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	<title>CARTA &#187; Bundestagswahl</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Einmal angetreten, zweimal verloren: SPD demontiert sich weiter selbst</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Oct 2009 11:19:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mark T. Fliegauf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ihrer angeblichen Neuausrichtung bringt sich die SPD die zweite Niederlage binnen einer Woche bei. Statt ihre interne Zerrissenheit aufzul&#246;sen, wird sie institutionalisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/668f04f6e98a4bdb9bfe7c668c7a6f26" width="1" height="1" alt=""/>Keiner hat bei der Bundestagswahl mit einem Wunder gerechnet – und keines ist eingetreten. Schwarz-Gelb hat die Wahl <a href="http://carta.info/15549/sieben-unbequeme-wahrheiten/">weniger gewonnen, als sie die SPD verloren hat</a>. Was aber immer wieder verwundert ist die beeindruckende und f&#252;r ihre Gefolgschaft niederschmetternde Standhaftigkeit der Sozialdemokraten, <em>nicht</em> aus ihren Fehlern zu lernen. So ist denn auch die angeblich Neuausrichtung nach dem schlechtesten Wahlergebnis seit Gr&#252;ndung der Bundesrepublik die zweite Niederlage der einst so stolzen Partei binnen vier Tagen.</p>
<p>Denn der katastrophale Einbruch auf gerade einmal 23 Prozent kommt nicht von ungef&#228;hr und stellt lediglich die elektorale Reaktion auf eine gut zehn Jahren andauernde Strategie- und F&#252;hrungskrise der &#228;ltesten deutschen Partei dar. Gerade in der Post-Schr&#246;der-&#196;ra hat die interne Kluft zwischen Regierungs-SPD – repr&#228;sentiert durch u.a. Frank-Walter Steinmeier, Franz M&#252;ntefering und Sigmar Gabriel – und linken Stimmenmaximierern – vor allem Klaus Wowereit, Andrea Nahles, Bj&#246;rn B&#246;hning – daf&#252;r gesorgt, dass die SPD in sich tief gespalten und daher ohne strategischen Kompass und unmissverst&#228;ndliche politische Ausrichtung durch die bundesdeutsche Parteienlandschaft <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:gastkommentar-spd-gefangen-im-20-plus-x-labyrinth/557743.html">getaumelt</a> ist.</p>
<p>Doch anstelle die Niederlage bei der Bundestagswahl zu einem internen <a href="(http://carta.info/15658/bundestagswahl-spd-kommunikation/">Dialogprozess</a> zu nutzen, an dessen Ende eine klare Neuausrichtung der Partei st&#252;nde, hat sich die SPD-Spitze darauf geeinigt , ihre interne Zerrissenheit institutionell zu verfestigen. So bleiben denn auch mit Ausnahme von Peer Steinbr&#252;ck die Gesichter die alten. Lediglich ihre Reihenfolge &#228;ndert sich. Dass die Partei gerade wegen ihrer Janusk&#246;pfigkeit elektoral <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/871/489260/text/">entzweigeschlagen</a> wurde und mehr als eine Million Stimmen an die Linke abgeben musste, scheint die Altvorderen dagegen kaum beeindruckt zu haben. Wie ist es sonst zu erkl&#228;ren, dass sie gerade aus der gro&#223;e Koalition mit den Christdemokraten hinausgew&#228;hlt, diese durch eine inner-parteiliche zu ersetzen planen?!</p>
<p>Mit dem Trio Gabriel, Nahles und Steinmeier mag eine moderate Ann&#228;herung an die Linke durchaus m&#246;glich sein. Die Frage muss aber erlaubt sein, ob sie der SPD auch den erhofften Stimmenzuwachs bringen wird. Denn mit ihrer „Spagatstrategie“ (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652321,00.html">SpOn</a>) nimmt die designierte F&#252;hrungstroika lediglich eine Akzentverschiebung vor, ohne ihr Kernproblem zu l&#246;sen: Denn die SPD steht f&#252;r alles, aber f&#252;r nichts richtig. Gerade aber die Gewinne der FDP und der Linken haben wieder einmal bewiesen, dass der deutsche W&#228;hler nichts mehr sch&#228;tzt als Berechenbarkeit.</p>
<p>Hinzu kommt die Gefahr, dass dem linken Fl&#252;gel um Klaus Wowereit und Andrea Nahles bereits der Eindruck anhaftet, sie w&#252;rden eine tief greifende Erneuerung und Neuausrichtung der Partei den eigenen Karrierepl&#228;nen opfern. So kritisiert bereits Hermann Scheer in einem offenen Brief: „Mit denselben Methoden, die die Partei &#252;ber Jahre hinweg gel&#228;hmt haben und die Rolle und Funktion gew&#228;hlter F&#252;hrungsgremien sinnentleert haben, kann die Partei nicht zu neuer Motivation und Kraft finden.. &#8220;Schon wieder wird offenbar versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen, die der Parteivorstand und der Parteitag dann abnicken sollen.&#8221;</p>
<p>„In der Liebe wie im Gesch&#228;ft, in der Wissenschaft, wie beim Weitsprung mu&#223; man glauben, ehe man gewinnen und erreichen kann…” schrieb Robert Musil in &#8220;Der Mann ohne Eigenschaften&#8221;. Ans Gewinnen glauben in der SPD nur mehr die Altvorderen, bei allen anderen br&#246;ckelt selbst der Glaube an Wunder.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15741&amp;md5=0d32a789cd04a304671f4a9ab58ea860" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Mehr Dialog wagen: Die SPD braucht einen neuen F&#252;hrungsstil</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 11:00:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach den Wahlen liegt die SPD darnieder. Ein Neustart in Ton und Stil fehlte bereits im Wahlkampf, der auf viele autistisch-trotzig wirkte. Die SPD braucht eine neue F&#252;hrung und muss lernen, dass politische Kommunikation Zuh&#246;ren verlangt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ee5946a10cba4cdd80aac45a826f1453" alt="" width="1" height="1" />Am Schluss war nur noch das mediale Dauerlamento &#252;ber den Mangel an Leidenschaft, Programmatik und Zuspitzung langweiliger als der Wahlkampf selber. Dabei war die Beobachtung ja richtig: dies werde keine Richtungswahl, von Wechselstimmung war nichts zu sp&#252;ren. Beseelt von dem (tr&#252;gerischen) Gef&#252;hl, die Wirtschafts- und Finanzkrise mit einem blauen Auge &#252;berstanden zu haben, ging es den W&#228;hlern anders als den Japanern oder Amerikanern nicht um <em>Change you can believe in</em> (dar&#252;ber kann auch das starke Abschneiden der FDP nicht hinwegt&#228;uschen), sondern prim&#228;r um die Frage, welche politische Kraft am besten in der Lage ist, den Status Quo zu sichern.</p>
<p><strong>Ironie der Geschichte: Herausgekommen ist ein mittleres politisches Erdbeben, das das Land ver&#228;ndern wird und die SPD, dessen traditionsreichste Partei, aus den Angeln gehoben hat.</strong> Die Sozialdemokratie liegt darnieder und muss sich unter der F&#252;hrung von Sigmar Gabriel neu aufstellen.</p>
<p>Dass gro&#223;e Koalitionen die R&#228;nder st&#228;rken und es den jeweiligen Partnern schwer machen, ihre Anh&#228;nger zu mobilisieren, ist ein Allgemeinplatz, erkl&#228;rt aber das miserable Abschneiden von SPD und CDU nicht. Die Union hat sich unter Angela Merkel inhaltlich entleert und ihren konservativen Kern – Stichwort Elterngeld, Kritik am Papst, Mindestlohn – aufgegeben. „Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial. Und das macht die CDU aus“, so formulierte die Kanzlerin die neue Beliebigkeit und formte die CDU zur Partei in ihrem Antlitz. Damit r&#252;cken die auch vom gr&#252;nen Spitzenpersonal l&#228;ngst nicht mehr ausgeschlossenen schwarz-gr&#252;ne B&#252;ndnisse n&#228;her. Der Preis der Flexibilit&#228;t: die Union unterbot das gemessen an fr&#252;heren Werten miserable Ergebnis von 2005 nochmal.</p>
<p>Einem unklaren Profil geschuldet ist wohl auch das relativ entt&#228;uschende Abschneiden der Gr&#252;nen, die als einzige kleine Partei nicht in der Lage war, von der Schw&#228;che der Gro&#223;en zu profitieren. Fritz Kuhn hat die Zeit der gro&#223;en Volksparteien f&#252;r beendet erkl&#228;rt. Das Problem: als kleinste der Oppositionsparteien haben die Gr&#252;nen so gut wie nicht davon profitiert. Wollen sie sich neue W&#228;hlerschichten erschlie&#223;en, m&#252;ssen sie die Frage kl&#228;ren, wie sie sich k&#252;nftig im Konzert der drei Oppositionsparteien positionieren wollen. Geben die Gr&#252;nen den Kurs der Selbstst&#228;ndigkeit, der die letzten Wahlk&#228;mpfe pr&#228;gte, zu Gunsten einer st&#228;rkeren Orientierung nach links auf? Und gehen damit die Fl&#252;gelk&#228;mpfe wieder los?</p>
<p>Letztere sind in der SPD nach dem Negativrekord-Ergebnis l&#228;ngst ausgebrochen. 2,1 Millionen ehemalige SPD-W&#228;hler sind den Urnen ferngeblieben. Die Tatsache, dass die SPD ihr Schicksal inzwischen mit vielen ihrer vor ein paar Jahren noch fast die gesamte EU regierenden Schwesterparteien in Europa teilt, tr&#246;stet nur auf dem ersten Blick. Denn jenseits der Tatsache, dass all jene Parteien, die vor wenigen Jahren noch den freien Markt, weniger Staat und Deregulierung gepredigt haben, heute schweigen und sozialdemokratische Positionen &#252;bernehmen: die Probleme der SPD sind hausgemacht. Nie gelang es der deutschen Sozialdemokratie, Kapital aus der Wirtschaftskrise zu schlagen, Merkels „Klug aus der Krise“-Wahlkampf etwa durch Thematisierung und Emotionalisierung herrschender Ungleichheit etwas entgegenzusetzen und so ein Bed&#252;rfnis nach Ver&#228;nderung herbeizuf&#252;hren, welches in W&#228;hlerstimmen h&#228;tte umgem&#252;nzt werden k&#246;nnen. Elf Jahre Regierungsbeteiligung haben dies nicht leichter gemacht, doch unm&#246;glich war es nicht.</p>
<p>Eine erfolgreiche Mobilisierung h&#228;tte vorausgesetzt, dass man auch die eigene Partei nicht von Ver&#228;nderungen ausnimmt und gesellschaftliche Realit&#228;ten zur Kenntnis nimmt, statt diese auszublenden oder zur Konstruktion abgehobener Demoskopen und Journalisten zu erkl&#228;ren.<strong> Was Kampfesmut und Stolz vermitteln sollte, wirkte beim Betrachter trotzig, autistisch und – man denke an M&#252;nteferings „Merkel kann schon mal die Koffer packen“ – realit&#228;tsfern.</strong> Warum sollte man es der SPD zutrauen, die Geschicke der gr&#246;&#223;ten und wichtigsten Volkswirtschaft des Kontinents durch die Krise zu steuern, wenn sie noch nicht mal in der Lage ist, ihre eigene Situation realistisch einzusch&#228;tzen?</p>
<p>Statt gebetsm&#252;hlenartig darauf hinzuweisen, dass das Ergebnis am Wahltag anders aussehen werde als in den Umfragen, mithin den Eindruck zu erwecken, man warte nur darauf bis die W&#228;hler wieder auf den sozialdemokratischen Pfad der Tugend zur&#252;ckkehren, h&#228;tte die SPD vor ein paar Monate offen die schwierige Ausgangslage und, ja, manche Fehler der Vergangenheit ansprechen m&#252;ssen.</p>
<p>Die in vielerlei Hinsicht medial verungl&#252;ckte Vorstellung des SPD-Kompetenzteams w&#228;re einer von vielen m&#246;glichen Anlass gewesen, rechtzeitig &#246;ffentlich auf die Reset-Taste zu dr&#252;cken und das Land, Parteimitglieder und Sympathisanten einzuladen, am Projekt einer zur Erneuerung bereiten Sozialdemokratie mitzuwirken. Dabei h&#228;tte man sich weder von den Reformen der Vergangenheit distanzieren noch gegen&#252;ber den Kritikern in Sack und Asche zu gehen m&#252;ssen.</p>
<p>N&#246;tig gewesen w&#228;re vielmehr ein Neustart in Ton und Stil, der den vielen entt&#228;uschten und demotivierten SPD-Anh&#228;ngern das Gef&#252;hl gegeben h&#228;tte, geh&#246;rt und verstanden worden zu sein und es ihnen so m&#246;glich gemacht h&#228;tte, sich wieder mit der Sozialdemokratie zu vers&#246;hnen. Steinmeier hat dies zuletzt, etwa bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor, mit der Aussage, die SPD sei „nicht unfehlbar“, aber verf&#252;ge wenigstens &#252;ber den richtigen „Kompass“, versucht. Aber ein wirklich &#252;berzeugendes Signal, dass man sich der Entt&#228;uschung vieler Anh&#228;nger bewusst ist, diese ernst nimmt und bereit ist, dazuzulernen, hat es nicht gegeben.</p>
<p>Just darin, in einem F&#252;hrungsverst&#228;ndnis, das der eigenen Anh&#228;ngerschaft eine zentrale Rolle einr&#228;umt und Kommunikation nicht als Einbahnstra&#223;e versteht, besteht die wichtigste Lektion des in den vergangenen Monaten viel bem&#252;hten, um nicht zu sagen &#252;berstrapazierten Wahlkampfs Barack Obamas. Obama sucht auch an der Regierung regelm&#228;&#223;ig den Dialog mit seinen W&#228;hlern – nicht aus hehren demokratiepolitischen Motiven, sondern vor allem aus Kalk&#252;l: um sich die Unterst&#252;tzung seiner Anh&#228;nger zu sichern und um die aggressive Kritik der konservativen Rechten zu kontern, die den Pr&#228;sidenten wahlweise als Kommunisten, Faschisten oder geb&#252;rtigen Keniaer diffamiert, der folglich kein legitimer US-Pr&#228;sident sein k&#246;nne.</p>
<p><strong>Obamas Strategie zugrunde liegt die Erkenntnis, dass politische F&#252;hrung aus zwei Akteuren besteht: </strong>Dem F&#252;hrenden auf der einen und seinen potentiellen Anh&#228;ngern auf der anderen Seite. Erst der imagin&#228;re Pakt, den beide schlie&#223;en, macht den F&#252;hrenden zum F&#252;hrenden und die Anh&#228;nger zu Anh&#228;ngern. Das hei&#223;t nicht, dass sich der F&#252;hrende in jeder Einzelfrage von den Pr&#228;ferenzen seiner Anh&#228;nger abh&#228;ngig machen muss, schlie&#223;lich geh&#246;rt es zum Wesen der Repr&#228;sentation, dass die F&#252;hrenden im Namen ihrer Anh&#228;nger aber ohne deren bindenden Auftrag handeln.</p>
<p>Doch F&#252;hrung erfordert den kontinuierlichen Dialog, damit sich F&#252;hrender und Gef&#252;hrte stets die Grundlagen ihrer Beziehung &#252;bermitteln und deren bestehende G&#252;ltigkeit &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnen. Just diesen Dialog pflegt Obama mit seinen Anh&#228;ngern und der US-&#214;ffentlichkeit insgesamt auch nach der Wahl. Auf Grundlage dieses „neuen Gesellschaftsvertrags“ konnte sich Obama nach Amtsantritt diverse Male bei seinen Anh&#228;ngern &#246;ffentlich f&#252;r Fehler entschuldigen. <strong>Solche Schuldeingest&#228;ndnisse waren bei der noch aktuellen SPD-Spitze nicht vorstellbar. </strong>Selbst am Montag nach der Wahl reklamierte sie F&#252;hrung – &#252;ber den &#220;bergangsprozess – und den Anspruch, eine Partei zu vertreten, deren Mitglieder sich l&#228;ngst und sp&#252;rbar von ihr abgewandt hatten.</p>
<p>Angesichts ihrer nachlassenden Bindungskraft geht es auch f&#252;r die deutschen Parteien immer mehr darum, die von ihnen getroffenen Entscheidungen nicht nur ex-post an die B&#252;rger zu vermitteln, sondern sie im kommunikativen Austausch nach innen und au&#223;en zu erarbeiten und zu begr&#252;nden. M&#252;nteferings Kurz-Satz-Reden dagegen hallte immer ein „genug gequatscht“ nach.</p>
<p>Tempi passati. Die zuk&#252;nftige Parteif&#252;hrung um Sigmar Gabriel steht vor der Herausforderung einen Dialog mit Parteimitgliedern, Anh&#228;ngern und der breiten &#214;ffentlichkeit in Gang zu setzen, der nicht nur die Frage der &#214;ffnung zur Linkspartei zum Inhalt hat, sondern auch das Selbstverst&#228;ndnis und den modus operandi der Sozialdemokratie insgesamt. Man muss hier gar nicht Obama bem&#252;hen. Es reicht der Blick auf die eigene Parteigeschichte. Denn es war Willy Brandt, der wie kaum ein anderer auf die F&#228;higkeiten von Mitgliedern und Funktion&#228;ren setzte und sie einlud, Initiative zu ergreifen und Teil eines gemeinsamen Projektes zu sein. Die SPD braucht ein neues Zentrum, das unter F&#252;hrung mehr versteht als Autorit&#228;t, Gefolgschaft und Disziplin.
