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	<title>CARTA &#187; Tim Renner</title>
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	<description>Politik, Ökonomie, digitale Öffentlichkeit</description>
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		<title>Echo-Verleihung: 20 Jahre Bullshit Bingo</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 03:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Echo Verleihung]]></category>

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		<description><![CDATA[Es wird heute Abend von Spannung, R&#252;hrung und Talenten die Rede sein, aber in Wirklichkeit pr&#228;sentiert man seit 20 Jahren beim "Echo" lediglich die News von gestern. Die Musikindustrie leidet noch immer unter dem Trauma des "Preises der deutschen Schallplattenkritik" - und kommt von der anachronistischen Mechanik des "Echo" nicht los.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn heute Abend in den Berliner Messehallen ein K&#252;nstler so tut als w&#252;rde ihn der Preis den er verliehen bekommt &#252;berraschen, dokumentiert er damit eine aktive Lese- und Rechenschw&#228;che. <strong>Anders als im Rest der Welt werden in Deutschland beim <em><a href="http://www.echopop.de/">Echo</a></em> n&#228;mlich nicht die Besten sondern die vermeintlich erfolgreichsten Produktionen pr&#228;miert. </strong>Entscheiden tut in fast allen Kategorien keine Jury sondern die Charts. Die Gewinner lassen sich also schon vorher ablesen oder errechnen. Seit langem dokumentiert diese anachronistische Mechanik das Dilemma einer Branche, die sich an digitale Zeiten noch immer nicht gew&#246;hnen mag.</p>
<div id="attachment_39389" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/echo11.jpg"><img class="size-medium wp-image-39389" title="echo1" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/echo11-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Echo: Weltweit leuchtet das ein, nur in Deutschland eben nicht.</p></div>
<p>Jedes Jahr erhalte ich eine Mail aus England. Zusammen mit 1499 anderen werde ich aufgefordert mich online einzuloggen und in von den Labels nominierte Produktionen der britischen Musikwirtschaft reinzuh&#246;ren. Alles steht nach Bedarf als Stream bereit. Immer lassen sich unter den Vorgeschlagenen Interpreten und Ver&#246;ffentlichungen welche finden, die man wirklich herausragend findet und deshalb in einer Shortlist der besten f&#252;nf platziert. Das Ergebnis aller Juroren zusammen sind dann die Brit Awards.</p>
<p>Nur durch solch eine Form der Ergebnisfindung bleiben Preise spannend und an Qualit&#228;t orientiert. Weder die <em>Grammys</em>, noch die <em>Brits</em> und auch nicht der <em>Oscar</em> k&#252;ren das, was gestern und kommerziell erfolgreich war, sondern das, was f&#252;r die Zukunft am meisten zu versprechen scheint. <strong>Extrem erfolgreiche Ver&#246;ffentlichungen bekommen eh Anerkennung &#252;ber hohe Chartpositionen und Gold sowie Platin Schallplatten – wieso dann noch einen Musikpreis?</strong></p>
<p>Weltweit leuchtet das ein, nur in Deutschland eben nicht. Man ist so gar stolz darauf. Der ehemalige Vorsitzende des Verbandes der deutschen Musikindustrie sprach anl&#228;sslich <em>der Echo-Verleihung</em> immer von einzigen Preis den das ganze Publikum durch seine Kaufentscheidung vergeben w&#252;rde.</p>
<p>Der Grund dass man sich nicht traut dem Votum einer subjektiven Jury zu unterwerfen liegt in einem Trauma, dessen Ursache die meisten der deutschen Musikmanager, die heute den 20. Geburtstag des <em>Echo</em> feiern, noch nicht einmal kennen. &#220;ber Jahrzehnte verlieh hierzulande nur der Preis der deutschen Schallplattenkritik den Produkten der Schallplattenindustrie Anerkennung. Fast 30 Jahre ohne Konkurrenz vergaben bis zu 140 Kritiker ihren Preis an „technisch und k&#252;nstlerisch hochwertige Tontr&#228;ger“ wie es in den Statuten des PdSK (Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V.) hei&#223;t. Unter den heute 29 Kategorien, besch&#228;ftigen sich gerade mal vier mit Pop und Rockmusik.</p>
<p>Nicht nur die extreme E-Musik Lastigkeit trieb die Musikmanager in den Wahnsinn und zur Gr&#252;ndung ihres Echos. Es war auch die Auswahl welche die Kritiker trafen. Da gewinnt dann eben mal ein Owen Pallett oder eine Joanna Newsom statt Lena Meyer-Landruth oder Unheilig. Bis heute haben sich die Mitglieder des PdSK die Neigung bewahrt, auf jeden Fall lieber f&#252;r kommerziell gesehen ziemlich abwegige Produktionen zu stimmen. Fast ein bisschen als wollten sie beweisen, dass sie etwas kennen was man selbst kaum kennt. Im Umkehrschluss entzog sich  die genervte, deutsche Musikindustrie dem Einfluss ihrer Musikkritiker und setzte ab 1992 lieber auf <strong>platten Mainstream und die R&#252;ckbetrachtung auf Basis der Charts</strong>.</p>
<p>Ein fataler Fehler, auch im kommerziellen Sinn. In den Jahrescharts sind immer die besonders erfolgreich, die fr&#252;h im Jahr ver&#246;ffentlicht haben. Das sind aber Platten die im Moment der Preisverleihung garantiert schon durch sind. <strong>Kein Mensch kauft auf Basis eines gewonnenen Echos eine CD</strong>. Anders w&#228;re das, wenn der Preis noch &#252;berraschen kann. Die Jazz K&#252;nstlerin Nora Jones wurde &#252;berhaupt erst durch die Grammys einer breiten &#214;ffentlichkeit bekannt und konnte dadurch sich und ihrem Label Millionenums&#228;tze bescheren. Ebenso waren Arcade Fire als Abr&#228;umer bei den Grammys und Brits das diesj&#228;hrige Highlight beider Musikpreise.</p>
<p>„Who the fuck are Arcade Fire“ fragten sich einige im Saal und tausende im Internet. Es entstand sogar ein Song aus der Frage, der sofort bei YouTube millionenfach geklickt wurde. Profitiert haben davon beide, die Band und eine Musikindustrie die wieder einmal bewiesen hat, dass sie noch f&#252;r &#220;berraschungen sorgen kann. Bei uns gibt es dagegen wieder Buzzword oder Bullshit Bingo. Es wird heute Abend von Spannung, R&#252;hrung und Talenten die Rede sein, aber in Wirklichkeit pr&#228;sentiert man seit 20 Jahren beim Echo lediglich die News von gestern.</p>
<p><em>crosspost aus dem Motorblog (text steht dort noch nicht).</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=39387&amp;md5=bf87bcad6e6b79c356dff3f605ea3925" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>zu Guttenberg: Ein Herz f&#252;r Hochstapler</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Mar 2011 09:32:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aufmacher-Agenda]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren-Agenda]]></category>
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		<category><![CDATA[Hochstabler]]></category>
		<category><![CDATA[Karl-Theodor zu Guttenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Plagiat]]></category>

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		<description><![CDATA[Die meisten Politiker geh&#246;ren einer "Gemeinschaft von Ungeliebten" an - einem Typus Mensch, dem in seiner Jugend nichts anderes &#252;brig blieb als vern&#252;nftig und uncool zu sein. Karl-Theodor zu Guttenberg - und auf ihre Art Gerhard Schr&#246;der und Joschka Fischer - geh&#246;ren zur anderen Sorte. Der W&#228;hler hat vor niemandem Angst, der tut, was er sich selbst vorstellt tun zu k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Er ist weg, weg – und wir sind wieder allein, allein“<a href="http://www.metacafe.com/watch/1163439/die_fantastischen_vier_sie_ist_weg/">*</a> . Kein K&#246;nigskind f&#252;r Deutschland, kein siegesgewisser Strahlemann mehr in der Tageschau. Die Bildungsb&#252;rger atmen seit Anfang dieser Woche auf, weil der als Halbgott verkl&#228;rte Hochstapler gegangen ist.</p>
<p>Das gemeine Volk weint derweil gequ&#228;lt in seine <em>Bild</em>-Zeitung hinein. Laut aktueller Stern-Umfrage sind noch immer fast zwei Drittel der Bev&#246;lkerung der Meinung der Doktor a.D. zu Guttenberg h&#228;tte nicht zur&#252;cktreten sollen. Sind wir von lauter durch den Boulevard manipulierbaren Idioten umgeben, den man eigentlich das Wahlrecht entziehen m&#252;sste?</p>
<div id="attachment_38868" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/guttenberg_aufmacher2.jpg"><img class="size-medium wp-image-38868" title="guttenberg_aufmacher2" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2011/03/guttenberg_aufmacher2-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Schr&#246;der funktionierte medial &#228;hnlich wie zu Guttenberg: Beide produzierten Bilder</p></div>
<p>Man sollte sich es nicht zu einfach machen. <em>Bild</em> und Co. haben schon so manche Sau durchs Dorf getrieben, ohne dabei die breite Masse manipulieren zu k&#246;nnen. 2002 wurde zusammen mit dem Spiegel extrem engagiert gegen Kanzler Schr&#246;der angeschrieben und der wurde dennoch wiedergew&#228;hlt.</p>
<p>2005 geschah selbiges fast noch einmal. Hass funktioniert medial besser als Lob und dennoch fiel Schr&#246;der &#252;ber seine Hartz IV Reform und nicht &#252;ber den Boulevard. <strong><em>Bild</em> ist l&#228;ngst ein Unterhaltungs- und kein Meinungsmedium. Die meisten Leser scheinen das verstanden zu haben.</strong></p>
<p>Schr&#246;der funktionierte medial allerdings &#228;hnlich wie zu Guttenberg:  <strong>Beide produzierten Bilder</strong> (der eine mit Gummistiefeln im Oderbruch, der andere mit Splitterweste auf dem Flughafen von Marza E Sharif oder mit Gewinnerl&#228;cheln auf dem Times Square), beide suchten die N&#228;he zu Rockstars (was dem einen U2 oder Westernhagen waren, war dem Freiherren halt AC/DC), beide sa&#223;en w&#228;hrend der Amtszeit bei &#8220;Wetten, dass &#8230;&#8221; auf der Couch, beide hatten nichts dagegen in popkulturellen Kontexten aufzutauchen (der eine gesampled mit &#8220;Hol mir mal ne Flasche Bier&#8230;&#8221;, der andere als vermeintlicher DJ auf Veranstaltungen der Jungen Union).</p>
<p>Dieser lockere Umgang mit Pop ist ungewohnt in der Politik. Politiker sind gemeinhin graue M&#228;use, lassen sich lieber beim Walzer oder in der Oper ablichten, denn rockend im Mosh Pit. Sie suchen damit die Allianz mit dem Bildungsb&#252;rgertum, schaffen so aber Distanz zu einem Volk welches seit langem mehrheitlich popkulturell sozialisiert hat. Weshalb haben Politiker so oft Angst vor zeitgen&#246;ssischer Kultur und kontempor&#228;ren Vergn&#252;gen?</p>
<p>Ein ehemaliger Finanzminister aus einem gro&#223;en Bundesland, der selbst als einer der wenigen Quereinsteiger in die Politik kam, erkl&#228;rte mir das Ph&#228;nomen aus seiner Sicht:.</p>
<blockquote><p>„Die einen lebten sich als Teenager aus, feierten ihre Partys und hatten Spass daran unvern&#252;nftig zu sein. Andere lernten viel f&#252;r die Schule, gingen zur Kirche oder den Jugendorganisationen der Parteien. Es blieb Ihnen auch gar nichts anderes &#252;brig: Wo sollten sie sonst Anerkennung und Freunde zu finden? Haben wir Sie zu unseren Festen eingeladen, nahmen wir jemals die uncoolen Jungs und M&#228;dchen von den Jusos, Julis, der Jungen Union oder den christlichen Pfadfindern in die Disco mit?&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Seiner Meinung nach handelt es sich bei den meisten Politikern um eine Gemeinschaft von Ungeliebten, die zusammen halten, bis sie an der Macht sind.</strong></p>
<p>Der Mann hat eine Agenda, er wurde von den eigenen Kollegen aus dem Ministerium gemoppt. Dennoch leuchtet sein Erkl&#228;rungsmodell ein. Der Einstieg in die Politik &#252;ber Jugendorganisationen f&#252;hrt zu einer anderen Sozialisation als diejenige, die das sp&#228;ter zu regierende Volk erfahren hat.</p>
<p>Das klingt nach Parteiabend statt Party, nach Programmdiskussion statt Petting, nach kungeln statt kiffen. Schr&#246;der und Guttenberg haben sich als Lebem&#228;nner wahrscheinlich unbewusst dagegen positioniert und wurden daf&#252;r von einem breiten Publikum geliebt, dass auch ansonsten bei Unvernunft schnell verzeiht. Egal ob Seehofer fremd schw&#228;ngert, Friedmann kokst, oder der junge Joschka pr&#252;gelte &#8211; der W&#228;hler hat vor niemanden Angst, der tut was er sich selbst vorstellt tun zu k&#246;nnen.</p>
<p>Deshalb ist auch die Doktorarbeit des Freiherrn f&#252;r die meisten kein echtes Problem gewesen. Sp&#228;testens seit &#8220;Pump Up The Volume&#8221; von M/A/R/R/S, einem Nummer eins Hit aus dem Jahr 1987, wei&#223; jeder Radioh&#246;rer -und somit die absolute Mehrheit der Bev&#246;lkerung- dass aus Zitaten anderer ein komplett neues, aber eigenst&#228;ndiges Werk entstehen kann.</p>
<p>Das St&#252;ck bestand rein aus Samples, &#228;hnlich wie der Roman von &#8220;Axolotl Roadkill&#8221; von Helene Hegemann. Beide verschwanden nachdem das aufflog auch nicht aus den Bestsellerlisten. W&#228;hrend im Feulliton &#252;ber &#8220;Copy/Paste&#8221; diskutiert wurde, kaufte der Kunde was ihm gefiel. Medienmacher k&#246;nnen das jedoch nicht gut finden, ihr Gesch&#228;ftsmodell und Selbstverst&#228;ndnis basiert auf einer traditionellen Interpretation des Urheberrechts. Bei der Wissenschaft h&#228;ngen sogar einige der Grundwerte daran. Eine entspannte Wertung ist da unm&#246;glich.</p>
<p>Es ist das Unverst&#228;ndnis f&#252;r Pop und ein Intressenskonflikt in Sachen Digitalisierung, welche momentan den Graben zwischen Politik und Medien auf der einen und Boulevard und Publikum auf der anderen Seite aufrei&#223;t. Beide Gruppen werden sich bewegen und hinzulernen m&#252;ssen.</p>
