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	<title>CARTA &#187; blogoscoop</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die Medienkrise ist auch eine Krise der kommerziellen Blogs</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Oct 2009 11:12:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nicht wenige kommerzielle Blogs wirken derzeit fast so ausgezehrt wie der Medienmainstream. Sie leiden aber nicht nur an der Werbekrise: Ihnen fehlt es auch an Reichweite, an Substanz und der richtigen Fokussierung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2b1bfb67f833440886d90d14eeccdf7a" alt="" width="1" height="1" />In einer Zeit, in der viele Zeitungen <a href="http://derstandard.at/fs/1254311564187/Pfeifkonzert-Mitarbeiter-der-Sueddeutschen-Zeitung-fuerchten-Kuendigungswelle">schw&#228;cheln</a> und sich mit dem Medienwandel schwer tun, sollten <strong>kommerzielle Blogs</strong> eigentlich leichtf&#252;&#223;ig wie die Gazellen von Erfolg zu Erfolg springen, einer immer gl&#228;nzenderen Zukunft entgegen. Doch ist dem so?</p>
<p>Nicht wenige<strong> kommerziell orientierte Blogs  wirken im Herbst 2009 ebenso ausgezehrt wie die &#8220;Qualit&#228;ts&#8221;-Printmedien bzw. deren Online-Angebote</strong>. Man leidet gemeinsam unter dem flauen Anzeigenmarkt. Doch der offenbar schwierige Zustand vieler kommerzieller Blogs l&#228;sst sich nicht allein durch eine maue Entwicklung bei den Banner-Ums&#228;tzen erkl&#228;ren. Es gibt noch weitere Problemzonen:</p>
<p>In der schwachen Wirtschaftslage zeigt sich nun, dass es hierzulande nur ganz wenigen kommerziellen Blog-Projekten gelungen ist, die f&#252;r ein leidliches finanzielles Auskommen notwendige Reichweitenbasis zu erreichen. Es m&#252;ssen nicht gleich Hunderte von Millionen Page Impressions pro Monat  sein, wie bei <a href="http://meedia.de/typo3conf/ext/m2analyzer/analyzer/auswahl2.php?category=1">Spiegel Online &amp; Co</a>, aber monatlich ein oder zwei Millionen sollten es schon sein.</p>
<p>Ein Angebot wie <strong>Meedia</strong> erreicht mit rund <a href="http://meedia.de/werbung-auf-meedia/meedia-daten/leistungswerte-kontakt.html">2,5 Mio. Seitenabrufen pro Monat</a> diese Kategorie. Doch ist Meedia ein kommerzielles Blog oder nicht eigentlich vom Anspruch  und auch den Kostenstrukturen her mehr?</p>
<p>Betrachtet man die Rangliste auf <strong><a href="http://www.blogoscoop.net/blogs/visits/1">blogoscoop</a></strong>, so erreicht hier &#8211; bis  auf ein paar Quatsch- und Boulevardblogs &#8211; nur das <strong>Bildblog</strong> mit rund 1,4 Mio. Page Impressions diese Kategorie. Doch auch das <a href="http://www.bildblog.de">Bildblog</a> vermittelt derzeit nicht den Eindruck, auf Basis der eigenen Werberessourcen zum Sprung in die n&#228;chste Ausbauphase anzusetzen.</p>
<p>Viele der interessanteren kommerziellen Blog-Projekte d&#252;mpeln dagegen laut blogoscoop bei Reichweitenregionen zwischen 150.000 und 700.000 PIs pro Monat herum &#8211; zu wenig, um wirklich eine relevante Honorarbasis f&#252;r Mitarbeiter aufbauen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Die <strong>Mathematik</strong> dahinter: Kommerzielle Blogs machen &#8211; je nach Thema und Geschick bei der Vermarktung &#8211; nach meiner Einsch&#228;tzung zwischen 1 und 10 Euro Umsatz pro 1.000 Seitenabrufe (eTKP). Andere m&#246;gen da andere Zahlen haben &#8211; sie sind ja ohnehin das Geheimnis der entsprechenden Blogbetreiber. Nehmen wir beispielhaft einen relativ optimistischen eTKP von 4 Euro auf 1.000 Seitenabrufe an, so w&#252;rde ein Blog mit 200.000 Seitenabrufen im Monat demnach 8oo Euro Umsatz erzielen – viel zu wenig, um damit ein Blog rein auf Basis von Honoraren am Laufen zu halten.</p>
