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	<title>CARTA &#187; Digitalisierung</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 23:19:38 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Sch&#246;ner debattieren? Vocer und Diskurs@Deutschlandradio</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 07:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gleich zwei neue Debattenportale zum Medienwandel und der Digitalisierung unserer Gesellschaft sind in diesen Tagen online gegangen: Zun&#228;chst Vocer, getragen vom Verein f&#252;r Medien- und Journalismuskritik, und in dieser Woche nun Diskurs@Deutschlandfunk, ein Angebot von Deutschlandradio.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Jahren noch w&#228;re das ein Grund zum Jubeln gewesen: Gleich zwei neue Online-Portale in Deutschland, die sich inhaltlich dem Medienwandel widmen wollen. Aber heute? Im Jahr 13 seit dem Cluetrain-Manifest stellt sich eher die Frage, woher die neuen Anlaufstellen auf Dauer ihr Publikum nehmen wollen, denn an Diskussionen &#252;ber alle nur denkbaren Facetten der Digitalisierung und der damit verbundenen Umbr&#252;che im Mediensektor herrscht eigentlich kein Mangel. Mit dieser Feststellung soll aber noch kein Urteil verbunden sein. Vielleicht schaffen es die neuen Portale ja, sich mit guten Beitr&#228;gen und interessanten Diskussionen Marktanteile am Meinungsmarkt zu erobern.</p>
<p>Dabei setzt <strong><a href="http://www.vocer.org/de/home.html" target="_blank">Vocer</a></strong>, das sich ausschlie&#223;lich &#252;ber Stiftungsgelder und Spenden finanzieren m&#246;chte, st&#228;rker auf das geschriebene Wort, w&#228;hrend <strong><a href="http://diskurs.dradio.de/" target="_blank">Diskurs</a></strong> seinen Start deutlich mit Videos akzentuiert. Ob das eine Frage des Geldes ist? Das von Deutschlandradio getragene Portal hat m&#246;glicherweise das gr&#246;&#223;ere Budget zur Verf&#252;gung, was aber nicht zwangsl&#228;ufig auch R&#252;ckschl&#252;sse auf die Qualit&#228;t der Beitr&#228;ge zul&#228;sst. Jetzt am Beginn beider Projekte l&#228;sst sich dazu ohnehin noch nicht viel sagen, au&#223;er vielleicht dass beide Angebote derzeit wenig Originelles, daf&#252;r umso mehr Déjà-vu-Erlebnisse bieten: Vieles konnte man in &#228;hnlicher Form in den letzten Jahren schon anderswo lesen bzw. sehen.</p>
<p>Problematisch und zugleich symptomatisch ist bei beiden Plattformen die starke Zentriertheit auf den Journalismus. Dieser wird hier wie dort in den Mittelpunkt gestellt, obschon die Digitalisierung in erster Linie eine Frage des Technikwandels ist. Nat&#252;rlich hat dieser technische Wandel starke Auswirkungen auf den Journalismus, etwa wenn gedruckte Zeitungen mehr und mehr von Online-Medien abgel&#246;st werden oder wenn das klassische Radioprogramm aufgrund der digitalen Medienkonvergenz ganz grunds&#228;tzlich sein Format &#252;berdenken muss.</p>
<p>Die entscheidende Triebkraft ist dabei aber gerade nicht der Journalismus, denn dieser kann sich nur den neuen digitalen Formen und Formaten anpassen, diese aber nicht selbst schaffen. Wer die eigentlichen Akteure des Wandels sind, wurde bei der Er&#246;ffnungsveranstaltung von Diskurs, der „ersten Berliner Debatte Digital“, sehr deutlich, als die Diskussion unversehens auf Apple und Facebook sowie deren Gesch&#228;ftsmodelle und technischen Plattformen zu sprechen kam. Diese n&#228;mlich schaffen zwar einen Raum an medialen M&#246;glichkeiten, legen zugleich aber mit ihren Technik-Konventionen sowie mit ihren teilweise restriktiven Gesch&#228;ftsbedingungen Einschr&#228;nkungen auf, mit denen sich Medienanbieter arrangieren m&#252;ssen.</p>
<p>Dabei soll nicht bestritten werden, dass der Journalismus im digitalen Zeitalter nach neuen Formen der Inhaltevermittlung oder des Storytelling suchen muss. Sich dieser Aufgabe zu widmen, ist sowohl f&#252;r Vocer als auch f&#252;r Diskurs eine reiz- und ehrenvolle Aufgabe. Nur darf man dabei nicht den Fehler machen, sich unversehens selbst im Mittelpunkt des Wandels zu w&#228;hnen. Das Augenmerk muss eigentlich viel st&#228;rker auf den technischen Grundlagen liegen, weil diese noch immer stark im Fluss sind und nicht erkennen lassen, dass ihre Ver&#228;nderungsdynamik sich abschw&#228;chen w&#252;rde.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann man diesbez&#252;glich auch anderer Auffassung sein. In vielen Zeitungsverlagen etwa mag sich die Vorstellung durchgesetzt haben, man m&#252;sse nur die Inhalte, die man traditionell in gedruckter Form unter die Leute brachte, auf einer Website geb&#252;ndelt ins Netz stellen. Als weiteres „Zugest&#228;ndnis“ an den Medienwandel wird der klassische Redaktionsschluss, der f&#252;r den Druck unerl&#228;sslich war, zugunsten eines Systems der permanenten Aktualisierung von Inhalten aufgegeben. War es das?</p>
<p>Wohl kaum. Denn heute ist offenkundig, dass eine Zeitung als hermetisch geschlossene Welt f&#252;r sich im Netz nicht bestehen kann. Zum einen wandern die digitalen Leser viel st&#228;rker zwischen einzelnen Medien, zum anderen wollen sie mehr Partizipation. Auf die wachsende Vernetzung der Leser untereinander und die zunehmende Aggregation von Nachrichten aber haben klassische Medienh&#228;user immer noch keine ad&#228;quate Antwort gefunden. Sehen sich die neuen Debattenportale hier in der Pflicht?</p>
<p>Ihr Auftritt im Web l&#228;sst nichts Gutes ahnen. Sowohl Vocer als auch Diskurs bieten  keine neuen Ans&#228;tze auf der technischen Ebene. Wer etwa auf Experimente in Sachen Content-Aggregation, Data-Mining oder der Netzwerk-Analyse gehofft hat, muss sich entt&#228;uscht sehen. Beide Portale sind Stand heute nicht mehr als gew&#246;hnliche Content Management Systeme, die nach alter V&#228;ter Sitte mit medialen Inhalten bef&#252;llt werden. F&#252;r den Diskurs allein mag das gen&#252;gen. Wer aber neue technische Features testen, aufzeigen und vielleicht im Wege des &#246;ffentlichen Experiments mit seinen Lesern gemeinsam ausprobieren m&#246;chte, was einem „Think Tank“ und „Medialab“ wie Vocer gut zu Gesicht st&#252;nde, muss eigentlich mehr bieten k&#246;nnen.</p>
<p>Am Ende bleibt das Gef&#252;hl, dass der Journalismus in Teilen glaubt, sich mit dem Status Quo an technischen M&#246;glichkeiten im Web h&#228;uslich einrichten zu k&#246;nnen und auf dieser Basis nun nur noch nach ein paar neuen Erz&#228;hlformen suchen muss. Das aber w&#228;re ein Trugschluss. Dave Winer spricht in diesem Zusammenhang s&#252;ffisant von einer „<a href="http://scripting.com/stories/2012/02/04/nytGrowingTheWrongWay.html" target="_blank">Maginot-Linie</a>“ mit der Medienh&#228;user sich gut gesch&#252;tzt w&#228;hnen, w&#228;hrend der Feind in aller Ruhe von hinten das Feld aufrollt.</p>
<p>Der digitale Wandel ist noch l&#228;ngst nicht am Ende und dem Mediensektor stehen weitere Ver&#228;nderungen, um nicht zu sagen Ersch&#252;tterungen, ins Haus. Portale wie Vocer und Diskurs brauchen deshalb mehr Web-Technik-Kompetenz und etwas weniger Journalismus-Orientierung, wenn sie die Zukunft sp&#252;rbar mit gestalten wollen. Das mag als Ratschlag eine bittere Pille sein, aber nur das wird wirklich relevante Debatten hervorbringen und der Medienbranche konstruktiv helfen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=41340&amp;md5=efa2cff8ff08e5eb3bb4153311a07050" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>transmediale.11 in Berlin: Das Netz als Handlungszone sichtbar machen</title>
		<link>http://carta.info/37557/transmediale-11-in-berlin-das-netz-als-handlungszone-sichtbar-machen/</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Jan 2011 14:24:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[transmediale]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom 1. bis 6. Februar 2011 findet in Berlin die transmediale.11 statt, die sich mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft befasst und sich als Festival f&#252;r Kunst und digitale Kultur versteht. Wir sprachen mit Markus Huber, Programm-Kurator der Konferenz BODY:RESPONSE.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die transmediale 2011 tr&#228;gt den Titel &#8220;RESPONSE:ABILITY&#8221;, den man als eine Art Wortspiel sehen kann. Welchen Akzent sehen Sie dabei st&#228;rker: Responsability (Verantwortung) oder die F&#228;higkeit, Antwort zu geben (Dialog, Vernetzung)?</strong></p>
<p>Markus Huber: Wir erleben heute eine zunehmende Hybridisierung von technisch generiertem Informationsraum und physischem Realraum. Denn die gegenw&#228;rtige Qualit&#228;t mobiler Kommunikationstechnologien, Echtzeitmedien und Lifestreams er&#246;ffnen neue, hochdynamische soziale Handlungsr&#228;ume zwischen on- und offline. Der Titel <a href="http://www.transmediale.de/de/content/transmediale11-responseability">RESPONSE:ABILITY</a> bezieht sich einerseits auf diese Verfl&#252;ssigung der Grenzen. Die F&#228;higkeit, sich in einem solchen kulturellen, medialen Umbruch zurechtzufinden, Wissen und Informationen zu organisieren und dieses Potential auch f&#252;r individuelle politische Entscheidungsprozesse nutzen zu k&#246;nnen, ist ein zentraler Aspekt f&#252;r die transmediale.11. Unsere Verantwortung als Nutzer und Akteure des Webzeitalters sehe ich weniger darin Antworten zu geben. Es geht vielmehr um die F&#228;higkeit, in einer hochdynamischen sozialen und &#246;konomischen Umwelt handlungsf&#228;hig zu bleiben. RESPONSE:ABILITY ist also auch ein Aufruf neue Wege zu gehen, Handlungsweisen zu erproben und Fragen zu stellen.</p>
<p><strong>Wir sind alle schon l&#228;ngst Cyborgs, sagte die Anthropologin Amber Case im Dezember 2010 auf einer <a href="http://blog.ted.com/2011/01/11/we-are-all-cyborgs-now-amber-case-on-ted-com/">TED-Konferenz</a>. Hat Sie recht?</strong></p>
<p>Markus Huber: Das ist eine interessante Frage. Der Cyborg ist ja bis heute eine faszinerende Phantasie. Ein Schnittstellen-K&#246;rper halb Mensch halb Maschine, der unsere physischen F&#228;higkeiten steigert und in die Welt ausdehnt. Heute erleben wir in der Tat eine ganz andere technologisch-biologische Verflechtung, die im mentalen, kognitiven Bereich verortet ist. Die Einbindung der virtuellen Dimension unseres K&#246;rpers &#8211; Affekt, Emotion, soziale Kommunikation, Kollaborationsf&#228;higkeit &#8211; r&#252;ckt immer st&#228;rker in den Mittelpunkt. Man k&#246;nnte heute also von einem mentalen Cyborg sprechen, der mit der Entwicklung hin zu einer postfordistischen Informationsgesellschaft entsteht. Wir haben uns vom Flie&#223;band und der Anbindung des Menschen an den Maschinenk&#246;rper verabschiedet. Charlie Chaplins <em>Modern Times</em> war ja eine sehr fr&#252;he, aber bis heute faszinierende Analyse dieser Mechanismen. Heute ist unsere individuelle Kommunikationsf&#228;higkeit zum entscheidenden sozialen, &#246;konomischen und politischen Kriterium geworden.</p>
<p>Darum wird es auch in der <a href="http://www.transmediale.de/de/content/konferenz-bodyresponse-%E2%80%93-biomedial-politics-age-digital-liveness">transmediale Konferenz</a> BODY:RESPONSE gehen. Die zentrale Frage der Konferenz lautet: Wie gehen wir mit diesem Prozess der Aufl&#246;sung eindeutiger K&#246;rper- und Identit&#228;tskonfigurationen um, die &#8211; durch die neue Qualit&#228;t mobiler Medien und Echtzeitnetwerke ausgel&#246;st &#8211; zu einer solchen Verschiebung im Denken des Humanen f&#252;hren? Welche neuen psycho-&#246;konomischen und biopolitischen Machtwirkungen entstehen hier im &#246;konomischen und politischen Umfeld und wie reagieren wir darauf?</p>
<p><strong>Wo steht die deutsche Cyborg-Debatte? Warum tut sich dieses Thema hierzulande so schwer, w&#228;hrend etwa ein Thilo Sarrazin mit seinen Thesen wie aus der Vergangenheit m&#252;helos die Schlagzeilen und Bestsellerlisten st&#252;rmt?</strong></p>
<p>Markus Huber: In anderen L&#228;ndern ist diese Debatte in der Tat st&#228;rker ausgepr&#228;gt. Ich glaube das hat u.a. damit zu tun wie Technologie kulturell verstanden, akzeptiert und angewendet wird. In den USA etwa ist die Diskussion viel st&#228;rker ausgepr&#228;gt. Mit ein Grund hierf&#252;r ist sicherlich der sehr dominante milit&#228;risch-technische Komplex, der biologische, kybernetische Forschung, universit&#228;re Einrichtungen, aber auch Popkultur und Filmindustrie mit einbezieht. Auch Japan &#8211; f&#252;hrend im Bereich der Kybernetik- und Roboterentwicklung – ist ein interessantes Beispiel. Wir alle kennen  die enthusiastische Manga- und Anime-Kultur, in der technologisch gepr&#228;gte urbane Utopien mit spirituellen Vorstellungen von K&#246;rper und Geist zu einem allt&#228;glichen kulturellen Medium verschmelzen. Hier sehe ich die herausragende Bedeutung der transmediale solche unterschiedlichen Formen der kulturellen Aneignung von Technologie und die damit entstehenden Debatten zu provozieren.</p>
<p><strong>Filme und Videos werden auf der transmediale eine gro&#223;e Rolle spielen: Rund 60 Auff&#252;hrungen wird es geben. Wo bleiben demgegen&#252;ber Computer-Spiele und virtuelle Welten? W&#252;rden diese nicht besser zu einem Zukunfts-Szenario passen als das sehr klassische Medium &#8220;Film&#8221;?</strong></p>
<p>Markus Huber: Als Festival, das nunmehr seit 24 Jahren existiert und seinen Anfang in der Berlinale nahm (als Teil des Internationalen Formus des Neuen Films), begreifen wir das Filmprogramm nat&#252;rlich als wichtigen Bestandteil unserer Geschichte, die wir weiterf&#252;hren und neu kontextualisieren wollen. Denn der transmediale geht es nicht allein um die Pr&#228;sentation neuester technologischer Errungenschaften, sondern um die Wechselwirkung, die zwischen technischer Entwicklung und ihrer gesellschaftlichen Anwendung entsteht. Mit dem <a href="http://www.transmediale.de/award/start">internationalen Wettbewerb</a>, den die transmediale ausschreibt und, der uns mit &#252;ber 70 L&#228;ndern in der Welt verbindet, zeigt sich, dass verschiedene Kulturen und Regionen &#8211; entsprechend der unterschiedlichen M&#246;glichkeiten des Zugangs und der jeweiligen Aneignung &#8211; bestimmte Technologien st&#228;rker im Alltag verankert sind als dies bei uns in Europa oder Deutschland der Fall ist. So benutzen die Inuits im polaren Norden Kanadas das Fernsehen als Technologie, um in einem <a href="http://www.isuma.tv/">Serienformat</a> ihre kulturelle Tradition zu vermitteln und zu bewahren.</p>
<p>Aber nat&#252;rlich spielen gerade Computer-Spiele eine immer st&#228;rkere Rolle. In unserem Programm widmen wir uns daher in mehreren Workshops, Ausstellungen und einer gro&#223;en Diskussionsrunde diesem Bereich. Hintergrund ist die Partnerschaft mit Ludic Interface, einem neuen europ&#228;ischen Studiengang, der sich der Analyse und Entwicklung spielerischer Schnittstellen widmet und ab 2012 ge&#246;ffnet sein wird. Als G&#228;ste haben wir u.a. die kanadische Programmiererin und Spiele-Entwicklerin Heather Kelley.</p>
<p><strong>Die transmediale vergibt auch eine Reihe von Awards, darunter den Open Web Award f&#252;r freie bzw. offene Technologien. Auf der &#8220;Short List&#8221; steht mit <a href="http://www.thimbl.net/">Thimbl</a> ein Microblogging-Dienst aus Deutschland, der auf die Urspr&#252;nge des Web in seiner dezentralen und offenen Form verweist. Sehen Sie in solchen Projekten und ihrer m&#246;glichen Pr&#228;mierung eine Chance auf Breitenwirkung (&#8220;Durchbruch&#8221;) oder stellen die Awards der transmediale eher auf eine Wahrnehmung in der Politik ab?</strong></p>
<p>Markus Huber: Ja, &#252;ber den <a href="http://www.transmediale.de/de/award/open-web-award">Open Web Award</a> freuen wir uns sehr. Durch unsere Kooperation mit Mozilla konnten wir diesen Preis endlich realisieren. Die nominierten Projekte zeigen, auf welche unterschiedliche Weisen wir offene Technologien nutzen k&#246;nnen und welche M&#246;glichkeiten der Bildung, Selbsterm&#228;chtigung und Gestaltung darin liegen. Wir sind von der Kreativit&#228;t und den M&#246;glichkeiten des open web und offener Technologien &#252;berzeugt und begreifen das durchaus als ein politisches Statement. Ebenso wichtig ist es aber, die damit einhergehende Haltung, n&#228;mlich sich zu beteiligen, mitzugestalten und Einfluss zu nehmen, in die Breite zu entwickeln. Das bedeutet auch, diesen Projekten die M&#246;glichkeit und Plattform zu geben, um sie weiterzuentwickeln.</p>
<p><strong>Wird es Livestreams von Veranstaltungen der transmediale geben?</strong></p>
<p>Markus Huber: In der Tat werden wir das Programm per Livestream &#252;bertragen. Das Thema &#8220;Live&#8221; ist ja ein wichtiger Bestandteil des Programmes der transmediale.11. Dabei geht es aber nicht nur um eine programmatische Entscheidung, sondern auch um die M&#246;glichkeiten des freien Zugangs und der Partizipation an der k&#252;nstlerischen, technischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die die transmediale f&#252;hrt. Viele Interessierte k&#246;nnen nicht zum Festival anreisen, m&#246;chten aber dennoch an den Diskussionen teilnehmen. Sie k&#246;nnen den Livestream verfolgen und &#252;ber <a href="http://twitter.com/#!/transmediale">Twitter</a> bzw. <a href="http://www.facebook.com/transmediale">Facebook</a> kommentieren und ganz neue, spannende Diskussionen und Ideen anregen.</p>
<p><strong>Vielen Dank f&#252;r das Gespr&#228;ch. Veranstaltungsort ist das <a href="http://hkw.de/de/index.php">Haus der Kulturen der Welt</a> (Berlin). </strong>
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		<title>Mercedes Bunz: Das Denken und die Digitalisierung</title>
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		<pubDate>Mon, 24 Jan 2011 16:41:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Vera Bunse</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Chancen]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Industrialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Mercedes Bunz]]></category>
		<category><![CDATA[Technik]]></category>

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		<description><![CDATA["Wird die Digitalisierung den Aufgabenbereich des Angestellten in der gleichen Weise umwandeln, wie die Maschine die T&#228;tigkeit des Arbeiters ver&#228;ndert hat?"]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mercedes Bunz sp&#252;rt der <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~EE02A72F17D3B4618B681D61F32C75F65~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Logik der Technik</a> nach:</p>
<blockquote><p>Was Menschen auf Google suchen, das hat sich in den letzten Jahren essentiell ge&#228;ndert. Das Wissen des Internets verf&#252;gbar zu machen, nur davon tr&#228;umten die Google-Erfinder noch 1998 in ihrem Gr&#252;ndungstext &#8220;Die Anatomie einer Suchmaschine&#8221;. Schnell haben die Benutzer allerdings begonnen, die Suchmaschine nicht zur Erschlie&#223;ung des Wissens im Internet, sondern als Index ihrer Wirklichkeit zu gebrauchen.</p></blockquote>
<p>Sie kommt zu einem Schluss, der auch von deutschen Entscheidern endlich gezogen werden muss:</p>
<blockquote><p>Dass diese Prinzipien der Digitalisierung unsere Lebenswelt in nicht geringerem Ma&#223;e als die Industrialisierung ver&#228;ndern werden, w&#228;re nur dann bedrohlich, wenn die Chance, die das bedeutet, verpasst w&#252;rde. Sie muss vielmehr wahrgenommen werden.</p></blockquote>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37478&amp;md5=6b63db0e9b4486de168d4a2e3a11c055" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Napster auf den Elektrischen Stuhl?</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 08:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Herzlich willkommen in der digitalen Welt Amerika! Wir aus der Musikwirtschaft kennen uns da aus und fragen uns nachdem ihr die Todesstrafe f&#252;r Wikileaks fordert: Sind wir vielleicht zu milde mit den Piraten umgegangen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/558caa0d6a6c41d390fa5e7fede79b88" width="1" height="1" alt=""/>In Amerika werden erste Stimmen laut, welche ob der Aktivit&#228;ten von Wikileaks die Todesstrafe f&#252;r Datenklau und deren Ver&#246;ffentlichung fordern. Erschrocken und am&#252;siert zugleich fragt man sich da als Musikwirtschaft, ob man vielleicht zu milde mit den Piraten und anderen Urheberrechtsverletzern war&#8230;</p>
<p>Ab 1982 haben wir unsere Daten digitalisiert, auf CD gepresst und verkauft. Anfangs haben unsere Controller &#252;ber diese Digitalisierung genauso gejubelt wie Eure Geheimdienste. Wo Euer CIA und die anderen Dienste glaubten mit den digitalen Daten einen Erkenntnisgewinn zu haben, freuten sich unsere Erbsenz&#228;hler &#252;ber die Gewinnspr&#252;nge, die damit verbunden waren. Bis Ende der Neunziger wurde abgesahnt: Die Konsumenten kauften oftmals das, was sie bereits anlog auf Vinyl besa&#223;en, nur jetzt halt digital auf CD zum doppelten Preis. Dankesch&#246;n, f&#252;r die Musikwirtschaft war das ein herrliches Gesch&#228;ft.</p>
<p>Fr&#252;her als ihr mussten wir aber feststellen, dass die Sache auch einen Haken hat. Mit der Einf&#252;hrung des CD-Brenners wurde klar, dass Digitalisierung kein Original mehr kennt. Unsere Musik wurde auf selbstgebrannten CDs auf Schulh&#246;fen und in Uni-Mensen verteilt und schlie&#223;lich auch &#252;bers Internet. Nat&#252;rlich waren wir zornig. Ich erinnere mich noch an das hochrote Gesicht meines Chefs, des damaligen Pr&#228;sidenten der Universal, wenn das Thema auf Datenkopien kam. Als ein Mitarbeiter in einem Meeting von jugendlichen Fans sprach, die mit modernen Technologien herumspielten, sprang er auf und schrie ihn an: &#8220;Das sind keine Fans, das sind Kriminelle und die geh&#246;ren zerschmettert.&#8221;</p>
<p>Das klingt bei Sarah Palin nicht sehr viel anders, wenn sie &#252;ber Wikileaks spricht. Manche ihrer Parteifreunde – wie der ehemalige Gouvernor von Arkansas – gehen da sogar noch einen Schritt weiter: Er fordert die Todesstrafe.</p>
<p>Sind Daten erst einmal digitalisiert, kann man sie nur noch schwer oder gar nicht kontrollieren. Das ist eine bittere Erkenntnis. Da platzt einem schon mal der Kragen. Aber verglichen mit Euch waren wir in unserer Reaktion fast milde. Familienv&#228;ter und M&#252;tter von Urheberrechtsverletzern wurden von uns mit Klagen &#252;ber hundertausende von Dollar &#252;berzogen, nach Leib und Leben trachten wir ihnen nicht. Naja, wir verloren durch Datenkopien ja auch nur Geld, Ihr aber Glaubw&#252;rdigkeit.</p>
<p>Vielleicht hat Shawn Fanning auch einfach Gl&#252;ck gehabt, dass wir keine Geheimdienste haben. Hinter Gittern haben wir unseren Lieblingsfeind und Begr&#252;nder von Napster n&#228;mlich bis heute nicht bekommen. Daf&#252;r haben wir seinen Laden platt gemacht, die Justiz war da in Form der Richterin Pattel aus Kalifornien auf unserer Seite. Geholfen hat uns das allerdings nicht.</p>
<p>Genauso wie l&#228;ngst &#252;ber 200 Sites die Wikileaks-Informationen spiegeln, war die richterlich angeordnete Schlie&#223;ung von Napster nur Auftakt f&#252;r neue Modelle zum Austausch von Musik. Auf die, wie zum Beispiel im Fall von Pirate Bay, haben wir dann auch ordentlich draufgeschlagen. Die schwedische Justiz k&#246;nnen wir empfehlen. Sie zeigte sich bei uns &#228;u&#223;erst kooperationsbereit, verknackte die Pirate Bay-Betreiber. Die Folge war jedoch eine neue Protestbewegung gegen unsere Anliegen samt eigener Partei.</p>
<p>Egal was wir auch versuchten, digitale L&#246;cher lie&#223;en und lassen sich nicht stopfen. Kopierschutz, Rechtsschutz, Abmahnungen, Abschreckung, alles f&#252;r die Katz. Mittlerweile haben wir als Musikwirtschaft die H&#228;lfte unseres Volumens und unserer Macht eingeb&#252;sst. Von der einst traumhaften Profitabilit&#228;t wollen wir hier gar nicht erst reden, Amerika.</p>
<p>Willst Du f&#252;r Dein Land unser Schicksal vermeiden, dann akzeptiere die Fakten der Digitalisierung. Wir m&#252;ssen auf K&#252;nstler und Konsumenten zugehen und versuchen, die Digitalisierung f&#252;r einen neuen Deal untereinander zu nutzen. Bei Euch geht es um B&#252;rger und Weltgemeinschaft, mit denen und f&#252;r die ihr ein neues Verst&#228;ndnis entwickeln m&#252;sst.</p>
<p>Ich wei&#223;, das ist einfacher gesagt als getan. Tut ihr das aber nicht, hilft nur der Weg zur&#252;ck: Sven Regener von Element of Crime fragte mich einmal, weshalb wir nicht einfach alles wieder nur auf Vinyl ver&#246;ffentlichen w&#252;rden, das sei doch der einzig m&#246;gliche Kopierschutz. Der Mann hatte recht. Wollt ihr also nicht mehr Bestandteil der digitalen Welt sein, dann raus mit all den Computern aus den Amtsstuben, Botschaften, Capitol, Pentagon und Wei&#223;em Haus! Betreibt ihr die Reanalogisierung der USA konsequent, hat Wikileaks schweres Spiel: 250.000 Aktennotizen bekommt niemand physisch in Ordnern bewegt ohne dass ihr das lange vor der Ver&#246;ffentlichung bemerkt!</p>
<p>Eine Welt mit einem gestrigen, weil analogen Amerika w&#228;re aber &#228;rmer. Deshalb gebt Euch M&#252;he, die Konsequenzen der Digitalisierung nicht zu bek&#228;mpfen, sondern zu erkennen und zu meistern. Wir von der Musikwirtschaft versuchen es ja mittlerweile auch.
