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	<title>CARTA &#187; Wolfgang Michal</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
	<lastBuildDate>Thu, 24 May 2012 17:47:08 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Urheberrecht: Die Reformvorschl&#228;ge der SPD</title>
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		<pubDate>Wed, 23 May 2012 13:33:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Allm&#228;hlich kommen die Parteien in die Puschen mit konkreteren Vorstellungen zur Reform des Urheberrechts. Die Bundestagsfraktion der SPD hat jetzt „12 Thesen f&#252;r ein faires und zeitgem&#228;&#223;es Urheberrecht“ vorgestellt. Eine kritische Durchsicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie so oft beim (nicht mehr ganz so gro&#223;en) Tanker SPD geht es auch mit <a href="http://blogs.spdfraktion.de/netzpolitik/2012/05/21/zwolf-thesen-urheberrecht/">diesem Thesenpapier </a>„in die richtige Richtung“. Doch die erforderliche Kurs&#228;nderung f&#228;llt angesichts des Eisbergs Internet noch etwas zaghaft aus.</p>
<p>Erfreulich ist, dass sich die Netzpolitiker in einigen Punkten Geh&#246;r verschaffen konnten, in anderen Themenfeldern fehlt noch die volle Wahrnehmung der Realit&#228;ten. Zieht man das &#252;bliche Blabla bei solchen Thesenpapieren ab, bleiben als Kernforderungen &#252;brig:</p>
<blockquote><p>„These 3: Die SPD tritt daf&#252;r ein, den Urheber im Verh&#228;ltnis zum Verwerter zu st&#228;rken. Das seit 10 Jahren geltende Urhebervertragsrecht soll die strukturell schw&#228;chere Position des Urhebers in den Verg&#252;tungsverhandlungen mit dem Verwerter ausgleichen. Damit das in der Praxis gelingt, m&#252;ssen die im Gesetz vorgesehenen Konfliktl&#246;sungsmechanismen wirksamer gestaltet und um effektive Kontroll- und Sanktionsinstrumente erg&#228;nzt werden.“</p></blockquote>
<p>Die St&#228;rkung des Urhebers durch das Urhebervertragsrecht f&#228;llt insgesamt eher flau aus. Kein Wort zu den weit verbreiteten Buyout-Vertr&#228;gen, kein Vorschlag, die Exklusivrechte von Verwertern zeitlich, r&#228;umlich oder medial zu begrenzen. Die ausformulierte These bezieht sich allein auf den skandal&#246;sen Umstand, dass die Presseverlage die bisherigen Verhandlungen &#252;ber &#8220;gemeinsame Verg&#252;tungsregeln&#8221; notorisch verschleppen, um sie anschlie&#223;end nicht einmal einzuhalten. Hier braucht es neben einer klaren Fristsetzung auch ein Verbandsklagerecht und sp&#252;rbare Sanktionen bei Nichteinhaltung.</p>
<blockquote><p>„These 5: Eine allgemeine, pauschale Kulturflatrate ist als Modell, Urhebern eine Verg&#252;tung aus der nichtkommerziellen Weitergabe und Vervielf&#228;ltigung von digitalen, urheberrechtlich gesch&#252;tzten Werken zu gew&#228;hren, keine geeignete L&#246;sung. Denn eine solche Zwangsabgabe w&#252;rde zu einer erheblichen Belastung auch derjenigen f&#252;hren, die das Internet nur in geringem Umfang nutzen.“</p></blockquote>
<p>Mit der „Zwangsabgabe“ der Rundfunkgeb&#252;hren scheint die SPD ja weniger Probleme zu haben. Auch die bereits im Urheberrecht verankerte Leermedienabgabe wird von der SPD nicht als &#8220;ungeeignet&#8221; gebrandmarkt. Insofern ist die pauschale Ablehnung einer Netz-Pauschale unn&#246;tig ideologisch motiviert und nicht sehr &#252;berzeugend. Sinnvoller w&#228;re es gewesen, die von verschiedenen Seiten vorgeschlagenen Pilotprojekte zur Erprobung unterschiedlicher Modelle der Privatkopie-Verg&#252;tung zu unterst&#252;tzen. Denn was Bef&#252;rwortern wie Gegnern von Kulturflatrates nach wie vor fehlt, sind empirische Grundlagen f&#252;r ihre Argumente. Gr&#252;ne und Linke sind in diesem Punkt etwas weiter, die Piraten &#252;berlegen noch, was sie fordern sollen.</p>
<blockquote><p>„These 7 und 8: Eine fl&#228;chendeckende Inhaltefilterung des Datenstroms oder eine Sperrung des Internetzugangs lehnen wir ebenso ab wie die Einf&#252;hrung eines Warnhinweismodells. Die SPD spricht sich gegen jede Form eines staatlichen two- oder three-strikes-Modells und gegen eine rein private Rechtsdurchsetzung bei Urheberrechtsverletzungen aus&#8230;. Dem Abmahnmissbrauch muss Einhalt geboten werden. Die SPD tritt deshalb f&#252;r eine effektive Begrenzung des Streitwerts bei einmaligen, geringf&#252;gigen Urheberrechtsverst&#246;&#223;en ein.“</p></blockquote>
<p>Na, das ist doch mal eine klare und deutliche Ansage. Zu ihrem Kernthema Verbraucherpolitik k&#246;nnte der SPD freilich noch etwas mehr einfallen. Die Fragen der Schutzfristen und der Gemeinfreiheit von kulturellen Sch&#246;pfungen werden sorgsam ausgeklammert.</p>
<blockquote><p>„These 10: Die Einf&#252;hrung eines eigenen Leistungsschutzrechts in der derzeit diskutierten Form ist &#8230; nicht erforderlich.“</p></blockquote>
<p>Auch das ist eine (zumindest f&#252;r die SPD) &#252;berraschend deutliche Aussage zu dem seit Jahren hinter verschlossenen T&#252;ren geplanten Leistungsschutzrecht f&#252;r Presseverlage. Es fragt sich allerdings, was mit der „derzeit diskutierten Form“ gemeint sein k&#246;nnte, denn die Vorstellungen der Verleger sind ja noch nicht so eindeutig fixiert. Ein Hintert&#252;rchen f&#252;r ein Ja zu einem modifizierten Leistungsschutzrecht bleibt der SPD in der n&#228;chsten Gro&#223;en Koalition also offen.</p>
<blockquote><p>„These 11: Wir brauchen ein Zweitverwertungsrecht f&#252;r wissenschaftliche Autoren, die ihre Beitr&#228;ge neben der Verlagspublikation z.B. auf den Seiten der Hochschule zug&#228;nglich machen wollen&#8230; Insbesondere die Intranetnutzung in Schulen und Hochschulen muss dauerhaft auf eine rechtssichere Grundlage gestellt und die Schrankenbestimmung f&#252;r die &#246;ffentliche Zug&#228;nglichmachung f&#252;r Unterricht und Forschung entfristet werden.“</p></blockquote>
<p>Beides ist &#252;berf&#228;llig. Hier h&#228;tte weniger Zaghaftigkeit und ein deutlicheres Bekenntnis zum Recht der &#214;ffentlichkeit auf besseren, schnelleren und billigeren Zugang zu meist mit Steuergeldern produziertem Wissen gut getan. Sperrfristen sind in der Wissenschaft ebenso kontraproduktiv wie &#252;berkomplizierte Schrankenregelungen zugunsten von Bildungseinrichtungen.</p>
<blockquote><p>„These 12: Hat eine sorgf&#228;ltige Suche nach dem Rechteinhaber ergeben, dass dieser nicht feststellbar ist, soll gegen Zahlung einer angemessenen Verg&#252;tung die Lizensierung durch Verwertungsgesellschaften erm&#246;glicht werden.“</p></blockquote>
<p>Das ist ein vern&#252;nftiger Kompromiss in der Frage &#8216;Was passiert denn nun mit verwaisten Werken?&#8217; &#8211; vorausgesetzt, die Verwertungsgesellschaften handeln tats&#228;chlich &#8211; wie von der SPD angestrebt &#8211; &#8220;transparent&#8221;. Unbeantwortet bleibt die Frage, welche Instanz die „Sorgfalt&#8221; der Suchenden &#252;berpr&#252;fen k&#246;nnte.</p>
<p>Insgesamt hat die SPD-Fraktion ein Papier vorgelegt, das Dialogbereitschaft signalisiert. Das ist im Zeitalter der Positionspapier-Bekenntnisse und Wutreden ja keineswegs selbstverst&#228;ndlich.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Der stern &amp; Sarrazin oder: Biedermann und die Brandstifter</title>
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		<comments>http://carta.info/43839/der-stern-sarrazin-oder-biedermann-und-die-brandstifter/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 20 May 2012 09:19:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Magazin Stern hat Thilo Sarrazin „angewidert“ auf den Titel gehoben. Warum? Der Stern und Sarrazins Verlag DVA geh&#246;ren beide zum Bertelsmann-Konzern. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Morgen endet die Sperrfrist f&#252;r Thilo Sarrazins Abrechnung mit dem Euro. Das Magazin <em>stern</em> hat den „Brandstifter Sarrazin“ bereits am vergangenen Donnerstag auf den Titel gehoben und nennt dort in bildzeitungsgro&#223;en Lettern gleich auch den Titel des <a href="http://www.handelsblatt.com/panorama/kultur-literatur/neues-buch-von-sarrazin-verlag-hofft-auf-sarrazin-effekt/6647398-2.html">am Dienstag</a> erscheinenden Buches: „Europa braucht den Euro nicht“.</p>
<p><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2012/05/stern-Cover-e1337427317533.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-43838" title="stern-Cover" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2012/05/stern-Cover-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a></p>
<p>Das Verr&#252;ckte an der <em>stern</em>-Titelgeschichte ist: Sarrazins Buch-Thema spielt darin &#252;berhaupt keine Rolle. Der Text ist lediglich ein langgestreckter Kommentar, der in dieser Form auch Ende 2010 h&#228;tte erscheinen k&#246;nnen. Aufh&#228;nger der Geschichte ist eine Lesung mit Sarrazins altem Buch. Man hat sich mit dem jetzigen Ver&#246;ffentlichungstermin also zum Lakaien des &#8220;Brandstifters&#8221; gemacht.</p>
<p><strong>„Hypen durch Bashen“ muss man die zutiefst heuchlerische Methode des <em>stern</em> wohl nennen.</strong> F&#252;nf kluge Journalisten analysieren die Provo-Masche des Thilo Sarrazin („Wie Brandstifter Sarrazin mit schrillen Thesen Millionen macht“), erliegen dabei aber <em>ganz bewusst selbst</em> dieser Masche. Sie beschreiben sie sogar in allen Einzelheiten. Denn die Startauflage des neuen Sarrazin-Buches betr&#228;gt 350.000 Exemplare &#8211; und die m&#252;ssen erst mal verkauft werden. Wie das geht? Originalton <em>stern</em>: Man l&#228;sst&#8230;</p>
<blockquote><p>„&#8230;vor dem Erstverkaufstag die Druckfahnen ‚in die Redaktionsstuben fallen’&#8230; – in der Hoffnung, dass Journalisten bereits im Fr&#252;hstadium f&#252;r den n&#246;tigen Trommelwirbel sorgen&#8230; Die gro&#223;en Medien, nat&#252;rlich auch der <em>stern</em>, sind wichtige R&#228;der in diesem Vermarktungsgetriebe. Erst erscheint ein Vorabdruck mit den provokantesten Stellen, am besten &#252;ber mehrere Tage verteilt, sehr gern in der <em>Bild</em>-Zeitung mit ihrer Drei-Millionen-Auflage. Flankiert wird das ganze von einem Interview oder einer exklusiven Geschichte des <em>Spiegel</em> oder <em>Focus</em>&#8230;.</p>
<p>Begleitend dazu: Tingeltour durch den Talkshow-Zirkus, also Jauch, Beckmann, Illner &amp; Co. Danach: Lesungen. Unter dem PR-Aspekt nicht unwillkommen ist es, wenn die Gem&#252;ter durch den Medienhype so aufgeheizt sind, dass es bei den Auftritten zu Krawallen kommt.“</p></blockquote>
