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	<title>CARTA &#187; Barack Obama</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 17:55:45 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Obama Unplugged? Ern&#252;chterung nach den Midterms</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 18:43:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die j&#252;ngsten Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten klar verloren. Dazu beigetragen hat auch das seit den Pr&#228;sidentenwahlen nur halbherzig fortgef&#252;hrte Social-Media-Engagement Barack Obamas. Was 2008 als Bewegung neuen Typs begann, vermochte seither die politischen Strukturen und Prozesse noch nicht nachhaltig beeinflussen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3bec924056d443d38a3311640562f67f" alt="" width="1" height="1" />Er schaut ein bisschen seltsam ins Leere, Barack Obama, auf einem Foto seiner <a href="http://www.barackobama.com/index.php?splash=false">Webseite</a>, das neben die Danksagung an Wahlhelfer und W&#228;hler der Wahlen des Jahres 2010 platziert wurde. Zwei Jahre fr&#252;her sah das noch ganz anders aus. Als Obama die Wahl ins Pr&#228;sidentenamt gewonnen hatte, glaubten nicht wenige, dieser Siegertyp w&#252;rde seinen Wahlspruch &#8220;Change, we can believe in&#8221; wahr machen und damit die Politik Amerikas ver&#228;ndern.</p>
<p><a href="http://www.barackobama.com/index.php?splash=false"><img class="aligncenter size-full wp-image-35635" title="obamathx" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/11/obamathx.jpg" alt="" width="600" height="211" /></a></p>
<p>Diese Hoffnungen waren nicht ganz unberechtigt, hatte er doch damals gerade einen Wahlkampf mit <a href="http://www.slideshare.net/alesko/analysis-of-barack-obama-election-campaign-by-draftfcbi">teilweise neuen Methoden</a> gef&#252;hrt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der konsequenten Mobilisierung von Anh&#228;ngern, Helfern und Geldspenden mittels Social Media. Nach der Wahl dachten dann auch viele <a href="http://www.nytimes.com/2008/11/09/technology/09iht-carr.1.17652000.html">Beobachter</a>, Obama w&#252;rde diese Infrastruktur bzw. das dicht gekn&#252;pfte Netz an Sympathisanten und Aktivisten weiter nutzen und f&#252;r k&#252;nftige politische Projekte einsetzen:</p>
<blockquote><p>&#8220;As a result, when he arrives at the White House, Obama will have not just a political base, but a database, millions of names of supporters who can be engaged almost instantly. And there&#8217;s every reason to believe that he will use the network not just to campaign, but to govern. His e-mail to supporters on Tuesday night included the line, &#8220;We have a lot of work to do to get our country back on track, and I&#8217;ll be in touch soon about what comes next.&#8221;</p></blockquote>
<p>Doch dazu kam es kaum. Obama ging zun&#228;chst v&#246;llig in den Strukturen des Washingtoner Politik-Betriebes auf und erinnerte sich erst anl&#228;sslich seiner schleppend verlaufenden Gesundheitsreform wieder der Anh&#228;nger und Fans aus dem Wahlkampf. Deren erneute Mobilisierung gelang aber nur teilweise, nicht zuletzt weil eine komplexe und langwierige Gesundheitsreform, anders als ein typischer Wahlkampf, nicht auf ein festes Datum zusteuert.</p>
<blockquote><p>&#8220;I have never used Twitter&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>F&#252;r Ern&#252;chterung sorgte schlie&#223;lich 2009 die ehrlich gemeinte <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/obama_i_have_never_used_twitter.php">Aussage</a> Obamas, er selbst w&#252;rde Twitter &#252;berhaupt nicht nutzen. Der <a href="http://twitter.com/#!/BARACKOBAMA">Twitter-Kanal</a> unter seinem Namen wurde damit als reines Marketing-Instrument enttarnt. Was f&#252;r Obama nur ein kleines Eingest&#228;ndnis war, das ihn menschlich und damit sympathisch wirken lassen sollte, ging als Schuss nach hinten los. Denn die User fanden es gar nicht lustig, dass der vermeintliche Dialog auf Twitter in Wahrheit gar keiner war.</p>
<p>Auch wenn v&#246;llig klar ist, dass der amerikanische Pr&#228;sident niemals allen seinen &#252;ber 5 Millionen Followern auf Twitter zuh&#246;ren und mit ihnen echte Dialoge f&#252;hren kann, etwas mehr Sensibilit&#228;t und Verst&#228;ndnis f&#252;r das Medium h&#228;tte er schon zeigen k&#246;nnen.</p>
<p>Dass es auch anders geht, beweist etwa der Apple-Gr&#252;nder Steve Jobs, der von Zeit zu Zeit an ihn gerichtete E-Mails pers&#246;nlich beantwortet. M&#246;gen seine Antworten auch noch so knapp und kryptisch ausfallen, f&#252;r einen Apple-Fan ist selbst ein &#8220;maybe&#8221; oder auch ein klares &#8220;no&#8221; dennoch wie ein Ritterschlag, der stolz herumerz&#228;hlt wird und nicht selten den Weg in Tech-Blogs findet.</p>
<p>In dieser Hinsicht muss Obama bis zu seiner m&#246;glichen Wiederwahl also erst wieder neu Vertrauen schaffen und seinen Fans beweisen, dass f&#252;r ihn Social Media mehr ist, als nur ein cooles Wahlkampf-Tool, das man nach Belieben aktivieren oder auch weglegen kann.</p>
<p>Was den Einsatz von Social Media w&#228;hrend der normalen Legislaturperioden betrifft, ist inzwischen deutlich geworden, dass hier die Dinge nicht so einfach liegen. Einerseits sind die Themenstellungen heutiger Politik komplex, andererseits auch die konkreten Verfahren einer Gesetzgebung. Mit einer Seite auf Facebook oder einem YouTube-Kanal ist es da nicht getan, will man die B&#252;rger mehr als nur meinungspolitisch involvieren.</p>
<p>An diesem Punkt aber hat die Obama-Administration bislang wenig Innovations-Geschick gezeigt. Zwar werden Blogs eingesetzt und die &#8220;Weekly Adress&#8221; des Pr&#228;sidenten kommt im Format moderner Webvideos daher, am Ende aber werden damit &#252;berwiegend nur lange und trockene Texte online gestellt. Versuche, Daten besser zu visualisieren oder verst&#228;ndlicher zu machen, sind kaum darunter.</p>
<p>Auch der Online-Dialog mit den B&#252;rgern hat noch nicht die richtigen Formen gefunden, weil entweder Kommentarfunktionen deaktiviert sind, oder aber echte Diskussionen in der Flut an Meldungen (wie etwa auf der <a href="http://www.facebook.com/barackobama">Facebook-Seite</a> von Obama zu beobachten) gar keine Chance haben.</p>
<blockquote><p>&#8220;&#8230;but I&#8217;m an advocate of technology and not restricting internet access.&#8221;</p></blockquote>
<p>Vor Obama liegen damit noch betr&#228;chtliche Herausforderungen, will er tats&#228;chlich einen Wandel in der politischen Kultur einleiten und eine zweite Amtszeit gewinnen. Denn es kann durchaus als fraglich angesehen werden, ob sich der Online-Wahlkampf aus dem Jahr 2008 in &#228;hnlich erfolgreicher Form wird wiederholen lassen. Den Anh&#228;ngern von damals mag das Gef&#252;hl nachh&#228;ngen, weniger Mitglied einer neuartigen Bewegung gewesen zu sein, als vielmehr nur <strong>Teil einer gigantischen Marketing-Maschinerie</strong>, die zwar den Wahlkampf unterst&#252;tzt, den laufenden Politik-Betrieb aber kaum beeinflusst oder ver&#228;ndert hat.</p>
<p>Eine solche Desillusionierung k&#246;nnte den Republikanern nutzen, deren Kampagne im Jahr 2008 noch weitgehend frei blieb von gr&#246;&#223;eren Social Media-Aktivit&#228;ten. 2012 k&#246;nnen sie deshalb gefahrlos Teile der Methodik Obamas &#252;bernehmen, frei vom Anspruch der Change-Metapher und unbeschwert von nicht eingel&#246;sten Versprechungen.</p>
<p>Barack Obama sollte deshalb auf der Hut sein. Zudem w&#228;re es an der Zeit, den BlackBerry zu erneuern und dar&#252;ber den einen oder anderen Tweet pers&#246;nlich zu posten. Denn der &#8220;Change&#8221;, an den zu glauben sich lohnt, beginnt bekanntlich mit der Achtsamkeit bei scheinbaren Kleinigkeiten.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35615&amp;md5=5a11a99b6864463311a95b2f1f9a9606" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Loch ist im Golf</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 08:29:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angeregt vom Welterfolg des WM-Hits „Schland O Schland“ haben wir einen echten BOhrwurm f&#252;r BP geschrieben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f29d9cc6cef74484881922317329f557" alt="" width="1" height="1" />Gesungen wird der Text &#8211; es handelt sich um einen Dialog zwischen dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tony_Hayward">BP</a>- und dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Barack_Obama">US</a>-Pr&#228;sidenten &#8211; nach der bekannten <a href="http://www.youtube.com/watch?v=O8eXAjePtjg">Melodie</a> von „Ein Loch ist im Eimer“ (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=MAfCQ-t7xY0">There’s A Hole In My Bucket</a>):</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Ein Loch ist im Go-olf, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Ein Loch ist im Go-olf, O-bama &#8211; Ein Loch!</em></p>
<p><em>Verstopf&#8217; es, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Verstopf&#8217; es, oh Tony, oh Tony &#8211; mach&#8217;s dicht!</em></p>
<p><em>Womit denn, O-bama, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Womit denn, O-bama, O-bama, womit?</em><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Mit Zeme-ent, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Mit Zeme-ent, oh Tony, oh Tony &#8211; mit Zement</em></p>
<p><em>Der stopft nicht, O-bama, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Der stopft nicht, O-bama, O-bama &#8211; er flie&#223;t</em><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Nimm ne Glocke, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Nimm ne Glocke, oh Tony &#8211; und st&#252;lp’ sie da drauf!</em></p>
<p><em>Womit denn, O-bama, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Womit denn, O-bama, O-bama, womit?</em></p>
<p><em>Mit Dru-uck, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Mit Dru-uck, oh Tony, oh Tony, mit Druck</em></p>
<p><em>Das &#214;l ist zu sta-arck, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Das &#214;l ist zu sta-arck, O-bama &#8211; zu stark</em></p>
<p><em>Dann <a href="http://www.youtube.com/watch?v=2AAa0gd7ClM&amp;feature=player_embedded">kill</a> es, oh Tony, oh Tony, you bastard!</em><br />
<em>Dann kill es, oh Tony, oh Tony &#8211; hau’s wech!</em></p>
<p><em>Womit denn, O-bama, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Womit denn, O-bama, O-bama, womit?</em></p>
<p><em>Mit &#8216;ner <a href="http://www.fnp.de/fnp/welt/vermischtes/bp-erhielt-80-000-tipps_rmn01.c.7825810.de.html">Bombe</a>, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Mit &#8216;ner Bombe, oh Tony, mach&#8217;s wie die Sowjets</em></p>
<p><em>Dann brennt doch der Go-olf, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Dann brennt doch der Go-olf, O-bama &#8211; er brennt</em></p>
<p><em>Hol’ Wasser zum L&#246;schen, oh Tony, oh Tony, oh Tony</em><br />
<em>Hol’ Wasser zum L&#246;schen, oh Tony – hol’ Wasser!</em></p>
<p><em>Woher denn, O-bama, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Woher denn, O-bama, O-bama, woher?</em></p>
<p><em>Aus’m Go-olf, du Tory, du Tory, du Tory</em><br />
<em>Aus’m Go-olf, du Tory, du Tory &#8211; aus’m Golf!</em></p>
<p><em>Da ist doch nur &#214;-&#246;l, O-bama, O-bama</em><br />
<em>Da ist doch nur &#214;-&#246;l, O-bama &#8211; im Golf&#8230;</em></p>
<p><em><span style="color: #ffffff">.</span></em></p>
<p>Dieses Lied ist eine Gemeinschaftsproduktion mit dem Autorenmagazin <a href="http://www.magda.de/76/back/26/artikel/ein-loch-ist-im-golf/">Magda</a>.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=29153&amp;md5=2260fbc8b6deb0a9dec3b5b4b0dcaac6" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Betsy Myers: &#8220;Kommandieren und kontrollieren reicht nicht mehr.&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/23113/betsy-myers-interview-obama-kampagne/</link>
		<comments>http://carta.info/23113/betsy-myers-interview-obama-kampagne/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 18 Feb 2010 11:48:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sebastian Lange</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Betsy Myers]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Betsy Myers war Finanzchefin Barack Obamas im Wahlkampf. Im Interview spricht sie &#252;ber die unternehmerisch gef&#252;hrte Kampagne, Lobbyismus im Wahlkampf und Obamas F&#252;hrungsstil.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/353372de18db48af81729ba873fa12be" alt="" width="1" height="1" /><em>von Sebastian Lange und Johannes Altmeyer.</em></p>
<p><strong>Frau Myers, Sie haben sich bei Barack Obamas Wahlkampagne um die Finanzen gek&#252;mmert. Die Medien gaben Ihnen den Spitznamen „100-Millionen-Dollar-Frau“. Was mussten sie daf&#252;r tun?</strong></p>
<p>Der Name hat einen einfachen Hintergrund: Als „Chief Operating Officer“ (COO) habe ich mich um das operative Gesch&#228;ft und das Budget von „Obama for America“ gek&#252;mmert. Im Jahr 2007 haben wir insgesamt 103 Millionen US-Dollar eingenommen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Was sagt diese Zahl &#252;ber den US-amerikanischen Wahlkampf aus?</strong></p>
