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	<title>CARTA &#187; Europäische Union</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Sarrazin wei&#223; es auch nicht</title>
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		<pubDate>Mon, 21 May 2012 12:14:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Samira Lazarovic</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es scheint endlich alles gesagt zu sein zum kr&#228;nkelnden Euro. Wenn selbst Thilo Sarrazin in einer im Voraus voreilig skandalisierten Talkrunde nichts mehr Neues zu den Nord- und S&#252;dl&#228;ndern einf&#228;llt, Peer Steinbr&#252;ck wie erwartet dagegen h&#228;lt und sich beide auf Geburtsfehler der W&#228;hrung einigen, dann k&#246;nnte Europa sich eigentlich in Ruhe daran machen, einen Weg aus der Krise finden. Leider ist das Palaver bequemer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle Zutaten standen bereit: Die Duellanten Thilo Sarrazin und Peer Steinbr&#252;ck, die sich auf offener Fernsehb&#252;hne das SPD-Du verweigerten, der Moderator G&#252;nther Jauch, der endlich &#252;ber das „Stern TV“-Format hinauswachsen wollte und das Buch, das die Nation die n&#228;chsten Wochen bitte besch&#228;ftigen soll: „Europa braucht den Euro nicht.“ Garniert mit verhei&#223;ungsvollen Worten wie S&#252;dl&#228;nder, Nordl&#228;nder, Holocaust, Romanischer und Germanischer Finanzstil. Doch, ach, das Gericht schmeckte nach einer Stunde einfach nur fade. Irgendwie durchgekaut.</p>
<p>Vielleicht konnte sich der eine oder andere Fernsehzuschauer noch ordentlich aufregen, &#252;ber die Naivit&#228;t der Vertreter von Nordzucker und DIHK, die im Einspieler mit gl&#228;nzenden Augen von den Vorteilen des Euros schw&#228;rmten. Oder manch einer zu dem Schluss kommen, dass jemand, der bei aller intellektuellen Sch&#228;rfe W&#246;rter wie Dumpfbacke benutzt, vielleicht noch ein klein wenig am Kanzlerformat arbeiten muss.</p>
<p>Doch dass Thilo Sarrazin einr&#228;umte, nach gr&#252;ndlichen empirischen Studien, wie sie sein selbsternanntes Markenzeichen sind, zum Schluss gekommen zu sein, dass „der Euro uns immerhin nicht geschadet hat“, nahm doch deutlich Schwung raus aus der Debatte. Da half es auch kaum, dass er rasch versicherte, auch keine messbaren Vorteile gefunden zu haben und darauf hinwies, dass die W&#228;hrung seit der Krise Unfrieden stiftet. Peer Steinbr&#252;ck konterte mit integrierten Finanzm&#228;rkten und entfallenen W&#228;hrungsrisiken, er sprach von der politischen Union, von Verantwortung, Solidarit&#228;t – um schlie&#223;lich und endlich in einem Satz den Grund f&#252;r das Unbehagen vieler mit dem Geld in ihrer Tasche zu nennen: Es handele sich einfach um komplexe &#246;konomische Zusammenh&#228;nge, die schwer zu erkl&#228;ren sind.</p>
<p>Ja, es ist kompliziert. So kompliziert, dass selbst der Agent Provocateur Sarrazin in seinem Buch offenbar keinen L&#246;sungsvorschlag hat, wie ein Europa ohne Euro konkret aussehen soll. Zumindest hat G&#252;nther Jauch keinen gefunden und der Autor wollte sich vor laufenden Kameras nicht festlegen. Auch die k&#252;nftigen Sarrazin-Leser werden wahrscheinlich beim 464 Seiten starken Werk rasch zu den saftigen Stellen mit der Bu&#223;e f&#252;r Holocaust, sich sonnenden Griechen, die man ja durchaus pers&#246;nlich gern haben kann, oder der Finanzmentalit&#228;t der Italiener durchbl&#228;ttern, auf dass sie, je nach Gesinnung, ein eisiger oder wohliger Schauer &#252;berl&#228;uft.</p>
<p>Das Zahlenwerk mit anderen Statistiken zu &#252;berpr&#252;fen, das werden die wenigsten auf sich nehmen. Es ist wie mit der endlosen Diskussion &#252;ber den Teuro. Man kann dar&#252;ber schimpfen, dass alles teurer wird und uns der Euro das Leben versaut hat, oder sich Inflationsdaten und den Warenkorb der Statistiker vornehmen und mal reinschauen. Vielleicht sind alle irgendwann ja endlich so gelangweilt von den ewig gleichen Argumenten, dass man sich dieser Arbeit mal gemeinsam unterziehen kann.</p>
<p>Was ist, abgesehen von pers&#246;nlichen Empfindlichkeiten, eigentlich eine W&#228;hrung? Ein Mittel um den Transfer von Waren und Dienstleistungen zu erm&#246;glichen &#8211; ohne eine Gegenleistung in Form von anderen Waren und Dienstleistungen zu liefern. Wie wollen wir also in Zukunft damit arbeiten? Und wie k&#246;nnen wir den Euro, der sich bislang durch alle Finanzkrisen so wacker und stabil geschlagen hat, daf&#252;r nutzen, dass in Europa wieder Zufriedenheit einkehrt? Das w&#228;re mal eine interessante Diskussion. Wenn auch eine anstrengende.
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		<title>Verfassungs-Barbarei in Budapest</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Jan 2011 22:50:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max Steinbeis</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Viktor Orban]]></category>

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		<description><![CDATA[Am besten sind ja immer Informationen aus erster Hand. Deshalb hat Max Steinbeis an der Berliner Humboldt-Uni zwei ungarischen Rechtswissenschaftlern zugeh&#246;rt. Und ist entsetzt, wie m&#252;helos Ungarn zu einem autorit&#228;ren Regime mutiert.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Ungarn gerade im Begriff sind, in ihrem Land die Pressefreiheit abzuschaffen, ist bekannt. Weniger bekannt ist, was sonst noch so passiert im Verfassungsrecht der Magyaren. Da bleibt n&#228;mlich gerade kein Stein auf dem anderen. Buchst&#228;blich. Und das ist nicht allein das Problem der Ungarn, sondern verhei&#223;t f&#252;r alle Europ&#228;er nichts Gutes.</p>
<p>Dar&#252;ber hat mich gestern eine h&#246;chst verdienstvolle <a href="http://www.lsi-berlin.org/projekte/hungarian-constitutional-crisis">Veranstaltung</a> an der Berliner Humboldt-Uni aufgekl&#228;rt. Christian Boulanger vom <em>Law &amp; Society Institute</em> hatte zwei ungarische Rechtswissenschaftler eingeladen: Kriszta Kovácz, Beraterin des Pr&#228;sidenten des ungarischen Verfassungsgerichtshofs, und Gábor Attila Tóth von der Universit&#228;t Debrecen, fr&#252;her ebenfalls am Verfassungsgerichtshof als Berater t&#228;tig.</p>
<p>So viel vorweg: Gestern ist mein Optimismus, dass die EU aus ihrer gegenw&#228;rtigen Orientierungskrise heil herauskommt, um ein ganzes St&#252;ck gesunken.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Alte Verfassung mit neuem Inhalt</strong></p>
<p>Um zu verstehen, was gegenw&#228;rtig in Ungarn los ist, muss man 20 Jahre zur&#252;ckblicken: 1989 war Ungarn das erste Land in Europa, das den Kommunismus absch&#252;ttelte, und zwar auf friedliche Weise: Liberale und reformkommunistische Kr&#228;fte setzten sich zusammen und fanden eine gemeinsame L&#246;sung f&#252;r den &#220;bergang zu einer Verfassungsordnung, die zun&#228;chst wie ein Musterbeispiel demokratischer Erfolgsgeschichte aussah.</p>
<p>Anders als alle anderen Ex-Ostblock-Staaten blieb dabei die alte Verfassung von 1949 formell bestehen &#8211; wenn auch v&#246;llig entkernt und von ihren stalinistischen Inhalten befreit. Nur zwei Vorschriften blieben &#252;brig: die Bestimmung Budapests als Hauptstadt und die Regel, dass Verfassungs&#228;nderungen einer Zweidrittelmehrheit im Parlament bed&#252;rfen (dazu sp&#228;ter mehr).</p>
<p>Die Verfassung mit ihrem neuen Inhalt f&#252;gte sich gut in die konsensdemokratische Verfassungslandschaft Kontinentaleuropas ein: Es gibt einen starken Minderheitenschutz durch Grundrechte, deren Einhaltung ein Verfassungsgericht mit weitreichenden &#220;berpr&#252;fungskompetenzen garantiert. Die Zweidrittel-H&#252;rde stellt im Normalfall sicher, dass die Mehrheit keine Systemver&#228;nderungen vornehmen kann, ohne die Minderheit einzubinden.</p>
<p>Mit anderen Worten: Um zu regieren, muss man miteinander reden.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Constitutional Moment</strong></p>
<p>In den letzten Jahren hatte dieses System aber immer schlechter funktioniert: Die Regierung war korrupt und blockiert, es ging nichts vor und nichts zur&#252;ck.</p>
<p>Im April 2010 errang daraufhin die nationalkonservative Fidesz-Partei einen gewaltigen Wahlsieg: Mit 53 Prozent der Stimmen erhielt sie 68 Prozent der Parlamentssitze – also eine Zweidrittelmehrheit.</p>
<p>Die Folge: Da es im Ein-Kammer-System Ungarns keine Entsprechung zum deutschen Bundesrat gibt, kann die Fidesz-Partei ganz alleine die Verfassung &#228;ndern.</p>
<p>F&#252;r Fidesz-Anf&#252;hrer Viktor Orban, der 1989 als junger Oppositioneller den Kommunismus abzuschaffen half, war dies mehr als ein Wahlsieg: Es war ein Auftrag des ungarischen Volkes, den Job von 1989 zu Ende zu bringen. Mit den Halbheiten des friedlichen &#220;bergangs aufzur&#228;umen. Mit dem ewigen Kompromisse schlie&#223;en. Mit der ewigen R&#252;cksichtnahme auf &#252;berstimmte Minderheiten. Mit dem ewigen miteinander reden, anstatt zu regieren.</p>
<p>F&#252;r Orban war sein Wahlsieg ein Auftrag, die ungarische Nation neu zu gr&#252;nden, und zwar nach dem Bilde seines Parteiprogramms: Schlie&#223;lich hatte seine Partei die verfassungs&#228;ndernde Mehrheit, und damit das Mandat zur Systemver&#228;nderung.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Holy Crown!</strong></p>
<p>Die neue Verfassung ist bereits in Arbeit. Im April 2011, zum Jahrestag des Fidesz-Wahlsiegs, soll sie fertig sein. Die Opposition, sofern von einer solchen &#252;berhaupt die Rede sein kann, hat nur pro forma Gelegenheit zur Mitarbeit daran erhalten. Es wird wohl eine lupenreine Fidesz-Verfassung werden.</p>
<p>Und die sieht dann <a href="http://nezopontintezet.hu/en/hungarian-political-summary/new-constitution-in-the-making/">so</a> aus: Im Entwurf der Pr&#228;ambel beispielsweise ist von 1989 mit keinem Wort die Rede, wohl aber von der Wahl im April 2010 als eigentlichem revolution&#228;rem Gr&#252;ndungsakt des neuen Ungarn. Nur christliche Werte sind als ma&#223;geblich f&#252;r die Verfassung anerkannt. Die neue Verfassung definiert die zu sch&#252;tzende Ehe als die von Mann und Frau, und zu sch&#252;tzendes Leben als beginnend mit der Empf&#228;ngnis.</p>
<p>Au&#223;erdem soll es in der Pr&#228;ambel – schr&#228;ge Sache f&#252;r eine Republik – eine Bezugnahme auf die “Heilige Krone” geben. Zu deren Verst&#228;ndnis ist ein Ma&#223; an <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Doctrine_of_the_Holy_Crown">Einf&#252;hlung</a> in den ungarischen Verfassungsexzeptionalismus n&#246;tig, die ich hier nicht aufbringe.</p>
<p>Fidesz will offenbar auch daf&#252;r sorgen, dass diese Verfassung &#252;ber die Zeit ihrer Zweidrittelmehrheit hinaus Bestand hat. Abge&#228;ndert werden k&#246;nnen soll sie nach dem Entwurf (das kam gestern nicht vor, habe ich <a href="http://nezopontintezet.hu/en/hungarian-political-summary/new-constitution-in-the-making/">hier</a> gefunden) n&#228;mlich nur dann, wenn das Parlament in zwei aufeinanderfolgenden Legislaturperioden das mit Zweidrittelmehrheit beschlie&#223;t. Also nie, au&#223;er Fidesz bleibt am Ruder.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Kastration des Verfassungsgerichts</strong></p>
<p>Aber auch von ihrer Befugnis, die bestehende Verfassung zu modifizieren, macht Fidesz nach dem Bericht der beiden ungarischen Wissenschaftler bereits munter Gebrauch.</p>
<p>So sei beispielsweise k&#252;nftig der Generalstaatsanwalt des Landes vor jeder parlamentarischen Kontrolle gefeit. Seine Amtszeit betr&#228;gt 9 Jahre, also l&#228;nger als zwei Legislaturperioden.</p>
<p>Noch krasser ist eine andere, im November beschlossene Verfassungs&#228;nderung: Sie <a href="http://www.budapester.hu/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=7058&amp;Itemid=26">erm&#228;chtigt</a> den Staat dazu, auf Gelder, die von der &#246;ffentlichen Hand gezahlt wurden, r&#252;ckwirkend eine konfiskatorische Steuer von 98 Prozent zu erheben.</p>
<p>Die Idee dahinter ist offenbar, dass man auf diese Weise korrupten fr&#252;heren Officials ihre ergaunerten Reicht&#252;mer wieder wegnehmen will. Das ist vielleicht die Idee, aber de facto besagt die Verfassungs&#228;nderung, dass die Regierung auch Beamtengeh&#228;lter, Subventionen und alle sonstigen vollkommen rechtm&#228;&#223;ig erlangten Zahlungen aus staatlichen Mitteln f&#252;nf Jahre lang r&#252;ckwirkend wieder wegbesteuern kann.</p>
<p>Und zwar ohne Kontrolle. Dem Verfassungsgericht wurde gegen den hilflosen <a href="http://www.mkab.hu/index.php?id=press_release_on_the_modificiation_of_the_constitutional_court_s_fields_of_competence">Protest</a> desselben kurzerhand das Recht, &#252;ber Steuer- und Haushaltsgesetze zu urteilen, so gut wie vollst&#228;ndig entzogen.</p>
<p>Das hei&#223;t, dass ein erheblicher Teil der Gesetzgebung keinerlei verfassungsgerichtlicher Kontrolle mehr unterworfen ist. Die Regierung k&#246;nnte beispielsweise eine diskriminierende Sondersteuer f&#252;r Minderheiten erlassen und damit v&#246;llig ungeschoren davonkommen (vom EGMR jetzt mal abgesehen).</p>
<p>Das alles kommt zu der bekannten Abschaffung der Meinungsfreiheit – in einem Land ohne effektive parlamentarische Opposition wirklich eine Katastrophe – noch dazu.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><strong>Was tun?</strong></p>
<p>Ich will hier gar keine Parallele zum Erm&#228;chtigungsgesetz von 1933 ziehen; mit solchen Vergleichen liegt man immer falsch. Aber so viel scheint klar: Hier entsteht ein Regime, das im Namen der nationalen Einheit Demokratie, Recht und Verfassung dazu einsetzt, seine Macht zu zementieren.</p>
<p>Nun k&#246;nnte man sagen: Die Ungarn haben diese Leute schlie&#223;lich gew&#228;hlt, und zwar mit gro&#223;er Mehrheit. Das sei eine innere Angelegenheit der Ungarn, die ihr Schicksal schlie&#223;lich selbst gew&#228;hlt haben. Wenn sie jetzt ein autorit&#228;res Regime bekommen, dann ist das ihre eigene Schuld und ihr eigenes Problem.</p>
<p>Und au&#223;erdem: Orban und Fidesz sind nicht nur rechtlich, sondern auch demokratisch legitimiert, zu tun, was sie tun. Und wer das kritisiert, der kritisiert den freien Willen der Ungarn. Der kritisiert die Demokratie. Der zeigt sich als ihr eigentlicher Feind. Zwei Dinge dazu:</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><span style="color: #ffffff;"> </span><strong>Das &#214;sterreich-Dilemma</strong></p>
