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	<title>CARTA &#187; Abmahnungen</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Ich verabschiede mich bei Carta</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Dec 2010 03:01:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Oppong</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach reiflicher &#220;berlegung bin ich zu der Entscheidung gekommen, meine T&#228;tigkeit bei Carta mit diesem Jahr zu beenden. Die Gr&#252;nde hierf&#252;r sind vielf&#228;ltig. Allen voran kostet bloggen viel Zeit, die ich momentan f&#252;r andere Dinge ben&#246;tige. Zweitens ist Carta das wohl einzige Unternehmen auf der Welt, in dem die Besch&#228;ftigten keinen Cent aus der "Kaffeekasse" ("Unterst&#252;tzen Sie die Autoren von Carta") sehen, zumindest in meinem Fall daf&#252;r aber uneingel&#246;ste anf&#228;ngliche Versprechen von Robin Meyer-Lucht, was die sp&#228;tere Honorierung der Arbeit anbelangt.

Drittens ist es fast unm&#246;glich, "investigativ" zu bloggen, ohne Gefahr zu laufen, fr&#252;her oder sp&#228;ter eine Abmahnung zu erhalten, die, auch wenn sie unberechtigterweise erfolgt, zumindest Arbeit macht. Da man mit Bloggen (noch?) kein Geld verdienen kann und guter juristischer Rat Geld kostet, steht eine Blogver&#246;ffentlichung also immer auf zu wackeligen Beinen. Wenn man seine Beitr&#228;ge dann pl&#246;tzlich auch noch vorlegen muss und ein Beitrag sogar e]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg05.met.vgwort.de/na/533463c06e2b48df83e99271bb9cb21e" alt="" width="1" height="1" />Nach reiflicher &#220;berlegung bin ich zu der Entscheidung gekommen, meine T&#228;tigkeit bei Carta mit diesem Jahr zu beenden. Die Gr&#252;nde hierf&#252;r sind vielf&#228;ltig. Allen voran kostet bloggen viel Zeit, die ich momentan f&#252;r andere Dinge ben&#246;tige. Zweitens ist Carta das wohl einzige Unternehmen auf der Welt, in dem die Besch&#228;ftigten keinen Cent aus der &#8220;Kaffeekasse&#8221; (<a href="http://carta.info/kaffeekasse/" target="_blank">&#8220;Unterst&#252;tzen Sie die Autoren von Carta&#8221;</a><em>) </em>sehen, zumindest in meinem Fall daf&#252;r aber uneingel&#246;ste anf&#228;ngliche Versprechen von <a href="http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E6B640F8029DB425AB1608506DCF9F180~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Robin Meyer-Lucht</a>, was die <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/nachdenken_statt_hinterherrennen_1.1260767.html" target="_blank">sp&#228;tere Honorierung</a> der Arbeit anbelangt.</p>
<p>Drittens ist es fast unm&#246;glich, &#8220;investigativ&#8221; zu bloggen, ohne Gefahr zu laufen, fr&#252;her oder sp&#228;ter eine Abmahnung zu erhalten, die, auch wenn sie unberechtigterweise erfolgt, zumindest Arbeit macht. Da man mit Bloggen (noch?) kein Geld verdienen kann und guter juristischer Rat Geld kostet, steht eine Blogver&#246;ffentlichung also immer auf zu wackeligen Beinen. Wenn man seine Beitr&#228;ge dann pl&#246;tzlich auch noch vorlegen muss und ein Beitrag sogar einfach so in den Papierkorb wandert, kann das keine Basis f&#252;r etwas Dauerhaftes sein.</p>
<p>Eigentlich h&#228;tte f&#252;r mich schon Schluss sein m&#252;ssen, als Robin Meyer-Lucht <a href="http://carta.info/35454/das-dogma-anonymitaet/#comment-20582" target="_blank">hier auf Carta ohne entsprechenden Disclaimer Konstantin Neven DuMont beisprang und Stefan Niggemeier vorwarf, sich &#8220;rechtswidrig&#8221; zu verhalten</a>, obwohl Robin Meyer-Lucht Konstantin Neven DuMont nach eigener Aussage pers&#246;nlich kennt (wor&#252;ber ich Stefan Niggemeier als Betroffenen aus Gr&#252;nden der Billigkeit selbstverst&#228;ndlich nicht bis jetzt im Unwissen gelassen habe). Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.</p>
<p>Die zwei Jahre und zwei Monate w&#228;hrende Zeit bei Carta war f&#252;r mich dennoch eine in journalistischer Hinsicht interessante Zeit. Von der <a href="http://carta.info/8079/neuer-lobbyistenbericht-exklusiv-bei-carta/" target="_blank">exklusiven Ver&#246;ffentlichung des zweiten Lobbyistenberichts der Bundesregierung</a> &#252;ber die <a href="http://carta.info/31945/stadt-duisburg-haelt-loveparade-dokumente-unter-verschluss/" target="_blank">Geheimhaltung von Loveparade-Akten durch NRW-Beh&#246;rden</a> bis hin zur Berichterstattung &#252;ber die Nebent&#228;tigkeiten der Moderatorinnen <a href="http://carta.info/9595/ard-boersenfrau-anja-kohl-moderiert-fuer-dax-firmen-banken-und-atomindustrie/" target="_blank">Anja Kohl</a> und <a href="http://carta.info/12130/die-nebentaetigkeiten-der-maybrit-illner/" target="_blank">Maybrit Illner</a>, die viele Reaktionen hervorrief.</p>
<p>Ich danke allen Lesern dieses Blog, allen, die kommentiert, kritisiert und korrigiert haben und denen, die einen k&#252;hlen Kopf bewahrt haben, wenn anonyme Kommentierer hier Stimmung gemacht haben. Besonderer Dank gilt aber auch allen Personen, die mir Informationen haben zukommen lassen.</p>
<p>In Zukunft m&#246;chte ich als Journalist nur noch f&#252;r Zeitschriften, Zeitungen, klassische Onlinemedien und Rundfunksender t&#228;tig sein. Auf meiner <a href="http://oppong.eu/" target="_blank">Homepage</a> k&#246;nnen sie alte, aktuelle und zuk&#252;nftige Beitr&#228;ge von mir lesen und sehen.</p>
<p>Diesen Beitrag habe ich mir nicht von der Carta-F&#252;hrung genehmigen lassen. Ich bin gespannt, wie lange er ver&#246;ffentlicht bleibt.</p>
<p>Ich w&#252;nsche Ihnen ein sch&#246;nes Jahr 2011!</p>
<p>Herzlichst</p>
<p>Marvin Oppong
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<a href="http://carta.info/36921/ich-verabschiede-mich-bei-carta/">Ich verabschiede mich bei Carta</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/36921/ich-verabschiede-mich-bei-carta/#comments">109 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36921&amp;md5=19097a69e5ddc786012c4ae0dc53ce51" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>JMStV: Klagen statt sperren!</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Nov 2010 16:37:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Neumann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anstatt nun kollektiv aufzustampfen und die Netze zu zerrei&#223;en, sollte es darum gehen, nach Ratifizierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags in die zweite Runde zu gehen - und den Rechtsweg zu beschreiten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/750aa2608449498c84f72bd7a3a98428" alt="" width="1" height="1" />Blogs offline stellen soll die angemessene Antwort auf den  Jugendmedienschutzstaatsvertrag sein? Wozu diskutieren wir denn seit  Jahren &#252;ber neue Formen der &#214;ffentlichkeit im allgemeinen und Blogs im  speziellen, &#252;ber Meinungsfreiheit und Zensur, &#252;ber neue Formen von  Beteiligung und politischer Kommunikation? Die richtige Antwort ist:  Weitermachen und sich gegenseitig helfen!</p>
<p>Grundrechte sind keine Sch&#246;nwetterrechte, die man nur dann nutzt, wenn  es einen warmen rechtlichen Rahmen daf&#252;r gibt, und ansonsten wegen der  M&#246;glichkeit einer Abmahnung zwar immer noch sch&#228;tzt, aber bitte nur noch  »alles in der Still’ und wie es sich schicket.«</p>
<p>Die Ank&#252;ndigung der gr&#252;nen Fraktion im nordrhein-westf&#228;lischen  Landtag, dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag zuzustimmen (<a href="http://www.gruene-nrw.de/details/nachricht/gruene-wollen-mit-spd-gespraeche-ueber-nicht-zustimmung-fuehren.html">oder  nun doch nicht?</a>), scheint relevante Teile des Netzes in  Schockstarre versetzt zu haben: <a href="http://blog.koehntopp.de/archives/2984-Offline-JMStV.html">Kristian  K&#246;hntopp</a> und das <a href="http://www.vzlog.de/2010/11/in-eigener-sache-wir-schliesen-am-31-dezember-2010/">VZlog</a> haben schon angek&#252;ndigt, offline zu gehen (und <a href="http://yuccatree.de/2010/11/diese-blogs-gehen-wegen-des-jmstv-offline/">Yuccatree  hat mehr</a>), <a href="http://www.schockwellenreiter.de/blog/2010/11/30/jmstv-und-weiter/">J&#246;rg  Kantel</a> geht in den Untergrund, <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2010/11/deutschlands-parteien-unwahlbar-eine-wutrede/">Thomas  Kn&#252;wer</a> fordert zum Nichtw&#228;hlen auf, und auch bei Netzpolitik wird  zwar <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/wider-das-grose-blogschliesen-wegen-des-jmstv/">gegen  die Schlie&#223;ung von Blogs</a>, aber doch f&#252;r die strategische Sperrung  wichtiger Netzressourcen aus Protest argumentiert (immerhin: man sucht  nach Alternativen).</p>
<p>Die Wirkung von solch fatalistischen Trotzreaktionen  wie offline  genommenen Blogs sollte man nicht &#252;bersch&#228;tzen: Mehr als ein R&#252;ckzug in  die <em>splendid isolation</em> der inneren Emigration ist das nicht,  die politische Wirkung d&#252;rfte &#252;berschaubar sein. Ich jedenfalls lasse  mir den Mund nicht verbieten; mein Blog bleibt online, auch wenn es  Artikel zu potentiell jugendgef&#228;hrdenden Themen wie <a title="Recht auf  Rausch" href="http://fxneumann.de/2010/06/09/recht-auf-rausch/">Drogenpolitik</a> gibt, auch auf die Gefahr hin, da&#223; das zu  Abmahnungen f&#252;hrt. Was aber dar&#252;ber hinaus tun?</p>
<p>Vor einiger Zeit wurde die Idee einer »Bloggergewerkschaft«  diskutiert; ob es f&#252;r eine derart heterogene Gruppe tats&#228;chlich so etwas  braucht, sei dahingestellt. Einen »Bloggerrechtshilfefonds« (vielleicht  unter dem Dach des AK Zensur) br&#228;uchte es jetzt aber, der den  Einzahlenden juristische Gegenwehr gegen den JMStV finanziell  erm&#246;glicht: Auch wenn es gute Argumente (<a href="http://www.ferner-alsdorf.de/2010/11/jmstv-versuchen-wir-es-mal-mit-verfassungskonformer-auslegung/wettbewerbsrecht/strafrecht/rechtsanwalt/verkehrsrecht/">etwa  bei Jens Ferner</a>) daf&#252;r gibt, da&#223; auch weiterhin freie  Meinungs&#228;u&#223;erung in Blogs m&#246;glich ist, ist es doch absehbar, da&#223; der  JMStV juristisch &#252;berpr&#252;ft wird. Eine Abmahnung ist nur so lange  (blog-)existenzbedrohend, wie man allein und nicht &#252;berm&#228;&#223;ig solvent  ist.</p>
<p>Was das Netz leistet, ist Vernetzung: Anstatt nun kollektiv  aufzustampfen und die Netze zu zerrei&#223;en, sollte es darum gehen, in die  zweite Runde zu gehen – und das wird nach Ratifizierung des JMStV der  Rechtsweg sein. F&#252;r die eine oder andere Instanz sollte das Geld daf&#252;r  doch aufzutreiben sein?</p>
<p><em><a href="http://fxneumann.de/2010/11/30/klagen-statt-sperren/">Crosspost</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36120&amp;md5=d82307e955076c18a99af5fa90795002" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Datenspeicherung oder Lebensgefahr!</title>
		<link>http://carta.info/36064/datenspeicherung-oder-lebensgefahr/</link>
		<comments>http://carta.info/36064/datenspeicherung-oder-lebensgefahr/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 08:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Egal ob Presse, Fernsehen, Film- oder Pornoindustrie, in dem Punkt ist man sich einig: Angst, die man durch Strafzahlungen, Bedrohung unschuldiger Kinder oder gar Terror verbreiten kann, hilft eine digitale Gesellschaft durchzusetzen, in der jeder unter Generalverdacht steht. Wer hat Interesse an so viel Angst und wieso halten die Medien gemeinhin nicht dagegen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6c2dcf6127044a4db8d1046621a4a4fa" alt="" width="1" height="1" />Rechtsanw&#228;lte drohen Firmen wie meiner mit teuren Abmahnungen, so sie ihre Netzwerke nicht schlie&#223;en. Ministergattinnen drohen Familien mit der Gefahr durch Internetperverse, wenn sie ihre Kids in Social Communities lassen. Innensenatoren drohen Bundesb&#252;rgern mit dem schnellen Tod am Gl&#252;hweinstand, wenn sie nicht anzeigen, was ihnen fremd oder merkw&#252;rdig vorkommt. Wer hat Interesse an so viel Angst und wieso halten die Medien gemeinhin nicht dagegen?</p>
<p>Tausende von Euro soll Motor zahlen, wenn sich die Tat wiederholt. 650 Euro sind sofort f&#228;llig, damit zumindest erstmal der gegnerische Anwalt befriedigt wird. Das Delikt: Via Torrent-Client soll ein Porno namens „Asian Booty“ hochgeladen worden sein. Die IP Adresse von meiner Firma Motor Entertainment wurde dabei angeblich registriert.</p>
<p>Der einzige, der das Administrationsrecht f&#252;r unser Netzwerk hat und somit Filme und Software installieren kann ist schwul. Er ist nach eigenem Bekunden nicht wirklich an der Verbreitung von Filmen &#252;ber Asiatische Frauenhintern interessiert. Ein Torrent Client l&#228;sst sich zudem auf unseren Servern nirgends finden. Bleiben G&#228;ste von Motor Entertainment oder Motor FM als potentielle T&#228;ter. Einer von ihnen k&#246;nnte das Werk theoretisch &#252;ber WLAN hochgeladen haben. Zu verhindern w&#228;re dergleichen in Zukunft lediglich dadurch, dass wir jeden notieren, dem wir Zugang gew&#228;hren und danach sein Surfverhalten dokumentieren.</p>
<p>Die Nachfrage ob das wirklich die einzige M&#246;glichkeit sei, wie wir der Forderung der Pornoproduzenten auf zuk&#252;nftige Unterlassung gerecht werden k&#246;nnten, wurde bejaht. Datenspeicherung oder Geldstrafe!</p>
<p>Seit September hat die Ministergattin Freifrau zu Guttenberg zur besten Sendezeit eine <a href="http://carta.info/34073/angeekelt-kann-man-nur-noch-sagen-halt-die-fresse-freifrau/">eigene Show</a> namens „Tatort Internet – Sch&#252;tzt endlich unsere Kinder“. Sie f&#252;hrt zusammen mit dem fr&#252;heren, Hamburger Innensenator Udo Nagel Perverse vor, die in Foren Minderj&#228;hrige ansprechen und zu treffen versuchen. Die Sendung kennt jeder, denn sowohl <em>BILD</em> als auch <em>Stern</em> feierten Stefanie zu Guttenberg auf Titelseiten daf&#252;r.</p>
<p>Kein Medium fragte sich, ob Kindesmissbruch ma&#223;geblich durch das Netz bef&#246;rdert w&#252;rde. Ein Blick in die  vom Familienministerium publizierten Untersuchungen h&#228;tte offenbart, dass in fast allen F&#228;llen von Kindesmissbrauch die T&#228;ter aus dem direkten Umfeld des Opfers, schlimmerweise sogar meist aus der eigenen Familie kommen. Wer dem ernsthaft beikommen will, muss hier ansetzen.</p>
<p>Kein Medium fragte sich, mit wem die Ministergattin als Chefankl&#228;ger gemeinsame Sache macht: Medienberichte zufolge hat die  Prevent AG, deren Vorstand Udo Nagel noch bis Mitte dieses Jahres war, einen New Yorker Mitarbeiter der HSH Nordbank, durch gef&#228;lschte Beweise mit Kinderporno in Verbindung gebracht und damit seine Entlassung erreicht.</p>
<p>Kein Medium wunderte sich &#252;ber den Sender, den zu Guttenberg und Co. f&#252;r die Missbrauchs-Realty-Show gew&#228;hlt hatten. RTL 2 ist bislang eher als das unverbesserliche Schmuddelkind der RTL Gruppe bekannt. Der Branchendienst Meedia <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/rtl-ii--gefangen-in-der-trash-falle_100029768.html">beschrieb</a> das Programm noch im  August 2010: &#8220;Die Container-Show &#8220;Big Brother&#8221;, in der Verhaltensauff&#228;llige Amateur-Erotik-Darsteller duschen oder Psychospielchen absolvieren m&#252;ssen,&#8221; und &#8220;gescriptete Dokusoaps wie &#8220;Frauentausch&#8221;, die ein Zerrbild der Wirklichkeit vermitteln (&#8230;) ein Parallel-Universum, das von adip&#246;sen, kettenrauchenden Hartz-IV-Empf&#228;ngern bev&#246;lkert wird.&#8221;</p>
<p>Zwischen all dem werden nun P&#228;dophile gejagt und Kinder gesch&#252;tzt und keinen Journalisten st&#246;rt das? Selbst aus der CDU-Fraktion kommen Unmutsbekundungen ob der Umtriebe der hoch medienaffinen Freifrau. Doch auch der <em>Spiegel</em> hob „das Traumpaar Guttenberg“ auf den Titel ohne die Sendung ernsthaft in Frage zu stellen, deren Credo es ist, dass nur strikte Dokumentation im Internet Schutz der Kinder bieten k&#246;nne. Datenspeicherung oder &#220;bergriffe von Perversen!</p>