<p>Vor allem, dass er sehr teuer geworden ist. Verglichen mit der Wahlkampagne von Bill Clinton im Jahr 1991 mussten wir bereits ein Jahr fr&#252;her anfangen. Das liegt daran, dass die Vorwahlen sehr fr&#252;h begannen. Clintons Kampagne verf&#252;gte 1991 nur &#252;ber drei Millionen US-Dollar.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wie hat die Obama-Kampagne das Geld eingesetzt?</strong></p>
<p>Wir haben uns zun&#228;chst auf vier Staaten konzentriert: Iowa, New Hampshire, South Carolina und Nevada. Dort fanden 2008 die ersten Vorwahlen der Demokraten statt. Wir mussten uns dabei auf Iowa und New Hampshire konzentrieren. W&#228;ren wir dort auf einem der hinteren Pl&#228;tze gelandet, w&#228;re das Rennen bereits vorbei gewesen. Gl&#252;cklicherweise gewannen wir Iowa. F&#252;r uns war das ein „Game Changer“, eine zukunftsweisende Wahl.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wieviel Geld konnte die Kampagne insgesamt sammeln?</strong></p>
<p>Insgesamt rund 750 Millionen US-Dollar. Das ist eine einmalig hohe Summe. Sie verdeutlicht, in welche Richtung sich US-amerikanische Wahlk&#228;mpfe entwickeln werden. Wir sind jedoch stolz darauf, dass unsere Kampagne allein von B&#252;rgern und ihren meist kleinen Spenden finanziert wurde. Von Unternehmen und Lobbyisten haben wir keine Spenden angenommen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wodurch unterschied sich die Kampagne von denen Ihrer Gegner? </strong></p>
<p>Eines unserer Erfolgsgeheimnisse war das Ziel, die Kampagne wie ein Unternehmen zu f&#252;hren. Wir wussten zu Beginn nicht, dass wir 100 Millionen US-Dollar einnehmen w&#252;rden. Wir konnten zwar anhand der Quartalszahlen sehen, dass wir auf einem guten Weg waren; gleichzeitig bestand immer die M&#246;glichkeit, dass die Kampagne nach den ersten Vorwahlen vorbei sein w&#252;rde.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Was bedeutete das Ziel, die Kampagne wie ein Unternehmen zu f&#252;hren, f&#252;r Sie?</strong></p>
<p>Als COO stellte ich Mitarbeiter ein, die in der Wirtschaft arbeiteten und nicht in der Politik. Es sollten vor allem keine B&#252;rokraten sein. Denn f&#252;r Obama war es genauso wichtig, dass die Kampagne flexibel und effektiv blieb.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Durch was zeichnete sich die Kampagne noch aus?</strong></p>
<p>F&#252;r Obama war es wichtig, eine Kampagne zu betreiben, die auf Respekt aufbaut. F&#252;r ihn bedeutete das vor allem Respekt untereinander. F&#252;r mich bedeutete das: Kundenzufriedenheit. Der Umgang mit unseren Kunden, also den potenziellen W&#228;hlern, stand f&#252;r mich von Beginn an ganz oben. Dazu geh&#246;rten der Umgang mit B&#252;rgern, die in unsere Wahlb&#252;ros kamen, um sich zu informieren, sowie die Art, Telefonanrufe zu beantworten. Aber auch die Kommunikation unserer Zentrale mit den B&#252;ros in den einzelnen Bundesstaaten waren wichtig. Wir f&#252;hrten regelm&#228;&#223;ige Telefonkonferenzen ein, an denen sowohl Mitarbeiter aus der Zentrale als auch den einzelnen B&#252;ros teilnahmen. Alle Probleme kamen dort auf den Tisch.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama entschied sich f&#252;r seine Heimatstadt Chicago als Wahlkampfzentrale. Er sagte, dass das ein Schritt gegen die Lobbyisten in Washington sei.</strong></p>
<p>Und er hatte Recht damit. Schauen Sie sich die Kampagne von Al Gore im Jahr 1999 an. Er fing in Washington an, wechselte dann aber in seine Heimat Tennessee. Obama konnte so nicht nur Chicago unterst&#252;tzen, sondern auch der t&#228;glichen Ger&#252;chtek&#252;che in Washington entgehen.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Und Sie sind auch nach Chicago gezogen?</strong></p>
<p>Ja, 2007 bin ich nach Chicago gezogen. Im Laufe des Jahres teilte sich meine Rolle aber auf. Im Sommer wurde ich neben meiner Rolle als COO auch Vorsitzende der Frauengruppe in der Kampagne und am Ende des Jahres begann ich damit, durch die USA zu reisen. Mit den B&#252;ros in den einzelnen Staaten erarbeitete ich Strategien f&#252;r den Wahlkampf; dabei ging es vor allem um unentschlossene W&#228;hlerinnen. Als diese Aufgabe am Ende immer mehr meiner Zeit beanspruchte, &#252;bergab ich meine Aufgaben als COO an meinen Stellvertreter. Erst ganz am Ende der Kampagne gab ich den Titel COO offiziell ab.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wie oft haben Sie Ihre Familie w&#228;hrend der Kampagne gesehen?</strong></p>
<p>Das war der h&#228;rteste Teil f&#252;r mich. Am Anfang der Kampagne pendelte ich. Unter der Woche arbeitete ich in Chicago, freitags flog ich zu meiner Familie nach Boston. Im Sommer 2007 zogen mein Mann und meine Tochter zwar mit nach Chicago, jedoch musste ich zu diesem Zeitpunkt sehr viel reisen und war wieder von ihnen getrennt. Politische Kampagnen sind f&#252;r Familien eine schwierige Angelegenheit. Nur wenige Personen aus dem engsten Kreis unserer Kampagne hatten Kinder.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Das hei&#223;t, nach Obamas Wahlsieg sind Sie aus R&#252;cksicht auf Ihre Familie nicht mit ins Wei&#223;e Haus gegangen? </strong></p>
<p>Nach zwei Jahren war mir klar, dass ich meiner Familie nicht mehr zumuten konnte. Ich arbeite gerne in der Politik – will aber immer auch die Freiheit haben, aussteigen zu k&#246;nnen.<strong> </strong></p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama ist nun seit knapp &#252;ber einem Jahr Pr&#228;sident. Ge&#228;ndert hat sich vor allem der F&#252;hrungsstil im Wei&#223;en Haus: Der Pr&#228;sident bem&#252;ht sich, zuzuh&#246;ren und zu lernen. Ist das eine neue Art Politik, zu machen?</strong></p>
<p>Dieser neue Stil zeigt sich nicht nur in Washington D.C., sondern auf der ganzen Welt. Die Zeiten haben sich ver&#228;ndert: Nur noch kommandieren und kontrollieren reicht mittlerweile nicht mehr. Es kommt darauf an, zuzuh&#246;ren, authentisch zu sein und sich den Urteilen anderer zu befassen. All diese Eigenschaften werden zurzeit als Politikstil einer neuen &#196;ra bezeichnet. Interessanterweise sind all das Eigenschaften, die wir eher Frauen zuordnen. In der Politik – aber auch in der Wirtschaft.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Trotzdem ist der F&#252;hrungsstil des Pr&#228;sidenten umstritten. Er sei zu z&#246;gerlich, sagen seine Kritiker.</strong></p>
<p>Wenn die &#214;ffentlichkeit oder die Medien seinen F&#252;hrungsstil bem&#228;ngeln, vergessen sie, dass es unm&#246;glich ist, einen US-Pr&#228;sidenten im Wei&#223;en Haus zu haben, der zuh&#246;rt und abw&#228;gt, gleichzeitig aber leidenschaftlich ist und nach vorne st&#252;rmt. Obama &#252;bernahm die Gesch&#228;fte von einer Regierung, die das Land in einem desastr&#246;sen Zustand hinterlassen hat. Viele Probleme, beispielsweise die Wirtschaftskrise, die beiden Kriege in Afghanistan und im Irak sowie die Gesundheitsrefom, ging er direkt an – und wurde daf&#252;r kritisiert. In den USA kommt es oft vor, dass ein Pr&#228;sident im ersten Amtsjahr einige Niederlagen einstecken muss. Das war bei Bill Clinton nicht anders.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Wodurch unterscheidet sich Obama von seinem Vorg&#228;nger Clinton?</strong></p>
<p>Bill Clinton ist ein gro&#223;er Charismatiker und einer der besten Menschenfischer weltweit. Er mag die Menschen und baut schnell eine Verbindung zu ihnen auf. Das lieben die Amerikaner an ihm, und deshalb konnte er auch die Monica-Lewinsky-Aff&#228;re &#252;berstehen. Die Menschen haben gef&#252;hlt, dass er ein guter Mensch war, der seine Aufgabe mit viel Leidenschaft aus&#252;bte. W&#228;hrend meiner Zeit im Wei&#223;en Haus scherzten die Mitarbeiter, dass Clinton den Zaun, hinter dem die Menschen bei Auftritten warteten, zweimal abschritt, weil er den Kontakt so gerne hatte.</p>
<p style="margin-top: 2em;"><strong>Obama wirkt bei seinen Auftritten zur&#252;ckhaltender.</strong></p>
<p>Das entspricht seinem Naturell. Aber Obama ist nicht scheu, auch er geht gerne auf Menschen zu. Nur mit dieser Einstellung ist es &#252;berhaupt m&#246;glich, US-Pr&#228;sident zu werden.</p>
<p><em>Dieses Interview erschien zuerst in <a href="http://www.politik-kommunikation.de/interview/betsy-myers">politik &amp; kommunikation</a>. </em>
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		<title>Mehr Mut zum Dialog</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Nov 2009 13:33:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch deutsche Politiker setzen in Sachen Onlinewahlkampf verst&#228;rkt auf Twitter, doch den meisten mangelt es an einer konkreten Kommunikationsstrategie. Zuh&#246;ren und Dialog sind gerade hier gefragt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/9aea4c0c397c4162b2be6c49e60814b1" width="1" height="1" alt=""/>Mit einer <strong>Ein-Wort-Mitteilung</strong> kommentierte US-Pr&#228;sident Barack Obama am 9. Oktober seine Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis: „Humbled“ (dem&#252;tig), so lautete der <a href="http://twitter.com/barackobama/status/4736968403">Tweet</a>, der um 11:31 Washingtoner Zeit &#252;ber Twitter in die Welt gesendet wurde. In ihm ist die Twitterstrategie Obamas kondensiert, die ihm auch im Pr&#228;sidentschaftswahlkampf 2008 zum Erfolg verholfen hat. (1) Obama twittert mit klaren kurzen Aussagen, (2) er &#252;berschwemmt seine knapp 2.4 Millionen Follower nicht mit sinnlosen Nachrichten und (3) er verweist fast immer auf weitergehende Hintergrund- oder Mobilisierungsinformationen, die &#252;ber andere Webkan&#228;le (Youtube, Whitehouse Website, Facebook etc.) zur Verf&#252;gung stehen. Unter anderem durch diese Nutzung von Twitter ist es dem Obama- Kampagnenmanagement gelungen, den ersten echten Web-Wahlkampf zu f&#252;hren, insbesondere die j&#252;ngere Generation der W&#228;hlerinnen und W&#228;hler wieder f&#252;r Politik zu interessieren und dabei mit etwa zwei Millionen US-Dollar Spendeneink&#252;nften pro Tag zum erfolgreichsten Fundraiser der US-Wahlkampfgeschichte zu werden.</p>
<div id="attachment_17939" class="wp-caption alignright" style="width: 323px"><a href="http://twitter.com/barackobama/status/4736968403"><img class="size-full wp-image-17939   " title="Humbled." src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/11/humbled.png" alt="Humled." width="313" height="118" /></a><p class="wp-caption-text">Klare kurze Ansage. (Screenshot: twitter)</p></div>
<p>Obamas Webkommunikationsstrategie gilt seitdem als Benchmark, an der sich auch viele Politiker und Parteien in Europa orientieren wollen. Im Zentrum der <strong>politischen Kommunikationsrevolution </strong>steht derzeit Twitter, der Microbloggingdienst, &#252;ber den Kurznachrichten von maximal 140 Zeichen in die Welt gesendet werden k&#246;nnen. Mit einem Zuwachs von knapp 1.400 Prozent von Anfang 2008 bis Anfang 2009 hat <a href="http://blog.nielsen.com/nielsenwire/online_mobile/twitters-tweet-smell-of-success/">Nielsen Research</a> Twitter zur am schnellsten wachsenden Web 2.0-Plattform ausgerufen.</p>
<p>Erfolg und Reichweite, diese beiden Kriterien haben auch die deutschen Politiker veranlasst, im zur&#252;ckliegenden Bundestagswahlkampf das Experiment Twitter zu wagen. Das Potenzial von Twitter wurde von vielen deutschen Politikern allerdings erst auf den letzten Metern entdeckt. Mehr als Dreiviertel aller identifizierten politischen Accounts wurden erst im Jahr 2009 er&#246;ffnet, der letzte im Endspurt des Wahlkampfes knapp zwei Wochen vor der Abstimmung. Barack Obama hingegen startete seine Onlinekampagne auf Twitter bereits im April 2007 und somit mehr als 18 Monate vor der Wahl. Gerade Onlinemedien leben vom <strong>Vertrauen</strong> der Nutzer in die Botschaften des Absenders und dieses Vertrauen l&#228;sst sich nicht &#252;ber Nacht schaffen, sondern muss langfristig aufgebaut werden.</p>
<p>Das ist nicht der einzige Grund daf&#252;r, dass es den deutschen Politikern schwergefallen ist, die W&#228;hler &#252;ber das Netz zu mobilisieren. Erste Ergebnisse einer Analyse von 577 politischen Twitteraccounts im Zeitraum der deutschen Bundestagswahl durchgef&#252;hrt vom Institut f&#252;r Medien- und Kommunikationsmanagement der Universit&#228;t St. Gallen verdeutlichen, dass der Wahlkampf &#252;ber soziale Medien aus der Experimentierphase noch nicht heraus ist. Die wenigsten Politiker hatten eine konkrete <strong>Informations- oder Mobilisierungsstrategie</strong> und es fehlte oft an spannenden Inhalten sowie an M&#246;glichkeiten der <strong>dialogischen Kommunikation</strong>.</p>
<ol>
<li><em>Kein klares Kommunikationsziel</em>: Die Mehrzahl der Politiker ist auf Twitter weder regelm&#228;&#223;ig aktiv, noch werden deren Inhalte abonniert. Hier wird deutlich, dass sich Konventionen in der politischen Kommunikation &#252;ber Twitter noch nicht etabliert haben und den Politikern die Kommunikationsideen fehlen. Die Inhalte der Tweets schwanken zwischen Werbung f&#252;r die eigene Webseite, Hinweisen auf aktuelle Veranstaltungen, beinhalten aber auch Verweise auf das Wetter und andere Banalit&#228;ten. So sind die Politiker dann auch eher untereinander im eigenen Lager vernetzt anstatt Anh&#228;nger in anderen politischen Lagern zu finden oder mit ihren W&#228;hlern zu kommunizieren. Ohne Botschaft und Kommunikationsziel f&#252;hren die Parteien auf Twitter also vornehmlich Selbstgespr&#228;che.</li>