<p>Zum einen ist ein autorit&#228;rer ungarischer Premierminister mitnichten eine rein innerungarische Angelegenheit. Der Mann regiert uns alle mit, n&#228;mlich &#252;ber den Europ&#228;ischen Rat, dem er gegenw&#228;rtig auch noch vorsitzt. Und wir haben den nicht gew&#228;hlt.</p>
<p>Wie man in der EU mit &#252;belriechenden nationalen Regierungen umgehen soll, ist seit dem Desaster um den &#214;sterreich-Boykott nach der Regierungsbeteiligung der FP&#214; ein ungel&#246;stes Problem. Niemand wei&#223;, was da zu tun ist. Man tut einstweilen so, als g&#228;be es das Problem &#252;berhaupt nicht. Haider ist schlie&#223;lich weg vom Fenster, und Berlusconi wird es, so Gott will, auch eines Tages sein, und ansonsten schau’n wir mal.</p>
<p>Kann sein, dass sich das Ungarn-Problem auch irgendwie durch Zeitablauf l&#246;st. Dass man den ungarischen Nationalautoritarismus in den M&#252;hlen der Br&#252;sseler Konsenspolitik einfach geduldig kleinmahlt, im Bund mit der globalisierten Wirtschaft, deren Misstrauen auch der stolzeste Magyarenf&#252;hrer als begrenzenden Faktor seiner Macht anerkennen muss.</p>
<p>Zu den Beispielen, dass auch aus autorit&#228;ren Anf&#228;ngen noch durchaus respektable demokratische Politik entstehen kann, z&#228;hlt die New-Deal-Politik von US-Pr&#228;sident Rooseveldt in den 1930er Jahren – eine Parallele, die Christoph M&#246;llers gestern ins Gespr&#228;ch brachte. Auch Rooseveldt verfolgte eine antikapitalistische, anti-liberale Sto&#223;richtung mit durchaus autorit&#228;ren Z&#252;gen. Und in der Wahl der Mittel gibt es ebenfalls Parallelen, etwa das ber&#252;chtigte “court packing”, die Drohung, den widerspenstigen Supreme Court einfach mit Gefolgsleuten zu besetzen und so den justiziellen Widerstand zu brechen. Das hat er dann doch lieber gelassen, und auch sonst ist alles am Ende ja gut ausgegangen; der New Deal gilt als gro&#223;e Erfolgsstory der US-amerikanischen Zeitgeschichte.</p>
<p>Mag also sein, dass auch in Ungarn alles irgendwie gut ausgeht. Aber wenn nicht?</p>
<p>Dass die EU-Kommission nicht sch&#228;rfer auftritt, wundert mich nicht. Die kann nicht viel <a href="http://carta.info/36791/ist-das-neue-ungarische-mediengesetz-ein-fall-fuer-die-europaeische-union/">machen</a>. Viel schlimmer ist, dass die Regierungschefs nichts tun. <strong>F&#252;r einen Politiker, dem an Europa gelegen ist, m&#252;sste es sich von selbst verstehen, dass Ungarn ein riesiges europapolitisches Thema ist </strong>(auch dies ein Punkt, den Christoph M&#246;llers gestern ansprach). <strong>Dass es eine europ&#228;ische Debatte dar&#252;ber geben muss, was die nationale Restauration in einzelnen Staaten f&#252;r Europa und damit uns alle bedeutet.</strong> Dass es an der Zeit ist, das &#214;sterreich-Trauma und die Praxis, angesichts autorit&#228;rer Tendenzen in den Mitgliedsstaaten einfach nur in ratloser Depression zu versumpfen, hinter sich zu lassen.</p>
<p>Dass das nicht geschieht, dass weder Merkel noch Cameron noch der selbst nicht gerade Rosenduft verstr&#246;mende Sarkozy die Z&#228;hne auseinander kriegen, das deprimiert mich zutiefst.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">..</span></p>
<p><strong>Vertrauen in die Fiktion der Demokratie</strong></p>
<p>Zum anderen gibt es ein demokratietheoretisches Problem, das mich ebenfalls umtreibt. Fidesz wurde von etwas mehr als der H&#228;lfte der Ungarn gew&#228;hlt. Daraus wurde im Parlament eine Zweidrittelmehrheit. Und daraus wurde ein Mandat, sich als verfassunggebende Gewalt in Ungarn zu begreifen, sich also an die Stelle des ungarischen Volkes zu setzen.</p>
<p>Was eben noch eine Partei war, wird durch die Zweidrittelmehrheits-Wahl zum Organ des ganzen Volkes, der ganzen Nation. Was erkl&#228;rt, warum Viktor Orban die Kritik im EU-Parlament an seiner Politik als Beleidigung aller Ungarn empfindet.</p>
<p>Der Fall deckt die dunkle Seite der Demokratie auf und taucht sie in grelles Licht: Er zeigt, dass die Pr&#228;misse, dass in Wahlen der Wille des Volkes ermittelt wird, nur eine Fiktion ist. Dass Demokratie ohne Vertrauen auf den Wahrheitsgehalt dieser Fiktion nicht existieren kann, zeigt die historische Erfahrung &#252;berreichlich.</p>
<p>Hier liegt der eigentliche Schaden f&#252;r die Demokratie.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Crosspost vom <a href="http://verfassungsblog.de/verfassungsbarbarei-budapest-2/">Verfassungsblog</a></em></p>
<p><em>Lesen Sie auch: <a href="http://carta.info/37233/ungarn-die-folgen-einer-schweigeminute/">Die Folgen einer Schweigeminute</a> sowie Hubertus Gersdorf &#252;ber die <a href="http://carta.info/36791/ist-das-neue-ungarische-mediengesetz-ein-fall-fuer-die-europaeische-union/">rechtliche Situation</a></em><em> innerhalb der EU</em></p>
<p><em> </em>
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<a href="http://carta.info/37402/verfassungs-barbarei-in-budapest/">Verfassungs-Barbarei in Budapest</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/37402/verfassungs-barbarei-in-budapest/#comments">10 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37402&amp;md5=a30c5239894f4995398a7130876a7168" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der alte Politikjournalismus erz&#228;hlt Stories, der neue ist nichtlinear und visuell</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Dec 2010 20:30:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Max Steinbeis</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele Journalisten beklagen, dass sich aus "Br&#252;ssel" keine wirklich spannenden Geschichten schlagen lassen. Die b&#252;rokratische EU und ihre komplexen Abstimmungsmechanismen verf&#252;hren deshalb oft zum Aufbauschen ganz normaler Konflikte. Was tun dagegen? Max Steinbeis sieht in der F&#246;rderung des "data journalism" eine m&#246;gliche Alternative. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es war Mitte der Neunziger. Ich hatte gerade den Beschluss gefasst, Journalist zu werden. Ich stand mit einem etwas &#228;lteren Freund zusammen, der gerade als Volont&#228;r beim <em>Bayerischen Rundfunk</em> genommen worden war, und wir fantasierten &#252;ber unsere aufregende politische Korrespondentenzukunft: Bonn! Washington! Moskau! Als ich „Br&#252;ssel!“ einwarf, zog mein erfahrenerer Freund ein Gesicht.</p>
<p>Ach, Br&#252;ssel, sagte er. Br&#252;ssel ist doch keine Geschichte.</p>
<p>Jeder wei&#223;, dass die meisten Gesetze auf EU-Ebene entstehen. In Br&#252;ssel fallen die ma&#223;geblichen Entscheidungen. Die Politik, die dort gemacht wird, ist f&#252;r Deutschland und seine Zeitungsleser von ungeheurer Tragweite.</p>
<p>Aber Br&#252;ssel ist keine Geschichte.</p>
<p>Wir Politikjournalisten sind gewohnt, es als Problem der Politik zu betrachten, wenn sie „keine Geschichte“ ist: Was k&#246;nnen wir daf&#252;r, wenn die in Br&#252;ssel solche Langweiler sind? Wenn die immer nur Kompromisse aushandeln, anstatt die Entscheidung auf ein sauberes Entweder-Oder zuzuspitzen, ein Daf&#252;r-oder-dagegen, mit dem man t&#252;chtig Spannung erzeugen kann? Wie soll man eine Geschichte erz&#228;hlen, ohne Spannung?</p>
<p>Dann kommen sie halt nicht vor in der Zeitung, sind wir gewohnt zu sagen. Ist doch nicht unser Problem.</p>
<p>Das Dumme ist nur: Diese sch&#246;ne zugespitzte Entweder-Oder-Situation, die wir so n&#246;tig brauchen f&#252;r unseren Job, die gibt es in der Politik immer seltener. Nicht nur in Br&#252;ssel, auch in Berlin: Zwischen zwei bis drei Koalitionspartnern, f&#252;nf Parteien, sechzehn L&#228;ndern und tausend Verb&#228;nden, Experten und Interessenvertretern wird in Berlin l&#228;ngst genauso viel verhandelt und konsultiert wie in Br&#252;ssel. Das kann man beklagen und bejammern, aber nach der x-ten Wiederholung ist auch die Beobachtung, dass Angela Merkel „nicht f&#252;hrt“, keine spannende Geschichte mehr.</p>
<p>Uns kommt unser Gegenstand, die Politik, abhanden. Und das ist leider durchaus unser Problem.</p>
<p>Eine Zeitlang haben wir geglaubt, wir k&#228;men davon, indem wir „personalisieren“, also das Drama in den handelnden Figuren suchen. Das kann man machen. Aber nicht, wenn es sich bei der handelnden Figur um, sagen wir, Ronald Pofalla handelt.</p>
<p>Unsere Frustration, dass aus so vielen m&#228;chtigen Politikern so wenig Drama herauszumelken ist, schl&#228;gt sich in jenem ver&#228;chtlichen, sarkastischen Ton nieder, in dem wir &#252;ber sie schreiben, als w&#228;ren wir in Berlin immer und &#252;berall nur von Idioten umgeben, und der vermutlich das Letzte ist, was uns unsere zunehmend befremdeten Leser noch glauben.</p>
<p>Unser letzter Ausweg: Wir machen uns unsere Spannung einfach selber. Wir b&#252;rsten auf Krawall und machen aus jeder Meinungsverschiedenheit einen Riesenkrach und aus jeder Auseinandersetzung um den richtigen Weg in der Hartz-IV-Reform eine „Meuterei gegen von der Leyen“ und verfehlen damit sowohl das Thema als auch das Leserinteresse: Als ob das au&#223;erhalb der Hauptstadtdunstglocke irgend jemand interessieren w&#252;rde, wenn irgendein langweiliger Politiker &#196;rger mit irgendeinem anderen langweiligen Politiker hat.</p>
<p>Apropos Leser: Denen geben wir auch immer gern die Schuld an der Misere. Sie seien ja so indifferent und politikverdrossen! Mag alles sein. Aber meine Vermutung ist, dass sich das Interesse der Leute da drau&#223;en an der L&#246;sung politischer Probleme schon wecken lie&#223;e, wenn man sie nicht immer mit Scheinkonflikten und Albernheiten behelligen w&#252;rde.</p>
<p>Politik f&#252;r die &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich zu machen ist unser Job. Wenn wir das durch Geschichtenerz&#228;hlen nicht mehr hinbekommen, dann sollten wir uns nach anderen M&#246;glichkeiten umsehen.</p>
<p><strong>Es gibt, ausgehend von den USA und Gro&#223;britannien, einen Trend, der sich „data journalism“ nennt: das Zug&#228;nglichmachen von gewaltigen Datenmengen durch Navigationshilfen und Visualisierung</strong>. Das prominenteste Beispiel war die Ver&#246;ffentlichung der Afghanistan- und Irak-Protokolle von WikiLeaks durch <em>Guardian</em>, <em>New York Times</em> und <em>Spiegel</em>.</p>
<p>Solche Darstellungsformen sind die Zukunft des Politikjournalismus. Warum sollte sich nicht auch die Debatte um die Hartz-IV-Reform auf diese Weise zug&#228;nglich machen lassen? Sicher, die Daten sind nicht sauber tabellierbar und nur schwer automatisch zu verarbeiten. Aber um so mehr g&#228;be es f&#252;r gestandene Politikjournalisten zu tun.</p>
<p>Der neue Politikjournalismus ist nichtlinear &#8211; und er ist visuell. Er versorgt die Leser mit Orientierung, damit sie im Dschungel der politischen L&#246;sungsvorschl&#228;ge ihren eigenen Standpunkt finden und markieren k&#246;nnen. Er kartografiert die politische Meinungslandschaft. Er ist n&#252;tzlich. Er wird gebraucht. Er ist relevant. Und spannend ist er obendrein.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Max Steinbeis war langj&#228;hriger Parlamentskorrespondent des „Handelsblatts“ in Berlin. Seit 2008 entwickelt er mit dem Projekt „Politikatlas“ neue visuelle Darstellungsformen f&#252;r politische Debatten, zuletzt zum Thema Schulreform.</em></p>
<p><em><a href="http://verfassungsblog.de/der-neue-politikjournalismus-nichtlinear-und-visuell/">Crosspost</a> vom Verfassungsblog</em>
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		<title>Ist das neue ungarische Mediengesetz ein Fall f&#252;r die Europ&#228;ische Union?</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Dec 2010 18:25:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hubertus Gersdorf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hubertus Gersdorf, Inhaber der Gerd Bucerius-Stiftungsprofessur f&#252;r Kommunikationsrecht an der Universit&#228;t Rostock und sachverst&#228;ndiges Mitglied der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ meint: Nein. Die EU-Kommission habe hier - leider - kein Durchgriffsrecht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor dem Hintergrund der traumatischen Erinnerungen an die staatliche Meinungs- und Informationslenkung durch den nationalsozialistischen Propagandastaat und durch den DDR-Unrechtsstaat nimmt der Grundsatz der Staatsfreiheit der Kommunikationsordnung einen herausragenden Platz innerhalb der grundgesetzlichen Kommunikationsverfassung ein. Auf den Erfahrungen mit Diktaturen gr&#252;ndet das in Deutschland tief verwurzelte Unbehagen gegen jede Form einer staatlichen Bewertung und Lenkung von Kommunikationsinhalten. Auch in Deutschland ist demokratische Freiheit nicht vom Himmel gefallen, sondern teilweise erstritten und erk&#228;mpft worden, also Ergebnis eines l&#228;ngeren Prozesses diskursiver Wertebildung im und f&#252;r den demokratischen Staat. W&#228;hrend in den Anfangsjahren der Bundesrepublik Deutschland demokratischer Protest gegen Regierungspolitik noch als staatsfeindliche Agitation stigmatisiert oder investigativer Journalismus als „Abgrund von Landesverrat“ &#246;ffentlich gegei&#223;elt werden durfte, ist die Freiheit der Medien ein Konstitutionsprinzip der demokratisch gel&#228;uterten Bundesrepublik Deutschland.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Kritik am neuen ungarischen Mediengesetz</span></p>
<p>Staatsfreiheit der Medien und Staatsfreiheit der Aufsicht &#252;ber die Medien ist f&#252;r einen demokratischen Staat schlechthin konstituierend. Die Medien k&#246;nnen ihre Rolle als Kontrolleur des Staates nur dann wirksam wahrnehmen, wenn der zu kontrollierende Staat keinen bestimmenden Einfluss auf die publizistische Bet&#228;tigung der Medien nehmen kann. <strong>Das neue ungarische Mediengesetz schafft eine Aufsichtsbeh&#246;rde &#252;ber &#246;ffentlich-rechtliche und private Medien, die weitgehende Kontrollbefugnisse besitzt und bei Verst&#246;&#223;en Geldbu&#223;en von bis zu 750.000 Euro verh&#228;ngen kann. Diese Aufsichtsbeh&#246;rde rekrutiert sich aus f&#252;nf Regierungsvertretern. </strong>Der Sache nach handelt es sich um eine Staatsaufsicht &#252;ber die Medien mit weitreichenden Kontroll- und Sanktionsm&#246;glichkeiten. In der Bundesrepublik Deutschland w&#228;re eine solche Organisationsstruktur evident verfassungswidrig. Die Aufsicht &#252;ber den Rundfunk ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts staatsfern zu organisieren.</p>
