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	<title>CARTA &#187; Digital Natives</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Eroberungsfeldzug im achten Kontinent: Skalppr&#228;mien im Internet</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 15:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Neue wird immer wieder als Bedrohung empfunden, ob nun bei Jugendbewegungen, der Besiedlung Amerikas oder der des Internet. Wer beispielsweise legale Angebote des Online-Musikvertriebs aufbauen will, sieht sich mit Behinderugen konfrontiert, die es in der "Offline-Welt" nicht gibt. Internet-Hippies werden da in den Untergrund getrieben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f4de6c99d1af422a8fc424f384acb164" alt="" width="1" height="1" />Egal ob Internet, neuer Kontinent und seine Kulturen oder die jeweils  aktuelle Jugendbewegung: die Reaktion der westlichen Zivilisationen ist  einfach immer wieder dieselbe. Das Neue wird nicht als Objekt der  Inspiration erlebt, sondern als Bedrohung empfunden. Bestenfalls erf&#228;hrt  es den Versuch der Integration in das bereits vorherrschende System.  Voraussetzung ist, dass dessen Spielregeln &#252;bernommen werden. Die  M&#246;glichkeit, das neue Ph&#228;nomen als Anlass zur Hinterfragung oder  Erweiterung zu nutzen, l&#228;sst man meist verstreichen.</p>
<p>Als die Europ&#228;er nach Amerika kamen und dort auf Ureinwohner mit anderen  Sitten und Gebr&#228;uchen, anderen Formen von Gesellschaft und Ackerbau  stie&#223;en, versuchte man diese entweder zu christianisieren oder zu  eliminieren. Die Durchsetzung der eigenen Regel und Kultur gegen&#252;ber  Dritten galt als Segen, selbst wenn sie f&#252;r diese todbringend war. Nur  eine winzige Minderheit der wei&#223;en Eindringlinge besch&#228;ftigte sich mit  ihrem &#246;kologisch-holistischen Weltbild und dem daraus resultierenden  Umgang mit Flora und Fauna, versuchte es zu verstehen und davon zu  lernen.</p>
<p>Als die Hippies sich lange Haare wachsen lie&#223;en, freie Liebe machten und  dabei bewusstseinserweiternde Drogen nahmen, verfolgte man erstmal  vehement den Konsum. Ziel war, das existente Recht bei ihnen  durchzusetzen um den jungen Menschen so den Weg zur&#252;ck in die  Gesellschaft zu weisen. Nur eine Minderheit von Intellektuellen fragte  sich, in wie weit diese Bewegung zur gesamtgesellschaftlichen Erneuerung  beitragen k&#246;nnte, was man von ihren Werten lernen k&#246;nne. Letztlich  f&#252;hlte diese Ignoranz des Establishments zu Frustration und schlie&#223;lich  zu Gewalt auf beiden Seiten.</p>
<p>Der Publizist Peter Glaser bezeichnete das Internet unl&#228;ngst als den  <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/14/die-digitale-faszination-vom-leben-auf-dem-achten-kontinent/">Achten Kontinent</a>. Nachdem dieser lange von der analogen Welt ignoriert  wurde, dringen nun ihre Siedler in Massen ein, so wie es die westlichen  Zivilisationen &#252;ber 200 Jahre nach deren Entdeckung in die Weiten  Nordamerikas zogen. Sie bringen Recht und Ordnung aus ihrer Welt mit und  wollen es hier durchsetzen. Die einen f&#252;hlen sich bedroht von der  Anarchie, die dort herrscht, andere wittern gigantische Chance und  Gewinne. Viele aus Politik und Wirtschaft treibt beides bei ihrem  Eroberungs-Feldzug im Netz an.</p>
<p>Man kann in dem Digital Native aber auch den neuen Hippie entdecken: <em>„Die  haben schon eine merkw&#252;rdige Moral“</em>, wusste ein Journalist der <em>Zeit </em>im Rahmen des politischen Symposiums „Recht 2.0“ zu berichten.  Unerschrocken hatte er sich zuvor auf die „Hackermesse“ re:publica  getraut. <em>„Man f&#228;llt auf, die akzeptieren kaum einen &#252;ber 30.“</em> Der Vergleich mit einer Jugendbewegung schmeichelt, aber er beruht auf  dem weitverbreiteten Missverst&#228;ndnis, dass jeder Irokesen-Haarschnitt  auch einen jugendlichen K&#246;rper unter sich hat.</p>
<p>Konfrontiert mit dem Neuen, dem Fremden und dem Revolution&#228;ren, also mit  alle dem, was anders ist, sitzt der Schlagstock seit eh und je lockerer  oder ist der Finger sogar schneller am Abzug. Wer den vermeintlichen  Gegner nicht wirklich kennt schl&#228;gt h&#228;rter zu  &#8211; und sei’s aus Angst.  F&#252;r tote Indianer gab es bis 1890 in Mexiko und Amerika noch mancherorts  Skalppr&#228;mien, Spa&#223;guerillas des „Zentralrat der umherschweifenden  Haschrebellen“ wurden beim Versuch, Polizeiautos Zweck zu entfremden, in  Berlin erschossen, Friedensdemonstranten auf dem Hamburger  Heiligengeistfeld fast einen ganzen Tag eingekesselt und gedem&#252;tigt.  Angesichts der unverstandenen Kulturen verliert sich  Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit.</p>
<p>Im Internet gelten auch h&#228;rtere Regeln als in der wirklichen Welt,  zumindest dann, wenn es nach dem Willen der Player des analogen Marktes  geht. Die Musikwirtschaft war als erstes mit dem Tun der neuen,  digitalen Gemeinschaft konfrontiert. Die Datenmenge ihres Gutes (Musik)  war gering, eine vern&#252;nftige Kompressionstechnologie mit MP3 verf&#252;gbar.  1998 entstand deshalb mit Napster das erste umfangreiche Angebot,  welches sich ihrer Logik und Kontrolle entzog. Statt diesem etwas  entgegen zu setzen, was die endlosen M&#246;glichkeiten des digitalen Marktes  nutzt, wurde auf Durchsetzung des analogen Rechts gedr&#228;ngt. Die  Musikindustrie feiert Frankreich und Gro&#223;britannien, wo nach dreimaligem  Missbrauch der Nutzer g&#228;nzlich aus dem Netz vertrieben werden soll.  „Three-Strikes-Out“ hei&#223;t das Modell, was so funktioniert, als d&#252;rfe  jemand der CDs klaut nie wieder irgendeinen Laden betreten.</p>
<p>Wer jedoch ein legales Angebot im Netz aufbauen will, sieht sich mit  Behinderungen konfrontiert, die es im analogen Markt nicht gibt. F&#252;r  Downloadshops muss man Vorsch&#252;sse in H&#246;he von 10.000 und mehr pro Major  bezahlen. Wer hingegen einen ganz normalen Plattenladen er&#246;ffnen willen,  muss bestenfalls seine Kreditw&#252;rdigkeit beweisen um beliefert zu  werden. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich bei dem Umgang mit digitalen Medien: Zu  Recht beklagen die Plattenfirmen, dass  Radios meist nur bereits  etablierte Hits spielen und im Fernsehen Newcomer so gut wie keine  Chance haben. Will man das aber &#228;ndern und einen alternativen Videokanal  im Netz anbieten, wird das Gesch&#228;ftsmodell torpediert. Statt moderate  Anteile der Werbeerl&#246;se an GEMA und GVL zu zahlen, sollen pl&#246;tzlich  Beteiligungen von bis zu 50% gezahlt werden. Gerne auch mit Garantien  vorab. Die Anlieferung der Ware wird zudem digital absurderweise teurer,  als sie physisch war. Schweizer Independent-Radiostationen, welche die  sogenannten MPN Geb&#252;hren nicht mehr zahlen konnten, wurde deshalb gerade  von den Majors die Zusammenarbeit aufgek&#252;ndigt.</p>
<p>Nicht nur in der Wirtschaft gilt aber, dass die Netzwelt h&#228;rter  anzufassen ist als die analoge Realit&#228;t. Der Bundesgerichtshof hat diese  Woche best&#228;tigt, dass derjenige f&#252;r den Missbrauch haftet, der sein  W-LAN nicht ausreichend sichert. Wird &#252;ber diesen, wie im Fall des Beklagten  geschehen, von Dritten illegal downgeloaded, haftet der Inhaber des  Anschlusses. Analog betrachtet w&#228;re das so, als w&#252;rde der Besitzer eines  Telefons haften, wenn er es einem Freund leiht und dieser Telefonterror  verbreitet oder seine Gespr&#228;chsteilnehmer beleidigt. Es ist so, als  w&#228;re derjenige f&#252;r einen Unfall verantwortlich, der im Sinne von  Carsharing seinem Wohnblock das Gef&#228;hrt zur Verf&#252;gung stellt…</p>