<p>Ist das nun Chuzpe von Seiten der <em>stern</em>-Redakteure, ist das geniales Unterlaufen der zynischen Verkaufsstrategie des eigenen Hauses oder ist das blanke Selbst-Verarschung? Der <em>stern</em> geht der „Methode Sarrazin“ freiwillig-unfreiwillig auf den Leim, indem er sie ‚kritisch’ analysiert. Originalton<em> stern</em>:</p>
<blockquote><p>„Sarrazins freiwillig-unfreiwillige Komplizen sind letztlich der &#246;ffentliche  Emp&#246;rungsbetrieb in Parteien und Medien, der seine B&#252;cher erst zum republikweiten Skandal erhebt&#8230;“</p></blockquote>
<p>Am Sonntag ist dann <em>G&#252;nther Jauch</em> an der Reihe, am Montag der <em>Focus</em>. Die Medien k&#246;nnen aus ihren selbstproduzierten Zw&#228;ngen offenbar nicht mehr aussteigen (selbst wenn sie es wollten). Nie war Max Frischs F&#252;nfziger-Jahre-Satire <a href="http://www.amazon.de/Biedermann-die-Brandstifter-Lehrst&#252;ck-taschenbuch/dp/3518390457">„Biedermann und die Brandtstifter“</a> aktueller. Der <em>stern</em> reicht schon mal die Streichh&#246;lzer.</p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43839&amp;md5=518bb3ef619da9f4267c5fc1f09aca13" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Mit Social TV d&#252;rfen wir uns endlich selbst verbl&#246;den</title>
		<link>http://carta.info/43749/mit-social-tv-durfen-wir-uns-endlich-selbst-verbloden/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 May 2012 10:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fr&#252;her nannte man es Multitasking. Aber das klingt so ekelhaft nach Multivitaminsaft. Deshalb nennt man es jetzt „Social TV“ oder „Second Screen“.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Welt wird erst sch&#246;n, wenn man ihr sch&#246;ne Namen gibt. Das wissen die Leute, die f&#252;r Dinge werben, die man eigentlich f&#252;r Irrwitz halten w&#252;rde, z.B. permanentes <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Multitasking_(Psychologie)">Multitasking</a>.</p>
<p>Angeblich nutzen bereits 76 Prozent der britischen Fernsehzuschauer w&#228;hrend des Fernsehens das Internet &#8211; per Laptop, Tablet oder Smartphone. Sie spielen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tdTZOFeWiTI&amp;feature=player_embedded"><em>Angry Birds</em></a>, w&#228;hrend sie die <em>BBC</em>-Nachrichten <em>h&#246;ren. </em>Ab und zu &#8211; wenn’s im Fernseher zischt und kracht &#8211; heben sie den Kopf, um sich zu vergewissern, dass es zu den Ger&#228;uschen auch noch schreckliche Bilder gibt.</p>
<p>Ende 2011 <a href="http://mashable.com/2011/11/10/smartphone-multi-tasking/">berichtete</a> <em>Mashable Entertainment, </em>dass &#252;ber 80 Prozent der US-Zuschauer parallel zum Fernsehen ihr Smartphone gebrauchen. Hat Yahoo herausgefunden. Fr&#252;her hatten die Zuschauer wenigstens noch die H&#228;nde frei zum B&#252;geln, Abendessen oder&#8230; &#8211; jetzt m&#252;ssen sie Touchscreens bedienen. 94 Prozent der Zuschauer verschicken angeblich w&#228;hrend des Fernsehens Mails oder nutzen <em>Facebook</em>, <em>Twitter</em>, <em>LinkedIn</em> etc.</p>
<p>Ich glaube ja, dass diese Zahlen von den Auftraggebern der Umfragen „erw&#252;nscht“ sind und sch&#228;tze den Anteil der nebenbei fernsehenden Netzjunkies auf maximal 15 Prozent. Aber die kombinierte Nutzung von Fernsehprogramm, mobilem Internet und sozialen Netzwerken ist nun mal der letzte Schrei. Deshalb ahmen wir ihn jetzt nach, und so kommt das <em>Social TV</em> mit gro&#223;em Tamtam auch nach Deutschland &#8211; in Gestalt der Bayerischen <a href="http://blog.br.de/rundshow/"><em>Rundshow</em></a> oder als &#8220;interaktiver&#8221; <a href="http://www.focus.de/kultur/kino_tv/tid-25799/online-ermittlungen-mit-tatort-interaktiver-tatort-legt-ard-server-lahm_aid_752563.html"><em>Tatort</em></a>.</p>
<p>Leider wird &#252;ber der Lust an der crossmedialen Endger&#228;teverwendung herzlich wenig dar&#252;ber nachgedacht, ob diese Form der Medien<strong><em>&#252;ber</em></strong>nutzung eigentlich sinnvoll ist. Aber Sinn scheint in der Mediennutzungsdiskussion sowieso keine relevante Kategorie zu sein. Wichtig ist nur, wie man aus einem 24-Stunden-Tag durch Parallel-Nutzung von Endger&#228;ten 48 Stunden oder mehr machen kann. So werden <em>mehr</em> Nutzer-Daten generiert und <em>gr&#246;&#223;ere</em> Medien-Reichweiten vorget&#228;uscht.</p>
<p>„Second Screen“-Angebote erm&#246;glichen es den Nutzern, w&#228;hrend des Fernsehens als freie Mitarbeiter selbst <a href="http://www.dirkvongehlen.de/index.php/netz/kulturtechniken-aus-dem-web-ins-tv-bringen-richard-gutjahr-uber-die-rundshow/">„aktiv“</a> zu werden, z.B. an Votings teilzunehmen oder Sport&#252;bertragungen, Castingshows und Gespr&#228;chsrunden per <em>Twitter</em> zu <a href="https://twitter.com/#%21/twitter/status/166366322295443456">kommentieren</a>. Um einen Anreiz f&#252;r solche „Check-Ins“ im <em>Social TV</em> zu schaffen, werden die Mitmacher bisweilen mit Punkten oder kleinen Geschenken belohnt. Am Ende k&#246;nnen die interaktiven Zuschauer „Punktek&#246;nige“ werden und lauter nette Leute kennenlernen, die auch mal Punktek&#246;nige waren.</p>
<p><strong><em>Social TV</em> – diese Kombination eines Massenmediums mit sozialen Netzwerken – ist ein f&#252;rsorglich</strong> <strong>kanalisiertes Reiz-Reaktions-System</strong>: Belohnungsfernsehen f&#252;r permanente Daten- und Geb&#252;hren&#252;bertragung – <em>9 Live</em> hoch drei sozusagen.</p>
<p>Um das zu vertuschen, werden die Zuschauer vom Personal des Senders unabl&#228;ssig zu ihrer „aktiven“ Zerstreuungsbereitschaft begl&#252;ckw&#252;nscht. Man gibt den Zuschauern zu verstehen, dass es zum intellektuellen Begreifen des Programms absolut unn&#246;tig sei, andauernd hinzusehen. Der Grund f&#252;r Social TV k&#246;nnte also sein, dass das normale Programmangebot so heruntergekommen ist, dass man nebenbei noch etwas Eigenes machen kann &#8211; vielleicht ein interaktives <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zNRSp9M3b0g">Jodeldiplom</a>? Es gibt sicher eine Sender-App daf&#252;r.</p>
<p>Das heutige Fernsehen braucht offenbar eine wirksame Besch&#228;ftigungstherapie f&#252;r hibbelige (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivit%C3%A4tsst%C3%B6rung">ADHS-</a>)Zuschauer. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Larry_King">Larry King</a>, der legend&#228;re Anchorman des Nachrichtensenders <em>CNN</em>, sagte vor jeder Werbeeinblendung flehend in die Kamera: „Don’t go away!“ Die st&#228;ndige Angst, die Zuschauer k&#246;nnten mitten in der Sendung abhauen, ist die Triebfeder des <em>Social TV</em>. Zuschauer sollen mitmachen. Denn wer mitmacht, bleibt. Wir erleben diesen Wahnsinn der permanenten N&#246;tigung ja l&#228;ngst mit der ausufernden Trailer-Beschallung zwischen allen Sendungen &#8211; und mit kaltschn&#228;uzigen Programmhinweisen, die bewusst in die Schlussminuten laufender Spielfilme eingeblendet werden.</p>
<p>Die Website <em>t3n</em> hat einmal <a href="http://www.guidobuelow.de/2012/02/07/wandel-durch-social-media-das-fernsehen-wird-zum-social-tv/">aufgelistet</a>, was im <a href="http://www.dwdl.de/meinungen/35950/social_tv_muss_man_nicht_darf_man_aber_gerne/page_0.html">Mitmach-TV</a> unter Mitmachen verstanden wird. Es ist immer derselbe Quark:</p>
<ul>
<li>„Nach dem „Check-In” kann man mit seinen Freunden chatten und &#252;ber das laufende Programm diskutieren.“</li>
<li>„Nutzer sollen online &#252;ber das Programm diskutieren k&#246;nnen und Shows &amp; Stars bewerten.“</li>
<li>„Sendungen k&#246;nnen mit Sternen bewertet werden, man kann Kommentare teilen und Freunde ‚einladen’. Und chatten geht nat&#252;rlich auch.“</li>
</ul>
<p>Wahnsinn!! Fr&#252;her haben wir uns &#252;ber die Verbl&#246;dung durch schlechte Fernsehprogramme aufgeregt. Mit <em>Social TV</em> d&#252;rfen wir uns endlich selbst verbl&#246;den.</p>
<p><em><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1746">Crosspost</a></em>
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		<title>Borussia Dortmund und Hannelore Kraft</title>
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		<pubDate>Mon, 14 May 2012 11:35:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die klaren Ergebnisse vom Wochenende k&#246;nnten einen Kulturwandel in Deutschland bewirken. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Publizist <a href="http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/276025/">Norbert Seitz</a> und der Kulturphilosoph <a href="http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2004/06/12/a0280">Klaus Theweleit</a> haben viel &#252;ber die Analogie von Fu&#223;ball und Politik nachgedacht. Beide sehen <a href="http://www.amazon.de/Doppelp&#228;sse-Fu&#223;ball-Politik-Norbert-Seitz/dp/3821814713">Parallelen</a> zwischen der Entwicklung des Fu&#223;balls und der Entwicklung der Politik.</p>
<p>Am vergangenen Wochenende wurde dies eindrucksvoll best&#228;tigt. Das Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen deutet ebenso auf eine durchgreifende Wende wie das Pokalergebnis in Berlin. Das 5:2 von Borussia Dortmund &#252;ber Bayern M&#252;nchen war praktisch das Vor-Spiel f&#252;r das 5:2 von Hannelore Kraft &#252;ber Norbert R&#246;ttgen.</p>
<p>Die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> (die ihrerseits die kulturelle Wende mit ihrer spektakul&#228;ren <a href="http://carta.info/43693/journalismus-hat-seinen-preis/">Ablehnung</a> des <em>Henri Nannen-Preises</em> repr&#228;sentiert) titelt heute auf Seite 1: „Machtwechsel: Dortmund entthront den FC Bayern“. Der Verein aus dem <a href="http://karten.wahlergebnisse.nrw.de/WahlClient/">SPD-Revier</a> Dortmund habe den <a href="http://www.merkur-online.de/sport/fc-bayern/gezeigt-wies-geht-18006.html">CSU-nahen</a> Club aus M&#252;nchen deklassiert. Die <em>SZ</em> bezeichnet dies in ihrem Sportteil ausdr&#252;cklich als „Berliner Regierungserkl&#228;rung“ der Borussia.</p>
<p>Deren Fu&#223;ballkultur spiegelt sich im Teamgeist der Kraft-SPD. <a href="http://www.tagesschau.de/inland/wahlanalyse114.html">„Die Hannelore ist eine von uns“</a> – so sehen es viele im Revier. Ein echter Kumpel. Und sie spielt im Team. Die Diva R&#246;ttgen dagegen ist wie Robben, schnell beleidigt und immer ein bisschen fremd. Angela Merkel wird das doppelte Signal vom Wochenende verstehen – sp&#228;testens beim Besuch von Francois Hollande in dieser Woche.</p>
