Es fällt auf, dass niemand die Polizei in Schutz nimmt gegen solche Anwürfe. Nach den Regeln der Kunst kann man ein solches Flugblatt als öffentliche Reaktion prinzipiell vergessen. Es ist schon merkwürdig, welche überzogenen öffentlichen Erwartungen an die Ermittlungsbehörden gestellt werden.
Es stimmt, dass es zu wenig technische Debatte gibt. Die Worte aus dem Gegenmanifest sind richtig:
“Auf die damit aufgeworfenen Fragen lassen sich keine einfachen Antworten finden. Die Krisenpolitik steht notgedrungen im Streit unterschiedlicher Einschätzungen und Sichtweisen, zumal nicht auf Lehrbuchweisheiten zurückgegriffen werden kann.”
Möglicherweise haben beide Manifeste Recht. Nur vergessen die Kritiker der Beschlüsse, dass es um den Ordnungsrahmen ging. Da brauchen wir eher einen stärkeren Ordnungsrahmen als einen schwächeren.
“Es fing schon damit an, dass offensichtlich kein Investigativteam oder ein einzelner Redakteur eines größeren Mediums in den vergangenen Jahren die behördlichen Märchen von den „Dönermorden“ in Zweifel gezogen hat.”
Welche Behörden haben denn jemals den Begriff “Dönermord” benutzt? Keine. Die Behörden haben in die falsche Richtung ermittelt. Das ist aber kein Fehler von ihnen bei der Indizienlage. Man kann ja auch einfach die Wahrheit aussprechen, nämlich dass es kein Fehler ist, wenn die Kriminalpolizei nach den Regeln der Kunst vorgeht. Wenn Dein Arzt anhand deiner Symptome Grippe diagnotiziert, in Wirklichkeit es aber ein neuartiges Virus ist, wie sich später rausstellt, dann macht der (auch im Rückblick) nichts fachlich falsch, sondern verfährt nur nach den heuristischen Regeln seiner Kunst. Und würde es wieder genauso machen, bereichert durch die Erkenntnis, dass es durchgeknallte Typen gibt, die aus politischen Gründen quer durch die Republik irgendwelche kleine Krauter abknallen fahren!
“Man kann allerdings auch der Zivilgesellschaft einen Vorwurf machen. Während mit äußerster Energie per Crowdsourcing Plagiatjäger diverse Politiker zu Fall brachten (oder danach trachteten), ist auch durch die vielbeschworene „Netzgemeinde“ keine nennenswerte Plattform entstanden, die Fakten, Gerüchte und Indizien zum NSU zusammenträgt.”
Warum auch? Wieso sollte das so wichtig sein?
“Doch was ist beispielsweise mit diesen Fragen: Wie das war mit dem Selbstmord der zwei NSU Mitglieder; dass es nur drei NSU Mitglieder gäbe;”
Gibt es denn diese “Organisation” überhaupt? Zuletzt ist im Mordfall nichts belegt. Nicht einmal die Schuld der betreffenden Personen. Es gibt aber wieder öffentlich gemachte Annahmen der entsprechenden Behörden, auf die wir uns verlassen. Die Behörden sind dafür auch zuständig. Nicht immer können sie den totalitär anmutenden Ansprüchen genügen.
Die Aussage, dass die EU Kommission Patentrecht für Software anstrebt, führt in die Irre. Es gibt ja, ausgenommen von biologischen Anwendungen, derzeit noch nicht einmal eine EU-Harmonisierung des materiellen Patentrechts.
Es ist erfreulich, dass die CDU erkennt wie wichtig Urheberrecht für Software ist und wie abträglich Patentrecht. Freilich gibt sie mit ihrem politisch abgeschirmten Patentgericht die Debatte aus der Hand.
Sicherlich waren die Safe Harbour Regeln in den USA hilfreich für die Online-Branche und die Größe des amerikanischen Marktes. Firmen stehen vor unkalkulierbaren Rechtsrisiken und Verwundbarkeiten. Im angelsächsischen Raum gibt es die schöne Formel des “shooting in the cradle”. Der andere Aspekt ist, dass die politische Unterstützung oftmals bei den bereits Etablierten Rat sucht. Wie verträgt sich das mit Schumpeterscher Innovation? Um das Automobil einzuführen ist die Anhörung der Kutscher- und Pferdezüchterverbände nicht gerade hilfreich. Nicht zu vergessen die Gefahren des Tonflims: http://blog.maschinenraum.tk/2009/06/24/gefahren-des-tonfilms/
In Frankreich würde sich keiner darum kümmern, wenn der Präsident oder ein anderer hochrangiger Politiker bei der Chefredaktion anruft. Christian Wulff war nicht mehr tragbar, weil er sich entschuldigt hat.
