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	<title>CARTA &#187; Tobias Moorstedt</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Millennium-Trilogie: Der Hacker als Kulturtechniker</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 15:54:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Stieg Larssons Hacker-Trilogie geht &#252;ber Klischees hinaus und zeigt die Potenziale einer Einstellung, die Sachverstand und Spieltrieb kombiniert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/61e23115fa024b7bbc269b7b72d43932" alt="" width="1" height="1" />Die Botschaft ist nicht besonders stark verschl&#252;sselt. <em>„Armageddon was yesterday. Today we have a serious problem“</em>, steht auf dem schwarzen Tanktop von Lisbeth Salander, der Hacker-Heldin von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stieg_Larsson">Stieg Larssons</a> Millennium-Trilogie (<a href="http://www.verdammnis-derfilm.de/">Teil 2</a> l&#228;uft zurzeit im Kino). Der Schriftsteller Larsson hat seine Hausaufgaben offenbar gemacht: Denn das bedruckte T-Shirt, das kann jeder bezeugen, der schon einmal ein Treffen des <a href="http://ccc.de/">Chaos Computer Clubs</a> besucht hat, geh&#246;rt  tats&#228;chlich zur Uniform der Computer-Experten, ebenso wie der Laptop-Rucksack, die gef&#228;rbten Haare und das Koffein-Getr&#228;nk. „Copyright ist Aberglaube“, lautet ein Beispiel. Oder: „Realit&#228;t ist dort, wo der Pizza-Mann herkommt.“</p>
<p>Hacker nutzen eben jede M&#246;glichkeit, um eine Botschaft in den Fluss der Codes, Slogans und Logos einzuspeisen, egal ob mit mobilen Endger&#228;ten, multiplen Eingabefenstern oder textilen Oberfl&#228;chen. <strong>Das T-Shirt ist auch nur ein Massenmedium der Fu&#223;g&#228;ngerzone.</strong></p>
<p>Die Figur Lisbeth Salander ist mit dem T-Shirt, den T&#228;towierungen und Piercings nat&#252;rlich zuallererst ein Klischee; die Millennium-Trilogie ist aber auch einer der ersten Blockbuster-Texte, in dem der Hacker als zentrale Figur auftaucht. Die Actionhelden der Vergangenheit brauchten gro&#223;e Muskeln und wenige Worte, um das B&#246;se in die Schranken zu weisen. Salander aber, 1,50 Meter gro&#223; und nur 40 Kilogramm schwer, hat sich von ihrem  biologischen K&#246;rper (<em>wetware</em>) emanzipiert, besitzt – so erfahren wir im Buch – ein fotografisches Ged&#228;chtnis, enorme Computer-Kenntnisse und ein gewisses „Interesse f&#252;r Frequenzkalibrierung von Radioteleskopen in der Schwerelosigkeit“.</p>
<p>Der Erfolg der Millennium-Trilogie beweist: <strong>Der Computer-Nerd ist nicht l&#228;nger ein Au&#223;enseiter, sondern eine potente Figur, die mit schwer durchschaubaren Befehlen und Klicks ihre Ziele erreicht.</strong> Das kann man fast jeden Tag in den Nachrichten erfahren: „Chinesische Hacker attackieren Google“. Oder: „Ein Hacker aus Berlin findet Sicherheitsl&#252;cken im Mobilfunknetz“. Im 21. Jahrhundert werden Briefverkehr, Banking und soziale Beziehungen &#252;ber Glasfaserkabel und Wifi-Sph&#228;ren abgewickelt, die Welt ist eine Aggregation von Informationen, von denen manche verschl&#252;sselt sind und viele chaotisch erscheinen, die aber allesamt Interpretation erfordern. Kurz: Es ist der ideale Spielplatz f&#252;r den Hacker.</p>
<p>Das Stichwort „Hacker“ ruft bei vielen Menschen immer noch das Bild eines pickeligen Teenagers hervor, der mit PC und Telefonleitung in die Netzwerke eindringt, wie etwa im Film &#8220;<a href="http://www.imdb.com/title/tt0086567/">War Games</a>&#8221; (1983), in dem ein &#252;berm&#252;tiger 14-j&#228;hriger versehentlich den zentralen Rechner des Verteidigungssystems &#252;bernimmt und Atomwaffen einsetzen kann. Nun stimmt es sicherlich, dass Hacker manchmal aussehen wie ein Mashup aus Telekommunikationstechniker und Heavy-Metall-Gitarrist, und die Szene auch signifikante Schnittmengen zu gegenkulturellen Str&#246;mungen wie Gothic oder Punk aufweist. Aber: Hacken ist keine Teenager-Mode, keine tempor&#228;re Phase, die vor&#252;ber geht. Hacken ist eine Lebenseinstellung und eine <strong>Kulturtechnik </strong>von enormer Potenz.</p>
<p>Da gibt es die Hardware-Bastler mit Schraubenzieher und L&#246;tkolben, die Elektromotoren und Computergehirne verschalten, da gibt es so genannte Viren-Autoren, die nach dem perfekten Schad-Programm suchen, und in der mutierenden Machtf&#252;lle des Codes eine eigene Form der Sch&#246;nheit entdecken, da gibt es Security Consultants, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Firewalls und Daten-Tresore von Beh&#246;rden und Konzernen auf ihre Einbruchssicherheit zu &#252;berpr&#252;fen, da gibt es politische Aktivisten und Internet-Lobbyisten, die Parlamente mit Positionspapieren und <em>talking points</em> f&#252;r die Datenschutz-Debatten versorgen. All diese Akteure haben gemein, dass sie keine passiven Konsumenten sind, sondern die Software und die Systeme, mit denen wir jeden Tag umgehen, aktiv untersuchen und manipulieren. „Sie waren Hacker, keine Saboteure“, hei&#223;t es in der Millennium-Trilogie &#252;ber Lisbeth und die verb&#252;ndeten Ego-Rooter der <em>Hacker Republic</em>, „was sie wollten war der Zugang zu funktionierenden Netzwerken, nicht deren Zerst&#246;rung“. Hacker, meinte Tim Pritlove vom Chaos Computer Club mal in einem Interview, m&#252;ssen nicht einmal mit Computern arbeiten: <strong>„Beim Hacken geht es vielmehr darum, vorgegebene L&#246;sungen nicht einfach zu akzeptieren, sondern nach neuen Wegen zu suchen – auf allen gesellschaftlichen Gebieten.“</strong></p>
<p>Auch Autotuner, Skateboarder und Multimedia-K&#252;nstler sind Hacker – deuten sie doch die vorhandenen Materialien und Inhalte mit einer Mischung aus Sachverstand, Spieltrieb und zivilem Ungehorsam f&#252;r ihre Zwecke um.</p>
<p>Hacker bedienen den Computer nicht nur auf glatten und gl&#228;nzenden Oberfl&#228;che der Betriebssysteme und widersetzen sich der konsumistischen Ideologie des Plug and Play<strong>. </strong>Die Hacker arbeiten in den tieferen Schichten der digitalen Organismen und greifen in den Kreislauf und Nervenbahnen ein. In der „<a href="http://www.imdb.com/title/tt0133093/">Matrix</a>“-Trilogie haben wir gelernt, dass man sich, wenn man die gr&#252;nen Buchstaben des Quellcodes sieht, in den Innereien der Computer bewegt, und dass auf dieser Ebene die wahrhaft entscheidenden Schlachten geschlagen werden – so ist das in dem neuen Action-Film, die grellgr&#252;nen Lettern laufen &#252;ber den Bildschirm wie fr&#252;her das rote Blut.</p>
<p>In dem Film sieht man die Hackerin seltsamerweise nur selten am Computer sitzen. Noch hat die Traumfabrik keine Ikonographie des Informationskrieges geschaffen. Noch werden die meisten Konflikte in der analogen Welt gel&#246;st, mit Axt, Tr&#228;nengas und einem verdammten Colt. Nur &#228;u&#223;erst selten filmt die Kamera den Bildschirm, die vielen Eingabefenster und Icons, und das blasse Gesicht von Lisbeth Salander, das sich darauf spiegelt – eigentlich passt das ganz gut f&#252;r das Hacker-Dasein, die &#220;berblendung von Mensch und Maschine, von Ich und Information.
