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	<title>CARTA &#187; Digitale Dividende</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Stadelmaier und die Digitale Dividende: Rundfunk first!</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Nov 2008 13:04:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die neuen Verteilungskonflikte der Medienpolitik spielen sich nicht mehr zwischen &#246;ffentlich-rechtlichem und privatwirtschaftlichem Ordnungsprinzip ab - sondern zwischen Internet und Rundfunk. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/5b16dc46c14986c96c9e97c678a78f" alt="" width="1" height="1" />In der rheinland-pf&#228;lzischen Landesvertretung zu Berlin ist Wein sehr wichtig. Er wird hier offenbar zu fast jedem Anlass und zu fast jeder Tageszeit ausgeschenkt. Wenn sich der Rheinland-Pf&#228;lzer auf der trockenen Berliner Kruste an die Behaglichkeit und W&#228;rme der Heimat erinnern will, so trinkt er: Wein.</p>
<p>So ist es wenig verwunderlich, dass es in der rheinland-pf&#228;lzischen Landesvertretung einen schmucken Weinkeller gibt. Hier kann man sich im Untergeschoss vergraben und in pf&#228;lzischer Besonnenheit &#252;ber die Welt sinnieren. Die K&#252;che ist ohnehin: ausgezeichnet.</p>
<p>F&#252;r Freitagmorgen hatte Martin Stadelmaier in genau diesen Weinkeller geladen. Stadelmaier ist nicht nur als Leiter der Mainzer Staatskanzlei einer der wirklich engen politischen Freunde Kurt Becks. Er ist vor allem als  Koordinator der Rundfunkkommission der L&#228;nder der wichtigste Medienpolitiker dieses Landes. Als solcher bat er zum Hintergrundgespr&#228;ch in Sachen Rundfunkstaatsvertrag und Digitaler Dividende.</p>
<p>Die <strong>neuen Verteilungskonflikte der Medienpolitik</strong>, so wurde rasch klar, spielen sich nicht mehr zwischen &#246;ffentlich-rechtlichem und privatwirtschaftlichem Ordnungsprinzip ab &#8211; sondern zwischen Internet und Rundfunk. Das Thema der &#8220;Digitalen Dividende&#8221; gewinnt an Fahrt &#8211; und Stadelmaier sparte hier nicht mit sehr eindeutigen Aussagen.</p>
<div id="attachment_2298" class="wp-caption alignleft" style="width: 346px"><a title="Titel 3" href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/stadlmaier11.jpg"><img class="size-full wp-image-2298" title="stadlmaier11" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/stadlmaier11.jpg" alt="testbeschreibung" width="336" height="252" /></a><p class="wp-caption-text">Stadelmaier: Digitale Dividende in Rundfunkhand</p></div>
<p>Die <em>Digitale Dividende</em> bedeutet kurz gesagt, dass es mit Hilfe digitaler Komprimierung in Zukunft m&#246;glich sein wird, 100 Prozent des bisherigen Rundfunkangebots auf rund 30 Prozent des bisherigen Frequenzspektrums zu senden. Damit k&#246;nnen 70 Prozent der Frequenzen mehr oder weniger neu vergeben werden &#8211; und um diese &#8220;Dividende&#8221; streiten nun Branchen und Akteure.</p>
<p>Dabei gibt es zwei Dinge, die man mit den frei werdenden Frequenzen anfangen kann: Mehr Kapazit&#228;ten f&#252;r mobiles Internet aufbauen oder mehr Rundfunkprogramme (oder diese in besserer Qualit&#228;t) verbreiten.</p>
<p>Der Rundfunkpolitiker Stadelmaier lie&#223; keinen Zweifel, wo seine Pr&#228;ferenzen liegen: &#8220;Vorrang f&#252;r Rundfunk&#8221;. Der Rundfunk m&#252;sse sich auch in den n&#228;chsten zwanzig Jahren entwickeln k&#246;nnen. Deshalb sollen entsprechend Frequenzen freigehalten werden. Von den 48 frei werdenden Kan&#228;len sollen nach Stadelmaiers Vorstellung 39 f&#252;r den Rundfunk reserviert bleiben und nur 8 an die Mobilfunkindustrie abgetreten werden<strong>. Somit sollen 73 Prozent der Digitalen Dividende an den Rundfunk gehen. </strong></p>
<p>Die Entscheidung ist von erheblicher Tragweite &#8211; denn letztlich geht es hier um den <strong>Preis zu dem zuk&#252;nftig mobiles Internet in Deutschland</strong> zur Verf&#252;gung gestellt werden kann. Je mehr Frequenzen daf&#252;r bereit stehen, desto eher kann man auf sinkende Geb&#252;hren f&#252;r das mobile Internet hoffen. Die Preiserosion beim Mobilfunk wurde auch dadurch ausgelost, dass durch UMTS die Kapazit&#228;t der Netze erheblich stieg &#8211; zur Freude aller, die heute mit Discount-Karten in den Mobilnetzen unterwegs sind.</p>