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		<title>Sieben unbequeme Wahrheiten</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 11:45:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Je niedriger die Wahlbeteiligung, desto aufschlussreicher die absoluten Zahlen: Schwarz-Gelb hat nicht gewonnen. Und das Desaster der SPD ist eine Katastrophe.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/67a42ee46e3542cdb8d962368713b149" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal"><span>1. Schwarz-Gelb hat die Wahl nicht gewonnen, die Gro&#223;e Koalition hat die Wahl </span><a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/ergebnisse/bundesergebnisse/index.html">verloren</a><span>. <strong>Die Parteien der Gro&#223;en Koalition b&#252;&#223;ten gegen&#252;ber 2005 ein Viertel ihrer W&#228;hler ein (=25 Prozent)</strong></span><span>. Wurden CDU, CSU und SPD </span><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2005">2005</a><span> von 32,8 Millionen B&#252;rgern gew&#228;hlt, so sank diese Unterst&#252;tzung 2009 auf 24,6 Millionen W&#228;hler. Derart abgestraft wurde selten eine Regierung!</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>2. <strong>Schwarz-Gelb ist nur eine Minderheitenregierung</strong></span><span>. W&#228;hrend die Parteien der Gro&#223;en Koalition 2005 noch 53 Prozent der Wahlberechtigten auf sich vereinten (=32,8 Millionen), unterst&#252;tzen lediglich 33,7 Prozent (= 20,9 Millionen) die schwarz-gelbe Koalition.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>3. <strong>Schwarz-Gelb hat Stimmen verloren</strong></span><span>. W&#228;hrend die FDP gegen&#252;ber der letzten Wahl 1,66 Millionen W&#228;hler dazu gewann, verloren CDU und CSU zusammen fast 2 Millionen. Macht unterm Strich f&#252;r Schwarz-Gelb ein Minus von 311.166 Stimmen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>4. <strong>Der Abw&#228;rtstrend der Union ist stabil</strong></span><span>. Zweitgr&#246;&#223;ter Verlierer hinter der SPD ist die CSU. Sie verlor 664.099 Stimmen. Das ist ein Minus von 19 Prozent (!) gegen&#252;ber 2005. Auch die CDU hat nicht 0,5 Prozent verloren, wie es die Balken-Diagramme ausweisen. Die CDU hat gegen&#252;ber der letzten Bundestagswahl mehr als 1,3 Millionen Stimmen verloren. Das sind 10 Prozent ihrer W&#228;hler. <strong>CDU und CSU verzeichnen zusammen ein Minus von 11,9 Prozent.</strong></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>5. <strong>Gewonnen haben in erster Linie FDP und Linke</strong></span><span>. Beide Parteien konnten jeweils mehr als eine Million W&#228;hler dazu gewinnen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>6. <strong>Die Gr&#252;nen haben weniger Stimmen hinzugewonnen als die Piraten</strong></span><span>. Das Plus der Gr&#252;nen: 802.871 Stimmen. Das Plus der Piraten: 845.904. Die Piraten konnten ihren Stimmenanteil seit der Europawahl (229.000 Stimmen) fast vervierfachen.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>7. Und nun zum dicksten Hammer: der SPD. Die SPD hat nicht etwa dramatische 11,2 Prozent verloren, wie es am Wahlabend verk&#252;ndet wurde. <strong>Die SPD hat gegen&#252;ber der letzten Bundestagswahl granatenhafte 38,3 Prozent (!) ihrer W&#228;hler verloren. Das ist kein Desaster, das ist eine Katastrophe. </strong></span><span>Und so war es wohl der gr&#246;&#223;te Witz des Wahlabends, dass Steinmeier und M&#252;ntefering erkl&#228;rten, sie wollten so weiter machen. Weil sie sich nicht aus der Verantwortung stehlen wollen. Nach diesem Ergebnis gibt es nur eine m&#246;gliche Form von Verantwortung: R&#252;cktritt. </span></span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><span><span> <!--StartFragment--><span>Siehe dazu auch den Beitrag von Robin Meyer-Lucht: </span><span><a href="http://carta.info/15499/buendnis-ohne-emphase-auf-schwarz-gelb-waren-wir-nicht-vorbereitet/">B&#252;ndnis ohne Emphase</a></span></span></span></p>
<p><!--EndFragment-->
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		<title>B&#252;ndnis ohne Emphase: Auf Schwarz-Gelb waren wir nicht vorbereitet</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 00:17:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie konnte uns Schwarz-Gelb so &#252;berrumpeln? Das B&#252;ndnis hat keine Emphase, keine emotionale Idee, die wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen w&#228;re. Ganz einfach: Weil Schwarz-Gelb nicht gewonnen, sondern die SPD verloren hat. Es gab keinen "Swing" zum altb&#252;rgerlichen Lager, sondern nur eine geringere Wahlbeteiligung. Die Misere der Opposition zeigt, dass es neuer gesellschaftlicher B&#252;ndnisse bedarf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a74dfb70d6374838af190046efad2384" width="1" height="1" alt=""/>Als gestern Abend um 18 Uhr das Fernsehen die ersten Wahlhochrechnungen verk&#252;ndete, bog ich zuf&#228;llig gerade in den Hof des <a href="http://www.betahaus.de/">Betahauses</a> in Berlin-Kreuzberg ein. Dort sa&#223;en, belauert von mehreren Kamerateams von RTL2 bis RBB, Digitalkulturschaffende und andere digitalselbstst&#228;ndige Wissensarbeiter, um gemeinsam die Wahl zu schauen. Als dann die ersten Ergebnisse einrieselten, passierte im Publikum – zum sichtbaren Unmut der anwesenden Kamerateams – erstmal fast gar nichts: Kein Entsetzen, keine Eruption der Emp&#246;rung. Eher ein betretenes Innehalten: Momentmal, kann das sein?</p>
<p>Irgendwie hatte man sich auf einen langen Abend eingerichtet, auf ein knappes Ergebnis, auf ein Ringen um die Legitimit&#228;t von &#220;berhangmandaten &#8211; und am Ende auf ein Hineinstolpern in eine weitere gro&#223;e Koalition. Schwarz-Gelb? Das war doch das Regierungsb&#252;ndnis der alten BRD. Die Ekel-Koalition unserer Pubert&#228;t. Das konnte nicht kommen. Merkel musste f&#252;r ihren <a href="http://www.zeit.de/2009/40/Politikgelangweilter-40">Mikadospiel-Wahlkampf</a> am Ende doch noch bestraft werden.</p>
<p>Aber dann, um 18.05 Uhr hatte Schwarz-Gelb pl&#246;tzlich eine relativ klare Mehrheit. Das war so unvorstellbar gewesen, dass man sich gar nicht darauf vorbereitet hatte. Aber zugleich war auch unvorstellbar gewesen, dass die SPD auf 23 Prozent abrutscht.</p>
<p>Eigentlich m&#252;sste man mit einem so inhaltsleeren und wenig begeisternden Wahlkampf, wie ihn Union und FDP gef&#252;hrt haben, keine Bundestagswahl gewinnen k&#246;nnen. Wenn es nur ein bisschen kulturelle Gerechtigkeit bei Wahlk&#228;mpfen gibt, dann h&#228;tte es f&#252;r Schwarz-Gelb nicht reichen k&#246;nnen. Denn Schwarz-Gelb hat keine Emphase, keine emotionale Idee, die wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen w&#228;re.</p>
<p>Michael Spreng <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2111">schreibt</a> etwa &#252;ber die FDP: &#8220;Sie ist faszinierend unmodern. Die FDP tritt an mit demselben Spitzenpersonal, mit demselben Programm und mit denselben Slogans wie vor 10 Jahren. An ihr ist die Finanz- und Wirtschaftskrise fast spurlos vor&#252;bergegangen, sie hat kaum etwas daraus gelernt.&#8221;</p>
<p>Wie konnte Schwarz-Gelb uns dennoch so &#252;berrumpeln &#8211; ohne erkennbaren Ansatz von Exzellenz, von kulturell begr&#252;ndeter Hegemonie? Weil Schwarz-Gelb nicht gewonnen, sondern die SPD verloren hat. Dies ist das eigentliche Hintergrund der Bundestagswahl.</p>
<p>Bei der letzten Bundestagswahl 2005 erreichten Union und FDP zusammen 21,2 Mio. Stimmen. Die SPD hatte 16,1 Mio. Stimmen. In diesem Jahr erreichten Union und FDP 21,0 Mio. Stimmen und die SPD 10,0 Mio., wie sich beim Bundeswahlleiter <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_09/ergebnisse/bundesergebnisse/">nachlesen</a> l&#228;sst.<strong> Obwohl also Schwarz-Gelb weniger Stimmen als 2005 erhalten hat, hat das B&#252;ndnis diesmal die Wahl gewonnen.</strong> Denn im Vergleich zur letzten Wahl fanden rund 4 Mio. Bundesb&#252;rger weniger an die Urnen. Die Strategie von Angela Merkel, die W&#228;hler der SPD zu demobilisieren, ist aufgegangen. Und deshalb kam der Sieg f&#252;r viele auch so &#252;berraschend. Einen &#8220;Swing&#8221;, den man h&#228;tte sp&#252;ren k&#246;nnen, hin zum altb&#252;gerlichen Lager hat es gar nicht gegeben.</p>
<div id="attachment_15506" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/foto3.jpg"><img class="size-medium wp-image-15506" title="foto3" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/foto3-300x197.jpg" alt="foto3" width="300" height="197" /></a><p class="wp-caption-text">Merkel und Westerwelle in der Berliner Runde: Einen &quot;Swing&quot;, den man h&#228;tte sp&#252;ren k&#246;nnen, hin zum altb&#252;gerlichen Lager hat es gar nicht gegeben.</p></div>
<p><strong>Das gro&#223;e Kennzeichen von Schwarz-Gelb ist das Ungef&#228;hre.</strong> Ihr Wahlkampf war so aufgebaut. Und auch die <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt2m1/politik/758/489148/text/">Berliner Runde</a> der Spitzenkandidaten zeigte noch einmal sehr plakativ, wie Merkel und Westerwelle sich selbst nach der Wahl nur auf gr&#246;bste Richtungsbeschreibungen festlegen wollen. Offenbar sind sich Union und FDP noch nicht sicher, was sie mit der gewonnenen Macht &#252;berhaupt anfangen k&#246;nnen oder wollen. Das aber wird sich &#228;ndern. Und die SPD kann froh dar&#252;ber sein, dass sie dann in der Opposition lustvoll dagegen sein kann – anstatt als gedem&#252;tigter Juniorpartner in der Notl&#246;sung gro&#223;e Koalition weiterzuregieren. Ihre Fundamentalkrise ist der Wahlsieg von Schwarz-Gelb.</p>
<p>Einen Verlierer dieser Bundestagswahl, den man nicht &#252;bersehen sollte, sind die Gr&#252;nen: Sie haben am wenigsten vom Frust &#252;ber die gro&#223;e Koalition profitiert, sie haben am wenigsten hinzugewonnen, sie haben wenig programmatische Akzente zu setzen vermocht und ihr F&#252;hrungspersonal &#252;berzeugte nicht. Dabei sind die Gr&#252;nen die Partei mit den h&#246;chsten Sympathiewerten. Sie haben in der Krise wenig daraus gemacht. Auch die Gr&#252;nen werden sich neu berappeln m&#252;ssen.</p>
<p>Netzpolitisch wird sich zeigen, ob die FDP tats&#228;chlich ihre Ank&#252;ndigung wahr macht, das #Zensursula-Gesetz bei Wiedervorlage in zwei Jahren <a href="http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/759484/Die-FDP-wird-Internetsperren-zuruecknehmen.html">zur&#252;ckzunehmen</a>. In Sachen Urheberrecht und Medienindustrie wird innerhalb von Schwarz-Gelb in den n&#228;chsten vier Jahren ein spannendes Ringen zwischen der hier traditionell starken Sympathie f&#252;r Verwertungsinteressen und dem b&#252;rgerrechtlichen Fl&#252;gel der FDP geben.</p>
<p>Die Piratenpartei erreichte aus dem Stand heraus &#252;ber 840.000 W&#228;hler, was beeindruckender klingt als 2,0 Prozent. Im Bundesland Berlin kamen sie auf 3,4 Prozent der Stimmen. In Friedrichshain-Kreuzberg erreichten sie sogar 6,2 Prozent. Die Piraten haben sich damit schneller etabliert und h&#246;here Wahlergebnisse erzielt als die Gr&#252;nen in ihrer  Gr&#252;ndungsphase. Das ist nicht verwunderlich: Schlie&#223;lich erleichtert das Netz den Aufbau von Parteistrukturen erheblich. Die Piraten werden den Weg &#252;ber die Kommunal- und L&#228;nderparlamente gehen, so wie damals auch die Gr&#252;nen. Das Ende der TV-Gesellschaft ist eben auch das Ende der Gro&#223;parteiengesellschaft. Mehr und g&#252;nstigere Kommunikation erlaubt kleinteiligere und komplexere gesellschaftliche Vernetzung.</p>
<p>Am Ende werden wir eine ziemlich bunte Parteienlandschaft haben. Sieben-Parteien-Parlamente sind dann nicht mehr ausgeschlossen.</p>
<p><strong>Vor allem aber hat diese Bundestagswahl gezeigt, dass es neue Projekte, neue Programmatik braucht, um neue gesellschaftliche B&#252;ndnisse zu organisieren.</strong> Die alten halten offenbar nicht mehr besonders gut. F&#252;r dieses Mal haben Union und FDP noch einmal Gl&#252;ck gehabt.</p>
