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	<title>CARTA &#187; Angela Merkel</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Agonie um Schloss Bellevue</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 12:31:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Leonard Novy</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Christian Wulff wird den Deutschen erst einmal erhalten bleiben. Schadlos h&#228;lt sich nur Angela Merkel. Warum eigentlich?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Pr&#228;sident klammert sich an die Hoffnung, sich im Amt zu rehabilitieren. Als lie&#223;e sich moralische Autorit&#228;t on the job erwerben. Doch was bleibt ihm auch anderes &#252;brig? Ein R&#252;cktritt k&#228;me f&#252;r den 52-J&#228;hrigen einem Eingest&#228;ndnis seines politisch-moralischen Scheiterns gleich. Und anders als beim gefallenen Messias aus Oberfranken, Karl-Theodor Guttenberg, w&#228;re ein politisches Comeback f&#252;r den 52-j&#228;hrigen Wulff ausgeschlossen. Endstation Gro&#223;burgwedel.</p>
<p>Doch was macht die Kanzlerin? Sie h&#228;lt offiziell zu Wulff und f&#228;hrt nicht schlecht damit: Ihre Beliebtheitswerte zeigen steil nach oben, in den einschl&#228;gigen Rankings hat sie die SPD-Schwergewichte Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbr&#252;ck hinter sich gelassen. Vergessen scheint ihr Anteil an der Misere. Schlie&#223;lich war sie es, die das h&#246;chste Amt im Staat zum Gegenstand ihres pers&#246;nlichen Nutzenkalk&#252;ls machte, indem sie ihren innerparteilichen Rivalen dorthin wegbef&#246;rderte. Es passt ins Bild, dass ihr die Situation in Schloss Bellevue nicht sonderlich zu pressieren scheint. Mit einem gro&#223;angelegten „Zukunftsdialog“ mit B&#252;rgern und Experten will sie sich nun rechtzeitig vor der Bundestagswahl 2013 selber als &#252;ber den Parteien schwebende <a title="&quot;Ersatzpr&#228;sidentin&quot;" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809558,00.html" target="_blank">„Ersatzpr&#228;sidentin“</a> positionieren.</p>
<p>Genau hier, in ihrem Desinteresse gegen&#252;ber dem Amt, seiner Bedeutung und seinen Potentialen, liegt das Problem. Der Pr&#228;sident ist f&#252;r Merkel nur relevant, insofern er ihr nicht in die Quere kommt. Wulffs Aff&#228;ren m&#246;gen peinlich sein, doch Fremdsch&#228;men war ihre Sache nie. Ganz in ihrem Sinne d&#252;rfte sein, dass das angez&#228;hlte Staatsoberhaupt seine Rolle als H&#252;ter der Verfassung und W&#228;chter &#252;ber den politischen Prozess in Zukunft nur zur&#252;ckhaltend interpretieren wird. Christian Wulff – ein Pr&#228;sident von Gnaden der Kanzlerin. Die V&#228;ter des Grundgesetzes hatten sich das anders vorgestellt.</p>
<p>Schon wird dar&#252;ber diskutiert, ob das Amt des Bundespr&#228;sidenten &#252;berfl&#252;ssig geworden sei. Ist es nicht. Denn politische F&#252;hrung ersch&#246;pft sich nicht im Krisenmanagement oder der Exekution von Sachzw&#228;ngen, wie sie die Kanzlerin praktiziert. Auch geht es nicht darum, die Menschen mittels inszenierter Dialogveranstaltungen „abzuholen“. Um die Vielfalt sachlicher Herausforderungen anzugehen und der Glaubw&#252;rdigkeitskrise demokratischer Institutionen zu begegnen, bedarf es einer nachhaltigen, nicht instrumentellen Kultur der Verst&#228;ndigung. In der Organisation entsprechender Diskurse – beispielsweise &#252;ber die Zukunft Europas, die im Zuge der Energiewende anstehenden Modernisierungsaufgaben und soziale Gerechtigkeit in Zeiten wachsender Ungleichheit – liegen heute Notwendigkeit und Potential des Amtes begr&#252;ndet, nicht in seinen beschr&#228;nkten formalen Kompetenzen. Die „Aktualit&#228;t des Moralischen“, so hat es Oskar Negt formuliert, besteht darin, Lernprozesse zu organisieren, in denen sich sachliche Kompetenz mit Orientierung verkn&#252;pft.</p>
<p>Qua Amt und Person kann und will Angela Merkel dies nur bedingt leisten. Ein pr&#228;sidialer Regierungsstil ersetzt noch keinen Pr&#228;sidenten. Doch Christian Wulff wird von der Moral in Zukunft schweigen m&#252;ssen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40974&amp;md5=5b7074188e04c8ad719b400ee7e8a554" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Einen Minister zu st&#252;rzen ist leichter als einen Minister zu bekommen!</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 18:48:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg der erste Minister war, der durch die Zusammenarbeit im Netz gest&#252;rzt wurde, dann stellt sich die Frage: Wann hievt das Netz seinen ersten Minister ins Amt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon im Bundestags-Wahlkampf 2009 spielte die Forderung nach einem Internet-Minister eine gewisse Rolle. Auf der einen Seite beklagte sich <em>Bitkom</em>-Pr&#228;sident <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/August-Wilhelm_Scheer">August-Wilhelm Scheer</a> dar&#252;ber, dass es in der Bundesregierung zu viele Ansprechpartner f&#252;r Fragen der Computerindustrie gebe. Auf der anderen Seite erhoffte sich die <a href="http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/piraten-fordern-internetminister/">Piratenpartei</a> von einem Internet-Minister subventionierte Breitband-Anschl&#252;sse f&#252;r Rentner, Hartz-IV-Empf&#228;nger und Geringverdiener, den Netzzugang als Menschenrecht und mehr Sicherheit vor Datenmissbrauch.</p>
<p>Doch <a href="http://www.focus.de/digital/multimedia/cebit-2010/cebit-eroeffnung-merkel-lehnt-einen-internetminister-ab_aid_485617.html">Angela Merkel</a> lehnte die Forderung nach Einf&#252;hrung eines Internet-Staatsministers auch bei der CeBIT-Er&#246;ffnung vor einem Jahr rundweg ab.</p>
<p>Seither l&#228;uft das Pingpongspiel aus <a href="http://carta.info/23653/stellenausschreibung-internetminister/">Forderung</a> und <a href="http://blog.zeit.de/kulturkampf/2010/06/24/ein-innenminister-ist-kein-internetminister/">Ablehnung</a> munter weiter. Die j&#252;ngste Ablehnung formulierte Bundesverbraucherministerin <a href="http://www.noz.de/artikel/49745069/aigner-lehnt-internetministerium-ab">Ilse Aigner</a>, die letzte dringende Aufforderung, endlich ein Internet-Ministerium zu schaffen, stammt von <a href="http://www.theeuropean.de/gunnar-sohn/5698-technologierevolution-ohne-deutschland">Gunnar Sohn</a>:</p>
<blockquote><p>„Die alten Herren in den Ministerien agieren viel zu statisch. Sie konzentrieren sich auf Infrastrukturen wie Recht, Soziales, Verteidigung, Bildung, Ordnung, Gesundheit oder Verkehr. Sie vergessen dabei die Strukturen der Zukunft: ‚Wir haben noch einen Landwirtschaftsminister aus der Zeit des Prim&#228;rsektors, wir haben ein Industrieministerium, das sich Wirtschaftsministerium nennt. Ein Dienstleistungsministerium hat man glatt vergessen, obwohl Deutschland l&#228;ngst im terti&#228;ren Sektor angelangt ist’, moniert der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck.“</p></blockquote>
<p>Heute ist die <a href="http://www.cebit.de/">CeBIT 2011</a> in Hannover er&#246;ffnet worden, aber die Fronten sind noch immer verh&#228;rtet. <strong>Muss das Internet erst die Kanzlerin st&#252;rzen, bis sich in Berlin etwas bewegt?</strong>
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		<title>Euro-Bonds: Kanzlerin, bleibe hart!</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 15:10:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was gestern die Schulreform in Hamburg war und heute Stuttgart 21 ist, das k&#246;nnte morgen schon der Euro sein. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/09c2c4ee45e541a2b81a291ed66f524b" alt="" width="1" height="1" />Kanzlerin Angela Merkel muss sich einiges anh&#246;ren in diesen Tagen: Ihr Denken sei „ein bisschen simpel“, ihre Vorstellungen zur Rettung des Euroraums „uneurop&#228;isch“, meint zumindest Jean-Claude Juncker, Premier des Gro&#223;herzogtums Luxemburg.</p>
<p>Hintergrund ist der energische Widerstand der Kanzlerin gegen die Einf&#252;hrung sogenannter Euro-Bonds, von denen Juncker und einige Konsorten in anderen, zumeist s&#252;dlichen EU-Staaten glauben, sie seien dazu geeignet, das Zusammenbrechen des Euro abzuwenden. Auf dem EU-Gipfel Ende dieser Woche in Br&#252;ssel wird es aller Voraussicht nach zum Show-down kommen.</p>
<p>Eine <em>Carta</em>-Kolumne ist nicht der Ort, um &#252;ber den Umgangston zwischen einigen Staats- und Regierungschefs zu richten. Monsieur Juncker wird, so hoffen wir, seine Worte vor Gebrauch gewogen haben. In der Sache aber ist der Kurs dieses &#8211; ansonsten &#252;beraus sprachbegabten &#8211; Alteurop&#228;ers nicht mehr nachzuvollziehen:</p>
<p>Warum, in aller Welt, sollen diejenigen EU-Staaten, die ihre Haushalte noch einigerma&#223;en in Ordnung halten, k&#252;nftig daf&#252;r zahlen, dass anderen EU-Mitgliedern dies nicht gelingt? Denn genau darauf w&#252;rde die Einf&#252;hrung von Euro-Bonds doch hinauslaufen: Die Defizits&#252;nder k&#246;nnen sich zu g&#252;nstigeren Konditionen, als der Markt sie ihnen gew&#228;hrt, refinanzieren.</p>
<p>Die Rechnung daf&#252;r schicken sie einfach nach Berlin. Wenn das die Intention von Juncker und Co. ist, dann haben wir allen Grund, der Kanzlerin den R&#252;cken zu st&#228;rken.</p>
<p><strong>Private Gl&#228;ubiger in Umschuldungen einbeziehen</strong></p>
<p>Und nicht nur bei den Euro-Bonds macht Angela Merkel derzeit vieles richtig. Auch die Forderung, private Gl&#228;ubiger in die allf&#228;llige Umschuldung von Staatsschulden einzubeziehen, ist absolut folgerichtig. Wer einem Anderen Geld leiht (zum Beispiel, indem er Anleihen eines Mitgliedsstaates des Euroraums erwirbt), der l&#228;uft nun einmal das Risiko, dass der Schuldner sp&#228;ter ins Taumeln ger&#228;t und dann nur noch bedingt r&#252;ckzahlungsf&#228;hig ist.</p>
<p>Zugegeben, wir stehen hier vor einem systemischen Problem: In vielen F&#228;llen sind es deutsche und franz&#246;sische Banken und Versicherungen, die diese Schuldtitel in ihren B&#252;chern haben. Aber wo steht geschrieben, dass es Aufgabe des Staates – sprich: des Steuerzahlers &#8211; ist, immer wieder in die Bresche zu springen und die Gl&#228;ubiger herauszuhauen? Diese m&#252;ssen zumindest an einer Restrukturierung von Schuldenpaketen beteiligt werden. Andernfalls drohen immense Steuererh&#246;hungen oder gleich der Staatsbankrott – bei uns. Merkel hat recht: Das „Schlaraffenland“, in dem der Staat f&#252;r alle Risiken aufkommt, muss schleunigst geschlossen werden.</p>
<p>Ebenso richtig war es von der Kanzlerin, EU-Defizits&#252;ndern mit dem tempor&#228;ren Stimmrechtsentzug zu drohen und einen Sanktionsautomatismus bei Verst&#246;&#223;en gegen den Euro-Stabilit&#228;tspakt zu fordern. Dass diese harten Forderungen am Strand von Deauville durch Frankreichs Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy weichgesp&#252;lt wurden, verheisst nichts Gutes. Immerhin ist der Herrscher aus dem Elysée jetzt mit im Boot, wenn es darum geht, die Euro-Bonds zu verhindern.</p>
<p><strong>Hart bleiben!</strong></p>
<p>Merkel handelt noch aus einem anderen Grund so, wie sie handelt: Wenn sich in der deutschen Bev&#246;lkerung der Eindruck verbreitet, die Bundesregierung gebe die Politik eines „harten Euro“ auf, opfere also unsere W&#228;hrung und unsere Exportst&#228;rke auf dem Altar der europ&#228;ischen Einigung – dann ist die Gr&#252;ndung einer deutschen „Tea Party“ nur noch eine Frage der Zeit.</p>
<p>Der politische Humus f&#252;r eine B&#252;rgerbewegung, die den Weg in die Parlamente antritt, ist doch l&#228;ngst da. Und was gestern die Schulreform in Hamburg und heute Stuttgart 21 ist, das ist morgen der Euro. Hans-Olaf Henkel hat mit seinem neuen Buch „Rettet unser Geld“ daf&#252;r schon das Skript geschrieben. Wer wirft das Streichholz, das dieses explosive Gemisch zum Fl&#228;chenbrand werden l&#228;sst? Womit wir nochmal bei Jean-Claude Juncker w&#228;ren:</p>
<p>Auch diesem selbsternannten Mustereurop&#228;er d&#252;rfte es kaum gefallen, wenn politische Entscheidungen in Berlin k&#252;nftig von „Single-Issue“-Fraktionen abh&#228;ngen, die – aufgepeitscht durch die Boulevard-Medien – den Euro auf die Resterampe schieben. Mit Blick auf den Br&#252;sseler Gipfel diese Woche kann deshalb nur eines gelten: „Kanzlerin, bleibe hart“.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36511&amp;md5=2631f7051921107ea11fa44606d1d66b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der falsche Pr&#228;sident</title>