<li><em>Quantit&#228;t ist nicht Qualit&#228;t</em>: Von den flei&#223;igsten Politik-Twitterern geh&#246;rt niemand zu den popul&#228;rsten gemessen an der Zahl der Follower. Trotz Flei&#223; also kein Preis. Lediglich die neugegr&#252;ndete Piratenpartei trifft auf erhebliche digitale Akzeptanz. Der Account der Partei hat fast 20.000 Follower, der des Spitzenkandidaten immerhin noch &#252;ber 11.000. Bei den etablierten Parteien k&#246;nnen nur die Gr&#252;nen ansatzweise mithalten. Das mag in Deutschland derzeit zur Spitze reichen, ist jedoch &#228;u&#223;erst wenig im Vergleich zu den zweieinhalb Millionen Followern Barack Obamas oder den 150.000 Followern Sarah Palins.</li>
<li><em>F&#228;lschungen begeistern Follower</em>: Unter den Top 10 der Accounts mit den meisten Followern sind mehrere F&#228;lschungen zu finden. Unter dem Namen der deutschen Kanzlerin wird gleich mehrfach falsch getwittert. Sowohl der Account „<a href="http://twitter.com/Merkel_CDU">Merkel_CDU</a>“ als auch „<a href="http://twitter.com/Angie_Merkel">Angie_Merkel</a>“ werden nicht aus dem Bundeskanzleramt, sondern von Privatpersonen betrieben, die Spekulationen &#252;ber das Privatleben von FDP-Chef Westerwelle und anderen Unsinn in die Welt schicken. Beide Accounts z&#228;hlen mit etwa 5.000 Followern zur Top-Ten-Liste der erfolgreichsten „Politiker“-Tweets. Auch SPD-Chef <a href="http://twitter.com/muentefering">Franz M&#252;ntefering</a> und SPD-Kanzlerkandidat <a href="http://twitter.com/F_W_Steinmeier">Frank Walter Steinmeier</a> sind bei Twitter aktiv und geh&#246;ren mit jeweils um die 5.000 Followern zu den Top Ten, unabh&#228;ngig von der Tatsache, dass es sich um gef&#228;lschte Twitteridentit&#228;ten handelt.</li>
</ol>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Wenn ein Gro&#223;teil der deutsche Spitzenpolitik Twitter ignoriert, wird das von Dritten eben zur Profilierung oder f&#252;r zweifelhafte Sp&#228;&#223;e genutzt. Es gibt aber auch das Gegenbeispiel: Hier nutzen Parteien bewusst falsche Accounts, um die politische Gegnerschaft blo&#223;zustellen. Die CDU in Nordrhein Westfalen lies beispielsweise die SPD-Politikerin Hannelore Kraft unter dem Namen „<a href="http://twitter.com/Kraftilanti">Kraftilanti</a>“ mit falscher Stimme zwitschern. Insgesamt handelt es sich bei zwanzig Prozent der Accounts um F&#228;lschungen. Ein F&#252;nftel der Polittweets hat also mit Politik rein gar nichts zu tun. Hier zeigt sich ein Bedarf f&#252;r verifizierbare Accounts f&#252;r politische Pers&#246;nlichkeiten, wie Twitter dies in den USA bereits erprobt.</p>
<p>Als <strong>Lektion</strong> aus dem deutschen Bundestagswahlkampf lassen sich drei Schl&#252;sse ziehen:</p>
<ol>
<li>Politiker sollten sich ihre <em>Accounts sichern und die Kommunikationsform des Microblogging erproben</em>, bevor der n&#228;chste Wahltermin ansteht, um Erfahrungen zu sammeln und eine kontinuierliche Kommunikationsstrategie zu erarbeiten. In der Regel sind Follower auf Twitter sehr treu, dennoch verloren einige twitternde deutsche Politiker in den letzten zwei Wochen vor der Wahl bis zu einem Drittel ihrer Anh&#228;ngerschaft. Im gleichen Zeitraum konnten die erfolgreichsten Werber ihre Followeranzahl gerade einmal um zehn Prozent steigern. Wenn deutsche Politiker die Massen auf Twitter mobilisiert haben, dann so dass sie ihnen teilweise in Scharen davonliefen.</li>
<li>Es geht nicht darum, die W&#228;hler mit Botschaften zu bombardieren, sondern <em>gezielte Informationen mit Vertiefungshinweisen</em> oder Mobilisierungscharakter zu senden, die einen Nutzwert f&#252;r die B&#252;rger haben. Barack Obama hat z. B. gerade einmal 374 Tweets in zweieinhalb Jahren ver&#246;ffentlicht, dabei aber immer wieder konkrete Apelle an seine Anh&#228;nger gerichtet. Aus den Fehlern seiner Anfangszeit, als auch er &#252;ber Belangloses twitterte, hat er schnell gelernt.</li>
<li><em>Auch Twitter ist keine Einbahnstra&#223;e</em>. Wer bei Twitter erfolgreich und akzeptiert sein will, muss  die Kommunikations- und Beziehungsw&#252;nsche der Nutzer erwidern. Das Beispiel Obama zeigt, dass er neben Millionen Lesern auch selber knapp 750.000 anderen Twitterern folgt. Hierbei geht es nicht um eine aktive Kommunikation mit jedem einzelnen, sondern das Gef&#252;hl der Reziprozit&#228;t als Basis f&#252;r den Dialog. Gezielte pers&#246;nliche Ansprache, gepaart mit konkreten Aufrufen, ist erfolgversprechender als auf das Fernsehprogramm von gestern oder das Wetter von morgen hinzuweisen.</li>
</ol>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p>Das Erfolgrezept f&#252;r Twitter liegt in der richtigen Mischung zwischen drei wesentlichen <strong>Kommunikationstypologien</strong>, die die Analyse der Bundestagswahltweets erbracht hat: Es reicht nicht, „Statusstar“ zu sein, also kaum jemandem zu folgen, aber eine gro&#223;e Zahl von Followern an sich zu binden. Es gen&#252;gt auch nicht, „Broadcaster“ zu sein, indem jeden Tag unz&#228;hlige Botschaften ins Web gesendet werden. Man muss auch „Informationseeker“ sein, also ins Netz hineinh&#246;ren und Freunde auf Twitter sammeln. Das wechselseitige <strong>Zuh&#246;ren</strong> ist ein wesentliches Erfolgskriterium auch bei Twitter. Insofern unterscheidet sich die digitale Welt nicht sehr von der analogen.</p>
<p><em>Dieser Artikel erscheint als <a href="http://www.miriammeckel.de/2009/11/10/mehr-mut-zum-dialog">Crossposting</a> mit freundlicher Genehmigung.</em>
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		<title>Bundestagswahl: Das Schweigen der L&#228;mmer</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 15:01:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marek Dutschke</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei Obamas Health-Care-Rede war jede Minute emotional aufgeladen, hierzulande ist der Wahlkampf das genaue Gegenteil. Doch ohne Begeisterung und Emotionalit&#228;t wird kaum einer an die Wahlurne gelockt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d1497747a4999fa7985aad7c852d49" alt="" width="1" height="1" />Wer die Rede von Barack Obama zur Gesundheitsreform vor dem Kongress <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SSJugLUsM58&amp;hl=de">auf YouTube</a> angeschaut hat, muss G&#228;nsehaut bekommen haben. Da war ein begnadeter Rhetoriker auf der H&#246;he seines K&#246;nnens zu sehen, der sich mit gro&#223;er &#220;berzeugungskraft fast eine Stunde lang ausschlie&#223;lich einem Thema widmete. Jede Minute war emotional aufgeladen und jeder Satz genau abgewogen, um den richtigen Ton zu treffen.</p>
<p>Trotz Mehrheiten in beiden Kammern f&#252;r seine Partei muss Obama f&#252;r seine Reformvorhaben k&#228;mpfen. Seine politischen Gegner bek&#228;mpfen ihn mit allen Mitteln. Sie l&#252;gen, sie sch&#252;ren &#196;ngste und mobilisieren ihre Anh&#228;nger auf der Stra&#223;e, um Druck auszu&#252;ben. Sie behaupten, dass die Steuerzahler f&#252;r die medizinische Versorgung illegaler Mexikanern die Zeche zahlen m&#252;ssten. Sie behaupten, dass eine staatliche Gesundheitsoption es erm&#246;gliche, dass Abtreibungen von den Krankenkassen bezahlt werden. Gesetzespassagen &#252;ber Patientenverf&#252;gungen werden in die N&#228;he des Faschismus ger&#252;ckt. Denn sie behaupten, dass zuk&#252;nftig B&#252;rokraten wie bei den Nazis Euthanasie an Alten und Kranken beschlie&#223;en k&#246;nnten. Bilder von schreienden und verst&#246;rten Menschen, teilweise bewaffnet bei den <em>Townhall Meetings</em> waren oft zu sehen.</p>
<p>In der Bev&#246;lkerung sinken die positiven Umfragewerte f&#252;r Obamas Politik. Er muss die &#196;ngste entkr&#228;ften und Hoffnung ausstrahlen. Die Rede vor dem Kongress ist ein Instrument, dies umzusetzen. Und in der Tat ist er in der Lage, die Rede her&#252;berzubringen. Er verdeutlicht, dass es ihm um die 30 Millionen US-Amerikaner gehe, die nur eine rudiment&#228;re oder gar keine Gesundheitsversicherung haben. Diese Menschen sollen im Krankheitsfall nicht in den Ruin getrieben werden. Obama beabsichtigt, dass jeder B&#252;rger eine bezahlbare und umfangreiche Gesundheitsversicherung bekommen m&#252;sse. Sorgf&#228;ltig ist die Rede mit traurigen Einzelschicksalen illustriert. Dar&#252;ber hinaus gibt es sogar Lob f&#252;r den politischen Gegner, etwa John McCain. Er bietet den Republikanern Gespr&#228;chsbereitschaft an, um einen m&#246;glichen Kompromiss zu finden. Zu guter letzt beruft er sich auf den verstorbenen Senator Edward Kennedy, dessen Witwe und Kinder unter den Zuschauern sind. Obama zitiert aus einem Brief, den er von Kennedy nach dessen Tod erhalten hat. Sp&#228;testens an dieser Stelle war ich selbst den Tr&#228;nen nah.</p>
<p><strong>Wenden wir uns der</strong><strong> Schlussphase des deutschen Wahlkampfs zu. </strong> Einerseits k&#246;nnen wir uns freuen, dass sich die politischen Lager in Deutschland nicht so erbittert bek&#228;mpfen, dass wir einen gesellschaftlichen Konsens in Fragen wie Gesundheitsversicherung und Abtreibung haben. Andererseits kann fehlende Emotionalit&#228;t und Begeisterung in der Politik auch zu einem Demokratiedefizit f&#252;hren, weil der B&#252;rger aus Desinteresse nicht an Wahlen teilnimmt. Gerade die j&#252;ngeren W&#228;hler werden sich ohne Begeisterung und Emotionalit&#228;t nicht an die Wahlurne locken lassen, und dies ist problematisch f&#252;r die Zukunft.</p>
<p>Der Wahlkampf zwischen Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel ist alles andere als aufgeladen gewesen. Beim sogenannten <a href="http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/2982100">TV-Duell</a> zwischen den beiden Kandidaten waren die Gemeinsamkeiten un&#252;bersehbar; nur die Tatsache, dass Steinmeier bei seinen Formulierungen kenntnisreicher erschien, hat Wellen geschlagen. Doch von Streit oder gar von einem Wettbewerb der Ideen kann keine Rede sein. Der Spiegel-Journalist Matthias Matussek hat den Konservatismus in Deutschland richtig als  „&#246;de Lifestyle-Spie&#223;erei“ <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648339,00.html">beschrieben</a>. Es ist jedoch nicht nur das b&#252;rgerliche Lager, das Langeweile bereitet: die ist im ganzen Parteienspektrum vorhanden.</p>
<p>Die ganze Politikerszene kommt selbstzufrieden daher. Aber zu Unrecht. Unsere Gesellschaft wird sich ver&#228;ndern m&#252;ssen, die Regierenden m&#252;ssen einen Beitrag daf&#252;r leisten.  Steinmeier kann man zwar zugute halten, dass er seinen Wahlkampf fr&#252;h mit einem zielstrebigen Zukunftspapier zur Wirtschaftspolitik angefangen hat, aber leider ist wenig davon im Ged&#228;chtnis geblieben. Das gro&#223;e Thema der SPD – soziale Gerechtigkeit – zieht nicht. Seit der Agenda 2010, die Steinmeier selbst ma&#223;geblich zu verantworten hatte, ist die Glaubw&#252;rdigkeit der SPD als Repr&#228;sentant des kleinen Mannes dahin. Am Ende blieb ihm nur der Kampf gegen Schwarz-Gelb, doch er bietet keine Alternative an, au&#223;er als Juniorpartner die gro&#223;e Koalition fortzuf&#252;hren.</p>
<p>Bei den Gr&#252;nen und der Linkspartei sieht es nicht viel besser aus. Denn keine dieser Parteien ist in der Lage, eine Machtperspektive zu bieten. Die Gr&#252;nen schlie&#223;en eine Jamaika-Koalition aus, und die rot-rot-gr&#252;ne Variante ist auf Bundesebene undenkbar. Die Linkspartei ist zwar in der Lage, Emotionen bei den Themen Afghanistan und Armut zu erzeugen, aber Begeisterung ist nicht vorhanden, weil sie ihre Vorstellungen unm&#246;glich umsetzen k&#246;nnte. Die Gr&#252;nen wiederum h&#228;tten zwar die M&#246;glichkeit, in einer Dreier-Koalition mit der CDU und FDP einen Teil ihrer Vorstellungen umzusetzen, aber sie sind aus verschiedenen Gr&#252;nden nicht gewillt, ein solches Risiko einzugehen. Die Partei sehnt sich eigentlich nach dem rotgr&#252;nen Projekt zur&#252;ck, das aber ist f&#252;r absehbare Zeit gestorben.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus ist es interessant zu beobachten, dass die Gr&#252;nen sich bei manchen Themen zur&#252;ckhalten. Als Zivilisten in Afghanistan bei einem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff starben, haben die Gr&#252;nen nur die Kommunikationspolitik der Regierung kritisiert. Man erinnere sich an Petra Kelly, die bei einer solchen Begebenheit  mit dem Weinen und der Emp&#246;rung nicht h&#228;tte aufh&#246;ren k&#246;nnen. Seit dem Kosovokrieg sind die Pazifisten bei den Gr&#252;nen eine kleine Minderheit. Auch beim Thema Atomkraft sind die Gr&#252;nen still geworden, obwohl beim Thema Endlagerung durchaus Z&#252;ndstoff vorhanden w&#228;re, seit Beweise aufgetaucht sind, die zeigen, dass die CDU in den achtziger Jahren beim Standort Gorleben Einfluss auf die Gutachten ausge&#252;bt hat. Doch die Gr&#252;nen reden nur von Laufzeiten der AKWs, weil sie den schwachen Atomausstieg unter Rot-Gr&#252;n ausgehandelt haben. Weder bei Atomkraft noch bei Krieg und Frieden waren die Gr&#252;nen in der Lage, Emotionalit&#228;t in den Wahlkampf einzubringen. Sogar der altgr&#252;ne Rebell Christian Str&#246;bele, der als Au&#223;enseiter vor sieben Jahren zu ersten Mal sein Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg gewann, ist inzwischen im Mainstream etabliert.</p>
<p>Keine der Parteien hat es vermocht, Obama&#8217;sche Begeisterung auszul&#246;sen. Dem Personal der Parteien fehlen mitrei&#223;enden Gestalten, die die W&#228;hler mobilisieren und bei j&#252;ngeren B&#252;rgern Begeisterung f&#252;r Politik ausl&#246;sen. Meine Prognose lautet, dass die Gro&#223;e Koalition weitergef&#252;hrt wird.