Schwermut finde ich sinnvoll zur Persönlichkeitsbildung. Jeder mit Anspruch erlebt Schwermut.
Wer sich medial überlastet, wie ein Automatensüchtiger seine elektronischen Kanäle füttert, erleidet Burnout. Das ist ein sinnvolles Warnsignal, dass man das mediale Verhalten ändern muss, das richtige Maß finden.
Alles eine Frage der Einstellung zu dem Phänomen. Was sich in unserer Kultur geändert hat, das ist die Unfähigkeit damit anders als pathologisierend umzugehen, und das Verlernen der kulturellen Programme romantischer Art zur Katharsis. Die
Unfähigkeit zu angemessenem Pessimismus. Der unterdrückte Ausdruck, der ungehörte Fluch, der stumme Schrei muss sich dann in einer Krankheit Depression Bahn brechen. Eine rein symptomatische Heilbehandlung hilft nicht, denn unser Körper begeht keinen Fehler, er teilt uns etwas mit.
Die Muße zur Schwermut ist das Gegengift zur Krankheit Depression.
Das Besondere sind nicht die Vorträge, sondern mit wie viel fantastischen Personen Du ins Gespräch kommst. Für mich eine der besten Konferenzen seit Eurofoo. Wenn nur das WLAN funktioniert hätte…
Die Tageszeitungen reflektieren nicht ausreichend ihre Sittenwächterfunktionen unter den inter-medialen Bedingungen. Ihre Anstandsregeln sind immer an Prämisse gebunden, dass die entsprechende Person Macht und Einfluss hat. Es gibt inzwischen Akzeptanz für mehr Rauschen und Sanktionsfreiheit, das haben sie bereits erkannt. Tageszeitungen polarisieren kräftig mit, als Schreibe, nicht als Überzeugung. Sie müssen sich fragen wie viel Vielfalt sie ihrem Leser zumuten wollen. Parteien brauchen das nicht, sie sind nicht für ihre Mitglieder verantwortlich. Denen eine Linie vorzugeben weist tendenziell in totalitäre Gefilde unter den veränderten medialen Bedingungen. Die “hierarchischen” Medien mussten und müssen Verantwortung zeigen. Sie müssen sich selbst an ihre Linie halten, weil sie Intermediäre sind, aber sie können diese nicht auf andere zu projizieren. Die Linie folgt als Bürde aus einer Hierarchie.
Warum die Aufregung? Eine Interessenvereinigung vertritt ihre Interessen und erstellt ein Informationsmedium. Letzten Endes geht es diesen Personen darum, dafür Bewusstsein zu schaffen, dass es Rechteinhaber gibt, die Interessen/Rechte haben. Interessen, für die unsere Rechtsordnung eintritt, die oftmals im Widerspruch zum Handeln von Schülern u.a. steht.
Ich glaube fest, dass eine solche Position von Musikverbänden wertvoll für die Gestaltung von Unterricht zum Thema sein kann, bei dem bestimmt auch andere Sichtweisen besprochen werden. Es sind doch nur Materialien.
Sofern die Materialien kontrovers, irreführend oder falsch sind, werden Schüler und Didaktiker das schon bemerken.
Der Unterschied zwischen Handelsblatt und FTD ist so gravierend, dass sie in ganz andere Kategorien fallen. Es ist schon ein besonderer Luxus Ausgaben auf Papier der Wirtschaftsnachrichten zu lesen. Diese Entschleunigung ist der Reiz. Wer dieses Produkt wählt, erwartet sich Qualität. FTD Leser bedeuten das, was sie lesen, ihrem Umfeld, mit der charakteristischen Farbe des Blattes.
Was den “Neoliberalismus” betrifft, so ist die FTD das Blatt der neuen Liberalen, das Handelsblatt eines der postideologischen Materialisten. Es ist die hanseatische Haltung der FTD, nicht die Qualität. Mehr am alten Spiegel als an den PR-Maschinerie der Wirtschaft geschult.
Textbeispiel zum Vergleich:
“Es ist, als sei ihnen der Lindner erschienen. Der Retter. Sonntagvormittag am Imbissstand vor dem FDP-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen. Die Herren vom Bezirksverband Düsseldorf stärken sich mit Frikadelle und Senf zwischen den Brötchenhälften. “Aufbruchstimmung” sagen sie und strahlen, “Super!” und “Jetzt geht’s los”
“Christian Lindner ist mit seinen 33 Jahren der jüngste Comeback-Politiker aller Zeiten. Und er hat für die Wiederbelebung der klinisch toten FDP drei Rezepte. Ein pragmatisches, ein stilistisches und ein inhaltliches. ”
Beide Linien haben ihre Qualitäten. Für Tablet und Infoflut ist das Handelsblatt gewiss vorn. FTD hilft dabei keine komische Grimassen zu schneiden, nordet auf angenehme Art.