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		<title>Vergesst Obama!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 16:18:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Elite der Techno-Politik trifft sich zum ersten Mal auf europ&#228;ischen Boden und kennt auch 2009 nur ein Thema. Die Debatte um die Chancen und Risiken der digitalen Medien ist am 4.11.2008 stehen geblieben. Time to move on!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/1b55b01a9d5e42d6b52a987a99ca48a7" alt="" width="1" height="1" />Pr&#228;sident Barack Obama ist in diesen Tagen in Asien unterwegs, er hat mit chinesischen Studenten &#252;ber das Internet gesprochen (&#8220;<a href="http://www.readwriteweb.com/archives/obama_i_have_never_used_twitter.php">I have never used Twitter</a>&#8220;), und sich nach Meinung konservativer Landsleute ein wenig zu tief vor dem japanischen Kaiser <a href="www.foxnews.com/politics/2009/11/16/obama-draws-bow-japanese-emperor/">verbeugt</a>. Obama ist also viele Tausend Kilometer entfernt, und steht beim <a href="http://personaldemocracy.com/">Personal Democracy Forum</a>, das am 20. und 21. November in Barcelona stattfindet, trotzdem im Mittelpunkt. Joe Rospars, der New Media Director seiner Kampagne, darf mal wieder erkl&#228;ren &#8220;Why Obama won&#8221;, und nennt die bekannten Buzz-W&#246;rter: Transparenz, Authentizit&#228;t und Partizipation.</p>
<p>Danach sprechen der franz&#246;sische Technik-Consultant <a href="http://www.atelier-us.com/">Dominique Piotet</a> und <a href="http://www.lanetscouade.com">Beniot Thieulin</a>, der Madame Royale w&#228;hrend der franz&#246;sischen Pr&#228;sidentschaftswahlen in Internet-Fragen beriet, mit Rospars dar&#252;ber, was Europa aus dem Obama-Wahlkampf lernen kann. Falls es jemand vergessen haben sollte: Transparenz, Authentizit&#228;t und Partizipation.</p>
<p>&#8220;Das Internet ist ein h&#246;chst effektives Werkzeug, um die Truppen zu organisieren&#8221;, sagt Thieulin, und nimmt so Bezug auf das einleitende Statement des PDF-Producers Andrew Rasej aus New York: In der interaktiven Multimediademokratie &#8220;schlagen organisierte Minderheiten die unorganisierte Mehrheit&#8221;.</p>
<p>Das Personal Democracy Forum, das in den USA seit einigen Jahren die<em> early adopters</em>, Aktivisten und Dienstleister versammelt, wirkt fast wie eine Form der digitalen Entwicklungshilfe. Die Stars und auch die Sponsoren kommen aus der neuen Welt. Und es bleibt Amerikanern und Obama-Veteranen wie Joe Rospars vorbehalten, die gro&#223;en Worte zu schwingen &#8211; &#8220;lower the barriers of participation&#8221;, &#8220;build real, meaningful relationships with the people&#8221;, und als Botschafter der reinen Lehre und Missionare aufzutreten.</p>
<p>Vertreter der europ&#228;ischen Parteien und Firmen wirken, nach einem langen, harten Jahr voller Wahlen mit negativen Rekorden, beinahe ein wenig desillusioniert. Gr&#252;nde, warum es einen europ&#228;ischen Obama in n&#228;chster Zeit nicht geben wird, finden die franz&#246;sischen Internet-Experten jedenfalls genug. Obama hatte den Vorteil des First Movers. Piotet: &#8220;Die erste Kampagne des 21. Jahrhunderts wurde durchgef&#252;hrt. Jetzt beginnt das Tagesgesch&#228;ft.&#8221;</p>
<p>Europ&#228;ische Parteien und Interessensverb&#228;nde sind, anders als ihre Pendants in den USA, keine Bewegungen, sondern b&#252;rokratische Institutionen. Die Kompatibilit&#228;t mit sozialen Netzwerken ist gering. Europa ist nicht wirklich interessiert an Transparenz, so Piotet. &#8220;Schauen sie sich an wie wir Fu&#223;ball spielen.&#8221; (er spielte auf das skandal&#246;se Handspiel von Henry im Playoff-Match gegen Irland an). Und Benoit meinte: &#8220;Die Franzosen wollen dem Pr&#228;sidenten nicht zu nahe kommen. Sie wollen einen Vater.&#8221;</p>
<p>Das ist alles nicht neu. Und bei den letzten Beispielen handelt es sich wohl eher um franz&#246;sische Folklore als um tats&#228;chliche politische Analyse. Piotet besteht darauf, dass Obama f&#252;r Europa kein Rollenvorbild, kein Modell sei, sondern &#8220;ein Monument, das uns inspiriert und mit Energie versorgt&#8221;. Vielleicht aber ist genau das der falsche Ansatz. Vielleicht hat der Blogger Jon Worth von Euroblog recht, der mitten in die Flashback-Analyse <a href="http://twitter.com/jonworth/statuses/5886971586">twitterte</a>: &#8220;I&#8217;m tired of talking of Obama&#8217;s campaign (&#8230;) we need a kick from something else.&#8221;</p>
<p>Interessanter als die bunten Powerpoint-Pr&#228;sentationen der Obama-Dienstleister, wichtiger als unsere eigenen, warmen Erinnerungen an diesen amerikanischen Herbst, in dem das Licht einer neuen Zeit am Horizont aufzublitzen schien, sind all die kleinen, banalen Beispiel der angewandten digital-direkten Demokratie, die auf dem Personal Democracy Forum ausgetauscht werden: Die Internet-Proteste gegen Sarkozy jr. in Frankreich oder bislang unbekannte, aktivistische Blogs aus Irland. Der Glamour-Faktor ist niedrig, aber es sind immerhin Neuigkeiten, da ist Bewegung.</p>
<p>Die Debatte &#252;ber die Chancen der neuen Medien ist genau in dem Moment, in dem sie zum ersten Mal genutzt wurden, am 4.11.2008, stehen geblieben. So sehr uns Obama mit seinem l&#228;ssigen Charisma und innovativen Kommunikationspolitik auch fasziniert. It is time to move on.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=18645&amp;md5=ae52a7cb0815836aadf699800d2c9ae5" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Blamage ist Teil der Recherche: Online-Wahlkampf ist kein Plug &amp; Play-Produkt</title>
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		<pubDate>Wed, 20 May 2009 10:08:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[TAZ, FAS und NZZ l&#228;stern &#252;ber die Online-Wahlkampfexperimente der Parteien. Neugier und Gelassenheit ist in den Augen von vielen Journalisten offenbar keine akzeptable Haltung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/7dd22f63faf48324b45fa0b628de0f" alt="" width="1" height="1" /><br />