<p><em>Siehe dazu auch den Beitrag von Wolfgang Michal:</em> <a href="http://carta.info/15549/sieben-unbequeme-wahrheiten/">Sieben unbequeme Wahrheiten.</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15499&amp;md5=83488e60cf2c97544ec4950279f3851c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ohne Schwarz-Gelb beginnt Merkels Abstieg</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 10:35:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Rudolf Korte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Geschichte der Kanzler- , Koalitions- und Regierungswechsel lehrt, dass es weniger auf Arithmetik der Mehrheiten, sondern vor allem auf die innerparteiliche Machtkonstellation ankommt. Merkel wird ihre Kanzlermacht nur halten k&#246;nnen, wenn ihr eine Koalition mit der FDP gelingt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cf6fff25101380dbde8994480a43e1" width="1" height="1" alt=""/>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Angela Merkel wird Bundeskanzlerin bleiben. Die Wahrscheinlichkeit daf&#252;r ist jedenfalls angesichts des Koalitionsmarktes und einer Koalitionslotterie sehr hoch. Man braucht kein Kenner mathematischer Spieltheorie zu sein, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Schafft sie einen dosierten Machtwechsel – in einer Koalition mit der FDP, hat sie optimale Voraussetzungen, um ihre zweite Kanzlerschaft sicher &#252;ber vier Jahre zu bringen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bleibt sie nur mit einer Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition im Kanzleramt, erh&#246;ht sich die <strong>Verfallsgeschwindigkeit</strong> der neuen Bundesregierung. Dies h&#228;ngt keineswegs nur, wie zur Zeit h&#228;ufig spekuliert wird, mit der labilen Verfassung der SPD zusammen, die letztmalig mit dem Versprechen startet, bundespolitisch nicht mit der Linken zu paktieren. Der Countdown f&#252;r den Machtverfall der Gro&#223;en Koalition beginnt am Wahlabend und zwar auch aus der Perspektive der Union.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Zyklen des Regierens umfassen in Deutschland etwa acht Jahre. Nach dem Zauber des Anfangs erhalten Regierungen mit ihren jeweiligen Koalitionen in der Regel eine zweite Chance. Von diesem Rythmus wurde bisher nur aufgrund au&#223;ergew&#246;hnlicher Regierungsleistungen oder in zeitgeschichtlich neue Konstellationen abgewichen. Das galt sowohl f&#252;r Adenauer (14 Jahre) als auch f&#252;r Kohl (16 Jahre). <strong>In den 60 Jahren deutscher Wahlgeschichte kamen die allermeisten Regierungswechsel ohne den W&#228;hler zustande:</strong> selbsterneuernde Machtwechsel ( Adenauer-Erhard, Brandt-Schmidt); systemimmante Machtwechsel ohne vorherige Bundestagswahl (Erhard-Kiesinger, Schmidt-Kohl). Die meisten Wechsel waren dosierte Machtwechsel, bei dem ein Regierungspartner kontinuit&#228;tsverb&#252;rgend auch in der neuen Regierung verblieb (Erhard-Kiesinger, Kiesinger-Brandt, Schmidt-Kohl, Schr&#246;der-Merkel). Auch hierbei kam es weniger zum Wechsel durch die W&#228;hler, sondern vor allem durch die Beweglichkeit der Parteien, die nach der Wahl das Lager wechselten.</p>
<div id="attachment_15362" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.flickr.com/photos/merkelizer/3949865963/"><img class="size-medium wp-image-15362 " title="merkelizer" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/09/merkelizer-300x199.jpg" alt="merkelizer" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Stabilit&#228;tsanker f&#252;r eine Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition sind nicht erkennbar.&quot; Foto (M): Merkelizer, cc-by-nc-sa</p></div>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ein kompletter Machtwechsel durch den W&#228;hler erfolgte nur 1998: Die bisherigen Oppositionsparteien SPD und Gr&#252;ne ersetzten die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP. Die Szenarien des Wechsels dokumentieren die enorme Stabilit&#228;t der deutschen Bundesregierungen. Nur acht Bundeskanzler in 60 Jahren belegen dies eindrucksvoll. Die im internationalen Vergleich ausgesprochen gro&#223;e Regierungsstabilit&#228;t war vor allem die Folge eines ultrastabilen Parteiensystems, weniger ein Ergebnis bewusster Wahlentscheidungen. Kanzler scheiterten in der Regel nicht am W&#228;hlerwillen, sondern an der eigenen Partei oder an einem Koalitionspartner, der von der Fahne ging .</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Angesichts der Rhytmen der Regierungspraxis in Deutschland spricht viel daf&#252;r, dass es zu einer zweiten Auflage der Gro&#223;en Koalition im Bund kommt. Aber: Stabilit&#228;tsanker f&#252;r eine Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition sind nicht erkennbar. Insofern spricht, anders als zu Beginn der ersten Legislaturperiode von Angela Merkels Kanzlerschaft viel daf&#252;r, dass die Gro&#223;e Koalition diesmal keine vier Jahre h&#228;lt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Bundeskanzler scheitern weniger am W&#228;hler durch direkte Abwahl, sondern vor allem an der eigenen Partei. </strong>Die Machtposition von Angela Merkel ist innerhalb der CDU fragil – v&#246;llig unabh&#228;ngig von ihrer hohen Popularit&#228;t in der Bev&#246;lkerung. Sollte es nicht f&#252;r Schwarz-Gelb reichen, tr&#228;gt sie alleine mit ihrer pr&#228;sidialen Pr&#228;gung des Wahlkampfes, anders als noch 2005, daf&#252;r die Verantwortung. Ihr Autorit&#228;tsverfall w&#252;rde am Sonntag um 18.oo Uhr beginnen. Ein Schub durch einen gezielten W&#228;hlerauftrag w&#228;re bei der Gro&#223;en Koalition auch 2009 in den n&#228;chsten Monaten sicher nicht messbar. Ein Neustart h&#228;tte kein Mandat f&#252;r einen Aufbruch. Dass aus den ehemaligen Gro&#223;parteien zwischenzeitlich mittelgro&#223;e Volkspartei-Ruinen geworden sind, w&#252;rde Merkel als Parteivorsitzende ebenso angelastet wie die Verunklarung des Markenkerns der Union. Dass dies &#252;berwiegend mit den Strukturbedingungen des Formats der Gro&#223;en Koalition zusammenh&#228;ngt, w&#252;rde im Frust &#252;ber das schlechte Wahlergebnis wohl v&#246;llig au&#223;er Acht gelassen werden. Ein gro&#223;er Landesverband als R&#252;ckhalt und Machtreservoir stand ihr nie zur Verf&#252;gung. Ihre Parteimacht hatte immer schon eigene Gesetze, die von der herk&#246;mmlichen innerparteilichen „Ochsentour“ deutlich abwich. Wie lange kann sich die Kanzlerin unter den Bedingungen einer erneuten Koalition der Wahlverlierer (Union und SPD) der Unterst&#252;tzung durch die eigene Fraktion sicher sein? Schwindet diese Unterst&#252;tzung, ist ihr Ende als Kanzlerin nahe. Insofern w&#252;rden dann auch Spekulationen reifen, durch einen fr&#252;hzeitigen Kanzlerwechsel (Modell: selbsterneuernde Machtwechsel) die Ausgangsbedingungen f&#252;r 2013 zu verbessern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Als Alternative bleibt die Suche nach lager&#252;bergreifenden Mehrheiten mit neuen Koalitionspartnern.</strong> Auch diese Suche k&#246;nnte mit einem neuem Personalangebot glaubhafter organisiert werden, als mit Akteuren, die diesen Versuch bereits 2009 unterlie&#223;en oder daran scheiterten. Weitere Machterosionen drohen der Gro&#223;en Koalition auch vom Bundesrat, in dem sie in den zur&#252;ckliegenden Jahren ihre &#252;bergro&#223;e Zweidrittelmehrheit verloren hat. Politikstau aufgrund von Steuerungsverlusten k&#246;nnten die Folge sein. Spektakul&#228;re Wahlniederlagen in den Bundesl&#228;ndern erg&#228;nzen das Bild: Die St&#228;rke eines Kanzlers h&#228;ngt direkt von der Unterst&#252;tzung in der eigenen Partei ab. Am Ende bliebe f&#252;r die Kanzlerin der Gro&#223;en Koalition eine Offensivstrategie à la Schr&#246;der: Aufl&#246;sung des Bundestages und Neuwahlen aufgrund mangelnder Kontrolle &#252;ber die eigene Partei.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber auch dann w&#228;re es m&#246;glich, dass eine geschw&#228;chte Union einen anderen Kandidaten ins Rennen schicken w&#252;rde, um f&#252;r einen Neuanfang zu werben. <strong>Das Finale der Gro&#223;en Koalition k&#246;nnte somit bereits am Sonntag eingel&#228;utet werden:</strong> aus der Erfolgsfalle des strategischen B&#252;ndnisses der Wahlverlierer heraus, die sich vermeintlich noch einmal f&#252;r vier Jahre zusammenschlie&#223;en m&#252;ssten. Die Geschichte der Kanzler- , Koalitions- und Regierungswechsel lehrt jedoch, dass wir unseren Blick weniger auf die Arithmetik der Mehrheiten, sondern vor allem auf die innerparteiliche Machtkonstellation richten sollten. Kanzlermacht ist in Deutschland Parteimacht. Diese kann Merkel nur halten, wenn ihr eine Koalition mit der FDP gelingt.</p>
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		<title>Wir sind extrem sozialliberal</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 09:22:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Deutschland gibt es keine konservative Mehrheit. Dass Angela Merkel trotzdem regiert, liegt nur daran, dass sie die anderen Parteien so gut auseinander dividieren kann. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ceca7abfe54d7ba5d6c3343741723e" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal"><span>Fr&#252;her, in den siebziger Jahren, hatten wir in West-Deutschland genau 1 liberale Partei – die FDP. Und dazu 1 linke Partei – die SPD. Das war &#252;bersichtlich. 1969 gingen diese Parteien eine Koalition ein: die Regierung Brandt/Scheel.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Heute haben wir drei liberale Parteien – die FDP, die Gr&#252;nen und die Piraten. Und wir haben zwei linke Parteien – die SPD und die LINKEN. Die deutsche Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausdifferenziert. Sie ist viel st&#228;rker fraktioniert als vor 35 oder 40 Jahren. <strong>Aber der grundlegende Trend in Richtung </strong><strong><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Linksliberalismus">sozialliberal</a></strong><strong> ist intakt</strong></span><span>.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Man muss nur den Mut (</span><em>die Chuzpe?</em><span>) haben, die eigenen Scheuklappen zu entfernen &#8211; schon sieht man, wie stabil dieser Trend &#252;ber die Jahre geblieben ist. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Der deutsche Liberalismus ist kr&#228;ftiger und nuancierter geworden. FDP, Gr&#252;ne und Piraten repr&#228;sentieren drei unterschiedliche Str&#246;mungen des Liberalismus: den wirtschaftsliberalen, den &#246;koliberalen und den radikalliberalen. Zusammen erreichen sie 25 Prozent.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Auch die Linke ist (trotz der rasanten Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft) nur unwesentlich schw&#228;cher geworden. Die beiden linken Parteien kommen zusammen auf etwa 35 Prozent.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span><strong>Linke und Liberale bilden in Deutschland also eine satte Mehrheit von 60 Prozent</strong></span><span>. Das hei&#223;t: Strukturell sind CDU und CSU seit langem in der Defensive.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Regieren k&#246;nnen die Konservativen nur dann, wenn es ihnen gelingt, die sozialliberale Mehrheit in viele, untereinander zerstrittene kleine Einheiten zu </span><a href="http://carta.info/15156/der-tag-an-dem-die-spd-die-wahlen-verlor/">zerlegen</a><span>.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das ist auch die Strategie der „unklaren“, „ungreifbaren“, „sanften“ Angela Merkel. F&#252;r diese Meisterleistung muss man sie wirklich bewundern.<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal">
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		<title>Den Aufbruch nicht verpassen</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Sep 2009 14:20:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bundestagswahl]]></category>