		<link>http://carta.info/34064/der-falsche-praesident/</link>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 10:43:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
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		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>
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		<description><![CDATA[Jetzt r&#228;cht sich, dass Angela Merkel nicht den Besten zum Bundespr&#228;sidenten ausgew&#228;hlt hat: Wulff hat nicht die kl&#252;geren Gedanken als die Parteipolitiker, er findet keine tiefersch&#252;rfenden Worte. Hat Wulff seine "Stufe der Inkompetenz" erreicht?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b39e8c35d4cd48eda229354865168b99" alt="" width="1" height="1" />Vor 41 Jahren Jahren formulierte der amerikanische Psychologie-Professor Lawrence J. Peter sein Peter-Prinzip: “In einer Hierarchie neigt jeder dazu, bis zu seiner Stufe der Inkompetenz aufzusteigen”. Sein &#252;berzeugendstes Beispiel war der Lehrer, der zum Rektor bef&#246;rdert wird und scheitert, weil ein guter P&#228;dagoge noch lange keiner guter Verwaltungsfachmann ist.</p>
<p>Das Peter-Prinzip hat seitdem zeitlose G&#252;ltigkeit. Es gilt auch f&#252;r politische Hierarchien: Volker Kauder war ein guter CDU-Generalsekret&#228;r in Baden-W&#252;rttemberg, deshalb ist er aber noch lange kein guter Fraktionsvorsitzender im Bundestag. Oder Ministerpr&#228;sident Matthias Platzeck kein guter SPD-Chef. Oder Frank Walter Steinmeier kein guter Kanzlerkandidat. Das ist oder war in allen F&#228;llen die eine Stufe zu hoch.</p>
<p>Wenn einer die Stufe der Inkompetenz erreicht hat, kann man ihn nach Professor Peter nur noch durch die seitliche Arabeske loswerden. So war es bei G&#252;nther Oettinger, der in die EU-Kommission entsorgt wurde. Was aber macht man, wenn ein Politiker als Bundespr&#228;sident die Stufe der Inkompetenz erreicht hat? Dann muss man ihn behalten, sich ihn sch&#246;nreden, ihn erdulden oder ignorieren.</p>
<p>Nicht jeder ordentliche Ministerpr&#228;sident ist ein guter Bundespr&#228;sident. Im Fall Wulff ist das aber keine &#220;berraschung (siehe auch mein Beitrag <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3431">“Der Zuckerwatte-Pr&#228;sident”</a>). Und all jene, die seine freundlich formulierten Banalit&#228;ten f&#252;r politisches Manna hielten, m&#252;ssen jetzt erkennen, dass zum Profil des Bundespr&#228;sidenten mehr geh&#246;rt: er muss &#252;ber den Parteien, &#252;ber den tagesaktuellen Auseinandersetzungen stehen, geistige Orientierung geben, das rechte Wort zur rechten Zeit finden, die B&#252;rger sich in seinen Handlungen und &#196;u&#223;erungen wiederfinden lassen.</p>
<p>Was aber macht Wulff? Er mischt sich in Tagesh&#228;ndel ein (seine R&#252;cktrittsempfehlung f&#252;r Adolf Sauerland), r&#228;t der Bundesbank &#246;ffentlich zum Rauswurf von Thilo Sarrazin und verstrickt sich anschlie&#223;end in eine unw&#252;rdige Rettungsaktion seiner eigenen Position. Ansonsten &#228;u&#223;ert er sich genauso banal wie fr&#252;her, nur f&#228;llt es jetzt mehr auf  – und erdr&#252;ckend auf ihn und das h&#246;chste Staatsamt zur&#252;ck.</p>
<p>Als ein tiefersch&#252;rfendes und befriedendes Wort zur Integration notwendig gewesen w&#228;re, sagte Wulff nur: “Wichtig ist eine substanzielle und sachliche Debatte &#252;ber Integration”. Zum Graben, der West- und Ostdeutschland immer noch trennt, fiel ihm nur ein: “Wir sollten auch das Positive, die unendlich vielen Gemeinsamkeiten betonen”. Und zur Kluft zwischen den Parteien und dem Volk sagte er: “Heute begleitet die Politiker viel H&#228;me, viel Spott, viel Misstrauen – mehr als fr&#252;her. Das kann nicht so bleiben”.</p>
<p>In diesen &#196;u&#223;erungen zeigt sich ein Grundfehler seines Amtsverst&#228;ndnisses: der Bundespr&#228;sident hat nicht zur Debatte aufzufordern, er muss sie anf&#252;hren. Und zwar mit kl&#252;geren Gedanken und besseren Antworten als die, mit denen sich Parteipolitiker &#252;ber die Runden zu retten versuchen. Ein Bundespr&#228;sident ist Vordenker, wie es Richard von Weizs&#228;cker mit seiner Rede zum 8. Mai eindrucksvoll bewiesen hat, nicht randst&#228;ndiger Begleiter der &#246;ffentlichen Debatte.</p>
<p>Jetzt r&#228;cht sich, dass Angela Merkel nicht den Besten zum Bundespr&#228;sidenten ausgew&#228;hlt hat, sondern den partei- und koalitionspolitisch passendsten. Mit jedem Tag von Wulffs bisheriger Amstzeit wird man schmerzlich daran erinnert, dass der Bessere, Joachim Gauck, die Pr&#228;sidentenwahl verloren hat.</p>
<p>Gauck h&#228;tte weder bei Carsten Maschmeyer Urlaub gemacht, noch eine so unw&#252;rdige Pressekonferenz zusammen mit dem DFB gegeben wie Christian Wulff. Und er h&#228;tte sicher in der aufgeheizten Integrationsdebatte das richtige Wort gefunden. Aber h&#228;tte, w&#228;re, wenn – was hilft’s. Jetzt m&#252;ssen wir mit Christian Wulff leben. Auf ihm lastet jetzt ein ungeheurer Druck: er muss mit seiner Rede am 3. Oktober all das wieder wettmachen, was er bisher falsch oder nicht gemacht hat. Er muss mit Geist und der Kraft der Sprache den sich verfestigenden Eindruck widerlegen, das er der falsche Pr&#228;sident ist. Ob ihm das noch gelingen kann? Einen Tag vor ihm spricht Joachim Gauck.</p>
<p><em><a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3490">Crosspost</a>.</em>
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<a href="http://carta.info/34064/der-falsche-praesident/">Der falsche Pr&#228;sident</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/34064/der-falsche-praesident/#comments">7 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34064&amp;md5=8e0799c4532dfee9c69cf6440595745d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Merkel, Sarrazin, Schirrmacher: &#8220;&#220;ber die K&#228;lte der Macht&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/34037/merkel-schirrmacher-meinungsfreiheit-sarrazi/</link>
		<comments>http://carta.info/34037/merkel-schirrmacher-meinungsfreiheit-sarrazi/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 08:50:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
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		<description><![CDATA[Frank Schirrmacher ist entt&#228;uscht von der Kanzlerin - weil sie sich in der Sarrazin-Debatte als Konservative und Intellektuelle &#252;berfordert zeigt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/aa4a8d414ed4440bbd988529d3fa47dd" alt="" width="1" height="1" />Die Sarrazin-Debatte geht in ihre dritte Phase &#252;ber. Es fing an mit:</p>
<ul>
<li>Phase I &#8211; Der Biologismus-Streit: Die Frage lautete, ob Sarrazins biologistisch-eugenische Reflexe sein ganzes Buch diskreditieren? Weite Teile der etablierten Politik und viele Kommentatoren distanzierten sich deutlich von Sarrazins Menschenbild.</li>
<li>Phase II &#8211; Die &#8220;Keine Sprechverbote&#8221;-<a href="http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/">Kampagne</a>: <em>Bild</em> stilisiert Sarrazin zum Tabubrecher, der eine &#252;berf&#228;llige, von der Politik verdr&#228;ngte Integrationsdebatte anst&#246;&#223;t. Aus Gen-Sarrazin soll Klartext-Thilo werden &#8211; Die Kanzlerin weist diese Interpretation <a href="http://carta.info/33616/merkel-an-bild-ein-problem-mit-der-meinungsfreiheit-natuerlich-nicht/">zur&#252;ck</a>.</li>
</ul>
<p>Und nun:</p>
<ul>
<li>Phase III: Die Merkel-Stilfrage: Weniger als um die Sarrazin-Thesen selbst, geht es nun pl&#246;tzlich um den Umgang mit ihnen. Hat Angela Merkel die Debatte ungeschickt, unintellektuell und ohne konservativen Instinkt gef&#252;hrt?</li>
</ul>
<p>Wurde in Phase I &#252;ber den eigentlichen Kern der Sarrazin-Thesen gestritten (&#8220;<a href="http://carta.info/32978/sarrazins-flucht-in-den-biologismus/">Fataler Irrweg</a>&#8221; &#8211; Schirrmacher), wurde in Phase II Sarrazin zum Gegenmodell einer angeblich abgehobenen Politik aufgebaut, so wird in Phase III der Sarrazin-Komplex mit der Konservatismus-Debatte der CDU zum Mega-Thema &#8220;Merkels F&#252;hrungsstatur&#8221; kombiniert. Denn so wie sich schon die Phase II der Sarrazin-Debatte <a href="http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/">implizit gegen Merkel richtete</a>, so handelt es sich auch beim Konservatismus-Streit der Union letztlich um eine &#8220;verborgene Merkel-Debatte&#8221; (<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717516-2,00.html">Langguth</a>).</p>
<p>Die Phasen I, II und III sind miteinander verschr&#228;nkt und folgen nicht chronologisch aufeinander. Der Schlagabtausch zwischen Sigmar Gabriel in der <a href="http://carta.info/33945/sarrazins-these-der-vom-menschen-gesteuerten-negativen-selektion-ist-nicht-mit-der-spd-vereinbar/"><em>Zeit</em></a> und Thilo Sarrazins Replik in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub546D91F15D9A404286667CCD54ACA9BA/Doc~E278286515AFC4D9D9B8BBA89725D602A~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><em>FAZ</em></a> geh&#246;rt beispielsweise eigentlich noch zur Phase I.</p>
<p>Nun aber erleben wird Phase III: Seismograph ist erneut Frank Schirrmacher, der die Kanzlerin in der <em><a href="http://www.faz.net/s/Rub546D91F15D9A404286667CCD54ACA9BA/Doc~E4DC2AE94A2ED43A8A1FD9A6FD6533C12~ATpl~Ecommon~Scontent.html">FAS</a></em> distanzierend &#8220;<strong>Frau Merkel</strong>&#8221; nennt und  ihr unmissverst&#228;ndlich vorh&#228;lt, &#8220;dass f&#252;r das Herz unserer Demokratie in Deutschland nur <strong>Joachim Gauck</strong> zust&#228;ndig ist&#8221;.</p>
<p>Schirrmacher ist entsetzt, dass die Kanzlerin im <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E51CEF5B229BF448C9995B11A47F2F881~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Interview</a> mit seiner Zeitung offen eingestanden hat, das Sarrazin-Buch noch immer nicht gelesen zu haben. Merkel hatte angegeben, sie f&#228;nde die Vorabpublikationen &#8220;vollkommen ausreichend und &#252;beraus aussagekr&#228;ftig&#8221;.</p>
<p>Merkel habe also, so Schirrmacher, die Abl&#246;sung von Sarrazin auf Basis von Material betrieben, das bekannterma&#223;en unvollst&#228;ndig sei und gerade die biologistischen Thesen Sarrazins gar nicht ausreichend wiederg&#228;be. Sarrazin habe so f&#252;r seine Meinungs&#228;u&#223;erungen mit dem &#8221;Maximum an Bestrafung in einer  b&#252;rgerlichen Welt&#8221;, n&#228;mlich mit dem Arbeitsplatzverlust, bezahlt, ohne dass sich die Kanzlerin oder auch der Bundespr&#228;sident in einer der Bedeutung angemessenen Weise informiert h&#228;tten:</p>
<blockquote><p>Man sollte sich informieren, ehe man ein  Urteil abgibt. Man muss sich nicht nur unterrichten, sondern besonders  in F&#228;llen, wo es um die freie Meinungs&#228;u&#223;erung geht, selber zu den  Quellen gehen. Denn wo das nicht geschieht, wird die freie  Meinungs&#228;u&#223;erung ersetzt durch die Herrschaft des Ger&#252;chts.</p></blockquote>
<p>Auch Schirrmacher r&#252;ckt damit die <strong>Meinungsfreiheit</strong> ins Zentrum des Sarrazin-Diskurses &#8211; allerdings auf leicht andere Art als <em>Bild</em>. Sah <em>Bild</em> Sarrazins Meinungsfreiheit durch eine heimliche ideologisch Koalition der etablierten Politik gef&#228;hrdet, erkennt Schirrmacher die Gefahr in der &#8220;Herrschaft des Ger&#252;chts&#8221;, in einer intellektuell desinteressierten Kanzlerin und der &#8220;K&#228;lte der Macht, die nicht liest und  nicht zu lesen gedenkt&#8221;.</p>
<p>Zu Zeiten von Peter Glotz, Richard von Weizs&#228;cker oder Kurt  Biedenkopf w&#228;re nicht denkbar gewesen, dass die Politik einen Repr&#228;sentanten absetzt &#8211; und zugleich zugibt, die Quellen nicht im Detail zu kennen, schreibt Schirrmacher. Dieses Vorgehen erinnere an die Arroganz von Verwaltungsbeschl&#252;ssen &#8211; an ein System, das stur auf auf seine Durchsetzungsrechte  poche &#8211; und dabei sein Desinteresse zugleich offen zur Schau stelle:</p>
<blockquote><p>Gerade wenn die Bundeskanzlerin der  Meinung ist, Sarrazins Buch sei so gef&#228;hrlich, dass er als Person nicht  mehr tragbar ist: M&#252;sste sie dann nicht wissen wollen, was Millionen  Menschen in Deutschland diskutieren?</p></blockquote>
<p>Am Ende ist damit auch bei Schirrmacher die Sarrazin-Debatte letztlich eine Konservativismus- und Merkel-Debatte. Es geht n&#228;mlich um die Frage: Wie leichtfertig darf eine Kanzlerin mit den Werten einer aufgekl&#228;rten &#214;ffentlichkeit und ihrem intellektuellem F&#252;hrungsanspruch umgehen?</p>
