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	<title>CARTA &#187; Die Grünen</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Der neue Trend: Muss- statt Wunschkoalition</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 13:03:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[F&#252;r klare Mehrheitsverh&#228;ltnisse ist Schleswig-Holstein l&#228;ngst nicht mehr  bekannt. Seit Sonntag  bringen zus&#228;tzliche 8,2 Prozent Piraten–W&#228;hler die Koalitions-Restsicherheit vollends durcheinander.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Landtagswahl zwischen Nord- und Ostsee gibt einen Vorgeschmack einerseits auf Koalitionsbildungen im Sechs-Parteien-Deutschland: Stabile Mehrheiten? Fast unm&#246;glich! Und auf die unglaubliche Volatilit&#228;t der W&#228;hler: Aus 1,2 Prozent an der Saar sind in Monatsfrist  8,2 Prozent f&#252;r die FDP im Norden geworden.</p>
<p>Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein wirft perspektivisch mehr Fragen auf als Erkenntnisse ab: Ist die Union ohne strategischen  Partner? Hat die FDP ihre Krise &#252;berwunden? Sind die Gr&#252;nen wieder auf Normalma&#223; geschrumpft? Haben die Piraten bereits ihren Zenit &#252;berschritten? Ist die Linke wieder zur Ostpartei degradiert? Und: Bleibt die SPD die Nummer zwei? R&#252;ckschl&#252;sse der Landtagswahl auf den Bund bleiben Sp&#246;kenkiekerei.</p>
<p>Sieben Jahre nach dem Simonis-Debakel und drei nach dem krachenden Ende einer v&#246;llig zerstrittenen Gro&#223;en Koalition werden Regierungsoptionen immer ungewisser, da beide Gro&#223;e zusammen nur noch knapp &#252;ber 60 Prozent verf&#252;gen: Die CDU verlor, auch wegen ihres spr&#246;den Kandidaten de Jager, und die SPD verfehlte das von Spitzenkandidat Albig anvisierte Ziel von 40+x  mit 30,4 Prozent meilenweit.</p>
<p>Obwohl die Rahmenbedingungen f&#252;r die SPD au&#223;erordentlich g&#252;nstig waren: Ziemlich perfekt passte bei ihr das Good guy/Bad guy-Prinzip: Albig als Wohlf&#252;hl-Landesvater, SPD-Partei- und Fraktionschef Stegner als Wadenbei&#223;er, weil beide ehemaligen Konkurrenten um die Spitzenkandidatur exzellent miteinander den linken und rechten Parteifl&#252;gel bes&#228;nftigten, ohne sich gegenseitig zu besch&#228;digen. Albigs dadurch verbreitete Siegeszuversicht, nachdem er vor zwei Jahren das Kieler Rathaus klar eroberte, erzeugte die wichtige Wechselstimmung: 52 Prozent w&#252;nschten sich eine von der SPD, nur 31 eine von der CDU gef&#252;hrte Landesregierung.  Und schlie&#223;lich sprach die Masse der Koalitionsoptionen f&#252;r die SPD: Wir &#8211; so deren Botschaft &#8211; regieren im Gegensatz zur CDU auf jeden Fall: Am liebsten mit den Gr&#252;nen, f&#252;r 52 Prozent der W&#228;hler die pr&#228;ferierte Koalition, zur Not aber auch noch mit den 4,5 Prozent der d&#228;nischen Minderheitspartei SSW, f&#252;r die traditionsgem&#228;&#223; keine F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde gilt, deren Steigb&#252;gelhalterrolle allerdings nur von einer Minderheit  auch in der SPD gesch&#228;tzt wird. Zu gut noch ist den W&#228;hlern die 2005 geplante SSW-Duldung von Rot-Gr&#252;n in Erinnerung, die mit der Abwahl Heide Simonis‘ grandios scheiterte. Andererseits meistert Albig als Kieler Oberb&#252;rgermeister gerade dieses B&#252;ndnis, zudem noch ziemlich ger&#228;uschlos.</p>
<p>Deutlich schlechter die Ausgangslage der CDU, die &#8211; wie &#252;blich &#8211; nicht die Themenhoheit gewann. W&#228;hrend z.B. CDU-Spitzenkandidat  R&#246;ttgen in NRW dadurch in die Glaubw&#252;rdigkeitsfalle kam, sich bei einer Niederlage nicht zum Verbleib in D&#252;sseldorf zu bekennen,  spielte die Zukunft von Torsten Albig keine Rolle. Der Zugereiste durfte mit &#8216;Mein Lieblingsland&#8217; werben, konnte thematisch unklar bleiben und mit Pathos und Plattit&#252;den trotz aller Landesproblemen wahlwirksame Wohlf&#252;hlstimmung  verbreiten. Der Ministerpr&#228;sidentenbonus war die Folge: Nur 30 Prozent wollten Jost de Jager von der CDU, 51 Prozent hingegen Albig als zuk&#252;nftigen Ministerpr&#228;sidenten. Nicht Schleswig-Holsteins Urgestein, sondern der  SPD-Herausforderer aus Westfalen war der gesp&#252;rte Nachfolger des bodennahen  Ministerpr&#228;sidenten Peter Harry Carstensen, der zu wenig daf&#252;r tat, seinen Amtsbonus auf de Jager zu transferieren.</p>
<p>Der CDU unterlief im Endspurt auch der Fehler, nicht zu beachten, dass die W&#228;hler 25 Jahre lang politische Dramen zu &#252;berstehen hatten: Nach den ‚F&#228;llen‘ Barschel und Engholm, zuletzt nach dem grausame Ende von Schwarz-Rot 2009 sind sie besonders harmoniebed&#252;rftig. So dass die CDU-Stimmungsmache gegen die ‚D&#228;nen-Ampel‘ mit der vermeintlichen  Steigb&#252;gelhalterpartei SSW vor allem als Wut &#252;ber eigene fehlende Machtoptionen gesehen wurde. Damit aber untergrub sie die anerkannte Harmoniepolitik von Landesvater Carstensen und  fiel  wieder in die unangenehme alte Rolle der Angst- und Machtpartei zur&#252;ck. Dies schadete vor allem Jost de Jager, dem selbst ernannten &#8216;Substanz-Politiker&#8217;, dem auch nach Eindruck der W&#228;hler ein Wadenbei&#223;er-Wahlkampf  nicht  wirklich liegt.  Nicht authentisches Agieren, zumal auf dem R&#252;cken der seit 15 Jahren im Landtag  respektierten SSW-Spitzenkandidatin Anke Spoorendonk, bescherten der CDU ein Mobilisierungsproblem: ca. zehn Prozent ihrer W&#228;hler 2009 gingen diesmal nicht zur Wahl.</p>
<p>Der nach der Demission von Christian von Boetticher kurzfristig als neuer Hoffnungstr&#228;ger inthronisierte CDU-Wirtschaftsminister de Jager &#252;bersah zudem, dass in einer immer komplexeren Welt nicht Kompetenz und Programm Wahlen entscheiden, sondern B&#252;rgern&#228;he, K&#252;mmern und &#8216;Ich bin einer von Euch&#8217;-Stimmung die entscheidenden Stimmen liefern. In weiser Voraussicht  hatte Kanzlerin Merkel den scheidenden Carstensen, den wohl der beliebteste Nord-MP aller Zeiten, zur erneuten Wahl bewegen wollen. So aber wurde gerade bei den &#8216;weichen Werten&#8217;  der Unterschied zum  Nachfolgekandidaten besonders deutlich, so dass in der Koalitionsfrage die &#8216;Gro&#223;e&#8217; erst an dritter Stelle mit 39 Prozent vor Schlusslicht  Schwarzgelb mit 26 Prozent gew&#252;nscht wurde.</p>
<p>Das politische Meisterst&#252;ck 2012 gelang dagegen Wolfgang Kubicki. Siebenfach mehr W&#228;hler als vor Monatsfrist an der Saar machten Kubicki zum bundesweiten Hoffnungstr&#228;ger der Liberalen, gaben eine Steilvorlage f&#252;r NRW. Und nahmen R&#246;sler aus der Schusslinie. War das die Initialz&#252;ndung  einer liberalen Renaissance im Bund? 8,2 Prozent waren vor allem Kubicki-Lob! Sein f&#252;nfter Wahlkampf als FDP-Spitze war sein genialster, weil er es schaffte, 63 Prozent der W&#228;hler zu verdeutlichen, dass die Landes-FDP nichts mit der im Bund gemein hat. Die Liberalen wurden in Schleswig-Holstein fast ausschlie&#223;lich mit dem streitbaren, extrovertierten, kommunikativen  &#8216;Kommando-Kubicki&#8217; in Verbindung gebracht. Sein Mut imponierte, seine Taktik brillierte, weil es dem Nord-Rebellen sogar gelang, rhetorisch geschickt das gr&#246;&#223;te Hindernis respektablen W&#228;hlerzuspruchs, mangelnde Machtoptionen, aus dem Wege zu r&#228;umen: &#8216;Jamaika im Norden&#8217; &#252;berzeugte die Schleswig-Holsteiner nicht nur wetterm&#228;&#223;ig. Die FDP k&#246;nnte sich sogar im Landtag wiederfinden, dann mit einem Finanzminister Kubicki.</p>
<p>In der Realit&#228;t sind dagegen die Gr&#252;nen angekommen. Trotz ihres jugendlich wirkende Spitzenkandidaten Robert Habeck verlor die Partei das Signet der f&#252;r Protestw&#228;hler attraktiven &#8216;Alternativen&#8217;. Zudem fehlten wie im Bund gr&#252;ne Themen: Andere von ihren Ideen &#252;berzeugt zu haben macht sie f&#252;r viele &#252;berfl&#252;ssig.</p>
<p>Ein Fehler war nach dem desolaten Ergebnis von Schwarz-Gr&#252;n im benachbarten Hamburg deren Anb&#228;ndelungen an die CDU, die vor allem linke Gr&#252;ne zu den Piraten trieb. Zu ihnen, deren Oberpiratin ausgerechnet die fr&#252;here Gr&#252;ne Angelika Beer ist,  ist jeder vierte Gr&#252;ne 2009 gewechselt. Neben bescheidenen Zuw&#228;chsen aus CDU, SPD und FDP holten die Enterer ein Viertel ihrer W&#228;hler von den Nichtw&#228;hlern, was trotzdem nichts an der bisher niedrigsten Wahlbeteiligung von 60,1 &#228;nderte. Dennoch haben die Piraten wohl &#228;hnlich wie im Bund ihren Zenit &#252;berschritten. F&#252;r Jux, Unkenntnis, Inkompetenz und mangelnde Verantwortungs&#252;bernahme sind die Zeiten dann doch wohl zu ernst. &#196;hnlich f&#252;r die wieder mit 2,1 Prozent zur Ost-Partei geschrumpften Linken, deren Ruf nach Oskar jetzt lauter wird.</p>
<p>Nach der Wahl beginnt die Qual: Denn was die Piraten auf jeden Fall erreicht haben‚ sind &#8216;Alles ist m&#246;glich&#8217;-Verh&#228;ltnisse. 8,2 Prozent vermasselten Rot-Gr&#252;n den Durchmarsch zur Macht, Schwarz-Gelb die Neuauflage  und  bescheren Schleswig-Holstein wom&#246;glich eine ‚D&#228;nenampel‘, die nur jeder Dritte, auch Mehrheiten innerhalb der SPD, so nicht &#8216;in Ordnung&#8217; finden. Wunschkoalitionen – so die Lehre aus Schleswig-Holstein – sind die Ausnahme, Muss-Koalitionen werden zur Regel.
