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	<title>CARTA &#187; Medienpolitik</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Neumann: „Urheberrecht soll nicht in ein Verbraucherrecht umgedeutet werden“</title>
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		<pubDate>Thu, 26 May 2011 16:39:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Carta dokumentiert die Rede von Kulturstaatsminister Bernd Neumann vom vergangenen Dienstag, in der er sich unter anderem f&#252;r Warnhinweise der Provider bei Urheberrechtsverletzungen einsetzt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist gerade in Mode, sich &#252;ber die netzpolitischen Ambitionen von Nicolas Sarkozy zu <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,765065,00.html">mokieren</a>. Dabei wird &#252;bersehen, dass Kulturstaatsminister Bend Neumann bei der „Media Night“ der CDU nicht mit Positionen und Forderungen gegeizt hat:</p>
<p>- Die Verlage sollten der <a href="http://www.ard.de/intern/presseservice/-/id=8058/nid=8058/did=1878128/tuxb16/index.html">Content-Allianz</a> beitreten.</p>
<p>- Die Urheber sollten Ausgangspunkt aller urheberrechtlichen &#220;berlegungen bleiben. Das Urheberrecht d&#252;rfe nicht in ein Verbraucherrecht umgedeutet werden.</p>
<p>- Es soll ein Warnhinweismodell bei Urheberrechtsverletzungen geben – unter Beteiligung der Internetprovider.</p>
<p>- Eine Ablehnung der Kulturwertmarke des Chaos Computer Clubs.</p>
<p>- Eine Best&#228;tigung eines Leistungsschutzrechtes f&#252;r Presseverlage, womit die gewerbliche Nutzung der Online-Presse abgabenpflichtig werden soll.</p>
<p>- Begrenzung der &#246;ffentlich-rechtlichen Online-Angebote durch regelm&#228;&#223;ige Tests.</p>
<p>- Forderung nach einem Mindestma&#223; an Information in den privaten Vollprogrammen.</p>
<p>- Forderung nach Lockerung des Medienkonzentrationsrechts im Rundfunkbereich.</p>
<p><em>Carta</em> dokumentiert hier die <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_23376/Content/DE/Rede/2011/05/2011-05-24-neumann-medianight.html">Rede des Kulturstaatsministers</a> vom 24. Mai 2011 (Hervorhebungen durch <em>Carta</em>):</p>
<div id="fsHeadbold"><strong><br />
</strong></div>
<div>
<div>
<p>Anrede,</p>
<p>bereits das Programm dieser Media-Night macht es deutlich: Die Medienlandschaft ist nicht nur im Wandel, nein, sie hat sich bereits deutlich gewandelt. Die sogenannte Netzpolitik steht im Vordergrund, die klassische Medienpolitik im Hintergrund. Bei unseren Anstrengungen f&#252;r immer schnellere und kosteng&#252;nstige &#220;bertragungswege d&#252;rfen wir aber nicht den Anspruch an kreative und niveauvolle Inhalte aus den Augen verlieren! Dieses ist meine Sorge.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZijlOWtbUF4"><img class="aligncenter size-medium wp-image-40469" title="Bildschirmfoto 2011-05-26 um 15.50.29" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/Bildschirmfoto-2011-05-26-um-15.50.29-300x183.png" alt="" width="300" height="183" /></a></p>
<p>Ich bin deshalb J&#252;rgen Doetz vom VPRT und den weiteren Initiatoren wie ARD, ZDF, GEMA, B&#246;rsenverein sowie Musik– und Filmwirtschaft dankbar, dass sich mit der j&#252;ngst gegr&#252;ndeten Content-Allianz Interessenverb&#228;nde privater und &#246;ffentlich-rechtlicher Medienunternehmen branchen&#252;bergreifend zusammengeschlossen haben, um die Anbieter- und Angebotsvielfalt auch in der digitalen Welt zu sichern. <strong>Ich f&#228;nde es im &#220;brigen auch sinnvoll, wenn die Verleger dieser Allianz beitreten</strong>.</p>
<p>Alles steht heute unter der &#220;berschrift: Digitalisierung. Die Aufgabe unserer Medienpolitik muss es sein, die Chancen der Digitalisierung auszusch&#246;pfen und ihre Risiken zu minimieren. Zu den Chancen geh&#246;rt es zum Beispiel, &#252;ber digitale Bibliotheken und Online-Portale die Sch&#228;tze unserer Kultur, unser kulturelles Erbe wie auch die aktuelle Kunst quasi jedermann zug&#228;nglich zu machen. Einen wichtigen Beitrag hierzu wird zuk&#252;nftig die Deutsche Digitale Bibliothek leisten, deren technische Infrastruktur derzeit auch mit Mitteln meines Hauses aufgebaut wird.</p>
<p>Die digitalen Sch&#228;tze der rund 30.000 deutschen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen auf diese Weise f&#252;r jedermann zug&#228;nglich zu machen, ist nat&#252;rlich eine gro&#223;e Herausforderung.</p>
<p>Die aktuelle Debatte zeigt vor allem auch eins: Der Finanzbedarf in den n&#228;chsten Jahren und Jahrzehnten f&#252;r die Digitalisierung von Kulturgut ist enorm. Er &#252;bersteigt bei weitem das, was Bund, L&#228;nder und Kommunen gemeinsam leisten k&#246;nnen. Ich stehe deshalb einer Kooperation &#246;ffentlicher Einrichtungen mit der Privatwirtschaft durchaus aufgeschlossen gegen&#252;ber, so wie es die Bayerische Staatsbibliothek mit Google schon erfolgreich praktiziert. Eines muss hierbei ganz klar sein: Weder darf dies zu Informationsmonopolen privater Unternehmen f&#252;hren, noch d&#252;rfen die Vorgaben des Urheberrechts missachtet werden. Auch im Falle der Kooperation mit Privaten m&#252;ssen Digitalisate den &#246;ffentlichen Einrichtungen weiter frei zur Verf&#252;gung stehen.</p>
<p>Zu den Risiken der digitalen Entwicklung geh&#246;rt, dass der Schutz des geistigen Eigentums nicht gesichert ist. Dies gef&#228;hrdet die Existenz von K&#252;nstlern und von Kultur- wie Medienschaffenden, die von den Tantiemen f&#252;r die Nutzung ihrer Werke leben. Beleg hierf&#252;r ist die massenhafte Verbreitung illegaler Raubkopien im Internet und eine weit verbreitete Gratis-Mentalit&#228;t. Und hiervon betroffen ist nicht allein die Film- und Musikindustrie.</p>
<p>Ein Kernvorhaben mit Blick auf die Digitalisierung ist daher die Reform des Urheberrechts. Hierbei muss eines klar sein: <strong>Der Urheber bleibt Ausgangspunkt aller rechtlicher &#220;berlegungen.</strong> F&#252;r eine Neuformulierung des Schutzzwecks des Urheberrechts zugunsten der Nutzer besteht kein Anlass. <strong>Freier Zugang zu urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken kann im digitalen Zeitalter nicht auf Kosten der Kreativen erfolgen, in dem das Urheberrecht in ein Verbraucherrecht umgedeutet wird</strong>.</p>
<p>Zur besseren Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte sollte der rechtliche Rahmen daher um ein sogenanntes <strong>Warnhinweismodell</strong> erg&#228;nzt werden, das es erm&#246;glicht, bei illegaler Nutzung zu verwarnen, ohne sofort zu bestrafen. Bei wiederholter Rechtsverletzung muss aber mit einer ernstzunehmenden Reaktion zu rechnen sein, z.B. einer kostentr&#228;chtigen Abmahnung.</p>
<p>Die Urheber und sonstigen Rechteinhaber sind zur Verwirklichung ihrer Rechte auf die Mitwirkung aller, die von der Verwertung kreativer Leistung profitieren, angewiesen. Dazu geh&#246;ren auch die <strong>Provider</strong>, deren Haftung fortzuentwickeln ist. Die angemessene Verg&#252;tung der Urheber und Rechteinhaber ist entsprechend dem analogen Bereich sicherzustellen. Vorschl&#228;ge wie die Einf&#252;hrung einer Flatrate oder j&#252;ngst die einer <strong>Kulturwertmarke</strong> sind abzulehnen. Sie sind unpraktikabel, verfassungsrechtlich bedenklich, sichern keine angemessene Verg&#252;tung und f&#252;hren zur Enteignung der Kreativen.</p>
<p>Die digitale Revolution stellt auch die Presseverleger vor gro&#223;e Herausforderungen. Die Bedeutung der Presse f&#252;r die Demokratie kann nicht hoch genug eingesch&#228;tzt werden. Denn ohne die vielf&#228;ltige Presselandschaft mit anspruchsvollen journalistischen Inhalten w&#228;re das kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben in Deutschland deutlich &#228;rmer. Deshalb ist es wichtig, die Leistungen von Presseverlegern wie die anderer Werkvermittler angemessen zu sch&#252;tzen.</p>
<p>Mit der Einf&#252;hrung eines <strong>Leistungsschutzrechts</strong> werden die Rahmenbedingungen f&#252;r Presseverleger verbessert und Ihnen ein eigenes rechtliches Fundament zur Durchsetzung ihrer Rechte im Internet geboten. Das Leistungsschutzrecht soll nur die <strong>gewerbliche Nutzung</strong> betreffen. Auch den Journalisten als Urhebern muss die St&#228;rkung der Rechtsposition der Verleger zugutekommen.</p>
<p>Die Konkurrenz durch Online-Angebote &#246;ffentlich-rechtlicher Anstalten erschwert die Situation der Verleger. Deshalb m&#252;ssen die <strong>&#246;ffentlich-rechtlichen Aktivit&#228;ten begrenzt</strong> und durch regelm&#228;&#223;ige echte Tests evaluiert werden.</p>
<p>Auch im Zeitalter digitaler &#220;bertragungswege wird es der Rundfunk bleiben, der einem Gro&#223;teil der Bev&#246;lkerung Zugang zu Informationen, Meinungen, kulturellen und kreativen Inhalten verschafft. Das duale Rundfunksystem hat sich bew&#228;hrt. Es hat uns in Deutschland eines der vielf&#228;ltigsten Rundfunkangebote der Welt eingebracht.</p>
<p>Der Qualit&#228;tsanspruch richtet sich zuallererst an die &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten, aber auch der private Rundfunk hat eine gesellschaftliche Verantwortung und sollte auf Qualit&#228;t im Programm nicht v&#246;llig verzichten. <strong>Ein Mindestma&#223; an Informationen und Nachrichten muss in den privaten Vollprogrammen gew&#228;hrleistet werden.</strong></p>
<p>Dualer Rundfunk hei&#223;t nicht nur eine Bestands- und Entwicklungsgarantie f&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch faire Chancen f&#252;r die privaten Anbieter.</p>
<p><strong>F&#252;r den privaten Rundfunk gilt es, die Rahmenbedingungen im Medienkonzentrations- und Kartellrecht zu verbessern.</strong> Das Verh&#228;ltnis von Meinungsmacht, marktbeherrschender Stellung und Wettbewerbsf&#228;higkeit f&#252;r den Medienbereich ist neu zu definieren. Es kann nicht sein, dass deutschen Unternehmen mit dem Argument der Marktmacht versagt ist, Anteile an deutschen Medienunternehmen zu &#252;bernehmen und damit deren Existenz zu sichern – andererseits sich dann nichtdeutsche Medienoligarchen mit viel gr&#246;&#223;erer Medienmacht einkaufen und anschlie&#223;end das Unternehmen finanziell ausgepl&#252;ndert wird. Hier sind auch die L&#228;nder besonders gefordert.</p>
<p>/th</p></div>
</div>
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		<title>&#214;ffentlich-rechtlich und auch transparent: F&#252;r einen Rundfunk f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 14:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cem Özdemir</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die ZDF-Fernsehratsmitglieder Cem &#214;zdemir und Oliver Passek (beide B&#252;ndnis 90/Gr&#252;ne) fordern mehr Offenheit und Informationsfreiheit bei der Arbeit der Rundfunkr&#228;te. Mit Tagungen hinter verschlossenen T&#252;ren, im Intranet versteckten Berichten und mehrstufigen Beschwerdeverfahren wirke bisherige System „arg anachronistisch“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Cem &#214;zdemir und Oliver Passek:</p>
<p>Die Zusammensetzung der Aufsichtsgremien des &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehens steht auf dem Pr&#252;fstand: Das Bundesverfassungsgericht Karlsruhe wird eventuell noch in diesem Jahr ein weiteres wegweisendes <strong>Rundfunkurteil</strong> f&#228;llen. Es geht um die von B&#252;ndnis 90/Gr&#252;ne Gr&#252;nen initiierte und vom rheinland-pf&#228;lzischen Ministerpr&#228;sidenten Kurt Beck Ende 2010 in Karlsruhe eingereichte Klage auf eine Normenkontrollklage des ZDF-Staatsvertrages. Gepr&#252;ft werden soll, ob die Zusammensetzung der Gremien verfassungskonform ist und inwiefern gerade der politische Einfluss dort zu gro&#223; sein k&#246;nnte.</p>
<p>Zwar will sich Beck laut seiner Klageschrift im Gegensatz zur urspr&#252;nglichen Initiative der medienpolitischern Sprecherin der Bundestagsfraktion, Tabea R&#246;&#223;ner, auf bestimmte Punkte wie die Zusammensetzung des Verwaltungsrates beschr&#228;nken, dies wird das Gericht jedoch nicht von einer umfassenden Pr&#252;fung des gesamten Staatsvertrages abhalten.</p>
<p>Die Anzahl der im Fernseh- und im Verwaltungsrat vertretenen direkten und/oder indirekten staatlichen Vertreterinnen und Vertreter  – <strong>erstaunliche 50 Mitglieder lassen sich der staatlichen Sph&#228;re zurechnen</strong> &#8211; wird durch Karlsruhe m&#246;glicherweise reduziert. Nat&#252;rlich w&#228;ren von solchen &#196;nderungen auch die von der Staatskanzlei benannten Vertreter von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen betroffen. Die Mitwirkung der politischen Parteien wollen wir jedoch keineswegs ausschlie&#223;en, sie repr&#228;sentieren eine wichtige gesellschaftliche Gruppe.</p>
<p><strong>Mehr Durchblick in die Gremienarbeit</strong></p>
<p>Mindestens genauso wichtig wie die Zusammensetzung der Gremien ist die Sichtbarkeit ihrer Arbeit. Doch aus der Perspektive des Geb&#252;hrenzahlers wirken die Rundfunkr&#228;te trotz der sehr engagierten Arbeit der Gremienvertreter und der Sekretariate leider h&#228;ufig wie ein „Closed Shop“. W&#228;hrend die Sender selbst f&#252;r die Grundversorgung an Informationen der Bev&#246;lkerung zust&#228;ndig sind, tagen ausgerechnet deren Aufsichtsgremien in der Regel hinter verschlossenen T&#252;ren.</p>
<p>Auch beim ZDF sind die Sitzungen des Fernsehrates nicht &#246;ffentlich. Das Gremium selbst kann zwar eine Ausnahme beschlie&#223;en, von der in der Regel aber kein Gebrauch gemacht wird. Immerhin sind die Haushaltsberatungen &#246;ffentlich zug&#228;nglich. Andere &#246;ffentlich-rechtliche Sender sind da schon viel weiter: Sowohl beim RBB, als auch beim Bayerischen Rundfunk, dem SR und dem SWR tagen zumindest die Rundfunkr&#228;te in &#246;ffentlicher Sitzung. Es gibt <strong>keinen ersichtlichen Grund, dies nicht auch beim ZDF-Fernsehrat einzufordern</strong>. Die Sitzungen sind umfangreich, straff organisiert und durchgeplant, mediale Selbstdarsteller w&#252;rden somit schnell ausgebremst. Auch eine &#220;bertragung der Sitzungen ins Internet w&#252;rde sich anbieten.</p>
<p><strong>Mehr Mut bei der &#214;ffentlichkeitsarbeit</strong></p>
<p>Doch mehr Transparenz k&#246;nnen die Rundfunkanstalten nicht nur durch &#246;ffentliche Sitzungen gew&#228;hrleisten. Auch durch eine aktive Ver&#246;ffentlichungspraxis im Internet k&#246;nnten viele relevante Informationen f&#252;r die &#214;ffentlichkeit bereit gestellt werden.</p>
<p>Immerhin stellt das ZDF auf der Webseite „<a href="http://www.unternehmen.zdf.de/">Das Unternehmen</a>“ einige hilfreiche Informationen zur Verf&#252;gung. Darunter die im zweij&#228;hrigen Rhythmus erscheinenden Selbstverpflichtungserkl&#228;rungen oder auch eine F&#252;lle an wichtigen Rechtsgrundlagen, wie die Grunds&#228;tze zur Transparenz im Bereich der Sportrechte oder die Richtlinien f&#252;r Werbung und Sponsoring. Der j&#228;hrliche, mehrere hundert Seiten umfassende <strong>Haushaltsplan</strong>, wird zwar nicht im Web angeboten, aber immerhin an anfragende Journalisten verteilt. In all diesen Dingen agieren andere Sendeanstalten noch wesentlich restriktiver.</p>
<p>Leider ist die Zur&#252;ckhaltung in Sachen <strong>Informationsfreiheit</strong> auch beim ZDF immer noch sehr gro&#223;. So bedarf die Einsichtnahme in Niederschriften und Protokolle des Fernsehrates der vorherigen Zustimmung des Erweiterten Pr&#228;sidiums, steht in dessen freiem Ermessen und darf allein wissenschaftlichen Zielen dienen.</p>
<p>Wir fragen uns: Warum sollten neben den Tagungsprotokollen nicht auch die Auswertungen des Zuschauerechos, der T&#228;tigkeitsbericht des Intendanten, die Filmf&#246;rderpolitik des Senders oder die Transparenzberichte zu Kooperationen, Sponsoring und Beistellungen der &#214;ffentlichkeit zur Verf&#252;gung stehen? Schlie&#223;lich betreffen all diese Vorg&#228;nge massiv die Interessen der Geb&#252;hrenzahler.</p>
<p>Nat&#252;rlich d&#252;rfen diese Forderungen nicht alleine auf das ZDF abzielen, auch andere &#246;ffentlich-rechtliche Sender und die Landesmedienanstalten – auch hier tagen die Medienr&#228;te zumeist vor verschlossenen T&#252;ren; erfreuliche Ausnahmen sind Mecklenburg-Vorpommern und Bremen – sind gefordert. Vorbild  k&#246;nnte die – zugegeben nur teilweise vergleichbare &#8211; US-Regulierungsbeh&#246;rde FCC sein, deren Sitzungen des obersten Gremiums im Internet &#252;bertragen werden. Zus&#228;tzlich stellt die FCC online Datenbanken zur Verf&#252;gung, die es erm&#246;glichen, z.B. jederzeit Akten zu Lizenzierungsverfahren einzusehen.</p>
<p><strong>Partizipation der Zuschauer erh&#246;hen</strong></p>