Wer schreibt, macht seine Narrative auf. Alles, was sich den Narrativen nicht anbiedert, ist gut. Auf der anderen Seite sollte sich jeder überlegen in welchem Bereich er Akzente setzt. Am Ende vermitteln sperrige Inhalte die Stamina. Wer zu sehr auf Leichtmatrosenkost für die Medien und Wirkung setzt, dem fliegt am Ende die eigene Gehaltlosigkeit um die Ohren.
Ich habe den Eindruck, dass in der Diskussion der zukünftige Bundespräsident nur als Projektionsfläche dient. Gerade von einem Präsidenten erwartete ich keine plakativen Stellungnahmen im Freund-Feindschema sondern reflektierte Gedanken. Wenn dann harmlose Grußworte zerpflückt werden, Gefühle auslösen, die von anderen zitiert und referenziert werden, mit denen “wir” übereinkunftsgemäß nicht zu mögen haben, dann zeigt sich das wahre kleingeistige Dilemma. Eine diffuse spiessige Renitenz, die nur zufällig mit seinem Objekt zu tun hat.
Die Debatte um Ehrensold und Zapfenstreich macht deutlich wie kleinkariert der Druck zum Rücktritt aus dem Amt wirklich war. Das platte Horrido der Sozialdemokraten und die entwürdigen Entschuldigsrituale haben dem Amt Schaden zugefügt.
Bei Büchners Danton heisst es so schön: “Ihr wollt Brot und sie werfen euch Köpfe hin. Ihr durstet und sie machen euch das Blut der Guillotine zu lecken.”
Hans-Herbert von Arnim hat zu allem starke Thesen, immer die gleichen. Papst und Bettlektüre des republikfernen Wutbürgers, dem der Sinn für das rechte Maß abgeht, der sich von jedem und allen abgezockt fühlt. Vor allen Dingen denen da oben. Zapp, anderer Kanal. Der amerikanische Präsident lässt sich in seinem eigenen Hubschrauber zu eigenen Flugzeug Air Force One flattern. Begleitet von zwei baugleichen Helikoptern. Zapp. Der Wutbürger echauffiert sich drüber wenn die Airline den Ministerpräsidenten in die Businessclass steckt, ohne dass der Amtsträger aus eigener Tasche draufzahlt. Oder: Unternehmer lädt seinen Freund, den Ministerpräsidenten ein und der zahlt ganz dreist nichts für die Unterkunft. Oder: Ministerpräsident mit sicherem Einkommen im dreistelligen Bereich kriegt etwas günstigeren Bankkredit als Otto Normal. Oder: Talkshow Produktionskosten vs. Streitwert der Unregelmäßigkeit des gedissten Politikers.
Und wenn alle Krümel gespalten sind, und der Zorn des Wutbürgers gerächt, alle Bahnhöfe verhindert, wird lustig und locker von den Beamten und Staatssekretären, die keiner kennt, mit Millarden jongliert. Für den Wutbürger zu kompliziert, und wenn es schief geht, was hat er auch anderes erwartet, “alles Verbrecher”, “die da oben”.
Darum geht es nicht. SOPA war ein geplantes Gesetz der USA mit einer Aggressivität gegenüber dem Rest der Welt und der faktischen Annektion des Internets. ACTA eine in vielerlei Hinsicht andere Idee, eine Art Versuch Durchsetzung von Rechten im Handelsrahmen zu revolutionieren.
Die These vom Rohstoff bzw. von der Goldgrube scheint mir unausgegoren, aber auch das hören wir von allen Seiten neuerdings. Da wird etwas in einen Deutungsrahmen gezwängt, der nicht passen will.
Welche rechtliche Bedeutung hat denn der Begriff überhaupt?
Ich kenne das nur als Laienphrase oder als Sammelbegriff für alle möglichen Rechte für irgendwelche Huckepackrechtsvorhaben in Europa. Da dann als “Intellectual Property Rights”, was man seriös als “Immaterialgüterrechte” übersetzen mag.
Die Macht liegt in der politischen Implikation des Sprachspiels.
Ein Bundespräsident muss Überzeugungen haben. Ein Konsensmensch ohne Eigenschaften ist für das Amt ungeeignet. Insofern fand ich es ganz prima, dass sich Wulff mit der Bildzeitung angelegt hat. Leider hat er sich für dieses Verhalten entschuldigt. Ein Präsident, der sich entschuldigt, statt für Überzeugungen einzustehen, untragbar. Gauck wird schon vorab von der SED-Nachfolgerpartei beschossen. Er reizt in einer politischen Landschaft, die sich auf einen schwarzrotgrünen Konsens zubewegt. Das ist wertvoll. Gauck passt auf das Amt und wird bestimmt fruchtbar anecken. Das wollen wir. Das brauchen wir. Künstler statt Casting. Typen statt Teflon.