<p>Urteile wie das des BGH, oder ein Marktverhalten wie das der  Musikwirtschaft zeigen, dass <strong>die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit aus den Fugen  ger&#228;t, wenn Richter und Manager &#252;ber etwas entscheiden, was sie  bestenfalls intellektuell, aber nicht emotional begriffen haben</strong>. Es soll  geregelt und verhindert werden, anstatt die neuen M&#246;glichkeiten zu  nutzen, die im Netz entstehen. Die Logik und Moral einer alten Welt wird  der neuen &#252;bergetopft, deren eigene Werte und Errungenschaften werden  ignoriert. Damit vergibt man Chancen.</p>
<p>Selbstregulierung ist eine solche. In Form von Wikipedia kann man das  wahrscheinlich jedem verdeutlichen. Deshalb wird dieses Beispiel auch  immer wieder bem&#252;ht. Im Sinne des Vergleichs mit einer Jugendbewegung  hat Wikipedia deshalb die Rolle der Beatles: Die Plattform ist  Mainstream, aber deshalb ein wichtiges Element f&#252;r alle, um zu  verstehen, worum es in Sachen Netzkultur vielleicht geht. So wie die  Beatles halfen, mit h&#228;ufig bei Johann Sebastian Bach entlehnten  Harmoniefolgen den Rock’n’Roll zu vermitteln, kann der gelernte,  enzyklop&#228;dische Gedanke vielleicht die Br&#252;cke zur Schwarmintelligenz  sein und helfen, die notorische Angst vor dem Neuen, dem Unregulierbaren  zu nehmen.</p>
<p>Sobald die analoge Welt Wikipedia als Regel und nicht als Ausnahme  versteht, k&#246;nnte dies gelingen. Hoffentlich dauert das nicht so lange,  dass Marktf&#252;hrer, Legislative und Exekutive schon die ein oder andere  Skalppr&#228;mie zur Praxis oder Gesetz gemacht und die fr&#246;hlichen  Internet-Hippies von einst in den Untergrund getrieben haben…</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x');" href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_skalppraemien_im_internet.html">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Vorratsdaten und die Logik der Datenkollektivierung: F&#252;r eine gesellschaftliche Kultur des Datenschutzes</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 14:06:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan Krone</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Auseinandersetzung um die Vorratsdatenspeicherung zeigt: Die Entfaltungsm&#246;glichkeiten der Digitalisierung erfordern auch eine neue Kultur des Datenschutzes, die nicht allein rechtlich festgeschrieben, sondern gesamtgesellschaftlich verankert sein m&#252;sste.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/059d380b4e924a6db6a3760132851665" width="1" height="1" alt=""/>Die Politik vermittelt derzeit einen ebenso zerrissenen wie orientierungsschwachen <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschutz-ist-sexy-Datensammeln-auch-849664.html">Eindruck</a>, was den <strong>Stellenwert der Privatsph&#228;re </strong>in der digital vernetzten Gesellschaft angeht. Die informationelle Selbstbestimmung des B&#252;rgers verkommt zu einer Art <strong>Verhandlungsmasse</strong>, die gegen Verletzungen derselben aufgeweicht wird. Eine Empfehlung zur Datenvermeidung zum Schutz der Privatheit, wie sie der Chaos Computer Club abgibt, l&#228;sst jedoch allein kein Vertrauen in die grundgesetzlich zugesicherten Freiheitsrechte, der S&#228;ulen unseres Systems, aufkommen. Sie kann bestenfalls ein Appell zur Bewusstseinsbildung sein, wirkt jedoch zuweilen schon wie das Eingest&#228;ndnis der Niederlage gegen&#252;ber dem diffusen Druck einer &#252;berm&#228;chtigen Technologie. Doch dem ist nicht so.</p>
<p><strong>Vorratsdaten vor dem Verfassungsgericht</strong></p>
<p>Am 15.12.2009 hat der erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe &#252;ber die Zul&#228;ssigkeit der zeitlich befristeten Datenspeicherungspflicht verhandelt, die unter dem Titel „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikations&#252;berwachung und anderer verdeckter Ermittlungsma&#223;nahmen“ (<a href="http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl107s3198.pdf ">PDF</a>) firmiert. Internet- und Telefonverbindungen sollen, so m&#246;chten es die Bundesregierung und einige Landesparlamente, ein halbes Jahr gespeichert und den zust&#228;ndigen Beh&#246;rden auf Wunsch zug&#228;nglich gemacht werden m&#252;ssen. Die Kommunikation in Mailsystemen sozialer Netzwerke ist nicht davon betroffen.</p>
<p>Gegen die Umsetzungspolitik der <strong>EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung</strong> (<a href="http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:105:0054:0063:DE:PDF">PDF</a>) des ehemaligen Bundesinnenministers <a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2016454_Laudatio-zu-Wolfgang-Schaeuble-Ideen-aus-dem-Arsenal-der-Diktatur.html">Wolfgang Sch&#228;uble</a> haben rund 35.000 Beschwerdef&#252;hrer geklagt und damit die umfangreichste Massenklage in der Geschichte des Bundesverfassungsgerichts eingereicht.</p>
<p>Die Kritik an dem geplanten Gesetz ist immens: Es wird als <strong>unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger Eingriff in die Grundrechte der B&#252;rger</strong> erachtet, Daten ohne Anfangsverdacht auf Vorrat zu speichern. Die „anlasslose, verdachtsunabh&#228;ngige und undifferenzierte Vorratsdatenspeicherung“ &#252;ber sechs Monate – Verbindungs- und Standortdaten lassen sich unter anderem zu nahezu exakten Bewegungsprofilen zusammenstellen – impliziere Missbrauch und die systematische Verletzung von Pers&#246;nlichkeitsrechten sowie des Fernmelde- und Briefgeheimnisses. Neben der so unter Generalverdacht gestellten Gesellschaft versto&#223;e das neue Gesetz bewusst gegen das <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,666826,00.html">Redaktionsgeheimnis</a>, das Arztgeheimnis, die rechtsanwaltliche T&#228;tigkeit sowie gegen die Immunit&#228;t von Abgeordneten und Diplomaten. Und dennoch sind die Weichen zur systematischen Missachtung erk&#228;mpfter Rechte l&#228;ngst gestellt.</p>
<p>Lehnt das Gericht die Klagen ab, steht die Technische Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (<a href="http://www.bundesnetzagentur.de/media/archive/17738.pdf">PDF</a>) zur Umsetzung bereit. Unter den Kl&#228;gern: die heutige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Dass sich die amtierende Regierung als Kl&#228;ger und Beklagte gegen&#252;berstehenden ist bizarr, aber im Grunde Ausdruck der repr&#228;sentativen, periodisch veranlagten Demokratie.</p>
<p>Die W&#228;hler k&#246;nnen sich jedoch nicht in der Ahnung begn&#252;gen, mit der Verfassungsklage seien die digitalen Freiheitsrechte ausreichend gew&#228;hrleistet. Was wir brauchen ist mehr: die <strong>R&#252;ckbesinnung</strong> <strong>auf eine Kultur der selbstverst&#228;ndlichen Gew&#228;hrleistung von Privatheit</strong> und ihre Weiterentwicklung. Die Novellierung der deutschen Datenschutzrichtlinie in der letzten Legislatur allein hat dies – auch aufgrund von unternehmerischen Lobbyismus und verhaltener politischer Willensbekundung – nicht einzul&#246;sen vermocht. Die Rechtsprechung kann dabei unterst&#252;tzen.</p>
<p><strong>Sendungsbewusstsein ersetzt keine Mehrheiten<br />
</strong></p>
<p>Die Netz&#246;ffentlichkeit, die sich f&#252;r Kommunikationsfreiheit einsetzt, ist zwar mittlerweile gewachsen und kann auch schon mal laut werden, im Verh&#228;ltnis zur Gesamtbev&#246;lkerung ist sie jedoch verschwindend klein. Den sich mitunter avantgardistisch ghettoisierenden<strong> „Digital Natives“</strong> fehlt oft die weltliche R&#252;ckbindung. Breite Teile der Bev&#246;lkerung werden bewusst, manchmal auch arrogant ausgeschlossen. „Wir beherrschen die Belange der digitalen Kommunikation und wissen was gut ist, nicht ihr, die analoge Gesellschaft!“ – F&#252;r die Anh&#228;nger der Innovationsreligion gehe es um die Gesamtheit des digitalen Lebensraums. Ein Tenor, der den Verdacht des Dogmatismus auf den Plan ruft.</p>