<p>Nicht nur in Deutschland, sondern zuv&#246;rderst auf europ&#228;ischer Ebene st&#246;&#223;t das neue ungarische Mediengesetz auf <a href="http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5i0-dyglkg4f48BqmTEopkn8LZMOQ?docId=CNG.50530b67004ea1808b238827050b6317.171">Kritik</a>. Der Vorgang hat auch deshalb besondere Brisanz, weil Ungarn ab dem 1. Januar 2011 f&#252;r sechs Monate den EU-Ratsvorsitz &#252;bernimmt. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird auf europ&#228;ischer Ebene Druck auf die Kommission ausge&#252;bt, gegen Ungarn wegen seines „perfiden Gesetzes“ (<a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/cohn-bendit-ungarn-ist-auf-dem-weg-zur-ueberwachungsdiktatur/3679282.html">Daniel Cohn-Bendit</a>) vorzugehen. Die Kommission hat eine sorgf&#228;ltige Pr&#252;fung zugesagt. Aber was kann sie machen?</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Ist Ungarn an die Grundrechtecharta und ihren Artikel 11 Absatz 2 („Freiheit der Medien“) gebunden?</span></p>
<p>Die Europ&#228;ische Union ist nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern seit langem, seit den Maastrichter-Vertr&#228;gen zu einer umfassenden Wertegemeinschaft gewachsen, in der politische und demokratische Freiheiten einen herausragenden Stellenwert haben. In Artikel 11 Absatz 2 der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charta_der_Grundrechte_der_Europ%C3%A4ischen_Union">Grundrechtecharta</a> bekennt sich die Europ&#228;ische Union ausdr&#252;cklich zur Freiheit der Medien, wozu auch und gerade die Staatsfreiheit der Medien geh&#246;rt. Zweifelsfrei sind die Organe der Europ&#228;ischen Union an die Grundrechtecharta gebunden. Nur gilt dies auch f&#252;r die Mitgliedstaaten der Union? Ist Ungarn an die Grundrechtecharta gebunden und kann deshalb das ungarische Mediengesetz gegen Artikel 11 Absatz 2 Grundrechtecharta versto&#223;en? <strong>Nur wenn Ungarn beim Erlass seines Mediengesetzes der Grundrechtecharta unterworfen ist, kommt die „Freiheit der Medien“ des Artikels 11 Absatz 2 Grundrechtecharta als Ma&#223;stab einer Kontrolle in Betracht.</strong></p>
<p>Im Gegensatz zu den Organen der Europ&#228;ischen Union, die uneingeschr&#228;nkt der Bindung an die Grundrechtecharta unterliegen, sind die Mitgliedstaaten „ausschlie&#223;lich bei der Durchf&#252;hrung des Rechts der Union“ an die Grundrechte gebunden (Artikel 51 Absatz 1 Grundrechtecharta). Das Recht der Mitgliedstaaten ist also nicht uneingeschr&#228;nkt an den Unionsgrundrechten zu messen, sondern nur bei Durchf&#252;hrung des Unionsrechts. Dies ist etwa beim Vollzug von EU-Verordnungen oder bei der innerstaatlichen Umsetzung von EU-Richtlinien der Fall. Um all dies geht es beim neuen ungarischen Mediengesetz nicht. Ungarn k&#246;nnte nur dann an die Grundrechtecharta gebunden sein, wenn das neue Mediengesetz in eine Grundfreiheit (etwa Niederlassungs- oder Dienstleistungsfreiheit) des Vertrages &#252;ber die Arbeitsweise der Europ&#228;ischen Union (AEUV) eingreifen w&#252;rde. Es ist anerkannt, dass die Mitgliedstaaten der Bindung an die Unionsgrundrechte unterliegen, wenn sie Grundfreiheiten des AEUV beeintr&#228;ch­tigen. Doch auch eine solche Beeintr&#228;chtigung von Grundfreiheiten d&#252;rfte vom neuen ungarischen Mediengesetz kaum ausgehen. Es begr&#252;ndet keine Diskriminierung von ausl&#228;ndischen Medienunternehmen, weil die vom neuen ungarischen Mediengesetz vorgesehene Staatsaufsicht f&#252;r alle Medienunternehmen gleich welcher Herkunft gilt. Auch sind nichtungarische Medien durch das Gesetz faktisch nicht st&#228;rker, sondern in gleichem Ma&#223;e wie inl&#228;ndische Medienunternehmen betroffen. Alles das spricht daf&#252;r, dass Ungarn mit dem neuen Mediengesetz nicht in Grundfreiheiten des AEUV eingreift und deshalb insoweit auch nicht an die Unionsgrundrechte gebunden ist.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Conclusio: Das neue ungarische Mediengesetz ist kein Fall f&#252;r die Europ&#228;ische Union.</span></p>
<p>Unterliegt Ungarn beim Erlass seines neuen Mediengesetzes nicht der Bindung an die Unionsgrundrechte, ist das Gesetz demnach auch nicht an Artikel 11 Abs. 2 Grundrechtecharta („Freiheit der Medien“) zu messen. <strong>Dementsprechend sind der Kommission die H&#228;nde gebunden. Man mag dieses Ergebnis als politisch inakzeptabel betrachten. Es beruht jedoch auf dem Umstand, dass die Mitgliedstaaten nicht generell, sondern nur bei Durchf&#252;hrung des Unionsrechts an Unionsgrundrechte gebunden sind.</strong> Nicht jedes mitgliedstaatliche Problem ist ein Problem der Europ&#228;ischen Union und sollte im Interesse der Souver&#228;nit&#228;t der Mitgliedstaaten auch nicht Sache der Union sein. Ob dies indes im Bereich der Freiheit der Medien der Fall sein sollte, steht auf einem anderen Blatt.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36791&amp;md5=eea83d8ff8f43819633992f2ee6e31eb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Deutschlands Flehen in der Euro-Krise: Lasst uns nicht allein!</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Dec 2010 10:35:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Hütt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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		<category><![CDATA[Vertrag von Lissabon]]></category>

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		<description><![CDATA[Retten kommt in Misskredit. Eine Einsicht, in der &#214;konomen, Politiker und Rhetoriker auf frappierende Weise &#252;bereinstimmen. Warum? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Offenbar hat das Wort Retten, das urspr&#252;nglich &#8220;<a href="http://urts55.uni-trier.de:8080/Projekte/WBB2009/DWB/wbgui_py?lemid=GA00001">aus der Gefahr rei&#223;en</a>&#8221; bedeutet, inzwischen unter dem Druck der &#214;konomie eine Umwertung erfahren, die in Griechenland und in Irland als &#8220;in die Gefahr gesto&#223;en werden&#8221; verstanden wird.</p>
<p>Den Auftakt gab Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17080.pdf">Regierungserkl&#228;rung im Deutschen Bundestag</a>. Ich fasse ihre Argumentation zusammen:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Europa sei eine Verantwortungsgemeinschaft. Deutschland profitiere davon besonders. Einzelne Euro-Staaten stehen vor schwierigen Herausforderungen. Der Euro selbst aber habe sich als krisenfest erwiesen. Der EU-Gipfel werde einen Krisenmechanismus etablieren, der auch den Privatsektor und den Internationalen W&#228;hrungsfonds an der L&#246;sung k&#252;nftiger Krisen beteilige. Die dazu n&#246;tige Vertrags&#228;nderung werde das Beistandsverbot nicht antasten. Damit werden keine Hoheitsrechte an die EU &#252;bertragen. Der Mechanismus werde ausgel&#246;st durch eine Gef&#228;hrdung der Finanzstabilit&#228;t der gesamten Euro-Zone. Die Feststellung erfolge durch einstimmige Beschl&#252;sse. Die &#196;nderung des Vertrags erfolge im vereinfachten Verfahren (ohne Referenden) und solle bis Ende 2012 abgeschlossen sein.</em></p></blockquote>
<p>Ihr pers&#246;nliches Bekenntnis zu Europa beschlie&#223;t Frau Merkel mit der Formel:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Niemand in Europa wird alleingelassen, niemand in Europa wird fallen gelassen, Europa gelingt gemeinsam. Ich f&#252;ge hinzu, Europa gelingt nur gemeinsam.</em></p></blockquote>
<p>Am n&#228;chsten Tag greift Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt ein, kritisiert vehement die deutsche Europapolitik dieses Jahres.</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Wer in dieser Lage lediglich taktiert und finassiert, wer gar jedwedes Auseinanderfallen des Euro-Verbundes &#246;ffentlich diskutiert, dem fehlt jede Weitsicht. (…) Wir Europ&#228;er k&#246;nnen die fr&#252;heren Fehler nicht ungeschehen machen, wohl aber m&#252;ssen wir alsbald ziemlich unkonventionelle Reparaturen ins Werk setzen. (…) Selbstverst&#228;ndlich werden die notwendigen Reparaturen abermals (…) insbesondere uns Deutsche abermals viel Geld kosten. (…) Es ist nicht vision&#228;rer Idealismus, sondern unser eigenes strategisches Interesse an der Aufrechterhaltung der Europ&#228;ischen Union und damit der europ&#228;ischen Zivilisation, das uns  bewegen muss, auf kleine nationalegoistische Vorteile zu verzichten. Auf lange Sicht tr&#228;gt Deutschland einen hohen Anteil an der Verantwortung daf&#252;r, dass die europ&#228;ischen Staaten zu einem &#246;konomisch handlungsf&#228;higen Verband zusammenwachsen. Dazu ist allerdings weder ein deutscher Oberkommandierender noch ein deutscher Schulmeister n&#246;tig, denn er w&#252;rde die anderen Kapit&#228;ne nur befremden und abschrecken. Wohl aber m&#252;ssen die deutschen Politiker den B&#252;rgern erkl&#228;ren, dass wir und warum wir Deutschen Opfer zu bringen haben.</em></p></blockquote>
<p>Das sind starke Worte. Der kluge Greis nutzt sein Ansehen daf&#252;r, Argumente mit seiner pers&#246;nlichen Autorit&#228;t zu verst&#228;rken, die in der Bundesregierung allenfalls von Wolfgang Sch&#228;uble vertreten werden. Am Dienstag waren <a href="http://www.ft.com/cms/s/0/effa001c-07ba-11e0-a568-00144feabdc0.html#axzz18dMdRGZq">Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbr&#252;ck in der Financial Times</a> in die Vorlage getreten und hatten daf&#252;r pl&#228;diert (ich fasse zusammen):</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Kleinteilige L&#246;sungen bieten keinen Ausweg aus der Krise. Es sei h&#246;chste Zeit, die L&#252;cke zwischen finanzieller und politischer Integration zu schlie&#223;en. F&#252;r diese Initiative solle sich Deutschland an vorderster Stelle engagieren. Die europ&#228;ische Politik stehe vor der Alternative, die Krise durch halbherzige Ma&#223;nahmen zu verl&#228;ngern oder sie durch entschlossenes Handeln zu beenden.</em></p></blockquote>
<p>Am Tag darauf legt <a href="http://www.ft.com/cms/s/0/f0729bb0-0870-11e0-80d9-00144feabdc0.html?ftcamp=rss#axzz18dPBewCb">Mohamed El-Erian, Pimco-Chef, in der FT</a> nach. Anders als der Au&#223;enminister a.D. und der Finanzminister a.D. nennt er die halbherzigen L&#246;sungen beim Namen:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Die Euro-Rettung funktioniere nicht. Es mache keinen Sinn, erst Liquidit&#228;tsprobleme zu beheben und Zahlungsf&#228;higkeitsprobleme einzelner Eurol&#228;nder zu vertagen. Das vertiefe die Krise, statt sie zu l&#246;sen. Denn so komme ein Teufelskreislauf in Gang. Die &#252;berschuldeten L&#228;nder br&#228;uchten eine Wachstumsperspektive. Deshalb sei es richtig, das Euro-Rettungspaket deutlich zu erh&#246;hen. Aus innenpolitischen Gr&#252;nden aber z&#246;gere die Bundesregierung, das &#246;konomisch Gebotene zu tun.</em></p></blockquote>
<p>Nun kann man einwenden, dass der Chef des weltweit gr&#246;&#223;ten Rentenfonds seine eigenen Interessen verfolgt. Offenbar aber zeigt er dabei gr&#246;&#223;ere Weitsicht als die Politik. Aufmerksam kommentierte Ambrose Evans-Pritchard im Daily Telegraph eine <a href="http://www.telegraph.co.uk/finance/economics/8204999/Germany-defiant-as-Europe-suffers.html">&#196;u&#223;erung des Bundesau&#223;enministers</a>:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>&#8220;Wer einer Transferunion das Wort redet, gef&#228;hrdet die Unterst&#252;tzung f&#252;r Europa in den L&#228;ndern, die die gr&#246;&#223;ten Lasten schultern.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Sodann entschied der EU-Gipfel und beschloss <a href="http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=6378">eine &#8220;schmale&#8221; &#196;nderung des Vertrags um zwei S&#228;tze</a>:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>Die Mitgliedstaaten, deren W&#228;hrung der Euro ist, k&#246;nnen einen Stabilit&#228;tsmechanismus schaffen, der aktiviert wird, wenn dies unerl&#228;sslich ist, um die Stabilit&#228;t der Euro-Zone als Ganzes zu sichern. Die Bewilligung finanzieller Hilfen wird unter strikte Bedingungen gestellt.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Frau Merkel interpretierte den Gipfel als einen Schritt in Richtung einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung, dabei gehe es nicht nur um stabile Haushalte – was bisher das einzige &#246;konomische Credo der Bundeskanzlerin gewesen zu sein schien (&#8220;die schw&#228;bische Hausfrau&#8221;). Insofern k&#246;nnte man <a href="http://blog.zeit.de/herdentrieb/2010/12/19/alles-wird-gut_2613/comment-page-2#comments">Robert von Heusingers Optimismus</a> zustimmen, w&#228;re da nicht dieser seltsam pathetische Satz in Frau Merkels Regierungserkl&#228;rung:</p>
<p><em> </em></p>
<blockquote><p><em>&#8220;Niemand in Europa wird alleingelassen.&#8221;</em></p></blockquote>
<p>Der Satz klingt wie ein verzerrtes Echo auf die Idee, <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/index.html">von Feinden eingekreist</a> zu sein. Tats&#228;chlich sah es in diesem Jahr oft so aus, als habe sich Deutschland politisch isoliert.</p>
<p>Schlie&#223;lich aber haben S&#228;tze, die mit einem &#8220;niemand&#8221; beginnen, eine gro&#223;e Tradition. Sie reicht zur&#252;ck bis in die Antike (und nicht blo&#223; bis in das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=VCoVE8qBLVM">Jahr 1961</a>). Odysseus sagte dem Menschen fressenden Riesen Polyphem (der Name hei&#223;t &#8220;der Vielger&#252;hmte&#8221;), sein Name sei Niemand (oudeis). <a href="http://www.hiatus.de/oudeis.html">Der Mythos</a> scheint kl&#252;ger als die Politik zu sein, die sich seines Bildes bedient. Denn tats&#228;chlich trifft in der Gestalt des Odysseus ein Vielger&#252;hmter auf ein verabscheutes Menschen verschlingendes Monster. Der Vielger&#252;hmte aber nennt sich bescheiden einen Niemand. Odysseus trifft auf sich selbst.</p>
<p>War Frau Merkel so listig wie Odysseus, als sie diesen Satz vortrug? Das wohl nicht. Aber wie das so ist, wenn man mit sich selbst konfrontiert ist, dann gibt es mitunter seltsame Reaktionen.</p>
<p>Lasst uns nicht allein!</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
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		<title>Euro-Bonds: Kanzlerin, bleibe hart!</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 15:10:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was gestern die Schulreform in Hamburg war und heute Stuttgart 21 ist, das k&#246;nnte morgen schon der Euro sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/09c2c4ee45e541a2b81a291ed66f524b" alt="" width="1" height="1" />Kanzlerin Angela Merkel muss sich einiges anh&#246;ren in diesen Tagen: Ihr Denken sei „ein bisschen simpel“, ihre Vorstellungen zur Rettung des Euroraums „uneurop&#228;isch“, meint zumindest Jean-Claude Juncker, Premier des Gro&#223;herzogtums Luxemburg.</p>