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		<title>J&#252;rgen Trittin, die SZ und die Kulturflatrate</title>
		<link>http://carta.info/42650/jurgen-trittin-die-sz-und-die-kulturflatrate/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 16:12:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[An der Kulturflatrate reiben sich vor allem jene, die nicht so genau wissen, was das ist. Manche k&#228;mpfen auch einen Kulturkampf gegen Windm&#252;hlenfl&#252;gel – wie j&#252;ngst das Feuilleton der SZ. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>J&#252;rgen Trittin, der Fraktionsvorsitzende der Gr&#252;nen, ist unl&#228;ngst mit seiner Forderung nach einer Kulturflatrate f&#252;rs Internet ins Kampfget&#252;mmel um Piraten, Urheberrechte und Kostenlos-Kultur geraten. In einem <a href="http://www.wiwo.de/politik/deutschland/juergen-trittin-kulturflatrate-fuers-internet/6455848-4.html">Interview</a> mit der <em>Wirtschaftswoche</em> sagte er:</p>
<blockquote><p>„Es ist ein Skandal, dass Konzerne &#252;ber Abmahnanw&#228;lte Sch&#252;ler kaputtklagen, weil sie eine Musikdatei runtergeladen haben. Das ist ein schamloses Missverh&#228;ltnis. Das hat mit dem Schutz von Urheberrechten nichts zu tun, das ist Gesch&#228;ftemacherei. Einen Unterschied gibt es allerdings: Wir sagen, dass der Kreative – nicht der Rechteinhaber – ein Recht auf anst&#228;ndige Entlohnung hat. Man muss es zu einem vern&#252;nftigen Ausgleich bringen: die Rechte von Kreativen, die Musik, Texte und dergleichen produzieren und davon leben, und den Nutzern, die m&#246;glicherweise nicht viel Geld haben.“</p></blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die <em>Wirtschaftswoche </em>fragte noch einmal nach: Sie pl&#228;dieren also f&#252;r eine Kultur-Flatrate? „Was verstehen Sie konkret darunter?“ Trittins (leider falsche) Antwort:</p>
<blockquote><p>„Das kennt man von ARD und ZDF. Jeder zahlt einmal eine Geb&#252;hr und darf so viel runterladen, wie er will. Das wird schon im Kleinen bei Internet-Plattformen praktiziert. Da brauchen wir dringend gesetzliche Regelungen. Ich m&#246;chte, dass Menschen, die gute Songs schreiben oder dichten und B&#252;cher schreiben, von ihrer Arbeit leben k&#246;nnen. Die Flatrate w&#228;re ein Weg zum gerechten Lohn.“</p></blockquote>
<p>Trittins irref&#252;hrende Aussage (denn die Kulturflatrate ersetzt keineswegs den Lohn!) erboste den Kulturchef der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>, Andrian Kreye, so sehr, dass er Trittin in einem <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/diskussion-um-kulturflatrate-wie-opportunismus-die-urheberrechtsdebatte-behindert-1.1324659">Leitartikel</a> durchsichtige Man&#246;ver und populistische Kulturkampfrhetorik unterstellte:</p>
<blockquote><p>„Wenn sich Gr&#252;nen-Fraktionschef J&#252;rgen Trittin pl&#246;tzlich f&#252;r eine Kulturflatrate ausspricht, mag er damit gegen die Piraten punkten wollen &#8211; die Debatte um das Urheberrecht bringt sein Opportunismus nicht voran.“</p></blockquote>
<p>Gleich drei Aussagen sind in diesem erregten kleinen Satz falsch: 1. Die Gr&#252;nen sprechen sich keineswegs „pl&#246;tzlich“ f&#252;r die Kulturflatrate aus, sie tun dies bereits seit vielen Jahren (allerdings anders als Trittin glaubt), 2. Die Gr&#252;nen haben es – zumindest in diesem Punkt – nicht n&#246;tig, gegen die Piraten zu „punkten“, weil sie bereits Anfang 2009, noch vor dem ersten gro&#223;en Piratenerfolg, f&#252;r die Kulturflatrate waren, w&#228;hrend sich die Piraten eindeutig <em><a href="http://carta.info/12283/piraten-wollen-die-freiheit-die-piratenpartei-ist-gegen-die-kulturflatrate/">gegen</a></em> eine Kulturflatrate aussprechen. Und 3. ist der Vorwurf des Opportunismus aufgrund der beiden vorgenannten Punkte absurd.</p>
<p>Auch sonst zeigte der Leitartikel der <em>SZ</em>, dass sich der Verfasser nicht die M&#252;he gemacht hatte, die Grundlagen der Gr&#252;nen-Forderung zur Kenntnis zu nehmen. Er polemisierte lieber &#8211; wie andere vor ihm &#8211; gegen die angeblich drohende b&#252;rokratische &#220;berregulierung, die in Gestalt von Verwertungsgesellschaften g&#228;ngige Praxis und gar nicht so bedrohlich ist.</p>
<p>Andrian Kreye glaubt &#8211; wie viele andere vor ihm &#8211; dass aus den Kulturflatrate-Einnahmen die Honorare der Kreativen bezahlt werden sollen. Doch genau darum geht es der Kulturflatrate gerade <em>nicht</em>. Es geht ihr allein um die (bislang ausgebliebene) Abgeltung f&#252;r die massenhafte <em>nicht-kommerzielle Nutzung </em>urheberrechtlich gesch&#252;tzter Werke. Es geht also lediglich darum, die im Urheberrecht bereits verankerte Verg&#252;tung f&#252;r Privatkopien in die Praxis umzusetzen. Das geschieht n&#228;mlich nicht.</p>
<p>Und damit sind wir bei den Gr&#252;nen, denen Kreye zu Unrecht Opportunismus vorwirft. In punkto Kulturflatrate sind die Gr&#252;nen ausgesprochene Pioniere. Das h&#228;tte man im hauseigenen Archiv auch nachlesen k&#246;nnen. Man h&#228;tte dort Folgendes gefunden:</p>
<p>Im M&#228;rz 2009 legte das <em>Institut f&#252;r Europ&#228;isches Medienrecht</em> in Zusammenarbeit mit der <em>Projektgruppe verfassungsvertr&#228;gliche Technikgestaltung </em>an der Universit&#228;t Kassel ein <a href="http://www.jurablogs.com/de/eine-kulturflatrate-rechtlich-machbar">Kurzgutachten</a> zur Kulturflatrate vor. Das Gutachten hatten die Bundestagsfraktion von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und die Fraktion der Gr&#252;nen bzw. der Freien Europ&#228;ischen Allianz im Europ&#228;ischen Parlament gemeinsam in Auftrag gegeben. Als Verfasser des Gutachtens zeichneten Prof.Dr. Alexander Ro&#223;nagel, Dr. Silke Jandt, Dr. Christoph Schnabel und Anne Yliniva-Hoffmann.<em> </em>Gepr&#252;ft wurde von der Wissenschaftlergruppe „die Zul&#228;ssigkeit einer Kulturflatrate nach nationalem und europ&#228;ischem Recht“. Dieses Rechts-Gutachten war eine wesentliche <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/netzpolitik/dok/278/278135.eine_kulturflatrate_ist_machbar.html">Grundlage</a> f&#252;r die Forderung der Gr&#252;nen nach Einf&#252;hrung einer Kulturflatrate zur pauschalen Abgeltung nicht-kommerzieller Nutzung. Die Kernaussagen des Papiers will ich hier noch einmal vorstellen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Kulturflatrate</strong></p>
<blockquote><p>„Unter einer Kulturflatrate ist die Legalisierung der <em>nichtkommerziellen</em> Weitergabe und Vervielf&#228;ltigung von digitalen, urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken &#252;ber das Internet zu verstehen, f&#252;r welche zum Ausgleich eine pauschale Geb&#252;hr zur Entsch&#228;digung der Rechteinhaber zu erheben und an diese abzuf&#252;hren ist.“</p></blockquote>
<p>Es geht also &#8211; man kann es nicht oft genug wiederholen &#8211; um <em>nicht-kommerzielle Zweitverwertungen, und </em>nicht um kommerzielle Verwertungen.</p>
<blockquote><p>„Wurden die urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werke auf k&#246;rperlichen Datentr&#228;gern ver&#246;ffentlicht (etwa auf CD oder DVD), so handelt es sich bei ihrer Verbreitung im Internet um so genannte <em>Zweitverwertungen</em>.“</p></blockquote>
<p>Eine gesetzliche Kulturflatrate w&#252;rde nach Auffassung der genannten Gutachter festlegen, unter welchen Voraussetzungen der Tausch eines Werks &#252;ber das Internet <em>ohne</em> Zustimmung des Urhebers zul&#228;ssig ist. Da mit einer solchen Regelung ein gravierender Eingriff in die Verwertungsrechte der Urheber verbunden ist, w&#228;re die Kulturflatrate nach Meinung der Experten nur legitimierbar, wenn sie als <em>Inhalts- und Schrankenbestimmung</em> nach Art. 14 Abs. 1 Satz 2 Grundgesetz akzeptabel w&#228;re.</p>
<p>Bei der Kulturflatrate handelt es sich deshalb um eine Generallizenz f&#252;r Privatkopien. Man k&#246;nnte sie durchaus mit der bereits existierenden Leermedienabgabe nach §54 Urhebergesetz vergleichen. Allerdings w&#252;rde die Kulturflatrate nicht (was nahe l&#228;ge) von den Tauschb&#246;rsenbetreibern bezahlt, sondern von den Access-Providern bzw. den Internet-Nutzern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Problem</strong></p>
<p>Mit der Verbreitung des Internets ist die Zahl der (nach jetzigem Recht) illegal vervielf&#228;ltigten und weitergegebenen Werke stark gestiegen. Den Rechteinhabern ist es bislang nicht m&#246;glich gewesen, diese Praxis zu unterbinden <em>oder</em> eine angemessene Verg&#252;tung daf&#252;r zu erlangen. Die zur Durchsetzung des einen wie des anderen notwendige fl&#228;chendeckende &#220;berwachung w&#228;re mit einem unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen Eingriff in die Grundrechte der informationellen Selbstbestimmung und des Fernmeldegeheimnisses verbunden.</p>
<p>Da der Gesetzgeber also einerseits auf den faktischen Wandel des Nutzerverhaltens R&#252;cksicht nehmen muss, andererseits aber auch die gesetzlich garantierte (!) Verg&#252;tung der Urheber sicherzustellen hat,</p>
<blockquote><p>„w&#228;re eine Kulturflatrate die einzige geeignete Ma&#223;nahme und zugleich das mildeste Mittel“.</p></blockquote>
<p>Mit einer Kulturflatrate best&#252;nde kein Grund mehr f&#252;r strafrechtliche Ermittlungen und zivilrechtliche Abmahn-Verfahren gegen Tauschb&#246;rsenbenutzer.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Privatkopie</strong></p>
<p>Um nichts anderes geht es. § 53 Absatz 1 Urhebergesetz erlaubt die Herstellung von Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cken eines Werks <em>zum privaten Gebrauch</em>. Dazu hei&#223;t es im Gutachten:</p>
<blockquote><p>„Diese Vorschrift tr&#228;gt dem Interesse der Allgemeinheit Rechnung, nicht &#252;ber Geb&#252;hr mit dem Erfordernis der Einholung der Zustimmung der Rechteinhaber belastet zu werden, da dies im privaten Bereich unangemessen und unpraktikabel w&#228;re. Die Vervielf&#228;ltigung ist aber ausschlie&#223;lich zum privaten Gebrauch gestattet. Die Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cke d&#252;rfen daher nur zur Befriedigung rein pers&#246;nlicher Bed&#252;rfnisse durch die eigene Person oder die mit ihm durch ein pers&#246;nliches Band verbundenen Personen erzeugt werden.“</p></blockquote>
<p>Diese generelle Erlaubnis wurde mit dem Inkrafttreten des 2. Korbs der Urheberrechtsnovelle am 1.1.2008 stark eingeschr&#228;nkt. Der Grund: Die Tauschb&#246;rsen im Internet haben rein quantitativ nichts mehr gemein mit dem privaten Ausleihen einer LP oder dem privaten Mitschnitt eines Rundfunkbeitrags. Seit Januar 2008 d&#252;rfen deshalb&#8230;</p>
<blockquote><p>„&#8230;zum privaten Gebrauch hergestellte Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cke weder verbreitet noch zur &#246;ffentlichen Zug&#228;nglichmachung genutzt werden&#8230; Die Vervielf&#228;ltigung ist auch dann nicht zul&#228;ssig, wenn sie auf einer offensichtlich rechtwidrig zug&#228;nglich gemachten Vorlage basiert.“</p></blockquote>
<p>Das bedeutet: Wenn f&#252;r einen Tauschb&#246;rsenbenutzer klar erkennbar ist, dass es sich um rechtswidrige Angebote handelt, gilt das urspr&#252;ngliche Recht auf „Privatkopie“ nicht mehr.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die vermaledeite Verg&#252;tungspflicht</strong></p>
<p>Durch die Einf&#252;hrung der Kulturflatrate w&#252;rden die Urheber erstmals (!) eine ausreichende finanzielle Kompensation f&#252;r diese Privatkopien erhalten. Diese Kompensation steht ihnen zwar laut Gesetz schon jetzt zu, lie&#223; sich aber in der Praxis nie durchsetzen.</p>
<p>Kritiker der Kulturflatrate lehnen es allerdings ab, die Zahlung einer Lizenzgeb&#252;hr (&#8220;Zwangslizenz&#8221;) bereits <em>von der M&#246;glichkeit</em> eines Downloads abh&#228;ngig zu machen. Auf diese Weise m&#252;ssten auch Personen zahlen, die vom Downloaden gar keinen Gebrauch machen. Das gleiche Problem, so die Gutachter, bestehe allerdings auch bei den seit Jahren erhobenen Ger&#228;teabgaben nach §54 Urhebergesetz:</p>
<blockquote><p>„Auch hier muss derjenige zahlen, der mit seinem erworbenen Drucker oder Scanner gar keine Privatkopien anfertigt. Gr&#252;nde, warum dies bei Abgaben f&#252;r Vervielf&#228;ltigungsger&#228;te und Leermedien zul&#228;ssig sein soll, aber bei der Kulturflatrate einen Grundrechtsversto&#223; darstellt, sind nicht ersichtlich. &#196;hnliches gilt f&#252;r die Rundfunkgeb&#252;hrenpflicht&#8230;</p>
<p>Folglich ist die Zahlungsverpflichtung, die f&#252;r die Einf&#252;hrung einer Kulturflatrate unabdingbar ist, auch dann verfassungsgem&#228;&#223;, wenn sie Internet-Nutzer mit einbezieht, die von den M&#246;glichkeiten des Downloads von Kulturg&#252;tern keinen Gebrauch machen.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Gesch&#228;ftsmodell</strong></p>
<p>Die Legalisierung nichtkommerzieller Tauschb&#246;rsen w&#252;rde sich – nach Ansicht der Gutachter – zweifellos auf die Ums&#228;tze der kommerziellen Anbieter auswirken. Nutzungslizenzanbieter wie iTunes oder Maxdome m&#252;ssten deshalb gegen&#252;ber kostenlosen Angeboten aus P2P-Tauschb&#246;rsen einen signifikanten Mehrwert anbieten. Dieser Mehrwert k&#246;nnte sich etwa in besserer Qualit&#228;t, h&#246;herer Download-Geschwindigkeit, st&#228;ndiger Verf&#252;gbarkeit oder besserer Daten-Sicherheit zeigen. Ob der angepriesene Mehrwert die Kostenlos-Kultur der Tauschb&#246;rsen einzud&#228;mmen vermag, l&#228;sst das Gutachten wohlweislich offen.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich sind kommerzielle Verwertungsformen neben der Kulturflatrate denkbar. Bezahlte Abonnements, bezahlte Apps, Bezahlschranken aller Art etc. w&#252;rden von einer Kulturflatrate zur Abgeltung nicht-kommerzieller Privatkopien nicht tangiert. Gesch&#228;ftsmodelle und Kulturflatrate w&#228;ren also miteinander vereinbar.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das vermaledeite Verteilungsproblem</strong></p>
<p>Heftige Kritik l&#246;st auch stets die Verteilung der &#252;ber eine Kulturflatrate eingenommenen Gelder aus. Denn die Aussch&#252;ttung an die Urheber und Rechteinhaber (also die &#8220;Wahrnehmungsberechtigten&#8221;) soll &#252;ber Verwertungsgesellschaften erfolgen, die es seit vielen Jahrzehnten gibt, und deren Effizienz und Verteilungsgerechtigkeit immer wieder von au&#223;en in Zweifel gezogen wird. Diese Kritik will das Gutachten nicht nachvollziehen:</p>