<p>Konkret: Die deutsche Rundfunkpolitik r&#252;stet sich gerade daf&#252;r, <strong>sinkende Kosten f&#252;r mobiles Breitband-Internet auf dem Altar der Rundfunkprivilegierung zu opfern</strong>. Zwar w&#252;rde Stadelmaier nie sagen, dass ihm Rundfunk wichtiger als Internet sei &#8211; seine Politik l&#228;uft aber genau auf eine solche Bevorzugung hinaus.</p>
<p>Dabei steht die digitale terrestrische Rundfunktechnik vor sehr vielen Fragezeichen: Bei DVB-T soll bald der MP4-Standard eingef&#252;hrt werden, weshalb wir alle neue Empf&#228;nger kaufen sollen. Auch HDTV soll irgendwann eingef&#252;hrt werden. F&#252;r genau diese Halde von Problemen sollen nun 73 Prozent des Frequenzspektrums freigehalten werden. Demgegen&#252;ber gibt es all diese Schwierigkeiten bei der Offenheit des Internet nicht: Es erlaubt eine Parallelit&#228;t der Standards und erm&#246;glicht so Wettbewerb um Formatinnovationen.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/weinstube.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-2300" title="weinstube" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/weinstube.jpg" alt="" width="191" height="254" /></a></p>
<p><em>Die Medienpolitik ist eine Rheinland-Pf&#228;lzerin</em></p>
<p>Viel wichtiger aber ist die Grundsatzfrage, die die deutsche Medienpolitik nun gerne verdr&#228;ngt: <strong>Rundfunkfrequenzen sind ein &#246;ffentliches Gut</strong>. Sie geh&#246;ren allen und sie sollten so verwendet werden, dass der gesellschaftliche Nutzen am gr&#246;&#223;ten ist. Das Internet bietet als universale, zugangsoffene Plattform die Infrastruktur f&#252;r eine plurale Mediengesellschaft &#8211; w&#228;hrend der klassische terrestrische Rundfunk mit seiner Frequenzknappheit immer nur ein Anbieteroligopol abzubilden vermag.</p>
<p>Das Internet steht folglich dem medienpolitischen Ziel einer vielf&#228;ltigen, innovationsfreudigen Mediengesellschaft viel n&#228;her als der klassische Rundfunk. Doch die Politik gluckt hier mit ihren alten Freunden aus den Rundfunkh&#228;usern zusammen &#8211; und beschenkt sie mit einer Verl&#228;ngerung ihrer Oligopole. Eine solche Medienpolitik ist fatal r&#252;ckw&#228;rtsgewandt und verkennt die grunds&#228;tzliche Bedeutung der Entscheidung. Die &#214;ffentlichkeit wird an diesen Richtungsentscheidungen zudem nur marginal beteiligt.</p>
<p>Statt dessen vermeidet Stadelmaier nicht, das Internet im Lichte der Kommerzialit&#228;t und Desorganisation zu sehen. Die Mobilfunkbetreiber h&#228;tten vor allem kommerzielle Interessen, w&#228;hrend Rundfunk ein &#8220;Kulturgut&#8221; sei. Das Netz sei als Medium nicht mit dem zu vergleichen, was die klassischen elektronischen Medien leisten.</p>
<p>Die Argumentation der Mobilfunkbetreiber, mit den Frequenzen aus der Digitalen Dividende vor allem den l&#228;ndlichen Raum versorgen zu wollen, bezeichnet Stadelmaier als &#8220;<strong>Trojanisches Pferd</strong>&#8220;. In Wahrheit gehe es um die Versorgung von Ballungsr&#228;umen. Hier kann man ihm nur zustimmen. Und genau deshalb ist die Digitale Dividende so wichtig.</p>
<p>Zum Rundfunkstaatsvertrag verk&#252;ndet Stadelmaier  eine Kleinigkeit, die aber erhebliche konkrete Bedeutung bekommen k&#246;nnte: Die Anforderungen, die &#246;ffentlich-rechtliche Online-Angebote erf&#252;llen m&#252;ssen, um als &#8220;sendungsbezogen&#8221; zu gelten, sind noch einmal versch&#228;rft worden. Als sendungsbezogen soll demnach nur gelten, was inhaltlich und zeitlich auf eine konkrete Sendung verweist und auch Quellen aus der entsprechenden Sendung verwendet. <strong>Damit wurde der Sendungsbezug als Umwegsargument f&#252;r den anstehenden Drei-Stufen-Test noch einmal etwas erschwert</strong>.
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