221; (Seite 133) Die ARD betreibe wenig &#8220;eigenst&#228;ndige journalistische Arbeit&#8221; und transportiere vornehmlich &#8220;die Positionen der Regierung&#8221; (Seite 134).</p>
<div id="attachment_26237" class="wp-caption aligncenter" style="width: 545px"><a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=4242896"><img class="size-full wp-image-26237" title="brennp" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/brennp.jpg" alt="brennp" width="535" height="304" /></a><p class="wp-caption-text">ARD Brennpunkt &quot;Ruiniert Griechenland Europa?&quot; vom 23. April. Zum Anschauen auf das Bild klicken.</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Wie zutreffend die Kritik von Storz/Arlt ist und wie wenig sich die ARD-Berichterstattung seit der Kritik ver&#228;ndert hat, war am vergangenen Freitag im zehnmin&#252;tigen ARD-Brennpunkt &#8220;Ruiniert Griechenland Europa?&#8221; zu besichtigen. Immerhin: Die ARD sendete einen Brennpunkt zu diesem Finanzthema, w&#228;hrend sie nach Z&#228;hlung von Storz/Arlt in den beiden Jahren zuvor gerade einmal zwei Brennpunkte der Wirtschaftskrise gewidmet hatte.</p>
<p>Der Brennpunkt beginnt mit einem 2:30-Minuten-St&#252;ck von <a href="http://www.ard-hauptstadtstudio.de/fernsehen/korrespondenten/gemeinschaftsredaktion/hsb296_id-hsb114.html">Marcus Bornheim</a>, das leider keine &#8220;komplexen Sachverhalte klar darstellt&#8221; (vgl. <a href="http://www.ard-hauptstadtstudio.de/fernsehen/korrespondenten/gemeinschaftsredaktion/hsb296_id-hsb114.html">hier</a>), sondern eher eine notd&#252;rftig zusammengehaltene Aneinanderreihung von Statements und Fakten ist:</p>
<div id="attachment_26239" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/enderlein.jpg"><img class="size-full wp-image-26239" title="enderlein" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/enderlein.jpg" alt="enderlein" width="250" height="142" /></a><p class="wp-caption-text">Enderlein: &quot;Griechenland-Bankrott ist kaum zu vermeiden&quot; – wie das zu verstehen ist, erkl&#228;rt die ARD nicht.</p></div>
<p>Zu Beginn des Beitrags darf sich beispielhaft die exportorientierte bayrische (Bornheim wird vom <a href="http://www.br-online.de/">BR</a> bezahlt) Maschinenbaufirma <a href="http://www.hawe.de/home.php">Hawe</a> – dank niedrigem Eurokurs – ein bisschen als Gewinner &#8220;der griechischen Trag&#246;die&#8221; freuen. Anschlie&#223;end erl&#228;utert Bornheim, dass die 8 Mrd. Euro an Griechenland als Kredit von der <a href="http://www.kfw.de/">KfW</a> kommen sollen.</p>
<p>Es folgt der Auftritt des &#214;konomieprofessors <a href="http://www.henrik-enderlein.de/">Henrik Enderlein</a>: &#8220;Ich gehe davon aus, dass ein griechischer Staatsbankrott kaum noch zu meiden ist.&#8221; Es geht weiter mit Ausf&#252;hrungen zu h&#246;heren Risikoaufschl&#228;gen auf deutsche Staatsanleihen. Der SPD-Haushaltsexperte <a href="http://www.br-online.de/">Carsten Schneider</a> erkl&#228;rt, dies k&#246;nne 3,5 bis 4 Mrd. Euro pro Jahr zus&#228;tzlich kosten. Schlussakkord Bornemann: &#8220;Die Kapitalm&#228;rkte haben mal wieder die besseren Nerven.&#8221;</p>
<p>Was der Otto-Normalzuschauer danach wohl verstanden hat? Gar nichts. Wie kann es sein, dass Enderlein prognostiziert, Griechenland werde wohl Bankrott gehen &#8211; und die KfW dem Land trotzdem Milliarden im Namen des Steuerzahlers gibt? Der Zuschauer bleibt mit diesem Widerspruch allein.</p>
<p>Welche Handlungsoptionen hat Deutschland? Welche Auswirkungen w&#228;ren jeweils auf die W&#228;hrungsunion zu erwarten? Wieviel Geld wird Griechenland insgesamt zur &#220;berwindung der akuten Krise brauchen?</p>
<p>Der Zuschauer &#8211; er erf&#228;hrt es nicht. Lediglich eine magere Kuchen-Infografik nutzt Bornheim. Der Autor fl&#252;chtet sich in so erkenntnisreiche Metapher-Kalauer, wie: &#8220;<strong>Der Ouzo hat an den Finanzm&#228;rkten einen faden Beigeschmack</strong>.&#8221;</p>
<p>Der Bornheim-Film ist ein verst&#246;rend treffsicheres Beispiel f&#252;r den ersten zentralen Kritikpunkt von Storz und Arlt: Die ARD versendet Aneinanderreihungen von Statements, die wenig erkl&#228;ren und den Zuschauern mit unaufgel&#246;sten Widerspr&#252;chen alleine lassen. Koh&#228;renz wird weitgehend nur mit Hilfe von Gestaltungsmitteln, wie Bildschnitt und Off-Kommentar, simuliert.</p>
