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	<title>CARTA</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Tue, 16 Mar 2010 18:38:26 +0000</lastBuildDate>
	
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		<title>Die neue Beck-Initiative: Weniger Werbung bei ARD &amp; ZDF dank voller PC-Geb&#252;hr?</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 18:14:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heiko Hilker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Deutschlands Chefmedienpolitiker Kurt Beck schiebt die Abschaffung der Fernsehwerbung bei ARD &#038; ZDF weiter hinaus und hat sich offenbar ein Finanzierungsmodell f&#252;r den kommenden Werbeverzicht ausgedacht: die volle PC-Geb&#252;hr.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/b8d2e1091b764dc1a060bd361a212f3a" alt="" width="1" height="1" />Die Landtagsfraktion der NRW-SPD hatte den Ministerpr&#228;sidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck (SPD), Anfang M&#228;rz zu ihren „Villa-Horion-Gespr&#228;chen“ eingeladen. Es ging um eine m&#246;gliche Verfassungsklage gegen das ZDF – und um das neue Geb&#252;hrenmodell. Bei beiden Themen ging Beck erkennbar in die Initiative: Er droht mit einer eigenen Verfassungsklage, falls sich die CDU nicht kompromissbereit zeigen sollte. Und auch bei den Geb&#252;hrenpl&#228;nen trug Beck neue Ideen vor:</p>
<p>Beck m&#246;chte das neue Geb&#252;hrenmodell mit einem schrittweisen Ausstieg aus der Fernsehwerbung bei ARD und ZDF verbinden. Als Gegenfinanzierung schwebt im offenbar die volle PC-Geb&#252;hr vor.</p>
<p>Kurt Beck will zum einen, dass ARD und ZDF aus Fernsehwerbung und Sponsoring im Umfeld von &#8216;Nicht-Sportsendungen&#8217; aussteigen. Die Werbung im ARD-H&#246;rfunk wie auch das Sponsoring im Rahmen von TV-Sport&#252;bertragungen bei ARD und ZDF soll bleiben. Der Ausstieg auf der H&#246;rfunkwerbung sei zu schwierig, da die einzelnen Bundesl&#228;nder die Werbevorschriften jeweils im Detail f&#252;r ihre Sender regeln. Und ohne Sponsoring und Werbung w&#252;rde man im Sportbereich viele TV-Rechte nicht mehr erhalten.</p>
<p>Der begrenzte Werbe- und Sponsoringausstieg soll in zwei Schritten erfolgen. Zum 1. Januar 2015 sollte die TV-Werbung von montags bis freitags halbiert werden (von 20 auf 10 Minuten t&#228;glich). An Samstagen solle sie verboten sein. Zwei Jahre sp&#228;ter, am 1. Januar 2017, also zu Beginn der &#252;bern&#228;chsten Geb&#252;hrenperiode, solle der zweite Schritt erfolgen.</p>
<p>Kurt Beck sei f&#252;r diese schrittweise Abschaffung der Fernsehwerbung bei ARD und ZDF, weil es „ein St&#252;ck Flexibilit&#228;t auf dem Weg“ brauche, „um &#252;berhaupt voranzukommen.“</p>
<p>Doch gibt es wohl zwei andere, wesentliche Gr&#252;nde. Zum einen schindet Kurt Beck damit zwei Jahre Zeit, in denen ARD und ZDF noch die Werbequelle voll weiter nutzen k&#246;nnen. Hatten doch die Bundesl&#228;nder bereits im Dezember 2008 beschlossen, dass Sponsoring bei ARD und ZDF ab dem 1. Januar 2013 an Werktagen nach 20.00 Uhr sowie an Sonn- und bundesweit einheitlichen Feiertagen nicht mehr erlaubt sein soll (mit Ausnahme der Sportsendungen).</p>
<p>Zum anderen hat er damit schon die Gegenfinanzierung der Werbeerl&#246;se in der Tasche. Wenn &#8211; so wie er und andere es wollen &#8211; die 2,4 Millionen Geb&#252;hrenzahler, die bisher nur die Grundgeb&#252;hr bezahlen (also die ausschlie&#223;lichen Radio- und PC-Nutzer), die volle Fernsehgeb&#252;hr bezahlen m&#252;ssen, dann haben ARD und ZDF etwa 350 Mio. Euro mehr im Jahr zur Verf&#252;gung. Bei den anderen von der Rundfunkkommission diskutierten Geb&#252;hrenmodellen werden die Unternehmen um etwa 230 Mio. Euro entlastet. Die privaten Haushalte werden f&#252;r Mehreinnahmen von circa 60 Mio. Euro im Jahr sorgen, da die Abschaffung der Zweit- bzw. Drittgeb&#252;hr durch die Erh&#246;hung der PC-Geb&#252;hr auf die Fernsehgeb&#252;hr mehr als kompensiert wird. Die „restlichen“ 120 Mio. Euro entsprechen in etwa der H&#228;lfte der Werbeertr&#228;ge von ARD (mit H&#246;rfunk) und ZDF.</p>
<p>Allerdings reicht die Betrachtung der Werbeertr&#228;ge nicht aus. Schlie&#223;lich werden ja die Werbeeinnahmen zum Teil ins Programm gesteckt. Und Programm muss weiter produziert werden. So lagen im Jahre 2009 die Nettoums&#228;tze beim ARD-Werbefernsehen bei 157 Mio. Euro und im ARD-Werbefunk bei 186 Mio. Euro.</p>
<p>Nun, offensichtlich ist jedoch, dass man mit dem neuen Geb&#252;hrenmodell ARD und ZDF schrittweise werbefrei machen, dabei die Unternehmen entlasten und die Zweit- bzw. Drittgeb&#252;hr f&#252;r Garten, Arbeitszimmer und Dienstwagen abschaffen kann, ohne die Fernsehgeb&#252;hr erh&#246;hen zu m&#252;ssen. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass ARD und ZDF zudem noch &#252;ber insgesamt mehr Geb&#252;hrenmittel verf&#252;gen k&#246;nnen. Schlie&#223;lich bekommen sie in 2013 und 2014 dann noch volle Werbeeinnahmen &#8211; die nach derzeitigen Prognosen steigen. Gleichzeitig steigt die Rundfunkgeb&#252;hr f&#252;r 2,4 Mio. Zahlerinnen und Zahler auf mehr als das Dreifache. Doch sie sind eine Minderheit: Nur etwas mehr als 5% der Zahler. So werden die Proteste eher leise ausfallen. F&#252;r die Mehrheit w&#252;rde es seit Jahren erstmals keine Geb&#252;hrenerh&#246;hung geben.</p>
<p>Beschlossen werden m&#252;sste all dies in diesem Jahr. Im M&#228;rz 2011 sind &#252;brigens in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen. &#8211; Kurt Beck tritt wieder an.</p>
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		<title>Internetdebattendefizite</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 13:36:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Schwenk</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Nicht nur in Deutschland wird &#252;ber das Internet debattiert. Thorsten Breustedt hat sich auf Spurensuche begeben und findet, dass die Debatte in den USA l&#228;ngst weiter ist, selbst wenn es auch dort Defizite gibt: Bei den Politikwissenschaftlern und Soziologen etwa.