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		<title>Blamage ist Teil der Recherche: Online-Wahlkampf ist kein Plug &amp; Play-Produkt</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 10:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TAZ, FAS und NZZ l&#228;stern &#252;ber die Online-Wahlkampfexperimente der Parteien. Neugier und Gelassenheit ist in den Augen von vielen Journalisten offenbar keine akzeptable Haltung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7dd22f63faf48324b45fa0b628de0f" alt="" width="1" height="1" /><br />
Der Medienbetrieb verlangt nach schnellen Urteilen. Einer neuen Regierung wird mittlerweile nach 100 Tagen der Prozess gemacht, den Superwahlkampf will man offenbar schon mehr als 100 Tage vor dem Wahltermin abschlie&#223;end bewerten.</p>
<p>Und die Jury hat gesprochen: Parteien blamieren sich im Internet, <a href="www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/%5Cda-muss-jemand-wohl-nachhilfe-erhalten%5C/">schrieb</a> die Tageszeitung schon vor einiger Zeit. Die FAS berichtet in der vergangenen Ausgabe in qualvoll-liebevoller L&#228;nge &#252;ber die belanglosen Twitter Feeds der Kandidaten: <strong>140 Zeichen hei&#223;e Luft</strong>. Ebenfalls am Wochenende <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/politische_geisterstaedte_im_internet_1.2559729.html">schrieb</a> die NZZ: Obamas Funke z&#252;ndet nicht im deutschen Internet. Noch Fragen?</p>
<p>500 Millionen Dollar, 13 Millionen Email-Adressen, 2 Millionen Netz-Aktivisten, ein paar Milliarden Klicks. Die gro&#223;en Zahlen, die der Obama-Wahlkampf produziert hat, wirken wie ein <strong>numerischer Werbespot f&#252;r &#214;ffentlichkeitsarbeiter jeder Art</strong>: Jeder will dieses Produkt, diese Wunderwaffe. Nur herrschen bei Strategen und Politikern in Berlin mittlerweile berechtigte Bedenken, dass die meinungsstarken alten Medien jedes Experiment in den neuen Medien sofort h&#228;misch kommentieren, jeden Testballon abschie&#223;en, bevor er seine Reiseflugh&#246;he erreicht.</p>
<div id="attachment_9534" class="wp-caption alignleft" style="width: 191px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/cdu.jpg"><img class="size-medium wp-image-9534" title="cdu" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/cdu-181x300.jpg" alt="xxxxx" width="181" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Experiment, Work-In-Progress, das halbfertige Beta-Dasein geh&#246;ren zum Wesen des Webs dazu.</p></div>
<p>Der digitale Schatten von Obamas ist lang. Neben dem Online-Riesen wirken selbst virtuelle Volksparteien wie Zwerge. Aber wie sinnvoll ist es &#252;berhaupt, die beiden <strong>Wahlk&#228;mpfe nebeneinander zu stellen</strong>? Und warum folgt dem Verweis auf Ausma&#223; und Neuartigkeit der Obama-Kampagne nicht die Beschreibung der erm&#246;glichenden Faktoren? Man muss nicht erwarten, dass jeder Bericht &#252;ber Obama den <strong>technologisch-historischen Kontext seiner Kampagne</strong> herausstellt, aber ein kleiner Verweis auf den Bodensatz der politischen Blogosph&#228;re, die soziale Bewegung gegen George W. Bush, das politische Talent und die ph&#228;nobiographische Singularit&#228;t des Kandidaten w&#228;ren f&#252;r den Leser sicher hilfreich f&#252;r die Einordnung der pr&#228;sentierten Fakten. Der Online-Experte und Politologe Christoph Bieber (der <a href="http://carta.info/autor/christoph_bieber/">hier</a> im Blog schreibt) beschwerte sich k&#252;rzlich &#252;ber diese <strong>eindimensionale Vergleichdebatte</strong>, auf welche der Politik 2.0-Diskurs in Deutschland reduziert werde.</p>
<p>Ein treffendes Wort, wie ich finde, das auch meine eigenen Erfahrungen deckt. Optimismus, <strong>Neugier und Gelassenheit ist in den Augen von vielen Journalisten offenbar keine akzeptable Haltung</strong>. K&#252;rzlich gab ich einer gro&#223;en Berliner Zeitung ein 40-min&#252;tiges Interview zum Thema Politik 2.0, betonte insbesondere die <strong>spezielle amerikanische Situation</strong>, berichtete von ermutigenden Beispielen, bat um differenzierende Darstellung des Themas, nur um auf die Aussage: Viele wollen Obama kopieren, laufen aber Gefahr sich <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Barack-Obama;art122,2788568">l&#228;cherlich zu machen</a>. Dass diese Gefahr nicht aus der Unf&#228;higkeit der Anwender entsteht, sondern zu einem gro&#223;en Teil von der <strong>Skepsis und H&#228;me der Medien</strong> ausgeht, verschwieg der Kollege mal lieber.</p>
<p>Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe die digitalen Bem&#252;hungen der deutschen Politiker auch schon kommentiert, zum Beispiel <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/876/462494/text/">hier</a> und <a href="http://carta.info/5811/team-deutschland-merkel-cdu-online-wahlkampf/">hier</a>, und nicht jeder Satz war positiv und ermutigend: die generelle Skepsis, ja <strong>Feindschaft gegen&#252;ber dem Online-Experiment</strong>, die in den TAZ-FAS-NZZ-Artikeln aufscheint kann ich mir nicht erkl&#228;ren (vielleicht sollte man als Journalist, bevor man konstatiert, dass sich eine altehrw&#252;rdige Institution im Internet blamiert, noch kurz reflektieren, wie sich das eigene Medium in neuen System schl&#228;gt).</p>
<p>Experiment, Work-In-Progress, das halbfertige Beta-Dasein geh&#246;ren zum Wesen des Webs dazu.  Dazu kommt: Scheitern ist im luftleeren Raum des Internets, ohne Schwerkraft, Reibungsfaktor, Materialverschleiss, viel billiger als in der Realit&#228;t. Das erfolgversprechendste Prinzip f&#252;r die Suche nach der n&#228;chsten Killer-Applikation hei&#223;t <strong>Trial-and-Error</strong>. Die Blamage ist Teil der Recherche.</p>
<p>Politik 2.0 ist kein Plug and Play Produkt. Mybarackobama.com kann nicht mit Apfel C und Apfel V &#252;ber den Atlantik kopiert werden, aber mit der Struktur importiert man noch nicht das Nutzungsverhalten. Vielleicht sollten die Medien sich weniger auf Politiker und ihre digitalen &#220;bungen konzentrieren, sondern auf die Menschen in den angeschlossenen Wohnzimmern und Einfamilienh&#228;usern:</p>
<p><strong>Das Publikum ist der interessanteste Untersuchungsobjekt im Web 2.0</strong>. Wie nutzen sie das neue Medium? Und zu welchem Zweck? Welche Themen gelangen &#252;ber digitale Medien in das gesellschaftliche Bewusstsein? Es gibt einiges zu erz&#228;hlen: Im Streit um die Internet-Sperren artikulierte sich die Netzwerk-&#214;ffentlichkeit zum ersten Mal so laut- und meinungsstark, dass es f&#252;r das Establishment nicht mehr m&#246;glich war, sie zu &#252;berh&#246;ren.</p>
<p>Der <strong>Widerstand</strong> wurde, wie die meisten hier wissen, <strong>vor allem &#252;ber Blogs und Twitter</strong> verbreitet. Auch wenn man es in FAS und TAZ nicht glaubt: 140 Zeichen sind viel Raum. Und die <strong>One-2-Many-Tools des Web 2.0</strong> sind f&#252;r B&#252;rger manchmal interessanter und wichtiger als f&#252;r Politiker.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>Ex-Wahlk&#228;mpfer Machnig: Internet bleibt zweitrangig, Tagesschau sticht Spiegel Online</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 22:44:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerhard Schr&#246;ders ehemaliger Wahlkampfmanager Matthias Machnig gibt sich ganz als der Haudegen der alten Medienordnung: Das Internet sei ein nettes Werkzeug, aber es l&#246;se das zentrale Problem der Parteien nicht: die Krise zu erkl&#228;ren und sich ein Mandat f&#252;r ihre &#220;berwindung zu holen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/d14ddacdbee7b5e90b7099c7aa978e" alt="" width="1" height="1" /><br />
Bei der Vorstellung des Buches &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3867930511?ie=UTF8&amp;tag=carta-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3867930511">Lernen von Obama: Das Internet als Ressource und Risiko f&#252;r die Politik</a>&#8221; gab sich Gerhard Schr&#246;ders ehemaliger Wahlkampfmanager Matthias Machnig ganz als der Haudegen der alten Medienordnung. Das Internet sei ein wichtiges Werkzeug. Aber es l&#246;se weder die zentralen Probleme der Parteien, noch werde es auf absehbare Zeit hierzulande wahlentscheidend sein.</p>
<p>Machnig sagte unter anderen:</p>
<ul>
<li>Das Internet ist ein demokratischer Mythos. Die Geschichte des Internets ist auch eine Geschichte &#252;berzogener demokratietheoretischer Erwartungen.</li>
<li>Auf absehbare Zeit wird das Internet nicht wahlentscheidend sein.</li>
<li><strong>Es ist noch immer wichtiger, in der 20-Uhr-<em>Tagesschau</em> vorzukommen als auf der Titelseite von <em>Spiegel Online</em>.</strong></li>
<li>Online-Nachrichten haben f&#252;r die Wahrnehmung eines Kandidaten noch immer eine geringere Relevanz als das Fernsehen. Auch Zeitungen sind nicht so wichtig wie das Fernsehen.</li>
<li>Obama hat die US-Wahl vor allem durch die Faktoren Person, Strategie, Botschaft und Stil gewonnen.</li>
<li>Entscheidende Herausforderung f&#252;r die Bundestagswahl: Die Politik muss die Richtungsfragen, die die &#214;konomie stellt, beantworten und ein <strong>Mandat f&#252;r eine Richtungsentscheidung</strong> erringen.</li>
</ul>
<p>Gerade der letzten Punkt verf&#228;ngt: F&#252;r den politischen Strategen Machnig redet die Politik zu wenig &#252;ber politische Grundwerte. Sie versage bei der <strong>Erkl&#228;rung der Krise</strong>. Es bestehe daher die Gefahr, dass sich die zuk&#252;nftige Regierung kein klares Mandat vom W&#228;hler abholt.</p>
<p>Machnig spricht da aus Erfahrung: Bei seiner Wiederwahl 2002 hatte sich Gerhard <strong>Schr&#246;der</strong> auch <strong>kein Mandat</strong> f&#252;r die Agenda-Politik beim W&#228;hler abgeholt. Die Folgen sind bekannt.</p>
<p>Auch Machnigs Sicht ist daher verst&#228;ndlich, warum die Frage nach der richtigen Verwendung des Internets derzeit nicht im Zentrum steht. Seine <strong>plakative Internetskepsi</strong>s ist Teil seines Habitus als erfolgreicher Ex-Wahlk&#228;mpfer der TV-&#196;ra. Wer mag, kann seinen Ausf&#252;hrungen durchaus auch Kritik am aktuellen politischen Personal beider Volksparteien entnehmen.</p>
<p>Hier ein viereinhalbmin&#252;tiges Video zu seinen Thesen:</p>
<p><object width="400" height="300" data="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=4536570&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" type="application/x-shockwave-flash"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=4536570&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1" /></object></p>
<p><a href="http://vimeo.com/4536570">Matthias Machnig &#252;ber Bundeswahlkampf &amp; Internet</a> from <a href="http://vimeo.com/user1191984">Carta</a> on <a href="http://vimeo.com">Vimeo</a>.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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			</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=9042&amp;md5=70284dd1e7f452b6a62ff50af16533f3" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Frischzellenkur f&#252;r die Demokratie</title>
		<link>http://carta.info/8315/frischzellenkur-fuer-die-demokratie/</link>
		<comments>http://carta.info/8315/frischzellenkur-fuer-die-demokratie/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 15:22:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den Montagsreden nach den Sitzungen der Parteigremien wird die von Wahl zu Wahl sinkende Wahlbeteiligung pflichtschuldig beklagt und mit ein paar Krokodilstr&#228;nen beweint, dienstags aber gehen die Parteien schon wieder zur Tagesordnung &#252;ber. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/661fcf665687e5f5756259bc02e0e3" alt="" width="1" height="1" /><br />
Die B&#252;rger steigen Schritt f&#252;r Schritt aus der Demokratie aus, aber kaum ein Politiker interessiert sich ernsthaft daf&#252;r. Hauptsache, die Zahl der Mandate wird nicht gek&#252;rzt. Dabei w&#228;re die K&#252;rzung der Parlamentssitze entsprechend der Wahlbeteiligung das einzige Mittel, um die Parteien aufzuwecken.</p>
<p>Die Parteien aber blenden die <strong>Legitimationskrise der Demokratie</strong> einfach aus, um nicht ernsthaft &#252;ber die Konsequenzen nachdenken zu m&#252;ssen. Denn dagegen vorzugehen, hie&#223;e, sich selbst infrage zu stellen. Denn dann k&#228;men die Parteien schnell zu dem Schluss, dass der Mangel an realer innerparteilicher Demokratie eine der zentralen Ursachen f&#252;r den Mangel an Beteiligung an der Demokratie ist.</p>
<p>Parallel zur Wahlbeteiligung sinkt das Ansehen des <strong>demokratischen Systems</strong> insgesamt: nur noch 49 Prozent der Deutschen sind mit der parlamentarischen Demokratie zufrieden. Das ergab eine Infratest-Umfrage schon im September 2006. Das hei&#223;t, man muss bei der sinkenden Wahlbeteiligung anfangen, wenn man die Akzeptanz des parlamentarischen Systems insgesamt erh&#246;hen will. Daf&#252;r gibt es kein Patentrezept, aber ein paar Ans&#228;tze schon. Deutschland braucht eine Revitalisierung der Demokratie, eine massive Frischzellenkur.</p>
<p>Nun kann man vom derzeitigen politischen Spitzenpersonal in Deutschland nicht erwarten, dass es wie Barack Obama ein neues Feuer der Leidenschaft f&#252;r Demokratie entz&#252;ndet, aber es k&#246;nnte sich wenigstens bem&#252;hen, die <strong>Demokratie attraktiver f&#252;r die B&#252;rger</strong> zu machen. Dazu geh&#246;ren:</p>
<p>1. eine stringente, berechenbare Politik der Parteien, die &#8211; zumindest in prinzipiellen Fragen &#8211; nach Wahlen das tut, was sie vor den Wahlen versprochen hat;</p>
<p>2. F&#252;hrung. Spitzenpolitiker m&#252;ssen das Risiko von F&#252;hrung auf sich nehmen, vorangehen, statt vermeintlichen Trends hinterherzulaufen;</p>
<p>3. klare Profile der Parteien – auch in der gro&#223;en Koalition, auch gegen&#252;ber der eigenen Regierung. Die Unterschiede m&#252;ssen wieder f&#252;r jeden W&#228;hler erkennbar werden;</p>
<p>4. eine &#252;berzeugende Kommunikation mit dem B&#252;rger in einfacher,verst&#228;ndlicher Sprache, die Politik nicht hinter einer Nebelwand von Beamtenformeln und Politphrasen verbirgt.</p>
<p>5. neue Formen innerparteilicher Demokratie, mit denen die Parteien die Intransparenz der Hinterzimmer verlassen;</p>
<p>6. die Nutzung des Internets f&#252;r neue Angebote politischer Partizipation.</p>
<p>Der <strong>Mangel an stringenter Politik</strong> h&#228;ngt auch mit der Entwicklung des politischen Personals zusammen, das h&#228;ufig keine beruflichen Alternativen hat, das in der jahrelangen Ochsentour glattgeschmirgelt wurde, dem pers&#246;nlicher Machterhalt vor Probleml&#246;sung geht, das auf Umfragen schielt, statt eigene &#220;berzeugungen zu wagen. Nur kein Risiko eingehen, im Kurs geschmeidig bleiben, es k&#246;nnte sonst existenzgef&#228;hrdend sein. H&#228;ufig ist das Lebensziel dieses Politikertyps das Amt des Parlamentarischen Staatsekret&#228;rs – eine Funktion ohne administrative Verantwortung, aber mit hohem Einkommen. Es w&#228;re ein erster kleiner Reformschritt, die Parlamentarischen Staatssekret&#228;re abzuschaffen.</p>
<p>Das <strong>Kartell der risikoscheuen Berufspolitiker</strong> kann nur durch neue Formen der innerparteilichen Demokratie aufgebrochen werden. Junge Talente in den Parteien m&#252;ssen die Chance zur Karriere durch Widerspruch statt durch Anpassung erhalten. Und zu schnelleren Karrieren, an den etablierten Politikern vorbei. Es darf doch nicht sein, dass Talente wie Karl-Theodor zu Guttenberg und Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel nur im Katastrophenfall nach oben kommt. Und die Parteien brauchen Seiteneinsteiger, Menschen, die in anderen Berufen schon etwas geleistet haben.</p>