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		<title>Digitalisierung der Gesellschaft: Und bist du nicht willig, so brauch ich Geduld</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 14:25:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Kruse</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Vernetzung]]></category>

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		<description><![CDATA["Enorme Vernetzungsdichte", "hohe Spontanaktivit&#228;t" und "neue Bew&#228;ltigungsstrategien": 10 Thesen zu den Folgen der digitalen Netzwerkkommunikation f&#252;r die Wissens- und Machtverh&#228;ltnisse.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6c30381fd259467a8f62cef3605ae438" width="1" height="1" alt=""/>Anl&#228;sslich der <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2010/30363306_kw26_pa_internetenquete/index.html">heutigen Anh&#246;rung</a> der Internet-Enquete hat <a href="http://www.nextpractice.de/unternehmen/prof-dr-peter-kruse/zur-person/vita/">Peter Kruse</a> die folgenden zehn Thesen zu den Folgen der Digitalisierung der Gesellschaft zusammengestellt:</p>
<p>1. Die emotional gef&#252;hrte Debatte um die negativen pers&#246;nlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der <strong>ganz normalen Zur&#252;ckhaltung gegen&#252;ber neuen Technologien</strong>.</p>
<p>2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgel&#246;ste &#220;berforderung durch Informations&#252;berflutung ist <strong>eine Frage der Bew&#228;ltigungsstrategien</strong> und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazit&#228;tsgrenzen.</p>
<p>3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bed&#252;rfnis der Menschen, <strong>sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen</strong> zu beteiligen.</p>
<p>4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivit&#228;t der Nutzer und die Existenz l&#228;nger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit f&#252;r <strong>Lawinen-Effekte</strong>.</p>
<p>5. Mit der M&#246;glichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken<strong> verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager</strong>.</p>
<p>6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbev&#246;lkerung wird die<strong> Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik</strong>.</p>
<p>7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsf&#228;higkeit in gesellschaftliche Zusammenh&#228;nge f&#252;hrt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung <strong>zur Re-Politisierung der &#214;ffentlichkeit</strong>.</p>
<p>8. Das erstarkende &#246;ffentliche Interesse am Spiel der Kr&#228;fte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen <strong>maximale Transparenz und Nachhaltigkeit </strong>ab.</p>
<p>9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine <strong>gro&#223;e kulturelle Herausforderung</strong> dar f&#252;r alle Organisationen mit prim&#228;r auf <strong>Systemkontrolle</strong> und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien.</p>
<p>10. Das im Internet bestehende Missverh&#228;ltnis zwischen der erlebten <strong>Fl&#252;chtigkeit von Interaktionen</strong> und der <strong>dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren</strong> erh&#246;ht systembedingt das Risiko von Missbrauch.</p>
<p>Erl&#228;uterung der 10 Thesen im Detail:</p>
<h3>1. Die emotional gef&#252;hrte Debatte um die negativen pers&#246;nlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zur&#252;ckhaltung gegen&#252;ber neuen Technologien.</h3>
<p>Dass das Neue nicht einfach ist, ist einfach nicht neu. Die Auseinandersetzung der Menschen mit technischen Innovationen, die sp&#252;rbar in den Alltag eingreifen, &#228;hnelt keineswegs zuf&#228;llig den f&#252;nf Phasen der Bew&#228;ltigung bei der Diagnose einer chronischen Krankheit: Verleugnen, Auflehnen, Verhandeln, Resignation und Annahme.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist der Vergleich des Internets mit einer chronischen Krankheit nicht wirklich passend. Der Vergleich ist eher eine unzul&#228;ssige Verharmlosung. Krankheitsverl&#228;ufe sind bekannt. Es gibt Beispiele, Geschichten, Wahrscheinlichkeiten. Die Unsicherheit bezieht sich nur auf den individuellen Fall.</p>
<p>Beim Internet ist das anders. Hier ist die Unsicherheit ein gesellschaftliches Ph&#228;nomen und konkrete Vorhersagen k&#246;nnen angesichts fehlender Erfahrungen im Grunde nicht mehr sein, als der ber&#252;hmte Blick in die Glaskugel. Bei dem Versuch einer Technologiefolgeabsch&#228;tzung kommt es daher schnell zu Lagerbildungen, in denen oft die Vehemenz der Einnahme des eigenen Standpunktes den Mangel an tragf&#228;higen Argumenten wett zu machen versucht.</p>
<p>Je nachdem in welcher Phase der pers&#246;nlichen Bew&#228;ltigung des Neuen sich der jeweilige Protagonist gerade befindet, wird entweder Bedeutung in Frage gestellt „<a href="http://www.taz.de/?id=1266&amp;art=4678&amp;no_cache=1">Kein Schwein interessiert das</a>“ (taz.de 15.09.2007), Wertigkeit angezweifelt „<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58852978.html">Macht das Internet doof?</a>“ (Spiegel 33/08), Reglementierung angemahnt „<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-66360414.html">Warum das Internet neue Regeln braucht</a>“ (Spiegel, 33/09), &#220;berforderung beklagt „<a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,661307,00.html">Mein Kopf kommt nicht mehr mit</a>“ (Spiegel Online 16.11.2009) oder volle Akzeptanz signalisiert „<a href="http://www.faz.net/s/Rub2F3F4B59BC1F4E6F8AD8A246962CEBCD/Doc~EB8326913259D46899970B5E3F23903DE~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Eine Kulturform, die auf Begeisterung aufsetzt</a>“ (Faz.net 18.06.2009). Die Standpunkte zum Internet beschreiben oft weniger das Ph&#228;nomen als vielmehr den emotionalen Umgang damit (s. auch Kathrin Passig: <a href="http://www.eurozine.com/articles/2009-12-01-passig-de.html">Standardsituationen der Technologiekritik</a>, Merkur 727/09).</p>
<h3>2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgel&#246;ste &#220;berforderung durch Informations&#252;berflutung ist eine Frage der Bew&#228;ltigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazit&#228;tsgrenzen.</h3>
<p>Dass die Geschwindigkeit der Erzeugung neuer Informationen in der modernen Gesellschaft selbst im eng umrissenen Suchraum von Fachexperten inzwischen gr&#246;&#223;er ist, als die individuelle Aufnahmef&#228;higkeit, ist eigentlich eine Binsenweisheit. Aber mit dem Internet erreicht die Flutwelle nun ungefiltert das Alltagsleben. Ohne die ordnende Hand redaktioneller Bearbeitung und ohne die „Kanalisierung“ durch die Massenmedien wird f&#252;r jedermann sp&#252;rbar, was eigentlich l&#228;ngst selbstverst&#228;ndlich ist.</p>
<p>Im Internet verlagert sich die Aufgabe der Komplexit&#228;tsreduktion und der Bewertung radikal vom Sender auf den Empf&#228;nger. Trifft der ungefilterte Echtzeitstrom von Information, der 24 Stunden am Tag weltweit erzeugt wird, auf Rezeptionsgewohnheiten, die anhand von Rundfunk, Fernsehen und Printmedien gebildet worden sind, ist ein Gef&#252;hl v&#246;lliger &#220;berforderung unvermeidlich.</p>
<p>Das sich ergebende Bed&#252;rfnis nach Rauschunterdr&#252;ckung und nach M&#246;glichkeiten, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, hat die Suchmaschinen zur ersten wirklichen Killerapplikation im Internet gemacht. Ohne automatisches Sprachverstehen bleibt allerdings die inhaltliche Bewertung durch den einzelnen Menschen letztlich die einzig wirklich tragf&#228;hige Form der Reduktion von Komplexit&#228;t. Der Vermittlung von Kompetenzen zum angemessenen Umgang mit den neuen Medien ist entsprechend die h&#246;chste gesellschaftliche Priorit&#228;t einzur&#228;umen. Ein Schulsystem, dessen p&#228;dagogische Grundausrichtung immer noch eher vertikale, fakten- und wissensorientierte Lernstrategien bevorzugt, erscheint angesichts der neuen Herausforderungen wenig angemessen.</p>
<p>Es spricht viel daf&#252;r, gezielt Formen des Umgangs mit Information zu f&#246;rdern, bei denen es mehr um die horizontale Verbindung von Fakten zu Mustern und um das Herstellen von Zusammenh&#228;ngen geht. Es l&#228;sst sich leicht ermessen, welch radikales Umdenken das in einem Bildungssystem bedeutet, das immer noch glaubt, seine Leistungsf&#228;higkeit &#252;ber die Ergebnisse von Pisa-Studien nachweisen zu k&#246;nnen. Die Effizienzkriterien industrieller Optimierung sind als Leitidee p&#228;dagogischer Arbeit in der Schule und f&#252;r die Gestaltung universit&#228;rer Lernwege denkbar ungeeignet. Netzwerkintelligenz braucht die F&#228;higkeit zum Querdenken und zur einordnenden Bewertung von Wissen, das au&#223;erhalb des eigenen Spezialisierungsbereiches liegt.</p>
<h3>3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bed&#252;rfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.</h3>
<p>Zugang zum Internet, jederzeit und von &#252;berall, wird immer mehr zur selbstverst&#228;ndlichen Erwartungshaltung der Menschen in der Gesellschaft. Ein Ausfall der Informations- und Kommunikationsnetze w&#252;rde heute wahrscheinlich bereits zu &#228;hnlicher Entr&#252;stung f&#252;hren, wie ein Stromausfall, wie Wassermangel oder wie eine Einschr&#228;nkung in der individuellen Mobilit&#228;t durch M&#228;ngel in der Verkehrsinfrastruktur. Zugang zum Internet entwickelt sich im Erleben der B&#252;rger zunehmend zu einem Teil der fundamentalen F&#252;rsorgepflicht des Staates.</p>
<p>Gleichzeitig sorgt die neue Generation der Endger&#228;te, von Smartphone bis Tablet-Computer, f&#252;r eine enorme Verringerung der individuellen Nutzungsschwelle. Der Zugang zum Netzwerk ist sicherlich nur noch bedingt ein Problem der individuellen Bef&#228;higung. Die Forderung nach gleichberechtigter Teilhabe und die Gefahr einer digitalen Spaltung der Gesellschaft ist mehr eine Frage &#246;konomischer M&#246;glichkeiten und sollte Gegenstand entsprechender Sozialleistungen werden.</p>
<p>Die Allgegenwart eines Netzwerkes, das es jedem erm&#246;glicht, sich schnell und aktiv in laufende Prozesse einzuklinken, beginnt ein breites Bed&#252;rfnis nach aktiver Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen zu erzeugen.</p>
<p>In vielen der von uns durchgef&#252;hrten Studien zum Wandel der kulturellen Wertepr&#228;ferenzen in Deutschland wird deutlich, dass das Angebot der Menschen, Verantwortung zu &#252;bernehmen, inzwischen viel st&#228;rker ausgepr&#228;gt ist, als von der Seite der professionellen Anbieter wahrgenommen oder auch gew&#252;nscht wird. Ob im Bereich von Finanzdienstleistung, Medizin oder Politik, der Stern des Experten hat in der Einsch&#228;tzung der Kunden, Patienten oder W&#228;hler deutlich an Glanz verloren.</p>
<p>Die blo&#223;e Existenz des Internets erzeugt Erwartungshaltungen bezogen auf Beteiligung, die zu ignorieren, sich weder die Wirtschaft noch die Politik leisten kann. Die Entwicklung von Mehrwert stiftenden Instrumenten der Einbeziehung der Menschen in Ideenfindungs- und Entscheidungsprozesse sollte Gegenstand entsprechender Forschungsf&#246;rderung sein. Die Leitfrage zu dieser Thematik wurde bereits 2006 vom Massachusetts Institute of Technology zusammengefasst:</p>
<blockquote><p>How can people and computers be connected so that – collectively – they act more intelligently than any individuals, groups, or computers have ever done before?</p></blockquote>
<h3>4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivit&#228;t der Nutzer und die Existenz l&#228;nger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit f&#252;r Lawinen-Effekte.</h3>
<p>Das Internet als technisches System zu verstehen, k&#228;me einer Wiederholung des Versuchs gleich, die Reichhaltigkeit des menschlichen Erlebens und Verhaltens auf die Analyse neuronaler Vorg&#228;nge im Gehirn reduzieren zu wollen. Das Internet faszinierte von Anfang an als ein soziales Netzwerk, in dem das Geschehen mehr durch die Beteiligungsmotivation der Interaktionspartner getrieben wird, als von der Hard- und Softwareentwicklung.</p>
<p>Der erste Internet-Boom in den 90er Jahren wurde von der M&#246;glichkeit des schnellen, unkomplizierten und kostenlosen Informationszugangs ausgel&#246;st. Man berauschte sich an der Vielfalt des Dargebotenen und &#252;ber die Suchbewegungen der User explodierte die Vernetzungsdichte im World Wide Web. Alles wurde mit allem verlinkt.</p>
<p>Mit dem Web 2.0 ist nun zu dieser Explosion der Konnektivit&#228;t (Kanten) eine dramatische Erh&#246;hung spontan aktiver Elemente (Knoten) im Netzwerk hinzugekommen. Die Existenz nicht-linearer R&#252;ckkoppelungseffekte wird damit immer wahrscheinlicher und die Vorhersagbarkeit von Entwicklungen nimmt ab. Zus&#228;tzlich angeheizt wird diese dynamische Charakteristik durch die Existenz kreisender Erregungen im System, wie sie von der durch die Twitter-Nutzer eingef&#252;hrten „Re-Tweet“-Funktion beg&#252;nstigt werden.</p>
<p>Das Internet ist ein sich selbst organisierendes System, das aufgrund seiner Eigenschaften nah am Instabilit&#228;tspunkt arbeitet und daher eine <strong>hohe Bereitschaft besitzt, sich pl&#246;tzlich autokatalytisch aufzuschaukeln. Hypes sind im Internet ein allt&#228;gliches Ph&#228;nomen. Der Versuch einer steuernden Kontrolle ist prinzipiell zum Scheitern verurteilt. Die einzige Chance, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, ist der Eingriff &#252;ber Zugangsbeschr&#228;nkung, Indizierung oder Zensur.</strong></p>
<p>Man kann das Internet abschalten, aber man kann es nicht beherrschen. Aufgrund der F&#228;higkeit zur spontanen Ausbildung von Massenph&#228;nomenen kann das Internet sogar nachhaltig ver&#228;ndernd in Machthorizonte eingreifen, die sich bislang weitgehend erfolgreich gegen&#252;ber externen Einfl&#252;ssen abgeschottet haben.</p>
<h3>5. Mit der M&#246;glichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.</h3>
<p>Der eigentliche, vom Internet ausgel&#246;ste Paradigmenwechsel bezieht sich auf die fundamentale Neugestaltung von Kommunikation. Das bislang stillschweigend akzeptierte Sender-Empf&#228;nger-Modell verliert dramatisch an G&#252;ltigkeit. Vor dem Internet musste sich jede Botschaft, die Geh&#246;r finden wollte, in erster Linie Gedanken &#252;ber die Verst&#228;rkung ihrer Sendeenergie machen. Wirkung war entweder eine Frage des Budgets von Werbema&#223;nahmen oder der F&#228;higkeit, die Aufmerksamkeit der Massenmedien auf sich zu lenken. Die Demonstration auf der Stra&#223;e war das zentrale Prinzip der Verbreitung alternativer, noch nicht mainstreamf&#228;higer Ideen. Der Protest gegen die deutsche Volksz&#228;hlung im Mai 1987 sorgte besonders kreativ f&#252;r seine Verbreitung, indem er sich auf Geldscheinen artikulierte.</p>
<p>Mit dem Internet ist diese Situation nun eine g&#228;nzlich andere. In den Netzwerken entscheidet nicht mehr die St&#228;rke eines Sendeimpulses dar&#252;ber, wie viele Menschen erreicht werden, sondern einzig und allein die Resonanzf&#228;higkeit beim potentiellen Empf&#228;nger. Eine Botschaft wird nicht passiv empfangen, sondern aktiv ausgew&#228;hlt.</p>
<p>Im Web 1.0 war die W&#228;hrung noch spontane Aufmerksamkeit; im Web 2.0 ist es bewusst gegebene Anerkennung und Interesse. Durch die Digitalisierung verlagert sich die Macht irreversibel von den Anbietern auf die Nachfrager. Ein aufw&#228;ndig gemachtes Musikvideo kann v&#246;llig wirkungslos verhallen, w&#228;hrend ein verwackeltes Handyfilmchen der Performance eines 12-j&#228;hrigen Grundsch&#252;lers in wenigen Tagen weltweit 20 Millionen Mal angesehen wird.</p>
<p>Trifft etwas auf Resonanz, dann greift die im Netzwerk weder zeitlich noch r&#228;umlich beschr&#228;nkte Selbstverst&#228;rkung durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Werden dabei wichtige Netzwerkknoten (Hubs) einbezogen, kann sich eine kleine Erregungswelle in k&#252;rzester Zeit zu einem Tsunami aufschaukeln. Resonanzbildung ist der Treiber hinter dem Prinzip des Long Tail, d.h. hinter der M&#246;glichkeit, auch aus einer Nische heraus interessierte Nachfrager zu erreichen und &#246;konomisch erfolgreich zu sein.</p>
<p>Die Bedeutung, die die Machtverlagerung zum Nachfrager im Kontext von Agenda-Setting und Interessensvertretung vermutlich erreichen wird, ist erst in Ans&#228;tzen zu erahnen. Um bei der Einsch&#228;tzung der Wirkpotentiale der neuen Formen der Netzwerkkommunikation nicht v&#246;llig daneben zu liegen, sind Ursache-Wirkungs-Betrachtungen sorgf&#228;ltig zu vermeiden.</p>
<p>Die nicht-lineare Dynamik der Netzwerke beg&#252;nstigt das als Schmetterlings-Effekt bekannt gewordene chaostheoretische Prinzip „kleine Ursache – gro&#223;e Wirkung“. Die Studenten, die in Wien mit der Besetzung des Audimax der Universit&#228;t begonnen haben, waren nicht die Verursacher der europaweiten Proteste, aber sie haben den Stein ins Rollen gebracht. Zu behaupten, dass ein einzelner Tweet den R&#252;cktritt von Bundespr&#228;sident K&#246;hler ausgel&#246;st hat, ist unsinnig – zu behaupten, dass das Internet nur eine marginale Rolle dabei gespielt hat, aber auch.</p>
<h3>6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbev&#246;lkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.</h3>
<p>Keine andere Informationstechnologie hat so schnell so viele Menschen erreicht, wie das Internet. Das Radio brauchte 38 Jahre bis zur Einbeziehung von 50 Millionen Nutzern, das Fernsehen 13, das Handy 11 und das Internet noch ganze 4 Jahre. Facebook hat die doppelte Gr&#246;&#223;enordnung von 100 Millionen Usern bereits nach 9 Monaten hinter sich gelassen.</p>
<p>Am Anfang der Entwicklung waren es dabei die sogenannten Digital Natives, die Generation, die mit den neuen Medien aufgewachsen ist, die in die sozialen Netzwerke dr&#228;ngten. Es konnte der Eindruck entstehen, dass Facebook, Twitter, Youtube und Co. eine Art virtuelles Jugendzentrum sind. Doch inzwischen zeigen die Fakten, dass sich die Altersverteilung den Gegebenheiten in der Gesamtbev&#246;lkerung angen&#228;hert hat. Facebook hat &#252;ber 540 Millionen Nutzer und ist rein rechnerisch zur drittgr&#246;&#223;ten Nation der Welt avanciert.</p>
<p>Durch die enormen Zuwachsraten, durch den Grad aktiver Beteiligung und die Diffusion in alle Bereiche des t&#228;glichen Lebens wird das Internet von einer abgekoppelten „Virtual Reality“ zum hoch aufl&#246;senden Spiegelbild gesellschaftlicher Gegenwart. Die von den Menschen im Internet hinterlassenen Spuren bilden einen Rohstoff, der in den n&#228;chsten Jahren wohl einen Wert gewinnen wird, der selbst die im Begriff des Data-Minings angelegten Assoziationen zu Edelmetallen in den Schatten stellt.</p>
<p>Instrumente, die vergleichbar zu den bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung einen analysierenden Zugang zu Aktivit&#228;tsmustern im Internet erm&#246;glichen, sind vielleicht die aussichtsreichsten Kandidaten f&#252;r einen n&#228;chsten Internet-Boom. Sorgf&#228;ltig zu beobachten sind in diesem Zusammenhang die Fortschritte in der automatischen Sprachverarbeitung. Je besser die Analyseinstrumente werden, desto dr&#228;ngender wird das Problem des Datenschutzes und desto gr&#246;&#223;er werden die prinzipiellen Missbrauchsm&#246;glichkeiten.</p>
<p>Neben der Entwicklung Mehrwert erzeugender Formen der Nutzung kollektiver Intelligenz &#252;ber das Internet, stellt sich die Forschung im Zusammenhang mit Meta-Analysen von Internet-Daten als zweiter besonders aussichtsreicher F&#246;rderschwerpunkt dar. Solange die Instrumente einer systematischen Datenanalyse allerdings noch so rudiment&#228;r sind wie heute, gilt f&#252;r alle gesellschaftlichen Akteure: „Dabei sein ist alles!“. Wer selbst im Wasser schwimmt, gewinnt immer noch den besten Eindruck von den jeweilig wirksamen Str&#246;mungsverh&#228;ltnissen. Einf&#252;hlungsverm&#246;gen muss ersetzen, wozu Analysen noch nicht in der Lage sind.</p>
<h3>7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsf&#228;higkeit in gesellschaftliche Zusammenh&#228;nge f&#252;hrt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der &#214;ffentlichkeit.</h3>
<p>Ob aus der Perspektive des interessierten Einzelnen oder der Perspektive einer interessierten &#214;ffentlichkeit, das Real Time Web ist eine historische Chance zur Reflexion und zur Ver&#228;nderung gesellschaftlicher Entwicklung. Durch die enormen Zuwachsraten, den Grad aktiver Beteiligung und die Diffusion in alle Bereiche des t&#228;glichen Lebens wird das Internet zunehmend von der „Virtual Reality“ zum hoch aufl&#246;senden Spiegelbild der Gegenwart.</p>
<p>Dass die Diskussion um das Internet mit besonderer Sch&#228;rfe von den Vertretern der „alten“ Massenmedien gef&#252;hrt wird, ist beileibe kein Zufall. So wie die Fotografie die Erkenntnis individueller Identit&#228;t gef&#246;rdert hat, so steigert das Internet das &#8220;Selbst“-Bewusstsein einer Gesellschaft. Der professionelle Journalismus wird in seiner Bedeutung relativiert. Das Internet wird mehr und mehr zum Leitmedium, dessen Themensetzungen von den anderen Publikationsorganen aufgegriffen und verst&#228;rkt werden.</p>
<p>F&#252;r die Lebendigkeit demokratischer Prozesse ist die Entwicklung ein echter Gl&#252;cksfall. Es zeigt sich immer mehr, dass die vielzitierte <strong>Politikverdrossenheit </strong>nur ein Ergebnis <strong>zunehmender Distanz gegen&#252;ber den etablierten Institutionen politischen Handelns</strong> ist und keineswegs ein allgemein abnehmendes Interesse an politischen Fragestellungen signalisiert. Der &#252;berraschende Mobilisierungsgrad bei der gerade gelaufenen Bundespr&#228;sidentenwahl ist nur die Spitze eines Eisbergs mit durchaus tragf&#228;higem Tiefgang.</p>
<p>Bei emotionalisierenden Themen und insbesondere im &#252;berschaubaren Rahmen regionaler Fragestellungen entsteht Beteiligung jenseits von Parteigremien und Wahlzyklen. Im Rottal-Inn-Kreis erreichte ein B&#252;rgerentscheid gegen die Privatisierung von Krankenh&#228;usern eine 90%-Beteiligungsquote, obwohl sich die CSU-Mehrheit explizit f&#252;r die Privatisierung ausgesprochen hatte. In Th&#252;ringen haben Parteilose erstmals drei Viertel aller B&#252;rgermeisterposten besetzt.</p>
<p>Es ist Aufgabe der Parteien, diese Entwicklung aufzugreifen, und die sich andeutende Re-Politisierung der Bev&#246;lkerung in eine Trendwende bezogen auf die Bewertung demokratischer Institutionen und die Beteiligung an Wahlen um zu m&#252;nzen. Die von uns durchgef&#252;hrten qualitativen Interviews legen nahe, dass eine derartige Aktivierung aller Voraussicht nach nur gelingen kann, wenn sie &#252;ber das Aufgreifen resonanzf&#228;higer Themen und die &#214;ffnung kurzfristig wirksamer, direkterer Beteiligungsformen unterst&#252;tzt wird.</p>
<p>Wenn es nicht gelingt, eine Verbindung zwischen den Plattformen, Kampagnen und Initiativen im Internet mit den formalen demokratischen Entscheidungsprozessen herzustellen, droht die digitale Spaltung einer ganz anderen Art. Ohne Experimentierfreude, die weit &#252;ber die Installation der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ hinausgeht, wird der von Max Winde formulierte Tweet „<a href="http://twitter.com/343max/status/2228357957">Ihr werdet Euch noch w&#252;nschen wir seien politikverdrossen</a>“ wohl schneller Wirklichkeit werden, als es den Parteien lieb sein kann.</p>
<p>Die Wahrscheinlichkeit, dass es &#252;ber die sozialen Netzwerke gelingt, auch jenseits von Lagerbildung und Stammw&#228;hlerschaften durchaus relevante Mehrheiten zu erzeugen und in das politische Geschehen einzugreifen, ist bereits heute hoch und d&#252;rfte weiter steigen.</p>
<h3>8. Das erstarkende &#246;ffentliche Interesse am Spiel der Kr&#228;fte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.</h3>
<p>Angesichts vieler Millionen Blogger und Microblogger, die sich im Internet fast t&#228;glich zu Wort melden, ist inzwischen auch dem letzten PR-Strategen klar geworden, dass in den Netzwerken eine Steuerung von Kommunikation so gut wie unm&#246;glich ist. Was die Machtverlagerung von Anbieter zum Nachfrager faktisch bedeutet, haben viele Unternehmen und Institutionen bereits mehr oder weniger schmerzhaft erfahren m&#252;ssen.</p>
<p>Der j&#252;ngste, von Greenpeace provozierte PR-Gau bei Nestlé hat erst aufgrund der Steuerungsversuche des Konzerns die Schwelle zur Selbstaufschaukelung &#252;berschritten – Krisenintervention als Brandbeschleuniger. Die Netzwerke erzwingen Authentizit&#228;t und Transparenz. Alle gesellschaftlichen Akteure stehen unter permanenter Beobachtung einer kritischen &#214;ffentlichkeit, der neben den Profis des investigativen Journalismus ein schier unbegrenztes Reservoir an fein verteilten, nicht kontrollierbaren Messf&#252;hlern zur Verf&#252;gung steht.</p>
<p>Studenten der Universit&#228;t Potsdam haben gerade ein Analyseverfahren entwickelt, das die Aufgabe hat, aus frei verf&#252;gbaren Daten im Internet Verbindungen zwischen Politikern und Unternehmen aufzusp&#252;ren, um Interessenskonflikte sichtbar zu machen. Das ist erst der Anfang &#228;hnlicher Versuche. Bei den Unternehmenslenkern steigt das Bewusstsein, dass die &#220;bernahme gesellschaftlicher Verantwortung und die F&#246;rderung von CSR-Projekten mehr ist als Marketing und Imagepflege.</p>
<p>In einer vernetzten Welt und in Anbetracht der Notwendigkeit &#252;ber einen attraktiven Employer Brand im War for Talents zu punkten, ist es ebenso wichtig, Reputation zu gewinnen, wie es leicht ist, sie zu verspielen. Statt in Werbebudgets zu investieren, engagiert sich beispielsweise der Softdrink-Produzent Pepsi auf der Internetplattform „www.refresheverything.com“ mit mehreren Millionen US-Dollar f&#252;r soziale Projekte und f&#252;r die F&#246;rderung von Ideen zur Bek&#228;mpfung der &#214;lkatastrophe im Golf von Mexiko.</p>
<p>Nachhaltigkeit in seiner sozialen, &#246;kologischen und kulturellen Dimension ist ein Thema, das in den Netzwerken grunds&#228;tzlich eine hohe Resonanzf&#228;higkeit besitzt. Dabei wird die Glaubw&#252;rdigkeit um so h&#246;her sein, je besser es Unternehmen und Institutionen gelingt, vom klassischen Sponsoring und von der Orientierung auf den Stifterwillen zu Grassroot-Konzepten zu kommen, bei denen die Menschen fr&#252;hzeitig in die Projektentwicklung und in die Mittelvergabe einbezogen werden.</p>
<h3>9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine gro&#223;e kulturelle Herausforderung dar f&#252;r alle Organisationen mit prim&#228;r auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien.</h3>
<p>Das Internet und insbesondere die sozialen Netzwerke des Web 2.0 sind aufgrund der nicht-linearen Dynamik und der parallelen Informationsverarbeitung prinzipiell ein Angriff auf jede hierarchisch gepr&#228;gte Organisationsform. Im Internet ersetzt das Vertrauen auf Kommunikation die Vertraulichkeit von Kommunikation.</p>
<p>Bei einer SMS oder einer E-Mail besitzt der Empf&#228;nger Exklusivit&#228;t. Die Verbreitung eines Tweets oder eines Blog-Beitrages liegt dagegen weder im Ermessen des Absenders noch kann ein einzelner Empf&#228;nger die Verbreitung gezielt einschr&#228;nken. In Kulturen, in denen die Verbindlichkeit von Beziehungsnetzen noch eine zentrale Rolle spielt, kann die Transparenz und Unkontrollierbarkeit der neuen Medien nur als Fehler und St&#246;rung aufgefasst werden. Angesichts der wachsenden Dynamik in Wirtschaft und Gesellschaft, sowie angesichts der Komplexit&#228;t der anstehenden Problemlagen werden jedoch Handlungsstrategien, die auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichtet sind, in Zukunft wohl immer mehr mit einem abnehmenden Grenznutzen zu k&#228;mpfen haben.</p>
<p>Bereits in den 50er Jahren hat der Britische Kybernetiker William Ross Ashby in seinem „Gesetz gegengleicher Komplexit&#228;t“ darauf hingewiesen, dass die Zahl der m&#246;glichen Zust&#228;nde in einem Kontrollsystem immer gr&#246;&#223;er sein muss, als die Zahl der m&#246;glichen Zust&#228;nde im zu kontrollierenden System – oder kurz ausgedr&#252;ckt:</p>
<p>In einer komplexen und dynamischen Welt ist die Bildung von Netzwerken sowohl das Problem, als auch die L&#246;sung des Problems. Es geh&#246;rt nicht viel Phantasie dazu, vorherzusagen, dass das Thema von Machtaus&#252;bung und F&#252;hrung in den n&#228;chsten Jahren immer st&#228;rker in den Mittelpunkt des Interesses r&#252;cken wird.</p>
<p>In vielen Unternehmen laufen bereits Bem&#252;hungen, die vorherrschende leistungsorientierte Wettbewerbskultur &#252;ber eine Kultur der Kooperation und der Vernetzung zu erweitern. Die Unternehmen in den entwickelten Marktwirtschaften sind sich zunehmend dar&#252;ber im Klaren, dass sie im internationalen Wettbewerb auf Dauer nur bestehen k&#246;nnen, wenn sie weit &#252;ber die bisherigen Bem&#252;hungen im Supply Chain Management hinaus alle Potentiale horizontaler und vertikaler Kollaboration aussch&#246;pfen. In diesem Zusammenhang wird unter dem Stichwort „Enterprise 2.0“ einige Hoffnung auf den Kultur ver&#228;ndernden Einfluss der Einf&#252;hrung der neuen Kommunikationstechnologien gesetzt.</p>
<p>Wie wir in einer unserer Studien nachweisen konnten, wird sich der notwendige kulturelle Wandel allerdings nicht im Selbstlauf &#252;ber einen Generationenwechsel ergeben. Auf der Basis von 200 qualitativen Interviews mit Menschen, die das Internet intensiv nutzen (heavy user), konnten wir keinen Zusammenhang zwischen der altersabh&#228;ngigen Erfahrung mit dem Internet (Digital Natives) und pers&#246;nlichen Wertepr&#228;ferenzen feststellen, die einen Umgang mit selbstorganisierenden Netzwerken beg&#252;nstigen.</p>
<h3>10. Das im Internet bestehende Missverh&#228;ltnis zwischen der erlebten Fl&#252;chtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erh&#246;ht systembedingt das Risiko von Missbrauch.</h3>
<p>Die Leichtigkeit der pers&#246;nlichen Kontaktaufnahme und der Interaktionen im Internet suggeriert dem Nutzer die Fl&#252;chtigkeit des Gespr&#228;chs und f&#252;hrt psychologisch zu einer eklatanten Untersch&#228;tzung der Risiken, die sich durch die hinterlassenen Daten ergeben. Zus&#228;tzlich verdeckt die in allt&#228;glichen Kommunikationssituationen gemachte Erfahrung, dass der Empf&#228;nger einer Information meistens aktiv adressiert werden muss, den irritierenden Umstand, dass im Internet die Verbreitung einer Information nicht durch die Anbieter sondern die Nachfrager bestimmt wird. F&#252;r eine realistische Absch&#228;tzung der Auswirkungen von Kommunikation in Netzwerken fehlt den Menschen aus psychologischer Perspektive einfach jede Intuition.</p>
<p>Entsprechend gro&#223; ist dann die &#220;berraschung, wenn die Ver&#246;ffentlichung einer Partyeinladung in einem sozialen Netzwerk gleich mehrere tausend G&#228;ste anlockt, wenn man durch einen einzelnen Tweet unversehens ins Licht der &#214;ffentlichkeit gezerrt wird oder wenn einem die Bilder l&#228;ngst vergangener Jugends&#252;nden eine aktuelle Karriereperspektive verhageln. W&#228;hrend Eingriffe in die Inhalte oder Beschr&#228;nkungen des Zugangs zum Internet so weit als m&#246;glich vermieden werden sollten, ist eine Kontrolle des Umgangs mit den gespeicherten Daten zum Schutz der Nutzer unbedingt erforderlich.</p>
<p>Insbesondere, wenn sich die M&#246;glichkeiten der Analyse der im Internet hinterlassener Spuren tats&#228;chlich zum n&#228;chsten Internet-Boom entwickeln sollte, ist zu hoffen, dass die Durchsetzung von Regeln und Kontrollmechanismen Schritt halten kann. Um f&#252;r das aller Voraussicht nach unvermeidliche Wettrennen angemessen ger&#252;stet zu sein, sollte dar&#252;ber nachgedacht werden, ob die Auswirkungen des Internets auf die Innovationskraft und Organisation der Gesellschaft nicht die dauerhafte Etablierung eines unabh&#228;ngigen Instituts rechtfertigt.</p>
<p>Beitrag zur &#246;ffentlichen Anh&#246;rung am 5. Juli 2010 der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft<br />
Prof. Dr. Peter Kruse, gesch&#228;ftsf&#252;hrender Gesellschafter der <a href="http://www.nextpractice.de">nextpractice</a> GmbH Bremen</p>
<p>Die Stellungnahme als <a href="http://www.bundestag.de/internetenquete/dokumentation/2010/Sitzungen/20100705/A-Drs__17_24_004-H_-_Stellungnahme_Kruse.pdf">PDF</a>.