<blockquote><p>„Es wird h&#228;ufig kritisiert, dass die Verwertungsgesellschaften einen nicht unerheblichen Teil der Einnahmen f&#252;r den eigenen b&#252;rokratischen Aufwand verbrauchen. Bei der GEMA lag der Kostensatz in den letzten Jahren bei rund 14% der Einnahmen. Obwohl dies Aufwendungen von rund 120 Millionen € pro Jahr entspricht, wird auch in diesem Zusammenhang nicht die grunds&#228;tzliche Notwendigkeit der Existenz der GEMA aus rechtlichen Gr&#252;nden bezweifelt. Die Verwertungsgesellschaften haben auf jeden Fall den Vorteil, dass sie aufgrund des fehlenden wirtschaftlichen Eigeninteresses Garant f&#252;r das Bem&#252;hen um ein gerechte und Kultur f&#246;rdernde Verteilung der Geb&#252;hren sind.“</p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p>So weit die Kernaussagen des Gutachtens, das von den Gr&#252;nen im M&#228;rz 2009 der &#214;ffentlichkeit pr&#228;sentiert wurde. Dieses Gutachten hat sicherlich Schw&#228;chen und weicht manchem Problem (elegant) aus. Doch die Behauptung, die Gr&#252;nen w&#252;rden sich – aus opportunistischen Gr&#252;nden – den Piraten an den Hals werfen, ist eine Desinformation. Wer so argumentiert, kennt weder die Beschlusslage der Piraten noch die der Gr&#252;nen. Von Kenntnissen auf dem Gebiet des Urheberrechts ganz zu schweigen.</p>
<p>&nbsp;
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		</item>
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		<title>Die Gr&#252;nen am Vorabend ihrer dritten Krise</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 12:25:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den Gr&#252;nen steht ihre dritte H&#228;utung erst noch bevor. Nach dem Fundi-Realo-Konflikt Ende der achtziger Jahre und dem Pazifismusstreit 1999 folgt nun die Metamorphose zur Volkspartei. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zwei Mal in der gut 30-j&#228;hrigen Geschichte der Gr&#252;nen geriet die Partei an den Rand des politischen Abgrunds: Bei der Bundestagswahl 1990 scheiterten die Gr&#252;nen an der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde und lieferten sich anschlie&#223;end heftige Fl&#252;gelk&#228;mpfe zwischen Fundis und Realos. Dieser Richtungsstreit f&#252;hrte auch zu zahlreichen Parteiaustritten von prominenten Gr&#252;ndungsmitgliedern.</p>
<p>Die zweite gro&#223;e Krise durchlebte die Partei w&#228;hrend ihrer Regierungsbeteiligung im ersten Kabinett Gerhard Schr&#246;der (1998–2002). Entgegen ihren pazifistischen Wurzeln stimmten die Gr&#252;nen f&#252;r die Bundeswehreins&#228;tze im Kosovo und in Afghanistan. Dies f&#252;hrte nicht nur zu schweren innerparteilichen Auseinandersetzungen &#8211; die Gr&#252;nen verloren auch an R&#252;ckhalt in der Bev&#246;lkerung. Nun, zehn Jahre danach, scheinen die Gr&#252;nen in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Allerdings noch nicht ganz. <strong>Denn die dritte und entscheidende Krise wirft ihre Schatten bereits voraus: Die Gr&#252;nen m&#252;ssen eines Tages die CDU beerben (und nicht &#8211; wie derzeit &#8211; die FDP). </strong>Eine empirische Analyse legt dies nahe.</p>
<p>Drei Tage vor den Landtagswahlen in Baden-W&#252;rttemberg und Rheinland-Pfalz legten die Sozialforscher <a href="http://www.diw.de/de/diw_01.c.10866.de/ueber_uns/menschen_am_diw_berlin/kroh_martin.html">Martin Kroh</a> und <a href="http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.10926.de&amp;sprache=de">J&#252;rgen Schupp</a> vom <em>Deutschen Institut f&#252;r Wirtschaftsforschung</em> (DIW) eine aufschlussreiche <a href="http://www.diw.de/sixcms/detail.php/369950">Studie</a> zur Anh&#228;ngerschaft der Gr&#252;nen vor. Da sie die Grunddaten f&#252;r die Untersuchung dem <em>Sozio-Oekonomischen Panel </em>(<a href="http://www.diw.de/deutsch/soep/29004.html">SOEP</a>) entnahmen (und nicht etwa einer <em>Forsa</em>-Umfrage f&#252;r den <em>stern</em>!), wohnt den Ergebnissen eine hohe Aussagekraft inne. Denn f&#252;r das SOEP &#8211; die gr&#246;&#223;te und beste L&#228;ngsschnittstudie der Welt &#8211; werden seit 1984 in regelm&#228;&#223;igen Abst&#228;nden immer dieselben Personen befragt (derzeit sind es &#252;ber 25.000).</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:</p>
<ul>
<li>Die wachsende Zustimmung zu den Gr&#252;nen speist sich &#8211; anders als vermutet &#8211; nur zu einem geringen Teil aus Abwanderungen von anderen Parteien (insbesondere von der SPD). Das hei&#223;t, die Gr&#252;nen werden nicht deshalb st&#228;rker, weil sie anderen Parteien die Anh&#228;nger abjagen, sie werden st&#228;rker, weil immer neue Geburtskohorten in die Partei hineinwachsen.</li>
<li>Waren die Gr&#252;nen-Anh&#228;nger von 1984 bis 1989 im Durchschnitt 28 Jahre alt, so sind sie heute im Mittel bereits 42. Denn die ersten Generationen junger Gr&#252;nen-Anh&#228;nger aus den achtziger Jahren (also die Jahrg&#228;nge ab 1950) sind der Partei in hohem Ma&#223;e treu geblieben. Der demographische Wandel der Gesellschaft beg&#252;nstigt die Gr&#252;nen mithin st&#228;rker als andere Parteien (die aufgrund ihrer Alterszusammensetzung allm&#228;hlich aussterben).</li>
<li>Die Gr&#252;nen rekrutieren ihre Anh&#228;nger nahezu ausschlie&#223;lich unter Menschen mit Abitur. Solche mit einem Volks- oder Hauptschulabschluss finden sich dagegen eher selten (etwa drei Prozent). Dieser Zusammenhang hat sich seit den achtziger Jahren nicht ver&#228;ndert. Ver&#228;ndert haben sich jedoch der soziale Status und die Einkommenssituation.</li>
<li>Zwischen 1984 und 1989 unterst&#252;tzten 26 Prozent der Personen in Ausbildung die Gr&#252;nen, w&#228;hrend diese bei den Selbstst&#228;ndigen, Beamten und Angestellten nur auf f&#252;nf bis acht Prozent kamen. Seitdem ist die Unterst&#252;tzung unter den drei letztgenannten Berufsgruppen stetig gewachsen, oder genauer: Die Anh&#228;nger der Gr&#252;nen sind in diese Berufsgruppen hinein gewachsen. Heute liegt der Anteil gr&#252;ner Unterst&#252;tzer unter den Beamten bei 20 Prozent, unter Selbstst&#228;ndigen und Angestellten bei 18 Prozent. Bei Rentnern, sonstigen Nichterwerbst&#228;tigen und Arbeitern fanden die Gr&#252;nen dagegen zu keinem Zeitpunkt besondere Unterst&#252;tzung. Bei Arbeitslosen ist der Anteil gr&#252;ner Parteibindungen in den letzten Jahrzehnten sogar r&#252;ckl&#228;ufig.</li>
<li>Von 1984 bis 1989 fanden die Gr&#252;nen die relativ h&#246;chste Unterst&#252;tzung beim untersten Einkommensf&#252;nftel der Gesellschaft (damals rund 9 Prozent). Das hat sich in den folgenden Jahren ins Gegenteil verkehrt. Zwischen 2008 und 2010 findet sich der h&#246;chste Anteil an Gr&#252;nen-Unterst&#252;tzern bei den Personen im obersten Einkommensf&#252;nftel (16 Prozent).</li>
<li>Bezogen auf die soziale Position ihrer Anh&#228;nger finden die Gr&#252;nen heute die h&#246;chste Unterst&#252;tzung im gutsituierten Bildungsb&#252;rgertum. Der Erfolg der Gr&#252;nen bei Selbstst&#228;ndigen und Freiberuflern sowie bei Personen mit &#252;berdurchschnittlichen Einkommen untergr&#228;bt also den b&#252;rgerlichen Alleinvertretungsanspruch von Union und FDP f&#252;r diese Klientel. Dagegen deutet die fehlende Unterst&#252;tzung der Gr&#252;nen bei Menschen mit geringer Bildung, Arbeitern und Arbeitslosen darauf hin, dass die Gr&#252;nen trotz ihrer Selbstwahrnehmung als „linke“ Kraft weder mit der SPD noch mit den Linken um Anh&#228;nger aus dem klassischen Arbeitermilieu konkurrieren.</li>
<li>Neben dem strukturellen Wandel der Anh&#228;ngerschaft der Gr&#252;nen zeigen die SOEP-Daten aber auch den Verlust eines fr&#252;her zum Selbstverst&#228;ndnis der Gr&#252;nen geh&#246;renden Themas: Frieden. Seit Ende der neunziger Jahre unterst&#252;tzen Befragte, die Sorgen um den Friedenserhalt &#228;u&#223;ern, nicht mehr &#252;berproportional die Gr&#252;nen. Die wachsende Unterst&#252;tzung der Gr&#252;nen durch Frauen k&#246;nnte darauf hindeuten, dass das Thema Gleichstellung zum neuen thematischen Schwerpunkt aufsteigt.</li>
<li> Fazit: Die Gr&#252;nen repr&#228;sentierten in ihren Anf&#228;ngen eine Partei der gebildeten, aber schlecht verdienenden sowie &#246;kologisch orientierten Jungen. In den folgenden Jahrzehnten ist es ihnen gelungen, sowohl die fr&#252;hen Unterst&#252;tzer dauerhaft an die Partei zu binden als auch nach wie vor &#252;berdurchschnittlich erfolgreich bei Erst- und Jungw&#228;hlern zu sein.</li>
<li><strong>Heute sind die Gr&#252;nen die Partei der umweltbewussten, gut gebildeten, gut verdienenden Beamten und Selbstst&#228;ndigen mittleren Alters in Gro&#223;st&#228;dten.</strong></li>
</ul>
<p>Eine Volkspartei ist das noch nicht. Aber zuzutrauen ist den Gr&#252;nen auch dieser Wandel.</p>
<p>&nbsp;
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		</item>
		<item>
		<title>Gr&#252;nzeug und Spiralges&#228;nge. Die Carta-Umfrage (Teil VI)</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 13:41:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Carta-Redaktion hat den Autoren dieser Plattform zum Jahreswechsel zwei Fragen gestellt: Welche Person des &#246;ffentlichen Lebens hat Sie 2010 am st&#228;rksten beeindruckt? Und: Welches Thema oder Ereignis wird uns im Jahr 2011 am intensivsten besch&#228;ftigen? Hier die Antworten von Wolfgang Michal. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. F&#252;r mich war 2010 nicht das <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/12/2010-das-jahr-der-geeks/">Jahr der Geeks</a> &#8211; obwohl ich das <a href="http://carta.info/19668/2010-das-jahr-der-medienrevolution/">„Jahr der Medienrevolution“</a> mit nostradamushafter Pr&#228;zision vorhergesagt habe, was ja nicht schwer war. Ich w&#252;rde auch nicht Mark Zuckerberg, Helene Hegemann oder Julian Assange (den vielleicht doch!) zur beeindruckendsten Pers&#246;nlichkeit des Jahres 2010 w&#228;hlen wollen. Auch nicht Joachim Gauck, Walter Mixa, Margot K&#228;&#223;mann oder Lena Meyer-Landrut. Eher schon <strong>die Gr&#252;nen</strong>, die 2010 den Durchbruch zur Volkspartei (in den Umfragen) geschafft haben. Die Gr&#252;nen bzw. ihre Sympathisanten werden das deutsche Parteiensystem, das in Struktur und Erscheinungsform noch sehr der Nachkriegszeit verhaftet ist, neu entwickeln. Sie werden nicht mehr das Z&#252;nglein an der Waage spielen, sondern mit ganzem Herzen „neue Mitte“ sein.</p>
<p>Dennoch war die Person des &#246;ffentlichen Lebens, die mich am st&#228;rksten beeindruckt hat, weder gr&#252;n noch geek, weder herausragend noch <a href="http://julianassangeisgorgeous.tumblr.com/">„gorgeous“</a> – sie war blo&#223; eindeutig, handfest &amp; unverbl&#252;mt. Alte Schule eben. Beeindruckt hat mich (neben den vielen, vielen Konstantin Neven DuMonts) ein 73-J&#228;hriger, der die Grundregel des amerikanischen Journalismus inhaliert hat. Diese lautet: „Ich habe die vergangene Regierung nicht gemocht, ich mag die jetzige Regierung nicht, und ich werde auch die k&#252;nftige Regierung nicht m&#246;gen.“ Im Zeitalter der Kontrolle (und der unerwarteten Kontrollverluste) ist das die vern&#252;nftigste Haltung eines Journalisten. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Seymour_Hersh">Verk&#246;rpert</a> hat sie in vorbildlicher Weise <span style="text-decoration: line-through;">Marvin</span> <strong>Seymour Hersh</strong>.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>2. 2011 werden sich die Deutschen lustvoll mit ihrer k&#252;nftigen „Weltpolitik“ auseinandersetzen, aber auch mit ihren Provinzen. Wobei Berlin und Stuttgart herausragen &#8211; wegen der Gr&#252;nen, die nicht nur bei den Christdemokraten, sondern auch bei den Linken Stimmen wildern werden, was letztere 2011 in eine F&#252;hrungskrise treibt. Und nat&#252;rlich wird uns der Euro erneut in Angst und Schrecken versetzen. Er wird <strong>die deutsche Mittelschicht</strong> noch aggressiver machen als sie eh schon ist. Die EU wird sich unter dem Druck der Staatsschulden <a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article11864375/Europaeer-wuenschen-deutsche-Fuehrung-in-Europa.html">hierarchisieren</a> wollen bzw. m&#252;ssen bzw. d&#252;rfen: oben Deutschland und – ja – auch ein bisschen Frankreich (wenn es sein muss), darunter der Rest vom Sch&#252;tzenfest. <em>BILD</em> wird lange vor der Fu&#223;ball-EM 2012 die Schlagzeile lancieren: WIR SIND EUROPA. Doch am Ende des Jahres wird uns der Mangel an Streusalz wieder in den Wahnsinn treiben.</p>
<p>Die USA, die praktisch nur noch aus Milit&#228;r &amp; Internet bestehen (und beide immer st&#228;rker miteinander verzahnen), werden 2011 den Cyber-Krieg weiter perfektionieren, und Obama II. wird endg&#252;ltig zu Kennedy II. ernannt (auch von Seymour Hersh, aber vermutlich <a href="http://www.amazon.de/Kennedy-Das-Ende-einer-Legende/dp/3455112579">ganz anders</a>). Die Guttenbergs werden sich mit ihrem Maskenbildner am Hindukusch festkrallen, China wird bei „Schlag den Raab“ erstmals den <em>Eurovision Song Contest </em>gewinnen, und die Unwettervorhersagen werden nach dem Touchdown von <em>Wetten, dass&#8230;</em> das Samstagabendprogramm beherrschen.</p>
<p><strong>Die Zeitungen werden 2011 erstmals mehr &#252;ber das Internet schreiben als das Internet &#252;ber die Zeitungen!</strong> (Und <em>Carta</em> wird lebendig bleiben <a href="http://carta.info/36250/in-eigener-sache-carta-stellt-sich-neu-auf/">oder</a> sterben ;-). Doch am intensivsten werden wir uns wieder mit dem B&#252;rgertum besch&#228;ftigen. Wer treibt es? Und wohin geht es? Sloterdijksche Spiralges&#228;nge sind garantiert.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=37021&amp;md5=b3880e5263054c876de40f0bc744b9e7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie die Hamburger Gr&#252;nen kohlrabenschwarz wurden</title>
		<link>http://carta.info/35835/wie-die-hamburger-gruenen-kohlrabenschwarz-wurden/</link>
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		<pubDate>Wed, 17 Nov 2010 11:36:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den B&#252;rgern im &#228;rmeren S&#252;den der Hansestadt geht es zunehmend auf die Nerven, was die B&#252;rger im reicheren Norden auf Kosten des S&#252;dens so planen. Folgt auf Stuttgart 21 demn&#228;chst Hamburg 21?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/34f00dc254d34ff8b354941b58176ffa" alt="" width="1" height="1" />Vernachl&#228;ssigt wurde der Hamburger S&#252;den ja immer schon. Das hat viele Gr&#252;nde, vor allem historische. Alles, was <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Wilhelmsburg">s&#252;dlich</a> des Hafens lag, war nie wirklich hanseatisch. Die Stadtkreise Harburg und Wilhelmsburg z.B. geh&#246;rten zur Provinz Hannover und gelangten erst 1937 durch das Gro&#223;-Hamburg-Gesetz zu Hamburg. Fremd blieben sich die ungleichen H&#228;lften der Stadt auch in den Jahrzehnten danach.</p>