<p>Die USA haben immer wieder von unmittelbar bevorstehenden Terroranschl&#228;gen in der Bundesrepublik Deutschland gesprochen. Im September gaben sie eine erste Reisewarnung f&#252;r ihre B&#252;rger aus. Deutschland, aber auf jeden Fall gro&#223;e Menschenansammlungen in Berlin und anderen gro&#223;en St&#228;dten sollten von Amerikanern gemieden werden.</p>
<p>Innenminister Thomas de Maizière blieb gelassen. Vielleicht wusste er, wie die amerikanischen Verh&#246;re ablaufen k&#246;nnten, in denen gefangenen mutma&#223;lichen Terroristen Hinweise auf Anschl&#228;ge abgepresst w&#252;rden. Erst als ein angeblicher Al Quaida-Aussteiger freiwillig von Pl&#228;nen f&#252;r Ende November 2010 erz&#228;hlte, lie&#223; er sicherheitshalber aller Orten schwer bewaffnete Bundespolizei auflaufen.</p>
<p>Die besonnene Haltung des Bundesministers traf auf alarmistische Medien und panische Kollegen aus den Bundesl&#228;ndern. Am 18. November machten zum Beispiel fast alle Tageszeitungen trotz d&#252;nner Faktenlage mir rei&#223;erischen &#220;berschriften auf, als namibische Sicherheitsbeamte scheinbar eine Bombe im Gep&#228;ck einer Air Berlin-Maschine gefunden hatte. Die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> titelte <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/terrorismus-moegliche-bombe-in-namibia-schrecken-ohne-grenzen-1.1025723">„Schrecken ohne Grenzen“</a>. Dass es sich in Wirklichkeit um eine von einem Geheimdienst platzierte Attrappe handelte, wurde zwei Tage sp&#228;ter verhalten und meist deutlich kleiner gemeldet.</p>
<p>In diese Stimmung passt auch der Auftritt des Hamburger Innensenators Heino Vahlendieck im ARD Morgenmagazin. Dort forderte der Christdemokrat seine Mitb&#252;rger auf, der Polizei jeden Gegenstand und jede Person zu melden, der ungew&#246;hnlich sei. „Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig  die Polizei anrufen“ fachte der Politiker w&#246;rtlich das Spitzelfieber an. In gro&#223;er Koalition mit seinem Kollegen K&#246;rting aus Berlin war dann auch wieder die Vorratsdatenspeicherung im Gespr&#228;ch.</p>
<p>Die Vorratsdatenspeicherung war schon einmal Gesetz. Das Verfassungsgericht verbat aber die pauschale Dokumentation von Telefon- und Internetdaten aller B&#252;rger. Nun soll es scheinbar einen neuen Anlauf geben. Datenspeicherung oder Lebensgefahr!</p>
<p>Datenspeicherung w&#252;nschen sich all jene, die darauf bauen, dass ihre alten Gesch&#228;ftsmodelle im Internet fortgesetzt werden k&#246;nnen. Nur wenn man denjenigen dingfest machen kann, der illegal downloaded oder verbreitet, kann das funktionieren. Egal ob Presse, Fernsehen, Games, Film oder Pornoindustrie, in dem Punkt ist man sich einig. Angst, die man durch Strafzahlungen, Bedrohung unschuldiger Kinder oder gar Terror verbreiten kann, hilft eine digitale Gesellschaft durchzusetzen, in der jeder unter Generalverdacht steht. Die Sympathie mit der Idee, den Internetnutzer an die Leine zu legen, erkl&#228;rt das wundersame Verhalten der meisten Medien.</p>
<p>Das war nicht immer so, wenn Angst verbreitet wurde. „He Deutscher, sicher w&#228;re die Welt als Scheibe. Auf der Kugel steht immer einer hinter Dir.“ Mastino sangen das 1993. Ihr Titel „Angst erigiert“ thematisierte die nach der Wiedervereinigung auftretende Xenophobie. „Wenn die Deutschen aus dem Westen und die Deutschen aus dem Osten keine S&#252;ndenb&#246;cke h&#228;tten w&#252;rde das die Einheit kosten.“ Die spitze These von Mastino war, dass die Fremdenfeindlichkeit von der Politik teilweise billigend in Kauf genommen w&#252;rde damit Deutschland zusammenwachsen k&#246;nne.</p>
<p>Damals haben die Medien von <em>BILD</em> bis <em>tageszeitung</em> als vierte Macht verl&#228;sslich davor gewarnt, dass mit Angst Politik gemacht wird. Damals waren sie aber auch nicht direkt betroffen, hatten nicht selber Angst um ihre Zukunft in einer digitalen Welt.</p>
<p><em>Tim Renner schreibt au&#223;erdem f&#252;r das <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner">Motorblog</a>.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/36064/datenspeicherung-oder-lebensgefahr/">Datenspeicherung oder Lebensgefahr!</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/36064/datenspeicherung-oder-lebensgefahr/#comments">12 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36064&amp;md5=7951bacd93a1c7fbc056d653c47ecdf9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Sixtus vs. GVU: Abmahnung f&#252;r die &#8220;Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen&#8221;</title>
		<link>http://carta.info/32053/sixtus-vs-gvu-abmahnung-fuer-die-gesellschaft-zur-verfolgung-von-urheberrechtsverletzungen/</link>
		<comments>http://carta.info/32053/sixtus-vs-gvu-abmahnung-fuer-die-gesellschaft-zur-verfolgung-von-urheberrechtsverletzungen/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 11:08:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Mamitzsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Die GVU lie&#223; ohne Auftrag oder Nachfrage beim Urheber Videos l&#246;schen. Dabei stehen die Filme sogar unter Creative-Commons-Lizenz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Konkret handelt es sich um den <a href="http://www.netzpolitik.org/2010/gvu-lasst-den-elektrischen-reporter-loschen/">Elektrischen Reporter</a> und &#8220;Du bist Terrorist&#8221; von<a href="https://twitter.com/alexlehmannfilm/statuses/20729468792"> Alexander Lehmann</a>.</p>
<p><a href="http://sixtus.cc/in-sachen-gvu">Mario Sixtus</a> hat nach der L&#246;schaktion nun eine strafbew&#228;hrte Unterlassungserkl&#228;rung von der GVU gefordert. Wir sind auf die Presseerkl&#228;rung der GVU dazu gespannt.Bisher gibt es eine telefonische Erkl&#228;rung des Gesch&#228;ftsf&#252;hrers Leonardy: &#8220;[B]ei der Sperrung handele es sich um einen &#8216;Irrtum&#8217;, die Sperre sei von einem Dienstleister (der Firma <a href="http://www.opsecsecurity.de/">Opsec Securities</a> aus M&#252;nchen) initiiert worden, der im Autrag der GVU handele. Man &#8216;bem&#252;he&#8217; sich derzeit um &#8216;Aufkl&#228;rung&#8217; und habe Vimeo bereits um eine  Aufhebung der Sperren gebeten.&#8221;</p>
<blockquote><p>Nun mag der Eine oder die Andere mein Vorgehen f&#252;r &#252;bertrieben halten,  das ist es m.E. aber nicht. Die GVU ist f&#252;r ihr (vorsichtig ausgedr&#252;ckt)  hartes Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzer bekannt. Sie geh&#246;rt zu der  Fraktion, die wahrscheinlich am liebsten Schulkinder mit Handschellen  von Schulhof abf&#252;hren w&#252;rden, weil sie eine gebrannte DVD getauscht  haben. Wenn dieser Verein in meine Rechte eingreift, sehe ich es nicht  ein, F&#252;nfe gerade sein zu lassen.</p></blockquote>
<p>Lesenswert dazu auch der <a href="http://www.spreeblick.com/2010/08/10/die-gvu-lasst-videos-sperren/">Beitrag</a> auf <em>Spreeblick</em>:</p>
<blockquote><p>Merkw&#252;rdig und &#228;rgerlich genug, dass so etwas passieren kann. Nicht viel  weniger merkw&#252;rdig und &#228;rgerlich aber, wie Teile der Netzwelt auf die  Geschichte reagieren. Manchmal frage ich mich, was uns (ich nehme mich  da an einigen Stellen &#252;berhaupt nicht aus) eigentlich noch von den  Sensationsreflexen derjenigen unterscheidet, die wir so gerne daf&#252;r  anprangern.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.spreeblick.com/2010/08/10/die-gvu-lasst-videos-sperren/">weiterlesen&#8230;</a></p>
<p>Erg&#228;nzung: Eine gute Zusammenfassung bietet <a href="http://www.handelsblatt.com/technologie/it-internet/fremde-videos-geloescht-uebereifrige-urheberrechts-polizei-erleidet-pr-gau;2633435;0">Stephan D&#246;rner</a> im <em>Handelsblatt</em>.</p>
<p>Mehr zum Thema Abmahnungen gibt es im <a href="http://carta.info/kat/carta-blogs/abmahnungen/"><em>Carta</em>-Abmahnungen-Blog</a>.
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<a href="http://carta.info/32053/sixtus-vs-gvu-abmahnung-fuer-die-gesellschaft-zur-verfolgung-von-urheberrechtsverletzungen/">Sixtus vs. GVU: Abmahnung f&#252;r die &#8220;Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen&#8221;</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/32053/sixtus-vs-gvu-abmahnung-fuer-die-gesellschaft-zur-verfolgung-von-urheberrechtsverletzungen/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=32053&amp;md5=7b895a09b1c75ff54732d02664ec4554" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>11 Fragen zu Abmahnungen: Post vom Anwalt, was tun?</title>
		<link>http://carta.info/30792/11-fragen-zu-abmahnungen-post-vom-anwalt-was-tun/</link>
		<comments>http://carta.info/30792/11-fragen-zu-abmahnungen-post-vom-anwalt-was-tun/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 12:25:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Kreutzer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Forderungen sind h&#228;ufig drastisch, die Fristen, in denen reagiert werden muss, kurz. Wie sollte man sich verhalten, wenn man eine Abmahnung bekommt?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/0e42d0d72aff4938b73ec95ae8333304" width="1" height="1" alt=""/>Regelm&#228;&#223;ig berichtet die Presse &#252;ber F&#228;lle, in denen  Webseitenanbieter, Forumsbetreiber oder Nachrichtendienste  kostenpflichtige Post vom Anwalt bekommen. Aber nicht nur das:  Wahrscheinlich am h&#228;ufigsten sind von diesen so genannten Abmahnungen  Privatpersonen betroffen, weil sie selbst oder Angeh&#246;rige des Haushalts  (oft die eigenen Kinder) in Tauschb&#246;rsen gegen geltendes Recht versto&#223;en  haben sollen. Die Forderungen sind h&#228;ufig drastisch, die Fristen, in  denen reagiert werden muss, kurz. Wie sollte man sich in einem solchen  Fall verhalten?</p>
<p>Im <a href="http://www.irights.info/index.php?q=node/1852&amp;page=9999">Dossier f&#252;r <em>iRights.info</em></a> habe ich die wichtigsten Fragen zur Vorhehensweise bei Abmahnungen zusammengetragen:</p>
<p><strong>Die Themen des Dossiers:</strong></p>
<ol>
<li>Was ist eine Abmahnung?</li>
<li>Wof&#252;r  kann man sich eine Abmahnung einhandeln?</li>
<li>Welche  Handlungen f&#252;hren am h&#228;ufigsten zu Abmahnungen?</li>
<li>Kann man sich vor Abmahnungen sch&#252;tzen?</li>
<li>Wie  sieht eine Abmahnung aus?</li>
<li>Kann  man Abzocke und Betrug erkennen?</li>
<li>Wie reagiert man auf  eine Abmahnung?</li>
<li>Abmahnkosten</li>
<li>Sonderregelung f&#252;r   Bagatell-Urheberrechtsverletzungen</li>
<li>Achtung Fristen!</li>
<li>In aussichtsloser  Situation verhandeln</li>
</ol>
<p><strong>Was ist eine Abmahnung?</strong></p>
<p>Abmahnungen sind Schreiben von jemandem, der eine Rechtsverletzung  beklagt. Sie dienen eigentlich einem sinnvollen und legitimen Zweck:  dazu, eine gerichtliche Auseinandersetzung zu verhindern. Statt sofort  zu Gericht zu gehen, soll derjenige, dessen Rechte verletzt wurden, den  Verletzer zun&#228;chst anschreiben und ihm Gelegenheit geben, die Sache  au&#223;ergerichtlich aus der Welt zu schaffen. Das Prinzip der Abmahnung ist  ein vorwiegend deutsches Ph&#228;nomen, dass es in den meisten anderen  L&#228;ndern so nicht gibt.</p>
<p>Heutzutage werden Abmahnungen h&#228;ufig  missbraucht, um Menschen einzusch&#252;chtern und sie dazu zu bringen,  Erkl&#228;rungen abzugeben oder Zahlungen zu leisten, auf die eigentlich gar  kein Anspruch besteht. Au&#223;erdem werden so viele davon verschickt, oft  selbst f&#252;r kleinste Verst&#246;&#223;e, dass Abmahnungen sich zu einem gro&#223;en  &#196;rgernis f&#252;r die B&#252;rger entwickelt haben, wenn nicht zu einer Bedrohung.  Oft wird inzwischen daher von einem „Abmahnunwesen“ gesprochen.</p>
<p><strong>Kann man sich vor Abmahnungen sch&#252;tzen?</strong></p>
<p>Am  besten kann man sich vor Abmahnungen sch&#252;tzen, indem man nicht gegen  Gesetze verst&#246;&#223;t – vor allem nicht im Internet. So einfach, wie das  klingt, ist es aber nicht.</p>
<p>Zum einen ist vielen Menschen h&#228;ufig  gar nicht klar, dass sie gegen Gesetze versto&#223;en, weil sie sie nicht  kennen und nicht wissen, was erlaubt und was nicht erlaubt ist. Zum  anderen bekommen gerade bei Internet-Rechtsverletzungen in vielen F&#228;llen  gar nicht diejenigen die Abmahnung, die die Gesetze gebrochen haben,  sondern andere, die mit der Rechtsverletzung in irgendeiner mittelbaren  Beziehung stehen. Die Rechtsprechung l&#228;sst eine Haftung von Dritten in  vielen F&#228;llen zu, wenn diese etwas zur Rechtsverletzung beigetragen  haben. Solche Dritten nennt man juristisch „St&#246;rer“, das Prinzip, nach  dem sie zur Verantwortung gezogen werden k&#246;nnen, St&#246;rerhaftung. Es liegt  auf der Hand, dass es noch schwerer ist, sich als so ein  Verantwortlicher vor Abmahnungen zu sch&#252;tzen, weil man daf&#252;r auch andere  davon abhalten m&#252;sste, Gesetze zu brechen. Darauf hat man jedoch h&#228;ufig  gar keinen Einfluss.</p>
<p><a href="http://www.irights.info/index.php?q=node/1852&amp;page=9999"><em>weiterlesen&#8230;</em></a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Au&#223;erdem zum Thema Abmahnungen auf Carta:</em></p>
<p><strong>Wolfgang Michal: <a href="http://carta.info/kat/carta-blogs/abmahnungen/">Serie zur Abmahnrepublik</a></strong></p>
<ol>
<li><em><a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/');" href="../../26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnrepublik  Deutschland</a> (Die Situation)</em></li>
<li><em><a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/carta.info/26860/wie-man-aus-schuelern-geschaeftsleute-macht-teil-ii-der-serie-abmahnrepublik/');" href="../../26860/wie-man-aus-schuelern-geschaeftsleute-macht-teil-ii-der-serie-abmahnrepublik/">Wie  man aus Sch&#252;lern Gesch&#228;ftsleute macht</a> (Urheberrecht)</em></li>
<li><em><a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/carta.info/27821/wie-lieschen-mueller-ueber-die-meinungsfreiheit-entscheidet-abmahnrepublik-teil-iii/');" href="../../27821/wie-lieschen-mueller-ueber-die-meinungsfreiheit-entscheidet-abmahnrepublik-teil-iii/">Warum  Lieschen M&#252;ller &#252;ber die Meinungsfreiheit entscheidet</a> (Presserecht)</em></li>
<li><em><a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/carta.info/28349/der-hund-bekommt-im-nachhinein-pruegel-teil-iv-der-serie-abmahnrepublik/');" href="../../28349/der-hund-bekommt-im-nachhinein-pruegel-teil-iv-der-serie-abmahnrepublik/">Der  Hund bekommt im Nachhinein Pr&#252;gel</a> (Wettbewerbsrecht)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/28881/der-fliegende-gerichtsstand-braucht-ein-flugverbot-teil-v-der-serie-abmahnrepublik/">Der fliegende Gerichtsstand braucht ein Flugverbot</a> (Der  Reformbedarf)</em></li>
</ol>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30792&amp;md5=434fe838a8575a4714cc5af14fed9d7b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Causa Perlentaucher: Soll das Urheberrecht etwa auch den Inhalt sch&#252;tzen?</title>
		<link>http://carta.info/30617/die-causa-perlentaucher-und-die-freiheit-der-information/</link>
		<comments>http://carta.info/30617/die-causa-perlentaucher-und-die-freiheit-der-information/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 06:37:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Till Kreutzer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Perlentaucher]]></category>
		<category><![CDATA[Süddeutsche Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Einen Text in eigenen Worten wiederzugeben kann keine Urheberrechtsverletzung sein – im Sinne des Allgemeinwohls sollte der BGH sich in seiner anstehenden Entscheidung im Fall FAZ/SZ gegen Perlentaucher darauf besinnen und die Freiheit der Informationslandschaft – on- wie offline – sichern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/51c6d50e0e7b42e2989695e55acdf977" width="1" height="1" alt=""/>Die Auseinandersetzungen zwischen klassischen und Online-Medien geht in eine weitere Runde: Heute verhandelt der Bundesgerichtshof (BGH) &#252;ber zwei Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Online-Magazin <em>Perlentaucher</em> auf der einen und der <em>Frankfurter Allgemeinen</em> sowie der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em> auf der anderen Seite. Es geht um viel: „Der Rechtsstreit ist in wirtschaftlicher Hinsicht f&#252;r uns existenziell“, sagt Thierry Chervel, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer der Perlentaucher Medien GmbH in Berlin. Verliert der <em>Perlentaucher</em> den mittlerweile &#252;ber vier Jahre andauernden Rechtsstreit in der letzten (dritten) Instanz, k&#228;men gesch&#228;tzte Verfahrenskosten von 55.000 Euro auf ihn zu.</p>