<p>Dies geht nur durch <strong>neue Formen der Kandidatenaufstellung</strong>. Die Kandidatenaufstellungen m&#252;ssen raus aus den Hinterzimmern, die lokalen Delegiertenversammlungen m&#252;ssen durch direkte Formen der Demokratie entmachtet werden. Kandidaten in den Wahlkreisen sollten grunds&#228;tzlich in Urwahl bestimmt werden. Sie f&#252;hren zuvor einen <strong>innerparteilichen Wahlkampf</strong> &#8211; in Versammlungen, in den Medien und auf der Homepage der Partei. Noch besser w&#228;re es, die gesetzlichen Regelungen so zu ver&#228;ndern, dass Vorwahlen wie in den USA m&#246;glich werden. W&#228;hler einer Partei k&#246;nnten sich registrieren lassen und dann &#252;ber den Kandidaten abstimmen. Auch die Vorsitzenden sollten auf allen Ebenen in Urwahl gew&#228;hlt werden.</p>
<p>Und bei der Aufstellung der Landeslisten sollte jeder Parteitags-Delegierte f&#252;nf Stimmen haben, um die vom Vorstand vorgelegte Liste ver&#228;ndern zu k&#246;nnen, indem er Stimmen h&#228;ufelt und so Kandidaten nach vorne w&#228;hlt. Voraussetzung daf&#252;r ist, dass die Liste mindestens vier Wochen lang im Internet steht und dort offen diskutiert werden kann.</p>
<p>Die Parteien sehen bisher, bis auf wenige Ausnahmen, das <strong>Internet nur als Verl&#228;ngerung ihrer Propagandaschiene</strong> &#252;ber Plakat, Anzeige, Medienauftritte hinaus, also als rein technisches Mittel, W&#228;hler zu erreichen. Das Internet kann aber politisch nur funktionieren, wenn es als Partizipationsmedium verstanden wird. Dazu geh&#246;rt, Entw&#252;rfe f&#252;r Wahlprogramme vor der Verabschiedung der offenen Diskussion auszusetzen – genauso wie Gesetzesentw&#252;rfe. Der entscheidende Schritt, das Funktion&#228;rskartell aufzubrechen, w&#228;re die Einf&#252;hrung von <strong>Internet-Mitgliedschaften</strong>. So haben die franz&#246;sischen Sozialisten ihre Mitgliederzahl verdoppelt. Die Internet-Mitglieder haben in Frankreich dieselben Rechte wie alle anderen Mitglieder, stimmen mit ab &#252;ber Kandidaten und Programme.</p>
<p>Dieser Schritt w&#252;rde allerdings – wie in Frankreich geschehen &#8211; die Macht der Parteieliten brechen, die Parteipolitik im positiven Sinn unberechenbarer machen. Deshalb ist auch mit massivem Widerstand der Partei-Eliten gegen solche Internet-Mitgliedschaften zu rechnen, obwohl sie ein Weg w&#228;ren, junge Leute an die Parteien heranzuf&#252;hren.</p>
<p><em>Michael Spreng bloggt auf <a href="http://www.sprengsatz.de/">Sprengsatz</a>, wo auch <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=1058">dieser Beitrag</a> erschienen ist.</em><br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
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		<title>Obamarismus: Amerikanische Werte und &#8220;Change&#8221; zugleich</title>
		<link>http://carta.info/4308/obamarismus-amerikanische-werte-und-change-zugleich/</link>
		<comments>http://carta.info/4308/obamarismus-amerikanische-werte-und-change-zugleich/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2009 16:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit seiner Amtseinf&#252;hrung wird sich Barack Obama endg&#252;ltig vom partizipativ-integrativen Wahlk&#228;mpfer zum postideologisch-pragmatisch-integrativen-allamerikanischen Pr&#228;sidenten verwandeln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/7dafcb65a9a98cf022037b6eaa9051" alt="" width="1" height="1" />Matthias R&#252;b hat f&#252;r die FAS <a href="http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~E9634B2B69F46412FB5686A0C5CFD0B9B~ATpl~Ecommon~Sspezial.html">gut beschrieben</a>, wie Obama versucht, zugleich postideologisch-pragmatisch und integrativ-allmerikanisch zu wirken. Er spinnt geschickt ein <strong>Netz aus historischen Referenzen</strong>, das ihn zugleich in eine Linie mit <strong>Abraham Lincoln</strong> und <strong>Martin Luther King</strong> setzt. Barack Obama will zugleich als Erneuerer und zutieftst US-amerikanisch erscheinen.</p>
<p>Obamas B&#252;roleiter <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rahm_Emanuel">Rahm Emanuel</a> (Foto) hat vor einigen Tagen auf dem amerikanischen Fernsehsender NBC erl&#228;utert, wie sich dieser Obamarismus in der Antrittsrede niederschlagen wird: Der neue Pr&#228;sident werde am Dienstag f&#252;r eine neue &#8220;Kultur der Verantwortung&#8221; werben. Es gehe um die Wiederbelebung eines <strong>Wertesystems</strong>, &#8220;das Verantwortung respektiert und sch&#228;tzt.&#8221;</p>
<div id="attachment_4309" class="wp-caption alignnone" style="width: 472px"><a href="http://www.huffingtonpost.com/2009/01/18/obama-inaugural-speech-dr_n_158854.html" target="_blank"><img class="size-full wp-image-4309" title="bild-8" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-8.png" alt="bild-8" width="462" height="387" /></a><p class="wp-caption-text">Ende des &quot;anything goes&quot;:Rahm Emanuel &#252;ber die Antrittsrede seines Chefs Barack Obama (Bild klicken)</p></div>
<p>Merke: Obama beruft sich zugleich auf als uramerikanisch kodierte Werte und auf &#8220;Change&#8221;. Obama erhebt die Kritik an kapitalistischen Exzessen (&#8220;Anything goes&#8221;-&#220;bertreibungen) kurzerhand zum &#8220;amerikanischen Wert&#8221; (&#8220;Verantwortung&#8221;). So gelingt ihm Neudefinition des amerikanischen Traums und demokratische Akzentverschiebung in einer gro&#223;en inklusionistischen Geste. Zus&#228;tzlich gibt er sich integrativ-partizipativ, indem er die F&#252;hrung nicht nur von oben, sondern auch von &#8220;den Menschen&#8221; her betont, wie auch k&#252;rzlich in <a href="http://de.youtube.com/watch?v=7eUnTTwrxmc">diesem Video</a>.</p>
<p>Wenn Politik die Kunst ist, Mehrheiten zu organisieren, dann ist Barack Obama ihr Kaiser. Dabei ist zugleich die Achillesferse seiner Strategie leicht auszumachen: Es erscheint zumindest fraglich, ob Obama mit seinen Ans&#228;tzen auch <strong>konflikttr&#228;chtige und schmerzliche Entscheidungen </strong>durchzusetzen vermag. Mein Gef&#252;hl sagt: ja. Dazu wird er seine Strategie noch einmal anpassen m&#252;ssen, so wie er es nach der gewonnenen Nominierung und nun vor der Amtseinf&#252;hrung auch schon getan hat. Change ist bei Obama durchaus auch pers&#246;nlich gemeint.</p>
<p><span style="color: #ffffff;">sdf</span></p>
<p>Hinweis: Die <a href="http://carta.info/Carta_20Jan09_Obama.jpg">Carta-Veranstaltung</a> zur Amtseinf&#252;hrung morgen ist leider komplett ausgebucht. Wir werden die Diskussion auf jeden Fall als Audio-Stream &#252;bertragen und anschlie&#223;end als Video ins Netz stellen.</p>
<p><a href="http://www.huffingtonpost.com/2009/01/18/obama-inaugural-speech-dr_n_158854.html" target="_blank"><br />
</a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=4308&amp;md5=26b04e9e7308c536ead0cbe8c3993355" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Leadership à la Obama: Wie die deutsche Politik von Obama lernen kann und wie nicht</title>
		<link>http://carta.info/4262/lektionen_obama/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Jan 2009 19:08:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf '09]]></category>
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		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[US-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Ph&#228;nomen „Obama“ bietet bedeutendes Lernpotenzial f&#252;r die deutsche Politik: Obama lebt vor, was politische F&#252;hrung in Demokratien des 21. Jahrhundert ausmacht, und er zeigt, dass sich ein perfektes Kampagnenmanagement, Authentizit&#228;t und gelebte Demokratie nicht ausschlie&#223;en m&#252;ssen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1b001a08f4ef5e920b2b81bde13d04" alt="" width="1" height="1" />Wenn eins vom „<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,556444,00.html">Zukunftskonvent</a>“ der SPD in Erinnerung bleiben wird, dann die dunkle Vorahnung, dass Hubertus Heil nicht der letzte deutsche Politiker sein wird, der sich in Zukunft mehr oder minder schamlos bei Barack Obama bedienen wird. Ende Mai hatte sich der SPD-Generalsekret&#228;r im N&#252;rnberger Congress Center bem&#252;ht, die Delegierten in Stimmung zu bringen: „<strong>Sprecht mir nach: Yes we can!</strong>“ Zeugen berichten, in der Halle h&#228;tte es leise zur&#252;ckgeschallt „Yeswecan“. Im Fernsehen jedenfalls war gar nichts zu h&#246;ren. Heil probierte es nochmal: „YES WE CAN!“ Die Antwort, kaum lauter als zuvor. Schnell spielte die Veranstaltungsregie die Einmarsch-Musik f&#252;r die hinter der B&#252;hne wartende Gesine Schwan ein. Ein peinlicher Moment, der sich 2009 wiederholen k&#246;nnte. Denn Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel ist nur der Anfang. Nicht nur Beobachter, auch Akteure der Bundespolitik bef&#252;rchten hinter vorgehaltener Hand, dass sich die Parteien 2009 gegenseitig darin &#252;berbieten werden, Obamas Kampagne plump zu kopieren.</p>
<p>Der Wahlsieg des demokratischen Pr&#228;sidentschaftskandidaten hat viele Facetten. Er sagt nicht nur etwas &#252;ber das vielleicht <span style="color: #000000;"><strong>gr&#246;&#223;te Polittalent </strong></span>der letzten Jahrzehnte aus, sondern auch &#252;ber die Bilanz der Bush-Regierung und die Bed&#252;rfnisse der Massen, die ihm – nicht nur in den USA – gefolgt sind. Schon hier wird deutlich, dass wir es mit einem singul&#228;ren Ph&#228;nomen zu tun haben, das sich nicht kopieren l&#228;sst. Wahlk&#228;mpfe finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern vor dem Hintergrund l&#228;nderspezifischer Strukturen und Traditionen. So spielen zum Beispiel auch in Deutschland Pers&#246;nlichkeits- und Sympathiewerte eine gro&#223;e Rolle, doch ist der Spitzenkandidat inhaltlich und organisatorisch viel st&#228;rker von seiner Partei abh&#228;ngig im pr&#228;sidialen Regierungssystem der USA.</p>
<p>F&#252;r die deutsche Politik relevant indes ist die Tatsache, dass es den Demokraten gelang, die gro&#223;e Inszenierung und die Grassroots, perfekte Planung und gelebte Demokratie in Einklang miteinander zu bringen. <strong>Ein zeitgem&#228;&#223;es, der gesellschaftlichen Differenzierung und Mediatisierung der Politik angemessenes Kommunikationsmanagement muss nicht auf Kosten der Glaubw&#252;rdigkeit gehen. </strong></p>
<p>Dieser Befund ist kaum zu &#252;bersch&#228;tzen. Denn just jene Professionalisierung der Kommunikationsarbeit und Einbindung von externen Beratern, ohne die auch Obamas Kampagne nicht denkbar gewesen w&#228;re, ist der deutschen Politik in den letzten Jahren weniger gut bekommen. Eine Kluft zwischen oben und unten, zwischen Politprofis und der Basis, hat sich aufgetan. Und sie scheint sich zu vertiefen, je mehr die Parteien – im Wahlkampf wie im politischen Alltag – ihre &#214;ffentlichkeitsarbeit der Berliner „Mode- Ereignis- und Stimmungsdemokratie” (Gunther Hofmann) anpassen. Nicht nur die GR&#220;NEN, deren Bundesvorstand 2006 ein von einer Kommunikationsagentur entworfenes neues Partei-Logo von der Parteitagsmehrheit um die Ohren gehauen bekam, haben dies leidvoll erfahren. Vermehrt, vielfach ausschlie&#223;lich, erfahren selbst Mitglieder von Entwicklungen ihrer Partei, Programmen und Strategien das erste Mal in der Presse. Reformen wurden – siehe „Agenda 2010“ oder „Rente mit 67“ – handstreichartig und im Hauruckverfahren durchgepeitscht, der innerparteiliche Dialog blieb da schon mal auf der Strecke. Dabei laufen Basta-Politik und Wahlkampf-Inszenierungen der klassischen Vorstellung, dass es sich bei demokratischer Politik um einen aktiven Prozess handelt, auf den jeder Einzelne Einfluss haben kann, zuwider. Frustrationen sind die Folge. Der Mitgliederschwund der gro&#223;en Parteien spricht eine klare Sprache.</p>
<p>Beobachter haben die kampagnenpolitische Aufr&#252;stung bei den letzten Wahlen, die bombastischen Inszenierungen und Personality-Shows, gerne als Folge einer vermeintlichen „Amerikanisierung“ der deutschen Politik interpretiert. Der US-Pr&#228;sidentschaftswahlkampf galt als Werbeschlacht, die Heerscharen von Managern, Meinungsforschern und Marketingexperten Arbeit gab, vor allem aber die in Europa verbreitete Kritik zu best&#228;tigen schien, dass die j&#252;ngere Historie der US-Demokratie im Wesentlichen eine Verfallsgeschichte sei. Die Politik habe sich g&#228;nzlich dem Diktat von Schlagzeilen und Demoskopie unterworfen. Die Authentizit&#228;t des politischen Personals, Inhalte und das deliberative Element von Politik gingen dabei verloren. Mit Obama hat sich dies ge&#228;ndert. Obwohl sein Wahlkampf, sowohl was den Einsatz von Geld als auch den Professionalisierungsgrad angeht, alles je da gewesene &#252;bertraf, hei&#223;t es vom ehemaligen Jungsenator aus Illinois schon heute zu recht, dass er die US-Demokratie ver&#228;ndert hat. Er mobilisierte die Grassroots, integrierte Bev&#246;lkerungsschichten in den politischen Prozess, die f&#252;r die Politik verloren schienen, und schuf <strong>eine soziale Bewegung, die M&#246;glichkeiten der Identifikation und Teilhabe bot</strong> und verschiedensten Bev&#246;lkerungsgruppen Motive daf&#252;r lieferte, Teil eines gemeinsamen Projekts zu werden.</p>
<p>Eng damit verkn&#252;pft ist ein zeitgem&#228;&#223;es und konsequent umgesetztes Verst&#228;ndnis dessen, was politische F&#252;hrung („Leadership“) in Demokratien des 21. Jahrhundert ausmacht. Anders als in Deutschland, wo F&#252;hrung und Demokratie historisch bedingt lange als Antagonismen verstanden wurden, nimmt Leadership im &#246;ffentlich-politischen Diskurs der USA traditionell eine zentrale Stellung ein. Deutlich wurde dies bereits im Rennen um die Pr&#228;sidentschaftskandidatur. W&#228;hrend Hillary Clinton damit warb, dass sie die Erfahrung aufbringe, um das m&#228;chtigste Land der Erde zu f&#252;hren („experience to lead“), konterte Obama, dass nur er aufgrund seiner Distanz zum Establishment einen grundlegenden Wandel herbeif&#252;hren k&#246;nne („leading change“), dessen Akteur jedoch nicht er alleine, sondern das ganze Land sein w&#252;rde („Yes, WE can“). Obamas Erfolg beruhte also auf der Erkenntnis, dass politische F&#252;hrung nicht einseitig im Sinne hierarchischer Top-Down-Prozesse zu verstehen ist, sondern aus zwei interdependenten Akteuren besteht: Dem F&#252;hrenden (Leader) auf der einen Seite und seinen potentiellen Anh&#228;ngern (Follower) auf der anderen. Erst der imagin&#228;re Pakt, den beide schlie&#223;en, macht den F&#252;hrenden zum F&#252;hrenden und die Anh&#228;nger zu Anh&#228;ngern. Ein Leader in demokratischen Systemen gewinnt seine Follower also nicht ein f&#252;r alle Mal, sondern hat diese st&#228;ndig von seiner F&#252;hrungsleistung zu &#252;berzeugen und zu mobilisieren.</p>