<p>Die einen m&#252;ssen sich endlich mit den digitalen Realit&#228;ten und den kulturellen Wirklichkeit auseinandersetzen, die anderen m&#252;ssen aus ihrer popkulturellen Position heraus sorgf&#228;ltiger gucken und werten. Tun sie das werden sie feststellen, dass Guttenberg nicht sehr viel mehr war als Dieter Bohlen: Eine sich immer wiederholende Pose mit wenig origin&#228;rer Schaffenskraft, deshalb teilweise unterhaltend aber haupts&#228;chlich unwichtig. Das kann, muss Pop aber nicht sein!</p>
<p><em>crosspost vom <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_ein_herz_fuer_hochstapler.html">motorblog</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=38862&amp;md5=5876c806f78cdf7d589f14d9a98a0f85" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Napster auf den Elektrischen Stuhl?</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 08:38:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

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		<description><![CDATA[Herzlich willkommen in der digitalen Welt Amerika! Wir aus der Musikwirtschaft kennen uns da aus und fragen uns nachdem ihr die Todesstrafe f&#252;r Wikileaks fordert: Sind wir vielleicht zu milde mit den Piraten umgegangen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/558caa0d6a6c41d390fa5e7fede79b88" width="1" height="1" alt=""/>In Amerika werden erste Stimmen laut, welche ob der Aktivit&#228;ten von Wikileaks die Todesstrafe f&#252;r Datenklau und deren Ver&#246;ffentlichung fordern. Erschrocken und am&#252;siert zugleich fragt man sich da als Musikwirtschaft, ob man vielleicht zu milde mit den Piraten und anderen Urheberrechtsverletzern war&#8230;</p>
<p>Ab 1982 haben wir unsere Daten digitalisiert, auf CD gepresst und verkauft. Anfangs haben unsere Controller &#252;ber diese Digitalisierung genauso gejubelt wie Eure Geheimdienste. Wo Euer CIA und die anderen Dienste glaubten mit den digitalen Daten einen Erkenntnisgewinn zu haben, freuten sich unsere Erbsenz&#228;hler &#252;ber die Gewinnspr&#252;nge, die damit verbunden waren. Bis Ende der Neunziger wurde abgesahnt: Die Konsumenten kauften oftmals das, was sie bereits anlog auf Vinyl besa&#223;en, nur jetzt halt digital auf CD zum doppelten Preis. Dankesch&#246;n, f&#252;r die Musikwirtschaft war das ein herrliches Gesch&#228;ft.</p>
<p>Fr&#252;her als ihr mussten wir aber feststellen, dass die Sache auch einen Haken hat. Mit der Einf&#252;hrung des CD-Brenners wurde klar, dass Digitalisierung kein Original mehr kennt. Unsere Musik wurde auf selbstgebrannten CDs auf Schulh&#246;fen und in Uni-Mensen verteilt und schlie&#223;lich auch &#252;bers Internet. Nat&#252;rlich waren wir zornig. Ich erinnere mich noch an das hochrote Gesicht meines Chefs, des damaligen Pr&#228;sidenten der Universal, wenn das Thema auf Datenkopien kam. Als ein Mitarbeiter in einem Meeting von jugendlichen Fans sprach, die mit modernen Technologien herumspielten, sprang er auf und schrie ihn an: &#8220;Das sind keine Fans, das sind Kriminelle und die geh&#246;ren zerschmettert.&#8221;</p>
<p>Das klingt bei Sarah Palin nicht sehr viel anders, wenn sie &#252;ber Wikileaks spricht. Manche ihrer Parteifreunde – wie der ehemalige Gouvernor von Arkansas – gehen da sogar noch einen Schritt weiter: Er fordert die Todesstrafe.</p>
<p>Sind Daten erst einmal digitalisiert, kann man sie nur noch schwer oder gar nicht kontrollieren. Das ist eine bittere Erkenntnis. Da platzt einem schon mal der Kragen. Aber verglichen mit Euch waren wir in unserer Reaktion fast milde. Familienv&#228;ter und M&#252;tter von Urheberrechtsverletzern wurden von uns mit Klagen &#252;ber hundertausende von Dollar &#252;berzogen, nach Leib und Leben trachten wir ihnen nicht. Naja, wir verloren durch Datenkopien ja auch nur Geld, Ihr aber Glaubw&#252;rdigkeit.</p>
<p>Vielleicht hat Shawn Fanning auch einfach Gl&#252;ck gehabt, dass wir keine Geheimdienste haben. Hinter Gittern haben wir unseren Lieblingsfeind und Begr&#252;nder von Napster n&#228;mlich bis heute nicht bekommen. Daf&#252;r haben wir seinen Laden platt gemacht, die Justiz war da in Form der Richterin Pattel aus Kalifornien auf unserer Seite. Geholfen hat uns das allerdings nicht.</p>
<p>Genauso wie l&#228;ngst &#252;ber 200 Sites die Wikileaks-Informationen spiegeln, war die richterlich angeordnete Schlie&#223;ung von Napster nur Auftakt f&#252;r neue Modelle zum Austausch von Musik. Auf die, wie zum Beispiel im Fall von Pirate Bay, haben wir dann auch ordentlich draufgeschlagen. Die schwedische Justiz k&#246;nnen wir empfehlen. Sie zeigte sich bei uns &#228;u&#223;erst kooperationsbereit, verknackte die Pirate Bay-Betreiber. Die Folge war jedoch eine neue Protestbewegung gegen unsere Anliegen samt eigener Partei.</p>
<p>Egal was wir auch versuchten, digitale L&#246;cher lie&#223;en und lassen sich nicht stopfen. Kopierschutz, Rechtsschutz, Abmahnungen, Abschreckung, alles f&#252;r die Katz. Mittlerweile haben wir als Musikwirtschaft die H&#228;lfte unseres Volumens und unserer Macht eingeb&#252;sst. Von der einst traumhaften Profitabilit&#228;t wollen wir hier gar nicht erst reden, Amerika.</p>
<p>Willst Du f&#252;r Dein Land unser Schicksal vermeiden, dann akzeptiere die Fakten der Digitalisierung. Wir m&#252;ssen auf K&#252;nstler und Konsumenten zugehen und versuchen, die Digitalisierung f&#252;r einen neuen Deal untereinander zu nutzen. Bei Euch geht es um B&#252;rger und Weltgemeinschaft, mit denen und f&#252;r die ihr ein neues Verst&#228;ndnis entwickeln m&#252;sst.</p>
<p>Ich wei&#223;, das ist einfacher gesagt als getan. Tut ihr das aber nicht, hilft nur der Weg zur&#252;ck: Sven Regener von Element of Crime fragte mich einmal, weshalb wir nicht einfach alles wieder nur auf Vinyl ver&#246;ffentlichen w&#252;rden, das sei doch der einzig m&#246;gliche Kopierschutz. Der Mann hatte recht. Wollt ihr also nicht mehr Bestandteil der digitalen Welt sein, dann raus mit all den Computern aus den Amtsstuben, Botschaften, Capitol, Pentagon und Wei&#223;em Haus! Betreibt ihr die Reanalogisierung der USA konsequent, hat Wikileaks schweres Spiel: 250.000 Aktennotizen bekommt niemand physisch in Ordnern bewegt ohne dass ihr das lange vor der Ver&#246;ffentlichung bemerkt!</p>
<p>Eine Welt mit einem gestrigen, weil analogen Amerika w&#228;re aber &#228;rmer. Deshalb gebt Euch M&#252;he, die Konsequenzen der Digitalisierung nicht zu bek&#228;mpfen, sondern zu erkennen und zu meistern. Wir von der Musikwirtschaft versuchen es ja mittlerweile auch.
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=36394&amp;md5=df8b44be6f7db7a1f544778047188b01" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Datenspeicherung oder Lebensgefahr!</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 08:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Egal ob Presse, Fernsehen, Film- oder Pornoindustrie, in dem Punkt ist man sich einig: Angst, die man durch Strafzahlungen, Bedrohung unschuldiger Kinder oder gar Terror verbreiten kann, hilft eine digitale Gesellschaft durchzusetzen, in der jeder unter Generalverdacht steht. Wer hat Interesse an so viel Angst und wieso halten die Medien gemeinhin nicht dagegen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/6c2dcf6127044a4db8d1046621a4a4fa" alt="" width="1" height="1" />Rechtsanw&#228;lte drohen Firmen wie meiner mit teuren Abmahnungen, so sie ihre Netzwerke nicht schlie&#223;en. Ministergattinnen drohen Familien mit der Gefahr durch Internetperverse, wenn sie ihre Kids in Social Communities lassen. Innensenatoren drohen Bundesb&#252;rgern mit dem schnellen Tod am Gl&#252;hweinstand, wenn sie nicht anzeigen, was ihnen fremd oder merkw&#252;rdig vorkommt. Wer hat Interesse an so viel Angst und wieso halten die Medien gemeinhin nicht dagegen?</p>
<p>Tausende von Euro soll Motor zahlen, wenn sich die Tat wiederholt. 650 Euro sind sofort f&#228;llig, damit zumindest erstmal der gegnerische Anwalt befriedigt wird. Das Delikt: Via Torrent-Client soll ein Porno namens „Asian Booty“ hochgeladen worden sein. Die IP Adresse von meiner Firma Motor Entertainment wurde dabei angeblich registriert.</p>
<p>Der einzige, der das Administrationsrecht f&#252;r unser Netzwerk hat und somit Filme und Software installieren kann ist schwul. Er ist nach eigenem Bekunden nicht wirklich an der Verbreitung von Filmen &#252;ber Asiatische Frauenhintern interessiert. Ein Torrent Client l&#228;sst sich zudem auf unseren Servern nirgends finden. Bleiben G&#228;ste von Motor Entertainment oder Motor FM als potentielle T&#228;ter. Einer von ihnen k&#246;nnte das Werk theoretisch &#252;ber WLAN hochgeladen haben. Zu verhindern w&#228;re dergleichen in Zukunft lediglich dadurch, dass wir jeden notieren, dem wir Zugang gew&#228;hren und danach sein Surfverhalten dokumentieren.</p>
<p>Die Nachfrage ob das wirklich die einzige M&#246;glichkeit sei, wie wir der Forderung der Pornoproduzenten auf zuk&#252;nftige Unterlassung gerecht werden k&#246;nnten, wurde bejaht. Datenspeicherung oder Geldstrafe!</p>
<p>Seit September hat die Ministergattin Freifrau zu Guttenberg zur besten Sendezeit eine <a href="http://carta.info/34073/angeekelt-kann-man-nur-noch-sagen-halt-die-fresse-freifrau/">eigene Show</a> namens „Tatort Internet – Sch&#252;tzt endlich unsere Kinder“. Sie f&#252;hrt zusammen mit dem fr&#252;heren, Hamburger Innensenator Udo Nagel Perverse vor, die in Foren Minderj&#228;hrige ansprechen und zu treffen versuchen. Die Sendung kennt jeder, denn sowohl <em>BILD</em> als auch <em>Stern</em> feierten Stefanie zu Guttenberg auf Titelseiten daf&#252;r.</p>
<p>Kein Medium fragte sich, ob Kindesmissbruch ma&#223;geblich durch das Netz bef&#246;rdert w&#252;rde. Ein Blick in die  vom Familienministerium publizierten Untersuchungen h&#228;tte offenbart, dass in fast allen F&#228;llen von Kindesmissbrauch die T&#228;ter aus dem direkten Umfeld des Opfers, schlimmerweise sogar meist aus der eigenen Familie kommen. Wer dem ernsthaft beikommen will, muss hier ansetzen.</p>
<p>Kein Medium fragte sich, mit wem die Ministergattin als Chefankl&#228;ger gemeinsame Sache macht: Medienberichte zufolge hat die  Prevent AG, deren Vorstand Udo Nagel noch bis Mitte dieses Jahres war, einen New Yorker Mitarbeiter der HSH Nordbank, durch gef&#228;lschte Beweise mit Kinderporno in Verbindung gebracht und damit seine Entlassung erreicht.</p>
<p>Kein Medium wunderte sich &#252;ber den Sender, den zu Guttenberg und Co. f&#252;r die Missbrauchs-Realty-Show gew&#228;hlt hatten. RTL 2 ist bislang eher als das unverbesserliche Schmuddelkind der RTL Gruppe bekannt. Der Branchendienst Meedia <a href="http://meedia.de/nc/details-topstory/article/rtl-ii--gefangen-in-der-trash-falle_100029768.html">beschrieb</a> das Programm noch im  August 2010: &#8220;Die Container-Show &#8220;Big Brother&#8221;, in der Verhaltensauff&#228;llige Amateur-Erotik-Darsteller duschen oder Psychospielchen absolvieren m&#252;ssen,&#8221; und &#8220;gescriptete Dokusoaps wie &#8220;Frauentausch&#8221;, die ein Zerrbild der Wirklichkeit vermitteln (&#8230;) ein Parallel-Universum, das von adip&#246;sen, kettenrauchenden Hartz-IV-Empf&#228;ngern bev&#246;lkert wird.&#8221;</p>
<p>Zwischen all dem werden nun P&#228;dophile gejagt und Kinder gesch&#252;tzt und keinen Journalisten st&#246;rt das? Selbst aus der CDU-Fraktion kommen Unmutsbekundungen ob der Umtriebe der hoch medienaffinen Freifrau. Doch auch der <em>Spiegel</em> hob „das Traumpaar Guttenberg“ auf den Titel ohne die Sendung ernsthaft in Frage zu stellen, deren Credo es ist, dass nur strikte Dokumentation im Internet Schutz der Kinder bieten k&#246;nne. Datenspeicherung oder &#220;bergriffe von Perversen!</p>
<p>Die USA haben immer wieder von unmittelbar bevorstehenden Terroranschl&#228;gen in der Bundesrepublik Deutschland gesprochen. Im September gaben sie eine erste Reisewarnung f&#252;r ihre B&#252;rger aus. Deutschland, aber auf jeden Fall gro&#223;e Menschenansammlungen in Berlin und anderen gro&#223;en St&#228;dten sollten von Amerikanern gemieden werden.</p>
<p>Innenminister Thomas de Maizière blieb gelassen. Vielleicht wusste er, wie die amerikanischen Verh&#246;re ablaufen k&#246;nnten, in denen gefangenen mutma&#223;lichen Terroristen Hinweise auf Anschl&#228;ge abgepresst w&#252;rden. Erst als ein angeblicher Al Quaida-Aussteiger freiwillig von Pl&#228;nen f&#252;r Ende November 2010 erz&#228;hlte, lie&#223; er sicherheitshalber aller Orten schwer bewaffnete Bundespolizei auflaufen.</p>
<p>Die besonnene Haltung des Bundesministers traf auf alarmistische Medien und panische Kollegen aus den Bundesl&#228;ndern. Am 18. November machten zum Beispiel fast alle Tageszeitungen trotz d&#252;nner Faktenlage mir rei&#223;erischen &#220;berschriften auf, als namibische Sicherheitsbeamte scheinbar eine Bombe im Gep&#228;ck einer Air Berlin-Maschine gefunden hatte. Die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung</em> titelte <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/terrorismus-moegliche-bombe-in-namibia-schrecken-ohne-grenzen-1.1025723">„Schrecken ohne Grenzen“</a>. Dass es sich in Wirklichkeit um eine von einem Geheimdienst platzierte Attrappe handelte, wurde zwei Tage sp&#228;ter verhalten und meist deutlich kleiner gemeldet.</p>