<p>Hintergrund ist der energische Widerstand der Kanzlerin gegen die Einf&#252;hrung sogenannter Euro-Bonds, von denen Juncker und einige Konsorten in anderen, zumeist s&#252;dlichen EU-Staaten glauben, sie seien dazu geeignet, das Zusammenbrechen des Euro abzuwenden. Auf dem EU-Gipfel Ende dieser Woche in Br&#252;ssel wird es aller Voraussicht nach zum Show-down kommen.</p>
<p>Eine <em>Carta</em>-Kolumne ist nicht der Ort, um &#252;ber den Umgangston zwischen einigen Staats- und Regierungschefs zu richten. Monsieur Juncker wird, so hoffen wir, seine Worte vor Gebrauch gewogen haben. In der Sache aber ist der Kurs dieses &#8211; ansonsten &#252;beraus sprachbegabten &#8211; Alteurop&#228;ers nicht mehr nachzuvollziehen:</p>
<p>Warum, in aller Welt, sollen diejenigen EU-Staaten, die ihre Haushalte noch einigerma&#223;en in Ordnung halten, k&#252;nftig daf&#252;r zahlen, dass anderen EU-Mitgliedern dies nicht gelingt? Denn genau darauf w&#252;rde die Einf&#252;hrung von Euro-Bonds doch hinauslaufen: Die Defizits&#252;nder k&#246;nnen sich zu g&#252;nstigeren Konditionen, als der Markt sie ihnen gew&#228;hrt, refinanzieren.</p>
<p>Die Rechnung daf&#252;r schicken sie einfach nach Berlin. Wenn das die Intention von Juncker und Co. ist, dann haben wir allen Grund, der Kanzlerin den R&#252;cken zu st&#228;rken.</p>
<p><strong>Private Gl&#228;ubiger in Umschuldungen einbeziehen</strong></p>
<p>Und nicht nur bei den Euro-Bonds macht Angela Merkel derzeit vieles richtig. Auch die Forderung, private Gl&#228;ubiger in die allf&#228;llige Umschuldung von Staatsschulden einzubeziehen, ist absolut folgerichtig. Wer einem Anderen Geld leiht (zum Beispiel, indem er Anleihen eines Mitgliedsstaates des Euroraums erwirbt), der l&#228;uft nun einmal das Risiko, dass der Schuldner sp&#228;ter ins Taumeln ger&#228;t und dann nur noch bedingt r&#252;ckzahlungsf&#228;hig ist.</p>
<p>Zugegeben, wir stehen hier vor einem systemischen Problem: In vielen F&#228;llen sind es deutsche und franz&#246;sische Banken und Versicherungen, die diese Schuldtitel in ihren B&#252;chern haben. Aber wo steht geschrieben, dass es Aufgabe des Staates – sprich: des Steuerzahlers &#8211; ist, immer wieder in die Bresche zu springen und die Gl&#228;ubiger herauszuhauen? Diese m&#252;ssen zumindest an einer Restrukturierung von Schuldenpaketen beteiligt werden. Andernfalls drohen immense Steuererh&#246;hungen oder gleich der Staatsbankrott – bei uns. Merkel hat recht: Das „Schlaraffenland“, in dem der Staat f&#252;r alle Risiken aufkommt, muss schleunigst geschlossen werden.</p>
<p>Ebenso richtig war es von der Kanzlerin, EU-Defizits&#252;ndern mit dem tempor&#228;ren Stimmrechtsentzug zu drohen und einen Sanktionsautomatismus bei Verst&#246;&#223;en gegen den Euro-Stabilit&#228;tspakt zu fordern. Dass diese harten Forderungen am Strand von Deauville durch Frankreichs Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy weichgesp&#252;lt wurden, verheisst nichts Gutes. Immerhin ist der Herrscher aus dem Elysée jetzt mit im Boot, wenn es darum geht, die Euro-Bonds zu verhindern.</p>
<p><strong>Hart bleiben!</strong></p>
<p>Merkel handelt noch aus einem anderen Grund so, wie sie handelt: Wenn sich in der deutschen Bev&#246;lkerung der Eindruck verbreitet, die Bundesregierung gebe die Politik eines „harten Euro“ auf, opfere also unsere W&#228;hrung und unsere Exportst&#228;rke auf dem Altar der europ&#228;ischen Einigung – dann ist die Gr&#252;ndung einer deutschen „Tea Party“ nur noch eine Frage der Zeit.</p>
<p>Der politische Humus f&#252;r eine B&#252;rgerbewegung, die den Weg in die Parlamente antritt, ist doch l&#228;ngst da. Und was gestern die Schulreform in Hamburg und heute Stuttgart 21 ist, das ist morgen der Euro. Hans-Olaf Henkel hat mit seinem neuen Buch „Rettet unser Geld“ daf&#252;r schon das Skript geschrieben. Wer wirft das Streichholz, das dieses explosive Gemisch zum Fl&#228;chenbrand werden l&#228;sst? Womit wir nochmal bei Jean-Claude Juncker w&#228;ren:</p>
<p>Auch diesem selbsternannten Mustereurop&#228;er d&#252;rfte es kaum gefallen, wenn politische Entscheidungen in Berlin k&#252;nftig von „Single-Issue“-Fraktionen abh&#228;ngen, die – aufgepeitscht durch die Boulevard-Medien – den Euro auf die Resterampe schieben. Mit Blick auf den Br&#252;sseler Gipfel diese Woche kann deshalb nur eines gelten: „Kanzlerin, bleibe hart“.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36511&amp;md5=2631f7051921107ea11fa44606d1d66b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Klimapolitik vor Cancún: Was kommt nach dem 2-Grad-Ziel?</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 10:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kann beim n&#228;chsten Weltklimagipfel kein Durchbruch erreicht werden, wird die internationale Klimapolitik ihr Momentum verlieren. Droht dann eine Phase des klimapolitischen Fatalismus? Die bislang dominierende Herangehensweise, eine globale Temperaturgrenze in exakte nationale Emissionsbudgets zu &#252;bersetzen, hat sich als politisch kaum praktikabel erwiesen. Die EU sollte sich statt dessen f&#252;r dynamische Zielformeln einsetzen, die sich an Orientierungsmarken wie »Klimaneutralit&#228;t« ausrichten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f4e0195c39104ab0b7c3dc738b0bb30d" alt="" width="1" height="1" /><strong>Das 2-Grad-Ziel ist derzeit der zentrale Bezugspunkt der Klimadebatte.</strong> Ein entsprechender Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gilt als Grenze, bei deren &#220;berschreiten die Folgen des Klima­wandels ein <a href="http://www.klimabuero-polarmeer.de/fileadmin/user_upload/Pictures/Downloads/wbgu_factsheet_2.pdf">gef&#228;hrliches Ausma&#223;</a> annehmen k&#246;nnten.</p>
<p>Das <strong>international von der EU durchgesetzte Ziel</strong> zeichnet sich durch eine spezifische <a href="http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wcc.62/full">Doppelfunktion</a> aus. Politisch fungiert es vor allem als einpr&#228;gsames Sym­bol f&#252;r die Orientierung an einer ambitionierten, aber gerade noch realistischen glo­balen Klimaschutzagenda. In wissenschaftlicher Hinsicht ist die Zielmarke zudem Ausgangspunkt f&#252;r aufwendige Rechen­operationen, insbesondere um jene Emis­sionsreduktionspfade zu ermitteln, die not­wendig sind, wenn die 2-Grad-Schranke mit hinreichender <a href="http://www.swp-berlin.org/de/common/get_document.php?asset_id=7343">Wahrscheinlichkeit</a> ein­gehalten werden soll.</p>
<p>Diese beiden Funk­tionslogiken vermochten sich &#252;ber mehr als ein Jahrzehnt hinweg <a href="http://www.bpb.de/publikationen/NDBRRO,0,Warum_zwei_Grad.html">gegenseitig zu st&#252;tzen</a>. Die Bem&#252;hungen um ein Main­streaming von Klimapolitik schienen wissenschaftlich legitimiert, die Klimaforschung wiederum konnte sich auf einen wachsenden politischen Konsens st&#252;tzen. Doch je l&#228;nger eine Umkehr bei den globa­len Emissionstrends auf sich warten l&#228;sst, desto weniger wird die politisch-symboli­sche Dimension des 2-Grad-Ziels noch mit der wissenschaftlich-kalkulatorischen zu <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7054">vereinbaren</a> sein.</p>
<p>Schon bald nach dem entt&#228;uschend verlau­fenen Klimagipfel von Kopenhagen zeigte sich in der EU eine erste <strong>Sollbruchstelle zwischen dem symbolisch-politischen und dem wissenschaftlich-kalkulatorischen Zu­griff</strong> auf das 2-Grad-Ziel. Europ&#228;ische Klimapolitiker hoben es als ausgesprochen positiv hervor, dass die Marke im »Kopen­hagen-Akkord« erw&#228;hnt wurde, und dekla­rierten die Gipfelergebnisse als »Schritte in die richtige Richtung«.</p>
<p>In den Klimawissenschaften hingegen war das Echo verheerend: Die in Kopenhagen vereinbarten nationalen Selbstverpflichtungen seien bei weitem nicht ausreichend, um das 2-Grad-Ziel noch zu erreichen. Da schon die bislang emittierten Treibhausgase einen Temperaturanstieg von etwa 1,5 Grad gegen&#252;ber dem vorindustriel­len Zeitalter verursachen werden, w&#228;­ren schnelle und gro&#223;e politische Fortschritte not­wendig, um die 2-Grad-Schranke noch einzuhalten.</p>
<p>Die gr&#246;&#223;te Sollbruchstelle f&#252;r das bislang symbiotische Arbeitsb&#252;ndnis zwischen der klima­politischen F&#252;hrungsmacht EU und der Klimaforschung liegt in dem von Naturwissenschaftlern und Klima&#246;konomen pr&#228;ferierten <a href="http://www.wbgu.de/wbgu_factsheet_3.pdf">Budget­ansatz</a> selbst begr&#252;ndet.</p>
<p>Ihm liegt ein <strong>hohes Ma&#223; an Steuerungsoptimismus und Rigidit&#228;t</strong> zugrunde, das sich mit den Struk­turen der globalen wie auch der europ&#228;ischen Klimapolitik nicht vereinbaren l&#228;sst. Zwar ist es in natur­wissenschaftlicher Perspektive durchaus sinnvoll, globale klimatologische Schwellenwerte zu defi­nie­ren. Auf dieser Basis zun&#228;chst ein welt­weites Emissionsbudget bis 2050 festzulegen und dieses dann im Rahmen eines v&#246;lkerrechtlich bindenden Weltklima­vertrags gerecht auf alle Nationen zu ver­teilen, w&#228;re durchaus problemad&#228;quat.</p>
<p><strong>Politikf&#228;hig ist ein solcher Ansatz jedoch nicht.</strong> Auf globaler Ebene fehlen in abseh­barer Zukunft die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7372">Institutionen und Instru­mente</a>, mit denen sich ein solches Regime einrichten lie&#223;e.</p>
<p>Nicht einmal die EU, die ihre Klimapolitik als »wissenschaftsbasiert« bezeichnet, wird dem Budgetansatz in seiner strikten Form folgen k&#246;nnen. Nicht nur, dass sie beim Aufstellen von Klima­zielen flexibel bleiben muss, um in der Lage zu sein, die Rahmenbedingungen internationaler Politik, die innenpolitischen Ver­h&#228;ltnisse in den Mitgliedstaaten und die Interessen wirtschaftlicher Akteure hinrei­chend zu ber&#252;cksichtigen. Dar&#252;ber hinaus wird sich die EU auch nicht darauf ein­lassen k&#246;nnen, den Klimaschutz mittels eines strikten Budgetierungsmechanismus f&#252;r die n&#228;chsten vier Dekaden als oberste politische Priorit&#228;t festzuschreiben.</p>
<p>Die f&#252;r die kommenden Jahre zu erwartende Absetzbewegung vom 2-Grad-Ziel bedeutet nicht, dass die EU schon jetzt offensiv davon abr&#252;cken oder gar das Engagement f&#252;r seine Verwirklichung ein­stellen sollte. Doch die Energie- und Klima­politik der EU wird man nur dann als »stra­tegisch« bezeichnen k&#246;nnen, wenn sie den Entwicklungspfad einer internationalen Abkehr vom 2-Grad-Ziel vorausschauend einkalkuliert.  Mittel­fristig wird die EU eine Grundsatzentscheidung dar&#252;ber treffen m&#252;ssen, welches klimapolitische Globalziel sie anstrebt. Die EU sollte sich nicht darauf einlassen, eine <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7297">neue Obergrenze</a> festzulegen (etwa 2,5 Grad). <strong>Die Europ&#228;er sollte einen Paradigmenwechsel anstreben.</strong></p>
<p>Nach dem bislang geltenden Paradigma wird das Globalziel in naturwissenschaft­lichen Kategorien definiert und als absolute Obergrenze aufgefasst. Es bildet den unver­r&#252;ckbaren Ausgangspunkt f&#252;r alle politi­schen Implementierungsschritte. Im Rah­men dieses <a href="http://www.gmfus.org/brusselsforum/2010/docs/BF2010-Paper-Purvis-Stevenson.pdf"><em>Top-down</em>-Ansatzes</a> richten sich alle Anstrengungen zun&#228;chst darauf, einen Weltklimavertrag abzuschlie&#223;en. In der klimapolitischen Praxis f&#252;hrt dies zu einer starken Fokussierung auf die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6612">globalen Verhandlungsarenen</a>, au&#223;erdem zu einer Vernachl&#228;ssigung konkreter Dekarbonisierungs-Fortschritte in den Volkswirtschaften der Industrie- und Schwellenl&#228;nder. Dies hat vielf&#228;ltige Blockaden zur Folge, da die <strong>Regierungen stets auf die Unt&#228;tigkeit der internationalen Verhandlungspartner ver­weisen</strong> k&#246;nnen. Selbst die EU weigert sich mit diesem Argument, ihr f&#252;r 2020 g&#252;ltiges Reduktionsziel von 20 auf 30 Prozent auf­zustocken, obwohl dies einer gerechten Lasten&#252;bernahme auf dem Weg zur Er­reichung der 2-Grad-Marke entspr&#228;che.</p>
<p>Ein alternatives Paradigma st&#252;nde vor der Aufgabe, klimapolitischen Realismus mit einer positiven globalen Leitidee zu verbinden. Um dauerhaft wirksame Ver­&#228;nderungen anzusto&#223;en, m&#252;sste ein neues Globalziel insbesondere das Kriterium er­f&#252;llen, sowohl der politisch-symbolischen als auch der wissenschaftlichen Funktionslogik gerecht zu werden. Gelingen kann dies nur mit einer <strong>dynamischen Zielformel</strong>, nicht mit einer exakt kalkulierten Emis­sionsobergrenze.</p>
<p>Eine der m&#246;glichen Varianten best&#252;nde darin, <strong>»Klimaneutralit&#228;t«</strong> auf VN-Ebene als globales Langfristziel festzuschreiben – also anzustreben, dass der Netto-Aussto&#223; von Treibhausgasen auf Null reduziert wird. Selbst wenn man dies zun&#228;chst noch mit einem breiten zeitlichen Zielkorridor verkn&#252;pfte, w&#228;re damit die Bewegungsrichtung gesetzt, an der sich alle Staaten messen lassen m&#252;ssten.</p>
<p>Ambitionierten klimapolitischen Akteuren wie der EU k&#228;me in diesem Rahmen die Aufgabe zu, sich auf ehrgeizige Dekarbonisierungs-Pfade zu verpflichten. Sie <strong>m&#252;ssten den Beweis antreten, dass die Transformation hin zu <em>low carbon economies</em> technologisch m&#246;glich und &#246;konomisch erfolgreich ist, mit positiven Effekten nicht nur f&#252;r das Klima, sondern auch f&#252;r Energiepreise und Versorgungssicherheit.</strong></p>
<p>Gel&#228;nge dies, w&#252;r­den andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder schon aus <a href="http://hir.harvard.edu/women-in-power/leading-by-example-revisited">Eigeninteresse</a> folgen. Ein solcher <em>Bottom-up</em>-Ansatz w&#252;rde zu deutlichen Emis­sionsminderungen f&#252;hren. Dagegen w&#228;re eine treffsichere Vorhersage, welchen Temperaturanstieg die Welt damit in Kauf neh­men w&#252;rde, aus heutiger Sicht nicht m&#246;g­lich. Allerdings ist zu bezweifeln, dass es sich beim derzeit favorisierten <em>Top-down</em>-Prinzip tats&#228;chlich anders verh&#228;lt.</p>
<p>Die klimapolitischen Anstrengungen an flexi­blen Orientierungsmarken wie »Klima­neutralit&#228;t« auszurichten w&#228;re kurzfristig effektiver und langfristig erfolgverspre­chender, als an einer strikten Temperatur-Obergrenze festzuhalten, die sich im politischen Prozess nicht realisieren l&#228;sst.