Der Gedanke ist “doof”, weil Greenpeace eine Werbeagentur negativer Art ist, und eben kaum daran arbeitet Entscheidungen an der Quelle zu beeinflussen. Diese Art des Campagning mag förderlich für das Einwerben von Spenden sein, aber ist es nicht, wenn es um Erfolge geht.
Man möchte es gar nicht glauben. Das macht mich sehr betroffen. Es klafft eine gewaltige Lücke. Vor knapp einem Jahr starb schon Cornelia Vismann. Dann neulich Joerg-Olaf Schaefers. Es gibt immer viel zu wenige Intellektuelle dieses Formats, die wir so dringend brauchen.
Zuletzt twitterte er am 15. September, dass er bei der American Academy zu Gast sein. Die hat dieses wundervolle Herrenhaus am Wannsee. Die Rede von US-Botschafter Murphy ist online. Vielleicht ist Robin Meyer-Lucht auf Fotos der Veranstaltung festgehalten?
“DRINGEND gesucht wegen akutem Notfall in der Familie: Robin Meyer-Lucht. Wer ihn seit Freitag, den 16.9 gesehen hat bzw. mit ihm in Kontakt stand”
1. Die Netzpolitik, welche die sozialdemokratische Partei macht, sei es als Opposition oder als Regierung.
2. Textwüsten über demokratische Teilhabe und neue digitale Medien, die niemand lesen möchte und wo auch nie was bei rum kommt. Alles in den anschlussfähigen sozialdemokratischen Phrasen-Tuff eingehüllt, der dann am Ende als Extrakt übrig bleibt, ganz gleich was das ursprüngliche Thema war.
Das läuft auf Teilhabe hinaus deren Sinn es ist, eine abgehobene Deliberationssphäre zu schaffen, die keine praktische Relevanz hat.
Ach ja: “Die sechste Aufgabe sozialdemokratischer Politik im digitalen Zeitalter besteht daher darin, den Menschen im Internet zur Verfügung zu stehen, sich auf echten Austausch einzulassen, zum Zuhören bereit zu sein und in einer Sprache zu sprechen, die nicht verklausuliert, sondern die vermittelt. Wer sich auf das Internet einlässt, kommuniziert nicht mehr mit Medien, sondern mit Menschen. Das ist eine phantastische Nachricht.”
Sehr richtig. Ein naiver Wahrheitsanspruch trifft auf das Phänomen journalistischer Narration. Eine bessere Selbstdemontage für den Henri-Nannen-Preis als diese Preisgericht kann man sich gar nicht vorstellen. Der Sieg des kleingeistigen Schulmethodengeklappers:
“Nach der Jury-Entscheidung wurde… bekannt, dass die Eingangspassage der preisgekrönten Reportage… entgegen dem Eindruck der Leser und aller Juroren nicht auf der eigenen Wahrnehmung des Autors beruht.”
Das passt doch der Lebenswerkpreis für Wolf Schneider ganz prima ins Programm.
Der NSU und das Versagen des Journalismus
Juli 16th, 2012 at 16:37Es fällt auf, dass niemand die Polizei in Schutz nimmt gegen solche Anwürfe. Nach den Regeln der Kunst kann man ein solches Flugblatt als öffentliche Reaktion prinzipiell vergessen. Es ist schon merkwürdig, welche überzogenen öffentlichen Erwartungen an die Ermittlungsbehörden gestellt werden.
Wirbelt der Ökonomenstreit das Netz auf?
Juli 16th, 2012 at 14:47Es stimmt, dass es zu wenig technische Debatte gibt. Die Worte aus dem Gegenmanifest sind richtig:
“Auf die damit aufgeworfenen Fragen lassen sich keine einfachen Antworten finden. Die Krisenpolitik steht notgedrungen im Streit unterschiedlicher Einschätzungen und Sichtweisen, zumal nicht auf Lehrbuchweisheiten zurückgegriffen werden kann.”
Möglicherweise haben beide Manifeste Recht. Nur vergessen die Kritiker der Beschlüsse, dass es um den Ordnungsrahmen ging. Da brauchen wir eher einen stärkeren Ordnungsrahmen als einen schwächeren.
Der NSU und das Versagen des Journalismus
Juli 16th, 2012 at 14:31“Es fing schon damit an, dass offensichtlich kein Investigativteam oder ein einzelner Redakteur eines größeren Mediums in den vergangenen Jahren die behördlichen Märchen von den „Dönermorden“ in Zweifel gezogen hat.”