<p>In diese Stimmung passt auch der Auftritt des Hamburger Innensenators Heino Vahlendieck im ARD Morgenmagazin. Dort forderte der Christdemokrat seine Mitb&#252;rger auf, der Polizei jeden Gegenstand und jede Person zu melden, der ungew&#246;hnlich sei. „Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig  die Polizei anrufen“ fachte der Politiker w&#246;rtlich das Spitzelfieber an. In gro&#223;er Koalition mit seinem Kollegen K&#246;rting aus Berlin war dann auch wieder die Vorratsdatenspeicherung im Gespr&#228;ch.</p>
<p>Die Vorratsdatenspeicherung war schon einmal Gesetz. Das Verfassungsgericht verbat aber die pauschale Dokumentation von Telefon- und Internetdaten aller B&#252;rger. Nun soll es scheinbar einen neuen Anlauf geben. Datenspeicherung oder Lebensgefahr!</p>
<p>Datenspeicherung w&#252;nschen sich all jene, die darauf bauen, dass ihre alten Gesch&#228;ftsmodelle im Internet fortgesetzt werden k&#246;nnen. Nur wenn man denjenigen dingfest machen kann, der illegal downloaded oder verbreitet, kann das funktionieren. Egal ob Presse, Fernsehen, Games, Film oder Pornoindustrie, in dem Punkt ist man sich einig. Angst, die man durch Strafzahlungen, Bedrohung unschuldiger Kinder oder gar Terror verbreiten kann, hilft eine digitale Gesellschaft durchzusetzen, in der jeder unter Generalverdacht steht. Die Sympathie mit der Idee, den Internetnutzer an die Leine zu legen, erkl&#228;rt das wundersame Verhalten der meisten Medien.</p>
<p>Das war nicht immer so, wenn Angst verbreitet wurde. „He Deutscher, sicher w&#228;re die Welt als Scheibe. Auf der Kugel steht immer einer hinter Dir.“ Mastino sangen das 1993. Ihr Titel „Angst erigiert“ thematisierte die nach der Wiedervereinigung auftretende Xenophobie. „Wenn die Deutschen aus dem Westen und die Deutschen aus dem Osten keine S&#252;ndenb&#246;cke h&#228;tten w&#252;rde das die Einheit kosten.“ Die spitze These von Mastino war, dass die Fremdenfeindlichkeit von der Politik teilweise billigend in Kauf genommen w&#252;rde damit Deutschland zusammenwachsen k&#246;nne.</p>
<p>Damals haben die Medien von <em>BILD</em> bis <em>tageszeitung</em> als vierte Macht verl&#228;sslich davor gewarnt, dass mit Angst Politik gemacht wird. Damals waren sie aber auch nicht direkt betroffen, hatten nicht selber Angst um ihre Zukunft in einer digitalen Welt.</p>
<p><em>Tim Renner schreibt au&#223;erdem f&#252;r das <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner">Motorblog</a>.</em>
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		<title>&#8220;I want my youtube&#8221;: Geld f&#252;r Nichts im Musikfernsehen</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Oct 2010 14:24:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Pop]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Oktober 2010 war bislang kein guter Monat f&#252;r die Popmusik: Bei RTL 2 diskutiert man offensichtlich, sich von allen Musikformaten zu trennen; die ARD-Intendanten schicken den Eurovison Song Contest in die Provinz und MTV verk&#252;ndet sein Programm zuk&#252;nftig nur noch als Bezahlfernsehen ausstrahlen zu wollen. Die Popkultur flieht ins Netz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f7b4687aba7d4e97a9fe81b17405761e" alt="" width="1" height="1" />Als 1984 die Songzeile „I want my MTV“ entstand, war der Sender in den  USA bereits die Zentralinstanz f&#252;r Musik und Trends geworden.  Eifers&#252;chtig schauten wir Europ&#228;er nach Amerika. Hatte man selbst doch  nur die Sendung „Formel Eins“, wenn man Videoclips sehen wollte. In  England war die Auswahl auch nicht viel gr&#246;&#223;er. Insofern kam es von  Herzen, als der britische S&#228;nger Sting im Studio die Zeile spontan zum Besten gab. Die Band Dire Straits,  die er w&#228;hrend ihrer Aufnahmen zum Album „Brothers in Arms“ auf der  Karibikinsel Montserrat besucht hatte, bat ihn um diesen musikalischen  Beitrag. Der Song, in dem Sting seine Forderung „I want my MTV“ sang,  wurde der Dire Straits-Hit „<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iwDDswGsJ60">Money For Nothing</a>“.</p>
<p>Drei Jahre sp&#228;ter, als MTV Europe seinen Betrieb aufnahm, war „Money For  Nothing“ der erste Clip, der auf Sendung ging. Am 31.12. diesen Jahres  k&#246;nnte es der letzte sein. Von da an verschwindet MTV aus dem analogen  Fernsehen und ist nur noch gegen Geb&#252;hren zu sehen. Den Schritt ins  Bezahlfernsehen begr&#252;ndet Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Dan Ligtvoet mit der  Behauptung: <em>&#8220;in den kommenden f&#252;nf bis zehn Jahren wird die Pay-TV-Landschaft in Deutschland stark wachsen&#8221;</em>. Wof&#252;r zahlen die MTV-Zuschauer aber dann? F&#252;r die Klingeltonwerbung  oder die ungeliebten, aus Amerika &#252;bernommenen &#8220;Reality Soaps&#8221;? – Die  Videoclips findet man fast alle auf Youtube und &#252;ber die Freunde bei  Facebook erf&#228;hrt man, bei welchen sich das Ansehen lohnt. MTV verlangt  zuk&#252;nftig also Geld f&#252;r Nichts: „Money for nothing“.</p>
<p>Wenn sich MTV von den Bildschirmen verabschiedet und sich der <a href="http://carta.info/34073/angeekelt-kann-man-nur-noch-sagen-halt-die-fresse-freifrau/">Krawall- und  Skandalsender</a> RTL 2 von Programmen wie der Popsendung &#8220;The Dome&#8221;  trennt, versch&#228;rft sich damit der Abwanderungstrend von Zuschauern  ins Internet. Und wer sich popkulturell sozialisiert hat, ist schon l&#228;ngst  dort. &#196;hnlich wie man fr&#252;her Mixtapes zusammengestellt hat, baut man  sich jetzt digital die Playlisten zusammen und wer in der Jugend aus  Zeitungen und Zeitschriften seine „Fanzines“ gebastelt hat, hat heute  l&#228;ngst ein eigenes Blog.</p>
<p>Die Kids verbringen bereits mehr Zeit vor dem  Computer als dem Fernseher. Eine Musikcommunity wie MySpace aufzubauen, in denen man  sich selbst pr&#228;sentieren und seine Stars finden kann, w&#228;re deshalb die  Aufgabe f&#252;r ein neues MTV gewesen. Der Sender hat die Chance verpasst, sich  im Netz neu zu erfinden und bietet mit seiner <a href="http://www.mtv.de/" target="_blank">Homepage</a> stattdessen ein relativ biederes Online-Magazin.</p>
<p>Aber auch Angebote von  MTV im Netz sollen laut Ligtvoet in Zukunft kostenpflichtig werden.  Zumindest ist das eine stringente Ansage: „Money for nothing“.</p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Anders als MTV waren die Anstalten der ARD noch nie in der Welt der  Popkultur angekommen.</strong> Wir alle bezahlen ihnen Geb&#252;hren in   Milliardenh&#246;he, bedient wird, wenn es um Musik geht, in der Hauptsache  aber ein Publikum, f&#252;r das Schlager und Volksmusik die H&#246;hepunkte  moderner Unterhaltungskultur darstellen. Dokumentieren l&#228;sst sich die  Hilflosigkeit der &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Sachen Pop am  Durchschnittsalter der Zuschauer.</p>
<p>Auch der Umgang mit dem Eurovision  Song Contest ist ein Beleg dieser &#220;berforderung: Weil man die Parameter  der Popkultur nicht verstanden hatte, schickte man abgehalfterte  Castingstars oder alternde Techno-DJs samt Stripperin ins Rennen. Die  Ergebnisse waren katastrophal und es half nur noch die &#220;bergabe der  &#246;ffentlich-rechtlichen Programmhoheit beim Eurovision Songcontest an den  Privatsender Pro 7 und die Produktionsfirma Brainpool. Wenn wir aber  GEZ entrichten, damit die Privaten die Inhalte liefern, dann ist das  Prinzip des Geb&#252;hrenzahlens ein gigantisches „Money for nothing“.</p>
<p>Im Rahmen von Stefan Raabs Bundesvision Song Contest wurde am 1. Oktober  durch Moderator Elton bereits die Entscheidung f&#252;r D&#252;sseldorf verk&#252;ndet.  Das war 11 Tage bevor die Intendanten den Austragungsort der  Gro&#223;veranstaltung &#252;berhaupt bekannt gaben. Entweder hatte  also die K&#246;lner Firma Brainpool die Entscheidung selbst getroffen, oder  man hatte bereits mitbekommen, wie sehr die Diskussion der Intendanten  in den Siebziger Jahren h&#228;ngen geblieben war. Damals waren Ruhr- und  Rheinland mit Gr&#246;nemeyer, Westernhagen, Lindenberg, Nena, Kraftwerk und BAP die Geburtsst&#228;tten Deutscher Popkultur. Seitdem ist es dort sehr still geworden.</p>
<p>Mit Ich &amp; Ich, Rammstein, Seeed, Peter Fox, Silbermond, Wir sind Helden oder Tokio Hotel kommen die wirklich erfolgreichen Interpreten fast geschlossen aus dem  Osten. Epizentrum des Deutschen Pop ist dabei eindeutig Berlin. Im  Flughafen Tempelhof kann man 8.500 Zuschauer unterbringen, in der  D&#252;sseldorfer Arena mehr als das dreifache. Man wolle Eintrittskarten  verkaufen, so begr&#252;nden die ARD Intendanten ihre <a href="http://www.faz.net/s/Rub1AF9D78C5CBD45ABA9EC978E01873DC7/Doc~E3030EA9B428B49C4950D5BAAC872F9BB~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Ortswahl</a>. Aber wozu  dann die GEZ Geb&#252;hren? „Money for nothing“!</p>
<p>Wiedervereinigung und Internet haben die Welt f&#252;r uns alle ma&#223;geblich  ver&#228;ndert. Bei vielen Entscheidern in den Medien ist  aber weder das  neue Deutschland noch die digitale Wirklichkeit angekommen.</p>
<p>Man  versteckt sich lieber hinter rheinischer Gem&#252;tlichkeit und  Altbier-Buden, statt auf dem imposanten Flughafen Tempelhof ein  vergn&#252;gtes, selbstbewusstes Deutschland Werbung f&#252;r das Land machen zu  lassen. Lieber zieht man sich aus dem normalen Fernsehen zur&#252;ck, als im  Internet wirklich neue Ideen zu wagen. Im Programm findet zunehmend  entweder nur noch Hochkultur, Volksmusik oder echter Trash aus Castingshows statt.</p>
<p><strong>Der Pop, der das Land kulturell geeint hat, flieht ins Netz.</strong></p>
<p>Die TV-Sender f&#252;hlen sich f&#252;r ihn nicht mehr verantwortlich. RTL 2 wird sich  erledigt haben, wenn die letzten Tabus fallen und der Sender alles gezeigt  hat, was niemand sehen wollte. Um MTV wird es einsam werden, sobald die Zuschauer f&#252;r ihre Inhalte zahlen sollen. Der Grandprix in  D&#252;sseldorf wird im schlimmsten Fall ein spie&#223;iges Deutschland-Bild à la Derrick produzieren,  f&#252;r das man im Ausland auf uns herabblickt.</p>
<p>Und irgendwann wird dann ein S&#228;nger  „I want my youtube“ zum besten geben, wenn eine neue Version von „Money  for nothing“ eingespielt wird.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_musik_im_fernsehen_geld_fuer_nichts.html">Motorblog</a>.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=35254&amp;md5=c61f7c7882f6bcd31d8e20772d51c58c" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Angeekelt kann man nur noch sagen: &#8220;Halt die Fresse Freifrau&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 20 Sep 2010 12:00:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Home]]></category>
		<category><![CDATA[Standard RSS]]></category>
		<category><![CDATA[Rockmusik]]></category>
		<category><![CDATA[Stephanie zu Guttenberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Stephanie Freifrau zu Guttenberg engagiert sich in der "Bild" gegen Kindesmissbrauch - und bringt f&#252;r populistische Belege das verdammt ernste Thema mit Rock'n'Roll und "Porno Chic" in Verbindung. Diese &#214;konomisierung der Sexualit&#228;t f&#252;r B&#252;cherverk&#228;ufe ist &#228;rgerlich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/08b58e19bbc64dd38ade534e89747c3e" alt="" width="1" height="1" />Noch jede Gattin eines Bundespr&#228;sidenten oder Bundeskanzlers hat ihr  soziales Thema. Von Pflanzenschutz (Loki Schmidt) bis Mukoviszidose  (Christina Herzog) war schon alles da. Nun kommt Stephanie Freifrau zu  Guttenberg mit Kindesmissbrauch ums Eck. Das Problem dabei ist nur, dass  ihr dauergutgelaunter Gatte das  entsprechende Amt noch gar nicht inne  hat und sie das verdammt ernste Thema mit Pop und einem von ihr  attestierten &#8220;Porno Chic&#8221; in ihrem Buch &#8220;Schaut nicht weg&#8221; in  Verbindung bringt.</p>
<div id="attachment_34074" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/innocence-guttenberg.jpg"><img class="size-medium wp-image-34074" title="innocence-guttenberg" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/innocence-guttenberg-300x198.jpg" alt="" width="300" height="198" /></a><p class="wp-caption-text">Stephanie Freifrau von und zu Guttenberg, Pr&#228;sidentin des &quot;Innocence in Danger e.V. &quot;</p></div>
<p>Abdrucken lie&#223; sie das alles zuerst in der <em>Bild</em>. Diese garnierte  das Thema mit halbnackten Fotos von Britney Spears und Lady Gaga.  Kolumnist Wagner lobte auf Seite zwei den unerm&#252;dlichen Einsatz der  Freifrau f&#252;r eine beh&#252;tete Kindheit, ohne den Einsatz effekthaschender  Sexualit&#228;t. Auf Seite Eins sa&#223; nackt Melanie aus Magdeburg, die Sex ohne  Liebe aufregend findet und M&#228;nnern laut <em>Bild</em>-Fragebogen zuerst auf den  Hintern schaut.</p>
<p>Nat&#252;rlich nervt ein plumper Umgang mit Sexualit&#228;t, egal ob im Pop,  Boulevard oder in der Werbung. In der Regel ist nacktes Fleisch leider Ausdruck von absoluter Ideenlosigkeit. Zu Recht singt Peter Licht:  <em>&#8220;Bitte nie mehr Sexualit&#228;t zeigen, bitte nie mehr und Nirgendwo, im  Zusammenhang mit Euren Produkten, bitte nie mehr Haut und nie mehr Po!&#8221;</em> (<a href="http://peterlicht.de/articles/melancholie-und-gesellschaft">Stilberatung</a>). Die &#214;konomisierung der Sexualit&#228;t ist &#228;rgerlich, egal  ob bei Springer-Zeitungen, Universal-CDs oder bei Freifrau zu Guttenberg, die  B&#252;cher verkaufen will.</p>