<p>Obama beachtete ferner eine zweite Grundregel von politischer F&#252;hrung, n&#228;mlich dass F&#252;hrungsstil und Inhalt keine in Stein gemei&#223;elten Determinanten sind, sondern wandelbar und der jeweiligen Anh&#228;ngerschaft angepasst sein m&#252;ssen. Aus „Yes we can“ wurde nach der ergatterten Nominierung „What I will do“. Mit Brot- und Butterthemen wie Steuerpolitik, Gesundheitswesen und Reform der Erziehungs- und Sozialsysteme appellierte Obama im Duell gegen John McCain an das Eigeninteresse der wechselw&#228;hlenden Mittelschicht. Der urspr&#252;ngliche Au&#223;enseiter hatte erkannt, dass seine gl&#252;hendsten Anh&#228;nger allein nicht f&#252;r einen Wahlsieg ausreichen w&#252;rden, sondern er diejenigen, W&#228;hler, „die ihn nicht lieben &#252;berzeugen muss, dass er sie liebt.“ Diese Regel stammt urspr&#252;nglich von Bill Clinton, und sie ist vor allem f&#252;r die deutsche Sozialdemokratie relevant. So werden SPD-Chef Franz M&#252;ntefering und Bundesgesch&#228;ftsf&#252;hrer Kajo Wasserh&#246;vel ihr Ziel, dass Willy Brandt-Haus wieder „kampagnenf&#228;higer“ zu machen, unzweifelhaft erreichen. &#220;ber die Mobilisierung der eigenen Truppen hinaus, besteht die eigentliche Herausforderung jedoch darin, W&#228;hlerschichten jenseits der (erodierenden) SPD-Kernw&#228;hlerschaft zu mobilisieren.</p>
<p><strong>Obama hat erkannt, dass sich gesellschaftliche Beteiligungsanspr&#252;che in den letzten Jahrzehnten massiv ver&#228;ndert haben</strong> und sich politische Partizipation l&#228;ngst nicht mehr auf die Akzeptanz von Entscheidungen einer Elite reduziert, sondern immer mehr auf <strong>Teilhabe</strong> ausgerichtet ist. In dem Bewusstsein, dass dies nicht zuletzt mit der Informationsrevolution durch das Internet zu tun hat, entwickelte Obamas Online-Wahlkampfteam „Tripple O“ (Obama&#8217;s Online Operation) eine ausgekl&#252;gelte Kommunikationsstrategie, die, wenn es um den Umgang mit den klassischen Massenmedien ging, nichts dem Zufall &#252;berlie&#223;, w&#228;hrend sie im WWW mit gro&#223;er Konsequenz neue Wege beschritt. Erinnert man sich an die enormen Ressourcen, die seine innerparteiliche Konkurrentin Hillary Clinton in die Vorwahlen einbrachte (und die von Obama nur durch &#252;ber das Internet eingeworbene Kleinspenden &#252;bertrumpft werden konnten), so ist es nicht &#252;bertrieben zu behaupten, dass der n&#228;chste US-Pr&#228;sident ohne das Internet heute ein anderer w&#228;re.</p>
<p>Jeder B&#252;rger, der Obama w&#228;hrend des Wahlkampfs eine Frage &#252;ber seine Website oder Internetanwendungen wie twitter.com schickte, erhielt binnen Tagen eine Antwort. &#220;ber dreieinhalb Millionen Menschen sind mittlerweile mit Obama &#252;ber das Netzwerk facebook vernetzt. Auch wenn solche Zahlen f&#252;r sich genommen wenig aussagen, stets war die Nutzung des Internets mehr als ein Wahlkampf-Gag. Einiges deutet darauf hin, dass auch die Regierung Obamas in ihrer Kommunikation verst&#228;rkt auf Transparenz, Interaktivit&#228;t und nutzergenerierte Inhalte setzen wird, wie sie my.barackobama.com oder change.gov, die virtuelle Plattform Obamas &#220;bergangsteams, auszeichneten. Sein Erfolg ist somit zugleich Chiffre f&#252;r ver&#228;nderte gesellschaftliche Mitsprache- und Beteiligungsanspr&#252;che, denen auch die deutschen Parteien Rechnung tragen m&#252;ssen. Angesichts ihrer nachlassenden Bindungskraft, schwindender Mitgliederzahlen und volatiler Wahlergebnisse ist f&#252;r sie ein den gesellschaftlichen und technologischen Differenzierungen angemessener Dialog essentiell. Hier bietet das Internet enormes Potenzial. Als <strong>Kanal f&#252;r flexibilisierte Beteiligungsformen</strong> kommt es den ver&#228;nderten Verh&#228;ltnissen einer Gesellschaft entgegen, die sich zunehmend au&#223;erhalb traditioneller politischer Strukturen organisiert und statt der Gemeinschaftserfahrung „Ortsverein“ individuell angepasste und themenorientierte Gestaltungsm&#246;glichkeiten sucht.</p>
<p>Dies setzt die F&#228;higkeit voraus, potenzielle W&#228;hlergruppen zu identifizieren und sie online wie offline direkt und mit eigens auf sie zugeschnittenen Informationen und „Mitmach-Angeboten“ ansprechen zu k&#246;nnen. Zwar geh&#246;ren Blogs, spezielle Themenseiten und soziale Software auch hierzulande mittlerweile zum selbstverst&#228;ndlichen Bestandteil der Kampagnenf&#252;hrung. Auch bem&#252;hen sich die deutschen Parteien verst&#228;rkt, Informationen &#252;ber ihre Anh&#228;nger zu sammeln und zielgruppengerechte Angebote zu zimmern. Doch werden von allen Parteien nach wie vor immense Potentiale unber&#252;cksichtigt gelassen. Das hat mit Datenschutzbestimmungen, mangelnden Ressourcen, vor allem aber mit der Angst vor Kontrollverlust zu tun. Denn im Internet wird weitaus horizontaler kommuniziert, als es den Parteistrategen bislang recht ist. Schon hier wird deutlich, dass das Netz sowohl eine Ressource als auch ein Risiko f&#252;r politische Organisationen darstellt. Beteiligung &#252;ber das Internet kann jedoch nur funktionieren, wenn politische Organisationen kommunikativ wie substanziell auf einen gewissen Teil der Kontrolle verzichten und wenn sie die Vermittlung von Politik tats&#228;chlich um den Aspekt des Zuh&#246;rens erweitern. Obama hat dies ber&#252;cksichtigt und das Internet nicht nur als Verlautbarungsinstrument genutzt sondern daf&#252;r, seine politische Vorhaben im kommunikativen Austausch zu erarbeiten und zu begr&#252;nden. Au&#223;erdem (und dies ist die zentrale Lehre f&#252;r den deutschen Wahlkampf, bei dem die Parteien wieder mit allerlei technischem Schnickschnack aufwarten werden) war ihm die Pr&#228;senz im Internet weder Selbstzweck noch Allheilmittel, sondern Bestandteil einer beispiellosen, auch klassische „T&#252;r-zu-T&#252;r“-Strategien umfassenden Mobilisierungsanstrengung, mit der er auch weniger technikaffine Bev&#246;lkerungsschichten erreichte.</p>
<p>Das &#228;ndert nichts daran, dass die deutschen Parteien im Wahlkampf und dar&#252;ber hinaus differenzierter und dialogorientierter kommunizieren m&#252;ssen. Ein Hauptgrund f&#252;r den Erfolg der LINKEN besteht darin, dass Gerade Oskar Lafontaine und Gregor Gysi dem Volk nicht nur nach dem Mund reden, sondern selbigem auf das sprichw&#246;rtliche „Maul schauen“. Deshalb schlagen auch D&#228;monisierungskampagnen gegen die LINKE in der Regel fehl, weil viele W&#228;hler der Partei zu Gute halten, ihnen wenigstens Geh&#246;r zu schenken. Wollen sie ihre gesellschaftliche Verankerung sichern und ihre Gestaltungskraft bewahren, m&#252;ssen die Parteien schon w&#228;hrend der Themenfindung den Dialog mit verschiedenen &#214;ffentlichkeiten suchen – auch, aber nicht nur &#252;ber das Internet. Dar&#252;ber hinaus werden sie nicht umhin kommen, ihre Organisationskulturen nachhaltig zu ver&#228;ndern und jenen neuen Partizipationsbed&#252;rfnissen Rechnung zu getragen, die auf die (auch tempor&#228;re) Mitwirkung an konkreten politischen Projekten ausgerichtet sind.</p>
<p>Die Herausforderung besteht darin, die Authentizit&#228;t des politischen Personals und des politischen Prozesses zu wahren und mit medientauglichen und dialogorientierten Kommunikationsstrategien in Einklang zu bringen. <strong>In einem F&#252;hrungsverst&#228;ndnis, das der eigenen Anh&#228;ngerschaft sowie zeitgem&#228;&#223;er und genuiner Kommunikation eine zentrale Rolle einr&#228;umt, besteht die zentrale Lektion des „Jahrhundert-Wahlkampfes“ Barack Obamas</strong>.
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		<title>Die Legende vom Apfelwein-Obama</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 14:55:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Thorsten Schäfer-Gümbel]]></category>

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		<description><![CDATA[Die fast schon legend&#228;re Online-Kampagne des Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel steht f&#252;r einen atemberaubenden Imagewandel des Internets: vom Wahlkampf-Aschenputtel zur „neuen Machtressource“ schlechthin. Obama-Vergleiche mit „TSG“ sind hingegen v&#246;llig &#252;berzogen – der hoffnungslose Hesse ist eher in einer Sarah Palin-Situation. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/1691664f2b339dda5973045becf212" alt="" width="1" height="1" />Mit Blick auf die medialen Besonderheiten des Landtagswahlkampfs in Hessen ist keine Frage h&#228;ufiger gestellt worden als die nach den „Auswirkungen des US-Pr&#228;sidentschaftswahlkampfs und ganz besonders der Rolle des Internet“. <strong>Deutsche Medien berichten landauf, landab, dass die jetzt beinahe schon legend&#228;re Online-Kampagne von Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel &#252;berhaupt nur als Folge des erfolgreichen Internetwahlkampfs in den USA funktioniere</strong> – als digitales Echo und Abglanz des ersten „e-Pr&#228;sidenten“. In einer etwas seltsamen Wendung konnte der eher spr&#246;de Spitzenkandidat mit dem Label „TSG“ dabei zu einer Art politischer Internet-Ber&#252;hmtheit werden und ganz nebenbei bewahrheitet sich scheinbar auch mal wieder die beliebte „Amerikanisierungsthese“ – <strong>jenseits des Atlantiks entwickeln sich neuartige Formen politischer Kommunikation, die schlafm&#252;tzige deutsche Politik reagiert darauf, ahmt ein paar Elemente nach und hofft, dass es passt.</strong></p>
<p>Das w&#228;re alles nicht unbedingt bemerkenswert. Beim n&#228;heren Hinsehen fallen aber doch einige Ecken und Kanten dieser kleinen „Legende vom Apfelwein-Obama“ auf.</p>
<p><strong>Interessant ist zun&#228;chst der Imagewandel des Internet</strong> vom Wahlkampf-Aschenputtel, dem noch im Sommer hierzulande kaum jemand wahlentscheidende Wirkung beimessen wollte, &#252;ber das „junge, wilde Netzmedium“ mit Innovationsqualit&#228;t bis hin zur „neuen Machtressource“ des Wei&#223;en Hauses. F&#252;r eine ausf&#252;hrliche Darstellung gerade der Begriffskarriere in den deutschen Medien fehlt an dieser Stelle der Raum, stellvertetend sei an die <a href="http://www.twitter.com/hubertus_heil">„Twitter-Episode“ um Hubertus Heil</a> w&#228;hrend des Parteitages der Demokraten im August erinnert. Oder an diese seltsamen Experimente der Kandidaten mit Online-Communities wie MySpace oder Facebook &#8211; oder diese personalisierten E-Mails mit Informationen zum Kampagnenverlauf und Spendenaufrufen. Und so weiter, und so weiter.</p>
<p>Der erste deutsche Landtagswahlkampf nach der US-Wahl ist nun zu einem kleinen Lehrst&#252;ck des Missverstehens in der gar nicht mehr so jungen Entwicklungsgeschichte des Internets als Wahlkampfumgebung geworden. <strong>Die SPD mit Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel vorweg bespielt im ultrakurzen, von Weihnachtsfeiertagen und Jahreswechsel unterbrochenen Wahlkampf die derzeit &#252;blichen Online-Kan&#228;le.</strong> Sie ist nicht nur mit einer Kandidaten-Homepage am Start, sondern eben auch mit YouTube-Videos, Profilseiten auf den Social Network Sites StudiVZ, Facebook und Wer-kennt-wen, dar&#252;ber hinaus betreibt „TSG“ seit dem offiziellen Wahlkampfauftakt am 4. Januar einen Twitter-Account. Die &#252;brigen Parteien folgen dieser Diversifizierungsstrategie bem&#252;ht (wie die Gr&#252;nen mit eifriger Social Media-Pr&#228;senz), halbherzig (wie die CDU mit dem nur dem Namen nach modernen Webcamp09) oder gar nicht (wie FDP und Linkspartei). Doch dadurch wandelt TSG l&#228;ngst nicht auf Obamas Spuren, und der hessische Landtagswahlkampf ist auch kein Abbild der US-Kampagne im Westentaschenformat –<strong> die digitale Wahlkampff&#252;hrung der hessischen Parteien spiegelt damit einfach nur den aktuellen Entwicklungsstand des Online-Campaigning in Deutschland, mehr nicht.</strong></p>
<p>Im Schlaglicht der eilig mit Photoshop zusammengebastelten <a href="http://www.designtagebuch.de/nach-der-wahl-ist-vor-der-wahl/">Sch&#228;fer-G&#252;mbel/Obama-Logos</a> (Motto: Yo isch kann!), vor sich hin blubbernden Musikvideoclips (Rob Vegas <a href="http://www.youtube.com/watch?v=da5pXCjk1Q8">„Schaefer Guembel Song“</a>) oder schrulligen Animationsfilmen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=rpDrBsgobfA">Jonas Kramers &#8220;Superg&#252;mbel &#8211; Der Film&#8221;</a>) haben substanzielle Vergleiche der politischen Internet-Nutzung quasi keine Chance.</p>
<p>Denn mit nur etwas mehr Distanz zum Gegenstand lie&#223;e sich schnell feststellen: Allein schon <strong>der Zeitfaktor verbietet einen Vergleich der Online-Kampagnen – viele der letztlich entscheidenden Wirkungen des Obama-Wahlkampfs waren ein Produkt der immensen Lauf- und Entwicklungszeiten der Kandidaten-Pr&#228;senz auf den verschiedenen Netzwerk-Plattformen.</strong> Zwischen Beginn der Kandidatur Anfang 2007 bis zur Wahl Ende 2008 lagen beinahe zwei Jahre Zeit f&#252;r eine aufw&#228;ndige Netzwerkpflege und den teuren Aufbau leistungsf&#228;higer Adressdatenbanken. W&#228;hrend dieser zwanzig Monate fand auf den Homepages beider Pr&#228;sidentschaftskandidaten ein allm&#228;hlicher Gestaltwandel statt, der das digitale Glanzpapier der Anfangsmonate in eigenst&#228;ndige Social Network Sites transformiert hat: am Ende des Entwicklungsprozesses stand mit MyBarackObama.com eine neue Form vernetzter politischer &#214;ffentlichkeit, ein personenzentrierter Interaktionsraum mit der Reichweite einer prominenten Fernsehsendung und den Funktionalit&#228;ten von Facebook. <strong>Derartige Entwicklungen und Effekte lassen sich in Deutschland nicht einmal mehr bis zur Bundestagswahl im Herbst 2009 erzielen, geschweige denn in einem auf wenige Wochen verk&#252;rzten Landtagswahlkampf.</strong></p>
<p>Au&#223;erdem ist die mediale Stimmung im Land der politischen Digitalisierung nicht gerade zutr&#228;glich – mit Blick auf die extrem wankelm&#252;tige Berichterstattung &#252;ber die Online-Bem&#252;hungen der deutschen Politik (durch Offline-, nicht selten aber auch durch Online-Medien) werden die Protagonisten in eine Zwickm&#252;hle getrieben: einerseits eilt den deutschen Online-Aktivit&#228;ten der Ruf langweiliger Pixel-B&#252;rokratie voraus (etwa im Video-Podcast der Kanzlerin), andererseits wird auf Abweichungen von der Norm gerne mit dem „Jugendwahn“-Vorwurf reagiert (etwa bei der Social Network-Kampagne des „Team Beckstein“ zur bayerischen Landtagswahl). Dadurch bedarf jede Innovation der Kampagnenf&#252;hrung eine Extraportion Mut – denn <strong>das negative Feedback ist gewisserma&#223;en vorprogrammiert</strong>.</p>
<p>Und auch ein Blick auf die W&#228;hlerschaft sollte nicht fehlen – zwar hat sich in Deutschland durchaus herumgesprochen, dass es sich beim Web 2.0 um das so genannte „Mitmach-Netz“ handelt, also die Produktion eigener Inhalte einfacher und attraktiver geworden ist – doch bislang macht noch kaum jemand Gebrauch davon. <strong>Der „w&#228;hler-generierte Inhalt“ des hessischen Landtagswahlkampfs bleibt unpolitisch</strong> – bis auf wenige Ausnahmen – und ersch&#246;pft sich in Photoshop-Gaukeleien, albernen Musikvideos und Animationsfilmen oder kopierten Twitter-Identit&#228;ten. Auch hier gilt zwar das Argument der fehlenden Entwicklungszeit, doch immerhin ein paar Ans&#228;tze f&#252;r eine ernsthafte Einmischung in den digitalen Wahlkampf h&#228;tte man sich schon erhofft.</p>
<p>Bleibt schlie&#223;lich ein letztes Missverst&#228;ndnis auf dem Weg zum Ende der Legende vom Apfelwein-Obama: warum kommt eigentlich niemand auf die Idee, dass es noch ein anderes Vergleichs-Setting aus dem US-Wahlkampf f&#252;r Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel gibt? <strong>Im Grunde &#228;hnelt die Situation der hessischen SPD doch viel eher der Lage der strauchelnden Republikaner</strong> – eine „lame duck“ im Hintergrund, Querelen in den eigenen Reihen, R&#252;ckstand in den Umfragen… und nur eine wagemutige Personalentscheidung kann die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit und das „Momentum“ zur&#252;ckerobern: Genau, <strong>Thorsten Sch&#228;fer-G&#252;mbel hat die hessische SPD als Spitzenkandidat in einer „Sarah Palin-Situation“ &#252;bernommen</strong>.</p>
<p>Doch das ist eine andere Geschichte.