<p>Es folgt ein Studio-Interview von Ulrich Deppendorf mit Bundesfinanzminister Wolfgang Sch&#228;uble, das sich mit Unterbrechungen &#252;ber fast sechs Minuten zieht. Sch&#228;uble erh&#228;lt ausgiebig Platz, um zu fordern, dass Griechenland den Stabilit&#228;tspakt nun wirklich ernst nehmen und sich an die Regeln halten m&#252;sse. Dann werde die Griechenland-Rettung auch &#8220;erfolgreich gelingen&#8221;.</p>
<p>Der Finanzminister verbreitet amtst&#252;chtig die Kernbotschaft, es bestehe kein Grund zur Unruhe, die Regierung handele abgewogen, vern&#252;nftig und besonnen. Deppendorf ist dabei mindestens so sehr Adjutant wie kritischer Nachfrager.</p>
<p>Problematisch ist nicht so sehr, dass Sch&#228;uble hier weitgehend unwidersprochen mit seinen Botschaften durchkommt &#8211; obwohl Enderlein wenige Minuten zuvor das Gegenteil behaupten durfte. Journalistisch problematisch ist, dass die ARD zwei Drittel ihres Brennpunkts einem Regierungsvertreter einr&#228;umt, der qua Amt bes&#228;nftigen muss und &#8211; um den Eurokurs nicht zu gef&#228;hrden - wenig Klartext sprechen kann.</p>
<p>Durch das ausgiebige Sch&#228;uble-Interview bekommt der Brennpunkt eine Choreografie von:</p>
<p>Akt 1) Ein paar Fakten und Statements werden in einem kurzen Beitrag hin- und hergewirbelt.</p>
<p>Akt 2) Auftritt des Finanzministers, der erkl&#228;rt, die Lage sei unter Kontrolle und Bedenken unbegr&#252;ndet.</p>
<p>Die Dramaturgie folgt der Systematik von Rauschen und Beruhigung. Erst kommt die Verwirrung, dann die konsensorientierte Schlie&#223;ung durch eine vertrauensw&#252;rdige Amtsperson.</p>
<p>Eine solche Dramaturgie best&#228;tigt leider best&#252;rzend deutlich den zweiten zentralen Kritikpunkt von Storz und Arlt: Die ARD transportiert die Positionen der Regierung h&#228;ufig kommentar- und kritiklos. Die Regierungslesart bestimmt auch die ARD-Lesart der Dinge. Die Darstellung erfolgt wenig kontrovers &#8211; die Bandbreite m&#246;glicher Deutungsans&#228;tze wird nicht deutlich.</p>
<p>Es gibt im Griechenland-Brennpunkt kritische Nachfragen &#8211; aber offenbar vor allem zu dem Zweck, dass Sch&#228;uble sie entkr&#228;ften kann. Der Minister hat &#8211; real wie symbolisch &#8211; das letzte Wort. Dabei muss man einem Minister nicht &#252;ber den Mund fahren, man muss ihm aber nicht derart viel Platz in einer Informationssendung einr&#228;umen, die keine Interview-Sendung ist.</p>
<p>Im Ergebnis ist dieser ARD-Brennpunkt sehr nah dran an der offiziellen Interpretationsmaschinerie der Bundesregierung. Er findet keinen eigenen Standpunkt, er leistet keinen eigenen Aufkl&#228;rungs- und Orientierungsbeitrag, sondern er g<strong><span style="font-weight: normal;">ibt</span> Wolfgang </strong><strong>Sch&#228;uble</strong><strong> eine B&#252;hne f&#252;r seine beschwichtigenden Botschaften</strong>. Ulrich Deppendorf sitzt daneben und spielt die Rolle des journalistischen Hofberichterstattungsonkels der Nation, der die journalistischen Defizite seiner Sendung kaum noch zu sp&#252;ren scheint.</p>
<p>Eine orientierende Darstellung auf dem Komplexit&#228;tsniveau von: &#8220;Griechenland ist mit erheblicher Wahrscheinlichkeit nicht zu retten &#8211; aber es ist vorerst wohl das Beste, es trotzdem zu versuchen.&#8221; &#8211; Die ARD scheint damit und mit dem Aufgebot unterschiedlicher &#246;konomischer Experten &#252;berfordert.</p>
<p>Storz und Arlt schreiben in ihrer Studie von redaktionellen Praktiken bei der ARD, die &#8220;<strong>fachkundige Konsumenten in die Depression treiben</strong>&#8221; k&#246;nnten (Seite 134).</p>
<p>Mir ist es beim ARD-Brennpunkt am Freitag so gegangen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26176&amp;md5=3bcefd06694b3dd9c8328996e36f53e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Finanzkrise Griechenland: Muntere Marktmanipulation durch den Staat</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Mar 2010 13:18:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Verdacht, der griechische Staat habe &#252;ber statistische Falsch- und Fehlmeldungen die Finanzm&#228;rkte manipuliert, darf nicht heruntergespielt werden. Der Internationale Strafgerichtshof ist gefragt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Man k&#246;nnte annehmen, dass in diesem Punkt Einigkeit besteht: M&#228;rkte zu manipulieren – das ist unzul&#228;ssig und geh&#246;rt umfassend sanktioniert. Doch ist dies wirklich so? Gilt dies auch f&#252;r Staaten?</p>