<p>Die Causa <em>Perlentaucher</em> hat jedoch eine bei genauerem Hinsehen eine viel gr&#246;&#223;ere Dimension. Denn letztlich geht es hierbei um die <strong>Frage, ob und inwieweit das Urheberrecht nicht nur Texte, Musik oder Filme, sondern auch Inhalte und Informationen sch&#252;tzt.</strong> Konkreter: Wie weitgehend das Urheberrecht Sekund&#228;rm&#228;rkte reguliert und Leistungen von Vermittlern und sonstigen Mehrwertdiensten erm&#246;glicht, die &#252;ber gesch&#252;tzte Werke informieren, sie ordnen oder auffindbar machen.</p>
<p><strong>R&#252;ckblick – Das Verfahren</strong></p>
<p>Bereits 2005 erhielt der <em>Perlentaucher</em> Abmahnungen von verschiedenen deutschen Tageszeitungen (darunter <em>FAZ</em> und <em>SZ</em>). Beanstandet wurde, dass der <em>Perlentaucher</em> in „Rezensionsnotizen“ z. B. dar&#252;ber informierte, wie in der <em>SZ</em> der Roman, „Traum aus Stein und Federn“ von Louis de Bernières am 22.6.2005 besprochen worden war. Der <em>Perlentaucher</em> gab die 4087 Zeichen lange Rezension in 767 Zeichen in eigenen Worten wieder, ver&#246;ffentlichte den Abstract auf seiner Webseite und lizenzierte ihn an Online-Buchh&#228;ndler weiter. Das hielten die Zeitungsverlage unter anderem f&#252;r eine Urheberrechtsverletzung.</p>
<p>Bislang war der <em>Perlentaucher</em> siegreich. Sowohl das Land- als auch das Oberlandesgericht Frankfurt/Main haben die Klagen in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Die Urteile wurden – aus Sicht eines Urheberrechtlers erstaunlich kompliziert – damit begr&#252;ndet, dass ein <strong>Abstract in der Regel ein eigenst&#228;ndiges Werk</strong> sei, dem eine <strong>erhebliche sch&#246;pferische Eigenleistung</strong> zugrunde liege. Das OLG entwickelte einen Katalog von vier komplexen Kriterien, an denen zu untersuchen sei, ob diese Eigenart vorliege und ein Abstract im jeweiligen Fall als „freie Benutzung“ des zusammengefassten Artikels angesehen werden k&#246;nne.</p>
<p><strong>Urteil mit Tragweite</strong></p>
<p>Ob der BGH das auch so sieht, wird sich herausstellen m&#252;ssen. Er sollte dabei bedenken, dass es hier – abgesehen von der Entscheidung &#252;ber den konkreten Einzelfall – um eine grunds&#228;tzliche Abgrenzung zwischen dem Urheberrecht und den Kommunikationsgrundrechten wie beispielsweise der Pressefreiheit geht, die erhebliche Auswirkungen auf moderne Formen der Informationsvermittlung haben k&#246;nnte. Und nicht zuletzt geht es um die <strong>zuk&#252;nftige Bedeutung eines ehernen Paradigma des Urheberrechts: Die Trennung von Inhalt und Form</strong>, die heute mit den Termini individuelle Gestaltung versus gemeinfreie Elemente beschrieben wird.</p>
<p>Dieser Grundsatz besagt, dass das Urheberrecht weder den Inhalt des Werkes noch hierin enthaltene Informationen sch&#252;tzen soll. Als „Werk“ gesch&#252;tzt ist nur die individuelle sprachliche Ausgestaltung eines Themas oder einer Information durch den Urheber. Nicht die Information, dass Christian Wulff zum Bundespr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde, f&#228;llt also unter das Urheberrecht, sondern lediglich der Artikel, den etwa ein Redakteur der <em>taz</em> am 30. Juni 2010 &#252;ber das Wahlergebnis verfasst hat. Und genauso wenig sollte eigentlich die Tatsache einem Monopolrecht unterliegen, dass die Rezensentin Kristina Maidt-Zinke das Buch „<a href="http://www.perlentaucher.de/buch/20468.html">Traum aus Stein und Federn</a>“ als „reichlich &#252;berparf&#252;miert“ empfand.</p>
<p>Warum die Frankfurter Gerichte den f&#252;r die Entscheidung ma&#223;geblichen Grundsatz von der Trennung von Inhalt und Form nicht einmal thematisiert haben, ist ebenso erstaunlich wie bedenklich. Sich an den Grundregeln des Urheberrechts zu orientieren w&#228;re so einfach gewesen: <strong>„Einen Text in eigenen Worten wiederzugeben ist keine Urheberrechtsverletzung“</strong>, h&#228;tte der Tenor schlicht lauten k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Welchen Zweck hat das Urheberrecht?</strong></p>
<p>Dem Gemeinwohl w&#228;re sehr damit gedient, wenn sich der BGH darauf besinnen w&#252;rde. Denn es geht hier um die Frage, welchen Sinn und Zweck das Urheberrecht hat, was soll es sch&#252;tzen und wo Freiheiten gew&#228;hren? &#220;ber diese Fragen wird der BGH in seinem Urteil zwangsl&#228;ufig mitentscheiden.</p>
<p>&#220;ber Tatsachen und Inhalte frei berichten zu k&#246;nnen, ist (oder war) nicht nur ein Grundsatz der Urheberrechtsordnung, sondern auch wesentliche Basis der Informationslandschaft – on- und offline.</p>
<p>Wenn ohne Lizenz nicht mehr auf Quellen verwiesen oder dar&#252;ber berichtet werden kann, was andere schreiben, komponieren oder programmieren, werden bedeutende Informationsquellen austrocknen. News-Aggregatoren und Suchmaschinen k&#246;nnen nicht funktionieren, wenn Monopolrechte auf kurze Textausschnitte, &#220;berschriften oder gar Inhalte von Texten reklamiert werden. F&#252;r Presseschauen m&#252;ssten Rechte eingeholt werden, was bedeutet, dass sie nur m&#246;glich w&#228;ren, wenn derjenige, &#252;ber dessen Inhalte berichtet wird, nichts dagegen hat. So kann eine Informationsgesellschaft nicht funktionieren.</p>
<p>An der <em>Perlentaucher</em>-Entscheidung wird – ebenso wie an der politischen Debatte &#252;ber ein neues <a href="http://carta.info/tag/leistungsschutzrecht/">Leistungsschutzrecht</a> f&#252;r Presseverlage – deutlich, <strong>in welcher Dimension kommunikative Freiheiten derzeit auf dem Spiel stehen.</strong> In jener politischen Diskussion wird gar dar&#252;ber verhandelt, ob es ein Gesetz geben sollte, das letztlich die Sprache selbst monopolisiert. Die Verlage verlangen ein Ausschlie&#223;lichkeitsrecht auf kleinste Textbestandteile, &#220;berschriften eventuell sogar einzelne Worte. Sie haben es hiermit bis in den Koalitionsvertrag geschafft.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Kurzum: Den Inhabern von Urheber- und Leistungsschutzrechten auch die Herrschaft &#252;ber die Information oder die Sprache zuzugestehen, w&#228;re ein fataler Fehler. Es w&#252;rde zu Wenigen zu viel Macht &#252;ber die wichtigsten und wertvollsten G&#252;ter der heutigen Gesellschaft zugestehen. Das sollte der Bundesgerichtshof im Blick haben, wenn er dar&#252;ber entscheidet, ob der <em>Perlentaucher</em> Abstracts von Zeitungsartikeln ver&#246;ffentlichen darf.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Au&#223;erdem dazu auf Carta:</em></p>
<p>Julia Schulz: <a rel="bookmark" href="../../30619/fazsz-gegen-perlentaucher-was-darf-eine-kurzzusammenfassung/">FAZ/SZ gegen Perlentaucher: Was darf eine  Kurzzusammenfassung?</a></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Dieser Artikel wurde &#8211; in leicht abgewandelter Form &#8211; am heutigen Tage auch in der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung ver&#246;ffentlicht.</em>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/30617/die-causa-perlentaucher-und-die-freiheit-der-information/">Die Causa Perlentaucher: Soll das Urheberrecht etwa auch den Inhalt sch&#252;tzen?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/30617/die-causa-perlentaucher-und-die-freiheit-der-information/#comments">11 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=30617&amp;md5=c5946a2eafa2da3362e4ea3c8561a81c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der fliegende Gerichtsstand braucht ein Flugverbot. Teil V der Serie „Abmahnrepublik“</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 09:11:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auch Anw&#228;lte betrachten die Pervertierung des Abmahnrechts mit gro&#223;er Sorge. Der Missbrauch bringt ihren ganzen Berufsstand in Verruf. Christian Solmecke (K&#246;ln), Markus Kompa (M&#252;nster), Till Kreutzer (Berlin) und Thomas Stadler (Freising) pl&#228;dieren f&#252;r einschneidende Reformen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/907ea483e5f649c7b2263e0c25e050f5" alt="" width="1" height="1" />Vor neun Jahren stellten die beiden Rechtswissenschaftler Gerhard Schricker und Frauke Henning-Bodewig in einer Untersuchung f&#252;r das Bundesjustizministerium fest: &#8220;<strong>Das Problem der missbr&#228;uchlichen Abmahnungen scheint ein typisch deutsches zu sein</strong>. Da die meisten (EU-)Mitgliedstaaten der Abmahnung keine vergleichbare Bedeutung einr&#228;umen, insbesondere die Kosten dieser nicht geltend gemacht werden k&#246;nnen, gibt es selbst in L&#228;ndern mit &#228;hnlich weiter Aktivlegitimation keinen Anreiz zur Verfolgung von Bagatellverst&#246;&#223;en.“</p>
<p>Aus dieser klaren Erkenntnis wurden aber bislang <a href="http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/06/03/die-abmahnspiele-gehen-weiter/">keine</a> Konsequenzen gezogen. Ich habe deshalb vier Rechtsanw&#228;lte – Markus Kompa, Till Kreutzer, Christian Solmecke und Thomas Stadler<a href="#anwaelte">*</a> – gefragt, wie sie die Situation einsch&#228;tzen und was nach ihrer Meinung dringend reformiert werden muss:</p>
<blockquote><p>Die Fragen:</p>
<ol>
<li><a href="#sonderweg">Ist der deutsche Abmahnwahn von Br&#252;ssel diktiert oder geht Deutschland hier einen rigiden Sonderweg?</a></li>
<li><a href="#einfuegen">Wenn Sie Gesetzgeber w&#228;ren, welche Regelungen w&#252;rden Sie abschaffen, &#228;ndern oder einf&#252;gen?</a></li>
<li><a href="#ergreifen">Wenn Sie Politiker w&#228;ren, welche Initiativen w&#252;rden Sie ergreifen?</a></li>
<li><a href="#schuetzen">Was sollten Internet-Nutzer tun, um sich nachhaltiger als bisher gegen den zunehmenden Abmahnmissbrauch zu sch&#252;tzen?</a></li>
</ol>
</blockquote>
<p><strong> </strong></p>
<h3><strong><a name="sonderweg">Ist der deutsche Abmahnwahn von Br&#252;ssel diktiert oder geht Deutschland hier einen rigiden Sonderweg?</a></strong></h3>
<p><em>Thomas Stadler:</em> Der Abmahnwahn ist nicht von Br&#252;ssel diktiert, sondern ein eher deutsches Ph&#228;nomen und in seinem Ausma&#223; wohl auch <strong>einmalig in Europa</strong>. Die zwei Hauptgr&#252;nde f&#252;r die deutsche Abmahnfreudigkeit sehe ich darin, dass man in Deutschland zumeist innerhalb von Tagen, notfalls sogar innerhalb von Stunden, eine einstweilige Verf&#252;gung bekommen kann, und die Abmahnungen im Urheberrecht und im gewerblichen Rechtsschutz auch f&#252;r Anw&#228;lte sehr interessant sind, <strong>weil man in vielen F&#228;llen mit &#252;berschaubarem Aufwand relativ hohe Geb&#252;hreneinnahmen erzielen kann</strong>. In anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern funktioniert der einstweilige Rechtsschutz nicht so einfach und z&#252;gig wie in Deutschland, weshalb auch der Druck, m&#246;glichst kurzfristig eine Unterlassungserkl&#228;rung abzugeben, nicht so hoch ist.</p>
<p><em>Till Kreutzer:</em> Es gibt keine europ&#228;ische Vorgabe, die vorschreiben w&#252;rde, dass Abmahnungen gegen Kostenerstattung durch die Nationalstaaten erm&#246;glicht werden m&#252;ssen.</p>
<p><em>Christian Solmecke:</em> Ich vertrete etwa 300 Online-Shops, die alle schon einmal abgemahnt worden sind. Die Gr&#252;nde daf&#252;r sind vielf&#228;ltig. Meist ging es um die fehlerhafte Formulierung der Widerrufsbelehrung. Solche Formulierungsfehler k&#246;nnen nat&#252;rlich auch in anderen L&#228;ndern zu Abmahnungen f&#252;hren. <strong>Deutsche Anw&#228;lte scheinen das System hingegen perfektioniert zu haben.</strong> F&#252;r den Abgemahnten sind die aus der Abmahnung resultierenden Anwaltskosten oft nur schwer nachzuvollziehen. Insbesondere wenn es um Kleinstverst&#246;&#223;e wie z.B. das Abk&#252;rzen eines Vornamens im Impressum geht. Wie in einigen anderen L&#228;ndern Europas wird dann oft gefordert, dass die erstmalige Abmahnung kostenfrei bleiben soll. Doch auch das ist nicht ganz unproblematisch. Dem zu Recht Abmahnenden sind Kosten entstanden und die sollten ihm auch erstattet werden. Ansonsten w&#252;rde dies das Aus f&#252;r das deutsche Wettbewerbsrecht bedeuten.</p>
<p><em>Markus Kompa:</em> Die Abmahnung hat sich in der deutschen Rechtspraxis entwickelt und sollte urspr&#252;nglich im gewerblichen Rechtsschutz zeitraubende Prozesse vermeiden, indem man die au&#223;ergerichtliche Beilegung anbietet. Dabei wurde das Prinzip des deutschen Prozessrechts aufgegriffen, dass der Verletzer die Anwaltskosten tragen muss, w&#228;hrend im Ausland meist jeder seinen eigenen Anwalt bezahlt, unabh&#228;ngig davon, wer gewinnt.</p>
<p>Die Alternative zur Abmahnung w&#228;re, ohne jede Warnung gleich vor Gericht zu gehen. Jedoch k&#246;nnte ein &#252;berraschend Beklagter den Anspruch durch ein sofortiges Anerkenntnis einr&#228;umen und die Kosten als nicht notwendig zur&#252;ckweisen, mit der Behauptung, er h&#228;tte das auch ohne Gericht anerkannt. Dieser Einwand kann durch eine vorherige Abmahnung abgeschnitten werden. Ein Verzicht auf vorherige Abmahnung w&#228;re daher ein anwaltlicher Kunstfehler. Im Grunde ist es ja eine gerechte Sache, dass der Verursacher zahlen muss.</p>
<p><strong>Dass man aber die im gewerblichen Rechtsschutz gewachsenen Verfahrensweisen 1:1 auf Privatleute anwendet und astronomische Streitwerte aufruft, war nicht im Sinne des Erfinders.</strong> Ein Abmahner kann n&#228;mlich vollmundig allerhand fordern und bluffen, was das Zeug h&#228;lt, w&#228;hrend man vor Gericht f&#252;r jede zus&#228;tzliche Forderung ein unmittelbares Kostenrisiko tragen und gegebenenfalls den Beweis antreten m&#252;sste.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em> </em></p>
<h3><strong><a name="einfuegen">Wenn Sie Gesetzgeber w&#228;ren, welche Regelungen w&#252;rden Sie abschaffen, &#228;ndern oder einf&#252;gen?</a></strong></h3>
<p><em>Christian Solmecke:</em> Das Hauptproblem f&#252;r den Abmahnwahn unter den deutschen Online-Shops ist aus meiner Sicht der <strong>fliegende Gerichtsstand</strong>, auch „forum shopping“ (engl. &#8220;Gerichts-Einkaufsbummel&#8221;) genannt. Bei Verst&#246;&#223;en, die im Internet stattfinden, kann sich der Abmahnende sein Gericht aussuchen. Es wird davon ausgegangen, dass die Verletzung bei Internet-Streitigkeiten in jedem Ort Deutschlands stattgefunden hat. Schlie&#223;lich ist das Internet &#252;berall in Deutschland abrufbar. Das f&#252;hrt dazu, dass ich als Abmahnender ziemlich genau einsch&#228;tzen kann, wie ein Gericht entscheiden wird. In den g&#228;ngigen Urteilsdatenbanken ist z.B. nachlesbar, wie sich das Oberlandesgericht Braunschweig bei Google-Adwords-Abmahnungen verh&#228;lt oder wie das Landgericht K&#246;ln in den Tauschb&#246;rsen-Verfahren entscheidet. Seit jeher gibt es Gerichte, die so genannte Mindermeinungen vertreten. Wenn eine solche Mindermeinung f&#252;r den Abmahnenden gerade g&#252;nstig ist, w&#228;hlt er genau dieses Gericht und bekommt prompt Recht.</p>
<p>Ein weiteres Problem ist die <strong>&#8220;Googlebarkeit&#8221; von Rechtsverst&#246;&#223;en.</strong> Dazu ein Beispiel: Die Formulierung &#8220;unfreie Sendungen werden nicht zur&#252;ck genommen&#8221; wird von den meisten Gerichten als wettbewerbswidrig angesehen. Wenn ich nun genau diese Formulierung bei Google oder bei eBay in die Suchmaske eingebe, dann werde ich sehr schnell hunderte von Shops finden, die sich wettbewerbswidrig verhalten. Besteht ein Wettbewerbsverh&#228;ltnis, k&#246;nnen diese Shops leicht abgemahnt werden.</p>