<p>Dann aber, im neuen Jahrtausend, plante Hamburg den gro&#223;en <a href="http://www.sprung-ueber-die-elbe.de/">„Sprung &#252;ber die Elbe“</a>. Das Gel&#228;nde s&#252;dlich des Hafens (und der neuen Hafencity) sollte <a href="http://www.cdu-hamburg.de/deutsch/127/64/27006/liste9.html">aufgewertet</a> und ausgebaut werden. Die Rede war von einem &#246;kologisch-sozialen Vorzeigeprojekt. Doch die anf&#228;ngliche Begeisterung &#252;ber die neue Stadtpolitik wich schon bald dem Zorn &#252;ber die mangelnde Beteiligung der B&#252;rger an den Planungen.</p>
<p>Und jetzt scheint den Wilhelmsburgern und Harburgern endg&#252;ltig der Kragen zu platzen. <strong>Ausgerechnet unter einer gr&#252;nen Regierungsbeteiligung soll ihnen all das vor die Nase gesetzt werden, was die Gr&#252;nen als Bundespartei vehement ablehnen.</strong> Hier ein Auszug aus dem Protestbrief der „engagierten Wilhelmsburger und Harburger“:</p>
<blockquote><p>„W&#228;hrend die Gr&#252;nen bundesweit gegen Kohlekraftwerke demonstrieren, geht demn&#228;chst in der Europ&#228;ischen Umwelthauptstadt Deutschlands gr&#246;&#223;tes <a href="http://www.insel-im-fluss.de/Moorburg/moorburg.htm">Kohlekraftwerk</a> ans Netz, mit 8 Millionen Tonnen CO2 j&#228;hrlich &#8211; das ist doppelt so viel wie der CO2-Aussto&#223; des gesamten Hamburger Stra&#223;enverkehrs.</p>
<p>W&#228;hrend die Gr&#252;nen in ihrem Parteiprogramm ‚Neue Wege statt neuer Stra&#223;en’ fordern und z.B. in Berlin gegen die dortigen Pl&#228;ne f&#252;r eine Stadtautobahn eintreten, sollen in der Europ&#228;ischen Umwelthauptstadt Hamburg gleich 2 Stadtautobahnprojekte durchgesetzt werden: die so genannte <a href="http://www.hafen-quer-spange.de/">Hafenquerspange</a> &#8211; eine &#246;kologische und stadtplanerische Katastrophe &#8211; mitten durch einen dicht besiedelten Ballungsraum in Hamburgs Mitte. Und den als &#8216;Verlegung&#8217; getarnten Ausbau der Wilhelmsburger Reichstra&#223;e zu einer zus&#228;tzlichen Stadtautobahn &#8211; mit allen Folgen f&#252;r die Hamburger CO2- und Feinstaubbilanz und den Auswirkungen auf die t&#228;glichen Staus in der Hamburger City und vor den Elbbr&#252;cken.</p>
<p>W&#228;hrend die Gr&#252;nen in Stuttgart ‚mehr B&#252;rgerbeteiligung’ einfordern, praktiziert eine Gr&#252;ne Senatorin in der Europ&#228;ischen Umwelthauptstadt Hamburg eine Basta-Politik wie im letzten Jahrhundert und f&#252;hrt B&#252;rgerbeteiligung ad absurdum.“</p></blockquote>
<p>Die Stuttgarter sollten die Entwicklung in Hamburg deshalb genau beobachten. Damit sie nicht &#252;berrascht und entt&#228;uscht sind, wenn die Gr&#252;nen als k&#252;nftige baden-w&#252;rttembergische Regierungspartei m&#246;glicherweise anders handeln, als sie es vor der Wahl versprochen haben.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">. </span></p>
<p><em>Wer sich f&#252;r den Hamburger S&#252;den interessiert, kann sich hier eine <a href="http://www.geo.de/GEOaudio/files/2006-08-03/GEOaudio023_extra_wilhelmsburg.mp3">Reportage</a> vorlesen lassen, die ich vor einigen Jahren f&#252;r das GEO-Special &#8220;Hamburg&#8221; geschrieben habe.</em>
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<a href="http://carta.info/35835/wie-die-hamburger-gruenen-kohlrabenschwarz-wurden/">Wie die Hamburger Gr&#252;nen kohlrabenschwarz wurden</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/35835/wie-die-hamburger-gruenen-kohlrabenschwarz-wurden/#comments">19 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35835&amp;md5=9cb75b311412e98201faeaad43806b65" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Berlin vor der Landtagswahl: Die CDU auf der Suche nach einer gr&#252;nen Sommerliebe</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 08:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Sommer ist eine herrliche Zeit f&#252;r Flirts: Die CDU umwirbt vor der Landtagswahl 2011 die Gr&#252;nen, denn die sind momentan die triumphierenden Super-Modells der Berliner Politik. Doch f&#252;r mehr als einen Sommer-Flirt fehlt der CDU die Grunderneuerung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2022c1e58e704e04babd66cbe39137b3" alt="" width="1" height="1" />Der Sommer ist eine herrliche Zeit f&#252;r Flirts. Wer noch keine Sommerliebe hat, der sucht sich schnell eine. Diese Verwirrung der Gef&#252;hle macht auch vor Unionspolitikern nicht halt. Selbst aus dem Urlaub dient sich deshalb Thomas Heilmann den gr&#252;nen Damen Pop und K&#252;nast an. Gerne auch als Junior-Partner m&#246;chte er ab September 2011 mit ihnen in Berlin regieren, l&#228;sst der CDU-Vize die erstaunte &#214;ffentlichkeit aus den Ferien wissen. <em>Welt </em>und <em>Morgenpost </em>machten daraus gro&#223;e Schlagzeilen.</p>
<p>Wir sind fr&#252;her mit unseren InterRail-Tickets immer zuerst nach Lloret de Mar gefahren. Nicht weil der Ort so sch&#246;n war: Es lockten dort die britischen Touristinnen, die es auf den Tanzfl&#228;chen zu erobern galt. Sonderlich schwer war das nicht. Sie wollten auch nicht am n&#228;chsten Tag am Strand auf ihrem Badelaken allein den Rausch ausschlafen. Es gab also ma&#223;gebliche Gemeinsamkeiten.</p>
<p>Weit mehr als zwischen CDU und Gr&#252;nen. Am n&#228;chsten Tag mussten wir uns nicht streiten &#252;ber <strong>grunds&#228;tzlich unterschiedliche Positionen</strong> in der Bildungspolitik, oder bei Fragen der Energie und der Privatisierung. Wenn es die Englischkenntnisse hergaben ging es bestenfalls um gemeinsame Planung des n&#228;chsten Abends – und halten musste die Beziehung keine Legislaturperiode, sondern nur bis zur baldigen Weiterreise.</p>
<p>Zudem waren die britischen Touristinnen auch nicht das, was zurzeit die Gr&#252;nen sind. Aus gutem Grund haben wir versch&#252;chterten, hanseatischen Gymnasiasten uns nicht an die eleganten Franz&#246;sinnen, die k&#252;hlen Skandinavierinnen oder die rassigen Spanierinnen getraut. Britinnen waren ein sehr realistisches und uns scheinbar ebenb&#252;rtiges Ziel unserer Begierde.</p>
<p>Eine von st&#228;ndigen F&#252;hrungswechseln und Richtungsk&#228;mpfen gebeutelte Berliner CDU ist heute sicher auch nicht viel attraktiver als wir verpickelten Rucksackreisenden es damals waren. Die in der Opposition brillierenden, in den <a href="http://www.wahlumfrage.de/?p=4825">Umfragewerten</a> triumphierenden <strong>Gr&#252;nen </strong>sind hingegen momentan die <strong>Super-Modells der Berliner Politik</strong>. An denen verhebt man sich, selbst wenn man wie Thomas Heilmann anbietet, von vornherein in die zweite Reihe zu gehen.</p>
<p>Wichtig war vor den Sommerreisen mit den besten Freunden auch immer die eigene Grunderneuerung. Das Sparschwein wurde geknackt, die Oma angeschnorrt und zur Vorbereitung ging es dann neue Jeans kaufen (die Schlaghosen von C&amp;A waren untragbar geworden), ein Imitat einer Rayban Sonnenbrille musste her und der Friseur behob die Folgen des letzten, m&#252;tterlichen Haarschnitts. <strong>Eine solche Grund&#252;berholung haben in Berlin aber sowohl CDU als auch FDP verpasst</strong>. Sie bleiben, wie alle Wahlergebnisse der letzten 20 Jahre zeigen, reine West-Berliner Parteien. K&#246;pfe wie Steffel, L&#246;ning oder Henkel sind jenseits der Mauer und Neu-Berlinern wie mir nicht vermittelbar. Die Zeit ist f&#252;r sie stehen geblieben, so wie es damals das Modeverst&#228;ndnis meiner Mutter war.</p>
<p>Die CDU h&#228;tte mit der profilierten Kulturpolitikerin Monika Gr&#252;tters und mit einem angesehenen Unternehmer aus der Kreativwirtschaft wie Thomas Heilmann das Potential zur Wende ins Berliner Hier und Jetzt. Diese kann aber nur vollzogen werden, wenn solche Pers&#246;nlichkeiten auch gezielt der Partei voran gestellt werden und die anderen im Glied verschwinden. Einer Spitzenkandidatin K&#252;nast wird man aber keine Frau wie Gr&#252;tters entgegen setzen und nach einer Koalitionsaussage f&#252;r die Gr&#252;nen die konservative Basis nicht noch weiter mit einem modernen Politiker wie Heilmann verunsichern.</p>
<p>Ohne eine solche Konsequenz scheitert jedoch zwangsl&#228;ufig die Erneuerung. Eine FDP, die Martin Lindner als quer denkenden Neuberliner die Berliner Fraktion managen lie&#223;, holte fast acht Prozent. Nun, nachdem er sich in die Bundespolitik verabschiedet hat, weil der fr&#252;here Vorsitzende L&#246;ning am Amt und die Partei an L&#246;ning klebte, ringt man mit der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde. Erneuerung muss mit Personen langfristig verfestigt werden.</p>
<p>Ich kann Thomas Heilmann verstehen. Es ist Sommer und die Gr&#252;nen scheinen verdammt sexy zu sein. Seine Partei hat aber noch nicht einmal den Rucksack gepackt, um &#252;berhaupt den Aufbruch per InterRail zu wagen. Man h&#228;ngt an der Vergangenheit und somit an Mutters Rockzipfel. Im Urlaub geht es mit den Eltern bestenfalls nach Damp 2000 und dort fr&#252;h ins Bett. Auf der Tanzfl&#228;che der Berliner Zukunft schieben derweil Wowereit, K&#252;nast und Wolf aneinander l&#228;chelnd vorbei, deren Parteien den Aufbruch ins neue Berlin wagten &#8211; oder wie die Linken aus historischen Gr&#252;nden wagen mussten.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint gek&#252;rzt auch in der <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1369206/Und-immer-lockten-die-Britinnen.html">Morgenpost</a>. Thomas Heilmann ist dort ebenfalls Kolumnist.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31873&amp;md5=cb29ae132baebea46649c68318afcbce" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Schwarz-Gr&#252;n: Ein Auslaufmodell</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 13:03:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Björn Böhning</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die kontroverse Hamburger Schulreform ist ein Realit&#228;tscheck f&#252;r Schwarz-gr&#252;n: Die Weltbilder von gr&#252;nen und schwarzen Milieus sind gegens&#228;tzlicher und geschlossener als sich das manch Politiker der Parteien eingestehen mag. Das Ende der Koalition in Hamburg ist eingeleitet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sch&#246;n hatte sich die konservativ-&#246;kologische Bohème das vorgestellt. Beim Latte Macchiato wurden schwarz-gr&#252;ne Pl&#228;ne geschmiedet und von einer „wertebasierten“ Zusammenarbeit schwadroniert. Hamburg und Saarland, vielleicht auch Nordrhein-Westfalen, sollten als Vorboten einer m&#246;glichen schwarz-gr&#252;nen Bundesregierung herhalten und den Versuch untermalen, dass christliche Sch&#246;pfung und &#246;kologische Nachhaltigkeit sich aus einer gemeinsamen &#220;berzeugung und Wertevorstellung ableiten lassen.</p>
<p>Zuletzt im Landtagswahlkampf von Nordrhein-Westfalen war es Renate K&#252;nast, die die Offenheit der Gr&#252;nen nach allen Seiten untermauerte und noch heute offen oder hinter vorgehaltener Hand f&#252;r das B&#252;ndnis der konservativen und der gr&#252;nliberalen Partei wirbt.</p>
<p><strong>Doch anstelle dieser Hoffnung ist Desillusion getreten.</strong> Schon lange hat sich der politische Beobachter gefragt, ob denn die gr&#252;nen und schwarzen Strategen ihr Stammelektorat wirklich nachhaltig analysiert haben. Und ob denn die gr&#252;nen &#196;rzte und Bioladenbesitzer neben dem Einkommen noch eine andere kulturelle, materielle oder ideologische Gemeinsamkeiten mit dem konservativen Biedermeier oder dem mittelst&#228;ndischen Unternehmer der CDU haben.</p>
<p>Das war und das ist eine Illusion. Nur gef&#252;hlt sind sich einige Akteure beider Parteien nah – so nah, wie man sich bei der Bionade in Berlins Mitte eben sein kann, oder vielleicht im Reichstag sogar sein muss. Es ist interessant zu beobachten wie festsitzend die &#220;berzeugung war, allein symbolische und habituelle &#220;bereinstimmungen w&#252;rden das politische Projekt einer schwarz-gr&#252;nen B&#252;rgerlichkeit bilden k&#246;nnen.</p>
<p>Bisher lagen inhaltliche Fragezeichen an diesem Projekt eher auf einer rhetorischen Ebene: So w&#228;re es schon interessant zu sehen, wie beispielsweise in Berlin ein CDU-Innensenator die Wasserwerfer zum 1. Mai schickt, w&#228;hrend die gr&#252;ne B&#252;rgermeisterin sich vor die „Revolution&#228;re Demo“ stellt, Kiezromantik predigt und die Polizeitaktik kritisiert.</p>
<p>Doch gl&#252;cklicherweise haben wir ja nun in Hamburg, im Saarland und zum Teil auch in Berlin ganz konkretes Anschauungsmaterial f&#252;r die schwarz-gr&#252;ne Realit&#228;t. Im schwarz-gr&#252;n regierten Berlin-Zehlendorf wird bezirksad&#228;quat ruhig regiert. Einen Integrationsbeauftragten durchzusetzen, wie in anderen Bezirken &#252;blich, dazu ist die selbsternannte Integrationspartei nicht in der Lage. Im Saarland ist die Jamaika-Koalition so oder so schon durch parteiliche Drahtseilakte zustande gekommen. Nun wird es langsam dunkel &#252;ber der Karibik: Erst k&#252;rzlich stimmte das Land im Bundesrat der K&#252;rzung der Solarf&#246;rderung zu. Mit der Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren f&#252;r so genannte Langzeitstudenten hat sich Schwarz-Gr&#252;n f&#252;r Bildungsgeb&#252;hren entschieden.</p>
<p>In Hamburg wurde eine Bildungsreform vorgelegt, die offenbar keine Akzeptanz in der Bev&#246;lkerung findet. Die Elbphilharmonie ist vom Prestige- zum Pleiteprojekt geworden. Die selbsternannte „Wachsende Stadt“ schafft es offenbar nicht den wachsenden Widerstand gegen Vertreibung und f&#252;r den Erhalt kreativer Subkultur in angemessener Art und Weise zu moderieren. B&#252;rgermeister Ole von Beust – so h&#246;rt man – steht kurz vor dem R&#252;cktritt.</p>
<p>Insbesondere die Schulreform offenbart die ideologischen Gegens&#228;tze im Wahlvolk von Schwarz und Gr&#252;n. W&#228;hrend die liberalen b&#252;rgerlichen W&#228;hler der Gr&#252;nen vor allem auf l&#228;ngeres gemeinsames Lernen im Rahmen eines ganzheitlichen, integrativen Lernens setzen, wollen die konservativ-b&#252;rgerlichen W&#228;hler unter allen Umst&#228;nden ihren sozialen Status verteidigen und sich gegen die Aufstiegschancen der Unter- und unteren Mittelschicht absichern.</p>