<p>Aus Sicht der Europ&#228;ischen Union ist die Gew&#228;hrleistung von Marktintegrit&#228;t eine wichtige Voraussetzung f&#252;r eine stabile wirtschaftliche Entwicklung in der Gemeinschaft. Daher wurde mit der <a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:096:0016:0016:DE:PDF">Richtlinie 2003/6/EG &#252;ber Insider-Gesch&#228;fte und Marktmanipulation</a> (Marktmissbrauch) bereits im Jahr 2003 eine Regulierung der Finanzm&#228;rkte auf den Weg gebracht, welche marktsch&#228;digendes oder manipulatives Verhalten umfassend sanktioniert. Marktmanipulation umfasst alle Handlungen, die einen Preis herbeif&#252;hren, der nicht demjenigen entspricht, der bei einem unbeeinflussten Ausgleich von Angebot und Nachfrage entstanden w&#228;re. Hierzu z&#228;hlt auch die „Verbreitung von Informationen &#252;ber die Medien einschlie&#223;lich Internet oder auf anderem Wege, die falsche oder irref&#252;hrende Signale in Bezug auf Finanzinstrumente geben oder geben k&#246;nnten.“ Es scheint generell sachgerecht, vors&#228;tzlich unzutreffende amtliche Berichte &#252;ber Gesamt- und Neuverschuldung eines Mitgliedsstaates als Marktmanipulation aufzufassen. Diese beeinflussen n&#228;mlich den Preis – den Zinssatz – f&#252;r die Aufnahme von Schulden durch die &#246;ffentlichen Institutionen.</p>
<p>Es verwundert daher nicht, dass die Regierungen mit Artikel 7 eine Ausnahmeregelung vom Recht f&#252;r sich selbst gleich eingebaut haben: „Diese Richtlinie gilt nicht f&#252;r Gesch&#228;fte, die [..] im Rahmen der Verwaltung der &#246;ffentlichen Schulden von einem Mitgliedstaat [..] get&#228;tigt werden.“ Dies dr&#252;ckt nicht nur die Doppelmoral politischer Entscheidungstr&#228;ger aus, sondern erweist sich r&#252;ckblickend als fatale Einladung f&#252;r staatliche Angriffe auf das Vertrauen in die europ&#228;ischen Finanzm&#228;rkte und somit die Finanzmarktstabilit&#228;t.</p>
<p>Auch wenn ein Gro&#223;teil der gegenw&#228;rtigen Probleme der griechischen Staatsfinanzen wohl auf eine zu <a href="http://carta.info/24053/finanzkrise-griechenland-wie-die-europaeischen-chefaerzte-sarkozy-und-merkel-systematisch-behandlungsfehler-vertuschen/">expansive Zinspolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank</a> zur&#252;ckzuf&#252;hren sind, darf der Verdacht auf Marktmanipulation durch den griechischen Staat nicht heruntergespielt werden. Nicht nur in der deutschen Presse halten sich Vermutungen &#252;ber statistische Falsch- und Fehlmeldungen zu wesentlichen fiskalischen Kennziffern.</p>
<p>Eine gerichtliche Pr&#252;fung des Verdachtes von Marktmanipulation ist durch die Ausnahmeregelung im europ&#228;ischen Recht wohl verbaut. Eine Sanktion dieser m&#246;glichen Straftat ist somit bislang ausdr&#252;cklich ausgeschlossen. Lediglich k&#246;nnte gegen Griechenland wegen eines m&#246;glichen Versto&#223;es gegen den Stabilit&#228;ts- und Wachstumspakt vorgegangen werden – ohne pers&#246;nliche Konsequenzen f&#252;r B&#252;rokraten und Politiker.</p>
<p>Letztlich w&#252;rden diese Sanktionen auf die griechische Bev&#246;lkerung durchschlagen, welche mit Steuererh&#246;hungen und &#246;ffentlichen Leistungsk&#252;rzungen f&#252;r m&#246;gliche Straftaten von Regierungsvertretern in Haftung genommen werden. Bereits zum gegenw&#228;rtigen Zeitpunkt belasten die sprunghaft gestiegenen Finanzierungskosten des Staates – die Schulden von gestern sind die Steuererh&#246;hungen von heute – alle Alters- und Einkommensgruppen in Griechenland. Mittelfristig werden vor allem die Ratingabstufungen f&#252;r den Staat auch die Refinanzierung der Gesch&#228;ftsbanken verteuern, wodurch wiederum die Kreditzinsen f&#252;r B&#252;rger und Unternehmen weiter steigen werden. Der wirtschaftliche Schaden f&#252;r unbescholtene B&#252;rger in Griechenland ist immens.</p>
<p>Dass hierf&#252;r nicht Spekulanten verantwortlich sind, hat zuletzt die Bundesanstalt f&#252;r Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) noch einmal unmissverst&#228;ndlich klargestellt: „Bislang keine Anhaltspunkte f&#252;r massive Spekulation gegen griechische Anleihen“ hei&#223;t es in einer <a href="http://www.BaFin.de/cln_171/nn_722564/SharedDocs/Artikel/DE/Service/Meldungen/meldung__100308__cds__spekulation.html?__nnn=true">offiziellen Stellungnahme</a>. Die j&#252;ngst forcierte Initiative zur Regulierung behaupteter Spekulationen gegen Griechenland reiht sich in ein stimmiges Bild der politischen Verantwortungsvertuschung.</p>