<p>Auch ein verst&#228;rktes Mitwirken der Zuschauer am Programm tr&#228;gt zu mehr Transparenz und &#214;ffentlichkeit bei. Ausgerechnet unsere kleineren europ&#228;ischen Nachbarn machen uns vor, wie man ein lineares Programm zeitgem&#228;&#223; und innovativ gestalten kann. Seit 2008 f&#252;hrt der &#246;ffentlich-rechtliche Kanal Ned3 in den Niederlanden das Projekt „TV Lab“ durch, bei dem eine Woche lang v&#246;llig neue Formate gezeigt wurden, die von den Zuschauerinnen und Zuschauern selbst bewertet werden.</p>
<p>In Deutschland wagte bislang nur der WDR 2006 ein &#228;hnliches, f&#252;r das Fernsehen fast schon radikales Experiment.  Das ZDF scheint dies erkannt zu haben und ist Teil eines Programmlabs im Rahmen der Europ&#228;ischen Rundfunkunion im Sommer diesen Jahres. &#220;ber ZDF NEO k&#246;nnen die Zuschauer dann Ende August eine Woche lang &#252;ber neue TV-Formate abstimmen. Wir d&#252;rfen schon jetzt sehr gespannt sein.</p>
<p>Eine weitere Option f&#252;r eine st&#228;rkere Partizipation der Zuschauerinnen und Zuschauer k&#246;nnen <strong>Creative-Commons-Lizenzen</strong> sein, die in verschiedenen Rechtsformen und Ausf&#252;hrungen die M&#246;glichkeit bieten, Inhalte der Sender auf eigenen Plattformen wie Blogs oder Profilen in sozialen Netzwerken zu verwenden. Auch in dieser Hinsicht zeichnet sich gerade bei den &#246;ffentlich-rechtlichen Sendern endlich Bewegung ab. Waren es lange Zeit nur die beiden NDR-Programme ZAPP und EXTRA 3 die ihre Inhalte teilweise auch zum „Remixen“ zur Ver&#252;gung stellten, zogen andere Sendungen, wie das Magazin „Quer“ des Bayerischen Rundfunks, inzwischen nach. Geradezu anbieten f&#252;r solch offene Lizenzen w&#252;rde sich z.B. der innovative ZDF-Krimi „Wer rettet Dina Foxx?“, der sich gr&#246;&#223;tenteils im Internet abspielt.</p>
<p>Auch im Netz bewegt sich hier einiges: Vorreiter ist, wen wundert es, da in Frankreich keine so strengen Vorgaben bez&#252;glich der Online Pr&#228;senz der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender vorliegen, ARTE France. So feierte deren Webserie „60 Seconds“ vor kurzem nicht etwa im TV Premiere, sondern auf dem sozialen Netzwerk <strong>Facebook</strong>.</p>
<p>Von diesen Innovationen profitiert auch Arte Deutschland. Das Vorzeigeprojekt hei&#223;t „ARTE Creativ-Plattform“ und ist ein internationales, redaktionell betreutes und interaktives Netzwerk f&#252;r K&#252;nstler und Kulturproduzenten. Die Plattform versucht verschiedenste kreative Felder von der Fotografie &#252;ber Street Art und New Media, bis hin zu Grafik-, Produkt- und Webdesign abzudecken. Zusammen mit der Community will die Redaktion neue Formate an der Schnittstelle Web/TV entwickeln.</p>
<p>Auch spannend: Der vom „Kleinen Fernsehspiel“ des ZDF initiierte Online-Wettbwerb „Body Bits“, der sich an Nachwuchsregisseure richtet und dessen Ergebnis nachts im Hauptprogramm und auf ZDF-Kultur zu sehen sind. Nicht zu vergessen das Team um den „Elektrischen Reporter“ Mario Sixtus: Dieser entwickelt mit seinem Team f&#252;r das ZDF im Netz derzeit neue Sendeformate, die sich mit netzpolitischen Themen besch&#228;ftigen. Die damit verbundene Idee: Die Ergebnisse dieser Experimente werden nicht zuerst der zust&#228;ndigen Redaktion, sondern der Netz&#246;ffentlichkeit zum Feedback angeboten.</p>
<p><strong>Beschweren aber wie???</strong></p>
<p>Last but not least darf nat&#252;rlich das klassische Feedbackinstrument der Fernsehsender nicht fehlen: Die gute alte Programmbeschwerde, die sich jedoch ganz schnell als „B&#252;rokratiemonster“ entpuppt, auch wenn die Beschwerde selbst bereits seit l&#228;ngerem online; beim ZDF unter <a href="http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=585#c892">http://www.unternehmen.zdf.de/index.php?id=585#c892</a> eingereicht werden kann.</p>
<p>Das f&#228;ngt schon einmal damit an, dass eine Beschwerde nicht gleich eine Beschwerde ist. Von Anfragen oder Kritik allgemeiner Art sind Beschwerden &#252;ber das Programm des ZDF zu unterscheiden, in denen die Verletzung von Programmgrunds&#228;tzen vermutet wird. Hier wird der Fernsehrat in einem f&#246;rmlichen Beschwerdeverfahren t&#228;tig.</p>
<p>Das mehrstufige Verfahren &#8211; der Vorsitzende des Fernsehrates leitet die Beschwerde zun&#228;chst an den Intendanten zur Stellungnahme weiter, ist der Beschwerdef&#252;hrer nicht zufrieden geht der Vorgang weiter an den Programmausschuss des Fernsehrates und schlie&#223;lich an das Plenum &#8211; ist einerseits zwar eine Referenz f&#252;r gro&#223;e Sorgfalt, erscheint aber angesichts der netzbasierten Kommunikationsm&#246;glichkeiten arg anachronistisch.</p>
<p>Gleiches gilt f&#252;r die m&#246;glichen Konsequenzen, denn diese sind zumindest nicht vollst&#228;ndig transparent: Bei Rechtsverst&#246;&#223;en kann der Fernsehrat vom Intendanten nach dem geltenden Rundfunkstaatsvertrag verlangen, dass er Beanstandungen des Fernsehrats im Programm ver&#246;ffentlicht. Ansonsten ist keine bestimmte Sanktion in der Beschwerdeordnung festgelegt. &#220;ber geeignete Ma&#223;nahmen wird vielmehr im (unbestimmten) Einzelfall entschieden.</p>
<p>Grunds&#228;tzlich gilt: Das ZDF verf&#252;gt mit seiner Zuschauerredaktion &#252;ber eine gut funktionierende Servicestelle zur Beantwortung von Zuschaueranfragen. Pro Jahr werden dort rund <strong>500.000 Zuschau­eranfragen</strong> schriftlich oder per Telefon beantwortet, zweifellos eine <strong>komplexe Leistung</strong>.</p>
<p>W&#252;nschenswert w&#228;re dennoch ein nach dem Vorbild des BBC Trust Managements vom Sender und Fernsehrat <strong>unabh&#228;ngiger Beschwerdeausschuss</strong>. Dies w&#252;rde gerade den Fernsehrat auch von dem st&#228;ndig drohenden Vorwurf der Parteipolitisierung befreien, der auch einen immensen Druck f&#252;r die Parteienvertreter bedeutet, wie gerade die j&#252;ngsten Vorg&#228;nge um die vom Fernsehrat ausgesprochene Ermahnung der Frontal 21 Redaktion zeigt.</p>
<p>Die <strong>Spruchpraxis</strong> des Beschwerdeausschusses sollte nach dem Vorbild des Deutschen Presserates im Internet <strong>ver&#246;ffentlicht</strong> werden, verbunden mit einer juristischen Aufkl&#228;rung, damit die Zuschauer die im Detail nicht so einfach zu verstehenden Programmgrunds&#228;tze besser nachvollziehen k&#246;nnen. Ein weiteres Element sollte von der BBC &#252;bernommen werden: Dort trifft sich das so genannte „BBC Complaints Management Board of senior Executives“ einmal im Monat, um zu &#252;berpr&#252;fen, dass Erkenntnisse aus den Beschwerden in die Redaktions- und Managementprozesse der BBC auch wirklich einflie&#223;en.</p>
<p>Flexibel und abrufbar statt langwierig und linear sollten Programmbeschwerden im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zuk&#252;nftig gehandhabt werden. <strong>„Flexibel und abrufbar“ gilt auch f&#252;r das Programm</strong>, doch hierf&#252;r reicht der gute Wille der Sender selbst nicht aus. Die Politik muss sich im komplizierten Einklang mit Br&#252;ssel bewegen und entsprechende staatsvertragliche &#196;nderungen herbeif&#252;hren, damit Internet und TV auch „im Regelbetrieb“ noch besser verschmelzen k&#246;nnen.</p>
<p>Am 9. Juni l&#228;dt die Heinrich B&#246;ll Stiftung &#8211; passend zum Thema dieses Textes &#8211; zur Diskussion &#8220;<a href="http://www.dimbb.de/index.php?view=details&amp;id=91%3Asubtil-21-wird-politik-zum-oeffentlich-rechtlichen-programmgestalter&amp;option=com_eventlist">Subtil 21. Wird Politik zum &#246;ffentlich-rechtlichen Programmgestalter?</a>&#8220;.<br />
<em> Cem &#214;zdemir ist Bundesvorsitzender von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und Mitglied des ZDF-Fernsehrats.</em></p>
<p><em>Oliver Passek ist Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Medien- und Netzpolitik von B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen und Mitglied des ZDF Fernsehrats.</em>
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<a href="http://carta.info/40449/offentlich-rechtlich-und-auch-transparent-fur-einen-rundfunk-fur-alle/">&#214;ffentlich-rechtlich und auch transparent: F&#252;r einen Rundfunk f&#252;r alle</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/40449/offentlich-rechtlich-und-auch-transparent-fur-einen-rundfunk-fur-alle/#comments">13 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40449&amp;md5=412039d1c4baca8ac2b132f24df61c63" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Leistungsschutzrecht: Leutheusser-Schnarrenberger will ‚Snippet‘-Abgabenpflicht</title>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 19:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger hat erstmals &#246;ffentlich erkl&#228;rt, worum es ihr beim Leistungsschutzrecht geht: Google und andere sollen f&#252;r Textausz&#252;ge von Verlagswebsites zahlen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Pl&#228;ne zu einem <a href="../../tag/leistungsschutzrecht/">Leistungsschutzrecht</a> f&#252;r Presseverlage nehmen langsam Kontur an. In einem Interview mit <em><a href="http://wissen.dradio.de/urheberrecht-bewusstsein-fuer-geistiges-eigentum-ist.33.de.html?dram:article_id=10082&amp;dram:audio_id=12877&amp;dram:play=1&amp;sid=&amp;random=4c2728">DRadio Wissen</a></em> hat Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nun deutliche Hinweise gegeben, wie sie sich die Ausgestaltung eines Leistungsschutzrechts f&#252;r Presseverleger vorstellt.</p>
<p>Demnach will die Justizministerin eine Art „VG Snippet“ einf&#252;hren: Kommerzielle Anbieter, die beim Verlinken automatisiert kleine Textausschnitte von Verlagssites &#252;bernehmen (‚Snippets‘), sollen daf&#252;r in eine Verwertungsgesellschaft einzahlen.</p>
<p>Erstmals sagte die Justizministerin &#246;ffentlich, dass zuk&#252;nftig die „Verwendung auch von Teilen von Presseerzeugnissen“ (4:30) durch kommerzielle Nutzer wie „Google oder andere[n]“ (4:40) abgabenpflichtig werden soll. Hierzu k&#246;nnte eine Verwertungsgesellschaft (4:35) geschaffen werden, die ihre Einnahmen an Verlage und Journalisten abf&#252;hrt.</p>
<p>Die Ministerin begr&#252;ndete den Schritt damit, dass Suchmaschinen und andere Aggregatoren journalistische Inhalte „vermarkten“ (3:55) w&#252;rden – und daher auch zur besseren Verg&#252;tung journalistischer Leistungen beitragen sollten.</p>
<div id="attachment_40294" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/20110505_Portrait_Sabine_Leutheusser_Schnarrenberger_9.jpg"><img class="size-medium wp-image-40294 " title="20110505_Portrait_Sabine_Leutheusser_Schnarrenberger_9" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/05/20110505_Portrait_Sabine_Leutheusser_Schnarrenberger_9-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Leutheusser-Schnarrenberger: Abgaben von &bdquo;Google oder anderen&ldquo; f&#252;r die &bdquo;Verwendung auch von Teilen von Presseerzeugnissen&ldquo; (Bild: BMJ/Universum)</p></div>
<p>Die Ministerin erw&#228;hnte hingegen nicht, dass das Lesen von Verlagswebsites von gewerblich genutzten PCs aus zuk&#252;nftig bezahlpflichtig werden soll. Diese Forderung von Verlegern geht der Ministerin offenbar zu weit.</p>
<p>Sie betonte vielmehr deutlich, sie wolle „ein eng begrenztes Recht“ schaffen, mit dem „nicht Milliarden“ (3:00) verdient werden k&#246;nnten. Den gr&#246;&#223;ten Bef&#252;rchtungen des Bundesverbands der Deutschen Industrie, wonach eine fl&#228;chendeckende Abgabenpflicht f&#252;r die deutsche Wirtschaft geschaffen werden k&#246;nnte, trat sie so entgegen.</p>
<p>Somit zeichnet sich eine „kleine L&#246;sung“ beim im <a href="http://carta.info/16569/koalition-plant-leistungsschutzrecht-fuer-verlage/">Koalitionsvertrag</a> vereinbarten Leistungsschutzrecht f&#252;r Presseverlage ab: Die Abgabenpflicht f&#252;r ‚Snippets‘ soll kommen. Eine Abgabenpflicht f&#252;r das Lesen von Verlagswebsites an gewerblichen PCs soll es hingegen nicht geben.</p>
<p>Sollte die neue stellvertretende FDP-Vorsitzende einen solchen Gesetzentwurf tats&#228;chlich vorlegen, wird dies f&#252;r hohen Diskussionsbedarf sorgen. Denn im Klartext bedeutet er: Deutschland f&#252;hrt eine Lizenzpflicht f&#252;r Snippets ein – automatisierte Kurzausz&#252;ge von verlinkten Websites werden f&#252;r kommerzielle Anbieter kostenpflichtig.</p>
<p>Die betroffenen – zumeist multinationalen – Suchmaschinen und sozialen Netzwerke werden sich das wohl nur gefallen lassen, wenn die Tarife daf&#252;r sehr moderat ausfallen. W&#228;hrend die prinzipiellen Ver&#228;nderungen durch das neue Gesetz erheblich w&#228;ren, bleibt weitgehend unklar, ob hier eine relevante neue Einnahmequelle f&#252;r Journalismus geschaffen wird.</p>
<p>/th
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		<title>Eigenanzeigen der Regierung: Mehr Transparenz!</title>
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		<pubDate>Thu, 12 May 2011 08:58:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Ruß-Mohl</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit ihren Anzeigen-Schaltungen machen Regierungen auch Presse-Politik. Wird nicht offengelegt, wer vom &#246;ffentlich finanzierten Werbekuchen wieviel bekommt, ist der Korruption T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>95 Millionen Euro geben die &#246;sterreichische Regierung, die Gebietsk&#246;rperschaften und staatsnahe Unternehmen j&#228;hrlich f&#252;r Inserate aus  – und das Gros dieses Werbeaufwands kommt offenbar den gro&#223;en Gratis- und Boulevardbl&#228;ttern zugute.</p>
<p>Gerade mal 1,7 Millionen Euro staatlicher Gelder stehen dagegen in einem anderen Topf f&#252;r Journalistenausbildung, f&#252;r die F&#246;rderung des Korrespondentennetzes und die Lesef&#246;rderung zur Verf&#252;gung, knapp 11 Millionen Euro werden an indirekten Subventionen an Zeitungsverlage zur Vertriebsf&#246;rderung und zur F&#246;rderung der regionalen Vielfalt von Tageszeitungen ausgesch&#252;ttet.</p>
<p>Allein schon dieses krasse Missverh&#228;ltnis macht deutlich, wie wichtig die Forderung nach Transparenz ist – generell bei Ausgaben, die vom Steuerzahler finanziert werden, und speziell bei der Vergabe von Anzeigen, die mit &#246;ffentlichen Geldern finanziert werden. Mitunter entscheiden solche Zuwendungen ja sogar dar&#252;ber, ob bestimmte Presseprodukte am Leben bleiben.</p>
<p>Der Verband &#214;sterreichischer Zeitungsverleger hat beim „<a href="http://www.denkfabrikat.net/artikel/tag-des-qualitaetsjournalismus">Tag des Qualit&#228;tsjournalismus</a>“, den er vorige Woche erstmals in &#214;sterreich ausrief, nachhaltig f&#252;r solche Transparenz geworben. Die Steuerzahler haben nat&#252;rlich ein Recht zu erfahren, was der Staat mit ihrem sauer verdienten Geld anf&#228;ngt.</p>
<p>Merkw&#252;rdig ist aber auch, wenn f&#252;r Zwecke, die zweifelsfrei dem Qualit&#228;tsjournalismus aufhelfen, mal gerade ein F&#252;nfundf&#252;nfzigstel dessen zur Verf&#252;gung steht, was &#246;ffentliche Institutionen f&#252;r Eigeninserate aufwenden. Obendrein  –  so haben das jedenfalls mehrere Insider glaubhaft versichert – <strong>kommt offenbar ein Grossteil dieses Werbeaufwands gerade solchen Redaktionen zugute, die wenig in journalistische Qualit&#228;t investieren</strong>, soll heissen: Redaktionen, die eher regierungsfreundlich berichten und nicht allzu viele kritische Fragen stellen.</p>
<p>Wird nicht offengelegt, wer vom Werbekuchen wieviel bekommt, ist der Korruption T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet.</p>
<p><em>Diese Kolumne schreibt Stephan Russ-Mohl f&#252;r die &#246;sterreichische Wochenzeitung &#8220;<a href="http://www.furche.at/">Die Furche</a>&#8220;. Carta &#252;bernimmt sie regelm&#228;&#223;ig mit freundlicher Genehmigung.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=40214&amp;md5=56240a006d6bb3583aa5eaeb6545b947" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>ZDF/Zeit Online: Das Ende der Werbefreiheit &#246;ffentlich-rechtlicher Inhalte im Internet?</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 08:37:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wer ZDF-Kurznachrichten auf Zeit Online schauen will, muss sich einen f&#252;nfzehnsek&#252;ndigen Werbeclip anschauen. Eine fragw&#252;rdige Interpretation des Online-Werbeverbots. Medienpolitiker von Union bis Gr&#252;ne fordern eine Abkehr von dieser Praxis.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einiger Zeit hat <em>ZDF</em>-Intendant Markus Sch&#228;chter in einem Brief an <em>Carta</em> zu kl&#228;ren versucht, wieso <em>ZDF</em>-Videos zus&#228;tzlich mit <em>Bild.de</em>-Logo und Pre-Roll-Werbung versehen auf <em>Bild.de</em> liefen (<a href="http://carta.info/19259/post-von-markus-schaechter-keine-exklusive-zdf-zusammenarbeit-mit-bild-zukuenftig-keine-zdf-bild-de-mixvideos/">hier</a>, Screenshot <a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/10/tommy2-300x198.jpg">dort</a>). Der <em>ZDF</em>-Intendant schrieb damals unter anderem:</p>