<p>Der Text &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub546D91F15D9A404286667CCD54ACA9BA/Doc~E4DC2AE94A2ED43A8A1FD9A6FD6533C12~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Frau Merkel sagt, es ist alles  gesagt</a>&#8221; kann hier als deutliche Absetzbewegung Schirrmachers von der Kanzlerin interpretiert werden. Es ist tief von ihr entt&#228;uscht &#8211; weil sie im Fall Sarrazin daran gescheitert ist, sich als Konservative von Format zu zeigen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34037&amp;md5=690c736e0c33cd5331e502405fc961b7" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Merkel &#252;ber Bilds Sarrazin-Apologie: &#8220;Ein Problem mit der Meinungsfreiheit? Nat&#252;rlich nicht.&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/33616/merkel-an-bild-ein-problem-mit-der-meinungsfreiheit-natuerlich-nicht/</link>
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		<pubDate>Thu, 09 Sep 2010 10:08:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Angela Merkel tritt nicht nur "mutig" f&#252;r die Meinungsfreiheit ein, wie sich Bild freut. Sie erkl&#228;rt Bild auch sehr deutlich, dass es im Falle Sarrazin nicht um Meinungsfreiheit gehe. Entsprechende Mechanismen seien doch im Hause Springer bestens bekannt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/46b55661d6814539a1f860b543661ef6" alt="" width="1" height="1" />&#8220;Merkels mutigster Auftritt!&#8221;, titelt <em>Bild</em> heute begeistert. Die Bundeskanzlerin habe mit &#8220;gro&#223;er Geste&#8221; den islamkritischen Karikaturisten Kurt Westergaard geehrt. Dies sei ein &#8220;gro&#223;es Bekenntnis zur Freiheit der Presse und der Meinungen&#8221;.</p>
<p>&#8220;Merkel preist die Kraft der Freiheit&#8221;, verk&#252;ndet die &#220;berschrift des gro&#223;en <em>Bild</em>-Seite-2-Artikels zur Preisverleihung. Nikolaus Blome souffliert im <a href="http://www.bild.de/BILD/news/standards/kommentar/2010/09/09/kommentar-von-nikolaus-blome.html">Kommentar</a>: &#8220;Genau diese Gelassenheit [der Kanzlerin] st&#252;nde auch manchem Kritiker  von Thilo Sarrazin gut an.&#8221;</p>
<div id="attachment_33619" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/bild-9_9_.jpg"><img class="size-full wp-image-33619" style="border: 1px solid black;" title="bild 9_9_" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/bild-9_9_.jpg" alt="" width="250" height="351" /></a><p class="wp-caption-text">Bild-Titel vom 09.09.10: Merkels mutigster Auftritt</p></div>
<p>Man k&#246;nnte annehmen, Merkel habe sich mit Verleihung eines Preises zum &#8220;<a href="http://www.m100potsdam.org/M100/Medienpreis/idee_start.php">Schutz  der freien Meinungs&#228;u&#223;erung</a>&#8221; an den Islamkritiker Westergaard indirekt auch f&#252;r die <strong>Meinungsfreiheit von Thilo Sarrazin</strong> eingesetzt. Genau eine solche Geste h&#228;tte <em>Bild</em> sehr gerne gesehen. Schlie&#223;lich k&#228;mpft <em>Bild</em> seit Samstag nach eigenen Angaben f&#252;r die Meinungsfreiheit des Bundesbankvorstands (<a href="http://carta.info/33358/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin/"><em>Carta</em>-Text</a>).</p>
<p>Das genaue Gegenteil ist der Fall. Merkel verwahrte sich in ihrer Rede gestern sehr deutlich gegen die <em>Bild</em>-Interpretation, wonach es im Falle Sarrazin vornehmlich um &#8220;Meinungsfreiheit&#8221; und &#8220;Sprechverbote&#8221; gehe.</p>
<p>Merkel sagte (<a href="http://www.bundeskanzlerin.de/Content/DE/Artikel/2010/09/2010-09-09-bkin-rede-potsam.html">Redemitschrift</a>, Hervorhebungen <em>Carta</em>):</p>
<blockquote><p>&#8220;In allen Medien ging es schnell um die Frage, was man in  Deutschland sagen darf und was nicht. <strong>Das Thema Sarrazin ist aber gerade  kein Thema der Gef&#228;hrdung der Meinungsfreiheit</strong>, sondern es geht darum,  ob und gegebenenfalls welche Folgen zum Beispiel ein Buch f&#252;r einen  Autor in einer besonders wichtigen &#246;ffentlich-rechtlichen Institution  haben kann oder nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Kanzlerin bezog sich in ihrer Rede auch explizit auf die vieldiskutierte <em>Bild</em>-Ausgabe vom Samstag. <em>Bild</em> habe die &#8220;vererbungstheoretischen Fragen&#8221; bei ihrer Verteidigung Sarrazins kurzerhand unter den Tisch fallen lassen (Hervorhebungen <em>Carta</em>):</p>
<blockquote><p>&#8220;Die &#8220;BILD&#8221;-Zeitung machte letzten Samstag unter Bezug auf diese  Debatte auf Seite 1 mit den Schlagzeilen auf: &#8220;BILD k&#228;mpft f&#252;r  Meinungsfreiheit. Das wird man ja wohl noch sagen d&#252;rfen&#8221;. Nebenbei:  Wenn ich mir hier gerade &#8220;BILD&#8221; rauspicke, dann erstens nur  stellvertretend f&#252;r viele andere Medien mit &#228;hnlicher oder gleicher  Sto&#223;richtung, und zweitens weil ich davon &#252;berzeugt bin, dass &#8220;BILD&#8221; das  aushalten kann.</p>
<p>Also weiter – auf Seite 2 schrieb &#8220;BILD&#8221; am Samstag  dann: &#8220;Neun unbequeme Meinungen und die Fakten. Diese S&#228;tze muss man  sagen d&#252;rfen, weil….&#8221; Es geht um S&#228;tze wie diese: &#8220;Ich will mich nicht  daf&#252;r entschuldigen m&#252;ssen, Deutscher zu sein; wer arbeitet, darf nicht  der Dumme sein; auf den Schulh&#246;fen muss Deutsch gesprochen werden;  Kindersch&#228;nder geh&#246;ren f&#252;r immer weggesperrt.&#8221;<strong> </strong></p>
<p><strong>Dem aufmerksamen Leser  wird aufgefallen sein, dass S&#228;tze zu biologistischen oder  vererbungstheoretischen Fragen in dem Artikel zur Verteidigung der  Meinungsfreiheit nicht auftauchten. </strong>Aber das sei nur am Rande bemerkt.&#8221;</p></blockquote>
<p>Um zu veranschaulichen, dass Thilo Sarrazin als Angesteller der Bundesbank an bestimmte Grunds&#228;tze gebunden sei &#8211; und dies keinesfalls als Eingriff in seine Meinungsfreiheit zu interpretieren sei, bezog sich Merkel ganz gelassen auf die <a href="http://www.axelspringer.de/artikel/Unternehmensgrundsaetze_40574.html">Unternehmensgrunds&#228;tze</a> des Hauses Springer:</p>
<blockquote><p>So werden <strong>in der Unternehmenssatzung eines gro&#223;en deutschen  Verlags f&#252;nf gesellschaftspolitische Unternehmensgrunds&#228;tze</strong> genannt,  unter anderem zur F&#246;rderung der europ&#228;ischen Einigung, zur Sicherung des  Existenzrechts Israels und zur Verteidigung der Sozialen  Marktwirtschaft, um drei von ihnen zu nennen. <strong>Ein Problem mit der  Meinungsfreiheit? Nat&#252;rlich nicht</strong>, vermute ich.</p></blockquote>
<p><em>Bild</em> <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/09/08/preis-verleihung-mohammed-karikaturist-kurt-westergaard/hg-rede-im-wortlaut/kanzlerin-angela-merkel.html">dokumentiert</a> weite Teile der Kanzlerinnen-Rede heute auf Seite 2. Das Zitat, wonach es bei der Sarrazin-Debatte nicht um die Meinungsfreiheit ginge, ist enthalten. Die Passagen &#252;ber die fehlenden vererbungstheoretischen Aspekte beim <em>Bild</em>-Diskurs und der Verweis auf die Unternehmensgrunds&#228;tze von Axel Springer fehlen hingegen in der Aufbereitung.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=33616&amp;md5=19616e4d5083818119f1740047b655fa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sag’ mir, wo die M&#228;nner sind</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 10:10:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie in einer Abschiedssinfonie: Die M&#228;nner in der CDU scheinen zu schwach, um in ihren F&#252;hrungs&#228;mtern durchzuhalten. Z&#228;higkeit, Geduld, Pflichtbewusstsein – und das ohne R&#252;ckfall in eine politische Machokultur – sind wohl zu viel erwartet. Angela Merkels Partei braucht neue M&#228;nner.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/cfb2d54fc6544f39948fb75e9a7d14ec" alt="" width="1" height="1" />Die Abschiedssinfonie der CDU-M&#228;nner geht weiter. Wieder geht  einer mitten in der Vorstellung. Wieder <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/hamburg-ruecktritt-von-ole-von-beust-das-tut-man-nicht-1.976633">verabschiedet</a> sich einer,  diesmal <a href="http://www.hamburg.de/senat/2383072/ruecktritt-erster-buergermeister.html">Ole von Beust</a> in Hamburg. Er ist der bisher letzte in einer  Reihe “starker M&#228;nner”, die zu schwach waren, in ihren F&#252;hrungs&#228;mtern <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,707161,00.html"> durchzuhalten</a>, um ihre Position und um ihre Politik zu k&#228;mpfen oder sie  bei Wahlen zu verteidigen.</p>
<p>Den Anfang machte Friedrich Merz. Er floh vor Angela  Merkel an die  Fleischt&#246;pfe der Wirtschaft. Dann scheiterte Dieter Althaus an seiner  Selbstinszenierung nach dem tragischen Skiunfall. G&#252;nther Oettinger zog  die Br&#252;sseler H&#246;he der baden-w&#252;rttembergischen Ebene vor. Im Mai  verlor erst J&#252;rgen R&#252;ttgers die NRW-Wahl, dann ging Roland Koch. Er sah  f&#252;r sich weder in Hessen noch auf  Bundesebene eine politische  Zukunftsperspektive. Schlie&#223;lich lie&#223; sich Christian Wulff  ins angenehm  ruhige Pr&#228;sidentenamt wegbef&#246;rdern. Und jetzt Ole von Beust. Fast alle  haben eines gemeinsam: gewogen und f&#252;r zu leicht befunden.</p>
<p>Es w&#228;re zu billig, das jetzt alles bei der angeblich m&#228;nnermordenden  Gottesanbeterin Angela Merkel festzumachen. Nat&#252;rlich hat sie den einen  oder anderen Abgang bef&#246;rdert, aber gescheitert sind die “starken  M&#228;nner” schon selber und an sich selbst. Wer hat denn gesagt, er sei  kein “Alphatier”? Wer verk&#252;ndete, Politik sei nicht sein Leben?  Wer  fl&#252;chtete denn immer, wenn es zu hei&#223; in der politischen K&#252;che in  Hamburg wurde, ins luftige Sylt? Die vermeintlich starken M&#228;nner sind am  Ende doch auch weiche, verletzliche Seelchen.</p>
<p>Sag`mir, wo die M&#228;nner sind. M&#228;nner, die auch mal Durststrecken  ertragen, die die Phantasie haben, sich aus politischen Karrierefallen  zu befreien, denen es neben der Person vielleicht auch noch um die Sache  geht. Denen das Wort Pflicht noch etwas bedeutet. Die Z&#228;higkeit, Geduld  und Stehverm&#246;gen haben? Es geht hier nicht darum, einen politischen  Macho-Kult zu beschw&#246;ren, aber ein bisschen mehr H&#228;rte, vor allem gegen  sich selbst, kann man von f&#252;hrenden Politikern schon erwarten.</p>
<p>Wobei Ole von Beust ohnehin eine Ausnahmekarriere hatte, die er nicht  eigener Kraft, sondern Ronald Schill verdankte. Nach einer verheerenden  CDU-Niederlage machte ihn der furchtbare, aber erfolgreiche Populist  zum B&#252;rgermeister und verschaffte Ole von Beust mit seinem  Erpressungsversuch das Stahlbad, das diesem erst den eigenen Wahlsieg  erm&#246;glichte. Jetzt geht Ole von Beust und wird die CDU in Hamburg bei  der n&#228;chsten Wahl wieder ins politische Nichts bef&#246;rdern. Dorthin, wo  die CDU in NRW schon ist.</p>
<p>Aber das ist nicht so wichtig. Spannender ist die Wahl im n&#228;chsten  Fr&#252;hjahr in Baden-W&#252;rttemberg. Geht auch die f&#252;r die CDU verloren, dann  wird die &#220;berlebende des CDU-M&#228;nner-Massakers, Angela Merkel, endg&#252;ltig  zeigen k&#246;nnen, ob sie wirklich h&#228;rter als die ”starken M&#228;nner” ist. Oder  ob das Land neue M&#228;nner braucht. In der CDU sind sie bisher nicht in  Sicht.</p>
<p><em>Dieser Beitrag erscheint als Crossposting via Michael Sprengs Blog <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=3444">Sprengsatz</a>.</em>
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		<title>Das Pr&#228;sidentenschloss als Denkfabrik: Vielleicht auch eine Drohung</title>
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		<comments>http://carta.info/29813/das-praesidentenschloss-als-denkfabrik-vielleicht-auch-eine-drohung/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 11:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans F. Bellstedt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Wulff m&#246;chte "Wissenschaftler, Politiker, K&#252;nstler, kluge K&#246;pfe" ins Schloss Bellevue einladen und eine "Denkfabrik f&#252;r Deutschland" aufbauen. Zumindest kommunikativ ein geschickter Schachzug.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/7d7977a5ada046eabed4414c2ef4080b" width="1" height="1" alt=""/>Vielleicht ist es nur ein PR-Coup. Vielleicht ist es eine ziemlich gute Idee. Vielleicht ist es aber auch eine Drohung: Bundespr&#228;sidentenkandidat Christian Wulff (CDU) will im Falle seiner Wahl das Schloss Bellevue – den Amtssitz unseres Staatsoberhaupts am Berliner Tiergarten – zur „Denkfabrik“ umbauen. So verk&#252;ndete es der 51j&#228;hrige Osnabr&#252;cker vier Tage vor dem Zusammentreten der Bundesversammlung in der <em><a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/06/27/christian-wulff-interview/warum-glauben-sie-dass-sie-der-bessere-bundespraesident-waeren-1.html">Bild am Sonntag</a></em>.</p>