<p>Nichts anderes verbirgt sich hinter dem derzeit stattfinden – und sicherlich &#252;berspitzten – <strong>„Kulturkampf“ um die Hamburger Gymnasien</strong>. Ole von Beust war nicht in der Lage den sich zuspitzenden Konflikt zu managen. Und die Gr&#252;nen haben zu sp&#228;t erkannt, dass eine parlamentarische Mehrheit f&#252;r eine Schulreform noch lange keine politische Mehrheit in einer Stadt ist. Schwarz und Gr&#252;n beiderseits haben daran versagt eine inhaltliche Br&#252;cke in der Bildungspolitik zwischen den verschiedenen Stadtmilieus zu schlagen. <strong>Zu sp&#228;t erkannten sie, dass ideologische Differenzen in den jeweiligen Unterst&#252;tzergruppen nicht einfach durch kulturell-&#228;sthetische Symbolik &#252;bert&#252;ncht werden kann.</strong></p>
<p>Offenbar sind die W&#228;hlerinnen und W&#228;hler von Schwarzen und Gr&#252;nen nicht bereit, eine gemeinsame Koalition auf Landesebene pauschal zu akzeptieren und ideologische Gegens&#228;tze zu &#252;berbr&#252;cken. Die Weltbilder von gr&#252;nen und schwarzen Milieus sind also geschlossener als sich manch Gr&#252;ne- oder CDU-Politiker eingestehen mag.</p>
<p>Das Bild, wonach die verlorenen B&#252;rgerkinder der 68er-&#196;ra nun in den Scho&#223; der alten B&#252;rgerlichkeit zur&#252;ckkehren, hat es immer nur in den Feuilletons gegeben. Heute sehen wir: Sie sind und bleiben einander nicht gr&#252;n. Egal wie der Volksentscheid am Sonntag ausgeht, so ist doch heute schon klar: Das Ende von Schwarz-Gr&#252;n in Hamburg ist eingeleitet.</p>
<p>Schwarz-Gr&#252;n – das galt einmal als Role-Model k&#252;nftiger Koalitionen. Dann kam der Realit&#228;tscheck. Heute ist Schwarz-Gr&#252;n ein Auslaufmodell. Wir werden es nicht vermissen.</p>
<p><em>Bj&#246;rn B&#246;hning ist Mitglied im Parteivorstand der SPD und Sprecher der SPD-Linken &#8216;Forum Demokratische Linke 21&#8242;.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30798&amp;md5=dd745ddf300c3f5466e74d930720d5f6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Online-Kampagnen nach Gauck: The Party has just begun</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 15:59:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der gr&#252;ne Campaigner Robert Heinrich mit einer Bilanz &#252;ber den Stand des Online-Wahlkampfs: &#252;ber soziale Netzwerke als Seismograph, die Macht der vernetzten Unterst&#252;tzer, wachsende Wechselstimmung und charismatische Mobilisierung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/51325d716da54b708f5a77d6bd9343a7" alt="" width="1" height="1" /><em>Auf der Konferenz &#8220;<a href="http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we08/termine/20100701_konferenz_neue_naehe.html">Die neue N&#228;he</a></em><em>&#8221; sprach Robert Heinrich, Leiter der &#214;ffentlichkeitsarbeit von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen, &#252;ber den Zustand des Online-Campaignings und die Lehren aus der Bundestagswahl. Carta dokumentiert hier &#8211; leicht zusammengefasst &#8211; seinen Vortrag.</em></p>
<p>Parteien waren eigentlich immer schon dezentrale Kommunikationsnetzwerke. Ein Parteivorsitzender wusste nie, was sein Mitglied am Wahlkampfstand wirklich erz&#228;hlt. Den immer wieder genannten &#8220;Kontrollverlust&#8221; gibt es also schon immer, im Netz setzt er sich jetzt fort. Der Unterschied ist, dass er im Netz besser kontrollierbar, also sichtbarer ist, als im &#8220;Offline-Leben&#8221;.</p>
<p>Die Parteien waren fr&#252;her stark in in <strong>Netzwerken</strong> verwurzelt, in Vereinen, Verb&#228;nden, in sozialen Millieus. Weil die Kommunikation &#252;ber diese alten Netzwerke aber nicht mehr so einfach war, haben die Parteien in den letzten Jahren zunehmend auf die Einbahnstra&#223;enkommunikation gesetzt: Also auf massenkompatible Botschaften, die m&#246;glichst nicht wehtun und keine Zielgruppe verschrecken, letztendlich also m&#246;glichst wenig sagen aber trotzdem gut klingen. Sie setzten auf gro&#223;e Plakatkampagnen und auf <strong>sehr kontrollierte, sehr zentralistische Kommunikation</strong>.</p>
<p>Jetzt merken alle Parteizentralen, dass diese zentralistische Kommunikation nicht mehr richtig funktioniert und ich glaube, dass der letzte Wahlkampf 2009 eindrucksvoll bewiesen hat, dass die alten Instrumente da nicht mehr weiterbringen. Die massenkompatiblen Claims der Parteien (FDP: &#8220;Deutschland kann es besser&#8221;, SPD: &#8220;Unser Land kann mehr&#8221;) sind keine profilierten Botschaften und funktionieren nicht mehr.</p>
<p>Web 2.0 hei&#223;t daher f&#252;r Parteien wieder st&#228;rker auf Dezentralit&#228;t, auf Netzwerkkommunikation, auf Loslassen, auf die Macht des einzelnen Unterst&#252;tzers bzw. Multiplikators zu setzen – und zwar mit den Mitteln der modernen Kommunikation. F&#252;r die Parteien hat das Riesenchancen.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="315" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=13101751&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="315" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=13101751&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=1&amp;color=FF7700&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Wir Parteien sind in den letzten Monaten h&#228;ufig daf&#252;r angegriffen worden, dass keine von uns zur Bundestagswahl in der Lage war, eine Obama-Kampagne zu initiieren. Wir konnten <strong>drei Grundbedingungen einer Obama-Kampagne</strong> nicht erf&#252;llen:</p>
<ul>
<li>es gab keinen Obama, also eine charismatische Pers&#246;nlichkeit</li>
<li>es gab keine echte Polarisierung</li>
<li>es gab keine Wechselstimmung</li>
</ul>
<p>Die letzten drei Wochen vor der Bundespr&#228;sidentenwahl haben jedoch bewiesen, wie das funktionieren kann: Wir hatten einen charismatischen Kandidaten, wir haben mittlerweile eine Wechselstimmung und wir hatten eine echte Wahl zwischen zwei verschiedenen Modellen bzw. Charakteren, die eine Polarisierung erm&#246;glichten. Und da hat dann auch die Mobilisierung im Netz – f&#252;r uns &#252;berraschend – sehr gut funktioniert.</p>
<p>Die Parteien k&#246;nnen von Web 2.0 wirklich profitieren, weil sie das Netz nutzen k&#246;nnen um</p>
<ul>
<li>wieder besser zuzuh&#246;ren, also eine neue N&#228;he zu den B&#252;rgern zu bekommen,</li>
<li>Dialog einfacher zu machen,</li>
<li>besser zu mobilisieren.</li>
</ul>
<p>Das Netz hat auch einen gro&#223;en Zusatznutzen: Man kann hier politische Prozesse besser transparent machen und damit gr&#246;&#223;ere <strong>Glaubw&#252;rdigkeit </strong>erreichen. Und da Glaubw&#252;rdigkeit das ist, was die Parteien zur Zeit am meisten brauche, hat das Netz f&#252;r die Parteien gro&#223;e Potenziale, die mit der Bundestagswahl 2009 h&#246;chstens angekratzt, aber noch nicht ausgesch&#246;pft wurden.</p>
<p>&#8220;The Party has just begun&#8221; ist daher f&#252;r mich die Lehre aus dem letzten Bundestagswahlkampf.</p>
<p><strong>Zuh&#246;ren: Soziale Netzwerke als Seismograph<br />
</strong></p>
<p>Wenn fr&#252;her der Parteivorsitzende wissen wollte, was im Land los ist, musste er die Kreisverb&#228;nde abtelefonieren, und musste fragen, wie die Stimmung ist und wie die Leute &#252;ber das denken, was in der Hauptstadt getan wird. Das muss er heute immer noch. Aber er hat auch die sozialen Netzwerke.</p>
<p>Wir nutzen insbesondere Twitter und Facebook sehr intensiv, um die Resonanz auf politische Entscheidungen und Diskussionen abzutesten. Dies sind f&#252;r uns zus&#228;tzliche Seismographen f&#252;r Stimmungen. Wir sind heute schneller als in der Vergangenheit in der Lage zu merken, welche Konsequenzen politische Entscheidungen in unserer Anh&#228;ngerschaft haben, weil wir Web 2.0-Instrumente daf&#252;r nutzen k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Dialog: Die W&#228;hler wollen ehrliche Antworten<br />
</strong></p>
<p>Dialog ist etwas, was alle Partei nicht wirklich gut beherrschen, in keiner gibt es die echte Dialogkompetenz, die eigentlich gebraucht w&#252;rde. Die Gr&#252;nen haben im Wahlkampf 2009 ein Projekt gestartet, das zeigt, wie wertvoll und effizient und wie unglaublich wichtig Dialog sein kann, wenn man ihn gut macht.</p>
<p>Bei der Aktion <strong>&#8220;<a href="http://dreitagewach.gruene.de/">Drei-Tage-wach</a>&#8220;</strong> haben die Gr&#252;nen drei Tage vor der Bundestagswahl angefangen 24 Stunden am Tag im Netz alle Fragen der W&#228;hler &#252;bertragen und dies per Livestream zu &#252;bertragen. Es gab ein bisschen Rahmenprogramm, aber eigentlich war es eine relativ banale Sache: Der W&#228;hler hat Fragen, die Parteien beantworten sie. Eigentlich keine gro&#223;e Innovation. Trotzdem war das, glaube ich, mit Abstand <strong>das erfolgreichste Online-Instrument aller Parteien in diesem Wahlkampf</strong>, weil es ein tiefes Bed&#252;rfnis der Bev&#246;lkerung, Politik Fragen zu stellen und darauf eine redliche Antwort zu bekommen, zugleich angeboten und in Form eines sportlichen Events inszeniert hat. Man hat sehr ungeschminkt dargestellt, wie Parteien im Wahlkampf arbeiten. Das hat zu einer erheblichen Schluss-Mobilisierung des gr&#252;nen Wahlkampfes beigetragen und es gab in allen relevanten Medien Berichterstattung &#252;ber das Projekt.</p>
<p>Dialog und Transparenz wurden also verkn&#252;pft und erzeugten viel positive Resonanz.</p>
<p><strong>Mobilisierung: Die Parteien m&#252;ssen ihre Unterst&#252;tzer in die Netzwerke bekommen<br />
</strong></p>
<p>Die Mobilisierung der eigenen Anh&#228;nger ist nach wie vor die wichtigste Funktion des Web 2.0 f&#252;r Parteien. Und da muss man sich das Netz als neuen sozialen Raum vorstellen, in dem Multiplikatoren ihre Netzwerke pflegen, in dem sie kommunizieren, in dem sie Meinungsbildung betreiben. Und deswegen ist es auch nicht so wichtig, ob Angela Merkel 40.000 oder 100.000 Freunde auf Facebook hat, sondern es ist vor allem wichtig, ob die Parteien ihre Unterst&#252;tzer in die Netzwerke bekommen und diese dann dort Meinungsbildung betreiben. &#196;hnlich, wie sie das fr&#252;her im Verein getan haben. Und wenn das gelingt, schaffen es die Parteien am Meinungsbildungsprozess im Netz teilzuhaben – auch wenn sie ihn niemals dominieren werden, aber das ist ja auch nicht der Sinn der Sache.</p>
<p>Was m&#252;ssen Parteien tun, um erfolgreich zu sein?</p>
<ul>
<li>Zuh&#246;ren wollen,</li>
<li>Zuh&#246;ren k&#246;nnen, also auch keine Angst vor Kritik haben,</li>
<li>einen langen Atem haben</li>
</ul>
<p>Nur wenn die Parteien auch zwischen den Wahlen systematisch ihre Netzwerke weiter pflegen und weiter in Dialog treten, werden sie im Wahlkampf eine schlagkr&#228;ftige Truppe zusammen haben. Sie k&#246;nnen also nicht einfach nach der Wahl aufh&#246;ren. Das ist nat&#252;rlich schwierig, weil dann daf&#252;r weniger Ressourcen zur Verf&#252;gung stehen. Das hei&#223;t, Parteien m&#252;ssen hier Schwerpunkte setzen, Ressourcen daf&#252;r freistellen und im Zweifelsfall auch andere Dinge lassen.</p>
<ul>
<li>Parteien m&#252;ssen loslassen k&#246;nnen</li>
</ul>
<p>Die Kontrolle war, wie anfangs erw&#228;hnt, schon immer eine Illusion. Aber <strong>im Web 2.0 wird der Kontrollverlust noch manifester</strong>.</p>
<p>Wir, also Gr&#252;ne und SPD, haben beispielsweise schon 24 Stunden nach der Nominierung von Gauck als Bundespr&#228;sidentschaftskandidat gesehen, wie komische Websites auftauchten, mit denen wir &#252;berhaupt nichts zu tun hatten. Ich glaube, es war f&#252;r alle Parteien ein Lernprozess – den auch die Obama-Kampagne gemacht hat – diese Dinge auch laufen zu lassen und nicht zu versuchen zu intervenieren, sondern bestenfalls Support anzubieten und darauf hinzuweisen. Das haben wir nat&#252;rlich auch gemacht. Wir haben beispielsweise daf&#252;r mobilisiert, als die Online-Organisation <a href="https://secure.avaaz.org/de/wahl_freigeben/?fp">Avaaz</a> ein Instrument anbot, den Wahlm&#228;nnern und und Wahlfrauen eine Email zu schreiben, aber wir hatten eben keinen Einfluss darauf, was in diesen Emails stand.</p>
<p>Gerade wenn man jetzt die Kontrolle &#252;ber die eigenen Botschaften aus der Hand gibt und Kommunikation pl&#246;tzlich wieder dezentral wird, braucht es einen <strong>kommunikativen Rahmen</strong>. Ich glaube, dass die Obama-Kampagne das sehr gut geschafft hat: Das <strong>Leitmotiv des <em>change</em></strong> hat den Rahmen vorgegeben, hat aber den vielen dezentralen Unterst&#252;tzern die Ausf&#252;llung des Rahmens selber &#252;berlassen. Das hei&#223;t, dass jeder seine eigene Geschichte von <em>change</em> erz&#228;hlen konnte.</p>
<p>Das ist nat&#252;rlich eine Jahrhundert-Situation, die man in keinster Weise &#252;bertragen kann. Aber zu wissen, dass man auch in Web 2.0, auch in einer letztendlich anarchischerem Kommunikationsumgebung eine Geschichte erz&#228;hlen muss, einen Rahmen vorgeben muss, ohne autorit&#228;r sein zu wollen, das ist glaube ich eine Kunst, die die Parteien hinkriegen m&#252;ssen und die sie auch mit Blick auf den Wahlkampf 2013 noch zu &#252;ben haben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Zur Einsch&#228;tzung des Online-Campaigning der Parteien in Gro&#223;britannien, siehe auch eine <a href="http://www.hansard-society.org.uk/blogs/publications/archive/2010/04/09/political-parties-are-digital-followers-not-leaders.aspx">Studie</a> der Hansard Society mit dem Titel &#8220;Political parties are digital followers not leaders&#8221;.</em>
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		<title>Schwarz-gr&#252;n flie&#223;t der Rhein</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 17:02:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bis zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sind es noch sechs Wochen. M&#246;glich, dass die FDP abst&#252;rzt und die CDU mit den Gr&#252;nen eine Koalition bilden darf. Das w&#228;re die ideale Voraussetzung f&#252;r die ersehnte schwarz-gr&#252;ne Wende im Bund. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/18df37b9c8e04d8ba1bd62a81d306c16" alt="" width="1" height="1" />Dass er nur sechs Monate nach seinem gr&#246;&#223;ten Triumph so gnadenlos heruntergeschrieben w&#252;rde von den deutschen Leitmedien, das h&#228;tte sich Guido Westerwelle sicher nicht tr&#228;umen lassen. Aber &#8211; so k&#246;nnte man l&#228;chelnd hinzuf&#252;gen: Es ist ja f&#252;r einen guten Zweck. In Nordrhein-Westfalen soll am 9. Mai (endlich wieder &#8211; <a href="http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/OeA/60JAHRE/2606_Das_Wechseljahr_1966.jsp">wie 1966</a>!) Geschichte geschrieben werden.</p>