<blockquote><p>„Die Einfassung des Clips in Preroll-Werbung sowie die Versehung mit einem Logo war uns im Vorfeld nicht bekannt und wird in dieser Form nicht mehr stattfinden.“<em><br />
</em></p></blockquote>
<p>Damit schien eigentlich gekl&#228;rt zu sein, dass ZDF-Videos auf privatwirtschaftlichen Websites nicht mit Pre-Roll-Werbung versehen sein sollen. W&#228;re da nicht des Intendanten omin&#246;se Formulierung von „nicht in dieser Form“.</p>
<p>Denn dass das <em>ZDF</em> inzwischen sehr wohl Vorschalt-Werbung vor seinen Inhalten im Internet sehen m&#246;chte, kann man seit einigen Wochen auf <em>Zeit Online</em> besichtigen:</p>
<div id="attachment_39983" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/zdf_preroll.jpg"><img class="size-full wp-image-39983" title="zdf_preroll" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/zdf_preroll.jpg" alt="" width="600" height="229" /></a><p class="wp-caption-text">Einsatz von Pre-Roll-Werbung bei ZDF-Videos auf Zeit Online (Screenshot 26. April 21:20h)</p></div>
<p>Dort laufen die „heute 100 sec“ mit Vorschalt-Werbung, derzeit beispielsweise von IBM: 15 Sekunden Werbung – gefolgt von 100 Sekunden &#246;ffentlich-rechtlichen Kurznachrichten (hier auch als <a href="http://www.youtube.com/watch?v=j1DnIaKoYT8">Video auf Youtube</a>). Erst ZDF-Logo, dann Werbung, dann wieder ZDF-Logo.</p>
<p>Staatsvertraglich ist den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Werbung auf den eigenen Websites streng verboten. Auf kommerziellen Sites sind Werbeclips direkt vor <em>ZDF</em>-Nachrichten jedoch aus Sicht des <em>ZDFs</em> weitgehend unproblematisch: Die Inhalte w&#252;rden &#252;ber die kommerzielle Tochter <em>ZDF Enterprises</em> lizenziert, so <em>ZDF</em>-Sprecher Alexander Stock auf <em>Carta</em>-Nachfrage. Kommerzielle Lizenznehmer d&#252;rften selbstverst&#228;ndlich auch Werbung vor derartige <em>ZDF</em>-Inhalte schalten.</p>
<p>Die Lizenzierung der <em>ZDF</em>-Inhalte erfolge zu markt&#252;blichen Preisen, versichert Stock. Er will jedoch weder die H&#246;he der Preise angeben noch die Methode, mit deren Hilfe sie ermittelt wurden.</p>
<p>Ein solches Vorgehen erscheint aus mehreren Gr&#252;nden fragw&#252;rdig:</p>
<ol>
<li>F&#252;r den Internetnutzer wirken die Videos dank <em>ZDF</em>-Logo wie lupenreiner <em>ZDF</em>-Inhalt – von ZDF Enterprises ist nichts zu sehen. Hier werden dem Eindruck nach <em>ZDF</em>-Inhalte im Netz direkt mit Werbung gekoppelt.</li>
<li>Den Geb&#252;hrenzahler wird es wenig freuen: &#214;ffentlich-rechtliche Videos, die er ‚schon bezahlt hat‘, wie es in der Depub-Debatte gerne hei&#223;t, darf er nun noch einmal mit Werbung versehen im Netz schauen.</li>
<li>Die &#246;ffentlich-rechtlichen Videos werden hier zum Online-Werbetr&#228;ger – eine Entwicklung, die sich der Gesetzgeber so h&#246;chstwahrscheinlich nicht gew&#252;nscht hat.</li>
<li>Die &#246;ffentlich-rechtlichen Inhalte sorgen hier nicht f&#252;r mehr publizistische Vielfalt, sondern f&#252;r weniger Werbegelder f&#252;r andere Online-Nachrichtenprodukte.</li>
<li>Das <em>ZDF</em> kann nicht transparent darlegen, wie es zu seinen Lizenzpreisen kommt. Dass es mit Hilfe von Geb&#252;hrenmitteln marktverzerrend attraktive Angebote gemacht, kann der Sender nicht widerlegen.</li>
</ol>
<p>Mit der Pre-Roll-Werbung vor <em>ZDF</em>-Kurznachrichten auf <em>Zeit Online</em> werden zweifelsohne die medienpolitischen Pfosten im Netz ein wenig weiter verr&#252;ckt – zumindest wird der Versuch unternommen. Vor drei Jahren, als WDR und WAZ ihre Kooperation begannen, w&#228;ren derartige Praktiken noch schwer vorstellbar gewesen.</p>
<p>Der <em>Zeit Verlag</em> sieht sich dennoch nicht in der Rolle, die Werbefinanzierung von &#246;ffentlich-rechtlichen Inhalten im Internet zu bef&#246;rdern. Er erkl&#228;rt gegen&#252;ber <em>Carta</em>: „<em>Zeit Online</em> zahlt eine Lizenzgeb&#252;hr an <em>ZDF Enterprises</em> f&#252;r die <em>ZDF</em>-Inhalte – damit tragen wir nicht zu einer Werbefinanzierung &#246;ffentlich-rechtlicher Online-Angebote bei.“</p>
<p>Die Politik reagiert weniger gelassen. Medienpolitiker von CDU, SPD, Gr&#252;nen und FDP halten den ZDF-Vorsto&#223; f&#252;r falsch. F&#252;r Johannes Beermann, Chef der S&#228;chsischen Staatskanzlei und Koordinator der CDU-Medienpolitik auf L&#228;nderebene, spricht das staatsvertraglich verankerte Online-Werbeverbot „eine klare Sprache“. Er erwarte, dass sich das <em>ZDF</em> weiterhin von Pre-Roll-Werbung distanziere – „auch wenn die <em>ZDF</em>-Clips in fremde Websites eingebunden sind“.</p>
<p>F&#252;r Marc Jan Eumann, den medienpolitischer Sprecher der SPD, Staatssekret&#228;r in NRW und selbst <em>ZDF</em>-Fernsehrat, „erodiert genau jene Trennsch&#228;rfe im Systemwettbewerb, den Medienpolitik eigentlich anstreben sollte“, wenn nun <em>ZDF</em>-Inhalte mit Vorschalt-Werbeclips im Netz stehen.</p>
<p>Tabea R&#246;&#223;ner, die medienpolische Sprecherin der gr&#252;nen Bundestagsfraktion, fordert, dass deutlicher gekennzeichnet werde, dass hier Einnahmen f&#252;r Verlage generiert werden – „denn sonst fragen sich die Geb&#252;hrenzahler nat&#252;rlich, warum sie Werbung f&#252;r ein Produkt ansehen m&#252;ssen, dass sie bereits mit den Rundfunkgeb&#252;hren bezahlt haben.“ Zudem sollte vor den 100-Sekunden-Videos aufgrund ihres „’Nachrichtenzeit‘-Charakters“ gar keine Werbung laufen.</p>
<p>Burkhardt M&#252;ller-S&#246;nksen, medienpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, nennt das ZDF-Vorgehen eine „geschickte Umgehung des Werbeverbots im Internet“. Das <em>ZDF</em> stelle den Sinn der Geb&#252;hrenfinanzierung in Frage, wenn es nun kurzerhand seine Online-Videos auch werbefinanziert anb&#246;te. Der Geb&#252;hrenzahler erwarte zurecht ein von wirtschaftlichen Interessen unabh&#228;ngiges Programm.</p>
<p>In der Vergangenheit sind die Rundfunkanstalten mit ihren h&#228;ufig eigensinnigen Interpretationen der Rundfunkstaatsvertr&#228;ge zumeist durchgekommen – mochte die Medienpolitik zetern, wie sie wollte. Vieles spricht daf&#252;r, dass es auch diesmal so sein wird.</p>
<p>Nach <em>ZDF</em>-Interpretation w&#228;re es dabei staatsvertraglich wom&#246;glich auch zul&#228;ssig, das gesamte <em>ZDF</em>-Programm werbefinanziert ins Netz zu stellen – es muss einfach nur von <em>ZDF Enterprises</em> lizenziert werden.</p>
<p>Siehe auch zu diesem Thema:</p>
<ul>
<li>Robin Meyer-Lucht: <a href="http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,540674,00.html">Kooperation von WDR und WAZ – Zehn Argumente gegen den Netzkl&#252;ngel (Spiegel Online)</a></li>
</ul>
<p>/th
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		<title>Wedding-Sause auf Kosten des Geb&#252;hrenzahlers</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 11:44:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Landesanstalt f&#252;r Medien Nordrhein-Westfalen l&#228;dt zu einem Empfang anl&#228;sslich der TV-Heirat des britischen Kronprinzen ein. Mehr als 25.000 Euro wird diese F&#246;rderma&#223;nahme f&#252;r die Medienkompetenz von Diplomaten kosten - 11.500 davon kommen direkt aus Geb&#252;hrenmitteln.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>F&#252;r den 29. April 2011 hat die nordrhein-westf&#228;lische Landesanstalt f&#252;r  Medien (LfM) zum „ohne  Zweifel gesellschaftlichen Ereignis des Jahres&#8221; in ihre R&#228;ume im  D&#252;sseldorfer Medienhafen geladen. Bei &#8220;typisch englischem Cream Tea&#8221; wird die Aufsichtsbeh&#246;rde das &#8220;angemessene Ambiente&#8221; bieten, die Hochzeitzeremonie als Live-&#220;bertragung der BBC zu erleben.</p>
<p>F&#252;r den Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister <a href="http://carta.info/39748/das-elend-der-deutschen-medienpolitik/">zeigt</a> der Event &#8220;symbolhaft auf den Zusammenhang zwischen realer Bedeutungslosigkeit und verzweifelter Selbstbesch&#228;ftigung&#8221; der Landesmedienanstalt-Apparate, f&#252;r die der Geb&#252;hrenzahler j&#228;hrlich &#252;ber 100 Mio. Euro aufbringen muss. Schlie&#223;lich hat die Landesmedienanstalt mit den Inhalten der BBC nun rein gar nichts zu tun.</p>
<p>Auf <em>Carta</em>-Nachfrage erkl&#228;rt die Landesmedienstalt, man f&#252;hre die Veranstaltung im Rahmen der allgemeinen &#8220;F&#246;rderung der Medienkompetenz&#8221; durch. Die Hochzeit des britischen Kronprinzen sei hervorragend geeignet, &#8220;einem Fachpublikum kurz und pr&#228;gnant die T&#228;tigkeiten der Landesmedienanstalt zu erl&#228;utern.&#8221; Die Anstalt werde den &#8220;G&#228;sten aus dem diplomatischen Umfeld darlegen k&#246;nnen, wie aus unserer Sicht eine moderne Medienaufsicht funktioniert.&#8221;</p>
<div id="attachment_39768" class="wp-caption alignleft" style="width: 182px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/zollhof_02.jpg"><img class="size-full wp-image-39768" title="zollhof_02" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/zollhof_02.jpg" alt="" width="172" height="260" /></a><p class="wp-caption-text">LfM im Medienhafen: &quot;Angemessenes Ambiente&quot;</p></div>
<p>Die Veranstaltung wird nach Auskunft von Peter Widlok, Sprechers der Landesmedienanstalt, rund 25.000 Euro kosten &#8211; wobei das Sachsponsoring der R&#228;ume der Landesmedienanstalt nicht in diesem Betrag enthalten ist. 5.000 Euro wird das britische Generalkonsulat beisteuern &#8211; 3.400 Euro der Sender BBC World. Die Landesmedienanstalt selbst wird direkt 11.5000 Euro zu dem Event beisteuern &#8211; aus Mitteln, die letztlich aus GEZ-Geb&#252;hrentopf stammen.</p>
<p>Zus&#228;tzlich tragen der Kabelfernsehanbieter Unitymedia und der Shoppingkanal QVC als Sponsoren 5.000 Euro zum Hochzeits-Empfang bei. Beide Unternehmen sind direkt oder indirekt von den Regulierungsentscheidungen der Landesmedienanstalt betroffen.</p>
<p>Die Landesmedienanstalt gibt also nicht nur 11.500 Euro aus Geb&#252;hrenmitteln f&#252;r einen Empfang mit fragw&#252;rdigem Wert f&#252;r die Medienkompetenz von Diplomaten aus &#8211; sie setzt durch Sponsoring von Unternehmen aus ihrem Regulierungsfeld zus&#228;tzlich auch ihre Unabh&#228;ngig aufs Spiel.</p>
<p>Es sind nicht so sehr die Summen, die hier nachdenklich machen &#8211; es sind vor allem prinzipielle Fragen.</p>
<p>Die eigentliche Aufgabe der Landesmedienanstalt w&#228;re, an diesem Tag die &#220;bertragungen im Privat-TV kritisch zu begleiten &#8211; ein solches Format aber war offenbar nicht glamour&#246;s genug.</p>
<div id="attachment_39769" class="wp-caption aligncenter" style="width: 578px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/lfm-wedding.jpg"><img class="size-full wp-image-39769 " style="border: 1px solid black;" title="lfm-wedding" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/lfm-wedding.jpg" alt="" width="568" height="594" /></a><p class="wp-caption-text">LfM-Einladung: &quot;Ohne Zweifel das gesellschaftliche Ereignis des Jahres&quot;</p></div>
<p style="text-align: center;">&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/lfm-wedding.jpg"> </a>
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		<title>Das Elend der deutschen Medienpolitik</title>
		<link>http://carta.info/39748/das-elend-der-deutschen-medienpolitik/</link>
		<comments>http://carta.info/39748/das-elend-der-deutschen-medienpolitik/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 13 Apr 2011 01:06:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lutz Hachmeister</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmacher-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Medienpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Stadelmaier]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Ende der bisherigen Staatskanzlei-Medienpolitik d&#228;mmert heran - zu gro&#223; ist die Inkompetenz der Medienpolitiker in den L&#228;ndern, zu gro&#223; sind die netzpolitischen Herausforderungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von Lutz Hachmeister und Thomas Vesting</p>
<p>I.</p>
<p>F&#252;r Ende April 2011 hat die nordrhein-westf&#228;lische Landesanstalt f&#252;r Medien (LfM) zum „<a href="http://carta.info/39767/wedding-sause-auf-kosten-des-gebuhrenzahlers/">Wedding Event</a>“ eingeladen, in ihre R&#228;ume im D&#252;sseldorfer Medienhafen. Die „Hochzeit des britischen Thronfolgers Prinz William von Wales mit Kate Middleton“, so die LfM, werde „ohne Zweifel das gesellschaftliche Ereignis des Jahres sein“.</p>
<p>Die LfM m&#246;chte da nicht zur&#252;ckstehen und gemeinsam mit BBC World News und dem britischen Generalkonsulat „bei typischem englischen Cream Tea“ die M&#246;glichkeit bieten, „in einem angemessenen Ambiente die Zeremonie in London mitzuerleben und neue<br />
Kontakte zu kn&#252;pfen“.</p>
<p>Dieser „Event“ verweist, wie viele eher skurrile Projekte der Landesmedienanstalten, symbolhaft auf den Zusammenhang zwischen <strong>realer Bedeutungslosigkeit</strong> und <strong>verzweifelter Selbstbesch&#228;ftigung</strong>, der wiederum f&#252;r den Zustand der deutschen Medienpolitik insgesamt kennzeichnend ist.</p>
<p>Die Landesmedienanstalten haben eine Zeitlang versucht, ihr altes (und ja weitgehend folgenloses) Regulierungsregime auf das Internet zu &#252;bertragen, damit sie in der Netzwelt zumindest „vorkommen“ k&#246;nnen; ihre Pl&#228;ne sind aber sogar von den f&#246;deralen Medienpolitikern kassiert worden, von denen die Aufsichtsbeh&#246;rden einst erfunden worden waren. So sind ihnen, abgesehen von Mikro-Regulierungen auf der lokalen und regionalen Rundfunkebene, eben nur noch Sitzungen, Tagungen und „Events“ geblieben, deren reales Publikum inzwischen im unteren dreistelligen Bereich liegen d&#252;rfte. Immerhin bilden die Landesmedienanstalten noch einen angenehm dotierten Park f&#252;r Parteipolitiker und ihre Gefolgsleute.</p>
<p>&#220;berlebensstrategisch haben die Landesmedienanstalten seit geraumer Zeit die ebenso weiten wie weichen Felder von „Jugendmedienschutz“ und „Medienkompetenz“ als ihr genuines Terrain entdeckt. Zumindest die „Medienkompetenz“ ist ohne schwierigen politischen Diskurs zu haben und als Begriff gegnerfrei. Niemand hat etwas gegen „Medienkompetenz“.</p>
<p>Ebenso trostlos erscheint die Debatte um den sogenannten „Jugendmedienschutz“. Schon der Begriff ist dunkel – einem Nichtspezialisten w&#228;re zun&#228;chst einmal schwer zu vermitteln, worum es dabei eigentlich gehen soll.  Das bisherige Konzept des deutschen „Jugendmedienschutzes“ jedenfalls ist <strong>realit&#228;tsblind</strong> und <strong>hyperb&#252;rokratisch</strong> zugleich. Betrieben wird ein System (wenn man &#252;berhaupt davon sprechen mag) der Problemvernebelung durch Institutionenvervielfachung.</p>
<p>H&#228;ufig wird b&#252;rgerliche Gesittung eher vorgezeigt denn in der harten Medienrealit&#228;t bewiesen. In einem Anfall von Realsatire hat Martin Stadelmaier, „der wichtigste Medienpolitiker der SPD“ („FAZ“), in seinen „zehn medienpolitischen Geboten f&#252;r das digitale Zeitalter“, vorgetragen bei Symposium der Landesmedienanstalten im M&#228;rz 2009 in Berlin, markig gefordert:</p>
<blockquote><p>„Wir brauchen eine gr&#246;&#223;ere Einheitlichkeit, wir m&#252;ssen Doppelstrukturen abbauen. Wir brauchen nach meiner festen &#220;berzeugung eine gegenseitige Akzeptanz von Freigabeentscheidungen der Selbstkontrolleinrichtungen, also FSK, USK, FSM und FSF – und das m&#246;glichst in einer guten und engen Verbindung mit den Jugendschutzbeh&#246;rden und der KJM“.</p></blockquote>
<p>Schon angesichts dieser Abk&#252;rzungskaskade wird klar, dass sich in der Realit&#228;t der Mediennutzung paradoxer- oder konsequenterweise libert&#228;re Formen und Strukturen durchsetzen konnten. &#220;ber die reale oder vermeintliche „Generation Porno“ lassen sich sozialpsychologisch interessante Debatten f&#252;hren; sicher ist, dass ihr der f&#246;derale „Jugendmedienschutz“ nichts entgegenzusetzen hat.</p>
<p>II.</p>
<p>Der Einschnitt, den das Internet in der Geschichte der Medien markiert, ist nicht das Resultat einer „totalen &#214;konomisierung“ und sollte auch keineswegs als R&#252;ckkehr eines freien Spiels der Marktkr&#228;fte missverstanden werden. Die Internet-Kommunikation wird &#252;ber ein neues Medium prozessiert; Meinungs&#228;u&#223;erungen im Netz sind nicht einfach eine andere Form von marktf&#246;rmiger Individualkommunikation.</p>