<p>Stephanie bef&#252;rchtet eine Verrohung durch den fr&#252;hen und omnipr&#228;senten  Sex. Sie lobt die bis zum Hals zugekn&#246;pfte Whitney Houston und die junge  Nena im Schlabber T-Shirt, welche in ihrer Kindheit sangen. – Bei mir kam  &#8220;Voulez vous coucher avec moi ce soir&#8221; aus dem &#196;ther als ich klein war  und meine Mutter wusste nicht, wie sie mir das &#252;bersetzen sollte. Im  Fernsehen schwangen die T&#228;nzerinnen des Musikladen Eurotops zu aktuellen  Hits ihre blanken Br&#252;ste und meine Deutschlehrerin in der Grundschule  kam ohne BH, aber mit halbtransparenter Bluse in den Unterricht. So  hatte ich vorher schon Uschi Glas auf CDU-Wahlplakaten gesehen.</p>
<p>Zugegeben, die Freifrau und mich trennen 12 Jahre, aber auch als die  kleine Stephanie mit Pop in Ber&#252;hrung kam, gab es bereits Madonna. Die  stand nackt trampend im Video zu &#8220;Erotica&#8221; an der Strasse und hatte auch  sonst bei der Interpretation ihrer Gassenhauer recht wenig an. Die  Texte hatten es schon damals bei allen Bands in sich. In &#8220;All Night  Long&#8221; sangen zum Beispiel AC/DC davon, dass das M&#228;dchen, mit dem man Sex  hat, fragt ob man ejakulieren w&#252;rde, obwohl man schon l&#228;ngst ejakuliert  habe und nimmt das zum Anlass einen die ganze Nacht hindurch zu  penetrieren. <em>&#8220;You Shook Me All Night Long&#8221; </em>hei&#223;t es im Refrain des Hits der rockenden Australier.</p>
<p>Die kleine kleine Stephanie scheint das damals sogar begeistert zu  haben. AC/DC z&#228;hlen sie und ihr Mann noch immer zu ihren Lieblingsbands.  Geben sie ein Konzert setzt sich Stefanie blinkende Teufelsh&#246;rnchen  auf, zieht sich der Freiherr eine Lederjacke an und sind die Fotografen  im Schlepptau. Diese dokumentieren dann wie cool das P&#228;rchen ist, wenn  sie sich eine Band angucken, deren Lead-Gitarrist Angus Young in  Schuluniform mit 55 Jahren einen z&#252;ngelnden Buben mimt und deren  fr&#252;herer S&#228;nger Bon Scott in Folge von Alkoholmissbrauch an seinem  Erbrochenen erstickte.</p>
<div id="attachment_34075" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/guttenberg-ac-cd-munich-20092.jpg"><img class="size-medium wp-image-34075" title="guttenberg-ac-cd-munich-20092" src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/09/guttenberg-ac-cd-munich-20092-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Hip: Die Guttenbergs auf einem ACDC-Konzert.</p></div>
<p>Nichts gegen konservative Politikergattinnen wie Tipper Gore, die aus  tiefer &#220;berzeugung dem Rock&#8217;n'Roll den Krieg erkl&#228;rten. Das ist nicht  mein Ding (und auf Dauer wohl auch nicht von Al Gore, der sie  verlassen hat) aber ihr gutes Recht. Nichts gegen Politikergattinnen wie  die des Bundespr&#228;sidenten, die aller Welt ihr Tatoo zeigen oder  Politikerinnen wie Franziska Drohse, die man im Watergate oder Claudia  Roth, die man bei Rainer von Vielen im Lido beim Feiern trifft. Als  braver, w&#228;hlender B&#252;rger bin ich f&#252;r vieles offen.</p>
<p>V&#246;llig inakzeptabel ist aber, sich einerseits des Rock&#8217;n'Rolls zu  bedienen, wenn es darum geht sich und den Gatten in der &#214;ffentlichkeit  als lustige CSU-Rebellen zu positionieren und ihn dann zu missbrauchen,  um einen populistischen Beleg f&#252;r Thesen rings um ein so schreckliches  Ph&#228;nomen wie Kindesmissbrauch zu haben. Angeekelt kann man da nur noch  sagen: &#8220;Halt die Fresse Freifrau&#8221;. Oder diplomatischer wie Peter Licht: <em>&#8220;Es gibt keinen wahren Po im Falschen&#8221;</em>.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erschien auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/motorblog/tim.renner/tim_renner_halt_die_fresse_freifrau.html">Motorblog</a>.</em>
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		<title>Berlin Music Week: &#8220;Drei h&#246;chst ungleiche Partner&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 11:26:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mit Berlin Festival, all2gethernow und Popkomm werden h&#246;chst unterschiedliche Veranstaltungen unter den Schirm der "Berlin Music Week" gezw&#228;ngt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/c15ef294d4d54915841783a49ccb3e4e" alt="" width="1" height="1" />Heute in zwei Wochen beginnt die <a href="http://www.berlin-music-week.de/"><em>Berlin Music Week</em></a>. Das Gemeinschaftsprojekt von drei h&#246;chst ungleichen Partnern soll vom 6. bis 11. September Antworten auf die Probleme liefern, an denen zuvor die Branchenmesse <a href="http://www1.messe-berlin.de/vip8_1/website/Internet/Internet/www.popkomm/deutsch/index.html">Popkomm</a> gescheitert ist.  Zu k&#228;mpfen hatte die im vorigen Jahr abgesagte Musikmesse in erster Linie mit den Folgen der Digitalisierung. Downloads lie&#223;en die Ums&#228;tze der Plattenfirmen einbrechen und die Branche begann sich neu und kleinteiliger zu organisieren.</p>
<p>Die Reaktion auf die Absage der Popkomm kam prompt: Eine <a href="http://a-2-n.de/about">Gemeinschaft aus Netz- und Musikaktivisten</a> (zu der auch die re:publica-Veranstalter newthinking und der Autor geh&#246;ren) startete als gemeinn&#252;tziger Verein ein offenes Diskussionsforum, um sich den Problemen zu stellen. Im Rahmen der <a href="http://a-2-n.de/">all2gethernow</a> (kurz a2n) wurden 2009 erstmals nach L&#246;sungen f&#252;r Bands, Labels und Internet-Community gesucht. Kurz darauf feierte das &#8220;<a href="http://www.berlinfestival.de">Berlin Festival</a>&#8221; seine Premiere auf dem Flughafen Tempelhof. Veranstaltet wird es von der privatwirtschaftlichen Melt/intro-Gruppe.</p>
<p>Neben den Verlegern und Veranstaltern von Melt/intro wurden jetzt der Verein a2n und die st&#228;dtische Messe in der <em>Berlin Music Week</em> zusammengefasst. Man wollte sich vernetzen und nicht gegeneinander arbeiten. Das war einerseits ein Gebot der Logik, andererseits aber auch ein Wunsch der Stadt. Von der Zusammenarbeit verspricht man sich  Denkanst&#246;sse mit dem Begin des a2n-Camps am 6. und 7. September in der Kulturbrauerei und Konzerth&#246;hepunkte mit dem &#8220;Berlin Festival&#8221; bis zum 11. September auf dem Rollfeld von Tempelhof. Zwischendurch, am 8. und 9. September, wird in den Ankunftshallen der Neustart der Popkomm gewagt.</p>
<p>Die Interessen der Partner sind dabei dennoch durchaus unterschiedlich: W&#228;hrend die a2n f&#252;r Musiker und Musikproduzenten attraktiv sein m&#246;chte, muss das &#8220;Berlin Festival&#8221; Karten an Konzertg&#228;nger verkaufen und die Messe jede Menge Fl&#228;che vermarkten. Das zeigt sich auch in der alles andere als homogenen Preisstruktur. W&#228;hrend zwei Tage a2n-Teilnahme f&#252;r 30 Euro zu haben sind, gibt es das Popkomm-Ticket f&#252;r alle Tage nicht unter 236 Euro. Der m&#228;chtige Preis wird damit begr&#252;ndet, dass man daf&#252;r auch Zutritt beim Festival und der a2n erh&#228;lt.</p>
<p>Viele potenzielle Teilnehmer der Popkomm schreckt ein solcher Preis aber wohl eher ab, denn heutzutage sind viele Bands zugleich ihre eigene Plattenfirma und m&#252;ssen auf ihr Budget achten. Gro&#223;e Konzerne wie Universal, Sony, Warner und EMI, f&#252;r die der Preis wohl weniger ins Gewicht f&#228;llt, stellen eine deutliche Minderheit in der Breite der Musikbranche dar.</p>
<p>Die Preispolitik wird sicher auch dadurch begr&#252;ndet, dass das Gesch&#228;ftsmodell der Messe im Verkauf von Standfl&#228;chen besteht. Die Messe, der weitaus gr&#246;&#223;te Partner im Verbund der <em>Berlin Music Week</em>, hat ihre Aufgabe auch bereits erledigt: Die Ausstellungsfl&#228;chen auf den Flughafen Tempelhof sind ausverkauft. Der verantwortliche Messe-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Kleinhenz war dar&#252;ber so begeistert, dass er glatt alle zuvor getroffenen Absprachen der Partner der <em>Berlin Music Week</em> verga&#223;: Eigentlich wollte man Fakten und Neuigkeiten geb&#252;ndelt und zusammen kommunizieren. Mit einer schnell einberufenen Pressekonferenz am vergangen Dienstag eilte er seinen Partnern davon. Den geladenen Medienvertretern wurde verk&#252;ndet, dass neben diversen Exportb&#252;ros aus allerlei L&#228;ndern und Regionen nun auch die EMI zur Teilnahme habe &#252;berredet werden k&#246;nnen.</p>
<p>Wer sich auskennt wei&#223;, dass die EMI mit ihrer Schuldlast von 2.9 Milliarden Euro das Griechenland der Musikbranche ist. Hoffentlich hat sie ihren Stand bereits vorab bezahlt. Auch die anderen Mieter sind gro&#223;teils Beleg einer noch nicht zu Ende durchlebten Strukturkrise der Musikwirtschaft: Es sind fast ausschlie&#223;lich st&#228;dtische oder staatliche Organisationen. Nicht nur in Deutschland wurde Popmusik im &#220;bergang von gro&#223;en zu kleinen Strukturen Gegenstand staatlicher F&#246;rderpolitik. Eine Popkomm, auf der sich die unterschiedlichen staatlichen Programme gegenseitig pr&#228;sentieren, hat aber eher einen gesch&#228;ftsfremden Charme und erinnert viel mehr an die „Schaufenster des Sozialismus“ genannten Leipziger Fr&#252;hjahrsmessen.</p>
<p>Egal ob Musik, Presse, Rundfunk, Kino – die Digitalisierung f&#252;hrt dazu, dass die Strukturen unter Druck geraten, Produzenten und Konsumenten jedoch an Bedeutung gewinnen. Mit Hilfe des Internets tauschen beide Seiten sich n&#228;mlich oft g&#228;nzlich ohne Mittelsmann aus. Die a2n versucht deshalb Musiker zu binden und ihnen etwas zu bieten: Brachenexperten werden ihnen einen ganzen Tag in einer „Werkstatt“ zu ihrer eigenen Musik Rede und Antwort stehen, der Produzent und Schlagzeuger Martin Atkins (u.a. Nine Inch Nails) erkl&#228;rt das neue Musicbusiness und die Gr&#252;nder von „Flattr“ werden aufzeigen, wie Micropayment funktioniert. Das &#8220;Berlin Festival&#8221; versucht Konzertbesucher im Scharen heranzuziehen: Mit Hot Chip, LCD Soundsystem, Fatboy Slim und vielen mehr werden fast alle Stars der elektronischen Musikszene aufgeboten. Beides wird hoffentlich im gro&#223;en Rahmen angenommen werden.</p>
<p>Nur die konsequente Einbeziehung derer, die Musik machen und derer, die sie konsumieren, wird auf Dauer zu einer erfolgreichen Re-Etablierung der Popkomm f&#252;hren k&#246;nnen. Der f&#252;r die Messe verantwortliche Wirtschaftssenat wird sich das Treiben auf der <em>Berlin Music Week</em> sicher genau anschauen. Bleibt es beim bislang diskutierten Timing f&#252;r das Jahr 2011, findet sie dann direkt vor der Wahl statt&#8230;</p>
<p><em>Diesen Text hat Tim Renner f&#252;r Carta und sein <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/">Motorblog</a> geschrieben.</em>
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		<title>Berlin vor der Landtagswahl: Die CDU auf der Suche nach einer gr&#252;nen Sommerliebe</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 08:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Sommer ist eine herrliche Zeit f&#252;r Flirts: Die CDU umwirbt vor der Landtagswahl 2011 die Gr&#252;nen, denn die sind momentan die triumphierenden Super-Modells der Berliner Politik. Doch f&#252;r mehr als einen Sommer-Flirt fehlt der CDU die Grunderneuerung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/2022c1e58e704e04babd66cbe39137b3" alt="" width="1" height="1" />Der Sommer ist eine herrliche Zeit f&#252;r Flirts. Wer noch keine Sommerliebe hat, der sucht sich schnell eine. Diese Verwirrung der Gef&#252;hle macht auch vor Unionspolitikern nicht halt. Selbst aus dem Urlaub dient sich deshalb Thomas Heilmann den gr&#252;nen Damen Pop und K&#252;nast an. Gerne auch als Junior-Partner m&#246;chte er ab September 2011 mit ihnen in Berlin regieren, l&#228;sst der CDU-Vize die erstaunte &#214;ffentlichkeit aus den Ferien wissen. <em>Welt </em>und <em>Morgenpost </em>machten daraus gro&#223;e Schlagzeilen.</p>
<p>Wir sind fr&#252;her mit unseren InterRail-Tickets immer zuerst nach Lloret de Mar gefahren. Nicht weil der Ort so sch&#246;n war: Es lockten dort die britischen Touristinnen, die es auf den Tanzfl&#228;chen zu erobern galt. Sonderlich schwer war das nicht. Sie wollten auch nicht am n&#228;chsten Tag am Strand auf ihrem Badelaken allein den Rausch ausschlafen. Es gab also ma&#223;gebliche Gemeinsamkeiten.</p>
<p>Weit mehr als zwischen CDU und Gr&#252;nen. Am n&#228;chsten Tag mussten wir uns nicht streiten &#252;ber <strong>grunds&#228;tzlich unterschiedliche Positionen</strong> in der Bildungspolitik, oder bei Fragen der Energie und der Privatisierung. Wenn es die Englischkenntnisse hergaben ging es bestenfalls um gemeinsame Planung des n&#228;chsten Abends – und halten musste die Beziehung keine Legislaturperiode, sondern nur bis zur baldigen Weiterreise.</p>
<p>Zudem waren die britischen Touristinnen auch nicht das, was zurzeit die Gr&#252;nen sind. Aus gutem Grund haben wir versch&#252;chterten, hanseatischen Gymnasiasten uns nicht an die eleganten Franz&#246;sinnen, die k&#252;hlen Skandinavierinnen oder die rassigen Spanierinnen getraut. Britinnen waren ein sehr realistisches und uns scheinbar ebenb&#252;rtiges Ziel unserer Begierde.</p>
<p>Eine von st&#228;ndigen F&#252;hrungswechseln und Richtungsk&#228;mpfen gebeutelte Berliner CDU ist heute sicher auch nicht viel attraktiver als wir verpickelten Rucksackreisenden es damals waren. Die in der Opposition brillierenden, in den <a href="http://www.wahlumfrage.de/?p=4825">Umfragewerten</a> triumphierenden <strong>Gr&#252;nen </strong>sind hingegen momentan die <strong>Super-Modells der Berliner Politik</strong>. An denen verhebt man sich, selbst wenn man wie Thomas Heilmann anbietet, von vornherein in die zweite Reihe zu gehen.</p>