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht nur in Deutschland wird &#252;ber das Internet debattiert. <strong><a href="http://www.thorstena.de/?p=2262">Thorsten Breustedt</a></strong> hat sich auf Spurensuche begeben und findet, dass die Debatte in den USA l&#228;ngst weiter ist, selbst wenn es auch dort Defizite gibt: Bei den Politikwissenschaftlern und Soziologen etwa.</p>
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		<title>Strategischer Fatalismus</title>
		<link>http://carta.info/24345/strategischer-fatalismus/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 16:11:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[politische Strategie]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Schirrmacher]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie sich deutsche Feuilletonisten dem Internet n&#228;hern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/0a8ee1583a604717b328b49c95dcd802" alt="" width="1" height="1" />Dieser Text ist eine direkte Fortsetzung der <em>Carta</em>-Beitr&#228;ge von Gundolf S. <a href="http://carta.info/24225/trojanischer-transfer-schirrmacher/">Freyermuth</a> und Stefan <a href="http://carta.info/24238/das-netz-denkt-nicht-stefan-muenker/">M&#252;nker</a>. M&#252;nkers Analyse endet mit der Frage:<em> „Und was w&#228;re, wenn die &#220;berforderungsrhetorik (<a href="http://carta.info/22994/faz-nerds/">Schirrmachers</a>) nur inszeniert w&#228;re – und hinter ihr der Versuch einer Selbsterm&#228;chtigung als Deutungs- und Orientierungsinstanz steckte?“</em></p>
<p>Hier meine (nur ganz leicht zugespitzte) Antwort auf diese Frage:</p>
<p>Einmal angenommen, das Internet w&#228;re ein interessantes Land: kaum zug&#228;nglich und sehr geheimnisvoll. Es g&#228;be dort riesige M&#228;rkte und zahllose Menschen. Wie &#246;ffnet man so ein Land? Wie geht man vor?</p>
<p>Gl&#252;cklicherweise gibt es ein Rezept. Es hei&#223;t: <strong>Strategischer Fatalismus.</strong> Mit diesem Rezept kann fremdes Terrain in drei Schritten erobert werden:</p>
<p><strong>1. D&#228;monisieren</strong></p>
<p><strong>2. Br&#252;cken bauen</strong></p>
<p><strong>3. Kontrollieren</strong></p>
<p>Strategischer Fatalismus ist nicht nur mit Blick auf das Netz, sondern generell eine erfolgreiche <em>Kulturtechnik der Herrschaftserlangung</em>.</p>
<p>-</p>
<p><span style="text-decoration: underline">Phase 1:</span></p>
<p><strong>D&#228;monisieren. </strong></p>
<p>Am Anfang gibt es nur eins: Volles Rohr! Frontalangriff!! Auf keinen Fall ausgewogen argumentieren, null Verst&#228;ndnis zeigen, eigene Fehler grunds&#228;tzlich abstreiten, einfach drauf hauen! Entscheidend ist die maximale L&#228;rmerzeugung. <strong>In Phase 1 regiert der Dauer-Alarmismus</strong>. Drohendes Unheil wird lustvoll ausgemalt, Katastrophen werden heraufbeschworen, der Niedergang der Kultur wird fl&#228;chendeckend verk&#252;ndet. Die Parole lautet: Das Internet macht uns kaputt. Es zerst&#246;rt unsere Privatsph&#228;re und macht gl&#228;serne Menschen aus uns. Algorithmen kommen &#252;ber uns wie einst die sieben Plagen &#252;ber &#196;gypten. Sie herrschen &#252;ber den Planeten wie b&#246;se Wesen aus fremden Galaxien. Rund um die Uhr sp&#228;hen sie uns aus, zocken uns ab, manipulieren uns. Es gibt kein Entrinnen.</p>
<p>-</p>
<p><span style="text-decoration: underline">Phase 2:</span></p>
<p><strong>Br&#252;cken bauen. </strong></p>
<p>Der Frontalangriff der ersten Phase dient vor allem dazu, das gegnerische Lager in Ruhe sondieren und inspizieren zu k&#246;nnen. Es ist ein klassisches Ablenkungsman&#246;ver. Die Angreifer k&#246;nnen jetzt sehen, wer sich von ihrem Feldgeschrei beeindrucken l&#228;sst, wer hartleibig bleibt, und wo die inneren Br&#252;che des gegnerischen Lagers verlaufen. Wo k&#246;nnten die ersten Pfl&#246;cke eingeschlagen werden?</p>
<p><strong>In Phase 2 geht es darum, die noch weitgehend unbekannte Landschaft zu kartieren, Landungs- und St&#252;tzpunkte zu markieren, gangbare Pfade anzulegen und das Spielfeld aufzuteilen.</strong> W&#228;hrend in gro&#223;er Zahl weiterhin Blendgranaten verschossen werden, kommt es zu ersten Kontakten ins feindliche Lager. <strong>Debatten werden angezettelt und in ganz bestimmte Richtungen gelenkt. </strong>Der &#246;ffentliche Dialog <span style="text-decoration: line-through">simuliert</span> signalisiert dem gegnerischen Lager Respekt. Es wird gezielt gelobt, gebauchpinselt und getadelt.</p>
<p>Bis hierher k&#246;nnte man sich die Strategie wie eine gut gebaute Titelgeschichte des <em>Spiegel </em>vorstellen (oder wie ein Buch von Frank Schirrmacher). 20(0) Seiten lang wird alles niedergemacht und katastrophal gefunden, um ganz zuletzt eine &#252;berraschende Kehrtwende zu vollziehen und Auswege aus der Misere anzudeuten. Zu deutsch: Wenn alle absolut kirre sind, ist es Zeit, ordnende Vorschl&#228;ge zu machen, Wankelm&#252;tige her&#252;berzuziehen, Themen und Orte zu besetzen, vorzeigbare Mitspieler zu gewinnen, Positionen auszubauen.</p>
<p>Dabei darf eines nicht vergessen werden: Die in Phase 1 stark ver&#228;ngstigten Teile des eigenen Lagers m&#252;ssen sp&#228;testens jetzt mit der schwierigen Botschaft konfrontiert werden, dass nur eine Ann&#228;herung an die gem&#228;&#223;igten Teile des Internets das Fremde wirklich unter Kontrolle bringen kann.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>-</p>
<p><span style="text-decoration: underline">Phase 3:</span></p>
<p><strong>Kontrollieren.</strong></p>
<p>In der letzten und entscheidenden Phase werden N&#228;gel mit K&#246;pfen gemacht. Nun beginnt die eigentliche Okkupation. <strong>Das gegnerische Lager wird auseinander dividiert, und die nicht integrierbaren Teile werden ausgesondert, abgestempelt oder verboten. </strong>Es werden neue Spielregeln implementiert und drakonische Strafma&#223;nahmen angedroht.</p>
<p>Mitspieler aus dem gegnerischen Lager, die in Phase 2 kollaborierten, werden abgefunden, mit angenehmen Posten ruhig gestellt oder fest in die eigenen Kontroll-Eliten integriert.</p>
<p>Das Alte kann nun losgelassen werden, das Neue ist unter Kontrolle. <strong>Die Mission des Strategischen Fatalismus hat ihr Ziel erreicht.</strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal"><br />
</span></strong></p>
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		<title>&#8220;Leben im Schwarm&#8221; &#8211; die Videos</title>
		<link>http://carta.info/23817/carta-streamt-leben-im-schwarm-wie-das-internet-uns-veraendert/</link>
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		<pubDate>Mon, 15 Mar 2010 10:33:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion CARTA</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>
		<category><![CDATA[Livestream]]></category>
		<category><![CDATA[Markus Beckedahl]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Videos vom Symposium "Leben im Schwarm - Wie das Internet uns ver&#228;ndert" vom 15. M&#228;rz 2010]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier die R&#252;ckschau zum heutigen Mediensymposion <strong>&#8220;Leben im Schwarm –Wie das Internet uns ver&#228;ndert&#8221;</strong> in der Landesvertretung NRW &#8211; unter anderem mit Frank Schirrmacher, Constanze Kurz und Markus Beckedahl. (<a href="../wp-content/uploads/2010/03/RZ_Einladung-Symposium_2010.pdf">Das  Programm als PDF</a>)</p>
<p>Der Vortrag von Dr. Frank Schirrmacher: Was passiert, wenn der Kopf nicht mehr mitkommt.<br />
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<p>Streitgespr&#228;ch: Ich blogge, also bin ich. Demokratische Willensbildung oder pubert&#228;ts&#252;bliche Zeitverschwendung? mit Prof. Dr. Christoph Neuberger und Markus Beckedahl:<br />
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<p>Vortrag von Prof. Dr. Frank Hartmann: Virtualit&#228;t und Wirklichkeit – eine philosophische Betrachtung<br />
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</a></p>
<p>Podiumsdiskussion: Internetrausch? Zwischen Bewu&#223;tseinserweiterung und Pers&#246;nlichkeitsspaltung<br />
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<p>Prof. Dr. Rolf Schwartmann: Was Recht ist, muss Recht bleiben? Res&#252;mé und Ausblick.<br />
<object id="livestreamPlayer" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="560" height="340" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://cdn.livestream.com/grid/LSPlayer.swf?channel=cartalive&amp;clip=flv_4a7193cf-748e-4365-899a-9bca20cc1ffa&amp;autoPlay=false&amp;mute=false" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed id="livestreamPlayer" type="application/x-shockwave-flash" width="560" height="340" src="http://cdn.livestream.com/grid/LSPlayer.swf?channel=cartalive&amp;clip=flv_4a7193cf-748e-4365-899a-9bca20cc1ffa&amp;autoPlay=false&amp;mute=false" allowfullscreen="true" allowscriptaccess="always"></embed></object></p>