Der Medienbetrieb verlangt nach schnellen Urteilen. Einer neuen Regierung wird mittlerweile nach 100 Tagen der Prozess gemacht, den Superwahlkampf will man offenbar schon mehr als 100 Tage vor dem Wahltermin abschlie&#223;end bewerten.</p>
<p>Und die Jury hat gesprochen: Parteien blamieren sich im Internet, <a href="www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/%5Cda-muss-jemand-wohl-nachhilfe-erhalten%5C/">schrieb</a> die Tageszeitung schon vor einiger Zeit. Die FAS berichtet in der vergangenen Ausgabe in qualvoll-liebevoller L&#228;nge &#252;ber die belanglosen Twitter Feeds der Kandidaten: <strong>140 Zeichen hei&#223;e Luft</strong>. Ebenfalls am Wochenende <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/medien/politische_geisterstaedte_im_internet_1.2559729.html">schrieb</a> die NZZ: Obamas Funke z&#252;ndet nicht im deutschen Internet. Noch Fragen?</p>
<p>500 Millionen Dollar, 13 Millionen Email-Adressen, 2 Millionen Netz-Aktivisten, ein paar Milliarden Klicks. Die gro&#223;en Zahlen, die der Obama-Wahlkampf produziert hat, wirken wie ein <strong>numerischer Werbespot f&#252;r &#214;ffentlichkeitsarbeiter jeder Art</strong>: Jeder will dieses Produkt, diese Wunderwaffe. Nur herrschen bei Strategen und Politikern in Berlin mittlerweile berechtigte Bedenken, dass die meinungsstarken alten Medien jedes Experiment in den neuen Medien sofort h&#228;misch kommentieren, jeden Testballon abschie&#223;en, bevor er seine Reiseflugh&#246;he erreicht.</p>
<div id="attachment_9534" class="wp-caption alignleft" style="width: 191px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/cdu.jpg"><img class="size-medium wp-image-9534" title="cdu" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/05/cdu-181x300.jpg" alt="xxxxx" width="181" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Experiment, Work-In-Progress, das halbfertige Beta-Dasein geh&#246;ren zum Wesen des Webs dazu.</p></div>
<p>Der digitale Schatten von Obamas ist lang. Neben dem Online-Riesen wirken selbst virtuelle Volksparteien wie Zwerge. Aber wie sinnvoll ist es &#252;berhaupt, die beiden <strong>Wahlk&#228;mpfe nebeneinander zu stellen</strong>? Und warum folgt dem Verweis auf Ausma&#223; und Neuartigkeit der Obama-Kampagne nicht die Beschreibung der erm&#246;glichenden Faktoren? Man muss nicht erwarten, dass jeder Bericht &#252;ber Obama den <strong>technologisch-historischen Kontext seiner Kampagne</strong> herausstellt, aber ein kleiner Verweis auf den Bodensatz der politischen Blogosph&#228;re, die soziale Bewegung gegen George W. Bush, das politische Talent und die ph&#228;nobiographische Singularit&#228;t des Kandidaten w&#228;ren f&#252;r den Leser sicher hilfreich f&#252;r die Einordnung der pr&#228;sentierten Fakten. Der Online-Experte und Politologe Christoph Bieber (der <a href="http://carta.info/autor/christoph_bieber/">hier</a> im Blog schreibt) beschwerte sich k&#252;rzlich &#252;ber diese <strong>eindimensionale Vergleichdebatte</strong>, auf welche der Politik 2.0-Diskurs in Deutschland reduziert werde.</p>
<p>Ein treffendes Wort, wie ich finde, das auch meine eigenen Erfahrungen deckt. Optimismus, <strong>Neugier und Gelassenheit ist in den Augen von vielen Journalisten offenbar keine akzeptable Haltung</strong>. K&#252;rzlich gab ich einer gro&#223;en Berliner Zeitung ein 40-min&#252;tiges Interview zum Thema Politik 2.0, betonte insbesondere die <strong>spezielle amerikanische Situation</strong>, berichtete von ermutigenden Beispielen, bat um differenzierende Darstellung des Themas, nur um auf die Aussage: Viele wollen Obama kopieren, laufen aber Gefahr sich <a href="http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Barack-Obama;art122,2788568">l&#228;cherlich zu machen</a>. Dass diese Gefahr nicht aus der Unf&#228;higkeit der Anwender entsteht, sondern zu einem gro&#223;en Teil von der <strong>Skepsis und H&#228;me der Medien</strong> ausgeht, verschwieg der Kollege mal lieber.</p>
<p>Damit man mich nicht falsch versteht: Ich habe die digitalen Bem&#252;hungen der deutschen Politiker auch schon kommentiert, zum Beispiel <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/876/462494/text/">hier</a> und <a href="http://carta.info/5811/team-deutschland-merkel-cdu-online-wahlkampf/">hier</a>, und nicht jeder Satz war positiv und ermutigend: die generelle Skepsis, ja <strong>Feindschaft gegen&#252;ber dem Online-Experiment</strong>, die in den TAZ-FAS-NZZ-Artikeln aufscheint kann ich mir nicht erkl&#228;ren (vielleicht sollte man als Journalist, bevor man konstatiert, dass sich eine altehrw&#252;rdige Institution im Internet blamiert, noch kurz reflektieren, wie sich das eigene Medium in neuen System schl&#228;gt).</p>
<p>Experiment, Work-In-Progress, das halbfertige Beta-Dasein geh&#246;ren zum Wesen des Webs dazu.  Dazu kommt: Scheitern ist im luftleeren Raum des Internets, ohne Schwerkraft, Reibungsfaktor, Materialverschleiss, viel billiger als in der Realit&#228;t. Das erfolgversprechendste Prinzip f&#252;r die Suche nach der n&#228;chsten Killer-Applikation hei&#223;t <strong>Trial-and-Error</strong>. Die Blamage ist Teil der Recherche.</p>
<p>Politik 2.0 ist kein Plug and Play Produkt. Mybarackobama.com kann nicht mit Apfel C und Apfel V &#252;ber den Atlantik kopiert werden, aber mit der Struktur importiert man noch nicht das Nutzungsverhalten. Vielleicht sollten die Medien sich weniger auf Politiker und ihre digitalen &#220;bungen konzentrieren, sondern auf die Menschen in den angeschlossenen Wohnzimmern und Einfamilienh&#228;usern:</p>