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		<title>Buchprojekt: Welches waren die besten Blog-Texte zum Medienwandel der letzten beiden Jahre?</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 13:34:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienwandel]]></category>

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		<description><![CDATA[Welche Texte dokumentieren die Blog-Debatte um den digitalen Medienwandel besonders gut? Jan Krone plant ein Buchprojekt zu diesem Thema - und ich suche dazu ein paar Vorschl&#228;ge.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Carta-Autor <a href="http://carta.info/autor/jan_krone/">Jan Krone</a> arbeitet an einem Sammelband zum Thema „Medienwandel kompakt 2008-2010&#8243;: Das Buch soll wichtige Blog-Texte zum Medienwandel aus den letzten beiden Jahren enthalten. Ziel soll es sein, zentrale Debattenstr&#228;nge zu dokumentieren &#8211; und ein paar Blog-Texte komplexit&#228;tsreduzierend in die analoge Bibliothek zu stellen.</p>
<p>Ein Beispiel f&#252;r m&#246;gliche Texte f&#252;r den Sammelband w&#228;ren aus meiner Sicht etwa die <a href=" http://netzwertig.com/2009/04/24/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-1-von-3/">&#8220;Entwicklungsland&#8221;-Texte</a> von Marcel Wei&#223;. Mich w&#252;rde aber viel mehr interessieren, welche Texte Sie oder Du als Carta-Leser und -Leserin hier vorschlagen w&#252;rdest? &#8211; Ich bitte um m&#246;glichst viele Vorschl&#228;ge. Ich werde sie dann an Jan Krone weiterreichen und auch hier kommentieren.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30279&amp;md5=62e49e9252265d2e8958e231e32adc1c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>iPadologie II: Abschied von der analogen Hardware</title>
		<link>http://carta.info/27917/ipadologie-ii-abschied-von-der-analogen-hardware/</link>
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		<pubDate>Wed, 26 May 2010 10:26:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gundolf S. Freyermuth</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
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		<description><![CDATA[Das iPad beschleunigt den &#220;bergang von einer analogen und Papier-zentrierten zu einer digitalen und Software-zentrierten Kommunikations- und Wissenskultur. Die Kontrollfunktionen verschieben sich. Das Dispositiv des iPad ist daher sowohl restaurativ wie revolution&#228;r.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/65558df0bffb4408be82ab13d0053e5c" alt="" width="1" height="1" />Vor unseren Augen vollzieht sich ein doppelter Medienumbruch. Der eine, von dem in der<a href="../../27639/ipadologie-i-medienrevolution/"> ersten Folge der iPadologie</a> bereits kurz die Rede war, geschieht innerhalb digitaler Technologie: die Ausbildung eines neuen PC-Paradigmas. Neben Desktops und Laptops treten Tafel-PCs.</p>
<p>Sie entfalten ihre Wirkung jedoch zugleich im Kontext eines gr&#246;&#223;eren, zivilisatorisch noch wichtigeren Umbruchs. Er betrifft seit Ende des 20. Jahrhunderts die Vielzahl analoger Medien, die unser zivilisatorisches Wissen bergen. Sukzessive l&#246;sen sich deren Gehalte von ihren &#252;berkommenen analogen Speichern und wandern ins digitale Software-Medium. Im Bereich der T&#246;ne und Bilder ist diese Migration bereits nahezu abgeschlossen: Auditive, visuelle und audiovisuelle Werke, einst auf Hardware wie Schallplatte, Tonband, CD, Zelluloid, Videoband oder DVD abgespeichert, kursieren heute als &#8220;Software-Dateien&#8221;, die sich mit beliebiger Hardware nutzen lassen, mit Smartphones, Laptops, Desktops oder digitaler Unterhaltungselektronik wie Hifi-Anlagen, Fernseher oder Projektoren.</p>
<p>Die Durchsetzung von Tafel-PCs scheint nun den – f&#252;r unsere Kultur weiterhin zentralen – Bereich des Schriftlichen in den Sog der Digitalisierung zu ziehen. Ohnehin werden Texte seit einem Vierteljahrhundert &#252;berwiegend an Computern produziert. Endlich aber beginnen sie, sich auch in Distribution und Rezeption von ihrem &#252;berkommenen Hardwaremedium Papier zu befreien. Als Software gelangen sie in immer gr&#246;&#223;erer Zahl auf die Displays tafelf&#246;rmiger PCs, auf Smartphones wie Apples iPhone oder Googles Android, E-Book-Reader wie dem Sony Reader oder Amazons Kindle und vernetzte Touch-Tafel-PCs wie dem iPad.</p>
<p>„Diese neuen Tafel-PCs“, <a href="http://articles.latimes.com/2010/jan/24/opinion/la-oe-akst24-2010jan24">prognostizierte</a> etwa Daniel Akst in der <em>Los Angeles Times</em>, „werden Tinte auf Papier einen kr&#228;ftigen Schubs in Richtung Papierkorb der Geschichte geben und zur Neuerfindung nicht nur von B&#252;chern beitragen, sondern auch von Zeitungen, Magazinen und anderem Lesestoff, den wir traditionell als Druckware konsumiert haben.“</p>
<p><strong>Papier: Von der Liebe zur Allergie</strong></p>
<p>Bevor ich die Indizien vorstelle, die f&#252;r einen solchen Wandel sprechen – f&#252;r die kulturelle Marginalisierung der alten Holzmedien Buch, Zeitung, Zeitschrift –, aber ein pers&#246;nliches Gest&#228;ndnis: Auch ich habe Papier einst so geliebt &#8230;</p>
<p>Als ich vor einem Vierteljahrhundert die ersten Zeilen auf einem Computer schrieb, sammelte ich sch&#246;ne B&#252;cher, besa&#223; ein ledernes Filofax, das ich mit ausgefallenen Papiereinlagen f&#252;llte, und trauerte, w&#228;hrend ich dem funkelnagelneuen Nadeldrucker zusah, wie er unter grausamen S&#228;geger&#228;uschen entsetzlich anzusehende Endlospapier-Seiten ausstie&#223;, dem klassischen Schriftbild meiner Kugelkopfschreibmaschine nach.</p>
<p>Doch mit jedem Jahr, das seitdem verging, wurde mir Papier zu einer gr&#246;&#223;eren Last. Was man liest und mag, muss man umst&#228;ndlich abtippen oder einscannen. B&#252;cher in gr&#246;&#223;eren Mengen verrammeln die Wohnung, machen jeden Umzug zur Qual und verstauben nach der Erstlekt&#252;re ziemlich nutzlos vor sich hin, da man so gut wie jedes Textzitat schneller online findet als in der eigenen Tote-B&#228;ume-Bibliothek. Ebenso &#252;berfl&#252;ssig ist alle Post geworden, die nicht Waren, sondern lediglich Informationen bef&#246;rdert. Erst tr&#228;gt man Briefe und Drucksachen in die Wohnung, dann digitalisiert man die in ihnen geborgenen Daten auf die eine oder andere m&#252;hsame Weise, um anschlie&#223;end das Papier zum M&#252;ll zu schleppen. Und nach nur ein paar Tagen Abwesenheit quillt der Briefkasten &#252;ber, aller Welt signalisierend, dass da eine Wohnung einbruchsreif ist.</p>
<p>Kurzum: Inzwischen hege ich eine tiefe Abneigung gegen Papier. Vor Jahren schon habe ich s&#228;mtliche Zeitschriften-Abonnements gek&#252;ndigt. Meine in einem halben Jahrhundert angeh&#228;uften 16.000 B&#252;cher – inklusive der dreizehn, die ich selbst ver&#246;ffentlicht habe – lagern seit ein paar Monaten in einem 40-Fu&#223;-Container. Die klare Weite buchfreier W&#228;nde ist ein Genuss. Und nach zwei Monaten Erfahrung mit dem iPad habe ich beschlossen, kein Buch, keine Zeitung, keine Zeitschrift freiwillig mehr auf Papier zu lesen. – Wobei mich mein Beruf leider weiterhin zu unfreiwilligen Papier-Lekt&#252;ren zwingt &#8230;</p>
<p><strong>Papier &lt;–&gt; Bits: Die analoge Hardware-Krise </strong></p>
<p>Die St&#228;rke meiner Papier-Allergie mag – noch? – extrem scheinen. Grunds&#228;tzlich f&#252;gt sich die Abkehr vom Papiermedium jedoch in einen kulturellen Langzeittrend, den zuerst <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Harold_Innis">Harold Innis</a> in seiner epochalen Studie <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Empire_and_Communications"><em>Empire and Communications</em></a> (1950) aufzeigte. Denn im historischen Staffellauf der Speichermedien f&#252;r unser kulturelles Wissen – von Ton und Papyrus zu Pergament und schlie&#223;lich Papier in seiner Leinen- und Holz-Variante – l&#228;sst sich ein Langzeittrend erkennen: zu Materialien, die zum einen gr&#246;&#223;ere Textmengen dauerhaft speichern, zum zweiten leichter verf&#252;gbar und zum dritten leichter zu transportieren sind.</p>
<div id="attachment_27934" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/willowm/4487928457/"><img class="size-medium wp-image-27934" title="ipadmagazinetransparent" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/05/ipadmagazinetransparent-300x195.jpg" alt="&quot;R&#252;ckkehr zur medialen Urform der Tafel auf h&#246;herer technologischer Ebene.&quot; Foto: Willow (Chengyin)" width="300" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;R&#252;ckkehr zur medialen Urform der Tafel auf h&#246;herer technologischer Ebene.&quot; Foto: Willow (Chengyin)</p></div>
<p>Papyrus war erheblich leichter als Ton, wuchs jedoch lediglich im Nildelta und speicherte wenig dauerhaft. Pergament wog ein wenig schwerer als Papyrus, war jedoch &#252;berall herstellbar, wo es K&#228;lber, Schafe oder Ziegen gab, und zudem haltbarer und insofern trotz h&#246;heren Gewichts besser zu transportieren. Leinenpapier wiederum war leichter als Pergament, nahezu ebenso dauerhaft, freilich nur begrenzt in St&#228;dten herstellbar, nach Ma&#223;gabe vorhandener Leinenabf&#228;lle. Holzpapier schlie&#223;lich besa&#223; das gleiche Gewicht, speicherte kaum weniger dauerhaft, lie&#223; sich jedoch industriell in weit gr&#246;&#223;eren Mengen herstellen. Die n&#228;chste Stufe der medialen Entwicklung, das konnte Harold Innis Mitte des vorigen Jahrhunderts haarscharf schon erkennen, begann mit der analogen Elektronisierung.</p>
<p>Wenn also die entscheidenden Kriterien f&#252;r die kulturelle Akzeptanz von Speichermedien – neben ihrer Basisf&#228;higkeit leidlich zuverl&#228;ssiger Speicherung – erschwingliche Verf&#252;gbarkeit und Transportf&#228;higkeit sind, dann kulminiert der Jahrtausende w&#228;hrende mediale Rationalisierungsprozess gegenw&#228;rtig im &#220;bergang zum digitalen Transmedium. <strong>Denn Software &#252;bertrifft die Leichtigkeit und massenhafte Herstellbarkeit von Papieratomen durch die arbitr&#228;re Verf&#252;gbarkeit und g&#228;nzliche Gewichtslosigkeit von Bits und steigert damit – auf Basis der globalen Datennetze – die Erschwinglichkeit und Geschwindigkeit des Transports zur nahezu kostenfreien Echtzeitdistribution.</strong></p>
<p>Wer an der eskalierenden Migration des textuellen Wissenstransfers von analog zu digital weiterhin zweifelt – wie gerade wieder bei einem einschl&#228;gigen Kongress zur Zukunft des Buchs der Wissenschaftshistoriker Michael Hagner, jedenfalls wenn man der <a href="http://www.faz.net/s/Rub5C2BFD49230B472BA96E0B2CF9FAB88C/Doc%7EED291A0584E6B488290CD88AC8F54A46D%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html"><em>FAZ</em>-Berichterstattung</a> trauen kann –; wer also an eine fortdauernde Dominanz von Papierbuch, Papierzeitschrift und Papierzeitung glaubt, dem sei empfohlen, mit offenen Augen auf unseren Alltag zu schauen. In U-Bahnen, Abfertigungshallen von Flugh&#228;fen oder Wartes&#228;len von Beh&#246;rden sieht man Papier h&#228;ufiger in den H&#228;nden &#228;lterer Leser, w&#228;hrend j&#252;ngere zunehmend auf die Screens von Smartphones und Laptops schauen. Da sitzen sie gewisserma&#223;en und lesen, die zwanzig Prozent der K&#228;ufer, die deutsche Tageszeitungen im vergangenen Jahrzehnt verloren haben. Im amerikanischen Alltag f&#228;llt zudem die Vielzahl von Menschen ins Auge, die bereits statt Magazinen und B&#252;chern E-Book-Reader mit sich tragen. Die Zukunft, an die viele immer noch nicht glauben wollen, hat l&#228;ngst begonnen.</p>
<p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Jason_Epstein">Jason Epstein</a>, der Grandseigneur des amerikanischen Verlagswesens, <a href="http://www.nybooks.com/articles/archives/2010/mar/11/publishing-the-revolutionary-future/?pagination=false">schrieb</a> Anfang M&#228;rz mit Blick auf das Amazon Kindle, den Sony Reader und vor allem das iPad in der <em>New York Review auf Books</em>: „Der &#220;bergang der Buchindustrie weg von physischen Warenbest&#228;nden, die in Lagerh&#228;usern vorgehalten und mit Lastern zum Einzelhandel transportiert werden, und hin zu digitalen Dateien, die im Datenraum lagern und an nahezu jeden Ort dieser Erde so schnell und so billig ausgeliefert werden wie E-Mail, kommt gerade in Gang und ist nicht mehr r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.“ Das iPad, <a href="http://www.newyorker.com/reporting/2010/04/26/100426fa_fact_auletta">vertraute</a> Epstein dann im April <em>New Yorker</em>-Reporter Ken Auletta an, biete den Verlegern eine hervorragende Gelegenheit, ihre Kosten dramatisch zu senken und zugleich wieder die verlegerischen Freiheiten zu erlangen, die sie im Prozess industrieller Verlagskonzentrationen St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck verloren haben: „Als ich begann, f&#252;r Random House zu arbeiten (um 1950, GSF), schmissen zehn Lektoren den Laden. Wir hatten einen Verkaufsleiter und Buchvertreter. Wir hatten einen Buchhalter, einen, der die Pressearbeit machte, und einen Pr&#228;sidenten. Wir waren unglaublich erfolgreich. Wir brauchten nicht achtzehn Verwaltungsebenen mit Abteilungsleitern und Managern. Die Digitalisierung macht das wieder m&#246;glich und auch unvermeidlich.“</p>
<p>Die nun anstehende massenhafte Migration aus den diversen analogen Hardwaremedien ins Medium digitaler Software behinderte allerdings in der Vergangenheit ein misslicher R&#252;ckstand der Hardware. Desktop- und Laptop-PCs wie auch die meisten Smartphones beschwerten die Rezeption: zum einen durch eine Vielzahl technischer Unzul&#228;nglichkeiten (etwa die Gr&#246;&#223;e und Qualit&#228;t des Bildschirms, die Leistungsst&#228;rke der Batterien, die Zuverl&#228;ssigkeit und Geschwindigkeit der Vernetzung); zum zweiten durch ihren jeweiligen Formfaktor, ihre physische Gestalt, die mobile und intime Nutzung unm&#246;glich oder zumindest unbequem machte. Abhilfe versprechen nun Touch-Tablet-PCs wie das iPad.</p>
<p><strong>1. iPad &lt;–&gt; Desk- &amp; Laptop: Die digitale Hardware-Krise </strong></p>
<p>Das auff&#228;lligste am iPad ist seine Unauff&#228;lligkeit. Die erste Erfahrung, die man im Umgang mit ihm macht, ist die von „Nat&#252;rlichkeit“. Eine Zeit der Ein&#252;bung, wie man sie von technischen Ger&#228;tschaften gewohnt ist, entf&#228;llt nahezu vollst&#228;ndig. „Ich war so gefesselt von dem, was der Bildschirm zeigte“, <a href="http://www.nytimes.com/2010/02/01/business/media/01carr.html">schilderte</a> etwa David Carr in der <em>New York Times </em>den kurzen Augenblick, den er bereits im Januar ein Demo-Ger&#228;t ausprobieren durfte, „dass ich praktisch verga&#223;, ein St&#252;ck Technik in der Hand zu halten.“ Nicht anders erging es den meisten, die Anfang April das iPad gr&#252;ndlicher testeten. „Nach ein paar Minuten“, <a href="http://www.engadget.com/2010/04/03/apple-ipad-review/">schrieb</a> Joshua Topolsky in <em>Engadget</em>, „nahmen wir das Ger&#228;t oder die Technik der Screen nicht mehr wahr – wir sahen ein Buch.“ Und Andy Ihnatko <a href="http://www.suntimes.com/technology/ihnatko/2134139,ihnatko-ipad-apple-review-033110.article">lobte</a> in der <em>Chicago Sun</em> den Umstand, „dass trotz der Neuheit des iPads nach vielleicht zehn Sekunden die Aufgeregtheit in den Hintergrund tritt und du dich komplett auf das konzentrierst, was du gerade machen willst – ein Buch lesen, einen Report schreiben oder die Inbox abarbeiten.“</p>
<p>Der Unterschied zum ersten Umgang mit normaler PC-Hardware ist – auch nach meiner eigenen Erfahrung – schlagend. „Hast du mal einen kompletten Neuling dabei beobachtet, wie er lernt, eine Maus zu benutzen?“ fragte Dan Moren in <em>Macworld</em> und <a href="http://www.macworld.com/article/146040/2010/02/ipad.html?lsrc=rss_main">gab</a> selbst die Antwort: „Bevor man &#252;berhaupt zum Klicken kommt – oder zum Rechtsklick oder zum Scrollen –, muss man heraus finden, wie sich die eigenen Bewegungen in die eines Pfeils &#252;bersetzen, der auf dem Bildschirm herumfliegt.“ Diese „Abstraktionsschicht zwischen dem Nutzer und dem Computer“ fehlt bei dem Touch-Interface. <em>Computerworld</em>-Autor Michael DeAgonia <a href="http://www.computerworld.com/s/article/9174758/Apple_s_iPad_makes_technology_instantly_accessible_">kam</a> zur selben Ansicht: <strong>„Auf einmal f&#252;hlen sich eine Maus und eine Tastatur an wie etwas, das einer ganzheitlichen Computer-Erfahrung im Wege steht.“</strong> Das iPad dagegen mache „Technologie unmittelbar zug&#228;nglich“.</p>
<p>Neben dem Fehlen &#252;blicher Computerperipherie, bemerkte Dan Moren, trage dazu Steve Jobs’ Erfolg im – schon mit dem iPhone begonnenen – „Krieg gegen die Kn&#246;pfe“ bei. Andy Ihnatko sah ein „neues Denken“ am Werk, wie es bislang gefehlt habe: eine gezielte Optimierung der Touch-Tafel-Erfahrung durch Reduzierung ihrer Gestalt und Funktionalit&#228;t. Hightech-Pionier und Verleger Tim O’Reilly <a href="http://roomfordebate.blogs.nytimes.com/2010/04/06/the-ipad-in-the-eyes-of-the-digerati/#tim">meinte</a>: „Wenn das iPhone uns noch nicht deutlich genug sagte, dass die 25j&#228;hrige Herrschaft der Maus und der Fenster-Nutzeroberfl&#228;che, wie sie einst vom ersten Macintosh popularisiert wurde, schon bald Geschichte sein wird, dann schreit das iPad nun diese Botschaft laut und klar heraus.“ Ebenso <a href="http://www.wired.com/magazine/2010/03/ff_tablet_essays/all/1">erhofft</a> Kevin Kelly von Tafel-PCs grunds&#228;tzlich eine Beendigung der „Tyrannei der Tastatur“ zugunsten eines <em>Natural User Interface</em> (<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Natural_user_interface">NUI</a>): „Gesten sind K&#246;nig. Wisch mit deinen Fingern, um zu scrollen, wedele mit den Armen wie bei der Wii, sch&#252;ttele oder kipp die Touch-Tafel. Genie&#223;e ihre K&#246;rperlichkeit.“</p>
<p><strong>2. Touch-Tafel &lt;–&gt; Buch &amp; Magazin: Die intime Revolution </strong></p>
<p>Diese K&#246;rperlichkeit, die physische Form des Touch-Tafel-PC, <a href="http://roomfordebate.blogs.nytimes.com/2010/04/06/the-ipad-in-the-eyes-of-the-digerati/#tim">nannten</a> die <a href="http://ideacodes.com/">Ideacodes</a>-Designer Emily Chang und Max Kiesler eine „intime Revolution“: „Durch die Kombination der Intimit&#228;t einer einfachen Screen mit der taktilen Qualit&#228;t des Multi-Touch-Interfaces stellt sich eine Nutzer-Erfahrung her, die sich sehr von der anderer Ger&#228;te unterscheidet.“ Neu sei gerade die N&#228;he der Touch-Tafel-Gestalt zu einer sehr alten, vertrauten Medienform, <a href="http://craigmod.com/journal/ipad_and_books/">analysierte</a> der Buchdesigner Craig Mod im April, noch bevor er ein iPad in der Hand gehalten hatte: „Es ist kein Wunder, dass wir unsere gedruckten B&#252;cher lieben – wir wiegen sie k&#246;rperlich in den Armen, dicht an unserem Herzen. Anders als das Lesen an Computermonitoren imitiert das Lesen auf einem Kindle oder iPhone (oder iPad, kann man vermuten) diese m&#252;tterliche Umarmung. Der Text ist dichter bei uns, die Orientierung angenehmer. Und der scheinbar unbedeutende Umstand, dass wir den Text ber&#252;hren, spielt in Wirklichkeit eine Schl&#252;sselrolle f&#252;r die Verst&#228;rkung der Intimit&#228;t dieser Erfahrung.“</p>
<p>Medienhistorisch geht die Intimit&#228;t der Beziehung zwischen Mensch und Text nat&#252;rlich entschieden weiter zur&#252;ck: Das uns vertraute, mit dem Buchdruck entstandene Papier-Buch optimiert lediglich die &#252;ber Jahrtausende menschlicher Kultur entwickelte Tafel-Form zur Speicherung und Rezeption von Texten – von den ersten Stein- und Tontafeln bzw. Tafelb&#252;ndeln &#252;ber den r&#246;mischen Pergament-Kodex bis zu den neuzeitlichen Papier-Varianten Buch, Zeitschrift, Album und Notizblock (englisch „pad“ oder „notepad“). Die Tafelform pr&#228;gt so seit der Antike die kulturelle Verarbeitung, Speicherung und Distribution von Informationen. Als Medium stellt sie einen privilegierten, wenn nicht einzigartigen Mittler zwischen Mensch und Welt, Subjekt und Gesellschaft, Individuum und Kultur dar. Ein <strong>Urmedium</strong>. Mit dem Touch-Tafel-PC findet es seine digitale Gestalt.</p>
<p>Entscheidend f&#252;r die Dauer und vor allem Intimit&#228;t der medialen Beziehung d&#252;rfte dabei der urspr&#252;ngliche Formfaktor gewesen sein: dass eben die Tafel und ihre medialen Abk&#246;mmlinge sich in der Hand halten und in unserem Scho&#223; benutzen lassen – beschreiben und bemalen, lesen und betrachten. Genauso eben, wie es Steve Jobs diesen Januar <a href="http://static.businessinsider.com/image/4b6184a20000000000b29c66/steve-jobs-ipad-apple-ap.jpg">im bequemen Sessel</a> auf der B&#252;hne des Yerba Buena Center for the Arts in Downtown San Francisco seiner Fangemeinde bei der ersten iPad-Pr&#228;sentation vormachte.</p>
<p>Die Apple-Strategen inszenierten damit – ob nun bewusst oder unbewusst, kalkuliert oder intuitiv – das iPad als Aufhebung einer Verdr&#228;ngung der medialen Urform Tafel, die zwar schon mit der industriellen Schreibmaschine begann, jedoch mit deren Virtualisierung eskalierte. Denn im selben Ma&#223;e, in dem Tafeln und Seiten, Notizbl&#246;cke und B&#252;cher zu Elementen von Software-Programmen wurden und damit aus unseren H&#228;nden hinter die Glasscheiben von Bildschirmen gerieten, verloren wir die intime physische Beziehung zu ihnen. Weder Desktop-Bildschirme noch Laptops erm&#246;glichen entspannte K&#246;rperhaltungen oder gar taktile Zugriffe, wie sie seit Jahrtausenden die Varianten von Text- und Bildtafeln bieten. Als misslungene Virtualisierungen standen die bisherigen digitalen Apparaturen daher, wie David Carr in der <em>New York Times</em> <a href="http://www.nytimes.com/2010/01/04/business/media/04carr.html">schrieb</a>, einem „sehr menschlichen, fast angeborenen Bed&#252;rfnis“ entgegen: „Leser wollen ber&#252;hren, was sie zu lernen suchen.“</p>
<p>Unter dieser Perspektive leiten Touch-Tafel-PCs nicht nur einen technologischen, sondern zugleich auch kulturellen Paradigmenwechsel ein: <strong>die R&#252;ckkehr zur medialen Urform der Tafel auf h&#246;herer technologischer Ebene.</strong> Das iPad simuliert deren Gestalt nicht mehr nur im Medium der Software, sondern realisiert sie als digitales Hardware-Artefakt, materiell wie funktional (in der Touchscreen). Die emotionale Erfahrung dieser epochalen Wende mag zu einem nicht geringen Teil die ungew&#246;hnliche, ja fast hysterische Euphorie erkl&#228;ren – und im Gegenschlag die nicht minder hysterische Ablehnung –, die das iPad als erstes halbwegs gelungenes Produkt in der neuen Touch-Tafel-Form bei professionellen Kritikern wie K&#228;ufern weckte.</p>
<p><strong>3. Revolution &lt;–&gt; Restauration: Wer kontrolliert die Hardware? </strong></p>
<p>„Das ist der Anfang vom Ende des Computers als Technologie“, <a href="http://www.wired.com/gadgetlab/2010/04/apple-ipad-hands-on/">prognostizierte</a> Dylan F. Tweney in <em>Wired</em>: „Denn Technologie ist, <a href="http://www.douglasadams.com/dna/19990901-00-a.html">wie Douglas Adams vor zehn Jahren bemerkte</a>, all das Zeug, was noch nicht funktioniert.“ Der Preis allerdings, den wir f&#252;r solch perfektes Funktionieren zahlen, schien einigen zu hoch.</p>
<p>Unter der &#220;berschrift „Tinkerer’s Sunset“ – also: „Sonnenuntergang f&#252;r Bastler“, was deren Lebensabend und bevorstehenden Tod konnotiert – <a href="http://al3x.net/2010/01/28/ipad.html">klagte</a> Alex Payne: „Was mich am meisten am iPad st&#246;rt ist das: Wenn ich als Kind ein iPad anstelle eines richtigen Computers gehabt h&#228;tte, w&#228;re ich nie der Programmierer geworden, der ich heute bin &#8230; Das iPad mag ein Segen f&#252;r das traditionelle Erziehungswesen sein, insofern es multimediale Unterrichtsmaterialien erm&#246;glicht, aber es schadet der Art von Hackerkultur, von der die digitale &#214;konomie bislang voran getrieben wurde. Vielleicht signalisiert das iPad das Ende der ‚Hacker-&#196;ra’ der digitalen Geschichte.“</p>
<p>Ebenso <a href="http://www.boingboing.net/2010/04/02/why-i-wont-buy-an-ipad-and-think-you-shouldnt-either.html">kritisierte</a> Cory Doctorow die vollst&#228;ndige Geschlossenheit des iPads – das Fehlen jeglicher M&#246;glichkeiten, die Funktionalit&#228;t des Ger&#228;ts selbst&#228;ndig zu erg&#228;nzen oder auch nur Peripherieger&#228;te anzuschlie&#223;en – als Entm&#252;ndigung und Infantilisierung der Nutzer. – &#196;hnlich wie Payne und Doctorow <a href="../../27639/ipadologie-i-medienrevolution/#comment-14177">argumentiert</a> &#252;brigens auch „Klaus“ in seinem Kommentar zum ersten Teil dieser iPadologie: „Was mich an Computern fasziniert hat, war immer &#8230; auch die M&#246;glichkeit, an ihnen zu schrauben, sie umzubauen, sie zu tunen und aufzur&#252;sten. &#8230; Auch Spielekonsolen als geschlossene Systeme haben mich nie interessiert, obwohl sie f&#252;r Spiele manchmal besser geeignet sind, als PCs. Das iPad f&#228;llt f&#252;r mich in die selbe Kategorie …“</p>
<p>Doctorows Vorwurf begegnete freilich Joel Johnson vehement: „Computer werden zu normalen Haushaltsger&#228;ten. Was ist daran so schlecht?“, <a href="http://gizmodo.com/5508286/cory-doctorow-you-are-a-consumer-too">fragte</a> er in einem Beitrag f&#252;r das – durch seinen Ankauf des gestohlenen iPhone-Prototypen ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte – Technologie-Blog <em>Gizmodo</em>: „Ich bin froh, dass ich nicht mehr in den ‚fucking 70s’ lebe und Computerprogramme aus Zeitschriften abtippen muss. Nichts am iPad deutet auf das Ende von Innovation, Bastelei, Programmieren, Design. Wenn das so w&#228;re, g&#228;be es nicht in diesem Augenblick im App-Store 150 000 Apps. Was macht das schon, dass du keine iPad-Programme auf einem iPad herstellen kannst? Ich beschwere mich ja auch nicht dar&#252;ber, dass ich mit meinem Geschirrsp&#252;ler keine neuen Geschirrsp&#252;ler herstellen kann.“</p>
<p>In dieselbe Richtung gingen die &#220;berlegungen des Programmierers und Bloggers Daniel Tenner. Auch er <a href="http://danieltenner.com/posts/0015-ipad-an-apple-for-mom.html">verstand</a> das iPad als Indiz daf&#252;r, dass Computer eine gewisse technische Reife erlangt haben und sie sich nun wie normale Haushaltselektronik ohne technisches Verst&#228;ndnis oder gar st&#228;ndige Wartung durch ihre Besitzer nutzen lassen: „Meine Mutter ben&#246;tigt eine M&#246;glichkeit, die Preise von Flugtickets rauszukriegen, den Wetterbericht zu lesen, auf Facebook zu gehen, Kinokarten zu kaufen, ihre E-Mail zu checken, mich &#252;ber Skype anzurufen und f&#252;r Tausend andere kleine Dinge, die nicht sehr schwierig und fordernd sind, weder f&#252;r sie noch f&#252;r das Ger&#228;t, das sie benutzt. Sie braucht keinen Computer in demselben Sinne, in dem ich ihn brauche.“</p>
<p>Joel Johnsons Vorwurf gegen digitale Veteranen und Vordenker wie Cory Doctorow ging allerdings einen entscheidenden Schritt weiter. Er <a href="http://gizmodo.com/5508286/cory-doctorow-you-are-a-consumer-too">interpretierte</a> die heftigen negativen Reaktionen auf das iPad als Teil eines Machtkampfs: „Die alte Garde packt DIE ANGST. Sie sehen das iPad und die Begeisterung, die es geweckt hat, und sie realisieren, dass sie selbst unwichtig – oder zumindest unsichtbar – geworden sind. Sie realisieren, dass es m&#246;glich geworden ist, einen Computer herzustellen, der nicht st&#228;ndig kaputt geht, der nicht pl&#246;tzlich aufh&#246;rt zu funktionieren, der nicht mehr st&#228;ndiges Herumbasteln <em>erfordert</em>.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">In der Tat erinnert auch mich – als Computer-Veteran – manches an den Vorw&#252;rfen, die in den vergangenen Wochen gegen die Simplizit&#228;t des iPads vorgebracht wurden, an die heftigen emotionalen Widerst&#228;nde, die Mitte der achtziger Jahre die ersten Macintosh-Computer (und sp&#228;ter auch die ersten Windows-Rechner) mit einfachem GUI-Interface und simpler Maussteuerung weckten – vor allem bei <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/DOS">DOS</a>-Virtuosen, die ihre m&#252;hsam erworbenen Kursor- und Kommandozeilen-Kompetenzen und damit ihren exklusiven Hardcore-Guru-Status auf einen Schlag entwertet sahen.</p>