<p>Daf&#252;r, dass die Videos nicht immer ganz genau geschnitten sind, entschuldigen wir uns&#8230;</p>
<p><strong>Hier noch einmal das Programm des Symposiums<br />
</strong></p>
<p>Moderation: Tita von Hardenberg</p>
<p><em>Gru&#223;wort</em><br />
14:00 Uhr<br />
n. n.</p>
<p><em>Einf&#252;hrung: Was passiert, wenn der Kopf nicht mehr mitkommt.</em><br />
14:10 &#8211; 14:25 Uhr<br />
Dr. Frank Schirrmacher (Herausgeber der FAZ und Autor von „Payback“)</p>
<p><em>Streitgespr&#228;ch: Ich blogge, also bin ich. Demokratische Willensbildung oder pubert&#228;ts&#252;bliche Zeitverschwendung?</em><br />
14:25 &#8211; 14:45 Uhr<br />
Markus Beckedahl (Betreiber von Netzpolitik.org und Mitbegr&#252;nder der re:publica)<br />
Prof. Dr. Christoph Neuberger (Institut f&#252;r Kommunikationswissenschaft, Universit&#228;t M&#252;nster)</p>
<p><em>Einwurf: Virtualit&#228;t und Wirklichkeit – eine philosophische Betrachtung</em><br />
14:45 &#8211; 15:00 Uhr<br />
Prof. Dr. Frank Hartmann (Bauhaus-Universit&#228;t Weimar)</p>
<p><em>Podiumsdiskussion Internetrausch? Zwischen Bewu&#223;tseinserweiterung und Pers&#246;nlichkeitsspaltung</em><br />
15:00 &#8211; 16:15 Uhr<br />
Prof. Dr. Frank Hartmann (Bauhaus-Universit&#228;t Weimar)<br />
Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Club (CCC))<br />
Dr. Frank Schirrmacher (Herausgeber der FAZ und Autor von „Payback“)<br />
Dr. Emil Schwippert (Vors. Richter am Oberlandesgericht K&#246;ln, VI. Zivilsenat)<br />
Prof. Dr. Helga Theunert (JFF &#8211; Institut f&#252;r Medienp&#228;dagogik)</p>
<p><em>Schlussnote: Was Recht ist, muss Recht bleiben? Res&#252;mé und Ausblick.</em><br />
16:15 &#8211; 16:30 Uhr<br />
Prof. Dr. Rolf Schwartmann (K&#246;lner Forschungsstelle f&#252;r Medienrecht, FH K&#246;ln)</p>
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		<title>Das Netz denkt nicht</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:57:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Münker</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frank Schirrmacher]]></category>

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		<description><![CDATA[Was das Medium kann, brauchen wir nicht mehr zu machen? Ein Kommentar zur Schirrmacher-Debatte um die Herrschaft der Algorithmen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/4e51a3b98f3b4669af340ee9d65c5b18" alt="" width="1" height="1" /><em>Der folgende Beitrag erscheint im Kontext der Veranstaltung &#8220;<a href="../../23817/carta-streamt-leben-im-schwarm-wie-das-internet-uns-veraendert/">Leben im Schwarm &#8211; Wie das Internet uns ver&#228;ndert</a>&#8220;. Siehe auch Beitrag von Gundolf S. Freyermuth: &#8220;</em><a href="http://carta.info/24225/trojanischer-transfer-schirrmacher/">Der Trojanische Transfer</a>&#8220;.</p>
<p>Frank Schirrmacher f&#252;rchtet, das Netz nimmt uns erst das Denken und dann die Macht ab: „Wir werden das selbstst&#228;ndige Denken verlernen“, prophezeit er in seinem Bestseller <em>Payback</em>, „[u]nd wir werden uns in fast allen Bereichen der autorit&#228;ren Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“ Der Grund, so Schirrmacher, ist die schiere Menge der im Netz verf&#252;gbaren Daten, die unsere Aufmerksamkeitsressourcen heillos &#252;berfordern – weswegen wir uns auf die Softwareagenten und digitalen Roboter der Ordnungsprogramme des Internets verlassen m&#252;ssen. Damit aber erleben wir eine Externalisierung des Denkens, dass sich fortan au&#223;erhalb unseres Gehirns als algorithmengesteuerter Prozess in der Cloud abspielt.</p>
<p>Die Angst vor neuen Medien, die <em>Payback</em> sch&#252;rt, ist so alt wie Medien <a href="http://www.slate.com/id/2244198/pagenum/all">selbst</a>. Viele Szenarien der Ersetzung und Unterwerfung durch Medien folgen seit Platons Schriftkritik in Variationen der gleichen, schlichten Logik: <strong>Was das Medium kann, brauchen wir nicht mehr zu machen</strong>; wenn wir’s aber lassen, verlieren wir alsbald die F&#228;higkeit, es &#252;berhaupt noch zu tun – sind dem Medium dann aber am Ende hilflos ausgeliefert.</p>
<p>Das Spezifische an Schirrmachers <em>Paypack</em>-Version dieses Arguments ist die Tatsache, dass es nicht um einzelne menschliche F&#228;higkeiten geht, die an entsprechende Medien delegiert werden (wie das Erinnern bei Platon), sondern um das Denken an sich – das hei&#223;t diejenige Eigenschaft, die vor allen anderen unsere spezifische Differenz zu anderen (biologischen oder technischen) Spezies darstellt. Deswegen die Dramatik seiner Geschichte: Es geht nicht darum, ob wir morgen noch schreiben werden oder uns Geschichten erz&#228;hlen k&#246;nnen – <strong>es geht darum, ob wir als denkende Wesen morgen noch existieren</strong>.</p>
<p>Mit dem Denken und den Medien indes ist es eine schwierige Angelegenheit. Es ist eine Sache, darauf hinzuweisen, dass Medien unser Denken beeinflussen – und es ist eine ganz andere Sache, zu behaupten, dass Medien uns das Denken abnehmen. Jener Hinweis ist, nach einigen Umwegen und gegen manche Widerst&#228;nde, mittlerweile nicht nur unter Medienwissenschaftlern Common Sense. Die Rede von denkenden Maschinen hingegen bleibt, wenngleich nicht ungew&#246;hnlich, so doch weithin umstritten. Und das mit guten Gr&#252;nden.</p>
<p>Einer davon geht so: Wir investieren zwar viel Geld in die Erforschung der Vorg&#228;nge in unserem Hirn – wie genau das funktioniert, was wir „Denken“ nennen, k&#246;nnen uns gleichwohl bislang weder Neurowissenschaftler noch Philosophen erkl&#228;ren. Demgegen&#252;ber wissen wir sehr genau, was geschieht, wenn <strong>Computer</strong> arbeiten: <strong>Sie exekutieren Befehle</strong>. Digitale Maschinen prozessieren Zeichenfolgen nach strikten Regeln, niedergelegt in den Codes der Programme, die wir ihnen schreiben.</p>
<p>So ausgereift die Software des Netzes und so komplex ihre Algorithmen auch sein m&#246;gen – sie verketten lediglich bin&#228;re Differenzen, denen ohne uns der Status signifikanter Informationen, und das hei&#223;t: irgendeine Form von Sinn erst gar nicht zukommt. So viele Daten die Cloud auch enthalten mag – Bedeutung erhalten sie erst und nur, wenn User mit ihnen interagieren. Erst durch solche Interaktionen <em>werden</em> Daten zu Informationen – was, nebenbei, die philosophische <strong>Erbs&#252;nde der Informatik</strong> benennt, der wir schlie&#223;lich die g&#228;nzlich irref&#252;hrende Beschreibung von Computern als informationsverarbeitenden Maschinen verdanken.</p>
<p>Das <a href="http://carta.info/22720/christian-stoecker-die-vorteile-eines-freien-netzes-ueberwiegen-seine-nachteile/">Netz denkt nicht</a>, das m&#252;ssen wir weiterhin selber tun. Auch wenn’s Manchem schwerf&#228;llt. Umgekehrt gilt: Wer denken nennt, was Computer tun – und, wie Schirrmacher, auch noch ausdr&#252;cklich darauf hinweist, dass er das nicht metaphorisch meint –, der sagt damit weniger &#252;ber Computer als &#252;ber sein Menschenbild. <strong>Er muss n&#228;mlich den Begriff des Denkens reduktionistisch verk&#252;rzen</strong> – und nach Manier der Biotechnokraten die Vorg&#228;nge im Gehirn von vornherein als maschinell beschreiben. (Bei Schirrmacher steht konsequenterweise auch gleich zu Beginn des Buchs Marvin Minsky Pate mit seiner These: „Das Hirn ist nichts anderes als eine Fleisch-Maschine“.)</p>
<p>Wenn man die kategoriale Unterscheidung zwischen menschlichem Denken und Handeln einerseits und den maschinellen Abl&#228;ufen andererseits aufrecht erh&#228;lt, verliert das Szenario Schirrmachers einiges an Schrecken. Der sachliche Kern der Argumentation allerdings bleibt davon unber&#252;hrt. Denn es ist ja richtig: Wir finden im Netz nur, was sich in den digitalen Code der Computer &#252;bersetzen l&#228;sst. Ein Befund, nebenbei, den Jean-François Lyotard bereits 1979 in seinem Bericht <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-François_Lyotard#Das_postmoderne_Wissen"><em>Das postmoderne Wissen</em></a> formuliert hat.</p>
<p>Zugleich gilt: Die Daten im Netz werden durch Programme organisiert, nicht durch Menschen. Und die Algorithmen von Suchmaschinen à la Google sind wirkungsm&#228;chtige Steuerungsmechanismen, die unserem Denken nicht selten die Richtung weisen – etwa bei journalistischen oder wissenschaftlichen Recherchen. Das machen die <strong>klassischen Klassifikationsysteme</strong> traditioneller Bibliotheken allerdings auch – wir f&#228;nden kein Buch ohne sie, und finden zugleich nur die B&#252;cher, welche die gew&#228;hlte Ordnung etwa eines Schlagwortkatalogs uns finden l&#228;sst; und was nicht zwischen zwei Buchdeckel passt, finden wir dort gar nicht. Laien bleiben die Regeln der Katalogisierung dabei meist ebenso unverst&#228;ndlich, wie die Algorithmen der Suchmaschinen.</p>