<p>Schlie&#223;lich beobachte ich auch einen inflation&#228;ren Anstieg von <strong>einstweiligen Verf&#252;gungen</strong>. Diese Eilverfahren werden von den Gerichten meist durchgewunken, ohne den Gegner auch nur anzuh&#246;ren. Eigentlich ist in der Zivilprozessordnung das Weglassen einer m&#252;ndlichen Verhandlung nur in Ausnahmef&#228;llen vorgesehen. In der Praxis ist das bei den Eilverfahren aber ganz eindeutig die Regel. Der Grund: Die Gerichte k&#246;nnen dann im Beschlusswege entscheiden und auf eine Begr&#252;ndung der Entscheidung g&#228;nzlich verzichten. Das spart wertvolle Arbeitszeit. Die Betroffenen stehen vor dem Problem, gegen eine einmal ergangene Entscheidung mittels eines Widerspruchs vorgehen zu m&#252;ssen.</p>
<p>Letztlich sehe ich auch in den <strong>hohen Streitwerten</strong>, die von den Gerichten angesetzt werden, ein sehr gro&#223;es Problem. Bei einem Jugendlichen, der 3 Alben (ca. 50 Lieder) im Netz getauscht hat, wurde vom Landgericht K&#246;ln ein Streitwert von 500.000 € f&#252;r korrekt befunden. Das ist aus meiner Sicht viel zu hoch. Mit solchen Streitwerten pr&#252;geln sich normalerweise nur Gro&#223;unternehmen herum. Eine Instanz kostet bei so einem Streitwert mehr als 25.000 €. Das finde ich ruin&#246;s. Fr&#252;her waren Urheberrechtsverletzungen in diesen Dimensionen f&#252;r Privatpersonen ohnehin undenkbar. Erst seit es das Internet gibt, wird auch der Einzelne zum Sender und kann so – bewusst oder unbewusst – massive Urheberrechtsverletzungen begehen.</p>
<p><em>Markus Kompa:</em> Die Abmahnpraxis ist nur punktuell gesetzlich normiert. Sie ist mehr durch richterliche Rechtsfortbildung entstanden. Einen richtigen Weg, der Abmahnindustrie die Milch sauer zu machen, hat man mit der Deckelung der Abmahnkosten auf 100 Euro in urheberrechtlichen Bagatellf&#228;llen (durch § 97a Abs. 2 UrhG) eingeschlagen. Seit kurzem wenden einige Gerichte diese Vorschrift auf Filesharing-F&#228;lle an, was aber noch umstritten ist.</p>
<p>Bereits im geltenden Recht gibt es den <strong>Einwand des Rechtsmissbrauchs, </strong>also das zweckwidrige Ausnutzen einer formal bestehenden Rechtsposition. Hier k&#246;nnte man einige typische F&#228;lle als Missbrauch und Schikane gesetzlich kodifizieren.</p>
<p>Meiner Ansicht nach m&#252;ssten auch servile Anw&#228;lte, die nachhaltig durch &#8220;<a href="http://carta.info/28349/der-hund-bekommt-im-nachhinein-pruegel-teil-iv-der-serie-abmahnrepublik/">dog law</a>&#8221; auffallen, Sanktionen durch Anwaltskammern oder Beh&#246;rden sp&#252;ren. Wenn das anwaltliche Standesrecht auf der einen Seite einem Anwalt verbietet, Nebenjobs wie &#8220;Putzen&#8221; zu ergreifen, weil dies dem Ansehen des Berufsstandes unw&#252;rdig sei, dann kann man nicht auf der anderen Seite gewisse Anw&#228;lte dulden, die den Anwaltsstand tats&#228;chlich in Verruf bringen, ja sogar Hass erzeugen.</p>
<p><em>Thomas Stadler:</em> Es sind nicht nur die Gesetze, es liegt vor allem an ihrer Auslegung durch die Gerichte. Was das Ph&#228;nomen der Massenabmahnung zum Beispiel erheblich beg&#252;nstigt, ist die deutliche Zur&#252;ckhaltung der deutschen Rechtsprechung, wenn es darum geht, bestimmte <strong>Abmahnungen als rechtsmissbr&#228;uchlich oder strafbar zu qualifizieren, </strong>obwohl sich das manchmal f&#246;rmlich aufdr&#228;ngt. Deshalb konnten und k&#246;nnen ber&#252;chtigte Massenabmahner ihr Gesch&#228;ft oft ungest&#246;rt &#252;ber Jahre hinweg betreiben.</p>
<p>Es war z.B. eine durchaus sinnvolle Idee, die Abmahnkosten bei einfach gelagerten Urheberrechtsverst&#246;&#223;en au&#223;erhalb des gesch&#228;ftlichen Verkehrs auf 100 Euro zu begrenzen. Aber diese Vorschrift (§ 97a Abs. 2 UrhG) wird praktisch nicht angewandt, weil die Gerichte in den Filesharing-F&#228;llen selbst beim Download eines Films oder eines Musikalbums von einem „gewerblichen Ausma&#223;“ sprechen. Hier w&#228;re eine gesetzgeberische Klarstellung dringend angebracht.</p>
<p>Gleichzeitig hat der Gesetzgeber im Bereich des Filesharing durch Schaffung eines Auskunftsanspruchs gegen Zugangsprovider die Entstehung einer neuen Abmahnindustrie &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht. Speziell das Landgericht K&#246;ln ordnet im Rahmen eines einzelnen solchen Auskunftsverfahrens regelm&#228;&#223;ig mehrere tausend IP-Adressen jeweils einem Anschlussinhaber zu, weshalb aus nur einem gerichtlichen Aktenzeichen gleich tausende von Abmahnungen resultieren. Der Slogan <strong>&#8220;Turn Piracy Into Profit&#8221; funktioniert nur dank der Gesetzgebung und der Rechtsprechung.</strong> Das Ergebnis ist eine Pervertierung des Urheberrechtsschutzes.</p>
<p><em>Till Kreutzer:</em> Nach deutschem Recht ist der Anspruch auf Ersatz der Abmahnkosten kein Schadensersatzanspruch. Er basiert vielmehr auf dem Institut der so genannten <strong>&#8220;Gesch&#228;ftsf&#252;hrung ohne Auftrag&#8221;</strong> (GoA, Anspruchgrundlage ist § 683 BGB). Der Grundgedanke dahinter ist, dass der Verletzte (z.B. der Rechteinhaber) quasi f&#252;r den Verletzer ein Gesch&#228;ft f&#252;hrt, indem er ihn abmahnen l&#228;sst. Salopp ausgedr&#252;ckt bedeutet das, dass der Rechteinhaber dem (angeblichen) Verletzer &#8220;einen Gefallen tut&#8221;, indem er ihm mit der Abmahnung die M&#246;glichkeit gibt, einen Prozess zu vermeiden und eine au&#223;ergerichtliche Einigung zu erzielen.</p>
<p>Im Prinzip mag der Gedanke richtig sein, er wird jedoch im Zusammenhang mit dem &#8220;Abmahnunwesen&#8221; vollkommen pervertiert. Da der GoA-Anspruch kein Schadensersatzanspruch ist, also verschuldensunabh&#228;ngig gew&#228;hrt wird, besteht der Anspruch auf Begleichung der Anwaltskosten unabh&#228;ngig davon, ob die Verletzung schuldhaft oder auch nur bewusst begangen wurde. W&#228;re ein Verschulden erforderlich, w&#228;re es z.B. in den &#8220;Elternhaftungsf&#228;llen&#8221; (Eltern haften ja &#8220;nur&#8221; aufgrund einer Sorgfalts- oder Pr&#252;fungspflichtverletzung mittelbar f&#252;r das Verhalten ihrer Kinder) &#228;u&#223;erst fraglich, ob die Anwaltskosten f&#252;r die Abmahnung verlangt werden k&#246;nnen.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Bedenken, die sich insbesondere auf die H&#246;he der Anwaltsgeb&#252;hren f&#252;r Abmahnungen beziehen. Die <strong>Festsetzung des Gegenstandswertes</strong> gerade bei Unterlassungsanspr&#252;chen ist h&#228;ufig rein willk&#252;rlich. Um sich gegen die Wertberechnung (die zun&#228;chst vom Verletzten nach eigenem Ermessen vorgenommen wird), zu wehren, m&#252;sste der Abgemahnte vor Gericht gehen, was mit allerhand Risiken verbunden w&#228;re. Es w&#228;re also w&#252;nschenswert, im Kostenrecht eine klare Bemessungsgrundlage oder Deckelung festzuschreiben, die Missbrauch im Sinne von &#252;berh&#246;hten Abmahngeb&#252;hren verhindert.</p>
<p>Der Gesetzgeber hat zwar mit § 97a Abs. 2 UrhG einen solchen Versuch unternommen, es scheint sich aber herauszustellen, dass der Ansatz falsch gew&#228;hlt ist und die Regelung (bis dato) keinerlei Schutzwirkung entfaltet. Hier gilt es nachzubessern.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em> </em></p>
<h3><strong><a name="ergreifen">Wenn Sie Politiker w&#228;ren, welche Initiativen w&#252;rden Sie ergreifen?</a></strong></h3>
<p><em>Christian Solmecke:</em> Aus meiner Sicht m&#252;sste der <strong>fliegende Gerichtsstand</strong> neu geregelt werden. Au&#223;erdem m&#252;sste eine <strong>Streitwert-Deckelung</strong> bei Urheberrechtsverst&#246;&#223;en im privaten Bereich eingef&#252;hrt werden. Auch im Wettbewerbsrecht sollte &#252;ber die zu hohen Streitwerte nachgedacht werden.</p>
<p><em>Till Kreutzer:</em> Ich w&#252;rde im Sinne eines dringend gebotenen Verbraucherschutzes darauf dr&#228;ngen, dass sowohl die <strong>Anspruchsgrundlage f&#252;r Abmahnungen </strong>(siehe Antwort unter 2.) als auch die <strong>Berechnungsgrundlagen</strong> in F&#228;llen von Nutzungshandlungen von Privatpersonen auf den Pr&#252;fstand gestellt werden. Die Gradwanderung ist nicht einfach. Nat&#252;rlich muss dabei vermieden werden, dass die Verletzten in relevanten F&#228;llen sich der Abmahnung nicht mehr bedienen k&#246;nnen und immer gleich klagen (weil sie die Kosten, die ihnen tats&#228;chlich f&#252;r die Inanspruchnahme des Anwalts entstehen, nicht erstattet bekommen).</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Markus Kompa:</em> Das Problem liegt ja eigentlich weniger bei den Abmahnungen. Denn die sind nur die Vorstufe zu angedrohten Klagen und einstweiligen Verf&#252;gungen.</p>
<p>Als Presse- und Bloggerrechtler steht f&#252;r mich an erster Stelle<strong> die Abschaffung des &#8220;fliegenden Gerichtsstands&#8221;</strong>, der in § 32 ZPO verortet wird. Es kann nicht richtig sein, dass ein Regensburger Bischof seinen Nachbarn beim Gericht in Hamburg verklagen darf, nur weil dort ungew&#246;hnlich scharfe Richter sitzen, die sich einen Dreck um die verfassungsrechtlich gebotene Abw&#228;gung zwischen Meinungsfreiheit und Pers&#246;nlichkeitsrechten scheren. Die Hamburger Urteile werden wegen Missachtung der Meinungs- und Pressefreiheit regelm&#228;&#223;ig in Karlsruhe wieder kassiert, was Geld, Zeit und Energie kostet.</p>
<p>Meinungsfreiheit ist etwas f&#252;r reiche Leute geworden. Es w&#252;rde einem durch &#196;u&#223;erungen Verletzten v&#246;llig ausreichen, wenn er zus&#228;tzlich an einem Gerichtsort klagen darf, an dem er seinen Lebensmittelpunkt hat. Ein Regensburger Bischof sollte daher die Kirche im Dorf und das Gericht in Regenburg lassen, anstatt auf Wallfahrt nach Hamburg zu ziehen.</p>
<p>Anders als beim Unterlassungsanspruch gibt es <strong>beim Rechtsanspruch auf Gegendarstellung keinen fliegenden Gerichtsstand</strong>, obwohl es da regelm&#228;&#223;ig um die gleichen Probleme geht. So wichtig kann er dann wohl nicht sein.</p>
<p>Die Praxis des so genannten einstweiligen Rechtsschutzes ist eine Farce, weil es dort keineswegs &#8220;einstweilig&#8221; zugeht, einem Verf&#252;gungsbeklagten jedoch allerhand Abwehrrechte genommen werden. Wenn Sie gegen eine einstweilige Verf&#252;gung Widerspruch erheben, kann es Monate dauern, bis Sie zur m&#252;ndlichen Verhandlung geladen werden. Zur Begr&#252;ndung des Widerspruchs-Urteils d&#252;rfen sich die Richter fast ein halbes Jahr Zeit lassen. Dann kann sich noch eine Berufung anschlie&#223;en. Sie m&#252;ssen aber in dieser Zeit s&#228;mtliche Kosten &#8211; auch die des gegnerischen Anwalts &#8211; vorstrecken, k&#246;nnen keine Zeugen vorladen, w&#228;hrend sich der Verf&#252;gungskl&#228;ger auf h&#228;ufig omin&#246;se eidesstattliche Versicherungen st&#252;tzen und bis zur letzten Minute neue L&#252;gen vortragen darf. Hier g&#228;be es erheblichen Novellierungsbedarf.</p>
<p>Gegenw&#228;rtig ist die Beweislast bei Tatsachenbehauptungen ungleichm&#228;&#223;ig verteilt</p>
<p>Im deutschen &#196;u&#223;erungsrecht gibt es insoweit eine <strong>Beweislastumkehr</strong>. Es reicht aus, dass ein Betroffener eine von Ihnen aufgestellte Tatsachenbehauptung schlank bestreitet, ohne, dass er etwas beweisen muss. Da selbst Vermutungen, Missverst&#228;ndlichkeiten oder ein angeblich erweckter Eindruck als Tatsachenbehauptungen gewertet werden, m&#252;ssten Sie im Prinzip alles, was Sie sagen, andeuten oder scheinbar gemeint haben k&#246;nnten, vor Gericht beweisen. Das f&#252;hrt zu Selbstzensur.</p>
<p>Hier m&#252;sste ein Korrektiv eingreifen, das den Belangen der Meinungsfreiheit Rechnung tr&#228;gt. Die Beweislastumkehr ist durchaus sinnvoll, um vors&#228;tzlichem Rufmord effizient zu begegnen. Insbesondere bei streitigen Sachverhalten, bei denen der Kl&#228;ger die behauptete Unwahrheit beweisen k&#246;nnte, sollte er das auch tun m&#252;ssen, wenn insoweit erhebliche Zweifel bestehen.</p>
<p>Vor der sogenannten &#8220;Stolpe-Rechtsprechung&#8221; war eine missverst&#228;ndliche &#196;u&#223;erung, die man unterschiedlich deuten kann, im Zweifel erlaubt, wenn man eine Deutungsvariante plausibel machen konnte, die nicht als falsche Tatsachenbehauptung interpretiert werden konnte. Wenn Sie heute etwas so ausdr&#252;cken, dass ein findiger Anwalt dies als Behauptung oder Andeutung einer Tatsachenbehauptung missverstehen k&#246;nnte, dann wird verboten. Die <strong>orwellschen Zust&#228;nde in den Pressekammern</strong> sind leider noch immer kein Medienthema, obwohl die Entscheidungen kaum absurder sein k&#246;nnten.</p>
<p><em>Thomas Stadler:</em> Ich w&#252;rde den fliegenden Gerichtsstand dahingehend einschr&#228;nken, dass zumindest ein <strong>sachlicher Ankn&#252;pfungspunkt f&#252;r die Wahl des Gerichtsorts</strong> dargelegt werden muss und die blo&#223;e Abrufbarkeit von Internetinhalten, z.B. in Hamburg, noch nicht f&#252;r eine Gerichtsstandswahl reicht.</p>
<p>Sinnvoll w&#228;re auch eine klare Vorgabe von gesetzlichen Kriterien daf&#252;r, unter welchen Umst&#228;nden eine Abmahnung als rechtsmissbr&#228;uchlich und damit auch als unwirksam zu qualifizieren ist.</p>
<p>Auch die effektive gesetzliche Begrenzung von Abmahngeb&#252;hren w&#228;re ein Instrumentarium das dazu beitragen k&#246;nnte, die Zahl der Abmahnungen zu reduzieren.</p>
<p>Im Wettbewerbsrecht k&#246;nnte man schlie&#223;lich dar&#252;ber nachdenken, die <strong>gesetzliche Dringlichkeitsvermutung abzuschaffen, </strong>so dass jeder, der eine einstweilige Verf&#252;gung m&#246;chte, im Einzelfall darlegen muss, warum die Sache so eilbed&#252;rftig ist und es ihm nicht zugemutet werden kann, gleich ein Hauptsacheverfahren anzustrengen.<strong> </strong></p>
<p>Man k&#246;nnte bei Internetsachverhalten auch &#252;ber ein <strong>„Notice And Take Down&#8221;-Verfahren</strong> nachdenken, wobei ich da zwiegespalten bin, weil das dadurch verursachte vorschnelle Entfernen gerade von meinungsrelevanten Inhalten mit Blick auf die Meinungs- und Informationsfreiheit kritisch ist.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em> </em></p>
<h3><strong><a name="schuetzen">Was sollten Internet-Nutzer tun, um sich nachhaltiger als bisher gegen den zunehmenden Abmahnmissbrauch zu sch&#252;tzen?</a></strong></h3>
<p><em>Markus Kompa:</em> Abmahnungen sind ja h&#228;ufig nur das Vorgepl&#228;nkel seltsamer Rechtsstreite. Ein wesentlicher Faktor, Rechtsstreite durchzustehen, ist h&#228;ufig die unterschiedliche Kriegskasse. Der Kostendruck n&#246;tigt Blogger oft zu faulen Kompromissen, w&#228;hrend Abmahner Prozesse aus der Portokasse zahlen und mit der Schrotflinte Antr&#228;ge auf absurdeste einstweilige Verf&#252;gungen verschie&#223;en, in der Hoffnung, eine w&#252;rde treffen.</p>
<p>Derzeit diskutiere ich mit anderen B&#252;rgerrechtlern die <strong>Einrichtung eines Rechtshilfefonds</strong>. Anstatt dass jeder abgemahnte Blogger auf eigene Faust eine Spendenkampagne aufziehen muss, sollte man Synergien b&#252;ndeln und die Abwehr kompetent organisieren. Man k&#246;nnte diese Verfahren auch medial begleiten und den Abmahnern eine laute Botschaft senden. Was den &#228;u&#223;ernden Privatleuten fehlt, ist eine Lobby.</p>
<p><em>Christian Solmecke:</em> Rechtsmissbr&#228;uchliche Abmahnungen k&#246;nnen nur dann ans Tageslicht gebracht werden, wenn die Abgemahnten sich austauschen. Das bedeutet, dass sich die Abgemahnten in Foren zusammenfinden sollten. Nur so ist es m&#246;glich, <strong>Massenabmahnungen</strong> zu <strong>identifizieren</strong>. Es sei aber auch angemerkt, dass allein das massenhafte Verschicken von Abmahnungen noch kein eindeutiges Indiz f&#252;r eine Rechtsmissbr&#228;uchlichkeit ist. Weitere Indizien, die hinzukommen m&#252;ssen, w&#228;ren z.B. ein verwandtschaftliches Verh&#228;ltnis zwischen dem Abmahner und seinem Anwalt. &#220;berzogene Streitwerte, viele schnelle Vergleiche und die Werbung mit &#8220;kostenneutralen Abmahnungen&#8221; sprechen ebenfalls f&#252;r eine Rechtsmissbr&#228;uchlichkeit.</p>
<p><em>Thomas Stadler:</em> Der Aufschrei vieler Blogger hat ja schon mehrfach dazu gef&#252;hrt, dass gerade gr&#246;&#223;ere Unternehmen aus Angst vor einem Imageverlust zur&#252;ck gerudert sind. <strong>&#214;ffentlicher Druck</strong> bewirkt also etwas. Wer sich im Netz als Anbieter von Inhalten oder als Verk&#228;ufer von Waren bewegt, sollte sich aber auch selbst &#252;ber gewisse rechtliche Rahmenbedingungen informieren. Dadurch l&#228;sst sich vermeiden, in jede Falle zu tappen.</p>