<p>Neue, junge politische Gruppen wie etwa die <strong>Piratenpartei</strong> k&#246;nnen, wenn sie geeignete <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Halbnackte-Piraten-gegen-Nacktscanner-900955.html">Mittel</a> zur Ansprache der Bev&#246;lkerung finden, einen <strong>Prozess</strong> in die n&#228;chste, die parlamentarische Ebene tragen. Die Gr&#252;nen haben es Ende der 1970er Jahre als sozial- und umweltpolitische Alternative zu den etablierten Parteien vermocht; die innerparteilichen Gegens&#228;tze haben den Erfolg nicht aufgehalten. Um Ver&#228;nderungen in der Breite zu erreichen, bleibt es jedenfalls Voraussetzung, in der Bev&#246;lkerung ausreichende Mehrheiten zu finden. Nur so kann die Einschr&#228;nkung des privaten Lebensbereichs durch politische Programme langfristig einged&#228;mmt werden.</p>
<p>Um ein solches Bewusstsein in der Breite ist es freilich heute noch schlecht bestellt, die Informiertheit der politisch Verantwortlichen ist m&#228;&#223;ig, ihr Wille schwach – wozu heute auch B&#252;ndnis 90/ Die Gr&#252;nen z&#228;hlen; man <a href="http://www.bigbrotherawards.de/2001/.pol">erinnere sich</a> an die rot-gr&#252;ne Koalition 1998-2005. Wenn der Exekutivapparat des Bundes und der L&#228;nder die <strong>Informationsfreiheit</strong> des B&#252;rgers mit <strong>Argwohn</strong> sieht – man m&#246;chte meinen, der Staat nehme sie f&#252;r sich selbst in Anspruch – kann das vom Bundesverfassungsgericht geschaffene „Grundrecht auf Gew&#228;hrung der Vertraulichkeit und Integrit&#228;t informationstechnischer Systeme“ und das Brief- und Fernmeldegeheimnis nur zum Teil Schutz bieten.</p>
<p><strong>Privatheit verteidigen</strong></p>
<p>Im <strong>Unternehmensbereich</strong>, auch au&#223;erhalb von Personalabteilungen, sind die Hemmungen, den h&#246;chstpers&#246;nlichen Lebensbereich systematisch zu ber&#252;hren, l&#228;ngst abgebaut. Es geh&#246;rt beinahe zum guten Ton, Verbraucherdaten zu speichern, auszuwerten, oder <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Mobilkom-Austria-verkauft-Ortsdaten-von-Handynutzern-889962.html">auch</a> <a href="http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2009-11/quelle-kundendaten-verkauf">weiterzuverkaufen</a> – ganz gleich, ob ein Einverst&#228;ndnis der Betroffenen vorliegt oder nicht. Ihre Legitimation erfahren Gesch&#228;ftst&#228;tige durch fragw&#252;rdige Zustimmungsklauseln und juristisch verquaste Aus- und Einschlussformulierungen zur seri&#246;sen Verwaltung von pers&#246;nlichen Informationen in den Allgemeinen Gesch&#228;ftsbestimmungen. Auch in den<strong> Social Networks</strong> wird von den Nutzern in Eigenregie dokumentiert, was den realen Nachbarn in der Regel verborgen zu bleiben hat. Ein Verzicht w&#228;re angemessen.</p>
<p>Untersuchungen zeigen, dass sich B&#252;rger in digitalen Sph&#228;ren nur unzureichend &#252;ber die Unterscheidung von Privat- und Sozialsph&#228;re im Klaren sind. W&#228;hrend sich die Verteidigung der Privatheit im dreidimensionalen Raum sehr pr&#228;zise gestaltet, ist online vieles, das &#252;ber Banking hinausgeht, durch Unsicherheit und Fehleinsch&#228;tzung gepr&#228;gt. Gerade der <strong>Mobilfunk</strong> und das <strong>Internet</strong> sind die digitalen Kommunikationskan&#228;le, die den h&#246;chstpers&#246;nlichen Lebensbereich nicht mehr einfach und deutlich bestimmen lassen.</p>
<p>Eine solche Gleichg&#252;ltigkeit und Unsicherheit gegen&#252;ber Pers&#246;nlichkeitsrechten auf Seiten der B&#252;rger und Unternehmen will, ja kann f&#252;r den Staat jedoch nicht Selbstverst&#228;ndnis sein. Der Auftrag zur Sicherstellung einer &#246;ffentlichen Ordnung und Gefahrenabwehr ist wie die Wahrung der Menschenrechte ein <strong>Gew&#228;hrleistungsmerkmal</strong>, das durch permanente Wiederholung f&#252;r jede noch so kleine G&#228;ngelei als Rechtfertigung l&#228;ngst jede Achtung des m&#252;ndigen B&#252;rgers eingeb&#252;&#223;t hat. Wer vor dem Hintergrund der betroffenen Rechtsg&#252;ter mit Effektivit&#228;t, Fortschrittsorientierung und sonstigen Zw&#228;ngen ins Feld zieht, argumentiert schlicht wie auch zynisch.</p>
<p>Im Gefolge des <strong>11. September 2001</strong> hat sich das Konzept der Angst, der Verbreitung von Unsicherheit vor einer diffusen Bedrohung durch viele Regierungen, auch der Europ&#228;ischen Union, &#246;ffentlich etabliert. Grundrechtseinschr&#228;nkungen werden mit der Abwendung terroristischer Gewalt begr&#252;ndet. Das Perfide daran: die Exekutive kann die nur schwach ausgepr&#228;gte Sensibilisierung der Bev&#246;lkerung um den Stellenwert der informationellen Selbstbestimmung mittels „allgemeiner Sicherheitsma&#223;nahmen“ gegen die B&#252;rger selbst in Stellung bringen. Umso mehr h&#228;tte die gesamte Gesellschaft – B&#252;rger, Politik, Unternehmen, &#246;ffentliche Einrichtungen, Institutionen des Sozialwesens – die Aufgabe, eine neue <strong>Demut</strong> gegen&#252;ber der Einengung des N&#228;chsten, die seine Grundrechte beschr&#228;nkt, einzu&#252;ben. Ohne ein solches Bewusstsein bleibt eine <strong>Steigerung des Gemeinwohls durch die Digitalisierung</strong> aus. Es geht um den Respekt des Staates vor seinen B&#252;rgern, die eine Administration erst erm&#246;glichen.</p>
<p><strong>Vorratsdaten im europ&#228;ischen Kontext</strong></p>
<p>Die bislang erreichte Einschr&#228;nkung der Weitergabe gespeicherter Verbindungsdaten (nur bei Verdacht auf schwere Straftaten wie Mord, Raub oder Kinderpornographie durch Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof, nicht etwa durch Amtsrichter, m&#246;glich) ist daf&#252;r allein nicht ausreichend. Das regul&#228;re Kollektivieren von Kommunikationsverbindungen hat selbst schon den schalen Geschmack des vermuteten Missbrauchs der Daten. Die H&#252;rde zur Datenspeicherung muss hoch sein und fr&#252;h greifen k&#246;nnen.</p>
<p>Als Vorbild f&#252;r den respektvollen Umgang mit Datenschutzbelangen der B&#252;rger durch H&#246;stgerichte kann das junge EU-Mitglied <strong>Rum&#228;nien </strong>dienen. Hier wurde die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung als verfassungswidrig <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Rumaenisches-Verfassungsgericht-Vorratsdatenspeicherung-verstoesst-gegen-Menschenrechte-870904.html">abgelehnt</a>, Artikel 28 der Verfassung <a href="http://www.cdep.ro/pls/dic/site.page?den=act2_2&amp;par1=2#t2c2s0a28">garantiert</a> die „Vertraulichkeit der Kommunikationsaktivit&#228;ten“. Ohne Wenn und Aber. Die Vorratsdatenspeicherung mache, so hei&#223;t es hier, die Ausnahme zur Regel und stelle einen exzessiven Eingriff in die Aus&#252;bung von Fernmelde- und Meinungsfreiheit dar. Es bed&#252;rfe einer Abw&#228;gung des Rechts des Einzelnen mit den Rechten der Allgemeinheit. Wenn der Schutz der Allgemeinheit jedoch das Wesen der Demokratie untergrabe oder gar zerst&#246;re, sei die Demokratie, die durch Recht verteidigt werden solle, <strong>ad absurdum</strong> gef&#252;hrt.</p>
<p>Rum&#228;nien, ein Land, das massiv unter offener geheimdienstlicher Sanktionierung gelitten hat und bis heute an den Folgen arbeitet, mag hier als besonders sensibilisiert f&#252;r den Umgang mit pers&#246;nlichen Daten gelten. Umso deutlicher legt das rum&#228;nische Verfassungsgericht den L&#246;sungsansatz f&#252;r den Umgang mit Freiheitsrechten in einem sich zunehmend digitalisierenden Europa vor: <strong>Kompromisslosigkeit</strong> in der Gew&#228;hrleistung, <strong>Verbesserung</strong> gegen&#252;ber der Vergangenheit.</p>
<p><strong>Rechtliche Perspektiven</strong></p>
<p>&#220;bertragen auf die „gefestigten“ Demokratien Westeuropas bedeutet dies, die Schutzmechanismen gegen den drohenden Missbrauch weiter auszubauen, anstatt die normative Kraft des Faktischen im Prozess der Digitalisierung f&#252;r die Abschmelzung des Datenschutzes zu missbrauchen.</p>