<p>Dennoch bleibt es richtig, wenn Schirrmacher schreibt: „Google ist nicht nur eine Such- sondern auch eine Machtmaschine.“ Es ist im Grunde sogar viel schlimmer: Nicht erst die komplexen Algorithmen der avancierteren Programme, sondern bereits die recht <strong>simplen Codes </strong>elementarer Protokolle des Internets sind m&#228;chtige und wirkungsvolle Instrumente der Kanalisierung und <strong>Regulierung der Datenstr&#246;me</strong> – und damit auch unserer Interaktionen mit ihnen. Alexander Galloway hat in seinem klugen Buch <a href="http://mitpress.mit.edu/catalog/item/ default.asp?ttype =2&amp;tid =10069"><em>Protocol. How Control exists after Decentralization</em></a> gezeigt, wie Programme wie TCP/IP oder HTML, die den Datenverkehr im Netz, wie wir ihn kennen, &#252;berhaupt erst erm&#246;glichen, denselben zugleich begrenzen und lenken – weswegen, so Galloways Kernthese, das Internet ein zwar dezentrales, aber gleichzeitig hochgradig kontrolliertes Medium ist.</p>
<p>Nat&#252;rlich hat das Konsequenzen. Medien machen etwas mit uns, w&#228;hrend wir etwas mit ihnen machen Und es ist wichtig, sich die Funktionsweise der Medien, die man nutzt, genau anzusehen, will man verstehen, was sie machen. Der Ruf nach Transparenz der Mechanismen und <strong>Offenlegung der Codes</strong> ist eine berechtigte, aufkl&#228;rerische Forderung. Open Source Programme sind demokratischer als propriet&#228;re Software. Doch bedrohen Googles Algorithmen, so undurchschaubar sie sein m&#246;gen, tats&#228;chlich die Autonomie der Nutzer? Ist, wie Schirrmacher und andere unterstellen, gar unsere Individualit&#228;t in Gefahr? – Wohl kaum. Zumindest nicht mehr (wenn auch anders), als zuvor.</p>
<p>Sp&#228;testens seit Freud wissen wir, dass wir nicht Herr im eigenen Hause sind. Und dass der Grund daf&#252;r nicht nur Trieb und Libido hei&#223;t und im Un- oder Unterbewusstsein zu suchen ist, wissen wir mittlerweile auch. Denken Sie nur an die neueren Befunde der Neurowissenschaften zur Frage der Willensfreiheit, die Schirrmacher so gerne zitiert! Oder gehen Sie noch einen Schritt zur&#252;ck und erinnern sich an die Einsicht in die Eingebundenheit unserer Denkens in die vorg&#228;ngigen Strukturen der Sprache, die im franz&#246;sischen Poststrukturalismus der 60er Jahre zur These f&#252;hrte: <strong>Nicht der Mensch, die Sprache spricht!</strong></p>
<p>Das Konzept des voraussetzungs- und bedingungslos individuell agierenden und denkenden Einzelnen ist im vergangenen Jahrhundert von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Gr&#252;nden immer wieder neu als Mythos entlarvt worden. Wenn nun durch die Steuerungs- und Kontrollmechanismen der Software des Netzes unser Denken und Handeln mit neuen Bedingungen konfrontiert wird, an die es sich adaptieren muss, so kann man darin durchaus eine weitere jener <strong>narzisstischen Kr&#228;nkungen</strong> sehen, welche den neuzeitlichen Menschen immer wieder in seine Schranken weisen. Eine Gefahr f&#252;r unsere individuelle Freiheit und Autonomie aber kann nur der darin sehen, der Freiheit mit Bedingungslosigkeit und Autonomie mit Willk&#252;r verwechselt.</p>
<p>Vielleicht aber sieht ja, wer die Gefahr beschw&#246;rt, in Wahrheit weiter. Die unterstellte &#220;berlastung der intellektuellen Kapazit&#228;ten von Netznutzern wie auch das beschworene Szenario ihrer drohenden Unterwerfung unter die Macht der digitalen Programme mag nur ein Aspekt jener allgemeineren <strong>&#220;berforderungsrhetorik</strong> sein, die behauptet, dass wir mit der technischen Entwicklung einfach nicht Schritt halten k&#246;nnen. Wir kennen diese Rhetorik aus der Geschichte der pessimistischen Kulturtheorien von G&#252;nter Anders oder Neil Postman.</p>
<p>Bei Schirrmacher mischt sich die fast hysterische Prophetie des anstehenden Untergangs interessanterweise mit seinem jahrelangen, dankenswerten Bem&#252;hen, die aktuellen wissenschaftlichen und technischen Diskurse aus den USA bei uns heimisch zu machen. Die FAZ und ihr Herausgeber sind hier fraglos kompetent. Und was w&#228;re, wenn die &#220;berforderungsrhetorik nur inszeniert w&#228;re – und hinter ihr der Versuch einer Selbsterm&#228;chtigung als Deutungs- und Orientierungsinstanz steckte? Nach dem Motto: Wenn alle &#252;berfordert sind, sind wir m&#246;glicherweise gerade die Richtigen, den <strong>anderen zu sagen, wie’s jenseits der Gefahr weitergeht</strong>. Das w&#228;re – reine Spekulation &#8230;</p>
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		<title>Trojanischer Transfer</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 18:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gundolf S. Freyermuth</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die "Payback"-Debatte in der R&#252;ckschau: Frank Schirrmachers Rolle im digitalen Kulturkampf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/cf3e171aa3f94aa39fd4d2e2ee872ff9" alt="" width="1" height="1" />Der folgende Beitrag erscheint im Kontext der Veranstaltung &#8220;<a href="http://carta.info/23817/carta-streamt-leben-im-schwarm-wie-das-internet-uns-veraendert/">Leben im Schwarm &#8211; Wie das Internet uns ver&#228;ndert</a>&#8220;. Ebenfalls zu diesem Aufmacher geh&#246;rt der Text von Stefan M&#252;nker &#8220;<a href="http://carta.info/24238/das-netz-denkt-nicht-stefan-muenker/">Das Netz denkt nicht</a>&#8220;.<br />
</em></p>
<p>Eigentlich k&#246;nnen wir uns gl&#252;cklich sch&#228;tzen. Wir erleben mit der Digitalisierung den dritten Entwicklungsschub der Neuzeit. Uns bietet sich &#8211; wie nur wenigen Generationen &#8211; die Gelegenheit, entscheidende Weichen zu stellen und wichtige Anf&#228;nge aktiv mit zu gestalten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch hat sich in dieser Zeit des Aufbruchs eine befremdliche Arbeitsteilung zwischen alter und neuer Welt herausgebildet: Aus den USA kommen die Innovationen – verbl&#252;ffende Ideen, neue Hard- und Software, Firmen, die sie erfolgreich vermarkten. Europa und vor allem <strong>Deutschland</strong> hingegen liefern <strong>warnende Beipackzettel</strong> – bedenkliche Hinweise auf m&#246;gliche Gefahren und Nebenwirkungen. Die vergangenen Wochen, die ersten der Zehnerjahre des neuen Jahrhunderts, machten in dieser Hinsicht keine Ausnahme:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Apple pr&#228;sentierte in San Francisco das iPad und mit ihm unter anderem eine Hoffnung, die Krise der Printmedien zu &#252;berwinden. In Deutschland hingegen tobte off- wie online die Debatte um einen Bestseller, dessen Grundthesen schlicht besagen: <strong>Die Digitalisierung ist erstens unmenschlich und zweitens bedroht sie unsere Freiheit.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">„Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle &#252;ber unser Denken zur&#252;ckgewinnen“ – dieser Untertitel, den Frank Schirrmacher seinem Buch gab, summiert das Programm. „Payback“ kombiniert <strong>kulturpessimistischen Alarmismus mit Anleitung zur Selbsthilfe</strong> gegen behauptete Gefahren. Gleich der erste Satz ist eine so klug kalkulierte Bankrotterkl&#228;rung, dass ihr ein Platz in der Geschichte des Sachbuchs sicher ist: „Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Mit diesem und so manch anderen teils intimen, teils koketten Gest&#228;ndnissen vereinnahmt der Autor sein avisiertes Publikum, die breite Schicht eher gebildeter und eher &#228;lterer „digital immigrants“. Ihnen, so darf man aus dem Verkaufserfolg schlie&#223;en, graust es vor den sozialen und kulturellen Konsequenzen der Digitalisierung umso mehr, als sie sich ihnen bislang noch recht weitgehend entzogen haben, dies aber immer weniger k&#246;nnen. Im Verein mit einem konzertierten Medienmarketing – vom Vorabdruck im <em>Spiegel</em> &#252;ber TV-Auftritte bis zu prominenten Rezensionen der Feuilletonkollegen – ging Schirrmachers Kalk&#252;l auf. Wieder einmal initiierte der Mitherausgeber der <em>FAZ</em> erfolgreich eine nationale Debatte. Sie verlief bislang in zwei ebenso interessanten wie aufschlussreichen Phasen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Den Ausgangspunkt bildete die Behauptung einer grunds&#228;tzlichen <strong>Unmenschlichkeit digitaler Kultur</strong>: Wie einst die Taylorisierung die K&#246;rper der Menschen zur Anpassung an die Erfordernisse industrieller Maschinen gezwungen habe, so presse nun eine „digitale Taylorisierung“ unser Denken ins Computer-Joch. „Die Kopfschmerzen, die wir empfinden, die Blackouts, unter denen wir leiden, die Nervosit&#228;t, die uns umgibt, sind Ergebnisse eines epochalen Selbstversuchs, das menschliche Hirn an die Maschinen anzupassen.