<p>Wie damals Maussteuerung und GUI leiten heute Touch-Screen und Gestensteuerung einen nachhaltigen Wandel in der – wie zuerst J.C.R. Licklider <a href="http://groups.csail.mit.edu/medg/people/psz/Licklider.html">erkannte</a> – zunehmend symbiotischen Beziehung zwischen der Menschheit und ihren digitalen Maschinen ein. Seinen <em>Wired</em>-Testbericht des iPads <a href="http://www.wired.com/reviews/product/pr_ipad_first">begann</a> Steven Levy denn auch mit einer Erinnerung an Computerpionier Ed Roberts: „Sein Name wurde nie ber&#252;hmt, aber als der Mann hinter dem Altair-Computer – einem Bausatz f&#252;r verr&#252;ckte Tech-Hobbyisten, der 1975 herauskam –, war er verantwortlich f&#252;r den Start der Mikro-Computer-&#196;ra &#8230; Ed Roberts <a href="http://www.wired.com/gadgetlab/2010/04/ed-roberts-altair/">starb am ersten April</a>, als die Revolution, die er in Gang setzte, gerade in ihre n&#228;chste Phase trat &#8230; Ich war mir ziemlich sicher, dass die Zeit reif war f&#252;r einen iPad-&#228;hnlichen Tafel-Computer, um uns in <a href="http://www.wired.com/magazine/2010/03/ff_tablet_levy">die n&#228;chste Phase des Umgangs mit Computern</a> zu bringen, und der tats&#228;chliche Umgang mit einem iPad hat mich in dieser Ansicht nur best&#228;rkt.“</p>
<p><strong>Medium &lt;–&gt; Wissen: Die Emergenz digitaler Zivilisation </strong></p>
<p>Die &#220;berlegungen, welche Konsequenzen die innovative Hardware von Touch-Tafel-PCs zeitigt oder zeitigen k&#246;nnte, inwieweit ihre Durchsetzung einen evolution&#228;ren oder gar revolution&#228;ren Entwicklungssprung bedeutet, lassen sich wie folgt zusammenfassen:</p>
<ul>
<li> Touch-Tafel-PCs 	leiten einen technologischen Paradigmenwechsel ein, der in seiner 	kulturellen Wirkung durchaus dem vom Kommandozeilen-Interface 	(Command Line Interface, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Command-line_interface">CLI</a>) 	zur graphischen Benutzeroberfl&#228;che (<em>Grapical User Interface</em>, 	GUI) vergleichbar ist. Vor einem Vierteljahrhundert begann mit der 	Einf&#252;hrung von Maus und GUI eine dramatische Vereinfachung der 	Computernutzung. Sie popularisierte digitale Technologie und brachte 	Desktop- und Laptop-PCs in die Mehrzahl aller Haushalte der 	entwickelten Welt. Die aktuelle Infragestellung nun der Dominanz von 	Tastatur, Maus und GUI durch Touch-Screens in Verbindung mit einer 	nat&#252;rlichen, weil gestengesteuerter Nutzeroberfl&#228;che (<em>Natural User Interface</em>, NUI) bewirkt einen weiteren Vereinfachungsschub. 	Touch-Tafel-PCs d&#252;rften daher das Vordringen des Computers auch in 	solche Bev&#246;lkerungsgruppen und mediale Nutzungsformen bef&#246;rdern, 	die – wie etwa die Distribution und Rezeption von Texten – 	bislang noch weitgehend Reservate analoger Medialit&#228;t sind.</li>
<li> Der 	biologischen Nat&#252;rlichkeit der Nutzeroberfl&#228;che korreliert die 	kulturelle Vertrautheit der physischen Gestalt von Touch-Tafel-PCs. 	Einfach zu handhabende Texttafeln haben – von den Stein- und 	Tontafeln der Antike bis zum modernen Buch oder Notizblock – den 	kulturellen Wissenstransfer und auch die schriftliche 	Alltagskommunikation gepr&#228;gt. Im iPad finden sie ihre digitale 	Gestalt. Auf h&#246;herem technischen Niveau stellt sich bei seinem 	Gebrauch, das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen, eine 	haptische Intimit&#228;t des Umgangs mit Texten und Bildern her, wie wir 	sie von B&#252;chern, Bl&#246;cken oder Alben gewohnt sind.</li>
<li> Die 	sozio-kulturelle Nutzung von Computertechnik und speziell des 	digitalen Transmediums; das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dispositiv">Dispositiv</a> digitaler Medialit&#228;t also (im Sinne von Michel Foucault), d&#252;rfte 	das iPad sowohl <strong>restaurativ wie revolution&#228;r</strong> beeinflussen; 	jedenfalls, wenn sein Gebrauch weiterhin und weltweit so zunehmen 	sollte, wie es in den ersten beiden Monaten in den USA geschah. Denn 	seine geschlossene physische Gestalt verhindert – oder erschwert 	zumindest – einen eigenst&#228;ndigen und eigensinnigen, 	bastelnd-erforschenden, also „hackenden“ Umgang mit der 	Hardware. (Eine Beschr&#228;nkung kreativer Freiheit, die sich in dem 	Software-Regime des Apple App-Stores noch problematischer fortsetzt; 	dazu mehr im dritten Teil zur <em>Software(r)evolution</em>.) 	Andererseits aber zeichnet das iPad – als Resultat wesentlich der 	PC-untypischen technischen Kontrolle, denen Apple Hardware und 	Softwareprogramme unterwirft – ein anstrengungsloser 	Bedienungskomfort und eine so hohe technische Zuverl&#228;ssigkeit aus, 	wie sie bislang nicht bei PCs, wohl aber bei Haushaltsger&#228;ten, 	Unterhaltungselektronik und popul&#228;ren Kommunikationsmitteln wie 	Festnetz- und Funktelefon &#252;blich sind. Das iPad markiert daher die 	technikhistorische Transformation des PCs von einem St&#252;ck 	„au&#223;ergew&#246;hnlicher“ Technik f&#252;r Profis und Geeks zum 	allt&#228;glichen Gebrauchsgegenstand.</li>
</ul>
<p>Wenn aber Touch-Tafel-PCs solch grundlegende Ver&#228;nderungen im System der Medien bewirken, werden sie auch zu Verschiebungen in der sozialen und kulturellen Tektonik f&#252;hren. Verk&#252;rzt gesagt: In der Folge von Medienumbr&#252;chen steigen Individuen, Gruppen, Firmen und Institutionen auf, welche die neuen Medien und ihre Technologie entwickeln und kontrollieren. Und umgekehrt verlieren jene, welche die alten Medien und ihre Technologien kontrollierten, mehr oder weniger an Einfluss. Die Z&#252;ge des Kulturkampfes, die amerikanische Kritiker rund um den digitalen Paradigmenwechsel von Desk- und Laptop zum Tafel-PC und den damit verbundenen &#220;bergang vom GUI zum NUI beobachtet haben, zeigen sich um so mehr in der <strong>gr&#246;&#223;eren, gesamtkulturellen Medienkrise: beim epochalen &#220;bergang von einer analogen und Papier-zentrierten zu einer digitalen und Software-zentrierten Kommunikations- und Wissenskultur.</strong></p>
<p>„Wird ein Kommunikationsmedium &#252;ber eine l&#228;ngere Zeitperiode benutzt“, behauptet Harold <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Harold_Innis">Innis</a> in <a href="http://books.google.com/books?id=nEXqB_KfxjgC&amp;dq=bias+of+communication&amp;printsec=frontcover&amp;source=bn&amp;hl=en&amp;ei=otT6S8PcK4iEmgO_9enHAg&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=4&amp;ved=0CCgQ6AEwAw#v=onepage&amp;q&amp;f=false"><em>The Bias of Communication</em></a> (1951), „dann bestimmt es zu einem gewissen Grad den Charakter des Wissens, das kommuniziert wird.“ Der alles durchdringende Einfluss solcher Leitmedien werde daher fr&#252;her oder sp&#228;ter als einengend, weil weiterer Entwicklung hinderlich empfunden. Der Vorteil eines neuen Mediums – das etwa gr&#246;&#223;ere Datenmengen speichern kann oder schnellere, billigere und interaktive Kommunikation erm&#246;glicht – k&#246;nne daher schlie&#223;lich so gro&#223; werden, „dass es die Emergenz einer neuen Zivilisation einleitet.“</p>
<p>Papier setzt dem Wissenstransfer, zwischenmenschlicher Kommunikation und dem Erz&#228;hlen von Geschichten genauso enge Grenzen wie das System der analogen elektronischen Massenmedien. F&#252;r die Anspr&#252;che, die sich an den digitalen Online-Medien geschult haben, erweisen sich die analogen (Massen-) Medien seit einiger Zeit als zu langsam, zu standardisiert, zu wenig interaktiv, zu unpers&#246;nlich. Die Gestalt einer neuen digitalen Zivilisation wird daher entscheidend von innovativer Kultur-Software abh&#228;ngen, die diese medientechnisch nunmehr aufgehobenen Grenzen auch medien&#228;sthetisch &#252;berschreitet – in der Entwicklung neuer Interfaces, neuem Design, neuen Narrationsweisen, neuen Varianten von Literatur und Bildender Kunst, Film und Spiel.</p>
<p>Auf der gerade zwei Monate alten Software-Welt des iPads ruhen gro&#223;e Hoffnungen – von Verlagen wie Lesern, TV- und Filmproduzenten wie Zuschauern, Lehrenden wie Lernenden. Der dritte und letzte Teil der iPadologie wird daher die bisherigen Stimmen zur erwarteten Software(r)evolution versammeln und reflektieren.</p>
<p><em>Bisher in dieser Trilogie erschienen:</em></p>
<ul>
<li><a title="iPadologie I: &quot;Tafel-Computer sind die neue frontier.&quot;" href="../../27639/ipadologie-i-medienrevolution/">iPadologie  I: Medien(r)evolution – &#8220;Tafel-Computer sind die neue frontier.&#8221;</a></li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27917&amp;md5=e5e45417c7ae0cd6f281a371b7c2c943" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;K&#252;nstliche Intelligenz&#8221;: Tragik ist nichts f&#252;r Maschinen</title>
		<link>http://carta.info/27455/kuenstliche-intelligenz-tragik-ist-nichts-fuer-maschinen/</link>
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		<pubDate>Sun, 16 May 2010 15:25:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Peter Glaser</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[künstliche Intelligenz]]></category>

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		<description><![CDATA[Besteht die Aufgabe von Journalisten in Zukunft darin, herauszufinden, was die Maschine nicht kann und diese L&#252;cken zu nutzen? Werden sie die Putzerfische sein, die sich von den Resten der algorithmischen Schw&#228;rme ern&#228;hren?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/862eab36ec1f4ed8acc0ad0801487f0b" alt="" width="1" height="1" />Washington &#8211; Die amerikanische Firma <a href="http://statsheet.com/">StatSheet</a> will im Sommer ein Programm  auf den Markt bringen, das automatisch Reportagen &#252;ber  College-Basketballspiele schreibt. Der Algorithmus wertet  Spielstatistiken aus und kann aus Textbausteinen zusammengesetzte  Artikel verfassen. Bei StatSheet ist man davon &#252;berzeugt, dass 90  Prozent der Leser glauben werden, der automatische Bericht sei von einem  Menschen geschrieben worden.</p>
<p>Besteht die Aufgabe von Journalisten in  Zukunft darin, herauszufinden, was die Maschine nicht kann und diese  L&#252;cken zu nutzen? Werden sie die Putzerfische sein, die sich von den  Resten der algorithmischen Schw&#228;rme ern&#228;hren?</p>
<p>Die Fragestellung greift insgesamt zu kurz,  denn nicht nur die Berichterstatter lassen sich maschinell  substituieren, sondern auch der Sport selbst. Der anf&#228;lligste Kandidat  f&#252;r eine baldige Digitalisierung ist der Schiedsrichter &#8211; es w&#252;rde mehr  Fairness und gerechtere Entscheidungen verhei&#223;en. Die Perfektion, die  diese Art technischer Urteilsfindung nach sich zieht, tr&#228;gt aber den  Keim des Untergangs in sich. Es ist wie mit fahrerlosen S-Bahn-Z&#252;gen  oder pilotenlosen Flugzeugen: W&#228;hrend die Ingenieure versichern, ein  solches System sei weniger fehleranf&#228;llig als eines mit menschlichem  Personal, wenden sich Fahrg&#228;ste mit einer tiefen inneren Abneigung  dagegen.</p>
<p>Was der Maschine vor allem fehlt, ist die  M&#246;glichkeit zur Trag&#246;die.</p>
<p>Keine Frage, digitale Maschinen bieten ein  Panorama an m&#246;glichen Fehlfunktionen. In den siebziger Jahren hielt ein  Computer des amerikanischen Fr&#252;hwarnsystems den aufgehenden Mond f&#252;r  anfliegende sowjetische Atomraketen und l&#246;ste Gro&#223;alarm aus. Maschinen  k&#246;nnen aber nur Katastrophen verursachen, keine Trag&#246;dien. Die moderne  Form der Trag&#246;die besteht darin, dass der Mensch inzwischen in vielerlei  Hinsicht in der Lage w&#228;re, seine Schw&#228;chen mit technischer Hilfe zu  &#252;berwinden.</p>
<p>F&#252;r ein Spiel wie Basketball oder Fu&#223;ball  w&#228;re diese Aufr&#252;stung fatal. Auch beim Stierkampf erg&#228;be es keinen Sinn,  den Torero statt mit Tuch und Degen mit einer Maschinenpistole  auszustatten. Steven Spielberg l&#228;sst im ersten Indiana-Jones-Film die  Klischees des Zweikampfs ins Leere laufen: Aus einer Menge tritt ein  schwarz gewandeter Krieger und schwingt sein Schwert &#8211; aber Indi hat  keine Zeit. Er zieht seinen Revolver und schie&#223;t den Gegner einfach um.</p>
<p>Werden die menschlichen Spieler auch aus  dem Match verschwinden und irgendwann nur noch Roboter kicken, weil sie  es inzwischen besser und pr&#228;ziser k&#246;nnen?</p>
<p>Erinnert sich noch jemand an den ersten  Computer, der einen Schachweltmeister besiegt hat? Im Mai 1997 hatte der  IBM-Computer Deep Blue im R&#252;ckspiel den amtierenden Schachweltmeister  Garri Kasparow bezwungen. Angesichts der mythischen k&#252;nstlichen  Intelligenz h&#228;tte etwas Einzigartiges, Erdersch&#252;tterndes passieren  m&#252;ssen. Es passierte aber nichts.</p>
<p><em>Peter Glaser bloggt auf <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/29/tragik-ist-nichts-fur-maschinen/">Glaserei</a>. Crossposting mit freundlicher Genehmigung.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27455&amp;md5=3f97f4fb90632f88dbbafbe98eb0f4ba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Ausweitung der Kampfzone: Google investiert in das Startup &#8220;Recorded Future&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/26832/ausweitung-der-kampfzone-google-recorded-future/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 12:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutschland wehrt sich gegen die Digitalisierung seiner Gesellschaft, w&#228;hrend Google unger&#252;hrt weiter in die Zukunft investiert: Recorded Future, ein Startup das Vorhersagen &#252;ber die Zukunft trifft, zeugt von einem euphorischen Innovationsbegriff, den wir auch hierzulande dringend brauchen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/0e13e5d963a142be8a3623ab993bae6a" alt="" width="1" height="1" />Die Digitalisierung der Gesellschaft hat in Deutschland einen schweren Stand. Wo immer sich der Fortschritt zeigt, stellt man sich ihm mit bemerkenswerter Energie in den Weg. In den 1990er Jahren und noch lange Zeit &#252;ber das Jahr 2000 hinaus galt das Internet weithin als <strong>ungef&#228;hrliches Nischenph&#228;nomen</strong>. E-Commerce war etwas f&#252;r unverbesserliche Phantasten und das <a href="http://carta.info/21326/mobiles-internet-2020/">mobile Internet</a> schien Lichtjahre entfernt.</p>
<p>Jetzt aber, wo sich die <strong>Breitenwirksamkeit des Internets</strong> immer deutlicher zeigt und sich dessen umw&#228;lzende Wirkung auf unsere Gesellschaft erahnen l&#228;sst, w&#228;chst der <strong>Widerstand</strong>. Das <a href="http://www.theeuropean.de/julia-kloeckner/2884-gegen-google-street-view">Verbraucherschutzministerium</a> mobilisiert gegen Google Street View, <a href="http://carta.info/24719/thomas-schmid-welt-google-china-leistungsschutzrecht/">Verleger</a> k&#228;mpfen f&#252;r ein Leistungsschutzrecht – und Blogger werden <a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">abgemahnt</a>: wegen ihrer Artikel, der Kommentare zu ihren Artikeln oder den <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dioezese-regensburg-niggemeier/">Artikeln &#252;ber andere Artikel</a>. Die Liste l&#228;sst sich beliebig lang fortsetzen, etwa mit Fragen zum Verbot von &#8220;Killerspielen&#8221; oder dem speziell in Frankfurt zu verortenden Unbehagen gegen&#252;ber Algorithmen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund mag es wie eine Spinnerei wirken, wenn <a href="http://www.chromoid.de/startups-in-die-google-investiert/532">dieser Tage bekannt wird</a>, dass Google in ein Startup investiert hat, das <strong>Ereignisse aus der Zukunft anzeigen bzw. vorhersagen</strong> m&#246;chte. Wer schon mit Google Street View so seine M&#252;he hat, wie wird derjenige dann auf diesen Dienst reagieren?</p>
<p>&#220;ber das Unternehmen <a href="http://www.recordedfuture.com/rf/"><strong>Recorded Future</strong></a> aus Boston ist wenig bekannt. Seine Gr&#252;nder bem&#252;hen sich sichtlich, so wenig Aufsehen wie m&#246;glich zu erregen, f&#252;hren aber immerhin ein <a href="http://blog.recordedfuture.com/">Blog</a>, das Einblicke in ihre Arbeit gibt. Sie befassen sich u. a. mit Fragen des Terrorismus und versuchen dabei, die Eintrittswahrscheinlichkeit von Anschl&#228;gen einzusch&#228;tzen. Im Bereich der Finanzm&#228;rkte werden Ank&#252;ndigungen aus Pressemitteilungen registriert und aufgelistet, so dass sich etwa geplante B&#246;rseng&#228;nge &#252;bersichtlich und kompakt abrufen lassen.</p>
<p>Wer die Artikel des Firmenblogs auch nur grob &#252;berfliegt, sieht schnell, dass hier mit gro&#223;er Ernsthaftigkeit und Professionalit&#228;t <strong>Data Mining</strong> betrieben und mit mathematischen Methoden Prognosen erstellt werden. Im Kern wird hier vermutlich sogar an Methodiken zur Prognoseerstellung geforscht. Dass sich Google &#252;ber seine Beteiligungsfirma <a href="http://www.google.com/ventures/">Google Ventures</a> an diesem Startup beteiligt hat, d&#252;rfte niemanden wundern.</p>
<p>In Deutschland wird man davon vorl&#228;ufig kaum Notiz nehmen. Reaktionen wird es wohl erst dann geben, wenn sich Prognosen von Recorded Future in konkrete Handlungsschritte amerikanischer Unternehmen oder Beh&#246;rden niederschlagen. Dann k&#246;nnte einmal mehr der <strong>Alarmismus</strong> ausbrechen und der <strong>Ruf nach Regulierung</strong> ert&#246;nen.</p>
<p>Warum aber ist das so? Warum sieht man in Deutschland immer nur die <strong>Gefahren und Risiken</strong> der Digitalisierung, kaum aber die wirtschaftlichen <strong>Chancen und Potenziale</strong> f&#252;r eine prosperierende Gesellschaft?</p>
<p>Das Internet sowie die mit ihm verbundene <strong>Informationstechnologie</strong> wird unsere Gesellschaft in diesem Jahrhundert massiv ver&#228;ndern, vermutlich sogar st&#228;rker als andere technische, gesellschaftliche oder umweltbedingte Faktoren. Es wird M&#228;rkte radikal wandeln, alte Gesch&#228;ftsmodelle obsolet werden und v&#246;llig neue an deren Stelle treten lassen. Das alles wird mit einer Geschwindigkeit und Wucht passieren, die sich nur wenige vorstellen k&#246;nnen.</p>
<p>Deutschland ist daran bisher fast nur aus der <strong>Perspektive von Endverbrauchern</strong> beteiligt: Wir kaufen die Ger&#228;te von Apple, wir nutzen Googles Suchmaschine und vernetzen uns auf Facebook oder Twitter. Die Arbeitspl&#228;tze dazu und auch das Steueraufkommen entstehen gr&#246;&#223;tenteils in den USA.</p>
<p>Das denkbar Schlechteste, was eine moderne Gesellschaft und f&#252;hrende Industrienation wie Deutschland angesichts dessen tun kann, ist also st&#228;ndiges Bremsen und Blockieren. Denn das verhindert, dass in unserem Land ein erfolgreicher und zukunftsf&#228;higer Sektor digitaler Unternehmen entsteht, die in der Informationstechnologie nicht nur als &#8220;Copy Cats&#8221; ihren amerikanischen Pendants hinterher rennen, sondern selbst in der Lage sind, Standards zu setzen und das Entstehen neuer M&#228;rkte zu beeinflussen.</p>
<p>Wenn selbst schon im konservativen <strong><a href="http://www.theeuropean.de/joel-kaczmarek/2740-kreatives-deutschland">European</a></strong> festgestellt wird, dass Deutschland als Technikinnovator hinterher hinkt und die Politik den Fortschritt verhindere, muss wirklich etwas dran sein:</p>
<blockquote><p>&#8220;Innovation bedeutet, herauszufinden, wer wir sind und wer wir sein k&#246;nnen. Und hier denkt Deutschland nicht vernetzt genug. Im Gegenteil, virtuelle Vernetzung wie Google sie praktiziert wird mit dem Datenschutzhammer erschlagen und reale Vernetzung durch B&#252;rokratie erstickt. Die Figur des Unternehmers wird aus Angst vor Ver&#228;nderung kaserniert. Wie kann da ein euphorischer Innovationsbegriff wachsen?&#8221;</p></blockquote>
<p>Was ein euphorischer Innovationsbegriff ist, zeigt uns das Startup Recorded Future. Hier betritt man wirklich Neuland und findet daf&#252;r auch noch prominente Unterst&#252;tzung. Wir sollten uns daran ein Beispiel nehmen und von unserer Politik mehr Fortschrittlichkeit einfordern. <strong>Wenn die Politiker nicht selbst darauf kommen, m&#252;ssen ihnen die B&#252;rger den Weg weisen</strong>, denn wir sind das Volk und wir bilden die digitale Gesellschaft.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/nG97B7tiUQg&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/nG97B7tiUQg&amp;hl=de_DE&amp;fs=1&amp;" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26832&amp;md5=d3debae4a31c4380fa0ee897dac6d287" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Offener Brief: 5 vor 12 f&#252;r ver.di &#8211; Wo steht die Gewerkschaft beim Urheberrecht?</title>
		<link>http://carta.info/25968/offener-brief-5-vor-12-fuer-ver-di-wo-steht-die-gewerkschaft-beim-urheberrecht/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 10:05:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Otto</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ver.di]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo steht die Gewerkschaft ver.di im Bezug aufs Urheberrecht? Wie kann sie die propagandistische Aussage vom "Diebstahl geistigen Eigentums im Netz" als Titel f&#252;r ihre Pressekonferenz w&#228;hlen? Wie will sie Kreativschaffende angemessen vertreten? Ein offener Brief an Frank Werneke mit vielen Fragen und der Hoffnung auf Antwort.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7061540b7e8246b7a3f773087e7cd0e1" alt="" width="1" height="1" />Lieber Frank Werneke,</p>
<p>als vor ein paar Tagen eine <a href="http://www.spio-fsk.de/media_content/1027.pdf">Einladung</a> des ver.di-Bundesvorstandes zu einer Pressekonferenz anl&#228;sslich des &#8220;Welttags des geistigen Eigentums&#8221; bei mir einging, war das Erstaunen gro&#223;. Hie&#223; es doch in der Pressemitteilung:</p>
<blockquote><p>&#8221; (&#8230;) zum Tag des geistigen Eigentums laden die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und Spitzenorganisationen der Buch-, Film-, Musik und TV-Branche unter dem Motto &#8220;Diebstahl geistigen Eigentums im Netz: 5 vor 12 f&#252;r die Kreativwirtschaft&#8221; gemeinsam ein (&#8230;)&#8221;.</p></blockquote>
<p>Und weiter:</p>
<blockquote><p>&#8220;(&#8230;) gefordert ist ein besserer Schutz geistigen Eigentums im Internet (&#8230;)&#8221;.</p></blockquote>
<p>Mit von der Partie auf Einladung von ver.di sind &#8211; neben Ihnen als stellvertretendem Bundesvorsitzenden –, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverband Musikindustrie (und Sachverst&#228;ndiger der Internet-Enquete) <strong>Dieter Gorny</strong>, J&#252;rgen Doetz als Pr&#228;sident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), Steffen Kuchenreuther als Pr&#228;sident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), Alexander Skipis als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des B&#246;rsenvereins des Deutschen Buchhandels und Peter Henning als Vorstandsmitglied des Verbands der Drehbuchautoren (VDD).</p>
<p>Ich frage mich, wie diese illustre und sonderbare Runde zustande kommt. <strong>Ver.di als Teil der Anti-Piracy-Koalition?</strong> Ist bei ver.di nicht angekommen, was die Digitalisierung bedeutet? Wie schlecht muss man aufgestellt sein, um solche (falschen) Freunde n&#246;tig zu haben? Wo sind auf dem Podium eigentlich die auch noch in ver.di vorhandenen kritischen und kompetenten Stimmen? Hat ver.di die Entwicklungen der letzten Jahre komplett verschlafen? Trauen Sie sich zu, bei diesem Thema kompetent f&#252;r ver.di sprechen? Haben Sie die h&#246;chst umstrittene und wissenschaftlich sehr zweifelhafte Tera-Studie, auf die in der Presseinformation deutlich hingewiesen wird, kritisch gelesen?</p>
<p>In der Einladung hei&#223;t es dazu: &#8220;Nach einer k&#252;rzlich vorgelegten Untersuchung (&#8230;) hat die illegale Nutzung urheberrechtlich gesch&#252;tzter Inhalte im Internet allein in Deutschland im Jahr 2008 bei Produktion und Vertrieb von Spielfilmen, TV-Serien, Musik und Software einen Schaden von 1,2 Milliarden Euro verursacht und damit rund 34.000 Arbeitspl&#228;tze gekostet&#8221;. Warum beruft sich ver.di auf eine Studie, die unter anderem von der Anti-Piracy-Lobbyorganisation BASCAP beauftragt wurde? Ist ver.di nun treibendes Mitglied der Creative Coalition Campaign? Zu diesen Verwicklungen ist eine <a href="http://carta.info/25972/medienindustrie-holt-ver-di-ins-boot-creative-coalition-campaign-jetzt-auch-in-deutschland/">Analyse</a> von Heiko Hilker und J&#252;rgern Scheele erschienen.</p>
<p>Wie kommt man als Gewerkschaft im Jahr 2010 dazu, die <strong>propagandistische Aussage vom &#8220;Diebstahl geistigen Eigentums im Netz&#8221; als Titel f&#252;r seine Pressekonferenz</strong> zu w&#228;hlen? Wer hat hier wem was in die Bl&#246;cke diktiert? Denkt ver.di ernsthaft, alles sei so einfach und man k&#246;nne mal draufhauen und schauen was dabei rauskommt? Wie muss das Urheberrecht aus Sicht von ver.di ausgestaltet sein, dass sowohl die Urheber als auch die Nutzer zu ihrem Recht kommen?</p>
<p>Lieber Frank Werneke, diese Fragen brauchen eine Antwort.</p>
<p>Vielleicht irre ich mich aber auch nur, und ver.di wird uns bei dieser Pressekonferenz mit einer konstruktiven Sicht auf die Dinge &#252;berraschen. Vielleicht ist die thematische Auswahl aber auch nur konsequent, da ver.di seit geraumer Zeit teilweise sehr altmodische Positionen zum Urheberrecht vertritt. Bereits jetzt ist es so: Viele Kreativschaffende f&#252;hlen sich durch ver.di <a href="http://www.metronaut.de/?p=1163">nicht mehr vertreten</a>. Es gibt organisatorische Ausgr&#252;ndungen, und auch <strong>nahezu der gesamte Bereich der Kreativschaffenden im Internet hat bei ver.di kein zu Hause.</strong> Das ist ein massives Problem f&#252;r die Gewerkschaft. Vielfach wurde in der Vergangenheit versucht, der Gewerkschaft Hilfestellung zu geben, auch gab es dort heftige interne Konflikte. Doch wie es scheint, sind die f&#252;r die gewerkschaftliche Ausrichtung beim Urheberrecht Verantwortlichen beratungsresistent.</p>
<p>Mails, Telefonanrufe und Nachfragen bei ver.di-Mitarbeitern im Bundesvorstand brachten zudem ein erschreckendes Bild zu Tage. <strong>Dar&#252;ber, dass es diese Pressekonferenz geben sollte, herrschte alles andere als Einigkeit im Haus.</strong> Festzuhalten bleibt, dass sich ver.di mit dieser Veranstaltung auf ein sehr d&#252;nnes Eis begibt. Es ist so d&#252;nn, dass es zu brechen droht. Markus Beckedahl von Netzpolitik.org <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/ver-di-startet-buendnis-mit-rechteindustrie/" target="_blank">konstatiert dazu</a> &#8220;ver.di hat eine Werbekampagne gestartet, um sich bei Internet-Nutzern nachhaltig unbeliebt zu machen&#8221;.</p>
<p>Viele Gr&#252;&#223;e und viele Fragen,<br />
Philipp Otto</p>
<p>Die Pressekonferenz findet am 26. April um 11.55 Uhr (!) in der ver.di-Bundesverwaltung im Raum &#8220;Nabucco&#8221;, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin statt.</p>
<p>P.S.: In der Wikipedia hei&#223;t es zur Oper &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nabucco">Nabucco</a>&#8221; von Guiseppe Verdi: &#8220;Die Oper hat einerseits das Streben des j&#252;dischen Volkes nach Freiheit aus der babylonischen Gefangenschaft zum Thema; andererseits steht die Hybris des Titelhelden im Zentrum, der sich selbst zum Gott machen will, daraufhin mit Wahnsinn geschlagen wird und erst durch seine Bekehrung zum Gott der Hebr&#228;er geheilt wird.&#8221; Aber das spielt hier nat&#252;rlich keine Rolle, sondern ist nur ein v&#246;llig zuf&#228;lliger Zufall.