<p>Wichtig war vor den Sommerreisen mit den besten Freunden auch immer die eigene Grunderneuerung. Das Sparschwein wurde geknackt, die Oma angeschnorrt und zur Vorbereitung ging es dann neue Jeans kaufen (die Schlaghosen von C&amp;A waren untragbar geworden), ein Imitat einer Rayban Sonnenbrille musste her und der Friseur behob die Folgen des letzten, m&#252;tterlichen Haarschnitts. <strong>Eine solche Grund&#252;berholung haben in Berlin aber sowohl CDU als auch FDP verpasst</strong>. Sie bleiben, wie alle Wahlergebnisse der letzten 20 Jahre zeigen, reine West-Berliner Parteien. K&#246;pfe wie Steffel, L&#246;ning oder Henkel sind jenseits der Mauer und Neu-Berlinern wie mir nicht vermittelbar. Die Zeit ist f&#252;r sie stehen geblieben, so wie es damals das Modeverst&#228;ndnis meiner Mutter war.</p>
<p>Die CDU h&#228;tte mit der profilierten Kulturpolitikerin Monika Gr&#252;tters und mit einem angesehenen Unternehmer aus der Kreativwirtschaft wie Thomas Heilmann das Potential zur Wende ins Berliner Hier und Jetzt. Diese kann aber nur vollzogen werden, wenn solche Pers&#246;nlichkeiten auch gezielt der Partei voran gestellt werden und die anderen im Glied verschwinden. Einer Spitzenkandidatin K&#252;nast wird man aber keine Frau wie Gr&#252;tters entgegen setzen und nach einer Koalitionsaussage f&#252;r die Gr&#252;nen die konservative Basis nicht noch weiter mit einem modernen Politiker wie Heilmann verunsichern.</p>
<p>Ohne eine solche Konsequenz scheitert jedoch zwangsl&#228;ufig die Erneuerung. Eine FDP, die Martin Lindner als quer denkenden Neuberliner die Berliner Fraktion managen lie&#223;, holte fast acht Prozent. Nun, nachdem er sich in die Bundespolitik verabschiedet hat, weil der fr&#252;here Vorsitzende L&#246;ning am Amt und die Partei an L&#246;ning klebte, ringt man mit der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde. Erneuerung muss mit Personen langfristig verfestigt werden.</p>
<p>Ich kann Thomas Heilmann verstehen. Es ist Sommer und die Gr&#252;nen scheinen verdammt sexy zu sein. Seine Partei hat aber noch nicht einmal den Rucksack gepackt, um &#252;berhaupt den Aufbruch per InterRail zu wagen. Man h&#228;ngt an der Vergangenheit und somit an Mutters Rockzipfel. Im Urlaub geht es mit den Eltern bestenfalls nach Damp 2000 und dort fr&#252;h ins Bett. Auf der Tanzfl&#228;che der Berliner Zukunft schieben derweil Wowereit, K&#252;nast und Wolf aneinander l&#228;chelnd vorbei, deren Parteien den Aufbruch ins neue Berlin wagten &#8211; oder wie die Linken aus historischen Gr&#252;nden wagen mussten.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint gek&#252;rzt auch in der <a href="http://www.morgenpost.de/printarchiv/berlin/article1369206/Und-immer-lockten-die-Britinnen.html">Morgenpost</a>. Thomas Heilmann ist dort ebenfalls Kolumnist.</em>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=31873&amp;md5=cb29ae132baebea46649c68318afcbce" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Einigkeit und Recht und Spitzensteuersatz</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 16:07:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein paar Prozent Steuern mehr oder weniger tun der Motivation der meisten Spitzenverdiener keinen Abbruch und sind sozial gerecht. Sie wollen Menschen helfen, sich selbst beweisen, einmal in ihrem Leben Weltmeister werden – und eben auch ihren Beitrag zum Sparpaket leisten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a1225d656fd04006b73b6c7144028c7d" width="1" height="1" alt=""/>Geht es wirklich nur ums Geld, oder wieso f&#228;hrt eine Mannschaft zur Weltmeisterschaft? Wieso geben junge Menschen ihren verdienten Sommerurlaub auf, um sich stattdessen im s&#252;dafrikanischen Winter in die Knochen treten zu lassen? Ist ihr Antrieb die Siegpr&#228;mie? Im Falle von Deutschland wurden immerhin 250.000 Euro pro Nase f&#252;r den vierten Titelgewinn ausgeschrieben. Das sind 747,7 mal Hartz IV (ohne Miet- und Heizkostenzuschuss) f&#252;r jeden, aber nur 12,5 Prozent des Jahresgehalts ihres Kapit&#228;ns Philipp Lahm bei Bayern M&#252;nchen.</p>
<p>Es ist nicht anzunehmen, dass unsere Mannschaft schlechter gespielt h&#228;tte, wenn sie die potentielle Pr&#228;mie statt zum aktuellen Spitzensteuersatz von 45 Prozent (=112.500.- Euro) mit 53 Prozent (=132.500.- Euro) h&#228;tte versteuern m&#252;ssen, so wie das letzte Mal, als sie den Titel 1990 gewann. F&#252;r den Deutschen Fiskus macht das bei 23 Spielern alleine eine knappe halbe Million Unterschied aus. Beim Titelgewinn 1974 waren es sogar noch 56 Prozent Steuern, die in der Spitze zu zahlen waren.</p>
<p>Die elf Mann denken garantiert nicht an Geld, wenn sie auf dem Rasen stehen und die Nationalhymne erklingt. Egal, ob sie gerade Koransuren runterbeten, wie angeblich Mesut &#214;zil, oder sich versuchen an den Text zu erinnern, so wie es manchmal bei Lukas Podolski wirkt, ihr Antrieb dort zu sein ist eine Mischung von Ehrgeiz, Ehre und Spa&#223;.</p>
<p>Noch viel lieber als „Einigkeit und Recht und Freiheit“ w&#252;rden die Jungs aus dem Volke sicher die geheimen Nationalhymnen mitsingen. Egal, ob Gr&#246;nemeyers „Mensch“ oder Westernhagens „Freiheit“. Bei beiden Songs w&#228;re das gesamte Team wahrscheinlich geschlossen textsicher. „Mensch“ handelt von der Sehnsucht, in W&#252;rde scheitern zu d&#252;rfen, „Freiheit“ vom Traum unvern&#252;nftig und ekstatisch zu sein. Das eine Bed&#252;rfnis ist zutiefst katholisch und passt zum gem&#252;tlich wirkenden S&#228;nger aus dem Ruhrpott, das andere ist wie das Sprengen enger, protestantischer Fesseln und wird in Form und Auftritt des schmalen D&#252;sseldorfer Musikers sehr glaubw&#252;rdig. Obwohl in den pers&#246;nlichen Biografien einige Kilometer fehlen, um das Bild rund zu machen, wirkt es wie n&#246;rdlich und s&#252;dlich von Rhein und Main und beides ist trotz Glaubensgrenzen extrem Deutsch. Deshalb sind beide wohl auch so eine Art deutsche „&#220;ber-Musiker“ geworden und wurden von den Medien als Antipoden aufgebaut.</p>
<p>Mittlerweile kreuzen sich ihre Wege wieder. Der eine entzieht sich nicht mehr durch seinen fr&#252;heren Wohnort London, den anderen trifft man nicht mehr nur in den ruhigen Seitenstra&#223;en Hamburgs. Genauso wie die Bundesregierung sind sie immer &#246;fter in Berlin zu sehen. Anders als diese pendeln sie dabei aber nicht zwischen Regierungsgeb&#228;uden und Amtsvillen in Zehlendorf oder Prachtwohnungen im Prenzlauer Berg, sondern begeben sich in den Kulturbetrieb, der sie mit allen Facetten Berlins versorgt. Als K&#252;nstler sind sie neugierig und erkunden jeweils auf ihre Weise Stadt und Szene. Sie haben bereits das glamour&#246;se Berlin kennengelernt, aber auch das dreckige und prek&#228;re.</p>
<p>Kein Wunder also, dass sie unabh&#228;ngig voneinander zu denselben Schl&#252;ssen kommen, wenn es um das Sparpaket der Bundesregierung geht. &#214;ffentlich <a href="http://www.n-tv.de/politik/Merkel-soll-Spitzensteuer-erhoehen-article930403.html">bekunden</a> sie, dass nicht einzusehen ist, dass die Krise auf den R&#252;cken der &#196;rmsten ausgetragen wird, w&#228;hrend der Spitzensteuersatz f&#252;r Gro&#223;verdiener wie sie unver&#228;ndert auf einem historischen Tiefpunkt bleibt. Beide haben sicher auch viele Kosten, denn um sie herum sind Strukturen entstanden und daher haben beide nichts zu verschenken. Aber sie haben, genauso wie &#214;zil, Podolski und Co den Luxus nicht nur f&#252;r Geld sondern f&#252;r ihre Leidenschaft zu arbeiten.</p>
<p>Die meisten Spitzenverdiener treten nicht nur ob des Gehaltschecks in ihren Praxen, Firmen oder auf der B&#252;hne an. Sie wollen Menschen helfen, sich selbst beweisen, ihrer Seele Luft machen oder eben einmal in ihrem Leben Weltmeister werden. Ein paar Prozent Steuern mehr oder weniger tun ihrer Motivation keinen Abbruch und sind sozial gerecht. Es ist zu hoffen, dass sich &#214;zils und Podolskis Traum noch erf&#252;llt, wie er sich f&#252;r Gr&#246;nemeyer und Westernhagen sicher schon erf&#252;llt hat und dass irgendwann alle mit ein paar Prozentpunkten mehr zur Gesundung der Finanzen der Gemeinschaft beitragen werden.</p>
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		<title>Hannovernication: &#8220;Nichts&#8221; ist bei weitem nicht genug.</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jun 2010 09:33:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Christian Wulff]]></category>

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		<description><![CDATA[Was wird ein Bundespr&#228;sident Wulff aus Hannover ver&#228;ndern? – Nichts! Das ist das Problem und das Prinzip.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/3115f933fb134627b4cc7761b49ae0c0" alt="" width="1" height="1" />War Lena das trojanische Pferd Hannovers? Vor zwei Wochen haben wir sie noch bejubelt. Die Unbek&#252;mmertheit, die Nat&#252;rlichkeit, die erfrischende Naivit&#228;t, mit der sie uns und Europa &#252;berraschte, wurde in Blogs und Artikeln gefeiert. <a href="http://carta.info/28196/das-lena-prinzip-mehr-als-die-summe-der-einzelnen-teile/">Auch von mir</a>. Sp&#228;testens als sie bei Ankunft in Hannover in den Armen von Christian Wulff lag, sich ins goldene Buch der Stadt eintrug und Universal Music Manager unter Einfluss von Restalkohol in Hannovers Fu&#223;g&#228;ngerzone auf der Pro 7 B&#252;hne &#8220;So ein Tag, so wundersch&#246;n wie heute&#8221; gr&#246;lten, h&#228;tten wir gewarnt sein m&#252;ssen: Nach der Feier kommt der Kater und es droht die Hannoveranisierung der Republik. Nicht mehr lang und &#8220;Wind Of Change&#8221; k&#246;nnte unsere zweite Nationalhymne werden.</p>
<p>Vor der Wiedervereinigung wurde Deutschland von M&#252;nchen als Metropole bestimmt. Auch ohne bayerischen Kanzler war die Republik krachledernd, manchmal polternd, aber immer am Ergebnis und an Effizienz orientiert. Deutschland war als Land, wie Bayern M&#252;nchen als Fu&#223;ballverein: Meist erfolgreich, aber dabei immer wenig sympathisch. Eine Vision hatte dieses Deutschland bestenfalls wenn es darum ging, etwas Gutes noch besser zu machen. Alle anderen Visionen kurierte man, wie ein Altkanzler empfahl, beim Arzt.</p>
<div id="attachment_28852" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/hannover1.jpg"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/uploads/2010/06/hannover1-300x196.jpg" alt="Hannover ist spektakul&#228;r langweilig, denn in Hannover regiert Pragmatismus." title="hannover" width="300" height="196" class="size-medium wp-image-28852" /></a><p class="wp-caption-text">Hannover ist spektakul&#228;r langweilig, denn in Hannover regiert Pragmatismus.</p></div>
<p>Nach der Wiedervereinigung versuchte die alte Republik zu &#252;berleben in dem sie die Ver&#228;nderung des Status Quo ignorierte. Das ging nur so lange gut, wie man die neuen Bundesl&#228;nder mit dem M&#228;rchen von den &#8220;bl&#252;henden Landschaften&#8221; bet&#228;uben konnte. Als denen auffiel, dass sie verarscht wurden, &#228;nderte sich das <em>role model</em>. Berlin wurde nicht nur Hauptstadt, sondern auch Vorbild. Die Republik wollte nicht mehr perfekt sein, sondern frei, schmutzig und neugierig. Die Musik dazu kam erstaunlich frech und l&#228;ssig von Peter Fox, Wir sind Helden, Mia, Whitest Boy Alive, Polarkreis, Bonaparte und all den anderen aus Berlin oder dem Rest des Ostens. Dass Hertha in einer Saison fast Meister wird und direkt danach absteigt, war typisch aber erstmal auch egal.</p>
<p>Nun also Hannover. <strong>Das Schlimme an Hannover ist, dass Hannover nicht einmal schlimm ist.</strong> Hannover ist spektakul&#228;r langweilig, denn in Hannover regiert Pragmatismus. Egal ob gesichtsloser St&#228;dtebau, vor sich hin d&#252;mpelnder Fu&#223;ballclub, ein Komiker wie Pocher, der lacht bevor die Pointe kommt, Hardrocker wie Skorpions, die damit erfolgreich werden, dass sie als Aerosmith-Imitatoren vor Volkshochschullehrern auftreten: Aufregen mag man sich dar&#252;ber nicht, hingucken aber auch nicht. Logischer Reflex ist die Stadt und ihren Output einfach zu ignorieren.</p>
<p>Wahrscheinlich kommt Hannover dabei raus, wenn man Hamburg und Rostock miteinander kreuzt. Wenn das stimmt, werden wir bereits seit 2005 von Hannover in fleischgewordener Form regiert. Angela Merkel, biografisch gepr&#228;gt von beiden St&#228;dten, gibt sich mit purem Machterhalt zufrieden – Hannover mit der Karmarschstrasse (eine Fu&#223;g&#228;ngerzone) als Boulevard. Daraus erwuchs auch die unverhoffte Chance f&#252;r den n&#228;chsten Hannoveraner: Bislang war ein Bundespr&#228;sident ein <em>elder statesman</em>, der ob Alter und W&#252;rde &#252;ber den Parteien steht (von Weizs&#228;cker, Rau&#8230;), oder eine Pers&#246;nlichkeit, die zumindest nicht direkt aus den Partei-Apparat stammte (Herzog und K&#246;hler). Jetzt ist es jemand den Merkel entsorgen muss, der Hannoveraner Wulff.</p>