“ Doch noch Schlimmeres warte auf uns: „Die Informationsexplosion steht unmittelbar vor ihrer n&#228;chsten Z&#252;ndung.“ Und sie, so Schirrmacher, „wird unser Ged&#228;chtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen F&#228;higkeiten ver&#228;ndern, unser Gehirn physisch ver&#228;ndern, vergleichbar nur den Muskel- und K&#246;rperver&#228;nderungen der Menschen im Zeitalter der industriellen Revolution.”</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">An dieser Grundthese ist vielf&#228;ltige Kritik ge&#252;bt worden. Das Spektrum reicht von eher pauschalen Verurteilungen – „Was wir daraus lernen k&#246;nnen, reicht nicht an ein ‚Computer f&#252;r Dummies’ heran“ (<a href="http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/2147775_Frank-Schirrmachers-Payback-Der-Steampunker-im-Computerzeitalter.html">Christian Schl&#252;ter</a> in der <em>Frankfurter Rundschau</em>) – &#252;ber Erkl&#228;rungen, die Schirrmachers Bef&#252;rchtungen psychologisierend entweder als Theoretisierung eigener Probleme verstehen (<a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,663296,00.html">Christian St&#246;cker</a> bei <em>Spiegel Online</em>) oder als „Begleitbuch zu den aktuellen &#196;ngsten“ (<a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/509/494841/text/">Andrian Kreye</a> in der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em>) bis hin zu medienhistorischen Reflexionen, die zu Recht auf die ebenso lange wie irrige Tradition apokalyptischer Schwarzmalerei bei Aufkommen radikal neuer Technologien und Medien verweisen (<a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31640/1.html">Rudolf Maresch </a>im Online-Magazin <em>Telepolis</em>).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diese Kritikpunkte – intellektuelle Oberfl&#228;chlichkeit, Hypostasierung subjektiver Befindlichkeiten, Spekulation auf die &#196;ngste des Publikum, Gegenwartsverfallenheit bzw. Mangel an historischem Horizont – treffen zweifellos zu. Doch &#252;bersehen wird in der Debatte fast ausnahmslos, dass <strong>Schirrmachers Analyse die aktuellen Geschehnisse ziemlich exakt charakterisiert</strong>. Walter Benjamin hat beschrieben, wie radikal der Prozess der Industrialisierung – das Leben in der Gro&#223;stadt, die Durchsetzung der neuen Medien Fotografie und Film – menschliche Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen ver&#228;nderte. Eine historisch neue Kultur entstand &#8211; die industrielle &#8211; und mit ihr ein neuer Typus, der industrielle Mensch. Gepr&#228;gt von der Erfahrung der tayloristischen Zerlegung von Arbeitsabl&#228;ufen unterschied er sich mental nachhaltig vom agrarisch-handwerklichen Typus.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Vergleichbares erleben wir nun mit der rasanten Invasion von &#8220;digitaler&#8221; Hard- und Software sowie Breitbandvernetzung in den Alltag. Ein wiederum neuer Typus entsteht, der digitale Mensch. Es stimmt also, dass sich „durch die Computerisierung des Lebens sanft und unwiderstehlich unser eigenes Menschenbild zu ver&#228;ndern beginnt“. <strong>Der &#8220;Umbau des Denk- und Erinnerungsapparats&#8221;, den Schirrmacher so f&#252;rchtet, vollzieht sich tats&#228;chlich</strong>. Die Menschheit ver&#228;ndert sich nachhaltiger als einst im Prozess der Industrialisierung – nur dass das eben nicht zu f&#252;rchten ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Doch auch solche Furcht ist kulturhistorisch vertraut. Mit neuen Technologien pflegen neue Berufe zu entstehen und neue Schichten aufzusteigen. Dergleichen Wandel hat noch immer bei denen, die bis dahin dominierten, berechtigte wie unberechtigte Verlust&#228;ngste geweckt. Verhaltens- und Denkweisen, Werte und Gesetze, Kunst und Kommunikation wandeln sich. Aber es ist nicht die Welt, die untergeht, sondern stets nur eine bestimmte Welt – einst die vorindustrielle, nun die industrielle. Bei den Privilegierten der alten Kultur weckt das Wehmut. Viele andere erfahren den Wandel als Befreiung von &#252;berkommenen Zw&#228;ngen. Die Industrialisierung zerst&#246;rte Traditionen und gewohnte Freir&#228;ume. Aber sie bot gleichzeitig neue Freiheiten – politische, soziale, kulturelle –, wie sie die Menschheit zuvor nicht kannte. F&#252;r die Digitalisierung gilt dasselbe.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die zweite Phase der „Payback“-Debatte betraf denn auch genau diese Frage – die Grundthese Schirrmachers, dass <strong>die Digitalisierung unsere Freiheit bedrohe</strong>. Ausl&#246;ser war ein <a href="http://carta.info/22535/schirrmacher-kluge-algorithmen-geben-niemals-auf/">Videointerview</a>, das Alexander Kluge Ende Januar mit Schirrmacher f&#252;hrte. Das Gespr&#228;ch kreiste um die Bedeutung von Algorithmen in der digitalen Kultur, ihre Rolle bei der Auswahl und Aufbereitung von Informationen. Schirrmacher bekr&#228;ftigte dabei seine „Payback“-These, dass die zunehmend algorithmisch organisierte Sammlung, Filterung und Bereitstellung von Informationen und damit die Steuerung menschlicher Aufmerksamkeit eine bedrohliche „Ver&#228;nderung in der Geschichte des Denkens“ bedeute: „Wir werden das selbst&#228;ndige Denken verlernen, weil wir nicht mehr wissen, was wichtig ist und was nicht. Und wir werden uns in fast allen Bereichen der autorit&#228;ren Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Tradition dieser <strong>Angstvorstellung von der</strong> <strong>heraufziehenden Maschinenherrschaft</strong>, beschworen seit zwei Jahrhunderten in unz&#228;hligen Dystopien und popul&#228;ren Sachb&#252;chern, Romanen und Filmen, ist Frank Schirrmacher selbstredend bekannt. Seine Warnung jedoch, insistiert er, hat eine neue Qualit&#228;t. Denn diesmal gehe es nicht mehr um die simple Unterwerfung unserer K&#246;rper unter die Rhythmen der Maschinen. Die physische Bedrohung sei mit der Digitalisierung einer psychischen gewichen: Mit der steigenden F&#228;higkeit der Algorithmen, statistisch basierte Vorhersagen individueller Verhaltensweisen und subjektiver Geschmacks- und Kaufentscheidungen („predictive search“) zu treffen, drohe die Abschaffung unseres freien Willens: „Die gr&#246;&#223;te Gefahr ist, dass die Welt der Vorhersagen eine Welt der Vorherbestimmung wird.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Ausdr&#252;cklich betont Schirrmacher dabei, dass die digital erm&#228;chtigte Hirnforschung wie auch die moderne Psychologie einen freien Willen, wie ihn der gesunde Menschenverstand begreift, ohnehin f&#252;r eine Illusion halten. Doch gerade den Verlust dieser Illusion h&#228;lt er f&#252;r verderblich: Die Frage des freien Willens sei „keine akademische Frage. In einer vorausberechneten und vorhergesagten Welt wird sie zu einer Alltagsfrage der Menschen. Dabei ist es v&#246;llig egal, ob es einen freien Willen gibt oder nicht, wichtig ist, dass wir an ihn glauben.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nun verneint die von Schirrmacher d&#228;monisierte „Predictive search“-Technologie freie Willensentscheidungen ebenso sehr oder ebenso wenig wie die altbekannte Praxis der Demoskopie die Freiheit der Wahlentscheidung vernichtet. Doch sieht man von der intellektuell unscharfen Dramatisierung ab, so weist Schirrmachers Argumentation f&#252;r die Selbstillusionierung und gegen die Verwandlung der „Welt in Formeln, Systematiken und Algorithmen“ auf die ideologische Schwachstelle seines Denkens: Die Mathematisierung handwerklicher und &#246;konomischer Praktiken, auch von Kunst und Kommunikation steht am Anfang der westlichen Neuzeit. Die Herstellung mathematischer Berechenbarkeit trieb alle Modernisierungsprozesse von der Renaissance &#252;ber die Aufkl&#228;rung bis in die digitale Gegenwart. Indem er Mathematisierung als sch&#228;dliche Desillusionierung begreift, stellt Schirrmacher sich allen anderslautenden Lippenbekenntnissen zum Trotz in die – durchaus ehrw&#252;rdige, wenn auch unfruchtbare – <strong>Tradition romantischer Anti-Aufkl&#228;rung</strong>.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Was jedoch jenseits aller Mystifikationen realiter geschieht, wenn nun Algorithmen mediale Deutungsmacht gewinnen, hat unter anderem Robin Meyer-Lucht auf <em>Carta</em> <a href="http://carta.info/22143/gelernterschirrmacher-im-haus-der-algorithmischen-institutionen/">analysiert</a>: nicht die Abschaffung von Freiheit durch Maschinenherrschaft, sondern schlicht die Abl&#246;sung einer Sorte von Kontrolle durch eine andere. In der industriellen Epoche sammelten, filterten und verteilten massenmediale Institutionen alles wesentliche Wissen. Im Bereich aktueller Information waren (und sind) das die Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften, Radio- und Fernsehsendern.