Welche Behörden haben denn jemals den Begriff “Dönermord” benutzt? Keine. Die Behörden haben in die falsche Richtung ermittelt. Das ist aber kein Fehler von ihnen bei der Indizienlage. Man kann ja auch einfach die Wahrheit aussprechen, nämlich dass es kein Fehler ist, wenn die Kriminalpolizei nach den Regeln der Kunst vorgeht. Wenn Dein Arzt anhand deiner Symptome Grippe diagnotiziert, in Wirklichkeit es aber ein neuartiges Virus ist, wie sich später rausstellt, dann macht der (auch im Rückblick) nichts fachlich falsch, sondern verfährt nur nach den heuristischen Regeln seiner Kunst. Und würde es wieder genauso machen, bereichert durch die Erkenntnis, dass es durchgeknallte Typen gibt, die aus politischen Gründen quer durch die Republik irgendwelche kleine Krauter abknallen fahren!
“Man kann allerdings auch der Zivilgesellschaft einen Vorwurf machen. Während mit äußerster Energie per Crowdsourcing Plagiatjäger diverse Politiker zu Fall brachten (oder danach trachteten), ist auch durch die vielbeschworene „Netzgemeinde“ keine nennenswerte Plattform entstanden, die Fakten, Gerüchte und Indizien zum NSU zusammenträgt.”
Warum auch? Wieso sollte das so wichtig sein?
“Doch was ist beispielsweise mit diesen Fragen: Wie das war mit dem Selbstmord der zwei NSU Mitglieder; dass es nur drei NSU Mitglieder gäbe;”
Gibt es denn diese “Organisation” überhaupt? Zuletzt ist im Mordfall nichts belegt. Nicht einmal die Schuld der betreffenden Personen. Es gibt aber wieder öffentlich gemachte Annahmen der entsprechenden Behörden, auf die wir uns verlassen. Die Behörden sind dafür auch zuständig. Nicht immer können sie den totalitär anmutenden Ansprüchen genügen.
Zuckerbrot und Peitsche: Das Papier der CDU/CSU-Fraktion zum Urheberrecht
Juni 14th, 2012 at 14:04Die Aussage, dass die EU Kommission Patentrecht für Software anstrebt, führt in die Irre. Es gibt ja, ausgenommen von biologischen Anwendungen, derzeit noch nicht einmal eine EU-Harmonisierung des materiellen Patentrechts.
Es ist erfreulich, dass die CDU erkennt wie wichtig Urheberrecht für Software ist und wie abträglich Patentrecht. Freilich gibt sie mit ihrem politisch abgeschirmten Patentgericht die Debatte aus der Hand.
Deutschlands träge Digitalwirtschaft: Das Problem steckt in den Köpfen
Juni 7th, 2012 at 23:42Sicherlich waren die Safe Harbour Regeln in den USA hilfreich für die Online-Branche und die Größe des amerikanischen Marktes. Firmen stehen vor unkalkulierbaren Rechtsrisiken und Verwundbarkeiten. Im angelsächsischen Raum gibt es die schöne Formel des “shooting in the cradle”. Der andere Aspekt ist, dass die politische Unterstützung oftmals bei den bereits Etablierten Rat sucht. Wie verträgt sich das mit Schumpeterscher Innovation? Um das Automobil einzuführen ist die Anhörung der Kutscher- und Pferdezüchterverbände nicht gerade hilfreich. Nicht zu vergessen die Gefahren des Tonflims: http://blog.maschinenraum.tk/2009/06/24/gefahren-des-tonfilms/
„Bild“ als Hüterin der Pressefreiheit – eine Irreführung macht Zeitgeschichte
Mai 7th, 2012 at 11:26In Frankreich würde sich keiner darum kümmern, wenn der Präsident oder ein anderer hochrangiger Politiker bei der Chefredaktion anruft. Christian Wulff war nicht mehr tragbar, weil er sich entschuldigt hat.
Entwicklungsländer dürfen nicht zu den Verlierern des ACTA-Abkommens werden
Mai 5th, 2012 at 02:46Art 35 lesen! Da geht es um die “prospecting nations” und entsprechenden Mittel politischer Korrumpierung,
Die ausgebrannte Republik
Mai 4th, 2012 at 02:00Schwermut finde ich sinnvoll zur Persönlichkeitsbildung. Jeder mit Anspruch erlebt Schwermut.
Wer sich medial überlastet, wie ein Automatensüchtiger seine elektronischen Kanäle füttert, erleidet Burnout. Das ist ein sinnvolles Warnsignal, dass man das mediale Verhalten ändern muss, das richtige Maß finden.