<p>PR-technisch ist diese Ansage allemal geschickt: Denn mit einem Schlag zieht der derzeitige Ministerpr&#228;sident von Niedersachsen genau jene Aufmerksamkeit auf sich, die ihm im Wettbewerb mit Joachim Gauck, dem Wunschpr&#228;sidenten von SPD, Gr&#252;nen und gef&#252;hlten 60 Millionen Deutschen, bislang m&#246;glicherweise noch fehlte. „Denkfabrik“, das klingt spannend und interessant, macht neugierig auf mehr. Rein kommunikativ kein schlechter Zug, Herr Kandidat!</p>
<p><strong>Fast alles geh&#246;rt &#252;berdacht</strong></p>
<p>Und eine gute Idee noch dazu. Denn mit dem Wort von der „Denkfabrik“ beschreibt Wulff ein Defizit, das immer mehr Menschen dazu verleitet, der Politik den R&#252;cken zuzuwenden. Gemeint ist die geradezu erschreckende Abwesenheit von Tiefenreflexion, die das politische Gesch&#228;ft, wie wir es erleben, kennzeichnet. Unsere Welt befindet sich bekanntlich in einer der schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Dennoch beschleicht einen das Gef&#252;hl, dass nicht kluges Abw&#228;gen und Hinterfragen, sondern Hast und Kurzatmigkeit das Handeln der politischen Entscheider bestimmen. Eine Milliardenspritze hier, eine neue Steuer da, ein Sparbeschluss dort – eine konzeptionell oder gar strategisch basierte Reformpolitik zur Erneuerung unserer Gesellschaft sieht anders aus.</p>
<p>Jetzt aber kommt Wulff und l&#228;dt zum Denken ein. Da fangen wir doch gleich mal an: Finanzierung unserer Sozialsysteme, Umgang mit Integration und Migration, die Absicherung b&#252;rgerlicher Freiheiten im digitalen Raum – fast alles geh&#246;rt &#252;berdacht. Ob Energieversorgung oder Kinderarmut, ob Nuklearproliferation oder Euro-Krise: die Probleme sind hinl&#228;nglich bekannt, und geredet wird dar&#252;ber zweifelsohne reichlich. Aber an wirklich &#252;berzeugenden Antworten mangelt es. Damit aber wird Politik ihrer vordringlichsten Aufgabe nicht gerecht, n&#228;mlich unser Gemeinwesen so zu gestalten, dass es gut ger&#252;stet ist f&#252;r die Herausforderungen von morgen und &#252;bermorgen.</p>
<p><strong>Ein Hauch von Dupont Circle</strong></p>
<p>Im Schloss Bellevue hingegen, hinter der barocken Fassade dieser preu&#223;ischen Prinzenresidenz, k&#246;nnte k&#252;nftig Zukunft gedacht, k&#246;nnten L&#246;sungen „fabriziert“ werden – ganz wie in den Think Tanks rund um den Dupont Circle in Washington D.C.. Professoren, Unternehmer, K&#252;nstler und Vertreter der Zivilgesellschaft k&#228;men zusammen, um der Politik die Augen zu &#246;ffnen in bezug auf das, was los ist im Land. Politiker w&#252;rden vor allem zuh&#246;ren, Fragen stellen, Impulse aufnehmen, statt immer gleich eine vorgestanzte Antwort ins erstbeste Mikrofon zu sprechen. Gemeinsam w&#252;rden die besten K&#246;pfe der Republik an Ideen und Konzepten feilen, deren Halbwertszeit &#252;ber die n&#228;chste Haushaltswoche, die n&#228;chste Landtagswahl, ja sogar &#252;ber „Anne Will“ hinausweist. Die „Denkfabrik“ im Schloss Bellevue als Planungsstab der Republik – eine faszinierende Idee, ganz unabh&#228;ngig davon, ob der Schlossherr nun Wulff oder Gauck hei&#223;en wird.</p>
<p><strong>Der Geist, den Merkel rief</strong></p>
<p>Womit wir drittens noch bei der Drohung w&#228;ren, die hinter dem Vorschlag auch stecken k&#246;nnte. Nehmen wir einmal an, Wulff w&#252;rde gew&#228;hlt und sogleich ernst machen mit seiner Denkfabrik: Was bedeutete der Think Tank am Tiergarten eigentlich f&#252;r die Kanzlerin – schwingt da nicht der implizite Vorwurf mit, sie denke zu wenig nach, moderiere nur das Tagesgesch&#228;ft, anstatt langfristig tragf&#228;hige L&#246;sungen zu entwickeln?</p>
<p>Hat Wulff das Potential oder auch Ziel, seine eigene Parteichefin schon bald zu &#252;berstrahlen, indem er die gro&#223;en Themen setzt, Antworten pr&#228;sentiert und dadurch Orientierung schafft? Macht er – immer unterstellt, dass er gew&#228;hlt wird – nach ein oder zwei Amtszeiten gar „den Putin“, der vom Staatsoberhaupt zum Regierungschef mutiert? Die Kanzlerin k&#246;nnte den Geist, den sie gerufen hat, eines Tages noch verfluchen: der Schwiegersohn als Schlossgespenst, sozusagen.</p>
<p>Aber jetzt warten wir erstmal den 30. Juni ab.
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		<title>Der Merkel-Feminismus</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 16:13:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Miriam Meckel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Das ist der Merkel-Feminismus: Alle m&#228;chtigen M&#228;nner der CDU solange wegzuloben oder zu bef&#246;rdern, bis sie selbst gehen, lahm gelegt oder jenseits des entscheidenden politischen Einflussradius angelangt sind. Es ist zugleich ein einsamer Feminismus - dessen wichtigster Referenzpunkt Merkels Machterhalt selbst bleibt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/214ab1bb847f41e688a64cf733978e0c" alt="" width="1" height="1" />Es spricht f&#252;r sich, dass zwei Frauen an der Spitze Deutschlands, als Bundeskanzlerin und Bundespr&#228;sidentin, ein „<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,698677,00.html">Ladies Overkill</a>“ w&#228;ren, den Deutschland noch nicht verkraften kann. Anachronismus ist selbsterkl&#228;rend.</p>
<p>Was immer die Bundeskanzlerin bewogen hat, sich auf Christian Wulff festzulegen, es hat sicher auch damit zu tun, dass sie eine Realpolitikerin ist und immer sehr schnell begreift, was sie durchsetzen kann und was ihr hilft. Wulff hilft ihr als Bundespr&#228;sident, weil er ihr als Ministerpr&#228;sident dann nicht mehr schaden kann.</p>
<p>Das ist der Merkel-Feminismus: Alle m&#228;chtigen M&#228;nner der CDU solange wegzuloben oder zu bef&#246;rdern, bis sie selbst gehen, lahm gelegt oder jenseits des entscheidenden politischen Einflussradius angelangt sind. Koch geht. R&#252;ttgers ist abgew&#228;hlt. Wulff wird Bundespr&#228;sident.</p>
<p>Haben wir nicht immer gefordert, Frauen m&#252;ssten <strong>dieselben konsequenten Machtstrategien entwickeln wie M&#228;nner</strong>, um endlich gleichberechtigt zu sein und ihre Positionen zu sichern? Angela Merkel zeigt vorbildlich, wie das geht. Daf&#252;r geb&#252;hrt ihr Respekt.</p>
<p>Diese Strategie hat allerdings zwei Nachteile: Zum einen sind noch immer deutlich mehr F&#252;hrungspositionen in der Politik mit M&#228;nnern besetzt. Wenn die m&#228;nnlichen Konkurrenten raufgelobt werden m&#252;ssen, um die eigene Position abzusichern, verstopfen sie die Aufstiegskan&#228;le f&#252;r Frauen. Zum anderen hat sie im aktuellen Entscheidungsfall in Kauf genommen, dass ihre politisch Verb&#252;ndete Ursula von der Leyen besch&#228;digt wird. Es gibt gute Gr&#252;nde, sie als Arbeitsministerin zu behalten. Es h&#228;tte ebenso gute Gr&#252;nde gegeben, dann die Ger&#252;chtek&#252;che &#252;ber sie als m&#246;gliche Bundespr&#228;sidentin schnell zu schlie&#223;en.</p>
<p><strong>Ein sehr einsamer Feminismus ist es, der bei Angela Merkel aufscheint</strong>. Er ist mehr Ergebnis als Antrieb politischer Entscheidungen und subsumiert die Frage nach Frauen und politischer Macht unter die der <strong>individuellen Machtabsicherung</strong>. Vielleicht geht das in der Politik nicht anders. Vielleicht geht das nach einem tradierten, analogen Politikverst&#228;ndnis nicht anders, das nach dem Prinzip „up or out“ funktioniert. Vielleicht ist das auch die traurige Begleiterscheinung von Frauen in Machtpositionen, die noch so selten sind, dass ihr eigener Machterhalt st&#228;ndiger Referenzpunkt bleiben muss.</p>
<p>Wulff ist „up and out“. Das ist gut f&#252;r Merkel. Ursula von der Leyen hat noch viele Optionen. Sie k&#246;nnte nicht nur Ambitionen als Bundespr&#228;sidentin haben, sondern wom&#246;glich auch als k&#252;nftige Bundeskanzlerin. Fragt sich, wie das <strong>Ein-Frauen-System des Merkel</strong>-Feminismus dann reagiert.</p>
<p><em>Crosspost von <a href="http://www.miriammeckel.de/2010/06/04/der-merkel-feminismus/">miriammeckel</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28531&amp;md5=6fd2a0295a69acb4560ab0a88fd266ea" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Analyse der Regierungserkl&#228;rung: &#8220;Angela Alternativlos&#8221; am Scheideweg</title>
		<link>http://carta.info/26991/analyse-der-regierungserklaerung-anagela-alternativlos-am-scheideweg/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 May 2010 16:55:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hans Hütt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bereits eine einfache rhetorische Analyse der gestrigen Regierungserkl&#228;rung von Angela Merkel deckt die Webfehler und realpolitischen Unwuchten der Griechenlandhilfen auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg01.met.vgwort.de/na/8f386383de704ac3a84e94b26a3405b1" alt="" width="1" height="1" />&#8220;Und wenn ich die Gabe der Rede aus Eingebung habe und alle Geheimnisse wei&#223; und alle Erkenntnis, und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, habe aber die Liebe nicht, so bin ich nichts.  Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung austeile, und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich verbrannt werde, habe aber die Liebe nicht, so n&#252;tzt es mir nichts.&#8221; (1. Korinther 13,2)</p>
<p><object id="showIt" style="width: 400px; height: 255px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="400" height="255" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="menu" value="true" /><param name="quality" value="high" /><param name="wmode" value="opaque" /><param name="swliveconnect" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="scalemode" value="showall" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="flashvars" value="plugin_version=9.0.115&amp;bandwidth=514&amp;xasxTemplate=xasx_od.xml&amp;autoPlay=false&amp;skin=od_embed_ext&amp;application=144277506&amp;playerLink=http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/od_player.html&amp;baseUrl=http://iptv.cdn.tv1.de/iptv/player/macros&amp;params=?r=r$contentId=603059$singleton=true$forcedWidth=400$forcedHeight=225$keepVideoAspectRatio=true&amp;language=de" /><param name="src" value="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf" /><embed id="showIt" style="width: 400px; height: 255px;" type="application/x-shockwave-flash" width="400" height="255" src="http://webtv.bundestag.de/iptv/swf/xflv/showIt3.swf" flashvars="plugin_version=9.0.115&amp;bandwidth=514&amp;xasxTemplate=xasx_od.xml&amp;autoPlay=false&amp;skin=od_embed_ext&amp;application=144277506&amp;playerLink=http://webtv.bundestag.de/iptv/player/macros/_x_s-144277506/od_player.html&amp;baseUrl=http://iptv.cdn.tv1.de/iptv/player/macros&amp;params=?r=r$contentId=603059$singleton=true$forcedWidth=400$forcedHeight=225$keepVideoAspectRatio=true&amp;language=de" allowfullscreen="true" scalemode="showall" allowscriptaccess="always" swliveconnect="true" wmode="opaque" quality="high" menu="true"></embed></object></p>
<p>Die Bundeskanzlerin verf&#252;gt weder &#252;ber die Gabe der Rede aus  Eingebung noch &#252;ber allen Glauben, der Schuldenberge versetzte. Ihre  Regierungserkl&#228;rung vom 5. Mai 2010 sehe, h&#246;re und lese ich nicht als  &#214;konom, nicht als Politikwissenschaftler, schon mit dem durch die F&#228;cher  zugewachsenen Wissen, aber skeptisch, ob das in einer historisch  beispiellosen Situation hilft.</p>
<p>In der j&#252;ngeren europ&#228;ischen Geschichte gab es zuletzt die Rede  Winston Churchills (Blut, M&#252;hsal, Schwei&#223; und Tr&#228;nen), die auf eine  vergleichbare Situation antwortete. Helmut Kohl hat zu Recht bei seiner  Rede zu seinem 80. Geburtstag darauf verwiesen, dass es eine Frage von  Krieg und Frieden sei. Dieses Mal bedroht nicht die deutsche Wehrmacht  das Vereinigte K&#246;nigreich. Dieses Mal steht das europ&#228;ische und damit  auch das weltweite Finanzsystem unter dem Beschuss durch spekulative  Massenvernichtungswaffen.</p>
<p>Ihren Medienblitzkrieg trug Angela Merkel Anfang dieser Woche im  roten Feuerwehrhabit vor. Zur Regierungserkl&#228;rung trug sie moosgr&#252;n. Ihr  Spiel mit den Farben erscheint wie ein mimetischer Trick, wie ein  Blitzableiter, wie der Versuch, &#8220;die anderen&#8221; farblich in Haftung daf&#252;r  zu nehmen, was sie, nun selbst in der Regierungsverantwortung, auf den  Weg bringt.</p>