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dass deren Praktiken mit individueller Freiheit wenig zu tun haben, kann jeder bezeugen, der – wie der Autor dieser Zeilen – einschl&#228;gige Erfahrungen sammeln konnte. Wenn nun algorithmisch organisierte Organisationen wie Google den etablierten Verlagen und Sendern mit einigem Erfolg Konkurrenz machen, vollzieht sich <strong>der &#220;bergang von analogen zu digitalen Filterungsprozessen</strong>; nicht mehr und nicht weniger. Die Frage einer damit verbundenen Einschr&#228;nkung oder Ausweitung individueller Freiheit – der Information, des Denkens – ist von diesem institutionellen Wandel kategorial unabh&#228;ngig und nach wie vor nur durch detaillierte Einsicht in die jeweiligen Prozesse und damit am guten Ende politisch zu l&#246;sen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dieses letzte Moment – die Klage dar&#252;ber, dass algorithmisch organisierte M&#228;rkte das Selektionsmonopol der Institutionen in Frage stellen, die „Wissen unterrichten, produzieren, drucken und verbreiten“– deutet auf die zweite, nun biographische Schwachstelle von Schirrmachers Position. Sein Erwachsenen- und Berufsleben pr&#228;gten kulturelle Praktiken, deren G&#252;ltigkeit die Digitalisierung in Frage stellt. Folgerichtig vermag er deren Krise, die neue Instabilit&#228;t, den schnellen Fluss der Dinge, prim&#228;r als Bedrohung und nur am Rande als Chance wahrzunehmen. Sein hohes Ma&#223; an Selbstreflexion beweist sich genau an diesem Punkt, als Selbstverdacht: Es sei noch unklar, h&#228;lt er fest, ob sich hinter dem Siegeszug der Algorithmen „eine der n&#228;chsten gro&#223;en Kr&#228;nkungen des Menschen verbirgt oder nur die Kr&#228;nkung unserer Generation, die schlichtweg &#252;berfordert ist.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zwar liest sich „Payback“ auf weiten Strecken intelligenter als das Gros der Beitr&#228;ge zu der heftigen Debatte, die der Bestseller im Feuilleton wie in den Blogs entfesselte. Seine gro&#223;e Schw&#228;che besteht jedoch in genau dem Umstand, der seinen popul&#228;ren Erfolg ausmacht: dass die zentralen Positionen in so hohem Ma&#223;e den Erfahrungen und (Vor-)Urteilen von Schirrmachers Schicht und Generation verhaftet bleiben. Die digitale Revolution geht, wie er selbst sagt, prim&#228;r von den USA aus. Den <strong>deutschen Mangel an digital informierter Intellektualit&#228;t</strong>, den er in Interviews und auf Podien zu Recht beklagt, belegt so einmal mehr der anti-aufkl&#228;rerische Kulturpessimismus seines Bestsellers.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dessen bleibende Wirkung d&#252;rfte denn auch vor allem in dem Kulturtransfer bestehen, den Schirrmacher gewisserma&#223;en nebenbei besorgt. Bedeutend ist „Payback“ als ein trojanisches Geschenk: In der Verkleidung kulturpessimistischer Jeremiaden schmuggelt das Buch Vordenker der Digitalisierung in Kreise, die sich sonst niemals auf W. Daniel Hillis oder Daniel Dennett, George Dyson oder Bruce Sterling, Stephen Baker oder Jeff Hawkins und ihre bahnbrechenden Theorien eingelassen h&#228;tten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Gegen wie mit Schirrmacher bleibt damit die Hoffnung, dass dank der „Payback“-Debatte neue, positivere Gedanken in den recht inzestu&#246;s-negativen deutschen Ideen-Pool einflie&#223;en. Denn: „Menschen k&#246;nnen ‚geweckt’ werden, sie reagieren, wenn sie mit einer anderen Perspektive konfrontiert werden. Sie sind bereit, ihre eigenen Annahmen infrage zu stellen und neu zu denken.“</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Gundolf S. Freyermuth hat diesen Text f&#252;r die M&#228;rz-Ausgabe des <a href="http://rotary.de/rotary_verlag/rotary_magazin/heft.php?oid=844&amp;nm=M%E4rz%202010">Rotary Magazins</a> </em><em>geschrieben. Carta pr&#228;sentiert den Text hier in einer leicht &#252;berarbeiteten Fassung erstmals online.</em></p>
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		<title>Medienlinks zum Wochenstart: Nachrichten aus dem Netzwerkfilter</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 16:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Langer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Editors Pick]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer mehr Amerikaner informieren sich per Social Media (Pew Study) - Europa ist anders (SXSW) - Syndication zunehmend auch bei Online-Nachrichtenseiten - BBC kooperiert mit B&#252;rgerreportern - Schein und Sein bei Datenkontrolle und Privatsph&#228;re-Einstellungen in sozialen Netzwerken]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9440bfcbb2e44de980fd04fd4343ccf1" width="1" height="1" alt=""/><a href="http://www.cyberjournalist.net/news-is-a-social-experience/">News is a social experience</a></p>
<p>Die neueste <strong>Pew Internet-Studie </strong>untersucht, wie Amerikaner<strong> </strong><strong>Nachrichten im Internet </strong>zunehmend &#252;ber ihre <strong>sozialen Netzwerke </strong>filtern und konsumieren:</p>
<ul>
<li>75% der Nachrichtennutzer bekommen die Nachrichten per Email oder soziale Netzwerke. 52% mailen oder verlinken ihrerseits Nachrichten.</li>
<li>51% der Nutzer von Netzwerken wie Facebook sagen, dass dies Alltagsverhalten ist.</li>
<li>23% folgen Journalisten oder Nachrichtenorganisation via Twitter, Facebook etc.</li>
</ul>
<p><a href="http://www.thewavingcat.com/2010/03/14/lost-in-translation-nuances-of-european-social-media/">Lost in Translation: Nuances of European Social Media</a></p>
<p>Berater Peter Bihr (<em>The Waving Cat</em>) ist auf der einw&#246;chigen Musik- und Digitalkonferenz <strong>SXSW </strong>im texanischen Austin kurzfristig als Panelist eingesprungen und hat die Erkenntnisse aus dem Panel &#252;ber kulturelle Unterschiede zwischen den USA und europ&#228;ischen L&#228;ndern in Bezug auf Social Media und die Startup-Szene auf seinem Blog gepostet. Leitmotiv: “<strong>Europe is not just another USA. Europe isn’t even Europe, so to speak</strong>, but a large number of individual countries.”</p>
<p><a rel="bookmark" href="http://www.niemanlab.org/2010/03/the-newsonomics-of-new-news-syndication/">The Newsonomics of new news syndication</a></p>
<p>Gastautor Ken Doctor stellt bei <em>Nieman Journalism Lab </em>ein Gesch&#228;ftsmodell vor, dass bisher vor allem den Agenturen und gro&#223;en Namen in Old Media (<em>New York Times, Chicago Tribune</em>, etc.) vorbehalten war: Syndication. “Now, <strong>we’re beginning to see next-generation syndication embraced by digital news startups</strong>, and that’s good news, a good supplement to advertising and sponsorship revenues, to membership charges and conferences”, sagt Doctor. Die Nachrichtenwebsite <a href="http://www.globalpost.com/"><strong><em>Global Post</em></strong></a> erzielt bereits zw&#246;lf Prozent ihres Umsatzes mit dem <strong>Weiterverkauf von Inhalten</strong>.</p>
<p id="heading-alone"><a href="http://www.guardian.co.uk/media/pda/2010/mar/09/blogging-digital-media">BBC teams up with citizen journalists’ network Global Voices</a></p>
<p>Die <strong>BBC</strong> verliert die Scheu vor “B&#252;rgerreportern” und <strong>kooperiert mit </strong><em><strong>Global Voices</strong></em>, einem Netzwerk von 200 Bloggern. Global Voices Chef Ivan Sigal: “The idea that citizen journalism is somehow opposed to, or in conflict with, traditional journalism is now clearly past.” Der &#220;berschriftenlink f&#252;hrt zum <em>Guardian</em>, auch <a href="http://onlinejournalismblog.com/2010/03/12/must-user-generated-content-risk-quality-journalism/"><strong><em>Online Journalism Blog</em></strong></a> besch&#228;ftigt sich mit dem Thema und w&#228;gt die Vor- und Nachteile ab.</p>
<p><a href="http://handbook.reuters.com/index.php/Reporting_from_the_internet#Social_media_guidelines">Reporting from the internet</a></p>
<p>Die Nachrichtenagentur <strong>Reuters</strong> hat sich “<strong>Social Media Guidelines</strong>” auferlegt. Interessant ist unter anderem der Hinweis darauf, dass Mitarbeiter durch das Verbreiten &#252;ber Twitter keinesfalls das Gesch&#228;ftsmodell von Reuters gef&#228;hrden d&#252;rfen: “<strong>Don’t scoop the wire.</strong>” (Breaking News sind zuerst als Agenturmeldung zu verbreiten). Lesenswertes auf deutsch dazu auch bei <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2010/03/12/reuters-kontra-twitter-erst-die-kunden-dann-die-follower/"><strong><em>Basic Thinking</em></strong></a>.</p>