<p>Die Rangliste auf blogoscoop zeigt auch das eher entt&#228;uschende Abschneiden der <strong>Tech-Blogs</strong> hierzulande. <a href="http://www.macnotes.de/">Macnotes.de</a> und <a href="http://neuerdings.com/">neuerdings.com</a> liegen oberhalb der 500.000er Grenze, doch sind dies wohl eher Gadget-Blogs.</p>
<p>Ein wirklich ambitioniertes Tech-Blog ist dagegen <a href="http://netzwertig.com/"><strong>netzwertig.com</strong></a>. Doch mit &#8211; laut blogoscoop &#8211; 170.000 PIs pro Monat ist das Blog leider noch weit von den selbst gesteckten Zielen entfernt. Das von <strong>Robert Basic</strong> aufgebaute und im Januar 2009 verkaufte Blog <a href="http://www.basicthinking.de/blog">Basic Thinking</a> hat nach dem Eigent&#252;merwechsel aufgeh&#246;rt, auf blogoscoop seine PIs auszuweisen. Das ist auch eine Aussage und spricht nicht unbedingt daf&#252;r, dass sich das Blog der hier skizzierten Situation entziehen kann.</p>
<p>Der Blick auf die Blogosph&#228;re im Herbst 2009 zeigt zudem: Das <a href="http://www.deutscheblogcharts.de/archiv/2009-42.html">einflussreichste</a> Blog ist hierzulande eines, dass sich Kommerzialit&#228;t und Werbefinanzierung kurzerhand erspart  und vor allem auf Basis von Idealismus und Freude an der Sache entsteht: <a href="http://www.netzpolitik.org/">netzpolitik.org</a>. Wo andere noch an den Gesch&#228;ftsmodelle laborieren, deckt <strong>Netzpolitik</strong> nebenbei mal <a href="http://www.netzpolitik.org/2009/datenleck-bei-schuelervz/">Skandale</a> auf, &#252;ber deren Enth&#252;llung der Spiegel stolz gewesen w&#228;re. Hier ist mal eben ein v&#246;llig neues Leitmedienverh&#228;ltnis entstanden.</p>
<p>Dass sich aber ein unkommerzielles Blog an der Spitze der Blogcharts h&#228;lt, sagt auch viel &#252;ber die kommerzielle Bloglandschaft hierzulande aus: <strong>Die Kommerzialisierung von Blogs ist bislang nur in bescheidenem Umfang gelungen</strong>.* Das mag der Qualit&#228;t der Inhalte sogar mehr n&#252;tzen als schaden. Es bedeutet aber auch, dass es wenig Ressourcen f&#252;r klassische  Entlohnung in diesem Bereich gibt (sicher, manche werden das begr&#252;&#223;en).</p>
<p>Ganz anders hat sich mittlerweile die amerikanische Bloglandschaft entwickelt. Vor einigen Jahren noch sah sie so aus wie hier. Dann aber setzte dort mit der <strong>Kommerzialisierung</strong> eine deutliche Konsolidierung ein. Einerseits die gro&#223;en Blogs, die verl&#228;sslich und stetig Themengebiete abdecken &#8211; und sich darin dann kaum mehr von klassischen Medien unterscheiden. Sie haben feste Redaktionsprinzipien entwickelt und arbeiten mit Autorenteams. Andererseits die eher unkommerziellen Meinungsblogs, die &#252;berwiegend nur noch kommentierend ins Geschehen eingreifen.</p>
<div id="attachment_16831" class="wp-caption alignright" style="width: 414px"><a href="http://www.alexa.com/siteinfo/techcrunch.com"><img class="size-full wp-image-16831 " title="Reichweiten im Vergleich: TC, Scoble, Gray" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/alexa.png" alt="Reichweiten im Vergleich: TC, Robert Scoble und Louis Gray (Grafik: Alexa)" width="404" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Reichweiten im Vergleich: TC, Robert Scoble und Louis Gray (Grafik: Alexa)</p></div>
<p>Der Unterschied zwischen den beiden Lagern zeigt sich beim <strong>Traffic</strong>. Die kommerziellen, gro&#223;en Blogs erreichen heute Seitenabruf-Niveaus, an die selbst starke Pers&#246;nlichkeiten aus der Bloggerszene nicht mehr herankommen: Bei TechCrunch vs. <strong>Robert Scoble</strong> oder <strong>Louis Gray</strong>, wie von Alexa dargestellt, er&#252;brigt sich jeder Kommentar.</p>
