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	<title>CARTA &#187; Alexander Görlach</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Entscheider deuten ohne uns die Welt: The European, das neue Onlinemagazin</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Sep 2009 18:19:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit The European hat das Internet ein neues, konservatives Online-Medium mit hohem Anspruch an sich selbst erhalten. Noch aber verstr&#246;mt es eher den Esprit einer Jura-Abschlussparty und f&#228;llt durch Ignoranz gegen&#252;ber fast allen Errungenschaften des Social Web auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f8360192362441efbe14514813d75ba2" alt="" width="1" height="1" />Klicken Sie gerne lange auf Webseiten herum? Dann sind Sie bei <a href="http://theeuropean.de/"><strong>The European</strong></a> genau richtig: Denn h&#228;ufig genug braucht es drei oder vier Klicks mit der Maus, bis man von der Startseite aus bei einem Text landet. Nirgendwo sonst gibt es so viele verwirrende Zwischenebenen und Verzweigungen: <strong>Ein Labyrinth von einem Portal</strong> im Internet.</p>
<p>M&#246;gen Sie die Debatten von gestern? Auch dann liegen Sie bei <em>The European</em> richtig, denn der zum Start pr&#228;sentierte <strong>Themenmix ist nicht wirklich aktuell</strong>. Immerhin nimmt man Bezug auf den Ausgang der Bundestagswahl, daneben wird mitgeteilt, dass jetzt Baumh&#228;user im Trend liegen und nicht immer direkt im Baum sitzen (m&#252;ssen).</p>
<p>Finden Sie es richtig, wenn im Internet die Leser nicht mitdiskutieren k&#246;nnen? Genau das ist jedenfalls bei vielen, wenn nicht gar allen Texten von <em>The European</em> der Fall. <strong>Es gibt keine Kommentarfunktion</strong>. Nur ausgew&#228;hlte Autoren d&#252;rfen im Rahmen eines Themas mit einem als &#8220;Kommentar&#8221; bezeichneten Beitrag Stellung beziehen, Sie als Leser jedoch nicht.</p>
<p>Es gibt also viel zu kritisieren an diesem neuen Medium, das mit einer hohen Meinung von sich selbst antritt: &#8221;Wir geben den Stimmen das Wort, die wirklich von Bedeutung sind&#8221;, lautet etwa das Motto. &#8220;Entscheider und Multiplikatoren&#8221; will man ansprechen, jedoch ohne ein &#8220;intellektualisiertes Lehrprogramm&#8221; zu sein. Chefredakteur Alexander G&#246;rlach will gar &#8220;an eine <strong>alte kontinentale Tradition des Diskutierens</strong>&#8221; ankn&#252;pfen und &#8220;diese Tradition neu ins Netz &#252;bersetzen&#8221;. So viel Wortstapelei haben wir lange nicht mehr gesehen.</p>
<p><strong>Chefredakteur G&#246;rlach</strong> und sein Venture-Kapitalgeber <a href="http://www.teameurope.net/de/ueber-uns/"><strong>Lukas Gadowski</strong></a> kennen sich erst seit Januar diesen Jahres. Aber Gadowski war offenbar schnell vom neuen Konzept <a href="http://www.lukaszgadowski.com/alexander-gorlach-und-team-europe-ventures-grunden-online-magazin-the-european">begeistert</a>: &#8220;Die Entscheider kommentieren das Geschehen in Texten die eine knappe DIN-A4-Seite lang sind, und ‚deuten‘ uns so die Welt. Keine klassischen Ressorts, stattdessen die Power des Netzes – Yeah!&#8221;</p>
<p>Doch <em>The European</em> spring viel k&#252;rzer und ist viel banaler. Dem ersten Eindruck nach kommt die Website wie ein <strong>rechter </strong><em><strong>Freitag</strong></em><strong> mit </strong><em><strong>Cicero</strong></em><strong>-Eitelkeit</strong> daher. &#196;hnlich wie bei <a href="http://www.freitag.de"><em>der Freitag</em></a> wird hier Sendungsbewu&#223;tsein mit einigem Stolz mit sich herumgetragen, nur diesmal auf katholisch-neowertkonservativ gedreht. Vom Magazin <em><a href="http://www.cicero.de">Cicero</a></em> hat man die Vorliebe f&#252;r <strong>die ganz &#8220;gro&#223;en K&#246;pfe&#8221;</strong> &#252;bernommen, die Einheit von Prominenz, Repr&#228;sentation und Deutungshoheit. Insgesamt verstr&#246;mt <em>The European</em> damit den Esprit einer Jura-Abschlussparty.</p>