<p><a title="Danah Boyd: How Technology Makes A Mess Of Privacy and Publicity" rel="bookmark" href="http://techcrunch.com/2010/03/13/privacy-publicity-sxsw/">Danah Boyd: How Technology Makes A Mess Of Privacy and Publicity</a></p>
<p>Datenkontrolle I: <strong>SXSW</strong> Keynote Speaker Danah Boyd, Social Media Researcher bei Microsoft New England, fragt sich, <strong>seit wann es okay ist, dass Konzerne wie Google oder Facebook Privatsph&#228;re-Einstellungen der Nutzer per “default” (voreingestellt) auf “&#246;ffentlich” stellen</strong>. Boyd fragte Nicht-Techies, wie sie es mit ihren Privatsph&#228;re-Einstellungen halten. “She has yet to find a single person whose actual privacy settings matched what they thought they were”, schreibt <em>Techcrunch</em>.</p>
<p><a href="http://www.kerstin-hoffmann.de/pr-doktor/2010/03/11/dein-twitter-gehort-dir-nicht/">Dein Twitter geh&#246;rt dir nicht!</a></p>
<p>Datenkontrolle II: Kerstin Hoffmann fragt sich in ihrem Blog <em>PR-Doktor</em>, was eigentlich mit den ganzen Inhalten passiert, die eifrige Networker im Laufe  der Jahre bei Twitter, Facebook und Co hinterlegen. Falls man dort zum Beispiel eines Tages vor verschlossenen T&#252;ren steht oder das Kleingedruckte &#252;berlesen hat: “Viele, die munter Fotos hochladen, anderen Applikationen <strong>Zugriff auf ihre Social Media gew&#228;hren</strong> oder sonstwo etwas posten, haben noch nie wirklich nachgelesen, <strong>welche umfassenden Rechte sich viele Betreiber auf das geistige Eigentum der Teilnehmer vorbehalten</strong>. Da ist ein Fremd-Werbe-Tweet &#252;ber den eigenen Account ja noch die harmloseste Variante.”</p>
<p><em>Die Fachjournalistin Ulrike Langer bloggt auf medialdigital, wo sie auch <a href="http://medialdigital.de/2010/03/14/linktipps-zum-wochenstart-nachrichten-aus-dem-netzwerkfilter/">diese Linktipps</a> regelm&#228;&#223;ig ver&#246;ffentlicht. Carta &#252;bernimmt die Linktipps mit freundlicher Genehmigung der Autorin als Crossposting.</em></p>
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		<title>Obama: Exportf&#246;rderung durch forciertes ACTA-Urheberrecht</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 14:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Barack Obama will die USA wieder zu einer Exportnation machen und setzt daf&#252;r auch auf einen verst&#228;rken Schutz von Immaterialg&#252;tern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Barack Obama hat sich am Donnerstag bei einer Rede auf der Jahreskonferenz der staatlichen Export-Import Bank in Washington erstmals zu den Zielen von ACTA, einschlie&#223;lich der besonders umstrittenen  Kapitel „Civil Enforcement“ und „Special Measures related to  Technological Enforcement Means and the Internet“, bekannt, wie J&#252;rgen Scheele auf Digitale Linke <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/obama-kundigt-aggressive-politik-zum-schutz-des-geistigen-eigentums-an/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+DigitaleLinke+%28DIGITALE+LINKE%29&amp;utm_content=Google+Reader">schreibt</a>.</p>
<p>Laut des auf der Website des Wei&#223;en Hauses wiedergegebnen <a href="http://www.whitehouse.gov/the-press-office/remarks-president-export-import-banks-annual-conference" target="_blank">Redemanuskripts</a> sagte Obama:</p>
<blockquote><p>What’s more, we’re going to <strong>aggressively protect our  intellectual property</strong>. Our single greatest asset is the innovation and  the ingenuity and creativity of the American people. It is essential to  our prosperity and it will only become more so in this century. But it’s  only a competitive advantage if our companies know that someone else  can’t just steal that idea and duplicate it with cheaper inputs and  labor. There’s nothing wrong with other people using our technologies,  we welcome it –- we just want to make sure that it’s licensed, and that  <strong>American businesses are getting paid appropriately</strong>. That’s why USTR is  using the <strong>full arsenal of tools </strong>available to crack down on practices  that blatantly harm our businesses, and that includes negotiating proper  protections and enforcing our existing agreements, and moving forward  on new agreements, including the proposed <strong>Anti-Counterfeiting Trade  Agreement</strong>.</p></blockquote>
<p>Dazu J&#252;rgen Scheele:</p>
<blockquote><p>All jene, die auf eine Reform des Urheberrechts unter dem neuen,  vermeintlich internet- und technikaffinen US-Pr&#228;sidenten gesetzt hatten,  d&#252;rften damit auf dem harten Boden der Realit&#228;t angekommen sein. <strong>Ganz  offensichtlich hat sich die aggressive Anti-Piraterie-Haltung aus der  Film-, Musik- und Verlagsindustrie nicht nur innerhalb der  Obama-Administration  durchgesetzt, sondern auch bei diesem  selbst</strong>.</p></blockquote>
<p>Mehr <a href="http://blog.die-linke.de/digitalelinke/obama-kundigt-aggressive-politik-zum-schutz-des-geistigen-eigentums-an/?utm_source=feedburner&amp;utm_medium=feed&amp;utm_campaign=Feed%3A+DigitaleLinke+%28DIGITALE+LINKE%29&amp;utm_content=Google+Reader">hier</a>.</p>
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		<title>Die Sache mit der Unabh&#228;ngigkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 14 Mar 2010 14:01:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Robin Meyer-Lucht</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>

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		<description><![CDATA[@ Tharben: Ich h&#228;tte ohnehin fast ein Post zur Niggemeier/Schumacher/Unabh&#228;ngigkeits-Thematik geschrieben. Da du die Sache jetzt <a href= "http://carta.info/23996/gez-rundfunkgebuehr-staatsferne-vs-realitaetsferne/#comment-11038">hier</a> ansprichst, nehme ich den Anlass hier mal auf:]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/9b3331e0d1534e61a06b4befab047e1f" alt="" width="1" height="1" />Die Fiktion der Interessenlosigkeit und Unabh&#228;ngigkeit von Journalisten – und daraus abgeleitet die Forderung nach der Interessenlosigkeit und Unabh&#228;ngigkeit m&#246;glichst vieler an der &#246;ffentlichen Kommunikation Beteiligter – erscheint mir wenig hilfreich und zunehmend dysfunktional.</p>
<p>Journalisten sind – aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet – unabh&#228;ngiger als andere Kommunikatoren. Aber letztlich sind auch Journalisten von sehr vielen (eigenen und fremden) Interessen abh&#228;ngig.</p>
<p>Glaubt man habermasianisch an die Kraft des besseren Arguments, dann kann eine Diskussion auch Interessen vertragen. Wichtig ist, dass Interessen hinreichend transparent offen liegen. Bei den hier genannten Personen ist das sicher der Fall.</p>
<p>Im Netz gibt es einen viel intensiveren Austausch zwischen mehr Menschen, die mehr Argumente und mehr Interessen haben – und ich bin mir sicher, dass daraus bessere Diskussionsergebnisse folgen. Interessen sind daher nicht Fremdk&#246;rper in Diskussionen, sondern ihr inh&#228;renter Bestandteil.</p>
<p>Man sollte soviel Abstand haben, um zu erkennen, dass mit Unabh&#228;ngigkeit und angeblicher Interessenlosigkeit auch politische Linien abgegrenzt werden. Die Interessen anderer erscheinen einem – so mein Eindruck – umso gr&#246;&#223;er, je weiter sie von den vermeintlich eigenen entfernt sind.</p>
<p>Daher neigt man dazu, politisch anders denkenden Interessen vorzuwerfen, w&#228;hrend man selbst nur legitime Anliegen zu haben scheint. Letztlich geht es dabei folglich nicht um die Interessenhaftigkeit an sich, sondern um die konkreten Inhalte dieser Interessen. Statt aber inhaltlich zu argumentieren, wirft man sich ein interessengeleitetes Vorgehen vor. Damit umgeht man die Diskussion und versucht zugleich, andere als minder diskussionsteilnahmef&#228;hig abzustempeln.</p>
<p>Und das wiederum ist ganz unhabermasianisch: Es setzt nicht auf die Kraft des besseres Arguments, sondern auf die Kraft von aus dem US-Wahlkampf bekannten Diskreditierungs-Techniken.</p>
<p>Ich pers&#246;nlich habe keinen Zweifel daran, dass etwa Hajo Schumacher und Stefan Niggemeier als Pers&#246;nlichkeiten mehr als stark genug sind, einfach ihre eigene Meinung zu vertreten. Dass sie Interessen haben, interessiert mich eher zweitrangig. Was mich vor allem interessiert, sind ihre Argumente und ihre (ordnungs-)politische Grundeinstellung.</p>
<p>Daher brauchen wir im Netz eine Kultur der Kraft der Argumente, eine Kultur der hinreichenden Transparenz von Interessen – und keine Unabh&#228;ngigkeitswarte.</p>
<p>(Disclaimer: Stefan Niggemeier und Tharben waren in der Vergangenheit von meiner Unabh&#228;ngigkeit nicht immer ganz &#252;berzeugt)</p>
<p>Der Text ist ein Repost aus diesem <a href="../../23996/gez-rundfunkgebuehr-staatsferne-vs-realitaetsferne/#comment-11040">Thread</a>.</p>