<p>Eine R&#252;cknahme der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung von 2006 durch den<strong> Europ&#228;ischen Gerichtshof </strong>in Luxemburg auf Basis der Europ&#228;ischen Menschenrechtskonvention kann den notwendigen Impuls f&#252;r einheitliche Schutzregeln in der gesamten Europ&#228;ischen Union setzen und Rechtssicherheiten in bislang unentschlossenen EU-Mitgliedern (etwa &#214;sterreich) gew&#228;hren.</p>
<p>Gegen diesen Weg spricht aktuell die Ratifizierung des <a href="http://www.bmi.bund.de/DE/Themen/PolitikGesellschaft/EuropaInternationales/Stockholmer_Programm/sp_node.html">Stockholmer Programms</a> als Mehrjahresprogramm f&#252;r die Bereiche Justiz und Inneres durch den <strong>EU-Rat</strong> im vergangenen Jahr. Vorbild f&#252;r das „Stockholmer Programm“ sind die Aufgabenbereiche und Durchf&#252;hrungsverfahren des <strong>Heimatschutzministeriums der USA</strong>, als solches Ausdruck eines albtraumgetriebenen Misstrauens gegen&#252;ber einer zivilisierten Welt und unverh&#228;ltnism&#228;&#223;iger Schikanierung bis grober Verletzung von Grundrechten der eigenen und in die USA einreisenden B&#252;rger.</p>
<p>Der Kommentar des amtierenden deutschen Innenministers Thomas de Maizière, das Dokument trage <strong>„Sch&#228;ubles Handschrift“</strong> und nicht die eigene, beruhigt nicht. Im Gegenteil: das „Stockholmer Programm“ ist in Teilen das Werk abgew&#228;hlter Volksvertreter und sollte, dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Diskontinuit%C3%A4tsprinzip">Diskontinuit&#228;tsprinzip</a> folgend, zumindest an die aktuellen Entscheidungen von H&#246;chstgerichten der EU-Mitglieder angepasst werden.</p>
<p>Der liberalen Regierungsfraktion ist die Aufnahme des Schutzes der B&#252;rgerrechte nur auf Deutschland bezogen die Ehre wert. R&#252;ckblickend auf die Bundespolitik der letzten zehn Jahre bleibt die Skepsis um die rechtstaatliche Gew&#228;hrleistung – Freiheitsrechte im Sinne des Grundgesetzes k&#246;nnen nur so bedingungslos umgesetzt werden, wie sie von den Gr&#252;ndern der Bundesrepublik vorgesehen sind.</p>
<p>Nur &#252;ber die Aufnahme des Internet als soziotechnisches Kommunikationssystem in den Schutzbereich von Art. 5 des Grundgesetzes und den Optionen der modernen Fern- und Nahkommunikation (Kurznachrichten, Mailboxsysteme, etc.) in Art. 10 l&#228;sst sich ein langfristiges Bewusstsein f&#252;r einen modernen Schutz der altehrw&#252;rdigen Grundrechte schaffen. Datensammler wie auch kl&#228;ffende Wachhunde d&#252;rfen nur zu den Orten gelassen werden, an denen sie unbedingt und unersetzbar notwendig sind. Macht braucht Grenzen und ausgewogene Kontrolle.
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<a href="http://carta.info/21537/vorratsdaten-und-die-logik-der-datenkollektivierung-fuer-ein-gesellschaftliche-kultur-des-datenschutzes/">Vorratsdaten und die Logik der Datenkollektivierung: F&#252;r eine gesellschaftliche Kultur des Datenschutzes</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/21537/vorratsdaten-und-die-logik-der-datenkollektivierung-fuer-ein-gesellschaftliche-kultur-des-datenschutzes/#comments">3 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21537&amp;md5=9f51b27394336a20dd18096e6ba237a4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Bildungsstreik analog statt digital: Studenten sind nicht &#252;ber das Web zu mobilisieren</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Nov 2009 13:52:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Bildungsstreik an deutschen Universit&#228;ten greift weiter um sich, in immer mehr St&#228;dten werden H&#246;rs&#228;le besetzt. Nur im Internet tut sich &#252;berraschend wenig. Verstehen die "Digital Natives" das Social Web nicht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/bfdc788095964cc18df80216ee02f197" alt="" width="1" height="1" />Twitternde Politiker haben es gut: Die <a href="http://carta.info/17978/kurt-beck-outet-sich-als-erster-twitternder-ministerpraesident/">Medien</a> nehmen sich ihrer an und es fehlt nicht an wohlfeilen <a href="http://carta.info/17937/mehr-mut-zum-dialog/">Ratschl&#228;gen</a> f&#252;r den (politisch) korrekten Dialog im Web. Was aber ist mit den Studenten? Zumal wenn diese gerade einen Bildungsstreik auf die Beine stellen wollen: Wo sind da die n&#252;tzlichen Handreichungen?</p>
<p>N&#246;tig w&#228;ren sie, die Handreichungen zum Twittern bzw. f&#252;r den Einsatz des Social Web generell, und das gleich aus zwei Gr&#252;nden: Zum Einen weil die Protestaktionen an deutschen Unis diese Woche deutlich zunehmen, zum Anderen weil die Studenten ganz offensichtlich das Social Web noch nicht richtig f&#252;r ihre Zwecke einzusetzen verstehen.</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Aktuelle Meldung: in 34 europ&#228;ischen St&#228;dten sind Unis besetzt! #unsereuni #unibrennt #lmubrennt #fb&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Waren Anfang dieser Woche nur an 10 deutschen Universit&#228;ten <a href="http://twitter.com/bildung_muc/status/5646928807">H&#246;rs&#228;le besetzt</a>, sprang seither der Funke in kurzer Zeit auf etliche <a href="http://www.bildungsstreik-hd.de/aktuelle-entwicklung/flachenbrand/">weitere Standorte</a> &#252;ber. Parallel dazu nahm aber auch der Druck der Gegenseite zu. In T&#252;bingen wurde die R&#228;umung vollzogen, in Berlin sollte die Polizei die Besetzung der Humboldt Universit&#228;t verhindern (was aber nicht gelang). Schon letzte Woche wurden die Besetzungen in Marburg und M&#252;nster von der Polizei beendet.</p>
<p>Dabei h&#228;tten sich die Studenten mancherorts durchaus behaupten k&#246;nnen, w&#228;ren sie nur zahlreicher gewesen. Ein paar Dutzend Besetzer nur sind f&#252;r die Polizei nat&#252;rlich kein Problem. Das wissen auch die <a href="http://twitter.com/potsdambesetzt/status/5621329339">Studenten</a>:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Insgesamt m&#252;ssen wir einfach mehr werden, wenn der Druck so gro&#223; bleiben soll!! #unibrennt #unsereuni&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Wirft man einen Blick auf die diversen Twitter-Accounts der Protestbewegung, kann der mangelnde Mobilisierungsgrad nicht verwundern: Twitter wird kaum genutzt. Durch die Bank haben diese Accounts frappierend wenig Follower, gemessen an der Zahl der immatrikulierten Studenten. Ein Beispiel: In Marburg studieren rund 21.000 Studenten, aber nur knapp &#252;ber 200 folgen dem Account &#8220;<a href="http://twitter.com/marburgstreikt">marburgstreikt</a>&#8220;.</p>
<p><strong>Obwohl die Studenten von heute oft als &#8220;Digital Natives&#8221; gesehen und ihnen daher eine hohe Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet zugeschrieben wird, zeigen die aktuellen Vorg&#228;nge rund um den Bildungsstreik im Grunde fast das Gegenteil. </strong>Die Studenten koordinieren sich ganz &#252;berwiegend offline und f&#252;hren Blogs, Twitter und Fanseiten auf StudiVZ bzw. Facebook nur nebenher.</p>
<p>In Heidelberg, wo die deutschen Uni-Besetzungen ihren Anfang nahmen, feilten die Studenten fast die ganze erste Nacht an einem Pressetext f&#252;r die lokale Zeitung. Auf die Idee, dass man m&#246;glichst rasch ein digitales Netzwerk mit so vielen Studenten der Uni wie m&#246;glich aufbauen k&#246;nnte, kam offenbar niemand.</p>
<p>Selbst die nach dem Vorbild der Wiener Uni-Besetzer vielfach &#252;bernommenen <a href="http://www.delimedia.de/live-stream-uni-potsdam-besetzt/">Livestreams</a> aus den besetzten H&#246;rs&#228;len haben meist nur wenig Zuschauer: Werte zwischen 50 und 100 sind &#252;blich, w&#228;hrend den Vorg&#228;ngen im Wiener Audimax nicht selten zehnmal mehr Interessierte &#252;ber das Internet folgen.</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Die Rheinpfalz (Pf&#228;lzer Tageblatt) heute: 200 Studenten besetzen Uni-H&#246;rsaal&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Das <a href="http://twitter.com/landaubrennt/status/5643235051">Schielen auf die Presse</a> zeigt, dass die Studenten sich noch nicht in der Lage sehen, die &#214;ffentlichkeit &#252;ber das Internet direkt anzusprechen und sich dazu die erforderliche Reichweite selbst aufzubauen.</p>