<p>Ob die Wende aber wirklich nachhaltig ist, wird sich schon am kommenden Samstag zeigen. Verliert der FC Bayern das Endspiel in der Champions League, ist die Hegemonie des deutschen Neoliberalismus in Europa Geschichte. Gewinnen die Bayern, muss Europa auf die Wende weiter warten. Der sprichw&#246;rtliche Bayern-Dusel ist stets auch der Dusel von Angela Merkel.</p>
<p><em>(P.S. Erf&#252;llt J&#252;rgen Klopp seinen vorzeitig verl&#228;ngerten Trainer-Vertrag bei Borussia Dortmund – so wie Hannelore Kraft ihren vorzeitig verl&#228;ngerten Trainer-Vertrag in NRW &#8211; ist die Wende 2013 perfekt. Wird Klopp von den reichen Bayern aber am Ende der n&#228;chsten Saison aus seinem Vertrag <a href="http://www.sueddeutsche.de/sport/fc-bayern-nach-dem-pokalfinale-die-fehlerkette-1.1356287">herausgekauft</a>, gibt es eine gro&#223;e Koalition. Denn so verschieden der FC Bayern und Borussia Dortmund auch sein m&#246;gen – so flexibel sind sie als Profis auch: Die Bayern spielen ja traditionell in Rot, und die Dortmunder in Schwarz-Gelb).</em></p>
<p>&nbsp;
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		<title>Griechische Demokratie: Trotz Malus ein Bonus</title>
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		<pubDate>Fri, 11 May 2012 12:16:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[In Griechenland wollen die schlimmsten Wahlverlierer einfach weiterregieren, und sie werden auch noch belohnt daf&#252;r. Viele Kommentatoren fl&#252;chten sich deshalb in Sarkasmus. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der deutsche Europaabgeordnete <del>Dr.</del> Jorgo Chatzimarkakis spricht von einem politischen <a href="http://www.epochtimes.de/chatzimarkakis-dieses-wahlergebnis-in-griechenland-ist-ein-erdbeben--890238.html">„Erdbeben“</a>, der Hamburger Journalist und Blogger Michalis Pantelouris nennt das Ergebnis sarkastisch <a href="http://pantelouris.de/2012/05/10/das-keine-wahl-ergebnis/">eine „vern&#252;nftige“ Wahl</a> – wenn man die Tatsache ber&#252;cksichtige, dass die Griechen keine Wahl hatten.</p>
<p>Doch die Reaktion des politischen EU-Establisments war nicht etwa Schockstarre angesichts der katastrophalen <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/euro-krise-sparpolitik-verstaerkt-die-schuldenkrise-in-griechenland-a-832034.html">Folgen</a> der eigenen Politik, sondern heilloses Gezeter, verbunden mit w&#252;sten Drohungen in Richtung Athen. Das Wahlergebnis, so lie&#223; man verlauten, <a href="http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/BLICKPUNKT-RZB-Wahlergebnis-belastet-Beziehung-Griechenland-EU-1846738">belaste</a> die Beziehungen zur EU. Kommentar Pantelouris:</p>
<blockquote><p>„Der Versuch, die Griechen daf&#252;r verantwortlich zu machen, dass sie sich nicht f&#252;r eine Todesart entscheiden m&#246;chten, weil sie lieber leben wollen, ist mit Dummheit allein nicht mehr zu erkl&#228;ren. Es ist Ideologie und die dazugeh&#246;rige Propaganda.“</p></blockquote>
<p>Hier einige Fakten <a href="http://www.griechenland-blog.gr/2012/detailliertes-wahlergebnis-mai-2012-in-griechenland/7909/">zur Wahl</a> vom letzten Sonntag:</p>
<p>1. Das alte Zwei-Parteien-System aus PASOK und Nea Dimokratia ist mit einem Schlag pulverisiert worden. Den alten Volksparteien kam das Volk abhanden. „Willkommen in Weimar“ &#228;tzte <em>Spiegel Online</em>-Kolumnist Wolfgang M&#252;nchau.</p>
<p>2. Die Wahlbeteiligung lag &#8211; trotz bestehender Wahlpflicht – nur bei 65,1 Prozent. Das hei&#223;t: Ein gutes Drittel der Wahlberechtigten hatte trotz oder gar wegen der dramatischen Wirtschaftskrise keine Lust, die angebotenen Volksvertreter zu w&#228;hlen.</p>
<p>3. Fast 20 Prozent der W&#228;hler haben sich f&#252;r Parteien entschieden, die es aufgrund der Drei-Prozent-H&#252;rde gar nicht ins Parlament schafften, darunter die Gr&#252;nen mit 2,93 Prozent. Die griechische Piratenpartei erhielt 0,51 Prozent.</p>
<p>4. Die konservative Nea Dimokratia, deren Stimmenanteil sich von 33,5 auf 18,8 Prozent nahezu halbierte, erh&#228;lt als Dank f&#252;r ihre miserable politische Bilanz 50 Parlamentssitze geschenkt – fast so viele wie die Partei durch W&#228;hlerstimmen (58) erringen konnte. Diese Bonus-Klausel &#8211; die st&#228;rkste Partei erh&#228;lt zus&#228;tzlich 50 Sitze &#8211; ist eine undemokratische Schutzvorrichtung gegen das eigene Wahlvolk.</p>
<p>5. Die sozialistische PASOK, die f&#252;r ihre Politik noch rabiater abgestraft wurde als die Nea Dimokratia (sie st&#252;rzte von 43,9 auf 13,2 Prozent), bekommt allen Ernstes einen <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/griechenland2236.html">Auftrag</a> zur Regierungsbildung. Von wem? Eine Partei, die von 8,5 Prozent der Wahlberechtigten gew&#228;hlt wurde, soll den Regierungschef stellen?</p>
<p>6. Nun wird &#8211; h&#246;chstwahrscheinlich &#8211; so lange gew&#228;hlt, bis die EU mit dem Ergebnis zufrieden ist – oder der Euro-Gruppe der Geduldsfaden rei&#223;t &#8211; oder Griechenland (per Milit&#228;rregierung) unter Kuratel gestellt wird &#8211; oder die Altparteien ein paar Abgeordnete aus den anderen Parteien &#8220;&#252;berzeugen&#8221; k&#246;nnen.</p>
<p>Die Lage f&#252;r Neofaschisten ist ideal.</p>
<p><em>Lesen Sie dazu auch: <a href="http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/05/11.mondeText.artikel,a0053.idx,15">Niels Kadritzke, Griechische Stimmen in Le Monde Diplomatique</a></em>
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		<title>Zankapfel Urheberrecht: Der ungel&#246;ste Grundwiderspruch der Piraten</title>
		<link>http://carta.info/43324/zankapfel-urheberrecht-der-ungeloste-grundwiderspruch-der-piraten/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 09:55:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Urheberrecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piraten wollen das Urheberpers&#246;nlichkeitsrecht in vollem Umfang erhalten. Sagen sie. Andererseits wollen sie das freie nicht-kommerzielle Kopieren erlauben und f&#246;rdern. Wie diese kontr&#228;ren Positionen unter einen Hut zu bringen sind, wissen die Piraten allerdings noch nicht. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das offizielle <a href="http://www.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2012/02/Grundsatzprogramm-Piratenpartei.pdf">Grundsatzprogramm</a> der Piraten &#228;u&#223;ert sich zum Thema Urheberrecht in erstaunlicher Schlichtheit. Im Kern reduzieren sich die Forderungen auf zwei konkrete Punkte: Erstens soll nicht-kommerzielles Kopieren in Zukunft generell erlaubt und gef&#246;rdert werden. Und zweitens soll die Geltungsdauer des Urheberrechts (das erst „70 Jahre nach dem Tod des Urhebers“ erlischt) deutlich verk&#252;rzt werden.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus versprechen die Piraten, die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen und einen „fairen Ausgleich“ zwischen Nutzern und Urhebern anzustreben. Doch viele Urheber sind misstrauisch, weil sich die beiden Hauptforderungen der Piraten widersprechen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Forderung Nr.1: Nicht-kommerzielles Kopieren soll generell erlaubt werden</em></strong></p>
<p>Dieser Programmpunkt ist den Piraten der wichtigste. Er beginnt mit einigen S&#228;tzen zur technisch bedingten Umw&#228;lzung unserer Gesellschaft, um das „freie Kopieren“ quasi als neues Naturrecht zu etablieren:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Der uralte Traum, alles Wissen und alle Kultur der Menschheit zusammenzutragen, zu speichern und heute und in der Zukunft verf&#252;gbar zu machen, ist durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in greifbare N&#228;he ger&#252;ckt. Wie jede bahnbrechende Neuerung erfasst diese vielf&#228;ltige Lebensbereiche und f&#252;hrt zu tief greifenden Ver&#228;nderungen. Es ist unser Ziel, die Chancen dieser Situation zu nutzen und vor m&#246;glichen Gefahren zu warnen. Die derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Bereich des Urheberrechts beschr&#228;nken jedoch das Potential der aktuellen Entwicklung, da sie auf einem veralteten Verst&#228;ndnis von so genanntem “geistigem Eigentum” basieren, welches der angestrebten Wissens- oder Informationsgesellschaft entgegen steht.“</em></p></blockquote>
<p>Das alte Verst&#228;ndnis vom „geistigen Eigentum“ bzw. von der „eindeutigen Verf&#252;gungsgewalt der Urheber &#252;ber ihre sch&#246;pferischen Leistungen“ wird vom Grundsatzprogramm der Piraten abgelehnt. Das jetzige „Monopolrecht“ der Urheber, mit ihrer Arbeitsleistung nach Belieben verfahren zu k&#246;nnen, wird bestritten. Die Piraten wollen, dass sch&#246;pferische Leistungen allen Menschen geh&#246;ren, weil sie a) auf den schon erbrachten sch&#246;pferischen Leistungen anderer aufbauen, und b) durch ihre leichte Kopierbarkeit die Entwicklungschancen aller Menschen vergr&#246;&#223;ern.</p>
<p>Der sch&#246;pferische Prozess soll also vergesellschaftet werden &#8211; w&#228;hrend die &#252;brigen Arbeitsprozesse weiterhin der kapitalistischen Verwertungslogik unterliegen. Diese Sonderstellung der Kreativen wird damit begr&#252;ndet, dass der sch&#246;pferische Prozess von Anfang an ein gemeinschaftlicher sei. Die Erbringer geistiger Leistungen w&#252;rden nichts anderes tun, als aus vorhandenen Werken mit Hilfe einiger Umwandlungstechniken neue Werke herzustellen &#8211; so wie eine Kuh aus dem Gras einer saftigen Wiese Milch herstellt. Schlie&#223;lich geh&#246;rt die Milch nach dem Melken auch nicht der Kuh (der Vergleich hinkt, gef&#228;llt mir aber trotzdem).</p>
<p>Weiter im Piratentext:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Systeme, welche auf einer technischen Ebene die Vervielf&#228;ltigung von Werken be- oder verhindern (durch Kopierschutz etc.), verknappen k&#252;nstlich deren Verf&#252;gbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von k&#252;nstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch (!), daher lehnen wir diese Verfahren ab.</em><em> </em></p>
<p><em>&#8230;Wir sind der &#220;berzeugung, dass die nichtkommerzielle Vervielf&#228;ltigung und Nutzung von Werken als nat&#252;rlich (!) betrachtet werden sollte&#8230;</em></p>
<p><em>Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zug&#228;nglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu f&#246;rdern, um die allgemeine Verf&#252;gbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung f&#252;r die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar&#8230;“</em></p></blockquote>