<p>Daraus ergibt sich durchaus die Notwendigkeit einer genauen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Beobachtung der Entwicklung des Internets. Dazu geh&#246;rt auch die Entwicklung dessen, was man ein „<strong>netzwerkgerechtes Medienrecht</strong>“ nennen kann. Entscheidend ist, ein Konzept zu entwickeln, das  auf die Erhaltung der Vielfalt und Durchl&#228;ssigkeit der fragmentierten Teil&#246;ffentlichkeiten der neuen Internet-Kultur eingestellt werden kann. Dazu gibt es erst Ans&#228;tze und Vorschl&#228;ge, aber es ist klar, dass die Medienpolitik diese nicht in Karlsruhe finden wird.</p>
<div id="attachment_39751" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/aufmacherxw1.jpg"><img class="size-medium wp-image-39751" title="aufmacherxw" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/04/aufmacherxw1-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Staatskanzlei Rheinland-Pfalz: Koordinierungszentrum der bisherigen Staatskanzlei-Rundfunkpolitik</p></div>
<p>F&#252;r die Medienpolitik stellt sich angesichts der neuen Medienrealit&#228;ten die Frage nach der Restrukturierung ihrer Kontrollregime. Die Zergliederung und Isolierung der Regulierungsmaterien in verschiedenen Arenen – Rundfunkregulierung, Telekommunikationsregulierung, regionale und nationale Filmf&#246;rderung, Jugendmedienschutz etc. – sowie die Zerstreuung der Kompetenzen auf die unterschiedlichsten Tr&#228;ger – &#246;ffentlich-rechtliche Anstalten, Landesmedienanstalten, Filmf&#246;rderungsanstalt, Bundeskartellamt etc. – kann schwerlich als effiziente L&#246;sung bezeichnet werden.</p>
<p>Eine neue Generation von Medienpolitikern, die in und mit der kommunikativen Umwelt des Internets, also mit Google und Amazon, Facebook und Twitter sozialisiert worden sind, wird ohnehin mit einer anderen Perspektive auf &#214;ffentlichkeit, Partizipation und den politisch-publizistischen Komplex blicken als diejenigen, die nur mit ARD, ZDF und wenigen dominierenden Presseverlagen aufgewachsen sind.</p>
<p>Dieser Perspektivwechsel soll einstweilen gar nicht normativ bewertet werden, etwa im Sinne einer „progressiveren“ Netzpolitik. Die „medienkulturelle Differenz“ zwischen einer eher beharrenden Rundfunkpolitik und einer fluideren „Netzpolitik“ ist bereits in der Auseinandersetzung um den einstweilen gescheiterten „Jugendmedienschutz-Staatsvertrag“ deutlich geworden.</p>
<p>Ein Staatsvertrag, der nur in Deutschland beheimatete Webseiten reglementiert, ist in Zeiten digitaler Globalit&#228;t ein stumpfes Schwert. J&#252;ngere Politiker quer durch alle Bundestagsparteien hatten sich gegen die paternalististischen Vorstellungen der „Rundfunkpolitiker“ artikuliert. Der durch den Ablehnungsbeschluss des NRW-Landtags auch pers&#246;nlich gekr&#228;nkte Mainzer Staatskanzleichef Stadelmaier griff die CDU als „medienpolitisch verlotterten Haufen“ an, weil er nicht zu Unrecht ein <strong>Ende der bisherigen Staatskanzlei-Rundfunkpolitik</strong> herand&#228;mmern sah, mit Konsequenzen bis hin zur Frage des von allen L&#228;nderparlamenten zu genehmigenden „Rundfunkbeitrags“ der B&#252;rger.</p>
<p>„Das Modell des f&#246;deral ausgehandelten Staatsvertrags“, so <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,734844,00.html">kommentierte</a> <em>Spiegel Online</em>, „der hinter den Kulissen angefertigt und von den L&#228;nderparlamenten dann nur noch abgenickt“ werde, stehe m&#246;glicherweise vor schweren Zeiten.</p>
<p>„Die L&#228;nder haben sich fr&#252;hzeitig und gut aufgestellt“, so hatte Stadelmaier noch 2009 beim DLM-Symposium in g&#228;ngiger Politikerdiktion behauptet:</p>
<blockquote><p>„Die Medienpolitik entspricht den Anforderungen der digitalen Welt, wir haben uns den Herausforderungen gestellt.“</p></blockquote>
<p>Nun wird niemand leugnen, dass Deutschland medienpolitisch zivilisierter und befriedeter ist als Frankreich oder Italien. Dies hat allerdings viel mit den alliierten Vorgaben nach 1945 zu tun und weniger mit dem Geschick der politischen Parteien oder f&#246;deralen Rundfunkregulierer.</p>
<p><em>Dieser Text ist eine sehr stark gek&#252;rzte Fassung des Essays &#8220;Rundfunkpolitik und Netzpolitik&#8221;, der am 8. April in der Zeitschrift &#8220;<a href="http://funkkorrespondenz.kim-info.de/">Funk-Korrespondenz</a>&#8221; erschien.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39748&amp;md5=356785e92b79dd3d7cc7b0f601dc58e1" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Cem &#214;zdemir: Warum wir einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender brauchen.</title>
		<link>http://carta.info/39519/cem-ozdemir-warum-wir-einen-offentlich-rechtlichen-jugendsender-brauchen/</link>
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		<pubDate>Thu, 31 Mar 2011 00:16:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[ARD]]></category>
		<category><![CDATA[Cem Özdemir]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[Cem &#214;zdemir fordert einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender - mit offenen Redaktionskonferenzen, Creative Commons-Lizenzen und ohne den 'Geburtsfehler' von ZDF Neo.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Helmut Hartung: Herr &#214;zdemir, warum halten Sie einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendkanal f&#252;r erforderlich?</em></p>
<div id="attachment_39520" class="wp-caption alignleft" style="width: 153px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.47.15.png"><img class="size-full wp-image-39520" title="Bildschirmfoto 2011-03-31 um 01.47.15" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.47.15.png" alt="" width="143" height="190" /></a><p class="wp-caption-text">Cem &#214;zdemir, Bundesvorsitzender der Gr&#252;nen und Mitglied im ZDF-Fernsehrat</p></div>
<p>&#214;zdemir: Die Zukunftsf&#228;higkeit des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist eng mit dem Erreichen j&#252;ngerer Zielgruppen verkn&#252;pft. Die Lage ist bereits dramatisch, das ZDF-Hauptprogramm hat einen Alterdurchschnitt von 61 Jahren.</p>
<p>Immerhin haben wir mit NEO jetzt einen Digitalsender, der sich in der Altersgruppe zwischen 25 und 50 Jahren eine stetig wachsende Zuschauerschicht erarbeitet. Auch der KIKA ist in der j&#252;ngsten Zuschauergruppe eine Erfolgsgeschichte.</p>
<p>Es bleibt jedoch eine gewaltige L&#252;cke in der Mitte, bei den 15- bis 25-J&#228;hrigen. Auch diese Altersgruppe m&#252;ssen wir mit einem qualitativ hochwertigen &#246;ffentlich-rechtlichen Programm m&#246;glichst breit erreichen.</p>
<p>Die ARD-H&#246;rfunkwellen machen uns ja vor, dass dies auch gelingen kann. Ansonsten wird die Geb&#252;hrenakzeptanz gerade bei den zuk&#252;nftigen Zahlerinnen und Zahlern weiter sinken. <strong>Nur noch 45 Prozent der 18- bis 29 J&#228;hrigen sprechen sich in repr&#228;sentativen Umfragen f&#252;r den Erhalt des geb&#252;hrenfinanzierten Systems aus</strong>. Das &#246;ffentlich-rechtliche System darf jedoch niemanden ausschlie&#223;en, egal ob alt oder jung, das steht f&#252;r uns Gr&#252;ne im Vordergrund.</p>
<p><em>Ist ein „Jugendkanal“ nicht ein Relikt aus einer analogen Welt?</em></p>
<p>Das sehe ich nicht so. Es kommt auch darauf an, wie so ein Sender technologisch ausgerichtet ist. Es reicht sicherlich nicht aus, einen auf eine reine Rundfunkverbreitung ausgelegten Digitalkanal zu programmieren.</p>
<p>Es sollte sich meiner Meinung ausdr&#252;cklich auch um ein Fernsehangebot auf Basis des Internet-Protokolls handeln. Daf&#252;r m&#252;ssten nat&#252;rlich auch die medienrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Mir schwebt ein audiovisuelles Angebot vor, dass technische, aber auch organisatorische Elemente vom „Deutschlandradio Wissen“ &#252;bernimmt. Also zum einen die multimediale Verbreitung &#252;ber das Netz, z.B. als mehrformatiger Stream in verschiedensten Formaten plus eine umfangreiche auf Podcasts beruhende Bibliothek.</p>
<p>Zum anderen denke ich an Transparenz- und Kooperationsangebote, wie z.B. t&#228;gliche, offene Redaktionskonferenzen.</p>
<p><em>W&#228;re ein st&#228;rkeres Engagement des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks in der digitalen Welt, das vor allem von den Printverlegern kritisiert wird, nicht erfolgversprechender?</em></p>
<p>Richtig, damit ist der Gesamtrahmen angesprochen und das entspricht ja auch der Beschlusslage unserer Partei. Wir wollen das Internet neben Radio und Fernsehen als dritte, gleichberechtigte S&#228;ule im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunksystem verankern.</p>
<p>Zum einen technologisch, dieser Aspekt schlie&#223;t auch das mobile Internet mit ein. Wir brauchen <strong>eigene Applikationen der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender f&#252;r alle g&#228;ngigen Plattformen</strong>, sonst kommen ARD und ZDF in der Medienwelt der jungen Leute demn&#228;chst nicht mehr vor. Zum anderen inhaltlich, gerade hier bietet das Netz riesige Chancen f&#252;r die Inhalte der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender:</p>
<p>Die vorhandenen Inhalte m&#252;ssen der &#214;ffentlichkeit so breit wie m&#246;glich zur Verf&#252;gung gestellt werden. Deshalb fordern wir auch den Ausbau von frei zug&#228;nglichen Archiven mit &#246;ffentlich-rechtlichen Inhalten auf Basis von „<strong>Creative Commons</strong>”-Lizenzen, die eine Weiterverwendung der Inhalte so weit wie m&#246;glich erlauben.</p>
<p><em>Welche Inhalte erwarten </em><em>Sie von einem Jugendkanal?</em></p>
<p>Wir m&#252;ssen vor allem aus dem <strong>Geburtsfehler von NEO</strong> lernen. Hier haben Verleger und Privatrundfunk verhindert, dass auch ein Nachrichtenangebot ausgestrahlt werden kann. Dies ist aber f&#252;r einen Jugendkanal unerl&#228;sslich, gerade in seinem Informationsangebot liegt die St&#228;rke des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber auch Unterhaltungsangebote sollten integriert werden, deshalb ben&#246;tigen wir rundfunkrechtlich ein Vollprogramm, das jedoch nicht nach linearen Spielregeln ausgerichtet ist, sondern nach der Logik des Netzes aufgebaut ist.</p>
<p>Auch qualitativ hochwertige Computerspiele sollten in diesem Umfeld rechtlich zul&#228;ssig sein. Ansonsten ist es ja nicht so, dass das ZDF keine anspruchsvolle Unterhaltung f&#252;r eine breite, auch j&#252;ngere Zielgruppe bereith&#228;lt: <strong>Die <em>Heute Show</em></strong> oder <em>Pelzig h&#228;lt sich</em> <strong>machen nicht nur mir viel Freude</strong>. Solche Formate w&#252;nsche ich mir auch f&#252;r einen Jugendkanal.</p>
<p><em>Die Ministerpr&#228;sidenten wollen die neue Rundfunkabgabe m&#246;glichst stabil halten. Worauf sollten ARD und ZDF verzichten, um einen solchen Kanal zu finanzieren?</em></p>
<p>Es geht – auch hinsichtlich der Position der EU-Kommission – nur &#252;ber die Umwandlung eines bestehenden Digitalangebots, dessen Budget entsprechend umgeschichtet werden m&#252;sste. Mein Ansatz w&#228;re, auf <strong>digitale Doppelstrukturen bei ARD und ZDF</strong> zu verzichten. Dort, wo es sich um &#228;hnliche Angebote handelt, wie z.B. bei Einsextra und dem ZDF-Infokanal oder bei Eins- Festival und dem ZDF-Kulturkanal, w&#228;re es besser, Gemeinschaftsprogramme anzubieten. Dann w&#228;ren entsprechende Kapazit&#228;ten frei.</p>
<p><em>Eine Arbeitsgruppe der Ministerpr&#228;sidenten denkt &#252;ber eine Reduzierung der Aufgaben nach. Ist Ihr Vorschlag damit nicht chancenlos?</em></p>
<p>Das ist genau der falsche Weg. Um Einsparungen kommt das &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunksystem schon lange nicht mehr herum, doch es kann nicht angehen, das <strong>verfassungsrechtlich vorgegebene Aufgabenspektrum zu verkleinern</strong>.</p>
<p>Gerade die Infragestellung der dritten Programme durch den Chef der s&#228;chsischen Staatskanzlei halte ich f&#252;r geradezu fahrl&#228;ssig. Eine Stabilit&#228;t der Rundfunkgeb&#252;hr ist grunds&#228;tzlich w&#252;nschenswert, aber das Bundesverfassungsgericht hat der Politik hier nur einen geringen Gestaltungsspielraum zugewiesen.</p>
<p>Zur Unabh&#228;ngigkeit des &#246;ffentlich-rechtlichen Systems z&#228;hlt auch die finanzielle, jedoch d&#252;rfen die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht &#252;ber Geb&#252;hr belastet werden.</p>
<p><em>Was w&#252;rden Sie &#8211; unabh&#228;ngig vom Jugendkanal &#8211; am Auftrag und Profil des &#246;ffentlichrechtlichen </em><em>Rundfunks ver&#228;ndern?</em></p>
<p>Der Programmauftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist klar und pr&#228;zise, da brauchen wir keine politischen &#196;nderungen. Der Informations- und Bildungsauftrag zieht sich als Leitmotiv durch alle Rechtsgrundlagen – auch die grunds&#228;tzliche Einbeziehung von Unterhaltungsangeboten ist entsprechend legitimiert. Zentrale Forderung von uns ist die bereits mehrfach angesprochene Anerkennung des <strong>Internets als gleichberechtigte Plattform </strong>neben Radio und Internet.</p>
<p>Dies muss nat&#252;rlich auch im europ&#228;ischen Kontext durchgesetzt werden. Hier gibt es aber entsprechende Vorbilder, wie die BBC-Digitalangebote oder auch die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender in den Niederlanden zeigen.</p>
<p><em><strong>Sie </strong><strong>fordern zu mehr </strong><strong>Kooperationen mit </strong><strong>Privatsendern auf. </strong><strong>Verwischen solche </strong><strong>Kooperationen </strong><strong>nicht das &#246;ffentlich-rechtliche Profil?</strong></em></p>
<p>Nein, &#246;ffentlich-rechtlicher und privater Rundfunk haben auch gemeinsame Interessen, deshalb gibt es ja auch zu Recht die „Public Value“-Diskussion, die spezifisch auf die gesellschaftliche Verantwortung des Privatfernsehens abzielt. Nehmen Sie z.B. RTL und deren gerade bei j&#252;ngeren Zuschauerinnen und Zuschauern erfolgreiche Nachrichtenprogramme. Hier stehen auch gesellschaftspolitische Aspekte des Eigent&#252;mers im Vordergrund, Bertelsmann positioniert sich ja auch gegen&#252;ber der Politik als verantwortungsbewusstes Unternehmen. Gerade bei globalen Gro&#223;ereignissen, die eher dem Profil der Privatsender entsprechen, aber aufgrund ihrer Bedeutung auch f&#252;r die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender relevant sind – ich denke z.B. an Hochzeiten oder Popkonzerte – ist eine solche Kooperation sehr w&#252;nschenswert.</p>
<p><em>W&#228;re ein Anreizmodell </em><em>f&#252;r mehr Informationsangeboten </em><em>bei privaten Sendern eine Alternative </em><em>zu einem Jugendkanal?</em></p>
<p>Ich bin hier wie auch bei den Kooperationsangeboten grunds&#228;tzlich f&#252;r Vorschl&#228;ge offen. Das duale Rundfunksystem nimmt ja rechtlich auch den Privatrundfunk in vielen Bereichen – wie z.B. beim Jugendmedienschutz oder bei den Informationsangeboten &#8211; ausdr&#252;cklich in die Pflicht, von daher freut es mich, wenn der private Rundfunk selbst solche Vorschl&#228;ge in die Diskussion einbringt.</p>
<p>Dieses Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe des medienpolitischen Magazin &#8220;<em><a href="http://www.promedia-berlin.de/">promedia</a></em>&#8220;. Die Zeitschrift kann hier <a href="http://www.promedia-berlin.de/">abonniert</a> werden.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.57.43.png"><img class="aligncenter size-thumbnail wp-image-39521" title="Bildschirmfoto 2011-03-31 um 01.57.43" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Bildschirmfoto-2011-03-31-um-01.57.43-85x120.png" alt="" width="85" height="120" /></a></p>
<p>Ebenfalls zu dem Thema auf <em>Carta</em>: <a href="http://carta.info/39189/leistungsschutzrecht-publizistische-vielfaltsfoerderung-geht-anders/">Tabea R&#246;ssner: Leistungsschutzrecht:</a> <a href="http://carta.info/39189/leistungsschutzrecht-publizistische-vielfaltsfoerderung-geht-anders/">Publizistische Vielfaltsf&#246;rderung geht anders</a>
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			</a>
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<p><small>