<p><strong>Das Publikum ist der interessanteste Untersuchungsobjekt im Web 2.0</strong>. Wie nutzen sie das neue Medium? Und zu welchem Zweck? Welche Themen gelangen &#252;ber digitale Medien in das gesellschaftliche Bewusstsein? Es gibt einiges zu erz&#228;hlen: Im Streit um die Internet-Sperren artikulierte sich die Netzwerk-&#214;ffentlichkeit zum ersten Mal so laut- und meinungsstark, dass es f&#252;r das Establishment nicht mehr m&#246;glich war, sie zu &#252;berh&#246;ren.</p>
<p>Der <strong>Widerstand</strong> wurde, wie die meisten hier wissen, <strong>vor allem &#252;ber Blogs und Twitter</strong> verbreitet. Auch wenn man es in FAS und TAZ nicht glaubt: 140 Zeichen sind viel Raum. Und die <strong>One-2-Many-Tools des Web 2.0</strong> sind f&#252;r B&#252;rger manchmal interessanter und wichtiger als f&#252;r Politiker.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>TeAM Deutschland: Der Online-Kanzlerwahlverein f&#252;r das &#8220;Weiter so&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Feb 2009 16:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit TeAM Deutschland nimmt die CDU den Online-Kampf f&#252;r die Wiederwahl von Angela Merkel auf. Die Botschaft hei&#223;t nicht „change“, sondern „weiter so“. VOICE –> FACE -> SPACE  lautet nun die Evolution der politischen Kommunikation.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/392b1ce9d8824cf06a6997d0dde546" alt="" width="1" height="1" /><br />
Der Online-Wahlkampf ist im politischen Berlin und den angeschlossenen Funkh&#228;usern zurzeit ein hei&#223;es und ein heikles Thema zugleich. Zum einen hat der Erfolg von my.barackobama.com im US-Wahlkampf, und die 500 Millionen Dollar an Online-Spenden, die auf der Seite registriert wurden, auch bei deutschen Politikern die <strong>Sehnsucht nach einem hypermodernen Partizipationsinstrument</strong> (oder besser: Me-Too-Produkt) geweckt, zum anderen ist den Wahlkampf-Strategen jedoch klar, dass neben dem Online-Riesen Obama auch eine virtuelle Volkspartei klein wirken kann. <strong>Der erste Internet-Pr&#228;sident der USA wirft einen langen Daten-Schatten.</strong></p>
<p>Die Union hat es nun trotzdem gewagt, und nach der SPD (meinespd.de), nun ebenfalls eine Kampa-Community vorgestellt: <a href="http://www.team2009.de/">teAM Deutschland (TD) hei&#223;t das Projekt</a>. <strong>Die Botschaft hei&#223;t hier jedoch nicht „Change“, sondern „Weiter so“</strong>. „teAM Deutschland hat ein klares Ziel: Angela Merkel soll Kanzlerin bleiben“, hei&#223;t es in der &#220;berschrift. Die Frage ist nun nicht, ob die Website den Vergleich mit my.barackobama.com aush&#228;lt (auch wenn das CDU-Logo dem Obama-Logo auff&#228;llig &#228;hnelt), sonder ob die Seite in sich stimmig ist, bzw. dem User / B&#252;rger neue Handlungsspielr&#228;ume er&#246;ffnet.</p>
<p>Das Corporate Design der Community ist zumindest im Bezug auf die „Googleability“ (etwa: Auffindbarkeit) missgl&#252;ckt. Denn „Team Deutschland“ ist keine absolute, unverwechselbare Identit&#228;t (warum muss man dabei an J&#252;rgen Klinsmann, ca. 2006 denken?), sondern ein Allerweltslabel. Und die Suche nach „Team Deutschland“ f&#252;hrt auch nicht sofort auf die Homepage der Union, sondern auch auf die gleichnamige Satiresendung des NDR. Unter teamdeutschland.tv kann man eine Cartoon-Version der Kanzlerin sehen, deren Hosen in Flammen stehen. Als ob man im Web dem Spott noch auf die Spr&#252;nge helfen m&#252;sste.</p>
<p>Wahlkampf-Seiten waren lange Jahre schlichte Informationsquellen mit geringem Interaktionsgrad –„<strong>Brochureware</strong>“ und „Digital Yardsigns“ werden die pr&#228;historischen Pixel-Konstrukte heute sp&#246;ttisch genannt, digitale Versionen der Logos und Sticker, die w&#228;hrend des Wahlkampfs auf Autos, Gartentoren und Ampelmasten auftauchen. „Fr&#252;her waren Internetseiten von Parteien Landebahnen f&#252;r politisch Interessierte, heute m&#252;ssen sie Startrampen f&#252;r politische Aktive sein“, so sagt Generalsekret&#228;r Ronald Pofalla. Die Technologie bestimmt die Wahlkampfstrategie: Hatten Politiker bis 1950 nur ihre Stimme, um Informationen und Meldungen &#252;ber Boten, Zeitungen und sp&#228;ter das Radio an die W&#228;hler zu bringen, so wurde im TV-Zeitalter ihr Gesicht immer wichtiger, das Image, das Bild, in dem der W&#228;hler in Sekundenschnelle Werte und Charakter erkennen k&#246;nnen sollte. <strong>Im 21. Jahrhundert hat der Kandidat eine Stimme und ein Gesicht, er muss aber auch einen space schaffen</strong>, in dem sich die Anh&#228;nger treffen k&#246;nnen und in dem sie sich wohlf&#252;hlen. VOICE –&gt; FACE -&gt; SPACE. Es ist die  Evolution der politischen Kommunikation, an deren Ende der 3-D-Kandidat steht.</p>
<p>4267 Mannschaftsmitglieder hat teAM Deutschland derzeit (Stand: 27.2.09, 15.34). Bei TD handelt es sich um handels&#252;bliche Web 2.0-Software, auch auf FlickR, Facebook, StudiVZ und den anderen Standard-Schnittstellen ist TD pr&#228;sent. Die deutsche Politik hat also den Boom von sozialen Netzwerke wie MySpace, Facebook oder LinkedIn aufgegriffen. Soziale Netzwerke verbinden den Nutzer mit Freunden, Bekannten und einer zumindest theoretisch unbegrenzten Anzahl von fremden Menschen, und machen es sehr einfach, Informationen mit diesen zu teilen. Die Politik kann von den Netzwerken vor allem deshalb profitieren, weil Menschen einer Idee gegen&#252;ber aufgeschlossener sind, wenn sie von einem Bekannter oder Kollegen oder einem scheinbar normalen Menschen an sie herangetragen wird, anstatt von einer Zeitung, einem Experten oder einer anderen entfernten Autorit&#228;t.</p>
<p>„Umfragen zeigen, dass es nicht die unentschlossenen W&#228;hler sind, die politische Websites besuchen, sondern W&#228;hler mit einer starken Parteibindung, die bereits entschiedene politische Ansichten haben“, schreibt der amerikanische Kommunikationsforscher Matthew Hindman in einer <a href="http://www.matthewhindman.com/">aktuellen Studie</a>. Die Kandidaten sollten deshalb nicht versuchen, die wenigen Unentschlossenen von der eigenen Agenda zu &#252;berzeugen. „Bei der neuesten Generation von Wahlkampfseiten geht es vielmehr darum, diejenigen an Bord zu holen und zu motivieren, die mit sehr gro&#223;er Wahrscheinlichkeit den Kandidaten unterst&#252;tzen werden.« Die wichtigsten Buttons und Felder auf den Webseiten hei&#223;en deshalb »Machen Sie mit«, »Spenden« und »Unterst&#252;tzen Sie Uns«.</p>