<p>Wir halten Folgendes fest: 1. Kopieren ist nach Auffassung der Piraten eine Art Naturrecht. 2. Systeme, die das freie Kopieren einschr&#228;nken, machen „<em>aus einem freien Gut</em> ein wirtschaftliches“ und 3. Jede Beschr&#228;nkung der Kopierm&#246;glichkeit ist „unmoralisch“.</p>
<p>Die sch&#246;pferische Arbeitsleistung eines Urhebers ist nach Meinung der Piraten ein „freies Gut“, das durch k&#252;nstliche Verknappung zur kapitalistischen Ware wird.</p>
<p>Dem Urheber, der unter Umst&#228;nden jahrelang an einem Werk gearbeitet hat, wird so die M&#246;glichkeit genommen, die Verwertung seiner Arbeitsleistung nach eigenem Gutd&#252;nken festzulegen. Es geht ihm wie der Milchkuh, die &#252;ber die Verwertung ihrer Milch nichts mitzureden hat. (Allerdings bekommt sie Kost und Logis gratis – mithin das &#196;quivalent des bedingungslosen Grundeinkommens).</p>
<p>Das Urheberbild der Piraten unterscheidet sich vom Urheberbild der Verwerter nur in einer (wichtigen!) Nuance: F&#252;r die Piraten sind Urheber Milchk&#252;he, die <em>von der Allgemeinheit</em> nach Bedarf gemolken werden k&#246;nnen, f&#252;r die Verwerter sind die Urheber dagegen Zitronen, die man <em>f&#252;r den eigenen Profit</em> bis zum letzten Tropfen auspressen darf. Beide Vorg&#228;nge werden &#8211; von Piraten wie von Verwertern &#8211; als „nat&#252;rlich“ bezeichnet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em>Forderung Nr.2: Die Urheberpers&#246;nlichkeitsrechte sollen gewahrt werden</em></strong></p>
<p>Beginnen wir mit dem Satz, der kontr&#228;r zur ersten Hauptforderung der Piraten steht. Er lautet:</p>
<blockquote><p><em>„</em><em>Wir erkennen die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.“</em><em> </em></p></blockquote>
<p>Nimmt man die Kernaussagen des geltenden Urheberpers&#246;nlichkeitsrechts, so stimmen die Piraten damit folgenden Leits&#228;tzen „in vollem Umfang“ zu:</p>
<blockquote><p><em>„Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu ver&#246;ffentlichen ist.“ (§12 UrhG)</em></p>
<p><em>„Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk.“ (§13 UrhG)</em></p>
<p><em>„Der Urheber hat das Recht, eine Entstellung oder eine andere Beeintr&#228;chtigung seines Werkes zu verbieten, die geeignet ist, seine berechtigten geistigen oder pers&#246;nlichen Interessen am Werk zu gef&#228;hrden.“ (§14 UrhG)</em></p></blockquote>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Der Grundwiderspruch bleibt bestehen</em></strong></p>
<p>Womit wir beim Grundwiderspruch angelangt w&#228;ren, den die Piraten bislang nicht befriedigend aufl&#246;sen k&#246;nnen: Einerseits erkennen sie die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber an ihren Werken „in vollem Umfang“ an, andererseits wollen sie das freie nicht-kommerzielle Kopieren von Werken im Sinne eines unbeschr&#228;nkten Nutzerrechtes gesetzlich verankert wissen.</p>
<p>Eine solche Begrenzung des Urheberrechts – etwa in Form einer Schrankenregelung &#8211; w&#252;rde jedoch tief in das Urheber-Pers&#246;nlichkeitsrecht eingreifen<em>.</em> (Die Gr&#252;nen haben exakt zu diesem Rechtsproblem ein aufw&#228;ndiges <a href="http://carta.info/42650/jurgen-trittin-die-sz-und-die-kulturflatrate/">Rechtsgutachten</a> erstellen lassen).</p>
<p>Wer vorgibt, die Pers&#246;nlichkeitsrechte der Urheber „in vollem Umfang“ anzuerkennen &#8211; wie die Piraten &#8211; muss den Urhebern gleichzeitig zusichern, dass sie weiterhin dar&#252;ber bestimmen k&#246;nnen, <em>ob und wie</em> ihre Werke zu ver&#246;ffentlichen sind. Zu dieser Verf&#252;gungsgewalt geh&#246;ren selbstverst&#228;ndlich auch Beschr&#228;nkungen und Verbote (d.h. „k&#252;nstliche Verknappungen“).</p>
<p>Um den inneren Widerspruch ihres Programms zuzudecken, fordern die Piraten einen vage bleibenden „Ausgleich zwischen den Anspr&#252;chen der Urheber und denen der &#214;ffentlichkeit“. Hier h&#228;tte man gern Konkretes erfahren, aber genau in diesem Punkt halten sich die Piraten bedeckt. W&#228;hrend sie die „Anspr&#252;che der Nutzer“ sehr klar benennen, bleiben die „Anspr&#252;che der Urheber“ irgendwo im Nebel:</p>
<blockquote><p><em>„Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem &#246;ffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur nicht gerecht. Im Allgemeinen wird f&#252;r die Schaffung eines Werkes in erheblichem Ma&#223;e auf den &#246;ffentlichen Schatz an Sch&#246;pfungen zur&#252;ckgegriffen. Die R&#252;ckf&#252;hrung (!) von Werken in den &#246;ffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Sch&#246;pfungsf&#228;higkeiten von essentieller Wichtigkeit.</em></p>
<p><em>Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire R&#252;ckf&#252;hrung (!) in den &#246;ffentlichen Raum erm&#246;glichen. Dies schlie&#223;t insbesondere eine drastische Verk&#252;rzung der Dauer von Rechtsanspr&#252;chen auf urheberrechtliche Werke unter die im </em><em>TRIPS</em><em>-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.“</em></p></blockquote>
<p>Die Interessen der Urheber finden sich im Piratenprogramm also lediglich in der Allerwelts-Formel vom „fairen Ausgleich“. Doch dieses inhaltslose Trostpfl&#228;sterchen reicht den Urhebern nicht aus. Sie m&#246;chten wissen, was die Piraten unter einem „fairen Ausgleich“ <em>konkret</em> verstehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><strong><em>Die Piraten arbeiten an einer Neupositionierung</em></strong></p>
<p>Mittlerweile haben die Piraten, die sich mit der Materie besch&#228;ftigen, begriffen, dass sie ihr &#8216;Urthema&#8217; Urheberrecht st&#228;rker durchdringen und verst&#228;ndlicher erkl&#228;ren m&#252;ssen. Das „Argumentationspapier“, das rund drei Dutzend Piraten um Christian Hufgard beim Bundesparteitag im Dezember 2011 in Offenbach vorgelegt haben <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA149">(PA 149)</a>, ist ein Beispiel daf&#252;r. Es konnte sich gegen einen von Andi Popp und anderen eingebrachten Konkurrenzantrag <a href="http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2011.2/Antragsportal/PA151">(PA 151)</a> durchsetzen. Dieses „Argumentationspapier“, das sp&#228;ter ins Bundeswahlprogramm der Piraten einflie&#223;en soll, ist ein minimaler Fortschritt gegen&#252;ber dem existierenden Grundsatzprogramm. Es ist differenzierter und zeugt von gr&#246;&#223;erer Kenntnis der komplexen Materie. Aber es gleicht noch immer einer Materialsammlung – nicht einem durchdachten Konzept oder gar einem gro&#223;en Wurf.</p>
<p>Selbst die k&#252;rzlich in einer &#252;berhasteten Reaktion ver&#246;ffentlichten <a href="http://www.piratenpartei.de/2012/04/09/101-piraten-fur-ein-neues-urheberrecht/">101 Statements</a> k&#252;nstlerisch t&#228;tiger Piraten f&#252;hren nicht weiter. Auch da hei&#223;t es, man wolle das Urheberpers&#246;nlichkeitsrecht nicht antasten &#8211; im Grunde will man es aber doch.</p>
<p>Dieser Grundwiderspruch in der Argumentation durchzieht alle Piraten-&#196;u&#223;erungen zum Thema. Daniel Neumann, J.Martin und Jessica Karger <a href="http://www.ruhrbarone.de/piratenpartei-nrw-urheberrecht-und-eigentum/">schreiben etwa</a> bei den <em>Ruhrbaronen</em>:</p>
<blockquote><p><em>„Einen Rechtsbegriff „geistiges Eigentum“ gibt es in Deutschland nicht. Er m&#252;sste also zun&#228;chst gesetzlich definiert werden, um ihn dann wieder abzuschaffen. „Geistiges Eigentum“ ist damit bestenfalls eine Metapher f&#252;r kreative Leistungen und Ideen.“</em></p></blockquote>
<p>Die gleichen Autoren verweisen in ihrem Beitrag f&#252;r die <em>Ruhrbarone</em> aber auf ihr <a href="http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/07/UrhG_Arguments_FassungBPT2011-2.pdf">„Argumentationspapier“</a>. Und was steht da?</p>
<blockquote><p><em>„Man mag zum Thema &#8220;geistiges Eigentum&#8221; philosophisch stehen wie man will. Die juristische Realit&#228;t geht aber davon aus, dass es so etwas gibt. Sich davor zu verschlie&#223;en bringt die Diskussion nicht weiter.“ </em><em> </em></p></blockquote>
<p>Also, was nun? Im Grunde gibt es nur zwei M&#246;glichkeiten, den inneren Widerspruch der Piraten beim Thema Urheberrecht aufzul&#246;sen: Entweder pl&#228;dieren sie f&#252;r die Einf&#252;hrung einer (verfassungsrechtlich gut begr&#252;ndeten) Schrankenregelung, wodurch die nicht-kommerzielle Privatkopie u.U. gegen den Willen der Urheber erlaubt wird (= <a href="http://www.gruene-bundestag.de/themen/netzpolitik/eine-kulturflatrate-ist-machbar.html">Kulturflatrate</a> nach dem Modell der gr&#252;nen Bundestagsfraktion oder <a href="http://www.vgrass.de/?p=1237">Tauschlizenz</a> nach dem Modell von Volker Grassmuck) oder sie machen sich f&#252;r die komplette Herausl&#246;sung des Urheberpers&#246;nlichkeitsrechts aus dem Urheberrecht stark (und folgen damit dem Copyright-Vorbild USA). Das Urheberrecht w&#252;rde dann zu einem reinen (&#252;bertragbaren) Verm&#246;gensrecht (= Immaterialg&#252;terrecht), w&#228;hrend die Urheberpers&#246;nlichkeitsrechte in ein neu zu schaffendes allgemeines Pers&#246;nlichkeitsrecht einflie&#223;en w&#252;rden. Rechtsdogmatiker w&#252;rden das begr&#252;&#223;en. Ob es f&#252;r die Urheber besser w&#228;re, darf jedoch bezweifelt werden. Der Streit dar&#252;ber dauert in Deutschland schon mehr als 100 Jahre an.</p>
<p>Die Piraten m&#252;ssen sich mit dieser fundamentalen Problematik endlich auseinandersetzen und d&#252;rfen nicht l&#228;nger um den hei&#223;en Brei herumreden. Matthias Schrade vom Bundesvorstand der Piraten hat deshalb einen „Runden Tisch“ <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/interview-was-die-piraten-mit-dem-urheberrecht-vorhaben/6498316.html">vorgeschlagen</a>. M&#246;glicherweise ist dieses bew&#228;hrte M&#246;belst&#252;ck hilfreich, den inneren Widerspruch des Piratenprogramms aufzul&#246;sen.</p>
<p>&nbsp;
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		<title>Ein Henri f&#252;r BILD?</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 19:54:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Antje Vollmer]]></category>
		<category><![CDATA[Bild]]></category>
		<category><![CDATA[Henri Nannen Preis]]></category>
		<category><![CDATA[Otto Brenner Stiftung]]></category>