<a href="http://carta.info/39519/cem-ozdemir-warum-wir-einen-offentlich-rechtlichen-jugendsender-brauchen/">Cem &#214;zdemir: Warum wir einen &#246;ffentlich-rechtlichen Jugendsender brauchen.</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/39519/cem-ozdemir-warum-wir-einen-offentlich-rechtlichen-jugendsender-brauchen/#comments">25 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39519&amp;md5=f735a1d3d8f6c5859d66efe25a258e37" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>GEZ f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 23:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kai-Hinrich Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Konvergenzmedium Internet gibt es keinen Rundfunk und keinen vern&#252;nftigen Grund mehr, warum nur die Informationsangebote von ARD und ZDF unterst&#252;tzt werden sollten. Pl&#228;doyer f&#252;r eine Neuverteilung der Rundfunkabgabe.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die staatliche Filmf&#246;rderung ist etabliert und erfolgreich. Eine generelle F&#246;rderung f&#252;r Medien gibt es aber nicht. Die mediale Grundversorgung sichert der Staat stattdessen mithilfe der Rundfunkgeb&#252;hren, die ausschlie&#223;lich an die &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten gehen.</p>
<p>In Zeiten, da ARD und ZDF ihr Angebot ins Internet ausweiten und Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen die Anzeigenm&#228;rkte wegbrechen, muss die Frage erlaubt sein, ob die Geb&#252;hren nicht breiter verteilt werden sollten.</p>
<p>Zwar sind praktisch auch alle Print-Medien im Internet vertreten.Doch die allerwenigsten dieser Online-Angebote sind profitabel. Das liegt daran, dass die Verlage es vers&#228;umt haben, f&#252;r ihre Internetauftritte Geld zu verlangen. Nun, nach mehr als 16 Jahren – <em>Spiegel Online </em>ging im Oktober 1994 als erstes deutsches journalistisches Angebot ins Netz –, sind die meisten User nicht bereit, f&#252;r Online-Informationen zu zahlen.</p>
<p>Hinzu kommt, dass die Internetwerbeerl&#246;se weit unter denen der gedruckten Ausgaben liegen. Da im Netz prinzipiell auf jeder Website geworben werden kann, ist die Konkurrenz unter den Anbietern von Werbefl&#228;chen um ein Vielfaches gr&#246;sser als in der Offline-Welt.</p>
<p>Angesichts dieser f&#252;r etablierte Medienunternehmen<strong> h&#246;chst unerfreulichen Situation</strong> stellt sich die Frage, wie Journalismus k&#252;nftig finanziert werden soll.</p>
<p>Schenkt man Autoren wie dem amerikanischen Journalistikprofessor Jeff Jarvis Glauben, l&#228;sst sich dieses Problem relativ einfach l&#246;sen: Er empfiehlt Journalisten, sich selbst&#228;ndig zu machen und k&#252;nftig auf einem eigenen, aus Werbeerl&#246;sen finanzierten Online-Portal zu publizieren. Dabei k&#246;nnen Journalisten, die sich bereits einen Namen gemacht haben, mit <strong>meinungsstarken, werbefinanzierten Blogs</strong> durchaus re&#252;ssieren.</p>
<p>Kompliziert wird es, wenn die unabh&#228;ngigen Sites aufw&#228;ndigere Recherchen in Angriff nehmen. Daf&#252;r reichen selbst die Werbeerl&#246;se der vergleichsweise grossen <em>Huffington </em><em>Post </em>nicht aus. Eine Stiftungskultur wie in den USA gibt es in Deutschland aber nicht. Die Frage, wie wir den Journalismus, den wir bisher gewohnt sind, in Zukunft finanzieren wollen, k&#246;nnen Autoren wie Jarvis nicht befriedigend beantworten.</p>
<p>Ob die von einigen Verlagen nun wieder ins Gespr&#228;ch gebrachten <strong>Bezahlinhalte</strong> eine L&#246;sung sind, ist fraglich. Wegen der mangelnden Zahlungsbereitschaft der User liegt die Vermutung nahe, dass sich journalistische Angebote so allenfalls anteilig finanzieren lassen.</p>
<p>Darauf zu hoffen, dass die Verleger bereit sind, ihre publizistischen Aktivit&#228;ten bis in alle Ewigkeit durch Angebote wie etwa Vermarktungsportale <strong>querzusubventionieren</strong>, die mit Journalismus nichts zu tun haben, w&#228;re verwegen. Was, wenn die nachr&#252;ckende Generation eines Verlags in Familienbesitz partout keine Lust hat,die sch&#246;nen Marketingerlo&#246;se in unrentable journalistische Projekte zu stecken?</p>
<div id="attachment_39509" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/gez2.jpg"><img class="size-medium wp-image-39509" title="gez2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/gez2-300x197.jpg" alt="" width="300" height="197" /></a><p class="wp-caption-text">GEZ f&#252;r alle: Wenn also nur noch das Netz der Netzeexistiert, gibt es auch keinen Rundfunk mehr.</p></div>
<p>Bleibt nur noch, <strong>journalistische Inhalte &#252;ber eine Geb&#252;hr zu finanzieren</strong>, der sich eine bestimmte Gruppe oder aber die Gesamtheit der Nutzer nicht entziehen kann. Auf eine solche Geb&#252;hr w&#252;rde letztendlich das von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen f&#252;r ihre Branche geforderte <strong>Leistungsschutzrecht</strong> hinauslaufen.</p>
<p>Das Leistungsschutzrecht, das den Verlagen vorschwebt, w&#252;rde vor allem zwei Gruppen treffen: zum einen Gewerbetreibende und zum anderen Betreiber von Online-Portalen, die auch nur auszugsweise Inhalte von Print-H&#228;usern auf ihre Sites stellen. Konkret soll der Gesetzgeber es Verlagen erlauben, generell alle Gewerbetreibenden – im Gegensatz zu Privatpersonen – f&#252;r die Nutzung ihrer Inhalte zur Kasse bitten zu d&#252;rfen. Die Regelung, die auch nur eine auszugsweise Online-Wiedergabe von Print-Inhalten verbietet, richtet sich vor allem gegen Angebote wie Google News.</p>
<p>Dennoch d&#252;rfte ein Leistungsschutzrecht den Verlagen in Bezug auf Google News wenig nutzen. Sollte der Internetkonzern f&#252;r diesen Dienst k&#252;nftig Tantiemen an die Verlage abf&#252;hren m&#252;ssen, w&#252;rde er ihn in Deutschland vermutlich schlie&#223;en. Den Print-H&#228;usern w&#228;re damit aber kaum geholfen. Im Gegenteil.</p>
<p>Auch die Bezahlschranke f&#252;r Gewerbetreibende d&#252;rfte sich kaum durchsetzen lassen. Schon jetzt l&#228;uft der einflussreiche Bundesverband der deutschen Industrie Sturm gegen diesen Vorschlag. Obendrein sind nicht wenige Juristen der Meinung, dass er unvereinbar mit dem geltenden Urheberrecht ist. So kann es kaum verwundern,<br />
dass die Bundesregierung das von ihr <strong>offiziell bef&#252;rwortete </strong>Leistungsschutzrecht f&#252;r Verlage nicht gerade als ihr wichtigstes Projekt ansieht.</p>
<div id="attachment_39507" class="wp-caption alignleft" style="width: 209px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/digibest.jpg"><img class="size-medium wp-image-39507" title="digibest" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/digibest-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Digital ist besser: &quot;Zukunft gestaltet, wer bereit ist auf Kontrolle und Deutungshoheit zu verzichten.&quot;</p></div>
<p>Eine Alternative zum Leistungsschutzrecht w&#228;re die Einf&#252;hrung einer <strong>Flatrate</strong>, sei es als Kultur-Flatrate oder als fakultative Flatrate mit Kontrahierungszwang, unter die dann auch journalistische Angebote fielen. Problematisch<br />
daran ist, dass es gegen eine weitere Medienabgabe erhebliche Vorbehalte in der Bev&#246;lkerung gibt.</p>
<p>Diese Vorbehalte sind nicht unberechtigt. Schon jetzt zahlt jeder deutsche Haushalt 215,76 Euro Rundfunkgeb&#252;hren pro Jahr. So kommen jedes Jahr 7,6 Milliarden Euro zusammen. Das ist nicht eben wenig. Was spr&#228;che eigentlich dagegen, einen Teil dieser Summe journalistischen Angeboten zukommen zu lassen, die nicht von ARD, ZDF oder Deutschlandradio verantwortet werden?</p>
<p>Eine  Neuregelung der Verteilung der Rundfunkgeb&#252;hren ist langfristig unvermeidlich. Beim Internet handelt es sich um ein Konvergenzmedium, in dem alle bisherigen Medien, ob Radio, Fernsehen, Zeitung oder Zeitschrift, aufgehen. <strong>Wenn also nur noch das Netz der Netze</strong> <strong>existiert, gibt es auch keinen Rundfunk mehr</strong>.</p>
<p>Auf den Rundfunk erstreckt sich aber im Wesentlichen der &#246;ffentlich-rechtliche Programmauftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Zwar erlaubt der Gesetzgeber ausdr&#252;cklich &#246;ffentlich-rechtliche Online-Portale.</p>
<p>Allerdings m&#252;ssen die Internetangebote der Anstalten einen »Sendungsbezug« haben, wie es im Gesetz hei&#223;t. Was aber, wenn es diesen »Sendungsbezug« in Ermangelung von Rundfunksendungen gar nicht mehr gibt? D&#252;rfen die &#246;ffentlich-rechtlichen Sender im Internet dann so weitermachen wie bisher? Diese Frage muss irgendwann gekl&#228;rt werden.</p>
<p>Urspr&#252;nglich verdankt der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk seine Existenz dem Mangel an Sendefrequenzen. Um zu verhindern, dass dieses rare Gut in falsche H&#228;nde kommt, vertraute man das Radio und sp&#228;ter auch das Fernsehen Anstalten an, die von gesellschaftlich relevanten Gruppen beaufsichtigt wurden. Als dank der Verkabelung die Zahl der Frequenzen stieg und Privatsender zugelassen wurden, sollten die &#214;ffentlich-Rechtlichen die Grundversorgung<br />
der Bev&#246;lkerung mit relevanten Inhalten gew&#228;hrleisten.</p>
<p><strong>Im Internet ist der Begriff der Grundversorgung allerdings</strong> <strong>denkbar deplatziert</strong>. Relevante und irrelevante Inhalte jeglicher Provenienz findet man dort in H&#252;lle und F&#252;lle. Sollte aber nicht irgendwann ein funktionierendes Finanzierungsmodell f&#252;r rechercheintensiven Journalismus gefunden werden, k&#246;nnte ausgerechnet<br />
er zur Mangelware werden. Dies w&#228;re f&#252;r unser demokratisches Gemeinwesen fatal.</p>
<p>Es gibt keinen vern&#252;nftigen Grund, warum mit &#246;ffentlichen Mitteln nur Informationssendungen &#246;ffentlich-rechtlicher Sender unterst&#252;tzt werden sollten. Nicht von ungef&#228;hr ist die Pressefreiheit ein Grundrecht, das in Artikel f&#252;nf des Grundgesetzes garantiert wird. Bekanntlich werden mit Steuergeldern auch Privattheater und Filmproduktionen privater Produktionsgesellschaften gef&#246;rdert, und das, obwohl es ein der Pressefreiheit vergleichbares Grundrecht f&#252;r Theater und Film in unserer Verfassung nicht gibt.</p>
<div id="attachment_39511" class="wp-caption alignleft" style="width: 309px"><a href="http://de.amiando.com/digitalistbesser.html"><img class="size-full wp-image-39511" title="campus2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/campus3.png" alt="" width="299" height="251" /></a><p class="wp-caption-text">Lesung am 6. April um 19.30h in Berlin: 15 Carta-Leser k&#246;nnen sich mit Code &quot;Carta 11&quot; bei Amiando anmelden. Auf Banner klicken...</p></div>
<p>Sollten eines Tages tats&#228;chlich auch andere Journalismusangebote als die der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender in den Genuss von Rundfunkgeb&#252;hren kommen, m&#252;ssten f&#252;r die Vergabe der Mittel komplett neue, <strong>politikferne Gremien</strong> geschaffen werden. Die bestehenden Rundfunk- und Verwaltungsr&#228;te der &#246;ffentlich-rechtlichen Sender sind daf&#252;r denkbar ungeeignet.</p>
<p>Zwar sitzen in ihnen nach wie vor Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen. Tats&#228;chlich werden sie aber von den politischen Parteien dominiert. So gibt es in allen Gremien sogenannte rote und schwarze Freundeskreise,<br />
die das Abstimmungsverhalten der Gremienmitglieder organisieren.</p>
<p>So fand die CSU-Mehrheit des Rundfunkrats des Bayerischen Rundfunks nichts dabei, das CSU-Mitglied Ulrich Wilhelm, das bis zuletzt als Regierungssprecher der unionsgef&#252;hrten Bundesregierung diente, zum neuen Intendanten ihrer Anstalt zu machen. Mit der vom Gesetzgeber geforderten Politikferne von ARD und ZDF ist all dies nur schwer in &#220;bereinstimmung zu bringen.</p>
<p>Derlei Praktiken haben nicht nur das Image der &#214;ffentlich-Rechtlichen besch&#228;digt. Sie sind einer freien und unabh&#228;ngigen Presse auch in keinster Weise zuzumuten. Folglich muss die Politik sich aus den Gremien vollst&#228;ndig zur&#252;ckziehen und unabh&#228;ngigen Medienexperten Platz machen.</p>
<p>Damit allein ist es nicht getan. Wenn an den Rundfunkgeb&#252;hren k&#252;nftig nicht nur &#246;ffentlich-rechtliche, sondern auch private Journalismusangebote partizipieren sollen, muss irgendwo gek&#252;rzt werden. Bereits 2008 hat die Medienwissenschaftlerin Miriam Meckel gefordert, die &#214;ffentlich-Rechtlichen sollten sich im Kern auf Programme beschr&#228;nken, »die der Markt selbst nicht oder <strong>nicht in ausreichender Anzahl</strong> hervorbringt«. Dazu z&#228;hlt sie »hochwertige Nachrichten- und Kulturprogramme, Dokumentationen und Spielfilme«. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund, warum auch k&#252;nftig noch teure Sportrechte und Unterhaltungssendungen durch Rundfunkgeb&#252;hren finanziert werden sollten.</p>
<p>Eine Neudefinition des Programmauftrags der &#214;ffentlich-Rechtlichen k&#246;nnte die Politik jederzeit beschlie&#223;en. Das Problem ist nur, dass sie daran keinerlei Interesse hat. Das Verh&#228;ltnis zwischen Politikern und Senderhierarchen hat <strong>symbiotischen Charakter</strong>: Die Politik l&#228;sst den Sendern freie Hand, wenn es darum geht, das Programmangebot<br />
auszuweiten. Im Gegenzug achten die von den Parteien dominierten Gremien peinlich darauf, dass bei der Besetzung<br />
von Spitzenpositionen in den Anstalten die politische Farbenlehre eingehalten wird.</p>
<p>Geb&#252;hren f&#252;r rechercheintensiven Journalismus d&#252;rfen aber kein Instrument sein, um jeden notleidenden Verlag<br />
oder Privatsender &#252;ber Wasser zu halten. Eine Geb&#252;hrenfinanzierung journalistischer Angebote jenseits von ARD, ZDF und Deutschlandradio darf einzig dazu dienen, ein Mindestma&#223; an Pluralismus zu gew&#228;hrleisten – und zwar f&#252;r alle Bev&#246;lkerungsschichten.</p>
<p>Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich eines Tages nur noch die Medienkonsumenten umfassend informieren k&#246;nnen, die bereit und in der Lage sind, f&#252;r einen anzeigenfreien <em>Spiegel</em> zehn Euro oder gar mehr pro Ausgabe zu zahlen.</p>
<p><em>Der Text &#8220;GEZ f&#252;r alle&#8221; ist eine gek&#252;rzte und leicht editierte Fassung des entsprechenden Kapitels aus dem Buch &#8220;Digital ist besser&#8221; von Kai-Hinrich und Tim Renner. Online-Ver&#246;ffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Autoren und Verlag.</em></p>
<p><em><strong>Kai-Hinrich Renner, Tim Renner: Digital ist besser. 246 Seiten, Campus Verlag. <a href="http://www.campus.de/sachbuch/wirtschaft/DIGITAL+IST+BESSER.96978.html">Verlagswebsite</a>. <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3593392089/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&amp;tag=carta-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3593392089">Bei Amazon kaufen</a>.</strong></em></p>
<p><em><strong>Carta pr&#228;sentiert die Buchvorstellung von &#8220;Digital ist besser&#8221; am 6. April in Berlin &#8211; 15 Carta-Leser_innen k&#246;nnen sich <a href="http://de.amiando.com/digitalistbesser.html">hier</a> mit dem Code &#8220;Carta11&#8243; anmelden.</strong></em>
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		<title>&#8220;Das ZDF w&#228;re gut beraten, auf die Champions League zu verzichten&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 13:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolf-Dieter Ring</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die &#220;bertragung der Champions League hat mit Grundversorgung wenig zu tun, meint Wolf-Dieter Ring, Chef der Bayrischen Landesmedienanstalt. Er legt dem das ZDF nahe, auf den Kauf der Champions League-Rechte zu verzichten. Es drohe ein &#246;ffentlich-rechtliches "Monopol" auf die Ausstrahlung quotentr&#228;chtiger Sportarten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland nicht zu ersetzen ist, belegt derzeit eindringlich die ebenso vielf&#228;ltige wie kompetente Berichterstattung sowohl zur Katastrophe in Japan als auch zum gerade begonnenen Krieg in Libyen. Weder die Qualit&#228;tspresse hierzulande noch das Internet k&#246;nnen die gesellschaftlich wichtige Berichterstattung von ARD und ZDF in diesen und &#228;hnlichen F&#228;llen ersetzen.</p>
<div id="attachment_39375" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/ring_wolf_dieter_gross.jpg"><img class="size-medium wp-image-39375" title="ring_wolf_dieter_gross" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/ring_wolf_dieter_gross-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Medienw&#228;chter Ring: &quot;Dass es h&#228;ufig mehr um Quote als um Grundversorgung geht, erleben wir in der derzeitigen Diskussion um den beabsichtigten Kauf der Champions League-Senderechte.&quot;</p></div>