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		<title>Internationale Klimapolitik: Abkehr vom 2-Grad-Ziel</title>
		<link>http://carta.info/27399/internationale-klimapolitik-abkehr-vom-2-grad-ziel/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 12:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Klimadebatte besteht ein breiter Konsens dar&#252;ber, die Erderw&#228;rmung auf h&#246;chstens 2 Grad Celsius zu beschr&#228;nken. Doch ohne schnelle Umkehr der globalen Emissionstrends wird man das Ziel bald aufgeben m&#252;ssen. Bei der Re-Formulierung des 2-Grad-Ziels wird nicht der Klimaforschung das gr&#246;&#223;te Gewicht zufallen, sondern der Klimapolitik.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/982746b958f04d37ab546e551067dc02" alt="" width="1" height="1" />Wenn in der internationalen  Klimadebatte etwas existiert, &#252;ber das <strong>zwischen fast allen relevanten Akteuren  Konsens</strong> besteht, dann ist es das so genannte <strong>2-Grad-Ziel</strong>. Klimaforschung und  Klimapolitik scheinen weitgehend einig darin, dass der schon jetzt  unvermeidliche Klimawandel auf ein Niveau begrenzt werden muss, das einem  Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von maximal 2 Grad Celsius  gegen&#252;ber dem vorindustriellen Zeitalter entspricht. Nicht nur die Europ&#228;ische Union, die G8+5 sowie das 17  Industrie- und Schwellenl&#228;nder umfassende „Major Economies Forum on Energy and  Climate“ (MEF) haben das 2-Grad-Ziel im Grundsatz akzeptiert. Auch im  Abschlussdokument des Kopenhagener Klimagipfels (COP 15), dem <a href="http://unfccc.int/resource/docs/2009/cop15/eng/l07.pdf"><em>Copenhagen Accord</em></a>, steht diese Zielmarke  im Zentrum.</p>
<p>Doch schon die Tatsache, dass in Kopenhagen keine  v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Emissionsreduktions-Beschl&#252;sse zur Erreichung  dieses Ziels verabschiedet werden konnten – und entsprechendes f&#252;r die nahe  Zukunft wohl auch <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6971">nicht zu erwarten ist</a> – spricht daf&#252;r, dass diese <strong>Zielmarke  von 2 Grad Celsius schon bald stark unter Druck geraten wird</strong>.  Schreibt man die gegenw&#228;rtigen <a href="http://www.et-energie-online.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=151:differenzierte-entwicklung-bei-insgesamt-weiter-steigenden-weltweiten-co2-emissionen-&amp;catid=24:klima&amp;Itemid=27">globalen Emissionstrends</a> fort, wird die  Klimaforschung bereits in absehbarer Zeit konstatieren m&#252;ssen, dass das  2-Grad-Ziel nicht mehr zu erreichen sein wird.</p>
<p>Angesichts der sich abzeichnenden  Massivit&#228;t des Klimaproblems wird dies jedoch nicht gleichbedeutend mit einem  klimapolitischen Fatalismus sein (k&#246;nnen). Es wird auch nicht gelingen, das  Thema Klimawandel wieder von der politischen Agenda zu nehmen. Der aus Sicht der  EU naheliegendste – weil in den Routinen des Politischen Felds fest verankerte – Umgang mit einem offenkundig  gewordenen Scheitern am 2-Grad-Ziel liegt vielmehr in der <strong>Re-Formulierung der  klimapolitisch derzeit noch sakrosankten Zielmarke</strong>.</p>
<p>Die <strong>Klimawissenschaften</strong> und insbesondere das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) werden zwar einen gewichtigen Einfluss darauf haben, in welchen Bahnen die Abkehr vom 2-Grad-Ziel verlaufen wird. Sie <strong>werden diese</strong> jedoch <strong>nicht verhindern k&#246;nnen</strong>. Auch wenn die EU permanent hervorhebt, dass ihre Klimapolitik einem „wissenschaftsbasierten Ansatz“ folgt, so bedeutet das nicht, dass sie bereit w&#228;re, sich ihre Problem- und Zieldefinitionen von den Klimawissenschaften vorgeben zu lassen. Entgegen landl&#228;ufiger Vorstellungen von der Funktionsweise <em>wissenschaftlicher Politikberatung</em> ist es keineswegs so, dass die Wissenschaft zun&#228;chst strittige Fragen kl&#228;rt, der Politik anschlie&#223;end klare Handlungsanweisungen gibt, die von dieser dann weitgehend umgesetzt werden.</p>
<p>Zentrale Fragen der Klimapolitik werden nicht in der Wissenschaft entschieden, sondern letztlich im Politischen Feld. In den Wissensgesellschaften der <em></em>Sp&#228;tmoderne werden <strong>wissenschaftliche Politikberater</strong> von politischen Entscheidungstr&#228;gern l&#228;ngst <strong>nicht mehr als Tr&#228;ger privilegierten Wissens</strong> behandelt, sondern grunds&#228;tzlich nicht anders als jeder andere Vertreter einer politischen Meinung auch.</p>
<p>Die Praxis des IPCC zeigt deutlich, dass Klimaforschung und Klimapolitik an einer <strong>Ko-Produktion von <em>politikrelevantem wissenschaftlichen Wissen</em></strong> interessiert sind. Dieses Arbeitsb&#252;ndnis w&#252;rde seitens der Politik jedoch aufgek&#252;ndigt oder zumindest gelockert werden, sobald die Klimaforschung nicht mehr willens oder in der Lage w&#228;re, politisch &#8220;verwertbares&#8221; Wissen zu liefern. Klimapolitik ist in westlichen Demokratien – selbst dort, wo prim&#228;r naturwissenschaftliche Fragen ber&#252;hrt sind – in erster Linie Politik. <strong>Nicht Wissenschaftler treffen kollektiv verbindliche Entscheidungen, sondern gew&#228;hlte Repr&#228;sentanten.</strong> Auch das 2-Grad-Ziel ist &#8211; wie seine <a href="http://www.european-climate-forum.net/fileadmin/ecf-documents/publications/articles-and-papers/jaeger-jaeger__three-views-of-two-degrees.pdf">Entstehungsgeschichte</a> zeigt &#8211; eher politisch als wissenschaftlich begr&#252;ndet.</p>
<p>Die vor und w&#228;hrend des Kopenhagener Gipfels (von Wissenschaftlern wie Politikern) vielfach verwendete Formel <a href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article1309792/Endspurt-in-Kopenhagen-Natur-verhandelt-nicht.html">„Die Natur verhandelt nicht“</a> ist Ausdruck eines technokratischen Verst&#228;ndnisses von Klimapolitik, das auf der Handlungsebene eine weitgehende Alternativlosigkeit impliziert. Doch <strong>auch in der der Klimapolitik muss es m&#246;glich sein, zwischen konkurrierenden politischen Optionen zu entscheiden</strong> – und sei es nur &#252;ber das Ausma&#223; an Klimawandelrisiken, das eine Gesellschaft oder die internationale Gemeinschaft in Kauf zu nehmen bereit ist.</p>
<p><a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6940">Klimapolitisches Leadership</a> zeigt die EU nicht mit fortw&#228;hrenden Deklarationen und dem unbedingten Festhalten an einem kaum noch zu erreichenden 2-Grad-Ziel. Entscheidend ist vielmehr, ob es ihr tats&#228;chlich gelingt, ihre Transformation zu einer <em>low carbon economy </em>erfolgreich zu gestalten<em>. </em>Wenn dies gelingt, dann werden andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder folgen &#8211; ganz gleich, welches Globalziel auf UN-Ebene vereinbart worden ist.</p>
<p><em>Dieser Beitrag ist eine Kurzfassung eines <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=7054">SWP-Arbeitspapiers</a> zur Zukunft des 2-Grad-Ziels.</em>
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<a href="http://carta.info/27399/internationale-klimapolitik-abkehr-vom-2-grad-ziel/">Internationale Klimapolitik: Abkehr vom 2-Grad-Ziel</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27399/internationale-klimapolitik-abkehr-vom-2-grad-ziel/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27399&amp;md5=faebe5f5ccacdcf6180b0ba16fcd158e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wenn der Euro das Jahrzehnt &#252;berleben soll, darf sich Griechenland nicht wiederholen</title>
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		<pubDate>Fri, 14 May 2010 11:14:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael C. Burda</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Oeko]]></category>
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		<category><![CDATA[EZB]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Fall Griechenlands hat der Stabilit&#228;tspakt offenkundig massiv versagt. H&#228;tten nationale und EU-Politiker ihre Sorgfaltspflicht im Jahr 2000 richtig ausge&#252;bt, h&#228;tten wir die gegenw&#228;rtigen Probleme nicht. Wir stellen uns eine Reihe von Schwellenwerten vor, die schon bei Budgetdefiziten unter drei Prozent Warnsignale ausl&#246;sen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ab63741b2cf0447e95e930201589c1c5" alt="" width="1" height="1" />Von Michael C. Burda und Stefan Gerlach</p>
<p>Die M&#228;rkte scheinen den Rettungsplan, der Montagnacht vereinbart wurde, positiv aufzunehmen. Doch noch ist es zu fr&#252;h, um zu  sagen, dass er ein voller Erfolg ist. M&#246;glich, dass Historiker ihn als  brillante Entscheidung bewerten werden – denkbar ist aber auch, dass sie ihn als  ersten Schritt auf einem rutschigen Weg nach unten sehen. Die EZB kauft nun  offenbar Staatsanleihen aus dem Euro-Raum, „um die Tiefe und Liquidit&#228;t in dysfunktionalen Marktsegmenten“ zu sichern. Gleichzeitig sei sie bereit,  „die zus&#228;tzliche Liquidit&#228;t zu absorbieren“. Eine Interpretation dieser nicht  ganz klaren Aussage ist, dass die EZB die Anleihen der Staaten kauft, die am  St&#228;rksten den Stabilit&#228;tspakt gebrochen haben, und die der anderen verkauft. Das  mag in der akuten Notlage zu rechtfertigen sein, doch bietet es verheerende  Anreize f&#252;r die Fiskalpolitik. Statt nur den neuen Plan zu diskutieren, sollte  man vielleicht einen Schritt zur&#252;cktreten und fragen, welche  Politikma&#223;nahmen helfen, eine Wiederholung der Krise zu vermeiden.</p>
<p>Wir sehen drei Lehren:</p>
<ol>
<li>Eine Rezession kann hochverschuldete Staaten an den Rand des Abgrunds treiben, selbst wenn ihre Verschuldung in guten Zeiten  unter Kontrolle erscheint. Der Stabilit&#228;tspakt hatte gute Absichten, erwies  sich aber als ineffektiv. Die Finanzm&#228;rkte haben dies mit einem verbl&#252;ffenden  Tempo bewiesen.</li>
<li>Die No-Bail-out-Regel des Maastricht-Vertrags war nicht glaubw&#252;rdig. Griechenland nicht zu st&#252;tzen, h&#228;tte zu einem  Staatsbankrott gef&#252;hrt, der eine zweite Welle der Instabilit&#228;t in Europas Bankensystem ausgel&#246;st  h&#228;tte. Die Pleite von Lehman, die die gr&#246;&#223;te Rezession seit den 1930er-Jahren provozierte, zeigt nur zugut, dass die pl&#246;tzliche Zahlungsunf&#228;higkeit  eines gro&#223;en Mitspielers sehr gro&#223;en Schaden bewirkt. Die No-Bail-out-Klausel  steht also in direktem Gegensatz zum Ziel finanzieller Stabilit&#228;t.</li>
<li>Genau weil die Bail-out-Regel wirkungslos ist, brauchen wir einen besseren Mechanismus, um Fiskaldefizite in Europa zu  begrenzen. Der alte Stabilit&#228;tspakt scheiterte, weil er f&#228;lschlicherweise annahm, dass  die Regierungen volle Kontrolle &#252;ber ihre Einnahmen und Ausgaben aus&#252;ben  k&#246;nnen. Ferner ging man davon aus, dass es jedem auffallen w&#252;rde, wenn  kurzfristige, politische Ziele gegen&#252;ber der langfristigen Finanzstabilit&#228;t den Vorzug  erhielten.</li>
</ol>
<p><strong> </strong><br />
<strong>Gef&#228;hrlicher Spielraum der Politik</strong></p>
<p>In der Praxis h&#228;ngt das Budgetdefizit aber weitgehend vom Konjunkturzyklus ab. Tiefe Rezessionen gehen mit R&#252;ckg&#228;ngen der  Steuereinnahmen und Erh&#246;hungen der Ausgaben f&#252;r die Arbeitslosenunterst&#252;tzung und das Sozialnetz einher. In Anbetracht dieser Unsicherheiten k&#246;nnte der Staat  problemlos politisch motivierte Ausgaben verbergen. Dar&#252;ber hinaus wird es  schwierig, dem Stabilit&#228;tspakt Nachdruck zu verschaffen, wenn Politiker – zu Recht – argumentieren, dass Defizite vor allem auf Entwicklungen au&#223;erhalb ihrer Kontrolle zur&#252;ckzuf&#252;hren sind, insbesondere da der Spielraum f&#252;r  kreatives Buchhalten und zwielichtige Finanzaktionen, welche die gemeldeten  Defizite reduzieren, gro&#223; ist.</p>
<p>Das zentrale Problem des alten Stabilit&#228;tspakts ist, dass er eine willk&#252;rliche, und daher unglaubw&#252;rdige Linie zieht. Eine Regierung,  die f&#252;r 3,2 Prozent Haushaltsdefizit verantwortlich ist, anders zu behandeln  als eine mit 2,8 Prozent, erscheint unsinnig und ist politisch kaum  durchzusetzen. Regierungen, die unter der magischen Grenze bleiben, wissen doch ganz  genau, dass diese schnell &#252;bersprungen werden kann, wenn die Konjunktur  schw&#228;chelt. Daher war es immer schwierig, politische Unterst&#252;tzung f&#252;r die Anwendung  der Regeln zu finden.</p>
<p><strong>Die Eckpfeiler eines neuen Pakts</strong></p>
<p>Um effektiver zu werden und das Vertrauen wiederzugewinnen, muss ein neuer Stabilit&#228;tspakt mehr Transparenz erzeugen. Das beinhaltet  eine &#220;berwachung der nationalen Haushalte durch Experten, die nicht aus der  Politik stammen d&#252;rfen. Genau das aber haben Deutschland, Frankreich und eine  Reihe anderer Staaten abgelehnt, weil sie damit einen Verlust an Souver&#228;nit&#228;t bef&#252;rchteten. Aber genau darum geht es: <strong>Die M&#246;glichkeit, dass eine  externe Instanz die Haushaltspolitik unter die Lupe nimmt, ist ein exzellenter  Ansporn, das Haus in Ordnung zu halten.</strong> Wir stellen uns eine Reihe von  Schwellenwerten vor, die schon bei Budgetdefiziten unter drei Prozent Warnsignale  ausl&#246;sen.</p>
<p>Wie eine Kette von Warnleuchten w&#252;rde jeder Ausl&#246;ser sch&#228;rfere Transparenzanforderungen automatisch nach sich ziehen. Zum  Beispiel m&#252;sste ein Land mit einem Defizit von weniger als einem Prozentpunkt des  BIP detaillierte Haushaltsdaten an die EU-Kommission senden. Steigt der Anteil auf zwei  Prozent, m&#252;sste es Pl&#228;ne f&#252;r eine finanzpolitische Konsolidierung unterbreiten.  Erreicht das Defizit drei Prozent, w&#252;rde die EU-Kommission Inspekteure vor Ort entsenden, die Haushaltsdaten in Echtzeit &#252;berwachen. So gibt es  gen&#252;gend Warnsignale, noch bevor die fiskalpolitische &#220;berwachung im  Stabilit&#228;tspakt greift.</p>
<p>Um dieses Regime zu implementieren, m&#252;sste man eine unabh&#228;ngige Kommission von europ&#228;ischen Experten im Bereich der  Fiskalpolitik einsetzen – Rechtsexperten, ehemalige Finanzminister, Zentralbanker und &#214;konomen.  Diese politisch unabh&#228;ngige Expertengruppe w&#252;rde die Rechtfertigungen f&#252;r Defizite  pr&#252;fen und Konsolidierungsma&#223;nahmen &#246;ffentlich bewerten. Sie muss klein und handlungsf&#228;hig sein, aber auch  einen breiten Konsens im europ&#228;ischen Politikspektrum vertreten. Mitglieder wie Mario  Monti, <a href="http://www.oekonomenstimme.org/autoren/hans-werner-sinn/" target="_blank">Hans-Werner Sinn</a>, Lucas Papademos, Peer Steinbr&#252;ck, <a href="http://www.oekonomenstimme.org/autoren/charles-wyplosz/" target="_blank">Charles Wyplosz</a> und Paul de Grauwe w&#252;rde zu einem guten Start beitragen.</p>
<p>Aber um Defizite zu verringern, muss das System auch Biss haben. Der Vorschlag, Defizite direkt zu besteuern, ist wenig  glaubw&#252;rdig. Eine Steuer auf die Finanzierung von Schulden &#252;ber 60 Prozent des BIP w&#228;re sinnvoller. Wie k&#252;rzlich von Guido Westerwelle vorgeschlagen, k&#246;nnte man  EU-Transfers oder Agrarsubventionen zur&#252;ckhalten oder einen Aufschlag auf die  Mehrwertsteuer erheben: So w&#252;rde Druck auf die Politiker ausge&#252;bt, l&#228;ngst bevor eine  Krise ausbricht. Sie m&#252;ssten die Wahrheit sagen und ihr Haus in Ordnung  halten.</p>