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		<description><![CDATA[Antje Vollmer, einst Vizepr&#228;sidentin des Deutschen Bundestages, protestiert gegen die Nominierung der Bild-Zeitung f&#252;r den Henri Nannen-Preis. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 11.Mai werden mal wieder &#8220;die Henris&#8221; verliehen. Das bedeutet Hochkonjunktur f&#252;r Hamburgs <a href="http://www.smoking-verleih-hamburg.de/smokingverleih.htm">Smoking-Verleiher</a> und Adabeis. Der rote Teppich vor dem Hamburger Schauspielhaus wird allerdings diesmal nicht nur f&#252;r <em>Zeitspiegelfazszgeowelt</em> ausgerollt, sondern &#8211; heikel, heikel &#8211; auch f&#252;r die <em>Bild-Zeitung</em>. Zwei ihrer Reporter haben es in der Kategorie „Investigation“ auf die <a href="http://www.henri-nannen-preis.de/investigation_2012.php?id=190&amp;award">Shortlist</a> geschafft &#8211; wegen tiefsch&#252;rfender und furchtloser Recherchen in Sachen Christian Wulff. Antje Vollmer findet diese Nominierung skandal&#246;s. In einem <a href="http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag---kein-henri-nannen-preis-fuer-bild,1472602,15116676.html">Gastbeitrag</a> f&#252;r die <em>Frankfurter Rundschau </em>schreibt sie:</p>
<blockquote><p>„Es hat sich etwas in der Architektonik der &#246;ffentlichen Meinungsbildung verschoben. Das Abstandsgebot zwischen der Darstellung eines Sachverhalts in seri&#246;sen Bl&#228;ttern und dem Kampagnenstil des Boulevards wird zunehmend missachtet. Heute &#252;berschlagen sich alle wie die Lemminge, wenn erst einmal der Startschuss f&#252;r eine Hatz gefallen ist, auf welchen S&#252;ndenbock auch immer. Keine Streitkultur, kein Bewerten und Abw&#228;gen nirgends – nur monokulturelles Jagdfieber, getarnt als moralische Aufr&#252;stung der Nation.“</p></blockquote>
<p>Die Kampagne gegen Christian Wulff sei daf&#252;r ein Musterbeispiel gewesen.</p>
<blockquote><p>„Der Tiefpunkt allerdings war erreicht, als die wertvollsten unserer Printmedien – auch S&#252;ddeutsche und Frankfurter Allgemeine – auf Zuruf des vermeintlichen Opfers Kai Diekmann gleich die ganze Pressefreiheit in Deutschland f&#252;r gef&#228;hrdet erkl&#228;rten.“</p></blockquote>
<p>Vor einigen Tagen bereits ist das Buch <a href="http://www.amazon.de/Der-entfesselte-Skandal-Kontrolle-digitalen/dp/3869620587">&#8220;Der entfesselte Skandal&#8221;</a> von Bernhard P&#246;rksen und Hanne Detel erschienen, mit dem analog-entlastenden Untertitel: &#8220;Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter&#8221;. Dabei w&#252;rgt auch das gedruckte Wort mitunter effektiv. Rechtzeitig zur Preisverleihung der Henris erscheint am kommenden Montag eine <a href="http://www.otto-brenner-shop.de/publikationen/obs-arbeitshefte/shop/bild-und-wulff-ziemlich-beste-partner.html">Studie der Otto Brenner Stiftung</a> zur Causa Wulff+Bild. Das bew&#228;hrte Autorenduo Hans-J&#252;rgen Arlt und Wolfgang Storz hat sich dem Thema von einer ganz anderen Seite gen&#228;hert. Der Titel ihrer Untersuchung lautet: „BILD und Wulff &#8211; ziemlich beste Partner.  Fallstudie &#252;ber eine einseitig aufgel&#246;ste Gesch&#228;ftsbeziehung&#8221;.</p>
<p><em>Siehe dazu auch: <a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1544">BILD, du Schwert und Schild des deutschen Volkes!! Erl&#246;se uns!</a></em></p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43446&amp;md5=61dbfcb134585dc4cc939208835a78e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Deutsche Oberlehrer</title>
		<link>http://carta.info/43396/deutsche-oberlehrer/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 18:19:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Manifest]]></category>
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		<description><![CDATA[Immer &#246;fter verteilen deutsche Politiker und deutsche Medien Betragensnoten an ihre europ&#228;ischen Nachbarn. W&#228;re es nicht besser, die dortigen Verh&#228;ltnisse erst mal kennenzulernen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Langsam haben wir sie alle durch: Die Schweiz? Ihr hetzen wir <a href="http://www.tagesschau.de/wirtschaft/steinbrueck222.html">die Kavallerie</a> auf den Hals! Frankreich? Mit <a href="http://www.welt.de/politik/deutschland/article106233110/Merkel-greift-Hollande-an-und-der-poltert-zurueck.html">Sozialistenpack</a> verhandeln wir nicht! Griechenland? Gnade euch Gott, ihr Pleitegriechen, jetzt kommt unser <a href="http://www.bild.de/politik/ausland/griechenland-krise/griechischer-cartoonist-zeichnet-nazi-merkel-bilder-22528808.bild.html">Sparkommissar</a>! Die Ukraine? Diesem Paria werden wir <a href="http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/weimers-woche/weimers-woche-gelbe-karte-fuer-ukraine/6564748.html">beibringen</a>, wie man richtig Fu&#223;ball spielt!</p>
<p>Mit gro&#223;em Behagen hatte Volker Kauder <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,797945,00.html">beim CDU-Parteitag</a> im vergangenen Herbst festgestellt: „Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen“. Richtiges Deutsch! Dann verteilte er noch schnell ein paar <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/kanzlerin-merkel-empfaengt-premier-cameron-wie-man-freunde-verkaudert-1.1192535">Kopfn&#252;sse</a> an die Briten, denn Italien, der <a href="http://www.welt.de/politik/article13679027/Das-solideste-Land-Europas-verbittet-sich-Lektionen.html">Klassenclown</a>, stand ja schon in der Ecke.</p>
<p>Je pr&#228;chtiger sich Deutschlands Elite zur Oberlehrermacht entwickelt (manche halten das auch f&#252;r „europ&#228;ische Innenpolitik“), desto unversch&#228;mter werden die Anweisungen an die „Schlawiner“, „Faulpelze“ und „Dummerchen“ ringsum. Welchem Land werden wir wohl morgen den Kopf waschen? Unsere Politiker sind gro&#223;z&#252;gig geworden im Verteilen von Betragensnoten an „lernunwillige“ Nachbarn.</p>
<p>Ob Europa auf diese Weise zu einer Herzensangelegenheit wird?</p>
<p>Das fragen sich in der Euro-Krise nicht nur die Elder Statesmen. Daniel Cohn-Bendit und Ulrich Beck haben jetzt ein „Manifest zur Neugr&#252;ndung Europas von unten“ <a href="http://manifest-europa.eu/?lang=de">vorgestellt</a>, in dem sie ein „Freiwilliges Europ&#228;isches Jahr“ f&#252;r alle <a href="http://www.euractiv.de/wahlen-und-macht/artikel/ulrich-beck-wir-haben-europa-der-sonntagsreden-kein-alltagseuropa-006267">fordern</a>. Jeder Deutsche, jeder Franzose, jeder Italiener, jeder &#214;sterreicher soll seinen Nachbarn ein Jahr lang zur Hand gehen.</p>
<p>Dann k&#246;nnten die deutschen Oberlehrer z.B. in griechischen oder spanischen Arbeitsloseninitiativen aushelfen und dort das Bild der Deutschen, das sich gerade etwas einzutr&#252;ben beginnt, wieder aufpolieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Update 5.5.: Der ehemalige Pr&#228;sident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-J&#252;rgen Papier, <a href="http://www.tagesschau.de/inland/papier118.html">kritisiert den Timoschenko-Hype</a> </em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43396&amp;md5=385bb9a0a72e2b082409a8c574fc27f2" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Boykott der Fu&#223;ball-EM: Angemessen oder Doppelmoral?</title>
		<link>http://carta.info/43205/boykott-der-fusball-em-angemessen-oder-doppelmoral/</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 17:11:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Julia Timoschenko sitzt seit Oktober wegen "Amtsmissbrauchs" im Gef&#228;ngnis. Kritiker nennen es Rachejustiz und setzen die ukrainische Regierung mit einer Boykottdrohung unter Druck. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die moralische Radikalisierung der &#214;ffentlichkeit nimmt heldenhafte Z&#252;ge an. Diesmal k&#228;mpfen ‚wir’ f&#252;r Julia Timoschenko, die „arme schwerkranke Frau“, die einen Bandscheibenvorfall erlitten hat, sich aber nicht von ukrainischen Gef&#228;ngnis-&#196;rzten behandeln lassen will.</p>
<p>Unser <a href="http://www.heise.de/tp/blogs/8/151892">Bundespr&#228;sident</a> sagte deshalb eine Reise ab. Der SPD-Vorsitzende <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine306.html">rief seine</a> Politikerkollegen auf, nicht zur Fu&#223;ball-Europameisterschaft nach Kiew zu fahren. Und gr&#252;ne Politiker taten, was sie besonders gut k&#246;nnen: <a href="http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fall-timoschenko-gruene-fordern-merkel-zum-knastbesuch-auf/6563100.html">Symbolische Aktionen</a> vorschlagen, mit denen man garantiert in die Zeitung kommt. Bald werden die Leitartikler (allen voran die <a href="http://www.nachdenkseiten.de/?p=13036">Springer-Medien</a>) mit dem Klingelbeutel f&#252;r die Multimillion&#228;rin sammeln gehen und &#8211; ja! – die <a href="http://www.bild.de/politik/ausland/julia-timoschenko/ukraine-folter-fall-julia-timoschenko-sollen-wir-die-em-jetzt-boykottieren-23853044.bild.html">Rufe</a> nach einem Boykott der Fu&#223;ball-EM werden immer <a href="http://www.welt.de/politik/ausland/article106233066/Minister-Friedrich-droht-Ukraine-mit-EM-Boykott.html">lauter</a>.</p>
<p>Ist die ukrainische Armee, <a href="http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/olympia-boykott-es-brennt-immer-noch-1515836.html">wie 1980</a> die Sowjetunion, in ein Nachbarland einmarschiert?</p>
<p>Das <em>Hamburger Abendblatt </em>legt sich jedenfalls schon m&#228;chtig ins Zeug. In einem Leitartikel nennt sie die Ukraine den „Paria in Europa“:</p>
<blockquote><p><em>„Joachim Gauck hat nicht lange gez&#246;gert und mit einem pr&#228;sidialen Paukenschlag die in ihn gesetzten politischen Erwartungen bereits erf&#252;llt&#8230;</em></p>
<p><em>Dem Regime des Kiewer Autokraten Viktor Janukowitsch muss das klare Signal &#252;bermittelt werden, dass Deutschland sein Betragen (sic!) nicht l&#228;nger einfach hinnimmt&#8230; </em></p>
<p><em>Die Anordnung, die schwer kranke Frau von B&#252;tteln unter Anwendung k&#246;rperlicher Gewalt gegen ihren Willen in ein staatliches Hospital verlegen zu lassen und ihr selbst einen Rollator zu verweigern, macht sein Regime zum Paria in Europa&#8230;.“</em></p></blockquote>
<p>Man stelle sich vor: Eine Rollatorverweigerung! Mitten in Europa!!! In einem zivilisierten Europa, das vor kurzem noch <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,716386,00.html">Geheimgef&#228;ngnisse</a> duldete, in denen es <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/rumaenien-geheimgefaengnis-der-cia-in-rumaenischer-behoerde-entdeckt-1.1229296">nicht sehr zivil</a> zuging, was aber nicht weiter st&#246;rte, denn es waren ja die Guten, die dort folterten; in diesem zivilisierten Europa wird politischen Gefangenen mit Bandscheibenproblemen ein Rollator verweigert!</p>