<p>Die Leser versammeln sich in den USA inzwischen vor allem um gr&#246;&#223;ere Blogs, die nicht einfach nur Meinung bloggen, sondern die Themen in ihrer ganzen Tiefe auch durch <strong>Nachrichten und Analysen</strong> begleiten.</p>
<p>Zudem stellen sich diese Blogs auch dem Anspruch, ein Themengebiet ann&#228;hernd vollst&#228;ndig abzudecken. Gerade der Vergleich von <a href="http://www.techcrunch.com">TechCrunch</a> mit <a href="http://www.scobleizer.com">Robert Scoble</a> oder <a href="http://www.louisgray.com/">Louis Gray</a> macht dies deutlich: W&#228;hrend das gro&#223;e Tech-Blog sehr breit informiert und dabei auch versucht, Scoops zu setzen, kommen die beiden Einzel-Blogger der F&#252;lle an Ereignissen und Meldungen gar nicht mehr hinterher. Sie k&#246;nnen nur noch versuchen, Rosinen zu picken und damit Akzente zu setzen.</p>
<p>Und da sind wir dann vielleicht an einem Punkt, der das Problem der Online-Ausgabe des <a href="http://www.freitag.de">Freitag</a> erkl&#228;rt. Meinung allein bringt es nicht. Der Freitag erzielt im Netz erst <a href="http://www.hi-media.de/factsheet_63c249c85b75c5648c570f782e6d9de4.html">ca. 647.000 PIs pro Monat</a>. Das ist ein Wert, wie ihn auch ein Blogger ganz allein erzielen kann, etwa<a href="http://www.stadt-bremerhaven.de/"> Caschy</a> (stadt-bremerhaven.de).</p>
<p>Wollen also die kommerziellen Blogs hierzulande mit dem n&#228;chsten Aufschwung auch &#252;ber die Schwelle der Refinanzierung springen, so sollten sie folgendes ber&#252;cksichtigen:</p>
<ol>
<li><strong>Themengebiete umfassend abdecken</strong>. Die Leser sch&#228;tzen das &#8220;One-Stop-Reading&#8221; (alles  Wichtige aus einer Quelle), ohne deswegen aber einem einzelnen Medium treu sein zu m&#252;ssen. Andere Quellen sind nur einen Mausklick entfernt und auch sie werden beachtet. Was viele Leser weniger m&#246;gen: Sich aus vielen kleinen Medien ein Gesamtbild zusammensetzen zu m&#252;ssen.</li>
<li><strong>Meinungs-Bloggen reicht nicht</strong>. Professionelle Medien m&#252;ssen Themen setzen k&#246;nnen und dazu auch Nachrichten selbst recherchieren. So wichtig die reinen Meinungsmedien auch sind, sie werden beim Traffic gegen&#252;ber Medien mit aktuellen Nachrichten immer zur&#252;ckstehen und damit den Sprung in die wirtschaftliche Tragf&#228;higkeit eher nicht schaffen.</li>
<li><strong>Pr&#228;senz zeigen und vor Ort recherchieren. </strong>Unter Bloggern kursierte lang die Hoffnung, die Arbeit lie&#223;e sich allein vom heimischen Rechner aus bew&#228;ltigen. Das ist eine Illusion. Wie man es besser macht, zeigte dieser Tage ausgerechnet <a href="http://eu.techcrunch.com/2009/10/20/live-from-munich-techcrunch-europe-seminar-and-meetup/">TechCrunch Europe</a> mit einer kleinen <a href="http://t3n.de/news/veranstaltungstipp-nur-noch-restkarten-startup-konferenz-257120/">Startup-Konferenz</a> in M&#252;nchen. F&#252;r die Initiatoren war das in London angesiedelte Blog offenbar als Medienpartner attraktiver als eine deutsche Adresse. Kein gutes Zeichen f&#252;r die deutschsprachigen Tech-Blogs.</li>
</ol>
<p>Die Traditionsmedien, die noch mit dem Medienwandel k&#228;mpfen, werden es gerne h&#246;ren. Ihnen verschafft das Zeit. Blogs mit der Ambition zur Kommerzialisierung dagegen werden sich etwas einfallen lassen m&#252;ssen. Denn sonst bleiben sie in der Nische h&#228;ngen.</p>
<p>* davon kann man Carta mit seinen 130.000 Abrufen pro Monat nicht ausnehmen. Carta ist daher zur Zeit &#8211; nicht ohne Leidenschaft &#8211; ein Hybridmodell, das zwar Werbeeinnahmen generiert, bei dem aber die Verg&#252;tung allein nicht das Motiv f&#252;r die Autoren sein kann.
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