<p>Der weiche Ministerpr&#228;sident mit dem Dauerl&#228;cheln und gern gesehene Gast auf Hamburger Yuppie-Parties ist der letzte Mann in den Reihen der CDU, der Merkel noch gef&#228;hrlich werden k&#246;nnte. Kein gro&#223;er Opponent, aber – nach R&#252;ttgers und M&#252;llers Niederlagen, &#214;ttingers Wegbef&#246;rderung, Kochs Abdankung, Merz&#8217; Aufgabe, Althaus&#8217; Skiunfall und Sch&#228;ubles krankheitsbedingter Schw&#228;chung – schlichtweg der letzte Mohikaner als potentieller Nachfolger im Kanzleramt. Mit der Wahl zum Bundespr&#228;sidenten hat sich auch dieses Thema f&#252;r immer erledigt. Danach darf er nicht einmal mehr in die Wirtschaft gehen, von der Politik mal ganz zu schweigen&#8230;</p>
<p>Was wird ein Bundespr&#228;sident Wulff aus Hannover ver&#228;ndern? Nichts, das ist das Problem und das Prinzip. <strong>Wenn die Weltwirtschaft kollabiert, das Klima zur Bedrohung wird, im Digitalen neue Realit&#228;ten entstehen und sich in Parlamenten keine klaren Mehrheiten mehr bilden lassen, ist <em>Nichts</em> bei weitem nicht genug.</strong> Entweder an der Spitze des Staates steht eine Person, die eine breite Akzeptanz besitzt und in der Lage ist ihre Autorit&#228;t st&#252;tzend oder lenkend einzusetzen, oder es braucht den Job Bundespr&#228;sident schlichtweg nicht. Ihn im Sinne von Partei- und Machtpolitik besetzen zu wollen ist die gr&#246;&#223;te Missachtung der W&#252;rde des Amtes seit Gr&#252;ndung der Bundesrepublik.</p>
<p>Wenn die Scorpions vom Gorky Park singen, hat das nichts mit den Gef&#252;hlen der Menschen beim &#220;berwinden der Unfreiheit zu tun, kapitalisiert diese aber im Nachhinein als &#8220;Wind Of Change&#8221;. Das ist Pose. Damit Geld zu verdienen ist langweilig aber nicht illegitim. Politik darf jedoch nicht zur Pose verkommen. Der letzte der das begriffen hat, hat sich ausgerechnet nach Hannover ins Reihenhaus zur&#252;ckgezogen. Dort sitzt der Altkanzler aus Ostwestfalen, der ob seines Muts zur Ver&#228;nderung abgew&#228;hlt wurde, gie&#223;t Begonien, wirbt f&#252;r Pipelines, steht f&#252;r Politik aber nicht mehr zur Verf&#252;gung. Hannovernication!</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im Motorblog.</em>
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		<title>Das Lena-Prinzip: Mehr als die Summe der einzelnen Teile</title>
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		<pubDate>Mon, 31 May 2010 09:55:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Autoren-Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Pop]]></category>
		<category><![CDATA[Zukunft]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutschland war beim Grand Prix fr&#252;her ein Hort der Spie&#223;igkeit - der Streber Europas. Lena trat jedoch an, um Spa&#223; zu haben und hat gerade auch deshalb gewonnen. Das ist das neue Deutschland.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/a43686b6bf11492782cb430f8bc315ff" alt="" width="1" height="1" />Es mag nur ein nettes Poplied sein und Lena eine erfrischend  unbek&#252;mmerte Gymnasiastin aus Niedersachsen, doch f&#252;r Deutschland  bedeutet der Erfolg in Oslo mehr, als die Summe seiner einzelnen Teile.  Vorgestern ging es darum wie Europa und letztlich auch der Rest der Welt  Deutschland sehen will und ob wir uns selbst als Land der Vergangenheit  oder der Zukunft begreifen.</p>
<p>Der Eurovision Song Contest war ein idealer Rahmen f&#252;r diesen  Schicksalstest. Noch lange vor der Olympiade 1972 und der WM 1974 war es  der erste Gro&#223;-Event mit dem Deutschland in den Scho&#223; der  Weltgemeinschaft zur&#252;ckkehrte. Gleich der zweite Grand Prix d’Eurovision  de la Chanson fand 1957 in Frankfurt am Main statt. Seither hat er f&#252;r  uns Deutsche etwas Kultisches, obwohl die viel erfolgreicheren Nationen  wie Gro&#223;britannien ihn bel&#228;cheln oder wie Luxemburg (5 mal gewonnen!)  gar nicht mehr teilnehmen.</p>
<p><strong>Deutschland nutzte seither den S&#228;ngerwettstreit um sich so darzustellen,  wie man sich selbst sehen wollte.</strong> Bis 1998 hie&#223; das nett, klein, brav  und doch irgendwie international und integrativ. Es wurden nette, kleine  Schlager vorgetragen von erfahrenen Schnulzens&#228;ngern oder perfekt  assimilierten Mitb&#252;rger aus West- und Ost Europa, die wir ins Rennen  schickten. Katja Ebstein war da schon fast die Ausnahme, Mary Roos, Lena  Valaitis, Wencke Myhre und Rum&#228;nen, die sich als Mongolen ausgaben  (Dschingis Khan), die Regel. Deutschland ein einig Schrebergarten mit  vielen, bunten Gartenzwergen und exotisch gew&#252;rzten Grillspie&#223;chen auf  Holzkohle.</p>
<p>Dieser Hort der Spie&#223;igkeit entstand nat&#252;rlich in M&#252;nchen, der heimlichen  Hauptstadt der alten Bundesrepublik. Dort residiert auch der oberste  Laubenpieper namens Ralph Siegel. Kurz vor dem Finale in Oslo prophezeite  er im Interview Lena noch den Untergang. Die h&#252;bsche Kleine k&#246;nne  einfach nicht wirklich singen und das ganze sei der Wettstreit der  Besten, so die Sorge des Altmeisters. Er besa&#223; die Deutungshoheit,  schlie&#223;lich hatte er zum einen die absolute Mehrheit aller Songs  geschrieben mit den Deutschland teilgenommen hat, zum anderen au&#223;er ihm  nie einer einen Gewinnersong produziert.</p>
<p>In meiner Erinnerung sa&#223; <a href="http://www.youtube.com/watch?v=GvD8Y6gr9lk">Nicole 1982</a> im weiten Bl&#252;mchenkleid mit ihrer  Wandergitarre auf der B&#252;hne des englischen Kurorts Harrogate. Mit  l&#228;ssigem Pop hatte das nichts zu tun. Eher mit einer Diskussionsrunde  &#252;ber Entwicklungspolitik in einer christlichen Teestube. In sich gekehrt  l&#228;chelnd lieferte die 17j&#228;hrige f&#252;r Deutschland ein R&#252;hrst&#252;ck in Sachen  Friedensliebe ab. Das war Aufarbeitung einer historischen Schuld, aber  kein Vergn&#252;gen. Europa erkannte das an und belohnte es mit dem ersten  Platz.</p>
<p>L&#228;ssig kann nur sein, wer locker ist und sich selbst liebt. Wir  Deutschen dachten, das d&#252;rften wir nach dem zweiten Weltkrieg nicht  mehr. Deshalb wurden wir die Streber Europas. Wir feierten Arbeitssiege  bei der Weltmeisterschaft und S&#228;ngerinnen mit politisch korrektem  Schlager fern jedes Sexappeals. Die Stadionrunde mit Flagge ersparten  wir uns genauso wie Nicole nicht ein zweites Mal mit schwarz-rot-gold  auf die B&#252;hne gekommen w&#228;re. &#220;bersehen haben wir dabei, dass uns die  Welt genau deshalb misstraute. <strong>Wer sich selbst nicht mag, mag n&#228;mlich in  Wirklichkeit auch niemand anderen.</strong></p>
<p>Solange der Riese Kohl regierte, konnte dies nicht begriffen werden.  Deutschland b&#252;ckte sich nach der Wiedervereinigung um so mehr, versuchte  fast ein Jahrzehnt lang der Welt klarzumachen, dass wir mit 16  Millionen weiteren Bundesb&#252;rgern eher noch spie&#223;iger und braver geworden  sein. International hatten wir keine Meinung, sondern waren bestenfalls  Vermittler. Musikalisch setzten wir diese Haltung in Form von Grand  Prix-Beitr&#228;gen fort. Nur nicht auffallen, nur nicht anecken.</p>
<p>Deshalb war der Auftritt von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=X3q7Y3fgTIc">Guildo Horn 1998</a> auch so auff&#228;llig.  Deutschland verlie&#223; mit dem Machtwechsel sein angestammtes Konzept und  pr&#228;sentierte sich mit einem durchgedrehten Hippie und einem Ulk-Song  namens „Guildo hat Euch lieb“. Das moderne Deutschland wollte witzig  sein. Das merkte man und deshalb war es so wenig komisch und locker – wie  zwei Jahre darauf auch Stefan Raab mit „Wadde Hadde Dudde Da“.  Dazwischen schickten wir lustige, Polonaise tanzende T&#252;rken mit „Kud&#252;s’e  Seyahat (Reise nach Jerusalem)“, um uns als Einwanderungsland zu  zeigen. <strong>Relaunch Germany war in der ersten Runde missgl&#252;ckt.</strong></p>
<p>Die Experimente waren vorbei, als die n&#228;chste Regierung an die Macht  kam. Mit Gracias Einsatz in der Ukraine hielt 2005 der erste Castingstar  als deutscher Repr&#228;sentant Einzug. In der &#196;ra Merkel ging es damit  zur&#252;ck zu deutschen  Tugenden. Wer das Land vertrat, war also &#8211; wie Gracia  oder die No Angels vorher &#8211; von einer Jury gepr&#252;ft, gedrillt und  gedem&#252;tigt worden, <strong>als w&#228;re Pop so etwas wie eine Grundausbildung der  Bundeswehr auf Privatsendern.</strong> Alternativ war der Vertreter der  Flei&#223;nation Deutschland selbst ein Casting-Show-Schleifer wie Alex  Christensen.</p>
<p>Noch nie in der Geschichte des Grand Prix war Deutschland so  unerfolgreich. Auf das Land der preu&#223;ischen Tugenden hatte international  keiner mehr Lust. Die <em>BILD</em> beschimpfte zwar noch die „Balkan Mafia“ der  Staaten des ehemaligen Jugoslawiens und beklagte Stimmenverschiebereien  im fr&#252;heren Ostblock, das Ergebnis blieb trotzdem bodenlos. Man hatte  die Zeichen der Zeit nicht erkannt und das obwohl sie sich schon seit  der WM 2006 im eigenen Land abgezeichnet hatten. Egal ob in der Fanmeile  oder auf dem Fu&#223;ballplatz: Deutschland war pl&#246;tzlich l&#228;ssig.  Es ging  nicht mehr nur ums Gewinnen, sondern ums Vergn&#252;gen. Man wurde nur  Dritter und alle hatten mordsm&#228;&#223;ig Spa&#223;.</p>
<p>Lena ist ein Kind der WM 2006 und hat uns das damit einhergehende Gef&#252;hl  der L&#228;ssigkeit zur&#252;ckgebracht. Deutschland w&#228;re nicht Deutschland,  wenn wir uns gleich getraut h&#228;tten, eine schlacksige junge Dame ins  Rennen zu schicken, die zuvor noch nie gesungen hat. Nat&#252;rlich musste  auch sie durch ein Casting. Dort traf sie aber nicht auf Qu&#228;lerei und  Zynismus von Produzenten und ehemaligen Mitarbeitern der Musikindustrie  wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ sondern auf gestandene Musiker  wie <a href="http://www.motor.de/kuenstler/marius_mueller_westernhagen">Westernhagen</a>,  <a href="http://www.motor.de/kuenstler/jan_delay">Jan Delay</a> und  andere, die zuh&#246;ren und das Besondere finden wollten. Ihnen ging es  nicht um Effekthascherei und somit Quote, nicht um stimmliches Handwerk  und somit kurzfristige Publikumszustimmung, sondern um das Besondere:  die Stimme die Person die man wieder erkennt, weil sie Charakter hat.</p>
<p>Diesen Charakter bringt man am besten mit Leichtigkeit r&#252;ber. Pop muss l&#228;ssig sein, auch wenn’s mit Arbeit verbunden ist. Zwischenzeitlich  hatten wir es schon wieder vergessen, wie L&#228;ssigkeit sich anf&#252;hlt:  Finanz- und Euro-Krise, die Kanzlerin mit dem grimmigen Mund, van Gaal  und Qu&#228;lix Magath als strenge Vorzeigetrainer. Es z&#228;hlte nur noch Sieg,  es drohte nur noch Untergang.  Das unsympathische Deutschland der  Extreme war wieder da. Vorgestern wurde es von einer Abiturientin aus  Hannover in seine Schranken gewiesen. Sie trat an, um Spa&#223; zu haben und  hat deshalb gewonnen. Das ist das neue Deutschland genauso wie Nicole  die alte, unsichere BRD war. Es ist nur ein Popsong, nur eine  erfrischend unbek&#252;mmerte S&#228;ngerin, aber es kann auch die Wende zum &#8220;cool  Germany&#8221; sein&#8230;</p>
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		<title>Eroberungsfeldzug im achten Kontinent: Skalppr&#228;mien im Internet</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 15:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Neue wird immer wieder als Bedrohung empfunden, ob nun bei Jugendbewegungen, der Besiedlung Amerikas oder der des Internet. Wer beispielsweise legale Angebote des Online-Musikvertriebs aufbauen will, sieht sich mit Behinderugen konfrontiert, die es in der "Offline-Welt" nicht gibt. Internet-Hippies werden da in den Untergrund getrieben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/f4de6c99d1af422a8fc424f384acb164" alt="" width="1" height="1" />Egal ob Internet, neuer Kontinent und seine Kulturen oder die jeweils  aktuelle Jugendbewegung: die Reaktion der westlichen Zivilisationen ist  einfach immer wieder dieselbe. Das Neue wird nicht als Objekt der  Inspiration erlebt, sondern als Bedrohung empfunden. Bestenfalls erf&#228;hrt  es den Versuch der Integration in das bereits vorherrschende System.  Voraussetzung ist, dass dessen Spielregeln &#252;bernommen werden. Die  M&#246;glichkeit, das neue Ph&#228;nomen als Anlass zur Hinterfragung oder  Erweiterung zu nutzen, l&#228;sst man meist verstreichen.</p>
<p>Als die Europ&#228;er nach Amerika kamen und dort auf Ureinwohner mit anderen  Sitten und Gebr&#228;uchen, anderen Formen von Gesellschaft und Ackerbau  stie&#223;en, versuchte man diese entweder zu christianisieren oder zu  eliminieren. Die Durchsetzung der eigenen Regel und Kultur gegen&#252;ber  Dritten galt als Segen, selbst wenn sie f&#252;r diese todbringend war. Nur  eine winzige Minderheit der wei&#223;en Eindringlinge besch&#228;ftigte sich mit  ihrem &#246;kologisch-holistischen Weltbild und dem daraus resultierenden  Umgang mit Flora und Fauna, versuchte es zu verstehen und davon zu  lernen.</p>
<p>Als die Hippies sich lange Haare wachsen lie&#223;en, freie Liebe machten und  dabei bewusstseinserweiternde Drogen nahmen, verfolgte man erstmal  vehement den Konsum. Ziel war, das existente Recht bei ihnen  durchzusetzen um den jungen Menschen so den Weg zur&#252;ck in die  Gesellschaft zu weisen. Nur eine Minderheit von Intellektuellen fragte  sich, in wie weit diese Bewegung zur gesamtgesellschaftlichen Erneuerung  beitragen k&#246;nnte, was man von ihren Werten lernen k&#246;nne. Letztlich  f&#252;hlte diese Ignoranz des Establishments zu Frustration und schlie&#223;lich  zu Gewalt auf beiden Seiten.</p>