<p>Das f&#252;hrte zu einem geharnischten Protest deutscher Spitzenpolitiker und-journalisten, den wir bei der deutsch-chinesischen <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/menschenrechtsgruppen-protestieren-die-kanzlerin-schweigt-merkel-eroeffnet-hannover-messe-mit-chinas-premier-wen_aid_741357.html">Er&#246;ffnung</a> der Hannover-Messe <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821207,00.html">leider nicht</a> gesehen haben. Oder bei den deutsch-russischen <a href="http://www.n-tv.de/politik/Nichts-geht-ohne-Russland-article3832001.html">Konsultationen</a>.</p>
<p><a href="http://www.focus.de/politik/ausland/tid-23850/haftstrafe-gegen-timoschenko-urteil-von-kiew-stuerzt-die-ukraine-in-den-abgrund_aid_673668.html">Julia Timoschenko</a> scheint Deutschlands bequemer Ersatz-<a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,825465,00.html">Chodorkowski</a> zu werden. Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine kostet uns n&#228;mlich nichts. Unsere mickrige Handelsbilanz mit diesem Land k&#246;nnte nie so nachhaltig besch&#228;digt werden wie dies ein offener Menschenrechtskonflikt mit Russland oder China bewerkstelligen w&#252;rde. Haben deutsche Politiker den russischen Staatschef Medwedew wegen der Inhaftierung Michail Chodorkowskis mit Boykott bedroht? Oder Chinas Staatschef Wen Jiabao wegen der Inhaftierung des Friedensnobelpreistr&#228;gers Liu Xiaobo? Ich kann mich nicht entsinnen, dass es derartige Vorschl&#228;ge gab. Obwohl <em>Amnesty International</em> in beiden F&#228;llen gute Gr&#252;nde vorbringen k&#246;nnte.</p>
<p>Wer ist Julia Timoschenko?</p>
<blockquote><p><em>„Als politisches Ziehkind des Dnipropetrowsker Gebietschefs Pawlo Lazarenko, der 1996 Ministerpr&#228;sident der Ukraine wird, findet sie Zugang zur Kiewer Machtelite. Lazarenko sorgt auch daf&#252;r, dass ihre Firma „Vereinigte Energiesysteme“ (EESU) zum wichtigsten H&#228;ndler f&#252;r russisches Erdgas aufsteigt. 75 Milliarden Kubikmeter ben&#246;tigt die Ukraine im Jahr, drei Viertel davon kommen aus Russland und Turkmenistan. Mit dem russischen Monopolisten Gazprom schlie&#223;t Timoschenko einen Vertrag &#252;ber die Lieferung von 24,2 Milliarden Kubikmeter. Innerhalb von zwei Jahren erreicht ihr Konzern einen Umsatz von zehn Milliarden Dollar. Die Kiewer Wochenpresse kommentiert das Wirtschaftswunder mit der &#220;berschrift: „Die Ukraine ist der EESU beigetreten.“ Seither tr&#228;gt Julia Timoschenko den Spitznamen „Gasprinzessin“.</em></p>
<p><em>Dass bei ihrem Aufstieg nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann, wird deutlich, als ihr F&#246;rderer im Februar 1999 auf dem New Yorker Flughafen festgenommen wird. 114 Millionen Dollar soll Pawlo Lazarenko ins Ausland verschoben haben: Schmiergelder, die er f&#252;r die „Regulierung“ des Gasmarkts bekommen hat. </em></p>
<p><em>Zu dieser Zeit ist Julia Timoschenko l&#228;ngst aus dem Schatten ihres Schwiegervaters getreten. Mit ungeheurer Energie durchl&#228;uft sie verschiedene Parteien &#8211; bis sie ein B&#252;ndnis schmieden kann, das ganz auf sie zugeschnitten ist, den „Block Julia Timoschenko“, abgek&#252;rzt BjuT, frei &#252;bersetzt: Schlag zu! Im Kampf gegen Pr&#228;sident Kutschma marschiert sie nun an vorderster Front, kompromisslos, charismatisch, attraktiv &#8211; ein Popstar der Politik. Auf dem Maidan erlebt sie ihren H&#246;hepunkt. Die Medien stilisieren sie zur „Jeanne d’Arc der orangenen Revolution“. </em></p>
<p><em>Als Ministerpr&#228;sidentin regiert sie dagegen nur kurz, von Februar bis September 2005. Ihre rigorose Art, den ukrainischen Saustall mit eisernem Besen ausmisten zu wollen, st&#246;&#223;t auf Widerstand – in Ost und West. Ihrem Vorbild Wladimir Putin nacheifernd, r&#228;t sie widerspenstigen Oligarchen, k&#252;nftig ihre Steuern zu zahlen und sich aus der Politik herauszuhalten. Und Timoschenkos Sozialreformen &#8211; die Erh&#246;hung der Mindestrenten und Mindestl&#246;hne, die Ausweitung der Familienf&#246;rderung &#8211; irritieren auch westliche Investoren. Derart dirigistisch hatten sie sich die neue Ukraine nicht vorgestellt. Als die Wachstumskurven nach unten zeigen, entl&#228;sst Staatspr&#228;sident Juschtschenko seine Mitstreiterin. </em></p>
<p><em>„Ich wurde im Steigflug gestoppt!“ sagt sie. Doch aufgeben wird sie nicht. Der Kiewer Publizist Sergej Hrabowsky h&#228;lt sie weiterhin f&#252;r die aussichtsreichste Politikerin. In einem „postkolonialen Land“ wie der Ukraine, sagt er, sei ihre peronistische Politik der harten Hand und des starken Staates die einzige M&#246;glichkeit, das Raubritterkapital zu z&#228;hmen. So lange die nationalen Interessen von heimischen und fremden Oligarchen unterlaufen werden k&#246;nnten, so lange werde es keine stabile Ukraine geben.“ </em><em>(Ausschnitt aus einer Reportage, die ich Anfang 2007 &#252;ber die Ukraine geschrieben habe: „Staat auf Bew&#228;hrung“, Geo 2/2007)</em></p></blockquote>
<p>Zweifellos w&#228;re Julia Timoschenko eine interessante politische Alternative zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wiktor_Janukowytsch">Wiktor Janukowitsch</a> (und die diplomatischen Bem&#252;hungen zu ihrer Ausreise bzw. ihrer Haftentlassung sollten unbedingt fortgesetzt werden). Es ist auch zu vermuten, dass Timoschenko bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen 2015 erneut gegen Janukowitsch antreten will. Ihren Wahlkampf hat sie per Hungerstreik gerade <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/timoschenko-tochter-appelliert-an-bundesregierung-retten-sie-das-leben-meiner-mutter-11733874.html">er&#246;ffnet</a>. Eine Julia Timoschenko l&#228;sst sich nicht so leicht unterkriegen.</p>
<p>Ob sie das Land aber demokratischer regieren w&#252;rde? Wir wissen es nicht. Der Machtkampf zwischen den beiden verfeindeten Oligarchen-Lagern wird seit mindestens acht Jahren mit aller H&#228;rte und allen Tricks gef&#252;hrt (w&#252;ste Schl&#228;gereien im Parlament inklusive). Der Westen (USA) und der Osten (Russland) mischen tatkr&#228;ftig mit. Die Interessen des Timoschenko-Clans und die Interessen des Janukowitsch-Clans (und die mit ihnen verbundene st&#228;ndige Einmischung von au&#223;en) l&#228;hmen das Land.</p>
<p>Die Eigenst&#228;ndigkeit der Ukraine ist n&#228;mlich noch immer keine Selbstverst&#228;ndlichkeit. Jahrhundertelang wurde ihre Souver&#228;nit&#228;t missachtet und hintertrieben. Deshalb braucht dieses Land jetzt keinen moralisch begr&#252;ndeten Fu&#223;ball-Boykott deutscher Politiker, sondern eine langfristige wirtschaftliche Entwicklungsperspektive. In dieser Hinsicht verh&#228;lt sich die deutsche Regierung leider h&#246;chst reserviert – <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/assoziierungsabkommen-eu-geht-auf-ukraine-zu-11701901.html">sie mauert</a>, im Gegensatz zur EU. Bei den Handelspartnern Russland und China ist es genau umgekehrt.</p>
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		<title>Piraten braten</title>
		<link>http://carta.info/43176/piraten-braten/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 13:24:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Shitstorm]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Vorberichterstattung zum Piratenparteitag an diesem Wochenende war hart, aber keineswegs herzlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Selten haben sich die Medien so &#252;ber einen <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/harte-bretter/harte-bretter-shitstorm-der-etablierten-11727961.html">Shitstorm</a> gefreut. Denn er war analog. Mit geballter Macht wurde in den traditionellen Medien in den vergangenen zwei Wochen gegen die Piratenbrut angeredet und angeschrieben. Nun ist endlich Parteitag, und es soll bestimmt kein innerer werden! Zur Vorstandswahl tritt auch eine Person an, die schon immer f&#252;r Polarisierung gesorgt hat. <em><a href="http://www.taz.de/Piratin-Julia-Schramm/!92303/">taz</a></em> und <em><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/piratin-julia-schramm-wahlkampf-einer-digitalen-seele-11731922.html">faz</a></em> portr&#228;tieren die 26-j&#228;hrige Piratin Julia Schramm als „Privilegienmuschi“ bzw. als „digitale Seele“. Lesenswert.</p>
<p><em>Carta</em>-Autor <a href="http://carta.info/41754/piratenpartei-vom-betriebssystem-zum-parteiprogramm/">Daniel Leisegang</a> hat sich unterdessen beim <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/04/26/piratenpartei-die-binare-freiheit/">diskursradio</a> Gedanken &#252;ber die bin&#228;ren Freiheitsvorstellungen der Piraten gemacht.</p>
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		<title>Voodoozauber der Verlage</title>
		<link>http://carta.info/43087/voodoozauber-der-verlage/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 10:54:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sehen wir es mal so: Das Leistungsschutzrecht ist der verzweifelte Versuch der Verlage, die Folgen des gegenw&#228;rtigen Verdr&#228;ngungswettbewerbs zu kompensieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Leistungsschutzrecht dr&#228;ngen die Presseverlage noch st&#228;rker als bisher in die Rolle der Urheber hinein. Sie inszenieren sich &#8211; wo immer sie k&#246;nnen &#8211; als die wahren Urheber und verlangen Schutzrechte, die eigentlich den Autoren zustehen. Warum tun sie das? Warum b&#252;rden sie ihren Hausjuristen (und ihren Lobbyisten) eine unl&#246;sbare Aufgabe auf?</p>
<p>Sie tun es, weil sie ahnen &#8211; und mittlerweile auch schmerzlich erfahren -, dass sich andere, noch gr&#246;&#223;ere Marktteilnehmer in ihre alteingesessene Verlegerrolle hineindr&#228;ngen: Gro&#223;konzerne wie <em>Apple</em>, <em>Google/YouTube</em>, <em>Facebook</em> und <em>Amazon</em>, aber auch Telekommunikationskonzerne, Energieversorger oder Handelsriesen werden zu Verwertern. Diese Konzerne verdienen schon heute viel Geld mit der Leistung von Urhebern bzw. am Service f&#252;r Urheber (als Access-Provider, als Stromlieferanten, als Kiosk, als Platzanbieter, als Rechteh&#228;ndler) – allerdings hei&#223;en die Urheber bei diesen Konzernen (un)sinnigerweise meistens Nutzer.</p>
<p>Und so ist der laufende Strukturwandel der &#214;ffentlichkeit in erster Linie ein Verdr&#228;ngungsprozess: Die neuen Giganten okkupieren die Rolle der alten Verlage, und die alten Verlage okkupieren die Rolle der Urheber.  Den letzten bei&#223;en die Hunde.</p>