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		<description><![CDATA[In der deutschen Politik vollzieht sich die systemnotwendige Ver&#228;nderung enervierend langsam. Noch einmal werden wir Stillstand als Antwort auf Ver&#228;nderung nicht verkraften. Ein Wahlaufruf von Tim Renner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cebe9957586f6c4fbc40b033fa3963" alt="" width="1" height="1" />Alle 10 Jahre ist bei uns in der Musikwirtschaft Aufbruchstimmung: Ende der F&#252;nfziger l&#246;ste die Beatmusik den Rock’n’Roll ab, Ende der Sechziger kam die Hippiebewegung, diese wurde von den Punks zehn Jahre drauf verdr&#228;ngt, selbiger wiederum in gleicher Frist vom Techno und Ende der Neunziger fand schlie&#223;lich der Deutsche Hip-Hop als Massenbewegung seinen Durchbruch. Fehlt der neue Trend oder die Protagonisten, die ihn anpacken und nach vorne gerichtet treiben, dann ger&#228;t die Pop-Musik, die schlie&#223;lich davon lebt sich st&#228;ndig zu erneuern, unweigerlich in die Krise. So wie eben gerade jetzt.</p>
<p>In der deutschen Politik vollzieht sich systemnotwendige Erneuerung erstaunlicherweise in &#228;hnlichen, vorhersehbaren Schritten. Gesellschaft funktioniert jedoch in l&#228;ngeren Zyklen als die von jugendlicher Abgrenzung getriebene Innovation in der Pop-Musik. Der Rhythmus, in dem zum politischen Aufbruch geblasen wird, betr&#228;gt bei uns in der Bundesrepublik eher 20 Jahre. Die Protagonisten und Parteien, die zupacken, um die Gesellschaft und das System neu zu denken und zu ver&#228;ndern, sind dabei genauso unerl&#228;sslich wie die Stars und Bands, die auf den B&#252;hnen f&#252;r den Wandel der Musikszene die notwendigen, neuen Trends setzen. Fehlen sie, oder kommen sie nicht zum Zuge, bedeutet das auch in diesem Fall Krise. Eine Krise des Staates ist jedoch schwerer auszuhalten als eine Krise der Musikwirtschaft.</p>
<p>1949 war es v&#246;llig egal, ob man in Deutschland konservativ oder progressiv war. Zur Weimarer Republik und zum Nationalsozialismus wollte keiner zur&#252;ck, der bei Trost war. Die Gegenwart war von den Tr&#252;mmern des Krieges bestimmt, Zukunft war die einzige Chance. Egal ob Kurt Schuhmacher oder Konrad Adenauer, der Blick der politischen Akteure musste sich zwangsl&#228;ufig nach vorne richten. Das Land und das System mussten neu erfunden und aufgebaut werden.  Egal welche demokratische Partei man betrachtete, Aufbruch war bei allen Programm.</p>
<p>1969 war der Schwung der Wirtschaftswunderjahre verflogen. Statt Aufbruch gab es Katerstimmung. Die Auss&#246;hnung der Generationen und Nationen war ausgeblieben und dieses Problem konnte nicht mehr hinter ewigen Wachstums- und Erfolgsmeldungen konservativer Regierungen verschwinden. Es war h&#246;chste Zeit, dass die Eltern sich den Fragen ihrer Kinder stellten. Willy Brandt und sein Politikwechsel waren entscheidend f&#252;r die junge Bundesrepublik. Durch seine Person, seine eigene Historie und seine Taten (vornan die Ostvertr&#228;ge) entstand wieder Bewegung. Der Aufbruch brachte Nationen und Generationen wieder in den Dialog und die Bundesrepublik Deutschland wurde endlich Bestandteil einer zivilisierten Welt.</p>
<p>P&#252;nktlich zwanzig Jahre sp&#228;ter– 1989 – war es wieder so weit: Die Mauer fiel und mit ihr die alte Weltordnung. Das was im Westen vermeintlich richtig war, konnte sich nicht mehr durch den Vergleich mit dem Falschen im Osten definieren. Durch die pl&#246;tzliche Abwesenheit eines Gegners galt es nun in der Bundesrepublik wieder die Systeme und Werte zu hinterfragen. An der Regierung war diesmal jedoch eine konservative Partei. Statt sich neu zu erfinden und aus beiden Teilen Deutschlands ein neues zu machen, wurde der Osten einfach gekauft und ihm das System des Westens &#252;bergest&#252;lpt. Die konservative Unf&#228;higkeit zur Vision f&#252;hrte zu einer fulminanten Krise in den Neunzigern und einer in dieser Form noch nie gekannten Staatsverschuldung. Die n&#228;chste progressiv orientierte Regierung konnte mit Reformen nur Schadensbegrenzung betreiben: Das hie&#223; dann Agenda 2010 und Hartz IV.</p>
<p>2009 steht wieder ein Aufbruch an. Die Aufgaben sind fast zahlreicher als nach dem Kalten Krieg: Das internationale Finanzsystem ist gerade erst vor kurzem zusammengebrochen, das Klima droht es ihm auf Dauer global gleichzutun, mit Afghanistan scheint das bew&#228;hrte, au&#223;enpolitische Prinzip der aus dem Westen verordneten Staatsform und Werte zu scheitern, in digitaler Vernetzung entsteht parallel eine Gesellschaft au&#223;erhalb staatlicher Regeln wie dem Urheberrecht. Das schlimmste was jetzt passieren kann, ist ein „weiter so!“. Das ist aber das Credo einer konservativen Politik. Sie will optimieren und nicht ver&#228;ndern. Das muss nicht immer verkehrt sein, reicht jetzt aber nicht aus. Das System schreit nach Erneuerung, die Kanzlerin f&#228;hrt jedoch im Wahlkampf in Konrad Adenauers alten Rheingoldexpress durchs Land. Selbst die Symbolik ist r&#252;ckw&#228;rtsgewandt.</p>
<p>Noch einmal werden wir Stillstand als Antwort auf Ver&#228;nderung nicht verkraften. Das n&#228;chste Mal reicht keine Wirtschaftsagenda und kein Hartz IV mehr, um den dadurch entstandenen Schaden zu begrenzen. Wir brauchen jetzt den Mut, Systeme neu zu denken: Wir brauchen Ma&#223;nahmen, die den Finanzmarkt dauerhaft regulieren, wir brauchen eine durchgreifende Klimapolitik, die nicht mit durch ein Verbleib beim Atomstrom ein Problem mit dem n&#228;chsten Problem beheben will. Wir brauchen eine klare, neue Ausrichtung deutscher Au&#223;en- und Verteidigungspolitik, die aus Fehlern der Vergangenheit lernt, wir brauchen und eine Netzpolitik, die den Ansatz nicht scheut, das Urheberrecht neu zu denken.</p>
<p>Kurz, wir brauchen in der jetzigen Situation eine progressive, keine konservative Regierung. Die Konservativen k&#246;nnen zum  Optimieren gerne wieder ran, wenn die Richtungsentscheidungen getroffen sind, so wie sie dereinst in den Jahren 1949 und 1969 in unser aller Sinne getroffen wurden. Wir d&#252;rfen 2009 den Aufbruch nicht verpassen, sonst bleiben wir irgendwann allein zur&#252;ck&#8230;</p>
<p><em>Tim Renner bloggt auf <a href="http://www.motor.de/">motor.de</a>, wo auch <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/den_aufbruch_nicht_verpassen.html">dieser Beitrag</a> erschien. Disclaimer: Tim Renner ber&#228;t den SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier.<br />
</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15322&amp;md5=4be8d61dc7374b19b75e53701777d559" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Tag, an dem die SPD die Wahlen verlor</title>
		<link>http://carta.info/15156/der-tag-an-dem-die-spd-die-wahlen-verlor/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 16:54:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Innerhalb einer Dreiviertelstunde hat die SPD die Bundestagswahlen verloren. Nicht erst am 27. September, sondern bereits am 3. Juli 2009. Damals stimmte die SPD im Bundestag gegen ihre eigenen Interessen. Aber warum?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/ccba085d95f576abc11e80ec20cf3c" width="1" height="1" alt=""/><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wie man Gelegenheiten nutzt, das wissen die Konservativen. Und deshalb erkl&#228;rte Angela Merkel am vergangenen Samstag, sie werde auch dann mit der FDP regieren, wenn es im Bundestag nur zu einer Mehrheit mit Hilfe von so genannten </span><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/&#220;berhangmandat">&#220;berhangmandaten</a><span> reicht. </span><a href="http://www.welt.de/politik/bundestagswahl/article4565579/44-Prozent-koennten-zur-Kanzlermehrheit-reichen.html">Prozentual</a><span> gen&#252;gen Schwarz-Gelb n&#228;mlich schon 46 Prozent.<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Und die SPD? Sie beeilte sich, die CDU vor einer „verfassungswidrigen“ Mehrheit zu </span><a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/850/488249/text/">warnen</a><span>. Dabei wusste sie l&#228;ngst, was kommen w&#252;rde. Man k&#246;nnte sogar sagen: <strong>Die SPD hat die Bundestagswahlen vors&#228;tzlich verloren.</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong><span style="font-weight: normal;">Und das kam so:</span></strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Am 3. Juli 2008 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das Wahlrecht in punkto &#220;berhangmandate </span><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,563732,00.html">ge&#228;ndert</a><span> werden muss, da es durch den „Effekt des negativen Stimmgewichts“ zu einer Missachtung des W&#228;hlerwillens kommen k&#246;nnte. Das </span><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,563802,00.html">Gericht</a><span> gab den Abgeordneten auf, das Wahlrecht bis sp&#228;testens 2011 zu &#228;ndern. Doch diese Frist erschien den Fraktionen von SPD, Gr&#252;nen und Linken zu lang. Sie wollten vermeiden, dass die Bundestagswahl 2009 „verfassungswidrige Mehrheiten“ erzeugt.<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Noch im Februar 2009 brachten </span><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,607067,00.html">die Gr&#252;nen</a><span> deshalb einen „Gesetzentwurf zur &#196;nderung des Bundeswahlgesetzes“ ein. Er wurde am 5. M&#228;rz im Plenum erstmals beraten. Die daf&#252;r vorgesehene Redezeit: 30 (!) Minuten.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Warum so hastig? Die Betreiber der vorz&#252;glichen Website </span><a href="http://www.wahlrecht.de/">wahlrecht.de</a><span> (deren Klage zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts gef&#252;hrt hatte), mahnten die Abgeordneten, sie w&#252;rden das Ausma&#223; des Problems nicht erkennen. Wahlrecht.de rechnete den Abgeordneten vor, dass das Potential von &#220;berhangmandaten </span><span>bei der Bundestagswahl 2009 „bei bis zu 100 Sitzen liegen“ k&#246;nne. „<strong>Und wenn die &#220;berhangmandate vor allem auf eine Partei entfallen, ist die Umkehr einer Stimmenminderheit in eine Mehrheit bei der Verteilung der Sitze im Bundestag m&#246;glich</strong></span><span> – gerade weil eine Partei nicht von ihren W&#228;hlern gew&#228;hlt wird. Dies w&#252;rde zu einem erheblichen Verlust des Vertrauens in unsere Demokratie f&#252;hren.“</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Aufgrund der Umfragen zu dieser Zeit war klar, dass die st&#228;rkste Partei &#8211; die CDU/CSU &#8211; bei den kommenden Wahlen 8 bis 10 Prozentpunkte vor der zweitst&#228;rksten liegen k&#246;nnte. Zahlreiche &#220;berhangmandate waren also &#228;u&#223;erst wahrscheinlich.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Am 4. Mai 2009 kam es zu einer ersten Experten-Anh&#246;rung beim Innenausschuss des Deutschen Bundestages. Zu dieser Zeit sah alles noch nach einer einvernehmlichen L&#246;sung aus. Auch </span><a href="http://www.wahlrecht.de/news/2009/03.htm">Norbert Lammert</a><span> von der CDU pl&#228;dierte f&#252;r rasches Handeln. Doch am 17. Juni </span><a href="http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2009/bundestagswahl/ueberhangmandate-union-und-spd-streiten-ueber-das-wahlrecht_aid_412024.html">scheiterte</a><span> pl&#246;tzlich die Absicht von CDU/CSU und SPD, das Wahlrecht noch vor der Bundestagswahl gemeinsam zu &#228;ndern. Die CDU wollte keine schnelle Wahlrechtsreform mehr und verwies kalt l&#228;chelnd auf den </span><a href="http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/koalitionsvertrag-arbeitsweise-der-koalition.html#doc47294bodyText2">Koalitionsvertrag</a><span>. Dort hatten CDU und SPD festgelegt, dass sie im Bundestag nicht gegeneinander abstimmen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Am 28. Juni 2009 </span><a href="http://www.fuldaerzeitung.de/newsroom/politik/zentral/politik/deutschland/art667,892412">warnten</a><span> die Fraktionen von Linken und Gr&#252;nen noch einmal eindringlich vor einer m&#246;glichen „verfassungswidrigen Regierung“ durch &#220;berhangmandate. Sie appellierten an die SPD, trotz Koalitionsvertrag f&#252;r den Gesetzentwurf der Gr&#252;nen zu stimmen. Die Kanzlerin dagegen </span><a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,633094,00.html">drohte</a><span>, s&#228;mtliche SPD-Minister zu entlassen, wenn die SPD f&#252;r den &#196;nderungsantrag der Opposition stimmen sollte.