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		<title>Kalter Krieg im &#196;ther: Fox News wird Oppositionssender</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jan 2009 16:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/15fd22ba64199d30468df8c2eb6d77" alt="" width="1" height="1" />Die Kreuzung der 6th Avenue und der 47th Street in New York ist <strong>der umk&#228;mpfteste Ort im US-Medienbetrieb</strong>. Dort residieren die Studios von NBC und MSNBC im m&#228;chtigen Sandsteingebirge des Rockefeller Center &#8211; und gleich gegen&#252;ber liegt in einem B&#252;roturm das Hauptquartier von Fox News. MSNBC-Nachrichtensprecher Keith Olberman kann aus seinem Fenster sogar das Office seines gro&#223;en Rivalen Bill O&#8217;Reilly sehen. Manchmal, erz&#228;hlt er, „stelle ich mir vor, dass von dort ein b&#246;sartiges Heulen zu h&#246;ren ist&#8221;. <strong>Die amerikanischen Nachrichtenmedien sind so gespalten wie der US-Senat und das ganze Land</strong>. W&#228;hrend auf MSNC Olberman und seine Kollegen Chris Matthews und Rachel Maddow kein Geheimnis aus ihren politischen Ansichten machen (Olberman lie&#223; sich einmal zu dem Satz hinrei&#223;en: „Ist der Pr&#228;sident ein pathologischer L&#252;gner, oder nur unser <strong>oberster Idiot</strong>?&#8221;), l&#228;uft auf Fox News das politische Kontrastprogramm. Bill O&#8217;Reilly, Sean Hannity und Greta van Susteren verteidigen noch die <strong>absurdeste PR-Ma&#223;nahme </strong>der Bush-Administration als politische Notwehr, und ziehen gegen Liberale, Terroristen und alles Unamerikanische zu Felde. <strong>Die anbrechende Obama-Pr&#228;sidentschaft pr&#228;sentiert MSNBC mit Weichzeichner-Optik und Geigenkl&#228;ngen („A new era of leaderhip begins&#8221;), Fox zeigt Barack Obama neben Hamas-Terroristen und explodierenden Sprengs&#228;tzen.</strong></p>
<p>Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: <strong>Aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium.</strong> Und der rebellische Anti-Bush-Sender MSNBC wechselt ins Regierungslager.</p>
<p>Die erbitterte Rivalit&#228;t von MSNBC und Fox News steht f&#252;r ein neues Zeitalter der US-Mediengeschichte. Das alte Paradigma des amerikanischen Journalismus (&#8220;Opinion is free, facts are sacred&#8221;), das 100 Jahre gegolten hatte, wird abgel&#246;st durch die Herrschaft des &#8220;Commentariat&#8221; und der &#8220;Punditocracy&#8221; &#8211; die einflussreiche Kaste der Analysten und Polit-Prediger. Mit dem Motto „<strong>Attacke statt Analyse, Konflikt statt Konsens, Rechthaberei statt Faktenhuberei </strong>sind die Sender sehr erfolgreich. CNN, MSNBC und Fox News haben einen Marktanteil von 46 Prozent im TV-Nachrichtengesch&#228;ft &#8211; und die drei gro&#223;en Sender ABC, NBC und CBS weit hinter sich gelassen. Im Wahlkampf 2008 steigerten Fox News und MSNBC ihre Einschaltquoten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 101 Prozent bzw. 158 Prozent (Nielsen Media Research).</p>
<p>Das Fernsehen galt in Amerika lange als „National Campfire&#8221;, als gemeinsame W&#228;rme- und Lichtquelle, um die herum sich die Gesamtbev&#246;lkerung versammelte, um sich Geschichten &#252;ber das Leben zu erz&#228;hlen und die weitere Vorgehensweise zu diskutieren &#8211; eine moderne Inkarnation des Lagerfeuers, um das sich die Pioniere auf ihrem Treck nach Westen dr&#228;ngten. Heute brennen im &#196;ther viele Tausend Pixel-Lagerfeuer. „<strong>Im Zeitalter von Internet und Satelliten-TV gibt es f&#252;r jede demographische und psychographische Identit&#228;t ein Angebot</strong>&#8220;, sagt Johnathan Morris, Politik-Professor an der East Carolina University, der mehrere Studien &#252;ber &#8220;Cable News&#8221; verfasst hat.  Die mediale Service-Optimierung habe jedoch gesellschaftliche Konsequenzen. „Die Menschen suchen sich zunehmend Angebote, die ihre bereits existierenden Meinungen und Ansichten &#252;ber die Welt best&#228;tigen&#8221;. Kongnitive Dissonanzen werden immer mehr gemieden. Kein Wunder also, dass eine Studie des Pew Research Centers herausfand, dass die &#8220;Zuschauerschaft der Kabelnachrichtensender hochgradig parteiisch&#8221; sei. <strong>Die Linke sammelt sich um das Lagerfeuer von MSNBC, die Rechte w&#228;rmt sich an der Glut von Fox News.</strong></p>
<p>Anchorman, nannte man die TV-Sprecher wie Walter Cronkite oder Tom Brokaw auch, vielleicht, weil sie den Menschen bei der Verortung halfen und ihnen ein wenig Halt gaben. Heute &#228;hneln die Moderatoren eher Animateuren, die die Zuschauer in Schwingung versetzen sollen. Hey! Wow! Take this! Look at that! „Beim Kabelfernsehen geht es um Abwehr von Ablehnung&#8221;, meint Phil Griffin, Nachrichtenchef von MSNBC. „95 Prozent der Leute gehen an dir vorbei und du versuchst sie dir zu greifen.&#8221; <strong>MSNBC und Fox News (und in einem geringeren Ma&#223;e auch CNN) pr&#228;sentieren das Weltgeschehen dann auch wie einen Kinofilm, als Kampf zwischen Gut und B&#246;se, Schwarz und Wei&#223;</strong>. Die politische Radikalisierung der Sender ist nur eine Folge der Programmplanung mit den Mega-Werten Action und Emotion. Niemand sollte glauben, dass wir es mit Ideologen zu tun haben. <strong>Die politische Ausrichtung ist eine rein &#246;konomische Entscheidung</strong> (und man fragt sich, ob  das eigentlich eine gute Nachricht ist). Fox News gab der konservativen Basis w&#228;hrend der Clinton-Jahre eine Heimat im TV. Und als sich viele Medien nach dem 11. September und dem Irak-Krieg zu Sprachrohren der Bush-Administration machten, und wieder eine Zielgruppe herrenlos im &#196;ther herum strich, da griff eben MSNBC zu.</p>
<p>Verfolgt man die Berichterstattung &#252;ber ein politisches Ereignis auf MSNBC und Fox News, entsteht vor allem in den Abendstunden der Eindruck, das TV-Ger&#228;t sei wom&#246;glich per Kabel mit zwei Paralleldimensionen verbunden. In der Primetime l&#228;uft das Commentariat zur H&#246;chstform auf. &#8220;Es gibt keine Hinweise&#8221;, sagte Sean Hannity k&#252;rzlich, &#8220;dass Obama in den Korruptionsskandal um den Gouverneur von Illinois verwickelt ist&#8221; &#8211; und zeigte dann trotzdem f&#252;nf Minuten lang Fotos, auf denen die beiden Politiker zusammen zu sehen waren. <strong>&#8220;Fair and Balanced&#8221; lautet das Motto von &#8220;Fox News&#8221; &#8211; das ist keine Selbstironie, sondern eine selbstbewusste Neu-Definition der Begriffe</strong>. Bei Fox News (und MSNBC) versteht man unter Balance nicht Ausgewogenheit oder Objektivit&#228;t, sondern eine Form des Aktivismus. &#8220;Fox News&#8221; soll laut O&#8217;Reilly und Hannity ein Gegengewicht  zum &#8220;liberalen Mainstream&#8221; bilden, und so in der Gesamtgesellschaft eine Balance herstellen.<strong> &#8220;Objektitvit&#228;t&#8221; muss man einem Sachverhalt also nicht mehr entgegen bringen, sondern auf der Makro-Ebene aktiv schaffen</strong>. &#8220;Wir leben in einen Land&#8221;, schrieb deshalb der Times-Kolumnist und Nobelpreistr&#228;ger Paul Krugman vor einiger Zeit, &#8220;<strong>in dem es so etwas wie eine nicht-politische Wahrheit nicht mehr gibt</strong> (&#8230;) Die Gl&#228;ubigen folgen den Verdrehungen und Wendungen ihrer Partei mit einer Loyalit&#228;t, die das Comintern zufrieden gestellt h&#228;tte&#8221;.</p>
<p>MSNBC und Fox News sind telemediale Zwillinge. Kulissen, Trailer und Logos sind in den Farben Rot, Blau und Wei&#223; gehalten, als h&#228;tte man f&#252;r das Production Design ein paar Hundert US-Flaggen zerrissen, und <strong>mit den patriotischen Partikeln eine H&#246;hle gebaut</strong>. Streicher, Posaunen und Orgeln begleiten die Bilder auf beiden Sendern  &#8211; ganz so, als w&#252;rde ein Filmkomponist die Breaking News live in einer Symphonie verarbeiten. Und die Typographie der Titel glitzert auf beiden Sender wie die Eisen-Letter am Jefferson Memorial in Washington D.C. („Information ist die W&#228;hrung der Demokratie&#8221;, steht da &#252;brigens an der Wand). Nach Konsum der Kabel-TV-Sender w&#252;nscht man sich, ein moralisch recht fragw&#252;rdiges Experiment durchf&#252;hren zu d&#252;rfen, um die Langzeitwirkung der Meinungssender zu untersuchen: Was w&#228;re, wenn man zwei Zwillinge nach der Geburt in zwei aneinander grenzende R&#228;ume sperren w&#252;rde. In einem der R&#228;ume w&#252;rde Fox News laufen, im anderen MSNBC, und nach 18 Jahren &#246;ffnete man die T&#252;r. Was w&#252;rde passieren? <strong>Wahrscheinlich ein &#8220;Clash of Cultures&#8221; &#8211; trotz gleicher DNA</strong>.</p>
<p>Politologen und Medienwirkungsforscher bef&#252;rchten durch die Aufteilung des &#196;thers in ideologisch klar definierte Zonen eine &#8220;Polarisierung des Diskurses&#8221;. &#8220;Wenn man immer nur in seiner Meinung best&#228;tigt wird&#8221;, meint Morris, &#8220;dann k&#246;nnte es passieren, dass sich die Stimmung aufschaukelt und die Ansichten immer extremer werden.&#8221; <strong>Die Werte-Communitys in den isolierten Medien-R&#228;umen verhalten sich wie Sportmannschaften</strong>, die sich vor dem Match in einem Kreis versammeln, die H&#228;nde aufeinander legt und gegen&#252;ber der Umwelt einen Wall aus K&#246;rpern und Vereinsfarben errichtet: &#8220;Wir sind stark!&#8221;, schreien die Spieler dann, &#8220;Wir werden gewinnen!&#8221; F&#252;r Empathie f&#252;r die Motive und Individualit&#228;t des Gegners bleibt in diesem bin&#228;ren Sieg-Niederlage-Denken kein Platz.</p>
<p>Die Propaganda der Parteisender ist f&#252;r den gesellschaftlichen Diskurs wom&#246;glich weniger gef&#228;hrlich als &#8220;die erheblichen Unterschiede in Wissen und Bewusstsein von Informationen&#8221;, welche das Pew Research Center <a href="http://people-press.org/report/467/internet-campaign-news">in einer aktuellen Studie</a> zwischen dem Publikum von Fox News und MSNBC festgestellt hat. Die Tatsache, dass die Republikaner mehr als 150 000 Dollar f&#252;r die Klamotten von Sarah Palin ausgegeben haben, war 71 Prozent der MSNBC-Zuschauer &#8220;stark bewusst&#8221;. Im Vergleich konnten sich nur 51 Prozent der Fox News-Zuschauer an den Skandal erinnern. Und dass Colin Powell, der Kriegsheld und ehemalige Au&#223;enminister von George W. Bush, vor der Wahl seine Unterst&#252;tzung f&#252;r Obama erkl&#228;rt hatte, wussten ebenfalls 70 Prozent der MSNBC-Zuschauer und nur 54 Prozent der Fox Zuschauer. Demokratie basiert unter anderem darauf, dass die B&#252;rger geteilte Informationen und Erlebnisse haben.&#8221; Indem die ideologisch aufgeladenen TV-Nachrichten ihrem Publikum jedoch einige Informationen vorenthalten, und andere Informationen betonen, k&#246;nnte es im Extremfall zu der Situation kommen, dass sich die Zuschauer von MSNBC und Fox News irgendwann nicht mehr &#252;ber ein politisches Thema verst&#228;ndigen k&#246;nnen &#8211; nicht, weil sich die beiden Mannschaften so sehr verabscheuen w&#252;rden, sondern weil sich die Spieler nicht mehr auf die Regeln des Spiels einigen k&#246;nnen, die L&#228;nge einer Halbzeit, die erlaubten Mittel, das Ziel. Der L&#228;rm erzeugt Sprachlosigkeit.</p>
<p><strong>Nachtrag</strong>: Pews beeindruckender <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">R&#252;ckblick</a> auf die Bush-Jahre in zwei Charts:</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3725" title="bild-13" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-13.png" alt="bild-13" width="603" height="452" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3726" title="bild-14" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-14.png" alt="bild-14" width="323" height="455" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">Bush and Public Opinion</a></p>
<p>Werbepause:</p>
<h2 class="widgettitle">Der digitale Pr&#228;sident</h2>
<p>Barack Obama hat die Pr&#228;sidentschaftswahl mit Hilfe des Internets gewonnen &#8211; wie wird er mit Hilfe des Internets regieren? Live-&#220;bertragung und Diskussion mit Mercedes Bunz, Bj&#246;rn B&#246;hning und Tobias Moorstedt. 20. Januar, 18 Uhr. Mehr <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/downloads/3613/obama_kabinett_lincoln/../../Carta_20Jan09_Obama.jpg');" href="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg">hier…</a></p>
<p><img class="alignnone" src="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg" alt="" width="538" height="253" />
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<a href="http://carta.info/3724/fox_news_obama_usa_cnn_medien/">Kalter Krieg im &#196;ther: Fox News wird Oppositionssender</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/3724/fox_news_obama_usa_cnn_medien/#comments">No comment</a>
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		<title>Einer f&#252;r alle, alle f&#252;r einen</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 16:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Paulus Meyer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Barack Obamas partei&#252;bergreifendes Kabinett ist nicht Neues. Graben&#252;berspannende Regierungen bildeten bereits andere vor ihm. Und soviel Change versprechen seine Personalentscheidungen auch gar nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/135528a6cbc4336bf09ebd09f48169" alt="" width="1" height="1" /><strong>Barack Obamas partei&#252;bergreifendes Kabinett ist nichts Neues. Graben&#252;berspannende Regierungen bildeten bereits andere vor ihm. Und s</strong><strong>oviel Change versprechen seine Personalentscheidungen auch gar nicht</strong>.</p>