<p><strong><a href="http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=55&amp;tx_ttnews%5Btt_news%5D=76384&amp;tx_ttnews%5BbackPid%5D=23&amp;cHash=207b454666">Schwarz-gr&#252;n am Rhein</a> w&#252;rde eine Wende im Bund einleiten</strong>, und den Gr&#252;nen – als den k&#252;nftigen Koalitionspartnern der CDU &#8211; den endg&#252;ltigen Durchbruch als K&#246;nigsmacher verschaffen. Was f&#252;r eine Ironie: Der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinischer_Kapitalismus">Rheinische Kapitalismus</a> k&#228;me durch die Hintert&#252;r zur&#252;ck (mit einer ostdeutschen Kanzlerin an der Spitze). <strong>Und die FDP (als die d&#252;sseldorferischste deutsche Partei) m&#252;sste ausgerechnet in D&#252;sseldorf ihre traditionelle Rolle als Mehrheitsbeschaffer an den gr&#252;nen Widersacher abtreten. So viel Absturz war nie!</strong></p>
<p>Ich glaube, <span style="text-decoration: line-through">die Deutschen</span> die <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/03/27/mehrheit-will-schwarz-gruen/im-bund-laut-umfrage.html">deutschen Journalisten</a> haben richtig Lust auf dieses Experiment. Sie wollen sehen, ob die CDU mit einem kompetenten Koalitionspartner an der Seite wieder zu einer inhaltlich &#252;berzeugenden, <em>christ</em>demokratischen Linie findet. Die gr&#252;ne Partei soll die CDU inspirieren, beatmen, d&#252;ngen und pampern.</p>
<p>F&#252;r diese Dienstleistung w&#228;re die Merkel-CDU sogar bereit, in der Energie- und Verkehrspolitik, in der Familien- und Gesellschaftspolitik, in der Forschungs- und Bildungspolitik Zugest&#228;ndnisse zu machen. <strong>Die CDU w&#252;rde ihre Bastionen Gymnasium, Atomkraftwerk, Kleinfamilie und Autobahn nicht mehr ganz so r&#252;ckhaltlos verteidigen und weiter in die Mitte r&#252;cken. </strong>Und die sich bedroht f&#252;hlenden, aggressiven Teile des B&#252;rgertums (die sich am ehesten von Politikern wie Christoph Blocher, Anders Fogh Rasmussen, Silvio Berlusconi, Vaclav Klaus, Lech Kaczynski, Sarah Palin oder Geert Wilders vertreten f&#252;hlen), m&#252;ssten sich rechts von der CDU eine neue Heimat suchen.</p>
<p>Galionsfiguren f&#252;r einen solchen Populismus sind in Deutschland (noch) nicht in Sicht. Aber Guido Westerwelle h&#228;tte das Zeug, uns nach der n&#228;chsten Bundestagswahl den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Wilders">Geert Wilders</a> in sp&#228;trheinischer Version zu geben.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=24935&amp;md5=4f03078e40e92af5d33fa9e02cde9473" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Tr&#252;pel: &#8216;Digital rights fair trade&#8217; ist vielleicht die bessere Kulturflatrate</title>
		<link>http://carta.info/23192/kulturflatrate/</link>
		<comments>http://carta.info/23192/kulturflatrate/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Feb 2010 15:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die gr&#252;ne Europabgeordnete Helga Tr&#252;pel sieht bei der Kulturflatrate inzwischen mehr Fragen als Antworten. Das Konzept sei unausgereift. Im Rahmen von "digital rights fair trade" m&#252;sse auch &#252;ber andere Gesch&#228;ftsmodelle, Pauschalabgaben und einen Kontrahierungszwang nachgedacht werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/33ed6b18955649f48f5747862ffb821f" alt="" width="1" height="1" /><strong>Frau Tr&#252;pel, Sie haben sich am Montag auf einer eigenen kulturpolitischen <a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Einladung-KPS-Berlin-Urheberrecht-in-der-digitalen-Welt-150210.pdf">Veranstaltung</a> von der Idee einer Kulturflatrate distanziert. Die Idee habe &#8220;konzeptionelle Schw&#228;chen&#8221; und sei  &#8220;unausgereift&#8221;. Im letzten Jahr hatten Sie sich selbst einmal in einem <a href="http://carta.info/11308/europaeische-kulturflatrate-don-quichotte-in-der-digitalen-welt/">Carta-Beitrag</a> f&#252;r ein solches Modell ausgesprochen. Wie kommt`s?</strong></p>
<p>Ja, es ist richtig. Ich habe im letzten Jahr mit gr&#252;nen Kollegen aus EP und Bundestag eine Studie zur rechtlichen Machbarkeit einer Kulturflatrate in Auftrag gegeben, die zu dem Schluss kam, dass durch eine Schrankenausweitung des Urheberrechts eine solche Flatrate juristisch machbar w&#228;re. Was die Studie nicht geleistet hat, war festzustellen, wie hoch diese Flatrate sein m&#252;sste, um das Runterladen von Kulturinhalten aus dem Netz angemessen zu bezahlen. Wir haben die Flatrate Kulturflatrate genannt, aber bis jetzt ist unklar, welche digitalen Inhalte von ihr betroffen sein sollen. Nur Musik, oder auch Film, B&#252;cher, und andere digitalisierbare kulturelle Inhalte.</p>
<p>Wir haben die <a href="http://www.gruene-bundestag.de/cms/medien/dokbin/278/278059.kurzgutachten_zur_kulturflatrate.pdf">Studie</a> zur juristischen Machbarkeit einer Kulturflatrate mit dem Ziel in Auftrag gegeben, einen fairen Ausgleich zwischen den Verbraucherinteressen auf leichten Zugang zum Netz, auf faire Bezahlung der Produzenten von kreativen Inhalten im Netz und auf Informationsfreiheit zu finden.</p>
<p>Zwangsenteignung durch illegales Up- und Downloaden kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg in einer Wissensgesellschaft sein und in einer Gesellschaft, die kulturelle Vielfalt aufrechterhalten und f&#246;rdern will. Also suche ich nach Wegen, wie datenschutzrechtlich unbedenklich neue Modelle f&#252;r das Runterladen von legalen Inhalten zu fairen Preisen f&#252;r Nutzer und faire Bezahlung f&#252;r Kreative und Verwerter gefunden werden k&#246;nnen. Das bedeutet aber auch, nicht den Weg in den &#220;berwachungsstaat zu beschreiten. Ich lehne das franz&#246;sische <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Frankreich-Internetsperre-fuer-Urheberrechtsverletzer-gebilligt-837138.html">Hadopi-Gesetz</a> ab, da ich es als viel zu weitgehend und als Eingriff in das Grundrecht auf Informationsfreiheit ansehe, denn der Three-Strikes-Ansatz sieht in dritter Instanz ein Kappen des Internet-Zugangs im Schnellverfahren vor.</p>
<p>Mein politisches Interesse zielt darauf, ein politisch unzensiertes Netz zu haben, f&#252;r den Download von Kulturinhalten angemessen zu bezahlen und falsche &#220;berwachungsma&#223;nahmen zu verhindern.</p>
<div id="attachment_23202" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel.jpg"><img class="size-medium wp-image-23202" style="border: 2px solid black;" title="truepel" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/02/truepel-300x199.jpg" alt="truepel" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Gr&#252;ne EU-Abgeordnete Tr&#252;pel: Daten kann man nat&#252;rlich klauen</p></div>
<p>Die Flatrate weist aus meiner Sicht viele offene Fragen auf: Wir haben nicht eindeutig gekl&#228;rt, ob sie nur f&#252;r Musikdownloads gelten soll, oder auch f&#252;r andere Branchen. Nach allen Umsatzzahlen der Musik- und Filmindustrie sowie des Buchmarkts habe ich nicht den Eindruck, dass man mit einer geringen Geb&#252;hr von 5 oder 10 Euro f&#252;r bisher illegale Downloads die entstehenden Kosten angemessen bezahlen k&#246;nnte. Offensichtlich w&#252;rde &#8211; auch wenn noch keine Zahlen vorliegen &#8211; die Summe, die man f&#252;r alle Breitband-Besitzer festlegen w&#252;rde, viel h&#246;her sein, so dass ich die politische Akzeptanz von einer gesetzlich geregelten Kulturflatrate nicht sehe. Deswegen muss aus meiner Sicht auch gepr&#252;ft werden, welche anderen Modelle f&#252;r &#8220;<a href="http://www.helgatruepel.de/wp-content/uploads/2010/02/Digital-rights-fair-trade-12Thesen.pdf">digital rights fair trade</a>&#8221; sich anbieten. Im Moment tut sich einiges auf dem digitalen Markt, es gibt neue Gesch&#228;ftsmodelle der verschiedenen Kulturbranchen &#8211; insbesondere bei Musik, Film und B&#252;chern &#8211; die neue, legale Download-Angebote schaffen. Da sind freiwillige Flatrates durchaus denkbar.</p>
<p>Politisch muss aus meiner Sicht geregelt werden, dass es im Musikmarkt wirklich wieder einen funktionierenden Wettbewerb gibt und nicht nur Monopole mit Mainstream-Repertoire. Man muss &#252;berlegen, ob nicht auch Internet Service Provider, die sehr stark verdient, aber die K&#252;nstler nicht angemessen beteiligt haben, zu einer Abgabe an kreative Produzenten gezwungen werden sollen, um K&#252;nstler angemessen an Downloads zu beteiligen. Auf europ&#228;ischer Ebene steht an, sich &#252;ber eine Neuregelung des Vertragsrechts zu verst&#228;ndigen, um K&#252;nstler besser zu bezahlen und Buy-Out-Vertr&#228;ge zu beenden.</p>
<p>Aus meiner Sicht ist zentral, dass es neue, faire Angebote f&#252;r Verbraucher und K&#252;nstler geben soll. Dazu m&#252;ssen neue Gesch&#228;ftsmodelle her und eine gute Regulierung des Marktes durch die Politik.</p>
<p>Die gr&#252;ne Debatte wird sich weiter sowohl um die Machbarkeit und H&#246;he einer gesetzlich geregelten Pauschalabgabe k&#252;mmern, als auch um Alternativen zu diesem Ansatz.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Im Rahmen von &#8220;digital rights fair trade&#8221; sollen Internetprovider &#8220;K&#252;nstler&#8221; &#8220;angemessen&#8221; verg&#252;ten. Damit stellt sich doch auch hier das Abgrenzungsproblemen: Wer ist K&#252;nstler? Was ist angemessen?</strong></p>
<p>Eine Idee im Rahmen von „digital rights fair trade“ ist, &#252;ber einen gesetzlich geregelten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kontrahierungszwang">Kontrahierungszwang</a> dazu zu kommen, dass auch Internet Service Provider zur Finanzierung kultureller Inhalte beitragen. Die H&#246;he der Abgabe auf urheberrechtlich gesch&#252;tzte Inhalte m&#252;sste eine Instanz aus Inhalteindustrie und Verwertungsgesellschaften aushandeln. Die Idee ist noch nicht ausgereift, muss aber im Kontext der Aufgabe, wie man kreative Inhalte in der digitalen Welt bezahlt, weiter gepr&#252;ft werden.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span></p>
<p><strong>Ist &#8220;digital rights fair trade&#8221; eine freiwillige Ma&#223;nahme, ein Label oder ein Ansatz, die Preise f&#252;r digitale Kreativg&#252;ter staaatlich/institutionell festzulegen? Wie k&#246;nnte man sich &#252;berhaupt dar&#252;ber einigen, was fair ist?</strong></p>
<p>„Digital rights fair trade“ beschreibt den politischen Ansatz, mit neuen Business-Modellen, Marktregulierung und politischen Regulierungen wie der Reform des Urheberrechts und des Vertragsrechts zu einem fairen Ausgleich der Interessen zwischen Verbrauchern, Inhalteindustrie und Kreativen zu kommen. Es ist gerade nicht nur ein staatliches Modell, sondern eines der Marktregulierung.<br />
<span style="color: #ffffff;font-size:10%;align=center">&#8230;</span><br />
<strong>Illegale Downloads nennen Sie eine &#8220;Zwangsenteignung&#8221;. Sollte man Urheberrechtsfragen nicht lieber ohne Eigentumsmetaphern diskutieren? Daten kann man schlie&#223;lich nicht klauen, wie wir sp&#228;tenstens seit der Steuer-CD wissen.</strong></p>
<p>Wenn Kreative nicht mehr f&#252;r ihre kreativen Produkte angemessen entlohnt werden, weil gegen ihren Willen ihre Werke hoch- und runtergeladen werden, ist das nicht im Interesse der Kreativen. In diesem Sinne kann man Daten &#8211; digitale Kulturinhalte &#8211; nat&#252;rlich klauen. Der Begriff der Piraterie meint ja gerade, dass man sich Dinge/Daten aneignet, die einem nicht geh&#246;ren. Der politische Streit zwischen Piraten und Anti-Piraten geht nur darum, ob man das gut hei&#223;t oder nicht.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=23192&amp;md5=bd44e81abf725aec6b7938f25f274238" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>NRW-Wahl: Auf die Gr&#252;nen kommt es an</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Feb 2010 10:18:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Gr&#252;nen werden bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen die FDP als Z&#252;nglein an der Waage beerben. Einiges spricht f&#252;r Schwarz-Gr&#252;n.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1a2c1f380ba54137b9eec63d32e7d438" width="1" height="1" alt=""/>NRW wird zur Richtungswahl, meint Guido Westerwelle. Recht hat  er, m&#246;glicherweise aber in einer andere Richtung als er denkt. Denn in  Nordrhein-Westfalen hat Schwarz-Gelb, genauso wie auf nationaler Ebene,  keine Mehrheit mehr und es gibt auch keinerlei Indizien, warum sich das  in den n&#228;chsten drei Monaten noch &#228;ndern sollte. NRW steht vor der  spannenden Wahl: Rot-Rot-Gr&#252;n oder Schwarz-Gr&#252;n. F&#252;r Schwarz-Gelb bringt  die Schrumpf-FDP nicht mehr gen&#252;gend Stimmen auf die Waage. Das  b&#252;rgerliche Lager, ein Begriff, der ohnehin nie stimmte, l&#246;st sich auf.  Es gibt neue Konstellationen, aber keine Lager mehr.</p>
<p>Das Z&#252;nglein an der Waage ist nicht mehr die FDP, sondern es sind die  Gr&#252;nen. Das h&#228;tten selbst die k&#252;hnsten Optimisten der Gr&#252;nen am Abend  der Bundestagswahl nicht gedacht: dass ihre Partei nur vier Monate,  nachdem sie erneut in die Opposition geschickt wurde, eine  Schl&#252;sselrolle in der deutschen Politik einnehmen k&#246;nnte. Die FDP ist  mit dieser Rolle offenkundig &#252;berfordert. Gewogen und zu leicht befunden – das ist die Bilanz nach 100 Tagen Regierungspartei FDP. Jetzt r&#228;cht  sich, dass sie seit 1998 inhaltlich und personell stagniert, die Gr&#252;nen  sich aber seit 2005 weiterentwickelten. Die Gr&#252;nen verstehen sich zwar  immer noch als linke Partei, aber nicht mehr zwanghaft als Teil eines  linken Lagers.</p>
<p>Es kommt in k&#252;nftigen Koalitionen nicht mehr so sehr auf die  Schnittmengen an, wie der Hamburger Parteienforscher Joachim Raschke  meint, sondern auf die Erg&#228;nzungen. Schwarz und Gr&#252;n erg&#228;nzen sich: die  CDU bringt die Kompetenz f&#252;r Wirtschaft und Finanzen ein, die Gr&#252;nen  f&#252;r Umwelt und Klima. Die CDU innere Sicherheit, die Gr&#252;nen B&#252;rgerrechte.  Und J&#252;rgen R&#252;ttgers taugt &#8211; im Gegensatz zu Roland Koch &#8211; auch nicht zum  gr&#252;nen Feindbild. Man kennt sich in NRW, man versteht sich. Ein  Gro&#223;teil der W&#228;hler von CDU und Gr&#252;nen stehen sich heute schon n&#228;her als  manche Funktion&#228;re glauben.</p>