<p>Ich h&#252;te mich davor, mit meiner rhetorischen Analyse in die  Kakophonie der Finanzmarktauguren einzustimmen, sondern werde den Text  der Rede Angela Merkels nach dem mir vorliegenden vorl&#228;ufigen <a href="http://www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17039.pdf" target="_blank">stenographischen  Protokoll des Deutschen Bundestags</a> durchsehen. Dabei kommt mir das  eine oder andere ordnende Echo aus der Berichterstattung der letzten  Tage sekundierend zur Hilfe.</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Bundesregierung hat am Montag vor dem  Hintergrund der durch Griechenland ausgel&#246;sten Krise ein Gesetz zur  Stabilisierung der W&#228;hrungsunion in Europa beschlossen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/015/1701544.pdf" target="_blank">Parlamentsdokument</a> insinuiert etwas Anderes. Auf dem  Titelblatt der Drucksache 17/1544 steht &#8220;Gesetzentwurf der Fraktionen  der CDU/CSU und der FDP&#8221;. Die Bundeskanzlerin ist weder Herrin des  Verfahrens noch in der Lage, in der Restfunktion, die sie wahrnimmt,  ihre Missachtung des Parlaments, die ihr erster Satz zum Ausdruck  bringt, zu verbergen.</p>
<p>Als Physikerin beschreibt sie in vors&#228;tzlicher Unsch&#228;rfe, dass die  Krise durch Griechenland &#8220;ausgel&#246;st&#8221; sei. Kein Wort zu den Ursachen der  Krise, kein Wort zu den Akteuren, kein Wort zur Verantwortlichkeit.</p>
<blockquote><p>&#8220;Die Notsituation besteht darin, dass  Griechenland faktisch keinen Zugang zu den Finanzm&#228;rkten mehr hat.  Daraus w&#228;ren Auswirkungen auf die Stabilit&#228;t des Euro insgesamt  entstanden. Das Vorliegen dieser Notsituation wurde durch die  Europ&#228;ische Zentralbank, die Europ&#228;ische Kommission und den  Internationalen W&#228;hrungsfonds festgestellt. Dieser Notsituation soll mit  einem Programm von IWF, EU-Kommission und EZB begegnet werden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist in h&#246;chstem Ma&#223;e kodifizierter Text, mit dem nach  Beschlussfassung des Deutschen Bundestags die Vertreter der  Bundesregierung das Gesetz in Karlsruhe verteidigen werden. Wollte Frau  Merkel den Ernst der Lage beschreiben, dem Wortlaut ihres Amtseids nach  Artikel 56 des Grundgesetzes folgend, dann h&#228;tte sie an dieser Stelle  die Gelegenheit gehabt, auf die Schulden Griechenlands bei deutschen  Banken zu verweisen (45 Mrd. €, &#252;berwiegend bei Banken im Staatsbesitz  oder mit hoher Staatsbeteiligung), auf das Risiko einer weltweiten  Kettenreaktion, vergleichbar dem Fall der &#246;sterreichischen Creditanstalt  1931, auf Vers&#228;umnisse der vergangenen 20 Monate, auf ihr bisher nicht  eingel&#246;stes Versprechen einer &#8220;schonungslosen Analyse&#8221;. Sie h&#228;tte mit  Offenheit die Basis f&#252;r eine breite parlamentarische Mehrheit  geschaffen. Das scheint aber nicht ihr Anliegen zu sein.</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir sind heute hier zusammengekommen,  weil wir in erster Lesung &#252;ber ein Gesetz entscheiden m&#252;ssen, das eine  enorme Tragweite hat. Es ist – das kann nicht klar genug formuliert  werden – von enormer Tragweite f&#252;r Deutschland und f&#252;r Europa. Die  &#220;berschrift dessen, was wir beraten – „Ma&#223;nahmen zum Erhalt der  Stabilit&#228;t der W&#228;hrungsunion“ –, bringt diese Tragweite unzureichend zum  Ausdruck. Worum es tats&#228;chlich geht, wenn wir in diesem Hause &#252;ber  Ma&#223;nahmen zum Erhalt der Stabilit&#228;t der W&#228;hrungsunion beraten, m&#252;ssen  wir unmissverst&#228;ndlich beim Namen nennen: Es geht um nicht mehr und  nicht weniger als um die Zukunft Europas und damit um die Zukunft  Deutschlands in Europa. Das erlegt uns allen, die wir im Deutschen  Bundestag unser Volk vertreten, sei es in der Regierung, sei es in der  Opposition, eine au&#223;erordentlich gro&#223;e Verantwortung auf. Selten gibt es  solche Situationen. Selten gibt es Situationen, in denen, erstens, ohne  historisches Vorbild, zweitens, mit unmittelbarer Wirkung f&#252;r den  Augenblick und, drittens, mit weitreichender Wirkung f&#252;r die Zukunft  unseres Landes und Europas entschieden werden muss. Heute ist ein  solcher Tag. Niemand kann uns, den gew&#228;hlten Vertreterinnen und  Vertretern unseres Volkes, diese Verantwortung abnehmen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die Bundeskanzlerin beschreibt den Ernst der Lage und verfehlt im  weiteren Vortrag den selbst gesetzten Ma&#223;stab, die Tragweite zum  Ausdruck zu bringen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ohne uns, gegen uns kann und wird es  keine Entscheidung geben. Ohne uns, gegen uns kann und wird es keine  Entscheidung geben, die &#246;konomisch tragf&#228;hig ist und den rechtlichen  Anforderungen sowohl mit Blick auf europ&#228;isches Recht als auch mit Blick  auf nationales Recht in vollem Umfang Gen&#252;ge tut. In einem Wort: Mit  uns, mit Deutschland, kann und wird es eine Entscheidung geben, die der  politisch-historischen Dimension der Situation insgesamt Rechnung  tr&#228;gt.&#8221;</p></blockquote>
<p>In der Wiederholung des &#8220;ohne uns, gegen uns&#8221; ist das Drama auf den  Punkt gebracht. Das &#8220;mit uns, mit Deutschland&#8221; bleibt vors&#228;tzlich hinter  der gebotenen rhetorischen Funktion zur&#252;ck. Der Wille ist nicht da. Die  Symbolik nicht. Die pers&#246;nliche Ausdruckskraft nicht. Der gr&#246;&#223;te  einzelstaatliche Profiteur der europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion verwandelt  sich aus einem (durch die Franzosen getriebenen) Schrittmacher und  Partner in einen Vetoplayer. Der Koloss auf der einen Seite der Waage  betrachtet es nicht einmal mehr als politische Stil&#252;bung, sein Gewicht  so zu verteilen, dass der <a title="Wir helfen ja nicht nur Griechenland, sondern  wir mussten helfen, weil die Stabilit&#228;t unserer eigenen W&#228;hrung, und das  ist ja der Euro, bedroht war“, sagte sie am Nachmittag gegen&#252;ber dem  „RTL Nachtjournal“. „Und ein sicherer Euro sch&#252;tzt die Menschen in  Deutschland. Das hei&#223;t, wir tun es f&#252;r die Menschen gerade auch hier in  der Bundesrepublik Deutschland.“ " href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article7455102/Merkel-Ich-habe-das-Menschenmoegliche-getan.html" target="_blank">Eindruck einer Balance</a> entsteht.  Das Drama des zu dicken Kindes hat nicht in den Stilfundus der  Schreibstube im deutschen Bundeskanzleramt gefunden. Da ist es nun wieder  und droht durch rechthaberisches H&#252;pfen den fliegengewichtigen Rest  Europas in den Abgrund zu katapultieren. Ganz schlechter Eindruck.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ein guter Europ&#228;er ist nicht unbedingt  der, der schnell hilft. Ein guter Europ&#228;er ist der, der die europ&#228;ischen  Vertr&#228;ge und das jeweilige nationale Recht achtet und so hilft, dass  die Stabilit&#228;t der Eurozone keinen Schaden nimmt. Warnungen, Skepsis und  Zweifel, ob es richtig war, Griechenland den Zugang zur Euro-Zone zu  gew&#228;hren, hat es im Jahr der Entscheidung, also im Jahr 2000, zuhauf  gegeben. Es wurde auf die schlechte Wettbewerbsf&#228;higkeit Griechenlands  hingewiesen, auf eine &#220;berforderung des Landes insgesamt, unter dem Dach der einheitlichen W&#228;hrung die  notwendigen Anpassungen zu vollziehen. Dennoch muss im Jahr 2000 bereits  fr&#252;hzeitig eine vor allem politische Vorentscheidung zugunsten des  Beitritts Griechenlands zur Euro-Zone gefallen sein. Damit kein  Missverst&#228;ndnis entsteht: Ich erw&#228;hne dies nicht, um in irgendeiner Form  in eine Diskussion &#252;ber Schuldzuweisungen und Verantwortung  einzutreten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist der politische O-Ton, nicht von &#8220;Madame No&#8221;, sondern der  drachenblutgepanzerte Duktus der &#8220;<a href="http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=2923" target="_blank">Sorge tragenden</a>&#8221;  Kanzlerin. Ihre Panzerung transportiert wie von ferne ein giftiges  Echo. Angela Merkel reaktualisiert eine Dolchsto&#223;legende gegen die  Sozialdemokratie und ihre Koalitionspartner. Das &#8220;im Felde unbesiegt&#8221;  der Obersten Heeresleitung ersetzt nun &#8220;der gute Europ&#228;er&#8221;. In der  Stunde beispielloser Verantwortung nimmt Frau Merkel f&#252;r den Fall des  Scheiterns die Verantwortlichen in Haftung. Sie liebt es, ihre H&#228;nde in  Unschuld zu waschen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich erw&#228;hne diese Warnungen, diese  Skepsis und die Zweifel aus einem anderen Grund (…), weil das hilft,  dass wir uns &#252;ber den Ernst der Lage keinerlei Illusionen mehr machen,  dass wir uns dem Ernst der Lage stellen. (…) Dies kann in einem Satz  zusammengefasst werden: Europa steht am Scheideweg.&#8221;</p></blockquote>
<p>So dreht sie den Dolch in der historisch verschorften  sozialdemokratischen Wunde. Sie sind nicht nur schuld am Schlamassel.  Sie stehen auch nicht zu der Verantwortung. Unernst kr&#228;hen sie  unsortiert herum. Die Bundeskanzlerin provoziert kalkuliert den Chor der  w&#252;tenden Gegenstimmen. Sie werden gewogen – und vom dicken Kind f&#252;r zu  leicht befunden.</p>
<p>Das Gift ist mythisch potenziert. Mit dem Bild des Scheidewegs  erinnert Angela Merkel an den griechischen Nationalheros Herakles, der  am Scheideweg zwischen Tugend und Laster zu w&#228;hlen hat. Wo die eine –  und wo das andere verortet ist, daran l&#228;sst die Bundeskanzlerin in der  Regie dieser Passage keinen Zweifel.</p>
<blockquote><p>&#8220;Europa muss entscheiden, ob es den Weg  der Vergangenheit fortsetzen will. Dieser Weg bestand zu oft darin, dass  Probleme selten direkt beim Namen genannt wurden, dass sie in der Folge  nicht konsequent genug angegangen wurden, dass zu oft gehofft wurde, es  werde sich schon alles regeln und irgendwie gut gehen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der mythische Scheideweg wird zudem durch ein pietistisches Bild  &#252;berfrachtet:</p>
<p><img class="alignleft" src="http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/wp-content/uploads/image/breiter%20weg.jpg" alt="" width="278" height="365" /></p>
<p>&#8220;Gehet ein durch die enge Pforte.&#8221; W&#228;hrend die Franzosen, François  Mitterand vorneweg mit Helmut Kohl, Deutschland europ&#228;ischer machen  wollten, hat es Angela Merkel darauf abgesehen, <a href="http://www.nytimes.com/2010/05/04/business/global/04iht-euro.html?th&amp;emc=th" target="_blank">Europa  schw&#228;bischer zu machen</a>. Nicht mehr das Lotterbett mit Konkubinen,  sondern das h&#228;rene Lager der Eisernen Kanzlerin, einer hybriden  Wiederg&#228;ngerin Bismarcks und Br&#252;nings, soll es richten helfen.</p>
<p>Indem Frau Merkel den Verantwortungslosen die Tradition eines  &#8220;wishful thinking&#8221; zurechnet, immunisiert sie sich selbst mit ihrem  Vorschlag gegen den Vorwurf, ihre eigene Rechnung mit zu vielen  Unbekannten zu machen. Dieser rhetorische Pr&#228;ventivschlag steht in einer  Tradition des Freund-Feind-Denkens, die Carl Schmitt mit seiner  ber&#252;chtigten Studie &#8220;Der Begriff des Politischen&#8221; gepr&#228;gt hat.</p>
<blockquote><p>&#8220;Europa muss sich entscheiden, ob es  diesen Weg fortsetzen will, dazu noch unter den Bedingungen der  Globalisierung des 21. Jahrhunderts, oder ob es erkennt, dass auch f&#252;r  die Union der 27 Mitgliedstaaten ein Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie  ihre Kr&#228;fte vielleicht &#252;bersch&#228;tzen k&#246;nnte, an dem sie von ihrer  Substanz und &#252;ber ihre Verh&#228;ltnisse lebt, an dem sie von  Fehlentscheidungen der Vergangenheit eingeholt wird, die sich nicht mehr  verdecken lassen, sondern im Gegenteil nur noch behoben werden k&#246;nnen  durch ein konsequentes Aufdecken, durch eine schonungslose Analyse der  Lage und eine daraus folgende Therapie. Ich bin der &#220;berzeugung: Dieser  Zeitpunkt ist sp&#228;testens jetzt gekommen.<br />