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Und dann </span><a href="http://blog.zeit.de/wahlen-nach-zahlen/2009/06/29/die-spd-und-die-uberhangmandate_1367">passierte</a><span> es: Am 1. Juli 2009 empfahl der Innenausschuss des Deutschen Bundestages den Abgeordneten die Ablehnung des Gesetzentwurfs der Gr&#252;nen (Vorsitzender dieses Ausschusses: der SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy, Obmann: der SPD-Abgeordnete Dieter Wiefelsp&#252;tz).</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Zwei Tage sp&#228;ter, am 3. Juli 2009, also exakt ein Jahr nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, votierte der </span><a href="http://www.wahlrecht.de/news/2009/09.htm">Deutsche Bundestag</a><span> mit den Stimmen von CDU/CSU, FDP und SPD gegen das von den Gr&#252;nen eingebrachte „Gesetz zur &#196;nderung des Bundeswahlgesetzes“. <strong>Nur 3 SPD-Abgeordnete stimmten mit den Gr&#252;nen</strong></span><span>, darunter der ehemalige Innenminister Otto Schily.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Die SPD wollte die Koalition, deren Amtszeit bereits zu Ende war, nicht platzen lassen. War das nun dumm oder strohdumm?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Weder noch. Die Nibelungentreue der SPD-Fraktion hatte ein klares politisches Ziel: Sie wollte es sich mit der CDU nicht verderben, weil sie hoffte, die gro&#223;e Koalition nach der Wahl fortsetzen zu k&#246;nnen. Anders ausgedr&#252;ckt: Die SPD-F&#252;hrung hatte zu keiner Zeit eine politische Alternative zu Rot-Schwarz erwogen.</span> <span>Alle &#220;berlegungen hinsichtlich Rot-Rot-Gr&#252;n oder Rot-Gelb-Gr&#252;n waren nur dazu bestimmt, jene SPD-Mitglieder, die eine Fortf&#252;hrung der gro&#223;en Koalition ablehnten, im Wahlkampf zu mobilisieren. <strong>Seit dem Putsch gegen Kurt Beck lautete der Fahrplan der SPD-Spitze: Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition.</strong></span><span><span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Grundlage dieses Fahrplans war der feste Glaube, Angela Merkel werde sich nicht trauen, nach dem 27. September eine „verfassungswidrige“ Regierung anzuf&#252;hren, also eine schwarz-gelbe Koalition, deren Bundestagsmehrheit sich auf &#220;berhangmandate gr&#252;ndet.* </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Die SPD-F&#252;hrung verwechselte dabei ihre eigene Angst mit der vermeintlichen Angst der Konservativen. Doch die hatten noch nie gro&#223;e Skrupel, Gelegenheiten zu nutzen, wenn sie sich boten.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>So k&#246;nnte die ‚Cleverness’ der SPD-F&#252;hrung (den Koalitionsvertrag am 3. Juli 2009 bewusst <strong>nicht</strong></span><span> zu brechen) am 27. September zum Rohrkrepierer werden.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>*Angela Merkel k&#246;nnte vor allem dann mit Hilfe von &#220;berhangmandaten regieren, wenn das Zweitstimmenergebnis f&#252;r schwarz-gelb das Zweitstimmenergebnis f&#252;r rot-rot-gr&#252;n &#252;bertrifft, wenn also z.B. schwarz-gelb zusammen 47,6 Prozent der Stimmen h&#228;tte, rot-rot-gr&#252;n aber nur 47,4 Prozent. Ein winziger Stimmenvorsprung w&#252;rde das </span><a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,7898165,00.html">Legitimationsproblem</a><span> halbwegs l&#246;sen.</span></p>
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		</item>
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		<title>Unkalkulierberer Urnengang: Die sechs Paradoxien dieser Bundestagswahl</title>
		<link>http://carta.info/15016/bundestagswahl-paradoxien/</link>
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		<pubDate>Fri, 18 Sep 2009 08:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Karl-Rudolf Korte</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch wenn die Parteien in der Schlussphase die alte Rhetorik der Lagerpolarisierung bem&#252;hen, folgen Ihnen die W&#228;hler dabei nicht mehr. Eine ganze Reihe von Paradoxien verfl&#252;ssigt die Lager-Sehnsucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c781a24093e31b0b3bca754f3b32b0" width="1" height="1" alt=""/>Die Bundestagswahlen von 2005 hatten die Qualit&#228;t von <em>critical elections</em>: es wird nie mehr so, wie es vorher einmal war. Erst seit dieser Zeit existiert ein asymmetrisches, changierendes F&#252;nfparteiensystem mit neuer Qualit&#228;t und mit weitreichenden Konsequenzen sowohl f&#252;r die Regierungsbildung im Bund, als auch in den westdeutschen L&#228;ndern. Jenseits der Gro&#223;en Koalition sind entlang der tradierten parteipolitischen Lager keine B&#252;ndnisse mehr kalkulierbar mehrheitsf&#228;hig. Erschwert wird die Un&#252;bersichtlichkeit dadurch, dass das Potential der SPD als Multikoalitionspartei auf Eis liegt. Zumindest bis zur n&#228;chsten Bundestagswahl wird die Tabuisierung der Linken auf Bundesebene gepflegt. Vielparteien-Parlamente k&#246;nnen zwar noch zu Zweierkoalitionen f&#252;hren, aber weniger verl&#228;sslich als zu fr&#252;heren Zeiten. Lager- oder Traditionskoalitionen werden durch neue Varianten zur Regie­rungsbildung ersetzt: neue lager&#252;bergreifende Zusammensetzungen (z.B. Schwarz-Gr&#252;n), neue Regierungs- bzw. Koalitionstypen (z.B. Gro&#223;e Koalitionen, Dreier-B&#252;nd­nisse), neue Regierungsformate (z.B. Minderheitsregierungen).</p>
<p>Wer nicht nur rechnerische, sondern belastbare politische Mehrheiten sucht, muss sich zuk&#252;nftig auf dem Koalitionsmarkt tummeln. Die Parteiendemokratie ist seit 2005 in Deutschland im Hinblick auf Koalitionsformate bunter, vielgestaltiger, entlagerter, mobiler und koalitionsoffener geworden. Die Sprache der Spitzenakteure spiegelt das allerdings bislang nur rudiment&#228;r wider. In alter Rhetorik werden immer noch Lagerpolarisierungen beschworen. W&#228;hler haben eine erkennbare Sehnsucht nach Unterscheidbarkeit der Angebote. Auch f&#252;r Wahlk&#228;mpfer ist es einfacher, entlang eines Lagers polarisierend zu mobilisieren. Doch die erwartbare machttaktische Koalitions-Lotterie, bei der alles nach Schlie&#223;ung der Wahllokale politisch m&#246;glich sein wird, was arithmetisch zwingend ist, verfl&#252;ssigt die Lager-Sehnsucht.</p>
<p>Wer nicht mobilisiert, verliert die Wahl. Strategische Mobilisierung ist im Superwahljahr 2009 mit besonderen zus&#228;tzlichen Schwierigkeiten konfrontiert, um W&#228;hler in Zeiten der Gro­&#223;en Koalition ausreichend zu mobilisieren. Zu beobachten sind eine Reihe von Para­doxien – also scheinbar oder tats&#228;chlich unaufl&#246;sbare Widerspr&#252;che:</p>
<p><strong>1. Das Umrechnungs-Paradoxon</strong></p>
<p>Es existiert eine vom Bundesverfassungsgericht h&#246;chstrichterlich als „widersinnig“ eingestufte Paradoxie, die mit den &#220;berhangmandaten und dem sogenannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Negatives_Stimmgewicht_bei_Wahlen">nega­tiven Stimmeneffekt</a> zusammenh&#228;ngt: Ein Mehr an Stimmen kann zu einem Weniger an Mandaten f&#252;hren. Bis 2011 muss der Gesetzgeber das Wahlrecht &#228;ndern. Dabei geh&#246;ren die &#220;berhangmandate praktisch zur Geschichte des Bundestages. SPD und CDU haben <a href="http://www.bpb.de/wissen/HBC7TM,0,%DCberhangmandate.html">wechselseitig und periodisch davon profitiert</a>. Das Novum k&#246;nnte diesmal darin bestehen, dass rechnerisch eine Regierungsmehrheit ausschlie&#223;lich &#252;ber derartige &#220;berhangmandate zustande kommt. Wie hoch w&#228;re dann die politi­sche Legitimit&#228;t der Regierung – zumal in Zeiten der Wirtschaftskrise, in der drasti­sche Verteilungskonflikte erwartbar zunehmen werden? Die Frage nach der Legiti­mit&#228;t stellt sich zugespitzt, weil das Bundesverfassungsgericht dieses Umrechnungsverfahren explizit als „widersinnig“ und „willk&#252;rlich“ <a href="http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg08-068.html">tituliert</a> hat. Das gilt im Besonde­ren f&#252;r den sogenannten negativen Stimmeneffekt. Gewinnt danach eine Partei in einem Bundesland, in dem sie &#220;berhangmandate hat, aufgrund eines h&#246;heren Zweitstimmenanteils rein rechnerisch einen weiteren Listenplatz dazu, so kommt dieser dort eben wegen der &#220;berhangmandate nicht zum Tragen.</p>
<p><strong>2. Das Abwahl-Paradoxon</strong></p>
<p>Auch das Regierungsformat der Gro&#223;en Koalition f&#252;hrt zu Kuriosit&#228;ten. W&#228;hler wol­len als Hauptmotiv gerne eine Regierung abw&#228;hlen, zumindest politische Macht neu verteilen. Das kann aber diesmal nicht gelingen, denn die Gro&#223;e Koalition will gar nicht mehr antreten und f&#252;hrt auch keinen Koalitionswahl­kampf. Von Beginn an galt die Gro&#223;e Koalition als strategische Gemeinschaft der Wahlverlierer. Rechnerisch wird eine Fortsetzung  zwar nicht ausgeschlossen, aber politisch daf&#252;r auch nicht geworben.</p>
<p><strong>3. Das Ungleichzeitigkeits-Paradoxon</strong></p>
<p>Mobilisieren ist f&#252;r Parteistrategen im Wahljahr 2009 auch deshalb so schwer, weil es besonderer Erkl&#228;rungen &#252;ber aktuelle Partei-Sympathien bedarf. Wie erkl&#228;rt sich das „Gelb-Fieber“, das Umfragehoch der FDP in der Wirtschafts- und  Finanzkrise? Hat­ten die Liberalen nicht zum Chor der markt­radikalen Bef&#252;rworter geh&#246;rt, wobei z&#252;gel- und regellose M&#228;rkte urs&#228;chlich doch mit zu den Ausl&#246;sern der Krise gerechnet wer­den k&#246;nnen? Krisengewinner m&#252;sste hingegen eigentlich eine Partei wie die Linke sein, die als Alleinstellungsmerkmal linke Kapitalismuskritik salonf&#228;hig machte. Doch ein Krisenbonus ist in den Umfragen nicht erkennbar. In der Wahrnehmung vielen W&#228;hler m&#252;ssten die Umfragedaten f&#252;r beide Parteien normalerweise in entgegen­setzte Richtungen ungleichzeitig verweisen. Die Erkl&#228;rungen f&#252;r die Ph&#228;nomene er­geben sich sachlogisch: Nicht Sympathie und Rechthaberei sind im Wahljahr gefragt, sondern &#246;konomische Sachkompetenz, die wiederum eine Mehrzahl der W&#228;hler bei der FDP, aber nicht bei den Linken verortet sieht.</p>
<p><strong>4. Das Lindenstra&#223;en-Paradoxon</strong></p>
<p>Wer die Gro&#223;e Koalition als Dauer-Serie ohne absehbares Ende verhindern m&#246;chte, muss die Parteien der Gro&#223;en Koalition w&#228;hlen. Nur wenn die Volksparteien gen&#252;­gend Stimmen erhalten, reicht es am Ende f&#252;r  kleine Koalitionen.</p>
<p><strong>5. Das Abschwung-Paradoxon</strong></p>
<p>Wirtschaftliche Abschwungsphasen waren bislang immer schwierige Rahmenbedin­gungen, um wiedergew&#228;hlt zu werden. Auch diese Regel k&#246;nnte 2009 durchbrochen werden. Trotz eines historisch einmaligen Rezession deuten die Umfragedaten im Moment nicht daraufhin, dass sich die Kanzlerschaft Merkels dem Ende zuneigt. Die Fortsetzung der Gro&#223;en Koalition w&#252;rde ihre Kanzlerschaft ebenso sichern, wie nicht v&#246;llig unwahr­scheinliche schwarz-gelbe oder schwarz-gr&#252;ne Mehrheiten.</p>
<p><strong>6. Das Ampel-Paradoxon</strong></p>
<p>Die SPD hat ein zus&#228;tzliches Ampel-Paradoxon geschaffen. Sie k&#228;mpft offiziell ge­gen Schwarz-Gelb und plakatierte bereits im Europawahlkampf die „Finanzhaie“ ge­gen die FDP. Andererseits braucht sie vermutlich dringend die Liberalen nach 18 Uhr am Wahlsonntag. Denn nur eine Ampel-Koalition (rot-gelb-gr&#252;n) kann Steinmeier realistischerweise ins Kanzleramt bringen.</p>
<p>Mobilisierungen der eigenen Anh&#228;nger im Wahljahr 2009 sind f&#252;r die CDU und die SPD &#8211; auch unabh&#228;ngig von diesen Paradoxien &#8211; extrem schwierig. Denn weder Merkel noch Steinmeier sind Wahlkampf-Heroen. Sie sind als Exzentriker der Partei­endemokratie an die Spitze der Partei bzw. in das Amt des Kanzlerkandidaten ge­kommen. Innerparteilich belastbare Kampfgemeinschaften ergeben sich daraus nicht automatisch.