<p>An der technischen Oberfl&#228;che von TD ist auf den ersten Blick wenig auszusetzen. Auch wenn der Blogger Malte Welding darauf hinweist, dass <a href="http://www.team2009.de/">team2009.de</a> in Struktur und Design stark der Seite <a href="http://www.cdu.de">cdu.de</a> &#228;hnelt, und auf seiner Seite sogar einen Dissens unter den CDU-Programmierern <a href="http://www.malte-welding.com/2009/02/26/dem-cdu-twitterer-gefallt-cdude-nicht-so-recht" target="_blank">dokumentiert</a>. Die Qualit&#228;t eines Netzwerks kann man nur an Hand von Aktivit&#228;tsniveau und Freiheitsgraden messen, und daf&#252;r ist es noch zu fr&#252;h. Erw&#228;hnenswert ist es jedoch, dass vor allem Kandidaten und Bewegungen im Internet zu re&#252;ssieren scheinen, die von Nutzern als Au&#223;enseiter wahrgenommen werden, oder zumindest versprechen, das Establishment aufzur&#252;tteln. Das gilt sowohl f&#252;r Howard Dean, der 2004 kurzzeitig zum Web-Champion in den USA aufstieg, als auch f&#252;r Barack Obama („Change“) oder den franz&#246;sischen Pr&#228;sidenten Sarkozy („Rupture!“). teAM Deutschland aber k&#228;mpft f&#252;r Kontinuit&#228;t und das Establishement – und symbolisiert dies sogar durch die alberne Kapitalen im Titel.</p>
<p>TD ist – nicht von der Struktur aber in der Selbstbeschreibung &#8211; ein <strong>reiner Kanzlerwahlverein</strong>. Die Mitglieder sollen zwar  „Mitreden, Starkmachen, Flagge zeigen“, aber das nur zu einem Zweck, und das ist die Wiederwahl von Angela Merkel. Viele versprechen sich von Online-Kampagnen einen Vitalit&#228;tsschub f&#252;r die apathische Sp&#228;tdemokratie, aber wie soll TD zu einer St&#228;rkung der Zivilgesellschaft oder zur Re-Integration der B&#252;rger in den politischen Prozess beitragen, wenn offensichtlich ist, dass die Seite am Tag nach der Wahl abgeschaltet werden wird? Die gro&#223;e Hoffnung liegt wieder einmal darin, <strong>dass die Nutzer etwas anderes mit der Seite machen</strong>, als von den Machern vorgesehen. Die gr&#246;&#223;te Gruppe auf TD hei&#223;t nicht etwa „Merkel f&#252;r Deutschland“, sondern „Leistung muss sich wieder lohnen“, und k&#228;mpft laut eigenen Aussage gegen „die <strong>schleichende Sozialdemokratisierung</strong> <strong>der CDU</strong>“ und „f&#252;r eine Leistungsgesellschaft mit stark konservativen Werten“.</p>
<p>AM wird das nicht gerne sehen, aber es ist eigentlich ein gutes Zeichen.<br />
<!--/* OpenX Image Tag v2.7.25-beta */--></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://d1.openx.org/ck.php?n=a8c47325&amp;cb=INSERT_RANDOM_NUMBER_HERE" target="_blank"><img src="http://d1.openx.org/avw.php?zoneid=21592&amp;n=a8c47325" border="0" alt="" /></a></p>
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		<title>Kalter Krieg im &#196;ther: Fox News wird Oppositionssender</title>
		<link>http://carta.info/3724/fox_news_obama_usa_cnn_medien/</link>
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		<pubDate>Thu, 08 Jan 2009 16:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/15fd22ba64199d30468df8c2eb6d77" alt="" width="1" height="1" />Die Kreuzung der 6th Avenue und der 47th Street in New York ist <strong>der umk&#228;mpfteste Ort im US-Medienbetrieb</strong>. Dort residieren die Studios von NBC und MSNBC im m&#228;chtigen Sandsteingebirge des Rockefeller Center &#8211; und gleich gegen&#252;ber liegt in einem B&#252;roturm das Hauptquartier von Fox News. MSNBC-Nachrichtensprecher Keith Olberman kann aus seinem Fenster sogar das Office seines gro&#223;en Rivalen Bill O&#8217;Reilly sehen. Manchmal, erz&#228;hlt er, „stelle ich mir vor, dass von dort ein b&#246;sartiges Heulen zu h&#246;ren ist&#8221;. <strong>Die amerikanischen Nachrichtenmedien sind so gespalten wie der US-Senat und das ganze Land</strong>. W&#228;hrend auf MSNC Olberman und seine Kollegen Chris Matthews und Rachel Maddow kein Geheimnis aus ihren politischen Ansichten machen (Olberman lie&#223; sich einmal zu dem Satz hinrei&#223;en: „Ist der Pr&#228;sident ein pathologischer L&#252;gner, oder nur unser <strong>oberster Idiot</strong>?&#8221;), l&#228;uft auf Fox News das politische Kontrastprogramm. Bill O&#8217;Reilly, Sean Hannity und Greta van Susteren verteidigen noch die <strong>absurdeste PR-Ma&#223;nahme </strong>der Bush-Administration als politische Notwehr, und ziehen gegen Liberale, Terroristen und alles Unamerikanische zu Felde. <strong>Die anbrechende Obama-Pr&#228;sidentschaft pr&#228;sentiert MSNBC mit Weichzeichner-Optik und Geigenkl&#228;ngen („A new era of leaderhip begins&#8221;), Fox zeigt Barack Obama neben Hamas-Terroristen und explodierenden Sprengs&#228;tzen.</strong></p>
<p>Der 20. Januar ist nicht nur der Tag, an dem ein neuer Pr&#228;sident und ein neuer Kongress in Amerika antreten, auch im Medienbetrieb findet ein Machtwechsel statt: <strong>Aus dem Regierungssender Fox News wird ein Oppositionsmedium.</strong> Und der rebellische Anti-Bush-Sender MSNBC wechselt ins Regierungslager.</p>
<p>Die erbitterte Rivalit&#228;t von MSNBC und Fox News steht f&#252;r ein neues Zeitalter der US-Mediengeschichte. Das alte Paradigma des amerikanischen Journalismus (&#8220;Opinion is free, facts are sacred&#8221;), das 100 Jahre gegolten hatte, wird abgel&#246;st durch die Herrschaft des &#8220;Commentariat&#8221; und der &#8220;Punditocracy&#8221; &#8211; die einflussreiche Kaste der Analysten und Polit-Prediger. Mit dem Motto „<strong>Attacke statt Analyse, Konflikt statt Konsens, Rechthaberei statt Faktenhuberei </strong>sind die Sender sehr erfolgreich. CNN, MSNBC und Fox News haben einen Marktanteil von 46 Prozent im TV-Nachrichtengesch&#228;ft &#8211; und die drei gro&#223;en Sender ABC, NBC und CBS weit hinter sich gelassen. Im Wahlkampf 2008 steigerten Fox News und MSNBC ihre Einschaltquoten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 101 Prozent bzw. 158 Prozent (Nielsen Media Research).</p>