Alles eine Frage der Einstellung zu dem Phänomen. Was sich in unserer Kultur geändert hat, das ist die Unfähigkeit damit anders als pathologisierend umzugehen, und das Verlernen der kulturellen Programme romantischer Art zur Katharsis. Die
Unfähigkeit zu angemessenem Pessimismus. Der unterdrückte Ausdruck, der ungehörte Fluch, der stumme Schrei muss sich dann in einer Krankheit Depression Bahn brechen. Eine rein symptomatische Heilbehandlung hilft nicht, denn unser Körper begeht keinen Fehler, er teilt uns etwas mit.
Die Muße zur Schwermut ist das Gegengift zur Krankheit Depression.
Virtueller Rundgang: re:publica, Tag 1
Mai 4th, 2012 at 01:36Das Besondere sind nicht die Vorträge, sondern mit wie viel fantastischen Personen Du ins Gespräch kommst. Für mich eine der besten Konferenzen seit Eurofoo. Wenn nur das WLAN funktioniert hätte…
In eigener Sache: CARTA baut um
Mai 4th, 2012 at 01:32Freut mich, dass es weiter geht! Toi, toi, toi.
Die FAZ und das Fähnchen im Wind
April 22nd, 2012 at 01:23Die Tageszeitungen reflektieren nicht ausreichend ihre Sittenwächterfunktionen unter den inter-medialen Bedingungen. Ihre Anstandsregeln sind immer an Prämisse gebunden, dass die entsprechende Person Macht und Einfluss hat. Es gibt inzwischen Akzeptanz für mehr Rauschen und Sanktionsfreiheit, das haben sie bereits erkannt. Tageszeitungen polarisieren kräftig mit, als Schreibe, nicht als Überzeugung. Sie müssen sich fragen wie viel Vielfalt sie ihrem Leser zumuten wollen. Parteien brauchen das nicht, sie sind nicht für ihre Mitglieder verantwortlich. Denen eine Linie vorzugeben weist tendenziell in totalitäre Gefilde unter den veränderten medialen Bedingungen. Die “hierarchischen” Medien mussten und müssen Verantwortung zeigen. Sie müssen sich selbst an ihre Linie halten, weil sie Intermediäre sind, aber sie können diese nicht auf andere zu projizieren. Die Linie folgt als Bürde aus einer Hierarchie.
Legal, sicher und fair – eher reine Propaganda!
April 7th, 2012 at 01:41Warum die Aufregung? Eine Interessenvereinigung vertritt ihre Interessen und erstellt ein Informationsmedium. Letzten Endes geht es diesen Personen darum, dafür Bewusstsein zu schaffen, dass es Rechteinhaber gibt, die Interessen/Rechte haben. Interessen, für die unsere Rechtsordnung eintritt, die oftmals im Widerspruch zum Handeln von Schülern u.a. steht.
Ich glaube fest, dass eine solche Position von Musikverbänden wertvoll für die Gestaltung von Unterricht zum Thema sein kann, bei dem bestimmt auch andere Sichtweisen besprochen werden. Es sind doch nur Materialien.
Sofern die Materialien kontrovers, irreführend oder falsch sind, werden Schüler und Didaktiker das schon bemerken.
Schluss mit rosa?
April 1st, 2012 at 23:02Der Unterschied zwischen Handelsblatt und FTD ist so gravierend, dass sie in ganz andere Kategorien fallen. Es ist schon ein besonderer Luxus Ausgaben auf Papier der Wirtschaftsnachrichten zu lesen. Diese Entschleunigung ist der Reiz. Wer dieses Produkt wählt, erwartet sich Qualität. FTD Leser bedeuten das, was sie lesen, ihrem Umfeld, mit der charakteristischen Farbe des Blattes.
Was den “Neoliberalismus” betrifft, so ist die FTD das Blatt der neuen Liberalen, das Handelsblatt eines der postideologischen Materialisten. Es ist die hanseatische Haltung der FTD, nicht die Qualität. Mehr am alten Spiegel als an den PR-Maschinerie der Wirtschaft geschult.
Textbeispiel zum Vergleich:
“Es ist, als sei ihnen der Lindner erschienen. Der Retter. Sonntagvormittag am Imbissstand vor dem FDP-Landesparteitag in Nordrhein-Westfalen. Die Herren vom Bezirksverband Düsseldorf stärken sich mit Frikadelle und Senf zwischen den Brötchenhälften. “Aufbruchstimmung” sagen sie und strahlen, “Super!” und “Jetzt geht’s los”
“Christian Lindner ist mit seinen 33 Jahren der jüngste Comeback-Politiker aller Zeiten. Und er hat für die Wiederbelebung der klinisch toten FDP drei Rezepte. Ein pragmatisches, ein stilistisches und ein inhaltliches. ”
Beide Linien haben ihre Qualitäten. Für Tablet und Infoflut ist das Handelsblatt gewiss vorn. FTD hilft dabei keine komische Grimassen zu schneiden, nordet auf angenehme Art.