<p>Es bedarf daher gesetzlicher Ma&#223;nahmen, um staatlich verursachte Marktmanipulation zuk&#252;nftig wirkungsvoller zu ahnden. Vor allem die individuelle Abschreckung von Entscheidungstr&#228;gern muss verst&#228;rkt werden. Das blo&#223;e Streichen der Ausnahmeregelung in der europ&#228;ischen Richtlinie scheint jedoch nicht ausreichend. Auch in diesem Fall w&#252;rde es wohl an einer individualstrafrechtlichen Verantwortlichkeit nat&#252;rlicher Personen fehlen, die gerade unabh&#228;ngig eines von ihnen bekleideten, offiziellen Amtes zu greifen hat.</p>
<p>Um es noch einmal klar zu sagen: Manipulationen, die nachweislich auf den B&#246;rsen- oder Marktpreis eingewirkt haben, sind nicht nur in der Bundesrepublik Straftaten, die mit Freiheitsstrafe von bis zu f&#252;nf Jahren oder Geldstrafe geahndet werden k&#246;nnen. Dies sind keine Kavaliersdelikte! Es darf daher zum Schutz der Marktintegrit&#228;t keine doppelten Standards f&#252;r Spekulanten, Unternehmensvorst&#228;nde und B&#252;rokraten geben. Daher ist zu pr&#252;fen, das Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) um staatliche Verm&#246;gensdelikte entsprechend zu erweitern.</p>
<p><em>Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Finanzm&#228;rkte der FDP-Bundestagsfraktion.</em>
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		<title>Finanzkrise Griechenland: Wie die europ&#228;ischen Chef&#228;rzte Sarkozy und Merkel systematisch Behandlungsfehler vertuschen!</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 13:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Krise der griechischen Staatsfinanzen ist das Ergebnis einer verfehlten Zinspolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank. Die Staats- und Regierungschefs lenken von den Krisenverursachern ab und verhindern so langfristig tragf&#228;hige Probleml&#246;sungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd729f4b480f422fb604dc3a55e452fe" width="1" height="1" alt=""/><strong>Wo liegen die Probleme?</strong></p>
<p>Die Hellenische Republik Griechenland weist gegenw&#228;rtig eine offiziell gemeldete Staatsverschuldung von mehr als 120 Prozent des j&#228;hrlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf und z&#228;hlt damit zu den h&#246;chstverschuldeten Staaten der Europ&#228;ischen Union. Seit Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung im Jahr 2002 hat sich die Schuldenquote sp&#252;rbar um etwa <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;init=1&#038;language=de&#038;pcode=tsieb090&#038;plugin=1">20 Prozent</a> erh&#246;ht. In den letzten acht Jahren lagen die Gesamtausgaben des Staates j&#228;hrlich zwischen drei und f&#252;nf Milliarden Euro &#252;ber den Einnahmen. In diesem Jahr wird sich das strukturelle Defizit noch einmal auf &#252;ber zehn Prozent des BIP versch&#228;rfen. Vieles deutet darauf hin, dass Griechenland ein Solvenzproblem hat.</p>
<p>Zugleich besteht die akute Gefahr eines Liquidit&#228;tsproblems. Griechenland scheint darauf angewiesen zu sein, auslaufende Schulden durch Aufnahme neuer Schulden zu bedienen. Das Vertrauen in den Schuldendienst des Landes hat sich in der letzten Zeit jedoch stetig verschlechtert. Je mehr Schuldtitel auf absehbarer Zeit f&#228;llig werden, desto h&#246;her ist daher der Finanzierungsdruck f&#252;r die Gebietsk&#246;rperschaften – mit einhergehenden steigenden Zinsen. Das aktuelle Liquidit&#228;tsproblem verst&#228;rkt dadurch das langfristige Solvenzproblem.</p>
<p><strong>Wie kam es zu den Problemen?</strong></p>
<p>Durch die Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung Euro haben sich die Finanzierungskosten f&#252;r &#246;ffentliche Schuldner in der Eurozone tendenziell angeglichen. Es war ein ausdr&#252;ckliches Ziel der W&#228;hrungsunion, Wechselkursrisiken zwischen den beteiligten Staaten auszuschlie&#223;en, um so Transaktionskosten f&#252;r die Marktteilnehmer zu senken. F&#252;r deutsche Riester-Sparer, die in griechische Staatsanleihen investieren, ist das Risiko einer Abwertung der griechischen Drachme entfallen – ein Risiko, dass nicht mehr mit h&#246;heren Zinsen verg&#252;tet werden muss. Es steht au&#223;er Zweifel, dass auch niedrigere Zinsen einen Anreiz f&#252;r die Aufnahme zus&#228;tzlicher Schulden darstellen. Gleichwohl sollte dieser Effekt sich angleichender Finanzierungskosten nicht &#252;bersch&#228;tzt werden.</p>