<p>Und auch sachlich muss das in NRW nicht scheitern: Geht die  b&#252;rgerliche Welt unter, wenn die Kinder zwei Jahre l&#228;nger zusammen  lernen? Versinkt NRW ins Bodenlose, wenn die Studiengeb&#252;hren wieder  abgeschafft werden? Bricht Deutschlands Energieversorgung zusammen, wenn  es nicht zum Ausstieg aus dem Atomausstieg kommt? Und warum sollten die  Gr&#252;nen im Gegenzug nicht die moderne, umweltschonende  Braunkohletechnologie akzeptieren?</p>
<p>Die Alternative zu Schwarz-Gr&#252;n w&#228;re f&#252;r die Gr&#252;nen in NRW eine  Koalition mit einer inhaltlich und personell ausgezehrten SPD, mit deren  autorit&#228;rem Gehabe die Gr&#252;nen schlechte Erfahrungen gemacht haben. Da  hat die CDU einfach bessere Umgangsformen. Das beweist auch Ole von  Beust in Hamburg. Und es w&#228;re in NRW eine Koalition mit einer  sektiererhaften, chaotischen Linkspartei, die von ihren eigenen  F&#252;hrungsleuten in Berlin als “nicht regierungsf&#228;hig” eingestuft wird.</p>
<p>Die Linke hat in NRW weder parlamentarische noch administrative  Erfahrung. Rot-Rot-Gr&#252;n h&#228;tte eine gesch&#228;tzte Lebensdauer von h&#246;chstens  einem Jahr. Und die Gr&#252;nen k&#246;nnen im Saarland beobachten, wie  hasserf&#252;llt die Linkspartei mit ihnen umspringt (”Jamaika-Korruption”),  wenn sie sich dem linken Lager verweigern.</p>
<p>Es spricht also viel f&#252;r Schwarz-Gr&#252;n im Fl&#228;chenland NRW. Hier kann  die wirkliche ”Moderne” entstehen, von der Andrea Ypsilanti in anderen  Zusammenh&#228;ngen tr&#228;umt. Angela Merkel d&#252;rfte &#252;ber Schwarz-Gr&#252;n auch nicht  b&#246;se sein. NRW hat schon h&#228;ufiger die Weichen gestellt.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint als Crossposting via Michael Sprengs Blog <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2783">Sprengsatz</a>.</em>
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		<title>Rot-rot-gr&#252;ne Perspektiven</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Feb 2010 22:41:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es tut sich was auf dem linken Fl&#252;gel. Nach 30 Jahren Neoliberalismus scheint die Opposition - erstmals vereint - &#252;ber politische Alternativen nachzudenken. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/fcf96575e38c464bb3e72b8738863e8c" alt="" width="1" height="1" />Das Agenda-Jahr 2010 soll den Startpunkt des politischen Neuanfangs markieren. Gleich zwei rot-rot-gr&#252;ne Zirkel stellten im Januar ihre partei&#252;bergreifenden Projekte vor: Zum einen will das<strong> <a href="http://www.solidarische-moderne.de/">Institut Solidarische Moderne</a> </strong>um Andrea Ypsilanti (SPD), Katja Kipping (Die Linke) und Sven Giegold (Die Gr&#252;nen) ein wissenschaftlich fundiertes „Gegenmodell zum Neoliberalismus“ vorlegen; zum anderen k&#246;nnte die Gruppe<strong> <a href="http://www.stefan-liebich.de/article/1707.das-leben-ist-bunter.html">Das Leben ist bunter</a></strong> um die Abgeordneten Stefan Liebich (Die Linke), Marco B&#252;low (SPD) und Anton Hofreiter (Die Gr&#252;nen) eine Art linke <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pizza_Connection_%28Politik%29">Pizza-Connection</a> sein. Im Idealfall w&#252;rden sich Theorie- und Praxis-Gruppe gut erg&#228;nzen.</p>
<p>Die Frage ist: Wird der Idealfall eintreten?</p>
<p>Das „Institut Solidarische Moderne“ (ISM) sieht sich als „politische Denkwerkstatt“. In ihr sollen Wissenschaftler, Politiker und zivilgesellschaftlich Engagierte <strong>nach dem Scheitern sowohl des real existierenden Sozialismus als auch des real existierenden Neoliberalismus</strong> ein politisches Programm erarbeiten, das von ganz links bis weit in die Mitte hinein auf Zustimmung trifft. Leitlinie f&#252;r ein solches Programm ist der schon bekannte „sozial-&#246;kologisch gerechte Umbau der Moderne“.</p>
<p>Da alle beteiligten Parteien diese Leitlinie vertreten, geht es im Grunde um ein Austarieren der Gewichte: die einen wollen das Soziale etwas st&#228;rker betonen als das &#214;kologische, die anderen die Selbstbestimmung des Einzelnen mehr als das Soziale.</p>
<p>Thematisch d&#252;rfte eine Ann&#228;herung also leicht fallen. Aber auch personell sind wenig Hindernisse zu erwarten: die humanistische Mischung aus Attac, Transparency International, Frankfurter Interventionismus und Eurosolar ist perfekt. Kaum einer der Beteiligten lebt nur f&#252;r oder durch eine bestimmte Partei. Alle sind vielfach vernetzt, plural, lebensfroh und tolerant. Sie haben beeindruckende Lebensl&#228;ufe (die politisch oft in den siebziger Jahren beginnen). <strong>Als Pressure Group f&#252;r den politisch-ideologischen Klimawandel k&#246;nnte dieses linksb&#252;rgerliche Institut also durchaus wirksam werden.</strong> Ob es sich gesellschaftlich (und nicht nur in Memoranden) verankern kann, ist die gro&#223;e Frage. Schon Rot-Gr&#252;n hatte ja ein deutliches Verankerungs-Defizit.</p>
<p>Die zweite Gruppierung nennt sich lakonisch „Oslo-Gruppe“ &#8211; in Anspielung auf die rot-rot-gr&#252;ne Regierungskoalition in Norwegen. „Das Leben ist bunter“ (so der offizielle Titel ihres Programms) kommt sehr viel bescheidener und lebensn&#228;her daher als das etwas m&#252;hsame „Institut Soziale Moderne“. Kein Wunder: Die Oslo-Gruppe ist bedeutend j&#252;nger (es k&#246;nnten die Kinder der Instituts-Denker sein) und ihre Vorstellungen sind ganz auf Pragmatisches gerichtet: politische Absprachen, Initiativen, Koalitionen. In der Oslo-Gruppe dominieren Abgeordnete, die aus der Enge ihrer Fraktionen ausbrechen wollen. Wissenschaft und Gesellschaftsanalyse spielen nur eine untergeordnete Rolle (denn der wissenschaftliche Ansatz ist in den Ausbildungs-Biographien dieser Abgeordneten bereits verankert).</p>
<p>W&#228;hrend sich die Institutsgruppe vor allem in Frankfurt und Berlin verortet, liegen die Schwerpunkte der Oslo-Gruppe in Berlin und Nordrhein-Westfalen. Beide sind stark von gro&#223;st&#228;dtischem und westeurop&#228;ischem Gedankengut gepr&#228;gt, die Institutsgruppe etwas st&#228;rker als die Oslo-Gruppe. Der Osten und die Provinz spielen in beiden Gruppen nur Nebenrollen.</p>
<ul>
<li>Am interessantesten ist vielleicht die Strategie der Linken in beiden „B&#252;ndnissen“. Anders als bei Gr&#252;nen und SPD haben sich bei der Linken nicht prim&#228;r Entt&#228;uschte und innerparteiliche Oppositionelle eingefunden, sondern zentrale Figuren. <strong>Die Linke ist die einzige Partei, die ihr Mitwirken in diesen Gruppierungen mit dem eigenen Parteivorstand abgestimmt hat.</strong> Hier wirken vielleicht noch alte, romantische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Front_populaire">Volksfrontstrategien</a> nach &#8211; mit dem kleinen Unterschied, dass solche Strategien nur in Situationen existentieller Bedrohung funktionieren.</li>
<li>Die SPD hat nun Gelegenheit, sich in Mehrparteien-Laboren verhaltenstechnisch zu regenerieren. Sie muss ihre <a href="http://carta.info/15739/ist-die-spd-jetzt-voellig-matschie/">Phobien</a> loswerden, und das hei&#223;t, sie muss vor allem vermeiden, parteitaktische Spielchen mit den Linken zu spielen. Die Gefahr, in alte Rollenmuster zu fallen (und die kleineren Parteien als Kellner und sich selbst als Koch zu begreifen) besteht. Doch die beteiligten Sozialdemokraten sind erfahren und (ber&#252;hrungs-)angstfrei genug, um Sticheleien von Parteifreunden, etwa aus dem Seeheimer Kreis, ignorieren zu k&#246;nnen.</li>
<li><strong>Die Gr&#252;nen machen den Eindruck, als seien sie in diesen B&#252;ndnissen das Reserverad am Wagen.</strong> Zwar dabei, aber nicht unbedingt n&#246;tig. Vielleicht wollen die Restlinken bei den Gr&#252;nen ihre Mitarbeit dazu nutzen, den innerparteilichen Machtkampf zwischen Schwarz-Gr&#252;n-Anh&#228;ngern und Linksgr&#252;nen zu beeinflussen. Die etablierte Garde der Mittf&#252;nfziger sieht jedenfalls keinen Grund, bei einem rot-rot-gr&#252;nen <a href="http://crossover-debatte.de/">Crossover</a> das Aush&#228;ngeschild zu spielen. Andererseits: Der gr&#252;ne Nachwuchs hat die erschlafften Vorst&#228;nde satt und will zur&#252;ck zu den Wurzeln.</li>
</ul>
<p>Die Personen der beiden rot-rot-gr&#252;nen Experimente werden also zweifellos gut miteinander k&#246;nnen &#8211; wenn da nicht die Parteien hinter ihnen st&#252;nden!</p>
<p><strong>Und so werden wir noch im Agenda-Jahr erfahren, ob die beiden „Vorfeldorganisationen“ zu echten <a href="http://www.freitag.de/wochenthema/1005-rot-rot-gruen-crossover-solidarische-moderne-ypsilanti-kipping">Cross-Over-Projekten</a> werden; ob sie einer bislang harmlosen Opposition politisches Selbst-Bewusstsein vermitteln k&#246;nnen oder lediglich als Partei&#252;bertrittsvorh&#246;llen fungieren.</strong>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=22637&amp;md5=68a41a3b2b8070198eed3da2dad18f7e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ist die SPD jetzt v&#246;llig matschie?</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Oct 2009 23:12:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zwei Tage nach ihrer schlimmsten Wahlniederlage in der Geschichte der Bundesrepublik w&#228;hlte die SPD-Fraktion den Verlierer zum Oppositionsf&#252;hrer. Und drei Tage sp&#228;ter votierte die Th&#252;ringer SPD-Spitze f&#252;r eine Koalition mit der CDU. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/244ba20c7f05480982dabd8e9af22efa" width="1" height="1" alt=""/>Die Begr&#252;ndung f&#252;r diese Entscheidung muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die SPD f&#252;hle sich an der Seite der Christdemokraten einfach sicherer!!</p>
<p><strong>Wie ausgebufft (oder abgehoben?) muss eine Partei eigentlich sein, um in dieser aufgew&#252;hlten Situation* solche Entscheidungen zu treffen? </strong>Wieso erheben sich die Mitglieder nicht massenhaft gegen solche Zumutungen? Warum verbrennen sie nicht ihre Parteib&#252;cher vor der Zentrale?</p>
<p>So <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652485,00.html">aufgebracht</a> und revolutionsd&#252;ster klingen derzeit die &#196;u&#223;erungen entt&#228;uschter <a href="http://www.mein-herz-schlaegt-links.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=643:re-sozialdemokratiesierung-der-spd-nach-der-bundestagswahl&amp;catid=53:beitraege-zum-demokratischer-sozialismus&amp;Itemid=74">Genossen</a>. <a href="http://www.taz.de/1/politik/bundestagswahl/artikel/1/%5Ces-muss-einen-neuanfang-geben%5C/">Zornig</a> fordern sie eine „Re-Sozialdemokratisierung“ ihrer Partei. Und in dieser kippligen Stimmung hat der Pfarrerssohn Christoph Matschie nichts Besseres zu tun, als sich sofort wieder unter die Fittiche der Christdemokraten zu fl&#252;chten. Seine <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652631,00.html">Angst</a> vor Bodo Ramelow scheint allen Linkswende-Gel&#246;bnissen Hohn zu sprechen.</p>
<p>Aber betrachten wir die Sache mal etwas n&#252;chterner.</p>
<p>Eine Linkswende w&#252;rde der SPD wohl nur dann eine Machtperspektive er&#246;ffnen, wenn die Partei &#8211; im Sinne Oskar Lafontaines &#8211; das ehrbare Ziel verfolgen w&#252;rde, SPD und Linke zu vers&#246;hnen und zu vereinen. Stichwort: „Wandel durch Ann&#228;herung“. (Ich kann mir sogar vorstellen, dass dieses Gef&#252;hls-Motiv die entscheidende Triebkraft f&#252;r eine Erneuerung der Sozialdemokratie sein k&#246;nnte).</p>
<p>Doch es gibt unter den derzeitigen „Verantwortungstr&#228;gern“ der SPD eine gro&#223;e Mehrheit, die eine solche Ann&#228;herung nicht will, nicht anstrebt und auch nicht f&#252;r realistisch oder vern&#252;nftig h&#228;lt. Denn <a href="http://www.bild.de/BILD/regional/leipzig/dpa/2009/09/27/kippingresozialdemokratisierung-der-spd-noetig.html">zwei</a> linke Parteien, hei&#223;t es, w&#252;rden die linke Ohnmacht nur vergr&#246;&#223;ern. <strong>Also werben die Strategen der SPD seit der krachenden Niederlage vom Sonntag f&#252;r eine neue Doppelstrategie, die das Gegenteil von „Wandel durch Ann&#228;herung“ ist &#8211; n&#228;mlich „&#214;ffnung durch Abgrenzung“.</strong></p>
<p>Was ist damit gemeint?</p>
<p>„&#214;ffnung durch Abgrenzung“ akzeptiert zun&#228;chst, dass zwei unterschiedliche sozialdemokratische Parteien nebeneinander existieren. Sie erkl&#228;ren, sich nicht l&#228;nger gegenseitig vernichten zu wollen (= friedliche Koexistenz). Klar sein muss auch, dass die Verantwortungstr&#228;ger der SPD ein anderes W&#228;hlerspektrum erreichen wollen als die Linke. Und klar sein muss drittens, dass die SPD in den vergangenen 30 Jahren unter dem Einfluss von New Labour und anderen westeurop&#228;ischen Str&#246;mungen eine andere Entwicklung genommen hat: inhaltlich, organisatorisch und personell. Derzeit befindet sich die SPD in dem riskanten Prozess, ihre alte Mitgliedschaft sukzessive durch eine neue (weniger zahlreiche) zu ersetzen. Ihr Funktion&#228;rsk&#246;rper ist von Pragmatikern dominiert. <strong>Kurz: Die SPD ist auf dem Weg zu einer linksliberalen Staatspartei, die sich auf einen W&#228;hleranteil von zehn bis 15 Prozent einpendeln wird, w&#228;hrend die Linke 25 Prozent mobilisieren kann,</strong> im Osten etwas mehr, im Westen etwas weniger.</p>
<p>Wird diese Abgrenzung und Rollenfindung von beiden Parteien akzeptiert (und versucht nicht eine Seite die andere zu erziehen), so ist eine gedeihliche Zusammenarbeit bis hin zu rot-rot-gr&#252;nen B&#252;ndnissen m&#246;glich.</p>
<p>In einer solchen Dreier-Koalition h&#228;tte die SPD eine wichtige Scharnierfunktion. <strong>So k&#246;nnte eine zur Linken abgegrenzte SPD dem b&#252;rgerlichen Fl&#252;gel der Gr&#252;nen die Angst nehmen, von einem &#252;berm&#228;chtigen rot-roten Block an die Wand gedr&#252;ckt zu werden</strong> – wie im Saarland bef&#252;rchtet. (Doch so ganz begriffen und akzeptiert hat die kleiner werdende SPD ihre k&#252;nftige Rolle noch nicht. Sonst h&#228;tte sie ihre Scharnier-Funktion in Th&#252;ringen erstmals erprobt).</p>
<p>Nat&#252;rlich schmerzt eine derart n&#252;chterne Betrachtungsweise der SPD all diejenigen, die zur guten alten Brandt-SPD zur&#252;ck wollen &#8211; wie der bewundernswert k&#228;mpfende <a href="http://www.nachdenkseiten.de/">Albrecht M&#252;ller</a>. Die <em>ihre geliebte und gebeutelte SPD</em> den blutleeren <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=4169">Machttechnikern</a> zu entrei&#223;en trachten.</p>
<p>Noch sind beide Entwicklungsverl&#228;ufe m&#246;glich: die Fortentwicklung der SPD zur machtstrategisch cleveren Scharnierpartei, und die Fortentwicklung der SPD zur wiedervereinigten Gef&#252;hlspartei**. Die Entscheidungen der letzten Tage sprechen eher f&#252;r ersteres.</p>