<p>Schon gar nicht w&#228;re der private Rundfunk dazu in der Lage, &#252;ber dessen gesellschaftlichen Auftrag erst in der vergangenen Woche auf einer Tagung der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten intensiv diskutiert wurde. Was der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk im Angesicht der aktuellen Krisen leistet, ist Grundversorgung im besten Sinne.</p>
<p>M&#246;glich ist das nur, weil ARD und ZDF j&#228;hrlich &#252;ber acht Mrd. Euro Geb&#252;hrengelder erhalten. Das ist in diesem Zusammenhang nicht zu kritisieren, denn es besteht in der Gesellschaft eine hohe Nachfrage an seri&#246;ser Berichterstattung. Hier sind die Geb&#252;hren sinnvoll investiert. Hier wird f&#252;r jeden Zuschauer sichtbar, warum wir einen &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk brauchen.</p>
<p>Dass das nicht immer so ist, dass es h&#228;ufig mehr um Quote als um Grundversorgung geht, erleben wir in der derzeitigen Diskussion um den beabsichtigten Kauf der Senderechte an der Champions League durch das ZDF. Die UEFA ver&#228;u&#223;ert &#252;ber die Schweizer Sport¬rechteagentur T.E.A.M. die deutschen Fernsehrechte f&#252;r die Champions League zwischen 2012 und 2015.</p>
<p>Heute (22.03.2011) l&#228;uft die Angebotsfrist ab. Experten rechnen dabei mit j&#228;hrlichen Kosten zwischen 45 und 50 Mio. Euro. Nach aktuellem Stand haben das ZDF und Sat.1 Gebote abgegeben. Noch wird die Champions League im Free-TV von Sat.1 &#252;bertragen. Der geplante Kauf der Senderechte an der Champions League durch das ZDF wirft sowohl eine Reihe grunds&#228;tzlicher Fragen im Zusammenhang mit unserer dualen Medienordnung auf als auch spezifische rechtliche Fragen.</p>
<p>Bereits jetzt liegen fast alle Fu&#223;ballrechte im Free-TV beim &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk: Die ARD besitzt die Erstrechte an der Bundesliga, ARD und ZDF halten gemeinsam die Rechte am DFB-Pokal, den Spielen der Nationalmannschaft sowie an Europa- und Weltmeisterschaften. Einzig die Champions League und die Europa League werden von Sat.1 und damit von einem Privatsender &#252;bertragen.</p>
<p>Was f&#252;r den Fu&#223;ball gilt, trifft auf ann&#228;hernd alle quotentr&#228;chtigen Sportarten zu: Bis auf die Free TV-Rechte an der Formel 1 liegen die &#220;bertragungsrechte beim &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dabei sind Finanzgebaren und Argumentation der &#246;ffentlich-rechtlichen Anstalten &#228;u&#223;erst widerspr&#252;chlich: Die ARD hat beispielsweise kein Problem, f&#252;r die Rechte an Boxveranstaltungen des Sauerland-Boxstalles zwischen 2013 und 2015 54 Mio. Euro auszugeben. Gleichzeitig sehen sich ARD und ZDF aber nicht in der Lage, f&#252;r die Leichtathletik-Weltmeisterschaften in S&#252;dkorea (2011) und Russland (2013) zw&#246;lf Mio. Euro zu bezahlen, mit dem Argument, Geb&#252;hrengelder seien nicht dazu da, Sportrechteagenturen die Kassen zu f&#252;llen. Au&#223;erdem sei man aufgefordert, generell im Sportsegment zu sparen.</p>
<p>Interessant wird diese Argumentation, wenn man auf die Rechte an der Champions League zur&#252;ckkommt: Die Fernsehrechte sind n&#228;mlich an die Ausstrahlung von Hinweisen auf die Hauptsponsoren der Champions League gebunden. Derzeit sind dies vor allem Mastercard, Unicredit und Ford. Bez&#252;glich ihrer Ausstrahlung gibt es von der UEFA genaue Vorgaben.</p>
<div id="attachment_39379" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_zdf.jpg"><img class="size-medium wp-image-39379" title="aufmacher_zdf" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_zdf-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">ZDF: 10 bis 15 Mio. Euro mehr, um sich von den Sponsorhinweisen freizukaufen?</p></div>
<p>Das Problem f&#252;r das ZDF ist nun, dass der ab 2013 g&#252;ltige 15. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag die Sponsorm&#246;glichkeiten f&#252;r den &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk stark beschr&#228;nkt. In § 16 Abs. 6 hei&#223;t es dazu „Sponsoring findet nach 20:00 Uhr (…) nicht statt; dies gilt nicht f&#252;r das Sponsoring der &#220;bertragung von Gro&#223;ereignissen nach § 4 Abs. 2“. Darin werden aber lediglich „Endspiele (…) bei deutscher Beteiligung“ genannt.</p>
<p>Qualifikationsspiele, Gruppenspiele und Endspiele ohne deutsche Beteiligung fallen also nicht darunter. Verbaut ist dem ZDF auch das Schlupfloch, dass es sich beim besagten Sponsoring um ein Ereignissponsoring handelt, das vom Sponsorverbot ausgenommen ist. Denn hier geht es eindeutig um ein Sponsoring der Sendung, durch das die Rechte preisg&#252;nstiger werden. Auch eine m&#246;gliche Argumentation, dass die Sponsorhinweise so mit dem Sendesignal verbunden w&#228;ren, dass sie nicht entfernt werden k&#246;nnten, greift nicht, da die Hinweise vom Lizenznehmer selbst eingef&#252;gt werden.</p>
<p>Angesichts dieser rechtlich sehr eindeutigen Bewertung scheint man beim ZDF dar&#252;ber nachzudenken, sich von der Verpflichtung zur Sendung der Sponsorhinweise freizukaufen. Allerdings sind auch hier die Aussichten &#228;u&#223;erst fragw&#252;rdig. So verlangt der Rundfunkstaatsvertrag in § 8 Abs. 1 ausdr&#252;cklich, dass Sponsorhinweise verpflichtend ausgestrahlt werden m&#252;ssen.</p>
<p>Die Zuschauer sollen so dar&#252;ber informiert werden, dass Dritte an der Finanzierung einer Sendung beteiligt waren. Mindestens ebenso schwer wiegt das Argument, dass ein in diesem Fall deutlich h&#246;herer Preis – Experten sprechen von 10 bis 15 Mio. Euro pro Jahr – dem zwingenden Gebot von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks grob zuwiderl&#228;uft.</p>
<p>Ein privater Anbieter, der keinerlei Problem hat, die Sponsorhinweise zu &#252;bertragen, kann die gleiche Leistung zu einem deutlich g&#252;nstigeren Preis erbringen. Ganz abgesehen davon, dass die Sponsoren ein berechtigtes Interesse daran haben werden, auch in den &#220;bertragungen im deutschen Free-TV zu erscheinen.</p>
<p>Die &#220;bertragung der Champions League hat mit Grundversorgung ebenso wenig zu tun wie die &#220;bertragung von Boxen. Und es ist wohl kaum im Sinne des dualen Mediensystems, wenn der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk auf ein Monopol bei der Ausstrahlung quotentr&#228;chtiger Sportarten zusteuert und dabei Randsportarten immer mehr in seiner Berichterstattung ignoriert. So gesehen w&#228;re das ZDF auch jenseits der rechtlichen Problematik gut beraten, auf den Kauf der Senderechte f&#252;r die Champions League zu verzichten und stattdessen wieder Sportarten zu &#252;bertragen, die auf eine Berichterstattung im &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk angewiesen sind.</p>
<p><em>Der Autor Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring ist Pr&#228;sident der Bayerischen Landeszentrale f&#252;r neue Medien und sachverst&#228;ndiges Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages &#8220;Internet und digitale Gesellschaft&#8221;. </em>
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		<title>Leistungsschutzrecht: Publizistische Vielfaltsf&#246;rderung geht anders</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Mar 2011 13:33:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tabea Roeßner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Qualitätsjournalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Leistungsschutzrecht gef&#228;hrdet die publizistische Vielfalt. Eine differenzierte Analyse der Krise des Journalismus zeigt, dass wir andere medienpolitische Instrumente brauchen. Ein Pl&#228;doyer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Ruf der Verleger nach einem Leistungsschutzrecht war laut. Wie erfolgreich er war, werden wir  im Gesetzesentwurf zum dritten Korb in den n&#228;chsten Wochen zu sehen bekommen.</p>
<p><strong>Ich behaupte: ein Leistungsschutzrecht w&#228;re medienpolitisch gesehen eine Fehlentscheidung</strong>. Ich pl&#228;diere daher f&#252;r  eine Verschiebung des Fokus auf die tats&#228;chlichen Probleme von Verlegern und JournalistInnen und f&#252;r eine ergebnisoffene Debatte &#252;ber m&#246;gliche wirksamere Ma&#223;nahmen.</p>
<div id="attachment_39205" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Tabea-R&#246;&#223;ner-klein.jpg"><img class="size-full wp-image-39205" title="Tabea R&#246;&#223;ner-klein" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/Tabea-R&#246;&#223;ner-klein.jpg" alt="" width="300" height="191" /></a><p class="wp-caption-text">Medienpolitikerin R&#246;&#223;ner: &quot;in der Summe schwindet die publizistische Vielfalt&quot;</p></div>
<p>Warum? Die Presse hat seit gut zehn Jahren mit massiv sinkenden Abozahlen, Werbeeinbu&#223;en und Auflagenr&#252;ckgang zu k&#228;mpfen. Von 1995 bis 2010 haben die Kaufzeitungen gut ein Drittel ihrer Auflage eingeb&#252;&#223;t und die Abonnementzeitungen ein F&#252;nftel, die Werbeeinnahmen sind ebenfalls um 30 Prozent gesunken.</p>
<p>Die Folge sind Zeitungs- und Redaktionseinstellungen, Lohnkostensenkungen, Entlassungen und vor allem deutlich sp&#252;rbare Reorganisationen in Form von Zusammenlegungen, Kooperationen und Fusionen.  Davon ist die gesamte Branche betroffen, die Verluste sind aber im Lokalen am gr&#246;&#223;ten.</p>
<p>Dort werden Titel eingestellt, erfolgreiche Alternativangebote wie beispielsweise der <em><a href="http://heddesheimblog.de/">Heddesheimblog</a></em> bleiben die Ausnahme. Viele – vor allem kleine Verlage, f&#252;rchten um ihre Existenz, Journalistinnen und Journalisten um ihr Auskommen. Einstellungen und Zusammenlegungen m&#246;gen im Einzelfall marginal und wenig sp&#252;rbar sein, <strong>in der Summe jedoch schwindet die publizistische Vielfalt</strong>.</p>
<p>Ich stelle mir die Frage, wie wir damit medienpolitisch und gesellschaftlich umgehen wollen. Die Vielfalt unserer Medienlandschaft – und dazu z&#228;hlten bislang vielf&#228;ltige Presseangebote &#8211; war immer ein Gut, dessen wir uns in Deutschland ger&#252;hmt haben.</p>
<p>Ich will nicht leugnen, dass es im Netz eine schier un&#252;berschaubare Vielfalt an Angeboten gibt. Die Frage ist allerdings: Ersetzen diese die bisherigen Angebote? Und vor allem: Rechnen sie sich? K&#246;nnen Journalistinnen und Journalisten davon leben?</p>
<p><strong>Bislang ist mir kaum ein Online-Journalismus-Gesch&#228;ftsmodell bekannt, dass schwarze Zahlen schreibt. </strong>Ein Leistungsschutzrecht als Antwort und M&#246;glichkeit, Online-Gesch&#228;ftsmodelle gegenzufinanzieren, &#252;berzeugt mich nicht.</p>
<p>Ich denke nicht, dass wir uns mit einer solchen Ma&#223;nahme dem ann&#228;hern, was medienpolitisch unser eigentliches Ziel sein sollte und muss: n&#228;mlich dem Erhalt und der F&#246;rderung publizistischer Vielfalt.</p>
<p>Im Gegenteil: Es ist zu bef&#252;rchten, dass ein Leistungsschutzrecht in der Hauptsache nur den gro&#223;en Verlagen zugute k&#228;me und die Konzentrationstendenzen damit eher noch bef&#246;rdert w&#252;rde. Abgesehen von den Unklarheiten (sind schon „Snippets“ gesch&#252;tzt und wie soll das gehen?) und m&#246;glichen Kollateralsch&#228;den im digitalen Raum (u. a. tausendfache Verfolgung unerlaubter Nutzung), ist auch die Frage offen, ob bzw. wie viel bei Journalistinnen und Journalisten von den geplanten Lizenz-Einnahmen ank&#228;me.</p>
<div id="attachment_39204" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_leistungsschutzrecht2.jpg"><img class="size-medium wp-image-39204" title="aufmacher_leistungsschutzrecht2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/aufmacher_leistungsschutzrecht2-300x196.jpg" alt="" width="300" height="196" /></a><p class="wp-caption-text">&quot;Ich behaupte: ein Leistungsschutzrecht w&#228;re medienpolitisch gesehen eine Fehlentscheidung. &quot;</p></div>
<p><strong>Meiner Meinung nach verschleiert das Leistungsschutzrecht die eigentlichen Probleme nur</strong> und lenkt von einer differenzierten Auseinandersetzung und manch unangenehmer Frage ab. Ziehen wir diesen Schleier beiseite, m&#252;ssen wir zun&#228;chst die Frage beantworten: Wie viel publizistische Vielfalt wollen wir? Und die unangenehme Frage stellen: Garantiert uns diese weiterhin alleine der Markt?</p>
<p>Wenn wir der Meinung sind: ja, dann ist die Diskussion an dieser Stelle beendet. Dann darf aber auch nicht nach einem Leistungsschutzrecht gerufen werden. Wenn wir die Frage mit einem: „vielleicht doch nicht“ beantworten, gilt es zun&#228;chst den aufsteigenden Flucht-Reflex vor einem Eingriff in die wirtschaftliche Unabh&#228;ngigkeit der Presse und dem Ekel vor dem Geruch nach Subvention zu unterdr&#252;cken.</p>
<p>Bislang wurde noch jeder Vorschlag, der von wissenschaftlicher wie politischer Seite auf dem Tisch lag, als Eingriff in die Unabh&#228;ngigkeit der Presse und regulatorische Keule vehement abgelehnt. Hilfe durch Staat oder Politik? Nein danke. Subventionen und alles, was dem nahe kommt: ohnehin unerw&#252;nscht. Andere EU-L&#228;nder wie die Niederlande, Frankreich oder auch &#214;sterreich gehen anders damit um.</p>
<p>Anstatt nun aber nach einem Leistungsschutzrecht zu rufen, halte ich es f&#252;r ehrlicher und sinnvoller, noch einmal &#246;ffentlich den Diskurs zu beginnen, welche Alternativen es gibt, die Vielfalt publizistischer  Angebote in Presse off- wie online zu st&#228;rken. Dabei m&#252;ssen jene Ma&#223;nahmen  hinten angestellt werden, die eine F&#246;rderung nach dem Gie&#223;kannenprinzip bedeuten w&#252;rden.</p>
<p>Damit fallen einige der uns aus den europ&#228;ischen Nachbarl&#228;ndern bekannten Instrumente weg. Offen zu diskutieren w&#228;re aber zum Beispiel, ob</p>
<ul>
<li><strong>Stiftungen</strong>, die zum Teil &#252;ber &#246;ffentliche Gelder oder Spenden finanziert w&#252;rden und einzelne journalistische Projekte f&#246;rdern (so sie der Vielfalt zugute kommen) eine L&#246;sung sein k&#246;nnten;</li>
<li>eine staatlich unabh&#228;ngige Stelle geschaffen werden sollte (im Medienbereich bekannte Modelle sind KEK, KEF und FFA), die <strong>Gelder f&#252;r Online-Gesch&#228;ftsideen</strong> vergibt, einzelne journalistische Projekte f&#246;rdert oder notleidenden Verlagen mit Krediten aushilft;</li>
<li>Verlage bei der Aus- und Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten unterst&#252;tzt werden sollen;</li>
<li>es noch andere M&#246;glichkeiten gibt, die publizistische Vielfalt zu st&#228;rken und zu erhalten und die Finanzierbarkeit von Journalismus auch im Online-Zeitalter zu gew&#228;hrleisten.</li>
</ul>
<p>Ich habe mir vorgenommen, verschiedene Ma&#223;nahmen zu pr&#252;fen und mit den Betroffenen offen zu diskutieren. M&#246;glicherweise kommt man am Ende dieses Diskurses zu dem Ergebnis, dass die regulativen Keulen zu gro&#223; w&#228;ren und der freie Markt immer noch die bessere Alternative ist. Dann haben wir uns zumindest umfassend damit auseinandergesetzt.</p>
<p><strong>Aber einfach nur blind einem Leistungsschutzrecht hinterherzulaufen, das Konzentrationstendenzen eher beschleunigt, halte ich f&#252;r falsch</strong>. Ich freue mich auf eine anregende und ergebnisoffene Debatte!</p>
<p><em>Tabea R&#246;&#223;ner ist medienpolitische Sprecherin von B&#220;NDNIS 90/DIE GR&#220;NEN im Bundestag. Sie ist au&#223;erdem Mitglied im Ausschuss f&#252;r Kultur &amp; Medien, der Enquete-Kommission „Internet &amp; digitale Gesellschaft“ sowie Obfrau im Unterausschuss „Neue Medien“ des Deutschen Bundestages. Bis 2009 arbeitete sie als freie Journalistin und Autorin, zuletzt als Schluss &#8211; &amp; Planungsredakteurin (CvD) beim ZDF.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39189&amp;md5=f56dea3cefc9e0b91bfcc44b64548b2a" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>CDU-Mediensprecher: Keine Eile beim Jugendmedienschutz-Staatsvertrag</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Mar 2011 21:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Helmut Hartung</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Christian von Boetticher]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendmedienschutz]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian von Boetticher, der neue medienpolitische Sprecher der CDU, &#252;ber "unn&#246;tiges Tempo" beim Jugendmedienschutz, Sparpotenziale bei &#246;ffentlich-rechtlichen Quizshows und die Lenkungswirkung von Facebook.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Helmut Hartung hat mit dem neuen medienpolitischen Kopf der CDU gesprochen: Dr. Christian von Boetticher (<a href="http://www.abgeordnete.sh/boetticher/data/startseite/startseite.php">HP</a>, <a href="http://www.facebook.com/pages/Christian-von-Boetticher/133935429819">FB</a>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Christian_von_Boetticher">WP</a>), der Nachfolger von Andreas Krautscheid als medienpolitischer Sprecher seiner Partei. Einige seiner zentralen Aussagen:</p>