<p>Im Fall Griechenlands hat der Stabilit&#228;tspakt offenkundig massiv versagt. H&#228;tten nationale und EU-Politiker ihre  Sorgfaltspflicht im Jahr 2000 richtig ausge&#252;bt, h&#228;tten wir die gegenw&#228;rtigen Probleme  nicht. Wenn der Euro das laufende Jahrzehnt &#252;berleben soll, dann darf der Fall Griechenland sich nicht wiederholen.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2010/05/griechische-lektionen/">&#214;konomenstimme</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/27379/wenn-der-euro-das-jahrzehnt-ueberleben-soll-dann-darf-sich-griechenland-nicht-wiederholen/">Wenn der Euro das Jahrzehnt &#252;berleben soll, darf sich Griechenland nicht wiederholen</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27379/wenn-der-euro-das-jahrzehnt-ueberleben-soll-dann-darf-sich-griechenland-nicht-wiederholen/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27379&amp;md5=ed36866ff3fd78060ce08b4263d7349e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Gegen die Politik-Blockade: Warum eine neue Klimadiplomatie notwendig ist</title>
		<link>http://carta.info/25272/auf-einem-bein-kann-man-nicht-stehen-warum-eine-neue-klimadiplomatie-notwendig-ist/</link>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 13:28:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nils Simon</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Kopenhagener Gipfel]]></category>
		<category><![CDATA[UNFCCC]]></category>

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		<description><![CDATA[Was sind die Alternativen zur bisherigen Klimadiplomatie und welche Position kann die deutsche und europ&#228;ische Klimaau&#223;enpolitik einnehmen? Das Scheitern von Kopenhagen hat zu einer intensiven Suchbewegung nach geeigneten Mechanismen der zuk&#252;nftigen Klimapolitik gef&#252;hrt. Die Potenziale von Minilateralismus, lokalen Strategien oder Differenzierung der Politikfelder sollten genutzt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/f6ca7565512a4a7e80e1f0ee8db3e480" alt="" width="1" height="1" />Die Kopenhagener Klimaverhandlungen im Dezember 2009 haben deutlich die Grenzen eines &#252;berkomplexen multilateralen Prozesses gezeigt. Die Hoffnung, die Weltgemeinschaft werde sich durch noch mehr &#246;ffentlichen Druck und die Teilnahme von noch mehr Regierungschefs bald auf ein v&#246;lkerrechtlich verbindliches Abkommen zum Klimaschutz einigen, muss deutlich in Frage gestellt werden. Und wenn schlie&#223;lich 100.000 Leute nach S&#252;dafrika nicht zur WM 2010, sondern zu den Klimaverhandlungen 2011 pilgern: Glaubt wirklich jemand, dann w&#252;rden sich China und die USA endlich auf strikte Reduktionsziele einlassen?</p>
<p>Doch was machen wir Europ&#228;er, um aus dem Beinahe-Debakel von Kopenhagen keinen Totalschaden in S&#252;dafrika zu produzieren? Oliver Geden hat k&#252;rzlich <a href="../../25080/wie-weiter-in-der-eu-klimapolitik/">darauf hingewiesen</a>, dass sich die EU auch in diesem Jahr vor allem mit sich selbst zu besch&#228;ftigen droht. Die <a href="http://klimakrise.de/2010/03/30/europa-will-neue-verhandlungsdynamik-nur-wie-ist-unklar/">bisher ver&#246;ffentlichten Strategiedokumente</a> der verschiedenen EU-Einrichtungen lassen sowohl Kreativit&#228;t als auch Entschlossenheit vermissen, der Klimadiplomatie die dringend ben&#246;tigte Vitaminspritze zu verpassen.</p>
<p>Dabei ist ein Neustart der internationalen Klimadiplomatie <a href="http://www.internationalepolitik.de/exklusiv/view/1263289248.html">dringend n&#246;tig</a>. Zwar w&#228;re eine Abkehr vom Multilateralismus oder die Infragestellung des Prozesses hin zu einer UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) fatal. Doch eine Flankierung und Unterst&#252;tzung durch komplement&#228;re &#8211; nicht konkurrierende &#8211; Prozesse ist geboten. Dadurch kann Druck aus dem Kessel der globalen Klimaverhandlungen genommen und konstruktivere Alternativen entwickelt werden. Die Frage muss beantwortet werden: <a href="http://www.internationalepolitik.de/ip/archiv/jahrgang-2010/februar-maerz/nach-kopenhagen.html">Welchen Multilateralismus ben&#246;tigt erfolgreiche Klimapolitik?</a></p>
<p><strong>Die Klimadiplomatie muss gesundschrumpfen</strong></p>
<p>Das Nachdenken &#252;ber einen Neustart der internationalen Klimadiplomatie verlangt zun&#228;chst eine Vorstellung davon, warum der Gipfel von Kopenhagen gescheitert ist. Ein Erkl&#228;rungsansatz: Die j&#228;hrlicher Weltklimakonferenzen sind im Verlauf der letzten Jahre von den beteiligten Akteuren mit Bedeutung &#252;berfrachtet und zu einem Vehikel f&#252;r eine Vielzahl unterschiedlichster Zielvorstellungen gemacht worden. Die Hoffnungen ruhten darauf, nicht weniger als globale Gerechtigkeit und die L&#246;sung komplexer internationaler Verteilungsfragen, Milliardentransfers zur Anpassung an den Klimawandel und die Transformation der Weltwirtschaft zu einer „gr&#252;nen &#214;konomie“ zu beschlie&#223;en. Und dies alles neben dem selbstverst&#228;ndlichen Ziel, den Treibhausgasaussto&#223; drastisch zu senken.</p>
<p>Die Klimadiplomatie muss deshalb umdenken, ihre ma&#223;gebliche Verhandlungsarena gesundschrumpfen, und Klimaschutz auf viele tragf&#228;hige S&#228;ulen stellen. Die Bedingungen daf&#252;r sind gar nicht so schlecht. Nicht nur bei den USA und China l&#228;sst sich n&#228;mlich eine scheinbar paradoxe Entwicklung beobachten. Beide verwenden mittlerweile erhebliche Ressourcen darauf, auf nationaler und subnationaler Ebene Treibhausgase einzusparen und besonders im Energiebereich nachhaltiger zu wirtschaften. Trotz dieser Anstrengungen ist jedoch nicht absehbar, dass eine der beiden Nationen sich v&#246;lkerrechtlich dazu verpflichten w&#252;rde, ihre Treibhausgasemissionen deutlich zu senken. Anders gesagt: <strong>Zuerst kommt der Klimaschutz, dann – vielleicht – der Klimaschutzvertrag</strong>. Die Europ&#228;er wollten das nicht wahrhaben und das Pferd von hinten aufz&#228;umen. Kein Wunder, dass sie bei den entscheidenden Hinterzimmergespr&#228;chen in Kopenhagen <a href="http://www.internationalepolitik.de/exklusiv/view/1263289248.html">vor verschlossener T&#252;r standen</a>.</p>
<p><strong>Minilateral, multilateral, lokal</strong></p>
<p>Europa ist deshalb gut beraten, sich besser aufzustellen und aus der G2 wenigstens eine G3 zu machen. Das widerspricht nur teilweise den bisherigen Strategien europ&#228;ischer Au&#223;enpolitik, denn in der G8 wie auch der G20 waren und sind europ&#228;ische Staaten selbstverst&#228;ndlich pr&#228;sent. Die USA agieren pragmatischer, wenn es um die Wahl des geeigneten Forums f&#252;r die Durchsetzung eigener Interessen geht. Neben G8 und G20 haben sie das <a href="http://www.majoreconomiesforum.org/"><em>Major Economies Forum</em></a> gegr&#252;ndet, in dem die f&#252;r 80% der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlichen Staaten sitzen. Und mit der <a href="http://www.asiapacificpartnership.org/"><em>Asia Pacific Partnership on Clean Development and Climate</em></a><em> </em>(APP)<em> </em>ist ein regionales Forum entstanden, das komplement&#228;r zum UNFCCC-Prozess klimarelevante Fragen behandelt. Dieser <a href="http://www.foreignpolicy.com/articles/2009/06/18/minilateralism">„Minilateralismus“</a> kommt den Interessen seiner Mitglieder Australien, Indien, Japan, China, S&#252;dkorea, Kanada und USA entgegen, da er nicht zu einem v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Abkommen f&#252;hren soll. Bislang bleibt die APP allerdings auch den Beweis schuldig, dass sie wesentlich zum Klimaschutz beitragen kann anstatt, wie von George W. Bush seinerzeit beabsichtigt, von ihm abzulenken.</p>
<p>Auf multilateraler Ebene zeichnet sich seit dem Sommer 2009 ein weiteres Forum ab, das f&#252;r den Klimaschutz bedeutsam werden k&#246;nnte. Die zwischenstaatlichen Gespr&#228;che im Rahmen des <a href="http://www.unep.org/environmentalgovernance/LinkClick.aspx?fileticket=zG6SzFxbt8U=&amp;tabid=2227&amp;language=en-US">Belgrader Prozesses (PDF)</a> zielen auf eine <a href="http://www.unep.org/environmentalgovernance/">Reform des Systems der Umweltgovernance</a> der Vereinten Nationen ab. Auf dem <a href="http://www.unep.org/gc/gcss-xi/">Umweltministerforum auf Bali im Februar 2010</a> wurden die n&#228;chsten Weichen f&#252;r die Zukunft des UN-Umweltprogramms (UNEP) gestellt. Zur Debatte steht nicht nur die seit langem diskutierte Gr&#252;ndung einer Weltumweltorganisation, sondern eine Neuordnung des gesamten Gef&#252;ges globaler Umweltpolitik. Dabei ist die EU mit ihrem Vorsto&#223; zur Gr&#252;ndung einer Weltumweltorganisation nicht l&#228;nger der ambitionierteste Akteur. Brasilien hat angeregt, eine <em>Dachorganisation f&#252;r Umwelt und nachhaltige Entwicklung</em> zu gr&#252;nden und bis zum UN-Gipfel f&#252;r nachhaltige Entwicklung (UNCSD) in Rio im Jahr 2012 einen Fahrplan f&#252;r eine solche Reform auszuarbeiten. Dabei gilt: <strong>Ein effektives System globaler Umweltgovernance kann m&#246;glicherweise mehr f&#252;r den Klimaschutz tun als jede noch so gro&#223;e Weltklimakonferenz.</strong> Das beinahe unbeachtete Umweltministerforum war deshalb vielleicht wichtiger f&#252;r den Klimaschutz als die medial ausgeschlachtete Kopenhagener Konferenz.</p>
<p>Schlie&#223;lich bietet die subnationale und lokale Ebene zahlreiche Ankn&#252;pfungspunkte f&#252;r eine erneuerte Klimapolitik. Auf diesen Ebenen werden Entscheidungen mit wesentlichen Konsequenzen f&#252;r den Treibhausgasaussto&#223; getroffen. Vor alle transnationale St&#228;dtenetzwerke mit teilweise &#252;ber 1.000 Mitgliedern bieten M&#246;glichkeiten, lokale Klimaschutzma&#223;nahmen zu unterst&#252;tzen. Die EU hat zun&#228;chst z&#246;gerlich und zuletzt ambitionierter stadtpolitische Schwerpunkte gesetzt, die im Klimabereich mit dem <a href="http://www.eumayors.eu/"><em>Konvent der B&#252;rgermeister</em></a> zu einer betr&#228;chtlichen Dynamik auf lokaler Ebene gef&#252;hrt haben. <a href="http://www.iclei.org/co2/"><em>Cities for Climate Protection</em></a> versammelt &#252;ber 1.080 weltweit verteilte St&#228;dte und Gemeinden, w&#228;hrend das <a href="http://www.klimabuendnis.org/">Klima-B&#252;ndnis</a> sich auf Europa konzentriert und hier 1.400 lokale Gebietsk&#246;rperschaften vereint. Durch gezielte F&#246;rderung dieser Netzwerkaktivit&#228;ten k&#246;nnen <strong>wesentliche Impulse f&#252;r lokale Nachhaltigkeit</strong> gesetzt und mittelbar auch nationale Anstrengungen im Klimaschutz bef&#246;rdert werden.</p>
<p><strong>Plan B in anderen Politikfeldern suchen</strong></p>
<p>Parallel zu einer Diversifizierung der Foren und Formate deutet sich die Notwendigkeit an, klimapolitische Ans&#228;tze k&#252;nftig verst&#228;rkt innerhalb anderer Politikfelder zu integrieren und damit einen Plan B, C und D gegen&#252;ber dem labil gewordenen Prozess der Klimarahmenkonvention zu etablieren. Klimapolitik ist in sich ein hoch komplexes Politikfeld und steht in vielf&#228;ltigen Wechselwirkungen mit zahlreichen anderen Bereichen. Aus dieser vermeintlichen Schwierigkeit und Schw&#228;che der Klimapolitik kann eine St&#228;rke werden, wenn jedes Themen- und Politikfeld mit seinen eigenen Potenzialen f&#252;r Vermeidung und Anpassung wahrgenommen wird. UNEPs <a href="http://www.unep.org/greeneconomy/">Green Economy Initiative</a> steht stellvertretend f&#252;r die Bem&#252;hungen auf UN-Ebene, diese Potenziale nutzbar zu machen. Eine st&#228;rkere Konzentration auf Ma&#223;nahmen &#246;kologischer Industriepolitik und einen Pfad gr&#252;ner Modernisierung ist f&#252;r Europa ohnehin dringend angeraten, hat es doch eine <a href="http://www.americanprogress.org/issues/2010/03/out_of_running.html">f&#252;hrende Position</a> im <a href="http://thebreakthrough.org/blog/the_clean_energy_race/"><em>clean tech</em>-Rennen</a> zu verteidigen. Seltsam, dass Europa beinahe versch&#228;mt &#252;ber seine Leistungen schweigt, w&#228;hrend China und die USA hier gerade m&#228;chtig Dampf machen.</p>
<p>Letztes Beispiel Waldpolitik: Die unter dem K&#252;rzel <a href="http://www.un-redd.org/">REDD</a> laufenden Verhandlungen in Kopenhagen zum Schutz der W&#228;lder gestalteten sich erstaunlich konstruktiv: keine Blockade der gro&#223;en Waldnationen mehr. Bisher hatte allen voran Brasilien seit 1992 jede sich bietende Gelegenheit genutzt, um den internationalen Waldschutz so unverbindlich wie m&#246;glich zu machen. Brasilien selbst k&#228;mpft jetzt gegen illegale Regenwaldrohdung und hat in den letzten Jahren die auf eigenem Staatsgebiet stattfindende Entwaldung <a href="http://www.guardian.co.uk/world/2009/nov/13/brazil-amazon-deforestation-climate-change-copenhagen">erheblich zur&#252;ckfahren k&#246;nnen</a> &#8211; freilich unter tatkr&#228;ftiger Mithilfe der Wirtschaftskrise. Warum greift die Staatengemeinschaft diese Gelegenheit nicht auf und kreiert ein separates Waldschutzprotokoll unter der Klimarahmenkonvention? Unter dem Klimadach w&#252;rde ein solches REDD-Plus-Protokoll die unter anderem f&#252;r Brasilien und Indonesien so wichtigen finanziellen Anreize f&#252;r eine nachhaltige Waldnutzung bereitstellen, w&#228;hrend es gleichzeitig erheblich zur Senkung des Treibhausgas-Aussto&#223;es beitragen k&#246;nnte. Die Idee ist <a href="http://www.ingentaconnect.com/content/earthscan/cpol/2006/00000006/00000003/art00002">nicht einmal wirklich neu</a>, und nat&#252;rlich sind noch <a href="http://www.wwf.de/themen/waelder/klima-wald/redd/">eine Menge Probleme zu l&#246;sen</a>, bevor ein solches Abkommen die gew&#252;nschten Effekte erzielen k&#246;nnte und <a href="http://www.nzz.ch/finanzen/webtv/ein_neuer_hebel_zur_reduktion_der_co_2_-emissionen_1.4059768.html">ein neuer Hebel f&#252;r den Klimaschutz</a> zu werden vermag. Doch wenn die Chance da ist, sollte sie auch genutzt werden.</p>
<p><strong>V&#246;llige Politik-Blockade verhindern</strong></p>
<p>Anstatt den UNFCCC-Prozess zu gef&#228;hrden und zu unterwandern, &#246;ffnen sich durch eine multipolare Strategie dringend ben&#246;tigte Potenziale, die durch ein Beharren auf dem festgefahrenen Pfad der Klimakonferenzen verschlossen blieben. Dies w&#252;rde nur teilweise einen Bruch mit der Tradition europ&#228;ischer Au&#223;enpolitik darstellen, wenngleich es den innerhalb Europas &#252;blicherweise hochgehaltenen, aber zu eng verstandenen Multilateralismus durchaus herausfordern w&#252;rde. Die Chancen einer auf vielen Beinen stehenden Klimaschutzstrategie &#252;bersteigen erheblich die bisher mageren Erfolge des seit 1992 laufenden Modus’. Deutschland und Europa stehen deshalb vor der Wahl, eine v&#246;llige Politik-Blockade auf dem bisherigen Pfad zu riskieren, oder eine aktive Neuorientierung der weltweiten Klimagovernance zu wagen.