<p><em>Till Kreutzer:</em> In Bezug auf die derzeitige Situation w&#228;re es denkbar, <strong>Fonds</strong><strong> mit freiwilligen Spenden</strong> zu bilden, um Abgemahnten in Notf&#228;llen zu helfen, z.B. Anw&#228;lte zu bezahlen, die (u.a.) <strong>Musterprozesse</strong> f&#252;hren oder &#228;hnliches. In Bezug auf die notwendigen &#196;nderungen des Rechts w&#228;re eine breite Bewegung und Solidarisierung sicherlich effektiv, die sich gegen das Abmahnunwesen (also gegen die missbr&#228;uchlichen F&#228;lle) wendet und politische Initiative fordert. Das kann nat&#252;rlich auch, begleitend, in Form von <strong>Petitionen</strong> geschehen.</p>
<p>____________________________________________</p>
<p><a name="anwaelte">Die Anw&#228;lte:</a></p>
<p><strong>Markus Kompa</strong> (37) absolvierte einen Teil seiner Ausbildung am <a href="http://www.uni-muenster.de/Jura.itm/ie.html">Institut</a> f&#252;r Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in M&#252;nster. Er ber&#228;t bundesweit K&#252;nstler, investigative Journalisten und kritische Blogger. Kompa ver&#246;ffentlicht im Internetmagazin <em><a href="http://www.heise.de/tp/">Telepolis</a></em> zum Medienrecht sowie aus Passion recherchierte Artikel &#252;ber Geheimdienst-Themen des Kalten Kriegs.</p>
<p><strong>Till Kreutzer</strong> (39) ist Partner bei <a href="http://www.ie-online.de">i.e.</a> – dem B&#252;ro f&#252;r informationsrechtliche Expertise in Hamburg und Berlin. Au&#223;erdem ist er Journalist und Gr&#252;ndungsmitglied von <em><a href="http://www.irights.info">iRights.info</a></em>, einem Informationsportal zum Urheberrecht in der digitalen Welt, das 2006 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.</p>
<p><strong>Christian Solmecke</strong> (36) arbeitet in der K&#246;lner Kanzlei „Wilde Beuger &amp; Solmecke“, die vor allem die Online-Branche ber&#228;t. Neben seiner Kanzleit&#228;tigkeit ist Christian Solmecke auch Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des Deutschen Instituts f&#252;r Kommunikation und Recht im Internet (<a href="http://www.dikri.de">DIKRI</a>) an der Cologne Business School. Dort besch&#228;ftigt er sich insbesondere mit den Rechtsfragen in Sozialen Netzen. Vor seiner T&#228;tigkeit als Anwalt arbeitete Solmecke mehrere Jahre als Journalist f&#252;r den Westdeutschen Rundfunk und andere Medien.</p>
<p><strong>Thomas Stadler</strong> (41) ist Fachanwalt f&#252;r IT-Recht und gewerblichen Rechtsschutz. Er arbeitet als Partner der Kanzlei „Alavi, Fr&#246;sner, Stadler“ in Freising bei M&#252;nchen. Stadler ist Autor zahlreicher Fachver&#246;ffentlichungen zum Internet- und IT-Recht und bloggt unter <em><a href="http://www.internet-law.de">internet-law</a></em>.</p>
<p><em>(<a href="#sonderweg">zur&#252;ck</a> zur ersten Frage)</em></p>
<p><span style="color: #ffffff;">.</span></p>
<p><em>Bisher sind in der Reihe „Abmahnrepublik“ erschienen:</em></p>
<ol>
<li><em><a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnrepublik Deutschland</a> (Die Situation)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/26860/wie-man-aus-schuelern-geschaeftsleute-macht-teil-ii-der-serie-abmahnrepublik/">Wie man aus Sch&#252;lern Gesch&#228;ftsleute macht</a> (Urheberrecht)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/27821/wie-lieschen-mueller-ueber-die-meinungsfreiheit-entscheidet-abmahnrepublik-teil-iii/">Warum Lieschen M&#252;ller &#252;ber die Meinungsfreiheit entscheidet</a> (Presserecht)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/28349/der-hund-bekommt-im-nachhinein-pruegel-teil-iv-der-serie-abmahnrepublik/">Der Hund bekommt im Nachhinein Pr&#252;gel</a> (Wettbewerbsrecht)</em></li>
<li><em>Der fliegende Gerichtsstand braucht ein Flugverbot (Der Reformbedarf)</em></li>
</ol>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/28881/der-fliegende-gerichtsstand-braucht-ein-flugverbot-teil-v-der-serie-abmahnrepublik/">Der fliegende Gerichtsstand braucht ein Flugverbot. Teil V der Serie „Abmahnrepublik“</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/28881/der-fliegende-gerichtsstand-braucht-ein-flugverbot-teil-v-der-serie-abmahnrepublik/#comments">14 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28881&amp;md5=6d1c26609313f9d16d5b695fecd9eeba" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Hund bekommt im Nachhinein Pr&#252;gel. Teil IV der Serie „Abmahnrepublik“</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 12:10:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ja, es gibt sie: die tapferen K&#228;mpfer gegen den Abmahnwahn. Doch es sind vorwiegend Einzelk&#228;mpfer, kleine Vereine, engagierte Betroffene, die unerm&#252;dlich F&#228;lle sammeln und dokumentieren. Was hierzulande fehlt, ist eine kampagnenf&#228;hige Lobby.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2e25d15a8e0e42e19c9391c987c440da" alt="" width="1" height="1" />Parallel zur Novellierung des Urhebergesetzes musste 2008 auf Gehei&#223; der EU auch das „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) ge&#228;ndert werden. Beide Novellierungen verfolgten das gleiche Ziel: die Verw&#228;sserung bislang klar umrissener Tatbest&#228;nde und die B&#252;rokratisierung und Kommerzialisierung harmloser menschlicher Austauschverh&#228;ltnisse.</p>
<p>Im Urheberrecht ersetzten die Abgeordneten die klare Formulierung „im gesch&#228;ftlichen Verkehr“ durch die vage Formulierung „in gewerblichem Ausma&#223;“. Im UWG ersetzten sie den klaren Begriff „Wettbewerbshandlung“ durch die vage Formulierung „gesch&#228;ftliche Handlung“. <strong>Auf diese Weise konnte der abmahnf&#228;hige Personenkreis extrem ausgeweitet werden.</strong> Denn f&#252;r die neuen Begriffe spielt das Gewerbe-Kriterium „Gewinnerzielungsabsicht“ keine Rolle mehr. Jeder kleine H&#228;nsel und jede kleine Gretel k&#246;nnen seither f&#252;r „gesch&#228;ftliche Handlungen“ abgemahnt werden, und sei es, dass H&#228;nsel &amp; Gretel nur die alten Kleider ihrer Kinder bei Ebay verkaufen wollten und dabei ein paar b&#252;rokratische Vorschriften &#252;bersahen.</p>
<p>Besonders gern werden abgemahnt: Verst&#246;&#223;e gegen das Fernabsatzgesetz (FernAbsG), Verst&#246;&#223;e gegen die Impressumpflichten nach § 5 des Telemediengesetzes (TMG), Verst&#246;&#223;e gegen die Verordnung &#252;ber Informations- und Nachweispflichten (BGB-InfoV), Verst&#246;&#223;e gegen Vorschriften &#252;ber Allgemeine Gesch&#228;ftsbedingungen (BGB § 305ff.), Verst&#246;&#223;e gegen die Preisangabenverordnung (PAngV) und Verst&#246;&#223;e gegen das Markengesetz (MarkenG).</p>
<p>Beliebt sind Massenabmahnungen wegen falsch geschriebener oder abgek&#252;rzter Namen im Impressum kleiner Online-Shops, wegen fehlender Handelsregisternummern oder vergessener Widerrufsbelehrungen. „Eine &#220;berpr&#252;fung Ihrer Homepage hat ergeben“, hei&#223;t es dann in den standardisierten Abmahnschreiben, „dass Ihr Impressum den Vorschriften des § 5 Abs. 1 Nr. 4 TMG nicht gen&#252;gt“. Und schon sind 500 oder 1000 oder 1500 Euro Abmahngeb&#252;hren f&#228;llig.</p>
<p>Auch der Bagatell-Paragraf wurde &#8211; wie schon im Urhebergesetz &#8211; ausgehebelt. „Einfach gelagerte F&#228;lle“ gibt es im neuen UWG kaum noch. Laut Novellierung kann nun jeder, der sich in seinen Interessen „sp&#252;rbar“ beeintr&#228;chtigt f&#252;hlt, Abmahnungen schreiben. Was „sp&#252;rbar“ ist, bestimmen der Herrgott und der Abmahnanwalt. Es gibt Kanzleien, die mahnen j&#228;hrlich 50.000 Wettbewerbsverst&#246;&#223;e ab &#8211; meist Bagatellen, die k&#252;nstlich zu schmerzhaften Rechtsverletzungen aufgeblasen werden.</p>
<p>Doch die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf. Erst im Mai dieses Jahres gab sie auf eine <a href="http://www.telemedicus.info/article/1728-Kleine-Anfrage-der-SPD-zu-Abmahnmissbrauch.html">kleine Anfrage</a> der SPD die phlegmatische <a href="http://www.telemedicus.info/index.php?url=article/1759-Antworten-der-Bundesregierung-zum-Abmahnmissbrauch.html&amp;serendipity[csuccess]=true">Antwort</a>, es sei doch alles bestens geregelt, man behalte die Entwicklung im Auge&#8230; (was so viel hei&#223;t wie: lasst uns mit eurem Sch&#8230; in Ruhe).</p>
<p>Dass akuter Handlungsbedarf durchaus besteht, zeigt dagegen die „Forschungsstelle Abmahnwelle“, die seit fast zehn Jahren Abmahn-F&#228;lle sammelt, um den Missbrauch des Wettbewerbsrechts zu dokumentieren. Der kleine Gelsenkirchener <a href="http://www.abmahnwelle.de/">Verein</a> hat schon &#252;ber 16.000 Abmahnungen gesichtet. F&#252;r <em>Carta</em> sprach ich mit dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Rudolf Koch:</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Herr Koch, sind Sie immer noch kein bisschen m&#252;de?</em></p>
<p>Rudolf Koch: Die erste Abmahnung habe ich 1973 als Jurastudent von meinem Vater zugeschickt bekommen. Unsere Firma hatte diese damals erhalten. Intensiv besch&#228;ftige ich mich mit dem Thema seit 1985, und ich bin alles andere als &#8220;m&#252;de&#8221;. Es ist f&#252;r mich einfach ein interessantes Hobby. Ein Briefmarkensammler wird ja auch nicht m&#252;de.</p>
<p><em>Warum ist das Mittel Abmahnung hierzulande so beliebt?</em></p>
<p>Koch: <strong>Mit dem Instrument Abmahnung haben wir eine merkw&#252;rdige Methode erfunden, den B&#252;rgern einzubl&#228;uen, was sie zu tun und zu lassen haben.  Professor Maximilian Herberger nannte diese Einstellung 1999 „Dog Law“: </strong><strong>Der Hund bekommt im Nachhinein Pr&#252;gel und wei&#223; dann, was er vorher falsch gemacht hat. </strong>Man erf&#228;hrt die Regeln erst durch die Bestrafung. Beliebt ist die Abmahnung aber auch deshalb, weil es heute viel mehr Teilnehmer am Wirtschaftsleben gibt als fr&#252;her. Und es gibt mehr Anw&#228;lte !!!, und mehr und kompliziertere Gesetze.</p>
<p><em>In welchem Bereich gibt es die meisten Abmahnungen? Im Wettbewerbsrecht?</em></p>
<p>Koch: Nein, im Urheberrecht. Das h&#228;ngt mit den extrem hohen Zahlen im Bereich Filesharing zusammen.</p>
<p><em>Im gesch&#228;ftlichen „Wettbewerb“ werden z.B. Domain-Namen abgemahnt, weil sie irgendeiner gesch&#252;tzten Marke &#228;hneln. Oder Online-Shops, weil im Impressum der Vorname abgek&#252;rzt ist. Oder Privat-Verk&#228;ufe bei ebay, weil die Widerrufsbelehrung fehlt. Muss man nicht langsam bei jeder &#246;ffentlichen Handlung f&#252;rchten, wegen irgendetwas abgemahnt zu werden?</em></p>
<p>Koch: Ja. Diese st&#228;ndige Angst l&#228;hmt auch den Wettbewerb.</p>
<p><em>Im Urheber- und im Wettbewerbsrecht wurde der Kreis der Abmahnungsf&#228;higen durch unklare Rechtsbegriffe stark ausgeweitet. Warum haben die Abgeordneten das gebilligt?</em></p>
<p>Koch: Weil die EU das so wollte. Der deutsche Gesetzgeber hat nur eine EU-Richtlinie umgesetzt. Das hatte haupts&#228;chlich etwas mit Verbraucherschutz zu tun &#8211; so lautete jedenfalls die Begr&#252;ndung der EU-Richtlinie.</p>
<p><em>Im Unterschied zum Urhebergesetz gibt es im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) eine Bestimmung zum Abmahn-Missbrauch: §8, Abs.4 verbietet Abmahn-Abzocke. Zudem sieht das Gesetz eine Einigungsstelle vor. Hat das eine zivilisierende Wirkung auf Abmahner?</em></p>
<p>Koch: Mit §8, Abs.4 UWG kann der Missbrauch leider nicht wirkungsvoll bek&#228;mpft werden, und auch das Einigungsverfahren hilft in Missbrauchsf&#228;llen kaum.</p>
<p><em>Wenn Sie Gesetzgeber w&#228;ren &#8211; welche Regelungen w&#252;rden sie abschaffen, &#228;ndern oder einf&#252;gen?</em></p>
<p>Koch: <strong>Ich finde, dass die Klagebefugnis bei Abmahnungen oder gerichtlichen Verfahren in Zukunft mit &#252;berpr&#252;fbaren Unterlagen belegt werden muss. Auch der „fliegende Gerichtsstand“ sollte endlich eingeschr&#228;nkt werden.</strong> Dadurch werden den Abgemahnten unzumutbare Kosten aufgeb&#252;rdet. Au&#223;erdem sollte zu Unrecht Abgemahnten ein Kostenerstattungsanspruch zugestanden werden. Es kann ja nicht sein, dass die Abwehr einer Abmahnung zum normalen „Lebensrisiko“ z&#228;hlt und deshalb ohne Kostenersatz erfolgen soll. Hier herrscht keine „Waffengleichheit“. <strong>Auch die Streitwerte m&#252;ssten nach Firmengr&#246;&#223;e gestaffelt werden. </strong>Viele Gewerbetreibende trauen sich wegen des hohen Kostenrisikos nicht, gegen Abmahnungen vorzugehen.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Bisher sind in der Reihe „Abmahnrepublik“ erschienen:</em></p>
<p><em> </em></p>
<ol>
<li><em><a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnrepublik Deutschland</a> (Die Situation)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/26860/wie-man-aus-schuelern-geschaeftsleute-macht-teil-ii-der-serie-abmahnrepublik/">Wie man aus Sch&#252;lern Gesch&#228;ftsleute macht</a> (Urheberrecht)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/27821/wie-lieschen-mueller-ueber-die-meinungsfreiheit-entscheidet-abmahnrepublik-teil-iii/">Warum Lieschen M&#252;ller &#252;ber die Meinungsfreiheit entscheidet</a> (Presserecht)</em></li>
<li><em>Der Hund bekommt im Nachhinein Pr&#252;gel (Wettbewerbsrecht)</em></li>
</ol>
<p><em> </em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=28349&amp;md5=a9899715b3ab5ce95c0663bd916707fc" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Icelandic Modern Media Initiative – Hafen der Pressefreiheit oder PR-Aktion?</title>
		<link>http://carta.info/27995/icelandic-modern-media-initiative-hafen-der-pressefreiheit-oder-pr-aktion/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 11:13:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Grieß</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Macher des geplanten neuen isl&#228;ndischen Mediengesetzes versprechen weitreichende Freiheiten f&#252;r Journalisten, auch &#252;ber Island hinaus. Doch deutschen Journalisten nutzt das kaum.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e5f06918917c49aa810f4d9fc725cc47" alt="" width="1" height="1" />Wann das isl&#228;ndische Parlament &#252;ber die Gesetzesinitiative abstimmt, die als IMMI <a href="http://www.immi.is" target="_blank">(Icelandic Modern Media Initiative)</a> bekannt wurde, ist noch ungewiss. Der Termin hat sich verz&#246;gert. Birgitta Jónsdóttir, Sprecherin der Initiative, sagt, im Juni soll es soweit sein. <strong>Dass das Gesetz angenommen wird, daran gibt es kaum Zweifel.</strong> Immer wieder verk&#252;nden die Initiatoren, dass es Unterst&#252;tzer in allen Parteien gibt. Die erste parlamentarische H&#252;rde nahm IMMI im Februar ohne Gegenstimme.</p>
<p>Seither wurde IMMI international in verschiedenen Medien gro&#223;e Beachtung geschenkt. Unter anderem Al Jazeera und die <a href="http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E27FF6A1E5E8049F8938225AF5ACAB24C~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank"><em>FAZ</em></a> betonen die Auswirkungen &#252;ber Island hinaus. Auch Birgitta Jónsdóttir verweist auf „transborder effects“. Der schwedische „Press Freedom Act“, auf dem Teile des geplanten isl&#228;ndischen Gesetzes basieren, sehe zum Beispiel eine gesetzliche Pflicht f&#252;r Journalisten, ihre Quellen zu sch&#252;tzen. Sollten sie ein solches Versprechen abgeben und brechen, k&#246;nnen ihnen bis zu sechs Monate Haftstrafe drohen. <em>„This strong protection assists not only sources. It is also likely to aid journalists operating in other countries which have a meaningful publishing relationship with Sweden”</em>, so Jónsdóttir.</p>
<p>Die Isl&#228;nderin f&#252;hrt weitere Beispiele an, die sich auch auf der Homepage der Icelandic Modern Media Initiative <a href="http://www.immi.is/?l=en&amp;p=FAQ" target="_blank">nachlesen</a> lassen. Grundtenor: Gesetze zum Informantenschutz in einem Land k&#246;nnen die Quellen mittunter auch in anderen L&#228;ndern sch&#252;tzen. Nichts desto trotz sind Medienschaffende nat&#252;rlich stets an die lokalen Gesetze gebunden, wenn sie in einem Staat arbeiten oder ver&#246;ffentlichen.</p>