<p>Die Verschiebung f&#252;hrt n&#228;mlich dazu, dass Verlage und Urheber eine Zeit lang als direkte Konkurrenten auftreten – w&#228;hrend sie bislang zwei brav hintereinander h&#228;ngende Glieder einer stabilen Verwertungskette waren.</p>
<p>Beim Lizenzhandel (der immer lukrativer werdenden Zweitvermarktung) machen die Verlage den Urhebern bereits direkte Konkurrenz. Autoren, die ihre Produkte fr&#252;her mehrfach verkaufen konnten (etwa die gleiche Story an 20 verschiedene Regionalzeitungen), k&#246;nnen das heute nicht mehr. Die Verlage (und bald auch die Sender) vermasseln ihnen das Gesch&#228;ft und bieten die Werke der Urheber zahlreichen Dritten zur Weiternutzung an. Mit dem Leistungsschutzrecht w&#252;rden die Urheber dann auch noch einen Teil ihrer Pers&#246;nlichkeitsrechte verlieren.</p>
<p>Die Verlage dr&#228;ngen sich also in die Rolle der Urheber, weil sie ihrerseits dickeren Fischen (aus)weichen m&#252;ssen, von denen sie eines Tages gefressen werden k&#246;nnten. Das bedeutet: Die heutigen Medienverlage werden irgendwann zu Tochterunternehmen <a href="http://www.mediadb.eu/rankings/intl-medienkonzerne-2012.html">im Reich der Giganten</a> &#8211; oder sie werden selbstst&#228;ndige Handelsh&#228;user (wie <em><a href="http://kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/115286-rekordumsatz-dank-zooplus-konsolidierung-burda-waechst-mit-tierfutter.html">Burda</a></em>) oder reine Content-Anbieter ohne das bisher noch erforderliche Drumherum (ohne gro&#223;e Sekretariate, Druckereien, Studios, Fuhrparks, Immobilien, Anzeigen- oder Vertriebsabteilungen).</p>
<p>Diese Verlage sind dann nur noch gr&#246;&#223;ere Urhebervereinigungen, Konglomerate aus Programmierern, Layoutern, Graphikern, Designern, Autoren, Lektoren, Fotografen, Illustratoren, Filmemachern etc.</p>
<p>Allerdings reagieren nun auch die klassischen (isolierten) Einzel-Urheber auf diesen Verdr&#228;ngungsprozess. Sie bilden gr&#246;&#223;ere Einheiten und verstehen sich nicht mehr als „abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte“, sondern als „Unternehmer“, die sich in Berufsverb&#228;nden und nicht mehr in traditionellen Gewerkschaften organisieren.</p>
<p>Diese Unternehmer-Urheber schlie&#223;en sich auch nicht blo&#223; zu B&#252;rogemeinschaften zusammen, die sich Miete, K&#252;hlschrank und DSL-Anschluss teilen, sie gr&#252;nden richtige Multimedia-Unternehmen, bet&#228;tigen sich als umfassende Dienstleister mit Full-Service-Charakter und vernetzen sich untereinander zu flexiblen Produktionseinheiten. Bald werden sie in Konkurrenz zu den alten (absteigenden) Verlagen treten k&#246;nnen. Beide werden dann kleine oder mittelst&#228;ndische „Urheberklitschen“ sein, die sich als konkurrierende Zulieferbetriebe den Bedingungen der Markt-Giganten unterordnen m&#252;ssen.</p>
<p>Der Versuch der Verlage, vor dem eigenen Abstieg noch schnell ein <a href="http://leistungsschutzrecht.info/">Sonderrecht</a> zu erwirken, ist also nichts anderes als Voodoozauber gegen die hereinbrechende Zukunft. Im festen Aberglauben, auf diese Weise dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pferische_Zerst%C3%B6rung">schumpeterschen Schicksal</a> zu entgehen, rammen die Verlage noch rasch eine Stricknadel in die fantasierten K&#246;rper von <em>Google</em> und <em>Facebook</em>.</p>
<p>Gescheiter w&#228;re es, sie w&#252;rden sich gemeinsam mit Urhebern und Nutzern um eine echte Reform des Urheberrechts bem&#252;hen.</p>
<p><em>Lesen Sie dazu auch:</em></p>
<ul>
<li><em><a href="http://www.mediadb.eu/rankings/intl-medienkonzerne-2012.html">Google in der IfM-Datenbank erstmals als Medienkonzern gerankt</a></em></li>
<li><em><a href="http://carta.info/20450/google-und-die-telekom-sind-das-die-neuen-verleger/">Google und die Telekom: Sind das die neuen Verleger?</a></em></li>
<li><em><a href="http://www.wolfgangmichal.de/?p=1610">King Kong gegen Godzilla</a></em></li>
</ul>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=43087&amp;md5=3d2714c2c4107f1211d5bd8f925159ad" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dirk Kurbjuweits Netzgemeinde</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 10:09:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Spiegel hat der Reporter und ehemalige Ressortleiter Dirk Kurbjuweit einen strammen Anti-Piraten-Essay verfasst: „Die Freiheit der W&#246;lfe. Wird das Internet zu einer Schule der neuen Barbarei?“ Hier eine Antwort an die Printgemeinde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um eins gleich vorauszuschicken: Es steht auch viel Richtiges in diesem Essay. Denn er handelt von der nachvollziehbaren Angst der Konservativen vor dem Internet. Zu diesen Konservativen z&#228;hlen in einem <a href="http://www.neunetz.com/2012/04/18/europa-verliert-den-internet-anschluss/">Internet-Schwellenland</a> wie Deutschland auch viele, die sich im Herzen f&#252;r Linke oder Liberale halten. Das hei&#223;t, wir haben es gegen&#252;ber dem „Ph&#228;nomen Internet“ noch immer mit einer gro&#223;en Koalition der Angst zu tun. Und diese Angst l&#228;sst sich nicht einfach wegl&#228;cheln.</p>
<p>Worum geht es in Dirk Kurbjuweits Essay? Es geht um die „Tyrannei des freien Netzes“? Im Kern aber geht es um das Vorhaben der Piratenpartei, das Urheberrecht zugunsten der Internetnutzer zu reformieren. Da dieses Vorhaben die Pfr&#252;nde all jener Urheber tangiert, die im bisherigen System exzellent verdient haben, wehren sich jetzt vor allem die Spitzenverdiener gegen jede &#196;nderung und marschieren Seit’ an Seit’ mit ihren Verwertern.</p>
<p>Dass die Spitzenverdiener ihre Interessen so vehement verteidigen, kann ich verstehen. Reichlich arrogant finde ich es aber, dass sie ihre Partikularinteressen mit den ganz gro&#223;en Begriffen aufblasen. Da geht es immer gleich ums Ganze, um „Freiheit oder Barbarei“. Da werden die gro&#223;en Philosophen von John Locke bis Immanuel Kant zitiert und heilige Messen &#252;ber die Menschenrechte gelesen, ja es wird die ganze schmerzhafte Evolution der Kultur von der Steinzeit bis heute bem&#252;ht &#8211; dabei geht es im Kern doch nur um die Mitarbeiter-Beteiligung beim <em>Spiegel</em>.</p>
<p>Auch das ist nat&#252;rlich ein legitimes Interesse. Doch dann sollten die Essay- und Offene Briefe-Schreiber das auch bittesch&#246;n sagen, und nicht die gro&#223;en Menschheits-Begriffe als Artillerie-Geschosse f&#252;r ihre Interessenpolitik missbrauchen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>Die Barbarei im Bahnhofskiosk</strong></em></p>
<p>Was besonders stark nervt, ist der (gezielt verwendete) Adressat dieser Emp&#246;rungs-Manifeste. Wieder richten sich s&#228;mtliche Vorw&#252;rfe an „die Netzgemeinde“. Die Netzgemeinde ist f&#252;r alles verantwortlich: f&#252;r Gewaltexzesse von NSU bis Breivik, f&#252;r Kinderpornographie, f&#252;r Shitstorms, f&#252;r Hasstiraden, anonyme Beleidigungen und Lynchjustiz. DIE NETZGEMEINDE – damit sind all jene gemeint, die im World Wide Web nicht nur lesen, sondern das Web mit gestalten: Kommentatoren, Forentrolle, Piraten, Blogger, Digital Natives, Netzaktivisten – also alle, die von der „Printwelt“ am liebsten noch immer (g&#228;hn!) in der Frisur Sascha Lobos <a href="http://www.zeit.de/2012/17/Sascha-Lobo">zusammengefasst</a> werden.</p>
<p>Drehen wir den Spie&#223; der Vereinfachung doch mal um. Ich z.B. w&#252;rde gern Dirk Kurbjuweit einladen, mit mir zusammen einen gr&#246;&#223;eren deutschen Bahnhofskiosk zu besuchen. Dort w&#252;rden wir dann von Regal zu Regal gehen und uns anschauen, was DIE PRINTGEMEINDE so treibt. Und dann werde ich ihn f&#252;r die ganze Barbarei der Strickzeitschriften, Sudoku-R&#228;tsel, Manga-Comics, Fanzines, Adelspostillen, Porno-Magazine, Computer-PR, M&#228;nner-Lifestyle, Motorrad-Specials und Panzerheftchen des Zweiten Weltkriegs verantwortlich machen. Das, werde ich sagen, ist „deine Printgemeinde“! Du bist daf&#252;r verantwortlich, dass das alles gedruckt wird. Ist das die Freiheit, die du meinst?</p>
<p>Also, liebe Gro&#223;journalisten, lasst bitte in Zukunft eure gro&#223;en Begriffe im Halfter stecken und sagt einfach, dass es um eure Geldb&#246;rsen geht. Dann k&#246;nnte man die Debatte mit etwas mehr Sachlichkeit und vielleicht auch etwas differenzierter f&#252;hren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>P.S. In konsequenter <a href="http://meedia.de/print/paid-content-machtkampf-beim-spiegel/2012/04/19.html">Ablehnung der Kostenlos-Kultur</a> ist Dirk Kurbjuweits Essay &#252;ber die Tyrannei des Netzes im Netz nicht ‚kostenlos’ zu lesen, sondern nur in der gedruckten Ausgabe (16/2012, S.24) bzw. im <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,ausg-5828,00.html">„E-Paper“</a>. Christian St&#246;cker hat indirekt auf Spiegel Online <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,828270,00.html">reagiert</a>.</em></p>
<p>&nbsp;
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<a href="http://carta.info/42967/dirk-kurbjuweits-netzgemeinde/">Dirk Kurbjuweits Netzgemeinde</a> on <a href="http://carta.info">CARTA</a> | <a href="http://carta.info/42967/dirk-kurbjuweits-netzgemeinde/#comments">20 comments</a>
</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42967&amp;md5=c11df70f44e6287dc35b3e5f16b022ab" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gut geheizt, Lobo!</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 09:37:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[AGB]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel Online]]></category>

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		<description><![CDATA[In seiner gut geheizten und nicht allzu komplizierten Spiegel Online-Kolumne hat Sascha Lobo ein gro&#223;artiges Pl&#228;doyer f&#252;r Blogs gehalten, jene unverzichtbare „digitale Stimme des Einzelnen“. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827995,00.html">Kolumne</a> „Euer Internet ist nur geborgt“ schreibt Sascha Lobo:</p>
<blockquote><p>„Wer Spiegel Online nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese Medien k&#246;nnen von den Betreibern jederzeit ver&#228;ndert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet ver&#246;ffentlichen will, braucht eine eigene Website.“</p></blockquote>
<p>Okay, das war ein kleiner Scherz! Die zitierte Stelle ist in einem winzigen Detail ver&#228;ndert. In Wahrheit schreibt Sascha Lobo Folgendes:</p>
