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	<title>CARTA &#187; Deutschland-Plan</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Steinmeiers Deutschland-Plan: Die Romantik der alten Erfolgsmodelle</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 15:23:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Frank-Walter Steinmeiers Deutschland-Plan liest sich gut, doch um die wesentlichen Zukunftsfragen macht es einen Bogen. Es bleibt dem Geist des Industriezeitalters verhaftet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bd55b97676eae979aac879116a4889" alt="" width="1" height="1" />Ist <a href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/">Frank-Walter Steinmeier</a> ein Romantiker? Fast m&#246;chte man es glauben, wenn man einerseits sein aktuelles Papier – &#8220;<a href="http://www.frankwaltersteinmeier.de/meine_ziele/index.html">Die Arbeit von morgen – Politik f&#252;r das n&#228;chste Jahrzehnt</a>&#8220;<strong> –</strong> liest und andererseits im Ohr hat, was <a href="http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-20944-2">R&#252;diger Safranski</a> &#252;ber die Romantik geschrieben hat. <strong>Das Romantische</strong> ist demnach eine Geisteshaltung, die ihren Weg auch in die Politik fand und nach Safranski in der Studentenbewegung von 1968 ihren letzten gr&#246;&#223;eren Aufbruch hatte.</p>
<p>Das Steinmeier-Papier formuliert ebenfalls einen Aufbruch. Den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Sehr geschickt entfaltet es beim Lesen eine suggestive Kraft, ist es doch stellenweise wie aus der Zukunft heraus geschrieben, ganz in der Gewissheit, dass im Jahr 2020 Wirklichkeit sein wird, was in dem Papier heute noch als Weg und Ziel formuliert wird.</p>
<p>Inhaltlich geht es vorrangig um <strong>wirtschaftliche Fragen</strong>, den Standort Deutschland, die Bedeutung von Industrie und Dienstleistungen, Zukunftstechologien und nat&#252;rlich auch um die daf&#252;r erforderliche Bildung. Die Gleichberechtigung der Frauen wird ebenso betont wie Klima- und Umweltschutz. Das Papier schlie&#223;t mit Forderungen zu neuen Spielregeln f&#252;r die Finanzm&#228;rkte, mit denen sich die aktuelle Krise nicht wiederholen k&#246;nnen soll.</p>
<p>Insgesamt also ein durchaus rundes Bild von der Zukuft, an dem man kaum direkte Kritik &#252;ben kann. Das Problem liegt vielmehr im Blick auf die Dinge, also der Sichtweise, die in dem Papier eingenommen wird.</p>
<p>Die Zukunft erscheint hier wie eine Fortschreibung der Gegenwart – oder besser noch wie die M&#246;glichkeit einer <strong>Perpetuierung des Erfolgsmodells &#8220;Exportweltmeister Bundesrepublik&#8221;</strong>. Verr&#228;terisch ist etwa der Gebrauch des Wortes &#8220;Exportschlager&#8221;. F&#252;r Frank-Walter Steinmeier lassen sich <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/06/09/klimawandel/">Umwelt- und Klimaprobleme</a> technisch l&#246;sen, daraus Produkte ableiten, die sich weltweit verkaufen lassen, und damit in Deutschland Arbeitspl&#228;tze schaffen. Hier weht er, der Geist der Romantik, der nicht recht sehen will, dass sich der Lauf der Dinge auch ganz anders entwickeln k&#246;nnte.</p>
<p>Die Hoffnung auf den technischen Fortschritt, mittels dessen sich ein Energiewandel vollziehen und damit auch die Klimaproblematik entsch&#228;rfen lassen soll, ist unbedingt mit  Steinmeier zu teilen. Nur muss hier auch die Frage gestellt werden, ob Deutschland auf ewig der <strong>Technologie- und damit auch Marktf&#252;hrer</strong> bleiben kann, wenn im Zuge der <strong>Globalisierung</strong> der Vorsprung auf vielen Gebieten in den letzten 20 Jahren langsam aber stetig abgenommen hat. Insbesondere in Asien holt man derzeit gewaltig auf, China hat bekanntlich hohe Ambitionen und will nicht Exporteur einfacher Billigprodukte bleiben.</p>
<div id="attachment_14312" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=CIE-Q3Ftw98"><img class="size-medium wp-image-14312  " title="YouTube Direktlink: Daf&#252;r k&#228;mpfen wir: Deutschland-Pan" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/dplan-300x199.jpg" alt="dplan" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Deutschland-Plan: &quot;Zukunft als Fortschreibung des Erfolgsmodells Exportweltmeister&quot; (Foto: SPDvision)</p></div>