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<a href="http://carta.info/25272/auf-einem-bein-kann-man-nicht-stehen-warum-eine-neue-klimadiplomatie-notwendig-ist/">Gegen die Politik-Blockade: Warum eine neue Klimadiplomatie notwendig ist</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/25272/auf-einem-bein-kann-man-nicht-stehen-warum-eine-neue-klimadiplomatie-notwendig-ist/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=25272&amp;md5=4591bdd49040118bc188bac4081776f5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie weiter in der EU-Klimapolitik?</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 10:03:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Trotz zahlreicher Deklarationen hat die EU bislang noch nicht deutlich machen k&#246;nnen, wie sie den globalen Klimaverhandlungen nach dem Scheitern von Kopenhagen eine neue Dynamik verleihen will. F&#252;r 2010 steht zu bef&#252;rchten, dass sich die Europ&#228;er in der Klimapolitik weitgehend mit sich selbst besch&#228;ftigen werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/a92a0db2ede14176978f9901d4416cf0" alt="" width="1" height="1" />Nach dem &#8211; <a href="http://carta.info/18242/jenseits-von-kopenhagen/">eigentlich absehbaren</a> &#8211; Scheitern des Kopenhagener Gipfels ist die internationale Klimapolitik in eine Art Schockstarre verfallen, allen voran beim ambitioniertesten Akteur, der <a href="http://www.swp-berlin.org/en/common/get_document.php?asset_id=6914#page=30">Europ&#228;ischen Union</a>. Die EU hat in den vergangenen Jahren sehr viel politisches Kapital in die internationalen Klimaverhandlungen investiert. Die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 Grad steht seit 2007 im Zentrum der europ&#228;ischen Energiestrategie. <strong>Die internationale Verhandlungsarena ist also eng mit der EU-internen Energie- und Klimapolitik verkn&#252;pft.</strong> Ein schleppender Verlauf auf der globalen Ebene wird sich unweigerlich auch auf die EU selbst auswirken.</p>
<p><strong>Seit Kopenhagen ist die Klimapolitik der EU von einer gro&#223;en Ratlosigkeit gepr&#228;gt.</strong> Die Europ&#228;er sind vor allem darum bem&#252;ht, eine Infragestellung des bereits eingeschlagenen Kurses zu vermeiden. An den bisher vereinbarten Reduktionszielen (von 1990 bis 2020 Reduktion um 20% unilateral; Erh&#246;hung auf 30%, wenn andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder mitziehen) soll zun&#228;chst nicht ger&#252;ttelt werden. Diese bereits 2007 beschlossenen Ziele bilden auch die Grundlage f&#252;r einen der Schwerpunktbereiche der k&#252;rzlich vorgestellten makro&#246;konomischen<a href="http://www.euractiv.de/zukunft-und-reformen/linkdossier/eu-2020-strategie-000108"> EU-2020-Strategie</a>. <strong>Die Taktik, die zwischen den Mitgliedstaaten existierenden Interessensunterschiede auf Basis eingespielter Kompromissformeln zun&#228;chst einmal stillzulegen, wird sich jedoch nicht mehr lange aufrechterhalten lassen.</strong> Denn in 2010 stehen noch einige grundlegende und zum Teil auch symboltr&#228;chtige Entscheidungen an.</p>
<p>Viele westeurop&#228;ische Mitgliedstaten setzen sich inzwischen daf&#252;r ein, das <strong>Minderungsziel auf 30 Prozent</strong> zu erh&#246;hen, selbst wenn andere Industrie- und Schwellenl&#228;nder nicht mitziehen sollten. Angesichts der Erfahrungen in Kopenhagen &#8211; wo sich kein anderes Industrieland daran interessiert gezeigt hat, dass die EU auf 30% zu erh&#246;ht &#8211; streben die Westeurop&#228;er mit diesem Schritt nicht mehr in erster Linie an, die internationalen Verhandlungen voranzubringen. Im Zentrum steht das <strong>Aufrechterhalten der volkswirtschaftlichen Transformationsdynamik hin zu einer <em>low carbon economy</em>.</strong> Aufgrund der massiven Emissionsreduktionen im Zuge der Wirtschaftskrise w&#252;rde das urspr&#252;ngliche 20-Prozent-Ziel den Europ&#228;ern kaum noch nennenswerte Anstrengungen <a href="http://www.e3g.org/images/uploads/E3G_30_Percent_and_Beyond_Nov_09.pdf">abverlangen</a>. Diese Annahme wird nicht nur von der europ&#228;ischen Industrie bestritten, sondern auch von Mitgliedstaaten wie Polen und Italien. Diese waren zun&#228;chst in der Lage, eine Ver&#228;nderung der Zieldefinition zu blockieren. Eine Grundsatzentscheidung steht nun f&#252;r den Europ&#228;ischen Rat Ende Juni 2010 an, auf Basis eines Impact Assessments, das die Kommission nach <a href="http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/10/st07/st07562.de10.pdf">Aufforderung durch den Umweltministerrat</a> in den n&#228;chsten Monaten pr&#228;sentieren soll. Es kann als sicher gelten, dass die Kommission f&#252;r ein 30%-Ziel pl&#228;dieren wird. <strong>Ein polnisch-italienisches Veto wird sich aber nur dann umgehen lassen, wenn die klimapolitisch ehrgeizigeren Mitgliedstaaten den wesentlich gr&#246;&#223;eren Teil der zus&#228;tzlichen Belastungen &#252;bernehmen.</strong></p>
<p>Die Grundsatzentscheidung der 27 Staats- und Regierungschefs Ende Juni wird jedoch nicht nur den Weg bis 2020 vorpr&#228;gen, sondern auch die von der Kommission in der 2. Jahresh&#228;lfte vorzulegenden Konzepte, wie sich der Emissionspfad der EU bis 2030 bzw. 2050 entwickeln soll. Die innereurop&#228;ischen Konfliktlinien werden nicht nur bei den anstehenden strategischen Grundsatzentscheidungen zutage treten, sondern auch bei einer Reihe von Detailentscheidungen. Gro&#223;e Differenzen sind bei den Beratungen &#252;ber einen f&#252;r Mai zu erwartenden Kommissionsvorschlag &#252;ber die Einf&#252;hrung einer EU-weiten CO2-Mindestbesteuerung zu erwarten, ebenso bei den bereits begonnenen <a href="http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=en&amp;DosId=198768">Verhandlungen &#252;ber eine neue Richtlinie</a> zur Begrenzung der Emissionen von leichten Nutzfahrzeugen, die in der zweiten Jahresh&#228;lfte in die entscheidende Phase gehen d&#252;rften – und &#228;hnlich konfliktreich verlaufen, wie die <a href="http://carta.info/2708/eu-klimapolitik-verbindliche-verpflichtungen-wichtiger-als-symbolisch-aufgeladene-konflikte/">2008 abgeschlossenen Verhandlungen</a> &#252;ber die Begrenzung der Emissionen bei PKWs.</p>
<p>Trotz zahlreicher Deklarationen hat die EU bislang <a href="http://klimakrise.de/2010/03/30/europa-will-neue-verhandlungsdynamik-nur-wie-ist-unklar/">noch nicht deutlich machen k&#246;nnen</a>, wie sie den globalen Verhandlungen eine neue Dynamik verleihen will. <strong>F&#252;r 2010 steht zu bef&#252;rchten, dass sich die Europ&#228;er in der Klimapolitik weitgehend mit sich selbst besch&#228;ftigen werden.</strong>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=25080&amp;md5=54f5ab81a082f81c9c7b35e6e2f6081f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Was wohl kommen wird: &#8220;Netz-Schengen&#8221; &#8211; die gro&#223;e Firewall des Westens</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 04:08:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die neuerliche Netzsperren-Debatte und die ACTA-Verhandlungen zeigen Fragmente einer Art Firewall des Westens. Das Netz soll durch ein "trusted internet" domestiziert werden. Einem "ipadisierten" Binnen-Internet w&#252;rde zuk&#252;nftig ein dubioses, sperrverd&#228;chtiges Au&#223;en-Internet gegen&#252;berstehen.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ad5b34e67a674f0c8537e5f9e3ee9316" alt="" width="1" height="1" />In der neuerlichen Debatte um Netzsperren <a href="http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/03/gegen-placebo-gesetze-warum-ne.html">bittet</a> Mario Sixtus die Politik, doch bitte keine &#8220;Placebo-Gesetze&#8221; zu fabrizieren und lieber auf die &#8220;<strong>wahren Ursachen des Problems</strong>&#8221; zu schauen.</p>
<p>Sein Anliegen ist l&#246;blich und richtig. Aber es w&#228;re zugleich auch naiv zu glauben, <a href="http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E9B3C277036484FE68C78600C4D5FC8FF~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Cecilia  Malmstr&#246;m</a>, <a href="http://blog.zdf.de/zdfdasblog/2010/03/hochste-zeit-fur-netzsperren-g.html">Patricia  Wiedemeyer</a> oder <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/cdu-fraktionsvize-und-urheberrechts-hardliner-krings-fur-neues-internet-sperrgesetz/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed:+DigitaleLinke+(DIGITALE+LINKE)&amp;utm_content=Google+Reader">G&#252;nter Krings</a> gehe es nur um die Ursachen. In der Debatte um Netzsperren geht es letztlich ma&#223;geblich auch um einen <strong>symbolischen Akt gegen die Kr&#228;nkung staatlicher Autorit&#228;t im Internet</strong>. Es geht um den Unmut eines &#252;berforderten Politikbetriebs, dessen sanktionierenden und ordnenden Mechanismen aus einer anderen Zeit stammen und die im Netz entwertet scheinen, weil sie hier nicht mehr greifen. Es soll daher der Eindruck vermieden werden, die staatlichen Verfolgungsbeh&#246;rden w&#252;rden mit stumpfen L&#246;sch-Schwertern im Netz umherirren, obwohl es doch auch Sperr-Keulen geben k&#246;nnte.</p>
<p>Mit Netzsperren l&#228;sst sich <strong>Handlungsf&#228;higkeit vort&#228;uschen</strong>: Der Staat greift zur Rechtsdurchsetzung ins Protokoll des Internets ein &#8211; und genau um diese Unterordnung geht es. Dass diese Sperren wirkungslos sind, ist da <a href="http://www.theeuropean.de/419-alexander-goerlach/2654-lehren-aus-dem-missbrauchsskandal">kein Gegenargument</a> f&#252;r die Bef&#252;rworter: Sie verstehen ohnehin nicht, wie die Sperren konkret zu umgehen w&#228;ren.</p>
<p>Mit Netzsperren l&#228;sst sich das Internet auch wieder territorialisieren: Durch sie manifestiert sich ein <strong>Drinnen und Drau&#223;en</strong>. Es l&#228;st sich ein Territorium des wohl geordneten &#8220;trusted internet&#8221; im Inneren von einem dubiosen Au&#223;en-Internet abgrenzen.</p>
<p>Zur Territorialisierung passt, dass die Pl&#228;ne nun auf EU-Ebene vorgetragen werden. Das Ziel ordnungsbewusster EU-Politiker ist unschwer erkennbar eine Art &#8220;Netz-Schengen&#8221;: Die <strong>EU-Staaten</strong> einigen sich auf Internetstandards und ihre Durchsetzung im Inneren und stellen an der Grenze im Notfall Stopp-Schilder auf. Im Inneren wird gel&#246;scht &#8211; nach au&#223;en wird notfalls gesperrt.</p>
<p>Auch die Verhandlungen zum internationalen Copyright-Abkommen <a href="http://www.golem.de/specials/acta/"><strong>ACTA</strong></a> folgen einem &#228;hnlichen Muster. Die Unterzeichnerstaaten streben eine Art gemeinsamen Raum forcierter (Urheber-)Rechtsdurchsetzung an. Auch hier w&#252;rde durch Kooperation ein neues Binnen-Internet geschaffen.</p>
<p>Netzsperren und ACTA: Hier zeigen sich Fragmente von Pl&#228;nen zu einer Art Firewall des Westens. Die EU und die USA k&#246;nnten einen gemeinsamen Raum des &#8220;trusted internet&#8221; bilden, der sich <strong>forcierten Durchsetzungskriterien</strong> unterwerfen muss &#8211; der Rest des Internets w&#252;rde dann als dubios, gef&#228;hrlich und dunkel gelten.</p>
<p>In der Folge w&#228;re das Internet nicht mehr eine Entit&#228;t, sondern ein domestiziertes Zwei-Klassen-Netz. Im Ring der inneren Firewall wird das Internet &#8220;ipadisiert&#8221;: Alles ist sicher, wohl geordnet, rechtskonform. Vor dem Au&#223;ennetz wird gewarnt und es wird notfalls gesperrt.</p>
<p><strong>Ich bef&#252;rchte, die Dystopie ist sehr real</strong>. Die Frage ist eigentlich nur noch, wie genau die Schengen-Gates des Internets ausgestaltet werden.