<p>Das oben beschriebene Solvenzproblem Griechenlands l&#228;sst sich jedoch mittelbar auf die Gemeinschaftsw&#228;hrung zur&#252;ckf&#252;hren. Griechenland verzeichnete zwischen den Jahren 2002 und 2008 relativ hohe Inflationsraten zwischen <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;language=de&#038;pcode=tsieb060&#038;tableSelection=1&#038;footnotes=yes&#038;labeling=labels&#038;plugin=1">3,0 Prozent und 4,2 Prozent</a>. Damit lag die Inflationsrate in jedem Jahr seit Einf&#252;hrung des Euros &#252;ber den <a href="http://www.leitzinsen.info/eurozone.htm">Leitzinsen</a> der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB). Vor allem in den Jahren 2003 bis 2006 lag der Referenzzinssatz der EZB mit etwa einem Prozent unter der Inflationsrate Griechenlands. Die konjunkturorientierte Niedrigzinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten des Staates k&#252;nstlich so stark verbilligt, dass es wirtschaftlich rational war, stetig neue Schulden f&#252;r teils unsinnige Projekte aufzunehmen. Griechenlands Solvenzproblem ist daher kein Ergebnis hemmungsloser Spekulationen, sonder einer verantwortungslosen Zinspolitik der staatlichen EZB. Hier werden Verantwortlichkeiten durch die Staats- und Regierungschefs vertuscht.</p>
<p>Gleichwohl ist nicht auszuschlie&#223;en, dass sich das abzeichnende Liquidit&#228;tsproblem auch auf negative &#220;bertreibungen in den Finanzm&#228;rkte zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Als Folge asymmetrischer Informationen und Unsicherheit &#252;ber zuk&#252;nftige Entwicklungen greifen die Marktteilnehmer zu teils harschen Ma&#223;nahmen. Sie verhalten sich damit wie &#196;rzte. </p>
<p>Folgendes Bild illustriert dies: Wird ein Mensch mit offensichtlich hohem Alkoholisierungsgrad aufgefunden, so wird zu dessen eigener Sicherheit ein Brechreiz ausgel&#246;st, um die Gifte im Magen schnell zu entleeren. Nichts anderes l&#228;sst sich an den Finanzm&#228;rkte beobachten, wobei die sprunghaft steigenden Finanzierungskosten den „Brechreiz“ ausl&#246;sen sollen.</p>
<p><strong>Wie lassen sich die Probleme l&#246;sen?</strong></p>
<p>Die Krise der griechischen Staatsfinanzen kann nur nachhaltig &#252;berwunden werden, wenn die Probleme an der Wurzel angegangen werden. Die Krankheitsursache muss im Fokus stehen, nicht die Symptome. Die bisherigen Diskussionen von direkten Finanzhilfen &#252;ber B&#252;rgschaften bis hin zu strengerer Regulierung verdeutlichen, wie wenig Aufkl&#228;rungsinteresse die Staats- und Regierungschefs wirklich haben. Die Behandlungsfehler der staatlichen EZB d&#252;rfen nicht l&#228;nger von den Chef&#228;rzten in den Mitgliedsstaaten wie Sarkozy und Merkel vertuscht werden. Nur so kann die EZB auf den Pfad der Tugend in Form einer restriktiven Geldpolitik zur&#252;ckfinden.</p>
<p>Betrunkenen gibt man nicht einfach ein Kopfschmerzmittel und eine kostenlose Taxifahrt zum n&#228;chsten Wirtshaus. Deshalb ist ein Europ&#228;ischer W&#228;hrungsfonds die falsche Antwort.</p>
<p><em>Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Finanzm&#228;rkte der FDP-Bundestagsfraktion.</em>
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		<title>Die „Nie-wieder“-Industrie startet durch</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Sep 2009 12:14:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ursula Weidenfeld</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Englische &#214;konomen haben &#252;ber die Krise nachgedacht und einen offenen Brief die K&#246;nigin geschrieben. Jetzt ist eine "Nie-wieder"-Konferenz geplant.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bdb26bbf66641ea337961c5b5d33ee" width="1" height="1" alt=""/>Folgenden – hier ein bisschen gek&#252;rzten und zugegebenerma&#223;en flapsig wiedergegebenen – Brief (Original als <a href="http://media.ft.com/cms/3e3b6ca8-7a08-11de-b86f-00144feabdc0.pdf">PDF</a>) haben die m&#228;chtigsten  &#214;konomen des Vereinigten K&#246;nigreichs Ende Juli an K&#246;nigin Elisabeth II geschrieben:</p>
<p style="padding-left: 30px;">Majest&#228;t,<br />
bei unserem Zusammentreffen im vergangenen November haben Sie  gefragt, warum niemand die Krise vorhergesehen hat. Nun, wir haben am 17. Juni eine Konferenz dazu abgehalten. Mit diesem Schreiben &#252;bermitteln wir Ihnen die Ergebnisse.