Die Piraten in der Fernseh-Berichterstattung
März 28th, 2012 at 15:29Wer schreibt, macht seine Narrative auf. Alles, was sich den Narrativen nicht anbiedert, ist gut. Auf der anderen Seite sollte sich jeder überlegen in welchem Bereich er Akzente setzt. Am Ende vermitteln sperrige Inhalte die Stamina. Wer zu sehr auf Leichtmatrosenkost für die Medien und Wirkung setzt, dem fliegt am Ende die eigene Gehaltlosigkeit um die Ohren.
Nicht mein Präsident!
März 9th, 2012 at 15:51Ich habe den Eindruck, dass in der Diskussion der zukünftige Bundespräsident nur als Projektionsfläche dient. Gerade von einem Präsidenten erwartete ich keine plakativen Stellungnahmen im Freund-Feindschema sondern reflektierte Gedanken. Wenn dann harmlose Grußworte zerpflückt werden, Gefühle auslösen, die von anderen zitiert und referenziert werden, mit denen “wir” übereinkunftsgemäß nicht zu mögen haben, dann zeigt sich das wahre kleingeistige Dilemma. Eine diffuse spiessige Renitenz, die nur zufällig mit seinem Objekt zu tun hat.
Der Ex und der Ehrensold
März 4th, 2012 at 00:35Die Debatte um Ehrensold und Zapfenstreich macht deutlich wie kleinkariert der Druck zum Rücktritt aus dem Amt wirklich war. Das platte Horrido der Sozialdemokraten und die entwürdigen Entschuldigsrituale haben dem Amt Schaden zugefügt.
Bei Büchners Danton heisst es so schön: “Ihr wollt Brot und sie werfen euch Köpfe hin. Ihr durstet und sie machen euch das Blut der Guillotine zu lecken.”
Hans-Herbert von Arnim hat zu allem starke Thesen, immer die gleichen. Papst und Bettlektüre des republikfernen Wutbürgers, dem der Sinn für das rechte Maß abgeht, der sich von jedem und allen abgezockt fühlt. Vor allen Dingen denen da oben. Zapp, anderer Kanal. Der amerikanische Präsident lässt sich in seinem eigenen Hubschrauber zu eigenen Flugzeug Air Force One flattern. Begleitet von zwei baugleichen Helikoptern. Zapp. Der Wutbürger echauffiert sich drüber wenn die Airline den Ministerpräsidenten in die Businessclass steckt, ohne dass der Amtsträger aus eigener Tasche draufzahlt. Oder: Unternehmer lädt seinen Freund, den Ministerpräsidenten ein und der zahlt ganz dreist nichts für die Unterkunft. Oder: Ministerpräsident mit sicherem Einkommen im dreistelligen Bereich kriegt etwas günstigeren Bankkredit als Otto Normal. Oder: Talkshow Produktionskosten vs. Streitwert der Unregelmäßigkeit des gedissten Politikers.
Und wenn alle Krümel gespalten sind, und der Zorn des Wutbürgers gerächt, alle Bahnhöfe verhindert, wird lustig und locker von den Beamten und Staatssekretären, die keiner kennt, mit Millarden jongliert. Für den Wutbürger zu kompliziert, und wenn es schief geht, was hat er auch anderes erwartet, “alles Verbrecher”, “die da oben”.
King Kong gegen Godzilla
März 2nd, 2012 at 00:01Darum geht es nicht. SOPA war ein geplantes Gesetz der USA mit einer Aggressivität gegenüber dem Rest der Welt und der faktischen Annektion des Internets. ACTA eine in vielerlei Hinsicht andere Idee, eine Art Versuch Durchsetzung von Rechten im Handelsrahmen zu revolutionieren.
Die These vom Rohstoff bzw. von der Goldgrube scheint mir unausgegoren, aber auch das hören wir von allen Seiten neuerdings. Da wird etwas in einen Deutungsrahmen gezwängt, der nicht passen will.
King Kong ist übrigens von der antideutschen Propaganda erfunden worden.
http://en.wikipedia.org/wiki/File:%27Destroy_this_mad_brute%27_WWI_propaganda_poster_%28US_version%29.jpg
Kann es ein Eigentum an Geistigem geben? Nein.
Februar 24th, 2012 at 14:15Welche rechtliche Bedeutung hat denn der Begriff überhaupt?
Ich kenne das nur als Laienphrase oder als Sammelbegriff für alle möglichen Rechte für irgendwelche Huckepackrechtsvorhaben in Europa. Da dann als “Intellectual Property Rights”, was man seriös als “Immaterialgüterrechte” übersetzen mag.