Die Bundesregierung hat sich deshalb f&#252;r den zweiten Weg entschieden.  Sie hat sich f&#252;r den zweiten Weg entschlossen, weil sie &#252;berzeugt ist:  Ein guter Europ&#228;er ist nicht unbedingt der, der schnell hilft und damit  vielleicht nur den Anschein erweckt, als ob er das Problem l&#246;sen w&#252;rde.  Ein guter Europ&#228;er ist vielmehr der, der die europ&#228;ischen Vertr&#228;ge und  das jeweilige nationale Recht achtet und so dazu beitr&#228;gt, dass die  Stabilit&#228;t der Euro-Zone und der ganzen Europ&#228;ischen Union keinen  Schaden nimmt. So, aber auch nur so kann es uns gelingen, den Kreislauf  sich immer schneller und immer h&#246;her auft&#252;rmender Probleme zu  durchbrechen. So beenden wir das Leben von der Substanz und &#252;ber die  Verh&#228;ltnisse. So dienen wir dem Wohl Europas und Deutschlands.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auch dieser Abschnitt ist kodifiziert. Unter der pietistischen  Oberfl&#228;che vom breiten oder schmalen Weg, unter dem Firnis der  schw&#228;bischen Hausfrau tr&#228;gt Frau Merkel, soviel guten Willen kann man an  der Stelle konzedieren, eine Initiative vor, den Amtseid nach Artikel  56 des Grundgesetzes europ&#228;isch zu erweitern. Das w&#228;re l&#246;blich, wenn  unter diesem Firnis die politische Arbeitsteilung nicht zu Lasten  Dritter zustande k&#228;me: auf der einen Seite das Zinsen kassierende und  ihre Einnahme durch Waffenverk&#228;ufe an die Schuldnerregierung sicher stellende dicke Kind, auf der anderen Seite der Schuldner unter  Austerit&#228;tsregime.</p>
<blockquote><p>&#8220;Auf dieser Grundlage hat die  Bundesregierung in den Verhandlungen mit Europa auf allen politischen  Ebenen von Beginn an wieder und wieder deutlich gemacht,  dass wir  Hilfen an Griechenland nur in strikter &#220;bereinstimmung mit dem  europ&#228;ischen Recht und dem deutschen Verfassungsrecht, das hei&#223;t, nur  unter folgenden vier Voraussetzungen leisten werden und leisten k&#246;nnen:<br />
Erste Voraussetzung. Der Schl&#252;ssel zur L&#246;sung der Krise liegt in  Griechenland. Wir haben darauf bestanden, dass Griechenland sich zu  einer umfassenden Eigenanstrengung verpflichtet. Eine Konsolidierung  ohne maximale Selbsthilfe Griechenlands h&#228;tte im Widerspruch zu den bei  uns durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und die  europ&#228;ischen Vertr&#228;ge abgesicherten Prinzipien der  Stabilit&#228;tsgemeinschaft gestanden. (…) Griechenland verpflichtet sich  zu einer umfassenden, zu einer maximalen Eigenanstrengung. (…) Dieses  Programm erf&#252;llt deshalb unsere erste Voraussetzung.<br />
Zweite Voraussetzung. Der Internationale W&#228;hrungsfonds muss eingebunden  werden. Wir haben darauf bestanden, auch wenn wir mit dieser Haltung in  der Europ&#228;ischen Union zu Beginn in der Minderheit waren. Es ist der  Internationale W&#228;hrungsfonds, der mit seinen Erfahrungen einen  wertvollen – ich sage: unverzichtbaren – Beitrag zu einer erfolgreichen  Umsetzung des griechischen Sanierungsprogramms leistet. Ohne Deutschland  w&#228;re es zu einer Einbeziehung des IWF nicht gekommen. (…) Mit der am  26. M&#228;rz auf dem Rat der EU-Staats- und Regierungschefs beschlossenen  Einbeziehung des IWF wurde also auch die zweite Voraussetzung erf&#252;llt..<br />
Dritte Voraussetzung. Griechenland ist nicht mehr in der Lage, sich  selbst auf den internationalen Kapitalm&#228;rkten zu refinanzieren. Dies ist  nicht allein ein Problem Griechenlands, sondern Ausgangspunkt  unabsehbarer Folgen f&#252;r den gesamten Euro-Raum.<br />
Deshalb gilt als vierte Voraussetzung: Die zu beschlie&#223;enden Hilfen f&#252;r  Griechenland sind alternativlos, um die Finanzstabilit&#228;t des  Euro-Gebietes zu sichern. Wir sch&#252;tzen also unsere W&#228;hrung, wenn wir  handeln. (…) Die sofortigen Hilfen sind das letzte Mittel zur  Gew&#228;hrleistung der Finanzstabilit&#228;t im Euro-Gebiet insgesamt. Sie m&#252;ssen  erfolgen, damit es nicht zu einer Kettenreaktion im europ&#228;ischen und  internationalen Finanzsystem und zu einer Ansteckung anderer  Euro-Mitglieder kommt. (…) Eine erneute Finanzkrise w&#252;rde zu sp&#252;rbaren  Wohlstandsverlusten und zu h&#246;herer Arbeitslosigkeit auch in Deutschland  f&#252;hren.<br />
Im &#220;brigen wird klar: So richtig es ist, alles daf&#252;r zu tun, dass  hemmungslosen Spekulationen an den M&#228;rkten Einhalt geboten wird und  Ratingagenturen klaren Regeln unterworfen werden, so unabweisbar ist es,  der ganzen Wahrheit ins Auge zu sehen. Ursache oder Ausl&#246;ser f&#252;r die Lage in Griechenland und die Folgen  f&#252;r den ganzen Euro-Raum waren nicht allein hemmungslose Spekulationen  an den M&#228;rkten und das Verhalten der Ratingagenturen. Der Tag der ganzen  Wahrheit war vielmehr der 22. April dieses Jahres. An dem Tag meldete  Eurostat beim griechischen Haushaltsdefizit eine nochmalige Korrektur  nach oben an. Es wurde deutlich: Die von Griechenland zu zahlenden  Zinsen stiegen in exorbitante H&#246;he. Eine Refinanzierung Griechenlands am  Kapitalmarkt wurde praktisch unm&#246;glich. Damit stand die griechische  Zahlungsunf&#228;higkeit unmittelbar bevor. Einen Tag sp&#228;ter, am 23. April,  hat Griechenland um Hilfe nachgesucht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auch dieser Abschnitt ist kodifizierter Rohtext f&#252;r die Schrifts&#228;tze  der Bundesregierung zur Abwehr angek&#252;ndigter Klagen. Die Argumentation  scheint in der Sprache der europ&#228;ischen Institutionen und Arrangements  stark zu sein. Sie bleibt eine Scheinriesenkette.</p>
<p>Warum? Frau Merkel verst&#246;&#223;t gegen die zuvor von ihr selbst  aufgestellte Regeln. Die schw&#228;bische Hausfrau ist nicht blo&#223; die geizige  Kehrwochenmamsell, die ihre Heller hortet. Die Schwaben, die ich kenne,  haben die Welt gesehen und kennen ihre Geschichte. Die hellsten  Schwaben hat das Geniel&#252;ftle weit weg getrieben – und deshalb wissen  die Schwaben, dass es noch kein Beispiel in der j&#252;ngeren Geschichte  gegeben hat, dass ein so weitreichendes Austerit&#228;tsregime ohne zwei  Voraussetzungen gelungen w&#228;re: eine Restrukturierung der Schulden (mit  einer substanziellen Wertberichtigung, die die k&#252;nftige  Leistungsf&#228;higkeit des Landes ber&#252;cksichtigt) und einer gleichzeitigen  massiven Abwertung der Landesw&#228;hrung, um auf den internationalen M&#228;rkten  wieder wettbewerbsf&#228;hig zu werden. So lange die Griechen in der  europ&#228;ischen W&#228;hrungsgemeinschaft bleiben, sind ihnen diese beiden  Ma&#223;nahmen verwehrt. F&#252;r das von CDU/CSU und FDP eingebrachte Gesetz gilt  der Vorwurf, den Frau Merkel den Verantwortlichen des Jahres 2000  gemacht hat. Es lebt von wishful thinking: Das wird schon gut gehen.  Schlimer noch: Der Gesetzgeber verschlie&#223;t die Augen vor der  &#246;konomischen Gewissheit, dass das nicht gut gehen kann. Die  Ausschreitungen der letzten Tage geben nur einen kleinen Vorgeschmack  davon, was politisch auf dem Spiel stehen wird. Paul Krugman wei&#223;, warum  er <a href="http://krugman.blogs.nytimes.com/2010/04/28/how-reversible-is-the-euro/" target="_blank">Zuflucht  unter seinem Tisch</a> sucht.</p>
<p>Der IWF ist ein erfahrener Akteur, mit seinem Chef Dominique  Strauss-Kahn, der gerne franz&#246;sischer Staatspr&#228;sident w&#252;rde, aber befangen. Frau Merkel hat mit ihrem Junktim die deutsch-franz&#246;sische  Partnerschaft aufs Spiel gesetzt. Sie erkl&#228;rt damit – auch gegen von ihr  selbst vorgebrachte Optionen – ein Ende f&#252;r das europ&#228;ische <em>institution  building</em>. Finanzminister Sch&#228;uble hat mehr von Helmut Kohl gelernt als  &#8220;sein M&#228;dchen&#8221;.</p>
<p>Warum Griechenland sich nicht mehr refinanzieren konnte, werden die  Finanzhistoriker erforschen. Das Wechselspiel zwischen  politisch-institutionellem <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,693273,00.html" target="_blank">M&#228;andern und wachsender Nervosit&#228;</a>t in den M&#228;rkten  war eine in Kauf genommene Einladung an Spekulanten. Die eingeschobene  Warnung an Marktakteure ist schon deswegen <a title="The Europeans will do nothing this week or for  the foreseeable future.  They have not planned for these events, they  never gamed this scenario, and their decision-making structures are  incapable of updating quickly enough.  The incompetence at the level of  top European institutions is profound and complete; do not let anyone  fool you otherwise." href="http://baselinescenario.com/2010/05/05/expect-nothing/" target="_blank">nicht einmal zum Nennwert</a> zu nehmen, weil trotz  aller dazu bekannten Lippenbekenntnisse seit der Lehman Brothers Pleite  genug Zeit daf&#252;r gewesen w&#228;re (von stabilen Mehrheiten ganz zu  schweigen), gesetzgeberisch t&#228;tig zu werden.</p>
<p>Warum f&#252;hlt man sich bei der Gelegenheit an <a href="http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_69116/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und__Wirtschaftspolitik/Finanzpolitik/124__oeffentliche__Finanzmaerkte.html?__nnn=true" target="_blank">Peer  Steinbr&#252;cks Zitat</a> erinnert: &#8221;Wenn es auf den Weltfinanzm&#228;rkten  brennt (…), dann muss gel&#246;scht werden, auch wenn es sich um  Brandstiftung handelt.&#8221; Die amerikanische Erfahrung, den Brand zu  l&#246;schen, auch wenn das extrem unpopul&#228;r war (im &#252;brigen inmitten eines  Pr&#228;sidentschaftswahlkampfes, nicht nur vor regionalen Posemuckel-Wahlen,  sorry liebe Heimat am Rhein!), kommt ebenso in den Sinn. Am Abgrund  stehen und zaudern – das geht nicht gut.</p>
<p>Wider besseres Wissen benennt Frau Merkel in den Ausf&#252;hrungen zur  vierten Voraussetzung den S&#252;ndenbock des Zahlenfriseurs. Sie blendet  aus, wer behilflich war. Sie blendet aus, wer auf der anderen Seite des  Gesch&#228;fts beteiligt war. Sie geht mit keinem Wort auf die Forderung  eines deutschen Waffenproduzenten ein, sich vorab selbst an dem  griechischen Hilfspaket f&#252;r die Bezahlung der Waffen schadlos zu halten,  die der S&#252;ndenbock gegen die eigene rebellierenden B&#252;rger richten soll.  Dieser Absatz wird – ich erinnere wieder an Winston Churchill – in die  Geschichte der politischen Rhetorik eingehen. In der Stunde der Wahrheit  Zuflucht zu Halbwahrheiten zu suchen, macht das Vorhaben dieses  Gesetzes zu einem Kartenhaus auf tr&#252;gerischem Grunde.</p>
<p>In der Struktur dieser Rede entsteht mit der Erl&#228;uterung zur vierten  Voraussetzung eine Unwucht, mit der Frau Merkel ihre eigene  Regierungserkl&#228;rung aus den Angeln hebt. Entweder steht Europa am  Scheideweg, vor der Qual der Wahl – oder das Vorhaben ist alternativlos.  Beides zusammen geht nicht.</p>
<p>Damit bin ich beim Kernproblem dieser Rede, aber auch der Rednerin  selbst angekommen. Sie bem&#252;ht das historische Tremolo der Stunde der  Verantwortung, aber im Falsett. Es fehlt zu viel von dem, was die <a title="&quot;Das griechische Drama w&#228;re leichter zu  ertragen, h&#246;rte die Bundesregierung endlich auf, das Volk f&#252;r dumm zu  verkaufen. Die von Bundesfinanzminister Sch&#228;uble und Deutsche- Bank-Chef  Ackermann nun eilig nachgeschobene Verabredung eines „sp&#252;rbaren,  positiven Beitrags“ der Banken zur Hilfe f&#252;r Griechenland beleidigt den  &#246;konomischen Sachverstand der B&#252;rger.&quot;" href="http://www.faz.net/s/Rub3ADB8A210E754E748F42960CC7349BDF/Doc%7EEB9BBAA6F37674D4A93E4C7905FF828B0%7EATpl%7EEcommon%7ESspezial.html" target="_blank">Spatzen von den D&#228;chern  pfeifen</a>. Die Wahrheit ist nicht nur zumutbar. Sie ist bekannt.</p>
<blockquote><p>&#8220;Hinzu kommt die Kl&#228;rung einer Beteiligung  der Gl&#228;ubiger. Die Bundesregierung will in dieser Woche eine  Entscheidung, die auch die Verantwortung der Banken und anderer  Gl&#228;ubiger deutlich werden l&#228;sst. Der Bundesfinanzminister hat dazu  Gespr&#228;che gef&#252;hrt. Banken und Gl&#228;ubiger d&#252;rfen sich ihrer Verantwortung  nicht entziehen. Deshalb begr&#252;&#223;e ich, dass es hierzu ganz offensichtlich  eine Bereitschaft bei Banken und Gl&#228;ubigern gibt. Besonders wichtig in  diesem Zusammenhang ist, dass die Finanzwirtschaft plant, bestehende  Kreditlinien an Griechenland und griechische Banken bis 2012  aufrechtzuerhalten.<br />