<p>Gelegenheit dazu h&#228;tte man seit den Bildungsstreiks im Sommer genug gehabt. Etwa in dem man die teilweise wirklich desastr&#246;sen Zust&#228;nde an den Universit&#228;ten dokumentiert. &#220;berf&#252;llte H&#246;rs&#228;le oder marode Bausubstanz lassen sich fotografieren (oder filmen) und im Internet ver&#246;ffentlichen. Wer wollte die Studenten daran hindern? Damit h&#228;tte man auch versuchen k&#246;nnen, die &#246;ffentliche Meinung in das eigene Lager zu ziehen.</p>
<p>Es ist schon kurios zu sehen, dass das &#8220;Mitmach-Web&#8221; der letzten Jahre eine F&#252;lle sehr guter und kostenloser Dienste hervorgebracht hat, die heute von den Studenten so gut wie nicht genutzt werden. Egal ob es um die Proteste selbst oder ihre Ursachen geht, man findet dazu kaum Fotos auf <a href="http://www.flickr.com">Flickr</a> und noch weniger Videos auf <a href="http://www.youtube.com">YouTube</a>.</p>
<p>Dass Twitter so wenig genutzt wird, erstaunt auch deshalb, weil dieses Medium seit den Demonstrationen im Iran eigentlich einer sehr breiten &#214;ffentlichkeit bekannt ist. Es gibt heute kein besseres Tool im Internet f&#252;r die rasche Verbreitung von Nachrichten, den Aufbau von Netzwerken und das Zielen auf Solidarit&#228;tseffekte innerhalb einer gr&#246;&#223;eren &#214;ffentlichkeit, als (das kostenlose!) Twitter. Die deutschen Studenten aber lassen es ganz &#252;berwiegend links liegen. Dazu passt die vor ein paar Tagen in die Weiten des Internets hinein <a href="http://twitter.com/TuebingenBrennt/status/5593444139">getwitterte Frage</a>:</p>
<blockquote><p><strong>&#8220;Wei&#223; jemand was von Paderborn?&#8221;</strong></p></blockquote>
<p>Wenig wahrscheinlich ist, dass der Fragende eine befriedigende Antwort bekommen hat, denn der T&#252;binger Account hat bis heute keine 200 Follower (die T&#252;binger Universit&#228;t aber 23.000 Studenten). So gesehen darf man gespannt sein, ob Deutschland wirklich noch einen &#8220;hei&#223;en Herbst&#8221; erleben wird.</p>
<p>Schlie&#223;t man vom geringen digitalen Aktivierungsgrad der deutschen Studenten auf ihre Haltung zu den Erfolgschancen der Proteste, sieht es nicht gut aus. Aber vielleicht wendet sich das Blatt ja noch. Immerhin verbreitet sich die <a href="http://ratzplast.wordpress.com/2009/11/06/ubersicht-besetzungen-de/">Protestwelle</a> inzwischen in immer mehr L&#228;ndern. Da werden doch die Deutschen nicht klein beigeben?
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18102&amp;md5=fb4465a418736127631ab31a832c1c26" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>„Teenager nutzen Twitter nicht&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 16:23:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Rupert Murdoch]]></category>
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		<description><![CDATA[Die anekdotische Evidenz des 15j&#228;hrigen Morgan Stanley-Praktikanten Matthew Robson zum Medienverhalten seiner Generation begeistert Fondsmanager und FT:  "ungeheure Klarheit" &#252;ber die Digital Natives, endlich. Leider ist sie ziemlich frustrierend.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9ad218e90e33e108d8d63ff35eb9c2" alt="" width="1" height="1" />Kurz nachdem rund 250 CEOs, Investoren und Medienexperten auf der diesj&#228;hrigen „Sun Valley Media and Technology Conference&#8221; &#252;ber die <a href="http://www.reuters.com/article/industryNews/idUSTRE5641EW20090708">Gesch&#228;ftsmodelle der Zukunft philosophierten</a>, mischt ein 15j&#228;hriger Sch&#252;ler Investoren, Medienjournalisten und Medienmanager mit n&#252;chternen Einsch&#228;tzungen zum Mediennutzungsverhalten jener Generation auf, die mit dem Internet als selbstverst&#228;ndlicher Bestandteil des Lebens aufgewachsen sind.</p>
<p>Jugendliche schauen immer weniger normales Fernsehen, lesen so gut wie nie Zeitung und zahlen extrem ungern f&#252;r Musik im Internet. Diese und weitere bahnbrechende Erkenntnisse &#252;ber das Mediennutzungsverhalten britischer Teenager sorgen seit dem Wochenende auf der Insel f&#252;r Aufruhr.</p>
<p>Aufgeschrieben hat das alles ein 15-j&#228;hriger Praktikant von <a href="http://markets.ft.com/tearsheets/performance.asp?s=us:MS">Morgan Stanley</a>. Der Londoner Sch&#252;ler Matthew Robson war von den Medienanalysten der US-Bank gebeten worden, das Mediennutzungsverhalten seiner Freunde zu beschreiben. <a title="How teenagers consume the media" href="http://media.ft.com/cms/c3852b2e-6f9a-11de-bfc5-00144feabdc0.pdf">Herausgekommen</a> ist „einer der klarsten und anregendsten Einsichten, die wir je gesehen haben&#8221;, erkl&#228;rte Edward Hill-Wood, Teamleiter bei Morgan Stanley.</p>
<p>Die Investmentbank entschied sich daf&#252;r, die simple Prosa des Teenagers zu ver&#246;ffentlichen („<a href="http://media.ft.com/cms/c3852b2e-6f9a-11de-bfc5-00144feabdc0.pdf">Industry View In-Line</a>&#8220;) , die <a href="http://www.ft.com/cms/s/0/035e83fe-6f18-11de-9109-00144feabdc0.html">FT</a> machte eine Riesenstory daraus und Robson („Aged 15 yrs &amp; 7 months&#8221;) bekam seine 15 Minuten Ruhm.</p>
<p>Robsons Vierseitenpapier best&#228;tigt g&#228;ngige Annahmen &#252;ber das Kommunikations-, Unterhaltungs- und Sozialverhalten der „digitalen Eingeborenen&#8221;: Sie nutzen eine Vielzahl von konvergierenden Medien f&#252;r verschiedenste Informationen und Services f&#252;r die sie allerdings nicht bereit sind zu zahlen und deren Genuss sie sich nicht durch <strong>Werbung kaputt machen </strong>lassen wollen. Er kenne niemanden, der regelm&#228;&#223;ig Zeitungen lese, so Robson in seinem Bericht, der laut Morgan Stanley weder Repr&#228;sentativit&#228;t noch statistische Genauigkeit f&#252;r sich in Anspruch nimmt. Die meisten Teenager h&#228;tten schlichtweg „<strong>keine Lust, seitenweise Text zu lesen</strong>, wenn sie die Nachrichten in Fernsehen oder Internet zusammengefasst&#8221; bek&#228;men.</p>
<p>Obwohl in den Clubs und Kneipenvierteln vieler englischer St&#228;dte zur Sperrstunde regelm&#228;&#223;ig b&#252;rgerkriegs&#228;hnliche Zust&#228;nde herrschen: die Insel ist nicht der Iran, und so kommunizieren zumindest Robsons Freunde ihre Alkoholexzesse, Teenagerschwangerschaften und sonstige Befindlichkeiten nicht via Twitter. „Teenager nutzen Twitter nicht&#8221;, so Robson. Schlie&#223;lich koste das Microbloggen vom Mobiltelefon aus Geld und Teenager verst&#252;nden, „dass niemand sich ihre Profile ansieht, ihre Tweets also keinen Sinn machen&#8221;. Da h&#228;tten die Gr&#252;nder der auch in UK <a href="http://www.independent.co.uk/news/business/news/twitter-is-named-uks-top-website-for-growth-1719952.html">rasant wachsenden</a>, bekanntesten Website ohne Gesch&#228;ftsmodell im Vorfeld besser mal ein paar Prepaid-Handys an Robsons Freunde verteilt. Nun werden sie sich bei Verhandlungen um den Einstieg von Investoren mit der <strong>anekdotischen Evidenz eines Teenagers </strong>rumschlagen m&#252;ssen.</p>
<p>Denn die Resonanz auf Robsons Aufsatz ist enorm. Unz&#228;hlige Fondsmanager und CEOs h&#228;tten sich per Email und Telefon gemeldet, erkl&#228;rte Morgan Stanley, die Abteilung erhalte f&#252;nf bis sechsmal mehr Anfragen als &#252;blich.</p>