<p>Bedeutet dies, dass m&#246;glicherweise Unternehmen nach Island abwandern? Birgitta Jónsdóttir geht davon aus: „<em>Already many companies both from the IP industry and Media companies have expressed interest in moving their entire company or branches to Iceland if the law will be passed.</em>”</p>
<p>Dass namenhafte deutsche Unternehmen darunter sind, davon geht Thomas Jarzombek, Mitglied des Unterausschusses „neue Medien“ des Kulturausschusses, nicht aus. Der CDU-Bundestagsabgeordneter sieht keinen Grund daf&#252;r: <strong>„<em>F&#252;r mich ist keine Situation in Deutschland erkennbar, in der jemand zensiert oder limitiert wird.</em>“ Eine Einschr&#228;nkung der Pressefreiheit k&#246;nne es in Deutschland nicht geben, da diese vom Grundgesetz garantiert sei.</strong></p>
<p>Wolfgang Michal, freier Journalist und <em>Carta</em>-Mitherausgeber, stimmt dem zwar grunds&#228;tzlich zu, verweist aber auf gewisse Hindernisse: „<em>Investigative Journalisten haben es heute schwerer, &#252;ber Ermittlungen zu berichten</em>“. Der Grund daf&#252;r seien Pers&#246;nlichkeitsrechte, die immer mehr gest&#228;rkt w&#252;rden. Die Folge sind nicht selten Abmahnungen oder einstweilige Verf&#252;gungen (siehe dazu auch Wolfgang Michals dritten Teil der <a href="http://carta.info/27821/wie-lieschen-mueller-ueber-die-meinungsfreiheit-entscheidet-abmahnrepublik-teil-iii/" target="_blank">„Abmahnrepublik“</a> zur Meinungsfreiheit). Dies koste Zeit und Nerven und kann teilweise sogar richtig teuer werden: „<em>Die verlangten Schmerzensgeld-Summen werden allm&#228;hlich h&#246;her.</em>“</p>
<p>Wird das neue isl&#228;ndische Gesetz deutschen Journalisten bessere M&#246;glichkeiten f&#252;r ihre investigative Arbeit bieten? – Nicht wirklich, denn alles, was &#252;ber die deutschen Gesetze hinaus gehe, w&#228;re auch von Island aus in Deutschland strafbar, sagt Thomas Jarzombek: „<em>Wenn jemand in Deutschland gegen das Recht verst&#246;&#223;t, dann ist er in Deutschland strafbar.</em>“ Hei&#223;t mit anderen Worten: <strong>Auch wenn ein Blogger sein an ein deutsches Publikum gerichtetes Blog in Island hostet, w&#252;rde er sich an die deutsche Gesetze halten m&#252;ssen</strong>.</p>
<p>Vieles, womit Island im Rahmen von IMMI nun Eigenwerbung betreibe, sei zudem gar nicht so neu, sagt Thomas Jarzombek. Die M&#246;glichkeit anonym und gesch&#252;tzt Inhalte im Internet zu ver&#246;ffentlichen bestehe auch heute schon: „<em>Provider sagen mir, dass dieser Status auch jetzt schon in anderen L&#228;ndern m&#246;glich ist.</em>“</p>
<p>Die Leser legen bei Angeboten mit eigener Berichterstattung jedoch hohen Wert darauf, die Identit&#228;t derjenigen hinter dem Inhalt zu kennen. Glaubhaft seien nur Berichte, bei denen ersichtlich ist, wer dahinter steckt. Einen „<em>berechtigten Sonderstatus</em>“ nehme hierbei Wikileaks ein.</p>
<p>Ob Island also zum Hafen der Pressefreiheit wird, <a href="http://www.nytimes.com/2010/02/22/business/media/22link.html">darf bezweifelt werden</a>. Die Auswirkungen auf Deutschland jedenfalls werden sich aller Voraussicht nach in Grenzen halten. Bem&#252;hungen, weltweit das Presserecht zu st&#228;rken, sind dessen ungeachtet nat&#252;rlich immer begr&#252;&#223;enswert.</p>
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<p><a title="Prezi &#252;ber die "Icelandic Modern Media Initiative (IMMI)" und ihre M&#246;gliche Bedeutung f&#252;r Deutschland. Vortrag im Studiengang "Online Journalismus" der Hochschule Darmstadt" href="http://prezi.com/mc6djeotlopm/immi-auch-eine-chance-fur-deutsche-medien/">IMMI &#8211; auch eine Chance f&#252;r deutsche Medien?</a> on <a href="http://prezi.com">Prezi</a></p>
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<a href="http://carta.info/27995/icelandic-modern-media-initiative-hafen-der-pressefreiheit-oder-pr-aktion/">Icelandic Modern Media Initiative – Hafen der Pressefreiheit oder PR-Aktion?</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/27995/icelandic-modern-media-initiative-hafen-der-pressefreiheit-oder-pr-aktion/#comments">6 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27995&amp;md5=4c90c74f692d7b64eebb61db340ff4a8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie Lieschen M&#252;ller &#252;ber die Meinungsfreiheit entscheidet. „Abmahnrepublik“, Teil III</title>
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		<pubDate>Mon, 24 May 2010 15:13:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Presserechtliche Abmahnungen l&#246;sen im Netz meist eine Welle der Emp&#246;rung aus. Denn das Grundrecht des Pers&#246;nlichkeitsschutzes engt die Meinungsfreiheit immer st&#228;rker ein. Und Waffengleichheit ist nicht gegeben. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b097da6ec9724c3d9563d18c97cc5d5a" alt="" width="1" height="1" />Einem Tsunami gleich raste der Fall Ende April durch die Blogmeere. Der Regensburger Journalist und Blogger Stefan Aigner hatte am 7. M&#228;rz 2010 in der Online-Zeitung <em>regensburg-digital</em> &#252;ber einen Fall von Kindesmissbrauch <a href="http://www.regensburg-digital.de/domspatzen-missbrauch/07032010/">berichtet</a>, der &#8211; sagen wir es ‚neutral’ &#8211; lange Zeit „unentdeckt“ geblieben war. Die Vertreter der Kirche und die Eltern des Kindes hatten sich darauf geeinigt, Stillschweigen &#252;ber den Fall zu wahren. Verst&#228;ndlicherweise wollten die Eltern ihrem Kind eine &#246;ffentliche Ausbreitung der Vorf&#228;lle ersparen. Die Eltern erhielten 6500 Mark. Am 17. September 2007 hatte der <em>Spiegel</em> unter der &#220;berschrift „Schweigen gegen Geld“ &#252;ber den Fall berichtet. <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-52985276.html">Der Text</a> ist bis heute online abrufbar.</p>
<p>Im Februar 2010 griff der <em>Spiegel</em> den Fall abermals auf &#8211; als Teil der Titelgeschichte „Die Scheinheiligen &#8211; Die katholische Kirche und der Sex”. Daraufhin erwirkte das Bistum Regensburg vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verf&#252;gung, die es dem <em>Spiegel </em><a href="http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/media/bistum102.html">verbot</a>, weiterhin <strong><em>den Eindruck zu erwecken</em></strong>, das Bistum „habe durch die Vermittlung einer Geldzahlung bewirken wollen, dass der in Rede stehende Vorfall nicht an die &#214;ffentlichkeit komme”.</p>
<p>Der Regensburger Journalist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=fd6BcCiJUc0">Stefan Aigner</a> (der von der Verf&#252;gung gegen den <em>Spiegel</em> offenbar nichts wusste) bezog sich in seinem Beitrag im M&#228;rz auf diese <em>Spiegel</em>-Ver&#246;ffentlichungen und bezeichnete die von der Kirche an die Eltern gezahlte Summe in einem emp&#246;rten Kommentar als „Schweigegeld“. Das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Ak8Wsn4s-RI&amp;NR=1">Bistum</a> sah in Aigners &#196;u&#223;erung allerdings keine Meinungs&#228;u&#223;erung, sondern eine unzul&#228;ssige Tatsachenbehauptung und <a href="http://www.regensburg-digital.de/einstweilige-verfugung-gegen-meinungsauserung/20042010/">schickte</a> dem Regensburger Journalisten ebenfalls eine Einstweilige Verf&#252;gung.</p>
<p>Als der Medienjournalist Stefan Niggemeier den Fall unter der &#220;berschrift „Wie die Kirche Leute zum Schweigen bringt“ <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wie-die-kirche-leute-zum-schweigen-bringt/">aufgriff</a>, und einige der inkriminierten Passagen zitierte, kassierte auch er eine Einstweilige Verf&#252;gung. Per Abmahnung wurde Niggemeier aufgefordert, eine Unterlassungserkl&#228;rung zu unterzeichnen: Er d&#252;rfe „nicht mehr <strong>den Eindruck&#8230; erwecken</strong>, die Kirche habe sich das Schweigen der Opfer eines Pfarrers erkauft.“ Obwohl Niggemeier nur <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dioezese-regensburg-niggemeier/">zitiert hatte</a>, was <em>regensburg-digital</em> kommentiert bzw. behauptet hatte.</p>
<p>Die Zitate, belehrte der Anwalt der Kirche, seien „falsch und dar&#252;ber hinaus ehrenr&#252;hrig”. Dass Niggemeier die entsprechenden Texte „ohne Distanzierung” ver&#246;ffentlicht habe (siehe die von ihm gew&#228;hlte &#220;berschrift), lasse darauf schlie&#223;en, dass er sich deren Inhalt zueigen mache.</p>
<p>Der Reigen Einstweiliger Verf&#252;gungen (1.<em>Spiegel</em>, 2.Aigner, 3.Niggemeier) wirft einige grunds&#228;tzliche Fragen auf: Darf die Kirche oder irgendeine andere Institution eine ihr unangenehme Berichterstattung einfach so verbieten lassen? Kann sie gerichtlich so ohne weiteres verf&#252;gen, dass kritische Meinungs&#228;u&#223;erungen in Zukunft unterlassen werden m&#252;ssen?</p>
<p>Fr&#252;her h&#228;tte man gesagt: Das ist ja lachhaft! Das kann die Kirche auf keinen Fall! Doch der Zeitgeist hat sich ge&#228;ndert. <strong>Und der Zeitgeist spielt bei der Rechtsprechung &#8211; die immer eine Abw&#228;gung zwischen verschiedenen Interessen ist &#8211; eine erhebliche Rolle.</strong> Der Zeitgeist ist (momentan) eher konservativ. Das war nicht immer so.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Der Eindruck des Durchschnittslesers</span></p>
<p>Laut Bundesverfassungsgericht erf&#252;llen die Medien (und damit auch die Blogmedien) <strong>eine &#246;ffentliche W&#228;chter- und Kontrollfunktion</strong>. Das hei&#223;t, sie k&#246;nnen sich bei ihrer T&#228;tigkeit darauf berufen, eine wichtige &#246;ffentliche Aufgabe zu erf&#252;llen. Sie nehmen berechtigte Interessen wahr.</p>
<p>Die Meinungsfreiheit hat beim Bundesverfassungsgericht einen &#252;berragenden Stellenwert (siehe dazu das <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/L&#252;th-Urteil">L&#252;th-Urteil</a> aus dem Jahr 1958). Meinungs&#228;u&#223;erungen sind also grunds&#228;tzlich erlaubt. Es kommt nicht darauf an, ob eine &#196;u&#223;erung „begr&#252;ndet oder grundlos, emotional oder rational ist, als wertvoll oder wertlos, gef&#228;hrlich oder harmlos eingesch&#228;tzt wird.“</p>
<p>Das ist eine starke Begr&#252;ndung. Aber die Meinungsfreiheit st&#246;&#223;t an Grenzen, wo allgemeine Gesetze, der Schutz der Jugend oder das Recht der pers&#246;nlichen Ehre verletzt werden (Art.2, Abs.2, Grundgesetz).</p>
<p>Besonders der <strong>Ehrenschutz</strong> (der in der Menschenw&#252;rde &#8211; also in Art.1 des Grundgesetzes &#8211; wurzelt), f&#252;hrte in den letzten 15 Jahren immer h&#228;ufiger zu Abmahnungen und Einstweiligen Verf&#252;gungen. Menschen f&#252;hlen sich heute offenbar schneller gekr&#228;nkt als fr&#252;her, und sie f&#252;rchten (nicht ganz zu Unrecht), dass Behauptungen, wenn sie einmal in den Medien und im Internet verbreitet wurden, nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen sind. Diesen (vor allem internet-spezifischen) Umstand ber&#252;cksichtigt auch die neuere Rechtsprechung. Werteten die Richter in fr&#252;heren Zeiten „ehrkr&#228;nkende &#196;u&#223;erungen“ oft als Meinungs&#228;u&#223;erungen und wiesen die Kl&#228;ger ab, auch wenn die Grenze zur Schm&#228;hkritik (d.h. zur Beleidigung) klar gestreift wurde, so stellen sich Richter heute oft auf die Seite derer, die sich in ihrer Ehre verletzt f&#252;hlen.</p>
<p>Vor allem die Richter, die bei den Pressekammern in Hamburg und Berlin t&#228;tig sind, haben die Abw&#228;gung zwischen &#246;ffentlichem Interesse und Pers&#246;nlichkeitsschutz zugunsten des letzteren verschoben. Der „Trick“ der Verschiebung beruhte &#8211; wie so oft in der Juristerei &#8211; auf einer harmlos erscheinenden Interpretationsnuancierung, die zu einem anderen Begriffsverst&#228;ndnis in Sachen Meinung oder Tatsachenbehauptung f&#252;hrte. Da die Grenze zwischen der noch erlaubten Meinungs&#228;u&#223;erung und der nicht mehr erlaubten Tatsachenbehauptung unscharf ist, bedarf sie immer der konkreten Auslegung durch die Gerichte.</p>
<p>Richter k&#246;nnen z.B. entscheiden, dass das Wort „Schweigegeld“ – in einem bestimmten Zusammenhang ge&#228;u&#223;ert – eine erlaubte Meinungs&#228;u&#223;erung darstellt. Sie k&#246;nnen aber auch feststellen, dass es sich dabei um eine unerlaubte Tatsachenbehauptung handelt, also um eine „&#252;ble Nachrede“. Die Richter k&#246;nnten z.B. so argumentieren: Der blo&#223;e Umstand, dass ein Journalist eine Tatsachenbehauptung in die Form einer Meinungs&#228;u&#223;erung kleidet, nimmt der &#196;u&#223;erung nicht den Charakter der Tatsachenbehauptung!</p>
<p>Um diesen unnachahmlich juristischen Satz (der im Grunde nur eine Meinungs&#228;u&#223;erung ist) inhaltlich zu untermauern, <strong>haben die Gerichte eine h&#252;bsche kleine Figur in die Rechtsprechung eingef&#252;hrt, die man Lieschen M&#252;ller oder deutschen Michel nennen k&#246;nnte</strong>. Bei der Abw&#228;gung, ob „Schweigegeld“ eine Tatsachenbehauptung ist oder eine Meinungs&#228;u&#223;erung, komme es n&#228;mlich auf „das Durchschnittsverst&#228;ndnis des Lesers“ an. Verstehe ein Durchschnittsleser die &#196;u&#223;erung dahingehend, dass ihm eine Tatsache mitgeteilt wird, dann ist die &#196;u&#223;erung eine Tatsachenbehauptung. Versteht er sie als Beurteilung des Autors, ist sie eine Meinungs&#228;u&#223;erung.</p>
<p><strong>Woher die Richter den ber&#252;hmten Durchschnittsleser kennen, verraten sie nicht. M&#246;glicherweise ist er identisch mit ihrem „Bauchgef&#252;hl“.</strong> Anders ausgedr&#252;ckt: Was ein Durchschnittsleser ist, liegt im Ermessen des Gerichts. Erweckt ein Journalist &#8211; nach Meinung der Richter &#8211; <strong><em>den Eindruck</em></strong>, eine Tatsache mitzuteilen, kann er abgemahnt werden! Ja, er muss sogar, wenn es hart auf hart kommt, mit einer Klage wegen &#252;bler Nachrede oder Verleumdung (§ 186 bzw. § 187 StGB) rechnen. Und auch Schmerzensgeld k&#246;nnte dann f&#228;llig werden.</p>
<p>Die Eindrucksvermittlung ist also entscheidend.</p>
<p>Bei Medien (und Blogs) gilt dar&#252;ber hinaus die <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/147204">„Verbreiterhaftung“</a>. &#220;bernimmt ein Journalist oder ein Blogger Tatsachenbehauptungen, die in einem anderen Medium bereits ver&#246;ffentlicht wurden, ohne sich von ihnen <strong>erkennbar</strong> zu distanzieren bzw. ohne den Betroffenen zu den Vorw&#252;rfen zu h&#246;ren (= journalistische Sorgfaltspflicht), haftet auch das Medium, das die beanstandeten Tatsachenbehauptungen „nachdruckt“.</p>
<p>Stefan Niggemeier ist seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen. Er hat versucht, die Gegenseite (in diesem Fall die Kirche) zu befragen. Das hei&#223;t, er wird seinen Prozess &#8211; nach menschlichem Ermessen &#8211; gewinnen. Doch wie lange wird er auf sein Recht warten m&#252;ssen? Und wie viel Arbeitszeit und Geld muss er vorher investieren?</p>
<p>Dies f&#252;hrt uns zum Problem der Waffengleichheit. Die Abw&#228;gung zwischen &#246;ffentlichem Interesse und Pers&#246;nlichkeitsschutz kann lange dauern. Bis sich das Bundesverfassungsgericht eines Falles annimmt, k&#246;nnen f&#252;nf Jahre und mehr vergehen. Die Kosten bis zur letztinstanzlichen Entscheidung m&#252;ssen so lange vorgestreckt werden. Ein Magazin wie der <em>Spiegel</em> kann sich das leisten, ein kleines Blogmedium nicht.</p>
<p>Auch der Umstand, dass Einstweilige Verf&#252;gungen heute wie am Flie&#223;band ausgesprochen werden, ohne die F&#228;lle auch nur ansatzweise auf ihre Berechtigung zu pr&#252;fen, ja ohne die Argumente der Beklagten &#252;berhaupt zu h&#246;ren, f&#252;hrt in der Praxis zu einer <strong>vorbeugenden Unterdr&#252;ckung von &#196;u&#223;erungen</strong>, weil man nicht die Kraft und das Geld hat, so lange zu k&#228;mpfen, bis die eigene &#196;u&#223;erung von h&#246;heren Gerichten als zutreffend erkannt oder als klare Meinungs&#228;u&#223;erung best&#228;tigt wird.</p>