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		</item>
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		<title>Das unbestimmte Leistungsschutzrecht: Auf dem Weg zur PC-Geb&#252;hr</title>
		<link>http://carta.info/24211/das-unbestimmte-leistungsschutzrecht-auf-dem-weg-zur-pc-gebuehr/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 11:59:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Langer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsschutzrecht]]></category>
		<category><![CDATA[PC-Gebühr]]></category>
		<category><![CDATA[Rundfunkgebühr]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leistungsschutzrecht nimmt ein wenig konkretere Formen an - und l&#228;sst dabei noch viele Fragen offen. Es scheint, die Verlage m&#246;chten es mit m&#246;glichst wenig Aufhebens einf&#252;hren. Um eine weitere PC-Geb&#252;hr zulasten Unbeteiligter und Kleingewerbetreibender zu verhindern, braucht es jetzt eine &#246;ffentliche Debatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/92d3b4b4b6e1435ea8fc914e8ae0be39" alt="" width="1" height="1" />Gestern hatte ich zum Thema Leistungsschutzrecht (LSR) ein Déjà-vu-Erlebnis: Das Prinzip f&#252;r eine m&#246;glichst lautlose Einf&#252;hrung des LSR kennen wir doch eigentlich schon. Es l&#228;uft momentan wie bei der Einf&#252;hrung der “Rundfunkgeb&#252;hren f&#252;r neuartige Rundfunkempfangsger&#228;te” (vulgo PC-Geb&#252;hr). Das Thema soll mit m&#246;glichst vagen Aussagen m&#246;glichst bis zum Schluss unterhalb der &#246;ffentlichen Emp&#246;rungsschwelle gehalten werden. Au&#223;erdem vermeiden die Bef&#252;rworter eines LSR (also die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage) eine breite Solidarisierung gegen ihre Pl&#228;ne, indem einzelne Interessengruppen auseinander dividiert werden.</p>
<p>Man erinnere sich an die Phase vor der PC-Geb&#252;hr: Da hie&#223; es in den Verhandlungen und beim Beschluss des Rundfunk&#228;nderungsstaatsvertrags 2004 auch zun&#228;chst: Wir haben jetzt die rechtliche Grundlage, aber wir werden sie (noch) nicht anwenden. Dann wurde sie ab 2007 angewandt, aber (zun&#228;chst) nur in H&#246;he der Radiogeb&#252;hr. Die &#246;ffentliche Emp&#246;rung hielt man in Grenzen, indem man versicherte, der allergr&#246;&#223;te Teil der Privathaushalte sei ja ohnehin nicht betroffen (nur dann, wenn sie bisher kein Radio angemeldet hatten). Au&#223;erdem wurde das Schweigen der Gro&#223;betriebe erkauft, indem man die Abgabe auf einen PC pro Grundst&#252;ck beschr&#228;nkte, den Konzernen also einen gewaltigen Mengenrabatt gew&#228;hrte. Am Ende blieben Kleingewerbetreibende, Solo-Selbstst&#228;ndige und Heimarbeiter &#252;brig. Von den Heimarbeitern wurden dann aber letztlich noch einmal alle Lehrer ausgenommen (mit der absurden Begr&#252;ndung: Schulen als &#246;ffentliche Arbeitgeber h&#228;tten keine Gewinnerzielungsabsicht und Lehrer, die daheim ihren Unterricht vorbereiten, demnach auch nicht).</p>
<p>Daf&#252;r werden seitdem B&#228;cker, Friseursalons, Webdesigner oder freie Journalisten f&#252;r die berufliche Nutzung eines PCs zur Kasse gebeten, auch wenn ihr Umsatz gering ist. Demn&#228;chst, wenn es nach den Ministerpr&#228;sidenten geht, sogar mit der <a href="../../19672/internet-gez-gebuehr-vollzahler-gebuehrenmodell/"><strong>vollen Rundfunkgeb&#252;hr</strong></a>. Und da in Deutschland keine Sammelklagen zul&#228;ssig sind, muss jeder Kleingewerbetreibende und Solo-Selbstst&#228;ndige, der sich zu Unrecht abkassiert glaubt, gesondert Klage einreichen. Noch ist kein Verfahren weiter als bis zur Instanz eines Oberverwaltungsgericht gekommen, und nat&#252;rlich herrscht angesichts der <a href="http://www.pc-gebuehr.de/aktuelles2010.html"><strong>v&#246;llig unterschiedlichen Urteile</strong></a> je nach Gericht weiterhin Rechtsunsicherheit.</p>
<p>So &#228;hnlich sehe ich das auch beim Leistungsschutzrecht kommen. Bei der Auftaktveranstaltung zum <a href="http://www.koelner-forum-medienrecht.de/veranstaltung/digital-und-ohne-recht-umbruch-der-verlagsbranche.html"><strong>K&#246;lner Forum f&#252;r Medienrecht</strong></a> sagte Christoph Keese, Cheflobbyist des Axel Springer Verlags, nach einer Meldung von <em><a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/Leistungsschutzrecht-Nicht-nur-Google-soll-zahlen-952766.html"><strong>Heise Online</strong></a></em> gestern erstmals, wer denn Zahlungen nach dem Leistungsschutzrecht entrichten solle:</p>
<blockquote><p>Zahlen sollen in Zukunft nicht nur Portale wie Google, die kostenfrei abrufbare Inhalte systematisch auswerten, sondern jeder gewerbliche Nutzer der Verlagsangebote im Internet. Dabei nannte Keese explizit die sch&#228;tzungsweise 20 Millionen gewerblich eingesetzten PCs in Deutschland.</p></blockquote>
<p>Das ist so ziemlich das Konkreteste, was wir bisher zu diesem Thema vernommen haben. Denn genauso wie die angeblich schutzw&#252;rdigen Leistungen der Verlage im Internet bisher vor allem negativ formuliert wurden (keine einzelnen Texte, keine &#220;berschriften, kein Layout, keine Verlinkungen), hie&#223; es auch bei Fragen zum Kreis der potenziell Zahlungspflichtigen bisher vor allem, das geplante Gesetz richte sich nicht explizit gegen Google und nicht gegen Blogger. Au&#223;erdem m&#252;sse f&#252;r Journalisten und andere Urheber eine <a href="http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2010/02/2010-02-24-bkm-leistungsschutz-presseverlage.html"><strong>“angemessene und ausgewogene L&#246;sung</strong>“</a> gefunden werden (Pressemitteilung der Bundesregierung nach einem Treffen von Kulturstaatsminister Neumann und Presseverlegern).</p>
<p>In einem von <em>Carta</em> &#252;bernommenem <a href="../../23863/burda-vorstand-schweizer-das-leistungsschutzrecht-richtet-sich-gegen-niemanden/"><strong>Interview mit Promedia</strong></a> erl&#228;uterte Burda-Rechtsvorstand Robert Schweizer:</p>
<blockquote><p>Die ersten Gespr&#228;che mit den politischen Entscheidungstr&#228;gern beginnen derzeit. Ein Textvorschlag soll jedoch, wenn auch m&#246;glichst umgehend, erst vorgelegt werden, wenn Verleger und Journalistengewerkschaften rundum einen Konsens gefunden haben.</p></blockquote>
<p>Doch solch eine Branchenregelung w&#252;rde ganz schnell zu Abgrenzungsproblemen f&#252;hren. “Journalist” ist bekanntlich keine gesch&#252;tzte Berufsbezeichnung. Kommt man nur mit Presseausweis in den Genuss der LSR-Befreiung? Nur wenn man hauptberuflicher Journalist ist? Was ist mit Bloggern? Was mit gewerblichen Bloggern? <em><a href="http://www.netzpolitik.org/2010/leistungsschutzrecht-wird-konkretisiert/"><strong>Netzpolitik</strong></a></em> fragt sich zu Recht: “Und wer kontrolliert eigentlich, wieviele PCs in Unternehmen stehen?” Weiter w&#228;re zu fragen: Was ist eigentlich eine gewerbliche Nutzung? Keese nannte bei einer <a href="../../21539/carta-livestream-der-diskussion-gottes-werk-und-googles-beitrag/"><strong>Podiumsdiskussion der Heinrich-B&#246;ll-Stiftung</strong></a> im Januar als typischen Fall einen Bankangestellten, der sich mit Hilfe frei zug&#228;nglicher Verlagsangebote im Netz vor der Kreditvergabe &#252;ber einen Mittelst&#228;ndler informiert und dazu in der Bank Texte herunterl&#228;dt oder ausdruckt, anstatt die gedruckte Zeitung zu kaufen. Doch ist es auch eine gewerbliche Nutzung, wenn der Mitarbeiter das Gleiche zuhause tut und die Texte am n&#228;chsten Morgen in die Filiale mitbringt? Die Antwort auf diese Frage blieb Keese schuldig.</p>
<p>Halten wir fest: <strong>F&#252;r 20 Millionen schwer definierbare gewerblich genutzte PCs soll also k&#252;nftig eine Abgabe in unbestimmter H&#246;he f&#252;r eine unbestimmte Leistung entrichtet werden</strong>, wenn es ein Leistungsschutzrecht gibt. Au&#223;erdem gibt es nicht-&#246;ffentliche Gespr&#228;che zwischen Verlags- und Gewerkschaftsvertretern &#252;ber Ausnahmereglungen f&#252;r nicht genau definierte Interessengruppen, die aber offenbar auch nur nebenbei gef&#252;hrt werden, weil die Verlage laut <em>Heise</em> nun eine Kartellausnahmegenehmigung beantragen wollen, f&#252;r die sie gar keine Zustimmung der Journalisten-Gewerkschaften br&#228;uchten. Vielleicht ist dieser Kenntnisstand endlich Anlass, &#252;ber dieses Thema eine breite und demokratisch legimierte Debatte zu f&#252;hren, bevor Tatsachen zulasten Unbeteiligter geschaffen werden. Die PC-Geb&#252;hr l&#228;sst gr&#252;&#223;en.</p>
<p><em>Ulrike Langer hat diesen Text zuerst auf ihrem Blog <a href="http://medialdigital.de/2010/03/12/das-leistungsschutzrecht-nimmt-den-weg-der-pc-gebuhr/">Medial Digital</a> gepostet. Wir crossposten ihn mit freundlicher Zustimmung der Autorin.</em></p>
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