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		<title>Finanzkrise Griechenland: Wie die europ&#228;ischen Chef&#228;rzte Sarkozy und Merkel systematisch Behandlungsfehler vertuschen!</title>
		<link>http://carta.info/24053/finanzkrise-griechenland-wie-die-europaeischen-chefaerzte-sarkozy-und-merkel-systematisch-behandlungsfehler-vertuschen/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Mar 2010 13:21:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffen Rutter</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Krise der griechischen Staatsfinanzen ist das Ergebnis einer verfehlten Zinspolitik der Europ&#228;ischen Zentralbank. Die Staats- und Regierungschefs lenken von den Krisenverursachern ab und verhindern so langfristig tragf&#228;hige Probleml&#246;sungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cd729f4b480f422fb604dc3a55e452fe" width="1" height="1" alt=""/><strong>Wo liegen die Probleme?</strong></p>
<p>Die Hellenische Republik Griechenland weist gegenw&#228;rtig eine offiziell gemeldete Staatsverschuldung von mehr als 120 Prozent des j&#228;hrlichen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf und z&#228;hlt damit zu den h&#246;chstverschuldeten Staaten der Europ&#228;ischen Union. Seit Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung im Jahr 2002 hat sich die Schuldenquote sp&#252;rbar um etwa <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;init=1&#038;language=de&#038;pcode=tsieb090&#038;plugin=1">20 Prozent</a> erh&#246;ht. In den letzten acht Jahren lagen die Gesamtausgaben des Staates j&#228;hrlich zwischen drei und f&#252;nf Milliarden Euro &#252;ber den Einnahmen. In diesem Jahr wird sich das strukturelle Defizit noch einmal auf &#252;ber zehn Prozent des BIP versch&#228;rfen. Vieles deutet darauf hin, dass Griechenland ein Solvenzproblem hat.</p>
<p>Zugleich besteht die akute Gefahr eines Liquidit&#228;tsproblems. Griechenland scheint darauf angewiesen zu sein, auslaufende Schulden durch Aufnahme neuer Schulden zu bedienen. Das Vertrauen in den Schuldendienst des Landes hat sich in der letzten Zeit jedoch stetig verschlechtert. Je mehr Schuldtitel auf absehbarer Zeit f&#228;llig werden, desto h&#246;her ist daher der Finanzierungsdruck f&#252;r die Gebietsk&#246;rperschaften – mit einhergehenden steigenden Zinsen. Das aktuelle Liquidit&#228;tsproblem verst&#228;rkt dadurch das langfristige Solvenzproblem.</p>
<p><strong>Wie kam es zu den Problemen?</strong></p>
<p>Durch die Einf&#252;hrung der Gemeinschaftsw&#228;hrung Euro haben sich die Finanzierungskosten f&#252;r &#246;ffentliche Schuldner in der Eurozone tendenziell angeglichen. Es war ein ausdr&#252;ckliches Ziel der W&#228;hrungsunion, Wechselkursrisiken zwischen den beteiligten Staaten auszuschlie&#223;en, um so Transaktionskosten f&#252;r die Marktteilnehmer zu senken. F&#252;r deutsche Riester-Sparer, die in griechische Staatsanleihen investieren, ist das Risiko einer Abwertung der griechischen Drachme entfallen – ein Risiko, dass nicht mehr mit h&#246;heren Zinsen verg&#252;tet werden muss. Es steht au&#223;er Zweifel, dass auch niedrigere Zinsen einen Anreiz f&#252;r die Aufnahme zus&#228;tzlicher Schulden darstellen. Gleichwohl sollte dieser Effekt sich angleichender Finanzierungskosten nicht &#252;bersch&#228;tzt werden.</p>
<p>Das oben beschriebene Solvenzproblem Griechenlands l&#228;sst sich jedoch mittelbar auf die Gemeinschaftsw&#228;hrung zur&#252;ckf&#252;hren. Griechenland verzeichnete zwischen den Jahren 2002 und 2008 relativ hohe Inflationsraten zwischen <a href="http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&#038;language=de&#038;pcode=tsieb060&#038;tableSelection=1&#038;footnotes=yes&#038;labeling=labels&#038;plugin=1">3,0 Prozent und 4,2 Prozent</a>. Damit lag die Inflationsrate in jedem Jahr seit Einf&#252;hrung des Euros &#252;ber den <a href="http://www.leitzinsen.info/eurozone.htm">Leitzinsen</a> der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB). Vor allem in den Jahren 2003 bis 2006 lag der Referenzzinssatz der EZB mit etwa einem Prozent unter der Inflationsrate Griechenlands. Die konjunkturorientierte Niedrigzinspolitik der EZB hat die Finanzierungskosten des Staates k&#252;nstlich so stark verbilligt, dass es wirtschaftlich rational war, stetig neue Schulden f&#252;r teils unsinnige Projekte aufzunehmen. Griechenlands Solvenzproblem ist daher kein Ergebnis hemmungsloser Spekulationen, sonder einer verantwortungslosen Zinspolitik der staatlichen EZB. Hier werden Verantwortlichkeiten durch die Staats- und Regierungschefs vertuscht.</p>
<p>Gleichwohl ist nicht auszuschlie&#223;en, dass sich das abzeichnende Liquidit&#228;tsproblem auch auf negative &#220;bertreibungen in den Finanzm&#228;rkte zur&#252;ckzuf&#252;hren ist. Als Folge asymmetrischer Informationen und Unsicherheit &#252;ber zuk&#252;nftige Entwicklungen greifen die Marktteilnehmer zu teils harschen Ma&#223;nahmen. Sie verhalten sich damit wie &#196;rzte. </p>
<p>Folgendes Bild illustriert dies: Wird ein Mensch mit offensichtlich hohem Alkoholisierungsgrad aufgefunden, so wird zu dessen eigener Sicherheit ein Brechreiz ausgel&#246;st, um die Gifte im Magen schnell zu entleeren. Nichts anderes l&#228;sst sich an den Finanzm&#228;rkte beobachten, wobei die sprunghaft steigenden Finanzierungskosten den „Brechreiz“ ausl&#246;sen sollen.</p>
<p><strong>Wie lassen sich die Probleme l&#246;sen?</strong></p>
<p>Die Krise der griechischen Staatsfinanzen kann nur nachhaltig &#252;berwunden werden, wenn die Probleme an der Wurzel angegangen werden. Die Krankheitsursache muss im Fokus stehen, nicht die Symptome. Die bisherigen Diskussionen von direkten Finanzhilfen &#252;ber B&#252;rgschaften bis hin zu strengerer Regulierung verdeutlichen, wie wenig Aufkl&#228;rungsinteresse die Staats- und Regierungschefs wirklich haben. Die Behandlungsfehler der staatlichen EZB d&#252;rfen nicht l&#228;nger von den Chef&#228;rzten in den Mitgliedsstaaten wie Sarkozy und Merkel vertuscht werden. Nur so kann die EZB auf den Pfad der Tugend in Form einer restriktiven Geldpolitik zur&#252;ckfinden.</p>
<p>Betrunkenen gibt man nicht einfach ein Kopfschmerzmittel und eine kostenlose Taxifahrt zum n&#228;chsten Wirtshaus. Deshalb ist ein Europ&#228;ischer W&#228;hrungsfonds die falsche Antwort.</p>
<p><em>Steffen Rutter ist Referent f&#252;r Finanzm&#228;rkte der FDP-Bundestagsfraktion.</em>
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		<title>Die Versicherheitlichung des Klimawandels</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 17:36:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Versicherheitlichung]]></category>

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		<description><![CDATA[Warnungen vor der „Sicherheitsbedrohung Klimawandel“ z&#228;hlen inzwischen zum Standardrepertoire der Klimadebatte. Zwar kann eine Ver&#228;nderung regionaler Klimabedingungen als Konfliktverst&#228;rker wirken, die Angst vor einem Ansturm von „Klimafl&#252;chtlingen“ oder gar vor „Klimakriegen“ ist jedoch ma&#223;los &#252;bertrieben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7ccace3838b14403bb101e9ac9d045d6" width="1" height="1" alt=""/>Wie bei jedem der j&#228;hrlich stattfindenden Klimagipfel, so gewinnen die Prognosen auch im Umfeld der Kopenhagen-Konferenz <strong>vorhersehbar an Sch&#228;rfe und Dramatik</strong>. F&#252;r viele NGOs z&#228;hlt es ohnehin zum Kerngesch&#228;ft, im Wochentakt d&#252;stere Vorhersagen zu pr&#228;sentieren. Ende November wiesen auch <a href="http://www.copenhagendiagnosis.org/default.html">26 renommierte Klimaforscher</a> darauf hin, dass sich der Klimawandel deutlich schneller vollziehe, als bislang vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt. In die Phalanx der Warner und Mahner reihten sich in der vergangenen Woche auch die <a href="http://www.consilium.europa.eu/ueDocs/cms_Data/docs/pressData/EN/foraff/111827.pdf">27 EU-Au&#223;enminister</a> ein, als sie zum wiederholten Male die <strong>m&#246;glichen Folgen des Klimawandels f&#252;r die internationale Sicherheit</strong> hervorhoben. Doch w&#228;hrend sich die Vorhersagen der naturwissenschaftlichen Klimaforschung immerhin auf computergest&#252;tzte Modellrechnungen st&#252;tzen k&#246;nnen, verharren die immer zahlreicher werdenden Warnungen vor der „Sicherheitsbedrohung Klimawandel“ in der <strong>Sph&#228;re des Spekulativen</strong>.</p>
<p>Bereits <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5673">zum dritten Mal in weniger als zwei Jahren</a> pr&#228;sentierte die EU einen Bericht, der zwar eindringlich vor den m&#246;glichen Folgen des Klimawandels f&#252;r die internationale Sicherheit warnt, zu sinnvollen Instrumenten aber nichts wirklich Neues zu sagen wei&#223; – ein Musterbeispiel f&#252;r deklaratorische Politik. Zwar weist die EU v&#246;llig zurecht darauf hin, dass eine Ver&#228;nderung regionaler Klimabedingungen als <a href="http://www.krium.de/front_content.php">Konfliktverst&#228;rker</a> wirken k&#246;nnte – aber das lie&#223;e sich mit guten Argumenten auch von jeder beliebigen Wirtschaftskrise behaupten. Was also macht das Thema „Klimasicherheit“ f&#252;r die EU so attraktiv? Die Antwort h&#228;ngt weniger mit dem meteorologischen als vielmehr mit dem politischen Klima zusammen: <strong>es n&#252;tzt der Imageaufwertung der EU</strong>.</p>
<p><a href="http://www.klimaktiv.de/article101_9231.html">87 Prozent der europ&#228;ischen B&#252;rger halten den Klimawandel f&#252;r ein ernstes Zukunftsproblem.</a> In der internationalen Klimapolitik schreiben sie Br&#252;ssel nicht ohne Grund die F&#252;hrungsrolle zu. Der <strong>Klimaschutz ist also einer der wenigen Bereiche, in denen der Mehrwert der EU von der Bev&#246;lkerung sehr hoch eingesch&#228;tzt wird. Gleichzeitig ist es eines der wenigen Politikfelder, in dem die EU auch von den internationalen F&#252;hrungsm&#228;chten wirklich ernst genommen wird.</strong> Dementsprechend hat die EU ein genuines Interesse daran, hier auch zuk&#252;nftig als fortschrittlicher Akteur gesehen zu werden. Die <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6612">internationale F&#252;hrungsrolle</a> wird ihr vorl&#228;ufig kaum zu nehmen sein. Selbst wenn sich China, Indien und die USA in den kommenden Jahren auf verpflichtende Reduktionsziele einlassen sollten, so werden diese sicherlich weniger ambitioniert ausfallen als die der EU. Weit gr&#246;&#223;er ist die Gefahr eines erneuten Bedeutungsverlusts der Klimapolitik. Denn aus Sicht eines politischen Akteurs gilt grunds&#228;tzlich: Je dr&#228;ngender ein Problem wahrgenommen wird, bei dem man selbst als Teil der L&#246;sung gilt, desto besser.</p>
<p>Genau hierin liegt die Motivation f&#252;r eine <strong>„Versicherheitlichung“</strong> des Klimawandels, einer Tendenz, die sich nicht nur in der EU-Politik, sondern auch bei Nichtregierungsorganisationen und vielen Wissenschaftlern beobachten l&#228;sst. Die &#220;berlegung dahinter: Wenn sich die Sichtweise durchsetzt, dass globale Klimaver&#228;nderungen neuartige Sicherheitsprobleme hervorrufen, dann liefert dies nicht nur zus&#228;tzliche Argumente f&#252;r den bereits eingeschlagen Pfad einer ehrgeizigen Klimapolitik. <strong>Klimaschutz wird dadurch auch zu einem „harten“ Politikfeld aufgewertet, das sich selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten nicht mehr einfach von der Agenda verdr&#228;ngen l&#228;sst.</strong></p>
<p>Seit es der britischen Regierung im April 2007 erstmals gelungen ist, die m&#246;glichen Folgen globaler Klimaver&#228;nderungen auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrats zu hieven, hat die Debatte um <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5680">„Klimawandel als Sicherheitsproblem“ </a>deutlich an Fahrt gewonnen. Der UN-Generalsekret&#228;r geht inzwischen soweit, den Darfur-Konflikt auf den Klimawandel zur&#252;ckzuf&#252;hren. Und <strong>kaum ein europ&#228;isches Redemanuskript kommt heute noch ohne den Verweis auf klimainduzierte Fl&#252;chtlingswellen aus</strong>, sorgsam changierend zwischen moralischer Betroffenheit („die &#196;rmsten werden am st&#228;rksten betroffen sein“) und der Gewissheit, dass Migrationsbewegungen nach Europa von der hiesigen Bev&#246;lkerung immer auch als Sicherheitsproblem „f&#252;r uns“ wahrgenommen werden. Bezeichnenderweise tr&#228;gt eines der hierzulande erfolgreichsten Klima-B&#252;cher den Titel <a href="http://www.amazon.de/Klimakriege-Wof%C3%BCr-Jahrhundert-get%C3%B6tet-wird/dp/3100894332">„Klimakriege – wof&#252;r im 21. Jahrhundert get&#246;tet wird“.</a> In den USA wird der Klimawandel bereits als Bedrohung der nationalen Sicherheit <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=5837">diskutiert</a>, m&#246;glicherweise der einzige realistische Weg, um hartgesottene Republikaner f&#252;r das Thema zu erw&#228;rmen – aber um den Preis welcher Ma&#223;nahmen?</p>
<p>Naturgem&#228;&#223; lassen sich Zukunftsprognosen im Hier und Jetzt nicht wirksam widerlegen. Doch ein Blick auf &#228;hnlich gelagerte Debatten gibt Anlass zur Skepsis. Die schon seit Jahrzehnten prognostizierten <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6576">„Wasserkriege“</a> lassen sich empirisch kaum nachweisen. Wasserknappheit birgt zwar unbestritten gro&#223;e Konfliktpotenziale, ein Eskalationsautomatismus existiert jedoch nicht. Bei n&#228;herem Hinsehen zeigt sich, dass konkurrierende Staaten in der Regel ein kooperatives Ressourcenmanagement gegen&#252;ber gewaltsamen Auseinandersetzungen bevorzugen. Es wird in der Klimapolitik deshalb entscheidend darauf ankommen, neben der schnellen Reduktion des Treibhausgasaussto&#223;es auch die Kapazit&#228;ten zum Umgang mit den unvermeidlichen Folgewirkungen des Klimawandels auszubauen, gerade in den Entwicklungsl&#228;ndern.</p>
<p>Ganz gleich ob es um Energiesicherheit, Ressourcenkonflikte oder den Klimawandel geht: <strong>Schreckensszenarien halten ein Thema zwar auf der politischen Agenda – und den Alarmisten in den Medien</strong>. Aber es besteht die Gefahr, dass die bildreich pr&#228;sentierten Bedrohungen beim europ&#228;ischen Publikum mit der Zeit nur noch Fatalismus hervorrufen. Eine vorausschauende Politik aber braucht etwas anderes: ein langfristiges Mandat f&#252;r ein <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6519&amp;PHPSESSID=eb5bc717bbb5056aa8b9b429e25351b8">unaufgeregt-pragmatisches Risikomanagement</a>.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=20438&amp;md5=a73e4d0d4b6d4958d67b683327474b0e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Jenseits von Kopenhagen</title>
		<link>http://carta.info/18242/jenseits-von-kopenhagen/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 12:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Oliver Geden</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum jemand geht noch davon aus, dass beim Kopenhagener Klimagipfel ein v&#246;lkerrechtlich verbindliches Abkommen zustande kommt. Das ist auch gut so. Weniger ermutigend ist, dass vor allem die Europ&#228;er die Hoffnung verbreiten, im Jahr 2010 werde man das in Kopenhagen verpasste ganz bestimmt nachholen k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6e02c2c7daf540b39fe9bd68887752ae" width="1" height="1" alt=""/>Es war bereits seit Monaten absehbar, doch erst seit Ende Oktober br&#246;ckelt die Front der unersch&#252;tterlichen Optimisten. Nachdem der Chef des Sekretaritats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (VN), Yvo de Boer, in mehreren <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/klima136.html">Statements</a> bekannt hatte, dass er den Abschluss eines v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Klimaabkommens in Kopenhagen angesichts der kurzen Restverhandlungsdauer f&#252;r unrealistisch halte, sprangen auch viele europ&#228;ische Klimapolitiker erleichtert auf den Zug auf. Endlich durfte laut gesagt werden, was ohnehin schon jeder wusste. Kopenhagen wird &#8211; gemessen den &#252;ber Jahre hinweg gehegten und von der EU auch aktiv gen&#228;hrten Erwartungen &#8211; kein Erfolg werden. <strong>Mehr als ein <em>political agreement </em>kann in Kopenhagen nicht erreicht werden &#8211; wenn &#252;berhaupt</strong>.</p>
<p>Diese &#8211; wenn auch sp&#228;te &#8211; R&#252;ckkehr des Realismus in die Klimadebatte ist sehr zu begr&#252;&#223;en. Doch es zeigt sich zugleich, dass die von europ&#228;ischen Klimapolitikern und -diplomaten in den letzten Monaten geradezu mantra-artig vorgetrage Formel <strong>&#8220;Es gibt keinen Plan B&#8221;</strong> tats&#228;chlich zu stimmen scheint.</p>
<p>Bewegung auf internationaler Ebene wird es zwar in der Tat erst dann geben, wenn die US-Adminstration eine pro-aktive Haltung einnimmt, da sich China und Indien vorher kaum zu Zugest&#228;ndnissen bereit erkl&#228;ren d&#252;rften. Nach den negativen Erfahrungen bei der Aushandlung und Ratifizierung des Kyoto-Protokolls unter Pr&#228;sident Clinton wird dies jedoch erst dann der Fall sein, wenn der us-amerikanische Kongress ein <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/American_Clean_Energy_and_Security_Act">Klimagesetz</a> verabschiedet hat &#8211; und damit vermutlich erst in der ersten Jahresh&#228;lfte 2010. Bislang ist weder absehbar, wie ambitioniert ein solches Gesetz und die daraus abgeleitete Verhandlungsposition tats&#228;chlich ausfallen wird.  Zudem ist offen, unter welchen Bedingungen die sp&#228;tere Ratifizierung eines v&#246;lkerrechtlich verbindlichen Klimavertrags im US-Senat realistisch w&#228;re &#8211; denn daf&#252;r werden 67 (von 100) Stimmen ben&#246;tigt. Die (klimapolitisch keineswegs einheitlich auftretenden) Demokraten verf&#252;gen derzeit &#252;ber 60 Stimmen, nach den Senatsteilwahlen im November 2010 d&#252;rfte ihre Zahl wohl noch geringer ausfallen.</p>
<p>Es w&#228;re angesichts der bisherigen Erfahrungen kurzsichtig, sich in der <a href="http://www.swp-berlin.org/common/get_document.php?asset_id=6498">internationalen Klimapolitik</a> ausschlie&#223;lich auf den Prozess im Rahmen der Vereinten Nationen zu verlassen. Selbst wenn es gel&#228;nge, ein ambitioniertes internationales Abkommen zu vereinbaren, eine erfolgreiche Ratifikation und Implementierung w&#228;re damit noch keineswegs garantiert. Die Einigung auf ein ambitioniert klingendes Abkommen ist <a href="http://carta.info/17707/klimagipfel-co2-reduktion/">kein Ziel an sich</a>, sondern nur <em>ein</em> m&#246;gliches Mittel auf dem Weg zur Dekarbonisierung der globalen &#214;konomie.  <strong>Wirkliche Fortschritte im globalen Klimaschutz werden sich nur erzielen lassen, wenn es den Europ&#228;ern gelingt, den Beweis anzutreten, dass das Erreichen ehrgeiziger klimapolitischer Ziele nicht nur realistisch, sondern auch wirtschaftlich erfolgversprechend ist.</strong> Deshalb m&#252;ssen die EU und dabei insbesondere Vorreiter wie Deutschland nicht nur konsequent an der Umsetzung der f&#252;r 2020 bereits getroffenen klimapolitischen Beschl&#252;sse arbeiten und schon bald eine klare Weichenstellung f&#252;r den wesentlich anspruchsvolleren Reduktionspfad bis 2050 vornehmen. Sie m&#252;ssen auch deutlich herausstellen, welche positiven Effekte dies auf angrenzenden Feldern wie der Versorgungssicherheit oder bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien nach sich zieht. <strong>Nur dann werden die USA, China und Indien tats&#228;chlich nachziehen wollen &#8211; ganz gleich, ob mit oder ohne internationales Klimaabkommen.<br />
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