<p>Und so sind es weniger die f&#252;r ihre ungeheure „Klarheit&#8221; bejubelten Ausf&#252;hrungen des jungen Medienanalysten, die &#252;berraschen, als vielmehr ihre Rezeption. Man fragt sich: wie ist es um die Gr&#252;ndlichkeit und den intellektuellen Gehalt der Dossiers bestellt ist, die Morgan Stanleys hochbezahlte „Medienanalysten&#8221; sonst f&#252;r ihre Kunden erstellt? <strong>Wenn die Jugend nicht f&#252;r Inhalte zahlen will, muss das Internet dann zumachen?</strong> Und nachdem Robson das R&#228;tsel um die Mediennutzung der „Digital Natives&#8221;, dieser scheuen, unerforschten <em>Spezies</em> der Internetkultur, gel&#246;st hat: womit besch&#228;ftigt die „Forschungsabteilung&#8221; von Morgan Stanley ihn in den noch verbleibenden Monaten seines Praktikums?</p>
<p>News Corp-Patriarch Rupert Murdoch hat den <strong>Stab &#252;ber Twitter</strong> &#252;brigens schon gebrochen. Eine Beteiligung an Twitter erkl&#228;rte er auf der Konferenz in Sun Valley f&#252;r <a href="http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=20601109&amp;sid=afywErsV631s">ausgeschlossen.</a></p>
<p>Vor allem aber ist der Hype um das Papier ein Beleg f&#252;r den Digital Divide, der sich angesichts sich rasant entwickelnder Technologien zwischen den Generationen auftut: Selbst 35-J&#228;hrige Medienprofis verstehen nicht mehr, was 15-J&#228;hrige machen.</p>
<p><!--EndFragment-->
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		<title>That&#8217;s shift, baby!</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Apr 2009 14:42:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Leisegang</dc:creator>
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		<category><![CDATA[republica]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://carta.info/?p=7404</guid>
		<description><![CDATA["Jede Konferenz badet in sich selbst", meinte Johnny H&#228;usler noch 2007, anl&#228;sslich der ersten re:publica. Und der Organisator f&#252;gte hinzu: "Warum sollten sich die Blogger nicht einmal selbst zelebrieren?" Das Zitat lie&#223;e sich auch auf die dritte Re:publica anwenden. Denn die „digitale Avantgarde“ dreht sich weiterhin um sich selbst und wei&#223; mit der neu gewonnen medialen Macht wenig anzufangen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/54ce2fe1421ee4adf1efabcf1b70ce" alt="" width="1" height="1" /><br />
Mehr als 100 Veranstaltungen mit 180 Rednern und 1500 Besuchern – da sollte f&#252;r jeden etwas dabei sein. Im Vordergrund stehen der <strong>rasante Wandel der Medien und die digitale Gesellschaft</strong>. Konkret geht es u.a. um Datenschutz, Urheberrechte, Social Media und Open Source.</p>
<p>Die Fragestellungen des diesj&#228;hrigen Blogger- und Internetkongresses gleichen allerdings den vorangegangenen. Nicht ohne Grund wirken die Diskussionen auf den B&#252;hnen schnell kraftlos. Es finden sich kaum noch Reizthemen, die <strong>Argumente sind l&#228;ngst bekannt und ausgetauscht</strong>.</p>
<p>Thomas Kn&#252;wer kam aus dem &#8220;<a href="http://blog.handelsblatt.de/indiskretion/eintrag.php?id=2088">negativen Staunen</a>&#8221; kaum wieder heraus. Das Medienwandel-Panel zum Beispiel: &#8220;Alte Klischees &#8211; wersolldasalleslesennurjournalistenliefernqualit&#228;tund&#252;berhaupt &#8211; wurden wiedergek&#228;ut.&#8221; Sein Fazit nach dem ersten Tag: &#8220;Die re:publica tollt nicht mehr verr&#252;ckt und unbeschwert durch die Gegend.&#8221; Auch Don Dahlmann <a href="http://www.dondahlmann.de/?p=177">fand</a> mehr Ratlosigkeit als Aufbruch vor: &#8220;Tats&#228;chlich ist diese gewisse Ratlosigkeit, bei Bloggern wie bei den Vertretern der &#8216;alten&#8217; Medien, omnipr&#228;sent.&#8221; Tagesschau.de wollte dagegen immerhin noch die &#8220;<a href="http://www.tagesschau.de/kultur/republica100.html">digitale Avantgarde</a>&#8221; auf der Konferenz vorgefunden haben.</p>
<p>Auch in diesem Jahr wird vor allem diskutiert, welchen Stellenwert die neuen Medien haben. Im Zentrum steht das Kompetenzgerangel zwischen voranpreschender Notebook-Elite und defensiven Printp&#228;psten. Die Kluft zwischen den Schreiberz&#252;nften wird seit Jahren gepflegt, zugleich Vers&#246;hnung gepredigt. <strong>Die Digital Natives definieren sich &#252;ber Abgrenzung</strong> und der Kongress droht zu der wohlbekannten Bauchnabelschau zu verkommen.</p>
<p>Das erstaunt, schlie&#223;lich sind die Vorz&#252;ge der digitalen Medien hinreichend diskutiert. Matthias Schwenk hat zudem darauf <a href="http://carta.info/7336/shift-happens-nur-wo/">hingewiesen</a>, dass die Zeiten f&#252;r Internet und Social Media gegenw&#228;rtig nicht rosig aussehen. Die entscheidenden Fragen auf dem Kongress m&#252;ssten daher lauten: <strong>Was machen wir mit diesen neuen, m&#228;chtigen Werkzeugen in unseren H&#228;nden?</strong> Wozu nutzen wir sie?</p>
<p><strong>Vor allem &#252;berrascht, dass die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise im Programm des Kongresses nicht vorkommen.</strong> Zwar f&#246;rdert die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung die Subkonferenz &#8220;Politik 2.0 &#8211; die neuen politischen &#214;ffentlichkeiten im Netz&#8221;. Jedoch dreht sich die Diskussion auch hier vor allem um Netzneutralit&#228;t, Obamas Wahlkampagne und die Blogosph&#228;re in anderen L&#228;ndern.</p>
<p>Somit scheint es, als ersch&#246;pfe sich das Engagement der digitalen Avantgarde in <strong>selbstreferentiellen Meta-Diskussionen und medialen Randthemen</strong>, w&#228;hrend die Uhren weltweit auf f&#252;nf vor zw&#246;lf stehen. Ist das nun der Shift?</p>
<p>Das w&#228;re bedauerlich. Denn gegenw&#228;rtig bietet sich der Blogger-Community eine einmalige Chance. Kapitalismuskrise, Umweltverschmutzung, Krieg und globale Ungerechtigkeit bedrohen die Menschheit weltweit. &#220;berzeugende <strong>nachhaltige L&#246;sungsans&#228;tze sind jedoch rar</strong>.</p>
<p>Derzeit mangelt es allerorten an <strong>politischer und &#246;konomischer Kompetenz</strong>. Die Printjournalisten waren auf die derzeitige Wirtschaftskrise nicht vorbereitet. Es f&#228;llt ihnen schwer, verst&#228;ndlich zu beschreiben, wie es &#252;berhaupt soweit kommen konnte. Niemand vermag zudem darzulegen, wie man die Rezession effektiv bek&#228;mpft oder Alternativen im postneoliberalen Zeitalter aussehen k&#246;nnten. Die Berufsjournalisten der alten Medien m&#252;ssen – beh&#228;big, wie sie sein k&#246;nnen – selbst erst einmal verstehen lernen, was momentan vor sich geht.</p>
<p>Blogger, Micro-Blogger und Social-Media-Experten hingegen k&#246;nnten die vielbeschworene &#8220;Weisheit der Massen&#8221; wirksam einsetzen, um Antworten auf die dr&#228;ngenden Herausforderungen zu finden.  Auf diese Weise lie&#223;e sich eindrucksvoll belegen, dass sie das <strong>Potential der vernetzten Kommunikation</strong> zielgerichtet und <strong>tats&#228;chlich emanzipatorisch</strong> zu nutzen verstehen. Damit w&#252;rden sich auch die Grabenk&#228;mpfe mit den klassischen Medien er&#252;brigen. Die Legitimation der neuen Dialogmedien resultiert dann schlicht aus den &#252;berzeugenden Ergebnissen der digitalen Deliberation.</p>
<p>That&#8217;s shift, baby.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img style="display: none;" src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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			</a>
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=7404&amp;md5=f664338492324ff87ed0859ee5a7eab4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Das neue Verst&#228;ndnis von &#8220;gut informiert&#8221; sein: Lesen, was Freunde lesen</title>
		<link>http://carta.info/6340/facebook-gut-informiert-zeitung/</link>
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		<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 15:59:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Auf die un&#252;bersehbare Vielfalt der medialen Angebote im Internet hat eine neue Generation l&#228;ngst ihre Antwort gefunden: Sie folgt nicht mehr einzelnen Leitmedien, sondern den Meinungsf&#252;hrern im pers&#246;nlichen Freundeskreis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4056abfdd08eff9ae644c1630fe117" alt="" width="1" height="1" /><br />