<p>Das Fernsehen galt in Amerika lange als „National Campfire&#8221;, als gemeinsame W&#228;rme- und Lichtquelle, um die herum sich die Gesamtbev&#246;lkerung versammelte, um sich Geschichten &#252;ber das Leben zu erz&#228;hlen und die weitere Vorgehensweise zu diskutieren &#8211; eine moderne Inkarnation des Lagerfeuers, um das sich die Pioniere auf ihrem Treck nach Westen dr&#228;ngten. Heute brennen im &#196;ther viele Tausend Pixel-Lagerfeuer. „<strong>Im Zeitalter von Internet und Satelliten-TV gibt es f&#252;r jede demographische und psychographische Identit&#228;t ein Angebot</strong>&#8220;, sagt Johnathan Morris, Politik-Professor an der East Carolina University, der mehrere Studien &#252;ber &#8220;Cable News&#8221; verfasst hat.  Die mediale Service-Optimierung habe jedoch gesellschaftliche Konsequenzen. „Die Menschen suchen sich zunehmend Angebote, die ihre bereits existierenden Meinungen und Ansichten &#252;ber die Welt best&#228;tigen&#8221;. Kongnitive Dissonanzen werden immer mehr gemieden. Kein Wunder also, dass eine Studie des Pew Research Centers herausfand, dass die &#8220;Zuschauerschaft der Kabelnachrichtensender hochgradig parteiisch&#8221; sei. <strong>Die Linke sammelt sich um das Lagerfeuer von MSNBC, die Rechte w&#228;rmt sich an der Glut von Fox News.</strong></p>
<p>Anchorman, nannte man die TV-Sprecher wie Walter Cronkite oder Tom Brokaw auch, vielleicht, weil sie den Menschen bei der Verortung halfen und ihnen ein wenig Halt gaben. Heute &#228;hneln die Moderatoren eher Animateuren, die die Zuschauer in Schwingung versetzen sollen. Hey! Wow! Take this! Look at that! „Beim Kabelfernsehen geht es um Abwehr von Ablehnung&#8221;, meint Phil Griffin, Nachrichtenchef von MSNBC. „95 Prozent der Leute gehen an dir vorbei und du versuchst sie dir zu greifen.&#8221; <strong>MSNBC und Fox News (und in einem geringeren Ma&#223;e auch CNN) pr&#228;sentieren das Weltgeschehen dann auch wie einen Kinofilm, als Kampf zwischen Gut und B&#246;se, Schwarz und Wei&#223;</strong>. Die politische Radikalisierung der Sender ist nur eine Folge der Programmplanung mit den Mega-Werten Action und Emotion. Niemand sollte glauben, dass wir es mit Ideologen zu tun haben. <strong>Die politische Ausrichtung ist eine rein &#246;konomische Entscheidung</strong> (und man fragt sich, ob  das eigentlich eine gute Nachricht ist). Fox News gab der konservativen Basis w&#228;hrend der Clinton-Jahre eine Heimat im TV. Und als sich viele Medien nach dem 11. September und dem Irak-Krieg zu Sprachrohren der Bush-Administration machten, und wieder eine Zielgruppe herrenlos im &#196;ther herum strich, da griff eben MSNBC zu.</p>
<p>Verfolgt man die Berichterstattung &#252;ber ein politisches Ereignis auf MSNBC und Fox News, entsteht vor allem in den Abendstunden der Eindruck, das TV-Ger&#228;t sei wom&#246;glich per Kabel mit zwei Paralleldimensionen verbunden. In der Primetime l&#228;uft das Commentariat zur H&#246;chstform auf. &#8220;Es gibt keine Hinweise&#8221;, sagte Sean Hannity k&#252;rzlich, &#8220;dass Obama in den Korruptionsskandal um den Gouverneur von Illinois verwickelt ist&#8221; &#8211; und zeigte dann trotzdem f&#252;nf Minuten lang Fotos, auf denen die beiden Politiker zusammen zu sehen waren. <strong>&#8220;Fair and Balanced&#8221; lautet das Motto von &#8220;Fox News&#8221; &#8211; das ist keine Selbstironie, sondern eine selbstbewusste Neu-Definition der Begriffe</strong>. Bei Fox News (und MSNBC) versteht man unter Balance nicht Ausgewogenheit oder Objektivit&#228;t, sondern eine Form des Aktivismus. &#8220;Fox News&#8221; soll laut O&#8217;Reilly und Hannity ein Gegengewicht  zum &#8220;liberalen Mainstream&#8221; bilden, und so in der Gesamtgesellschaft eine Balance herstellen.<strong> &#8220;Objektitvit&#228;t&#8221; muss man einem Sachverhalt also nicht mehr entgegen bringen, sondern auf der Makro-Ebene aktiv schaffen</strong>. &#8220;Wir leben in einen Land&#8221;, schrieb deshalb der Times-Kolumnist und Nobelpreistr&#228;ger Paul Krugman vor einiger Zeit, &#8220;<strong>in dem es so etwas wie eine nicht-politische Wahrheit nicht mehr gibt</strong> (&#8230;) Die Gl&#228;ubigen folgen den Verdrehungen und Wendungen ihrer Partei mit einer Loyalit&#228;t, die das Comintern zufrieden gestellt h&#228;tte&#8221;.</p>
<p>MSNBC und Fox News sind telemediale Zwillinge. Kulissen, Trailer und Logos sind in den Farben Rot, Blau und Wei&#223; gehalten, als h&#228;tte man f&#252;r das Production Design ein paar Hundert US-Flaggen zerrissen, und <strong>mit den patriotischen Partikeln eine H&#246;hle gebaut</strong>. Streicher, Posaunen und Orgeln begleiten die Bilder auf beiden Sendern  &#8211; ganz so, als w&#252;rde ein Filmkomponist die Breaking News live in einer Symphonie verarbeiten. Und die Typographie der Titel glitzert auf beiden Sender wie die Eisen-Letter am Jefferson Memorial in Washington D.C. („Information ist die W&#228;hrung der Demokratie&#8221;, steht da &#252;brigens an der Wand). Nach Konsum der Kabel-TV-Sender w&#252;nscht man sich, ein moralisch recht fragw&#252;rdiges Experiment durchf&#252;hren zu d&#252;rfen, um die Langzeitwirkung der Meinungssender zu untersuchen: Was w&#228;re, wenn man zwei Zwillinge nach der Geburt in zwei aneinander grenzende R&#228;ume sperren w&#252;rde. In einem der R&#228;ume w&#252;rde Fox News laufen, im anderen MSNBC, und nach 18 Jahren &#246;ffnete man die T&#252;r. Was w&#252;rde passieren? <strong>Wahrscheinlich ein &#8220;Clash of Cultures&#8221; &#8211; trotz gleicher DNA</strong>.</p>