Die Macht liegt in der politischen Implikation des Sprachspiels.
Deutschland sucht den Medien-Präsidenten
Februar 19th, 2012 at 20:42Ein Bundespräsident muss Überzeugungen haben. Ein Konsensmensch ohne Eigenschaften ist für das Amt ungeeignet. Insofern fand ich es ganz prima, dass sich Wulff mit der Bildzeitung angelegt hat. Leider hat er sich für dieses Verhalten entschuldigt. Ein Präsident, der sich entschuldigt, statt für Überzeugungen einzustehen, untragbar. Gauck wird schon vorab von der SED-Nachfolgerpartei beschossen. Er reizt in einer politischen Landschaft, die sich auf einen schwarzrotgrünen Konsens zubewegt. Das ist wertvoll. Gauck passt auf das Amt und wird bestimmt fruchtbar anecken. Das wollen wir. Das brauchen wir. Künstler statt Casting. Typen statt Teflon.
Brauchen wir ein Netz-Greenpeace?
Februar 19th, 2012 at 19:33Der Gedanke ist “doof”, weil Greenpeace eine Werbeagentur negativer Art ist, und eben kaum daran arbeitet Entscheidungen an der Quelle zu beeinflussen. Diese Art des Campagning mag förderlich für das Einwerben von Spenden sein, aber ist es nicht, wenn es um Erfolge geht.
Carta geht wieder an den Start
Januar 28th, 2012 at 17:13Prima!!!
Robin Meyer-Lucht ist tot
September 22nd, 2011 at 03:51Man möchte es gar nicht glauben. Das macht mich sehr betroffen. Es klafft eine gewaltige Lücke. Vor knapp einem Jahr starb schon Cornelia Vismann. Dann neulich Joerg-Olaf Schaefers. Es gibt immer viel zu wenige Intellektuelle dieses Formats, die wir so dringend brauchen.
Zuletzt twitterte er am 15. September, dass er bei der American Academy zu Gast sein. Die hat dieses wundervolle Herrenhaus am Wannsee. Die Rede von US-Botschafter Murphy ist online. Vielleicht ist Robin Meyer-Lucht auf Fotos der Veranstaltung festgehalten?
“DRINGEND gesucht wegen akutem Notfall in der Familie: Robin Meyer-Lucht. Wer ihn seit Freitag, den 16.9 gesehen hat bzw. mit ihm in Kontakt stand”
Was ist sozialdemokratische Netzpolitik?
August 19th, 2011 at 23:55Was ist sozialdemokratische Netzpolitik?
1. Die Netzpolitik, welche die sozialdemokratische Partei macht, sei es als Opposition oder als Regierung.
2. Textwüsten über demokratische Teilhabe und neue digitale Medien, die niemand lesen möchte und wo auch nie was bei rum kommt. Alles in den anschlussfähigen sozialdemokratischen Phrasen-Tuff eingehüllt, der dann am Ende als Extrakt übrig bleibt, ganz gleich was das ursprüngliche Thema war.
Das läuft auf Teilhabe hinaus deren Sinn es ist, eine abgehobene Deliberationssphäre zu schaffen, die keine praktische Relevanz hat.
Ach ja: “Die sechste Aufgabe sozialdemokratischer Politik im digitalen Zeitalter besteht daher darin, den Menschen im Internet zur Verfügung zu stehen, sich auf echten Austausch einzulassen, zum Zuhören bereit zu sein und in einer Sprache zu sprechen, die nicht verklausuliert, sondern die vermittelt. Wer sich auf das Internet einlässt, kommuniziert nicht mehr mit Medien, sondern mit Menschen. Das ist eine phantastische Nachricht.”
Hic Rhodos, hic Salta.
Wichtig und falsch
Juni 27th, 2011 at 15:12Sehr richtig. Ein naiver Wahrheitsanspruch trifft auf das Phänomen journalistischer Narration. Eine bessere Selbstdemontage für den Henri-Nannen-Preis als diese Preisgericht kann man sich gar nicht vorstellen. Der Sieg des kleingeistigen Schulmethodengeklappers:
“Nach der Jury-Entscheidung wurde… bekannt, dass die Eingangspassage der preisgekrönten Reportage… entgegen dem Eindruck der Leser und aller Juroren nicht auf der eigenen Wahrnehmung des Autors beruht.”
Das passt doch der Lebenswerkpreis für Wolf Schneider ganz prima ins Programm.
Unbegründet: Norbert Bolz' Angst vor der gesellschaftlichen Fragmentierung
September 2nd, 2010 at 14:28Ich dachte die Fragmentierungssorgen stammen von Habermas? Bei ihm hat mich das schon nicht überzeugt. Menschen brauchen Provinz.