<p>Der Publizist Peter Glaser bezeichnete das Internet unl&#228;ngst als den  <a href="http://blog.stuttgarter-zeitung.de/netzkolumne/2010/04/14/die-digitale-faszination-vom-leben-auf-dem-achten-kontinent/">Achten Kontinent</a>. Nachdem dieser lange von der analogen Welt ignoriert  wurde, dringen nun ihre Siedler in Massen ein, so wie es die westlichen  Zivilisationen &#252;ber 200 Jahre nach deren Entdeckung in die Weiten  Nordamerikas zogen. Sie bringen Recht und Ordnung aus ihrer Welt mit und  wollen es hier durchsetzen. Die einen f&#252;hlen sich bedroht von der  Anarchie, die dort herrscht, andere wittern gigantische Chance und  Gewinne. Viele aus Politik und Wirtschaft treibt beides bei ihrem  Eroberungs-Feldzug im Netz an.</p>
<p>Man kann in dem Digital Native aber auch den neuen Hippie entdecken: <em>„Die  haben schon eine merkw&#252;rdige Moral“</em>, wusste ein Journalist der <em>Zeit </em>im Rahmen des politischen Symposiums „Recht 2.0“ zu berichten.  Unerschrocken hatte er sich zuvor auf die „Hackermesse“ re:publica  getraut. <em>„Man f&#228;llt auf, die akzeptieren kaum einen &#252;ber 30.“</em> Der Vergleich mit einer Jugendbewegung schmeichelt, aber er beruht auf  dem weitverbreiteten Missverst&#228;ndnis, dass jeder Irokesen-Haarschnitt  auch einen jugendlichen K&#246;rper unter sich hat.</p>
<p>Konfrontiert mit dem Neuen, dem Fremden und dem Revolution&#228;ren, also mit  alle dem, was anders ist, sitzt der Schlagstock seit eh und je lockerer  oder ist der Finger sogar schneller am Abzug. Wer den vermeintlichen  Gegner nicht wirklich kennt schl&#228;gt h&#228;rter zu  &#8211; und sei’s aus Angst.  F&#252;r tote Indianer gab es bis 1890 in Mexiko und Amerika noch mancherorts  Skalppr&#228;mien, Spa&#223;guerillas des „Zentralrat der umherschweifenden  Haschrebellen“ wurden beim Versuch, Polizeiautos Zweck zu entfremden, in  Berlin erschossen, Friedensdemonstranten auf dem Hamburger  Heiligengeistfeld fast einen ganzen Tag eingekesselt und gedem&#252;tigt.  Angesichts der unverstandenen Kulturen verliert sich  Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit.</p>
<p>Im Internet gelten auch h&#228;rtere Regeln als in der wirklichen Welt,  zumindest dann, wenn es nach dem Willen der Player des analogen Marktes  geht. Die Musikwirtschaft war als erstes mit dem Tun der neuen,  digitalen Gemeinschaft konfrontiert. Die Datenmenge ihres Gutes (Musik)  war gering, eine vern&#252;nftige Kompressionstechnologie mit MP3 verf&#252;gbar.  1998 entstand deshalb mit Napster das erste umfangreiche Angebot,  welches sich ihrer Logik und Kontrolle entzog. Statt diesem etwas  entgegen zu setzen, was die endlosen M&#246;glichkeiten des digitalen Marktes  nutzt, wurde auf Durchsetzung des analogen Rechts gedr&#228;ngt. Die  Musikindustrie feiert Frankreich und Gro&#223;britannien, wo nach dreimaligem  Missbrauch der Nutzer g&#228;nzlich aus dem Netz vertrieben werden soll.  „Three-Strikes-Out“ hei&#223;t das Modell, was so funktioniert, als d&#252;rfe  jemand der CDs klaut nie wieder irgendeinen Laden betreten.</p>
<p>Wer jedoch ein legales Angebot im Netz aufbauen will, sieht sich mit  Behinderungen konfrontiert, die es im analogen Markt nicht gibt. F&#252;r  Downloadshops muss man Vorsch&#252;sse in H&#246;he von 10.000 und mehr pro Major  bezahlen. Wer hingegen einen ganz normalen Plattenladen er&#246;ffnen willen,  muss bestenfalls seine Kreditw&#252;rdigkeit beweisen um beliefert zu  werden. &#196;hnlich verh&#228;lt es sich bei dem Umgang mit digitalen Medien: Zu  Recht beklagen die Plattenfirmen, dass  Radios meist nur bereits  etablierte Hits spielen und im Fernsehen Newcomer so gut wie keine  Chance haben. Will man das aber &#228;ndern und einen alternativen Videokanal  im Netz anbieten, wird das Gesch&#228;ftsmodell torpediert. Statt moderate  Anteile der Werbeerl&#246;se an GEMA und GVL zu zahlen, sollen pl&#246;tzlich  Beteiligungen von bis zu 50% gezahlt werden. Gerne auch mit Garantien  vorab. Die Anlieferung der Ware wird zudem digital absurderweise teurer,  als sie physisch war. Schweizer Independent-Radiostationen, welche die  sogenannten MPN Geb&#252;hren nicht mehr zahlen konnten, wurde deshalb gerade  von den Majors die Zusammenarbeit aufgek&#252;ndigt.</p>
<p>Nicht nur in der Wirtschaft gilt aber, dass die Netzwelt h&#228;rter  anzufassen ist als die analoge Realit&#228;t. Der Bundesgerichtshof hat diese  Woche best&#228;tigt, dass derjenige f&#252;r den Missbrauch haftet, der sein  W-LAN nicht ausreichend sichert. Wird &#252;ber diesen, wie im Fall des Beklagten  geschehen, von Dritten illegal downgeloaded, haftet der Inhaber des  Anschlusses. Analog betrachtet w&#228;re das so, als w&#252;rde der Besitzer eines  Telefons haften, wenn er es einem Freund leiht und dieser Telefonterror  verbreitet oder seine Gespr&#228;chsteilnehmer beleidigt. Es ist so, als  w&#228;re derjenige f&#252;r einen Unfall verantwortlich, der im Sinne von  Carsharing seinem Wohnblock das Gef&#228;hrt zur Verf&#252;gung stellt…</p>
<p>Urteile wie das des BGH, oder ein Marktverhalten wie das der  Musikwirtschaft zeigen, dass <strong>die Verh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit aus den Fugen  ger&#228;t, wenn Richter und Manager &#252;ber etwas entscheiden, was sie  bestenfalls intellektuell, aber nicht emotional begriffen haben</strong>. Es soll  geregelt und verhindert werden, anstatt die neuen M&#246;glichkeiten zu  nutzen, die im Netz entstehen. Die Logik und Moral einer alten Welt wird  der neuen &#252;bergetopft, deren eigene Werte und Errungenschaften werden  ignoriert. Damit vergibt man Chancen.</p>
<p>Selbstregulierung ist eine solche. In Form von Wikipedia kann man das  wahrscheinlich jedem verdeutlichen. Deshalb wird dieses Beispiel auch  immer wieder bem&#252;ht. Im Sinne des Vergleichs mit einer Jugendbewegung  hat Wikipedia deshalb die Rolle der Beatles: Die Plattform ist  Mainstream, aber deshalb ein wichtiges Element f&#252;r alle, um zu  verstehen, worum es in Sachen Netzkultur vielleicht geht. So wie die  Beatles halfen, mit h&#228;ufig bei Johann Sebastian Bach entlehnten  Harmoniefolgen den Rock’n’Roll zu vermitteln, kann der gelernte,  enzyklop&#228;dische Gedanke vielleicht die Br&#252;cke zur Schwarmintelligenz  sein und helfen, die notorische Angst vor dem Neuen, dem Unregulierbaren  zu nehmen.</p>
<p>Sobald die analoge Welt Wikipedia als Regel und nicht als Ausnahme  versteht, k&#246;nnte dies gelingen. Hoffentlich dauert das nicht so lange,  dass Marktf&#252;hrer, Legislative und Exekutive schon die ein oder andere  Skalppr&#228;mie zur Praxis oder Gesetz gemacht und die fr&#246;hlichen  Internet-Hippies von einst in den Untergrund getrieben haben…</p>
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		<title>Berliner, h&#246;rt die Signale der Berlin Music Week</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 14:04:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Popkomm]]></category>

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		<description><![CDATA[In Berlin fehlte bisher der Zusammenhalt, doch nun ist die Stadt pleite und das befriedet sie ungemein. Gleiches gilt auch f&#252;r die Musikindustrie: Im Bereich der Popmusik fehlte ihr nach dem Sterben der Popkomm ein mobilisierendes Event. Jetzt hat sie sich zusammengerauft.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/86fe0d52a72943eaa82b30a0f54e49e2" alt="" width="1" height="1" />Wer in Berlin zu Hause bleibt ist ein Sonderling. Denn egal ob  Eingeborener oder Zugereister, alle haben hier scheinbar gemeinsam, dass sie notorisch neugierig und deshalb &#252;berall schnell mit dabei sind. <strong>„Keine Feier ohne Meier“</strong> hei&#223;t das hier. Egal ob am ersten Mai in Kreuzberg Steine geschmissen oder in Berlin-Mitte beim Rundgang die Galerien besucht werden, der Berliner macht mit und fragt sich im Zweifel erst danach, warum eigentlich.</p>
<p>Eindrucksvolles Beispiel: Man brauchte nur zwei gro&#223;e Puppen am Tag der Deutschen Einheit durch die Stadt wanken lassen und Millionen kamen und guckten. Wie viel Spa&#223; der Drang der Berliner zum Feiern und Teilhaben machen kann, wurde der ganzen Welt sp&#228;testens w&#228;hrend der WM 2006 durch eindringliche Bilder von der Fanmeile vorm Brandenburgertor bewusst. <strong>Seitdem boomt Berlin als Reiseziel derjenigen, die mitmachen wollen.</strong></p>
<p>Wenn Berlin in der Vergangenheit eins fehlte, dann war das hingegen Solidarit&#228;t. Die Massen kamen miteinander, die Veranstalter agierten gegeneinander. Als man geteilt war, gab es viel zu verteilen. Beide Seiten der Stadt wurden schlie&#223;lich mit &#246;ffentlichen Mitteln ordentlich gef&#246;rdert. Der eine g&#246;nnte dann dem anderen den Publikumszuspruch nicht, denn der k&#246;nnte ja im n&#228;chsten Jahr seine Mittel bekommen. Die Loveparade war ein perfektes Beispiel. Statt das Event zu modernisieren und zu retten, wurden ihm von potentiellen Partnern und der st&#228;dtischen Verwaltung immer mehr Steine in den Weg gelegt. Irgendwann war es dann Weg und schlie&#223;lich &#252;berfl&#252;ssig.</p>
<p>Das k&#246;nnte heutzutage nicht mehr passieren. <strong>Die Stadt ist pleite und das befriedet sie ungemein.</strong> Da es nichts mehr geschenkt gibt, hat man gelernt, dass nur Zusammenhalt hilft, wenn man etwas bewegen und/oder Geld verdienen will. Die Galerien und Museen haben es vorgemacht. Dass Berlin die <strong>Hauptstadt der K&#252;nste</strong> ist, war bekannt. 2005 arbeiteten erstmals die Mehrheit der auf der <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Biennale_di_Venezia">Biennale di Venezia</a></em> gezeigten Maler und Bildhauer in den Ateliers der Stadt. Was fehlte, waren die K&#228;ufer ihrer Werke. Egal ob Underground oder etabliert, man kann nicht auf den Nachbarn als Kunden setzen, sondern muss ihn von au&#223;erhalb anlocken.</p>
<p>Diese Einsicht aller Beteiligten, lie&#223; das <em><a href="http://www.gallery-weekend-berlin.de/index.php?id=504">Gallery Weekend</a></em> entstehen. Zum sechsten Mal zeigen alle Galerien ihre „Fr&#252;hjahrskollektion“ und lassen daf&#252;r ihre H&#228;user sowohl im noblen Zehlendorf als auch im toughen Neuk&#246;lln vom Donnerstag bis kommenden Montag durchg&#228;ngig f&#252;r Touristen und Einheimische offen.</p>
<p>Ganz so einfach geht das nicht in allen Bereichen der Kreativwirtschaft. Bei uns &#8211; im Feld der Pop-Musik &#8211; fehlt noch das Event, das die ganze Stadt mobilisiert. Die Popkomm h&#228;tte es sein sollen. In K&#246;ln brachte sie in ihren guten Tagen die Messehallen zum brummen und die Stadt im Rahmen des Ringfests zum Feiern. Als sie nach Berlin geholt wurde, waren die Musikindustrie und ihre Messe schon stark geschw&#228;cht. Mit dem Internet droht ihr altes Gesch&#228;ftsmodell zu verschwinden. Die Messehallen drau&#223;en im Westend wurden ein <strong>Sterbehospiz einer ehemals stolzen Branche</strong>, da die Veranstalter keine neuen Themen fanden. Die Stadt bekam von dem Treiben nur noch in Form einiger obskurer Konzerte mit: Das Exportb&#252;ro lie&#223; wilde Finnen durchs „White Trash“ toben. Im letzten Jahr gab man dann schlie&#223;lich auf. Die Popkomm wurde abgesagt.</p>
<p>Am kommenden Montag, den 03.05., soll im Rahmen einer Pressekonferenz verk&#252;ndet werden, dass <strong>sich alle zusammengerauft haben und Berlin wieder ein gemeinsames Musik-Event bekommt</strong>. Die Messe vergisst ihre alten Hallen und vermietet daf&#252;r im Flughafen Tempelhof Fl&#228;chen f&#252;r eine neue Popkomm. Die All2gethernow (kurz <a href="http://www.a-2-n.com/">a2n</a>) vergisst, dass sie von neuartigen Musikunternehmen wie uns zusammen mit Vertretern der Open-Source-Szene gegr&#252;ndet wurde, um eine Antwort auf das Ende der Popkomm zu sein. Stattdessen werden wir vor Ort die Themen setzen und diese vorab in Barcamps zugespitzt haben. Die Kollegen vom <em>intro</em> werden die Hangars und Au&#223;enfl&#228;chen von Tempelhof nutzen, um dort beim <em>Berlin Festival</em> die Elite der Elektronischen Musik (von LCD Soundsystem bis Fever Ray) aufspielen zu lassen. In der selben Woche werden Berlin Music Commission und Club Commission daf&#252;r sorgen, dass auch anderorts in der Stadt die B&#252;hnen ein au&#223;ergew&#246;hnliches Programm bekommen.</p>
<p>Die einen wollen Fl&#228;chen verkaufen, die anderen Themen setzen und die dritten Musik auff&#252;hren. F&#252;rs eine braucht es Quantit&#228;t (nur mit vielen Besuchern lassen sich gute Standpreise erzielen), f&#252;rs andere Qualit&#228;t (nur mit interessanten Besuchern kann man neue Erkenntnisse gewinnen) und Konzerte und Festival brauchen beides. Eine Einigung &#252;ber Inhalte und Kosten (und somit Eintrittspreise) ist somit nicht leicht. Es w&#228;re aber fahrl&#228;ssig, wenn sich nicht alle bem&#252;hen w&#252;rden.</p>
<p>Eine gemeinsame <em>Berlin Music Week</em> liegt auf der Hand. Die Welt guckt auf Berlin, wenn sie Deutschland meint und die Hauptst&#228;dter sind zu allem bereit, wenn es ums Feiern geht. Deshalb wird hier vom 06. bis zum 12. September um die Zukunft der Musik gerungen und sie dann auch reichlich genossen: „Keine Feier ohne Meier!“</p>