<p>Change, change, change &#8211; warb Barack Obama ohne Unterlass f&#252;r seine Pr&#228;sidentschaft. Alles sollte sich wandeln: Politikinhalte, Politikstil und nat&#252;rlich die Politiker selbst. Schon im Mai vergangenen Jahres lie&#223; Obama durchschimmern, welcher scheinbar einzigartigen Methode er sich bei seiner Kabinettsbildung bedienen werde: Der Kandidat gab bekannt das Buch „Team of Rivals&#8221; der Historikerin Doris Kearns Goodwin gelesen zu haben. Sofort entstand das Ger&#252;cht, der Demokrat werde, &#228;hnlich wie<strong> &#220;bervater Abraham Lincoln </strong>w&#228;hrend des B&#252;rgerkrieges, sein Kabinett nicht aus altgedienten Freunden und treuen Parteisoldaten zusammenschustern, sondern partei&#252;bergreifend auch ehemalige Rivalen und Republikaner in die Regierung einbinden.</p>
<p>Obamas Ank&#252;ndigung einer Allparteienregierung sieht nach change auf allen Ebenen aus. Mit seinem pragmatischen, unkomplizierten und vor allem neuen &#8211; oder zumindest k&#252;rzlich erst wiederentdeckten &#8211; personalpolitischen Kniff will er eine zentrale Botschaft seiner Pr&#228;sidentschaft deutlich machen: Obama steht f&#252;r das ganze US-amerikanische Volk. Er steht &#252;ber den Grabenk&#228;mpfen zwischen Demokraten und Republikanern, die das Land in den vergangenen Jahren tief gespalten hatten. <strong>Und er steht gegen die Politik seines Vorg&#228;ngers.</strong></p>
<p>Wenn Barack Obama am 20. Januar sein Amt von „W&#8221; &#252;bernimmt, wechselt mit dem ersten schwarzen Pr&#228;sidenten der Vereinigten Staaten eine neue Regierungsmannschaft ins Wei&#223;e Haus. Komplett neu? Bei weitem nicht:</p>
<p>&#8211; Robert Gates, Verteidigungsminister unter Bush jr., bleibt im Amt.</p>
<p>&#8211; James Jones, General a.D. wird Sicherheitsberater des Pr&#228;sidenten. Jones gilt als unabh&#228;ngiger, auch von Republikanern gesch&#228;tzter Berater. Au&#223;enministerin <strong>Condoleezza Rice bot ihm bereits zweimal den Posten ihres Stellvertreters an</strong> und konnte ihn schlie&#223;lich zumindest &#252;berreden, US-Sonderbeauftragter f&#252;r den Nahen Osten zu werden.</p>
<p>&#8211; Hillary Clinton, die ehemalige st&#228;rkste parteiinterne Konkurrentin Obamas, &#252;bernimmt das Au&#223;enministerium.</p>
<p><strong>Obama hat seinen „Lincoln&#8221; gelesen</strong>, vormalige Konkurrenten auf seine Sache eingeschworen und wieder einmal als Erster verstanden, wie moderne Politik funktioniert &#8211; m&#246;chte man denken: Change eben. <strong>Ganz so neu ist die Einbindung vermeintlicher Gegner jedoch nicht</strong>: Bereits seit einigen Jahren geht der Trend zur &#220;berparteilichkeit. Gordon Brown und Nicolas Sarkozy haben es vorgemacht:</p>
<p>&#8211; In einem geschickten Schachzug besetzte Super-Sarko sein „<strong>Kabinett der &#214;ffnung</strong>&#8221; mit dem Oppositionellen Bernard Kouchner,  der vorher selbst als Pr&#228;sidentschaftskandidat der Sozialisten gehandelt wurde. Sarkozys Au&#223;enminister Kouchner war bereits vier Mal Minister &#8211; bisher aber in einer linken Regierung. Ein weiteres bewusstes Zeichen der partei&#252;bergreifenden &#214;ffnung war die Ernennung des Liberalen Hervé Morin als Verteidigungsminister. Morin von der Zentrumspartei UDF stammt aus dem Lager des gescheiterten Pr&#228;sidentschaftskandidaten Francois Bayrou.</p>
<p>&#8211; Auch auf der anderen Seite des &#196;rmelkanals hatte ein Regierungschef Obamas Personalpolitik vorgegriffen: Gordon Brown, der Mitte 2007 an die Spitze der britischen Regierung ger&#252;ckt war. Brown kittete allerdings nicht wie Sarkozy Risse &#252;ber die Parteigrenzen hinweg, <strong>sondern innerhalb seines eigenen Lagers.</strong> Der Schotte berief David Miliband zum Au&#223;enminister und band damit seinen st&#228;rksten innerparteilichen Herausforderer in die Kabinettsdisziplin ein. Bisher mit Erfolg.</p>
<p><strong>Soviel Change ist also gar nicht drin, in Obamas Allparteienkabinett</strong>. Die Lincoln-Reminiszenz &#252;berdeckt, dass sich der Demokrat auf viele bereits bekannte Berater st&#252;tzt: Namen im Obama-Team wie Rahm Emanuel, Timothy F. Geithner, Peter R. Orszag und Robert E. Rubin rufen alle einen Namen in Erinnerung: Bill Clinton. <strong>Graben&#252;bergreifende Personalpolitik ist folglich nicht so neu, wie Obama uns glauben macht</strong>. Und auch das Vorbild Lincoln hatte sich die Zusammensetzung seiner Regierungsmannschaft abgeschaut, wie Jordan Mejias von der FAZ <a href="http://www.faz.net/s/Rub0A1169E18C724B0980CCD7215BCFAE4F/Doc~ECABD97E1D4B444529D0163115F3C3F48~ATpl~Ecommon~Scontent.html">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>„Lincolns Schachzug, wie der Historiker James Oakes darlegt, war gar nicht so neu. Auch John Quincy Adams hatte bereits seinem Rivalen Henry Clay den Au&#223;enministerposten anvertraut, und seine Nachfolger Millard Fillmore, Franklin Pierce und James Buchanan folgten einem &#228;hnlichen Modell. Besonders erfolgreich waren alle diese Regierungen nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p><span style="color: #ffffff;"> asdfasdf</span></p>
<p><span style="color: #ffffff;">asdfasdf<br />
</span></p>
<p><span style="color: #ffffff;">asdfasdfsadf</span></p>
<p>Werbepause:</p>
<h2 class="widgettitle">Der digitale Pr&#228;sident</h2>
<p>Barack Obama hat die Pr&#228;sidentschaftswahl mit Hilfe des Internets gewonnen &#8211; wie wird er mit Hilfe des Internets regieren? Live-&#220;bertragung und Diskussion mit Mercedes Bunz, Bj&#246;rn B&#246;hning und Tobias Moorstedt. 20. Januar, 18 Uhr. Mehr <a href="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg">hier&#8230;</a></p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=3613&amp;md5=b8c0995e1531b0024aefc29508ac3a3e" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Linke Theoretiker warnen vor Euphorie</title>
		<link>http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/linke-theoretiker-warnen-vor-euphorie/</link>
		<comments>http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/linke-theoretiker-warnen-vor-euphorie/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2008 12:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>

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		<description><![CDATA[Obamas Wahl wird nicht von allen linken Theoretikern bejubelt. mehr...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Obamas Wahl wird nicht von allen linken Theoretikern bejubelt. <a href="http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/linke-theoretiker-warnen-vor-euphorie/ ">mehr&#8230;</a>
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		<title>Barack Obama: Auf dem Weg zum Pr&#228;sident 2.0</title>
		<link>http://carta.info/1066/barack-obama-auf-dem-weg-zum-praesident-20/</link>
		<comments>http://carta.info/1066/barack-obama-auf-dem-weg-zum-praesident-20/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 05 Nov 2008 22:53:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Bieber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Barack Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Wahlsieg von Barack Obama basiert auf den "Rovian politics" der Schl&#252;sselstaaten-Kampagne - und auf dem massiven Einsatz des Internets. Diese Machtressource wird aus der politischen Strategie von Obama nicht mehr verschwinden. Sein neuer Stab f&#252;r das Wei&#223;e Haus steht vor der gro&#223;en Aufgabe, eine &#252;beraus erfolgreiche, b&#252;rgerbasierte Online-Kampagne allm&#228;hlich in "Presidential Politics 2.0" zu transformieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einem etwas holprigen Start war in der Wahlnacht relativ schnell klar, dass sich die in den zahlreichen Meinungsumfragen erhobenen Daten auch einigerma&#223;en exakt in Wahlergebnisse &#252;bersetzen w&#252;rden. Nach den &#8220;calls&#8221; der umstrittenen Bundesstaaten Pennsylvania und Ohio ging es (beinahe) nur noch um die H&#246;he des Erfolges &#8211; mit 349 zu 163 &#8220;electoral votes&#8221; scheint es der von vielen erhoffte &#8220;landslide victory&#8221; geworden zu sein. Ein n&#228;herer Blick zeigt aber, dass es nach wie vor eine deutliche Spaltung des Landes in zwei ann&#228;hernd gleich gro&#223;e Lager zu geben scheint: das &#8220;popular vote&#8221; hat Obama zwar ebenfalls f&#252;r sich entscheiden k&#246;nnen, jedoch mit <strong>53 Prozent zu 47 Prozent </strong>weitaus knapper als den Kampf um die Wahlm&#228;nnerstimmen. Das entspricht einem Vorsprung von<strong> ca. 7 Millionen Stimmen</strong>, gemessen an der hohen Wahlbeteiligung von ca. 134 Millionen abgegebenen Stimmen ist dies ganz sicher nicht der von vielen beschworene &#8220;landslide victory&#8221; &#8211; es ist ein Sieg, der durch punktuelle Gewinne an den richtigen Stellen zu einer komfortablen Mehrheit im &#8220;Electoral College&#8221; gef&#252;hrt hat.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/3004210577_b987e49190_o.png"><img class="aligncenter size-full wp-image-1071" title="3004210577_b987e49190_o" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2008/11/3004210577_b987e49190_o.png" alt="" width="327" height="265" /></a></p>
<p>Das spricht zun&#228;chst einmal daf&#252;r, dass die Demokraten ihre Lektion aus den letzten beiden Niederlagen gelernt haben: die &#8220;<strong>Rovian politics</strong>&#8220;, also das gezielte Steuern der Kampagne in die besonders umk&#228;mpften und besonders wahlm&#228;nnerstarken &#8220;<strong>battleground states</strong>&#8221; wurde nun von der Obama-Kampagne erfolgreich umgesetzt &#8211; Karl Rove, Mastermind hinter den Bush-Kampagnen hat dies erkannt und fr&#252;h am Wahlabend den Obama-Erfolg akzeptiert. Auf der anderen Seite zeigt sich hier, dass die beiden Lager doch n&#228;her beinander liegen, als es die Stimmenanteile im h&#228;ufig kritisierten Wahlm&#228;nnergremium suggerieren. Unterst&#252;tzt wird diese Situtation zum einen durch die Lage im Senat, der zwar ebenfalls in demokratischer Hand bleibt, aber eben doch nicht so deutlich wie dies vielleicht erhofft oder erwartet wurde. Das deutlichste Zeichen sind jedoch die Resultate einiger &#8220;ballot measures&#8221; auf Bundesstaatsebene, die eher in Richtung republikanischer Politikideen zielen: insbesondere der &#8220;<strong>Gay Marriage Ban</strong>&#8221; in Florida und Kalifornien vertr&#228;gt sich nicht so recht mit dem bisweilen vorschnell ausgerufenen Ruck nach links.</p>
<p><strong>Dennoch d&#252;rfte sich mit dem Einzug von Barack Obama ins Wei&#223;e Haus einiges &#228;ndern, daf&#252;r wird besonders auch die innovative Organisation der Wahlkampagnen unter Zuhilfenahme neuer Medien sorgen.</strong> Gerade in den letzten Tagen vor der Wahl verzeichnete die Online-Unterst&#252;tzerschaft, z.B. auf Facebook, noch einmal gewaltige Zuw&#228;chse und auch das Netzwerk hinter der Website mybarackobama.com war bis zum Tag der Stimmabgabe eine der wichtigsten Ressourcen f&#252;r die Mobilisierung der demokratischen W&#228;hlerbasis. Insofern war es wenig &#252;berraschend, dass bis tief in den Wahlabend hinein auf der Homepage noch zur Stimmabgabe und der Nachbarschafts-Aktivierung aufgerufen wurde &#8211; auch dann noch, als alte und neue Medien Obama einm&#252;tig zum Wahlsieger erkl&#228;rt hatten.</p>
<p>Ein wichtiges Element in der nun anstehenden &#8220;transition period&#8221; bis hin zur Vereidigung des 44. Pr&#228;sidenten der Vereinigten Staaten am 20. Januar 2009 wird die Diskussion um die <strong>k&#252;nftige Nutzung der neuen Machtressource Internet</strong> sein. Dass die Online-Wahlkampagne von Barack Obama neue Ma&#223;st&#228;be bei der Einbindung freiwilligen, externen Sachverstandes eine gro&#223;e Rolle bei der Verbreiterung der Aktionsbasis gesetzt hat, ist inzwischen fast schon &#8220;common sense&#8221;. Noch g&#228;nzlich ungekl&#228;rt ist dagegen die Frage, was nach dem Wahlsieg mit den enormen Mengen der digital eingeschriebenen Unterst&#252;tzer geschieht. Kaum denkbar erscheint eine Integration in die vorhandenen Parteistrukturen, bestenfalls eine lose Ankopplung an die lokalen Machtzentren k&#246;nnte gelingen &#8211; die Organisation entlang der Bundesstaaten und kleinerer geografischer Einheiten k&#246;nnte diese Verbindun beg&#252;nstigen. Aber es sind auch andere L&#246;sungen denkbar, die schon vorhandene Organisationsstrukturen ignorieren und sich teilweise im Rahmen selbstorganisierter Prozesse (wie etwa unter Obama-Unterst&#252;tzern in Connecticut) entwickeln. An dieser Stelle ist auch die Organisation des &#8220;Presidential Office&#8221; zu beachten, es ist gut denkbar, dass <strong>eine Art &#8220;Internet-Abteilung&#8221; eingerichtet wird, die mit besonderer Aufmerksamkeit die Nutzung digitaler, interaktiver Technologien innerhalb des Regierungsapparates</strong>, im Dialog mit Obama-nahen Gruppen aber auch mit der breiten &#214;ffentlichkeit koordinieren k&#246;nnte.</p>
<p>Auch mit Blick auf die konkrete Organisation moderner Regierungst&#228;tigkeit steht das neue Personal im Wei&#223;en Haus also vor gro&#223;en Aufgaben: eine der ersten ist die Transformation einer &#252;beraus erfolgreichen, b&#252;rgerbasierten Online-Kampagne allm&#228;hlich in &#8220;Presidential Politics 2.0&#8243;.
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<a href="http://carta.info/1066/barack-obama-auf-dem-weg-zum-praesident-20/">Barack Obama: Auf dem Weg zum Pr&#228;sident 2.0</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/1066/barack-obama-auf-dem-weg-zum-praesident-20/#comments">2 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=1066&amp;md5=d83a8059f85ca23f1586da4a7923e7ea" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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