<p>Politologen und Medienwirkungsforscher bef&#252;rchten durch die Aufteilung des &#196;thers in ideologisch klar definierte Zonen eine &#8220;Polarisierung des Diskurses&#8221;. &#8220;Wenn man immer nur in seiner Meinung best&#228;tigt wird&#8221;, meint Morris, &#8220;dann k&#246;nnte es passieren, dass sich die Stimmung aufschaukelt und die Ansichten immer extremer werden.&#8221; <strong>Die Werte-Communitys in den isolierten Medien-R&#228;umen verhalten sich wie Sportmannschaften</strong>, die sich vor dem Match in einem Kreis versammeln, die H&#228;nde aufeinander legt und gegen&#252;ber der Umwelt einen Wall aus K&#246;rpern und Vereinsfarben errichtet: &#8220;Wir sind stark!&#8221;, schreien die Spieler dann, &#8220;Wir werden gewinnen!&#8221; F&#252;r Empathie f&#252;r die Motive und Individualit&#228;t des Gegners bleibt in diesem bin&#228;ren Sieg-Niederlage-Denken kein Platz.</p>
<p>Die Propaganda der Parteisender ist f&#252;r den gesellschaftlichen Diskurs wom&#246;glich weniger gef&#228;hrlich als &#8220;die erheblichen Unterschiede in Wissen und Bewusstsein von Informationen&#8221;, welche das Pew Research Center <a href="http://people-press.org/report/467/internet-campaign-news">in einer aktuellen Studie</a> zwischen dem Publikum von Fox News und MSNBC festgestellt hat. Die Tatsache, dass die Republikaner mehr als 150 000 Dollar f&#252;r die Klamotten von Sarah Palin ausgegeben haben, war 71 Prozent der MSNBC-Zuschauer &#8220;stark bewusst&#8221;. Im Vergleich konnten sich nur 51 Prozent der Fox News-Zuschauer an den Skandal erinnern. Und dass Colin Powell, der Kriegsheld und ehemalige Au&#223;enminister von George W. Bush, vor der Wahl seine Unterst&#252;tzung f&#252;r Obama erkl&#228;rt hatte, wussten ebenfalls 70 Prozent der MSNBC-Zuschauer und nur 54 Prozent der Fox Zuschauer. Demokratie basiert unter anderem darauf, dass die B&#252;rger geteilte Informationen und Erlebnisse haben.&#8221; Indem die ideologisch aufgeladenen TV-Nachrichten ihrem Publikum jedoch einige Informationen vorenthalten, und andere Informationen betonen, k&#246;nnte es im Extremfall zu der Situation kommen, dass sich die Zuschauer von MSNBC und Fox News irgendwann nicht mehr &#252;ber ein politisches Thema verst&#228;ndigen k&#246;nnen &#8211; nicht, weil sich die beiden Mannschaften so sehr verabscheuen w&#252;rden, sondern weil sich die Spieler nicht mehr auf die Regeln des Spiels einigen k&#246;nnen, die L&#228;nge einer Halbzeit, die erlaubten Mittel, das Ziel. Der L&#228;rm erzeugt Sprachlosigkeit.</p>
<p><strong>Nachtrag</strong>: Pews beeindruckender <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">R&#252;ckblick</a> auf die Bush-Jahre in zwei Charts:</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3725" title="bild-13" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-13.png" alt="bild-13" width="603" height="452" /></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-3726" title="bild-14" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2009/01/bild-14.png" alt="bild-14" width="323" height="455" /></p>
<p>Quelle: <a href="http://people-press.org/report/478/bush-legacy-public-opinion">Bush and Public Opinion</a></p>
<p>Werbepause:</p>
<h2 class="widgettitle">Der digitale Pr&#228;sident</h2>
<p>Barack Obama hat die Pr&#228;sidentschaftswahl mit Hilfe des Internets gewonnen &#8211; wie wird er mit Hilfe des Internets regieren? Live-&#220;bertragung und Diskussion mit Mercedes Bunz, Bj&#246;rn B&#246;hning und Tobias Moorstedt. 20. Januar, 18 Uhr. Mehr <a onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/downloads/3613/obama_kabinett_lincoln/../../Carta_20Jan09_Obama.jpg');" href="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg">hier…</a></p>
<p><img class="alignnone" src="../../Carta_20Jan09_Obama.jpg" alt="" width="538" height="253" />
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		<title>Obama vs. Palin/McCain: Wahlkampf nach der Logik einer Talkshow</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Oct 2008 09:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tobias Moorstedt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Problem ist  nicht, dass Menschen die Pr&#228;sidentschaftskandidaten mit Horrorfiguren verwechseln, oder dass ein Klempner eine Meinung zu Steuerpolitik hat – fatal ist, dass die US-Medien diese unterhaltsamen Nebens&#228;chlichkeiten zu „Breaking News“ aufwerten. Die Politikberichterstattung im US-Fernsehen besteht nicht aus Reportagen oder Features &#252;ber Wahlentscheidungen und Gesetzesvorschl&#228;ge, sondern basiert auf der Logik der Unterhaltungsindustrie. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sieben, sechs, f&#252;nf, vier Tage noch, der Countdown l&#228;uft, die Zeit ab und die Menschen drehen langsam durch. Heute ist Halloween, und das beliebteste Kost&#252;m ist dieses Jahr nicht die Hexe, Mumie oder Dracula, sondern, wie mir der Verk&#228;ufer in dem Kost&#252;mladen Ricky&#8217;s im New Yorker East Village lachend erz&#228;hlt, die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin. Lippenstift, Brille, Haarknoten &#8211; fertig ist das Horror-Readymade. Und man kann sich wirklich vorstellen, dass die wertkonservative Power-Woman den liberalen New Yorkern mehr Angst macht als die Fabelwesen des alten Europas.  Trick or treat – gib mir Candy oder ich hebe Roe vs. Wade auf!</p>