<ul>
<li>Beim Anlauf f&#252;r einen neuen Jugendmedienschutz-Staatvertrag solle man &#8220;nicht unn&#246;tig Tempo&#8221; machen. Es sei eine &#8220;Illusion&#8221; zu glauben, man k&#246;nne die herk&#246;mmlichen Mittel des Jugendschutzes auf das Internet anwenden.</li>
<li>Die &#246;ffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten w&#252;rden sich zu stark am &#8220;Quotenwettbewerb&#8221; beteiligen. Dort, wo sie private Formate nachahmen, k&#246;nne in Zukunft gespart werden. Bei &#246;ffentlich-rechtlichen Online-Angeboten solle verst&#228;rkt auf den Sendungsbezug geachtet werden.</li>
<li>Google und Facebook k&#246;nnten beim zuk&#252;nftigen Medienkonzentrationsrecht ber&#252;cksichtigt werden.</li>
</ul>
<p>Das Interview:</p>
<p><em>Wo sehen Sie in den n&#228;chsten Monaten die Schwerpunkte einer CDU-Medienpolitik?</em></p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img style="margin: 1px;" title="Boetticher" src="http://www.abgeordnete.sh/boetticher/images/startseite/boetticher.jpg" alt="" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">von Boetticher: &quot;Die &#220;bertragung der herk&#246;mmlichen Mittel des Jugendschutzes auf das Internet ist eine Illusion&quot;</p></div>
<p>Christian von Boetticher: Wir sind derzeit in der Beratung um den 15. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag f&#252;r die Geb&#252;hrenfinanzierung des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dass das kein Selbstg&#228;nger ist, hat der 14. Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrag zum Jugendmedienschutz gerade gezeigt.</p>
<p>Wir bereiten uns derzeit zudem neu auf eine Debatte zum Thema Medienkonzentrationsrecht vor. Hier m&#252;ssen wir mehr auf Anreize setzen, als das in der Vergangenheit geschehen ist. Es ging bisher eher um Verbotswirkung und um Regelungen, aber wenig um Anreize.</p>
<p>Und es wird um Medienkompetenz gehen. Das ist auch eine Antwort auf den gescheiterten Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.</p>
<p>Wir k&#246;nnen im World Wide Web nicht alles gesetzlich regeln. Hier lassen sich Gefahren nur auffangen, wenn es eine zus&#228;tzliche Kompetenz f&#252;r junge Menschen gibt, aber auch f&#252;r Eltern, die nicht immer mit der Zeit gehen konnten.</p>
<p><em>Der Chef der Staatskanzlei in Sachsen-Anhalt Rainer Robra glaubt, dass es bis Ende des Jahres einen neuen Jugendmedienschutzstaatsvertrag geben k&#246;nnte. Wird man also 2011 zu einer Einigung kommen?</em></p>
<p><strong>Wir sollten jetzt nicht unn&#246;tig Tempo machen</strong>. Es gibt bei den Landesmedienanstalten eine Arbeitsgruppe, die analysiert, was man im Bereich des Jugendschutzes auf der Basis bestehender, geltender Rechtsgrundlagen aufbauen kann.</p>
<p>Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag hat die Illusion erweckt, man k&#246;nne durch die &#220;bertragung der herk&#246;mmlichen Mittel des Jugendschutzes auf das Internet auch dort einen breit angelegten Schutz gew&#228;hrleisten.</p>
<p>Genau das kann ein deutsches Gesetz im Internet nicht. Darum m&#252;ssen wir abseits eines solchen Staatsvertrags &#252;ber die M&#246;glichkeiten reden, die uns beispielsweise technische L&#246;sungen im Internet oder die St&#228;rkung der Medienkompetenz bringen. Das sind Dinge, auf die wir eher Zugriff und Einflussm&#246;glichkeit haben, als ein Rechtsakt oder Gesetz als Regelungsm&#246;glichkeit heute in einer internationalen Kommunikationswelt hat.</p>
<p><em>Das hei&#223;t, Sie w&#252;rden eine Neuauflage des Vertrages zwar nicht ausschlie&#223;en, aber er m&#252;sste mit zus&#228;tzlichen Vereinbarungen komplettiert werden?</em></p>
<p><em> </em>Es m&#252;sste von Anfang an klar sein, dass es f&#252;r einen effizienten Jugendschutz in der digitalen Welt mehr bedarf als eines Jugendmedienschutz-Staatsvertrages. Wir brauchen begleitende Rahmenkomponenten, von technischen M&#246;glichkeiten bis hin zur St&#228;rkung der Medienkompetenz der Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler.</p>
<p><em>Das neue Modell zur Rundfunkfinanzierung soll ab 2013 in Kraft treten. Welche Bedeutung hat der Vertrag insgesamt f&#252;r die duale Rundfunkordnung?</em></p>
<p><em> </em>Er hat zwei Hauptzielrichtungen: Es soll zum einen ein neues System geschaffen werden. Uns lag viel daran, dass die GEZ-Schn&#252;ffeleien in Privathaushalten aufh&#246;ren. Daher die Umsteuerung auf eine Haushaltsabgabe.</p>
<p>Zum anderen soll er nat&#252;rlich einen bestimmten Geb&#252;hrenbedarf des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks absichern. Dabei sehen wir aber mit der Abgabe auf KFZ weiterhin ein Problem. Mit einer Abgabe im gewerblichen Bereich auf KFZ &#246;ffnen wir genau wieder einer Einzelfallbewertung T&#252;r und Tor und damit auch einer <strong>neuen T&#228;tigkeit f&#252;r die GEZ</strong>. Genau das sollte aber nicht geschehen. Deswegen stehen wir als CDU-Fraktion in den L&#228;ndern der KFZ-Klausel sehr kritisch gegen&#252;ber.</p>
<p><em>Die Rundfunkabgabe soll bei 17,98 Euro weitgehend stabil bleiben. Wie kann man das erreichen?</em></p>
<p><em> </em>Die Beitragsstabilit&#228;t ist absolute Grundvoraussetzung f&#252;r das neue Modell. Ich kann keinem erkl&#228;ren, dass wir im Augenblick in allen Bereichen des &#246;ffentlichen Rechts und der &#246;ffentlichen Haushalte zu harten Spar- und Sanierungskursen kommen – Schleswig-Holstein kann davon eine eigene Geschichte erz&#228;hlen – und nur der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk w&#228;chst trotz immer mehr weltweiter Angebote an Informationen weiter und f&#252;hrt zu einer h&#246;heren Kostenbelastung.</p>
<p>Das werden die B&#252;rger und B&#252;rgerinnen nicht akzeptieren. Die Beitragsstabilit&#228;t kann man dadurch erreichen, dass sich im Zweifelsfalle, wenn ein neuer Bedarf entsteht, auch der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk &#252;berlegen muss, wo er an einer anderen Stelle sparen kann.</p>
<p><em>Wo k&#246;nnte man Ihrer Meinung nach sparen</em>?</p>
<p>Der Auftrag des &#246;ffentlich- rechtlichen Rundfunks kann es nicht sein, jede Neuerung der Privaten, die Quoten bringt, nachzuvollziehen. <strong>Ich stelle leider fest, dass wir auch im &#214;ffentlich-Rechtlichen inzwischen in einem Quotenwettbewerb </strong>sind. Im Bereich der Quizshows werden beispielsweise bestimmte Elemente nachgeahmt, weil man auch auf Quote schaut.</p>
<p>Das allein ist aber nicht Auftrag des &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern es geht hier um die Frage einer qualitativen Berichterstattung, auch um Sendungen, die nicht in erster Linie Quotenbringer sind, sondern sich auch den Themen widmen, die f&#252;r die Privaten unwirtschaftlich sind. Und bitte nicht erst nach 23.00 Uhr.</p>
<p><em>Wie sehen Sie dabei die Rolle der digitalen Angebote? Das ist ein Dauerstreitthema mit den Zeitungsverlegern.</em></p>
<p>Der digitalen Verbreitung geh&#246;rt die Zukunft. Auch der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk muss die M&#246;glichkeit haben, sich dieses Verbreitungsgebiet zu erschlie&#223;en. Es kommt am Ende auf den Umfang an.</p>
<p>Es spricht nichts dagegen, dass Mediatheken bereits gelaufene Sendungen bereitstellen, die sich station&#228;r oder mobil nochmals abrufen lassen. Es spricht auch nichts dagegen, wenn die Informationen, die gesendet worden sind, beispielsweise in der „Tagesschau“, nochmals im Netz f&#252;r den, der die Sendung verpasst hat, abrufbar sind.</p>
<p>Hier geht der Streitpunkt eher um ein deutlich erweitertes Medienangebot, wo beispielsweise Informationen im Netz zus&#228;tzlich bereitgestellt werden, die der &#246;ffentlich-rechtliche Rundfunk zuvor nicht in seinen Fernsehangeboten verbreitet hat. Das ist der falsche Ansatz. Denn hier entsteht sonst ein Wettbewerb, der eindeutig zu Lasten der privaten Medien geht.</p>
<p><em>Ist es f&#252;r Sie denkbar, dass man einen Teil der Rundfunkgeb&#252;hren f&#252;r die Sicherung von Qualit&#228;tsangeboten bei privaten Medien einsetzen kann?</em></p>
<p>Das Klischee &#214;ffentlich-Rechtliches ist immer qualitativ, Privates ist es nicht, und damit auch der Private qualitativer wird, setzen wir &#246;ffentliche Gelder ein – ist nicht mein Verst&#228;ndnis. Ich kenne im &#246;ffentlich-rechtlichen Bereich Sendungen, die ich eher den Privaten zugeordnet h&#228;tte und andersrum.</p>
<p>Privat ist privat und wir sollten es auch privat sein lassen. Es gibt gen&#252;gend Beispiele f&#252;r qualitative Sendungen auch bei den Privaten. Im &#220;brigen ist darauf zu verweisen, dass sich beispielsweise Phoenix im Angebot der Qualit&#228;tsprodukte extrem gut entwickelt hat. Man sieht Qualit&#228;tsunterschiede, nicht nur zwischen Privaten und &#214;ffentlich-Rechtlichen, sondern auch innerhalb der &#214;ffentlich-Rechtlichen. Dort Verbesserung einzuleiten, wo der Bedarf ist, darauf sollten wir uns als Staat konzentrieren.</p>
<p><em>Einer Ihrer Schwerpunkte ist das Medienkonzentrationsrecht: Welchen Einfluss haben Plattformen wie Google oder Facebook?</em></p>
<p>Die Rolle dieser Plattformen muss auch bei der Debatte um eine Novellierung des Medienkonzentrationsrechts einflie&#223;en. Die Lenkungswirkung ist da, aber man darf sie auch nicht &#252;berbewerten.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann Google steuern, welche Informationen als erstes auftauchen und kann in bestimmte Abl&#228;ufe eingreifen. Dass sie das gezielt einsetzen, beispielsweise um politische Nachrichten nach oben zu bef&#246;rdern oder zu unterdr&#252;cken, ist nicht erkennbar, denn die Parameter, nach denen Nachrichten ausgew&#228;hlt werden, sind &#252;berwiegend objektiv und dienen nicht der politischen Meinungsmache.</p>
<p><strong>Facebook und Twitter bieten heute nat&#252;rlich auch M&#246;glichkeiten zur Lenkung und Steuerun</strong>g. Allerdings kann jeder Nutzer seinen Eigenbeitrag liefern. Ich bin mit einer Komplettaufnahme in das Medienkonzentrationsrecht vorsichtig, aber allein die Unternehmensgr&#246;&#223;e von Google und Facebook zwingt dazu, sie im Medienkonzentrationsrecht st&#228;rker zu beachten. Wir werden in Zukunft noch genauer beobachten, wie die Entwicklung auf diesem Markt ist.</p>
<p><em><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/promedia_cover311.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-38904" title="promedia_cover311" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/promedia_cover311.jpg" alt="" width="100" height="141" /></a>Dieses Interview ist eine gek&#252;rzte Fassung. Die Vollst&#228;ndige Fassung findet sich in <a href="http://www.promedia-berlin.de/">Promedia &#8211; Ausgabe 3 /2011</a>.</em>
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		<title>Der ordnungspolitische Graben hinter der Netzneutralit&#228;tsdebatte</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Feb 2011 21:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der Debatte um Netzneutralit&#228;t stehen sich ein dirigistisch-paternalistisches und ein liberales Modell unvers&#246;hnlich gegen&#252;ber. Derweil schafft die Bundesregierung mit dem neuen TKG-Entwurf Fakten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Netzneutralit&#228;t? Anders als viele vermuten werden, wird die Frage der zuk&#252;nftigen Regulierung von Netzneutralit&#228;t derzeit nicht nur in der <a href="http://www.bundestag.de/internetenquete/">Internet-Enquete</a> totdiskutiert, sondern wird munter in einem neuen Gesetzentwurf geregelt.</p>
<p>Der Entwurf zum neuen Telekommunikationsgesetz (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Telekommunikationsgesetz_%28Deutschland%29">TKG</a>) sieht vor, dass das Bundeswirtschaftsministerium per Rechtsverordnung Transparenz- und Mindestqualit&#228;tsvorgaben f&#252;r den Internetverkehr treffen kann, die dann von der Bundesnetzagentur zu &#252;berwachen w&#228;ren.</p>
<p>Mit anderen Worten: Eine Vorschrift zur Durchsetzung einer streng katholischen Lehre von der Netzneutralit&#228;t soll es nach Vorstellung der schwarz-gelben Bundesregierung in Zukunft nicht geben. Es wird ein staatliches Bekenntnis f&#252;r ein diskriminierungsfreies (aber nicht notwendig stets priorisierungsfreies) Netz geben &#8211; aber eben auch ein Bekenntnis, dass die Betreiber &#8216;ihre Netze&#8217; in gewissem Rahmen auch effizient bewirtschaften k&#246;nnen sollen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund fand am vergangenen Donnerstag eine Diskussionsrunde zur Netzneutralit&#228;t in der Vertretung der Deutschen Telekom statt, organisiert vom Branchenverband <a href="http://www.bitkom.org/de/veranstaltungen/66455_64854.aspx">BITKOM</a>. Die Moderation hatte ich &#252;bernommen. Das Panel kann man sich <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=tTBuIyOYaUE">hier</a> noch einmal in voller L&#228;nge anschauen:</p>
<p>Als Moderator m&#246;chte ich hier die Diskussion nicht bewerten (Das m&#246;gen <a href="http://twitter.com/#!/jensbest/status/37286885587943424">andere</a> tun). Ich m&#246;chte aber sagen, dass mich eine Frage w&#228;hrend und nach der Diskussion lange besch&#228;ftigt hat. Die von Malte Spitz n&#228;mlich:</p>
<p><a href="http://twitter.com/#!/maltespitz/status/35658612781236224"><img class="aligncenter size-medium wp-image-38169" title="Bildschirmfoto 2011-02-14 um 19.16.51" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/02/Bildschirmfoto-2011-02-14-um-19.16.51-300x140.png" alt="" width="300" height="140" /></a></p>
<p><a href="http://twitter.com/#!/maltespitz/status/35658612781236224"></a>Die Frage leuchtete mir im ersten Moment nicht sofort ein &#8211; denn selbstredend geht es beim Thema Netzneutralit&#228;t ganz sicher um Gesch&#228;ftsmodelle (es geht um Zul&#228;ssigkeit von Preisdifferenzierung) und ganz sicher auch um Knappheit (Netzressourcen sind nicht unbegrenzt vorhanden). Zugleich ist die Frage politisch sehr geschickt zugespitzt: Geht es bei der Netzneutralit&#228;t wom&#246;glich eher um die Umsatzinteressen der Netzbetreiber als um die Behebung realer Knappheitsprobleme? Und w&#228;re dies nicht eher als illegitime Verquickung zu verstehen?</p>
<p>Dummerweise habe ich diese Frage in der Diskussion nicht gestellt. Ich glaube aber, dass es sich lohnt, sie hier nachtr&#228;glich noch einmal zu er&#246;rtern, weil sie augenscheinlich auf den tiefen ordnungspolitischen Graben verweist, der die Netzneutralit&#228;tsdebatte teilt.</p>
<p>In der Frage von Malte Spitz erscheint das Internet monolithisch. Es scheint, als w&#252;rden sich weite Teile der Netzbetreiber kartellartig verb&#252;nden, um gemeinsam neue Gesch&#228;fts- und Umsatzmodelle durchzusetzen.</p>
<p>Aus liberaler Sicht hingegen, so h&#228;tte ein Matthias Kurth wom&#246;glich geantwortet, ist der Netzbetrieb in einem Wettbewerb der Anbieter organisiert. Es sei das gute Recht der Betreiber und im Interesse der Nutzer, dass die Anbieter neue Gesch&#228;ftsmodelle ausprobieren, um ihre inh&#228;rent knappen Ressourcen zu bewirtschaften (Gesch&#228;ftsmodelle als Mittel zur &#220;berwindung von Knappheit).</p>
<p>Erst wenn die Provider dabei ungerechtfertigt diskriminieren und priorisieren, werde daraus ein Problem. Ohnehin gehe es zun&#228;chst einmal darum, wie die Provider ihre Netze und die &#8220;letzte Meile&#8221; managen. Der Netzzugang wird hier als dynamische Dienstleistung verstanden, die im Rahmen einer Wettbewerbsaufsicht einem Ver&#228;nderungs- und Innovationsprozess ausgesetzt ist.</p>
<p>Auf der anderen Seite steht ein Verst&#228;ndnis von Regulierung, das den Charakter der Dienstleistung Internetzugang vorab festschreiben m&#246;chte, weil es dem Wettbewerb der Provider stark misstraut oder f&#252;r nicht geeignet h&#228;lt, ein nutzer- und gesellschaftsgerechtes Netz bereitzustellen.</p>
<p>Im Grunde stehen sich hier ein eher dirigistisch-paternalistisches und ein liberales Modell gegeneinander. Das Thema Netzneutralit&#228;t ist eigentlich nur ein Schauplatz, um volkswirtschaftlich stark unterschiedliche Vorstellungen von Wohlfahrt zu diskutieren. Manchmal w&#252;nscht man sich in der netzpolitischen Debatte, dass dieser Zusammenhang st&#228;rker mitreflektiert w&#252;rde: Es gibt h&#228;ufig kein endg&#252;ltiges Richtig oder Falsch, sondern nur unterschiedliche Menschenbilder und Wirtschaftsentw&#252;rfe.