Junge Menschen lesen bekanntlich keine Zeitung mehr. Aber was tun sie dann? Sie halten sich lang und gern im Internet auf, insbesondere auf Social Networks wie <a href="http://www.facebook.com">Facebook</a>. Dort k&#246;nnen sie anhand des <a href="http://blog.facebook.com/blog.php?post=2207967130">Newsfeeds</a> sehen, was ihre Freunde gerade tun oder interessant finden. Dar&#252;ber sollte man nicht vorschnell hinwegsehen, auch wenn so ein Newsfeed auf alle &#252;ber 30-J&#228;hrigen eher banal wirkt. Denn in ihm steckt m&#246;glicherweise einer der Schl&#252;ssel zum <strong>Medienverst&#228;ndnis der Zukunft</strong>.</p>
<p><strong>Nachrichten und Kommunikationsmuster<br />
</strong></p>
<p>&#196;ltere Menschen f&#252;hlen sich gut informiert, wenn sie ihre (gedruckte) Tageszeitung durchsehen konnten. Die etwas J&#252;ngeren suchen sich ihre Nachrichten im Internet, sei es auf Nachrichtenportalen oder in Blogs. Dazu haben viele von ihnen jede Menge Newsletter abonniert. <strong>Die j&#252;ngste, schon ganz mit dem Internet aufgewachsene Generation, versteht unter &#8220;gut informiert sein&#8221;, dass sie dar&#252;ber im Bilde ist, was ihre Freunde im Netz gut finden</strong>: Das k&#246;nnen Videos auf YouTube sein, aber auch einzelne Artikel oder Diskussionen in einem Chatroom.</p>
<p>Auf die un&#252;bersehbare Vielfalt und Menge der medialen Angebote im Internet hat diese Generation l&#228;ngst ihre Antwort gefunden: Sie folgt nicht mehr einzelnen <strong>Leitmedien</strong>, sondern den <strong>Meinungsf&#252;hrern im pers&#246;nlichen Freundeskreis</strong>. Instrumente wie der 2006 auf Facebook erstmalig eingef&#252;hrte Newsfeed helfen dabei, das daf&#252;r erforderliche Kommunikationsmuster zu pflegen.</p>
<p>Aktuell ist das von Jugendlichen noch kaum genutzte <a href="http://www.twitter.com">Twitter</a> dabei, exakt dieses Muster bei den etwas &#228;lteren Internetnutzern zu verbreiten: Wer n&#228;mlich den ganzen Tag &#252;ber den getwitterten Linkempfehlungen seiner Twitterfreunde folgt, kommt schon aus Zeitgr&#252;nden nicht mehr dazu, <strong>ein einzelnes Medium systematisch zu lesen</strong>.</p>
<p>Ob dieser Wandel im Medienkonsum gut oder schlecht ist, soll hier nicht diskutiert werden. Vielmehr geht es um die Frage, ob Zeitungen, die gerade beginnen sich mit dem Internet n&#228;her anzufreunden, dort nicht schon wieder den Anschluss verlieren, weil sie von einem <strong>&#252;berholten Kommunikationsmuster</strong> ausgehen.</p>
<div id="attachment_6367" class="wp-caption aligncenter" style="width: 483px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/menchen.jpg"><img class="size-full wp-image-6367" title="menchen" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/03/menchen.jpg" alt="menchen" width="473" height="311" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;If the news is important, it will find me.&quot;</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p><strong>Facebook und Google<br />
</strong></p>
<p>Denn das Internet entwickelte sich zun&#228;chst in <strong>Analogie zu den gedruckten Medien</strong>, wo man als Leser von einer Internetseite zur n&#228;chsten ging. Medien wie Facebook r&#252;tteln aber an diesem Konzept und bieten sich als Alternative an, bei der man nicht mehr zu den Nachrichten hingeht, sondern diese zum Nutzer selbst kommen.</p>
<p>Diese Sicht auf die Dinge mag ungew&#246;hnlich wirken, wenn man den Gebrauch von Medien vor dem Internetzeitalter erlernte oder von dessen Anf&#228;ngen in den 1990er Jahren stark gepr&#228;gt wurde. Wer aber wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Millennials">Millennials</a> eine Zeit ohne Internet kaum mehr kennt, findet das Konzept von Facebook offenbar sehr &#252;berzeugend.</p>
<p>Dabei hat das noch junge Startup bereits einige H&#246;hen und Tiefen hinter sich. Noch immer fehlt ihm ein <strong>nachhaltiges Gesch&#228;ftsmodell</strong> und nicht zuletzt an der <a href="http://www.businessweek.com/technology/content/mar2009/tc2009031_743025.htm">absurd hohen Bewertung</a> scheiterte sein Versuch, Twitter zu &#252;bernehmen.</p>
<p>Auf der Habenseite sind Innovationen wie der oben erw&#228;hnte Newsfeed, aber auch die <a href="http://developers.facebook.com/videos.php">im Mai 2007</a> eingef&#252;hrte Schnittstelle f&#252;r (externe) Entwickler zu nennen, die damit erstmals <strong>eigene Applikationen auf Facebook</strong> laufen lassen konnten. So etwas gab es vorher nirgendwo sonst. Wer heute &#252;ber die Schnittstellen der <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/03/11/guardian-api/">New York Times oder des Guardian</a> spricht, muss den konzeptionellen Ursprung bei Facebook sehen.</p>
<p>So ist es auch kein Wunder, dass man Facebook immer wieder nachsagt, <a href="http://seo.de/835/die-heimliche-geburt-des-wahren-google-killers/">gr&#246;&#223;er und wichtiger als Google</a> werden zu k&#246;nnen (<strong>&#8220;Google Killer&#8221;</strong>). Dazu passend gibt es Ger&#252;chte, Facebook wolle einen <a href="http://www.allfacebook.com/2008/09/wheres-the-facebook-browser/">eigenen Browser</a> auf den Markt bringen.</p>
<p>Diese Aspekte m&#252;ssen Zeitungsverlage bedenken, wenn sie sich von Google bedroht f&#252;hlen und den Eindruck haben, diese Suchmaschine habe <a href="http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2009/03/10/gastblog-google-wird-zur-informationsmaschine/">zu viel Einfluss</a>. Google ist ein Kind aus der Zeit der Seiten und Dokumente im Internet und damit gepr&#228;gt von den 1990er Jahren. Facebook hingegen ist etwas Neues. Es steht f&#252;r Begriffe wie &#8220;<a href="http://bradfitz.com/social-graph-problem/">Social Graph</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Social_search">Social Search</a>&#8220;. Sein Gr&#252;nder, Mark Zuckerberg, ist selbst ein <strong>Millennial</strong> und pr&#228;gt zusammen mit seinen Entwicklern das Internet aus dieser <a href="http://www.mathewingram.com/work/2008/03/27/if-the-news-is-important-it-will-find-me/">spezifischen Sicht</a>, nach der alles Wichtige schon seinen Weg zum richtigen Empf&#228;nger finden wird.</p>
<p>Wundert es da noch jemanden, dass Facebook aktuell das gr&#246;&#223;te Social Network weltweit ist und pro Tag mehr als <a href="http://www.insidefacebook.com/2009/02/14/facebook-surpasses-175-million-users-continuing-to-grow-by-600k-usersday/">600.000</a> neue Mitglieder gewinnt? Auch in <a href="http://meedia.de/nc/details/article/vzs-verlieren-deutlich--facebook-holt-auf_100016852.html">Deutschland</a> sieht es jetzt so aus, als w&#252;rde Facebook an Fahrt gewinnen und das Feld der Wettbewerber von hinten aufrollen.</p>
<p><strong>Zeitungen und Leser</strong><strong><br />
</strong></p>
<p>Zeitungsverlage befinden sich also in einer misslichen Lage: Ihren &#228;lteren Stammlesern sollen sie weiterhin die gedruckte Zeitung ins Haus liefern, einer mittleren Generation d&#252;rfen sie m&#246;glichst attraktive Portale im Internet bieten und den j&#252;ngsten Lesern gilt es, die Nachrichten einzeln hinterher zu tragen und irgendwie bei Facebook oder Twitter einzuschleusen. Kann so etwas gut gehen?</p>
<p>Eigentlich nicht. Da aber bekanntlich den jungen Leuten die Zukunft geh&#246;rt, wird Verlagen, die selbst auch eine <strong>Zukunft</strong> haben m&#246;chten, gar nichts anderes &#252;brig bleiben, als hier den Anschluss zu suchen.</p>