<p>*Nur in den Krisenjahren zwischen 1920 und 1924 sowie beim Zerfall der Weimarer Republik 1932/33 waren die Wahlergebnisse der SPD noch schlechter als 2009.</p>
<p>**Siehe auch mein Beitrag: <a href="http://carta.info/4349/rotrot-oder-tod-die-hessenwahl-als-vorzeichen/">Rotrot oder Tod</a> vom Januar. Interessant auch der Kommentar von Simona zum Beitrag von <a href="http://carta.info/15658/bundestagswahl-spd-kommunikation/">Leonard Novy</a>
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		<title>Bundestagswahl: Das Schweigen der L&#228;mmer</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 15:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marek Dutschke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei Obamas Health-Care-Rede war jede Minute emotional aufgeladen, hierzulande ist der Wahlkampf das genaue Gegenteil. Doch ohne Begeisterung und Emotionalit&#228;t wird kaum einer an die Wahlurne gelockt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d1497747a4999fa7985aad7c852d49" alt="" width="1" height="1" />Wer die Rede von Barack Obama zur Gesundheitsreform vor dem Kongress <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SSJugLUsM58&amp;hl=de">auf YouTube</a> angeschaut hat, muss G&#228;nsehaut bekommen haben. Da war ein begnadeter Rhetoriker auf der H&#246;he seines K&#246;nnens zu sehen, der sich mit gro&#223;er &#220;berzeugungskraft fast eine Stunde lang ausschlie&#223;lich einem Thema widmete. Jede Minute war emotional aufgeladen und jeder Satz genau abgewogen, um den richtigen Ton zu treffen.</p>
<p>Trotz Mehrheiten in beiden Kammern f&#252;r seine Partei muss Obama f&#252;r seine Reformvorhaben k&#228;mpfen. Seine politischen Gegner bek&#228;mpfen ihn mit allen Mitteln. Sie l&#252;gen, sie sch&#252;ren &#196;ngste und mobilisieren ihre Anh&#228;nger auf der Stra&#223;e, um Druck auszu&#252;ben. Sie behaupten, dass die Steuerzahler f&#252;r die medizinische Versorgung illegaler Mexikanern die Zeche zahlen m&#252;ssten. Sie behaupten, dass eine staatliche Gesundheitsoption es erm&#246;gliche, dass Abtreibungen von den Krankenkassen bezahlt werden. Gesetzespassagen &#252;ber Patientenverf&#252;gungen werden in die N&#228;he des Faschismus ger&#252;ckt. Denn sie behaupten, dass zuk&#252;nftig B&#252;rokraten wie bei den Nazis Euthanasie an Alten und Kranken beschlie&#223;en k&#246;nnten. Bilder von schreienden und verst&#246;rten Menschen, teilweise bewaffnet bei den <em>Townhall Meetings</em> waren oft zu sehen.</p>
<p>In der Bev&#246;lkerung sinken die positiven Umfragewerte f&#252;r Obamas Politik. Er muss die &#196;ngste entkr&#228;ften und Hoffnung ausstrahlen. Die Rede vor dem Kongress ist ein Instrument, dies umzusetzen. Und in der Tat ist er in der Lage, die Rede her&#252;berzubringen. Er verdeutlicht, dass es ihm um die 30 Millionen US-Amerikaner gehe, die nur eine rudiment&#228;re oder gar keine Gesundheitsversicherung haben. Diese Menschen sollen im Krankheitsfall nicht in den Ruin getrieben werden. Obama beabsichtigt, dass jeder B&#252;rger eine bezahlbare und umfangreiche Gesundheitsversicherung bekommen m&#252;sse. Sorgf&#228;ltig ist die Rede mit traurigen Einzelschicksalen illustriert. Dar&#252;ber hinaus gibt es sogar Lob f&#252;r den politischen Gegner, etwa John McCain. Er bietet den Republikanern Gespr&#228;chsbereitschaft an, um einen m&#246;glichen Kompromiss zu finden. Zu guter letzt beruft er sich auf den verstorbenen Senator Edward Kennedy, dessen Witwe und Kinder unter den Zuschauern sind. Obama zitiert aus einem Brief, den er von Kennedy nach dessen Tod erhalten hat. Sp&#228;testens an dieser Stelle war ich selbst den Tr&#228;nen nah.</p>
<p><strong>Wenden wir uns der</strong><strong> Schlussphase des deutschen Wahlkampfs zu. </strong> Einerseits k&#246;nnen wir uns freuen, dass sich die politischen Lager in Deutschland nicht so erbittert bek&#228;mpfen, dass wir einen gesellschaftlichen Konsens in Fragen wie Gesundheitsversicherung und Abtreibung haben. Andererseits kann fehlende Emotionalit&#228;t und Begeisterung in der Politik auch zu einem Demokratiedefizit f&#252;hren, weil der B&#252;rger aus Desinteresse nicht an Wahlen teilnimmt. Gerade die j&#252;ngeren W&#228;hler werden sich ohne Begeisterung und Emotionalit&#228;t nicht an die Wahlurne locken lassen, und dies ist problematisch f&#252;r die Zukunft.</p>
<p>Der Wahlkampf zwischen Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel ist alles andere als aufgeladen gewesen. Beim sogenannten <a href="http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/2982100">TV-Duell</a> zwischen den beiden Kandidaten waren die Gemeinsamkeiten un&#252;bersehbar; nur die Tatsache, dass Steinmeier bei seinen Formulierungen kenntnisreicher erschien, hat Wellen geschlagen. Doch von Streit oder gar von einem Wettbewerb der Ideen kann keine Rede sein. Der Spiegel-Journalist Matthias Matussek hat den Konservatismus in Deutschland richtig als  „&#246;de Lifestyle-Spie&#223;erei“ <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648339,00.html">beschrieben</a>. Es ist jedoch nicht nur das b&#252;rgerliche Lager, das Langeweile bereitet: die ist im ganzen Parteienspektrum vorhanden.</p>
<p>Die ganze Politikerszene kommt selbstzufrieden daher. Aber zu Unrecht. Unsere Gesellschaft wird sich ver&#228;ndern m&#252;ssen, die Regierenden m&#252;ssen einen Beitrag daf&#252;r leisten.  Steinmeier kann man zwar zugute halten, dass er seinen Wahlkampf fr&#252;h mit einem zielstrebigen Zukunftspapier zur Wirtschaftspolitik angefangen hat, aber leider ist wenig davon im Ged&#228;chtnis geblieben. Das gro&#223;e Thema der SPD – soziale Gerechtigkeit – zieht nicht. Seit der Agenda 2010, die Steinmeier selbst ma&#223;geblich zu verantworten hatte, ist die Glaubw&#252;rdigkeit der SPD als Repr&#228;sentant des kleinen Mannes dahin. Am Ende blieb ihm nur der Kampf gegen Schwarz-Gelb, doch er bietet keine Alternative an, au&#223;er als Juniorpartner die gro&#223;e Koalition fortzuf&#252;hren.</p>
<p>Bei den Gr&#252;nen und der Linkspartei sieht es nicht viel besser aus. Denn keine dieser Parteien ist in der Lage, eine Machtperspektive zu bieten. Die Gr&#252;nen schlie&#223;en eine Jamaika-Koalition aus, und die rot-rot-gr&#252;ne Variante ist auf Bundesebene undenkbar. Die Linkspartei ist zwar in der Lage, Emotionen bei den Themen Afghanistan und Armut zu erzeugen, aber Begeisterung ist nicht vorhanden, weil sie ihre Vorstellungen unm&#246;glich umsetzen k&#246;nnte. Die Gr&#252;nen wiederum h&#228;tten zwar die M&#246;glichkeit, in einer Dreier-Koalition mit der CDU und FDP einen Teil ihrer Vorstellungen umzusetzen, aber sie sind aus verschiedenen Gr&#252;nden nicht gewillt, ein solches Risiko einzugehen. Die Partei sehnt sich eigentlich nach dem rotgr&#252;nen Projekt zur&#252;ck, das aber ist f&#252;r absehbare Zeit gestorben.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ist es interessant zu beobachten, dass die Gr&#252;nen sich bei manchen Themen zur&#252;ckhalten. Als Zivilisten in Afghanistan bei einem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff starben, haben die Gr&#252;nen nur die Kommunikationspolitik der Regierung kritisiert. Man erinnere sich an Petra Kelly, die bei einer solchen Begebenheit  mit dem Weinen und der Emp&#246;rung nicht h&#228;tte aufh&#246;ren k&#246;nnen. Seit dem Kosovokrieg sind die Pazifisten bei den Gr&#252;nen eine kleine Minderheit. Auch beim Thema Atomkraft sind die Gr&#252;nen still geworden, obwohl beim Thema Endlagerung durchaus Z&#252;ndstoff vorhanden w&#228;re, seit Beweise aufgetaucht sind, die zeigen, dass die CDU in den achtziger Jahren beim Standort Gorleben Einfluss auf die Gutachten ausge&#252;bt hat. Doch die Gr&#252;nen reden nur von Laufzeiten der AKWs, weil sie den schwachen Atomausstieg unter Rot-Gr&#252;n ausgehandelt haben. Weder bei Atomkraft noch bei Krieg und Frieden waren die Gr&#252;nen in der Lage, Emotionalit&#228;t in den Wahlkampf einzubringen. Sogar der altgr&#252;ne Rebell Christian Str&#246;bele, der als Au&#223;enseiter vor sieben Jahren zu ersten Mal sein Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg gewann, ist inzwischen im Mainstream etabliert.</p>
<p>Keine der Parteien hat es vermocht, Obama&#8217;sche Begeisterung auszul&#246;sen. Dem Personal der Parteien fehlen mitrei&#223;enden Gestalten, die die W&#228;hler mobilisieren und bei j&#252;ngeren B&#252;rgern Begeisterung f&#252;r Politik ausl&#246;sen. Meine Prognose lautet, dass die Gro&#223;e Koalition weitergef&#252;hrt wird.
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		<title>Einst wird kommen Schwarz-Gr&#252;n</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 16:07:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einem Viertel der Unionsw&#228;hler w&#228;re heute bereits eine Koalition mit den Gr&#252;nen lieber als mit der FDP. Und im S&#252;den des Landes w&#228;chst die Zustimmung zur christlich-&#246;kologischen Alternative &#252;berproportional.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/af18d4ee348f60d01e82dc0464a6e9" width="1" height="1" alt=""/>Sieben Wochen vor der Bundestagswahl ist die Sache f&#252;r die meisten Deutschen l&#228;ngst gelaufen: 66 Prozent rechnen mit Schwarz-Gelb. Jeder dritte mit der ungeliebten Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition, kaum jemand mit Ampel oder einem Jamaika-B&#252;ndnis. Auf Schwarz-Gr&#252;n, also einer Regierung aus CDU/CSU und den Gr&#252;nen, setzt dagegen kaum jemand.</p>
<p>Warum eigentlich? Mitte Juli kam die Union zusammen mit der FDP auf 50 Prozent der W&#228;hlerstimmen, mit den Gr&#252;nen immerhin auf 47. Was aber, wenn die klammheimliche Angst der Liberalen vor Politstar zu Guttenberg Realit&#228;t wird? Und der „coole Baron“ (Stern) einen Teil der ordnungskonservativen W&#228;hler von der FDP zur&#252;ckgewinnt? Die SPD mit einem Anti-Atom-Wahlkampf den Gr&#252;nen weitere W&#228;hler zutreibt? Was wenn die &#214;ko-Partei ihr Stimmungshoch nach dem Europawahlerfolg konservieren kann und wom&#246;glich st&#228;rker als die Liberalen wird? Oder die Union mit beiden Partnern mehrheitsf&#228;hig w&#228;re?</p>
<p><strong>Stellen Sie sich vor, es ist Bundestagswahl, und es w&#252;rde f&#252;r Schwarz-Gr&#252;n reichen. Dazu fehlen gerade noch</strong><strong> zwei Prozentpunkte!</strong></p>
<p>Es empfiehlt sich also, einmal tief in die <strong>Gem&#252;tswelt der Unionsw&#228;hler</strong> zu schauen: Ist christliberal noch die unantastbare Regierungspr&#228;ferenz der Konservativen? Oder hat sich der &#246;kologische Bazillus bereits tief in deren Gedankenwelt geschlichen? Wie viele CDU/CSU-W&#228;hler votieren im Falle beider Optionen eher f&#252;r die FDP, wie viele f&#252;r eine Koalition mit den Gr&#252;nen? 25 Prozent! Jeder vierte Unionsw&#228;hler bevorzugt eine christ&#246;kologische Koalition. Unter allen Wahlberechtigten sind es sogar 42 Prozent. Viel mehr, als es der Eindeutigkeit der bislang ge&#228;u&#223;erten Strategie entspricht. Noch zu wenig, um schon jetzt attraktive Alternative zu sein.</p>
<p>Liegt das daran, dass Union und Gr&#252;ne zu wenig seelenverwandt sind? Dass beide Anh&#228;ngerschaften zu unterschiedliche Politeinstellungen aufweisen? Oder liegt es nur daran, dass diese Option bundesweit bisher kaum die Wahrnehmungsschwelle der W&#228;hler erreicht?</p>
<p>Eher am Zweiten: In den meisten politischen Sachfragen liegen die W&#228;hler von Union und FDP noch n&#228;her beieinander: in ihren Einstellungen zur Kernenergie, zu Steuererleichterungen, in der Bildungspolitik.</p>
<p>Aber es gibt auch verbindende Themen zwischen Schwarz und Gr&#252;n: Die zunehmende <strong>Ablehnung von Staatshilfen und Rettungsschirmen</strong>, die sozial determinierte <strong>Ordnungspolitik</strong>, die <strong>Familienpolitik</strong>.</p>
<p>F&#252;r Aufsteiger sind beide Parteien gleich attraktiv. Und: Bewundern die konservativ-pflichtbewussten Schwarzen nicht klammheimlich die hedonistisch-kulturell orientierten Gr&#252;nen? Sind Unionsw&#228;hler im Grunde ihrer Herzen nicht auch &#246;ko- und friedliebend? Jedenfalls st&#228;rker als fr&#252;her. Zudem wird eine linke, im Niedergang befindliche SPD f&#252;r gr&#252;ne Akademiker, Beamte und Besserverdienende nicht attraktiver. F&#252;r diese W&#228;hler ist beides, &#214;ko und Konsum, Ausdruck ihres Lebensgef&#252;hls. F&#252;r viele ist die Mitte gr&#252;n.</p>
<p>Geht also Schwarz-Gr&#252;n? <strong>Unter bestimmten Umst&#228;nden: ja!</strong> Denn auff&#228;llig ist, dass im lebensfreudigeren S&#252;den der Republik Schwarz-Gr&#252;n auf deutlich st&#228;rkere Zustimmung trifft als im eher preu&#223;ischen Norden. In Baden-W&#252;rttemberg bevorzugen nur noch 55 Prozent der CDU-W&#228;hler eine christlich-liberale Koalition. 45 Prozent votieren bereits f&#252;r ein B&#252;ndnis mit den Gr&#252;nen.</p>
<p>Schwarz-Gr&#252;n k&#246;nnte die Regierung der Zukunft sein: Wenn die SPD nach den wahrscheinlich verlorenen Wahlen ihre erste Reihe, also Steinmeier, Steinbr&#252;ck und M&#252;ntefering verliert, Nahles und Wowereit die Sozialdemokraten auf die dann auch &#246;ffentlich propagierte Wende nach links vorbereiten, worauf bereits die politische Ausrichtung der aktuellen SPD-Bundestagskandidaten hindeutet. Und wenn die Union zur wirklichen Partei der Mitte avanciert, auch weil sie sich dann besser als in einer Koalition mit der FDP als Wirtschaftspartei profilieren kann.</p>
<p>Auch der n&#228;chste politische Mega­trend spricht f&#252;r Schwarz-Gr&#252;n: Der n&#228;mlich hei&#223;t nach „Sicherheit im Wandel“ und „Arbeit schaffende Wirtschaft“ „<strong>Gesellschaftliche Fairness</strong>“, also <em>fairhalten</em>, <em>fairantworten</em>, <em>fairhandeln</em>, <em>fairkaufen</em>, <em>fairb&#252;nden</em>: Wie schaffe ich ein modern-gerechtes Deutschland in Zeiten von Globalisierung, Demografie und IT-Dividende, in dem „Vers&#246;hnen statt Spalten“ zur Richtschnur des Miteinanders wird? Bei keinem Thema passt eine Partei mit christlichen besser zu einer mit &#246;kologischen Wurzeln.</p>
<p><em>Dieser Text erschien zuerst in <a href="http://www.cicero.de/">Cicero</a>. Carta &#252;bernimmt <a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&amp;item=4015">den Artikel</a> mit freundlicher Genehmigung des Autors als Zweitver&#246;ffentlichung.</em>
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