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<p><small>
<a href="http://carta.info/25968/offener-brief-5-vor-12-fuer-ver-di-wo-steht-die-gewerkschaft-beim-urheberrecht/">Offener Brief: 5 vor 12 f&#252;r ver.di &#8211; Wo steht die Gewerkschaft beim Urheberrecht?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/25968/offener-brief-5-vor-12-fuer-ver-di-wo-steht-die-gewerkschaft-beim-urheberrecht/#comments">29 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=25968&amp;md5=f6350969929b29450caf29aa6464db00" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Zeitungsphilister von gestern als digitaler Bohèmien von heute</title>
		<link>http://carta.info/25849/der-zeitungsphilister-von-gestern-als-digitaler-bohemien-von-heute/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 13:44:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marc Reichwein</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Neue Medien, neue Schelte: Hedonistisch genossen Zeitungsphilister im 19. Jahrhundert die neue Pressefreiheit. Die Netzanbeter in den Cafés sind heute mindestens ebenso verd&#228;chtig. – Und die polemische Medienkritik wird historisch betrachtet sogar richtig unterhaltsam.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c41a9d68e764498fa2ecbead0d32a612" alt="" width="1" height="1" />An der Dauerdebatte der letzten Jahre, Online vs. Print, Blogger vs. Journalisten ist ein Aspekt besonders am&#252;sant: Wie stark neben der  eigentlichen Medienschelte auch der mit dem neuen Medium verbundene Lifestyle Thema ist. Stellvertretend f&#252;r diesen Zugriff vielleicht  Wolfgang B&#252;schers aparte Musterung des digitalen Bohemién (<a href="http://www.umblaetterer.de/best-of-feuilleton-2009/#4">Best of  Feuilleton 2009</a>). Oder, ganz aktuell, Marcus Jauers <em>FAZ</em>- und nicht  »<em>Zeit</em>«-Dossier <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc%7EE6B640F8029DB425AB1608506DCF9F180%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">&#252;ber  Blogger</a>.</p>
<p>Gern vergessen wird, dass auch Zeitungsleser im semi-&#246;ffentlichen  Raum einmal so neu waren die »die Leute mit den Laptops« (Jauer) heute,  und sie wurden auch genauso distanziert inspiziert:</p>
<blockquote><p>»Eine (…) besonders interessante Spezies ist der  liberale Zeitungsphilister. Bevor derselbe Morgens seine Zeitung gelesen  hat, ist er nur ein halber Mensch; &#252;ber dem Lesen aber geht ihm ein  Licht nach dem andern auf, so da&#223; er abends beim Schoppen &#252;ber alle  Tagesfragen mit zu Gericht sitzen kann und nicht begreift, wie es  m&#246;glich ist, anderer Meinung zu sein.«</p></blockquote>
<p>Willkommen in den Jahren nach 1848, die liberale Revolution ist noch  so jung wie die digitale heute. Pressefreiheit schien zwar einerseits  schon legal und irgendwie fortschrittlich, andererseits aber auch  &#228;hnlich unbequem wie die Bloggerfreiheit heute. Und mindestens so  verd&#228;chtig wie stundenlanges WLAN im <a href="http://www.umblaetterer.de/2007/11/23/kaffeehaus-des-monats-teil-17/">St. Oberholz</a> muss man sich die ausufernde Zeitungslekt&#252;re vorstellen:</p>
<div id="attachment_25850" class="wp-caption aligncenter" style="width: 450px"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Johann_Peter_Hasenclever_Lesekabinett_1843.jpg"><img class="size-full wp-image-25850 " title="hasenclever_lesekabinett_1843_-_ausschnitt" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/hasenclever_lesekabinett_1843_-_ausschnitt.jpg" alt="(J. P. Hasenclever: Das Lesekabinett (1843), Ausschnitt, Quelle: Commons)" width="440" height="220" /></a><p class="wp-caption-text">(J. P. Hasenclever: Das Lesekabinett (1843), Ausschnitt, Quelle: Commons)</p></div>
<blockquote><p>»Eine Art von Hochschulen f&#252;r das  Zeitungsphilistertum sind die Casino-Lesezimmer. In feierlichster  Stille, die Denkerstirne bald auf den einen bald auf den anderen  Ellenbogen gest&#252;tzt, sitzen sie hier und machen den Eindruck, als ob auf  ihnen zun&#228;chst der schwere Beruf lastete, die Welt in ihren Fugen zu  halten.«</p></blockquote>
<p>Wer schreibt dieses ganze sch&#246;ne Zeitungsleser-Bashing? Es ist der  Ultramontanist <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/August_Reichensperger"><strong>August  Reichensperger</strong></a>, den man bis heute als Au&#223;endeko des K&#246;lner Doms  besichtigen kann. Er hat ein so genanntes »Rath- und H&#252;lfsb&#252;chlein f&#252;r  Zeitungsleser« geschrieben, das in den 1860ern und ’70ern in rasch  aufeinanderfolgenden Auflagen verlegt wird. Das Werk mit dem Titel  »Phrasen und Schlagw&#246;rter« kommt als getarnte Handreichung f&#252;r  Zeitungsleser daher, ist in Wahrheit aber eine Art Kulturkampf gegen die  liberale Presse mit sprachkritischen Mitteln. Polemisch vorgef&#252;hrt  wird, von welch miesen Journalisten-Tricks sich der empf&#228;ngliche, leider  allzu empf&#228;ngliche Zeitungsphilister immer wieder beeindrucken l&#228;sst.</p>
<p><strong>Pressefreiheit und Netzfreiheit</strong></p>
<p>Reichensperger geht vor allem gegen den Strich, wie hedonistisch der  Zeitungsphilister die neue Pressefreiheit genie&#223;t:</p>
<blockquote><p>»Was er gestern gelesen hat, wei&#223; er ohnehin meist  heute schon nicht mehr; er glaubt aber jedes Mal, wenn seine  Zeitungsstunde vor&#252;ber ist, wunders, was er gelernt habe, wenn nicht gar  gethan habe.«</p></blockquote>
<p>Am Ende, so Reichensperger, setze sich der Zeitungsfan noch »in den  Kopf, er habe ein gutes Theil an allen Erfindungen der Neuzeit, von der  Dampfmaschine an bis zum atlantischen Telegraphenkabel, und sieht mit  stolzem Hochgef&#252;hle auf alle seine Nebenmenschen herab, welche solchen  Anspruch nicht erheben zu k&#246;nnen glauben.«</p>
<p>Das erinnert an die <a href="http://begleitschreiben.twoday.net/stories/5689949/">Web-2.0-Pauschalkritik  einer Astrid Herbold</a> oder auch Susanne Gaschke (»Die Netzanbeter«,  FAS vom 19. April 2009, S. 13, <a href="http://www.opensourcepr.de/2009/05/03/gaschke/">Replik</a>):</p>
<blockquote><p>»Ein Kennzeichen der Netzbewegung ist ihr  hermetisches Vokabular. Wer wei&#223;, was Wikis und Blogs sind, Cookies,  Tools, Open Source Software und soziale Netzwerke, der kann seine  Zugeh&#246;rigkeit zur Fortschrittspartei nachwiesen. Nat&#252;rlich muss man alle  diesen neuen Funktionen irgendwie nennen, aber die Begeisterung, mit  der dieser Jargon benutzt wird, als ob jeder ihn verstehen m&#252;sste, dient  vor allem der Abgrenzung zu Uneingeweihten.«</p></blockquote>
<p>Ob Zeitungsphilister oder Netzanbeter – es geht also nie nur ums  Medium, sondern viel mehr und vielleicht vor allem um die ganzen  Begrifflichkeiten und das Gef&#252;hl drumherum. Zeitgen&#246;ssisch ist solche  Medienkritik notorisch schlecht gelaunt, doch medienhistorisch wird  diese schlechte Laune meistens immer besser – im Idealfall sogar richtig  unterhaltsam.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.umblaetterer.de/2010/04/16/zeitungsphilister-gestern-digitaler-bohemien-heute/">umblaetterer.de</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/25849/der-zeitungsphilister-von-gestern-als-digitaler-bohemien-von-heute/">Der Zeitungsphilister von gestern als digitaler Bohèmien von heute</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/25849/der-zeitungsphilister-von-gestern-als-digitaler-bohemien-von-heute/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=25849&amp;md5=90be1e301be294650e868cf4eead289d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Copy.Right.Now! Pl&#228;doyers f&#252;r ein zukunftstaugliches Urheberrecht</title>
		<link>http://carta.info/25506/copy-right-now-plaedoyers-fuer-ein-zukunftstaugliches-urheberrecht/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 08:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Spielkamp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Eigentumsfragen sind Machtfragen. Nirgends werden diese Fragen lauter und provozierender gestellt als im Internet: Durch die Digitalisierung geistiger Werke und den schnellen Austausch von Daten und Informationen werden starre Verf&#252;gungsrechte aufgel&#246;st. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/fc0034cd55ef431cbca458fd8d26debf" alt="" width="1" height="1" /><em>von Jan Engelmann und Matthias Spielkamp.</em></p>
<p><em>Die <a href="http://boell.de">Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</a> und <a href="http://iRights.info">iRights.info</a> pr&#228;sentieren einen Reader zum Thema, mit Texten von Lawrence Lessig, Cory Doctorow, Till Kreutzer, Ilja Braun und anderen. Der Reader steht ab sofort als </em><a href="http://www.boell.de/downloads/2010-04-copy_right_now_zukunft_urheberecht.pdf"><em>PDF</em></a><em> zur Verf&#252;gung (1,3 MB), ab dem 15. April liegt er auch gedruckt vor und kann kostenlos bestellt werden (Informationen am Ende). Der folgende Text ist die Einleitung von Jan Engelmann (Heinrch-B&#246;ll-Stiftung) und Matthias Spielkamp (iRights.info).</em></p>
<p>Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. W&#228;hrend es urspr&#252;nglich als ein auf den „genialen” Sch&#246;pfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Missbrauch konzipiert war, versto&#223;en wir, ob gewollt oder unbeabsichtigt, t&#228;glich gegen bestehendes Recht. Verlustfreies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Freiheit, den anderen als Einschr&#228;nkung von k&#252;nstlerischer Verf&#252;gungsgewalt und drohender Einnahmenverlust. Ein Ende der „Copyright Wars“ erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.</p>
<p><strong>Lost in La Mancha</strong></p>
<p>Knapp 400 Jahre, bevor ein mexikanischer Schwanzlurch den deutschen Literaturbetrieb in Wallung brachte, ritt ein verarmter Landadliger durch die kastilische Hochebene. Sein Sch&#246;pfer, der gerichtsnotorische Miguel de Cervantes, pr&#228;sentiert ihn als verirrte Seele, dem die exzessive Lekt&#252;re von Ritterromanen den Verstand vernebelt hat. Mit unseren heutigen Begriffen w&#252;rden wir Don Quijote wohl als Opfer des hohen Datenaufkommens oder einen Gesch&#228;digten von virtuellen Rollenspielen ansehen.</p>
<p>Nicht nur seine literarische Figur, auch Cervantes selbst hatte die Konsequenzen seiner Einbildungskraft zu tragen: Kurz nach Erscheinen des ersten Teils des Romans El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha (1605) folgten etliche Raubdrucke. Das war damals nichts Ungew&#246;hnliches, da Verlage noch nicht als Rechteinhaber im heutigen Sinne in die Verwertungskette eingriffen und die Drucker ihr technologisches Monopol weidlich auszunutzen verstanden. Der kommerzielle Erfolg des Don Quijote rief allerdings auch andere Trittbrettfahrer auf den Plan: Eine apokryphe Fortsetzung durch einen gewissen Alonso Fernández de Avellaneda, die 1614 in Umlauf kam, beschleunigte die Fertigstellung des zweiten Bandes (1615) durch Cervantes selbst. Wie der Plagiierte darin auf seinen Plagiator reagiert, sagt viel dar&#252;ber aus, wie das System der literarischen &#214;ffentlichkeit vor der Epoche des Urheberrechts funktionierte.</p>
<p>In seinem Prolog an den Leser versichert Cervantes, keinerlei „Scheltworte, Zank und Schm&#228;hen” gegen den Verfasser der ungenehmigten Fortsetzung gebrauchen zu wollen. Im &#220;brigen wisse er recht gut, „was die Versuchungen des Teufels sind, und dass eine der gr&#246;&#223;ten die ist, es einem Menschen in den Kopf zu setzen, er k&#246;nne ein Buch schreiben und drucken lassen, mit welchem er ebensoviel Ruhm als Geld und ebensoviel Geld als Ruhm gew&#246;nne”. Zugleich versieht er seinen Text mit einer Art Echtheitszertifikat und bekr&#228;ftigt, „dass dieser zweite Teil des <em>Don Quixote</em>, den ich dir jetzt &#252;bergebe, von dem n&#228;mlichen K&#252;nstler und aus dem n&#228;mlichen Zeuge wie der erste gearbeitet sei und ich dir hiermit den <em>Don Quixote</em> &#252;bergebe, vermehrt und endlich tot und begraben, damit keiner es &#252;ber sich nehme, neue Zeugnisse seinetwegen herbeizubringen”.</p>
<p>Im Verlaufe der Romanhandlung begegnet Don Quijote zahlreichen Figuren, die von sich behaupten, sowohl Cervantes’ ersten Teil als auch Avellanedas Rip-off schon gelesen zu haben, und nun dem Protagonisten der „legitimen” Fortsetzung seine Authentizit&#228;t attestieren. Nicht selten geschieht dies unter h&#228;mischen Querverweisen auf das Plagiat, und Cervantes nutzt jede Gelegenheit, dem Nachahmer dessen vermeintlich schlechtere L&#246;sungen bei der Entfaltung des Plots unter die Nase zu reiben. Dadurch verl&#228;ngert sich das in der Romanhandlung angelegte Vexierspiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion bis ins Unendliche. Im 62. Kapitel wird der Ritter von der traurigen Gestalt in einer Druckerei in Barcelona sogar Zeuge, wie das Buch Avellanedas korrigiert wird. Ein in der Literaturgeschichte wohl einmaliges Hase-und-Igel-Rennen ger&#228;t zum ironischen Kommentar &#252;ber Autorschaft im Manuskript-Zeitalter.</p>
<p>Cervantes f&#252;hrt mit seinem <em>Don Quijote</em> vor, wie im 17. Jahrhundert das einstmals lockere Verh&#228;ltnis zu Varianten und Umarbeitungen von Stoffen allm&#228;hlich einem robusteren Verst&#228;ndnis von Autorschaft und damit einhergehenden Anspr&#252;chen (auf finanzielles und symbolisches Kapital) zu weichen beginnt. Und gerade weil dem Urheber Cervantes f&#252;r die Absicherung seiner Werkherrschaft keine anderen Sanktionen zur Verf&#252;gung stehen, wertet er den literarischen Diebstahl zum auktorialen Spiel mit intertextuellen Verweisen um. Aus der vermeintlichen Schw&#228;che des Systems wird so eine St&#228;rke der Kunst: Cervantes verfasst in souver&#228;ner Manier eine Art literarische Unterlassungsklage, und die selbstreferenzielle Verhandlung seines eigenen Falls macht den Don Quijote zum ersten Gr&#252;ndungstext der literarischen Moderne.</p>
<p><strong>Lost Souls</strong></p>
<p>Die Vorstellung von geistigem Eigentum, die untrennbar an die Genie&#228;sthetik der Goethe-Zeit gekn&#252;pft ist, hat Konkurrenzen wie jene zwischen Cervantes und Avellaneda zur Regel gemacht. Heute sind Urheberrechtsverletzungen schlicht justiziabel. Literarischer Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt mehr, das von der literarischen &#214;ffentlichkeit als Gesellschaftsspiel goutiert w&#252;rde, sondern besch&#228;ftigt Autoren, Erbengemeinschaften und Anwaltskanzleien. Dabei hat die jedem Internetbenutzer gegebene M&#246;glichkeit zum „Cut &amp; Paste” die Hemmschwellen zum Verbreiten und Umarbeiten fremder Werke enorm gesenkt. Den Kulturwissenschaftler Philipp Theisohn „verwundert es nicht, dass das Netz aus Sicht der buchgest&#252;tzten Literaturproduktion vorwiegend als ein <em>plagiarischer </em>Raum wahrgenommen wird, als eine Sph&#228;re, in welcher der Autor als die Person, zu welcher er sich seit der Erfindung des Buchdrucks allm&#228;hlich entwickelt hatte, systematisch entrechtet, enteignet, aufgel&#246;st wird”.</p>
<p>Wie <strong>Jeannette Hofmann</strong><em> </em>in ihrem Beitrag hervorhebt, ist die Logik des urheberrechtlichen Weltbildes eng an einen dogmatischen Diskurs gekn&#252;pft. Dies mache es schwierig, die technologischen M&#246;glichkeiten der digitalen &#196;ra mit der engen Sch&#246;pfer-Werk-Beziehung aus dem 18. Jahrhundert zur Deckung zu bringen. Dieser unaufgel&#246;ste Widerspruch von tradierten Denk- und Rechtsfiguren und der x-fachen Verst&#246;&#223;e gegen ebendiese, erfordere die Abkehr von klassischen Kategorien und die Hinwendung zu neuen.</p>
<p>F&#252;r die (zumeist j&#252;ngeren) Protagonisten einer offenen Netzkultur hat sich mit dem Web 2.0 eine Utopie realisiert – der schnelle Austausch von Daten und Informationen weitgehend ohne Teilnahmebarrieren und mit selbst definierten Freiheiten. In dieser Perspektive ist das Beharren auf eine singul&#228;re Urheberschaft, aus der sich bestimmte Verf&#252;gungsrechte ableiten, tendenziell unzeitgem&#228;&#223;, weil es an den Realit&#228;ten sozialer Austauschprozesse im Internet vorbeigeht. Selbst ein Bestsellerautor wie <strong>Jonathan Lethem</strong> kritisiert die Haltung vieler Schriftstellerkollegen, die das Copyright „als ihr Geburtsrecht und Bollwerk, als den N&#228;hrboden f&#252;r ihre unendlich fragilen Praktiken in einer raubgierigen Welt ansehen”.</p>
<p>Verschiedentlich ist schon als Kulturkampf bezeichnet worden, was sich gegenw&#228;rtig zwischen den Verfechtern des geltenden Urheberrechtsregimes sowie den Bef&#252;rwortern von dessen Abschaffung, zumindest Reformierung, abspielt. Wie unsicher die Bewertungsma&#223;st&#228;be innerhalb der medienhistorischen &#220;bergangsphase des 21. Jahrhunderts immer noch sind, zeigte nicht zuletzt die Meta-Debatte um Helene Hegemanns <em>Axolotl Roadkill</em>. Zwar konnte Hegemann, zum Zeitpunkt der Abfassung bzw. Kompilation des Textes erst 17 Jahre alt, einen gewissen Welpenschutz f&#252;r sich beanspruchen, weil sie als <em>digital native</em> „geistiges Eigentum” im Grunde als kontrafaktische Bestimmung jenseits ihrer Lebenswirklichkeit ansah. Aber die gelassene Selbstverst&#228;ndlichkeit, mit der sie dem Plagiatsvorwurf zun&#228;chst begegnete, wirkte wie Schmier&#246;l f&#252;r die Mechanik der eingespielten Skandal-&#214;konomie.</p>
<p>Als ihre nicht ausgewiesene Einlagerung von fremden Textpartikeln in <em>Axolotl Roadkill </em>aufflog, kam es zu einer bemerkenswerten Arbeitsteilung zwischen Verlag und Autorin. W&#228;hrend Ullstein sich sofort um die nachtr&#228;gliche Einholung von Abdruckgenehmigungen bem&#252;hte, beharrte Hegemann in einem inzwischen schon legend&#228;ren Statement auf der „Abl&#246;sung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess”. Zwar gestand sie ein, sich aus fremden Quellen (u. a. Blogs) bedient zu haben, rechtfertigte das Text-Sampling aber als ad&#228;quate &#228;sthetische Verfahrensweise: „Originalit&#228;t gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit.” Wo kein Original, da kein Plagiat – auf der Basis dieser Gleichung stritt das gesamte deutsche Feuilleton im Fr&#252;hjahr 2010 &#252;ber die Legitimit&#228;t klassisch moderner Verfahren (Pastiche, Collage, Montage) im Kontext digitaler Medien – ohne sich auf ein abschlie&#223;endes Urteil verst&#228;ndigen zu k&#246;nnen. Als gar eine Ehrung Hegemanns mit dem Leipziger Buchpreis m&#246;glich erschien, sah sich der Verband Deutscher Schriftsteller zur „Leipziger Erkl&#228;rung zum Schutz geistigen Eigentums” gen&#246;tigt, in der er unmissverst&#228;ndlich klar stellte: „Missachtung, Aush&#246;hlung und str&#228;fliche Verletzung des Urheberrechts f&#252;hrt zur Entwertung, Aufgabe und schlie&#223;lich zum Verlust jedweder eigenst&#228;ndigen intellektuellen und k&#252;nstlerischen Leistung.”</p>
<p>Dass eine solche Bekr&#228;ftigung des rechtlichen Status quo &#252;berhaupt n&#246;tigt ist, verst&#228;rkt den Eindruck, dass knapp vier Jahrzehnte nach Roland Barthes’ philosophischem Todessto&#223; f&#252;r den Autor auch das Urheberpers&#246;nlichkeitsrecht („Droit d’Auteur”) nur noch eine Art untotes Dasein fristet. Zentrale urheberrechtliche Begriffe wie „Sch&#246;pfungsh&#246;he” bed&#252;rfen der st&#228;ndigen juristischen Neuauslegung, Plagiatsverdachtsmomente bei besonders gut laufenden Buchtiteln sind schon fast die Regel. Doch zu sagen, dass der Kaiser nackt ist, bleibt allein einem Teenager vorbehalten, dessen mangelndes Rechtsbewusstsein mit zum Teil sehr originellen Metaphern kompensiert wird. So wirkt die pikareske Helene Hegemann, die sich laut eigener Aussage als „Untermieter im eigenen Kopf” f&#252;hlt, fast wie eine postheroische Wiederg&#228;ngerin des Don Quijote.</p>
<p><strong>Lost in Music</strong></p>
<p>Der Kaiser besa&#223; einstmals einen Thron. Von dort ordnete er die Verh&#228;ltnisse, nach denen K&#252;nstler ihre Werke in die &#214;ffentlichkeit trugen. Tonfolgen, akustisch gespeichert und auf physische Tr&#228;germedien gepresst, bilden das jahrzehntelang g&#252;ltige Gesch&#228;ftsmodell der Musikindustrie. Ein eigenes Schutzrecht f&#252;r Studioaufnahmen verbietet deren unerlaubte Verwertung durch Dritte, erfolgreiche Chartbreaker sorgen f&#252;r die Quersubventionierung hoffnungsvoller Nachwuchsk&#252;nstler, Einnahmeausf&#228;lle durch Privatkopien werden durch zus&#228;tzliche Abgaben auf Leermedien und Ger&#228;te ausgeglichen.</p>
<p>Heute ist es der K&#246;nig Kunde, der eine neue Sitzverteilung fordert. Das Kompressionsformat MP3, in den achtziger Jahren durch das Fraunhofer Institut entwickelt, hat einen Siegeszug tr&#228;gerloser Musik begr&#252;ndet, der das eingespielte System von kanalisiertem Angebot und Nachfrage komplett ins Wanken gebracht hat. Seitdem Musikdateien &#252;ber Peer-to-Peer-Filesharing (und oft ohne Genehmigung der Rechteinhaber) getauscht werden k&#246;nnen, verzeichnen Plattenfirmen herbe Umsatzr&#252;ckg&#228;nge. Die rapide Verbreitung von Musik via Tauschb&#246;rsen und Upload-Plattformen zeigt in aller Unerbittlichkeit auf, dass technologischer Wandel immer auch die „kreative Zerst&#246;rung” existenter M&#228;rkte nach sich zieht. Mit restriktiven Ma&#223;nahmen wie Digital Rights Management, wodurch gekaufte CDs auf den heimischen Computern nicht mehr liefen, verprellte die Musikindustrie noch die letzten gutwilligen Kunden. Eine ganze Branche leidet seitdem unter Liebesentzug und wartet auf den wei&#223;en Ritter.</p>
<p>Der Musikmanager <strong>Tim Renner </strong>vergleicht die gegenw&#228;rtige Situation mit jener zwischen den Weltkriegen, als das aufkommende Radio von den gro&#223;en Medienkonzernen als gef&#228;hrliche Konkurrenz angesehen wurde. Angesichts der Digitalisierung musikalischer Inhalte, so Renner in seinem Beitrag, stellen sich heute eigentlich ganz &#228;hnliche Herausforderungen: Nur ein politisch forcierter Kontrahierungszwang zwischen Urheber- und Leistungsschutzrechtinhabern auf der einen Seite sowie Technologieunternehmen und Anbietern von Internetanschl&#252;ssen auf der anderen k&#246;nne beim Marktversagen in der Musikbranche Abhilfe schaffen.</p>
<p>Die Zeichen der Zeit weisen gegenw&#228;rtig jedoch nicht in die Richtung einer Entwicklung innovativer Marktmodelle. Schon eher ist eine Erh&#246;hung des strafrechtlichen Drucks gegen&#252;ber illegalen Nutzungsformen zu beobachten. Das franz&#246;sische Modell der „Three-Strikes-Out”, das nach zweimaliger Abmahnung eine Kappung des Internetanschlusses vorsieht, wird auch anderen L&#228;ndern zur Nachahmung empfohlen. In Deutschland, wo das Bundesverfassungsgericht im M&#228;rz 2010 die bisherige Praxis der Vorratsdatenspeicherung f&#252;r verfassungswidrig erkl&#228;rte, zeichnet sich noch keine konsistente Linie bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen ab. Unklar bleibt insbesondere die europ&#228;ische Haltung beim internationalen Anti-Piraterie-Abkommen ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement), das das &#220;bereinkommen &#252;ber handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Einkommen (TRIPS) erg&#228;nzen und bis Ende des Jahres beschlussf&#228;hig sein soll. Beobachter kritisieren seit langem die Intransparenz der laufenden Verhandlungsrunden, nur wenig Konkretes sickert an die &#214;ffentlichkeit. F&#252;r den vorliegenden Reader hat <strong>Monika Emert</strong> sich die M&#252;he gemacht, den wohl richtungweisenden Netzregulierungs-Pakt der f&#252;hrenden Industrienationen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.</p>
<p>W&#228;hrend es den Content-Industrien in den letzten Jahren vor allem um die Wahrung ihrer abgeleiteten Rechte an Werken ging, taten sich viele K&#252;nstler immer st&#228;rker durch einen experimentellen Umgang mit dem Urheberrecht hervor. Angelehnt an die Zitatkultur im Hip-Hop, stellten musikalische Hybridbildungen von z. B. DJ Danger Mouse (<em>Grey Album</em>) oder Girl Talk (<em>Night Ripper</em>) sowie unz&#228;hlige illegale Mashups auf den lokalen Dancefloors und globalen Plattformen wie YouTube eindrucksvoll die Formenvielfalt der Popkultur heraus. &#220;ber den &#228;sthetischen Ansatz, das musikalische Archiv f&#252;r kreative Neusch&#246;pfungen zu gebrauchen, wurde seitdem immer wieder, auch vor Gericht, gestritten. Schnell r&#252;ckte die Frage, inwieweit die juristischen „Copyright Wars” nicht auch die k&#252;nstlerische Evolution behindern, in den Fokus der Debatten.</p>