<p>Das neue Medium setzt ausschlie&#223;lich auf Meinung (nicht Analyse) und will explizit kein Nachrichtenmedium sein. Unter den <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/european-startet-mit-prominenten-autoren_100023510.html?tx_ttnews[backPid]=23&amp;cHash=35f215983d">regelm&#228;&#223;igen Autoren</a> finden sich wenige freudige &#220;berraschungen – von <em>brand</em>-<em>eins</em>-Autor <a href="http://theeuropean.de/kolumnen/bullshit-bingo-teil-1">Thomas Ramge</a> einmal abgesehen.</p>
<p>Finanzieren soll sich das Angebot &#252;ber <strong>Werbung und ein Subscriber-Modell</strong>, dessen Mehrwerte weniger im Internet liegen werden, als vielmehr in Form von exklusiven Veranstaltungen. Ein <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/unsere-prmisse--keine-verlagsanbindung_100023572.html?tx_ttnews[backPid]=23&amp;cHash=61657e617c">solches Modell</a> kann funktionieren. Das Medium im Internet ist dann aber nicht der Mittelpunkt, sondern nur eine Art Bindemittel und Werbeplattform f&#252;r den Club selbst. Im Kern stehen die Events, die sich besonders gut rentieren, wenn die No-Show-Rate der Mitglieder relativ hoch ist (&#228;hnlich wie bei einem Fitness-Studio, dessen Kundenstamm gr&#246;&#223;er ist als die Kapazit&#228;t, was aber bei den &#252;blichen No-Show-Quoten nicht auff&#228;llt und explizit Teil der Kalkulation ist).</p>
<p>Beurteilt man also <em>The European</em> allein auf der Basis der im Internet gezeigten Inhalte, k&#246;nnte ein Urteil zu kurz greifen. Denn das Gesch&#228;ftsmodell sieht mehr vor, als ein paar Debattentexte, flankiert von Werbeanzeigen. Dennoch h&#228;tte man sich <strong>mehr M&#252;he mit dem Internetauftritt</strong> geben d&#252;rfen: Ohne <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/05/22/joi-ito/">Kommentarfunktion</a> fehlt das Salz in der Suppe. Zudem fehlen den ersten Texten Links auf externe Quellen, obwohl man eigentlich &#8220;erkl&#228;ren und Positionen darstellen&#8221; will. Der offene Diskurs im Netz ist damit aber offenbar nicht gemeint. Schlie&#223;lich ist die Usability schwach und die Orientierung wird gerade durch die fehlenden Ressorts zus&#228;tzlich erschwert. Da wartet noch eine Menge Arbeit auf das Team.</p>
<p>Insgesamt zeigt sich also deutlich, dass dieses Projekt allen Formulierungsk&#252;nsten und Voraberkl&#228;rungen zum Trotz, gerade <strong>nicht innovativ</strong> ist, sondern <strong>durch und durch konservativ</strong>: Sich von Experten die Welt erkl&#228;ren lassen und dabei die Errungenschaften des <a href="http://www.bwlzweinull.de/index.php/2009/08/05/espresso-wtf-one-year-later/">Social Web</a> zu &#252;bergehen, ist kein modernes Projekt. <em>The European</em> dreht die Uhr wieder zur&#252;ck und schafft eine Art digitalen Andachtsraum, in dem Diskussionen nach Art der &#8220;alten kontinentalen Tradition&#8221; mehr hierarchisch als demokratisch ablaufen und wo f&#252;r die neuen Ans&#228;tze des 21. Jahrhunderts offenbar kein Platz ist.</p>
<p><strong>Das vorl&#228;ufige Fazit</strong> zu <em>The European</em> formuliert Ramge in seiner <a href="http://theeuropean.de/kolumnen/bullshit-bingo-teil-1">Kolumne</a> selbst: &#8220;Am Ende des Tages z&#228;hlt nur am Ende des Tages. Bingo.&#8221;
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