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		</item>
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		<title>Bundesverwaltungsgericht erkl&#228;rt Computer zum Rundfunkempfangsger&#228;t</title>
		<link>http://carta.info/35500/bundesverwaltungsgericht-definiert-computer-zum-rundfunkempfangsgeraet/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Oct 2010 13:07:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hat sein Urteil zur PC-Geb&#252;hr um eine Woche sp&#228;ter gesprochen, um dann die Sender in ihrer Auffassung sowie die Ministerpr&#228;sidenten nach ihrer Jahreskonferenz in ihrem neuen Rundfunkbeitragsmodell zu best&#228;tigen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e6bd987b47764cc0b3c1c7c3bc60256d" alt="" width="1" height="1" />Das  Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wolle am 20. Oktober dar&#252;ber  entscheiden, ob f&#252;r die Nutzung eines Internet-PCs Rundfunkgeb&#252;hren zu  bezahlen sind, meldet die <em><a href="http://funkkorrespondenz.kim-info.de/artikel.php?pos=Politik&amp;nr=8058">Funkkorrespondenz</a></em> vor 11 Wochen. F&#252;r den 20. Oktober sei die m&#252;ndliche Verhandlung angesetzt, ein Urteil solle im Anschluss gesprochen werden.</p>
<p>Am  21. Oktober trafen sich jedoch die Ministerpr&#228;sidenten in Magdeburg, um  das neue Geb&#252;hrenmodell zu diskutieren und zu entscheiden. Und so zog  das Gericht es vor, die Urteilsverk&#252;ndung um eine Woche <a href="http://www.digitalfernsehen.de/Entscheidung-zu-TV-Gebuehren-fuer-Internet-PCs-vertagt.41001.0.html">zu verschieben</a>.</p>
<p>„Computer sind weiterhin rundfunkgeb&#252;hrenpflichtig, unabh&#228;ngig von Verwendungs- und Nutzungsabsicht ihrer Besitzer“, schreibt<em> <a href="http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article10575177/Richter-bestaetigen-Rundfunkgebuehr-fuer-Computer.html">DIE WELT</a></em>.  Der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts zu Leipzig „hat die  Revisionen von drei Kl&#228;gern, einem Anwalt und zwei Studenten gegen  abschl&#228;gige Urteile der Vorinstanzen zur&#252;ckgewiesen“, schildert <em><a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,725554,00.html">Spiegel Online</a></em>.</p>
<p>„Die  Rundfunkanstalten halten die Besitzer von internetf&#228;higen PCs f&#252;r  geb&#252;hrenpflichtig, weil sich mit diesen Ger&#228;ten Sendungen empfangen  lassen, die mit sog. Livestream in das Internet eingespeist werden“, <a href="http://www.bverwg.de/enid/4c9288c0918e00449c4142265195f396,8d6f537365617263685f646973706c6179436f6e7461696e6572092d093133333630093a095f7472636964092d09353737/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen_9d.html">stellt</a> der Senat fest. Allerdings wird dieser Livestream von den Sendern  eingestellt und unverschl&#252;sselt angeboten, so dass ein Zugriff f&#252;r jeden  Besitzer eines internettauglichen PC erst dadurch m&#246;glich ist.</p>
<p>Darauf gehen die  Richter jedoch nicht ein. Stattdessen definieren sie den  internetf&#228;higen PC zum Rundfunkempfangsger&#228;t im Sinne des  Rundfunkgeb&#252;hrenstaatsvertrages. Damit gilt f&#252;r den PC das, was auch f&#252;r  einen Fernseher oder Radio gilt.</p>
<blockquote><p>„Bei internetf&#228;higen PC handelt es sich um  Rundfunkempfangsger&#228;te i.S.d. Rundfunkgeb&#252;hrenstaatsvertrags. F&#252;r die  Geb&#252;hrenpflicht kommt es nach dessen Regelungen lediglich darauf an, ob  die Ger&#228;te zum Empfang bereit gehalten werden, nicht aber darauf, ob der  Inhaber tats&#228;chlich Radio- bzw. Fernsehsendungen mit dem Rechner  empf&#228;ngt. Ebenso wenig ist es erheblich, ob der PC mit dem Internet  verbunden ist, wenn er technisch nur &#252;berhaupt dazu in der Lage ist.“</p></blockquote>
<p><strong>Auch  wenn damit in die Grundrechte der Kl&#228;ger eingegriffen wird, die den PC  nur aus beruflichen bzw. informatorischen Gr&#252;nden nutzen, sei dies  gerechtfertigt</strong>. „Dieser Eingriff ist jedoch gerechtfertigt durch die &#8211;  ebenfalls verfassungsrechtlich begr&#252;ndete &#8211; Finanzierungsfunktion der  Rundfunkgeb&#252;hren f&#252;r die &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.“</p>
<p>Allerdings ist die Finanzierung von ARD, ZDF und Deutschlandradio bereits garantiert. W&#228;hrend im privaten Bereich ca. 150.000 „PC-Zahler“  angemeldet sind, kommt man auf fast 33 Mio. Rundfunkgeb&#252;hrenzahler, die  die volle Geb&#252;hr von 17,98 Euro im Monat zahlen. Aus finanzieller Sicht  macht es also keinen Sinn, die wenigen PC-Nutzer, die keinen Rundfunk  empfangen wollen, zur Geb&#252;hrenkasse zu bitten. Bisher war auch kein  Trend zu erkennen, dass Geb&#252;hrenzahler &#252;ber den Verweis auf ihren PC  versucht haben, ihre Geb&#252;hrenzahlungen zu reduzieren. Denn schlie&#223;lich  h&#228;tte man in den letzten Jahren so seine monatlichen Zahlungen von 17,98  Euro auf 5,76 Euro reduzieren k&#246;nnen. Dies ist anscheinend nicht  massenhaft geschehen.</p>
<p>Sicher  kann man auf die Geb&#252;hrengerechtigkeit verweisen:</p>
<blockquote><p>„Der Gleichheitssatz  des Art. 3 Abs. 1 GG verlangt f&#252;r das Abgabenrecht, dass die  Geb&#252;hrenpflichtigen durch ein Geb&#252;hrengesetz rechtlich und tats&#228;chlich  gleich belastet werden. Wird die Gleichheit im Belastungserfolg durch  die rechtliche Gestaltung des Erhebungsverfahrens prinzipiell verfehlt,  kann dies die Verfassungswidrigkeit der gesetzlichen Geb&#252;hrengrundlage  nach sich ziehen.“</p></blockquote>
<p><strong>Allerdings ist es im Internet ein leichtes, seine  Angebote nur denjenigen zur Verf&#252;gung zu stellen, die daf&#252;r auch  bezahlen bzw. bezahlt haben</strong>. Doch diesen Weg wollen ARD und ZDF nicht  gehen. Sie wollen so wie auch auf anderen Verbreitungswegen frei  empfangbar sein. Schlie&#223;lich garantiert ihnen dies, dass in Zukunft alle  bezahlen m&#252;ssen. Damit k&#246;nnen sie letztmalig den Geb&#252;hrenzahlerkreis  erweitern. Die entscheidenden Schritte daf&#252;r sind sie in der  Vergangenheit gegangen. Zum einen bieten sie &#252;ber viele der neuen  Verbreitungswege ihre Programme an, wodurch zum anderen viele Ger&#228;te –  unabh&#228;ngig von deren Nutzung &#8211; zu Rundfunkempfangsger&#228;ten definiert  werden k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Sie bieten sich frei an  und pr&#228;sentieren die Rechnung im Nachhinein</strong>. Schlie&#223;lich konnten sie  davon ausgehen, dass ihnen die obersten deutsche Gerichte im Nachhinein  beispringen. Das liest sich dann so:</p>
<blockquote><p>„Der Gleichbehandlungsgrundsatz  wird vom Rundfunkgeb&#252;hrenstaatsvertrag ebenfalls nicht verletzt. Zwar  werden insofern ungleiche Sachverhalte gleich behandelt, als die  herk&#246;mmlichen monofunktionalen Rundfunkempfangsger&#228;te mit den  multifunktionalen internetf&#228;higen PCs geb&#252;hrenrechtlich gleich behandelt  werden. Entscheidend f&#252;r die Geb&#252;hrenerhebung ist jedoch nicht die  technische Unterschiedlichkeit der Empfangsger&#228;te, sondern die gleiche  M&#246;glichkeit zum Empfang von Rundfunksendungen durch diese  verschiedenartigen Ger&#228;te.“</p></blockquote>
<p>Wer so argumentiert, wer also auf die  M&#246;glichkeit des Empfangs abstellt, braucht sich mit den realen Problemen  und Grenzen nicht zu besch&#228;ftigen. Schlie&#223;lich halten die Sender weder  genug Kapazit&#228;ten vor, noch ist das „deutsche“ Internet „breit“ genug,  um allen Geb&#252;hrenzahlern gleichzeitig den Empfang eines Livestreams zu  erm&#246;glichen. Dies <a href="http://www.heiko-hilker.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=634:keine-internet-versorgungssicherheit-deutschlandspiel-beim-zdf-bester-beweis&amp;catid=5:blog&amp;Itemid=4">zeigte sich</a> nicht zuletzt zur Fu&#223;ball-WM. Im Internet gibt es eben noch keine  Versorgungssicherheit. Um so mehr Leute die Angebote nutzen, um so  unsicherer wird die Versorgung.</p>
<p>Das  Gericht verweist zudem auf den Gleichheitssatz aus dem Grundgesetz, aus  dessen Art. 3 Abs. 1 f&#252;r das Abgabenrecht abgeleitet werden kann, „dass  die Geb&#252;hrenpflichtigen durch ein Geb&#252;hrengesetz rechtlich und  tats&#228;chlich gleich belastet werden. Wird die Gleichheit im  Belastungserfolg durch die rechtliche Gestaltung des Erhebungsverfahrens  prinzipiell verfehlt, kann dies die Verfassungswidrigkeit der  gesetzlichen Geb&#252;hrengrundlage nach sich ziehen.“</p>
<p>Allerdings ist es  nicht allein vom Erhebungsverfahren abh&#228;ngig, ob die Gerechtigkeit  durchgesetzt werden kann. Es ist auch eine Frage des Angebots.  Schlie&#223;lich w&#228;re im Falle einer Verschl&#252;sselung weitestgehend  garantiert, dass nur Geb&#252;hrenzahler die Angebote im Netz sowie auf  mobilen Endger&#228;ten auch nutzen k&#246;nnen. (Dass es anders geht, zeigen  andere Sender wie der ORF oder die SRG, die ihre Angebote auch  verschl&#252;sseln.) Der freie terrestrische Empfang sowie &#252;ber Kabel w&#252;rde  dadurch nicht eingeschr&#228;nkt.</p>
<p>Das  Gericht stellt fest: „Die Rundfunkanstalten k&#246;nnen an der  Geb&#252;hrenpflichtigkeit von internetf&#228;higen PC daher auf Dauer nur  festhalten, wenn diese sich auch tats&#228;chlich durchsetzen l&#228;sst. Insoweit  wird der Gesetzgeber die Entwicklung zu beobachten haben.“ Nun, der  Gesetzgeber hat nicht nur beobachtet, er hat auch schon die  Schlussfolgerungen gezogen. In Zukunft m&#252;ssen alle bezahlen.</p>
<p>Zugespitzt:  Bisher musste man zahlen, wenn man ein Ger&#228;t hatte, das Rundfunk  empfangen konnte. <strong>Ab dem 1. Januar 2013 muss man zahlen, weil man  existiert.</strong></p>
<p>Ulrich Clau&#223; schreibt in der <em><a href="http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10568709/GEZ-Urteil-hebelt-die-deutsche-Medienordnung-aus.html">WELT</a></em>:  „Dieses Urteil war allgemein erwartet worden, die Leipziger Richter  konnten gar nicht anders. Alles andere h&#228;tte das deutsche  Rundfunkgeb&#252;hrenmodell in den Grundfesten ersch&#252;ttert.“ Und Michael  Hanfeld konstatiert in der <em><a href="http://www.faz.net/s/Rub510A2EDA82CA4A8482E6C38BC79C4911/Doc%7EE07DFA420502E4D94BEB744E6F762591F%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">FAZ</a></em>:  „Niemals werden ARD und ZDF weniger haben denn jetzt, weil sie ihren  „Finanzbedarf“ nur anmelden m&#252;ssen, um an mehr Geld zu kommen. Diesen  Bedarf pr&#252;ft eine unabh&#228;ngige Kommission (Kef) zwar, doch ist in diesem  System schlicht nicht vorgesehen, dass es Stagnation oder sogar einmal  weniger geben k&#246;nnte. Die Bev&#246;lkerung mag schrumpfen, der Anteil der  Erwerbst&#228;tigen nicht weiter wachsen, der Beitrag f&#252;r den  &#246;ffentlich-rechtlichen Rundfunk aber steigt und steigt.“</p>
<p>Und wie reagieren ARD und ZDF: Der Vorsitzende der ARD, SWR-Intendant Peter Boudgoust, <a href="http://www.ard.de/intern/presseservice/-/id=8058/nid=8058/did=1653370/12zcfma/index.html">erkl&#228;rte</a>:  „Die Rundfunkanstalten sehen sich in ihrer Rechtsauffassung best&#228;tigt,  dass die derzeit bestehende gesetzliche Regelung rechtm&#228;&#223;ig ist.“  ZDF-Intendant Markus Sch&#228;chter <a href="http://www.unternehmen.zdf.de/uploads/media/ARD_ZDF_Rundfunkgebuehrenpflicht_Urteil_-_2710.pdf">fordert</a> mit Blick auf die Zukunft: „Um Streitigkeiten dieser Art k&#252;nftig aber  ganz zu vermeiden, ist es wichtig, dass die von den  Ministerpr&#228;sidentinnen und Ministerpr&#228;sidenten geplante Reform der  Rundfunkfinanzierung ab Januar 2013 umgesetzt wird.“</p>
<p><strong>Das  neue Modell wird rechtm&#228;&#223;ig sein. Es wird daf&#252;r sorgen, dass  Streitigkeiten dieser Art weiterhin zu Gunsten von ARD und ZDF gel&#246;st  werden</strong>. Es wird aber auch die Legitimation von ARD und ZDF in Frage  stellen: Wieso muss man f&#252;r Rundfunk bezahlen, auch wenn man ihn nicht  nutzt? Wieso sollen die Einnahmen von ARD und ZDF weiter steigen, obwohl  immer weniger diese Programme nutzen? Insoweit sollten die Sender das  Urteil nicht nur als Freibrief sehen und nehmen. Wenn sie von allen Geld  wollen, m&#252;ssen sie auch allen etwas bieten. Doch wieso spielen der  lange Dokumentarfilm, der Animationsfilm (f&#252;r Erwachsene) sowie der  Kurzfilm – um nur drei Beispiele zu nennen &#8211; in ihren Leitlinien keine  Rolle?</p>
<p>Das  Bundesverwaltungsgericht hat drei F&#228;lle entschieden. Es konnte sich  auch nur zu den vorliegenden &#228;u&#223;ern. Doch was wird im Falle eines  Optikunternehmens, dass vor dem Gie&#223;ener Verwaltungsgericht <a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/weiteres-gez-urteil-keine-rundfunkgebuehren-fuer-computer-1.62676">gegen die </a><a href="http://www.sueddeutsche.de/thema/Geb%C3%BChr">Geb&#252;hr</a> geklagt hatte? Das Unternehmen sollte daf&#252;r, dass es, wie die <em><a href="http://www.sueddeutsche.de/digital/rundfunkgebuehren-urteil-zur-pc-abgabe-computernutzer-muessen-weiter-blechen-1.1016651">S&#252;ddeutsche Zeitung</a></em> schilderte, in bundesweit 650 Filialen Computer gesch&#228;ftlich nutzt,  j&#228;hrlich fast 45.000 Euro bezahlen. Und dies f&#252;r eine Leistung, die nach  Angaben des Anwalts nicht in Anspruch genommen wurde. Das Gie&#223;ener  Verwaltungsgericht gab dem Unternehmen damals Recht.
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		<title>Ist die GEZ ein Hort der Rechtsstaatlichkeit, Gesetzestreue und Unfehlbarkeit?</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 15:08:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[GEZ]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Peter Bull]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Urteile des Wuppertaler Amtsgerichts zeigen: Auch bei der GEZ kann es Pflichtverst&#246;&#223;en kommen. In seinem j&#252;ngsten Gutachten zum Datenschutz sah Hans Peter Bull dies noch deutlich anders.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6441665f76134378aa5df86d599ecc14" alt="" width="1" height="1" />Am 20. September legte Hans Peter Bull sein „<a href="http://carta.info/34513/das-bestellte-datenschutz-gutachten/">Datenschutz-Gutachten</a>“ zum diskutierten Rundfunkbeitrag. Darin stellt er fest, dass die GEZ f&#252;r ihn in Fragen des Datenschutzes <strong>ein Ort der Gesetzestreue und Datensicherheit </strong>ist. „In der jahrzehntelangen Geschichte der GEZ ist kein einziger Fall eines solchen Pflichtversto&#223;es vorgekommen.“ (Gutachten S. 34) Bisher seien die entsprechenden Rechtsvorschriften immer eingehalten worden.</p>
<p>Im „Bereich der Datenverarbeitung durch die Rundfunkanstalten und die GEZ gibt es keine Missbrauchserfahrungen.“ (Gutachten S. 32) Dies kann man auch anders sehen. Denn erst 2005 wurden der GEZ durch die &#196;nderung des Rundfunkstaatsvertrages (8. Fassung) auch<strong> Kauf und Nutzung von Adressdaten privater Anbieter</strong> gesetzlich erlaubt. Das hatte allerdings die GEZ bereits davor l&#228;ngst praktiziert – also ohne gesetzliche Erlaubnis bzw. entsprechende Rechtverordnungen gehandelt.</p>
<p>Dass es Verst&#246;&#223;e gegen Gesetze und Rechtsverordnungen auch bei der GEZ gab, dokumentiert ein aktuelles Urteil des Wuppertaler Amtsgerichtes. Es verh&#228;ngte gestern gegen drei von f&#252;nf Beschuldigte Strafen wegen Vorteilsannahme bzw. -gew&#228;hrung, wie die <em><a href="http://m.ftd.de/it-medien/medien-internet/:verurteilungen-geld-und-bewaehrungsstrafen-im-gez-korruptionsskandal/50176870.html?mode=simple">FTD</a></em> meldete. In zwei F&#228;llen stellte es das Verfahren gegen die Zahlung von 3.000 und 40.000 Euro ein.</p>
<p>„Ein GEZ-Mitarbeiter hatte sich von einer Wuppertaler Computerfirma Besuche der K&#246;lner Erotikbar ‚Kokett’, von Spitzenrestaurants sowie der VIP-Loge bei einem Fu&#223;ball-L&#228;nderspiel bezahlen lassen. Die GEZ hatte der Firma wiederum Auftr&#228;ge f&#252;r Computeranlagen mit sechsstelligem Volumen erteilt. Einen Schaden stellte das Gericht allerdings nicht fest“, so die <em><a href="http://m.ftd.de/it-medien/medien-internet/:verurteilungen-geld-und-bewaehrungsstrafen-im-gez-korruptionsskandal/50176870.html?mode=simple">FTD</a></em>.</p>
<p>Auch wenn &#8211; wie das Gericht feststellt &#8211; kein Schaden entstanden ist, zeigt dies, dass es auch in der GEZ zu Gesetzesverst&#246;&#223;en und Korruption kommen kann. In anderen F&#228;llen (Winfried Mohren und J&#252;rgen Emig) hatten die Intendanten u.a. darauf verwiesen, dass man gegen menschliches Fehlverhalten nicht gefeit sei.</p>
<p>Sicher ist, dass das bei der GEZ ab dem 1. Januar 2013 vorliegende bundesweite Register f&#252;r werbende Unternehmen von Interesse sein wird. Denn dieses Register hat eine neue Qualit&#228;t, da es alle bundesdeutschen Haushalte in einer Datenbank erfasst. So eine Datenbank k&#246;nnen werbende Unternehmen wie auch Werbeagenturen gut gebrauchen.</p>
<p>Da kann man nur hoffen, dass sich kein (leitender) Mitarbeiter korrumpieren l&#228;sst. Besser als darauf zu hoffen, w&#228;re es allerdings, entsprechende technische Vorsichtsma&#223;nahmen zu entwickeln und umzusetzen.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=34753&amp;md5=0b1d6862a35bbdc0fa248e40c4be8962" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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