<p>Der Dirigent und Konzeptmusiker <strong>Christian von Borries </strong>h&#228;lt die Unterscheidung zwischen Original und Bearbeitung in der Musik f&#252;r obsolet. Er bedient sich einer speziellen Software, die fremde Kompositionen in Partituren r&#252;ck&#252;bersetzt und als Weiterbearbeitung auff&#252;hrbar macht. So wurden in der documenta-Arbeit <em>Auf einmal &amp; gleichzeitig. Eine Machbarkeitsstudie</em> unter anderem Versatzst&#252;cke von Prokofjew, Schostakowitsch, Pierre Boulez, John Adams und Kanye West verwurstet. Dieses musikalische Gangstertum, so Borries, sei als legitime Form der Aneignung tief in der Musikgeschichte verankert. Auch die K&#252;nstlerin <strong>Cornelia Sollfrank </strong>pl&#228;diert in ihrem Beitrag f&#252;r einen „Diskurs der k&#252;nstlerischen St&#246;rung von Originalit&#228;ts- und Autorschaftskonzepten”. Was das konkret bedeutet, stellte Sollfrank in dem Ausstellungsprojekt „Legal Perspectives” unter Beweis. Dort m&#252;nzte sie den juristischen Eiertanz um eine digitale Warhol-Appropriation einfach in einen Kommentar zur Urheberrechtsdebatte um.</p>
<p><strong>Lost in translation</strong></p>
<p>Jeff Bezos, der mit seinem Amazon-Buchladen nicht nur den klassischen Buchhandel an die Wand dr&#252;ckt und selbst gro&#223;en Verlagen seine Bedingungen diktieren kann, gibt sich abgezockt und vorausschauend. Auf lange Sicht, sagte er dem <em>Wall Street Journal</em>, werden B&#252;cher auf elektronischen Ger&#228;ten gelesen werden. Physische B&#252;cher verschw&#228;nden nicht, so wie Pferde nicht verschwunden seien nach der Erfindung des Automobils. Aber es gebe keinen Bestandsschutz f&#252;r Technologien. Auf den Einwand, dass viele Leser aber doch an den taktilen, den fassbaren Eigenschaften ihrer B&#252;cher hingen, entgegnete Bezos: „Ich bin mir sicher, Menschen lieben auch ihre Pferde. Aber sie werden nicht auf ihrem Pferd zur Arbeit reiten, nur weil sie ihr Pferd lieben. Es ist unsere Aufgabe, etwas Besseres zu entwickeln als ein physisches Buch.”</p>
<p>Doch &#252;ber eine Eigenschaft dieses „Besseren” spricht Bezos ungern, und mit ihm viele Unternehmer, die mit digitalen Inhalten Geld verdienen: den Wandel vom Eigentum zur Lizenzierung. Wer sich ein elektronisches Buch auf den Kindle l&#228;dt, der „kauft” nur noch in Anf&#252;hrungszeichen. Denn an einem „unk&#246;rperlichen Werkst&#252;ck”, wie so ein E-Book, ein MP3, ein Film aus der Online-Videothek in schillernder Juristenprosa hei&#223;t, erwirbt der Nutzer kein Eigentum. Sondern er erwirbt den Zugang zu einem Werkst&#252;ck durch eine Lizenz, die ihm die Nutzung des Werks erm&#246;glicht. Das mussten einige Besitzer des Kindle-Leseger&#228;ts im Juli 2009 schmerzlich erfahren, als von einer Sekunde zur n&#228;chsten ausgerechnet George Orwells <em>1984</em> von ihren Kindles verschwand. Amazon hatte sie gel&#246;scht, wozu die Firma in der Lage war, weil sie niemals die Kontrolle &#252;ber die Ger&#228;te aufgibt, f&#252;r die Kunden 250 Euro und mehr auf den Tisch legen.</p>
<p>Amazon ist kein Einzelfall, worauf auch <strong>Cory Doctorow</strong>, erfolgreicher Science-Fiction-Autor und K&#228;mpfer gegen jede Art von Nutzer-Knebelung, in diesem Reader hinweist. Apples iTunes Music Store, inzwischen nicht mehr nur von der Musikbranche, sondern auch von der Filmwirtschaft und nun sogar von den Presseverlagen geradezu als Heilsbringer verehrte Online-One-Stop-Shop, in dem alles gekauft werden kann, was sich nicht anfassen l&#228;sst, ist vom gleichen Schlag. Dass seine Gesch&#228;ftsbedingungen gegen deutsches Recht versto&#223;en, ist so gut wie sicher, doch der Prozess, den die Verbraucherzentralen in Deutschland gegen Apple f&#252;hren, dauert Jahre, kostet einen Haufen Geld und Ressourcen. Wenn er abgeschlossen sein wird, warten die Bedingungen einiger Tausend anderer Angebote, von Social Networks bis zu E-Mail-Providern. Den Augiasstall auszumisten, muss im Vergleich dazu ein Traumjob sein.</p>
<p><strong>Lost and found</strong></p>
<p>Die Politik h&#228;lt mit diesen Ver&#228;nderungen des Marktes und der Gesch&#228;ftsmodelle nicht Schritt. Doch ist der Grund daf&#252;r nicht die nat&#252;rliche Verlangsamung im demokratischen Prozedere, bei der der Gesetzgeber der technischen Entwicklung hinterherhinkt. Die sogenannte „kooperative Gesetzgebung”, mit der das Bundesjustizministerium versprochen hatte, die Interessenvertreter der Urheber, der Verbraucher und der Wirtschaft direkt in den Gesetzesvorbereitungsprozess einzubinden, stellt sich nach beinahe zehn Jahren dar als die M&#246;glichkeit, den W&#252;nschen der Verwertungsindustrie noch mehr Gewicht zu geben. Die Interessen der &#214;ffentlichkeit, der Wissenschaft und der Urheber selbst wurden diesen wiederholt untergeordnet.</p>
<p>Ein Leistungsschutzrecht f&#252;r Presseverlage, das nach dem Willen der schwarz- gelben Koalition in dieser Legislaturperiode kommen soll, ohne dass vorher auch nur evaluiert worden w&#228;re, (a) welches Problem es l&#246;sen soll, (b) ob es dieses Problem l&#246;sen kann und (c) zu welchen Kosten f&#252;r die Allgemeinheit es das tun w&#252;rde, ist nur das j&#252;ngste in einer Reihe von Beispielen. <strong>Ilja Braun </strong>wundert sich in seinem Beitrag zum Leistungsschutzrecht &#252;ber die Chuzpe, mit welcher der „Content-Klau” von Web-Portalen und News-Aggregatoren angeprangert wird.</p>
<p><strong>Robin Meyer-Lucht </strong>verortet die Diskussion um das Leistungsschutzrecht im Kontext einer Rollenkrise des klassischen Journalismus. Dieser habe den Paradigmenwechsel durch die neuen Player im Web 2.0 im Grunde immer noch nicht richtig verstanden.</p>
<p>Wenn die gemeinsame Wertsch&#246;pfung im Internet (etwa auf Wikipedia, in Social Networks oder auf Blogs) ein wichtiger Indikator daf&#252;r ist, dass wir uns mit Hilfe der Technik dem Ideal einer offeneren Kultur anzun&#228;hern beginnen, dann ist es zweifelsohne notwendig, f&#252;r die Zukunft rechtliche Vereinbarungen und zentrale Regularien zu entwickeln. Die L&#246;sung, da ist sich der amerikanische Verfassungsrechtler und Harvard-Professor <strong>Lawrence Lessig </strong>in seinem Beitrag sicher, k&#246;nne jedoch nicht darin bestehen, die juristische Komplexit&#228;t bei den geistigen Eigentumsrechten zu erh&#246;hen. Anhand der Lizenzierungsproblematik bei Dokumentarfilmen und der Google-Buchsuche zeigt er anschaulich, wie etwa die Verl&#228;ngerung von Schutzfristen und die Erschwernis von &#246;ffentlicher Nutzung in letzter Konsequenz zu einer Verarmung unseres kulturellen Erbes f&#252;hren k&#246;nnen. Zumindest eine Antwort auf die verwerterzentrierte Haltung der Politik kann sein, das Heft selbst in die Hand zu nehmen, wie es beispielsweise Urheber mit den von Lessig mitentwickelten Creative-Commons-Lizenzen tun k&#246;nnen. Die attraktiven Wahlm&#246;glichkeiten f&#252;r die Urheber im Umgang mit ihren eigenen Werken durch den Lizenzbaukasten Creative Commons beschreibt <strong>John Hendrik Weitzmann</strong>.</p>
<p>Doch so wichtig diese Ans&#228;tze einer Selbstorganisation sind, so wenig werden sie tiefer liegende Probleme l&#246;sen, wie die fundamentalen Ver&#228;nderungen im Verh&#228;ltnis von Verwertern auf der einen, Urhebern und Verbrauchern auf der anderen Seite. Dass man darum beim Urheberrecht einen viel st&#228;rkeren Fokus auf den Nutzerschutz legen m&#252;sste, begr&#252;ndet der Rechtswissenschaftler <strong>Gerd Hansen </strong>in seinem Beitrag.</p>
<p>Und <strong>Till Kreutzer</strong>, Mitbegr&#252;nder von iRights.info, schl&#228;gt weitreichende Regelungsalternativen vor, mit denen sich der gordische Knoten durchschlagen lie&#223;e, in dem vor allem die gegens&#228;tzlichen Interessen der Urheber und Verwerter verwickelt sind.</p>
<p><strong>Ilja Braun </strong>blickt demgegen&#252;ber auf die Empirie der bisherigen Reformbem&#252;hungen und problematisiert angesichts der herrschenden Verg&#252;tungsregeln die mangelnde Verhandlungsmacht der Urheber.</p>
<p>Nicht zuletzt wird die Idee einer Kulturflatrate – eine Pauschalverg&#252;tung digitaler Nutzungsformen – derzeit intensiv wie nie diskutiert. Wie die gr&#252;ne Europaabgeordnete <strong>Helga Tr&#252;pel</strong> und (gemeinsam mit <strong>Simon Edwin Dittrich</strong>) <strong>Malte Spitz</strong>, Mitglied im gr&#252;nen Bundesvorstand, in ihren jeweiligen Beitr&#228;gen darlegen, w&#228;re ihr wom&#246;glich zuzutrauen, einen Ausweg aus dem Dilemma zu bieten, das unweigerlich entsteht, wenn k&#252;nstlerische Werke und kulturindustrielle Produkte verlust- und nahezu kostenfrei vervielf&#228;ltigt werden k&#246;nnen. Bei allen noch offenen Fragen der Ausgestaltung einer solchen Kulturflatrate: Eine zus&#228;tzliche Abgabe auf Breitbandabschl&#252;sse h&#228;tte zumindest den Charme, Internetnutzer zu entkriminalisieren, die Justiz von Tausenden Bagatelldelikten zu entlasten sowie eine kompensatorische Verg&#252;tung der Urheber zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Wem diese Vorschl&#228;ge zu radikal erscheinen, sei daran erinnert, dass eine Rechtsordnung immer auf der Anerkennung durch jene beruhen muss, deren Leben sie regulieren will. Schon jetzt verweigern Millionen von Menschen – Tauschb&#246;rsennutzer, Software-Kopierer, Mashup-Artisten – der geltenden Rechtsordnung ihre Zustimmung. Zehntausende haben das bei der letzten Wahl zum Ausdruck gebracht, indem sie ihr Kreuz bei einer Partei machten, die auf das Orange des revolution&#228;ren Aufbruchs setzte. Ob die L&#246;sungen, die die Piratenpartei vorschl&#228;gt, den Interessen der beteiligten Stakeholder gerecht werden, ist mindestens umstritten. Der „Pirat” <strong>Jens Seipenbusch</strong> und der gr&#252;ne Netzpolitiker <strong>Jan Philipp Albrecht </strong>er&#246;rtern in diesem Band ihre Gemeinsamkeiten und Differenzen.</p>
<p>Alles auf Anfang: Der mexikanische Schwanzlurch Axolotl verf&#252;gt, so erkl&#228;rt es die Online-Enzyklop&#228;die Wikipedia, &#252;ber eine erstaunliche F&#228;higkeit: Er kann Gliedma&#223;en, Organe und sogar Teile des Gehirns und Herzens vollst&#228;ndig regenerieren. Vielleicht sollten sich die Theoretiker und Praktiker des Urheberrechts gerade an ihm ein Beispiel nehmen.</p>
<p>Der Reader <strong>Copy.Right.Now!</strong> - Pl&#228;doyers f&#252;r ein zukunftstaugliches Urheberrecht, herausgegeben von der <a href="http://www.boell.de/bildungkultur/kreativwirtschaft/kreativwirtschaft-reader-zukunft-urheberrecht-copy-right-now-8978.html">Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</a> in Zusammenarbeit mit iRights.info, liegt als <a href="http://www.boell.de/downloads/2010-04-copy_right_now_zukunft_urheberecht.pdf">PDF</a> (1,3 MB) vor und kann in der gedruckten Fassung kostenlos bestellt werden bei der</p>
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		<title>&#8220;Schwimmen, nicht filtern&#8221;: Peter Kruse im Interview</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 14:30:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Doris Raßhofer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Noch ein gutes Interview mit Prof. Peter Kruse zu Komplexit&#228;t &#038; Netz: &#220;ber das Internet als K&#246;nigsmacher und untreue Tomate, &#252;ber das Rad von Franziska Heine, &#252;ber die Missbrauchspotenziale des semantic web und das Prinzip "so viel f&#252;r so wenig". ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9fb5f59f8eaf4b0a90d9a239d6a42bb0" alt="" width="1" height="1" />Die Grundmuster hinter der Komplexit&#228;t modernen Lebens und sozialer Netzwerk zu verstehen und Trends in gesellschaftlichen Dynamiken fr&#252;hzeitig zu erkennen, das ist die gro&#223;e Leidenschaft von Zukunftsforscher und Organisationspsychologe Prof. Peter Kruse.</p>
<p><em>Herr Prof. Kruse, ein Teil der Menschheit klagt &#252;ber eine nicht mehr zu bew&#228;ltigende Flut von Informationen, ein anderer Teil speist die Flut selbst mit aller Kraft und wachsender Begeisterung. Ist der „Run“ auf die sozialen Netze nur ein kurzfristiger Hype oder Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels? </em></p>
<p>Peter Kruse: Wir befinden uns mitten in der n&#228;chsten Runde der Ver&#228;nderungen der Gesellschaft durch das Internet. Ich w&#252;rde mich nicht scheuen sogar von einer <em>Revolution 2.0</em> zu reden. Schaut man auf die Massen von Menschen, die in den letzten Monaten in die sozialen Netze eingezogen sind, dann haben wir es gewisserma&#223;en mit der ersten gro&#223;en V&#246;lkerwanderung des digitalen Zeitalters zu tun. Der erste Internet-Boom in den 90er Jahren bezog sich auf den Zugang zu Informationen – Sie erinnern sich? AOL, Boris Becker, „ich bin drin“. Die Nutzer waren begeistert von der Vielfalt und Einfachheit, mit der man im Internet findet, was man vorher m&#252;hsam suchen musste. W&#228;hrend dieses Zugangs-Booms ist die Vernetzungsdichte explodiert. Aber der wirklich gro&#223;e Schub kam erst im letzten Jahr durch die ernorme Erh&#246;hung des Grades der pers&#246;nlichen Beteiligung. Zu Anfang haben die meisten Menschen das Internet nur wie Besucher betreten, jetzt sind sie gewisserma&#223;en „mit Haut und Haaren“ eingezogen. Das Internet ist zum eigenst&#228;ndigen Kommunikations- und Kulturraum geworden</p>
<p><em>Warum haben wir pl&#246;tzlich solchen Gefallen daran, uns der &#214;ffentlichkeit mit pers&#246;nlichen Details und privaten Beitr&#228;gen zu pr&#228;sentieren?</em></p>
<p>Kruse: Ein tiefes Motiv der Menschen f&#252;r Beteiligung in Netzwerken ist der Wunsch, Spuren zu hinterlassen &#8211; und das nicht erst seit es das Internet gibt. Was erhoffen wir uns denn am Ende unserer Tage? Bei anderen Menschen in Erinnerung zu bleiben. Auch der Wunsch nach Kindern spiegelt letztlich in nicht geringen Anteilen diesen Wunsch wider. Da ist nat&#252;rlich ein Medium recht verf&#252;hrerisch, das jedem verspricht, allt&#228;gliches „Gezwitscher“ ebenso sorgf&#228;ltig zu bewahren wie pers&#246;nliche Videos oder sorgsam gef&#252;hrte Tageb&#252;cher. Insbesondere, wenn man mit seinen Tweets, Bildern oder Blogs im Prinzip jederzeit das Interesse von vielen Millionen Menschen auf sich lenken kann – und das fast ganz ohne die Hilfe der klassischen Massenmedien.</p>
<p>Mit der immer gr&#246;&#223;er werdenden Zahl von Menschen, die sich im Netz miteinander austauschen, tritt neben Information und Selbstdarstellung auch noch ein gesteigertes Bewusstsein f&#252;r die grunds&#228;tzliche M&#246;glichkeit, &#252;ber Resonanzbildungseffekte Massenbewegungen auszul&#246;sen. Und diese dritte Motivlage wird vermutlich die eigentlich Gesellschaft ver&#228;ndernde Kraft des Internets entfalten.</p>
<p>Das Machtverh&#228;ltnis zwischen Anbieter und Nachfrager verschiebt sich. Ob etwas erfolgreich wird oder nicht, ob etwas Wirkung entfaltet oder nicht, wird zunehmend unabh&#228;ngiger vom investierten Werbebudget oder von geschickter PR. Scheinbar Nebens&#228;chliches kann sich in k&#252;rzester Zeit zu einer Welle aufschaukeln &#8211; w&#228;hrend gleichzeitig eine mit gro&#223;em Aufwand strategisch platzierte Botschaft weitgehend ungeh&#246;rt verhallt.</p>
<p><em>Aber was f&#252;hrt zu dieser Machtverschiebung? Die Menschen und die gesellschaftlichen Systeme sind doch die Gleichen geblieben?</em></p>
<p>Kruse: Wir haben in den Netzen eine kritische Masse erreicht und optimale Voraussetzungen f&#252;r Aufschaukelungseffekte geschaffen. Das f&#252;hrt zu einer <strong>Euphorie des M&#246;glichen.</strong></p>
<div id="attachment_24665" class="wp-caption alignleft" style="width: 205px"><a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Prof._Peter_Kruse.jpg&amp;filetimestamp=20090420110137"><img class="size-medium wp-image-24665" title="Prof._Peter_Kruse" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/Prof._Peter_Kruse-195x300.jpg" alt="Peter Kruse: &quot;Netzwerkkompetenz steigt mit der F&#228;higkeit zu Querdenken und Empathie.&quot; Foto: Holger Weber (cc by-sa)" width="195" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Peter Kruse: &quot;Netzwerkkompetenz steigt mit der F&#228;higkeit zu Querdenken und Empathie.&quot; Foto: Holger Weber (cc by-sa)</p></div>
<p><em>K&#246;nnen Sie das erkl&#228;ren?</em></p>
<p>Kruse: F&#252;r Aufschaukelungseffekte in Netzwerken sind drei Voraussetzungen wichtig. Man braucht eine gro&#223;e Zahl von m&#246;glichst vielf&#228;ltig miteinander verbundenen Menschen, die au&#223;erdem auch h&#228;ufig ohne &#228;u&#223;ere Anregung aktiv werden und Impulse anderer durch gezieltes Aufgreifen verst&#228;rken. Man braucht das Zusammentreffen von hoher Vernetzungsdichte, gro&#223;er Spontanaktivit&#228;t und kreisenden Erregungen. Die Vernetzungsdichte ist schon lange hoch, aber durch das Social Web hat die Menge der aktiven Mitspieler im Internet eine kritische Gr&#246;&#223;enordnung erreicht und durch Formen positiver R&#252;ckkoppelung à la Re-Tweet bei Twitter ist zur Dynamik der Netzwerke noch einmal ein Turbolader zugeschaltet worden. Das Internet ist inzwischen <strong>eine st&#228;ndige Aufforderung an den ber&#252;hmten Schmetterling der Chaostheorie</strong>, wieder einmal mit seinem Fl&#252;gelschlag das Wetter zu beeinflussen: kleine Ursache – gro&#223;e Wirkung.</p>
<p><em>Menschen wittern also die Chance, Geh&#246;r zu finden oder gar die Welt zu ver&#228;ndern?</em></p>
<p>Kruse: Denken Sie beispielsweise an die Online-Petition gegen das „Zugangserschwerungsgesetz“, die Franziska Heine eher nebenbei ins Netz stellte und die dann v&#246;llig &#252;berraschend binnen k&#252;rzester Zeit fast 150.000 Unterst&#252;tzer in Deutschland mobilisierte. Was f&#252;r ein Gef&#252;hl, als „normaler B&#252;rger“ unvermittelt ins Rad der Geschichte zu greifen. Das ist vielleicht noch am ehesten mit einem Lottogewinn vergleichbar. Nicht jeder Tippschein gewinnt, aber wer die richtige Kombination trifft, &#252;ber den sch&#252;ttet sich das F&#252;llhorn aus. Treffen sie mit einer Aktivit&#228;t im Internet ins Herz der Zeit, dann kennt die Wirkung einfach keine Grenzen mehr. Da kann es schon mal passieren, dass die private Rache eines entt&#228;uschten Fluggastes die Aktie einer Fluggesellschaft um 10% einbrechen l&#228;sst. So geschehen bei United Airlines im letzten Jahr. Die dreitausend Euro teure Gitarre des S&#228;ngers Dave Carrol fiel ruppigen Packern auf dem Flughafen zum Opfer. United Airlines verweigerte eine Wiedergutmachung. Der S&#228;nger komponierte daraufhin ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5YGc4zOqozo">Schm&#228;hlied</a>, das inzwischen &#252;ber 8 Millionen Mal auf YouTube angesehen wurde. Der Firmenwert von United Airlines schrumpfte um ca. 180 Millionen Dollar – Bingo!</p>
<p><em>Ist das Internet eine Art K&#246;nigsmacher?</em></p>
<p>Kruse (lacht): Ja, nur viel kreativer und deutlich authentischer als „Deutschland sucht den Superstar“. Erst habe ich zwei Follower, dann 20, dann 2000. Die drei Top-Twitterer haben zusammen bereits mehr Follower als &#214;sterreich Einwohner. Man kann nicht nur Spuren hinterlassen, sondern man kann aus der Nische, aus dem „Long Tail“ heraus, Wirkung in der Realit&#228;t erzeugen. Das ist nat&#252;rlich reizvoll. Fr&#252;her brauchte man daf&#252;r die Massenmedien mit ihren Distributionsapparaten und zumeist wurde dort nur der Mainstream verst&#228;rkt. Pl&#246;tzlich gibt es ein Werkzeug, &#252;ber das jede Nische in die Mitte der Gesellschaft vordringen kann. Das bringt auch Politiker zunehmend ins Gr&#252;beln.</p>
<p><em>Sie sagen, die Menschen wollen Spuren hinterlassen. Doch ist es genau dieser Charme des Systems, der derzeit f&#252;r heftige Kritik und Angst sorgt.</em></p>
<p>Kruse: Ja, viele w&#252;nschen sich, Spuren zu hinterlassen, aber nat&#252;rlich ohne jedes Risiko. Das ist nicht logisch, aber psycho-logisch. Ich will alles, ich will alles und zwar sofort. Genuss ohne Reue. Wirkung ohne Nebenwirkung. Sch&#246;n w&#228;r’s. Das Netz verbindet die Fl&#252;chtigkeit des Gespr&#228;chs mit der Permanenz des Buches. Im Netz ist die Aussage „was k&#252;mmert mich mein Geschw&#228;tz von gestern“ kein guter Rat. Die R&#252;ckverfolgung meiner Spuren ist nur begrenzt durch den zur Verf&#252;gung gestellten Speicherplatz.</p>
<p>Die Lust Spuren zu hinterlassen unterliegt daher der gleichen Balance von Rendite und Risiko, wie die meisten anderen interessanten Lebensbereiche. Wenn ich m&#246;chte, dass das Netz von mir Notiz nimmt, dann ist der Preis der Transparenz kaum zu vermeiden. Man muss ja nicht alles ins Netz stellen und es auch nicht jedem zug&#228;nglich machen. Aber mit jeder Beschr&#228;nkung reduziert sich die potentielle Wirkungskraft &#8211; keine einfache Entscheidung.</p>
<p><em>Wie gehen Sie damit um? Was geben Sie im Netz preis?</em></p>
<p>Kruse: Meist nur etwas, hinter dem ich stehe und das mir auch wichtig ist. Ich bin beispielsweise ein eher sp&#228;rlicher Twitterer. Aber wenn ich twittere, dann will ich das auch genau so formuliert haben. Die Aussage „sitze gerade mit Gustav in Wien und trinke Kaffee“ geh&#246;rt bei mir eher nicht dazu. F&#252;r die Fangemeinde von Robby Williams w&#228;re eine solche Aussage ihres Stars vielleicht hinreichend bedeutungsvoll. F&#252;r meinen Kaffeekonsum interessiert sich kein Schwein. Damit muss ich wohl leben.</p>
<p>Ich habe vor den scheinbar so fl&#252;chtigen Interaktionen im Netz durchaus Ehrfurcht, weil sie gar nicht fl&#252;chtig sind, sondern Geschichten schreiben. Wenn ich ein Buch verfasse, gebe ich mir ja auch M&#252;he. Ich pers&#246;nlich finde es wenig sinnvoll, dieses Netz mit Informationen zu &#252;berfrachten, deren Wertigkeit gerade mal eine SMS rechtfertigt, da nur f&#252;r wenige Adressaten interessant. Das Soziale Netz ist ein schnelles Medium, ein wilder Strom von Real Time Informationen, aber deshalb nicht zwingend anspruchslos und trivial. Ich w&#252;rde ja auch nicht f&#252;r jeden Unsinn ins Auto steigen und Ressourcen verschwenden.</p>
<div id="attachment_24691" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/apfab/3740309790/"><img class="size-medium wp-image-24691" title="Chaos2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/chaos2-300x195.jpg" alt="Die ununterbrochen dahinstr&#246;mende Informationsflut des Real Time Web erzwingt eine radikale &#196;nderung der Strategie der Informationsverarbeitung. Foto: ApFab (cc by-nc-sa)" width="300" height="195" /></a><p class="wp-caption-text">Die ununterbrochen dahinstr&#246;mende Informationsflut des Real Time Web erzwingt eine radikale &#196;nderung der Strategie der Informationsverarbeitung. Foto: ApFab (cc by-nc-sa) - Generiert aus algorithmischen Bildsuche-Abfragen</p></div>
<p><em>Noch wirkt jedoch vieles trivial. Was muss passieren, dass die geforderte Qualit&#228;t ins Netz einzieht?</em></p>
<p>Kruse: Das ist sicherlich richtig und teilweise auch durchaus absichtsvoll. Aber das Gef&#252;hl der Oberfl&#228;chlichkeit ist nur Symptom f&#252;r eine tiefer liegende Problematik. &#220;ber Hyperlinks k&#246;nnen sich Informationen im Internet radikal aus ihrem Kontext l&#246;sen. Und Information ohne Kontext sind sehr schwer nachzuvollziehen. Manchmal wird dann f&#252;r den Empf&#228;nger v&#246;llig bedeutungslos, was f&#252;r den Absender noch sehr wertvoll und aussagekr&#228;ftig erschien.</p>
<p>Ganz gemein wird es, wenn man versucht, auf der Basis von 140 Zeichen ironisch zu sein. Die Tatsache, dass es uns normalerweise gut gelingt, eine Ironie von einer Faktenaussage zu unterscheiden, setzt die Teilhabe an einem gemeinsamen inhaltlichen oder kulturellen Hintergrund voraus. Ohne Unterton und Kontext bleibt beispielsweise die Aussage „Dieter Bohlen ist einer der gr&#246;&#223;ten deutschen K&#252;nstler“ ein eindeutiges Loblied. Das Ganze wird besonders bedenklich, wenn sich Menschen auf eine Fremdsprache einigen, ohne aus der zugeh&#246;rigen Erlebniswelt zu kommen. Dann reden zwar alle eine Sprache wie Englisch und erzeugen dennoch mehr Verwirrung als beim Turmbau zu Babel.</p>
<p><em>Ist „social tagging“ daf&#252;r eine Hilfe bzw. dagegen eine L&#246;sung?</em></p>
<p>Kruse: Man hatte einige Hoffnung, dass es &#252;ber „social tagging“ gelingt, das Bedeutungsproblem im Internet zu entsch&#228;rfen. Man dachte, dass auf diesem Weg eine Art empirische Ontologie entsteht. Aber die Menschen verwenden Sprache im Internet viel zu undiszipliniert. Ohne einen erl&#228;uternden Kontext ist man sich nie sicher, wie ein als „tag“ genutztes Wort gemeint ist. Was n&#252;tzt der „tag: Theater“, wenn der eine darunter die Seiten von Scheidungsanw&#228;lten verwaltet, weil er gerade „Theater“ in seiner Beziehung hat, und der andere das Schauspielprogramm in seiner Stadt verlinkt.</p>