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<p><small>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=15016&amp;md5=40b916ad9baf7f74e65923de11ecc552" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie doof ist der Wahl-O-Mat?</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Sep 2009 10:22:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politische Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl-O-Mat]]></category>

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		<description><![CDATA[Stimmen auch Sie in bedenklicher Weise mit den Ansichten der NPD &#252;berein? Dann haben Sie vermutlich den Wahl-O-Mat der Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung benutzt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c59a2996f538d8ccdc77864f3286e5" width="1" height="1" alt=""/>
<p class="MsoNormal"><span>In den vergangenen Tagen bin ich auf Leute gesto&#223;en, die politisch verdattert, erstaunt, belustigt, ja verunsichert waren. Diese Leute hatten &#8211; im Internet &#8211; </span><a href="http://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2009/main_app.php">38 Fragen</a><span> der „Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung“ (bpb) beantwortet, und 38 Mal einen der vier Wahl-O-Mat-Buttons „Stimme zu“, „Stimme nicht zu“, „Neutral“ oder „These &#252;berspringen“ gedr&#252;ckt &#8211; wobei der Button „Neutral“ f&#252;r ein hilfloses „Ich kann mich nicht entscheiden“, aber auch f&#252;r ein vern&#252;nftig abw&#228;gendes „Teilweise ja, teilweise nein“ stehen kann.<sup><a href="http://carta.info/14957/wie-doof-ist-der-wahl-o-mat/#footnote_0_14957" id="identifier_0_14957" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Der Wahl-O-Mat bewertet die differenzierte Begr&amp;#252;ndung einer Partei f&amp;#252;r das Votum &bdquo;Neutral&ldquo; nicht anders als eine verweigerte Begr&amp;#252;ndung &amp;#8211; weil die betreffende Partei keine Lust hatte, den eigenen Standpunkt zu begr&amp;#252;nden oder keinen Standpunkt zum Thema hat.">1</a></sup> </span><span>Schon das zeigt die Unsch&#228;rfe und Undifferenziertheit der Antwortm&#246;glichkeiten, doch mit solchen Kleinigkeiten will ich mich hier nicht aufhalten.</span></p>
<p><!--StartFragment--><span>Mich besch&#228;ftigt auch weniger die Frage, ob man als B&#252;rger einer (zukunfts)offenen Gesellschaft die 38.These: „Die Demokratie, die wir in der Bundesrepublik haben, ist die beste Staatsform“ final und a-historisch mit einem Ja oder Nein beantworten sollte &#8211; oder doch besser mit einem optimistischen „neutral“.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Mich interessieren vor allem die absurden Ergebnisse, die meine Bekannten berichten. Ihnen allen stie&#223; unangenehm auf, dass kleine, abseitige Parteien in der &#220;bereinstimmungsrangliste unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig weit oben landen. Engagierte Demokraten stellten pl&#246;tzlich seltsame &#220;bereinstimmungen mit der NPD, den Violetten oder der Tierschutzpartei fest, obwohl sie seit Jahrzehnten im linksliberalen oder gr&#252;nen Spektrum verankert sind. Und eingefleischten </span><a href="http://christian.kler-online.de/blog/wahl-o-mat-zur-bundestagswahl-2009-mein-ergebnis/">Konservativen</a><span> sa&#223;en die Republikaner oder die Bibeltreuen Christen im Nacken.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wie mag der Wahl-O-Mat da wohl auf Leute wirken, die vertrauensvoll glauben, ein Roboter k&#246;nne ihnen dabei helfen herauszufinden, was sie politisch denken? Die als Erstw&#228;hler eine Orientierungshilfe erwarten? Genau diese Zielgruppe hat die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung n&#228;mlich im Blick: </span><strong>„Der Einsatz der Online-Tools“, schreibt sie, „findet </strong><strong>vor dem Hintergrund einer abnehmenden Wahlbeteiligung</strong><strong>, gerade bei den Erst- und Zweitw&#228;hlern, und einer zunehmenden Entfremdung der Jugendlichen von den traditionellen Formen der Politik und Repr&#228;sentation statt.“</strong><span> Der Wahl-O-Mat soll dieser politischen Entfremdung vorbeugen. Tut er das?</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span><strong>Ich f&#252;rchte,</strong></span><span> <strong>der Wahl-O-Mat f&#246;rdert eher die politische Entfremdung als dass er ihr entgegenwirkt. </strong></span><span>Denn die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung hat die Beantwortung der 38 Fragen gener&#246;s den 27 zugelassenen Parteien &#252;berlassen. Die bpb hat die </span><a href="http://blog.till-westermayer.de/index.php/2009/09/04/anfluge-von-wahl-o-mat-verdrossenheit/">B&#246;cke zu G&#228;rtnern</a><span> gemacht.<sup><a href="http://carta.info/14957/wie-doof-ist-der-wahl-o-mat/#footnote_1_14957" id="identifier_1_14957" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="W&amp;#228;hrend die f&amp;#252;nf Bundestagsparteien zu allen 38 Thesen Begr&amp;#252;ndungen lieferten, legten die NPD und einige andere Splitterparteien keine oder kaum Begr&amp;#252;ndungen f&amp;#252;r ihre Standpunkte vor.">2</a></sup> </span></p>
<p><!--StartFragment--><span>Das verbl&#252;fft.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Denn man sollte doch annehmen, dass die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung wei&#223;, dass populistische, </span><a href="http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4661459,00.html">rechtsradikale Parteien</a><span> ihre Wahlaussagen gezielt als Wunschkataloge anlegen – also opportunistisch frisieren? Dass sie jeder Bev&#246;lkerungsgruppe das Blaue vom Himmel versprechen, unabh&#228;ngig davon, ob die Summe der Versprechungen ein schl&#252;ssiges Konzept ergibt? Dass sie Inhalte als taktisches Mittel einsetzen? Dass sie „&#220;bereinstimmungen“ gezielt konstruieren.</span></p>
<p>Das ist vermutlich der Grund, warum der Wahl-O-Mat – ganz egal, wie die Menschen antworten – <a href="http://blog.thomasnesges.de/archives/1219-Wahl-O-Mat-zur-Bundestagswahl.html">ungew&#246;hnlich h&#228;ufig</a> Splitterparteien auf die vorderen Pl&#228;tze <a href="http://konsumpf.de/?p=5646">katapultiert</a>.<sup><a href="http://carta.info/14957/wie-doof-ist-der-wahl-o-mat/#footnote_2_14957" id="identifier_2_14957" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Kleingedruckten,&nbsp;das vermutlich nur wenige Testpersonen lesen, gibt die Bundeszentrale f&amp;#252;r politische Bildung dieses Problem auch zu. Sie schreibt dort,&nbsp;unerwartete &bdquo;&amp;#220;bereinstimmungen h&amp;#228;ngen damit zusammen, dass die Mehrzahl der Thesen sachpolitische Themen zur Bundestagswahl anspricht.&nbsp;Bei diesen Thesen k&amp;#246;nnen extremistische Parteien Positionen vertreten, die mit denen anderer Parteien identisch sind&ldquo;">3</a></sup></span></p>
<p><!--StartFragment--><span> </span><!--EndFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Und <strong>dieses gut gemeinte ‚F&#246;rderprogramm f&#252;r politische Sektierer’</strong></span><span> hat sich zu einem „prominenten und stark nachgefragten Netzangebot“ entwickelt. Es ist &#8211; trotz vereinzelter </span><a href="http://www.heise.de/newsticker/Keine-Wahl-O-Mat-Unterstuetzung-fuer-Waehler-in-Mecklenburg-Vorpommern--/meldung/76569">Kritik</a><span> &#8211; auf dem besten Wege, „zu einem festen Bestandteil der bundesdeutschen politischen Vorwahl&#246;ffentlichkeit zu werden.“ Sagt stolz die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung. Viele Medien binden das kostenlose Klick-Angebot in ihre Online-Auftritte ein: 2002 wurde der Wahl-O-Mat 3,6 Millionen Mal abgerufen. 2005 stieg die Zahl der Nutzer auf 5,1 Millionen. Und 2009 k&#246;nnte diese Zahl erneut &#252;bertroffen werden.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ich schlage deshalb vor, dem Test eine 39. These anzuf&#252;gen: „Die politische Bildung, die wir in der Bundesrepublik haben, ist die beste Informationsform.“</span></p>
<ul>
<li>Stimme zu</li>
<li>Stimme nicht zu</li>
<li>Neutral</li>
<li>These &#252;berspringen</li>
</ul>
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			</a>
		</div>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_14957" class="footnote">Der Wahl-O-Mat bewertet die differenzierte Begr&#252;ndung einer Partei f&#252;r das Votum „Neutral“ nicht anders als eine verweigerte Begr&#252;ndung &#8211; weil die betreffende Partei keine Lust hatte, den eigenen Standpunkt zu begr&#252;nden oder </span><a href="http://fxneumann.de/2009/09/05/piraten-als-radikale-zentristen/">keinen Standpunkt</a><span> zum Thema hat.</li><li id="footnote_1_14957" class="footnote"></span></span><span>W&#228;hrend die f&#252;nf Bundestagsparteien zu allen 38 Thesen Begr&#252;ndungen lieferten, legten die NPD und einige andere Splitterparteien keine oder kaum Begr&#252;ndungen f&#252;r ihre Standpunkte vor.</li><li id="footnote_2_14957" class="footnote">Im <a href="http://www10.bpb.de/methodik/GP8A56,0,0,Fakten_zum_WahlOMat.html">Kleingedruckten</a>, das vermutlich nur wenige Testpersonen lesen, gibt die Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung dieses Problem auch zu. Sie schreibt dort, <span>unerwartete „&#220;bereinstimmungen h&#228;ngen damit zusammen, dass die Mehrzahl der Thesen sachpolitische Themen zur Bundestagswahl anspricht. Bei diesen Thesen k&#246;nnen extremistische Parteien Positionen vertreten, die mit denen anderer Parteien identisch sind“</li></ol><p class="wp-flattr-button"></p><hr />
<p><small>
<a href="http://carta.info/14957/wie-doof-ist-der-wahl-o-mat/">Wie doof ist der Wahl-O-Mat?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/14957/wie-doof-ist-der-wahl-o-mat/#comments">37 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14957&amp;md5=b0899afb836860fc86be3620c7a1cdb1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Selbstentmachtung der W&#228;hler</title>
		<link>http://carta.info/14922/die-selbstentmachtung-der-waehler-im-fuenfparteienland/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 09:25:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dreierkonstellationen im F&#252;nfparteienland: Die vergangenen Landtagswahlen werden das Wahlverhalten der Deutschen neu justieren. Doch der W&#228;hlerwille wird minimalisiert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast 60 Jahre lang passierte Politik in Deutschland so: Erst kam der Lagerwahlkampf, dann eine klare politische Richtung an die Macht: Zumeist  Schwarz-Gelb, wurde die FDP zu klein, auch schon mal die Gro&#223;e Koalition. Selbst als die Gr&#252;nen 1983 mit Sonnenblumen und Strickzeug in den Bundestag einzogen, waren Wahlen eine klare Sache: Entweder wurde Wirtschaft oder das Soziale gew&#228;hlt. Zwischent&#246;ne gab es nicht. Der W&#228;hler w&#228;hlte Klarheit.</p>
<p><strong>2009 ist das anders.</strong> Gerade noch 60 statt damals 85 Prozent der W&#228;hler entscheiden sich heute im Bund f&#252;r Union oder SPD, in den L&#228;ndern deutlich weniger. Vier von zehn votieren f&#252;r Gr&#252;ne, FDP, Linke oder f&#252;r eine der ganz Kleinen. Wir haben kleine Gro&#223;e – und gro&#223;e Kleine. Mit dem Effekt, dass der Sinn von Wahlen, die R&#252;cksichtnahme auf den W&#228;hlerwillen, verloren geht. Der W&#228;hler w&#228;hlt nun Unsicherheit.</p>
<p>Zwei-Parteien-Koalitionen werden zur Ausnahme. Das alte Freund-Feind-Denken aus Zeiten der schwarzgelben oder rotgr&#252;nen Lagerbildung geh&#246;rt der Vergangenheit an. Wo fr&#252;her tiefe Gr&#228;ben &#220;berg&#228;nge fast unm&#246;glich machten, gibt es heute alle paar Meter neue Br&#252;cken: Mal breite gro&#223;e, mal schwankende, voller Risiken, deren Fundamente aber mit jeder Wahl sicherer werden. Der kleinste gemeinsame Nenner der Zweierkoalitionen war gestern, morgen leben wir in klitzekleinsten Dreierkonstellationen.</p>
<p>Die Auswirkungen f&#252;r unser Wahlverhalten werden fatal. Lassen sich die W&#228;hler gefallen, dass pl&#246;tzlich die Gr&#252;nen mit 5,9 Prozent an der Saar zum K&#246;nigsmacher mutieren? Wenn die SPD mit 18,5 bzw. 24,5 Prozent in Th&#252;ringen und an der Saar m&#246;glicherweise den Epochenwandel von Schwarz zu Knallrot einleitet? Wenn pl&#246;tzlich: „Stell Dir vor, es ist Gro&#223;e Koalition – und die Gr&#246;&#223;te geh&#246;rt nicht dazu!“ zur Regel werden kann?</p>
<p><strong>Deutschland-F&#252;nfparteienland minimalisiert den W&#228;hlerwillen.</strong> Zudem ist es l&#228;ngst nicht ausgemacht, dass es bei nur f&#252;nf ernsthaften Optionen bleiben wird: Warum sollte es bald keine Jugend-, keine Mittelschicht oder Rentnerpartei geben?</p>
<p>Der 30. August wird das Wahlverhalten der Deutschen neu justieren: Das Toyota-Syndrom: statt klarer Kante nun „Alles ist m&#246;glich!“ Und: Jeder kann mit allen. Der Politikfrust wird noch weiter wachsen. Weil W&#228;hlerstimmen immer unwichtiger werden, bestimmt der Machterhalt der Parteien immer st&#228;rker unsere Politik. Allen Dementis zum Trotz glauben derzeit 40 Prozent der Deutschen, die SPD w&#252;rde – falls es zur Macht&#252;bernahme reichen w&#252;rde, im Bund mit den Linken koalieren.</p>
<p>Da zwei Drittel der Deutschen eine klare Koalitionsaussage Ihrer Partei erwarten, hinterl&#228;sst diese Koalitionspolygamie frustrierte W&#228;hler, die mit der Wahl ihrer Partei genau das bezwecken, was dann doch nicht eintritt: Wer an der Saar und in Th&#252;ringen SPD gew&#228;hlt hat, kann sich in einer Koalition mit der CDU, aber auch mit der Linken wiederfinden. Und hilflose W&#228;hler:  Jeweils ein Drittel der Deutschen wollen im Saarland Schwarz-Rot, Jamaika oder Rot-Rot-Gr&#252;n. Schlimmer noch: Selbst die eigenen W&#228;hler haben keinen Plan: Unter den CDU-Anh&#228;ngern w&#252;nschen 48 Prozent Schwarz-Rot, 47 Prozent Jamaika. SPD-W&#228;hler wollen zu 38 Prozent mit der CDU, zu 37 Prozent mit Rot und Gr&#252;n koalieren. Und selbst die Gr&#252;nen sind in zwei Lager gespalten, ob die Ampel oder Jamaika f&#252;r sie der beste Weg ist.</p>
<p>Der Frust, mit seiner Stimme doch nichts &#228;ndern zu k&#246;nnen, hat sich binnen f&#252;nf Jahren verdoppelt und wird nach politischem Desinteresse inzwischen als der zweith&#228;ufigste Wahlverweigerungsgrund angegeben.</p>
<p>Sollte Deutschland in Zukunft immer h&#228;ufiger von Drei-Parteien-Koalitionen nach g&#228;ngigem Wundert&#252;ten-Muster regiert werden, k&#246;nnte das sogar unsere Demokratie gef&#228;hrden: Die dann notwendigerweise noch st&#228;rkere Verw&#228;sserung politischer Markenkerne wird Wahlen noch unwichtiger, Regierungen noch zuf&#228;lliger, die Kritik am programmatischen Gemischtwarenlager noch gr&#246;&#223;er, die Wahlbeteiligungen noch geringer, die Ignorierung des W&#228;hlerwillens noch h&#228;ufiger, den Frust &#252;ber unsere Volksvertreter noch intensiver werden lassen.</p>
<p>Wahlen werden zum Macht-, nicht mehr zum Gestaltungsinstrument. In der Zeit der gr&#246;&#223;ten Probleme der Nachkriegszeit ist der W&#228;hler mitten drin, sich selbst zu entmachten.