<p>Der Schl&#252;&#223;el zum Erfolg liegt im <strong>Verst&#228;ndnis der Mediennutzung</strong> verschiedener <a href="http://carta.info/5934/die-droge-der-musikwirtschaft/">Alters- und Zielgruppen</a>. Nur wer sein Angebot entsprechend anpassen kann, wird auf Dauer &#252;berleben k&#246;nnen. Den Mitgliedern auf Facebook ist es egal, ob irgendwo ein Medium sein Erscheinen einstellt, ihr Newsfeed ist dennoch stets gut gef&#252;llt. Das Internet ist schlie&#223;lich eine unersch&#246;pfliche Fundgrube f&#252;r Neues, Kurioses und Unterhaltsames.</p>
<p>Anmerkung: Foto von <a href="http://www.flickr.com/photos/digitaltool/2989270440/">DigitalTool</a>. Mehr zum Zitat unter dem Foto auch <a href="http://www.mathewingram.com/work/2008/03/27/if-the-news-is-important-it-will-find-me/">hier</a>.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
<div class="tweetmeme_button" style="float: right; margin-left: 10px;">
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		</div>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/6340/facebook-gut-informiert-zeitung/">Das neue Verst&#228;ndnis von &#8220;gut informiert&#8221; sein: Lesen, was Freunde lesen</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/6340/facebook-gut-informiert-zeitung/#comments">41 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=6340&amp;md5=fcf818c5f2f6e8686f8408a75535e05e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rocky Mountain Picture Show</title>
		<link>http://carta.info/5850/rocky-mountain-picture-show/</link>
		<comments>http://carta.info/5850/rocky-mountain-picture-show/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 02 Mar 2009 11:25:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Online-Journalimus]]></category>

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		<description><![CDATA[In Denver hat die Rocky Mountain News ihren Betrieb eingestellt, eine Zeitung, die fast 150 Jahre lang erschienen ist. Wie aber verbreiten sich k&#252;nftig Nachrichten in einer Stadt ohne Zeitung?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/395953c29b4535fc80294c4cce8f15" alt="" width="1" height="1" /><br />
Sie haben einen sehr eindrucksvollen Schlussakkord gesetzt: Die <a href="http://www.rockymountainnews.com/">Rocky Mountain News</a>, eine Tageszeitung in Denver, musste aus wirtschaftlichen Gr&#252;nden ihren Betrieb einstellen. Die Mitarbeiter haben davon ein Video gemacht.</p>
<p><object width="400" height="225" data="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=3390739&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=ffffff&amp;fullscreen=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=3390739&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=ffffff&amp;fullscreen=1" /></object></p>
<p>Dieses Video geht derzeit buchst&#228;blich um die ganze Welt und bietet wieder einmal Anlass zu fragen, ob und welche Zukunft <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2008/11/10/das-ende-der-zeitungen-change-happens/">Zeitungen im Internet</a> haben. In Denver stellt sich diese Frage nicht mehr: Die Stadt hat zwar noch ein <a href="http://www.denverpost.com/">zweites Blatt</a>, das aber deutlich st&#228;rker auf den Boulevard zugeschnitten ist.</p>
<p>Wie kommen ab jetzt in dieser Stadt (seri&#246;se) Nachrichten und Kommentare an den Mann? Und wo platzieren lokale Unternehmen ihre Werbung und ihre PR? Den eben entlassenen Journalisten und Redakteuren der Rocky Mountain News sollte nicht bange sein, denn sie werden schon sehr bald wieder gebraucht &#8211; nur in einer ganz anderen Art und Weise.</p>
<p>In einer <a href="http://www.wortfeld.de/2009/02/eine-geht-eine-bleibt/">Stadt ohne Zeitung</a>, aber mit funktionierender Internetinfrastruktur, d&#252;rfte sich ein Netz aus Medien der neuen, digitalen Art herausbilden. Denn jeder, der etwas bekannt zu geben hat, tut dies am besten auf seiner Website, oder besser noch, in seinem Blog.</p>
<p>Nat&#252;rlich wird es diesen Medien zun&#228;chst an Reichweite fehlen. Un&#252;bersichtlich wird es auch, wenn jede Institution ihr eigenes Nachrichtenorgan ist. Das aber wird nicht lange so bleiben, denn wenn erst einmal genug &#8220;Sender&#8221; arbeiten, entsteht ein N&#228;hrboden f&#252;r Blogs, die sich einzelne Bereiche herausgreifen und diese beobachten (&#8220;Watchblogs&#8221;). So filtern und verst&#228;rken sie Nachrichten und kommentieren zugleich. Ein Medium wie <a href="http://www.twitter.com">Twitter</a> kann diesen Prozess unterst&#252;tzen.</p>
<p>Dazu k&#246;nnen dann aggregierende Medien treten (<a href="http://www.rivva.de">Rivva</a> w&#228;re ein Beispiel aus Deutschland). Diese arbeiten derzeit noch &#252;berwiegend themenzentriert, k&#246;nnen aber problemlos auch in regionaler Hinsicht fungieren.</p>
<p>Was auf den ersten Blick kompliziert wirkt und eher eine Verschlechterung zu sein scheint, ist in Wirklichkeit eine substanzielle Verbesserung. Denn die klassische Zeitung bietet zwar einen bequemen &#220;berblick &#252;ber Nachrichten, schert aber zwangsl&#228;ufig alle Leser &#252;ber einen Kamm. &#196;ltere Zeitgenossen m&#246;gen das gut finden, die &#8220;Digital Natives&#8221; jedoch nicht: Sie sind es heute schon gewohnt, sich Interessantes und Unterhaltsames selbst im Netz zu suchen und sich auf Plattformen wie <a href="http://www.facebook.com">Facebook</a> gegenseitig Empfehlungen zu geben.</p>
<p>Die Zukunft geh&#246;rt daher eindeutig Kommunikationsmustern wie auf Facebook oder Twitter: Jeder folgt hier seinem individuell zusammengestellten Strom von Mitteilungen und bestimmt dabei gleichzeitig &#252;ber Art und Menge der Inhalte. Die Verbreitung von Nachrichten wird in Zukunft damit wesentlich granularer sein.</p>
<p>Wo aber finden da die Journalisten der Rocky Mountain News ihren Platz?</p>
<p>Journalisten werden k&#252;nftig an vielen Stellen gebraucht, nur eben nicht mehr zentral in gro&#223;en Redaktionen. Sie werden f&#252;r Unternehmen aller Art schreiben, sei es fest angestellt, sei es freiberuflich. Einige werden sich als <a href="http://www.micropersuasion.com/2009/02/the-newspaper-reporter-of-the-future-is-here-today.html">Blogger</a> selbst&#228;ndig machen. Ihre Aufgabe wird es aber nicht nur sein, Artikel zu schreiben, sondern auch als <a href="http://www.chrisbrogan.com/on-managing-a-community/">Social Community Manager</a> daf&#252;r zu sorgen, dass ihre Botschaften in den richten Kan&#228;len landen und dass Dialoge dazu in Gang kommen und moderiert werden.</p>
<p>So gesehen muss der Abschied von der Zeitung in Denver gar nicht negativ gesehen werden. In jedem Ende liegt bekanntlich schon der Anfang von etwas Neuem. Allerdings sieht es in Denver derzeit eher danach aus, dass man diesen Neuanfang noch hinausschiebt: Die Denver Post hat n&#228;mlich <a href="http://www.denverpost.com/news/ci_11792235?source=pop_section_news">angek&#252;ndigt</a>, eine Reihe von Mitarbeitern der Rocky Mountain News zu &#252;bernehmen. Zudem erhalten deren Abonnenten ab jetzt automatisch das (bisherige) Konkurrenzblatt.</p>
<p>Der Denver Post mag das noch einige Zeit helfen. Am grunds&#228;tzlichen Medienwandel &#228;ndert es aber nichts, ebenso wenig wie die derzeit verst&#228;rkt wieder aufkommende <a href="http://www.welt.de/wams_print/article3295351/Zur-Kasse-Leser.html">Debatte um Paid Content</a>. Hier sollte sich niemand in falschen Hoffnungen wiegen, denn der entscheidende Punkt ist, dass die Medien mit dem Internet ihre monopolartige Vermittlerrolle und damit auch ihr <a href="http://carta.info/5738/tim-renner-journalismus-internet-musikindustrie/">altes Gesch&#228;ftsmodell</a> verloren haben.</p>
<p>So gesehen sollten die jetzt auf der Stra&#223;e stehenden Journalisten und Redakteure der Rocky Mountain News konsequent nach vorne schauen. Mit ihrem Video haben sie schlie&#223;lich eindrucksvoll gezeigt, dass sie die neue Medienwelt verstehen.<br />
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