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	<title>CARTA &#187; Bewegungen</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Die Piraten – Aufstand der technischen Intelligenz?</title>
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		<pubDate>Fri, 12 Jun 2009 13:40:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Seit ihrem Sensationserfolg bei den Europawahlen ist die „Piratenpartei“ in aller Munde. Und viele fragen sich: Was sind das blo&#223; f&#252;r Leute? Sind die rechts oder links? Oder erleben wir den Beginn einer neuen sozialen Bewegung? Vier Anmerkungen zu einem politischen Ph&#228;nomen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/8c7d834c2970ecf846df5601bb843c" width="1" height="1" alt=""/><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Was wollen die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es begann im Januar 2006. Damals wurde in Schweden die allererste Piratenpartei gegr&#252;ndet. Sie verstand sich als politische Antwort auf die digitale Revolution. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Piratpartiet">Rickard Falkvinge</a> (37), der Gr&#252;nder der Partei, sagte im Juni 2006: „Um die heutige Situation im Lichte der Geschichte zu verstehen, m&#252;ssen wir 400 Jahre zur&#252;ck gehen, in die Zeit, als die Kirche das Kultur- und Wissensmonopol innehatte. Was die Kirche sagte, hatte zu geschehen. Es war eine Pyramiden-Kommunikation. An der Spitze gab es eine dominierende Person, die zu denen, die weiter unten in der Pyramide waren, sprach&#8230; Damals war es den B&#252;rgern unter keinen Umst&#228;nden erlaubt, selbst Informationen zu verbreiten&#8230;</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Dann kam der Buchdruck. Pl&#246;tzlich gab es nicht mehr <em>eine</em></span><span> Wissensquelle, es gab mehrere. Die B&#252;rger &#8211; die angefangen hatten lesen zu lernen &#8211; konnten pl&#246;tzlich von nicht sanktioniertem Wissen profitieren. Die Kirche war w&#252;tend. Die k&#246;niglichen Familien waren w&#252;tend. Die britische K&#246;nigsfamilie ging sogar so weit, dass sie ein Gesetz erlie&#223;, das besagte, dass nur solche Drucker, die die Erlaubnis der K&#246;nigsfamilie besa&#223;en, das Wissen der B&#252;rger mehren durften. Dieses Gesetz wurde &#8220;Copyright&#8221; genannt&#8230; Es ging also bereits damals um die Kontrolle von Kultur und Wissen, denn wer diese Dinge beherrschte, beherrschte die Welt.</span></span>
</p>
<p class="MsoNormal"><span>&#8230;Das Internet gehorcht diesem Modell nicht mehr. Heute laden wir nicht mehr einfach Kultur und Wissen von einer zentralen Stelle herunter. Wir laden gleichzeitig hoch, zu anderen. Wir verteilen Dateien. Wissen und Kultur haben ihren zentralen Kontrollpunkt verloren. &#8230; File-Sharing begr&#252;ndet das gleichzeitige Hoch- und Herunterladen von jeder verbundenen Person ohne jede zentrale Kontrolle. Die Kultur flie&#223;t zwischen Millionen verschiedener Menschen &#8211; zur selben Zeit. Das ist etwas komplett Neues in der Geschichte der menschlichen Kommunikation.“</span>
</p>
<p class="MsoNormal"><span><span>So weit der Gr&#252;nder der schwedischen Piratenpartei. Heute ist es das Ziel der Bewegung, <strong>die durch das Internet erreichten Freiheiten zu bewahren</strong></span><span> und gegen jede Art von (staatlicher oder kommerzieller) Zensur bzw. Kontrolle zu verteidigen. Denn nach Auffassung der (deutschen) Piratenpartei ist durch die digitale Revolutionierung aller Lebensbereiche „die W&#252;rde und die Freiheit des Menschen in bisher ungeahnter Art und Weise gef&#228;hrdet.“</span></span></p>
<div id="attachment_10499" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/06/piratenpartei.jpg"><img class="size-medium wp-image-10499" title="piratenpartei" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/06/piratenpartei-300x182.jpg" alt="piratenpartei" width="300" height="182" /></a><p class="wp-caption-text">Der Wahlerfolg, sagen manche, w&#228;re weit h&#246;her ausgefallen, h&#228;tte die Partei nicht diesen „bescheuerten“ Namen</p></div>