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</small></p> <p><a href="http://carta.info/carta/?flattrss_redirect&amp;id=26620&amp;md5=90c8c582a75b05e64da19248cd4b9fad" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://carta.info/carta/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Zahlenspiele sch&#246;ngerechnet: Pl&#228;doyer f&#252;r ein neues Selbstverst&#228;ndnis der Musikindustrie</title>
		<link>http://carta.info/25693/zahlenspiele-schoengerechnet-plaedoyer-fuer-ein-neues-selbstverstaendnis-der-musikindustrie/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Apr 2010 15:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alle Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Gema]]></category>
		<category><![CDATA[Musikindustrie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die positiven Umsatzzahlen der Musikindustrie haben mit der Wirklichkeit leider nichts zu tun. Die Tontr&#228;gerunternehmen m&#252;ssen sich jetzt entscheiden, ob sie einen gro&#223;en Musikindustrie-Gesamtverband gr&#252;nden oder sich ganz auf den Verkauf von Musik konzentrieren wollen. In beiden F&#228;llen verlieren die Majors zwar an Einfluss - aber die Logik eines halben Umbruchs erschlie&#223;t sich nicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/e2a3555abc844f68b9021bae673976dd" alt="" width="1" height="1" />Mit der Wahrheit lebt es sich leichter und entspannter. Der Vorstandsvorsitzende Harald Heker hatte ein L&#228;cheln auf dem Gesicht, als er die Gesch&#228;ftszahlen der GEMA f&#252;r das Jahr 2009 pr&#228;sentierte. Um 2,2 Prozent sind sie gestiegen, von 831 auf 841 Millionen. Eilig wurde hinterher geschoben woran das liegt: Man hat sich mit den Kabelnetzbetreibern &#252;ber eine R&#252;ckverg&#252;tung von 60,6 Millionen geeinigt und deshalb einen Einmaleffekt in der Bilanz. Bereinigt um diesen geht es auch f&#252;r die Autoren und Textdichter weiter abw&#228;rts, wie die Verwertungsgesellschaft betont. Ohne die Millionen-&#220;berweisung w&#228;ren es fast 7 Prozent weniger als im Vorjahr gewesen.</p>
<p>V&#246;llig anders zuvor bei der Pressekonferenz des Bundesverbandes Musikindustrie. Angespannt und angriffslustig tritt deren Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Stefan Michalk vor die Medienvertreter. Dass er ein Mensch ist, der auch eher zum Lachen denn zum Greinen neigt, davon merkt man nichts mehr, sagt sp&#228;ter ein Teilnehmer. Dabei will er gute Nachrichten verk&#252;nden. Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff: die Musikindustrie hat sich im Krisenjahr 2009 gut behauptet, der Gesamtumsatz betrage jetzt 1,803 Milliarden und mehr als ein Drittel davon kommt aus dem Internet. Die Branche hat’s geschafft, 2011 gibt’s dann einen richtigen Turnaround.</p>
<p>Wer die Zahlen kennt, staunt. Im Vorjahr sprach man noch von 1,582 Milliarden Umsatz und dabei stammten nur 6 Prozet aus Downloads von Songs und Alben. Zur rasanten Entwicklung kommt es aber leider nicht ob der Entwicklung des Marktes, sondern ob der eigenwilligen Verdichtung der Zahlen: &#196;hnlich wie pl&#246;tzlich ab 2004 DVDs in den Umsatz der Musikindustrie eingerechnet wurden, um zu verschleiern, dass deren Kernumsatz sich binnen 5 Jahren halbiert hatte, kommen nun pl&#246;tzlich Erl&#246;se aus Merchandise, Management, Auff&#252;hrung und Lizenzgesch&#228;ften hinzu. Wenn Michalk sich &#252;ber die Entwicklung im Internet freut, dann deshalb, weil man pl&#246;tzlich jede Interaktion &#8211; also auch die bei Amazon und Co gekauften Platten &#8211; zu einer Zahl verdichtet und mit Downloads gleichsetzt.</p>
<p>Mit der Wirklichkeit hat das leider nichts zu tun: Das Gesch&#228;ft ist weiterhin r&#252;ckl&#228;ufig (aktuell minus 3,3 Prozent auf 1,530 Millionen Musikumsatz inklusive DVDs und Klingelt&#246;nen), der Downloadmarkt deutlich unterentwickelt (8 Prozent ohne Klingelt&#246;ne, aber Streams und Abos inklusive). Ein Grund daf&#252;r k&#246;nnten die Preise sein. Der Verband wehrt sich auch gegen dieses Argument. Seit Einf&#252;hrung der CD sei deren Preis eher r&#252;ckl&#228;ufig, so die ofizielle Position. Stolz verweist man auf einen Anstieg der verkauften St&#252;ckzahlen im letzten Jahr (145,1 Millionen auf 147,3 Millionen). Man vergisst aber zu erw&#228;hnen, dass der Umsatz der CDs zugleich um 6 Prozent gesunken ist. Steigende St&#252;ckzahlen, bei geringerem Umsatz = Preisverfall.</p>
<p>Wieso schl&#228;gt Michalk all diese merkw&#252;rdigen Volten w&#228;hrend Heker souver&#228;n sagt was Sache ist? Die Antwort liegt darin begr&#252;ndet, dass der Kollege von der GEMA die sehr viel komfortablere Ausgangsposition hat. W&#228;hrend er und seine Verwertungsgesellschaft auf einem Verg&#252;tungsmodell basieren, welches sich naturgem&#228;&#223; aus den unterschiedlichsten Quellen speist, muss Michalk einen Verband erkl&#228;ren, der sein angestammtes Gesch&#228;ftsmodell, den Verkauf von Tontr&#228;gern, zu verlieren droht. Michalks Mitgliedsfirmen im Bundesverband Musikindustrie (vorrangig die Majors) m&#252;ssen sich vorwerfen lassen, dass sie als Produzenten den Markt gestalten, w&#228;hrend die Verwertungsgesellschaft mit Geb&#252;hren nur auf diesen reagieren kann.</p>
<p>Stefan Michalk muss einen Mangel an Konsequenz seiner Mitgliedsfirmen ausbaden. Entweder begreifen diese sich nicht mehr als Tontr&#228;gerunternehmen und wandeln ihren Verband durch &#214;ffnung deshalb unter Einschluss von Merchandisern, Konzertveranstalter und Musikverleger wirklich zu einer Vertretung der gesamten Musikindustrie, oder die gro&#223;en Labels bleiben wie bisher unter sich und zeigen als Verband ihren Kernmarkt: Den Umsatz mit Pre-recorded Music. Beides w&#252;rde aber zu einem <strong>Verlust des Gewichts der Majors</strong> f&#252;hren. Einen Gesamtverband w&#252;rden sie nicht mehr dominieren, eine Konzentration auf den Kernmarkt ihr Dilemma in der Wahrnehmung forcieren. Eine Mischung aus beiden ist jedoch unlogisch und unklar. Verb&#228;nde bilden gemeinhin M&#228;rkte ab, aber nicht die Umsatzentwicklung ihrer Mitgliedsfirmen.</p>
<p>Dem Markt w&#252;rde sowohl der eine, als auch der andere Weg gut tun. Begreifen sich die Majors als einfacher Bestandteil eines gro&#223;en Gesamtmarktes, k&#246;nnten sie eher offen sein f&#252;r L&#246;sungen, die jenseits angestammter Verg&#252;tungsmodelle liegen. Konzentrierten sie sich hingegen auf den Teilmarkt, w&#252;rde man dessen Entwicklung durch Preis (CD) und Angebot (Download) weit aggressiver steuern. Die Logik des halben Umbruchs erschlie&#223;t sich nicht, macht zudem die vorgetragenen Zahlen schw&#228;cher und die Argumentationsgrundlage der Produzenten wackelig. Ein neues, konsequentes Selbstverst&#228;ndnis als Marktteilnehmer in dem einen oder dem anderen Sinne w&#228;re w&#252;nschenswert und k&#246;nnte dazu f&#252;hren, dass nicht nur Heker, sondern auch Michalk wieder l&#228;cheln kann.</p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_zahlenspiele.html">Motorblog</a>.</em>
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		<title>EMI auf Rudis Resterampe: Was hat sie blo&#223; so ruiniert?</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 17:26:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Renner</dc:creator>
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		<description><![CDATA[EMI ist &#252;berschuldet und wird wohl "filettiert". Denn auch die Musikindustrie hatte ihre Investmentblase - mit der Etablierung der profitablen CD kam die "Plantagenbesitzer-Mentalit&#228;t".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/c8963fbf12fa4d7b8d6aa12831fcb193" width="1" height="1" alt=""/>Gestern hatte ich einen Termin mit einer der Firmen, die sich um den Aufkauf von Teilen der legend&#228;ren EMI bem&#252;hen. Der Laden ist &#252;berschuldet und bevor er seinem Gl&#228;ubiger, der Citibank, in den Scho&#223; f&#228;llt, wird er wohl filettiert. Das Gedr&#228;ngel um den taumelnden Musikriesen beschrieb der Vertreter des potentiellen Aufk&#228;ufers als Kampf auf „Rudis Resterampe“. &#220;ber seinen Zynismus erschrocken fielen uns beiden die Zeilen von Die Sterne ein: „<a href="http://www.lastfm.de/music/Die+Sterne/_/Was+hat+Dich+blo%C3%9F+so+ruiniert">Wo fing das an und wann/Was hat Dich irritiert/Was hat Dich blo&#223; so ruiniert?</a>“</p>
<p>Meiner Meinung nach begann der Untergang der Musikindustrie mit der CD. Das liegt nicht nur daran, dass die Langspielplatte, die sie abl&#246;sen sollte, so viel sinnlicher war als das kleine St&#252;ck Plastik/Aluminium-Gemisch. Das eigentliche Problem der CD war ihre hohe Profitabilit&#228;t. Die Herstellung einer CD kostet weniger als die von Vinyl, die Preise wurden bei der Einf&#252;hrung aber verdoppelt. Verkauft wurde Anfangs haupts&#228;chlich Katalog, also Aufnahmen welche die Plattenfirmen schon lange bezahlt und verbucht hatten. In der Konsequenz schossen die Margen durch die Decke. Musikwirtschaft wurde ein hoch profitables Gesch&#228;ft und zog deshalb statt Freaks und Fans, Betriebswirte und Banker an. </p>
<p>Letztere optimieren das Gesch&#228;ft nicht indem sie den Inhalt, sondern die Abl&#228;ufe verbesserten. Im ersten Schritt taten sie das durch Synergie-Effekte. Ab Mitte der Achtziger &#8211; als beginnend mit dem Siegeszug der CD &#8211; wurden kleinteilige Strukturen, wie sie durch eine Vielzahl von Labels gegeben waren, im Sinne der Kosteneffizienz zu Konzernen zusammengefasst. Aus Polydor, Phonogram, Metronome, A&#038;M, Def Jam, Motown und Island wurde zum Beispiel PolyGram und schlie&#223;lich unter Hinzunahme von MCA die heutige Universal. Durch die Ballung spart man Personal und somit Fixkosten &#8211; und geringe Fixkosten sichern langfristig h&#246;here Gewinne.</p>
<p>Gro&#223;e Strukturen f&#252;hren jedoch zur Abstraktion: Wo fr&#252;her ein verantwortlicher Labelmacher sein Programm mit seinen K&#252;nstler entwickelte, hatten diese es pl&#246;tzlich oft mit Managern und mit h&#228;ufig wechselnden Mitarbeitern zu tun. Diese redeten zunehmend nicht mehr von K&#252;nstlern sondern von „Themen“, statt Alben verkauften sie „Produkte“ und freuten sich &#252;ber hohe „St&#252;ckzahlen“. Ver&#246;ffentlichungen wurden „chartoptimiert“ und auf Compilations zweit- und drittverwertet. All das hatte wenig mit Rock&#8217;n'Roll, aber viel mit BWL und Mathematik zu tun. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Artists_and_Repertoire">A&#038;Rs</a> fanden sich h&#228;ufiger &#252;ber Planzahlen, die es mindestens quartalsweise zu aktualisieren galt, denn bei den K&#252;nstlern im Studio.</p>
<p>Die Branche war sexy. Sie versprach Rendite um die 20% und einen Abend mit Madonna, ein Wochenende mit Robbie Williams oder zumindest einen H&#228;ndedruck von Beyoncé. Wo fr&#252;her Produzenten wie Chris Blackwell (Island), Musiker wie Alpert und Moss (A&#038;M) oder Musikredakteure von Sch&#252;lerzeitungen wie Richard Branson (Virgin) ihr Geld in K&#252;nstler und Labels investierten, waren es nun Wasserversorger wie Vivendi (Universal), Destillerie-Erben wie Edgar Bronftman (Warner) oder Investmentbanker wie Guy Hands und seine Terra Firma (EMI). Gerne lie&#223;en diese sich mit der jeweiligen K&#252;nstlerschar ablichten, sie wurden eine bunte Beigabe der Gesch&#228;ftsberichte.</p>
<p>Versprochen wurde den Banken und Investoren der Aufk&#228;ufer ein ewiges Wachstum. Dieses sollte dann die Zinsen bedienen, mit denen die erworbenen Majors belastet worden waren. Au&#223;er in Form von Castingshows ist die Produktion von Musik aber leider nicht planbar. K&#252;nstler sind als Lieferanten nicht zuverl&#228;ssig, wie Guy Hands mit Schrecken feststellen musste. In einem Schreiben an die Musiker der EMI ermahnte er diese deshalb zur regelm&#228;&#223;igen Abgabe von Alben. Tim Clark, der Manager von Robbie Williams, nannte das „Plantagenbesitzer-Mentalit&#228;t“. &#8211; Williams sei nur ein beleidigter kleiner Junge, keulte Hands zur&#252;ck.</p>
<p>Im Fall Hands/EMI wurde der Zusammenprall der Kulturen am deutlichsten. K&#252;nstler, die teilweise angetreten waren die Welt zu revolutionieren, trafen auf einen Kaufmann, der sein Geld mit Immobilienspekulation und M&#252;llentsorgung gemacht hatte und auf einem ultrakonservativen Netzwerk basiert. Hands Trauzeuge und bester Freund ist Rechtspopulist William Hague, der mit seiner xenophoben „Foreign Land“-Rede im Jahr 2001 selbst konservative Parteifreunde entsetzte. S&#228;tze wie „Talk about asylum and they call you racist; talk about your nation and they call you Little Englanders“ kosteten ihn den Vorsitz seiner Partei. EMI-K&#252;nstler wie Damon Albarn demonstrierten damals gegen ihn.</p>
<p>Mittlerweile ist es ruhiger um Guy Hands geworden. Einerseits ist er auf Steuerflucht auf Guernsey und kann deshalb gar nicht in England einreisen um bei EMI nach dem Rechten zu schauen, andererseits gibt es dort au&#223;er Zinsschulden, die aus dem operativen Gesch&#228;ft nicht mehr bedient werden k&#246;nnen, auch nicht mehr viel zu entdecken. Das Dilemma k&#246;nnte er nur l&#246;sen, indem er den ganzen Apparat EMI aufl&#246;st (aktuell noch 5000 Mitarbeiter) und sich auf die Einnahmen aus dem existenten Katalog konzentriert. Das h&#228;tte dann jedoch nichts mehr mit Wachstum sondern nur noch mit R&#252;ckzug zu tun. </p>
<p><em>Dieser Text von Tim Renner erscheint auch im <a href="http://www.motor.de/motorblog/tim.renner/tim_renner_emi_auf_rudis_resterampe.html?sc=dGVhc2VyX3N0YXJ0c2VpdGVfb2Jlbl8x">Motorblog</a>.</em>
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