</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Ehrlich gesagt, viele haben die Krise kommen sehen.</strong> Wir wussten halt nur nicht, wann genau sie kommt und wie heftig sie ausf&#228;llt. Es reicht aber nicht, eine Krise kommen zu sehen. Das „wann“ ist entscheidend bei der Vorhersage. Gewarnt haben viele, darunter auch die britische Notenbank. Das Risikomanagement wurde immer wichtiger. Es wurden sogar in vielen Bereichen noch extra Risikomanager eingestellt. Wir haben &#252;bersehen, dass man auch jemanden braucht, der die Summe aller Risiken einsch&#228;tzt.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Dazu kamen die globalen Ungleichgewichte. Der Aufstieg Chinas und Indiens und das Anh&#228;ufen von Sparguthaben in den aufstrebenden Nationen machte unseren Import billiger. Und er sorgte daf&#252;r, dass ihr Leistungsbilanz&#252;berschuss billige Zinsen und nur m&#228;&#223;ige Ertragsaussichten auf mittel- und langfristige Anlagen er&#246;ffnete. Man suchte h&#246;here Renditen &#8211; und damit h&#246;here Risiken. Das war der Kern des Immobilienbooms in den USA und in England.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Auch hier haben viele gewarnt.</strong> Aber gegen die Mahner standen die vielen, die glaubten, dass die Banken schon wissen, was sie tun. Die herrschende Meinung war, dass die Besten der Besten im Finanzgewerbe versammelt waren, und dass die sich wohl kaum kollektiv irren k&#246;nnten.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Viele haben geglaubt, dass sich die Finanzm&#228;rkte in ihrem Charakter ge&#228;ndert haben – und da ja auch au&#223;erhalb des Finanzsektors alle profitierten, Politiker, Haushalte, Konsumenten – war es leicht zu glauben, man sei nun in einer neuen, modernen, wachsenden  Welt angekommen.</p>
<p style="padding-left: 30px;"><strong>Diejenigen, die es h&#228;tten besser wissen m&#252;ssen, haben nichts getan.</strong> Sie haben es nicht gewagt, die Bowlesch&#252;ssel vom Tisch zu r&#228;umen, als die Party in vollem Gang war. Alle fanden, dass Blasen sich besser managen lassen, wenn sie platzen, anstatt sie in ihrem Entstehen zu behindern.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Was also war das Problem? Jeder hat nur seinen Job gemacht.</p>
<p style="padding-left: 30px;">Die Ursache der Krise war die geballte Einbildungskraft einer Menge kluger Leute  im In- und Ausland. Jetzt wollen wir daf&#252;r sorgen, dass Sie uns eine solche Frage nie wieder stellen m&#252;ssen. Dazu werden wir eine „Nie-wieder-Konferenz“ abhalten. Wir werden Ihrer Majest&#228;t das Protokoll zustellen.</p>
<p style="padding-left: 30px;">In Demut und Gehorsam verbleiben wir<br />
mit freundlichen Gr&#252;&#223;en</p>
<p><strong>Bei allem Erstaunen fragt man sich zweierlei:</strong><br />
1.	Warum haben die deutschen Spitzen&#246;konomen noch keinen Brief an die Nation geschrieben?<br />
2.	Warum brauchen Wissenschaftler immer Konferenzen (und Geld f&#252;r mehr Konferenzen) als Vorbedingung f&#252;r die Bereitschaft, &#252;berhaupt gemeinsam nachzudenken?</p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14471&amp;md5=d3c4f31137312109e70662d6cf92059e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Der &#252;berforderte Staat und die kommende Haushaltskrise</title>
		<link>http://carta.info/11545/der-ueberforderte-staat-und-die-kommende-haushaltskrise/</link>