<p>Und schlie&#223;lich f&#252;hrt die Tatsache, dass sich die Kl&#228;ger ihr Gericht <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29149/1.html">frei aussuchen</a> k&#246;nnen (dass also ein Regensburger einen Regensburger in Hamburg verklagen kann) dazu, dass <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31434/1.html">ein oder zwei</a> deutsche Gerichte, die m&#246;glicherweise eine presserechtliche Hardlinerposition vertreten, die Grenzen der Meinungsfreiheit f&#252;r ganz Deutschland abstecken k&#246;nnen. Und das kann nicht im Sinne des Grundgesetzes sein.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Bisher sind in der Reihe „Abmahnrepublik“ erschienen:</em></p>
<ul>
<li><em><a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnrepublik Deutschland</a> (Die Situation)</em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/26860/wie-man-aus-schuelern-geschaeftsleute-macht-teil-ii-der-serie-abmahnrepublik/">Wie man aus Sch&#252;lern Gesch&#228;ftsleute macht</a> (Urheberrecht)</em></li>
<li><em>Warum Lieschen M&#252;ller &#252;ber die Meinungsfreiheit entscheidet (Presserecht)</em></li>
</ul>
<p><em> </em></p>
<p><em><br />
</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=27821&amp;md5=f9c379ff05f63869ddf1f3557db8a13c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wie man aus Sch&#252;lern Gesch&#228;ftsleute macht. Teil II der Serie „Abmahnrepublik“.</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 10:26:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In dieser Geschichte geht es um Lobbyismus, Klientelpolitik, gesellschaftliche Ignoranz und juristische Interessenverschleierung, kurz: Es geht darum, wie hierzulande Gesetze gemacht werden. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/37ad8b92412c40cab2b7a49230032595" alt="" width="1" height="1" />R&#252;ckblende. Wir schreiben den 9. April 2008. An diesem Tag pr&#228;sentiert der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages den Abgeordneten einen <a href="http://dipbt.bundestag.de:80/dip21/btd/16/087/1608783.pdf">Vorschlag</a>. Die Volksvertreter sollen den <strong>Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums</strong> beschlie&#223;en. In diesem Entwurf geht es um drei miteinander verkn&#252;pfte Dinge:</p>
<p>1. Internet-Zugangsprovider wie die Telekom sollen gezwungen werden, Daten von Kunden herauszugeben, wenn diese verd&#228;chtig sind, Urheberrechtsverletzungen per Mausklick begangen zu haben &#8211; wenn sie z.B. ein Musik-Album oder einen Film rechtswidrig „tauschten“.</p>
<p>2. Um die Herausgabe der Kunden-Daten durch den Provider erzwingen zu k&#246;nnen, muss die Urheberrechtsverletzung per definitionem zu einer schweren Rechtsverletzung („in gewerblichem Ausma&#223;“) hochgestuft werden.</p>
<p>3. Da Abmahnungen bei schweren Urheberrechtsverletzungen wegen der frei festlegbaren Streitwerte f&#252;r Kl&#228;ger besonders lukrativ erscheinen, sollen die Abmahnkosten „in einfach gelagerten F&#228;llen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung“ auf 100 Euro gedeckelt werden.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Wie l&#246;st man den inneren Widerspruch auf?</span></p>
<p><strong>Schon hier h&#228;tte jeder Laie erkennen k&#246;nnen, dass diese Logik nicht funktioniert.</strong> Der angestrebte Ausgleich zwischen dem berechtigten Interesse der Musik- und Filmverleger und dem Schutz der Verbraucher vor &#252;berzogenen Abmahnungen kann gar nicht stattfinden. Denn wenn die Herausgabe der Nutzerdaten an die Schwere der Rechtsverletzung gekoppelt ist, m&#252;ssen <em>immer</em> „schwere Rechtsverletzungen“ behauptet werden. Und um die Behauptungen gerichtsverwertbar zu machen, braucht es eine Rechtsnorm, die so formuliert ist, dass Kl&#228;ger sich <em>jederzeit</em> auf sie berufen k&#246;nnen.</p>
<p>Genau so ist es gekommen.</p>
<p>W&#228;hrend der alte Paragraf 101 des Urheberrechtsgesetz pr&#228;zise festlegte, unter welchen Voraussetzungen ein Provider den Namen und die Anschrift eines Kunden herausgeben durfte, blieb man im neuen Gesetzentwurf vage. Im alten Paragrafen hie&#223; es: „Wer <strong>im gesch&#228;ftlichen Verkehr </strong>das Urheberrecht oder ein anderes nach diesem Gesetz gesch&#252;tztes Recht widerrechtlich verletzt, kann von dem Verletzten auf unverz&#252;gliche Auskunft &#252;ber die Herkunft und den Vertriebsweg der rechtsverletzenden Vervielf&#228;ltigungsst&#252;cke oder sonstigen Erzeugnisse in Anspruch genommen werden.“ Der alte Paragraf bestimmte eindeutig: Nur wenn tats&#228;chlich <strong>Gesch&#228;fte</strong> mit fremdem Eigentum gemacht werden (und der Provider davon Kenntnis hat), m&#252;ssen die Daten herausgegeben werden. Das war f&#252;r Kl&#228;ger ein gro&#223;es Hindernis.</p>
<p>Der neue § 101 sollte den Durchgriff auf die Daten deshalb erleichtern. Also ersetzte der Rechtsausschuss den klaren Begriff „im gesch&#228;ftlichen Verkehr“ durch den unklaren Begriff <strong>„in gewerblichem Ausma&#223;“</strong>. Was „gewerbliches Ausma&#223;“ ist, wird weder quantifiziert noch qualifiziert. Es hei&#223;t lediglich: „<strong>Das gewerbliche Ausma&#223; kann sich sowohl aus der Anzahl der Rechtsverletzungen als auch aus der Schwere der Rechtsverletzung ergeben.“</strong></p>
<p>Diese Formulierung war nichts anderes als ein <strong>Freibrief</strong>, um jederzeit an verlangte Nutzerdaten zu gelangen. Die Provider, die eigentlich verpflichtet sind, die Daten ihrer Kunden zu sch&#252;tzen, mussten die Daten nun <a href="http://www.webreaders.de/2010/03/02/rechtsanwalt-solmecke-warnt-vorratsdatenspeicherung-gekippt-aber-filesharer-abmahnungen-bleiben-gueltig-12114448.html">herausgeben</a>.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Der Orwell-Paragraf</span></p>
<p>Die CDU frohlockte. Sie stellte zufrieden fest: „Die im Vergleich zum Ursprungsentwurf vorgenommene<strong> inhaltliche Erweiterung auf Handlungen ohne unmittelbare Gewinnerzielungsabsicht </strong>schaffe effektive M&#246;glichkeiten der Rechtsverfolgung.“</p>
<p><strong>Den Politikern war ein juristisches Kunstst&#252;ck gelungen. Sie hatten es geschafft, aus einer „nicht gewerblichen Handlung“ eine „Handlung in gewerblichem Ausma&#223;“ zu machen.</strong> Obwohl das Wort „Gewerbe“ im deutschen Sprachgebrauch eindeutig mit „Gesch&#228;ftsbetrieb“ assoziiert ist, und „Ausma&#223;“ nur die Gr&#246;&#223;endimension des Betriebs umschreibt, f&#252;hrte die gerichtliche Auslegung dazu, dass bereits das Tauschangebot eines einzigen Liedes als illegale Handlung in „gewerblichem Ausma&#223;“ angesehen wurde. Und den Kl&#228;gern gen&#252;gte (aufgrund der deutschen Besonderheit der „fliegenden Gerichtsbarkeit“) ein einziges Landgericht, um <strong>die Orwellsche Neu-Definition von Gewerbe – Gewerbe ist immer dann gegeben, wenn kein Gewerbe vorliegt –</strong> als Norm festzuschreiben. Zus&#228;tzlicher Vorteil der Kl&#228;ger: Entscheidungen der Oberlandesgerichte sind in dieser Frage „unanfechtbar“. Der Bundesgerichtshof darf nicht in letzter Instanz pr&#252;fen, ob der <strong>Gummiparagraph 101</strong> von den Landgerichten &#252;berdehnt wird.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Die blau&#228;ugige SPD</span></p>
<p>Die Problematik des neuen, unpr&#228;zisen Begriffs haben die Politiker in den Beratungen des Gesetzentwurfs durchaus erkannt, zuallererst die SPD-Fraktion. Doch die Sozialdemokraten waren &#8211; wie so oft &#8211; dumm genug, ihre Einsichten aus Koalitionsr&#228;son hintanzustellen.</p>
<p>Stattdessen setzte die SPD voll auf die Wirksamkeit des neuen § 97a. Er sollte die Bagatellf&#228;lle von den kriminellen Handlungen im gro&#223;en Stil unterscheiden und die Kosten f&#252;r naive, oft genug unwissentliche Rechtsverletzungen minimieren. § 97a, Abs. 2 lautet: „Der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen f&#252;r die Inanspruchnahme anwaltlicher Dienstleistungen <strong>f&#252;r die erstmalige Abmahnung</strong> <strong>beschr&#228;nkt sich</strong> <strong>in einfach gelagerten F&#228;llen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung au&#223;erhalb des gesch&#228;ftlichen Verkehrs</strong> <strong>auf 100 Euro.“</strong></p>
<p>Die SPD glaubte sich mit dieser Formulierung auf der sicheren Seite. Sie betonte: „Das bekannte Ausma&#223; sog. Abmahnwellen mit Geb&#252;hren im vier- bis f&#252;nfstelligen Bereich <em>selbst in einfach gelagerten F&#228;llen</em> erfordere &#8230; eine Begrenzung der Abmahngeb&#252;hren.“ Die Abzock-Praxis gewisser Kanzleien „verf&#228;lsche die Intention der Abmahnung, weil bei einem solch missbr&#228;uchlichen Vorgehen nicht der Rechtsschutz, sondern finanzielle Erw&#228;gungen im Vordergrund st&#252;nden.“</p>
<p>Die SPD klammerte sich also an den Paragrafen 97a, obwohl jedem Abgeordneten klar sein musste, dass er nichts bewirken w&#252;rde: „Einfach gelagerte F&#228;lle“ und „unerhebliche Rechtsverletzungen“ „au&#223;erhalb des gesch&#228;ftlichen Verkehrs“ konnte es nach den Bestimmungen des § 101 praktisch nicht mehr geben. <strong>§ 101 und § 97a schlossen sich gegenseitig aus. </strong>Und tats&#228;chlich schert sich der Rechtsweg bis heute keinen Deut um den Paragrafen 97a (einzige <a href="http://anwaltniemeyer.de/artikel/232/2010">Ausnahme</a>: Amtsgericht Frankfurt!).</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Die FDP als Anwaltsverein</span></p>
<p>Wie verhielt sich nun „die Fahnentr&#228;gerpartei der Freiheit“, die FDP? Das einzige, was die FDP am damaligen Gesetzentwurf st&#246;rte, war die Deckelung der Anwaltskosten auf 100 Euro. Eine solche Verarmung wollte die FDP ihrer Anwalts-Klientel nicht zumuten. Wo doch schon das Porto f&#252;r das Verschicken der Abmahnungen 20 Euro betrage (steht tats&#228;chlich so im Protokoll!).</p>
<p>Die FDP konzentrierte sich daher ganz auf ihre anwaltskostentreibende Rolle: Die Abgemahnten, erkl&#228;rte sie forsch, k&#246;nnten ja <strong>„nach geltendem Recht das berechtigte Unterlassungsbegehren des Rechteinhabers erf&#252;llen und die Inanspruchnahme wegen der Abmahnkosten <em>zugleich ganz oder teilweise ablehnen</em>.“</strong> Damit werde den Abgemahnten „bereits heute“ die M&#246;glichkeit gegeben, „gegen &#252;berh&#246;hte Kostenforderungen, die auf &#252;berh&#246;hten Gegenstandswerten basieren, vorzugehen.<strong> </strong>Es ist dann Aufgabe der Rechtsprechung, hier sachgerechte Grenzen zu ziehen und soweit erforderlich eine Streitwertkorrektur vorzunehmen.“</p>
<p>Dummerweise ist diese „Streitwertkorrektur“ bis heute nicht erfolgt. Und <strong>aufgrund der inneren Logik des Paragrafen 101</strong> kann sie auch gar nicht erfolgen. Ganz im Gegenteil: Streitwerte und Abmahnkosten werden steigen, weil die Verwerterindustrien auf diese Weise einen Teil ihrer strukturwandel-bedingten Einnahmer&#252;ckg&#228;nge kompensieren wollen – so lange jedenfalls, wie die Landgerichte der Argumentation der Kl&#228;ger Folge leisten.</p>
<p>Das besonders r&#252;hrige Landgericht K&#246;ln etwa <a href="http://www.wbs-law.de/news/wp-content/uploads/2009/02/lg-koln-gewerbliches-ausmas-bei-tausch-von-musikalben-mmr-2008-heft-11-seite-761.pdf">entschied</a> <strong>schon</strong> <strong>einen Tag (!) nach Inkrafttreten des neuen § 101</strong>, dass der Tausch auch nur eines Musikalbums die Bezeichnung „gewerbliches Ausma&#223;“ verdiene, worauf der Provider die Klarnamen hinter den ermittelten IP-Adressen herausgeben musste. Diese <strong>blitzartige Pilotentscheidung</strong> beeinflusste die deutsche Rechtsprechung <em>nachhaltig</em> und machte aus K&#246;ln einen Wallfahrtsort f&#252;r Abmahnanw&#228;lte.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline">Die unerh&#246;rten Gr&#252;nen</span></p>
<p><strong>Die einzige Fraktion, die bereits bei der Beratung des Gesetzentwurfs auf der H&#246;he der Zeit argumentierte und einen sachlich begr&#252;ndeten &#196;nderungsantrag stellte, war die Fraktion B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen.</strong> Auch die Gr&#252;nen sahen den Missbrauch des Abmahnrechts durch die Aufnahme unklarer Gesetzesformulierungen voraus. Sie wollten jedoch vorrangig die Auskunftspflicht der Provider begrenzen. § 101 sollte sich deshalb nach Meinung der Gr&#252;nen nur auf Handlungen beziehen, <strong>die „zwecks Erlangung eines unmittelbaren oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Vorteils wegen vorgenommen werden, w&#228;hrend ‚Handlungen von Endverbrauchern in gutem Glauben’ nicht erfasst werden sollen.“</strong></p>
<p>Die Gr&#252;nen bef&#252;rchteten n&#228;mlich, „dass die sehr weite Fassung jedes auch mittelbaren wirtschaftlichen Vorteils dazu f&#252;hren wird, dass die Einschr&#228;nkung der Handlungen ‚im guten Glauben’ keine Wirkung mehr entfalten wird. Um dem entgegenzuwirken, schlagen wir vor, diejenigen von der Auskunftspflicht herauszunehmen, die gutgl&#228;ubig Rechte verletzt haben. Dabei kann sich die Gutgl&#228;ubigkeit sowohl darauf beziehen, nicht in gewerblichem Ausma&#223; zu handeln, als auch darauf, zur Handlung berechtigt zu sein.“</p>
<p>Der &#196;nderungsantrag der Gr&#252;nen wurde allerdings mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP abgelehnt, w&#228;hrend sich die Linken (die vor allem an der Deckelung der Abmahnkosten interessiert waren) der Stimme enthielten.</p>
<p>Beraten wurde der Rechtsausschuss im &#220;brigen von einem Vertreter der Phono-Industrie, einem Vertreter der Filmwirtschaft und zahlreichen Juristen. Ein ausgewiesener Netzpolitiker war nicht dabei.</p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>Bisher in unserer Serie erschienen: </em><a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/"><em>Abmahnrepublik Deutschland (I)</em></a>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26860&amp;md5=15510fbf038b31e8d8e2139a915ef598" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>&#220;ber Abmahnungen: Was ist denn sonst mit Meinungsfreiheit gemeint?</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 16:50:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sandra Mamitzsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Stefan Niggemeier schreibt &#252;ber Abmahnungen, Meinungsfreiheit und die Unsitte, dass Journalisten gegen Journalisten vorgehen. Andere zum Schweigen bringen zu wollen, das sollte nur die Methode dubioser Gesch&#228;ftemacher bleiben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Thema <a href="http://carta.info/26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnungen</a> wird uns weiter besch&#228;ftigen. <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ueber-abmahnungen/">Stefan Niggemeier</a> zeigt eindr&#252;cklich und mit einigen Beispielen, warum:</p>
<blockquote><p>Ich warte auf den Tag, an dem mich jemand verklagt, weil ich ihn klagefreudig genannt habe.</p></blockquote>
<p>Der umfassende Schutz der <em>Meinungs</em>freiheit ist ein Wert an sich und gilt eben nicht nur f&#252;r &#196;u&#223;erungen, die einem gefallen, stichhaltig recherchierte Tatsachen darstellen oder einem Bildungsauftrag entsprechen:</p>
<blockquote><p>Artikel 5, Absatz 1, Satz 1 des Grundgesetzes lautet nicht: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu &#228;u&#223;ern und zu verbreiten, solange es sich um ein wichtiges Thema handelt und ein Interesse der &#214;ffentlichkeit an dieser Meinung besteht.”</p></blockquote>
<p>Das Praktische am Internet: Jeder kann dort hineinschreiben, ohne dass er auf einen &#8220;Gatekeeper&#8221; angewiesen ist:</p>
<blockquote><p>
[E]s gibt etwas, das viel &#252;berzeugender ist als die (Fehl-)Urteile komischer Richter: Argumente.</p>
<p>Mir will nicht in den Kopf, warum ausgerechnet Journalisten und Medien, die selbst beste M&#246;glichkeiten haben, ihre Widerspr&#252;che zur Darstellung anderer zu ver&#246;ffentlichen, falsche Tatsachenbehauptungen gerade zu r&#252;cken und ungerechtfertigte Unterstellungen zu entkr&#228;ften, glauben, sie m&#252;ssten zu einem Gericht rennen.