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		<title>Au&#223;er Atem: Das TV-Duell</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 08:56:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine verpasste Chance: Beim TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier hastete das Moderatoren-Quartett ohne Atempause durch die Wahlkampf-Agenda. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c43afa99801e1622db11acf8518ea8" alt="" width="1" height="1" />Das <a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2982100;jsessionid=4E6BDB83E8D870971C5443C790732616">Kanzlerduell</a><a href="http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/2982100;jsessionid=4E6BDB83E8D870971C5443C790732616"> des Jahres 2009</a> war zwar erst die dritte Auflage dieses Premium-Formates im Medienwahlkampf, doch nach dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier sind Fragen, wie es weitergehen soll, unausweichlich.</p>
<p>Zun&#228;chst hatte das hohe Tempo, mit dem die Moderatorenriege in die Sendung eingestiegen war, dem Fortgang der Debatte nicht gut getan. Die Hektik, mit der die Journalisten von Frage zu Frage hasteten, &#252;bertrug sich anfangs auch auf die Kanzlerin und ihren Stellvertreter. Die Bissigkeit, mit der einige Fragen vorgetragen wurden, lie&#223; Merkel wie Steinmeier auf Distanz gehen – manchmal schienen sie sich lieber direkt unterhalten zu wollen, ungest&#246;rt von Einw&#252;rfen und Unterbrechungen. Vizekanzler Steinmeier machte mit seinen Abgrenzungen und Entgegnungen die etwas bessere Figur als Kanzlerin Merkel, die sich allzuoft darin verwickelte, ihre Rederechte von den Moderatoren einzufordern. <strong>Im Gezerre um die Sprechhoheit entwickelte sich bisweilen ein Stimmengewirr wie in den schlimmsten Zeiten der Christiansen-&#196;ra.</strong></p>
<p>Auch die Wahl der Themen und deren Positionierung im Debattenverlauf waren diskussionsw&#252;rdig. Nach dem Er&#246;ffnungsgepl&#228;nkel, das die nerv&#246;s bis gereizte Stimmung setzte,  folgte ein erwartbar umfangreicher Block zur Wirtschaftskrise, deren Protagonisten (Banker, Manager) und m&#246;glichen Auswegen (Opel). Danach reihten sich Energiepolitik – reduziert auf die Frage nach einem Atomausstieg – und au&#223;enpolitische Fragen – Afghanistan – aneinander, immer wieder garniert mit „Horserace“-orientierten Zwischenspielen: mit wem ist das eine oder andere politische Ziel durchsetzbar, in welchen Konstellationen („Tigerente“) sind hierf&#252;r Mehrheiten zu erreichen?</p>
<p><strong>Zukunftsorientierte Bereiche wie Umwelt oder Bildung wurden v&#246;llig ausgespart</strong> &#8211; ein Vers&#228;umnis der journalistischen Planung, aber auch eine verpasste Chance der Kandidaten, die hier ihr Profil h&#228;tten differenzieren k&#246;nnen.</p>
<p>Das alles kann man durchaus als debattenkompatible Ans&#228;tze und Inhalte verstehen, doch das TV-Duell bezieht einen Gro&#223;teil seiner Legitimation in einer parlamentarischen Demokratie aus der „Gr&#246;&#223;e“ des Formats und der damit verbundenen au&#223;erordentlichen Reichweite. Die Atemlosigkeit des vom Moderations-Quartett ausgel&#246;sten Wettlaufs durch die Wahlkampf-Agenda und die bisweilen respektlose Zankerei um Fragen und Antworten haben dem Format in diesem Jahr noch mehr geschadet als in den Auflagen von 2002 und 2005. Im R&#252;ckblick auf den Debattenjahrgang 2009 wird hoffentlich die Frage haften bleiben, ob nicht eine massive Ver&#228;nderung der Gespr&#228;chsstruktur – Einzelmoderator statt Rudelbildung – notwendig ist, um das Format in die Zukunft zu retten.</p>
<p><strong>Ein letzter Punkt: das „Leitmedium“ Fernsehen hatte sich in Adlershof weitgehend von der restlichen Medienwelt abgekapselt</strong> – h&#228;tte man w&#228;hrend der Debatte auf die Online-Reaktionen geachtet, so w&#228;ren die Ansatzpunkte zur Kritik ganz schnell deutlich geworden. Ein erheblicher Teil der w&#228;hrend der Debatte publizierten Online-Nachrichten – in Blogs, Chats und bei Twitter – befasste sich n&#228;mlich nicht mit den Aussagen oder der Performance von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Sondern mit der kl&#228;glichen Moderationsleistung.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14783&amp;md5=157655cd21e0d344c6fc309948f93609" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Die Schlagzeilen von morgen</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 17:06:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
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		<category><![CDATA[Satire]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht wieder aufw&#228;rts in Deutschland! Vor allem in den Zeitungen. Ich habe mir - aus sicherer Quelle! – schon mal die Schlagzeilen von morgen besorgt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>September 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>Wachstumsprognosen werden angehoben.</li>
<li>Die Kauflaune steigt.</li>
<li>Institute sehen Licht am Ende des Tunnels.</li>
<li>Die Rezession ist gestoppt.</li>
<li>Der Arbeitsmarkt trotzt der Wirtschaftskrise.</li>
<li>Preise sind stabil.</li>
<li>Die Aufschwungsignale mehren sich.</li>
<li>Die deutsche Industrie sieht wieder mit Optimismus in die Zukunft.</li>
<li>Wir haben die Kraft!</li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>27. September 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>Sichere Mehrheit f&#252;r Merkel.</li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Oktober 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>Drittes Quartal &#252;berraschend im Minus.</li>
<li>Einzelhandel beklagt zweistellige Verluste.</li>
<li>Autoindustrie wieder im R&#252;ckw&#228;rtsgang.</li>
<li>Die Rezession kehrt zur&#252;ck.</li>
<li>Die Wirtschaftskrise trotzt dem Arbeitsmarkt.</li>
<li>Die Preise ziehen an.</li>
<li>Ein zweiter Abschwung droht.</li>
<li>Banken wieder in Schieflage.</li>
<li>Es gibt nichts zu verteilen!</li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>November 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>Mehrwertsteuererh&#246;hung im Gespr&#228;ch.</li>
<li>L&#228;ngere Laufzeiten f&#252;r AKWs geplant.</li>
<li>Abwrackpr&#228;mie vor Neuauflage.</li>
<li>Pendlerpauschale auf der Kippe.</li>
<li>Kommunen schlagen Alarm.</li>
<li>Grundsteuer soll steigen.</li>
<li>Staatsschulden wachsen.</li>
<li>Entlassungswelle in den Betrieben.</li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Dezember 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>Steuereinnahmen brechen weg.</li>
<li>Arbeitslosenzahlen steigen.</li>
<li>Kassenleistungen sollen eingeschr&#228;nkt werden.</li>
<li>Nullrunden im &#214;ffentlichen Dienst wahrscheinlich.</li>
<li>Rentenk&#252;rzungen unausweichlich.</li>
<li>Studiengeb&#252;hren vor drastischer Erh&#246;hung.</li>
<li>Umweltauflagen f&#252;r Betriebe auf dem Pr&#252;fstand.</li>
<li>Zeitungsverlage erhalten Staatshilfen.</li>
<li>Internetregulierungsgesetz vorgelegt.</li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>22./23. Dezember 2009</strong></span></p>
<ul>
<li>„Agenda 2020“ verabschiedet.</li>
<li>Nach z&#228;hem Ringen im Vermittlungsausschuss wird das Reformpaket zur nachhaltigen Stabilisierung der deutschen Wirtschaftskraft von Bundestag und Bundesrat gebilligt. Volksvertreter beider Kammern erinnern in einer Gedenkminute an die <a href="http://www.faz.net/s/RubA24ECD630CAE40E483841DB7D16F4211/Doc~E94BB65EAD64542839EC8DCC5FED603B2~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">Verabschiedung</a> der „Agenda 2010“ am 19. Dezember 2003.</li>
</ul>
<p><!--EndFragment-->
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=14368&amp;md5=79eabc2dc0af7367ff37f69ef6b332d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Einstimmung auf die Zeit der Koalitionspolygamie?</title>
		<link>http://carta.info/14142/landtagswahlen-koalitionspolygamie/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Sep 2009 18:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Klaus-Peter Schöppner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
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		<category><![CDATA[Saarland]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Thüringen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach den Landtagswahlen scheint das Zeitalter der stabilen Zweierkoalitionen vorbei. Die Machtoptionen werden unklarer. Bricht nun das neue Zeitalter st&#228;ndig wechselnder Koalitionen an? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahl paradox: Selten zuvor war die CDU an einem Wahltag gleich dreimal st&#228;rkste Partei, so wie bei den Landtagswahlen Ende August in Sachsen, Th&#252;ringen und im Saarland. Und dennoch war sie der gesp&#252;rte Verlierer. Zwar mit weiterhin deutlichem Vorsprung vor der SPD, doch was mehr z&#228;hlt, sind offensichtlich die unklarer werdenden Machtoptionen. Geht am 27. September Schwarz-Gelb? Oder muss sich auch die einzig noch verbliebene Volkspartei CDU/CSU auf das Zeitalter st&#228;ndig wechselnder Koalitionen einrichten? Nicht die W&#228;hler sind wichtig. Viel bedeutender werden die anschlie&#223;enden B&#252;ndnisverhandlungen, die bei ann&#228;hernd gleichen Parteist&#228;rken morgen das Ergebnis von gestern v&#246;llig auf den Kopf stellen k&#246;nnen.</p>
<p>Denn der L&#228;ndertrend ist nun auch in den Bund eingefallen: Noch vor sechs Jahren w&#228;hlten 80 Prozent der Bundesb&#252;rger eine der beiden gro&#223;en Parteien. Bei der Wahl am 27. September k&#246;nnen beide froh sein, zusammen die 60-Prozent-Marke zu knacken. Im Osten liegen Union und SPD nur noch bei rund 50 Prozent: Die Gro&#223;en sind klein, die Kleinen gro&#223; geworden. Zweierkoalitionen eher die Ausnahme. Und die Kleinen spielen die Rolle des K&#246;nigsmacher, die ihnen aufgrund ihrer W&#228;hleranteile im Grunde nicht zusteht. Links sei Dank.</p>
<p><strong>Die wichtigste Botschaft aus Dresden, Erfurt und Saarbr&#252;cken ist die „neue Un&#252;bersichtlichkeit“.</strong> Ist die sch&#246;ne Zeit der stabilen Zweierkoalitionen oder gar die des Alleinregierens vorbei? Wird nun von den Parteien und von den W&#228;hlern ein H&#246;chstma&#223; an Flexibilit&#228;t bei der Regierungsgestaltung und -bewertung gefordert? Steckt Deutschland bereits mitten im „Toyota-Fieber“: Nichts ist unm&#246;glich? Bricht nun das neue Zeitalter der Koalitionspolygamie an?</p>
<p>Indem sich ausgerechnet der klare Wahlverlierer SPD (schlechteste aller Zeiten an der Saar, in Th&#252;ringen unter 20 Prozent, in Sachsen gerade mal 10 Prozent) strategisch ein St&#252;ck Macht zur&#252;ck erobert? <strong>Denn trotz bemitleidenswerter Resultate hat die SPD ihre Chancen f&#252;r den Bundestag verbessert.</strong> Keine Partei spielt so virtuos auf der Koalitionsklaviatur: Schlie&#223;lich sind die Sozialdemokraten derzeit irgendwo mit jeder demokratischen Partei verbandelt.</p>