Ich f&#252;ge aber hinzu: Wenn sich die Banken von einem solchen freiwilligen  Beitrag erhoffen sollten, dass wir sie gleichsam als Gegenleistung bei  einer Bankenabgabe oder anderen Ma&#223;nahmen entlasten, dann haben sie sich  gr&#252;ndlich get&#228;uscht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Josef Ackermann hat hierzu, wie das Handelsblatt zitiert, gesagt: &#8221;<a href="http://www.handelsblatt.com/politik/international/ackermann-zusage-deutsche-banken-helfen-athen-mit-betraechtlichen-summen;2574118" target="_blank">Jeder nach seinen M&#246;glichkeiten.</a>&#8221; Das ist ebenfalls  ein in h&#246;chstem Ma&#223;e kodifizierter Satz. Er redet nicht vom  W&#252;nschbaren, nicht vom Notwendigen, auch nicht von F&#228;higkeiten, obschon  dieser Schweizer ein &#252;beraus f&#228;higer Mann ist. In den Code dieses Satzes  ist ein Echo eingebaut, das zu einem ber&#252;hmten Dokument zur&#252;ckf&#252;hrt, zu  Karl Marx´ &#8220;Kritik des Gothaer Programms&#8221; und der Beschreibung des  Kommunismus: &#8221;Jeder nach seinen F&#228;higkeiten, jedem nach seinen  Bed&#252;rfnissen&#8221;.</p>
<p>Nach dem schm&#228;hlichen Scheitern des &#8220;real existierenden Sozialismus&#8221;  bringt dieser Erbschleicher im Vorstand der Deutschen Bank die Chutzpe  auf, den tats&#228;chlichen Sachverhalt dieses Dramas mit einem entstellten  Marx-Zitat auf den Punkt zu bringen: Jeder nach seinen F&#228;higkeiten, zu <a title="“Populism” has been one of the new ways to  discredit those who question the divine right of the banking classes to  take as much of the economic pie as they possibly can for themselves. It  has the convenient effect of suggesting that those who want to restrain  financiers have a bad case of class jealousy, when in fact they might  have been awake when the money mavens nearly destroyed the global  economy and are therefore eager to prevent a repeat." href="http://www.nakedcapitalism.com/2010/05/the-l-word-reappears-with-a-vengeance-at-the-new-york-times.html" target="_blank">Lasten der V&#246;lker  dieser Welt</a> extreme Profite zu machen, jedem nach seinen  Bed&#252;rfnissen die dabei entstehenden Verluste auszugleichen. Denn darauf  l&#228;uft das Gesetz hinaus. Es verschafft den Banken f&#252;r &#8220;freiwillige  Beitr&#228;ge&#8221; staatlich verb&#252;rgte Zinsen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Mit den jetzt zu beschlie&#223;enden Ma&#223;nahmen  f&#252;r Griechenland kann es nicht getan sein. Die Stabilit&#228;t des Euro muss  langfristig gesichert werden. Wiederholungen m&#252;ssen vermieden werden.  Die wirtschafts- und finanzpolitische Koordinierung und die gegenseitige &#220;berwachung in Europa m&#252;ssen verbessert werden. (…)  Wir haben die Pflicht, daf&#252;r zu sorgen, dass die Europ&#228;ische  W&#228;hrungsunion langfristig auf ein stabiles Fundament gestellt wird. Dazu  geh&#246;rt eine schnellere und straffere Anwendung von Sanktionen gegen Euro-Mitgliedstaaten, die ihrer  Verpflichtung zur Senkung des Defizits unter 3 Prozent nicht  nachkommen. Dazu geh&#246;rt eine Diskussion um verst&#228;rkte und vor allem  wirksame Sanktionen bei Versto&#223; gegen den Stabilit&#228;tspakt. (…) F&#252;r den  &#228;u&#223;ersten Notfall muss auch ein Verfahren f&#252;r eine geordnete Insolvenz  eines Mitgliedstaates entwickelt werden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Der Rest der Rede ist wieder Sammlung, historisches Tremolo, Kulisse.  Was Frau Merkel mit den europ&#228;isch kodifizierten Textpassagen zu  errichten versucht hat, bringt sie mit diesem <a href="http://www.eurointelligence.com//index.php?id=581&amp;no_cache=1&amp;tx_ttnews[tt_news]=2782&amp;tx_ttnews[backPid]=901&amp;cHash=d4f28055e6" target="_blank">Absatz unwiderruflich zu Fall</a>. Alle vorgebrachten  Argumente erweisen sich nach diesem Absatz als Schutzbehauptungen. Das  einzige Ziel des Gesetzes ist der zum Scheitern verurteilte Versuch,  Zeit zu gewinnen. In das gleiche Horn hat der <a title="So m&#252;sse die Wirtschaftspolitik innerhalb der  W&#228;hrungsunion &quot;viel st&#228;rker koordiniert werden&quot;. Au&#223;erdem  verlangte der Minister Regeln f&#252;r eine geordnete Insolvenz von Staaten  im Euro-Raum. Br&#252;derle: &quot;Vorbild k&#246;nnte das amerikanische  Konkursrecht f&#252;r Unternehmen sein. " href="http://www.fr-online.de/top_news/2614147_Alternativlos.html" target="_blank">gro&#223;e Wirtschaftsweise Rainer  Br&#252;derle</a> gesto&#223;en und internationales Hossa-Echo erzielt. Wer dem  Schuldner Luft verschafft und ihn f&#252;r gewisse Zeit aus dem Markt nimmt,  gleichzeitig aber den Gl&#228;ubigern signalisiert, dass sie nach der  Stillhaltefrist um eine Umschuldung und Forderungsverzicht nicht  herumkommen, der beschleunigt die Kettenreaktion, die er unterbinden  will.</p>
<p>Auf dem Weg in diese Krise hat Europa ein Vertragswerk geschaffen,  das aus Furcht vor dem Ausnahmezustand diesen Fall unm&#246;glich zu machen  versucht hat. Der Stabilit&#228;tspakt war ein Pakt ohne den Gegenspieler.  Der Teufel des Details war ausgeblendet. Nun st&#252;rmt der  Durcheinanderw&#252;rfler mit Aplomb auf die B&#252;hne. Dagegen soll der  Gesetzgeber Hokuspokus schreien.</p>
<p>Es gab eine Zeit, in welcher Revolution&#228;re auf die Uhren schossen.  Nun will man von Gesetzes wegen die Wirklichkeit abschaffen. Ich  empfinde es als bedr&#252;ckend, dass eine &#8220;blo&#223; rhetorische&#8221; Analyse dieser  Regierungserkl&#228;rung die Webfehler und realpolitischen Unwuchten  aufdeckt, die die Bundesregierung mit diesem Gesetz beantworten will.</p>
<p>Alternativlos am Scheideweg zu stehen, geht nicht gut. Ich suche nun  auch Deckung.</p>
<p><em>Crosspost aus dem </em><a href="http://www.reden-fuer-eine-neue-welt.de/?p=4333"><em>Rhetorik-Blog</em></a><em> von Hans H&#252;tt.</em>
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<a href="http://carta.info/26991/analyse-der-regierungserklaerung-anagela-alternativlos-am-scheideweg/">Analyse der Regierungserkl&#228;rung: &#8220;Angela Alternativlos&#8221; am Scheideweg</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/26991/analyse-der-regierungserklaerung-anagela-alternativlos-am-scheideweg/#comments">8 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26991&amp;md5=71d0c8d81dddcf8551af018baff434e4" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Immer sch&#246;n aufpassen: Kanzlerin fordert den &#8220;Schutz des geistigen Eigentums&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/26186/immer-schoen-aufpassen-kanzlerin-fordert-den-schutz-des-geistigen-eigentums/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 09:36:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julius Endert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Filmförderung]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Ausgerechnet vor der durchsubventionierten Filmbranche setzt sich Angela Merkel f&#252;r den "Schutz des geistigen Eigentums" ein. Dabei unterliegt diese Industrie derart staatlicher F&#246;rderarithmetik, dass ihre Werke nichts anderes als Allgemeing&#252;ter sein sollten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/8e6f6518cfa64a31a1806231b36a239f" alt="" width="1" height="1" />Liebe Leute, ihr m&#252;sst bitte immer genau hinh&#246;ren, wenn unsere Kanzlerin spricht, dann kriegt ihr auch was mit. Beispielsweise, wie sie &#252;ber die Themen Urheberrecht und &#8220;geistiges Eigentum&#8221; denkt. Gestern wurde ja der 60. Deutsche Filmpreis verliehen und ein Zusammenschnitt der Gala im Berliner Friedrichstadt Palast, inklusive der Rede unserer Bundeskanzlerin und <strong>obersten Filmf&#246;rderin</strong> war im Ersten zu sehen.</p>
<div id="attachment_26189" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://www.deutscher-filmpreis.de/uploads/media/42-TIN.JPG"><img class="size-full wp-image-26189" title="42-TIN" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/04/42-TIN.JPG" alt="42-TIN" width="600" height="369" /></a><p class="wp-caption-text">Merkel im Kreis der LOLA-Preistr&#228;ger: Geistiges Eigentum f&#252;r die F&#246;rderarithmethik (Foto: Deutscher Filmpreis)</p></div>
<p style="text-align: center;">
<p>Klar, das ist nicht jedermanns Sache und die hochschwangere Barbara Sch&#246;neberger mit ihrem lustigen Pailettenkleid, welches sich wie eine Gummihaut &#252;ber ihren gewaltigen Bauch spannte, lenkte sicher auch vom Inhaltlichen ab.</p>
<p>Und so platzierte Merkel ihre Botschaft zwischen Show und  froher Erwartung auf die Preistr&#228;ger gekonnt in einem Nebensatz, der schneller vorbei war, als man dr&#252;ber nachdenken konnte:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich kann Ihnen versichern, wir setzen dieses Engagement (in der Filmf&#246;rderung) fort. Dazu geh&#246;rt auch, dass uns der Schutz des geistigen Eigentums im Filmbereich ein Anliegen bleibt.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Hallo! Wenn das mal keine klare Ansage war.</strong> Und obwohl ihr Redenschreiber absichtlich oder fahrl&#228;ssig Urheberrecht und sogenanntes geistiges Eigentum durcheinander brachte, ist damit wohl glasklar wie die Kanzlerin &#252;ber das Thema denkt und gibt eine Vorahnung zu den Entscheidungen in anderen Bereichen.</p>
<p>Ausgerechnet in einer voll durchsubventionierten Branche wie dem Film, in der Art vom Schutz geistigen Eigentums zu sprechen, hat allerdings etwas ziemlich Merkw&#252;rdiges an sich. Denn in einer Branche, die weniger dem Markt als viel mehr der <strong>F&#246;rderarithmethik</strong> unterliegt und wo vom Konzept &#252;ber Drehbuch bis zur Produktion nichts aber auch gar nichts ohne den Staat geht, d&#252;rfte das, was am Ende herauskommt nichts anderes als Allgemeingut sein. Aber so ist es die <strong>geschickte Umwandlung &#246;ffentlicher Mittel in Privateigentum, wiedermal.</strong><br />
Also, Frau Bundeskanzlerin, lassen sie sich doch mal das Konzept Creative Commons erkl&#228;ren.</p>
<p>PS:<br />
Lustig eigentlich, dass die Verleihung im Friedrichstadt Palast stattfindet, denn eigentlich sind die dort versammelten Stars ja tats&#228;chlich alles <strong>Volksschauspieler</strong> &#8211; finanziert aus Steuergeld. Insofern passt wenigstens das.</p>
<p>crosspost von <a href="http://julius01.posterous.com/immer-schon-aufpassen-kanzlerin-fordert-den-s">movinette.de</a>.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26186&amp;md5=4d6e02b51eba9cf3cc67d1f0c8d0130c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Slow-Motion Merkel</title>
		<link>http://carta.info/23983/slow-motion-merkel/</link>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 23:57:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>

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		<description><![CDATA[Europa und Deutschland brauchen F&#252;hrung - aber Merkel will nicht f&#252;hren, schreibt Stefan Theil in einer Newsweek-Titelgeschichte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das amerikanische Magazin <em>Newsweek </em><a href="http://www.newsweek.com/id/234587">erkl&#228;rt </a>in einer <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2010/03/08/angela-merkel-us-magazin-newsweek/cover-15356725-mfbh,templateId=renderScaled,property=Bild,width=227.jpg">Titelgeschichte</a>, warum Merkels Reformaversion langsam zum Problem f&#252;r ihr Land und Europa wird:</p>
<blockquote><p>The problem is that neither Merkel nor her country is in much of a mood to lead. Over the two decades since its reunification, Germany has turned into a sated and inward-looking power concerned more than anything with preserving the status quo. Merkel has become Germany&#8217;s most popular leader since World War II by promising Germans continuity, and won reelection in September 2009 on a platform of avoiding change and reform. Now, however, the crisis over Greece is just one of a growing number of threats to Germany&#8217;s status quo that pit its no-experiments mantra against the urgent necessity for an outward-looking, proactive response.</p></blockquote>
<p>Die Merkel-Skepsis von <em>Newsweek </em>ist &#252;brigens nicht neu. Schon im Oktober 2007 <a href="http://www.welt.de/politik/article1291097/Mrs_Feelgoods_Angst_vor_dem_Risiko.html">schrieb </a>der Berlin-Korrespondent  des Magazins, Stefan Theil, eine merkelkritische Titelgeschichte: &#8220;Lost Leader&#8221;.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=23983&amp;md5=0ca55508db0834d16267724f6aef1018" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Kritik an Merkels F&#252;hrungsstil: Warum erst jetzt?</title>
		<link>http://carta.info/21370/merkel-kritik-fuehrungsstil/</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 14:04:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Leadership]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarz-Gelb]]></category>