<p>Das ist auch nach wie vor das gro&#223;e Defizit von Suchmaschinen. Man bekommt h&#228;ufig einfach nicht das, was man gesucht hat oder zumindest viel Unsinniges zus&#228;tzlich. Mir f&#228;llt dazu immer der Film „Nell“ mit Jodie Foster ein, in dem die Geschichte einer jungen Frau erz&#228;hlt wird, die mit einer aphasischen Mutter und einer Zwillingsschwester allein im Wald aufw&#228;chst und mit ihrer Schwester eine „Privat“-Sprache entwickelt hat, die nur die Beiden verstehen. Als die Schwester stirbt, bleibt sie mit „ihrer“ Sprache allein zur&#252;ck. Als sie auf andere Menschen trifft, wird sie f&#252;r geistig zur&#252;ckgeblieben gehalten. Erst im Laufe des Filmes, &#252;ber einen qu&#228;lenden Prozess der Kontext- und Bedeutungskl&#228;rung wird klar, dass sie emotional hoch differenziert und bei weitem nicht zur&#252;ckgeblieben ist.</p>
<p>Sprache verliert ihre Funktion ohne einen geteilten Kontext der Wortverwendung. Das hat schon Ludwig Wittgenstein sehr pessimistisch gemacht, was das gegenseitige Verstehen der Menschen angeht.</p>
<p>Dieses Semantik-Problem, ohne dessen L&#246;sung auch eine Bewertung von Information nur sehr rudiment&#228;r m&#246;glich ist, ist so etwas wie ein Geburtsfehler des Internet. Ohne automatisches Sprachverstehen bleibt das Netz wohl dauerhaft unter seinen M&#246;glichkeiten. Man kann halt nicht mit vielen hundert Millionen Menschen eine tragf&#228;hige gemeinsame Kultur aushandeln, die auch nur ann&#228;hernd die Differenziertheit hat, die uns im normalen Alltagsleben so selbstverst&#228;ndlich zur Verf&#252;gung steht. Kleinere Subnetzwerke k&#246;nnen das Bedeutungs- und damit das Bewertungsproblem &#252;ber Kontext kl&#228;rende Diskurse bew&#228;ltigen, das gro&#223;e Ganze schafft das nicht.</p>
<p><em>Und die Bewertung ist unerl&#228;sslich f&#252;r die Einordnung der Millionen an Infos – was ist relevant, was ist richtig. Haben Sie hier eine hilfreiche Strategie?</em></p>
<p>Kruse: Eigentlich bleibt nur das pers&#246;nliche Bem&#252;hen um ein m&#246;glichst breites Allgemeinwissen und um die F&#228;higkeit, sich in viele verschiedene Lebensperspektiven einf&#252;hlen zu k&#246;nnen. Netzwerkkompetenz steigt mit der F&#228;higkeit zu Querdenken und Empathie. Wir brauchen wieder st&#228;rker das Bem&#252;hen um ein Studium Generale – und das nicht, weil sich konservative Bildungsb&#252;rger in die Vergangenheit zur&#252;cksehnen, sondern weil die Leistungstr&#228;ger von Morgen darauf angewiesen sind, die Komplexit&#228;t des <em>Real Time Web</em> sinnvoll reduzieren zu k&#246;nnen. Im Netz ist derjenige besonders wertvoll, der Muster erkennt und Information sicher bewerten kann.</p>
<p><em>Menschen, die die vielen kleinen Info-Happen in ein gr&#246;&#223;eres Bild einordnen k&#246;nnen?</em></p>
<p>Kruse: Die ununterbrochen dahinstr&#246;mende Informationsflut des Real Time Web erzwingt eine radikale &#196;nderung der Strategie der Informationsverarbeitung. Die Psychologen nennen die alternative Strategie „frei schwebende Aufmerksamkeit“. Es geht nicht mehr darum, jedes Detail in der Lawine vorbei purzelnder einzelner Steinchen wahrzunehmen, sondern darum, die Steinchen schnell und sinnvoll in einen &#252;bergeordneten und wenn m&#246;glich sinnvollen Zusammenhang einzuf&#252;gen. Was fr&#252;her Dom&#228;ne der Redaktionen, Trendforscher und Berater war, wird immer mehr zur existenziellen Aufgabe von uns Allen. Die Informationen im Internet sind nicht mehr nur das Rohmaterial f&#252;r Experten, sondern eine permanente Herausforderung f&#252;r jeden Nutzer. Ob die vom Nutzer zusammengef&#252;gten Puzzles dann einen Mehrwert haben oder nicht, h&#228;ngt davon ab, wie gro&#223; dessen F&#228;higkeit ist, viele Informationen aufzunehmen und zu bewerten.</p>
<p>Neben Querdenken und Empathie wird es immer wichtiger, auch eine m&#246;glichst gro&#223;e Aufmerksamkeitsspanne zu trainieren. Wie lange k&#246;nnen Sie bei einer Sache bleiben, ohne Langeweile zu empfinden? Wie viele Informationen k&#246;nnen gleichzeitig auf Sie einstr&#246;men, ohne dass Sie aus &#220;berforderungsgef&#252;hl abschalten? Viele junge Menschen haben &#252;berhaupt kein Problem mit dem &#220;berforderungsgef&#252;hl durch parallele Informationsstr&#246;me, aber sie sind &#252;ber die schnelle Taktung von MTV &amp; Co. nicht mehr daran gew&#246;hnt, sich l&#228;ngere Zeit aufmerksam einer Sache zu widmen. Ihre Aufmerksamkeit wird in erster Linie &#252;ber den Orientierungsreflex gesteuert, den das Neue ausl&#246;st. F&#252;r qualitative Musterbildung ist das nicht genug. <strong>Was n&#252;tzt mir die F&#228;higkeit, entspannt zwischen vielen News-Tickern zu wechseln, wenn ich die Informationen nicht angemessen einordnen kann? </strong></p>
<p><em>Die interessanten Infos gilt es irgendwie aus dem permanenten Strom an Infos herauszufiltern. Bei der Informationsmenge im Internet kein leichtes Unterfangen, eher wie die Stecknadel im Heuhaufen finden.</em></p>
<p>Kruse: Es ist keine Sisyphus-Aufgabe, sondern eine Frage der Informationsverarbeitungsstrategie. Wenn sie die Informationen detailliert nachvollziehen wollen, wie beim Lesen eines Buches &#8211; detailsicher bei Kontext und Zitat &#8211; dann platzt ihnen irgendwann die Birne. Es gilt Unsch&#228;rfen zu akzeptieren.</p>
<p><em>N&#228;mlich wie?</em></p>
<p>Kruse: Schwimmen, nicht filtern. <strong>Dann sp&#252;rt man die Str&#246;mung, die Dynamik der Welt.</strong> Wenn jemand anf&#228;ngt zu twittern, frag ich mich immer: nutzt er Twitter als PR-Instrument, will er kontrollieren oder will er wirklich mitschwimmen, m&#246;chte er Teil dieser Dynamik werden? Es geht darum, angekoppelt zu sein, es geht um die Lust an der Unkalkulierbarkeit. Es ist eine Form zu leben, anstrengend aber anregend &#8211; eine Bereicherung. Wer „Herr oder Frau der Lage“ bleiben will, f&#252;r den ist das Internet inzwischen ein sehr unangenehmes Medium. Wer einen Ameisenhaufen aufr&#228;umen m&#246;chte, wird sich schnell &#252;berfordert f&#252;hlen. Wer aber beobachtet, welche Wege die Ameisen gehen und wie sie ihren Staat organisieren, f&#252;r den ist das ein faszinierendes Geschehen. Aber, wem es dennoch auf Dauer nicht gelingt, Muster zu erkennen, der l&#228;uft Gefahr einfach ins driften zu geraten. Das verbraucht nur viel Zeit und bringt nichts und ist noch am ehesten der unproduktiven Gedankenflucht in einem psychotischen Schub vergleichbar.</p>
<p><em>&#8230;dann h&#228;ngen Leute stundenlang im Netz ohne Ziel.</em></p>
<p>Kruse. Aber das ist nicht die Schuld des Netzes, die Netze machen nur das Angebot dazu. Die Psychose muss ich schon selbst in den Griff bekommen. Genie und Wahnsinn liegen mal wieder nah beieinander.</p>
<p><em>Ein weiterer Verantwortungsruck?</em></p>
<p>Kruse: Ja, &#252;ber die Netzwerke ger&#228;t der gesellschaftliche Status der Experten unter Druck und generell haben es alle „gatekeeper“ immer schwerer, ihre Autorit&#228;t zu wahren. Das Internet erzwingt einen ehrlichen Umgang mit Kompetenz. Das gilt nat&#252;rlich auch f&#252;r die Nutzer. Wer Macht &#252;bernimmt, &#252;bernimmt Verantwortung. Wir sind verantwortlich f&#252;r das, was wir ins Netz stellen und f&#252;r das, was wir aus dem Netz &#252;bernehmen. Deshalb noch mal: Die Verbesserung von Bildung ist gegenw&#228;rtig eine Aufgabe h&#246;chster Priorit&#228;t. Das Netz ist nur so klug wie sein mittlerer User.</p>
<p><em>Welche Auswirkungen werden das Netz und der „Machtwechsel“ auf die Demokratie haben? Sie sagten einmal „Wenn das Netz etwas will, setzt es sich durch“.</em></p>
<p>Kruse: Positiv l&#228;sst sich vermuten, dass es das Netz jedem Diktator schwer machen wird, seine Machtposition zu erhalten. Das Netz kann man nicht steuern und langfristig auch kaum gezielt manipulieren. Wer ohne resonanzf&#228;hig zu sein mit allen Mitteln seine Interessen durchsetzen m&#246;chte, hat im Netz letztlich keine Chance.<br />
<strong>Eigentlich ist das Internet die bislang radikalste Form der Demokratisierung der Gesellschaft.</strong> Die Angst der M&#228;chtigen vor dem Plebiszit ist durchaus gerechtfertigt &#8211; bezogen auf Status ohne Mehrwert und bezogen auf jedwede Form von „hidden agenda“. Was f&#252;r Experten generell gilt, wird besonders f&#252;r die Politik wichtig. In der Gegenwart der Netzwerke kann direktere Beteiligung an Entscheidungsfindungsprozessen kaum noch verwehrt werden. Die Demokratie wird ohne Zweifel direkter werden – mit oder ohne Unterst&#252;tzung der etablierten Parteien. Beim &#246;ffentlichen Agenda-Setting ist der Einfluss der Netze bereits Realit&#228;t, in der Parteipolitik wird noch gefremdelt.</p>
<p><em>Und was ist mit neuen Machtinstanzen wie Google? </em></p>
<p>Kruse: Firmen wie Google als neue Weltm&#228;chte auszurufen, ignoriert die Dynamik und Gr&#246;&#223;e der Netze. Selbst Google hat bislang nur geschafft, einen Bruchteil der Daten im Netz zu indizieren. Ob Google seine Position zuk&#252;nftig halten kann oder nicht, h&#228;ngt mehr von der Masse der User ab als von Google. Ich finde es pers&#246;nlich sehr irritierend, wenn man glaubt im Netz h&#228;tten Marken die gleiche stabilisierende Kraft wie au&#223;erhalb des Netzes. Es ist kein Zufall, dass die professionellen Akteure im Netz immer mehr versuchen, auch mit eigenen Produkten wie E-books oder Smartphones Teil der Offline-Wirtschaft zu werden.</p>
<p>Schauen sie sich mal die bekanntesten Internet-Firmen von vor f&#252;nf Jahren und von heute an: <strong>das Internet ist eine „untreue Tomate“.</strong> Wenn Google aus irgendeinem Grund seine Attraktivit&#228;t einb&#252;&#223;t, dann zieht die Karawane weiter. Die Idee, &#252;ber den Besitz von Daten oben zu bleiben, ist genauso wenig sicher, wie der Versuch, seine Position dauerhaft &#252;ber Userzahlen garantieren zu wollen. Die eigentliche W&#228;hrung im Netz ist nicht die Menge der Nutzer oder gespeicherter Informationen, sondern die Aufmerksamkeit durch Attraktivit&#228;t.</p>
<p><em>Sie sehen also im Web 2.0 noch keine Gefahren auf uns zukommen?</em></p>
<p>Kruse: Solange die kreative Zusammenfassung und Musterbildung an Menschen gekn&#252;pft ist und das automatische Sprachverstehen noch in den Kinderschuhen steckt, erstickt jeder „gro&#223;e Bruder“ am Problem der Semantik. Erst wenn Bedeutung automatisch erkannt werden kann, erreicht das Netz als System eine neue Qualit&#228;tsstufe und damit auch ein neues Gef&#228;hrdungspotential. Web 2.0 ist soweit noch ganz handhabbar. <strong>Das Missbrauchspotential eines semantischen Web 3.0 w&#252;rde mich da schon deutlich mehr ins Schwitzen bringen.</strong></p>
<p><em>Fr&#252;her war man Teil einer Seilschaft, heute hat man 350 Facebook-Freunde. Wie hat sich der Begriff „Netzwerk“ ver&#228;ndert?</em></p>
<p>Kruse: In Wirtschaft und Politik redet man h&#228;ufig von Beziehungsnetzwerken, bei denen die gegenseitige F&#246;rderung der beteiligten Partner im Vordergrund steht. Diese Netzwerke sind schon l&#228;nger auf dem absteigenden Ast. Nicht zuletzt weil die Menschen h&#228;ufig schneller ihre Positionen wechseln, als sich der Mehrwert einer Beziehung realisieren l&#228;sst. Diese pers&#246;nlichen Netzwerke ver&#228;ndern sich auch ohne Internet schon seit l&#228;ngerem in Richtung auf den Attraktivit&#228;tsfaktor Kompetenz.</p>
<p><em>Was macht den Unterschied?</em></p>
<p>Kruse: Im Kompetenznetzwerk fragt man nicht, wer vernetzt sich mit wem, sondern warum? Man verbindet sich mit interessanten F&#228;higkeiten und Inhalten – und das nur solange, wie die F&#228;higkeit oder der Inhalt attraktiv genug sind. Ist das Interesse erloschen, wird die Verbindung einfach gel&#246;st. Heute ist man ein zentraler Netzwerkknoten und schon kurze Zeit sp&#228;ter m&#246;glicherweise bereits nicht mehr wichtig. <strong>Kompetenznetzwerke sind brutal ehrlich.</strong> Die Halbwertszeit einer Ber&#252;hmtheit ist gering, wenn sie aufh&#246;rt sich zu entwickeln.</p>
<p><em>Hat irgendwie eine verletzende Komponente, finden Sie nicht?</em></p>
<p>Kruse: Ja, Kompetenznetze sind kalt aber auch sehr klar. Als Teilnehmer in Kompetenznetzwerken bin ich so gut wie nicht zu entt&#228;uschen. Wenn ich nichts anzubieten habe, das im Netz resonanzf&#228;hig ist, dann ist es kein Problem ignoriert zu werden. Es freut mich zwar, wenn andere das, was ich anbiete, wichtig genug finden, um es zu abbonieren, aber es ist nicht meine Basismotivation. Ich bringe Inhalte ins Netz, weil sie mir pers&#246;nlich wichtig sind. Ich zentriere mich auf die eigene Faszination, denn Authentizit&#228;t ist bereits f&#252;r sich genommen etwas Wertvolles. Bekomme ich dann partout keine Resonanz, dann beruhige ich meinen Narzismus im Zweifelsfall mit der &#220;berlegung, dass die Welt einfach noch nicht reif f&#252;r mich ist (lacht).</p>
<p><em>Wie k&#246;nnen sich denn Unternehmen auf diese Ver&#228;nderung vorbereiten, wie sieht das Angebot f&#252;r einen Nachfragemarkt aus?</em></p>
<p>Kruse: Was ich wirklich hasse ist der Begriff Web 2.0-Strategie. Weil das zwei ins sich widerspr&#252;chliche Begriffe sind &#8211; ein Oxymoron. Strategie ist laut Definition das planvolle Erreichen eines Ziels unter Kenntnis der Mittel und Wege. Das gibt es im Netz aber nicht. Wenn Firmen von Web 2.0-Strategie reden, dann versuchen sie ein dynamisches System mit statischen Mechanismen zu beherrschen. Auch hier wieder: Es bleibt nichts anderes, als ehrliche Botschaften zu versenden und aufrichtige Gespr&#228;chsangebote zu machen. <a href="http://leanderwattig.de">Leander Wattig</a>, ein einflussreicher Blogger in Deutschland, hat die einzig m&#246;gliche Erfolgsstrategie im Social Weg schlagend auf den Punkt gebracht: <a href="http://leanderwattig.de/index.php/2010/02/04/erfolgsfaktoren-im-social-web/">Bitte…Danke</a>.</p>
<div id="attachment_24695" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/kruse-wordle1.jpg"><img class="size-medium wp-image-24695 " title="kruse-wordle" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/03/kruse-wordle1-300x188.jpg" alt="Lassen Sie uns gemeinsam alles daf&#252;r tun, dass das Internet ohne jede Einschr&#228;nkung ein selbstverst&#228;ndliches Allgemeingut f&#252;r alle Menschen wird und bleibt. - Bild erstellt mit wordle.net" width="300" height="188" /></a><p class="wp-caption-text">Lassen Sie uns gemeinsam alles daf&#252;r tun, dass das Internet ohne jede Einschr&#228;nkung ein selbstverst&#228;ndliches Allgemeingut f&#252;r alle Menschen wird und bleibt. - Bild erstellt mit wordle.net</p></div>
<p><em>Was ist die wichtigste Voraussetzung f&#252;r Resonanzf&#228;higkeit?</em></p>
<p>Kruse: Empathie. Versuchen Sie einfach so intensiv wie m&#246;glich in die Kulturen einzutauchen. Gute Unternehmer haben das immer schon gekonnt. Sie haben ein Gef&#252;hl daf&#252;r entwickelt, wohin sich die M&#228;rkte entwickeln und dann ihre jeweilige Wette platziert. Professionelles Unternehmertum lebt von der F&#228;higkeit sensibler Wahrnehmung und erst danach von der F&#228;higkeit zielstrebiger Umsetzung. F&#252;r Management ist es genau anders herum.</p>
<p><em>Brauche ich f&#252;r diese „unternehmerische Wahrnehmung“ zwingend das Netz? Gute Unternehmer gab es ja schon immer, auch lange vor dem Web.</em></p>
<p>Kruse: Nat&#252;rlich weisen einem auch die klassischen Medien den Weg. Aber ich hatte noch nie so sehr das Gef&#252;hl, an Zeitstr&#246;mungen angekoppelt zu sein wie durch das Internet. Viele Nachrichten hole ich mir nach wie vor aus den „alten“ Medien. Ich bin immer noch passionierter Zeitungsleser. <strong>Aber die Str&#246;mungen der Zeit kann ich nirgends so fr&#252;h und so umfassend erleben wie im Netz.</strong> Oft komme ich mir vor, wie ein gro&#223;er Bartenwal, der durch planktonreiche Gew&#228;sser schwimmt und von morgens bis abends Nahrhaftes herausfiltert. Obwohl man sich daf&#252;r st&#228;ndig bewegen muss, bleibt gen&#252;gend &#252;brig, um sich eine Speckschwarte zuzulegen.</p>
<p>Ich will in erster Linie selbst verstehen &#8211; selbst die Muster erkennen. Manchmal vergesse ich dann fast meine Erkenntnisse zur Diskussion zu stellen. Das Verstehen von Zusammenh&#228;ngen ist eines der wertvollsten Dinge f&#252;r mich. Da hat man manchmal das Gef&#252;hl, f&#252;r einen kurzen Moment vom Weltgeist gek&#252;sst zu werden. Wenn man sich beispielsweise Zw&#246;lftonmusik anh&#246;rt, ist der Kopf zuerst auch ziemlich &#252;berfordert und die T&#246;ne scheinen nicht zusammen zu passen. Dann irgendwann, wenn man sich lange genug der Frustration aussetzt, erkennt das Gehirn die Muster und die Sch&#246;nheit der Musik entfaltet sich. Das hat schon etwas Erhabenes und ist ein Wert in sich.</p>
<p><em>Haben Sie eine Vorstellung davon, wie ein Gesch&#228;ftsmodell aussehen k&#246;nnte, das die Kreativit&#228;t n&#228;hrt, die das Netz speist? Und was w&#228;re, wenn irgendwann niemand mehr einfach umsonst mitmacht, weil sich keiner mehr die Gratisbeitr&#228;ge leisten kann oder will?</em></p>
<p>Kruse: Solange die Leute Reputation im Netz noch als W&#228;hrung begreifen, wird das nicht passieren. Auch in den „emerging markets“ existiert sicher noch genug gebefreudiges Kreativpotenzial, um das Web noch eine ganze Zeit umsonst zu befeuern. Aber die Frage nach lebensf&#228;higen Gesch&#228;ftsmodellen wird mit dem Social Web immer dr&#228;ngender. <a href="http://carta.info/24218/mehr-werbung-wagen-medien-internet/">Werbeeinnahmen</a> sind da ebenso wenig eine L&#246;sung wie Datenverkauf, solange es sich nicht um Bankdaten aus der Schweiz handelt. Die stehen nat&#252;rlich krisensicher hoch im Kurs.</p>
<p><em>Was halten Sie von den aktuellen Paid Content-Ideen?</em></p>
<p>Kruse: Jede Restriktion im Zugang ist eigentlich unangemessen f&#252;r das Netz. Wie wertvoll m&#252;ssen Inhalte sein und immer wieder werden, um auf Dauer den alten Warencharakter der Information wieder zu beleben. Ich denke das Netz wird mit den Paid-Content-Anbietern Hase und Igel spielen. Die Nutzer versuchen die Barrieren zu umgehen und die Anbieter versuchen sie immer weiter zu erh&#246;hen. Es reicht schon einfaches statistisches Denken, um zu sch&#228;tzen, wer da die Nase vorn haben wird. Eher w&#252;rde mir eine W&#228;hrung gefallen, die auf einer Art emotionaler Belohungspunkte basiert. Immer, wenn ein Beitrag auf Resonanz st&#246;&#223;t, gehen minimale Betr&#228;ge auf das Konto des Anbieters. Denkbar w&#228;re vielleicht so etwas wie eine generelle Flatrate pro Person, die sich automatisch &#252;ber das Verhalten im Netz auf die besuchten Inhalte verteilt.</p>
<p><em>Das w&#252;rde auch die Qualit&#228;t sichern – nur das Beste w&#252;rde angeklickt und bezahlt.</em></p>
<p>Kruse: Na ja, nicht unbedingt das Beste, aber definitionsgem&#228;&#223; das Resonanzf&#228;higste, das was die Leute dazu verlockt hat, Aufmerksamkeit zu schenken. Von mir aus k&#246;nnen das auch Trivialit&#228;ten sein.</p>
<p><em>W&#252;rden Sie in ein solches Modell j&#228;hrlich 1000 Euro einzahlen?</em></p>
<p>Kruse: Ich w&#252;rde mit meinem Beitrag auch noch deutlich h&#246;her gehen. Noch nie in meinem Leben habe ich im Verh&#228;ltnis zum Aufwand so viel f&#252;r so wenig bekommen wie im Internet. Das Web ist ein Kulturraum, dessen Wert man kaum &#252;bersch&#228;tzen kann. Ich denke es k&#228;me einer harten Bestrafung gleich, wenn man vom Zugang abgeschnitten wird. Lassen Sie uns gemeinsam alles daf&#252;r tun, dass das Internet ohne jede Einschr&#228;nkung ein selbstverst&#228;ndliches Allgemeingut f&#252;r alle Menschen wird und bleibt. Das Internet ist noch jung und f&#252;r viele positive &#220;berraschungen gut.</p>
<p><em>Doris Ra&#223;hofer ist stellvertretende Chefredakteurin des Monatsmagazins &#8220;Bestseller&#8221; vom &#246;sterreichischen Horizont. Eine Kurzversion des Interviews ist bereits im aktuellen <a href="http://www.horizont.at/index.php?eID=tx_nawsecuredl&amp;u=0&amp;file=uploads/media/56-59_Kruse.pdf&amp;t=1269433647&amp;hash=4757ce0a71622241a038b8b134de080f">Bestseller Austria</a> (PDF) erschienen.</em></p>
<p><em>Passend dazu eine kurze Anleitung zum Umgang mit dem Informationsfluss von Martin Weigert bei <a href="http://netzwertig.com/2010/03/22/informationsbezug-im-web-die-unendlichkeit-des-streams/">netzwertig.com</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/24656/schwimmen-nicht-filtern-peter-kruse-im-interview/">&#8220;Schwimmen, nicht filtern&#8221;: Peter Kruse im Interview</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/24656/schwimmen-nicht-filtern-peter-kruse-im-interview/#comments">33 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=24656&amp;md5=1f0ebf4bc3da3b20508bfcddfcd3449d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Netz denkt nicht</title>
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		<comments>http://carta.info/24238/das-netz-denkt-nicht-stefan-muenker/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Münker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>

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		<description><![CDATA[Was das Medium kann, brauchen wir nicht mehr zu machen? Ein Kommentar zur Schirrmacher-Debatte um die Herrschaft der Algorithmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4e51a3b98f3b4669af340ee9d65c5b18" alt="" width="1" height="1" /><em>Der folgende Beitrag erscheint im Kontext der Veranstaltung &#8220;<a href="../../23817/carta-streamt-leben-im-schwarm-wie-das-internet-uns-veraendert/">Leben im Schwarm &#8211; Wie das Internet uns ver&#228;ndert</a>&#8220;. Siehe auch Beitrag von Gundolf S. Freyermuth: &#8220;</em><a href="http://carta.info/24225/trojanischer-transfer-schirrmacher/">Der Trojanische Transfer</a>&#8220;.</p>
<p>Frank Schirrmacher f&#252;rchtet, das Netz nimmt uns erst das Denken und dann die Macht ab: „Wir werden das selbstst&#228;ndige Denken verlernen“, prophezeit er in seinem Bestseller <em>Payback</em>, „[u]nd wir werden uns in fast allen Bereichen der autorit&#228;ren Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“ Der Grund, so Schirrmacher, ist die schiere Menge der im Netz verf&#252;gbaren Daten, die unsere Aufmerksamkeitsressourcen heillos &#252;berfordern – weswegen wir uns auf die Softwareagenten und digitalen Roboter der Ordnungsprogramme des Internets verlassen m&#252;ssen. Damit aber erleben wir eine Externalisierung des Denkens, dass sich fortan au&#223;erhalb unseres Gehirns als algorithmengesteuerter Prozess in der Cloud abspielt.</p>
<p>Die Angst vor neuen Medien, die <em>Payback</em> sch&#252;rt, ist so alt wie Medien <a href="http://www.slate.com/id/2244198/pagenum/all">selbst</a>. Viele Szenarien der Ersetzung und Unterwerfung durch Medien folgen seit Platons Schriftkritik in Variationen der gleichen, schlichten Logik: <strong>Was das Medium kann, brauchen wir nicht mehr zu machen</strong>; wenn wir’s aber lassen, verlieren wir alsbald die F&#228;higkeit, es &#252;berhaupt noch zu tun – sind dem Medium dann aber am Ende hilflos ausgeliefert.</p>
<p>Das Spezifische an Schirrmachers <em>Paypack</em>-Version dieses Arguments ist die Tatsache, dass es nicht um einzelne menschliche F&#228;higkeiten geht, die an entsprechende Medien delegiert werden (wie das Erinnern bei Platon), sondern um das Denken an sich – das hei&#223;t diejenige Eigenschaft, die vor allen anderen unsere spezifische Differenz zu anderen (biologischen oder technischen) Spezies darstellt. Deswegen die Dramatik seiner Geschichte: Es geht nicht darum, ob wir morgen noch schreiben werden oder uns Geschichten erz&#228;hlen k&#246;nnen – <strong>es geht darum, ob wir als denkende Wesen morgen noch existieren</strong>.</p>
<p>Mit dem Denken und den Medien indes ist es eine schwierige Angelegenheit. Es ist eine Sache, darauf hinzuweisen, dass Medien unser Denken beeinflussen – und es ist eine ganz andere Sache, zu behaupten, dass Medien uns das Denken abnehmen. Jener Hinweis ist, nach einigen Umwegen und gegen manche Widerst&#228;nde, mittlerweile nicht nur unter Medienwissenschaftlern Common Sense. Die Rede von denkenden Maschinen hingegen bleibt, wenngleich nicht ungew&#246;hnlich, so doch weithin umstritten. Und das mit guten Gr&#252;nden.</p>