		<comments>http://carta.info/11545/der-ueberforderte-staat-und-die-kommende-haushaltskrise/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 10 Jul 2009 18:04:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Berthold U. Wigger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach der Finanz- und der Wirtschaftkrise steht als drittes die Haushaltskrise bevor. F&#252;r das Gemeinwesen gibt es dabei keinen Retter. Es muss sich vielmehr selber retten, will es sich nicht heillos &#252;berfordern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9dff9f493fe9c2b9d62d08a0916fb9" width="1" height="1" alt=""/>Dort, wo ich aufwuchs, gab es einen viel besch&#228;ftigten Mann. Er hatte drei Berufe – er war zugleich B&#228;cker, Gastwirt und Taxiunternehmer. Abends, nachdem er seinen B&#228;ckerladen geschlossen hatte, schenkte er in seiner Gastwirtschaft bis sp&#228;t nachts Bier aus, fuhr dann die letzten G&#228;ste mit dem Taxi heim, und backte anschlie&#223;end in seiner B&#228;ckerei Brote und Br&#246;tchen, die er tags&#252;ber in seinem Laden verkaufte. Die drei Berufe schienen einander formidabel zu erg&#228;nzen. Nie musste der Mann das Gef&#252;hl haben, er sollte eigentlich Taxi fahren, wenn er Br&#246;tchen backte, und wenn er die Br&#246;tchen verkaufte, gab es niemanden, dem er ein Bier h&#228;tte einschenken sollen. Gleichwohl hatte die Sache mit den drei Berufen einen Haken. Sie war nicht wirklich nachhaltig. Der Mann verga&#223;, dass auch sein Tag nur 24 Stunden hatte und dass er in der 25. oder 26. keinen Schlaf finden w&#252;rde. Der Ausgang der Geschichte ist deshalb schnell erz&#228;hlt: der Mann hatte das vierzigste Lebensjahr noch nicht erreicht, da war er tot.</p>
<p>&#220;berforderung  ist freilich nicht allein ein individuelles Privileg. &#220;berfordern kann sich auch ein Gemeinwesen. <strong>Gegenw&#228;rtig sind wir auf dem besten Weg, unser Gemeinwesen, den Staat, zu &#252;berfordern</strong>. Der Staat soll nicht nur Banken und marode Unternehmen retten und die &#246;ffentliche Infrastruktur aufm&#246;beln, er soll auch Rentner vor Rentenk&#252;rzungen, Studenten vor Studiengeb&#252;hren, die Wirtschaft vor Subventionsk&#252;rzungen, Geringqualifizierte vor niedrigen L&#246;hnen, das Klima vor der Erw&#228;rmung und uns alle vor Autos bewahren, die &#228;lter sind als neun Jahre. Au&#223;erdem soll er in Zukunft die Steuern senken, keine Schulden mehr machen und mehr Geld f&#252;r Erziehung, Bildung und Forschung ausgeben. In der Tat, man braucht kein Def&#228;tist zu sein, um zu merken, dass das schwierig wird, und man braucht kein Philosoph zu sein, um zu sehen, dass die Wahrheit anders aussieht.</p>
<p>Als Folge der durch die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgel&#246;sten Steuerausf&#228;lle und der Ausgaben f&#252;r Konjunkturprogramme wird die gesamtstaatliche Verschuldung in den n&#228;chsten Jahren auf mehr als 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Darin eingerechnet sind noch nicht die m&#246;glicherweise anfallenden finanziellen Verpflichtungen aus den Kreditb&#252;rgschaften, die der Staat f&#252;r Banken und andere Unternehmen &#252;bernommen hat. Zwar sind die Steuerausf&#228;lle unvermeidlich und die Konjunkturprogramme trotz einiger Unzul&#228;nglichkeiten im Detail (Stichwort: Abwrackpr&#228;mie) alternativlos – der starke Anstieg der Schulden ist deshalb kein politisches Versagen. Das bedeutet aber nicht, dass man zur Tageordnung &#252;bergehen kann, sobald die Finanz- und Wirtschaftskrise &#252;berwunden ist. <strong>Die Krise besteht n&#228;mlich aus drei Teilen und der dritte steht erst noch bevor.</strong></p>
<p><strong>Der erste Teil der Krise ist die Finanzkrise.</strong> Sie erreichte ihren H&#246;hepunkt im September letzten Jahres mit dem Untergang der Lehman-Bank. Danach wurden weltweit Schirme zur Rettung des Bankensektors aufgespannt. Zwar sind die Banken noch nicht konsolidiert. Im Windschatten staatlicher Rettungsprogramme machen sie aber inzwischen schon wieder Gewinne. <strong>Der zweite Teil der Krise ist die Wirtschaftskrise.</strong> Der R&#252;ckgang der Produktion aufgrund des Einbruchs der weltweiten Nachfrage erreichte seinen H&#246;hepunkt im Fr&#252;hjahr dieses Jahres. Mittlerweile scheint sich die Lage freilich zu stabilisieren. Gest&#252;tzt durch staatliche Ausgaben wird die Wirtschaft sp&#228;testens im n&#228;chsten Jahr wieder auf einen Wachstumspfad  zur&#252;ckfinden, auch wenn der zun&#228;chst nicht sehr steil sein d&#252;rfte. Aber die Sache ist damit noch nicht erledigt. <strong>Der dritte Teil der Krise, die Haushaltskrise, wird seinen H&#246;hepunkt erst im kommenden Jahrzehnt erreichen und dieser Teil wird l&#228;nger dauern als die ersten beiden.</strong> F&#252;r das Gemeinwesen gibt es dabei keinen Retter. Es muss sich vielmehr selber retten, will es sich nicht heillos &#252;berfordern.</p>