<p class="MsoNormal"><span><span>Nach ihrem ersten Auftauchen in Schweden wurden die Piraten schnell zu einer <em><a href="http://piraten-partei.de/navigation/partei/piratenparteien-weltweit">weltweiten Bewegung</a></em></span><span>, die sich generell f&#252;r b&#252;rgerliche Freiheitsrechte und gegen den Zugriff des &#220;berwachungsstaates engagiert. Damit stehen die Piraten durchaus in der Tradition der modernen sozialen Bewegungen seit den 1970er Jahren: der Umwelt-, der Frauen- und der Friedensbewegung. Es w&#228;re deshalb fatal, sie (aufgrund ihres abseitigen Namens) zu ignorieren. Die von den Piraten diskutierten Themenbereiche z&#228;hlen heute zu den <strong>Schl&#252;sselthemen der hoch entwickelten Gesellschaften.</strong></span><span><span> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Wer sind die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Rickard Falkvinge, der Gr&#252;nder der Bewegung, studierte Technische Physik, war eine Zeit lang IT-Unternehmer und Projektleiter bei Microsoft. Als Student engagierte er sich in der Jugendorganisation der „Moderata Samlingspartiet“. Das ist eine im Schwedischen Reichstag vertretene <em>b&#252;rgerlich-konservative Partei</em></span><span> (!) mit <em>neoliberalem</em></span><span> Wirtschaftsprogramm.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Falkvinges Werdegang ist typisch f&#252;r die Piraten. Unter den zehn <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,629533,00.html">Spitzenkandidaten</a> der deutschen Piratenpartei zur Europawahl finden sich: 1 Diplom-Wirtschaftsmathematiker, 1 Diplom-Physiker, 3 Informatiker, 1 Software-Entwickler, 1 Web-Entwickler, 1 Physik-Student, 1 Gesch&#228;ftsf&#252;hrer im Logistik-Gewerbe (Ex-Berufssoldat) sowie 1 IT-Consultant. Es sind ausschlie&#223;lich M&#228;nner im Alter zwischen 23 und 47 Jahren. Damit repr&#228;sentiert die deutsche Piratenpartei in besonderem Ma&#223;e die computerbegeisterte, aufstiegsorientierte, m&#228;nnliche (aber in den feminisierten sozialen Dienstleistungsgesellschaften unter Druck geratene) <strong>technische &amp; naturwissenschaftliche Intelligenz</strong></span><span>. Bei zahlreichen Kandidaten handelt es sich um Mitarbeiter kleinerer Universit&#228;ten (Eichst&#228;tt, M&#252;nster) oder um selbstst&#228;ndige kleine IT-Unternehmer. Vor ein paar Jahren h&#228;tte man diese Leute wohl zum „neuen Mittelstand“ gez&#228;hlt.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Wer w&#228;hlt die Piraten?</strong></span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Bei ihrer ersten Kandidatur zum Reichstag am 17. September 2006 erzielte die schwedische Piraten-Partei 0,63 Prozent der Stimmen (in absoluten Zahlen waren das 34.918 W&#228;hler). Am 27. Januar 2008 – dem ersten Auftreten bei einer Wahl in Deutschland &#8211; konnte die Hessische Piratenpartei mit 0,3 Prozent einen Achtungserfolg erringen. Einen Monat sp&#228;ter schafften die Hamburger Parteifreunde bei den Senatswahlen 0,2 Prozent. Im Januar 2009 konnte die Hessische Piratenpartei dann 0,5 Prozent erringen, das waren mehr als 13.000 W&#228;hler. Bei den <a href="http://www.bundeswahlleiter.de/de/europawahlen/EU_BUND_09/downloads/">Europawahlen</a> schlie&#223;lich w&#228;hlten bundesweit 229.117 Personen die Piratenpartei (= 0,9 Prozent). Auch die Gr&#252;nen, hei&#223;t es, haben klein angefangen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Ihr bestes Ergebnis erzielte die Piraten-Partei in Flensburg mit 2,1 Prozent. Vor allem in kleinen und mittleren <em><a href="http://www.wortfeld.de/2009/06/auf-piratensuche/">Universit&#228;tsst&#228;dten</a></em></span><span> konnte sie punkten: etwa in Jena, Oldenburg, Karlsruhe, Kiel, Aachen, Potsdam, Dresden, Leipzig, Mainz, Darmstadt, Erlangen oder Greifswald.</span><span> In Berlin, Hamburg und Bremen lag sie ebenfalls &#252;ber 1%. F&#252;r die Partei ist das nur logisch<span>: &#8220;Freiheitsliebende, technisch versierte junge Menschen, die gegen eine restriktive Symbolpolitik sind, f&#252;hlen sich durch uns vertreten.