<p>Einer davon geht so: Wir investieren zwar viel Geld in die Erforschung der Vorg&#228;nge in unserem Hirn – wie genau das funktioniert, was wir „Denken“ nennen, k&#246;nnen uns gleichwohl bislang weder Neurowissenschaftler noch Philosophen erkl&#228;ren. Demgegen&#252;ber wissen wir sehr genau, was geschieht, wenn <strong>Computer</strong> arbeiten: <strong>Sie exekutieren Befehle</strong>. Digitale Maschinen prozessieren Zeichenfolgen nach strikten Regeln, niedergelegt in den Codes der Programme, die wir ihnen schreiben.</p>
<p>So ausgereift die Software des Netzes und so komplex ihre Algorithmen auch sein m&#246;gen – sie verketten lediglich bin&#228;re Differenzen, denen ohne uns der Status signifikanter Informationen, und das hei&#223;t: irgendeine Form von Sinn erst gar nicht zukommt. So viele Daten die Cloud auch enthalten mag – Bedeutung erhalten sie erst und nur, wenn User mit ihnen interagieren. Erst durch solche Interaktionen <em>werden</em> Daten zu Informationen – was, nebenbei, die philosophische <strong>Erbs&#252;nde der Informatik</strong> benennt, der wir schlie&#223;lich die g&#228;nzlich irref&#252;hrende Beschreibung von Computern als informationsverarbeitenden Maschinen verdanken.</p>
<p>Das <a href="http://carta.info/22720/christian-stoecker-die-vorteile-eines-freien-netzes-ueberwiegen-seine-nachteile/">Netz denkt nicht</a>, das m&#252;ssen wir weiterhin selber tun. Auch wenn’s Manchem schwerf&#228;llt. Umgekehrt gilt: Wer denken nennt, was Computer tun – und, wie Schirrmacher, auch noch ausdr&#252;cklich darauf hinweist, dass er das nicht metaphorisch meint –, der sagt damit weniger &#252;ber Computer als &#252;ber sein Menschenbild. <strong>Er muss n&#228;mlich den Begriff des Denkens reduktionistisch verk&#252;rzen</strong> – und nach Manier der Biotechnokraten die Vorg&#228;nge im Gehirn von vornherein als maschinell beschreiben. (Bei Schirrmacher steht konsequenterweise auch gleich zu Beginn des Buchs Marvin Minsky Pate mit seiner These: „Das Hirn ist nichts anderes als eine Fleisch-Maschine“.)</p>
<p>Wenn man die kategoriale Unterscheidung zwischen menschlichem Denken und Handeln einerseits und den maschinellen Abl&#228;ufen andererseits aufrecht erh&#228;lt, verliert das Szenario Schirrmachers einiges an Schrecken. Der sachliche Kern der Argumentation allerdings bleibt davon unber&#252;hrt. Denn es ist ja richtig: Wir finden im Netz nur, was sich in den digitalen Code der Computer &#252;bersetzen l&#228;sst. Ein Befund, nebenbei, den Jean-François Lyotard bereits 1979 in seinem Bericht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-François_Lyotard#Das_postmoderne_Wissen"><em>Das postmoderne Wissen</em></a> formuliert hat.</p>
<p>Zugleich gilt: Die Daten im Netz werden durch Programme organisiert, nicht durch Menschen. Und die Algorithmen von Suchmaschinen à la Google sind wirkungsm&#228;chtige Steuerungsmechanismen, die unserem Denken nicht selten die Richtung weisen – etwa bei journalistischen oder wissenschaftlichen Recherchen. Das machen die <strong>klassischen Klassifikationsysteme</strong> traditioneller Bibliotheken allerdings auch – wir f&#228;nden kein Buch ohne sie, und finden zugleich nur die B&#252;cher, welche die gew&#228;hlte Ordnung etwa eines Schlagwortkatalogs uns finden l&#228;sst; und was nicht zwischen zwei Buchdeckel passt, finden wir dort gar nicht. Laien bleiben die Regeln der Katalogisierung dabei meist ebenso unverst&#228;ndlich, wie die Algorithmen der Suchmaschinen.</p>
<p>Dennoch bleibt es richtig, wenn Schirrmacher schreibt: „Google ist nicht nur eine Such- sondern auch eine Machtmaschine.“ Es ist im Grunde sogar viel schlimmer: Nicht erst die komplexen Algorithmen der avancierteren Programme, sondern bereits die recht <strong>simplen Codes </strong>elementarer Protokolle des Internets sind m&#228;chtige und wirkungsvolle Instrumente der Kanalisierung und <strong>Regulierung der Datenstr&#246;me</strong> – und damit auch unserer Interaktionen mit ihnen. Alexander Galloway hat in seinem klugen Buch <a href="http://mitpress.mit.edu/catalog/item/ default.asp?ttype =2&amp;tid =10069"><em>Protocol. How Control exists after Decentralization</em></a> gezeigt, wie Programme wie TCP/IP oder HTML, die den Datenverkehr im Netz, wie wir ihn kennen, &#252;berhaupt erst erm&#246;glichen, denselben zugleich begrenzen und lenken – weswegen, so Galloways Kernthese, das Internet ein zwar dezentrales, aber gleichzeitig hochgradig kontrolliertes Medium ist.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat das Konsequenzen. Medien machen etwas mit uns, w&#228;hrend wir etwas mit ihnen machen Und es ist wichtig, sich die Funktionsweise der Medien, die man nutzt, genau anzusehen, will man verstehen, was sie machen. Der Ruf nach Transparenz der Mechanismen und <strong>Offenlegung der Codes</strong> ist eine berechtigte, aufkl&#228;rerische Forderung. Open Source Programme sind demokratischer als propriet&#228;re Software. Doch bedrohen Googles Algorithmen, so undurchschaubar sie sein m&#246;gen, tats&#228;chlich die Autonomie der Nutzer? Ist, wie Schirrmacher und andere unterstellen, gar unsere Individualit&#228;t in Gefahr? – Wohl kaum. Zumindest nicht mehr (wenn auch anders), als zuvor.</p>
<p>Sp&#228;testens seit Freud wissen wir, dass wir nicht Herr im eigenen Hause sind. Und dass der Grund daf&#252;r nicht nur Trieb und Libido hei&#223;t und im Un- oder Unterbewusstsein zu suchen ist, wissen wir mittlerweile auch. Denken Sie nur an die neueren Befunde der Neurowissenschaften zur Frage der Willensfreiheit, die Schirrmacher so gerne zitiert! Oder gehen Sie noch einen Schritt zur&#252;ck und erinnern sich an die Einsicht in die Eingebundenheit unserer Denkens in die vorg&#228;ngigen Strukturen der Sprache, die im franz&#246;sischen Poststrukturalismus der 60er Jahre zur These f&#252;hrte: <strong>Nicht der Mensch, die Sprache spricht!</strong></p>
<p>Das Konzept des voraussetzungs- und bedingungslos individuell agierenden und denkenden Einzelnen ist im vergangenen Jahrhundert von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Gr&#252;nden immer wieder neu als Mythos entlarvt worden. Wenn nun durch die Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Software des Netzes unser Denken und Handeln mit neuen Bedingungen konfrontiert wird, an die es sich adaptieren muss, so kann man darin durchaus eine weitere jener <strong>narzisstischen Kr&#228;nkungen</strong> sehen, welche den neuzeitlichen Menschen immer wieder in seine Schranken weisen. Eine Gefahr f&#252;r unsere individuelle Freiheit und Autonomie aber kann nur der darin sehen, der Freiheit mit Bedingungslosigkeit und Autonomie mit Willk&#252;r verwechselt.</p>
<p>Vielleicht aber sieht ja, wer die Gefahr beschw&#246;rt, in Wahrheit weiter. Die unterstellte &#220;berlastung der intellektuellen Kapazit&#228;ten von Netznutzern wie auch das beschworene Szenario ihrer drohenden Unterwerfung unter die Macht der digitalen Programme mag nur ein Aspekt jener allgemeineren <strong>&#220;berforderungsrhetorik</strong> sein, die behauptet, dass wir mit der technischen Entwicklung einfach nicht Schritt halten k&#246;nnen. Wir kennen diese Rhetorik aus der Geschichte der pessimistischen Kulturtheorien von G&#252;nter Anders oder Neil Postman.</p>
<p>Bei Schirrmacher mischt sich die fast hysterische Prophetie des anstehenden Untergangs interessanterweise mit seinem jahrelangen, dankenswerten Bem&#252;hen, die aktuellen wissenschaftlichen und technischen Diskurse aus den USA bei uns heimisch zu machen. Die FAZ und ihr Herausgeber sind hier fraglos kompetent. Und was w&#228;re, wenn die &#220;berforderungsrhetorik nur inszeniert w&#228;re – und hinter ihr der Versuch einer Selbsterm&#228;chtigung als Deutungs- und Orientierungsinstanz steckte? Nach dem Motto: Wenn alle &#252;berfordert sind, sind wir m&#246;glicherweise gerade die Richtigen, den <strong>anderen zu sagen, wie’s jenseits der Gefahr weitergeht</strong>. Das w&#228;re – reine Spekulation &#8230;
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		<title>Trojanischer Transfer</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gundolf S. Freyermuth</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die "Payback"-Debatte in der R&#252;ckschau: Frank Schirrmachers Rolle im digitalen Kulturkampf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cf3e171aa3f94aa39fd4d2e2ee872ff9" alt="" width="1" height="1" />Der folgende Beitrag erscheint im Kontext der Veranstaltung &#8220;<a href="http://carta.info/23817/carta-streamt-leben-im-schwarm-wie-das-internet-uns-veraendert/">Leben im Schwarm &#8211; Wie das Internet uns ver&#228;ndert</a>&#8220;. Ebenfalls zu diesem Aufmacher geh&#246;rt der Text von Stefan M&#252;nker &#8220;<a href="http://carta.info/24238/das-netz-denkt-nicht-stefan-muenker/">Das Netz denkt nicht</a>&#8220;.<br />
</em></p>
<p>Eigentlich k&#246;nnen wir uns gl&#252;cklich sch&#228;tzen. Wir erleben mit der Digitalisierung den dritten Entwicklungsschub der Neuzeit. Uns bietet sich &#8211; wie nur wenigen Generationen &#8211; die Gelegenheit, entscheidende Weichen zu stellen und wichtige Anf&#228;nge aktiv mit zu gestalten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch hat sich in dieser Zeit des Aufbruchs eine befremdliche Arbeitsteilung zwischen alter und neuer Welt herausgebildet: Aus den USA kommen die Innovationen – verbl&#252;ffende Ideen, neue Hard- und Software, Firmen, die sie erfolgreich vermarkten. Europa und vor allem <strong>Deutschland</strong> hingegen liefern <strong>warnende Beipackzettel</strong> – bedenkliche Hinweise auf m&#246;gliche Gefahren und Nebenwirkungen. Die vergangenen Wochen, die ersten der Zehnerjahre des neuen Jahrhunderts, machten in dieser Hinsicht keine Ausnahme:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Apple pr&#228;sentierte in San Francisco das iPad und mit ihm unter anderem eine Hoffnung, die Krise der Printmedien zu &#252;berwinden. In Deutschland hingegen tobte off- wie online die Debatte um einen Bestseller, dessen Grundthesen schlicht besagen: <strong>Die Digitalisierung ist erstens unmenschlich und zweitens bedroht sie unsere Freiheit.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">„Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle &#252;ber unser Denken zur&#252;ckgewinnen“ – dieser Untertitel, den Frank Schirrmacher seinem Buch gab, summiert das Programm. „Payback“ kombiniert <strong>kulturpessimistischen Alarmismus mit Anleitung zur Selbsthilfe</strong> gegen behauptete Gefahren. Gleich der erste Satz ist eine so klug kalkulierte Bankrotterkl&#228;rung, dass ihr ein Platz in der Geschichte des Sachbuchs sicher ist: „Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Mit diesem und so manch anderen teils intimen, teils koketten Gest&#228;ndnissen vereinnahmt der Autor sein avisiertes Publikum, die breite Schicht eher gebildeter und eher &#228;lterer „digital immigrants“. Ihnen, so darf man aus dem Verkaufserfolg schlie&#223;en, graust es vor den sozialen und kulturellen Konsequenzen der Digitalisierung umso mehr, als sie sich ihnen bislang noch recht weitgehend entzogen haben, dies aber immer weniger k&#246;nnen. Im Verein mit einem konzertierten Medienmarketing – vom Vorabdruck im <em>Spiegel</em> &#252;ber TV-Auftritte bis zu prominenten Rezensionen der Feuilletonkollegen – ging Schirrmachers Kalk&#252;l auf. Wieder einmal initiierte der Mitherausgeber der <em>FAZ</em> erfolgreich eine nationale Debatte. Sie verlief bislang in zwei ebenso interessanten wie aufschlussreichen Phasen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Den Ausgangspunkt bildete die Behauptung einer grunds&#228;tzlichen <strong>Unmenschlichkeit digitaler Kultur</strong>: Wie einst die Taylorisierung die K&#246;rper der Menschen zur Anpassung an die Erfordernisse industrieller Maschinen gezwungen habe, so presse nun eine „digitale Taylorisierung“ unser Denken ins Computer-Joch. „Die Kopfschmerzen, die wir empfinden, die Blackouts, unter denen wir leiden, die Nervosit&#228;t, die uns umgibt, sind Ergebnisse eines epochalen Selbstversuchs, das menschliche Hirn an die Maschinen anzupassen.“ Doch noch Schlimmeres warte auf uns: „Die Informationsexplosion steht unmittelbar vor ihrer n&#228;chsten Z&#252;ndung.“ Und sie, so Schirrmacher, „wird unser Ged&#228;chtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen F&#228;higkeiten ver&#228;ndern, unser Gehirn physisch ver&#228;ndern, vergleichbar nur den Muskel- und K&#246;rperver&#228;nderungen der Menschen im Zeitalter der industriellen Revolution.”</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">An dieser Grundthese ist vielf&#228;ltige Kritik ge&#252;bt worden. Das Spektrum reicht von eher pauschalen Verurteilungen – „Was wir daraus lernen k&#246;nnen, reicht nicht an ein ‚Computer f&#252;r Dummies’ heran“ (<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2147775_Frank-Schirrmachers-Payback-Der-Steampunker-im-Computerzeitalter.html">Christian Schl&#252;ter</a> in der <em>Frankfurter Rundschau</em>) – &#252;ber Erkl&#228;rungen, die Schirrmachers Bef&#252;rchtungen psychologisierend entweder als Theoretisierung eigener Probleme verstehen (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,663296,00.html">Christian St&#246;cker</a> bei <em>Spiegel Online</em>) oder als „Begleitbuch zu den aktuellen &#196;ngsten“ (<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/509/494841/text/">Andrian Kreye</a> in der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>) bis hin zu medienhistorischen Reflexionen, die zu Recht auf die ebenso lange wie irrige Tradition apokalyptischer Schwarzmalerei bei Aufkommen radikal neuer Technologien und Medien verweisen (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31640/1.html">Rudolf Maresch </a>im Online-Magazin <em>Telepolis</em>).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diese Kritikpunkte – intellektuelle Oberfl&#228;chlichkeit, Hypostasierung subjektiver Befindlichkeiten, Spekulation auf die &#196;ngste des Publikum, Gegenwartsverfallenheit bzw. Mangel an historischem Horizont – treffen zweifellos zu. Doch &#252;bersehen wird in der Debatte fast ausnahmslos, dass <strong>Schirrmachers Analyse die aktuellen Geschehnisse ziemlich exakt charakterisiert</strong>. Walter Benjamin hat beschrieben, wie radikal der Prozess der Industrialisierung – das Leben in der Gro&#223;stadt, die Durchsetzung der neuen Medien Fotografie und Film – menschliche Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen ver&#228;nderte. Eine historisch neue Kultur entstand &#8211; die industrielle &#8211; und mit ihr ein neuer Typus, der industrielle Mensch. Gepr&#228;gt von der Erfahrung der tayloristischen Zerlegung von Arbeitsabl&#228;ufen unterschied er sich mental nachhaltig vom agrarisch-handwerklichen Typus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Vergleichbares erleben wir nun mit der rasanten Invasion von &#8220;digitaler&#8221; Hard- und Software sowie Breitbandvernetzung in den Alltag. Ein wiederum neuer Typus entsteht, der digitale Mensch. Es stimmt also, dass sich „durch die Computerisierung des Lebens sanft und unwiderstehlich unser eigenes Menschenbild zu ver&#228;ndern beginnt“. <strong>Der &#8220;Umbau des Denk- und Erinnerungsapparats&#8221;, den Schirrmacher so f&#252;rchtet, vollzieht sich tats&#228;chlich</strong>. Die Menschheit ver&#228;ndert sich nachhaltiger als einst im Prozess der Industrialisierung – nur dass das eben nicht zu f&#252;rchten ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch auch solche Furcht ist kulturhistorisch vertraut. Mit neuen Technologien pflegen neue Berufe zu entstehen und neue Schichten aufzusteigen. Dergleichen Wandel hat noch immer bei denen, die bis dahin dominierten, berechtigte wie unberechtigte Verlust&#228;ngste geweckt. Verhaltens- und Denkweisen, Werte und Gesetze, Kunst und Kommunikation wandeln sich. Aber es ist nicht die Welt, die untergeht, sondern stets nur eine bestimmte Welt – einst die vorindustrielle, nun die industrielle. Bei den Privilegierten der alten Kultur weckt das Wehmut. Viele andere erfahren den Wandel als Befreiung von &#252;berkommenen Zw&#228;ngen. Die Industrialisierung zerst&#246;rte Traditionen und gewohnte Freir&#228;ume. Aber sie bot gleichzeitig neue Freiheiten – politische, soziale, kulturelle –, wie sie die Menschheit zuvor nicht kannte. F&#252;r die Digitalisierung gilt dasselbe.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die zweite Phase der „Payback“-Debatte betraf denn auch genau diese Frage – die Grundthese Schirrmachers, dass <strong>die Digitalisierung unsere Freiheit bedrohe</strong>. Ausl&#246;ser war ein <a href="http://carta.info/22535/schirrmacher-kluge-algorithmen-geben-niemals-auf/">Videointerview</a>, das Alexander Kluge Ende Januar mit Schirrmacher f&#252;hrte. Das Gespr&#228;ch kreiste um die Bedeutung von Algorithmen in der digitalen Kultur, ihre Rolle bei der Auswahl und Aufbereitung von Informationen. Schirrmacher bekr&#228;ftigte dabei seine „Payback“-These, dass die zunehmend algorithmisch organisierte Sammlung, Filterung und Bereitstellung von Informationen und damit die Steuerung menschlicher Aufmerksamkeit eine bedrohliche „Ver&#228;nderung in der Geschichte des Denkens“ bedeute: „Wir werden das selbst&#228;ndige Denken verlernen, weil wir nicht mehr wissen, was wichtig ist und was nicht. Und wir werden uns in fast allen Bereichen der autorit&#228;ren Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Tradition dieser <strong>Angstvorstellung von der</strong> <strong>heraufziehenden Maschinenherrschaft</strong>, beschworen seit zwei Jahrhunderten in unz&#228;hligen Dystopien und popul&#228;ren Sachb&#252;chern, Romanen und Filmen, ist Frank Schirrmacher selbstredend bekannt. Seine Warnung jedoch, insistiert er, hat eine neue Qualit&#228;t. Denn diesmal gehe es nicht mehr um die simple Unterwerfung unserer K&#246;rper unter die Rhythmen der Maschinen. Die physische Bedrohung sei mit der Digitalisierung einer psychischen gewichen: Mit der steigenden F&#228;higkeit der Algorithmen, statistisch basierte Vorhersagen individueller Verhaltensweisen und subjektiver Geschmacks- und Kaufentscheidungen („predictive search“) zu treffen, drohe die Abschaffung unseres freien Willens: „Die gr&#246;&#223;te Gefahr ist, dass die Welt der Vorhersagen eine Welt der Vorherbestimmung wird.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ausdr&#252;cklich betont Schirrmacher dabei, dass die digital erm&#228;chtigte Hirnforschung wie auch die moderne Psychologie einen freien Willen, wie ihn der gesunde Menschenverstand begreift, ohnehin f&#252;r eine Illusion halten. Doch gerade den Verlust dieser Illusion h&#228;lt er f&#252;r verderblich: Die Frage des freien Willens sei „keine akademische Frage. In einer vorausberechneten und vorhergesagten Welt wird sie zu einer Alltagsfrage der Menschen. Dabei ist es v&#246;llig egal, ob es einen freien Willen gibt oder nicht, wichtig ist, dass wir an ihn glauben.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nun verneint die von Schirrmacher d&#228;monisierte „Predictive search“-Technologie freie Willensentscheidungen ebenso sehr oder ebenso wenig wie die altbekannte Praxis der Demoskopie die Freiheit der Wahlentscheidung vernichtet. Doch sieht man von der intellektuell unscharfen Dramatisierung ab, so weist Schirrmachers Argumentation f&#252;r die Selbstillusionierung und gegen die Verwandlung der „Welt in Formeln, Systematiken und Algorithmen“ auf die ideologische Schwachstelle seines Denkens: Die Mathematisierung handwerklicher und &#246;konomischer Praktiken, auch von Kunst und Kommunikation steht am Anfang der westlichen Neuzeit. Die Herstellung mathematischer Berechenbarkeit trieb alle Modernisierungsprozesse von der Renaissance &#252;ber die Aufkl&#228;rung bis in die digitale Gegenwart. Indem er Mathematisierung als sch&#228;dliche Desillusionierung begreift, stellt Schirrmacher sich allen anderslautenden Lippenbekenntnissen zum Trotz in die – durchaus ehrw&#252;rdige, wenn auch unfruchtbare – <strong>Tradition romantischer Anti-Aufkl&#228;rung</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Was jedoch jenseits aller Mystifikationen realiter geschieht, wenn nun Algorithmen mediale Deutungsmacht gewinnen, hat unter anderem Robin Meyer-Lucht auf <em>Carta</em> <a href="http://carta.info/22143/gelernterschirrmacher-im-haus-der-algorithmischen-institutionen/">analysiert</a>: nicht die Abschaffung von Freiheit durch Maschinenherrschaft, sondern schlicht die Abl&#246;sung einer Sorte von Kontrolle durch eine andere. In der industriellen Epoche sammelten, filterten und verteilten massenmediale Institutionen alles wesentliche Wissen. Im Bereich aktueller Information waren (und sind) das die Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dass deren Praktiken mit individueller Freiheit wenig zu tun haben, kann jeder bezeugen, der – wie der Autor dieser Zeilen – einschl&#228;gige Erfahrungen sammeln konnte. Wenn nun algorithmisch organisierte Organisationen wie Google den etablierten Verlagen und Sendern mit einigem Erfolg Konkurrenz machen, vollzieht sich <strong>der &#220;bergang von analogen zu digitalen Filterungsprozessen</strong>; nicht mehr und nicht weniger. Die Frage einer damit verbundenen Einschr&#228;nkung oder Ausweitung individueller Freiheit – der Information, des Denkens – ist von diesem institutionellen Wandel kategorial unabh&#228;ngig und nach wie vor nur durch detaillierte Einsicht in die jeweiligen Prozesse und damit am guten Ende politisch zu l&#246;sen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dieses letzte Moment – die Klage dar&#252;ber, dass algorithmisch organisierte M&#228;rkte das Selektionsmonopol der Institutionen in Frage stellen, die „Wissen unterrichten, produzieren, drucken und verbreiten“– deutet auf die zweite, nun biographische Schwachstelle von Schirrmachers Position. Sein Erwachsenen- und Berufsleben pr&#228;gten kulturelle Praktiken, deren G&#252;ltigkeit die Digitalisierung in Frage stellt. Folgerichtig vermag er deren Krise, die neue Instabilit&#228;t, den schnellen Fluss der Dinge, prim&#228;r als Bedrohung und nur am Rande als Chance wahrzunehmen. Sein hohes Ma&#223; an Selbstreflexion beweist sich genau an diesem Punkt, als Selbstverdacht: Es sei noch unklar, h&#228;lt er fest, ob sich hinter dem Siegeszug der Algorithmen „eine der n&#228;chsten gro&#223;en Kr&#228;nkungen des Menschen verbirgt oder nur die Kr&#228;nkung unserer Generation, die schlichtweg &#252;berfordert ist.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zwar liest sich „Payback“ auf weiten Strecken intelligenter als das Gros der Beitr&#228;ge zu der heftigen Debatte, die der Bestseller im Feuilleton wie in den Blogs entfesselte. Seine gro&#223;e Schw&#228;che besteht jedoch in genau dem Umstand, der seinen popul&#228;ren Erfolg ausmacht: dass die zentralen Positionen in so hohem Ma&#223;e den Erfahrungen und (Vor-)Urteilen von Schirrmachers Schicht und Generation verhaftet bleiben. Die digitale Revolution geht, wie er selbst sagt, prim&#228;r von den USA aus. Den <strong>deutschen Mangel an digital informierter Intellektualit&#228;t</strong>, den er in Interviews und auf Podien zu Recht beklagt, belegt so einmal mehr der anti-aufkl&#228;rerische Kulturpessimismus seines Bestsellers.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dessen bleibende Wirkung d&#252;rfte denn auch vor allem in dem Kulturtransfer bestehen, den Schirrmacher gewisserma&#223;en nebenbei besorgt. Bedeutend ist „Payback“ als ein trojanisches Geschenk: In der Verkleidung kulturpessimistischer Jeremiaden schmuggelt das Buch Vordenker der Digitalisierung in Kreise, die sich sonst niemals auf W. Daniel Hillis oder Daniel Dennett, George Dyson oder Bruce Sterling, Stephen Baker oder Jeff Hawkins und ihre bahnbrechenden Theorien eingelassen h&#228;tten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Gegen wie mit Schirrmacher bleibt damit die Hoffnung, dass dank der „Payback“-Debatte neue, positivere Gedanken in den recht inzestu&#246;s-negativen deutschen Ideen-Pool einflie&#223;en. Denn: „Menschen k&#246;nnen ‚geweckt’ werden, sie reagieren, wenn sie mit einer anderen Perspektive konfrontiert werden. Sie sind bereit, ihre eigenen Annahmen infrage zu stellen und neu zu denken.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Gundolf S. Freyermuth hat diesen Text f&#252;r die M&#228;rz-Ausgabe des <a href="http://rotary.de/rotary_verlag/rotary_magazin/heft.php?oid=844&amp;nm=M%E4rz%202010">Rotary Magazins</a> </em><em>geschrieben. Carta pr&#228;sentiert den Text hier in einer leicht &#252;berarbeiteten Fassung erstmals online.</em></p>
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