<p>Sieben, sechs, f&#252;nf, vier Tage noch, der Countdown l&#228;uft, die Zeit ab und manche Menschen machen noch schnell Karriere. Joseph Wurzelbacher aus Ohio, Fachmann f&#252;r Gas, Wasser, Schei&#223;e, besser bekannt unter dem Namen „Joe the Plumber“, hat einen Vertrag bei einem Agenten aus der Musikbranche unterschrieben. Wurzelbacher wurde weltweit bekannt, weil er Senator Obama auf einem Wahlkampf-Event vor laufender Kamera wegen dessen Steuerpolitik kritisierte. McCain baute Joe the Plumber daraufhin in TV-Spots und Stump-Speeches ein, f&#252;gte sp&#228;ter noch Rose the Teacher und Tito the Builder hinzu – anthropomorphe Chiffren der Steuerpolitik. Wurzelbacher begleitet im Endspurt die republikanischen Kandidaten auf dem Campaign Trail und m&#246;chte laut seinem Agenten nun ein „TV celebrity“ werden – man k&#246;nne sich vorstellen, eine Kampagne f&#252;r einen Baumarkt zu machen oder eine Platte aufzunehmen.</p>
<p>„Joe the Plumber“ ist ein politischer Bigbrother-Kandidat. Reality-TV. Unwirkliche Wirklichkeit.</p>
<p>Das Problem ist  nicht, dass Menschen die Pr&#228;sidentschaftskandidaten mit Horrorfiguren verwechseln, oder dass ein Klempner eine Meinung zu Steuerpolitik hat – fatal ist, dass die US-Medien diese unterhaltsamen Nebens&#228;chlichkeiten zu „Breaking News“ aufwerten. Die Politikberichterstattung im US-Fernsehen besteht nicht aus Reportagen oder Features &#252;ber Wahlentscheidungen und Gesetzesvorschl&#228;ge, sondern basiert auf der Logik der Talkshow. Experten, Analysten und Berater, sogenannte &#8220;Pundits&#8221; (der Begriff leitet sich wohl von dem Sanskritwort pandita (dt. gelehrt) ab), sprechen &#252;ber Wahlchancen, Garderobe und die Reden der Politiker. Kein Thema ist zu banal, um es intensiv unter die Lupe zu nehmen: die Tatsache, dass Michell Obama ihren Ehemann ab und an „baby“ nennt (wer hat die Hosen an im Hause Obama?). Die Klamotten f&#252;r 150 000 Dollar f&#252;r Sarah Palin. Oder die Tatsache, dass Barack Obama keinen Flaggen-Pin am Revers tr&#228;gt. &#8220;Die Pundits generieren eine k&#252;nstliche Dynamik&#8221;, erz&#228;hlt mir Jay Rosen, Journalistik-Professor an der NYU und Autor des Blogs Pressthink, &#8220;sie m&#252;ssen ja auch sieben Tage die Woche 24 Stunden senden.&#8221;</p>
<p>&#220;ber Politik erf&#228;hrt man dabei allerdings nichts.</p>
<p>Der TV-Analyst Andrew Tyndall hat errechnet, dass die Nachrichtenkan&#228;le dem Thema Vorwahlkampf 2008 mehr Sendezeit widmeten als in den Jahren 2003, 1999, 1995 und 1991 zusammen. Die Einschaltquoten von Sendungen wie Hardball (MSNBC) oder Situation Room (CNN) liegen um mehr als 100 Prozent &#252;ber den Zahlen von 2004. Doch obwohl mehr als je zuvor &#252;ber Politik gesprochen wird, haben die meisten Menschen, wie eine gemeinsame Studie des angesehenen Pew Research Institute und der Harvard Universit&#228;t aufdeckte, nicht das Gef&#252;hl, gut informiert zu werden. &#8220;MSM&#8221; hei&#223;en Mainstream-Medien, wie TV-Sender und Zeitungen im Internet-Jargon – und dieses Akronym klingt nicht nur zuf&#228;llig nach einem profitgierigen Konzern oder einer entz&#252;ndlichen Erkrankung des Nervensystems.</p>
<p>&#8220;Die politische Berichterstattung in den USA dreht sich nicht um Politik &#8220;, sagt Rosen, &#8220;vor allem die Fernsehsender berichten &#252;ber den Wahlkampf, als handle es sich um ein Baseball-Spiel.&#8221; &#196;hnlich wie bei einem Sportereignis konzentrierten sich die Journalisten und politischen Analysten bei der Berichterstattung auf die Frage: Wer ist der Beste, Schnellste, Sch&#246;nste? Wer wird gewinnen? &#8220;Horse Race Journalism&#8221; hei&#223;t dieses Genre in Amerika, eine Form journalistischer Arbeit, die sich nicht mit den politischen Programmen befasst, sondern die sich die Triumph-Niederlagen-Semantik des Sports angeeignet hat und vom &#8220;Underdog&#8221; und &#8220;Frontrunner&#8221; spricht. Moderatoren und Experten reden &#252;ber &#8220;gute und schlechte Taktik&#8221;, die &#8220;richtige Aktion zum richtigen Zeitpunkt&#8221;, die neueste Umfragen und den Zwischenstand der Spendensammler. Genau wie das Eckenverh&#228;ltnis oder die Zweikampfquote im Fu&#223;ball bieten diese Zahlen angebliche Deutungssicherheit. Mehr als zwei Drittel der Nachrichtenbeitr&#228;ge (2005 waren es 54 Prozent), so das Ergebnis einer Studie des Pew Research Institute und der Universit&#228;t Harvard, beziehen sich auf Strategie und Taktik der Kandidaten. Nur zw&#246;lf Prozent liefern relevante Informationen f&#252;r die Entscheidungsfindung der W&#228;hler, nur ein Prozent der Berichte analysiert die politische Arbeit der Politiker.</p>
<p>Das Versagen der Massenmedien, den W&#228;hlern einen Informationskontext zu geben, hat keinen sinistren politischen Hintergrund, sondern ist &#246;konomisches Kalk&#252;l. Wenn man nur &#252;ber den Spielstand, die Wahl-Werbespots der Kandidaten und die Entertainment-Meme des Wahlkampfs berichtet, dann geht man nicht das Risiko ein, zu einem politischen Thema wieder Sinnhaftigkeit der allgemeinen Krankenversicherung Stellung beziehen zu m&#252;ssen (und postwendend von der einen oder anderen Partei f&#252;r Parteilichkeit kritisiert zu werden). Jay Rosen sagt: „Die Medien haben Angst als parteiisch zu gelten.“ Das Halloween-Kost&#252;m, Joe the Plumber und neue Umfragen sind politische Nachrichten – aus denen man nichts &#252;ber die richtige Politik erf&#228;hrt. Objektivit&#228;t ist der h&#246;chste Wert der Medienbranche – aber wenn Objektivit&#228;t zum Fetisch wird, dann gibt es einen Fehler im System.</p>
<p>Tobias Moorstedt ist Autor des Buches &#8220;Jeffersons Erben&#8221; &#252;ber den US-Wahlkampf, das soeben bei Suhrkamp erschienen ist. Man kann es zum Beispiel <a href="http://www.amazon.de/Jeffersons-Erben-digitalen-Politik-ver%C3%A4ndern/dp/3518125710/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1220644251&amp;sr=8-1">hier</a> erwerben.</p>
<p><a href="http://cartaweb.de/carta/wp-content/uploads/2008/10/jeffersons_erben.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-907" title="jeffersons_erben" src="http://cartaweb.de/carta/wp-content/uploads/2008/10/jeffersons_erben.jpg" alt="" width="152" height="250" /></a>
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