&#8221;</span></span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Das einzig wirklich sensationelle Ergebnis holten die Piraten in ihrem Ursprungsland Schweden. Dort erreichten sie satte 7,1 Prozent. Bei den 18- bis 30-J&#228;hrigen waren es sogar 19 Prozent. Und bei den Jungm&#228;nnern 30 Prozent! Auch in Deutschland wurde die Piratenpartei vor allem<strong> </strong></span><span>von <strong>18- bis 35-j&#228;hrigen, gut ausgebildeten st&#228;dtischen M&#228;nnern </strong></span><span>gew&#228;hlt. Erleben wir &#8211; nach den stark weiblich gepr&#228;gten Gr&#252;nen &#8211; das Entstehen einer „M&#228;nnerpartei“?</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span><strong>Was f&#252;r eine politische Gruppierung sind die Piraten?</strong></span></p>
<p><span>Der Wahlerfolg, sagen manche, w&#228;re weit h&#246;her ausgefallen, h&#228;tte die Partei nicht diesen „bescheuerten“ Namen. Denn es handelt sich bei den Piraten ja keineswegs um Freibeuter oder Chaoten, sondern um normale Vereinsmeier mit superordentlichen Bundesparteitagen. Zwar zogen sie mit einem leicht abgewandelten Piraten-Schlachtruf „Klarmachen zum &#196;ndern!“ (Entern!) in den Wahlkampf, aber gleichzeitig sagten sie: „Wir sind keine Piraten. Das Recht macht uns dazu.“ Sie tragen ihren Namen quasi aus Protest gegen eine veraltete Einsch&#228;tzung „ganz normaler“ Handlungsweisen.</span></p>
<p><span>Ein Piratenw&#228;hler gab bei einem <a href="http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Kritische-Anmerkungen-zur-Piratenpartei-eines-PP-Waehlers/forum-160218/msg-16853802/read/">Diskussionsforum</a> deshalb zu bedenken: „Mit ‚Partei Freiheit’ oder ‚Die Freiheitlichen’ (o.k., ist in &#214;sterreich negativ besetzt) oder so &#228;hnlich k&#246;nnte man das Gleiche aussagen und jedem w&#228;re sofort klar, dass man <a href="http://wirres.net/article/articleview/5208/1/6/">zwischen FDP und Gr&#252;nen</a> positioniert ist, und der Parteiname w&#228;re positiv besetzt. Auch w&#228;re   das Sch&#252;tzenswerte sofort klar, im Grundgesetz und in der Nationalhymne  geht es zentral um das Thema ‚Freiheit’, das inzwischen &#252;berall zu kurz kommt&#8230;“</span></p>
<p><span>Zwar ist das nur die Aussage eines einzelnen W&#228;hlers, aber einer der deutschen Kandidaten der Piratenpartei nannte sich stolz einen „Feuerwehrmann der b&#252;rgerlichen Freiheiten“. Diese grundanst&#228;ndige Verkn&#252;pfung von Feuerwehr &amp; B&#252;rgerlichkeit deckt sich nicht ganz mit dem romantischen Freibeuterimage (und &#252;brigens auch nicht mit der euphorischen <a href="http://www.spiegelfechter.com/wordpress/555/anker-hoch-und-leinen-los-%25E2%2580%2593-die-piraten-sind-da">Einsch&#228;tzung</a> Jens Bergers beim „Spiegelfechter“).<span> </span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Trotzdem w&#228;re es falsch, den <a href="http://www.focus.de/digital/internet/tid-14460/piratenpartei-viele-gruene-schuetzen-lieber-irgendeinen-hamster-teil-2_aid_405317.html">„Aufstand der technischen Intelligenz“</a> gegen G&#228;ngelung und Kontrolle nun als Unmut von „Anarcho-Spie&#223;b&#252;rgern“ abzutun. Es handelt sich um einen <strong>Teil der radikalisierten Mitte</strong></span><span>, f&#252;r den die alten Schubladen (vielleicht) nicht mehr passen. Aber <a href="http://netzpolitik.org/2009/sind-die-piraten-die-neuen-gruenen/">neue Gr&#252;ne</a> sind es nicht.</span></span></p>
<p class="MsoNormal"><span><span>Mit der Piratenpartei w&#252;rde sich <strong>eine dritte liberale Kraft – neben FDP und Gr&#252;nen</strong></span><span> &#8211; im deutschen Parteienspektrum etablieren. Ob es eine Partei f&#252;r die n&#228;chste Generation wird (oder eine breit aufgestellte <a href="http://www.ruhrbarone.de/ist-die-piratenpartei-die-spd-von-heute/">B&#252;rgerrechtsbewegung</a>) muss sich erst noch zeigen.</span></span></p>
<p><!--EndFragment-->
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