</p></blockquote>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26734&amp;md5=c1749e3ea5488c9012bb8b51df79782b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Rechtsfragen der Informationsgesellschaft: L&#246;schgesetz, ACTA, Twitter</title>
		<link>http://carta.info/26306/rechtsfragen-der-informationsgesellschaft-loeschgesetz-acta-twitter/</link>
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		<pubDate>Mon, 26 Apr 2010 08:22:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Telemedicus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Jugendschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Zensursula]]></category>

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		<description><![CDATA[Erster Entwurf f&#252;r „L&#246;schgesetz” – Streit um Googles WLAN-Scanning – JMStV-E unter schwerem Beschuss – ACTA-Entwurf ver&#246;ffentlicht – FDP-Bundesparteitag votiert f&#252;r Datenschutz – Frequenzauktion: Bisher sind 1,5 Milliarden geboten – Springer-Verlag mahnt Bildblog ab – Erste Rechtsstreitigkeiten um Twitter]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1a368267b30649fe8d914bdf74999a86" alt="" width="1" height="1" /><strong>Erster Entwurf f&#252;r „L&#246;schgesetz”</strong><br />
„L&#246;schen statt sperren” – so hei&#223;t das Credo, dem sich mittlerweile fast  alle Bundespolitiker verschrieben haben. Das eigentlich geltende  Zugangserschwerungsgesetz hat die Regierungskoalition schlicht au&#223;er  Kraft gesetzt, ohne es formell aufzuheben – ein einmaliger Vorgang in  der Geschichte der Bundesrepublik. Genau dies soll nun das L&#246;schgesetz  leisten. Die <em>Neue Osnabr&#252;cker Zeitung</em> hat nach eigenen Angaben einen  Entwurf vorliegen, in dem unter anderem „umfassende Melde-, Kontroll-  und Dokumentationspflichten des BKA” geschaffen werden – ohne allerdings  Netzsperren als ultima ratio vorzusehen.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.neue-oz.de/information/noz_print/nordwest/pornosperre.html">Der  Bericht in der Neuen Osnabr&#252;cker Zeitung.</a></li>
</ul>
<p><strong>Streit um Google WLAN-Scanning</strong><br />
Die Street View-Autos scannen auch nach WLANs – das war zwar schon  lange bekannt, durch die Medien ging die Nachricht allerdings erst in  der vergangenen Woche. Nun streiten nicht nur die Datensch&#252;tzer, sondern  auch die Juristen: Sind WLAN-Kennungen personenbezogene Daten? Ist es  notwendig, nun ausgerechnet Google f&#252;r etwas zur Verantwortung zu  ziehen, was andere Unternehmen schon seit Jahren machen? Die Diskussion  l&#228;uft weiter.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.telemedicus.info/article/1717-Google-und-die-WLAN-Erfassung.html">Telemedicus  zum WLAN-Scanning.</a></li>
<li>Dazu aktuell auf<em> Carta</em>: <a rel="bookmark" href="../../26179/googles-wlan-kartografie-datenschuetzer-alarmismus-aus-hamburg/">Googles WLAN-Kartografie: Datensch&#252;tzer-Alarmismus aus  Hamburg</a></li>
</ul>
<p><strong>JMStV-E unter schwerem Beschuss</strong><br />
Der <a href="http://www.telemedicus.info/article/1713-Aktueller-Entwurf-des-JMStV.html">Neuentwurf</a> des Jugendmedienschutzstaatsvertrags k&#246;nnte scheitern – so sieht es  aktuell aus. Bereits Mitte der letzten Woche wurde im Rahmen einer  Anh&#246;rung im Berliner Landesparlament deutlich, dass partei&#252;bergreifend  Skepsis besteht. Vor allem die Linkspartei-Regierungsfraktion in Berlin  hat massive Bedenken. Einen weiteren schweren Schlag erhielt der Entwurf  dann am Samstag: Der FDP-Bundesparteitag <a href="http://twitter.com/jimmyschulz/status/12763133247">verabschiedete</a> einen Beschluss, der die Landtagsfraktionen dazu auffordert, den  Entwurf abzulehnen. Begr&#252;ndet ist der Beschluss vor allem mit  bef&#252;rchteten Problemen f&#252;r „Social Communities”.</p>
<ul>
<li><a href="http://jimmy-schulz.blogspot.com/2010/04/antrag-zum-bundesparteitag.html">Der  Antragstext des FDP-Beschlusses.</a></li>
<li><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Berliner-Abgeordnetenhaus-hat-Bedenken-gegen-Jugendmedienschutz-Novelle-983450.html">Heise  Online zur Anh&#246;rung im Berliner Abgeordnetenhaus.</a></li>
</ul>
<p><strong>ACTA-Entwurf ver&#246;ffentlicht</strong><br />
Am 21. April wurde er ver&#246;ffentlicht: Der Entwurf des „Anti  Counterfeiting Trade Agreement” (ACTA). Dieses v&#246;lkerrechtliche Abkommen  war bisher in geschlossenen Zirkeln von Vertretern der  Industrienationen verhandelt worden, offensichtlich um die ung&#252;nstigen  Bedingungen in den eingerichteten Verhandlungsr&#228;umen wie der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Weltorganisation_f%C3%BCr_geistiges_Eigentum">WIPO</a> zu  umgehen. Dieses Vorgehen rief aber nicht nur die internationale  Netzpolitik-Szene auf den Plan, sondern auch das EU-Parlament. Hinzu  kam, dass trotz der Geheimhaltung st&#228;ndig neue ACTA-Entw&#252;rfe an die  &#214;ffentlichkeit gelangten. Der aktuelle Entwurf ist in vielen  Punkten entsch&#228;rft, schreibt Prof. Metzger in einem Gastbeitrag bei  <em>Heise Online</em>, aber es gibt auch weiterhin viele Probleme: Vor allem die  Access-Provider w&#228;ren vielen Eingriffsma&#223;nahmen ausgesetzt.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-ACTA-liefert-noch-viel-Stoff-fuer-Diskussionen-984590.html">Zum  Beitrag bei <em>Heise Online</em>.</a></li>
</ul>
<p><strong>FDP-Bundesparteitag votiert f&#252;r Datenschutz</strong><br />
Auf dem FDP-Bundesparteitag, der am heutigen Sonntag zu Ende ging, hat  die FDP unter anderem auch einen umfassenden Antrag zum Datenschutz  verabschiedet. Der Text liest sich wie ein Rundumschlag: Es geht gegen  die Vorratsdatenspeicherung, ELENA, die elektronische Gesundheitskarte,  SWIFT, das PNR-Abkommen oder K&#246;rperscanner. Inwieweit die FDP diese  Absichtserkl&#228;rungen in den kommenden Monaten und Jahren umsetzen wird,  ist noch offen – zumindest hat sie sich aber konsequent f&#252;r den  Datenschutz positioniert.</p>
<ul>
<li><a href="http://parteitag.fdp.de/files/47/Beschluss-rechtspolitik_l2.pdf">Der  Antrag als PDF.</a></li>
</ul>
<p><strong>Frequenzauktion: Bisher sind 1,5 Milliarden geboten</strong><br />
Die <a href="http://www.telemedicus.info/article/1705-Groesste-Frequenzauktion-der-Bundesrepublik-startet.html">laufende  Frequenzauktion</a> kommt langsam in Fahrt: F&#252;r die Nutzungsrechte an  neuen Mobilfunkfrequenzen wurden <a href="http://www2.bundesnetzagentur.de/frequenzversteigerung2010/runde/runde076.html">bislang</a> H&#246;chstgebote von insgesamt knapp 1,5 Mrd. Euro abgegeben. <a href="http://www.ftd.de/it-medien/it-telekommunikation/:frequenz-auktion-6-aus-41/50104887.html">Besonders  begehrt</a> sind dabei die 800 MHz-Frequenzen. Allein f&#252;r die sechs  Frequenzbl&#246;cke in diesem Frequenzbereich sind mehr als 1,2 Mrd. Euro  geboten worden. Bereits im Vorfeld der Auktion waren mehrere Verfahren  gegen die Versteigerung beim Verwaltungsgericht K&#246;ln und beim Bundesverwaltungsgericht anh&#228;ngig. Und auch  derzeit wehren sich insbesondere noch Rundfunksender und  Kabelnetzbetreiber gegen die geplante Neuvergabe der Frequenzen.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Frequenzauktion-kommt-langsam-auf-Touren-985639.html">Zum  Verlauf der Versteigerung mehr bei <em>Heise Online</em>.</a></li>
</ul>
<p><strong>Springer-Verlag mahnt <em>Bildblog</em> ab</strong><br />
Der Axel Springer-Verlag hat die scharfe Kritik des <em>Bildblogs</em> jahrelang  hingenommen, ohne juristische Mittel einzuleiten – damit ist es nun  vorbei. Nach Angaben des <em>Bildblogs</em> geht es um einen Artikel von Stefan  Niggemeier, in dem dieser behauptet hatte, <em>Welt Online</em> habe eine  Beschwerde des Presserats nicht ver&#246;ffentlicht. Das war falsch, gibt auch das <em>Bildblog</em> zu, und gibt an, den Artikel innerhalb weniger Stunden berichtigt zu haben. Die Blogger schalteten ihren Anwalt ein, gaben  die geforderte Unterlassungserkl&#228;rung nicht ab, und bitten nun um Spenden f&#252;r die Anwaltskosten.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.bildblog.de/18047/axel-springer-mahnt-bildblog-ab/">Zur  Darstellung beim Bildblog.</a></li>
<li>Dazu bei Carta: <a rel="bookmark" href="../../26015/abmahnrepublik-deutschland-i/">Abmahnrepublik Deutschland (I)</a></li>
</ul>
<p><strong>Erste Rechtsstreitigkeiten im Twitter-Recht</strong><br />
In der vergangenen Woche wurden erstmals zwei Rechtsstreitigkeiten  bekannt, die ihre Ausl&#246;ser in Twitter fanden: Zum einen ging es um eine  &#196;u&#223;erung, die sich der Twitternutzer zu eigen gemacht haben soll, indem  er den Link twitterte – so meint das jedenfalls offenbar das LG  Frankfurt, das eine einstweilige Verf&#252;gung erlie&#223;. In dem anderen Fall  geht es um eine sog. Direct Message, die ein Twitternutzer dem anderen  schickte – der Empf&#228;nger hielt das f&#252;r Spam und verschickte eine  Abmahnung.</p>
<ul>
<li><a href="http://www.kriegs-recht.de/sie-ist-da-die-erste-einstweilige-verfugung-wegen-tweets/">Darstellung  des &#228;u&#223;erungsrechtlichen Falls bei Kriegs-Recht.</a></li>
<li><a href="http://www.kriegs-recht.de/der-nachste-fall-auf-twitter-abmahnung-wegen-spam-per-direct-message/">Darstellung  der Spam-Abmahnung, ebenfalls bei Kriegs-Recht.</a></li>
<li>Weiterer Fall vom Sonntag: <a rel="bookmark" href="../../26201/gestapo-2-0-bdk-stellt-strafanzeige-gegen-tweet-von-fdp-delegierten-tobias-huch/">&#8220;Gestapo 2.0&#8243;: BDK stellt Strafanzeige wegen Tweet</a></li>
</ul>
<p><em>In Zusammenarbeit mit <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/outgoing/www.telemedicus.info/');" href="http://www.telemedicus.info/" target="_blank">Telemedicus</a> pr&#228;sentiert Carta jeden Montag zentrale Entwicklungen des Medien- und   Informationsrechts.</em> <em>Dieser <a href="http://telemedicus.info/article/1719-Wochenrueckblick-Loeschgesetz,-JMStV,-Bildblog.html">Wochenr&#252;ckblick</a> wurde zusammengestellt von Simon M&#246;ller.</em>
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<a href="http://carta.info/26306/rechtsfragen-der-informationsgesellschaft-loeschgesetz-acta-twitter/">Rechtsfragen der Informationsgesellschaft: L&#246;schgesetz, ACTA, Twitter</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/26306/rechtsfragen-der-informationsgesellschaft-loeschgesetz-acta-twitter/#comments">One comment</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26306&amp;md5=837bf5d19356a125bad8cb5842454ad1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Abmahnrepublik Deutschland (I)</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 17:11:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abmahnungen]]></category>
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		<description><![CDATA[Deutschland entwickelt sich zum Musterland der Abmahnungen, Unterlassungserkl&#228;rungen und Einstweiligen Verf&#252;gungen. Anst&#228;ndige Beilegung von Konflikten? Gespr&#228;che? Einvernehmliche L&#246;sungen? Das war gestern. Es wird nicht mehr lange gefackelt, es wird geklagt. Zeit f&#252;r eine Allianz gegen die Pervertierung des Abmahnrechts.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4b4facf715dc49b9afe2ed7dfe719d49" alt="" width="1" height="1" />Drei Meldungen von gestern: „Die erste Einstweilige Verf&#252;gung wegen eines <a href="http://www.kriegs-recht.de/sie-ist-da-die-erste-einstweilige-verfugung-wegen-tweets/">Tweets</a>“, „Axel Springer mahnt <a href="http://www.bildblog.de/18047/axel-springer-mahnt-bildblog-ab/">BILDblog</a> ab“, „Bistum Regensburg erwirkt einstweilige Verf&#252;gung gegen <a href="http://www.internet-law.de/2010/04/bistum-regensburg-erwirkt-einstweilige-verfugung-gegen-blogger.html">Blogger</a>“.</p>
<p>Drei Meldungen, die nur die sichtbare Spitze eines Eisbergs bilden. Denn unsichtbar bleiben bislang die perfiden <strong>Massenabmahnungen gegen minderj&#228;hrige Filesharing-Nutzer, </strong>deren erschrockene Eltern zu Tausenden kriminalisiert und mit horrenden Schadenersatzforderungen &#252;berzogen werden.</p>
<p>Der Klimawandel (besser: die Klimavergiftung) durch die deutsche Abmahnsucht kann nicht l&#228;nger ignoriert werden: L&#228;stige Blogger und Journalisten sollen <strong>durch Schocktherapie mundtot gemacht</strong> werden, brave Eltern werden mit Kanzleibriefen bombardiert, in denen sie des schweren Rechtsbruchs „in gewerblichem Ausma&#223;“ beschuldigt werden, weil ihre 16-j&#228;hrigen Kinder unberechtigt und naiv eine einzige CD von einer Filesharing-Seite heruntergeladen haben.</p>
<p>Ohne Vorwarnung sind brachiale Summen im Spiel. Streitwerte von 100.000 Euro. Anwaltskosten von mehreren tausend Euro. Schadenersatz von vielen tausend Euro. Einsch&#252;chterungssummen. Das einstmals gute Recht der Abmahnung ist pervertiert. Zurechtgebogen f&#252;r Abzocker und Plattmacher. Denn Spatzen, das wei&#223; inzwischen jeder, erlegt der Anwalt mit Kanonen. <strong>Die alten Rechtsgrunds&#228;tze Angemessenheit, Abw&#228;gung, Einzelfall, Ma&#223; und Ziel? Vorbei. Sie sind ersetzt durch Ma&#223;losigkeit, Exzess, Unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit, Pauschalisierung, Rachsucht und Gier.</strong></p>
<p>Unterst&#252;tzt wird die Pervertierung des Abmahn-Rechts durch eine Besonderheit, die man <a href="http://www.youtube.com/watch?v=z7AaU8HzTcc">„fliegende Gerichtsbarkeit“</a> nennt: Die Kl&#228;ger (oft gro&#223;e Unternehmen) d&#252;rfen sich aussuchen, wo sie klagen. Pressesachen? Oh, Hamburg wird gern genommen. Filesharing-F&#228;lle? K&#246;ln gilt als sichere Bank.</p>
<p>Rechtsprechung wird damit zur <a href="http://carta.info/26002/die-juristifizierung-des-meinungswettbewerbs-schreitet-unaufhaltsam-voran/">Machtdemonstration</a>. Die Kl&#228;ger sitzen am l&#228;ngeren Hebel. Sie haben die Mittel und die raffiniertesten Kanzleien (mit Stundens&#228;tzen ab 250 Euro aufw&#228;rts): Der <a href="http://abmahnwahn-dreipage.de/">„Abmahnwahn“</a> ist ein lukrativer Gesch&#228;ftszweig geworden.</p>
<p>Die meisten Beklagten sind erst mal wehrlos. In die Enge getrieben von extrem kurzen Fristen und schwer verst&#228;ndlichem Juristendeutsch. Sie ahnen den Magengeschw&#252;re produzierenden &#196;rger, der auf sie zukommen k&#246;nnte: Wenn Bagatellf&#228;lle schon zu schwersten Rechtsverletzungen aufgeblasen werden k&#246;nnen, ohne dass ein anst&#228;ndiger Richter „Halt!“ schreit, ist ihnen klar, was sie von ihrem Rechtsstaat erwarten d&#252;rfen. Sie f&#252;rchten einen jahrelangen  Instanzenweg, und sie haben eine berechtigte Angst vor dem finanziellen Ruin und dem Verlust ihrer Lebensfreude. Sie wissen, dass sie gegen eine solche &#220;bermacht keine Chance haben. Und genau darauf wird spekuliert.</p>
<p>Also geben sie klein bei und akzeptieren jeden noch so unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igen „Vergleich“, jeden ma&#223;losen Streitwert, jeden rachs&#252;chtigen Schadenersatz und jede gierige Anwaltsrechnung. Die Politiker schauen der Treibjagd tatenlos zu. Ja, sie haben die Pervertierung des Abmahn-Rechts mit unklaren Gesetzesformulierungen erst erm&#246;glicht.</p>
<p>Wir sollten deshalb aufh&#246;ren, uns immer nur &#252;ber Einzelf&#228;lle zu emp&#246;ren. Solche Emp&#246;rung flaut schnell wieder ab. Hier liegt etwas Grunds&#228;tzliches im Argen. Wir sollten die Zerst&#246;rung des gesellschaftlichen und kulturellen Klimas nicht l&#228;nger hinnehmen. Wir m&#252;ssen wieder zu Ma&#223; und Ziel zur&#252;ckkehren.</p>
<p><strong>Und daf&#252;r brauchen wir eine Allianz: Eine effektive Vernetzung von engagierten Rechtsanw&#228;lten, Bloggern, Netznutzern, Journalisten, Netzpolitikern, <a href="http://www.rettet-das-internet.de/aktion.htm">Initiativen</a> und tatkr&#228;ftigen Unterst&#252;tzern. Wir brauchen einen Fonds, der Musterprozesse und &#214;ffentlichkeitsarbeit durch alle Instanzen erm&#246;glicht. </strong></p>
<p><span style="color: #ffffff">.</span></p>
<p><em>P.S. Ich werde das Thema Abmahnung im Laufe der n&#228;chsten Monate immer wieder aufgreifen. Ich werde mit Experten sprechen und mit Betroffenen. Mit Kl&#228;gern, Anw&#228;lten und Beklagten, mit Vereinen und Initiativen. </em>
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		<title>Journalisten vs. Blogger (Ein Kriegsbericht)</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Oct 2009 10:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Kaum war die Tinte unter dem letzten Blogger vs. Journalisten-Beitrag trocken, taucht ein Fall auf, der zeigt, wie hart die Auseinandersetzung noch werden kann. Doch wie bei jedem Rechtsstreit gibt es auch hier Argumente auf beiden Seiten. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/527e78b279ea4c22a9611d5257a1b200" alt="" width="1" height="1" />Wie der „Spreeblick“ <a href="http://www.spreeblick.com/2009/10/29/journalistin-lasst-blog-abmahnen-fordert-1-200-euro-schadensersatz-fur-textzitate/">gestern</a> berichtete, hat die freie Journalistin <a href="http://www.nordsuedmedien.de/schweitzer/index.html/">Eva C. Schweitzer</a> durch einen Anwalt <strong>einen Blogger abmahnen</strong> lassen, der sich erlaubt hatte, im Gemeinschaftsblog <a href="http://www.nomnomnom.de/">nomnomnom</a> drei Abs&#228;tze aus einer New-York-Kolumne der Autorin zu zitieren (weil sie ihm so gut gefielen). Das h&#228;tte er ohne Erlaubnis nicht tun d&#252;rfen.</p>
<p>Die Zahlungsaufforderung, die der Blogger daraufhin bekam, nebst einer zu unterzeichnenden Unterlassungserkl&#228;rung, lautete auf 1.200,00 Euro f&#252;r den widerrechtlichen Abdruck, plus Anwaltskosten in H&#246;he von 955,00 Euro. Begr&#252;ndung f&#252;r das hohe Anwaltshonorar: <strong>Der Streitwert liege bei 21.200,00 Euro</strong>.</p>
<p>Im Brief des Anwalts hei&#223;t es, Frau Schweitzer schreibe f&#252;r namhafte Zeitungen, habe durch ihren Zweitwohnsitz in den USA erhebliche Kosten und verlange „vergleichsweise hohe“ Honorare f&#252;r ihre Artikel. Sie sei aber bereit, sich f&#252;r die unerlaubte „Zweitverwertung“ mit der Zahlung einer Pauschale von 1.200,00 Euro zufrieden zu geben. (Wie inzwischen auch andere Freiberufler, l&#228;sst Frau Schweitzer Urheberrechtsverletzungen in Bezug auf ihre Texte durch einen daf&#252;r spezialisierten Dienstleister recherchieren.)</p>
<p>Update: Heute Morgen hat sich Frau Schweitzer zu dieser Angelegenheit in ihrem Blog bei taz.de <a href="http://blogs.taz.de/newyorkblog/2009/10/30/empire_strikes_back/">ge&#228;u&#223;ert</a>. Sie zieht die (vollkommen &#252;berh&#246;hte) Forderung an den armen Blogger zur&#252;ck, betont, es sei nicht ihre Absicht, auch nichtkommerzielle Blogs abzumahnen, weist jedoch darauf hin, dass die „Schleppnetzfahndung“ nach eigenen Artikeln heute zur ganz normalen <strong>Verteidigungsstrategie freier Journalisten</strong> geh&#246;re. So habe eine Tageszeitung einen ihrer Artikel (der lediglich 80 Euro Honorar einbrachte) 15 Mal weiterverkauft, ohne der Autorin Bescheid zu sagen, geschweige denn, sie an den Lizenzhonorareinnahmen zu beteiligen.</p>
<p>Was meinen Sie: Hat Frau Schweitzer richtig gehandelt?</p>
<p><em>(</em><em>Dieser Beitrag erscheint auch bei </em><em><a href="http://www.freischreiber.de/">Freischreiber e.V.</a>)</em>
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<a href="http://carta.info/17282/journalisten-vs-blogger-ein-kriegsbericht/">Journalisten vs. Blogger (Ein Kriegsbericht)</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/17282/journalisten-vs-blogger-ein-kriegsbericht/#comments">32 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=17282&amp;md5=72e3210445b42e1d447cf5a3169817d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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