<p>Ein Grund der herben Verluste f&#252;r die Union in Th&#252;ringen und an der Saar ist das in Krisenzeiten ver&#228;nderte Wirtschaftsbild der W&#228;hler. Mit ihrer alten Wirtschaftskompetenz gelingt es der CDU immer weniger, zu punkten. Das Wissen um das W&#228;rmebed&#252;rfnis der W&#228;hler ist bei der Union weiterhin wenig ausgepr&#228;gt. Wirtschaft ist in Zeiten der Entsolidarisierung nicht mehr nur das Herstellen eines guten Wirtschaftsklimas. Sondern mit gleicher Wertigkeit auch das Social-Charta-Denken, also das gleichzeitige Einfordern sozialer Mitarbeiterverantwortung nach dem Modell des Rheinischen Kapitalismus. Die „gute“ Wirtschaft bewertet beide Teile der sozialen Marktwirtschaft gleichwertig. Dies wird von Teilen der Union l&#228;ngst nicht so gesehen. Eine wachsende Zahl von Wirtschafts-Protestw&#228;hlern ist die Folge.</p>
<p>Kann man sich angesichts von Globalisierung und demografischer Entwicklung allein auf Wachstum und Aufschwung verlassen? Oder sind Reichensteuer, Erbschaftssteuer, Schutzschirme und Manager-Restriktionen doch die besseren Alternativen? Schon oft hat die Polemik die Logik besiegt.</p>
<p><strong>Der 30. August geht in die Politikhistorie m&#246;glicherweise auch als Renaissance einer Politik der klaren Kante ein.</strong> Und da leiden die beiden Gro&#223;en unter der „neuen Beliebigkeit“ ihrer Bundesparteien: Deren Politik ist f&#252;r viele W&#228;hler ohne erkennbaren Markenkern. W&#228;hrend die Kleinen mit eindeutigen Botschaften: „Wir sind gegen alles“ (Linke) – „Steuern runter“ (FDP) oder „Wirtschaft &#246;kologisieren“ (Gr&#252;ne) –  in Verbindung gebracht werden, wissen die W&#228;hler l&#228;ngst nicht mehr, wie sich die sozialdemokratisierte CDU im Einzelfall entscheidet. Und wer bei der SPD das Sagen hat. Deren inzwischen etwa 60 Prozent Linken – oder die in die Minderheit abgerutschten Schr&#246;derianer?</p>
<p>Die Widerst&#228;nde, mit Links an die Macht zu kommen, sind zumindest auf L&#228;nderebene offenbar kleiner als bef&#252;rchtet, ausgerechnet w&#228;hrend der gr&#246;&#223;ten Rezession der letzten Jahrzehnte. Das Ypsilanti-Debakel war also nicht das Zusammengehen mit den Knallroten, es war die Unaufrichtigkeit der Spitzenkandidatin.</p>
<p>Waren also die Landtagswahlen typisch und damit richtungsweisend f&#252;r den 27. September?</p>
<p><strong>Nur in Sachsen herrschte Normalit&#228;t.</strong> Dort wurden Kompetenz, die Pers&#246;nlichkeit der Ministerpr&#228;sidenten seit Biedenkopf, die guten Kennwerte bei PISA, Staatsverschuldung oder Wirtschaftskraft gew&#228;hlt. Und Schwarz-Gelb. In Sachsen, dem Bundesland mit dem gr&#246;&#223;ten Anteil an W&#228;hlern, die stolz auf ihr Land sind, z&#228;hlen noch Inhalte und Wirtschaftsoptionen. Und nicht pers&#246;nlicher Ehrgeiz, Koalitionen und Demonstrationen.</p>
<p><strong>Untypisch dagegen sind die Wahlen in Th&#252;ringen und an der Saar.</strong> In Erfurt ging es nicht um inhaltliche Auseinandersetzung, zwei v&#246;llig situative Themen spalteten die W&#228;hler: Die eigenartige Au&#223;endarstellung von Ministerpr&#228;sident Althaus, der zum zweiten Male hintereinander deutlich – diesmal 12 Prozentpunkte – verlor. Zudem die Frage: Geht das – Nicht Koch, sondern Kellner als Ministerpr&#228;sidenten – nachdem SPD-Kandidat Matschie nur drittst&#228;rksten Kraft geworden war. Kann es einen SPD-Ministerpr&#228;sidenten unter linker Duldung geben?</p>
<p>Dass Th&#252;ringen wirtschaftlich sogar Sachsen &#252;berholt, in Bildungsrankings oben und infrastrukturell gut ist, spielte nur eine untergeordnete Rolle. Die Th&#252;ringer waren ganz einfach Althaus-&#252;berdr&#252;ssig, nachdem er seinen Skiunfall zur politischen Inszenierung nutzte und die Partei wie eine Ikone an ihm festhielt.</p>
<p>Auch an der Saar spielten Macht und M&#246;glichkeit, nicht politische Inhalte, die wahlentscheidende Rolle. Wie kann man als kleiner Mann besser seinen Frust gegen die Etablierten zum Ausdruck bringen, als durch die Wahl des angesehenen Alt-Ministerpr&#228;sidenten und CDU- und SPD-Hassers? Das allerdings zeigt, dass von Lafontaines linkem Wahlerfolg, dem ersten in einem westlichen Bundesland, nur ein geringes Signal f&#252;r Berlin ausgeht. Sein neuer Rekord, 19 Prozent in einem Bundesland, ist zum gro&#223;en Teil der spezifischen Situation in einer Region geschuldet, die gerade mal &#252;ber gut einem Prozent der bundesdeutschen Bev&#246;lkerung verf&#252;gt.</p>
<p><strong>Denn auch das ist die Wahlwirklichkeit 2009, wenn auch nur im Saarland:</strong> Nicht die st&#228;rkste, nicht die Katapult-, nicht die Rekordminuspartei, ausgerechnet die mit 5,9 Prozent seltsam schwachen Gr&#252;nen, die erst nach einer Zitterpartie in den Saarbr&#252;cker Landtag einzogen, sind zum K&#246;nigsmacher geworden. Ausgerechnet der mit Abstand schw&#228;chste Kleine k&#246;nnte, falls es nicht doch noch zur &#8220;Gro&#223;en&#8221; kommt, in Koalitionsverhandlungen das Maximum aushandeln.</p>
<p>Wie die SPD deutliche Niederlagen zu gesp&#252;rten Siegen hochstilisiert, sollten die politischen Gegner nun damit rechnen, dass sich die SPD nicht mehr l&#228;nger der Koalition mit der Linken verschlie&#223;en wird: Sie thematisiert ihre neue Machtoption sogar deutlicher denn je. Die Genossen sehnen Rot-Rot herbei, gerade weil Schwarz-Gelb deutlicher denn je das rot-rote Schreckgespenst stigmatisiert, das nun auch nach Westen expandiert. Mit ungewissem Ausgang.</p>
<p>Landtagswahl war gestern. Heute z&#228;hlen die Auswirkungen auf dem 27. September, wo sich die wie Blei um die 25 Prozent liegende SPD eventuell doch noch der 30-Prozent-Marke n&#228;hern k&#246;nnte. <strong>Drei Faktoren k&#246;nnen nach sechs konstanten Vorwahlmonaten nun doch noch die Bundestagswahl beeinflussen:</strong></p>
<ul>
<li>Die nach Saar und Th&#252;ringen nicht unrealistische D&#228;monisierung der bislang wahrscheinlichen schwarz-gelben Koalition: Schafft Steinmeier, wie einstmals Schr&#246;der, das Schreckgespenst des kalten neoliberalen Sozialabbaus an die Wand zu malen? Gewinnt die SPD mit ihrem Strategiewechsels an Boden? Oder geraten die Sozialdemokraten nur noch st&#228;rker in die Bredouille, weil sie dadurch bereits weit vor dem Wahltag nicht mehr auf eigenen Sieg, sondern auf die Niederlage der Anderen setzen? Viel h&#228;ngt davon ab, ob die Spitzen von Union und SPD den W&#228;hlern die Angst vor einem Sozialabbau nehmen k&#246;nnen.</li>
<li>Schafft die SPD angesichts zweier roten Verbesserungs- und schwarzen Verschlechterungsbalken doch noch die Stimmungswende? Gelingt es ihnen, allein aus der Tatsache, dass die CDU nat&#252;rlich nicht das Traumergebnis 2004 halten konnte, den Last-Minute-Swing zu thematisieren? Ist eine hohe CDU-Niederlage bereits ein SPD-Sieg? Selbst wenn sie in v&#246;llig atypischen Politikumfeld zustande kamen?</li>
<li>Wie entwickelt sich die Angst vor Rot-Rot, das nun auch im Westen m&#246;glich erscheint? Muss die SPD weiterhin mit der W&#228;hlerwut rechnen – oder leitet sie damit auch im Westen die Normalisierung ein?</li>
</ul>
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		<title>SPD: Diagnose Doppelbefund, Problem ungel&#246;st</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 09:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mark T. Fliegauf</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die SPD sp&#252;rt R&#252;ckenwind. Doch die Ergebnisse der Landtagswahlen stellen ein strategisches Dilemma f&#252;r Frank-Walter Steinmeier dar, der sich nur mit  konsequenter Inkonsequenz gegen&#252;ber der Linken zu helfen wei&#223;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/bad6eb05a8ecfa02c8ecacfb372527" width="1" height="1" alt=""/>Die Generalprobe zur Bundestagswahl h&#228;tte f&#252;r die Sozialdemokratische Partei Deutschlands kaum besser verlaufen k&#246;nnen: Sowohl im Saarland als auch in Th&#252;ringen bietet sich die realistische M&#246;glichkeit, unter Beteiligung von Gr&#252;nen und Linken die Landesregierung zu formen und den Ministerpr&#228;sidenten zu stellen. F&#252;r Frank-Walter Steinmeier ist dies das Signal, dass die SPD auch bei der Bundestagswahl am 27. September wie Phoenix aus der Asche emporsteigen werde. Einziges Problem: Der Kanzlerkandidat selbst und seine Haltung zur Linken.</p>
<p>„Eines ist sicher”, <a href="http://www.tageschau.de/inland/reaktionenbund100.html">kommentierte</a> Frank-Walter Steinmeier die Ergebnisse der Landtagswahlen an der Saar sowie in Th&#252;ringen und Sachsen, „Schwarz-Gelb ist nicht gewollt in diesem Lande.” Somit erweise sich denn auch das journalistische Mantra, dass die Wahl bereits entschieden sei, als „gro&#223;er Irrtum&#8221;. Dies mag sein, sofern die Wahlausg&#228;nge in Erfurt und Saarbr&#252;cken in erster Linie eine Niederlage f&#252;r die CDU sind. Doch die Ergebnisse sind zugleich ein Sieg der Linken, die im Saarland nur unwesentlich weniger Stimmen ergatterte als die SPD und diese in Sachsen und Th&#252;ringen dauerhaft als zweitst&#228;rkste Kraft abgel&#246;st hat.</p>
<p><strong>So befindet sich der Kanzlerkandidat zwar im Aufwind aber gleichzeitig in einem Dilemma</strong>, da er genau jener „Regierungs-Fraktion“ innerhalb der SPD angeh&#246;rt, deren Machtstellung und programmatische Ausrichtung durch die elektoralen Erfolge der Linken deutlich <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:gastkommentar-spd-gefangen-im-20-plus-x-labyrinth/557743.html">geschw&#228;ch</a>t wird. Denn jede Stimme f&#252;r den Ex-Vorsitzenden Oskar Lafontaine scheint das Argument des linken Fl&#252;gels um die stellvertretende Bundesvorsitzende Andrea Nahles zu best&#228;tigen, wonach sich die SPD weiter nach links orientieren m&#252;sse, um verloren gegangene W&#228;hler an die Sozialdemokratie zur&#252;ckzubinden.<br />
<strong><br />
Steinmeier reagiert auf dieses Dilemma und die strategische Widerspr&#252;chlichkeit seiner Partei mit konsequenter Inkonsequenz.</strong> Denn indem er etwaige Koalitionen mit der Linken versch&#228;mt zur Sache der Landtagsfraktionen <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/politik/437/485858/text/">erkl&#228;rt</a>, l&#228;sst er im jeweiligen Bundesland Regierungsbildungen mit der Linken zu, um sie auf Bundesebene aber weiterhin auszuschlie&#223;en. Was spr&#228;che eigentlich dagegen, offensiv eine m&#246;gliche Zusammenarbeit mit der Linken in Aussicht zu stellen? Denn offensichtlich scheint beim Wahlvolk die Angst vor einer „roten Invasion“ um einiges geringer ausgepr&#228;gt zu sein als in der Chefetage des Willy-Brandt-Hauses&#8230;
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<a href="http://carta.info/13919/spd-diagnose-doppelbefund-problem-ungeloest/">SPD: Diagnose Doppelbefund, Problem ungel&#246;st</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/13919/spd-diagnose-doppelbefund-problem-ungeloest/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=13919&amp;md5=952701a24e50a99c5d9fbda59b5efe5a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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