<blockquote><p>„Wer <em>Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke</em> nutzt, ist im Netz nicht wirklich frei. All diese <em>Dienste</em> k&#246;nnen von den Betreibern jederzeit ver&#228;ndert, verkauft, zensiert, geschlossen werden. Wer wirklich frei im Internet ver&#246;ffentlichen will, braucht eine eigene Website.“</p></blockquote>
<p>Moment, auch dieses Zitat ist nicht ganz richtig verwendet. Es handelt sich n&#228;mlich um den Vorspann. Und der ist wahrscheinlich &#8220;im engen Korsett&#8221; der Redaktion entstanden. Trotzdem hat Sascha Lobo ein gro&#223;artiges Pl&#228;doyer f&#252;r die &#252;beraus anstrengende Freiheit der unabh&#228;ngigen Blogs gehalten. Er schrieb:</p>
<blockquote><p>„Es scheint, als w&#252;rde sich zwischen den digitalen Ablegern der gro&#223;en Leitmedien (etwa Spiegel Online) und den Blogs das ewige gesellschaftspolitische Drama wiederholen: Freiheit ist eine so anstrengende und gelegentlich komplizierte Angelegenheit, dass viele Leute sie offenbar gern eintauschen gegen ein enges Korsett, wenn das blo&#223; gut geheizt ist und sich nicht allzu kompliziert anf&#252;hlt.“</p></blockquote>
<p>Okay, auch das stimmt nicht ganz. Lobos Text lautet vielmehr:</p>
<blockquote><p>„Es scheint, als w&#252;rde sich zwischen den <em>sozialen Netzwerken</em> und den Blogs das ewige gesellschaftspolitische Drama wiederholen: Freiheit ist eine so anstrengende und gelegentlich komplizierte Angelegenheit, dass viele Leute sie offenbar gern eintauschen gegen ein enges Korsett, wenn das blo&#223; gut geheizt ist und sich nicht allzu kompliziert anf&#252;hlt.“</p></blockquote>
<p>Die AGB bei den <em>sozialen Netzwerken</em> und den gro&#223;en Medien sind im &#252;brigen f&#252;r Nutzer und Autoren heute sehr &#228;hnlich: in beiden F&#228;llen geht es um den <a href="http://carta.info/40578/die-neue-pest-agb/">Total-Ausverkauf</a> der Verwertungsrechte. H&#228;tte Lobo seinen Text nur auf seinem freien Blog geschrieben, h&#228;tte er Gewicht gehabt. So aber&#8230;</p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42933&amp;md5=bc2eb0839c5c0473856f8e85a25a6bd0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Hurra, wir werden missioniert!</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Apr 2012 16:03:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Satire]]></category>

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		<description><![CDATA[Kann es Zufall sein, dass die Deutschen gleichzeitig einen Koran und eine Bildzeitung geschenkt bekommen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 23. Juni dieses Jahres sollen alle deutschen Haushalte zu Ehren Axel C&#228;sar Springers (er wird 100, sein Blatt wird 60) eine kostenlose Ausgabe der <em>Bild-Zeitung</em> <a href="http://meedia.de/print/am-23-juni-gibts-bild-fuer-alle/2012/01/18.html">erhalten</a>. Ebenfalls sollen alle deutschen Haushalte &#8211; zu Ehren des Propheten Mohammed &#8211; eine kostenlose Ausgabe des Koran <a href="http://www.tagesschau.de/inland/koranverteilung100.html">erhalten</a>. Was bedeutet das?</p>
<p>Nun, es bedeutet, dass in beiden F&#228;llen gro&#223;e Propheten geehrt werden. Sowohl die Aktionen der Salafisten als auch die Aktionen der Springerianer sind k&#252;hne Missionierungsversuche. Zwei gro&#223;e Religions- und Wertegemeinschaften werben friedlich f&#252;r ihre Sicht der Welt. Beide Gruppen haben bedeutende M&#228;nner im Programm, die ganz direkt von Gott inspiriert wurden.</p>
<p>Nun k&#246;nnte man zu Recht einwenden, dass das eine ja wohl nicht ernsthaft (!) mit dem anderen verglichen werden k&#246;nne (G&#252;nter Grass wei&#223; das). Diesem Einwand stimmen wir vollumf&#228;nglich zu. Die beiden Aktionen sind absolut unvergleichlich. Axel C&#228;sar Springer ist so einmalig &#8211; wie der Prophet Mohammed, <em>Bild</em> ist so einzigartig &#8211; wie der Koran, und die Geschenkaktion der Salafisten ist so originell wie die der anderen Strenggl&#228;ubigen. Also bitte keine unstatthaften Vergleiche! Koran-Aktion und Bildzeitungs-Aktion haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun.</p>
<p>Selbst der aufkommende &#196;rger &#252;ber die beiden mutigen Missionierungsversuche sollte nicht miteinander verwechselt werden: Die <a href="http://www.rp-online.de/politik/deutschland/cdu-will-verteilung-von-gratis-koran-stoppen-1.2787613">CDU</a> m&#246;chte die Verteilung des Korans <a href="http://www.welt.de/print/welt_kompakt/article106174634/Front-gegen-den-Gratis-Koran.html">verhindern</a>, die Bildzeitungs-<a href="http://alle-gegen-bild.de/">Gegner </a>wollen dagegen die Verteilung der Bildzeitung <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/grosse-werbeaktion-ich-will-die-bild-nicht-in-meinem-briefkasten/6106382.html">verhindern</a>, nicht umgekehrt! Beide Gruppen handeln eigenst&#228;ndig und v&#246;llig frei.</p>
<p>Apropos unvergleichlich: Da kriegen wir endlich mal was geschenkt (Kostenlos-Kultur!) und dann ist es auch wieder nicht recht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>P.S. Bei der &#220;berschrift dieses Beitrags handelt es sich um die leichte Abwandlung eines <a href="http://www.amazon.de/Hurra-wir-kapitulieren-Lust-Einknicken/dp/393798920X">Buchtitels</a>. Der Autor des Buchs, ein weltlicher Missionsexperte, w&#252;rde eine der beiden Aktionen h&#246;chstwahrscheinlich ablehnen. Wir verraten aber nicht welche. Erraten Sie’s?</em></p>
<p>&nbsp;
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		<title>ZAPP gewinnt</title>
		<link>http://carta.info/42829/zapp-gewinnt/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 16:03:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Wolfgang Michal</dc:creator>
				<category><![CDATA[ofNote-Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[FES]]></category>
		<category><![CDATA[Innovationen]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Macromedia]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend stellten die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Hamburger Macromedia Hochschule ihren „Innovationsreport Journalismus“ vor. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf neun bunten Podiumsw&#252;rfeln sa&#223;en acht Medienschaffende und beantworteten die Fragen des Diskussionsleiters <del>Frank Plasberg</del> Stephan Weichert zum Dauer-Thema „Der neue Journalismus: Wie das Internet einen Beruf revolutioniert“.</p>
<p>Um die &#220;berraschung des Abends vorwegzunehmen: Das Internet revolutioniert zwar permanent den Journalisten-Beruf, aber die Tr&#228;ger dieses Berufs sind dann doch eher <del>tr&#228;ge</del> sicherheitsorientiert. Am Ende der Veranstaltung, als Stephan Weichert die Diskutanten fragte, mit welchem der Anwesenden sie am liebsten zusammenarbeiten w&#252;rden – nannten die meisten den Redaktionsleiter des gut ausgestatteten &#246;ffentlich-rechtlichen Medienmagazins <em><a href="http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/index.html">ZAPP</a></em>.</p>
<p>F&#252;r ihren 260-seitigen Report (mit vielen interessanten Statements) hatten Stephan Weichert und Leif Kramp im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung 1115 Praktiker und Medien-Experten angeschrieben, 201 hatten den ausf&#252;hrlichen Fragebogen beantwortet. Das Internet, so die Autoren in ihrem Res&#252;mee, werde nicht mehr grunds&#228;tzlich als b&#246;se gewertet, die Chancen gerieten mehr und mehr in den Blick.</p>
<p>Hier im Schnelldurchgang die wichtigsten Ergebnisse der Studie:</p>
<ol>
<li>Es herrscht in den Redaktionen mehr Experimentierlaune als noch vor 5 Jahren</li>
<li>Print und Online liegen demn&#228;chst gleichauf</li>
<li>Kompetenz und Dialogf&#228;higkeit werden im Medien&#252;berangebot immer wichtiger</li>
<li>Noch stellen die Verlage f&#252;r Online zu wenig Risikokapital bereit</li>
<li>Der Onlinejournalismus ist die Innovations-Lokomotive im Journalismus</li>
<li>Es gibt zu wenig Zielgruppenforschung</li>
<li>Der deutsche Journalismus hinkt dem angels&#228;chsischen um 5 bis 10 Jahre hinterher</li>
<li>Chefredakteure m&#252;ssen mehr digitale Spielpl&#228;tze schaffen und ihre Mitarbeiter st&#228;rker motivieren</li>
<li>Die meisten Online-Investitionen sind unstet. Es gibt von oben zu viel H&#252;- und Hott-Vorgaben</li>
<li>Das &#246;ffentlich-rechtliche System hat derzeit die besten Karten – f&#246;rdert selbst aber zu wenig Innovationen</li>
<li>Die Querfinanzierungen nehmen zu. Tierfutterverkauf sichert Journalismus</li>
<li>Staatliche F&#246;rderinitiativen konzentrieren sich zu sehr auf Print</li>
<li>Crowdfunding k&#246;nnte ein Gesch&#228;ftsmodell sein</li>
<li>Der Staat soll nur gute Rahmenbedingungen schaffen und sich ansonsten raushalten</li>
<li>Medienhochschulen k&#246;nnten die eigentlichen Innovationszentren werden</li>
</ol>
<p>Letzteres ist sicher pro domo gesprochen. Der umtriebige Gastgeber der Veranstaltung, Stephan Weichert, stellvertretender Studiengangleiter Journalistik an der Macromedia Hochschule, macht es mit seinen zahlreichen Aktivit&#228;ten gerade vor.</p>
<p>Mit Abstand lustigster Gast des Abends war f&#252;r die Zuh&#246;rer der Chefredakteur des <em>Hamburger Abendblatts</em>, Lars Haider, der den Zuh&#246;rern ein wenig Einblick in das ambitionierte <em>Abendblatt</em>-Projekt „Lokalst-Journalismus“ gab. Dabei durchk&#228;mmen Lokalreporter mit Rucks&#228;cken und Live-Kameras ihren jeweiligen Kiez und berichten &#252;ber alles, was nicht bei drei auf den B&#228;umen ist. Eines Tages k&#246;nnten die Nutzer dann auf ihren Smartphones sehen, was sich gerade im Umkreis von zehn, 50 oder 100 Metern abspielt.</p>
<p>Falls man das &#252;berhaupt wissen m&#246;chte&#8230;</p>
<p><em>Den Innovationsreport Journalismus gibt es als <a href="http://library.fes.de/pdf-files/akademie/08984.pdf">pdf-Download</a> bei der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) und beim Onlineportal <a href="http://www.vocer.org/de/artikel/do/detail/id/155/journalismus-unter-digitalen-vorzeichen---15-thesen.html">Vocer</a> sowie gedruckt &#252;ber Indira Kr&#246;mer von der FES: <a href="mailto:indira.kroemer@fes.de">indira.kroemer@fes.de</a></em></p>
<p>&nbsp;
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=42829&amp;md5=c357d0732db6fadcb4b67f28191adedb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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