<p>Fragw&#252;rdig in diesem Kontext ist das Beispiel der <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/03/30/tesla-s-innovationsdilemma/">Automobilindustrie</a>. Frank-Walter Steinmeier sieht Deutschland hier trotz des <strong>Wandels der Antriebstechnologien</strong> (hin zum Elektroauto) in einer unangefochtenen F&#252;hrungsrolle, die es auszubauen und zu f&#246;rdern gelte. So l&#246;blich diese Absichten sind, so sehr muss auch eingestanden werden, dass die Autobauer im Grunde viel zu lange am Konzept des Verbrennungsmotors festgehalten haben. Wenn zudem erst jetzt ein Fraunhofer-Institut f&#252;r Energiespeichertechnik gegr&#252;ndet werden soll (wie der Deutschland-Plan vorschl&#228;gt), zeigt dies vor allem auch, dass wir hier dem Trend hinterherlaufen. Ob das eine verl&#228;ssliche Basis f&#252;r einen Teil der vier Millionen neuen Arbeitpl&#228;tze bildet, die Frank-Walter Steinmeier schaffen will?</p>
<p>Auch am st&#228;ndigen Vergleich Deutschlands mit anderen Regionen dieser Welt zeigt sich, dass in gestrigen und damit tendenziell &#252;berholten Strukturen gedacht wird. So erhellend solche Benchmarks auch sind, so sehr verstellen sie den Blick auf die neuen Realit&#228;ten und M&#246;glichkeiten, die uns mit dem <strong>Internet</strong> erwachsen. An keiner Stelle im Papier taucht etwa die Perspektive auf, Herausforderungen der Zukunft nicht kompetitiv, sondern kollaborativ &#252;ber Netzwerke von firmen- und l&#228;nder&#252;bergreifenden Experten zu l&#246;sen. Die dazu erforderlichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enterprise_2.0">Software-Tools</a> stellt uns das Internet l&#228;ngst bereit und ohne Zweifel werden Menschen weltweit die damit verbundenen Chancen auch nutzen. Wir gehen damit einer neuen Epoche entgegen und Deutschland muss sehr aufpassen, dass es nicht in der <strong>Denkweise des Industriezeitalters</strong> stecken bleibt. Bei Frank-Walter Steinmeier jedenfalls ist nichts vom neuen Geist des &#8220;<a href="http://carta.info/13235/weitersagen-social-media-revolution/">Shift Happens</a>&#8221; zu lesen.</p>
<p>In dem Ma&#223;e, wie das Papier die k&#252;nftige Bedeutung des Internets verkennt, greifen auch seine Empfehlungen f&#252;r den <strong>Bildungsbereich</strong> zu kurz. Stattdessen gibt es viel Symbolpolitik: Das Recht auf einen Platz im Kindergarten ist l&#246;blich, ebenso wie das Recht auf das Nachholen von Bildungsabschl&#252;ssen. Nur ist damit die n&#246;tige Infrastruktur noch nicht geschaffen. Immerhin macht das Papier einen vorsichtigen Schritt hin zu mehr bundespolitischem Einfluss im Bildungssektor. Das ist sehr gut, denn im heute &#252;blichen globalen Ma&#223;stab und Vergleich macht die Bildungshoheit der Bundesl&#228;nder kaum mehr Sinn.</p>
<p>Wirklich romantisch und fast schon eine Spur nostalgisch wird das Papier immer dann, wenn es um <strong>Arbeit und Arbeitspl&#228;tze</strong> geht. Hier darf der Geist der Sozialdemokratie ungehindert wehen und in den Kategorien von Vollbesch&#228;ftigung und klassischen, sozialversicherungspflichtigen Arbeitspl&#228;tzen schwelgen. Wenig bis gar nicht spricht Frank-Walter Steinmeier vom schleichenden Wandel der Arbeitswelt.</p>
<p>Wo etwa bleibt eine Betrachtung der <a href="http://business.theatlantic.com/2009/08/robots_and_the_future_of_unemployment.php">Robotik</a> und der immer weiter fortschreitenden Automatisierung? Dass die gro&#223;en Fortschritte bei der Produktivit&#228;t zunehmend nicht nur in der Industrie, sondern auch im Dienstleistungssektor zum Abbau von Arbeitspl&#228;tzen f&#252;hren und damit traditionelle Strukturen irreversibel ver&#228;ndern, muss in einem solchen Zukunftspapier thematisiert werden. In diesem Kontext k&#246;nnte man dann auch die Frage nach einem<strong> B&#252;rgergeld</strong> oder <strong>bedingungslosen Grundeinkommen</strong> abhandeln. Statt dessen bleibt das Papier hier auf dem Stand der 1990er Jahre stehen und schl&#228;gt einen weiten Bogen um umbequeme Fragen und Tatsachen.</p>
<p>Eines ist damit sicher: So wie Frank-Walter Steinmeier die Arbeit von morgen skizziert, wird sie uns nicht entgegen treten, gleich wie die <a href="http://carta.info/13942/ausweitung-des-zuspitzungswahlkampfs-spd-cdu-merkel-steinmeier/">Bundestagswahl</a> ausgehen mag. Im Jahr 2020 wird die Welt anders aussehen. Deutschland wird nicht mehr der Exportweltmeister sein, weil Maschinen, Gro&#223;anlagen und Fahrzeuge auf hohem Niveau in vielen L&#228;ndern hergestellt werden, ebenso wie Umwelttechnik. F&#252;hrend k&#246;nnte Deutschland dagegen bei den sozialen Standards, dem Grundeinkommen und sozialer Partizipation sein. Daf&#252;r aber brauchen wir eine andere, weniger romantische Vision und auch ein anderes Deutschland-Papier, leider.
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