<p>Allein die aufget&#252;rmten Schulden werden zu erheblichen Mehrlasten im &#246;ffentlichen Haushalt f&#252;hren. Das gilt besonders dann, wenn infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs das Zinsniveau steigt. Gegenw&#228;rtig zahlt der Staat historisch niedrige Zinsen auf seine Schulden.  Sobald die Zinsen wieder steigen, werden die Zinslasten einen deutlich gr&#246;&#223;eren Anteil an den staatlichen Ausgaben haben und nach den Sozialausgaben den gr&#246;&#223;ten Posten im &#246;ffentlichen Gesamthaushalt einnehmen.</p>
<p>Was kann man tun? Sicher nicht all das, was gegenw&#228;rtig vom Staat gefordert wird. Dann w&#252;rde ihm bald die Puste ausgehen. <strong>Nachhaltig &#252;berwinden lassen sich Haushaltskrisen durch systematische Ausgabenk&#252;rzungen oder Einnahmensteigerungen.</strong> Besonders Ausgabenk&#252;rzungen lassen sich indessen leichter fordern als realisieren. So wird zwar h&#228;ufiger vorgeschlagen, bei den Sozialausgaben zu k&#252;rzen. Allerdings d&#252;rften die Spielr&#228;ume nicht besonders gro&#223; sein. Nehmen wir als Beispiel die gesetzlichen Renten. Laut OECD wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten bereits mit dem jetzigen System der gesetzlichen Alterssicherung zunehmend mit dem Problem der Altersarmut konfrontiert sein. In Zukunft wird das System deshalb sogar ausgebaut werden m&#252;ssen. Dabei wird man sich vermutlich zumindest ein St&#252;ck weit von der jetzigen beitragsfinanzierten Rente verabschieden  und zu einer st&#228;rker steuerfinanzierten (Grund-)Rente &#252;bergehen. Das erfordert aber eher h&#246;here als niedrigere Steuern.</p>
<p>Sicher gibt es dennoch verschiedene M&#246;glichkeiten, die Ausgaben zu senken. Insbesondere geh&#246;rt das schwer zu durchschauende Geflecht der Wirtschaftsf&#246;rderung auf den Pr&#252;fstand.  Zur &#220;berwindung der Haushaltskrise wird man aber wohl <strong>nicht an Steuererh&#246;hungen vorbeikommen</strong>. Die Mehrwertsteuer w&#228;re daf&#252;r kein schlechter Kandidat. Mit einfachen &#220;berschlagsrechnungen l&#228;sst sich ermitteln, welche Erh&#246;hungen notwendig w&#228;ren. Knapp ein Prozent Mehrwertsteuererh&#246;hung d&#252;rften gebraucht werden, um die zus&#228;tzliche Zinslast des &#246;ffentlichen Haushalts zu bezahlen, weitere vier Prozent, um in Zukunft keine zus&#228;tzlichen Schulden mehr aufzubauen. Sollte es au&#223;erdem gelingen, Ausgaben zu k&#252;rzen, k&#246;nnte vielleicht die direkte Abgabenlast reduziert werden. Wenn mehr Mehrwertsteuermittel zur Finanzierung der Altersrenten aufgewendet werden, lie&#223;en sich beispielsweise die Sozialversicherungsbeitr&#228;ge senken.</p>
<p>Krisen haben immer auch die Bedeutung, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die Finanzkrise f&#252;hrt – hoffentlich – zu einer besseren Regulierung der Finanzm&#228;rkte. Die Wirtschaftskrise beseitigt – hoffentlich – kostenineffiziente und nicht an den Kundenw&#252;nschen orientierte Gesch&#228;ftsmodelle. Und so birgt auch die kommende Haushaltskrise die Chance, dass die staatlichen Einnahmen und Ausgaben neu und besser austariert werden. Pers&#246;nlich sehe ich eine gr&#246;&#223;ere Rolle f&#252;r die Mehrwertsteuer als Einnahmequelle und f&#252;r st&#228;rker steuer- statt beitragsfinanzierte Leistungen in der Sozialversicherung.  Sicher brauchen wir f&#252;r den Staat nicht das Schicksal des backenden, Taxi fahrenden Gastwirts zu f&#252;rchten. Der &#252;berforderte Staat wird vielmehr gewandelt und – hoffentlich – gest&#228;rkt aus der Krise hervorgehen.
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