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		<description><![CDATA[Angela Merkel wird derzeit gern F&#252;hrungsschw&#228;che attestiert. Verwunderlich, das dies erst jetzt passiert, denn in der Gro&#223;en Koalition war es kaum anders.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/ca256713dbe342bc94cb2c7906252f00" alt="" width="1" height="1" />Angela Merkel ist z&#246;gerlich, versteckt sich hinter anderen, hat Angst zu f&#252;hren. Das kann man derzeit &#252;berall nachlesen. Kaum eine Zeitung, kaum ein Politik-Blog, im dem es nicht entsprechende Kommentare gibt. Einige davon unterscheiden sich kaum von dem, was <a href="http://www.spd.de/de/aktuell/nachrichten/2010/01/Das-Problem-ist-Frau-Merkel.html?pg=1&amp;y=2010&amp;m=0">die Opposition &#252;ber die Kanzlerin sagt</a>. Das Ganze wirft zwei Fragen auf: Ist Merkels F&#252;hrungsschw&#228;che eine Neuigkeit? Und wenn nein, warum kommt das Thema erst jetzt hoch?</p>
<p><a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article5799084/Merkel-muss-sich-aendern-aber-kann-sie-das.html">Welt Online</a> nennt es ein „Loch in der Mitte“. In der <a href="http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/politik/480/499753/text/">S&#252;ddeutschen</a> liest man: „Man sucht diese [Merkels] Handschrift &#8211; und findet an deren Stelle nur drei Kreuze.“ Die <a href="http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kanzlerin-merkels-machtmikado/50058552.html">Financial Times Deutschland</a> verweist darauf, dass Merkel Antworten schuldig bleibe und Michael Spreng schreibt &#8211; auch <a href="http://carta.info/21309/das-problem-merkel/">hier</a>: „Das Problem mit Angela Merkel ist, dass sie so ist wie sie ist!“ Klar, die Aussagen einiger CDU-Spitzenpolitiker in der <a href="http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EDB90D96539644FC88A28D5035D165EF7~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung</a> waren eine Steilvorlage, dem einem Medienhype nahekommenden Rummel um die „<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/2197764_Kommentar-Kanzlerin-ohne-Kontur.html">konturlose Kanzlerin</a>“ (FR) haben diese Aussagen jedoch nicht alleine verursacht.</p>
<p>Angela Merkel ist seit 2005 Bundeskanzlerin. Merk(e)lich von ihrer Richtlinienkompetenz gebraucht gemacht hat sie in dieser Zeit nie. Das empfinden sicherlich auch die meisten Kommentatoren so. Daher scheinen sich die Autoren gemeinhin auf einen Kunstgriff verst&#228;ndigt zu haben: Merkels F&#252;hrungsstil war f&#252;r eine Gro&#223;e Koalition gut und angemessen, ist aber falsch f&#252;r Schwarz-Gelb.</p>
<p>Diese Aussage grenzt jedoch schon fast an Geschichtsverkl&#228;rung. Erinnert sich niemand mehr daran, dass eigentlich keiner die gro&#223;e Koalition wollte? Dass die gro&#223;e Koalition nie wirklich eine Richtung erkennbar machte? Wo war das gro&#223;e Ziel der Regierung, auf welche Entscheidungen konnte der B&#252;rger sich verlassen? Opel retten, Karstadt-Quelle nicht, Haushalt sanieren und die gr&#246;&#223;ten Schulden der Bundesrepublik erzeugen… Erinnert sich keiner mehr daran, dass vor allem in der Schlussphase mehr Wahlkampf als Regierungsarbeit sp&#252;rbar war? Dass man nie wusste, ob sich SPD oder CDU oder CSU mit ihren Forderungen durchsetzten? Wo war ausgleichende, passende F&#252;hrungsarbeit?</p>
<div id="attachment_21410" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel.jpg"><img class="size-full wp-image-21410   " title="Angemessen gef&#252;hrt? Merkel-Anh&#228;nger im Wahlkampf (Foto: Carta)" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_klein.jpg" alt="merkel_klein" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Angemessen gef&#252;hrt? Merkel-Anh&#228;nger im Wahlkampf (Foto: Carta)</p></div>
<p>Schweigen, die Meinung hinterm Zaun halten, Entscheidungen im Hinblick auf Meinungsumfragen treffen. Das ist generell auf Dauer kein guter Politikstil, egal mit welchen Koalitionspartnern. Das bedeutet freilich nicht, dass man Meinungen nicht sorgf&#228;ltig abw&#228;gen sollte. Aber jeder Volksvertreter sollte dem Volk seine Meinung schuldig sein, auch wenn es nur ein erster Eindruck ist, den man sp&#228;ter aufgrund weiterer Erkenntnisse revidieren kann. Das h&#228;ngt nicht von der St&#228;rke des Koalitionspartners ab.</p>
<p>Alles andere – schweigen, verheimlichen, z&#246;gern – wird nicht nur als Zeichen von Schw&#228;che ausgelegt, sondern f&#252;hrt in die Politikverdrossenheit. Es ist nicht nur an den B&#252;rgern, sich f&#252;r Politik zu interessieren, sondern auch an den Politikern, Politik interessant und transparent zu gestalten. Auf dieser Schiene versagt Angela Merkel jedoch v&#246;llig und das eben nicht erst seit Schwarz-Gelb. Die niedrige Wahlbeteiligung im Herbst ist von ihrem Politikstil durchaus mit verschuldet.</p>
<p>Warum flammt die Kritik also erst jetzt auf? Die Union mag es beruhigen, denn sie darf die Schuld einmal mehr bei den Sozis suchen. Vorher haben sich die Medien in Deutschland, aber auch jeder Stammtisch, auf die SPD eingeschossen. Das ging jahrelang und die Sozialdemokraten taten ihr Bestes, sich in diesem f&#252;r sie unsch&#246;nen Gespr&#228;ch zu halten. Nun aber wurde die SPD bei der Bundestagswahl drastisch abgestraft (auch aufgrund der kritischen Berichterstattung) und sitzt auf den Oppositionsb&#228;nken. Man gibt ihr nun etwas Zeit, sich zu berappeln. Zwar l&#228;uft noch immer einiges nicht rund, aber das Thema ist irgendwann einfach &#252;berstrapaziert, das will keiner mehr h&#246;ren.</p>
<p>Also ziehen die notorischen N&#246;rgler, sachlichen Kritiker und &#228;ngstlichen Mahner weiter. Und sie erinnern sich, da war doch was: Eine Kanzlerin, von der man nie etwas h&#246;rt &#8211; Angela Merkel, die F&#252;hrungsschwache. Neuerdings. Zum Gl&#252;ck f&#252;r sie ist das erst nach der Wahl.</p>
<p>Dass die Kanzlerin zu der ihr entgegengebrachten Kritik schweigt, verwundert nicht. Aber seien wir ehrlich: Alles andere h&#228;tte uns nun auch vollkommen aus dem Konzept gebracht!
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		<title>Das Problem Merkel</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 09:01:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Spreng</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Problem mit Angela Merkel ist, dass sie so ist wie sie ist. Das war nicht immer ein Problem. Im Gegenteil: So kann man erfolgreich eine gro&#223;e Koalition f&#252;hren und kann, wenn auch mit Blessuren und Gl&#252;ck, als Bundeskanzlerin wiedergew&#228;hlt werden. Aber jetzt ist es ein Problem, das jeden Tag gr&#246;&#223;er wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/d48ffde825f54162878b16489150d1eb" width="1" height="1" alt=""/>Es ist eine Besch&#246;nigung, von einem Fehlstart der neuen Regierung zu sprechen. Der Wagen rumpelt, weil die Fahrerin im falschen Gang f&#228;hrt. Sie hat immer noch die Automatik auf gro&#223;e Koalition eingestellt. Erst mal schauen, was die anderen machen, ruhig die Bahn ziehen, auf Ausf&#228;lle derjenigen setzen, die zu forsch und zu schnell fahren. Das Feld von hinten aufrollen. Und dann den zweiten Fahrer auswechseln und hoffen, dass der Neue so viele Punkte einf&#228;hrt, dass es zum Sieg f&#252;r das neuformierte Team reicht. So hat das 2009 gerade so geklappt.</p>
<p>Aber jetzt funktioniert das nicht mehr. Das ging mit Steinmeier. Der lie&#223; das mit sich machen. Aber jetzt hat es die &#252;bervorsichtige, misstrauische Angela Merkel mit zwei angstbesetzten M&#228;nnern zu tun: Guido Westerwelle und Horst Seehofer. Der eine ist traumatisiert vom Spa&#223;wahlkampf von 2002, vom chronischen Umfallersyndrom der FDP und hat Angst, in seiner  neuen Rolle zu versagen. Und der andere balanciert am Abgrund. Das macht die beiden so gef&#228;hrlich. Der eine hat nur ein Thema, Steuersenkungen, und der andere hat gar keines. Deshalb probiert er so viele aus. Das macht die beiden noch gef&#228;hrlicher.</p>
<p>Und dazwischen die Kanzlerin, die immer noch auf den Modus der gro&#223;en Koalition eingestellt ist. Die schweigt, aussitzt und hofft, so &#252;ber die Runden zu kommen. Die W&#228;hler haben aber Schwarz-Gelb nicht gew&#228;hlt, damit Frau Merkel irgendwie &#252;ber die Runden kommt, sondern damit sich etwas &#228;ndert. An der Politik, am Politikstil. Deshalb sind sie jetzt auch so entt&#228;uscht. Sie wandern nur noch nicht ab, weil sie nicht wissen, wohin. Die W&#228;hler haben gedacht, da h&#228;tte sich ein Dreamteam gefunden. Stattdessen murksen die drei Parteien vor sich hin: zwei fahren gegeneinander, versuchen sich von der Strecke zu dr&#228;ngen, und die Teamchefin hat den Boxenfunk ausgeschaltet.</p>
<p>Schwarz-Gelb hat aber ein doppeltes F&#252;hrungsproblem. So ist das, wenn Politiker, die nicht f&#252;hren wollen (oder k&#246;nnen), eine Doppelfunktion haben. Merkel ist nicht nur als Chefin der Koalition ein Ausfall, sondern auch als Chefin der CDU. Die nominell st&#228;rkste Partei der schwarz-gelben Koalition gibt es nicht mehr, sie existiert nur noch auf dem Papier. Sie verschwindet hinter und unter der Kanzlerin. Sie hat keine Stimme mehr. Wenn die Kanzlerin schweigt, verstummt auch die CDU.</p>
<p>Die CDU ist nach einem ideenlosen Wahlkampf ideenlos in die Koalitionsverhandlungen gegangen und hat den kleineren Partnern erlaubt, skrupellos ihre Klientelpolitik durchzusetzen, die einen f&#252;r die Apotheker, die anderen f&#252;r die Hoteliers. Und die beiden haben Merkel auch den Unsinn mit den Steuersenkungen eingebrockt. Sie selbst h&#228;lt nichts davon, aber sie macht ohne Begeisterung mit, denn andernfalls m&#252;sste sie f&#252;hren, selber Ziele setzen und durch bessere Ideen &#252;berzeugen. Und Mut zum politischen Risiko haben.</p>
<p>Das ist das Problem mit Frau Merkel. Und das macht sie auf Dauer zum Problem.</p>
<p><em>Michael Spreng bloggt auf <a href="http://www.sprengsatz.de/">Sprengsatz</a>. <a href="http://www.sprengsatz.de/?p=2632">Crossposting</a> mit freundlicher Genehmigung.</em>
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		<title>&#8220;Frau Europa&#8221;? Time-Titelheldin Merkel</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 11:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der kommenden Woche erscheint Angela Merkel auf dem Cover des Time Magazin: Als "Frau Europa". Dabei hat man derzeit nicht den Eindruck, Merkel m&#252;sste f&#252;r ihre politische F&#252;hrung gelobt werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In letzter Zeit denke ich h&#228;ufiger &#252;ber dieses Spiegel-Cover aus dem Dezember 2008 nach. Eigentlich k&#246;nnte man diesen Titel n&#228;chste Woche noch einmal ver&#246;ffentlichen &#8211; es m&#252;sste im Untertitel lediglich &#8220;Merkels gef&#228;hrliches Zaudern in der schwarz-gelben Koalition&#8221; hei&#223;en.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_spiegel.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-21269" title="merkel_spiegel" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_spiegel.jpg" alt="merkel_spiegel" width="250" height="330" /></a></p>
<p>Doch im Ausland ist das Schweigen der &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,670674,00.html">Nichtlinien-Kanzlerin</a>&#8221; offenbar noch kaum aufgefallen. <em>Time Magazin</em> ernennt Merkel in der kommenden Woche zu &#8220;Frau Europa&#8221; &#8211; von Dominik <a href="http://www.dbutzmann.de/">Butzmann</a> aus <span style="text-decoration: line-through;">leicht unterw&#252;rfiger Position</span> leichter Unterperspektive fotografiert. Merkel habe &#8220;mehr Macht&#8221; als jeder andere Regierungschef in Europa, so das US-Magazin. <em>Time</em> hat augenscheinlich nicht mit der CSU und der FDP gesprochen.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_TIME.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-21270" title="merkel_TIME" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/01/merkel_TIME.jpg" alt="merkel_TIME" width="250" height="335" /></a>
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<a href="http://carta.info/21268/frau-europa-time-titelheldin-merkel/">&#8220;Frau Europa&#8221;? Time-Titelheldin Merkel</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/21268/frau-europa-time-titelheldin-merkel/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=21268&amp;md5=ddb124b555b851ed8934b657d9468cf0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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